Nicht Hören können trennt von den Menschen

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Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Öffentlichkeitsarbeit
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Dresden, 7. Oktober 2009
„Nicht Hören können
trennt von den Menschen“
Verbesserte Möglichkeiten zur Therapie schwerer Hörstörungen Eröffnung des erweiterten Sächsischen Cochlear Implant Centrums
Am heutigen Mittwoch, den 7. Oktober 2009, wurden die neuen Räume des Sächsischen Cochlear Implant Centrums Dresden (SCIC) in Haus 11 des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus offiziell eingeweiht. Durch den wachsenden Zustrom
von Patienten wurde eine Erweiterung der Kapazitäten am SCIC mit Patientenwohnungen und neuen Räumen für Therapie, Untersuchungen und Hörtests notwendig. Das Universitätsklinikum investierte dafür fast 1,5 Millionen Euro. Dabei
erfolgte gleichzeitig die moderne Neukonzeption des CI-Versorgungsweges. Seit
Gründung des SCIC 1995 wurden über 450 Cochlea-Implantationen vorgenommen.
So hat sich das Dresdner Zentrum zu einem der größten CI-Centren der Bundesrepublik entwickelt und stellt das Versorgungsangebot für Cochlea Implantationen
für den gesamten Freistaat Sachsen bereit. Cochlea Implantate kommen bei verlorener Funktionsfähigkeit der Hörsinneszellen zum Einsatz. Durch eine in die Hörschnecke eingeführte Elektrode stimulieren sie den Hörnerv direkt elektrisch und
ermöglichen damit wieder ein Hören.
„Hochgradige Hörstörungen führen für die einzelnen Betroffenen zu einer gravierenden
Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit mit entsprechenden Defiziten sowohl im
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beruflichen als auch im privaten Bereich“, erläutert Privat-Dozent Dr. Dirk Mürbe, ärztlicher Leiter des SCIC und Leiter der Audiologie/Pädaudiologie der HNO-Uniklinik Dresden. Schon der Philosoph Immanuel Kant nahm Bezug auf die enorme Bedeutung des
Hörsinns, wobei er für eine Störung des Hörvermögens charakteristische Worte fand:
„Nicht Sehen können trennt von den Dingen, nicht Hören können von den Menschen“.
Dabei ist schwerhörig zu sein in unserem Alltag keine seltene gesundheitliche Einschränkung. Bei Kindern stellt die angeborene Schwerhörigkeit mit ca. ein bis zwei
schwerhörigen Kindern je 1.000 Neugeborenen die häufigste angeborene Fehlbildung im
Sinnesbereich dar. Bei Erwachsenen wird davon ausgegangen, dass in der Bundesrepublik ca. jeder fünfte Erwachsene schwerhörig ist. Leichte bis mittelgradige Hörschädigungen können dabei oftmals gut mit modernen konventionellen Hörgeräten kompensiert werden. Für die ca. 1,2 Millionen Menschen in Deutschland, die an einer
hochgradigen oder an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit leiden, bieten konventionelle Hörsysteme jedoch keine Erfolgsaussicht. Für diese Patienten stehen heute hochmoderne Cochlea Implantate zur Verfügung, die bei verlorener Funktionsfähigkeit der Hörsinneszellen durch eine in die Hörschnecke eingeführte Elektrode den Hörnerv direkt
elektrisch stimulieren und damit wieder ein Hören ermöglichen.
Am Universitätsklinikum in Dresden hat die Versorgung mit Cochlea Implantaten eine
lange und erfolgreiche Geschichte. Bereits 1993 wurde durch Prof. Dr. Hüttenbrink, dem
damaligen Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, das erste CI
in Sachsen eingesetzt. Folgerichtig mussten für diese neue Behandlungsoption die notwendigen Rehabilitationsstrukturen zur Anpassung des Sprachprozessors und zur HörSprach-Therapie aufgebaut werden, was zur Gründung des Sächsischen Cochlear
Implant Centrums (SCIC) am 01.10.1995 in Dresden führte.
Der jetzt neu konzeptionierte CI-Versorgungsweg sieht eine integrierte Betreuung der
Patienten vor, was zuerst die Beratung für eine prinzipielle Eignung der CI-Versorgung
im Vorfeld einer möglichen Operation, danach die unter modernen mikrochirurgischen
Operationsbedingungen durchgeführte Implantation und abschließend die nachfolgende
zwei- bis dreijährige interdisziplinäre Rehabilitation umfasst. Inhaltlich verbindet dieses
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interdisziplinäre Rehabilitationskonzept die Einstellung und schrittweise Optimierung des
Sprachprozessors, die Hör-Sprach-Therapie und die Schulung bzw. Elternanleitung in der
Handhabung der Implantate und des Zubehörs. In diesem Prozess sind neben Fachärzten für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie Phoniatrie und Pädaudiologie auch Ingenieure für die Einstellung der Sprachprozessoren, Sprachtherapeuten, Hörgeschädigten- und
Rehabilitationspädagogen eingebunden. Während der gesamten Versorgung steht psychologischer Rat begleitend zur Verfügung. Im kindlichen Bereich werden Hören lernen
und Sprachentwicklung zudem ergotherapeutisch gefördert. Diese interdisziplinäre
Betreuung kann im neuen Standort des Sächsischen Cochlear Implant Centrum im Universitätsklinikum Dresden nun optimal verwirklicht werden. Die verschiedenen Professionen arbeiten unter einem Dach, sodass Patienten eine in einem Haus integrierte Versorgung genießen können. In diese Konzeption eingebunden ist die Übernachtung der
Patienten während der mehrtägigen Rehabilitationsaufenthalte in Dresden in eigens dafür vorgesehenen Wohneinheiten, die zum Teil im gleichen Gebäude untergebracht sind.
