VYTAUTO DIDŽIOJO UNIVERSITETAS HUMANITARINIŲ MOKSLŲ FAKULTETAS VOKIEČIŲ IR PRANCŪZŲ FILOLOGIJOS KATEDRA Viktorija Fiodorova VOKIŠKA „ERGO“ REKLAMA IR JOS PRITAIKYMAS BALTIJOS ŠALIMS Magistro baigiamasis darbas Verslo komunikacijos vokiečių kalba studijų programa, valstybinis kodas 621R20002 Filologijos studijų kryptis Vadovas prof. habil. dr. Jonas Čepinskis ______________ ___________ (parašas) (data) Apginta prof. dr. Ineta Dabašinskienė ______________ ____________ (Fakulteto dekanas) Kaunas, 2012 (parašas) (data) VYTAUTAS MAGNUS UNIVERSITÄT Geisteswissenschaftliche Fakultät Lehrstuhl für deutsche und französische Philologie Viktorija Fiodorova Die deutsche ERGO-Werbung und ihre Lokalisierung für Baltische Länder Magisterarbeit der deutschen Philologie Wirtschaftsdeutsch und Geschäftskommunikation wissenschaftlicher Betreuer: Prof. Habil. Dr. Jonas Čepinskis KAUNAS 2012 1 Inhaltsverzeichnis Santrauka..............................................................................................................................................3 Zusammenfassung................................................................................................................................4 Einleitung.............................................................................................................................................5 1. Das Versicherungsmarketing............................................................................................................8 1.1 Die Entwicklung des Versicherungsmarketings........................................................................8 1.2 Die Definition und Funktionen des Versicherungsmarketings................................................10 2. Marketingkommunikation..............................................................................................................12 2.1 Interne und externe Marketingkommunikation.......................................................................12 2.2Versicherungswerbung.............................................................................................................14 2.2.1 Ziel, Funktionen, Aufgaben und Prinzipien der Versicherungswerbung........................14 2.2.2 Werbemaßnahmen und Kommunikationsträger..............................................................17 2.2.3 Werbung und Marke........................................................................................................20 2.2.4 Gestaltung der Versicherungswerbung............................................................................22 2.2.5Auswirkung der Werbung auf Konsumentenverhalten....................................................23 3. Interkulturelles Marketing..............................................................................................................26 4. Die Vorstellung der ERGO Versicherungsgruppe.........................................................................29 4.1 Internationale ERGO Versicherungsgruppe............................................................................29 4.2 ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum..............................................................................30 5. Neue Werbekampagne von ERGO................................................................................................32 6. Analyse der ERGO-Werbeanzeige- und des Spots für die Baltischen Länder.............................34 6.1 Analyse der Werbeanzeige......................................................................................................34 6.2 Analyse des Werbespots..........................................................................................................37 7. Analyse der ERGO-Werbeanzeigen- und des Spots für Deutschland...........................................42 7.1 Analyse der Werbeanzeigen....................................................................................................42 7.2 Analyse des Werbespots..........................................................................................................49 8. Vergleich der deutschen und litauischen ERGO-Werbung...........................................................52 8.1 Aufbau von Werbeanzeigen und -Spots..................................................................................52 8.2 Sprachliche und visuelle Gestaltung von Werbeanzeigen und -Spots....................................54 8.3 Kulturaspekt in der deutschen und litauischen Werbung........................................................56 Schlussfolgerungen.............................................................................................................................58 Literaturverzeichnis............................................................................................................................60 2 Santrauka Šiame darbe, kurio tema – „Vokiška „ERGO“ reklama ir jos pritaikymas Baltijos šalims“ svarbu atsakyti į klausimą, kaip vokiška reklama pritaikoma Lietuvos draudimo rinkai. Teorinės dalies pradžioje pristatomas draudimo marketingas: jo atsiradimas bei vystymasis, apibrėžimas ir funkcijos. Didžiausias dėmesys šioje darbo dalyje yra skiriamas marketingo komunikacijai. Visų pirma čia aprašomos vidaus ir išorės komunikavimo priemonės ir tik tada pereinama prie draudimo paslaugų reklamos. Pristatant draudimo paslaugų reklamą pateikiami įvairūs jos apibrėžimai, įvardijami tikslai, funkcijos, užduotys ir principai; aprašomos draudimo reklamos priemonės ir jos perdavimo būdai; apibūdinamas ryšys tarp reklamos ir markės; aprašomi esminiai reklamos apipavidalinimo reikalavimai, pritraukiantys vartotojo dėmesį; pristatomas reklamos bandymas apeliuoti į vartotojo jausmus ir emocijas siekiant paveikti jo apsisprendimą. Kadangi praktinėje darbo dalyje lyginama dviejų šalių reklama, teorinės dalies pabaigoje pristatomas tarpkultūrinis marketingas. Praktinės dalies pradžioje pristatoma tarptautinė „ERGO“ draudimo grupė ir „ERGO“ grupė Baltijos šalyse. Toliau kalbama apie 2010-aisiais m. startavusią naują „ERGO“ reklaminę kampaniją su šūkiu „Apdrausti – reiškia suprasti.“ Didžiausias dėmesys šioje darbo dalyje yra skiriamas išsamiai spausdintinės reklamos pavyzdžių ir reklaminių klipų analizei: iš pradžių analizuojama Baltijos šalių „ERGO“ reklama, tada – vokiška. Siekiant atsakyti į klausimą, kaip vokiška „ERGO“ reklama pritaikoma Baltijos šalims, darbo pabaigoje lyginama abiejų šalių spausdintinių reklamų ir reklaminių klipų struktūra, jų tekstinis ir vaizdinis apipavidalinimas ir reklamose atsispindintys kultūriniai skirtumai. 3 Zusammenfassung Das Thema dieser Diplomarbeit lautet: „Die deutsche ERGO-Werbung und ihre Lokalisierung für Baltische Länder“. Die Hauptfrage dabei ist, wie die deutsche ERGO-Werbung für die Baltischen Länder lokalisiert wird. In dem theoretischen Teil dieser Diplomarbeit wird der Fokus zunächst auf die Entstehung und Entwicklung des Versicherungsmarketings gelegt. Dann wird die Frage beantwortet, wie das Versicherungsmarketing definiert wird und welche Funktionen ihm zugewiesen werden. Im Weiteren wird die Aufmerksamkeit auf die Marketingkommunikation gelenkt. Hier werden die Kommunikationsinstrumente vorgestellt, die bei der internen und externen Kommunikation eingesetzt werden. Dann wird die Versicherungswerbung als Instrument der externen Marketingkommunikation beschrieben. Im ersten Schritt werden Definition, Ziele, Funktionen, Aufgaben und Prinzipien der Versicherungswerbung erläutert. Im zweiten Schritt werden die Werbemaßnahmen und Kommunikatiosträgervorgestellt. Im dritten Schritt wird die Marke und die Werbung als Instrument der Markenführung präsentiert. Danach werden die Kriterien behandelt, die bei der Gestaltung der Versicherungswerbung von entscheidender Bedeutung sind, um die Aufmerksamkeit des Rezipienten zu erwecken. Zuletzt werden äußere Reize und Appelle als Instrumente der Werbung präsentiert, die das Konsumentenverhalten beeinflussen. Da im praktischen Teil der Arbeit die Werbung von zwei Ländern zum Vergleich gezogen wird, wird der theoretischer Teil mit der Vorstellung des interkulturellen Marketings abgeschlossen. Der praktische Teil der Arbeit fängt damit an, dass internationale ERGO Versicherungsgruppe und ERGO Verischerungsgruppe im Baltikum präsentiert werden. Im Weiteren wird auf eine 2010 gestartete Werbekampagne mit dem Slogan „Versichern heißt verstehen.“ eingegangen. Dann erfolgt eine detaillierte Analyse einer Werbeanzeige und eines Werbespots, die 2012 speziell für die Baltischen Länder entwickelt wurden. Logisch darauf aufbauend erfolgt eine detaillierte Analyse von Werbeanzeigen und einem Werbespot, die 2012 für Deutschland entwickelt wurden. Abschließend wird die deutsche und litauische Werbung von ERGO zum Vergleich gezogen, um die Frage beantworten zu können, wie die deutsche Werbung für Baltische Länder lokalisiert wird. Zunächst werden der Aufbau sowie die sprachliche und visuelle Gestaltung von Werbeanzeigen und -Spots verglichen. Da in der deutschen und litauischen Werbung kulturelle Besonderheiten zum Ausdruck kommen, wird in dem Vergleich die Aufmerksamkeit auch dem Kulturaspekt geschenkt. 4 Einleitung Die Versicherung ist ebenso alt wie die Zivilisation der Menschheit.In nahezu jeder Fachliteratur steht, dass das Versicherungswesen, so wie es heute verstanden wird, seine Ursprünge im frühen Mittelalter hat. Es wird aber auch deutlich darauf hingewiesen, dass sich die einzelnen Fälle des Versicherungsgeschäfts auf noch frühere Zeiten zurückführen lassen. Das Ziel der ersten Versicherungen war, gegenseitige Hilfeleistung bzw. Unterstützung in Notfällen durch die Verteilung der Schäden auf das Kollektiv zu gewährleisten. Im Wandel der Zeithat sich das Versicherungsgeschäft zu einem hohes Gewinn bringenden Geschäft etabliert. Das hatte zur Folge, dass die Entwicklung der kommerziellen Versicherung angefangen hat. Diese Entwicklung hatte sich vor allem mit der Entstehung der unterschiedlichen Versicherungsarten, der Einführung der staatlichen Regelung und der Erweiterung des Versicherungsmarkts zu tun. Anders als Versicherung an sich selbst ist das Versicherungsmarketing ein ziemlich neues Phänomen, dessen Anfänge in den 70er Jahren 20. Jahrhunderts liegen. Heutzutage bringen die Versicherungsunternehmen die Instrumente des Versicherungsmarketings zum Einsatz, um imVersicherungsmarkt herrschenden Wettbewerbskampf neue Marktanteile zu gewinnen. Es besteht ein breites Spektrum an Kommunikationsinstrumenten, aber in der vorliegenden Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf die Werbung für Versicherungsdiensleistungen gerichtet. Das Thema der Arbeit lautet: „Die deutsche ERGO-Werbung und ihre Lokalisierung für Baltische Länder“. Die Auswahl dieses Versicherungsunternehmens liegt darin begründet, dass ERGO eine deutsche Versicherungsgruppe ist. Der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind Werbeanzeigen und Werbespots von ERGO, die 2012 für Deutschland und Baltische Länder entwickelt wurden. Das Ziel der Arbeit ist, die Frage zu beantworten, wie die deutsche ERGO-Werbung für die Baltischen Länder lokalisiert wird. Da ERGO in allen drei Ländern die gleiche Konzeption für Werbung anwendet, beschränkt sich die vorliegende Arbeit nur auf die litauische ERGO-Werbung. Um das Hauptziel der Arbeit erreichen zu können, ist es in erster Linie notwenig, die gestalterische Umsetzung der ausgewählten Werbeanzeigen und Werbespots von ERGO zu untersuchen. Die zweite Aufagbe besteht darin, ihre Funktionen zu bestimmen. Im Weiteren wird der Frage nachgegangen, welches Bild Litauens durch die Anzeigen und Spots vermittelt wird. Der theoretischer Teil der vorliegenden Arbeit besteht aus drei Kapiteln. Im ersten Kapitel, das in zwei Unterkapitel unterteilt ist, wird der Fokus auf das Versicherungsmarketing gelegt. Das erste Unterkapitel geht auf die Entstehung und Entwicklung des Versicherungsmarketingsein. Im 5 nächsten Unterkapitel werden die Fragen behandelt, wie das Versicherungsmarketing definiert wird und welche Funktionen ihm zugewiesen werden.Im zweiten Kapitel, das in zwei Unterkapitel gegliedert ist, handelt es sich um die Marketingkommunikation. Das erste Unterkapitel konzentriert sich auf die Kommunikationsinstrumente, die bei der internen und externen Kommunikation zum Einsatz kommen. Im zweiten Unterkapitel, das aus fünf Unterunterkapiteln besteht, wird die Versicherungswerbung als Instrument der externen Marketingkommunikation beschrieben. Im ersten Schritt werden Definition, Ziele, Funktionen, Aufgaben und Prinzipien der Werbung für Versicherungsdienstleistungen erläutert. Im zweiten Schritt werden die Werbemaßnahmen, die in der Versicherungswirtschaft zum Einsatz kommen, und die Kommunikatiosträger, die den Adressaten die Werbebotschaft übermitteln, vorgestellt.Im dritten Schritt wird die Marke und die Werbung als Instrument der Markenführung präsentiert. Danach werden die Kriterienbehandelt, die bei der Gestaltung der Versicherungswerbung von entscheidender Bedeutung sind, und es wird auf die Werbemaßnahmen eingegangen, die die Aufmerksamkeit des Rezipienten erwecken.Zuletzt werden äußere Reize und Appelle als Instrumente der Werbung vorgestellt, die eine bestimmte Auswirkung auf das Konsumentenverhalten haben.Da im praktischen Teil der Arbeit die Werbung von zwei Ländern zum Vergleich gezogen wird, beschäftigt sich das dritte Kapitel mit dem interkulturellen Marketing. Da im praktischen Teil der vorliegenden Arbeit die ERGO-Werbung untersucht wird, stellt das vierte Kapitel internationale ERGO Versicherungsgruppe und ERGO Verischerungsgruppe im Baltikum vor. 2010 hat ERGO eine neue Werbekampagne mit dem Slogan „Versichern heißt verstehen“ gestartet, die bis heute fortgesetzt wird. Dieser modifizierte Markenauftritt von ERGO wird im fünften Kapitel beschrieben. Im nächsten Kapitel, das in zwei Unterkapitel unterteilt ist, werden eine Werbeanzeige und ein Werbespot von ERGO untersucht, die 2012 speziell für die Baltischen Länder entwickelt wurden. Im ersten Unterkapitel erfolgt die Untersuchung jedes einzelnen Bausteins der Werbeanzeige, wobei es wichtig ist, die von ihm zu erfüllende Funktion und ihre Bedeutung für Gesamtanzeige zu bestimmen. Im nächsten Unterkapitel werden alle Szenen des zur Analyse stehenden Werbespotsmit unterschiedlichen Kategorien der Filmanalyse analysiert. Dabei ist es relevant, die Botschaft zu erschließen, die mit diesem Spot transportiert wird. Das siebte Kapitel, das aus zwei Unterkapiteln besteht, beschäftigt sich mit Werbeanzeigen und einem Werbespot von ERGO, die 2012 für Deutschland entwickelt wurden. Im ersten Unterkapitel werden die Bild- bzw. Textelemente der ausgewählten Werbeanzeigen von ERGO untersucht. Dabei ist es wichtig klarzumachen, in welchem Verhältnis allediesen Elemente zueinander stehen. Die Aufgabe dieses Unterkapitels ist herauszufinden, welche Funktionen die zu analysierenden Anzeigen erledigen. In diesem Kapitel wird der ausgewählte ERGO-Werbespot untersucht, wobei seine 6 visuellen und auditiven Elemente in Betracht gezogen und mit unterschiedlichen Kategorien der Filmanalyse beschrieben werden. Aus der Analyse soll sich die Werbebotschaft erschließen, die mit dem Spot an den Zuschauer vermittelt wird. Im letzten Kapitel des textanalytischen Teils, das in drei Unterkapitel geteilt ist, wird die deutsche und litauische Werbung von ERGO zum Vergleich gezogen, um feststellen zu können, wie die deutsche Werbung für Baltische Länder lokalisiert wird. Im ersten Unterkapitel werden die Text- und Bildelemente von den deutschen und litauischen Werbeanzeigen sowie die Zeichenmodalitäten, die zwischen ihnen bestehende Relation und der Szenenablauf von Werbespots verglichen. Im Weiteren kommt die sprachliche und visuelle Gestaltung von den deutschen und litauischen Werbeanzeigen und -Spots in Betracht. Das letzte Unterkapitel konzentriert sich auf kulturelle Besonderheiten, die sich in der deutschen und litauischen Werbung erkennen lassen. Am Ende der vorliegenden Diplomarbeit erfolgt der Schlussteil, in dem die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst werden. 7 1. Das Versicherungsmarketing Das vorliegende Kapitel, das in zwei Teile gegliedert ist, konzentriert sich in erster Linie auf die Enstehung und Entwicklung des Versicherungsmarketings sowie auf die Voraussetzungen, die die Entstehung dieses Phänomens verursacht haben. Im zweiten Unterkapitel wird der Begriff Versicherungsmarketing definiert und seine Funktionen werden beschrieben. 1.1 Die Entwicklung des Versicherungsmarketings Das Versicherungsmarketing genießt heutzutage eine große Popularität und seine Instrumente finden immer breitere Verwendung bei der praktischen Tätigkeit der Versicherungsunternehmen.1 Dies hängt eng mit dem angestiegenen Wettbewerb auf dem Versicherungsmarkt zusammen.2 Die Versicherer setzen die Instrumente des Versicherungsmarketings ein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren.3 Die Aufgabe dieses Kapitels besteht darin, den Weg zu beschreiben, bei dem das Versicherungsmarketing als Waffe im Versicherungsmarkt bestehenden Wettbewerbskampf aufgefasst wird. Das Versicherungsmarketing entstand ein Jahrzehnt später als Dienstleistungsmarketing, für dessen Entwicklung die Grundlagen inden frühen 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts gelegt wurden.4 Aus diesem Grund beruht das Versicherungsmarketing auf der Konzeption des Dienstleistunsmarketings, hat sich aber inzwischen zu einer eigenen Disziplin auf dem Dienstleistungssektor entwickelt.5Bei der Entwicklung des Versicherungsmarketings zeichnen sich drei Phasen ab. Die erste Phase, deren Anfang auf die späten 70-er Jahre zurückzuführen ist, hängt vor allem mit einer schnelleren Entwicklung des Versicherungsmarkts sowie mit dem zunehmenden Wettbewerb zwischen den Versicherern zusammen.6 Aufgrund dieser beträchtlichen Veränderungen wurde in den Versicherungsunternehmen eine größere Aufmerksamkeit auf die Werbung und auf die Vervollkommnung der Verkaufsmethoden von Versicherungsdienstleistungen gerichtet.7 Es ist betonenswert, dass in dieser Phase der intensive Verkauf von Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 8. Vgl., ebd. 3 Vgl., ebd., S. 6. 