Die Valenzeigenschaften von werden als Voll

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Die Valenzeigenschaften von werden als Voll-, Kopula
und Auxiliarverb
1
Einleitung ........................................................................... 3
2
Die Grundlagen der Valenztheorie. .................................. 5
2.1
Zur Geschichte der Valenztheorie und zu ihrer Stellung
in der modernen Syntaxtheorie ............................................ 5
2.1.1
2.1.2
Der verbozentrische Gedanke und die Entstehung der Valenztheorie... 5
Die Entwicklung Valenzgedankens und die Valenzmodelles
in der deutschen Syntaxforschung ......................................................... 7
2.1.3 Die Valenztheorie und die Dependenzgrammatik im
Umfeld anderer syntaktischer Modelle ................................................ 14
2.2
Das Verb werden, seine Bedeutung und seine Funktionen
im Satz ................................................................................. 16
2.2.1
2.2.2
Das Verb werden als Vollverb …....................................................... 27
Das Verb werden als Kopulaverb und seine Stellung
im Satz ................................................................................................ 28
Die Eigenschaften des Verbs werden als Auxiliarverb und
seine Funktionen im Satz .................................................................... 29
2.2.3
3
Die valenzorientierte Analyse der Belege
mit dem Verb werden ..................................................
37
3.1
Allgemeines …................................................................
37
3.2
3.3
Die Valenzeigenschaften des Vollverbs werden …...................... 38
Die Valenzeigenschaften des Kopulaverbs werden …..................... 42
4
Bedeutungen und Valenzeigenschaften von werden
als Auxiliarverb …........................................................... 46
4.1
Allgemeines …................................................................... 46
4.2
4.3
Das Auxiliarverb werden in Belegsätzen mit Futur I und II …...... 47
Das Auxiliarverb werden in Belegsätzen mit Vorgangspassiv ….... 50
5
Schlusswort ....................................................................... 53
6
Literaturverzeichnis
2
1 Einleitung
Gegenstand der vorliegenden Magisterarbeit sind die theoretischen Grundlagen
der Funktionen des Verbs werden in der deutschen Gegenwartssprache aus der
Sicht der Valenztheorie.
Das Ziel der Diplomarbeit besteht in einer komplexen Beschreibung und
Analyse einer ausgewählten lexikalisch-grammatischen Klasse der Einheiten
der deutschen Sprache unter dem Aspekt der Valenztheorie, wobei im
Vordergrund die Valenzeigenschaften des Verbs werden stehen.
Um das Ziel zu erreichen, sollen folgende Aufgaben gelöst werden:
1. Die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Valenztheorie, besonders
der Valenzeigenschaften des Verbs werden.
2. Die Herausarbeitung der wissenschaftlichen Methoden auf der Basis der
im 1. Punkt angestellten Untersuchungen.
3. Die Aufstellung eines für meine Ziele brauchbaren Beschreibungsprozesses
der Analyse des empirischen Materials.
4. Valenzorientierte Untersuchung des empirischen Sprachmaterials.
5. Klassifizierung und endgültige Zuordnung des Materials.
In meiner Magisterarbeit werden keine Hypothesen aufgestellt, sondern Fragen
gestellt.
Es sollen folgende Fragen beantwortet werden:
1. Welche Möglichkeiten hat die Dependenzgrammatik bei der Untersuchung
vom Verb werden?
2. Welche Stellung nimmt das Verb werden im Valenzmodell des deutschen
Satzes ein?
3. Wie lässt sich diese Stellung umschreiben und graphisch darstellen?
4. Welche Bedeutung und welche Funktionen hat das Verb werden im Satz?
5. Welche Valenzeigenschaften hat das Verb werden als Vollverb, Kopulaverb
3
und Hilfsverb?
In der vorliegenden Arbeit werden folgende Untersuchungsmethoden verwendet:
1. Kategorial -grammatische Analyse im Bereich des Verbalsystems
2. Kategorial -semantische Analyse (Analyse der Bedeutung)
3. Valenzorientierte syntaktische Analyse
Die Arbeit besteht aus folgenden Teilen: der Einleitung, dem theoretischen und dem
empirischen Kapitel, dem Schlusswort sowie dem Literatur- und Quellenverzeichnis.
Im theoretischen Kapitel werden zunächst die Forschungsgrundlagen und die
Fragestellungen dargestellt.