Dies ist insbesondere für die optimale Hör-Sprach-Rehabilitation der Säuglinge und
Kleinkinder von besonderem Vorteil, da die kleinen Patienten nun unter einem Dach vom
Wohn- in den Therapiebereich abgeholt werden können. Zudem bilden die verbundenen
Wohneinheiten optimale Möglichkeiten für den Austausch der Patienten untereinander
als wertvoller Impuls der Selbsthilfe.
Bislang konnten in Dresden über 450 Cochlea-Implantationen vorgenommen werden.
Die modernen Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten im neuen Sächsischen Cochlear Implant Centrum eröffnen die Möglichkeit, den gestiegenen Bedarf mit höchster
Qualität nachkommen zu können. Neben der 16 Jahre währenden Erfahrungen, die in
Dresden mit der Cochlea Implantation gesammelt werden konnten, bietet die überregionale Expertise der Universitäts-HNO-Klinik Dresden als Zentrum der Ohr-Chirurgie den
Vorteil, das dieser operative Erfahrungsschatz dem CI-Patienten direkt zugute kommt
und auch moderne, gering invasive und schonende CI-Operationsverfahren am Universitätsklinikum Dresden als einem der ersten Standorte in Deutschland eingeführt wurden.
Nicht zuletzt profitiert das Sächsische Cochlea Implantat Programm in Dresden von den
vielfältigen Forschungsaktivitäten, die auf diesem Gebiet am Universitätsklinikum Dresden seit Jahren durchgeführt werden. Neben der Evaluation besonders schonender chi-
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rurgischer Verfahren ist hier insbesondere ein auch mit Mitteln des Bundeshaushaltes
unterstütztes Forschungsprojekt von Klinikdirektor Prof. Dr. Thomas Zahnert aufzuführen. Durch die Entwicklung eines implantierbaren Mikrofons soll es dabei zukünftigen
Cochlea Implantat Patienten ermöglicht werden, auf den bislang äußerlich getragenen
Sprachprozessor verzichten zu können und das gesamte Implantat, nicht sichtbar von
außen, unter der Haut zu tragen. Im Rehabilitationsbereich wurde mit dem Max Planck
Institut für Neuro- und Kognitionswissenschaften in Leipzig ein Forschungsprojekt entwickelt, in welchem die Hör-Sprach-Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern zukünftig objektiviert beurteilt werden kann.
Die Cochlea Implantation (CI-Versorgung) hat sich seit ihrer Etablierung in den 80er Jahren rasant weiterentwickelt. Während in der Anfangszeit ausschließlich ertaubte Patienten versorgt wurden, profitieren heute auch hochgradig schwerhörige Patienten von
einem CI, wenn die verbliebenen Hörreste durch ein konventionelles Hörsystem nicht
mehr ausreichend waren. Der persönliche Nutzen für die Betroffenen hängt aber nicht
nur von der erfolgreichen Operation ab, sondern auch von der fachgerechten Anpassung
des Sprachprozessors und der begleitenden Hör-Sprach-Therapie. Vor besonderen Herausforderungen steht man bei der CI-Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern. Hier
wird durch das Cochlea Implantat erst die Hörentwicklung angestoßen, um dann als
Grundlage für das Erlernen von Sprache zu dienen. Auch wenn die mit hochwertiger
Technologie ausgestatteten Implantate kein normales Hörvermögen erreichen können,
ermöglichen sie doch den durch die langjährige Schwerhörigkeit oft erheblich eingeschränkten erwachsenen Patienten wieder eine lautsprachliche Kommunikation mit ihrer
Umwelt. Unter günstigen Umständen können auch Ziele wie das Telefonieren auf dem
mit dem CI versorgten, vorab ertaubten Ohr wieder erreicht werden. Im Kindesalter legt
die frühzeitige Versorgung der mit hochgradigen Hörstörungen geborenen Kinder den
Grundstein für einen möglichst gering eingeschränkten Hör-Sprach-Erwerb. Durch das
bereits an vielen Kliniken in Sachsen angebotene Neugeborenen-Hörscreening gelingt es
heute in der Regel, diese Kinder bereits im 1. oder 2. Lebensjahr mit Cochlea Implantaten zu versorgen.
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Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Sächsisches Cochlear Implant Centrum Dresden
PD Dr. Dirk Mürbe
Tel. 0351/ 4 58 3539
E-Mail: [email protected]
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