4 Vgl., ebd., S. 10. 5 Vgl., ebd. 6 Vgl., ebd. 7 Vgl., ebd. 1 2 8 Versicherungsprodukten in den Vordergrund gestellt wurde.8 Im Anschluss darauf lässt sich behaupten, dass in der ersten Phase die auf das Versicherungsprodukt orienierte Marketingkonzeption zu erkennen ist.9 In der zweiten Phase, die 80-er Jahre umfasst, hat sich der Wettbewerb auf dem Versicherungsmarkt noch mehr zugenommen.10 Dies hat die Versicherungsunternehmen dazu angeregt, ihre Vorgehensweise bei der Durchsetzung des Marketings zu verändern und sich nach der Erfüllung der folgenden Aufgaben zu streben: Die erste Aufgabe bestand darin, die sich ständig verändernden Bedürfnisse von Kunden zu berücksichtigen und sogar in den Mittelpunkt bei der Entwicklung von Versicherungsprodukten zu stellen. Die andere Aufgabe war, die Qualität von Versicherungsdienstleistungen zu verbessern.11 So kann man behaupten, dass während der zweiten Phase sich die auf die Bedürfnisse der Kunden orientierte Marketingkonzeption in den Versicherungsunternehmen durchgesetzt hat.12 Die dritte Phase, die 90-er Jahre umfasst, wurde die Entwicklung des Versicherungsmarketings von sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen beeinflusst.13 Ebenso wie in der zweiten Phase wurde auch in den 90er Jahren eine besondere Aufmerksamkeit auf die Qualität von Versicherungsdienstleistungen und auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden gelegt.14 Durch die Durchführung von neuen Marketinguntersuchungen und durch die Erweiterung von strategischen Maßnahmen wurde in der dritten Phase eine noch intensivere Durchsetzung des Versicherungsmarketings erreicht.15 Diese Phase unterscheidet sich von den ersten zwei Phasen vor allem dadurch, dass das Marketing erst in den 90er Jahren das Zentrumin der Aufbauorganisation der Versicherungsunternehmen geworden ist.16 In seiner ersten Entwicklungsphase hat sich das Versicherungsmarketing auf den Verkauf von Versicherungsprodukten orientiert, ohne die Bedürfnisse von potentiellen Kunden in Betracht zu ziehen. Die Notwendigkeit, Bedürfnisse und Wünsche von Kunden zu berücksichtigen, entstand erst in der zweiten Phase und hat die Entwicklung des Versicherungsmarketings nicht nur in dieser, sondern auch in der dritten Phase beträchtlich beeinflusst. Man kann betonen, dass die Entwicklung des Versicherungsmarketings ihren Höhepunkt in der letzten Phase erreicht hat, indem dem Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 11. Vgl., ebd. 10 Vgl., ebd. 11 Vgl., ebd. 12 Vgl., ebd., S. 12. 13 Vgl., ebd. 13. 14 Vgl., ebd. 15 Vgl., ebd. 16 Vgl., ebd. 8 9 9 Versicherungsmarketing bei der Tätigkeit eines Versicherungsunternehmens entscheidende Bedeutung zugemessen wurde. 1.2 Die Definition und Funktionen des Versicherungsmarketings Bei der Beschäftigung mit der Definition des Versicherungsmarketings ist es in erster Linie wichtig, die Tatsache vor Augen zu führen, dass es in der Fachliteratur zum Thema Versicherungsmarketing bis zum heutigen Tag nur sehr allgemein formulierte Definitionen des Versicherungsmarketings zu finden sind.17 Eine dieser Definitionen betrachtet das Versicherungsmarketing als „eine Reihe von Handlungen, deren Funktion darin besteht, den Gewinn des Versicherers durch die mehrseitige Berücksichtigung der Bedürfnissen von Versicherten zu vermehren“18. Es ist eindeutig, dass in dieser Definition die Besonderheiten des Versicherungsmarketingsnicht berücksichtigt werden. Da es keine einheitliche Definition des Versicherungsmarketings gibt, wird in den letzten Jahren immer wieder versucht, das Wesen des Versicherungsmarketings genauer zu bestimmen. 19 Die Autoren des Buches „Draudimas“, die auch diesen Versuch unternommen haben, behaupten, dass bei der Versicherungstätigkeit zwei Auffassungen über das Marketingwesen und entsprechenderweise zwei Begriffe von Marketing zu finden sind.20 Der erste Begriff bezeichnet das Marketing als „eine der wichtigsten Funktionen bei der Tätigkeit eines Versicherungsunternehmens, die auf einen effizienten Verkauf von Versicherungsdienstleistungen an den Versicherten zielt“21. In der zweiten später entstandenen Definition des Marketings wird das Verischerungsmarketing als Tätigkeit des ganzen Versicherungsunternehmens beschrieben, die sich vor allem auf den der Versicherungsdiensleistungen potenziellen Nachfrage konzentriert.22Die beiden entsprechenden Definitionen Verkauf haben von gemeinsam hervorgehoben, dass das Versicherungsmarketing eine wichtige Rolle bei der Tätigkeit eines Versicherungsunternehmens spielt, weil es für eine Nachfrage nach den Versicherungsdienstleistungen sorgt. Diese Definitionen unterscheiden sich von einander aber dadurch, dass nur die zweite Definition die Berücksichtigung der Bedürfnissen von Kunden beinhaltet. Ähnlicherweise Versicherungstheoretikern wird bestimmt. das Marketingwesen Als Beispiel lässt von sich einigen die russischen Definition des Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 14. Ebd. 19 Vgl., ebd. 20 Vgl. Čepinskis, Jonas; Raškinis, Dalius u.a.: Draudimas. Kaunas: Pasaulio lietuvių kultūros, mokslo ir švietimo centras, 1999, S. 255. 21 Ebd. 22 Vgl., ebd. 17 18 10 Versicherungsmarketings von A.N. Zubiec anführen. In dieser Definition wird das Versicherungsmarketing als „Verhältnis zwischen Versicherer und Versicherten charakterisiert, bei dem gegenseitige Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen erfolgt“23. Da bis jetzt keine einheitliche Bestimmung des Marketingwesens vorhanden ist, besteht auch keine Einheitlichkeit in Bezug auf die Festlegung von Funktionen des Versicherungsmarketings.24 In Anlehnung an den russischen Theoretiker V.V. Schahov ist zu behaupten, dass zwei wesentlichen Funktionen den in den Marketingprozess einbezogenen Handlungen zuweisen lassen.25 Die erste Funktion des Versicherungsmarketings ist, die Nachfrage nach Verischerungsdienstleistungen zu schaffen.Diese Funktion hängt eng mit den Anziehungs- und Überzeugungsmethoden und solchen Maßnahmen wie z.B. die Werbung zusammen. Durch die Werbung werden die potenziellen Versicherten angezogen und zur Entscheidung für die Versicherungsdienstleistungen eines bestimmten Versicherungsunternehmens angeregt.26 Die Befriedigung der Bedürfnissen von Kunden ist nach V.V. Schahov di Funktion des Versicherungsmarketings. Bei der Durchsetzung dieser Funktion ist es notwendig, eine hohe Servicekultur für die Versicherten zu garantieren, weil erst dadurch eine neue Nachfrage nach den Versicherungsdienstleistungen geschaffen wird.27 Um eine hohe Servicekultur zu erreichen, ist es notwendig, den Verkauf von Versicherungen, den Service für die Kunden sowie das Image des Versicherungsunternehmens und seiner Dienstleistungen zu verbessern.28 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sowohl die Definitionen als auch die Funktionen des VersicherungsmarketingsNachfrage betonen, die vor allem durch die Berücksichtigung der Bedürfnissen von Kunden ermöglicht wird. Bepirštytė, N.; Simanavičienė, Ž.: Draudimo raida Lietuvoje. Mokomoji knyga. Vilnius UAB Mažasis prekeivis, 1999, S. 14. 24 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 17. 25 Vgl., ebd. 26 Vgl., ebd. 27 Vgl., ebd. 28 Vgl., ebd. 23 11 2. Marketingkommunikation 2.1 Interne und externe Marketingkommunikation Die Kommunikation des Versicherungsmarketingsumfasst interne und externe Kommunikation. Dies bedeutet, dass in den Versicherungsunternehmen die Instrumente der Kommunikation zwischen den Angehörigen des Unternehmens und die Instrumenteder Kommunikation zwischen Versicherern und ihren Kunden eingesetzt werden.29 Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass eine angemessene Umsetzung aller diesen Instrumenten in hohem Maße zur erfolgreichen Tätigkeit des Versicherungsunternehmens beiträgt, indem sie die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auf dem Versicherungsmarkt erhöht.30 Die Notwendigkeit der internen Kommunikation ergibt sich daraus, dass sowohl die Ziele und wichtigsten Aufgaben des Versicherungsunternehmens als auch die Marketinginstrumente und ihre Funktionen für alle Angehörigen des Unternehmens bekannt sein sollen.31 So kann man behaupten, dass die informative Funktion die wichtigste Funktion der internen Kommunikation ist.32 Die andere Funktion der internen Kommunikation besteht darin, die Tätigkeit aller Abteilungen des Versicherungsunternehmens in Einklang zu bringen.33 Bei der internen Kommunikation wird es zum Ziel gesetzt, die Mitarbeiter des Unternehmens zu motivieren, so dass sie möglichst viel zur Erfüllung der Ziele des Unternehmens beitragen.34 In den Versicherungsunternehmen werden unterschiedliche Instrumente der internen Kommunikation eingesetzt. Eine besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Veröffentlichung der spezialisierten Zeitschriften gerichtet, die den Angehörigen des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden.35 Das Ziel solcher Zeitschriften ist, die Einheit unter den Mitarbeitern des Unternehmens zu fördern, gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Interesse zu entwickeln und die Auskunft über alle Neuigkeiten des Unternehmens zu liefern.36Die Versicherungsunternehmen veröffentlichen nicht nur die Zeitschriften für ihre Anghörigen sondern auch die Broschüren und anderen Materialien, die von Agenten und Vertretern des Versicherers bei den Gesprächen mit den Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 226. Vgl., ebd. 31 Vgl., ebd. 32 Vgl., ebd. 33 Vgl., ebd. 34 Vgl., ebd. 35 Vgl., ebd. S. 17. 36 Vgl., ebd. 29 30 12 Kunden verwendet werden.37Die Versicherungsunternehmen legen auch ein großes Gewicht darauf, dass zwischen den Angehörigen aller Abteilungen des Unternehmens gute Beziehungen bestehen. Aus diesem Grund werden von den Versicherern unterschiedliche Tagungen, Seminare sowie gemeinsame Reisen für alle Mitarbeiter des Unternehmens organisiert.38Darüber hinaus erstreckt sich die interne Kommunikation nicht nur auf die Kommunikation mit den Angehörigen des Unternehmens sondern auch auf die Kommunikation mit den treuesten Kunden oder freiwilligen Versicherungsagenten.39 In den Versicherungsunternehmen kommt eine große Vielfalt von Instrumenten der externen Kommunikation zum Einsatz. Alle diese Kommunikationsinstrumente lassen sich als Werkzeuge bestimmen, mit denen dem Adressaten die Botschaften transportiert werden.40Mit den externen Kommunikationsinstrumenten wird es versucht, die Versicherungstätigkeit und Versicherungsdienstleistungen des Unternehmens für die potentiellen Kunden zu präsentieren, die neuen Versicherungsprodukte auf den Markt zu bringen sowie das Image des Versicherungsunternehmens und der von ihm angebotenen Dienstleistungen zu vermitteln oder zu verbessern.41 Von den Kunden wird die Durchführung der externen Kommunikation als Beweis für Zuverlässigkeit des Versicherungsunternehmens bzw. für Stabilität, Ehrlichkeit und Öffentlichkeit der Verischerungstätigkeit angenommen.42Den Instrumenten der externen Kommunikation kommt eine besondere Bedeutung aus zweierlei Gründen zu: Erstens trägt die Umsetzung dieser Instrumente zum großen Teil zur Erhöhung des Verkaufs von Versicherungsdienstleistungen bei.Zweitens wird dadurch ein guter Kontakt zu den Kunden gepflegt.43An dieser Stelle wird deutlich, dass externe Kommunikation eine Brücke zwischen Versicherern und ihren Kunden darstellt. Die externe Kommunikation gliedert sich in formale und informale Kommunikation. Diese Gliederung erfolgt auf der Grundlage der vom Versicherer verwendeten Informationsquellen, die entweder kontrolierbar oder unkontrolierbar sind.44 Werbung, Tätigkeit der Verischerungsagenten, Öffentlichkeitsarbeit, Verischerungsmarke, Verischerungsprodukte und ihre Preise zählen zu den kontrolierbaren Informationsquellen.45 Öffentliche Meinung über das Versicherungsunternehmen, Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 227. Vgl., ebd. 39 Vgl., ebd. 40 Vgl. Leven, Wilfried: Kommunikationsinstrumente im Kontext der Marke – ein Überblick. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 163. 41 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 227. 42 Vgl., ebd. 43 Vgl., ebd. 44 Vgl., ebd. S. S. 228-229. 45 Vgl., ebd., S. 229. 37 38 13 unabhängige Absatzsysteme, Medienmaßnahmen, die von den Wettbewerbern oder von den Berufsverbänden erteilte Informationen gelten als unkontrolierbare Informationsquellen.46 Die Instrumente der externen Kommunikation werden noch nach ihren Zielen gegliedert. Mit einigen Instrumenten wird beabsichtigt, die Versicherungsdienstleistungen auf den Markt zu bringen.47 Werbung auf dem Absatzmarkt, Telefon- und E-Mailmarketing, Ausstellungen, Messen, Werbung für Versicherungsdienstleistungen lassen sich als Beispiele dieser Instrumente anführen.48 Die anderen Instrumentetragen zur Durchsetzung der Versicherungsmarke bei und helfen das positive Erscheinungsbild des Unternehmens zu vermitteln.49 Die massenmediale Werbung der Versicherungsmarke sowie die Tätigkeit des Sponsoring und der Mäzene gehören zu diesen Instrumenten.50 Nach Frank Görgen zählen Werbung, Verkaufsförderung, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit zu den externen Kommunikationsinstrumenten.51Es ist aber zu beachten, dass nicht alle Autoren nur diese vier Instrumente erwähnen. Wilfried Leven bietet eine Klassifikation von externen Kommunikationsinstrumenten an, die neben den oben genannten Instrumenten noch andere enthält: Das sind „Messe, Event, Mäzenatentum, Product Placement, persönliche[r] Verkauf, Direktmarketing und interaktive Kommunikation.“52 2.3 Versicherungswerbung 2.3.1 Ziel, Funktionen, Aufgaben und Prinzipien der Versicherungswerbung Die erste Aufgabe dieses Kapitels ist, die Werbung zu definieren. Die zweite Aufgabe besteht darin, die Fragen zu beantworten, welches Ziel dieses Kommunikationsinstrument verfolgt und wie es zu erreichen ist. Im Weiteren ist es wichtig, Funktionen, Aufgaben und Prinzipien der Werbung für Versicherungsdienstleistungen zu erläutern. Da die Versicherungsunternehmen ein breites Angebot an Versicherungsdienstleistungen bieten, fällt es den Kunden häufig schwer, sich für eine bestimmte Dienstleistung zu entscheiden. Um diesen Entscheidungsprozess zu erleichtern, nehmen die Versicherer die Werbung zur Hilfe, Vgl.Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 229. Vgl., ebd. 48 Vgl., ebd. 49 Vgl., ebd. 50 Vgl., ebd. 51 Görgen, Frank: Versicherungsmarketing. Strategien, Instrumente und Controlling. Stuttgart: Hohlhammer GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2007, S. 172-186.(http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 52 Leven, Wilfried: Kommunikationsinstrumente im Kontext der Marke – ein Überblick. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 164. 46 47 14 weildie Werbung die Vorteile unterschiedlicher Versicherungsarten am deutlichsten zum Ausdruck bringt. Richard Kühn und Roger Fasnacht weisen darauf hin, dass die Werbung im Vergleich mit anderen externen Kommunikationsinstrumenten besser dafür geeignet ist, möglichst großes Publikum zu erreichen.53 Günter Schweiger und Marina Dabic stellen aber eine Behauptung auf, dass laut den statistischen Angaben die Aufmerksamkeit für Werbeinhalte kontinuierlich sinkt. Aus diesem Grund wird es immer schwieriger, die Werbebotschaften zu den Konsumenten zu transportieren.54 Nach Frank Görgen lässt sich die klassische Werbung als Kommunikationsinstrument betrachten, bei der die massenmedialen Kommunikationsmittel eingesetzt werden. 55Es ist offensichtlich, dass in dieser Definition der Einsatz von Medien in der Werbung insbesondere hervorgehoben wird. In einer anderen Definition wird behauptet, dass „Werbung alle kommunikativen Aktivitäten zur intensiven Meinungsbeeinflussung der Werbesubjekte (WerbeZielgruppen) in Bezug auf bestimmte Werbeobjekte [umfasst].“56Es ist beachtenswert, dass diese Definition im Vergleich mit der ersten Definition einen anderen Aspekt in den Vordergrund rückt, nämlich den Einfluss der Werbung auf den Adressaten. Bei der Werbung wird es zum Ziel gesetzt, „beim Rezipienten positive Einstellungsbildungen oder Einstellungsmodifikationen gegenüber der eigenen Sache zu erzeugen, die am Ende ein konkretes Verhalten als Absicht hat.“57 An dieser Stelle wird es deutlich, dass das vorrangige Ziel der Werbung ist, den Einfluss auf den Konsumenten auszuüben und damit sie zur Kaufhandlung anzuregen. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist es vor allem notwendig, die folgenden Teilwirkungen auf den Rezipienten zu realisieren: „Beachtung der Werbung, richtige Interpretation der Botschaft, Speicherung der wesentlichen Botschaftsinhalte im Gedächtnis und Handlungsauslösung.“58 In der Versicherungswirtschaft ist es relevant, Produktwerbung und Imagewerbung zu differenzieren, weil sie unterschiedliche Ziele verfolgen. Mit der Produktwerbung wird es darauf Vgl. Kühn, Richard; Fasnacht, Roger: Versicherungsmarketing. In: Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 229. 54 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 177. 55 Vgl. Görgen, Frank: Versicherungsmarketing. Strategien, Instrumente und Controlling. Stuttgart: Hohlhammer GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2007, S. 172.(http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 56 Puschmann, Karl-Heinz: Praxis des Versicherungsmarketings. Marketinglösungen für Anbieter und Vermittler der Vorsorgebranche als Teil eines ganzheitlichen Marktmanagements mit besonderer Vertiefung des Versicherungswesens. Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2003, S. 178.(http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 57 Weihs, Andreas: Nachfrager von Versicherungsleistungen. In: Zerres, Michael P.; Reich, Michael (Hrsg.): Handbuch Versicherungsmarketing. Heidelberg: Springer Verlag, 2010, S. 35.(http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 58 Ebd. 53 15 gezielt, die Produkte einer bestimmten Zielgruppe anzubieten.59 Bei der Konzeption der Produktwerbung wird die AIDA-Formel herangezogen, die die wesentlichsten Ziele einer Werbebotschaft bestimmt. Laut dieser Formel soll die Werbebotschaft Aufmerksamkeit, Interesse, Begehren und Handlung bei dem Rezipienten hervorrufen.60 Mit der Imagewerbung wird ein bestimmtes Produkt nich direkt angeboten.61 Die Ziele dieser Werbung bestehen darin, das Unternehmen bekannt zu machen, sein Image zu verbessern sowie Kundenvertrauen zu gewinnen.62 So kann man sagen, dass nämlich die Imagewerbung in der Werbepraxis von Versicherungsunternehmen überwiegend ist.63 Dies lässt sich damit erklären, dass„das abstrakte – unsichtbare – Produkt ‚Versicherungsschutz‘ schwer kommunizierbar ist.“64 In der Versicherungwirtschaft werden der Werbung zwei wesentliche Funktionen zugeordnet. Die erste Funktion besteht darin, das breite Spektrum an Versicherungsprodukten der Öffentlichkeit vorzustellen.65Das Wichtigste bei dieser Vorstellung ist, das große Nutzen dieser Produkte überzeugend zu verdeutlichen.66 Es wird behauptet, dass die Versicherungsunternehmen aufgrund der erfolgreich ihre Produkte präsentierenden Werbung einen größeren Marktanteil gewinnen.67 Die zweite Funktion der Werbung ergibt sich aus ihrer Fähigkeit, die potenziellen Kunden davon zu überzeugen, dass die Versicherungsprodukte eines Unternehmens eine Überlegenheit gegenüber den Produkten der anderen Versicherungsunternehmen haben. 68 An dieser Stelle ist es hervorzuheben, dass mit Hilfe der Werbung die Kunden gewonnen werden können. Alle Maßnahmen der Versicherungswerbung sind auf die Erfüllung von zwei wichtigsten Aufgaben gerichtet. Während die erste Funktion der Werbung großes Gewicht auf die Vorstellung von Versicherungsprodukten legt, konzentriert sich die erste Aufgabe der Werbung darauf, dass das Versicherungsunternehmen den potenziellen Kunden präsentiert wird.69Diese Aufgabe entspricht auch dem wesentlichen Prinzip der Versicherungswerbung. Dieses Prinzip macht klar, dass die Tätigkeit des Versicherungsunternehmens unmöglich ist, wenn sie für die Öffentlichkeit unbekannt ist.70 Die zweite Aufgabe der Versicherungswerbung besteht darin, das attraktive Image des 59 Vgl. Kasten, Hans-H.: Kommunikation und Werbung in der Versicherungswirtschaft. In: Zeitschrift für die gesamte Versicherungswirtschaft. Münster: Springer Verlag, 1997, Bd. 86, Nummer 3, S. 453. 60 Vgl., ebd. 61 Vgl., ebd. 62 Vgl., ebd. 63 Vgl., ebd. 64 Ebd. 65 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 230. 66 Vgl., ebd. 67 Vgl., ebd. 68 Vgl., ebd. 69 Vgl., ebd., S. 231. 70 Vgl., ebd. 16 Versicherungsunternehmens zu schaffen.71In der Versicherungswirtschaft werden der Werbung auch weitere Aufagben zugewiesen. Eine dieser Aufgaben ist, die Informationen an potenzielleKunden zu übermitteln und somit das Kaufinteresse bei ihnen zu erwecken. 72 Die andere Aufgabe besteht darin, die neuen Geschäftsverbindungen zu gewinnen und die Kundenloyalität zu sichern.73 Bei der Beschreibung von Aufgaben der Versicherungswerbung wurde das wesentliche Prinzip der Werbung erwähnt. Es gibt noch zwei Prinzipien, die ebenfalls zu betrachten sind. Das zweite Prinzip besagt, dass die Versicherungswerbung zu einem bestimmten Zweck verwendet werden soll.74 Dies bedeutet, dass die Werbung die Auskunft z.B. über die neuen Versicherungstarife oder eine neue Versicherungsart geben sollte. Die Wiederholung der Versicherungswerbung erweist sich als letztes Prinzip: Je häufiger die Werbung wiederholt wird, desto größere Wahrscheinlichkeit ensteht, dass sie die gewünschte Reaktion bei den potenziellen Kunden auslöst.75 Die massenmediale Werbung lässt sich als ein Instrument bestimmen, das eingesetzt wird, um das Versicherungsunternehmen bekannt zu machen, die von ihm angebotenen Versicherungsprodukte zu präsentieren und die Rezipienten davon zu überzeugen, dass diese Produkte besser sind als diejenigen der Konkurrenz, die neuen Kunden zu gewinnen und die bereits vorhandenen zu behalten sowie den Umsatz zu erhalten. 2.3.2 Werbemaßnahmen und Kommunikationsträger Es gibt ein umfassendes Spektrum an Werbemaßnahmen, die in der Versicherungswirtschaft zum Einsatz kommen. Vytautas Kindurys bietet eine Klassifikation von acht Werbemaßnahmen. Eine der Aufgaben dieses Kapitels ist, auf diese Klassifikation einzugehen. Die andere Aufgabe besteht darin, die Kommunikatiosträgerzu zu beschreiben, die den Adressaten die Werbebotschaft übermitteln. Dabei scheint es wichtig zu sein, Vorteile bzw. Nachteile der unterschiedlichen Kommunikationsträger zu verdeutlichen. Bei der Klassifikation von Werbemaßnahmen wird in erster Linie die Werbeanzeige genannt, die in Printmedien, d.h. in Zeitungen und Zeitschriften publiziert wird. Dann wird es auf die Direktwerbemaßnahmen eingegangen, zu denen beispielsweise Werbebriefe, Prospekte, Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 231. Vgl. Puschmann, Karl-Heinz: Praxis des Versicherungsmarketings. Marketinglösungen für Anbieter und Vermittler der Vorsorgebranche als Teil eines ganzheitlichen Marktmanagements mit besonderer Vertiefung des Versicherungswesens. Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2003, S. 178.(http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 73 Vgl., ebd. 74 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 231. 75 Vgl., ebd. 71 72 17 Broschüren und Kataloge zählen.76 Als Werbemaßnahmen werden auch unterschiedliche Souvenirsbetrachtet. Meistens werden den Kunden Schlusselanhänger, Bleistifte, Aschenbecher mit den Symbolen des werbetreibenden Versicherungsunternehmens geschenkt.77 Als weitere Werbemaßnahme erweist sich darstellende Werbung, die als Gerüst- und Großflächenwerbung, Mega Boards, Lichtwerbung, Aushänge und etc. in Erscheinung tritt.78 Zu den Werbemaßnahmen gehört auch die Verkehrsmittelwerbung, die in den Haltestellen, in Zügen oder in Bussen zu finden ist.79 Im Weiteren wird die Betonung auf gemischte Maßnahmen der darstellenden Werbung gelegt. Unterschiedliche Anzeigen und Aushänge auf den speziellen Sattelzugmaschinen als Beispiele dieser Maßnahmen dienen.80 Zu Bestandteilen dieser Klassifikation erwähnen sind noch die Werbung in Hörfunk und Fernsehen sowie solche Sonderwerbemaßnahmen, wie z.B. Wettbewerbe oder Konzerte.81 Bei der genaueren Betrachtung dieserWerbemaßnahmen-Klassifikation fällt es auf, dass die Internetwerbung außer Acht gelassen wird. Dies scheint einigermaßen merkwürdig zu sein, da der Autor das Internet als einen wichtigen Kommunikationsträger zur Wiedergabe der klassischen Werbung präsentiert. Es ist nicht zu übersehen, dass die oben beschriebene Klassifikation von Werbemaßnahmen zum großen Teil auf den Kommunikationsträgern beruht, die die Werbebotschafttransportieren. Deswegen scheint es sinnvoll zu sein, Vorteile und Nachteile der verschiedenen Kommunikationsträger zu betrachten. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll auf die Behauptung von Arthur Meidan einzugehen. Aus dieser Behauptung geht hervor, dass die Versicherungswerbung, die durch das Fernsehen, den kommerziellen Hörfunk, die meistgelesenen Zeitungen und Zeitschriften oder durch die Aushänge auf den Straßen weitergegeben wird, einen Vorrang gegenüber anderen Werbemaßnahmen hat.82In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass die Auswahl von Werbeträgern nach drei Kriterien erfolgt: die Reichweite eines Mediums, die Medienqualität sowie die Höhe von Kosten.83 Die Überlegenheit der Werbung in Fernsehen ergibt sich vor allem dadurch aus, dass sie durch den Einsatz von unterschiedlichen Zeichenmodalitäten (Musik, Geräusche, Sprache, Bild) Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 231. Vgl., ebd. 78 Vgl., ebd. 79 Vgl., ebd. 80 Vgl., ebd. 81 Vgl., ebd. 82 Vgl. Meidan, Arthur: Insurance Marketing. Leighton Buzzard: Graham Burn, 1984, S. 73. 83 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 185. 76 77 18 verschiedene Sinne des Rezipienten anspricht.84Es wird behauptet, dass solche multimodale Werbung eine intensivere Wahrnehmung bei den Adressaten auslöst.85Es ist aber betonenswert, dass die Wahrnehmung der TV-Werbung sehr oft dadurch gestört wird, dass unterschiedliche Nebenbeschäftigungen beim Fernsehen vollgezogen werden.86Ein der größten Nachteile der Versicherungswerbung in Fernsehen lässt sich mit hohem Aufwand in Verbindung setzen.87 Damit die Effektivität der Werbung verstärkt wird, ist es notwendig, möglichst häufig die Werbung zu wiederholen, was bereits bei der Beschreibung von Prinzipien der Versicherungswerbung klargemacht wurde. Der häufige Auftritt der Werbung führt aber zu einer beträchtlichen Erhöhung ihres Preises.88 Der weitere Nachteil besteht darin, dass die Dauer der Werbung kurz ist. Es fällt schwer, die Versicherungsdienstleistungen in 30 Sekunden vorzustellen.89 Die Tatsache, dass durch die Werbung in Fernsehen unterschiedliche Reaktionen der Zielgruppen nicht zu beobachten sind, erweist sich als noch ein Nachteil dieser Werbung.90 Die Versicherungswerbung in Zeitungen und Zeitschriften erreicht nie das große Publikum. Sie ist nur denjenigen Adressaten zugänglich, von denen diese Zeitungen und Zeitschriften gelesen werden.91 Die Werbung in Printmedien scheint nicht so so eindrucksvoll zu sein wie die mit visuellen bzw. auditiven Effekten gestaltete Werbung in Fernsehen, aber im Vergleich mit ihr hat sie andere Vorteile. Mit der Werbung in Zeitungen und Zeitschriften ist es möglich, komplexe Informationen durch den Text für einen niedrigeren Preis zu übermitteln.92 Es ist betonenswert, dass der Werbung im Internet mehr Vorteile als Nachteile zugeschrieben werden. Mit der Internetwerbung ist es möglich, das Versicherungsunternehmen und seine Dienstleistungen der großen Anzahl von potentiellen Kunden zu präsentieren.93 Die Wahrscheinlichkeit, dass die Internetwerbung ein großes Publikum erreicht, wird insbesondere dadurch erhöht, dass die Werbung im Internet rund um die Uhr bekanntgegeben wird. 94Anders als die Werbung in Fernsehen oder in Printmedien lässt die Internetwerbung eine aktive Kommunikationsbeziehung mit den Kunden gestalten und auf diese Weiseden Feedback von ihnen Vgl. Dürscheid, Christa: Medien in den Medien – Szenen im Bild. Eine pragmatische Kommunikat-Analyse. In: Schneider, Jan Georg; Stöckl, Hartmut (Hrsg.): Medientheorien und Multimodalität. Ein Tv-Werbespot – Sieben methodische Beschreibungsansätze. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2011, S. 93. 85 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 233. 86 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 186. 87 Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 233. 88 Vgl., ebd. 89 Vgl., ebd. 90 Vgl., ebd. 91 Vgl., ebd, S. 234. 92 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 186. 93 Vgl.Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 240. 94 Vgl., ebd. 84 19 bekommen.95 Der andere Vorteil der Werbung in Internet besteht darin, dass sie billiger ist als die Werbung in Fernsehen oder in Printmedien.96 Der einzige Nachteil der Internetwerbung ist mit einem großen Umfang von den im Internet stehenden Informationen verbunden. Für die werbetreibenden Versicherungsunternehmen fällt es schwer, die Internetwerbung so zu gestalten, dass sie möglichst schnell den Weg zu den potentiellen Kunden findet.97 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der Versicherungswirtschaft eine große Auswahl von Werbemaßnahmen besteht, deren Botschaft den Adressaten durch unterschiedliche Werbeträger transportiert wird. Man kann behaupten, dass Internet als Werbeträger eine deutliche Überlegenheit gegenüber anderen Werbeträgern hat. 2.3.3 Werbung und Marke Da die Werbung als Instrument der Markenführung angesehen wird, scheint es relevant zu sein, in diesem Kapitel den Fokus auf die Marke zu legen. Im ersten Schritt wird hier die Definition der Marke angeführt. Im zweiten Schritt werden die Funktionen genannt, die eine Marke aus der Sicht des Verbrauchers bzw. Unternehmens erfüllen sollte. Abschließend wird in diesem Kapitel auf die Frage eingegangen, welche Rolle die Werbung bei der Markenführung spielt. Eine Marke lässt sich als „ein in der Psyche des Nachfragers verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von einer Leistung (Dienstleistung, Produkt, Anbieter)“98 definieren. Da Marken das Wissen und die Wertschätzungen über die anbietenden Unternehmen oder ihre Produkte bzw. Dienstleistungenumfassen, werden sie als Einstellungsobjekte betrachtet.99In diesem Zusammenhang soll eine wesentliche Anforderung erwähnt werden, die an die Markenkommunikation gestellt wird:Die Entwicklung der Marke soll sich paralell mit dem Wertewandel der Nachfrager vollziehen, so dass der Abnutzungseffekt vermieden wird.100 In der Werbekommunikation erledigen Marken wichtige Funktionen, die sowohl Verbraucher als auch Unternehmen betreffen. Für die Verbraucher dienen die Marken als „Orientierungs- und Entscheidungshilfe“101. Durch die Marken wird ein besonderes Konsumerlebniss an die Konsumenten vermittelt.102Am besten werden diejenigen Marken gekauft, Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 240. Vgl., ebd. 97 Vgl., ebd., S. 241. 98 Leven, Wilfried: Kommunikationsinstrumente im Kontext der Marke – ein Überblick. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 165. 99 Vgl., ebd. 100 Vgl., ebd. 101 Janich, Nina: Werbesprache: Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr Verlag, 5., erweiterte Auflage, 2010, S. 21. 102 Vgl., ebd. 95 96 20 bei denen die Vermittlung von Gefühlen und Erlebnissen, und nicht das Aufzählen von Leistungsvorteilenerfolgt.103 Für die Unternehmen garantieren die Marken „de[n] Schutz gegen Nachahmung, d[ie] Differenziereung von Mittbewerbern und d[ie] Präferenzbildung [...].“104Da eine Marke Identifikations- und Differenzierungsfunktion erfüllt, soll sie ein eigenes Image und spezifische Eigenschaften aufweisen, die sie deutlich von den anderen Marken unterscheiden.105Darüber hinaus vereint das Markenimage in sich die emotionalen und kognitiven Assoziationen.106 Zusammen mit der Markenbekanntheit, die die Kaufentscheidung beeinflusst, bildet das Markenimage das Markenwissen des Konsumenten.107 Jedes Unternehmen soll sich zum Ziel setzen, eine Marke mit Top-of-Mind-Awareness zu verankern, die bei der Kaufentscheidung des Konsumenten als erste in Erinnerung gebracht wird.108 Bei der Markenführung kommen unterschiedliche Kommunikationsinstrumente, wie z. B. Verkaufsförderung oder Öffentlichkeitsarbeit, zum Einsatz. Es wird aber behauptet, dass die massenmediale Werbung am besten dafür geeignet ist.109Sie wird sogar als einzige Möglichkeit angesehen, die unterschiedlichen Marken gegeneinander abzugrenzen.110Im Rahmen der Markenführung besteht die wesentlichste Aufgabe der Werbung darin, beim Konsumenten die dauerhaften Assoziationen zur Marke hervorzurufen.111 Darüber hinaus sollen folgende Kommunikationseffekte erzielt werden: „das Bedürfnis nach einer Produktkategorie wird geweckt, Markenbekanntheit wird erzeugt, die Einstellung zur Marke wird (positiv) beeinflusst, die Kaufabsicht wird beeinflusst und ein Kaufanreiz [...] wird gegeben.“112 Die besondere Bedeutung von Marken ergibt sich daraus, dass sie einerseits die Kaufentscheidung des Konsumenten erleichtern und andererseits den Wert eines Unternehmens steigern. Vgl. Leven, Wilfried: Kommunikationsinstrumente im Kontext der Marke – ein Überblick. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 165. 104 Janich, Nina: Werbesprache: Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr Verlag, 5., erweiterte Auflage, 2010, S. 22. 105 Vgl., ebd., S. 21. 106 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 179. 107 Vgl., ebd. 108 Vgl., ebd., S. 177. 109 Vgl., ebd., S. 181. 110 Vgl. Kloss, Ingomar: Werbung. In: Brauner, D.J. u.a. (Hrsg.): Lexikon der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. München, 2001, S. 426 (http://ingomar-kloss.de/wp-content/uploads/2011/10/Stichwort_Werbung.pdf, gefunden am. 18 März 2012). 111 Vgl. Schweiger, Günter; Dabic, Marina: Marke und klassische Werbung. In: Hermanns, Arnold; Ringle, Tanja u.a. (Hrsg.): Handbuch Markenkommunikation. Grundlagen, Konzepte und Fallbeispiele. München: Vahlen, 2008, S. 181. 112 Ebd. 103 21 3.4 Gestaltung der Versicherungswerbung Im vorliegenden Kapitel werden die Kriterien aufgelistet, die bei der Gestaltung der Versicherungswerbung von entscheidender Bedeutung sind. In erster Linie wird hier auf die Forderungen eingegangen, die an die Werbung gestellt werden. Im Weiteren wird auf den Werbetext und diejenigen Werbemaßnahmen eingegangen, die die Aufmerksamkeit des Rezipienten erwecken. Bei der Verischerungswerbung ist es insbesondere wichtig, bestimmte Forderungen zu berücksichtigen. In erster Linie sollen Fachlichkeit, Objektivität und Realitätsbezug deutlich zum Ausdruck kommen.113 Von der Werbung wird es ebenfalls verlangt, dass ihr Text einfach, verständlich und überzeugend ist, dass er eine nachvollziehbare Argumentation aufzeigt sowie die konkreten Daten vermittelt.114Darüber hinaus soll die Versicherungswerbung einer bestimmten Zielgruppe gewidmet werden.115 Mit jeder Versicherungswerbung wird es bestrebt, eine bestimmte Idee an den Kunden weiterzugeben. Meistens wird die Idee der Versicherungswerbung durch den Text, das Bild oder die Verbindung dieser beiden Elementen ausgedrückt.116 Es ist hervorzuheben, dass der Text, der als wichtigster Bestandteil von Werbemaßnahmen betrachtet wird, am besten dafür geeignet ist, diese Idee zu vermitteln.117 Je nachdem, welche Idee weitergegeben wird, werden die Texte der Versicherungswerbung in informative, erinnernde und überzeugende Texte unterteilt. Informative Texte finden ihre Verwendung, wenn die Auskunft über die Veränderungen bei den Versicherungsarten oder über die Einführung einer neuen Versicherungsart der Öffentlichkeit gegeben werden soll.118 Mit den erinnernden Texten wird darauf hingewiesen, dass sich der Versicherungsvertragstermin dem Ende nähert, und es wird angeboten, diesen Termin noch für eine Zeitperiode zu verlängern.119 Es kann behauptet werden, dass erinnernde Texte der Versicherungswerbung zur Kundenbindung dienen. Die überzeugenden Texte werden verwendet, wenn es notwendig ist, die Kunden davon zu überzeugen, dass die Versicherungsdienstleistungen des werbetreibenden Unternehmens eine Überlegenheit gegenüber den Dienstleistungen der anderen Versicherungsunternehmen haben.120 In diesem Zusammenhang ist es darauf zu verweisen, dass die zweite Funktion der Verischerungswerbung mittels der überzeugenden Texten erfüllt wird. Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 230. Vgl., ebd. 115 Vgl., ebd. 116 Vgl., ebd. 117 Vgl., ebd. 118 Vgl., ebd. 119 Vgl., ebd. 120 Vgl., ebd. 113 114 22 Es gibt eine Menge Voraussetzungen, die informative, erinnernde und überzeugende Texteerfüllen sollen. Mit jedem Text der Versicherungswerbung ist es wichtig, den Versicherten klarzumachen, dass sie in jedem Fall Nutzen von den angebotenen Dienstleistungen ziehen.121 Dann soll der Werbetext die Aufmerksamkeit der Kunden auf die Vorteile von Versicherungsdienstleistungen sowie auf den guten Service für die Versicherten richten.122Darüber hinaus sollte die Versicherungswerbung die Fragen beantworten, die möglicherweise bei den Kunden entstehen, und auf Öffnungszeiten und Adresse des Versicherungsbüros verweisen.123 Es ist gewiss, dass es bei jeder Versicherungswerbung zum Ziel gesetzt wird, die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu ziehen. An dieser Stelle sind deshalb die Maßnahmen zu erwähnen, die zur Erhöhung der Aufmerksamkeit in hohem Maße beitragen. Um eine größere Wirkung der Werbung auf die Kunden auszulösen, wird der Hauptteil des Werbetextes deutlich hervorgehoben.124 Bei einem kurzen Text wird die Betonung meistens auf ein einzelnes Wort gelegt, das entweder am Anfang oder am Ende des Angebots aufgeschrieben wird. 125 Bei einem längeren Text genügt es aber nicht, einen Teil des Werbetextes hervorzuheben. Es ist notwenig, auch andere Maßnahmen, wie z.B. rhetorische Mittel, Erläuterungen, unterschiedliche auditive und visuelle Elemente, zur Hilfe zu ziehen.126 Es steht fest, dass eine intensivere Wahrnehmung der Versicherungswerbung durch einen Kontrasteffekt erreicht wird, der beispielsweise durch die im Kontrast stehenden Farben der Schrift und des Hintergrunds ausgedrückt wird.127 Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Inhalte der Versicherungswerbung fachlich, objektiv, real sowie verständlich, überzeugend und nachvollziehbar sein sollen. Die Übermittlung von Werbebotschaften erfolgt durch informative, erinnernde und überzeugende Texte, bei denen das Nutzen von Versicherungsprodukten deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Damit die Versicherungswerbung die Aufmerksamkeit erweckt, ist es notwendig, rhetorische Mittel, auditive bzw. visuelle Elemente einzusetzen. 2.3.5 Auswirkung der Werbung auf Konsumentenverhalten Eine erfolgreiche Umsetzung von den im vorigen Kapitel beschriebenen Werbemaßnahmen, die die Aufmerksamkeit des Adressaten auf sich ziehen, reicht nicht aus, um den Konsumenten zur Kaufhandlung zu bewegen. Deswegen ist es notwenig, auch solche Instrumente der Werbung, wie Vgl. Kindurys, Vytautas: Draudimo paslaugų marketingas. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2002, S. 231. Vgl., ebd. 123 Vgl., ebd. 124 Vgl., ebd. 125 Vgl., ebd. 126 Vgl., ebd. 127 Vgl., ebd. 121 122 23 z.B. äußere Reize oder Appelleeinzusetzen. In diesem Kapitel werden diese Instrumente vorgestellt und es wird erläutert, welche Auswirkung sie auf das Konsumentenverhalten haben. Zu dem klassischen Instrumentarium der Werbung zählen die äußeren Reize, mit denen bestrebt wird, die Aufmerksamkeit des Rezipienten zu erwecken und seine Kaufentscheidung zu beeinflussen.128 Durch äußere Reize, die sich in drei Kategorien unterteilen lassen, wird eine bestimmte Aktivierung von Konsumenten ausgelöst.129 Emotionale Reize lassen sich als natürliche Schlüsselreize bezeichnen, „die besonders zuverlässig eine Aktivierung hervorrufen, wenn sie biologisch vorprogrammierte Reaktionen auslösen, wie erotische Abbildungen oder die Abbildung eines schutzlosen Kindes.“130 Kognitive Reize rufen „eine Aktivierung durch gedankliche Konflikte, Widersprüche und Überraschungen“131 hervor. Als Beispiel dafür gilt die Werbung, die von den üblichen Denk- und Verhaltensmustern abweicht.132 Physische Reize lösen die Aktivierung durch die physischen Eigenschaften oder Qualitäten von Objekten aus. Ein Beispiel der physischen Eigenschaft ist die Größe einer Werbeanzeige in einem Magazin.133 Es werden drei Arten von Appellen unterschieden. Das sind erlebnisorientierte, furchtinduzierende und humoristische Appelle. Die aktuellen und zukünftigen Werte, auf die eine bestimmte Zielgruppe ein großes Gewicht legt, werden bei der Gestaltung des Erlebnisprofils in den Vordergrund gestellt.134 Die Funktion der erlebnisorientierten Appelle ist, die Versicherungsprodukte eines Versicherungsunternehmens von einer großen Menge der von den Wettbewerbern angebotenen identischen Produkte zu differenzieren. 135So eine Differenzierung wirdinsbesondere durch die Setzung der individuellen Akzente auf das Versicherungsprodukt ermöglicht.136 Bei der erlebnisorientierten Appellen werden die so genannten Schlüsselbilder verwendet, deren gestalterische Umsetzung durch die Anwendung der passenden Bilderserien und einem lauten Slogan erfolgt.137 Die Verwendung von Schlüsselbildern wird als eine erfolgreiche Maßnahme betrachtet, weil die emotionalen Inhalte durch die Bilder besser als durch die verbale 128 Vgl. Weihs, Andreas: Nachfrager von Versicherungsleistungen. In: Zerres, Michael P.; Reich, Michael (Hrsg.): Handbuch Versicherungsmarketing. Heidelberg: Springer Verlag, 2010, S. 20. (http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 129 Vgl., ebd. 130 Ebd. 131 Ebd. 132 Vgl., ebd. 133 Vgl., ebd. 134 Vgl. Görgen, Frank: Versicherungsmarketing. Strategien, Instrumente und Controlling. Stuttgart: Hohlhammer GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2007, S. 165. (http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 135 Vgl., ebd. 136 Vgl., ebd. 137 Vgl., ebd. 24 Kommunikation vermittelt werden.138 Es gibt drei Voraussetzungen für die Werbewirksamkeit eines Schlüsselbildes. Erstens wird es von ihm verlangt, dass es in den verschiedenen Medien erscheint, damit die Zielgruppe es sofort erkennt und sich einprägt. Zweitens soll das Schlüsselbild deutlich von den Werbeauftritten der Wettbewerber unterscheiden. Drittens wird es gefordert, dass die Merkmale des Schlüsselbildes ab und zu verändert werden. Diese Forderung liegt zum großen Teil darin begründet, dass der häufige Auftritt des unveränderten Bildes zu einem Abnutzungseffekt führt.139 Die furchtinduzierenden Appelle beruhen auf der Auffassung, dass die von Furcht ergriffenen Menschen häufig darum bemüht sind, die Gefahr um jeden Preis zu vermeiden. 140 Bei diesen Appellen wird der Fokus nämlich auf diese Furcht gelegt, so dass der Einfluss auf die Menschen ausgeübt wird.141Zum Inhalt eines furchtinduzierenden Appells zählen die eine Furchtreflexion auslösenden Warnungen und Hinweisreize aber auch die Empfehlungen, wie die bedrohende Gefahr zu beseitigen ist.142 Marketingkommunikation von Als solche Empfehlungen werden in der Versicherungsunternehmen sowohl die angebotenen Versicherungsprodukte selbst als auch die empfohlenen Verhaltensweisen betrachtet, mit deren Hilfe das Risiko vor dem eingetretenen Schadenfall reduziert wird.143 Die Anzeigen, in denen unterschiedliche Unfallsituationen oder Krankheitsrisiken angesprochen werden, lassen sich als Beispiele von den furchtinduzierenden Appellen anführen, die eine ziemlich häufige Verwendung in der Versicherungswirtschaft finden.144 Die Auswirkung der furchtinduzierenden Botschaften auf das Verhalten der Rezipienten hängt vor allem von drei Kommunikationsvarianten ab:Die erste Kommunikationsvariante legt die Betonung auf die Stärke des Furchtappells.145 Es steht fest, dass bei den angemessenen oder schwach bedrohenden Furchtappellen eine größere Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Einstellungsänderungen herbeigeführt werden, als bei den starken Furchtappellen. Das liegt vor allem daran, dass eine starke Furcht eine gewisse Zeit für den Furchtabbau fordert, wodurch der Furchtappell wirkungslos wird.146 Die zweite Kommunikationsvariante spricht die empfundene Wahrscheinlichkeit an, der Bedrohung begegenen zu können. Erst die Überzeugung, der Bedrohung 138 Vgl. Görgen, Frank: Versicherungsmarketing. Strategien, Instrumente und Controlling. Stuttgart: Hohlhammer GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2007, S. 166. (http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 139 Vgl., ebd. 140 Vgl., ebd., S. 167. 141 Vgl., ebd. 142 Vgl., ebd. 143 Vgl., ebd. 144 Vgl., ebd. 145 Vgl., ebd. 146 Vgl., ebd. 25 wirksam begegnen zu können, regt die Zielgruppe dazu an, ihre Verhaltensweise zu verändern.147 Bei der letzten Kommunikationsvariante handelt es sich um die Glaubwürdigkeit der Empfehlung zur Reduzierung der Gefahr.148 Es wird behauptet, dass die Wirksamkeit der furchtinduzierenden Botschaft davon abhängt, inwiefern der Rezipient von der Wirksamkeit der empfohlenen Verhaltensweisen überzeugt ist.149 Mit einem humoristischen Appell wird es versucht, die Rezipienten zu überraschen. Um einen Überraschungseffekt auslösen zu können, ist es notwendig, so eine Inszenierung darzustellen, bei der die erwartete Situation mit der aufgezeigten Situation nicht übereinstimmt.150 Die Darstellungen der komischen Situationen, Charakteren oder Ironie lassen sich als typische Beispiele für die humoristischen Appelle anführen.151 In der Versicherungswerbung erweist sich der Humor als eine besonders geeignete Maßnahme. Um einen humoristischen Appell in die Versicherungswerbung umzusetzen, genügt es, nur den Bezug auf humorvolle Schadenfälle zu nehmen, die so häufig im Versicherungsgeschäft vorkommen.152 Der Erfolg der humoristischen Appelle liegt darin begründet, dass diese Appelle die Aufmerksamkeit der Zielgruppe auf sich ziehen, zur Veränderung des Images von dem Versicherungsunternehmen und seinen Produkten beitragen sowie ein sympathisches Bild der großen Unternehmen vermitteln.153 Zusammenfassend ist zu sagen, dass aufgrund der äußeren Reize und Appelle eine gestalterische Umsetzung der Werbung geschaffen wird, die eine bestimmte Reaktion bei dem Rezipienten auslöst. 3. Interkulturelles Marketing Da im praktischen Teil der vorliegenden Arbeit die Werbung untersucht wird, die in zwei unterschiedlichen Kulturräumen eingesetzt wird, scheint es relevant zu sein, das interkulturelle Marketing nicht außer Acht zu lassen. 147 Vgl. Görgen, Frank: Versicherungsmarketing. Strategien, Instrumente und Controlling. Stuttgart: Hohlhammer GmbH, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2007, S. 167. (http://books.google.de/books eingeschränkte Ansicht). 148 Vgl., ebd., S. 168. 149 Vgl., ebd. 150 Vgl., ebd. 151 Vgl., ebd. 152 Vgl., ebd. 153 Vgl., ebd. 26 Die Anfänge des Begriffs interkulturelles Marketing liegen in den 1990er Jahren. 154Heutzutage genießt es eine immer größer werdende Bedeutung aus zweierlei Gründen: „zum einen aufgrund der zunehmenden Internationalisierung von Märkten und Unternehmen [...]; und zum anderen aufgrund der wachsenden Angleichung der Produkte, die zugleich zunehmend ästhetisch und kulturell ausdifferenziert werden [...].“155 Das interkulturelle Marketing unterscheidet sich vom Ethno- Marketing, bei dem die innerhalb eines Landes auftretenden kulturelle Unterschiede im Fokus des Interesses stehen.156 Das Ziel des interkulturellen Marketing ist, bei der Gestaltung der Produktpolitik, Kommunikationspolitik, Distributionspolitikund Preispolitik die Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen zu beachten, die in einem bestimmten Kulturraum typisch sind.157 Beim Marketing ist der Kulturbezug von großer Relevanz, da er in Verbindung mit den Kostenaspekten steht.158In diesem Zusammenhang bedarf es drei Begriffe zu erläutern. Das sind Standardisierung, Lokalisierung bzw. Differenzierung sowie Glokalisierung. Der Vorteil von Standardisierungsmaßnahmen, zu denen identische Produkte, gleiche Werbeanzeigen und Spotsetc. zählen, ergibt sich daraus, dass sie zur Kostensenkung beitragen. Aber immer besteht es Gefahr, dass der Einsatz von diesen Maßnahmen aufgrund der zu großen Distanz zu den Zielgruppen zum Misserfolg führt.159Bei der Lokalisierung bzw. Differenzierung werden kulturbezogene Produkte auf den Markt gebracht, was einerseits mit hohem finanziellen Aufwand verbunden ist; andererseits einen hohen Nutzen erzielen lässt.160 Heute kommt eine große Bedeutung der Glokalisierung zu, die als Verbindung von Standardisierung und Differenzierung verstanden wird und sich deren Ziel aus dem Leitspruch „So global wie möglich, so lokal wie nötig“ ergibt.161 Die Relevanz des Kulturbezugs beim Marketing liegt noch darin begründet, dass das Wissen über kulturspezifische Konsumentengewohnheiten für eine effiziente Vermarktung von Produkten sorgt.162 Für den Transfer von Produkten in andere Kulturräume werden drei Analyseebenen unterschieden. Die erste is die kulturelle Bedeutung von Produkten, die die Kernbotschaften und die 154 Vgl. Bolten, Jürgen: Einführung in die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007, S. 182. 155 Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. Stuttgart: J. B. Metzler, 2008, S. 162. 156 Vgl., ebd. 157 Vgl., ebd. 158 Vgl. Bolten, Jürgen: Einführung in die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007, S. 182. 159 Vgl., ebd., S. 183. 160 Vgl., ebd. 161 Vgl., ebd., S. 183-184. 162 Vgl., ebd., S. 184. 27 mit ihnen in Verbindung stehenden kulturellen Assoziationen bestimmt.163Bei der zweiten Ebene handelt es sich um die Verknüpfung von Kernbotschaften mit Produkten. Den Kernbotschaften werden wesentliche Informationen oder emotionale Appelle zugewiesen, die den Konsumenten zum Kauf bewegen sollen.164 Die letzte Ebene ist die sprachliche und bildliche Umsetzung von Kernbotschaften, die vor allem mit den Übersetzungsvorgängen verbunden ist.165 Es gibt vier Strategien, die auf die interkulturelle Adaption der Werbung ausgerichtet sind. Bei der ethnozentrischen Strategie erfolgt die Adaption von Werbemitteln aus dem Stammland im Zielland.166 Im Gegensatz zur ethnozentrischen Strategie verzichtet polyzentrische Strategie auf die Übernahme von Werbemitteln aus dem Stammland.167 Mit dieser Strategie wird es darauf gezielt, „[...]der Marke ein bestimmtes Image zu verleihen.“168Das Ziel der regiozentrischen Strategie ist, der Firma oder Marke in allen Zielländern das gleiche Image zu geben. 169 Mit der geozentrischen Strategie ist es bestrebt, „[...] Wettbewerbsvorteile durch eine Kosten- oder Qualitätsführerschaft auf dem Weltmarkt zu erringen, indem der gesamte Prozess der betrieblichen Leistungserstellung und die sie begleitenden Informations-, Organisations- und Kontrollprozesse global ausgerichtet werden.“170 Es ist betonenswert, dass sich die interkulturelle Adaption der Werbung auf Werte, Rituale, unterschiedliche Symbole, Sprache etc. erstreckt.171 Es ist nicht zu widersprechen, dass interkulturelles Marketing bei der Vermarktung der Produkte in unterschiedlichen Kulturen eine bedeutsame Rolle spielt. Das Wissen über spezifische Konsumentengewohnheiten, Werte und Einstellungen lässt die richtigen Entscheidungen zu treffen und somit hohe Gewinne zu erzielen. 163 Vgl. Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer. Stuttgart: J. B. Metzler, 2008, S. 162-163. 164 Vgl., ebd., S. 163. 165 Vgl., ebd. 166 Vgl., ebd., S. 165. 167 Vgl., ebd. 168 Ebd. 169 Vgl., ebd. 170 Ebd. 171 Vgl., ebd. 28 4. Die Vorstellung der ERGO Versicherungsgruppe Da der praktische Teil der vorliegenden Arbeit der Untersuchung der ERGO-Werbung gewidmet ist, wobei die deutsche Werbung mit ihrer Lokalisation für die Baltischen Länder verglichen wird, scheint es sinnvoll zu sein, in erster Linie internationale ERGO Versicherungsgruppe und ERGO Verischerungsgruppe im Baltikum vorzustellen. 4.1 Internationale ERGO Versicherungsgruppe ERGO ist eine junge Versicherungsgruppe, weil ihre Geschichte erst im Jahr 1997 beginnt. Diese Gruppe entstand durch die Vereinigung von traditionsreichen deutschen Versicherern, nämlich vonD.A.S., DKV, Hamburg-Mannheimer und Victoria.172 2001 fängt ERGO an, mit der deutschen Hypo Vereinsbank zusammenzuarbeiten.173 Nächstes Jahr vergrößert sich die ERGO Gruppe, indem sie sich des deutschen Direktversicherers KarstadtQuelle Versicherungen anschafft.174 2009 erfährt ERGO noch eine Vergrößerung durch die Integration des Reiseversicherers ERV und der österreichischen BA-CA Versicherung.175 ERGO ist eine deutsche Versicherungsgruppe, die ihren Hauptsitz in Düsseldorf hat. Im Heimatmarkt zählt ERGO zu den führenden Versicherungsunternehmen und genießt eine große Popularität unter den Kunden.176 Die ERGO Gruppe ist in den meisten Ländern Europas, in einigen Ländern Asiens und in Kanada präsent und lässt sich somit als eine der größten Versicherungsgruppen in Europa bezeichnen.177 Die internationale ERGO Gruppe beschäftigt zurzeit mehr als 50.000 Mitarbeiter und hat etwa 40 Millionen Kunden, von denen sogar die Hälfte aus Deutschland sind.178 Laut den neuesten Angaben des Konzerngeschäftsberichts 2011 liegen die gesamten Beitragseinnahmen der ERGO Versicherungsgruppe in Höhe von 20,3 Milliarden Euro, was im Vergleich mit dem vorigen Jahr einen Zuwachs um 0,7 Prozent bedeutet.179 172 Vgl. Historie: http://www.ergo.com/de/Unternehmen/Overview/Zahlen-Daten-Fakten/Historie [gefunden am 19. April 2012]. 