PDF-Datei: 2,7 MB - Neurobiologie, FU Berlin

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Einteilung von Lernvorgängen
Nicht assoziatives Lernen
Gewöhnung (Habituation)
Sensitisierung
Assoziatives Lernen
Klassische Konditionierung
Instrumentelle Konditionierung
Beobachtendes Lernen
Navigationslernen
Spielendes Lernen
Einsichtiges Lernen
Prägungsartiges Lernen
Nicht deklaratives (implizites Lernen)
Deklaratives (explizites) Lernen
Einteilung des Gedächtnisses
nach der Zeit:
Kurzzeitgedächtnis
Mittelzeitgedächtnis
Langzeitgedächtnis
Arbeitsgedächtnis
nach dem Inhalt:
Implizites Wissen
praktische Fähigkeiten,
einfaches assoziatives und
nicht assoziatives Lernen
Priming
Explizites Wissen
Fakten, Ereignisse
Unser Gehirn hat einen Gedächtnisorganisator
für bewusst werdende Inhalte –
den Hippokampus.
Das Organisationsprinzip ist der Raum und die
Zeit – wie in einem geordneten Bücherschrank.
Die Gedächtnisinhalte sind an vielen
anderen Stellen im Gehirn verteilt niedergelegt. Der Hippokampus sorgt dafür,
dass sie an den richtigen
Stellen abgelegt werden
und wieder aufgerufen
werden
Beim Lernen muss dem Gehirn mitgeteilt werden, was gelernt werden soll.
Dafür sind die Belohnungssysteme im Gehirn zuständig
Modulatorische Systeme im Säugergehirn
Belohnungssystem
Noradrenalin
Acetylcholin
Dopamin
Serotonin
Mit welchen Teilen des Gehirns werden Super Gedächtnisleistungen vollbracht?
Lerntest
Vergleichstest
was kam zuerst?
alles gleich?
Ja/Nein
links/rechts
Testmuster
Maguire, Valentine, Wilding, Kapur, 2003
Bereiche des Gehirns, die bei Menschen mit Super Gedächtnis
besonders stärker aktiv sind
rechtes Kleinhirn
linker medialer
parietaler Gyrus
rechter hinterer
Hippokampus
„Begreifen“
„bildhaftes
Vorstellen“
raum-zeitliches
Organisieren
Das Gedächtnis entsteht nicht gleich an dem Ort, wo es langfristig gespeichert wird
Activity during memory
Das Gedächtnis entsteht aus dem Lernen durch mehrere schrittweise
Prozesse. Dies nennt man die Gedächtniskonsolidierung.
Dabei organisiert das Gehirn die optimale Einspeicherung und
während der
Gedächtnisbildung
Verknüpfung mitAktivität
bereits vorhandenen
Gedächtnisinhalten.
Während des Gedächtnisabrufs
Kortikale Assoziationsareale
Stammhirn, Rückenmark
motorischer Ausgang
Prozedurales
Gedächtnis
Hypothalamus, autonom. NS
Hormone
Emotionales
Gedächtnis,
Gedächtnis
Modulation
Deklaratives
(episodisches)
Gedächtnis
Gehirnbereiche, die bei verschiedenen Gedächtnisarten beteiligt sind
Die Orte des Gedächtnisses im Gehirn:
-Das Gedächtnis ist nicht an einem Ort lokalisiert, sondern verteilt auf
viele Ort. Das hängt von den beteiligten Sinnen, der Motorik und der
Art der Gedächtnisinhalte ab.
-Eine wichtige Rolle spielt der Hippokampus für die Überschreibung des
kurzzeitigen in das langzeitige Gedächtnis von solchen Inhalten,
die uns bewusst werden (deklaratives Gedächtnis).
-Eine besondere Rolle spielt der präfrontale Kortex für die Speicherung
von kognitiven Formen des Gedächtnis in dem viele verschiedene
sensorische Eingänge und andere Gedächtnisinhalten miteinander
verknüpft werden.
-Während der Konsolidierung des Gedächtnis kann sich sein Ort verlagern,
also andere Orte im Gehirn zur Speicherung heranziehen. Darin
äußert sich die Selbstorganisation des Gehirns.