Nach der kritischen Sichtung der einschlägigen Fachliteratur werden die wichtigsten
bereits vorliegenden Konzeptionen dargelegt und miteinander verglichen. Es wird
besonders zu den Teilthemen und Aspekten Stellung genommen, die mit dem
Problem der Valenzeigenschaften des Verbs werden als Voll-, Kopula- und
Auxiliarlverb zusammenhängen. Ferner werden die Grundlagen der modernen
Valenztheorien behandelt, wobei die Valenzeigenschaften des Verbs werden im
Vordergrund stehen. Es wird untersucht, welche neuen Möglichkeiten die
Dependenzgrammatik eröffnet, dank denen sich die traditionelle Behandlung
sprachlicher Einheiten erweitert, aber auch in anderen Punkten revidiert werden
kann.
Verschiedene Herangehensweisen an die Stellung des Verbs werden in der
Hierarchie der deutschen Satzstruktur werden miteinander verglichen, um ein
adäquates und optimales Modell auszuarbeiten. Dieses Modell bildet nun die
Grundlage für eine empirische Untersuchung, die im zweiten Kapitel der Arbeit
durchgeführt wird.
Auf der Basis eines empirischen Sprachkorpuses (Zeitungsartikel, Internetseiten)
werden die Valenzeigenschaften des Verbs werden in der deutschen Sprache
analysiert. Sie werden mit Hilfe der Dependenzschemata graphisch dargestellt, die
mit einem entsprechenden Kommentar versehen werden.
Im Schlusswort wird die allgemeine Bilanz der Untersuchungen gezogen und werden
weitere Möglichkeiten der Analyse umrissen.
Im Literaturverzeichnis wird die benutzte Fachliteratur aufgelistet und im Quellenverzeichnis werden die Quellen des empirischen Materials aufgeführt.
4
2 Die Grundlagen der Valenztheorie
2.1 Zur Geschichte der Valenztheorie und zu ihrer Stellung in der
modernen Syntaxtheorie
2.1.1
Der verbozentrische Gedanke und die Entstehung der Valenztheorie
Die Valenzidee hat ihre historischen Wurzeln bereits im Rektions- und
Konnotationsbegriff der mittelalterlichen, scholastischen Grammatikschreibung (ca.
800 – 1400). (vgl. Ágel 2000, 16). Die valenziellen Traditionen der Scholastik
geraten in Vergessenheit mit der Entstehung der ersten deutschen Grammatiken. Sie
stützen sich nicht mehr auf die Rektionsregeln, sondern auf die Regeln der
Anordnung. Die auf Rektion und Konnotation beruhende zentrale Stellung des Verbs
wird aufgegeben. (vgl. Ágel 2000, 21). Erst im 18. Jh. kommt es zu einer
bedeutenden Wende in der Valenzforschung mit der Arbeit des deutschen
Grammatikers Johann Meiner. Nach der Meinung von J. Meiner ist die Rolle des
Verbs im Satz zentral. (vgl. Ágel 2000, 21). Seiner Ansicht nach: „Das Prädikat ist
der vornehmste Theil des Satzes; denn aus ihm entwickelt sich der ganze Satz”. (vgl.
Ágel 2000, 22). Als Vorläufer der modernen Valenztheorie gilt Karl Bühler, der
1934 den Begriff „Leerstelle” einführt. Er hat relativ früh erkannt, dass „die Wörter
einer bestimmten Wortklasse eine oder mehrere Leerstellen um sich eröffnen, die
durch Wörter bestimmter anderer Wortklassen ausgefüllt werden müssen”.
(Stepanova, Helbig 1981, 120). Der Valenzbegriff verbreitet sich jedoch erst in den
50-er Jahren des 20. Jhs. mit der Erscheinung des Hauptwerkes Lucien Tesnières
„Elements de syntaxe structurale” (dt.”Grundzüge der strukturalen Syntax”). (vgl.
Ágel 2000, 32). Ihm gelingt als Erstem der Ausbau der Valenzidee zu einer
grammatischen Teiltheorie. (vgl. Ágel 2000, 32). Im Rahmen seiner Abhängigkeitsgrammatik bei seiner strukturellen Satzanalyse geht er vom Verb aus. Er hält das
Verb für das Wichtigste im Satz. Das Verb regiert den gesamten Satz. Die
Valenztheorie heißt deshalb verbozentrisch. Das Verb steht oben in der Hierarchie.
5
Seine Fähigkeit ist es, andere Satzglieder anzuschließen. Das Verb ist der Valenzträger. Die Satzglieder sind von ihm abhängig. Sie werden im Satz ausgeführt.
