Schluss - Ferienwohnungen in Osnabrück, Familie Teipen

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8. Schluß
Den Schluß meiner Arbeit kann ich zusammenfassen indem ich den Titel eines mehrfach genannten Buches
erwähne:
"Was fehlt, sind Männer!"
Männer fehlen auf vielen verschiedenen Ebenen: Zum einen fehlen sie real in der Kindererziehung und
Hausarbeit, weiter fehlen sie als Freunde, mit denen Man(n) reden kann und zum dritten fehlen sie als Vorbilder
(für ein neues `Bild vom Mann')!
Auf dieses neue `Bild vom Mann' möchte ich zunächst eingehen. Es gibt keine Vorbilder oder Ideale. Jeder
Junge und Mann muß sich sein eigenes Bild von einem Ideal zusammenstellen. Diese Erfahrung habe ich selbst
sowie auch viele der von mir befragten Personen gemacht.
Die Bilder der sechziger und siebziger Jahre greifen nicht mehr. Der `Macho' ist menschenverachtend und sehr
eingeschränkt in seiner Persönlichkeit. Der `Softie' ist ebenso eingeschränkt. Nur zur anderen Seite hin. Die in
der Person des `Softie' so ausgeprägte Achtung vor anderen Menschen, der Umwelt, seine Beziehung zu sich und
seinen Gefühlen sind sehr positive und empfehlenswerte Eigenschaften. Viele dieser Eigenschaften habe ich als
Zielvorgaben der Jungenarbeit bereits beschrieben. Dennoch fehlt ihm die Kraft!
Die Kraft, Entscheidungen zu treffen. Die Kraft, laut und unmißverständlich zu sagen, was er will. Die Fähigkeit
des Mannes, zu schreien und zornig zu sein, bedeutet nicht, daß er dominiert oder Menschen wie Objekte
behandelt.
Im dritten Kapitel habe ich die Mythen der Männlichkeit beschrieben. Darin u.a. auch den Mythos vom Krieger.
In der dort beschriebenen Form sind sie krankhaft und gefährlich. Es gibt aber auch gute Seiten an ihnen. Sie
sind stark und haben Mut. Sie sagen, was sie wollen. Sie stellen sich in den Weg, wenn ihnen etwas nicht passt.
Zivilcourage ist etwas, was in unserer Gesellschaft fast völlig verloren gegangen ist.
Ich denke, es muß ein erstrebenswertes, reizvolles positives `Bild vom Mann' entwickelt werden. In dieses
Vorbild gehört ein Stück Wildheit und Stärke, Kraft und Anmut, Selbstsicherheit und Aufrichtigkeit. Aber es
gehört auch die andere Seite dazu, Gefühle zu erleben und zu zeigen, Schwäche und Ängste eingestehen zu
können und sich einfühlen können in andere Menschen und die Natur.
In unserer Zivilisation ist dieses positive Bild verloren gegangen. `Alte' Kulturen, wie die der Indianer, der
Griechen ... haben ein solches Männerbild. Die Versuche, diese Ideale in die heutige Zeit zu übernehmen, sind
meist gescheitert. Diese Kulturideale können nicht übernommen werden, aber wir können von ihnen lernen.
Die Jungenarbeit und allgemein die Beschäftigung mit sich und anderen Männern ist ein Weg, Einfluß auf die
Gesellschaft zu nehmen. Ein Weg, der notwendig ist. Er allein kann jedoch nicht viel verändern.
Die Literaturstudie von BRZOSKA/HAFNER 1988, S.200ff stellt ihren Empfehlungen zur Veränderung
hegemonialer Männlichkeiten zwei grundsätzliche Bedenken voran:
1. "isolierte Reformen der `Hegemonialen Männlichkeit' zeigen nur geringe Wirkung
2. Schritte zur antisexistischen Veränderung der Männer können nicht losgelöst von Frauenpolitik diskutiert
werden."
Die Autoren stellen die "Appelle an die Männer oder das bloße Aufzeigen der für sie positiven Seiten ihrer
Veränderung relativ wirkungslos dar, weil sie den Verlust an Macht und Privilegien auf Seiten der Männer und
daraus folgend ihren offenen oder verdeckten Widerstand nicht einkalkuliert." (ebd., S.201)
Die Autoren gehen nicht davon aus, daß ein gesellschaftlicher Wandel durch persönliche Veränderung der
Männer möglich sei. Die `Hegemoniale Männlichkeit' ist sowohl in der "Triebstruktur" (ebd.) der Männer als
auch in der gesellschaftlichen Struktur verankert. So sind Einzelmaßnahmen (gleich welchen Ausmaßes)
wirkungslos. Führt man z.B. einen allgemeinen Sechs-Stunden-Erwerbsarbeitstag mit dem Ziel ein, Männer
verstärkt für den Reproduktionsbereich freizustellen, so gehen sie aufgrund unterschiedlichen Freizeitverhaltens
nicht darauf ein, sondern verbringen die neue Freizeit weiterhin außer Haus.
Um eine gesellschaftliche Veränderung möglich zu machen, muß ein umfassendes politisches Konzept erarbeitet
werden. Gesellschaftliche Veränderungen müssen gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen einsetzen. So ist es
sinnvoll z.B. in "Männerdomänen" wie den Sport-, Arbeits- und Soldatenbereichen anzusetzen. Es gibt z.B. in
Schweden Projekte, bei denen Soldaten während des Militärdienstes an Kursen über Gleichstellung und
Geschlechtsrollen teilnehmen.