173 Vgl., ebd. 174 Vgl., ebd. 175 Vgl., ebd. 176 Vgl. Geschäftsfelder der ERGO in Deutschland: http://www.ergo.com/de/Unternehmen/Overview/ERGO-Deutschland/Geschaeftsfelder [gefunden am 19. April 2012]. 177 Vgl. Die ERGO Versicherungsgruppe im Überblick: http://www.ergo.com/De/Unternehmen/Overview/Unternehmensportrait [gefunden am 19. April 2012]. 178 Vgl. Internationale ERGO Gruppe: http://ergo.lt/lt/pages/tarptautine-ergo-grupe [gefunden am 19. April 2012]. 179 Vgl. Geschäftsbericht 2011: http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Publikationen/~/media/ERGOcom/PDF/Geschaeftsberichte/ERGO_Gruppe/ Geschaeftsbericht-ERGO-Konzern-2011-DE.ashx [gefunden am 19. April 2012]. 29 Die international tätige ERGO Gruppe gehört zum 1880 gegründten Konzern Munich RE, der weltweit als Spitzenreiter unter den Rückversicherern und Risikoträgern angesehen wird und dessen Einfluss auf die Entwicklung der ganzen Versicherungsindustrie beträchtlich ist.180 Innerhalb dieses Konzerns spezialisiert sich ERGO auf die Erstversicherungsaktivitäten, genauer gesagt, auf die direkte Versicherung von Privat- und Geschäftskunden.181 Es ist erwähnenswert, dass ERGO nicht nur als eine Verischerungsgruppe bekannt ist, die ein umfassendes Spektrum an Versicherungen bietet, sondern auch als eine Versicherungsgruppe, die sich in hohem Maße gesellschaftlich und ökologisch engagiert. Das gesellschaftliche Engagement von ERGO erstreckt sich vor allem auf „Bildung und Wissenschaft, Gesundheit und Sport, Musik und soziale Projekte“.182 Bei ihrem ökologischen Engagement legt ERGO großes Gewicht auf konsequentes Umweltmanagement und modernes Energiekonzept und leistet einen großen Beitrag zum Umweltschutz.183 4.2 ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum ERGO ist eine der führenden Versicherungsgruppe in den Baltischen Ländern. Die Einzigartigkeit der ERGO besteht vor allem darin, dass sie die einzige Versicherungsgruppe im Baltikum ist, die sich auf Lebensversicherung, Nicht-Lebensversicherung, Gesundheitsversicherung und Altersvorsorge spezialisiert.184 Die ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum beschäftigt 1.400 Mitarbeiter und hat mehr als 450.000 Kunden.185 Der Gewinn von ERGO liegt in Höhe von 3,6 Millionen Euro.186 Jedes Mitglied der ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum hat eine klare Vision für die Zukunft, die darin besteht, Führer auf dem Versicherungsmarkt seines Landes zu werden. 187 Alle drei Länder sind vor allem bestrebt, Sicherheit von den Kunden zu gewährleisten. 188 Kompetenz, 180 Vgl. Konzerngeschichte Munich RE: http://www.munichre.com/de/group/history/default.aspx [gefunden am 19. April 2012]. 181 Vgl. Die ERGO Versicherungsgruppe im Überblick: http://www.ergo.com/De/Unternehmen/Overview/Unternehmensportrait [gefunden am 19. April 2012]. 182 Das gesellschaftliche Engagement von ERGO: http://www.ergo.com/de/Engagement/Gesellschaft [gefunden am 19. April 2012]. 183 Vgl. Das ökologische Engagement von ERGO: http://www.ergo.com/de/Engagement/Umwelt [gefunden am 19. April 2012]. 184 Vgl. Die ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum: http://ergo.lt/lt/pages/ergo-baltijos-salyse [gefunden am 19. April 2012]. 185 Vgl., ebd. 186 Vgl. ERGO in the Baltic States: profitable and with higher turnover in 2011 (20. Februar 2012): http://www.ergo.ee/ergo-en/news/ergo-in-the-baltic-states-profitable-and-with-higher-turnover-in-2011 [gefunden am 19. April 2012]. 187 Vgl. Aufgabe, Vision, Werte: http://ergo.lt/lt/pages/misija-vizija-vertybes [gefunden am 19. April 2012]. 188 Vgl., ebd. 30 Ergebnisse, Teamarbeit und Offenheit lassen sich als solche Werte betrachten, die innerhalb der ERGO Versicherungsgruppe im Baltikum von der größten Bedeutung sind.189 In Litauen wurde ERGO 1991 von den deutschen und litauischen Partnern gegründet und agierte zunächst unter dem Namen „Drauda“.190 Dieser Versicherer gehörte zu der deutschen Versicherungsgruppe Alte Leipziger, bis die deutsche ERGO Gruppe im Jahr 2000 sein Hauptaktionär geworden ist. Demzufolge wurde der Name „Drauda“ durch den Namen „ERGO Lietuva“ ersetzt.191 Versicherungsgruppen Da „ERGO Lietuva“ bereits seit ihrer Gründung zu den deutschen gehörte, hat sie von den Deutschen Erfahrung und lange Versicherungstraditionen übernommen. In Litauen tritt die ERGO Versicherungsgruppe mit solchen Unternehmen, wie „ERGO Lietuva“, ERGO Life Insurance SE und ERGO Invest, auf. 192 Laut den jüngsten statistischen Angaben erweist sich „ERGO Lietuva“ als der zweitgrößte Nicht-Lebensversicherer in Litauen.193 ERGO Life Insurance SE ist ein Lebensversicherer, der nicht zu den Spitzenreitern gehört, aber die längste Lebensverischerungstradition aufweist.194 Die Geschichte der ERGO in Estland hat 1990 mit der Gründung des Versicherungskonzerns im Baltikum (BICO) angefangen.195 Im Jahr 1995 hat die deutsche Versicherungsgruppe „Alte Leipziger“ dieses Unternehmen erworben.196 Sechs Jahre später gehörte es schon zu einer anderen Versicherungsgruppe, nämlich zu ERGO.197 Unter der Marke ERGO agieren in Estland drei Unternehmen. Das sind ERGO Kindlustus AS, ERGO Life Insurance SE Eesti filiaal und ERGO Funds AS.198ERGO Kindlustus AS istder zweitgrößte Nicht-Lebensversicherer in Estland.199 Die ERGO Versicherungsgruppe in Lettland bietet ein umfassendes Spektrum an Versicherungen. Sie verfügt über ein großes Absatznetz, zu dem nicht nur 54 Versicherungsbüros und 192 Versicherungsvermittler gehören, sondern auch 64 Brokerunternehmen und 6 Banken, mit 189 Vgl. Aufgabe, Vision, Werte: http://ergo.lt/lt/pages/misija-vizija-vertybes [gefunden am 19. April 2012]. Vgl. Die ERGO Gruppe in Litauen: http://ergo.lt/lt/pages/ergo-grupe-lietuvoje [gefunden am 19. April 2012]. 191 Vgl., ebd. 192 Vgl., ebd. 193 Vgl. Übersicht des Versicherungsmarkts 2011: dpk.lt [gefunden am 19. April 2012]. 194 Vgl. Die ERGO Gruppe in Litauen: http://ergo.lt/lt/pages/ergo-grupe-lietuvoje [gefunden am 19. April 2012]. 195 Vgl. History: http://ergo.ee/ergo-en/ergo-in-estonia/history [gefunden am 19. April 2012]. 196 Vgl., ebd. 197 Vgl., ebd. 198 Vgl. ERGO in Estonia: http://ergo.ee/ergo-en/ergo-in-estonia [gefunden am 19. April 2012]. 199 Vgl., ebd. 190 31 denen Ergo zusammenarbeitet.200 Auf dem Versicherungsmarkt Lettlands zeichnet sich ERGO vor allem dadurch aus, dass sie der führende Gesundheitsversicherer ist.201 5. Neue Werbekampagne von ERGO In diesem Kapitel wird der Fokus auf die neue Werbekampagne des Versicherungskonzerns ERGO gelegt. Hier wird der Frage nachgegangen, welche Veränderungen vorgenommen wurden, um die neue ERGO-Marke bekannt zu machen. 2010 hat ERGO Aufsehen auf dem Versicherungsmarkt erregt, indem sie die Werbekampagne für ihre neue Marke gestartet hat. Die neue Versicherungsmarke entstand als Folge der Eingliederung von solchen traditionsreichen Marken wie Hamburg Mannheimer, Victoria Versicherung und KarstadtQuelle Versicherung, in die Marke ERGO.202 Um ERGO als gleichnamige Dachmarke unter den Kunden bekannt zu machen, hat der Versicherungskonzern Investitionen in Höhe von 54 Millionen Euro vorgenommen.203 Für die neue Werbekampagne wurde die Berliner Agentur Aimaq&Stolle Creative Brand Consulting beauftragt, die in einem mehrstufigen Pitch ihre Überlegenheit gegenüber anderen Agenturen bewiesen hat. 204 Der veränderte Markenauftritt von ERGO wird durch die Erscheinung von einem 60sekündigen Auftaktspot, zwei 45-sekündigen TV-Werbespots, einem Kinofilm und sechs Printmotiven gekennzeichnet.205 In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass der Debütspot von ERGO heiße Diskussionen erzeugt hat, wobei auch eine scharfe Kritik gegen den Versicherungskonzern und die von ihm beauftragte Agentur Aimaq&Stolle geäußert wurde. Der neue ERGO-Spot wurde als Plagiat betrachtet, da er stark dem Kinofilm „High Fidelity“ ähnelte, der im Jahr 2000 erschienen ist.206 Die Protagonisten der neuen Werbekampagne betrachten die Lage auf der Versicherungslandschaft kritischerweise und beschweren sich darüber, dass sie 200 Vgl. ERGO im Baltikum: http://www.ergo.lv/ob-ergo/gruppa-ergo-grupa/ergo-v-baltii/ru/ [gefunden am 19. April 2012]. 201 Vgl., ebd. 202 Vgl. ERGO 2010: http://avlberlin.com/ [gefunden am 20. April 2012]. 203 Vgl. Reidel, Michael: Neupositionierung: Ergo investiert 54 Millionen Euro ins Marketing (18. Mai 2010): http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Neupositionierung-Ergo-investiert-54-Millionen-Euro-insMarketing_92281.html [gefunden am 20. April 2012]. 204 Vgl. Aimaq&Stolle hebt neue ERGO Marke aus der Taufe (14. Mai 2010): http://avlberlin.com/ [gefunden am 20. April 2012]. 205 Vgl., ebd. 206 Vgl. Weber, Sara: UBS und Ergo unter Plagiatsverdacht: Wie originär muss Werbung sein? (26. August 2010): http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/show.php?id=94442&page=2&params= [gefunden am 20. April 2012]. 32 verunsichert sind und dass ihre Bedürfnisse außer Acht gelassen werden.207 Es ist nicht zu übersehen, dass so eine Werbekampagne ungewöhnlich ist, weil sie im Ganzen von der vorherrschenden Versicherungswerbung abweicht, die sich vor allem auf den Angstmacherprinzip konzentriert.208 Mit der neuen Kampagne wird ERGO als denjeniger Versicherer vorgestellt, der im Gegensatz zu den anderen Versicherungsunternehmen den Verbraucher in den Vordergrund stellt und versucht, ihn zu verstehen.209 Mit dem neuen Slogan „Versichern heißt verstehen.“ wird es deutlich darauf hingewiesen, dass ERGO großen Wert auf die Bedürfnisse der Kunden legt. 210 Die Werbekampagne, die ERGO in eine „verständnisvolle“ Versicherungsgruppe verwandelt hat, hat sich gelohnt. Nach 5 Monaten lag die Bekanntheit der Marke sogar bei 66,5 Prozent.211Innerhalb von zwei Wochen erreichte die spontane Werbeerinnerung 14,9 Prozent.212 Der Slogan „Versichern heißt verstehen.“ war so erfolgreich, dass seine Bekanntheit bis Ende des Jahres 2010 bei 34,5 Prozent lag, was ihn auch zum vierten bekanntesten Slogan der ganzen Versicherungsbranche gemacht hat.213 Der neue Markenauftritt von ERGO hat mit sich nicht nur einen neuen Claim sondern auch ein modifiziertes ERGO-Firmenlogo gebracht. Abbildung 1: Das alte und neue (rechts) ERGO-Logo (Quelle: http://www.designtagebuch.de/ergoversicherungsgruppe-modifiziert-markenauftritt/) Eine der Neuerungen am Logo sind die vergrößertenAbstände zwischen den Zeichen. 214 Eine weitere Neuerung besteht darin, dass die Letter vergrößert und abgerundet wurden. 215 Das neue Firmenlogo hat die rote Farbe beibehalten, aber sie scheint heller zu sein als im alten Logo. Infolge aller diesen Neuerungen wirkt das veränderte Logo offener. 207 Vgl. Weber, Sara: UBS und Ergo unter Plagiatsverdacht: Wie originär muss Werbung sein? (26. August 2010): http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/show.php?id=94442&page=2&params= [gefunden am 20. April 2012]. 208 Vgl., ebd. 209 Vgl. Der neue Werbespot der ERGO Versicherungsgruppe (15. Juli 2010): http://www.beamtenkapital.de/aktuelles/2010/07/ergo-werbespot/ [gefunden am 20. April 2012]. 210 Vgl., ebd. 211 Vgl. ERGO 2010: http://avlberlin.com/ [gefunden am 20. April 2012]. 212 Vgl., ebd. 213 Vgl., ebd. 214 Vgl. ERGO Versicherungsgruppe modifiziert Markenauftritt: http://www.designtagebuch.de/ergoversicherungsgruppe-modifiziert-markenauftritt/ [gefunden am 20. April 2012]. 215 Vgl., ebd. 33 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die neue Werbekampagne von ERGO durch die Einführung des neuen Slogans und durch das modifizierte Firmenlogo auszeichnet. Aber das Wichtigste ist, dass diese Kampagne die Bedürfnisse bzw. Wünsche des Kunden in den Vordergrund stellt. 6. Analyse der ERGO-Werbeanzeige- und des Spots für die Baltischen Länder In diesem Kapitel, das in zwei Unterkapitel unterteilt ist, werden eine Werbeanzeige und ein Werbespot von ERGO untersucht, die 2012 speziell für den Versicherungsmarkt der Baltischen Länder entwickelt wurden. Bei der Analyse der Anzeige und des Spots ist es insbesondere wichtig festzustellen, welche Funktion sie erfüllen und welches Ziel verfolgen. 6.1 Analyse der Werbeanzeige Zwei Textelemente, die auf den ersten Blick als zwei Schlagzeilen erscheinen - Firmenlogo, Slogan und Bild - sind die Bausteine der ERGO-Werbeanzeige für die Baltischen Länder. In diesem Kapitel wird der Schwerpunkt auf die Untersuchung jedes einzelnen Bausteins gelegt. Dabei ist es wichtig, die Frage zu beantworten, inwiefern sich die Elemente der Anzeige inhaltlich aufeinander beziehen. Auf die ganze Anzeigenfläche erstreckt sich ein Bild, das die Realität der Anzeige fotografisch bildet. Eine atraktive Frau, die etwa im Alter zwischen 30 und 35 Jahren ist, steht im Zentrum des Fotos. Die größte Aufmerksamkeit wird nicht durch diese Frauenfigur erregt, sondern durch das von einem Kind gemalte Bild, das die Frau an sich drückt. Dass dieses Bild so auffällig ist, liegt es vor allem an seinen grellen Farben, die im Kontrast zu den hellen Pastellfarben des Anzeigenbildes stehen. In der rechten unteren Ecke des gemalten Bildes gibt es einen eindeutigen Hinweis darauf, dass dieses Bild der Mutter gewidmet ist. Dadurch lässt sich der dargestellten Frauenfigur die Rolle der Mutter zuweisen. Obwohl das Bild der Mutter an sich selbst positiv ist, wird seine positive Wirkung in dieser Webeanzeige noch zusätzlich durch die weiße Bekleidung der Frau unterstützt. Es ist gewiss, dass Weiß als vollkommenste Farbe gilt, zu der es keine negative Zuschreibung 34 gibt.216 Mit demdie Wärme ausstrahlenden Mutterbild wird es gezielt, die Rezipienten auf die Gedanken über die Liebe, Fürsorglichkeit und das Vertrauen zu bringen. Es ist anzunehmen, dass die Darstellung der Mutter in einem gewissen Sinne eine an die Rezipienten orientierte Anregung ist, die positiven Konnotationen der Mutterfigur auf das werbende Unternehmen zu übertragen. Es wurde schon erwähnt, dass in dieser Anzeige die Mutterfigur nicht alleine erscheint, sondern mit dem von einem Kind gemalten Bild. Es ist nicht zu widersprechen, dass auf diese Weise eine besondere Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind deutlich zum Ausdruck gebracht wird. In dieser Werbeanzeige wird dies zum Anlass genommen, die Rezipienten davon zu überzeugen, dass ERGO darum bemüht ist, eine ähnliche Beziehung zwischen ihr und ihren Kunden aufzubauen. Abbildung 2: ERGO-Werbeanzeige für Baltische Länder (Quelle: http://ergo.lt/lt/pages/new-ergo) Während das vom Kind gemalte Bild die Assoziation mit dem Kind auslöst, löst der goldene Ehering, der sich am Finger der Frau erblicken lässt, die Assoziation mit dem Ehemann bzw. Vater aus. Aufgrund all dieser Assoziationen entsteht in der Vorstellung von Rezipienten ein Familienbild. Dies ist eine Andeutung darauf, dass diese Anzeige insbesondere für diejenigen Vgl. Kraft der Farben – die Farbe Weiß: http://www.lichtkreis.at/html/Wissenswelten/Welt_der_Farben/wirkungfarbe-weiss.htm [gefunden am 30. April]. 216 35 Personen relevant ist, die ihre eigene Familie haben. Auf diese Weise wird die Zielgruppe bestimmt, die mit dieser ERGO-Werbeanzeige angesprochen wird. In der linken unteren Ecke steht die Schlagzeile, die als aus drei Wörtern bestehender Aussagesatz formuliert ist. So eine Satzlänge erhöht den Erinnerungsgrad von der Schlagzeile. In dieser Schlagzeile wird behauptet, dass das Leben voll von Kostbarkeiten ist. An dieser Stelle stellt sich einerseits die Frage, welche Kostbarkeiten hier gemeint sind. Andererseits werden die Rezipienten dazu bewegt, sich selbst zu fragen, worauf sie den größten Wert legen. Oberhalb der Anzeige-Mitte ist ein weiterer Textelement zu finden, der sich als noch eine Schlagzeile dieser Anzeige betrachten lässt. In dieser Schlagzeile, die ebenfalls als Aussagesatz erscheint, steht, dass das kostbarste Gemälde der Welt nicht von Pablo Picasso gemalt wurde. Da in dieser Schlagzeile der Name eines der berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts auftaucht, ist es nicht zu widersprechen, dass diese Werbeanzeige an einen intellektuellen Rezipienten gerichtet ist. In dieser Schlagzeile ist es zu beachten, dass sie einerseits die Antwort auf die Frage gibt, die in der ersten Schlagzeile formuliert wurde. Demzufolge könnte man beispielsweise ein Gemälde als Kostbarkeit betrachten. Andererseits führt diese Schalgzeile zu einer weiteren Frage: Wer hat denn das kostbarste Gemälde der Welt gemalt? Im Anschluss darauf lässt sich behaupten, dass sich die beiden Schlagzeilen inhaltlich aufeinander beziehen, indem eine Schlagzeile die andere ergänzt. Deswegen handelt es sich in diesem Fall nicht um zwei getrennten Textelemente, sondern um eine zweiteilige Schlagzeile. In dieser Anzeige ist kein Fließtext vorhanden, aber es ist nicht zu übersehen, dass jener Teil der Schlagzeile, der oberhalb der Anzeige-Mitte plaziert ist, eine der Funktionen des Fließtextes übernimmt, indem er zu einer sprachlichen Ausformulierung des Bildmotives beiträgt. Es ist zu sagen, dass es ohne diese Schlagzeileunverständlich bliebe, wofür das vom Kind gemalte Bild steht. Durch die Relation zwischen der Schlagzeile und dem Bild lässt sich der in der Schlagzeile formulierte Gedanke folgendermaßen ergänzen: Das kostbarste Gemälde der Welt wurde nicht von Pablo Picasso gemalt, sondern von dem eigenen Kind. Es ist nicht zu übersehen, dass das Adjektiv kostbar in diesem Zusammenhang eine andere Bedeutung enthält als in der Schlagzeile. Es handelt sich hier um das wichtigste und wertvollste Gemälde und nicht um das erlesenste und deshalb wohl auch teuerste Gemälde. Davon ausgehend lässt sich feststellen, dass diese Werbeanzeige auf eine implizite Weise die Botschaft vermittelt, dass im Leben eines Menschen die Kinder bzw. Familie von der größten Bedeutung sind. Am Ende der Anzeige stehen der Slogan von ERGO „Versichern heißt verstehen.