Tesnière unterscheidet die Aktanten und die Circonstanten (die Handelnden und die
Umstände). Das Verb bestimmt die Zahl der Aktanten. Im Unterschied zu den
Aktanten ist die Zahl der Cirkonstanten unbegrenzt. (vgl. Stepanova, Helbig, 1981,
120). Die Potenz der Verben, eine bestimmte Anzahl von Aktanten zu sich zu
nehmen und zu binden, vergleicht Tesnière mit der Wertigkeit eines Atoms in der
Chemie und nennt sie „Valenz”. Als Aktanten können nur Subjekte und Objekte
erscheinen. Die Adverbialbestimmungen und die Prädikativa schließt Tesnière aus
der Valenz aus. Tesnière teilt die Verben nach Zahl und nicht nach Art der Aktanten
ein. (vgl. Stepanova, Helbig 1981, 120). Nicht alle Wörter sind Valenzträger. Der
Valenzbegriff wird auch durch den russischen Linguisten S.D. Kacnel`son verbreitet.
Für ihn ist die Valenz eine verdeckte Fügungspotenz, die für alle Wortklassen gilt.
Nach Kacnel`son haben eine Fügungspotenz nicht nur Verben, sondern alle
Wortklassen. (vgl. Stepanova, Helbig 1981, 21). Ein anderer russischer
Sprachwissenschaftler,
Abramov
unterscheidet
zwischen
zentrifugaler
und
zentripetaler Valenz. (vgl. Abramov in Bondzio u.a. 1980, 108). Zentrifugale Valenz
ist die Fähigkeit von Wörtern, andere Wörter und Wortgruppen an sich zu binden.
Zentripetale Valenz ist die Fähigkeit von Wörtern und Wortgruppen, als
Ergänzungen eines anderen Wortes zu dienen. Wörter mit zentrifugaler Valenz sind
Valenzträger. Verben besitzen eine zentrifugale Valenz, sind also Valenzträger. Sie
können ein, zwei oder drei Ergänzungen haben. Verben besitzen aber auch
zentripetale Valenz. (vgl. Bondzio u.a.1980, 108). Der russische Sprachwissenschaftler Admoni bezeichnet die Valenz als Fügungspotenz oder Fügungswert.
(Stepanova, Helbig 1981, 121). Er spricht von Fügungspotenzen, die jeder Redeteil
enthält und die unter dem Einfluß von Kontext und Situation zum Teil aktualisiert
werden. Ebenso wie bei Bühler, werden solche Fügungspotenzen jedem Redeteil und
jeder Wortart zuerkannt. Diese Ansicht unterscheidet sich vom verbozentrischen
Aspekt von Tesnière. Für Brinkmann hat das Subjekt eine Sonderstellung. (vgl.
Stepanova, Helbig 1981, 121). Nach ihm besteht der Satzkern aus Subjekt und
Prädikat. Das Verb steht bei ihm nicht im Mittelpunkt. Von Johannes Erben stammt
der
Begriff
der
„Wertigkeit.“
www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/
Deutsche_Syntax-2007W-Scheuringer.pdf (2008.11.02)
Der Begriff der Valenz wird oft als potenzielle Verbindbarkeit von gleichartigen
6
Sprachelementen bezeichnet. Er wird vor allem von M.D. Stepanova auf die
Wortbildung übertragen. (vgl. Stepanova, Helbig 1981, 121 f). Die Valenz hat man
ursprünglich nur als eine formal- syntaktische Erscheinung angesehen. Es hat sich
die Ansicht durchgesetzt, dass es sich um semantisch begründete Beziehungen
zwischen Wörtern handelt. Der Begriff der Valenz wird
heute unterschiedlich
verstanden und muss auf verschiedenen Ebenen differenziert werden.
2.1.2
Die Entwicklung des Valenzgedankens und die Valenzmodelle in der
deutschen Syntaxforschung
L.Tesnière gilt als Begründer der modernen Valenztheorie. In seinem Hauptwerk zur
strukturellen Syntax „Eléments de syntaxe structurale” gelingt ihm zum ersten Mal
in der Valenzgeschichte die Valenzidee zu einer grammatischen Teiltheorie
auszubauen. Für ihn ist die Valenz „keine intuitive Idee mehr, sondern eine
Notwendigkeit, die sich aus dem Grammatikmodell, seiner Dependenz, ergibt. (vgl.
Ágel 2000, 32).