"Das Theaterstück von Allan Ackerlund, in dem es um die traditionelle Sicht von Männern auf Frauen und
Frauenmißhandlung geht, wurde den Wehrpflichtigen als Teil der Ausbildung in 18 Vorstellungen gezeigt.
Anschließend wurde über das Theaterstück diskutiert ... (In einem anderen Projekt) wurde ein Anleitungsheft für
einen Kursus über Männer und Gleichstellung geschrieben und hergestellt (JOHANSSON 1986). Die
InitiatorInnen wollten erreichen, daß dieses Studienmaterial Teil des obligatorischen Unterrichts der
Wehrpflichtigen wird."(ebd., S.124)
Insgesamt sollten aber nicht nur Kurse bei Soldaten, sondern noch allgemeiner an Schulen stattfinden. In diesen
Kursen sollten "die Männer lernen können, bessere Fähigkeiten für das Zusammenleben zu entwickeln - sowohl
betreffend praktischer Reproduktionsarbeit als auch der emotionalen Reproduktion." (ebd., S.126)
In diesem Rahmen ist auch die Jungenarbeit zu sehen. Sie muß als Teil der gesellschaftlichen Veränderung
gesehen werden. Jungenarbeit bietet die Möglichkeit, nicht erst bei den Erwachsenen zu beginnen. Jungenarbeit
bietet aber auch eine Veränderung, wie oben beschrieben, für Jungenarbeiter an. So kann und muß auf vielen
Gebieten gleichzeitig etwas passieren.
Aus diesem Grund habe ich mich mit dem `Mann-Werden' beschäftigt und ich bin auch intensiv auf
Veränderungen bei Jungenarbeitern und einer Motivation zu persönlichen Veränderungen eingegangen.
Jungenarbeit kann nicht alleine für diese Hoffnung stehen. Jungenarbeit bietet (vielen) Einzelpersonen die
Möglichkeit, sich zu verändern, sich mit sich selbst und anderen zu beschäftigen. Die Jungen und Männer, die
daran teilgenommen haben, beschäftigen sich mit sich selbst. Sie haben einen Zugang zu sich bekommen. Damit
dieser Zugang bestand haben kann müssen aber auch in anderen Bereichen Zugänge ermöglicht werden.
Ein wesentlicher Anspruch ist die Beschäftigung (Einbeziehung) der Männer in die Hausarbeit und
Kindererziehung. Ein Trend, der sich gerade jetzt in der öffentlichen Diskussion befindet.
Um Männer verstärkt dazu zu bewegen, sich mehr ihrer Familie zu widmen, müssen die Rahmenbedingungen
der Hausarbeit und der Erziehung der Kinder verändert werden.
"Wir halten einen Elternurlaub, während dessen der Einkommensausfall gedeckt wird, für ein Mittel, das viel
eher geeignet ist, Männer dazu zu bewegen, sich zugunsten ihrer Kinder beurlauben zu lassen ... Eine Quotierung
des Elternurlaubs halten wir genauso wie die schwedische Arbeitsgruppe zur Männerrolle für nötig, um
tatsächlich zu gewährleisten, daß eine größere Anzahl von Vätern den Urlaub wahrnimmt." (ebd., S. 202)
Ob nun Männer die freie Zeit bei ihren Kindern verbringen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Da wären die
"Sozialisation zum (Nicht) Vatern, die gesellschaftliche Bewertung von Erwerbs- und Hausarbeit, den Einflüssen
der Medien, der Vorbildfunktion von Politikern, etc." (ebd., S.203)
Die Kindererziehung durch die Väter kann ein Weg zur Einübung in nicht-hegemoniale Männlichkeit sein. Die
Erfahrungen an Zärtlichkeit, Körperlichkeit, etc. werden die Männer verändern. Die Sorge für die Befriedigung
alltäglicher Bedürfnisse (Nahrung, Ausscheidung, Reinigung, Kleidung, etc.) der Kinder wirkt der
Geringschätzung der traditionell weiblichen Aufgabenbereiche entgegen. Hier denke ich nicht nur an das Spielen
der Väter mit ihren Kindern. Ich meine eine verantwortungsvolle Übernahme aller reproduktiven
Tätigkeiten.(vgl. `Familie als Tätigkeitsgemeinschaft' GIESECKE, 1985, S.89)
Bis zur Einführung des Sechs-Stunden-Erwerbsarbeitstages oder eines Gesetzes, welches die 50% Beteiligung
der Männer an der Hausarbeit vorschreibt, wird meines Erachtens noch einige Zeit vergehen. Ob es allerdings so
weit kommen muß, daß uns die GesetzgeberInnen vorschreiben, daß wir gemeinschaftlich die Hausarbeit
erledigen, ist eine andere Frage.
Ich hoffe, daß die Männer die begonnenen Aktivitäten zur Veränderung ihrer Persönlichkeit nicht wieder
einstellen, sondern im Gegenteil, motiviert durch erste Veränderungen ihr Engagement verstärken und somit
andere mitreißen können.
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