Nur wenn Aufmerksamkeit auf ein Objekt gerichtet wird dann
wird es gelerntAufmerksamkeit
Anteriores cinguläres
Aufmerksamkeitszentrum
Arbeitsgedächtnis
für Raum
Visuelle
Objekte
Orientierung
Wortbedeutung
Visuelle
Objekteigenschaften
Gazzaniga, Ivry, Mangun: Cognitive Neuroscience
Orte des Gedächtnis im Netzwerk der Neurone
Neuronennetz
Synapsen
Das elementare Modul des assoziativen Lernens
bedeutungsvoller, bewertender
Stimulus
neutraler, zu lernender
Stimulus
modulierender,
Bereitschaft indizierneder
Stimulus
auslesender,
Verhalten steuernder
neuronaler Weg
bewertendes Neuron
Neuron des
Hinweissignals
Effektorneuron
modulatorisches Neuron
Das Gedächtnis ist im
Muster der verstellten
Synapsen niedergelegt
Wie ein Netzwerk von Neuronen lernt und Gedächtnis speichert
zu lernender Inhalt
bewertendes
Signal
modulierende
Signale
(Aufmerksamkeit,
Motivation)
durch Lernen
veränderte
Verschaltung
auslesendes Netzwerk
Das Gedächtnis als Muster von Löchern im Gehirn
René Descartes
im 17. Jahrh.
Was spielt sich in den Neuronen ab, wenn das Nervensystem lernt?
Drei Modellorganismen zum Studium der zellulären Vorgängen beim
Lernen und der Gedächtnisbildung
Die Meeresschnecke Aplysia
Die Fruchtfliege Drosophila
Die Honigbiene
Ganglion der Meeresschnecke
Aplysia
mit etwa 2000 Neuronen
Eric Kandel und Mitarbeiter
Columbia University, New York
Der Schaltkreis von Aplysia, der de m aversiven Lernen zugrunde liegt
(Sensitisierung und assoziatives Lernen)
verstärkendes
Kieme
Neuron
(Serotonin)
Lernen beruht auf der Veränderung
der Erregungsübertragung
in den Synapsen (Plastizität der
Der Schutzreflex „Kieme zurückziehen“
Synapsen)
Die Erregung des verstärkenden Interneurons
wird verstärkt durch Sensitivierung.
führt zur Erhöhung der Transmitterausschüttung
Dies ist eine einfache Form des Lernens.
im sensorischen Neuron. Worauf beruht das?
Die molekularen Mechanismen der Kurz- und der Langzeit Bahnung
im Nervensystem der Schnecke Aplysia (nach Eric Kandel)
Kurzzeitbahnung:
Ein einzelner Reiz
verstärkt die Synapse
Motoneuron
Langzeitbahnung:
Wiederholte Reize veranlasst Kinasen
in den Zellkern zu wandern was zur Genexpression
und zur Bildung neuer Synapsen führt
(Nach E. Kandel, Auf den Spuren des Gedächtnisses, 2006, S. 289)
Wird das Langzeitgedächtnis durch ein Prionen-artiges Protein vermittelt?
Der Kern schickt mRNA (ruhend) in alle Axonverzweigungen.
(1) Die Axonverzweigung, die eine mehrmalige Paarung mit dem modulierenden Transmitter
Serotonin erfahren hat, wandelt das (2) prionenartige Protein CPEB, das in allen Synapsen
vorhanden ist, in seine dominante, selbstvervielfältigende Form um.
(3) Dominantes CPEB kann rezessives CEPB in die dominante Form umwandeln.
(4) Dominantes CEPB aktiviert ruhende mRNA. Die aktivierte mRNA reguliert die
Proteinsynthese an der neuen synaptischen Endigung, stabilisiert die Synapse und verleiht
so dem Gedächtnis Dauer.