Die strukturale Syntax beschäftigt sich mit der abstrakten Ordnung im Satz. Diese
besteht nach Tesnière aus zwei Ordnungsprinzipien: aus der linearen Ordnung und
der strukturalen Ordnung. Linearität bedeutet, dass ein Satz linear gebaut ist – von
links nach rechts. (vgl. Ágel 2000, 33)
Von Tesnière stammt die Idee der Dependenzsyntax. Sein Dependenzmodell ruht auf
Konnexion, Translation und Junktion. Bei der Entstehung syntaktischer Strukturen
ist vor allem die grundlegende Bedeutung der Konnexion als eigenständiges drittes
Element betont. (neben Regenz und Dependenz). Die Dreielementigkeit syntaktischer Dependenzbeziehungen wird durch Tesnières erste „Atom- Metapher” aus
dem Bereich der Chemie illustriert. So wie ein Atom Elektronen bindet, so bindet das
Verb, als atomarer Kern des Satzes, andere Elemente an sich, und besitzt ebenso eine
Wertigkeit. (vgl. Ágel u.a. 2003, 80f. , Kotin 2007, 113).
Die zweite Metapher, die der Konzeptrealisierung der Aktanten- und Valenzproblematik dient, ist die Dramen-Metapher. Die Handlung im Theater entspricht
dem Verb, das im Satz das Wichtigste ist. Sie dominiert über die Teilnehmer der
Handlung (Akteure), die in etwa Objekten (Aktanten) entsprechen. Es gibt „Kulissen” und andere „Umstände”, die die Handlung geleiten. Es sind im Satz die
7
Cirkonstanten, zu denen hauptsächlich Adverbiale gehören.
(vgl. Eroms 2000, 80, Kotin 2007, 114)
Für Tesnière ist das Verb also die wichtigste Konstituente im Satz, die den Vorgang
ausdrückt.Vom Verb hängen alle anderen Konstituenten des Satzes ab. Direkt unter
dem Verb finden sich Ergänzungen (Aktanten) – Substantive und Pronomina. Auch
direkt vom Verb sind die Angaben abhängig – d.h. Adverbien oder adverbiale
Ausdrücke. Von Ergänzungen und Angaben abhängig, also indirekt dem Verb
untergeordnet, sind Artikel der substantivischen Aktanten, adjektivische Pronomina
und auch indirekt vom Verb abhängige Adjektive. Den Adjektiven sind wiederum
Adverbien untergeordnet, die sich nur auf sie beziehen. Es entsteht eine streng
hierarchische Gliederung des Satzes.
Nach L. Tesnière kommt einem Satz wie:
Sie schrieb ihrem Bruder sehr säuberlich mit Tinte einen langen Brief.
folgendes Stemma zu:
schrieb
sie
Bruder
ihrem
Brief
einen
säuberlich
langen
mit Tinte
sehr
schrieb – Vorgang
sie, Bruder, Brief – Ergänzungen, säuberlich, mit Tinte – Angaben
ihrem, einen – Indices (Artikel der substantivischen Aktanten)
langen, sehr – Adjektive
Nach Tesnière eröffnet das Verb Leerstellen. Sie werden im Satz ausgeführt (besetzt), damit syntaktisch vollständige und semantisch sinnvolle Sätze entstehen. Die
Anzahl der Leerstellen, die ein Verb eröffnet, ist unterschiedlich. Er unterscheidet
nach der Zahl der Aktanten vier Gruppen von Verben:

avalente oder nullwertige z. B. – regnen, schneien (Witterungsverben)

monovalente oder einwertige (intransitiv) z. B. – laufen, schlafen

divalente oder zweiwertige (transitiv) z. B. – lesen, kaufen

trivalente oder dreiwertige (trasitiv) z. B. – geben, schenken
8
Bsp.:
( 1 ) läuft
Katrin
( 2 ) kauft
Anja
Kleider
( 3 ) schenkt
Eva
das Buch
Peter
(vgl. Ágel u.a. 2003, 90ff., Eroms 2000, 79, Kotin 2007, 119, Stepanova, Helbig
1981, 120).
Nach Tesnière können Ergänzungen (Aktanten) obligatorisch oder fakultativ sein.
Die freien Angaben sind immer fakultativ, ihr Vorkommen und ihre sprachliche
Gestalt sind nicht valenzbestimmt. Die obligatorischen Aktanten dürfen nicht mit den
freien Angaben verwechselt werden, die valenzabhängig sind.