“ und das Firmenlogo. In diesem Slogan wird das werbende Unternehmen als Kommunikationsteilnehmer in den Vordergrund gerückt. Dabei wird ERGO als derjenige Versicherer präsentiert, der in erster 36 Linie die Bedürfnisse bzw. Wünsche seiner Kunden zu verstehen versucht und erst danach die Kunden versichert. Es lässt sich behaupten, dass der Slogan von ERGO im Rahmen dieser Anzeige die in der Forschung etablierte These verleugnet, dass der Slogan als ein autonomes Element von Werbeanzeigen gilt.217 Der Slogan „Versichern heißt verstehen.“ ist auf semantischer Ebene sowohl mit der Schlagzeile als auch mit dem Bild der Anzeige verbunden. Aus der Verbindung zwischen diesen drei Elementen ergibt sich eindeutig, dass ERGO ein Versicherer ist, der versteht, was für Menschen wichtig und wertvoll ist. Mit den meisten Werbeanzeigen wird es zum Ziel gesetzt, ein Produkt mit all seinen Vorzügen vorzustellen und somit die Rezipienten der Werbung zum Kauf dieses Produkts anzuregen. Das ist aber nicht der Fall inder ERGO-Werbeanzeige, in der keine bestimmte Versicherungsdienstleistung genannt wird. Aus diesem Grund lässt sich die Behauptung aufstellen, dass die Funktion dieser Anzeige nicht darin besteht, die Informationen über die von ERGO angebotenen Versicherungsprodukte zu liefern, sondern für das Image des Unternehmens zu werben. Dass diese Werbeanzeige eine imagevermittelnde Funktion hat, lässt sich zum einen mit dem Slogan begründen, mit dem ERGO als so eine Versicherungsgruppe vorgestellt wird, die einengroßenWert auf das Verstehen von den Bedürfnissen und Anliegen der Kunden legt, und mit dem Anzeigenbild, in dem ERGO in einem gewissen Sinne mit der Mutterfigur gleichgesetzt wird. Zum anderen lässt sich die imagevermittelnde Funktion damit begründen, dass es mit dieser Werbeanzeige gezeigt wird, was ERGO als das Wichtigste und Wertvollste betrachtet. Darüber hinaus lässt sich das Ziel der Anzeige erschließen, das nämlich darin besteht, die Kunden zu gewinnen, deren Werte mit den Werten von ERGO übereinstimmen. 6.2 Analyse des Werbespots In diesem Kapitel werden alle Szenen des zu analysierenden Werbespots beschrieben, wobei die Relation zwischen unterschiedlichen Zeichenmodalitäten behandelt wird. Dabei ist es wichtig, die Botschaft zu erschließen, die mit diesem Spot transportiert wird. In dem zu analysierenden 40-sekündigen ERGO-Werbespot werden drei Zeichenmodalitäten miteinander kombiniert. Das sind Sprache, Bild und Musik. Es ist zu beachten, dass in diesem Spot die Sprache nicht auditiv wahrgenommen wird, wie es üblich ist, sondern visuell, da sie als Text, genauer gesagt, als animierte Schrift auf dem Bildschirm erscheint. Den akustischen Hintergrund des Spots bildet von der ersten bis zur letzten Szene die Musik. Der 217 Vgl. Janich, Nina: Werbesprache: Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr Verlag, 5., erweiterte Auflage, 2010, S. 60. 37 ERGO-Spot besteht aus einer Reihe von 12 Szenen, in denen unterschiedliche Situationen dargestellt werden. Auf den ersten Blick scheint, dass all diese Szenen nichts miteinander zu tun haben. Aber in mehreren Szenen werden bestimmte Objekte bzw. Subjekte genannt und wird die gleiche Frage gestellt, was zur Überlegung führt, dass es doch eine gewisse Verknüpfung zwischen den Szenen des Spots gibt. In der ersten Szene erscheint ein Naturbild, in dem ein mit grünen Bäumen bewachsener Park dargestellt wird. Im Zentrum dieses Bildes steht ein großer Baum. Die Kamera nähert sich diesem Baum, was auf den Gedanken bringt, dass die Darstellung des Baumes eine bestimmte Absicht verfolgt. Nicht nur wegen der Plazierung des Baumes im Vordergrund des Bildes und nicht wegen der Kamerabewegung, sondern auch wegn der auf den Baum fallenden Sonnenlicht wird der Blick des Zuschauers nämlich auf diesen Baum gerichtet. In demselben Moment, wenn die Sonnenstrahlen den Baum beleuchten, erscheint auf dem Bildschirm ein kurzer Aussagesatz: „Das ist nur ein Baum.“ Mit dieser Aussage endet die erste Szene und fängt die weitere an, in der wiederum derselbe Baum in Erscheinung tritt. Abbildung 3: Auszug aus http://ergo.lt/lt/pages/new-ergo) der zweiten Szene des ERGO-Werbespots (Quelle: Aber diesmal zoomt die Kamera erst auf seinen Stamm, auf dem ein eingraviertes Herz und zwei eingravierte Buchstaben, die innerhalb des Herzens stehen, gut sichtbar werden. Bei der Darstellung dieses Liebessymbols taucht die Frage auf, ob es sicher nur ein Baum ist. Es ist zu sagen, dass sich diese Frage auf den in der ersten Szene erschienen Aussagesatz bezieht. Mit dieser Frage und dem Bild der zweiten Szene wird es verneint, dass der dargestellte Baum nur ein Baum ist. Es stellt sich 38 heraus, dass dieser Baum für jemanden von besonderer Bedeutung ist, da er sich als Zeuge einer Liebesgeschichte erweist. In der dritten Szene bleibt der Hintergrund unscharf. Die Kamera zeigt den Kopf eines Hundes. Anders als in der ersten zwei Szenen nähert sich die Kamera dem Objekt nicht, sondern entfernt sich allmählich von ihm. Durch die Nahaufnahme des Hundes wird gut sichtbar, dass er mit einem tiefen Blick in die Ferne schaut. Die Szene endet mit dem Aussagesatz: „Das ist nur ein Hund.“ Die nächste Szene ist die Fortsetzung der vorigen Szene. Durch die totale KameraEinstellung kann man nicht nur denselben Hund in voller Größe sehen, sondern auch einen größeren Ausschnitt seiner Umgebung. Man kann deutlich erkennen, dass die Handlung in einem Cafe mit einer Terasse zum draußen sitzen spielt. In dieser Szene erscheint der Hund nicht mehr so einsam wie vorher, da er gemütlich auf den Knien eines alten Mannes sitzt. Die beiden Protagonisten sind im Zentrum des Bildes plaziert, so dass die Aufmerksamkeit des Zuschauers nämlich auf sie gelenkt wird. Der Mann schaut den Hund mit liebevollen Augen an und streichelt zärtlich sein Fell, wenn auf dem Bildschirm die Frage erscheint: „Ist es sicher nur ein Hund?“ Augrund der dargestellten Beziehung zwischen dem alten Mann und dem Hund besteht kein Zweifel daran, dass dieser Hund nicht nur ein Hund ist, wie es in der vorigen Szene behauptet wurde. Abbildung 4: Auszug aus http://ergo.lt/lt/pages/new-ergo) der vierten Szene des ERGO-Werbespots (Quelle: In der fünften Szene wird eine häusliche Umgebung dargestellt, wobei ein Überblick über einen Teil des Zimmers gegeben wird. Die Kamera nähert sich der Wand und parallell zu dieser Kamerabewegung taucht der Aussagesatz „Das ist nur eine Wand.“ auf dem Bildschirm auf. In der 39 nächsten Szene wird ein Teil derselben Wand in Nahaufnahme gezeigt. Die Kamera zoomt noch mehr auf die Wand, wodurch die winzigen horizontalen Striche mit den dazu stehenden Daten auf dem Rand der Wand zu sehen sind. Genauso wie in all vorigen Szenen erscheint auch hier die Frage, ob es sicher nur eine Wand ist. Da die Striche auf der Wand mit einer Kinder-Messsatte assoziiert werden können, bekommt die Wand eine besondere Bedeutung. Im Fokus der siebten Szene steht ein Mann, dessen Oberkörper in Nahaufnahme gezeigt wird. Im Hintergrund des Bildes ist ein Schlafzimmer, das für private und intime Sphäre eines Menschen steht. Da im Bild die dunklen Farben dominieren, ist es anzunehmen, dass es der späte Abend ist. Seit dem Moment, wenn auf dem Bildschirm der Aussagesatz „Es ist nur eine Uhr.“erscheint,fängt die Kamera an, sich schneller dem Protagonisten zu nähern, der mit der Umstellung der Uhr beschäftigt ist. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Handlung des Mannes gelenkt. In der nächsten Szene wird dieselbe Uhr als ein wichtiges Detail in den Vordergrund des Bildes gestellt. Wenn die Frage auftaucht, ob es sicher nur eine Uhr ist, nähert sich die Kamera dem Objekt, so dass die auf der Rückseite der Uhr eingravierten Initialen und das Datum sichtbar werden. Es wird eindeutig, dass diese Uhr ein wertvolles Geschenk bzw. eine Erinnerung an eine Person ist. Die neunte Szene zeigt eine Frau, die vom Kopf bis Brust zu sehen ist. Aufgrund der nahen Kamera-Einstellung ist es gut sichtbar, dass ihr Blick nach unten rechts gerichtet ist. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Protagonistin in Gedanken versunken ist. Die Kamera entfernt sich von der Frau, wenn der Aussagesatz „Es ist nur eine Frau.“ auf dem Bildschirm auftaucht. Abbildung 5: Auszug aus http://ergo.lt/lt/pages/new-ergo) der zehnten Szene des ERGO-Werbespots (Quelle: 40 In der nächsten Szene erscheint dieselbe Frau zusammen mit ihrem Mann. Die halbtotale KameraEinstellung lässt die beiden Protagonisten in voller Größe sehen. Jetzt wirdsowohl die Schwangerschaft der Frau, als auch ihre häusliche Umgebung sichtbar.In dieser Szene vollzieht sich die Interaktion zwischen Frau und Mann auf nonverbaler Ebene. Es ist nicht zu übersehen, dass die Gesichter von Eheleuten Freude und Liebe ausstrahelen, wenn sie einander anschauen, und dass der Mann mit zärtlichen Handbewegungen den Bauch seiner Frau streichelt. All dies spricht dafür, dass sich die Beiden auf ihr bald kommendes Baby freuen. So ein Familienbild, das durch das Fenster strahlende Sonnenlicht bzw. die im Raum dominierenden hellen Farben tragen dazu bei, dass eine positive Atmosphäre in dieser Szene entsteht. Wenn auf dem Bildschirm die Frage erscheint, ob es sicher nur eine Frau ist, bietet sich sofort eine Antwort: Sie ist nicht nur eine Frau, sie ist noch eine beliebte und liebende Ehefrau und zukünftige Mutter. Mit dieser Frage geht die Szene aber noch nicht zu Ende. Die Kamera entfernt sich und das Bild wird nicht so scharf wie zuvor. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf den erscheinenden Aussagesatz gelenkt, mi dem behauptet wird, dass das Leben voll von Kostbarkeiten ist. Wie bereits die Analyse der ERGOWerbeanzeige gezeigt hat, lässt sich dieser Satz als Schlagzeile betrachten. Es ist festzustellen, dass sich diese Schlagzeile auf allefrüheren Szenen bezieht, in denen es dargestellt wurde, was für einen Menschen beispielsweise als wichtig und wertvoll erscheint. Es lässt sich sagen, dass in diesem Spots entwickelte Gedanke mit dieser Schlagzeile abgeschlossen wird. Nach der Schlagzeile taucht das Wort sicher auf, mit dem es bestätigt wird, dass das Leben voll von Kostbarkeiten ist. In dem Standbild der vorletzten Szene wird der Zuschauer auf den folgenden Werbetext aufmerksam gemacht: „Überzeugen Sie sich davon, dass Ihr Versicherungsunternehmen dies versteht.“ Mit dieser Aussage werden die Rezipienten explizit angesprochen, was sich mit dem Gebrauch des Imperativs begründen lässt. So eine Ansprechsweise ist als Versuch zu betrachten, einerseits die Aufmerksamkeit von Zuschauern zu erhöhen und andererseits in Kommunikation mit ihnen zu treten. Es ist eindeutig, dass sich diese Aussage auf die Schlagzeile der vorigen Szene bezieht. Aus der Verknüpfung zwischen der Schlagzeile und dem Werbetext erschließt sich die Funktion der Schlagzeile, die nämlich darin besteht, ERGO als eine Versicherungsgruppe zu präsentieren, die weiß, was für Menschen wichtig und wertvoll ist. Mit der letzten Aussage des Spots wird angedeutet, dass die Werte zu verstehen, eine wichtige Voraussetzung für jedes Versicherungsunternehmen ist. Auf diese Weise wird es versucht, den Zuschauer zur Überlegung zu bringen, dass er möglicherweise der Kunde eines falschen Unternehmens ist. In der letzten Szene erscheint das Schlussbild mit dem ERGO-Logo und dem Slogan „Versichern heißt verstehen.“. In diesem Spot werden dem Zuschauer fünf Situationen vor Augen geführt. Die Darstellung jeder Situation umfasst zwei Szenen. In der ersten Szene wird ein Objekt oder Subjekt vorgestellt, indem 41 ein Bild und der sich darauf beziehende Text gezeigt werden. In der nächsten Szene wird gezeigt, dass dieses Objekt oder Subjekt eine besondere emotionale Bedeutung hat. An dieser Stelle erscheinende rhetorische Frage bezieht sich auf die Aussage der vorigen Szene. Mit dieser Frage wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers erhöht und er wird zum Nachdenken gebracht. Es ist festzustellen, dass sich der Rezipient mit Hilfe der rhetorischen Fragen in die Realität des Werbespots einbezogen wird. Bis zur elften Szene des Spots ahnt der Zuschauer eigentlich nicht, wofür in diesem Spot geworben wird, weil hier kein einziges Wort über die Versicherung verwendet wird und keinen eindeutigen Hinweis darauf gibt. Auf diese Weise wird versucht, die Aufmerksamkeit des Zuschauers bis zum Ende des Werbespots aufrechtzuerhalten. Da dieser Spot keine Auskunft über die bestimmten Versicherungsprodukte gibt, kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass dieser Werbespot genauso wie die ERGO-Werbeanzeige eine imagevermittelnde Funktion erledigt. 7. Analyse der ERGO-Werbeanzeigen- und des Spots für Deutschland Dieses Kapitel, das aus den zwei Unterkapiteln besteht, beschäftigt sich mit den Werbeanzeigen und dem Werbespot von ERGO, die 2012 in Deutschland erschienen sind. Dabei ist es von großer Wichtigkeit herauszufinden, welche Funktion die zu analysierenden Anzeigen und der Spot haben und welches Ziel sie verfolgen. 7.1 Analyse der Werbeanzeigen Im vorliegenden Kapitel werden Bild- und Textelemente der ausgewählten Werbeanzeigen von ERGO untersucht. Dabei ist es wichtig klarzumachen, in welchem Verhältnis allediesen Elemente zueinander stehen. Darüber hinaus soll die Frage beantwortet werden, welche Funktionen die zu analysierenden Anzeigen haben. Da in diesem Kapitel vier Anzeigen analysiert werden, wird notwendig, sie zu vergleichen. In Deutschland sind sechs Anzeigenmotive zur ERGO Werbekampagne 2012 zu finden: „Sich schon besser verstehen“, „Ein erstes Verstehen“, „Gefühle verstehen“ sind die Titel, nach denen die Werbeanzeigen drei Gruppen zugeordnet werden können. Zu jeder Gruppe zählen zwei Anzeigen, die so ähnlich sind, dass es kaum Unterschiede zwischen ihnen gibt. Alle diesen Werbeanzeigen vereingit der Leitgedanke „Verstehen. Je mehr, desto besser.“, der sich als „Brücke 42 zum ERGO Markenversprechen: Versichern heißt verstehen.“218 erweist. In der neuen ERGOWerbung sieht man die Porträte von verschiedenen Menschen. Das Ziel der Anzeigen ist, zu zeigen, was ein Mensch fühlt und woran er denkt, als er versteht.219 In den Anzeigen, die zu der Gruppe mit dem Titel „Sich schon besser verstehen“ gehören, wird eine junge Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren porträtiert.Aufgrund ihres provozierenden Aufsehens - sie hat rot, rosa und grün gefärbte Haareund einen Nasenring - lässt sich diese Frau als Punk betrachten. In der ersten Anzeige fällt auf, dass ihre Fläche durch eine horizontale Linie in zwei Teile geteilt ist. In beiden Teilen ist ein Foto-Porträt der unter einem Regenschirm stehenden Frau auf der rechten Seite zu sehen. Im Vordergrund auf der linken Seite sind die Textelemente angesiedelt, die in den beiden Teilen unterschiedlich sind. Auf dieser Seite ist ebenfalls der unscharfe Hintergrund zu sehen, auf dem man eine Straße mit den fahrenden Autos und der Regen erkennen kann. Abbildung 6: Die erste ERGO-Werbeanzeige „Sich schon besser verstehen“ (Quelle: http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Bilder/Anzeigenmotive-Plakate) Im oberen Teil dieser Anzeige steht eine aus drei Wörtern bestehende Schlagzeile: „Versicherungsbedingungen: ein Folterwerkzeug?“ Durch weiße Farbe und fett gedruckte Schriftart wird sie von dem Hintergrund der Anzeige abgehoben. Da in dieser Schlagzeile ein Doppelpunkt 218 Anzeigenmotive und Plakate: http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Bilder/Anzeigenmotive-Plakate [gefunden am 08. Mai 2012]. 219 Vgl., ebd. 43 statt eines Verbs steht, kann man von einer Ellipse sprechen. Die Ellipse hat die Funktion, die Schlagzeile möglichst kurz zu formulieren, so dass sie einprägsam ist. Das am Schluss der Schlagzeile stehende Fragezeichen weist darauf hin, dass diese Schlagzeile als eine rhetorische Frage zu verstehen ist. Die Satzstellung dieser Schlagzeile entspricht aber nicht der Satzstellung eines Fragesatzes, weil am Anfang das Verb fehlt. Es lässt sich feststellen, dass in dieser Schlagzeile das Spiel durch normwidrige Syntax vorgenommen wird220, um die Aufmerksamkeit von Rezipienten zu erhöhen. In dieser Schlagzeile enthalten die Versicherungsbedingungen eine negative Bedeutung, da sie mit einem Folterwerkzeug gleichgesetzt werden. Infolge dieser Gleichsetzung werden die Versicherungsbedingungen als Instrument bestimmt, mit dem die Kunden gequält werden. Damit wird angedeutet, dass der Inhalt von Versicherungsbedingungen zu umfangreich und zu kompliziert ist. Es ist nicht zu widersprechen, dass in dieser Anzeige eine Relation zwischen der Schlagzeile und dem Bild besteht. Die Mimik der dargestellten Frau zeigt deutlich, dass sie mit den bestehenden Versicherungsbedingungen unzufrieden ist. Ihre gerunzelte Stirn signalisiert, dass sie einen Vorwurf gegen diejenigen Versicherer erhebt, die das Leben von Menschen mit peinlichen und komplizierten Bedingungen erschweren. In diesem Zusammenhang lässt sich die Darstellung einer Angehörigen der Punk-Subkultur erklären. Es ist gewiss, dass eine rebellische Haltung gegenüber Institutionen und Gesellschaft für die Mitglieder dieser Subkultur kennzeichnend ist. 221 In dieser Werbeanzeige rebelliert die Pank-Frau gegen die Versicherungsunternehmen, genauer gesagt, gegen die bestehenden Versicherungsbedingungen. Im unteren Teil der Anzeige ist eine andere Schlagzeile zu finden, die durch die fett gedruckte und ziemlich große Schrift die Aufmerksamkeit erregt: „Nicht, wenn sie kurz und klar sind!