(Nach E. Kandel, Auf den Spuren des Gedächtnisses, 2006, S. 299)
Lernmutanten von Drosophila
Das molekulargenetische Arsenal
-Transgene Tiere
- Selektive Expression bzw
Hemmung der Expression
von Genehn in bestimmten
Neuronen
-Ein- und Ausschalten der
Genexpression
-Selektives Blockieren der
synaptischen Übertragung
-Selektives Aktivieren von
Neuronen
Drosophila
Mutanten
Das DPM Neuron
teilt mit, ob
ein Gedächtnis lange
gespeichert werden soll
Das KurzzeitGedächtnis beruht
auf einer Änderung
der Leitfähigkeit
vorhandener Kanäle
Dufteingang
Die Aktivierung von
Genen ist die
Grundlage für die
Bildung des LangzeitGedächtnisses
Ein mittelzeitiges
Gedächtnis beruht auf
dem Zusammenwirken
von Signalketten in der Zelle
Ausgangsneuron
Ausgangsneuron
dem Pilzkörper
aus dem aus
Pilzkörper
Die synaptische
Übertragung im
Ausgang ist notwendig
für den Gedächtnisabruf
nicht für die Gedächtnisbildung
Kurzzeit Gedächtnis
Mittelzeit Gedächtnis
Langzeit Gedächtnis
künstliche Erzeugung
von Langzeit Gedächtnis:
cAMP
Die Langzeitpotenzierung (LTP) im Säuger Hippokampus und Cortex
als möglicher Mechanismus der assoziativen Plastizität
Der NMDA (N-Methyl d-Aspartat) Rezeptor
Für Glutamat ist ein molekularer Koinzidenzdetektor:
Glutamat Bindung und Depolarisation der
Membran sind notwendig um den ionotropen
Rezeptor durchgängig zu machen für Na+ und Ca2+
Die Rolle des NMDA Rezeptors bei der synaptischen Plastizität
Verstärkung der Synapse
Zelluläre Mechanismen der Plastizität
Präsynaptische Neuromodulation
K+
Postsynaptische Koinzidenzdetektion
und assoziative Plastizität
retrograder Transmitter
neutraler
Stimulus
ausKern lesendes
Neuron
Ca2+
modulatorisches
Neuron
molekularer
Koinzidenzdetektor
(ein doppelt geregelter Kanal,
ein doppelt geregeltes Enzym)
Tests
zum
Prüfen des
Gedächtnisses
bei für
Alzheimer
Kranken
Haben
diese
Erkenntnisse
irgend
eine Bedeutung
Gedächtnis-Pathologien?
Ein Gedächtnistest für Alzheimer Kranke
Drogen, die die kognitiven Fähigkeiten verstärken
(Cognitive Enhancer Drugs):
Ritalin: Aufmerksamkeit Defizit Syndrom (ADS)
Modafinil: wirkt wie Koffein, macht hell wach,
Behandlung von z.B. Schlaf-Apnoe
Rolipam: Verbessert das Gedächtnis
Hemmer der Phosphodiesterase,
Anstieg von cAMP und damit
von CREB Aktivität; bewirkt auch eine
Verzögerung der Bildung von A-beta
Peptid, das an der Bildung der
beta-Amyloid-Plaques der
Alzheimer Kranken beteiligt ist
(Memory Pharmaceuticals, Eric Kandel)
Andere Pharmaka setzen an der
Steuerung des Transskriptionsfaktors CREB an
Ethische Fragen des „Hirndopings“
Und der Alltag? Kann man etwas aus den Erkenntnissen
der Neurowissenschaft zur Gedächtnisbildung für das Lernen anwenden?
Altehrwürdige Lernregeln
- Aufmerksamkeit, Neugier anregen
- An Bekanntes anknüpfen
“Neurodidaktik”
- Die modulatorischen Systeme werden
angeschaltet
- Assoziationsketten werden herstellen
- Möglichst viele Sinneserfahrungen
einbeziehen
- Möglichst viel selbst tun (“begreifen”)
- Die Zahl der Assoziationen werden vergrößert
- Bildhafte Vorstellungen stärken
(“anschaulich”)
- Die Wiederholung ist die Mutter der Weisheit
- Die schiere Unerschöpflichkeit des bildhaften
Gedächnisses nutzen
-Die Assoziationen werden nur Wiederholung
gestärkt
-Die Konsolidierung vom Kurz- zum LangzeitGedächtnis wird gefördert
-Eine Interferenz mit der Konsolidierung wird
verhindert
-Die Kontextstimuli fördern das Abrufen aus dem
Gedächtnis
- Nicht zu viel auf einmal (verteilt üben)
- Das Gehirn schonen nach dem Lernen
- Die Umgebung des Lernens der beim Abrufen
so ähnlich wie möglich machen
- Instrumentelles Lernen fördert Lernen
Dieses Buch empfehle ich Ihnen,
weil es spannend geschrieben ist,
in die neuesten Entdeckungen der
Neurowissenschaft verständlich
einführt und von dem wohl bedeutsamsten lebenden Neurowissenschaftler geschrieben wurde.
2006
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