Tesnière ist der Begründer sowohl der modernen Dependenzgrammatik als auch der
modernen Valenztheorie. In der Dependenzgrammatik geht es darum, welches Wort
von welchem Wort abhängig ist oder welches Wort das andere Wort dominiert oder
regiert. (vgl. Eroms 2000, 81). Dependenz ist ein rein hierarchischer Begriff. Der
Satz ist „von oben“ syntaktisch aufgebaut, „von unten“ wird Bedeutung in den Satz
gebracht. Nach Tesnière organisiert das Verb als oberstes Regens den Satz. Es
eröffnet um sich sog. Leerstellen, die besetzt werden müssen, damit der Satz
vollständig und sinnvoll wird. Dem Verb steht eine spezifische Wertigkeit zu. Die
Valenz muss erfüllt sein, Leerstellen müssen besetzt werden, damit syntaktisch
vollständige und semantisch sinnvolle Sätze entstehen. (vgl. Eroms, 2000, 78 f.). Zu
einem Dependens kann es immer nur ein Regens, zu einem Regens aber zwei oder
mehr Dependenzien geben. (vgl. Ágel u.a. 2003, 82) Die Verbindung aus
Dependenzien und Regens heißt Knoten. Tesnière nennt volle Wörter die mit
semantischer Funktion, und leere Wörter sind die ohne semantische Funktion. Sie
sind bloße grammatische Hilfsmittel, deren Aufgabe u.a. ist, die Beziehungen
zwischen vollen Wörtern zu regeln. Volle Wörter sind nach Tesnière Substantive,
Adjektive, (Voll)Verben und Adverbien. (vgl. Ágel 2000, 36). Nur Wörter, die
9
diesen Vollwortarten angehören, können Knoten begründen. Tesnière geht also in
seiner Syntaxbeschreibung davon aus, dass es nur vier „volle“ Wortarten gibt: das
Substantiv (O), das Verb (I), das Adjektiv (A) und das Adverb (E). Sie stehen in
einem bestimmten semantischen Verhältnis zueinander. Nach Tesnière repräsentieren die Substantive „Substanzen“ und die Verben „Prozesse“. Beide Wortarten
sind „konkret“, beide lassen „abstrakte Attribute“ zu. Zu den Substantiven können
Adjektive, zu den Verben Adverbien treten.
konkret:
abstrakt:
Substantiv (O)
Verb
(I)
=
Substanz
Adjektiv (A)
=
Prozess
Adverb (E)
(vgl. Ágel u.a. 2003, 83, Eroms 2000, 77)
Die Dependenzsyntax von Tesnière beruht auf einer semantisch-lexikalischen
Kategorienbasis, wo sich die jeweils möglichen Dependenzbeziehungen aus
semantischen Beziehungen zwischen den vier Hauptwortarten ergeben.
Der linguistische Valenzbegriff ist von der syntaktischen Dependenzkonzeption
unabhängig, steht jedoch wegen der lexikalischen Basis der Dependenz bei Tesnière
in enger Verbindung. (vgl. Ágel u.a. 2003, 97)
Die Syntaxtheorie nimmt einen besonderen Platz in der Grammatik ein. N. Chomsky
bezeichnet die Syntax als Teildisziplin der Linguistik. (Chomsky in Jacobs 1993, 1,
vgl. Kotin 2007, 106).
Bei den generativen Grammatikern spielt die lineare Anordnung in der Strukturen
eine primäre Rolle. (vgl. Eroms 2000, 75). In den 50er Jahren formuliert L. Tesnière
die wichtigsten Postulate einer dependentiellen Syntaxtheorie. In dieser Zeit
erscheinen auch die ersten Arbeiten von Chomsky. Die Generative Grammatik von
N. Chomsky benutzt die Zeichensymbolik und Schemata, die weitergehend der
mathematischen Logik entliehen sind. (vgl. Kotin 2007, 113). Nach N. Chomsky gibt
es zwei Ebenen eines Satzes: die Tiefenstruktur und die Oberflächenstruktur. Die
Tiefenstruktur ist in jeder Sprache ähnlich, nur die Oberflächenstruktur unterscheidet
sich. Die Tiefenstruktur wird zur Oberflächenstruktur transformiert. Die Theorie
10
nimmt Äußerungen (Wörter, Phrasen, Sätze) und setzt sie mit Oberflächenstrukturen
in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakten Tiefenstrukturen korrespondieren. Die elementare Tiefenstruktur ist nach Chomsky: Nominal Phrase und Verbal
Phrase. Die Beziehung zwischen den Phrasen heißt Koordination. Sie liegt dem
ganzen Satz zugrunde. Diese Phrasen sind miteinander verbunden. Nach ihm ist die
Beziehung zwischen den NP und den VP unabhängig von der Wortbedeutung.