“ Es fällt sofort auf, dass sich diese Schlagzeile inhaltlich auf die vorige Schlagzeile bezieht. Das Personalpronomen sie und das Verb sein, das in der dritten Person Plural steht, weisen darauf hin, dass es in dieser Schalgzeile ebenfalls die Rede von den Versicherungsbedingungen ist. Es ist nicht zu übersehen, dass in dieser Anzeige mit den verschiedenen Appellfiguren variiert wird, wodurch der appellative Charakter der Werbung deutlich zum Ausdruck kommt. Diese Schalgzeile erscheint in Form eines Ausrufs und lässt sich somit als Antwort auf die vorherige Schalgzeile interpretieren, die als rhetorische Frage formuliert wurde. Mit der Negationspartikel nicht wird verneint, dass die Versicherungsbedingungen ein Folterwerkzeug sind. Mit dem Konditionalsatz wird deutlich gemacht, unter welchen Bedingungen diese verneinte Aussage richtig ist. Es ist eindeutig, 220 221 dass das Ziel dieser Schlagzeile ist, zwei positive Eigenschaften von Vgl. Janich, Nina: Werbesprache: Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr Verlag, 5., erweiterte Auflage, 2010, S. 206. Vgl. Punk: http://www.laut.de/Punk-%28Genre%29 [gefunden am 08. Mai 2012]. 44 Versicherungsbedingungen, nämlich Kürze und Klarheit, hervorzuheben. Auf diese Weise werden die Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen besonderen Nutzen aus den neuen Versicherungsbedingungen ziehen können. Es ist nicht zu widersprechen, dass eine Verknüpfung zwischen der Schlagzeile und dem Bild der Anzeige besteht. Im Gesicht der dargestellten Frau ist ein Lächeln zu sehen, was bedeutet, dass sie mit den kurzen und klaren Versicherungbedingungen zufrieden ist. Im unteren Teil der Anzeige ist noch ein Fließtext vorhanden, der durch einen kleinen Abstand von der Schlagzeile getrennt steht. Der Fließtext ist typografisch einheitlich gestaltet. Solche Gestaltung erweckt den Eindruck, dass alle Sätze gleich wichtig sind. Der Fließtext dieser Anzeige besteht aus drei Sätzen und lässt sich somit als Kurztext betrachten. Sein Satzbau ist einfach und parataktisch, was den Text verständlicher macht. Der Fließtext lautet: „ERGO hat die Versicherungsbedingungen vereinfacht und verkürzt, z.B. bei der Privathaftpflicht. Statt eines 38seitigen Bedingungsheftes erhalten Sie heute ganz einfach 4 Seiten. Dabei wurde der Leistungsumfang größer und das Ganze sogar noch verständlicher. Mehr dazu auf ergo.de“ Im ersten Satz wird festgestellt, dass die Versicherungsbedingungen von ERGO einfacher und kürzer geworden sind. Es ist offensichtlich, dass dieser Satz an die Aussage der Schlagzeile anknüpft. Mit dem zweiten Satz wird die Aussage der Schlagzeile ausgeführt, indem klargemacht wird, inwiefern die Versicherungbedingungen verändert wurden. Die Seitenzahl des alten und des neuen Bedingungsheftes wird in Ziffern und nicht in Buchstaben geschrieben, so dass sie besonders hervorgehoben wird. Um den Rezipienten der Werbeanzeige zu beeindrucken, wird im letzten Satz erläutert, dass die veränderten Versicherungsbedingungen weitere positive Auswirkungen mit sich gebracht haben. Der Fließtext endet mit einem Hinweis darauf, wo weitere Informationen zu diesem Thema zu finden sind. Damit wird die Informationssuche aus der Sicht des Adressaten erleichtert. So erfüllt der Fließtext neben seiner informierenden Funktion noch eine weitere, die darin besteht, die Glaubwürdigkeit zu erzeugen. In der unteren rechten Ecke der Anzeige sind das Logo und der unter ihm stehende Slogan des werbenden Unternehmens auf einer roten Fläche plaziert. Eine gewisse Relationbesteht zwischen dem Slogan und anderen Textelementen. Diese Relation lässt folgende Schlussfolgerung ziehen: Mit dieser Werbeanzeige wird ERGO als ein Versicherer vorgestellt, der nicht nur versteht, dass sich die Kunden von umfangreichen und komplizierten Versicherungsbedingungen gequält fühlen, sondern auch eine gute Lösung für das bestehende Problem bietet. 45 Schlagzeile, Fließtext, ERGO-Logo, Slogan und Bild sind die Bausteine der zweiten Anzeige. Diese Anzeige ähnelt der ersten Anzeige, aber es gibt auch einige Unterschiede zwischen ihnen. Die Fläche der zweiten Anzeige ist nicht in zwei Teile geteilt. Da sich Porträt der Punk-Frau beinahe auf die ganze Anzeigenfläche erstreckt, werden die Schlagzeile und der Fließtext in das Bild eingefügt. Der Fließtext dieser Anzeige ist identisch mit dem Fließtext der ersten Anzeige, da er genau dieselben Informationen vermittelt, was aber nicht der Fall bei der Schlagzeile ist. Die Schlagzeile der zweiten Anzeige lautet: „Vom Folterwerkzeug zur Kurzgeschichte.“ Diese Schalgzeile scheint eine Zusammenfassung von den beiden Schlagzeilen der ersten Anzeige zu sein. Ebenso wie mit der ersten Anzeige wird auch mit dieser Anzeige angestrebt, die Adressaten über die geänderten Versicherungsbedingungen zu informieren bzw. die Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Abbildung 7: Die zweite ERGO-Werbeanzeige „Sich schon besser verstehen“ (Quelle: http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Bilder/Anzeigenmotive-Plakate) Die zwei Werbeanzeigen, die den Titel „Ein erstes Verstehen“ tragen, ähneln einander, weil in den beiden derselbe Mann porträtiert wird, der im Alter zwischen 39 und 42 Jahren ist, und weil die beiden die gleichen Textelemente aufweisen. Die Fläche der ersten Anzeige ist durch eine vertikale Linie in zwei Teile geteilt. Die beiden Teile sind farbig und mit typografischen bzw. fotografischen Elementen gestaltet. In beiden Teilen wird ein großes Foto-Porträt dargestellt, in das zum Teil die Schlagzeile eingefügt ist. Da dieses fotografische Element beinahe die ganze Anzeigenfläche umfasst, wird der Blick des Betrachters zunächst darauf gerichtet. So erfüllt das Porträt die Blickfunktion. 46 Abbildung 8: Die erste ERGO-Werbeanzeige „Ein erstes Verstehen“ http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Bilder/Anzeigenmotive-Plakate) (Quelle: Im linken Teil der Anzeige sind sechs untereinander stehende Teiltexte zu sehen, die auf dem linken Seitenrand der Anzeigenfläche angesiedelt sind. Diese Teiltexte lauten: „Verunsicherung verstehen. Distanz verstehen. Fragezeichen verstehen. Einen eigenen Kopf verstehen. Einen Scherz verstehen. Ein erstes Verstehen.“ Durch die weiße Farbe und fett gedruckte Schriftart werden diese Teiltexte von dem bunten Hintergrund abgehoben. In fünf Teiltexten erscheint das Verb verstehen zusammen mit einem bestimmten Objekt, wodurch ein gewisser Verstehensprozess ausgedrückt wird. In diesen Teiltexten wird die Epipher verwendet, weil das Verb verstehen immer die Endposition hat. In dem letzten Teiltext kommt aber das Substantiv Verstehen, was den Eindruck erweckt, dass in diesem Teiltext der in den anderen Teiltexten angefangene Verstehensprozess abgeschlossen wird. Da sich allediesen Teiltexte inhaltlich aufeinander beziehen, lassen sie sich als sechsteilige Schlagzeile bestimmen. Man kann behaupten, dass der Verstehensprozess nicht nur mit der Schlagzeile sondern auch mit dem Bild der Anzeige zum Ausdruck gebracht wird. Der Gesichtsausdruck des im Porträt dargestellten Mannes - seine gerunzelteStirn und halb verschlossenen Augen - strahlteine gewisse Nachdenklichkeit. Der Mann ist tief in seinen Gedanken versunken und scheint sogar in ihnen verloren zu sein, wenn er versucht, alles zu verstehen. Im rechten Teil der Anzeige ist die Schalgzeile auf dem linken Seitenrand der Anzeigenfläche angesiedelt. Die Schalgzeile lautet: „Verstehen. Je mehr, desto besser.“ Es fällt auf, das das Wort verstehen alleine steht. Auf diese Weise wird dieses Wort besonders hervorgehoben. Da es sich in dieser Schlagzeile ebenfalls um das Verstehen handelt, lässt es sich behaupten, dass 47 eine Verknüpfung zwischen dieser Schlagzeile und der vorherigen Schlagzeile besteht. Mit dieser Schlagzeile wird deutlich gemacht, dass es von großer Bedeutung ist, nicht nur das zu verstehen, was in der vorherigen Schlagzeile erwähnt wurde, sondern auch viel mehr. Die ganz geöffneten Augen und ein kleines Lächeln im Gesicht des Manneszeigen, dass er so einer Schlagzeile völlig zustimmt. Die Werbeanzeige wird in der unteren rechten Ecke durch das Logo und den Slogan der werbenden Versicherungsgruppe ergänzt. Diese Textelemente erscheinen auf einer Fläche, die durch die rote Hintergrundfarbe von der übrigen Anzeigenfläche abgegrenzt ist. Da der Slogan von ERGO ebenfalls das Wort verstehen enthält, kann man behaupten, dass der Slogan und die Schlagzeile in einem Verhältnis zueinander stehen, wobei die Schlagzeile den Slogan ergänzt. Mit dieser Werbeanzeige wird angestrebt, das positive Image des Unternehmens unter den Kunden zu vermitteln. Die Anzeigenfläche der zweiten Anzeige ist nicht in zwei Teile geteilt, was bei der ersten Anzeige der Fall war. Diese Anzeige enthält typografische und fotografische Elemente. Ein großflächiges Foto-Porträt umfasst fast die ganze Anzeigenfläche, wodurch es in den Fokus der Aufmerksamkeit gerät. Abbildung 9: Die zweite ERGO-Werbeanzeige „Ein erstes Verstehen“ http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Bilder/Anzeigenmotive-Plakate) (Quelle: Auf dem linken Seitenrand der Anzeigenfläche ist die sechsteilige Schlagzeile angesiedelt, die durch ihre weiße Farbe und fett gedruckte Schriftart den Blick des Betrachters auf sich zieht. Unter dieser Schlagzeile steht eine andere Schlagzeile, die in kleiner Schrift abgedruckt ist. Die unterschiedliche Schriftart der beiden Schlagzeilen, legen die Vermutung nahe, dass in dieser 48 Anzeige eine größere Betonung auf die sechsteilige Schlagzeile gelegt wird. In der unteren linken Ecke der Anzeige sind das Logo und der Slogan von ERGO auf einer durch die rote Hintergrundfarbe abgegrenzten Fläche plaziert. Da alle diesen Textelemente in einer vertikalen Reihe stehen, ist es gut sichtbar, wie sich die Position des Wortes verstehen innerhalb der Textelemente ändert: Zunächst steht es am Ende, dann erscheint es am Anfang und letztens wird es wiederum am Satzende gestellt. Damit wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass das Ziel dieser Werbeanzeige ist, das Markenversprechen von ERGO in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Die Werbeanzeigen der beiden Gruppen verfolgen unterschiedliche Ziele. Mit den Anzeigen, die zu der Gruppe mit dem Titel „Sich schon besser verstehen“ gehören, wird es angestrebt, die Kunden über die geänderten Versicherungsbedingungen zu informieren. Das Ziel der Anzeigen der anderen Gruppe ist, für das Markenversprechen von Ergo zu werben und somit das attraktive Image des Versicherungsunternehmens zu vermitteln. Obwohl die Ziele aller analysierten Werbeanzeigen unterschiedlich sind, ist ihre Gestaltung ähnlich. Alle Anzeigen sind farbig und mit typografischen und fotografischen Elementen gestaltet. In allen Anzeigen wird ein Foto-Porträt dargestellt, das eine Blickfangfunktion hat. Da in allen diesen Anzeigen die realen Menschen abgebildet sind, wird der Realitätsbezug deutlich zum Ausdruck gebracht, was als eine der wichtigsten Forderungen der Versicherungswerbung gilt. Es ist zu beachten, dass in den Werbeanzeigen der beiden Gruppen die Personen unterschiedlichen Alters porträtiert sind. Im Anschluss darauf lässt sich zum Teil die Zielgruppe bestimmen, an die die ERGO-Werbung gerichtet ist. Das sind die Personen, die im Alter zwischen 24 und 42 Jahren sind. In jeder Gruppe gibt es eine Anzeige, deren Fläche in zwei Teile geteilt ist, und eine andere Anzeige, in der es auf diese Teilung verzichtet wird. Die zweiteiligen Werbeanzeigen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Bilder einen dynamischen Eindruck machen. Durch unterschiedliche Kopfhaltung und die Mimik der dargestellten Personen in beiden Teilen wirdeine gewisse Bewegungsuggeriert. 7.2 Analyse des Werbespots In diesem Kapitel wird ein ausgewählter ERGO-Werbespot untersucht, wobei seine visuellen und auditiven Elemente in Betracht gezogen und mit unterschiedlichen Kategorien der Filmanalyse beschrieben werden. Die Analyse soll die Werbebotschaft erschließen, die mit dem Spot an den Zuschauer vermittelt wird. 49 Zu der ERGO-Werbekampagne, die zurzeit in Deutschland durchgeführt wird, zählen fünf Werbespots, die im Februar 2012 in Los Angeles gedreht wurden und deren Regie von Leila und Damien de Blinkk geführt wurde.222 „Sich schon besser verstehen“, „Ein erstes Verstehen“, „Gefühle verstehen“,„Sich verstehen“, „Gut verstehen“ sind die Titel, die die Spots tragen. Ebenso wie in den Werbeanzeigen ist der Leitgedanke „Verstehen. Je mehr, desto besser.“ auch in allen diesen Werbespots zu finden. Es ist beachtenswert, dass die Titel von drei ERGO-Spots identisch mit den Anzeigentiteln sind und dass in den Spots diejenigen Protagonisten auftreten, deren Porträte in den Anzeigen abgebildet sind. Da alle ERGO-Werbespots sehr ähnlich aufgebaut sind, wird in der vorliegenden Arbeit nur ein Werbespot mit dem Titel „Sich schon besser verstehen.“ analysiert. Der zu analysierende ERGO-Spot, der 32 Sekunden lang ist, vereint in sich vier Zeichenmodalitäten. Das sind Musik, Geräusche, Sprache und Bild. Auf der akustisch-auditiven Ebene des Werbespots werden Musik, Geräusche und Sprache eingesetzt. Vom Anfang bis zum Ende des Spots wird der Song „Sunrise“ von Norah Jones und Lee Alexander im Hintergrund gespielt. Die Musik erfüllt in diesem Spotdie atmosphärische Fuktion. Im Hintergrund des Spots sind auch tertiäre Geräusche zu hören, die auf den Handlungsort und die Wetterbedingungen verweisen. Die Protagonistin des Werbespots spricht nicht, aber der Zuschauer hört den Sprecher des männlichen Geschlechts aus dem Off. Die visuelle Ebene des Spots umfasst ein Bild und einen geschrieben eingeblendeten Text. Es fällt auf, dass in diese Werbespot keine Veränderungen von Zeit, Ort und Figuren vollzogen werden. Aus diesem Grund lässt sich behaupten, dass der zur Analyse stehende Spot aus einer einzigen Szene besteht. Die einzige Protagonistin, die in diesem Werbespot auftritt, ist eine junge Frau, deren Aussehen auf ihre Angehörigkeit zur Punk-Subkultur verweist. In diesem Spot wird eine Normalperspektive eingesetzt, die ermöglicht, die Figur auf Augenhöhe zu betrachten. Die Frau wird von Kopf bis Brust gezeigt. Da die nahe Kamera-Einstellung hier zum Einsatz kommt, lässt sich die Mimik der Protagonistin beobachten. In dem unscharfen Hintergrund ist eine Straße zu erkennen, auf der langsam ein Auto fährt. Sowohl im Hintergrund als auch im Vordergrund des Bildes lässt sich der Regeneffekt sehen, dass mit Computereinsatz gemacht wurde. Es ist beachtenswert, dass der Regen nicht nur visuell sondern auch auditiv wahrnehmbar ist. Im zu analysierenden Spot sind neun Aussagen zu hören, die aus dem Off erfolgen. Zwischen allen diesen Aussagen wird eine Pause gemacht, die eine oder zwei Sekunden dauert. Die ersten drei Aussagen lauten: „Nein, danke, verstehen. Nee, bloß nicht verstehen. Never verstehen.“ Alle diese Aussagen sind negierende Aussagen, in denen die Negation unterschiedlich ausgedrückt 222 Vgl. Die ERGO Werbespots: http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Videos [gefunden am 13. Mai 2012]. 50 wird. In der ersten Aussage wird das Negationswortnein verwendet. In der nächsten Aussage wird das umgangssprachliche Negationswort Wort nee eingesetzt. Die letzte Aussage enthält das englische Wort never. Es ist nicht zu übersehen, dass alle drei Wörter mit dem gleichen Laut anfangen, was den Einsatz der Alliteration bedeutet. Es lässt sich behaupten, dass eine rebellische Haltung gegen das Verstehen mit diesen negierenden Aussagen zum Ausdruck gebracht wird. Aber nicht nur dadurch wird diese Haltung ausgedrückt, sondern auch durch das provozierende Aussehen der Protagonistin und zum großen Teil durch ihre Mimik. Die gerunzelte Stirn und ein wenig geöffneter Mund der Frau zeigen deutlich, dass sie die Idee des Verstehens ablehnt. Es ist nicht zu widersprechen, dass der gesprochene Text und das Bild des Spots in einem Verhältnis der Komplementarität zueinander stehen. Nach den drei negierenden Aussagen folgen weitere Aussagen, die lauten: „Ach so, verstehen. Okay, vielleicht verstehen. Das wäre cool verstehen. Sich schon besser verstehen.“ An dieser Stelle kommt es deutlich zu Ausdruck, dass die zuvorige rebellische Haltung gegen das Verstehen durch die Entscheidung für das Verstehen ersetzt wird. Diese Entscheidung wird von dem Lächeln der Protagonistin begleitet, was wiederum bedeutet, dass eine Relation zwischen dem Gesprochenen und Bild besteht. Abbildung 10: Auszug aus dem http://www.ergo.com/de/Presse/Overview/Mediathek/Videos) ERGO-Werbespot (Quelle: Es ist zu beachten, dass am Anfang der dritten Aussage einige Veränderungen auf der akustischauditiven Ebene des Werbespots vorgenommen wurden. Erstens wurden die Geräusche beseitigt, die bis daher ab und zu eingesetzt wurden. Zweitens ist die Hintergrundmusik dynamischer und 51 lauter als vorher, wobei der Eindruck entsteht, dass sie eine fröhliche Stimmung vermittelt. Es ist zu behaupten, dass die Entscheidung für das Verstehen auch durch den geänderten akustischen Hintergrund unterstützt wird. Dies zeigt, dass alle Zeichenmodalitäten in diesem Werbespot miteinander verknüpft sind. Die Entscheidung für das Verstehen wird nochmals in der nächsten Aussage aus dem Off bestätigt: „Verstehen. Je mehr, desto besser.“ Beim Aussprechen des Wortes verstehen steigt die Stimme des Off-Sprechers nach oben, wodurch dieses Wort besonders hervorgehoben wird. Der Werbespot wird mit der Aussage abgeschlossen, in der das werbende Unternehmen und sein Slogan genannt werden. Paralell dazu erscheinen auf dem Bildschirm das Logo und der Slogan von ERGO. Durch die Synchronie von gesprochener und geschriebener Sprache wird an dieser Stelle eine besondere Aufmerksamkeit auf den werbenden Versicherungskonzern gelenkt. Im analysierten Werbespot gibt es mehrere Hinweise darauf, dass er an eine jugendliche Zielgruppe gerichtet ist. Erstens tritt im Spot eine junge Punk-Frau auf. Zweitens weist der Spot solche sprachlichen Phänomene auf, die für die Jugendsprache typisch sind. Zu diesen sprachlichen Phänomenen gehören unvollständige Sätze und drei Anglizismen, nämlich never, okay und cool. Im analysierten Werbespot wird das Wort verstehen mehrmals wiederholt. Aber erst am Ende des Spots wird deutlich gemacht, dass zwischen diesem Wort und Slogan des werbenden Unternehmens eine Relation besteht. Es lässt sich sagen, dass mit diesem Spot angestrebt wird, ERGO als Versicherer vorzustellen, der Anliegen und Bedürfnisse von seinen Kunden versteht. 