Interessant ist nur die abstrakte Struktur. Die Beziehungen zwischen den Gliedern
waren für Chomsky und Tesnière das Wichtigste, nicht die Beschreibung eines
Satzes. Die Beschreibung dient nur der Erklärung. Das wichtigste ist das, was
zugrunde liegt. Wenn man Tesnières Valenzansatz mit dem ersten generativistischen
Modell Chomskys vegleicht, sieht man eine Reihe von auffälligen Unterschieden
z.B. bei Tesniere sind zwei Ansätze unterschiedlicher Herkunft vorhanden. Die erste
„Atom – Metapher” ist aus dem Bereich der Chemie entlehnt. Er vergleicht das Verb
mit einem Atom. Die zweite Metapher von Tesnière stammt aus dem Theater. Die
Handlung ist an einem Theaterstück das Wichtigste. Die Handlung entspricht dem
Verb, das im Satz das Wichtigste ist. Die Handlung dominiert über die Teilnehmer
der Handlung (Akteure), die in etwa den Objekten (Aktanten) entsprechen. Es gibt
Kulissen und andere „Umstände,” die die Handlung geleiten. Es sind im Satz die
Cirkonstanten, denen vor allem Adverbiale obliegen. (vgl. Kotin 2007, 113)
Charakteristisch für das Modell L. Tesnières ist vor allem eine Regens – DependensRelation, im Unterschied zu Chomskys Modell, das auf einer Phrasen – Binarität
(NP. vs. VP) beruht. (vgl. Kotin 2007, 114)
In den 60er Jahren wird die Standardtheorie formuliert. Die Konzepte u.a die
Analyse der sog. Theta–Rollen, die Untersuchung der Hierarchie von synktatischen
Subkategorisierungen (c-Selektion) und semantischen Eigenschaften der Satzkonstituenten (s-Selektion) werden „generativistisch” definiert. (vgl. Kotin 2007,
112). Es wird über den Platz der c-Selektion und s-Selektion in der Hierarchie der
Satzerzeugung beim Spracherwerb diskutiert. (vgl. Kotin 2007, 112) Im Satz:
Die Schwester gibt dem Bruder das Buch.– das Prädikat c-selegiert das Subjekt und
beide Objekte, weil das Verb „geben” das Agens, das Objekt und den Adressaten sselegiert. Dieselbe Hierarchie wird außerhalb der generativen Forschung in der sog.
„semantischen Valenztheorie” von Bondzio 2002 in der Ebene des Lexikons als
Grundprinzip der Wortsemantik („Funktorenstruktur”) angesiedelt. Im Gegensatz zu
dieser Annahme kann auch eine gemeinsame (gleichzeitige) Ausstattung der
11
Sprachfähigkeit mit s- und c- Selektionen angenommen werden. (vgl. Lasnik 1990,
16 f., Jacobs 1993, 516 in Kotin 2007, 112)
Zwei wichtige linguistische Syntaxtheorien generativer Prägung von N. Chomsky
sind: die Government – and – Binding Theorie (GB–Theorie) – 1981 und das Minimalistische Programm – 1995.
In der GB–Theorie wird davon ausgegangen, dass die Theta-Rollen in der D-Struktur
zugeteilt werden und dass die einmal zugewiesenen Rollen den Argumenten auch bei
Bewegungen anhaften. Dies erklärt u.a. die Rollenkonstanz beim Passiv für die
einmal über den Lexikoneintrag der passivfähigen Verben festgelegte Konstellationen. Im Satz: Peter liest eine Zeitung ist:
Peter – Agens
die Zeitung – Objekt
Im Satz: Die Zeitung wird von Peter gelesen. ist
die Zeitung – Objekt
von Peter – Agens
Im Satz: Die Zeitung wird gelesen ist
die Zeitung– Objekt
Die Theta–Theorie ist ein Modul der GB, mit dem u.a. die identische Argumentstrukturen von Verben in unterschiedlichen syntaktischen Mustern erklärt werden können.
Bei den generativen Grammatikern spielt die lineare Anordnung in den Strukturen
eine primäre Rolle. Die Dependenzgrammatiker konzentrieren sich auf die Erfassung
der hierarchischen Struktur des Satzes. Charakteristisch für die Dependenz- oder
Abhängigkeitsgrammatik ist, dass im Satz Wörter (bestimmter Wortarten) Wörter
(anderer Wortarten) regieren. (vgl. Eroms 2000, 75 f.)
In der X– bar Theorie wird angenommen, dass Phrasen nicht nur aus zwei Ebenen,
dem Kopf und der maximalen Projektion, bestehen, sondern dazwischen eine weitere
Ebene liegt, die als X` bezeichnet wird. Diese Zwischenebene hat der Theorie ihren
Namen gegeben (eng.”bar”). (vgl. Eroms 2000, 58)
In vielen Sprachen der Welt ist das Verb, das als prädikativer Kern eines potenziellen
Satzes die Potenz besitzt, Leerstellen zu eröffnen, die von anderen Gliedern einer
potenziellen Äußerung besetzt werden. Die Einleitung der Verben nach dieser
Eigenschaft in null-, ein-, zwei-, und dreiwertige (schneien0, schlafenx, kaufenx,y,
geben
x,y,z)
war eine der wichtigsten Neuerungen in der Syntaxtheorie. (vgl. Kotin
2007, 119)
12
Die Cirkonstanten (adverbialen Ergänzungen) wurden in den auf Tesnière zurückgehenden Valenzmodellen als hierarchisch „tiefere” Verbergänzungen behandelt.
Nach Bondzio sind vom Verb abhängig nur seine unmittelbaren Aktanten, welche im
Satz als Subjekt und verschiedene Objekte auftreten, z. B. gebenx,y,z: Peter (X) gibt
der Sabine (Y) ein Buch (Z). Nach Bondzio ist “Funktorenstruktur” von geben: X
macht: Y hat Z. Adverbiale sind nicht vom Verb abhängig, sondern regieren es selbst
als „Prädikate einer höheren Stufe.” Die Temporalbestimmung eröffnet im Satz
„heute” gibt Peter der Sabine ein Buch laut Bondzio eine Leerstelle α, die vom Verb
„geben” besetzt wird: heuteα → α [gebenx,y,z].
In der Valenztheorie wird viel über die Abhängigkeitsrelationen und über den Status
verschiedener Dependenzien in Bezug auf Regentia diskutiert. Im Modell von
Tesnière wurde dieses Problem mit Hilfe einer grundsätzlichen Unterscheidung
zwischen Aktanten als unmittelbaren Verbergänzungen und Cirkostanten als lockere
Argumente des Verbs gelöst.
Helbig schlägt vor, zwischen obligatorischen und fakultativen Aktanten zu
unterscheiden. Bondzio macht den Vorschlag, alle potenziellen Objekte des Verbs
als seine obligatorischen Aktanten einzuordnen und im Falle ihrer Weglassbarkeit
von „fakultativer Leerstellenbesetzung” zu reden, die er in der Ebene der funktionalen Satzperspektive platziert. Die Tesnièreschen Cirkonstanten behandelt er als
Prädikate höherer Stufe und somit Regentia der jeweiligen Verben. (vgl. Kotin 2007,
121f.)
In den herkömmlichen Dependenzgrammatiken, mit Tesnière angefangen, über
Engel (1988, 1994), Tarvainen (1981), Weber (1992), Heringer (1996) wird vom
Verb als dem hierarchisch am höchsten stehenden Wort in dem Satz ausgegangen. In
dieser Konzeption steht das Verb an der Spitze des Satzes und organisiert ihn. Es ist
unbestritten, dass das Verb als Hauptteil den Satz organisiert. Jedoch die hierarchischen Verhältnisse an der Satzspitze sind damit nicht genug beschrieben.
Nach Kunze wäre der Satz : Sie verkauft ihr ihren alten Wagen so darzustellen:
S
V
Pron
Pron
N
Pron poss
Sie
verkauft
ihr
ihren
Adj
alten
13
Wagen .
(vgl. Eroms 2000, 92f.)
Auch Sätze können in manchen Fällen als abhängige Glieder aufgefasst werden:
abhängig von bestimmten Konjuktionen: der Konnektor (die Konjunktion) „und” ist
nicht von S abhängig, sondern S ist von „und” abhängig. Auf S bezieht sich die
Klasse der Modalwörter, die auch Satzadverbien genannt werden. Ausdrücke wie:
wahrscheinlich, leider, unglücklicherweise beziehen sich auf den ganzen Satz. Sie
geben eine Bewertung des an das Prädikat gebundenen Sachverhalts. Sie lassen sich
meistens durch Sätze paraphrasieren:
Er kommt wahrscheinlich.