8. Vergleich der deutschen und litauischen ERGO-Werbung 8.1Aufbau von Werbeanzeigen und -Spots Die Aufgabe dieses Kapitels besteht darin, die Text- und Bildelemente von den deutschen und litauischen Werbeanzeigen sowie die Zeichenmodalitäten, die zwischen ihnen bestehende Relation und den Szenenablauf von Werbespots zu vergleichen. Alle Anzeigen sind farbig und mit den typografischen und fotografischen Elementen gestaltet. Das Logo und der Slogan des werbenden Versicherungskonzerns ERGO sowie die Schlagzeile sind die Textbausteine, die in jeder analysierten Anzeige vorhanden sind. Die Gestaltung aller Anzeigen zeichnet sich dadurch aus, dass die fotografische Abbildung beinahe die ganze Anzeigenfläche umfasst und dadurch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. Diese fotografischen Elemente erfüllen eine Blickfunktion.In den deutschen Anzeigen 52 werden die Personen porträtiert, wobei ihr Kopf und ein Teil der Schultern abgebildet werden. Aufgrund solcher Abbildung steht die Mimik der dargestellten Figuren deutlich im Vordergrund. Anders als in den deutschen Werbeanzeigen wird die Person in der litauischen Anzeige von Kopf bis zum Ende des Oberkörpers gezeigt. In allen Anzeigen bleibt der Hintergrund unscharf, so dass die dargestellten Personen in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Da in den Anzeigen reale Menschen abgebildet werden, kommt Realitätsbezug, der eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Versicherungswerbung ist, sehr deutlich zum Ausdruck. In drei deutschen Anzeigen wird die Schlagzeile in das Bild integriert, was aber nicht der Fall in der litauischen Anzeige ist. In allen Werbeanzeigen wird die Schlagzeile durch die Schriftfarbe vom Hintergrund abgehoben. In den deutschen Anzeigen steht die Schlagzeile in der weißen und fett gedruckten Schriftart, weil der Hintergrund bunt ist. In der litauischen Anzeige steht eine Schlagzeile in grauer Schrift, weil die hellen Pastellfarben im Hintergrund dominieren. Die andere in weißer und fett gedruckter Schrift stehende Schlagzeile erscheint auf der roten Fläche. Alle Werbeanzeigen enthalten das Logo und den Slogan von ERGO. In den deutschen Anzeigen sind diese Textelemente entweder in der unteren rechten oder in der unteren linken Ecke angesiedelt. Die in weißer Schrift gedruckten Logo und Slogan stehen auf einer Fläche, die durch rote Hintergrundfarbe von der übrigen Anzeigenfläche abgegrenzt ist.In der litauischen Anzeige sind Logo in roter Schrift und der Slogan in schwarzer Schrift abgedruckt. Die beiden Textelemente sind beinahe in der Mitte des unteren Teils der Anzeige auf einer weißen Fläche plaziert. Die Elemente jeder Werbeanzeige stehen in einem Verhältnis der Komplementarität zueinander. Der Slogan, der in der Forschung als autonomes Textelement bestimmt wird, steht in einer Relation mit den anderen Textbausteinen. Diese Relation ist von großer Bedeutung, weil sich daraus die Kernbotschaft der Anzeigen resultiert. Der erste Unterschied zwischen den beiden Werbespots liegt in der Länge: Der deutsche Spot ist 32 Sekunden lang, während der litauische Spot 40 Sekunden dauert. Der nächste Unterschied betrifft die Zeichenmodalitäten, die in den Spots zum Einsatz kommen. Im deutschen Werbespot werden Musik, Geräusche, Sprache und Bild miteinander kombiniert, während im litauische Spot Musik, Sprache und Bild zusammenwirken. Die Zeichenmodalität Sprache wird in den beiden Spots unterschiedlich eingesetzt. Im deutschen Spot wird die Sprache sowohl akustischauditiv als auch visuell wahrgenommen, da man den Sprecher aus dem Off hört und den auf dem Bildschirm geschrieben eingeblendeten Text sieht. In dem litauischen Spot ist die Sprache erst visuell wahrnehmabar, weil sie als geschriebener Text in Erscheinung tritt. 53 Es ist nicht zu übersehen, dass eine Relation zwischen den Zeichenmodalitäten in beiden Spots besteht. Im deutschen Spot beeinflusst die Off-Stimmedie Mimik der Protagonistin. Musik und Geräusche unterstützen die im Spot herrschende Stimmung, die sich aus der Relation zwischen Sprache und Bildergibt. Deswegen lässt sich feststellen, dass alle Zeichenmodalitäten in diesem Spot miteinander verknüpft sind. Im litauischen Spot besteht eine Relation zwischen der geschriebenen Sprache und dem Bild, wobei sich der auf dem Bildschirm erscheinende Text inhaltlich auf das Dargestellte bezieht. Innerhalb des deutschen Spots gibt es keine Veränderungen, die Zeit, Ort oder Figuren betreffen. Dadurch ensteht der Eindruck, dass er eine einzige Szene darstellt. Im Gegensatz zu dem deutschen Spot besteht der litauische Spot aus zwölf Szenen, in denen unterschiedliche Figuren auftreten und in denen sich Zeit und Ort ändern. Die beiden Werbespots sind so aufgebaut, dass der Zuschauer bis zum Ende der Spots nicht ahnt, was dabei geworben wird. Auf diese Weise wird angestrebt, die Aufmerksamkeit des Adressaten bis zur letzten Sekunde beizubehalten. Am Ende des deutschen Spots kann der Zuschauer das Logo und den Slogan des werbenden Unternehmens nicht nur hören, sondern auch lesen. Im litauischen Spot sind diese Textelemente nur visuell wahrnehmbar. Es lässt sich behaupten, dass das Logo und der Slogan im deutschen Werbespot mehr akzentuiert werden. Die fotografische Abbildung einer Person, die Schlagzeile, das Logo und der Slogan des werbenden Unternehmens sind diejenigen Elemente, die in allen Werbeanzeigen unterschiedlich eingesetzt werden. 8.2 Sprachliche und visuelle Gestaltung von Werbeanzeigen und -Spots In diesem Kapitel wird sprachliche und visuelle Gestaltung von deutschen und litauischen Werbeanzeigen und –Spots verglichen. In der litauischen Werbeanzeige und in den deutschen Anzeigen, die in zwei Teile geteilt sind, sind zwei Schlagzeilen vorhanden, die sich inhaltlich aufeinander beziehen, indem eine Schlagzeile die andere ergänzt. Die Schlagzeilen der deutschen Anzeigen zeichnen sich dadurch aus, dass sie kurz sind. Sie enthalten von drei bis fünf Wörter. Auch in der litauischen Anzeige gibt es eine aus drei Wörtern bestehende Schlagzeile. Die andere Schlagzeile enthält schonneun Wörter. Die Schlagzeilen der litauischen Anzeige sind als vollständige Aussagesätze formuliert. In den deutschen Anzeigen erscheinen die Schlagzeilen entweder als unvollständige Aussagesätze oder als rhetorische Frage bzw. Ausruf. 54 Anders als in der litauischen Anzeige werden in den deutschen Werbeanzeigen auch rhetorische Mittel verwendet. Zu diesen Mitteln zählen die zwei bereits erwähnten Appellfiguren, die Epipher sowie elliptischer Satzbau. Sowohl in der litauischen Werbeanzeige als auch in den deutschen Anzeigen, die in zwei Teile geteilt sind,besteht eine Relation zwischen den Schlagzeilen und dem Bild. In der litauischen Anzeige wird es durch diese Relation deutlich gemacht, dass die Kinder das Wichtigste und Wertvollste im Leben eines Menschen sind. In der deutschen Anzeige („Sich schon besser verstehen“) wird eine Angehörige der Punk-Subkultur dargestellt, um die rebellische Haltung gegenüber den quälenden Versicherungsbedingungen zu illustrieren. Es ist auch erwähnenswert, dass die Mimik der dargestellten Personen und der Inhalt der Schlagzeile auch in einer Relation stehen. Die sprachliche Gestaltung der beiden Spots unterscheidet sich vor allem dadurch, dass im litauischen Spot erst geschriebene Sprache auf dem Bildschirm erscheint, während im deutschen Spot die gesprochene Sprache dominiert. In beiden Spots werden unvollständige Sätze verwendet, die verschiedene Absichten verfolgen. Im litauischen Spotwird damit angestrebt, den Text möglichst kurz zu formulieren. Im deutschen Spot wird damit versucht, eine jugendliche Zielgruppe zu erreichen.Im litauischen Werbespot wird der Zuschauer auf zweierlei Weise angesprochen: Zum einen durch die rhetorischen Fragen, die ihn zum Nachdenken bewegen sollen; zum anderen durch die am Endedes Spots erscheinende Apostrophe. Im litauischen Spot werden fünf Situationen gezeigt, wobei sich die Darstellung jeder Situation innerhalb der zwei Szenen vollzieht. In der ersten Szene wird ein Objekt oder Subjekt vorgestellt, indem ein Bild und ein sich darauf beziehender Text gezeigt werden. In der nächsten Szene wird auf eine implizite Weise darauf hingewiesen, dass dieses Objekt oder Subjekt eine besondere emotionale Bedeutung hat.In diesen zwei Szenen werdenunterschiedliche KameraEinstellungsgröße eingesetzt, um den Akzent auf das Wichtigste zu legen. Die Schlagzeile, die beinahe am Ende des Spots auftaucht, ergänzt das Dargestellte. Diese Schlagzeile ist identisch mit einer Schlagzeile aus der Werbeanzeige. Dies ist nicht einzige Parallelle zwischen dem litauischen Spot und der Anzeige. In den beiden werden eine Mutterfigurund das Familienbild dargestellt. Im deutschen Spot tritt nur eine Protagonistin auf, die von Kopf bis Brust gezeigt wird. Vom Anfang bis zum Ende des Spots wird die nahe Kamera-Einstellung beibehalten. Bei der visuellen Gestaltung des deutschen Spots wird der Fokus auf die Mimik der Protagonistin gelegt, die von der Off-Stimme beeinflusst wird. Auf diese Weise wird es gezeigt, wie sich die Haltung der Protagonistin dem Verstehen gegenüber ändert. Ebenso wie zwischen dem litauischen Spot und der 55 Anzeige gibt es auch zwischen dem deutschen Spot und der Anzeige eine Parallelle. In den beiden wird die gleiche Frau dargestellt. Sowohl in den Werbeanzeigen als auch in den Werbespots der beiden Länder wird kein bestimmtes Versicherungsprodukt angeboten, sondern es wird für das Image des werbenden Versicherungskonzerns geworben.Mit der Werbung wird angestrebt, den Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu erhöhen und sein Erscheinungsbild zu vermitteln. In der litauischen Anzeige und dem Spot wird ein positives Bild von ERGO geschaffen, indem das Unternehmenmit einer Mutterfigur gleichgesetzt wird, die in der Gesellschaft mit den positiven Konnotationen verbunden ist. Auf diese Weise werden in der Werbung die größten gesellschaftlichen Werte angesprochen. In den deutschen Anzeigen und dem Spot entsteht das positive Erscheinungsbild dadurch, dass ERGO als ein Versicherer präsentiert wird, der vor allem darüm bemüht ist, möglichst viel von dem Menschen zu verstehen. In diesem Kapitel wurde festgestellt, dass eine bestimmte Verknüpfung zwischen den sprachlichen und visuellen Elementen sowohl in den Werbeanzeigen als auch in den Spots besteht. Im Weiteren wird deutlich gemacht, dass einige Gestaltungsprinzipien in den Anzeigen und Spots übereinstimmen. 8.3 Kulturaspekt in der deutschen und litauischen Werbung Die Werbeanzeigen und -Spots, die für Deutschland und Baltische Länder entwickelt wurden, übermitteln verschiedene Werbebotschaften, die im Hinblick auf den Aufbau und die sprachliche und visuelle Gestaltung unterschiedlich sind. Darüber hinaus werden in der Werbung der beiden Länder auch kulturelle Besonderheiten berücksichtigt. Das weist darauf hin, dass die deutsche Werbung für die Baltischen Länder lokalisiert wird. In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Kulturstandardausprägungen sich in der deutschen und litauischen Werbung erkennen lassen, um herausfinden zu können, welches Bild Litauens dabei entsteht. In Litauen kommt eine besondere Bedeutung dem Gefühl der Zugehörigkeit zu der Familie zu, was sich als Tendenz zum Kollektivismus betrachten lässt.223Diese Tendenz ist spürbar sowohl in der litauischen Werbeanzeige als auch in dem Spot. In der Anzeige wird die Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind auf implizite Weise dargestellt sowie die Assoziation mit dem Ehemann geweckt, wodurch familiäre Beziehungen zum Ausdruck gebracht werden. Auch im litauischen Werbespot erscheint ein Familienbild, in dem eine schwangere Frau und ein Mann gezeigt werden, Vgl. Kulturguide – Litauen: Beiträge zum Workshop „Interkulturelle Kompetenz“ im Rahmen des Teilprojekts „Landeskundige AssistentInnen“ des Förderprogramms FORUM.OST, S. 7. 223 56 die sich auf ihr bald kommendes Baby freuen. In diesem Spot werden nicht nur familiäre Beziehungen dargestellt, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen, auf die beispielsweise in der zweiten und achten Szene des Spots hingewiesen wird, und Beziehungen anderer Art, wie z. B. die in der vierten Szene vorgestellte Beziehung zwischen Mensch und Hund. In den deutschen Werbeanzeigen und dem -Spot werden die Personen mit dem Fokus auf ihre Gedanken- und Gefühlswelt dargestellt. Die zwei analysierten Anzeigen und der Spot haben den Titel „Sich schon besser verstehen“. Das macht deutlich, dass die deutsche Werbung das Individuum in den Vordergrund rückt. In den deutschen Anzeigen und dem Spot wird also die Tendenz zum Individualismus sehr deutlich.Es ist gewiss, dass der Individualismus die Betonung auf die Bedeutung, die Unabhängigkeit und die Rechte des Individuums legt, wobei die Bedürfnisse der Gesellschaft wenig beachtet werden. In der deutschen ERGO-Werbung werden die Individuen vorgestellt, um zu zeigen, dass ERGO die Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche jedes einzelnen Kundes nimmt. Zusammenfassend kann man sagen, dass die litauische Werbeanzeige und der litauische Werbespot ein Bild über Litauen vermitteln, in dem die Familie, die zwischenmenschlichen Beziehungen aber auch Beziehungen anderer Art eine herausragende Rolle spielen. 57 Schlussfolgerungen Nach der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow wird die Sicherheit als ein der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse angesehen. Meistens kaufen die Menschen das unsichtbare Produkt – Versicherungsschutz, um dieses Versicherungsunternehmen Bedürfnis heutzutage befriedigen ein zu können. breites Da die Sprektrum an Versicherungsdienstleistungenbieten, fällt es den Kunden häufig schwer, sich für eine bestimmte Dienstleistung zu entscheiden. Um diesen Entscheidungsprozess zu erleichtern, nehmen die Versicherer unterschiedliche Instrumente der externen Marketingkommunikationzur Hilfe, insbesondere die Werbung, weil nämlich die Werbung die Vorteile unterschiedlicher Versicherungsarten am deutlichsten zum Ausdruck bringt. In der vorliegenden Arbeit wurden die Werbeanzeigen und Werbespots des Versicherungskonzerns ERGO detailliert untersucht, die 2012 speziell für Deutschland und Baltische Länder entwickelt wurden. Die Analyse hat gezeigt, dass ERGO Lokalisierungsmaßnahmen bevorzugt, um ihre Versicherungsprodukte in den Baltischen Ländern zu vermarkten. Der Vergleich des Aufbaus sowie der sprachlichen und visuellen Gestaltung von Werbeanzeigen und -Spots hat die Auskunft darüber gegeben, dass die deutsche und litauische Werbung unterschiedliche Werbebotschaften übermitteln. Aber da in den deutschen und litauischen Anzeigen und Spots der Slogan „Versichern heißt verstehen“ von prägender Bedutung ist, sind die beiden Botschaften mit dem Verstehen verbunden. In der litauischen Werbung handelt es sich darum, was für einen Menschen wichtig und wertvoll ist, um deutlich zu machen, dass ERGO ein Versicherer ist, der die größten gesellschaftlichen Werte versteht. Die Kernbotschaft der deutschen Werbung besagt, dass ERGO ein Versicherer ist, der möglichst viel von einem Menschen zu verstehen versucht. In den Werbeanzeigen und den -Spots der beiden Länder ist keine Rede von bestimmten Versicherungsprodukten, weil mit der Werbung angestrebt wird,für das Image des Versicherungskonzerns ERGO zu werben. Man kann behaupten, dass die deutsche und litauische Imagewerbung die gleichen Ziele verfolgt, aber auf eine unterschiedliche Weise sie zu erreichen versucht. In der litauischen Anzeige und dem Spot wird das werbende Unternehmen mit der Mutterfigur gleichgesetzt, die in der Gesellschaft mit den positiven Konnotationen verbunden ist und die den Rezipienten auf die Gedanken über Liebe, Fürsorglichkeit und Vertrauen bringt. Infolge dieser Gleichsetzung wird das positive Erscheinungsbild des Unternehmens vermittelt und 58 das Kundenvertrauen in Unternehmen erhöht. In den deutschen Anzeigen und dem Spot entsteht das positive Erscheinungsbild dadurch, dass ERGO als ein Versicherer präsentiert wird, der vor allem darum bemüht ist, die Bedürfnisse und Anliegen der Kunden zu verstehen. In der deutschen und litauischen Werbung kommt deutlich zum Ausdruck, dass die kulturellen Unterschiede berücksichtigt werden. Während in den deutschen Anzeigen und -Spots die Tendenz zum Individualismusspürbar ist, gibt es in der litauischen Werbung mehrere Hinweise auf den Kollektivismus. Es kann festgestellt werden, dass die analysierte Werbeanzeige und der Spot Litauen als ein Landen vorstellen, in dem eine besondere Bedeutung der familiären und zwischenmenschlichen Beziehungen zukommt. Die analysierten Werbeanzeigen und -Spots für Deutschland und Baltische Länder übermitteln verschiedene Werbebotschaften, die im Hinblick auf den Aufbau und die sprachliche und visuelle Gestaltung unterschiedlich umgesetzt werden. Aber nicht nur dies, sondern auch die Tatsache, dass die Werbung der beiden Länder auf kulturspezifische Wertvorstellungen zurückgeht, weist darauf hin, dass die deutsche Werbung für die Baltischen Länder lokalisiert wird. 59 Literaturverzeichnis Bepirštytė, N.; Simanavičienė, Ž.: Draudimo raida Lietuvoje. Mokomoji knyga. Vilnius: UAB Mažasis prekeivis, 1999. 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