Es ist wahrscheinlich, dass er kommt. (vgl. Eroms 2000, 92ff.)
2.1.3
Die Valenztheorie und Dependenzgrammatik im Umfeld anderer syntaktischer Modelle
Die neueren Valenzgrammatiken beruhen auf der Theorie von Tesnière, besonders
auf seinem Hauptwerk „Eléments de syntaxe structurale”. Jedoch wird ihm oft
vorgeworfen, dass sein Valenzbegriff unklar sei. (vgl. Eroms 1981, 9, Stepanova,
Helbig 1981, 122). Es werden keine genaueren Kriterien für die Valenz gewonnen,
dadurch kann man die valenzgebundenen Glieder fast nicht von solchen
unterscheiden, die frei und nicht von den Valenzträgern (determiniert) bestimmt,
abgegrenzt sind. Man stellt fest, dass bestimmte Wörter zwar Leerstellen um sich
eröffnen, die aber unter bestimmten Bedingungen gar nicht besetzt werden müssen.
Deswegen ist man gezwungen, zwischen obligatorischer und fakultativer Valenz
nicht nur intuitiv zu unterscheiden, sondern dafür auch entsprechende Kriterien
auszuarbeiten. Diese und andere Probleme führen zu einer breiten Auseinandersetzung mit Valenzfragen.
Nach G. Helbig wird bei Tesnière nicht deutlich, auf welcher Ebene sein
Valenzbegriff angesetzt wird, ob es sich bei der Valenz um eine formale oder eine
begriffliche Kategorie, eine Kategorie der Ausdrucks- oder der Inhaltsebene handelt.
Diese Frage stellt scheinbar eine Alternative dar: Entweder ist die Valenz eine
Eigenschaft formaler Gegebenheiten und kann als solche nur innerhalb der
14
gegebenen Einzelsprachen an distributionellen Daten der Oberflächenstruktur
beobachtet werden, oder sie ist eine Eigenschaft begrifflicher Natur und als solche
eine universale, von der Relationslogik zu beschreibende Eigenschaft. Dieses
Problem wird in der Nachfolge Tesnières meist nicht gesehen, deswegen kommt es
oft zur Annahme einer fehlerhaften Isomorphie zwischen formalen und semantischen
Eigenschaften. In den 60-er Jahren entwickeln sich zwei verschiedene Versionen der
Interpretation des Valenzbegriffes: auf der einen Seite wird er als formale
(strukturelle) Erscheinung der Ausdrucksebene aufgefasst (bei Helbig od. bei
Heringer), auf der anderen Seite als solche der begrifflich-universalen (semantischen) Ebene (bei Bondzio od. bei Heger). (Helbig in Eroms 1981, 9, vgl. Stepanova,
Helbig 1981, 123). Helbig deutet an, dass sich bei Tesnière die Unterscheidung von
„actans” und „circonstants” auch als problematisch erkennen lässt. Die Bezeichnung
der beiden Klassen als „Handelnde” und „Umstände” zeigt auf die semantische
Ebene und lässt durchaus keine direkten Schlüsse auf die syntaktische Ebene.
Weiterhin bleibt bei Tesnière offen, ob die Aktanten im Satz immer obligatorisch
auftreten. Es gibt Fälle, in denen bestimmte Aktanten z. B. an das Verb, aber auch an
andere Wortarten gebunden sind, aber jedoch in der Oberflächenstruktur nicht
obligatorisch auftreten müssen. Es wird auch kritisiert, dass Tesnière die
valenzabhängigen Glieder auf die reinen Kausus des Substantivs beschränkt, die
präpositionalen Ergänzungsbestimmungen aber ausschließt. Zwischen den Fällen des
„unmittelbaren Kontakts” (1) und denen des „mittelbares Kontakts” (2) besteht
jedoch ein morphologisch-formaler, kein wesentlich syntaktischer oder semantischer
Unterschied:
Beispiel:
1. Sie schreibt an den Bruder einen Brief.
2. Sie schreibt dem Bruder einen Brief.
Bei Tesnière wird der Satz als eine Struktur aus Knoten, die durch Wörter
repräsentiert werden und die zwischen ihnen bestehenden Konnexionen aufgefasst.
In fast allen Darstellungen der Dependenzlehre von Tesnière wird übersehen, dass
seine Wortartenlehre das verbindende Glied zwischen Syntax und Semantik bildet.
Jede Konnexion ist auch als semantische Beziehungslinie anzusehen.
Tesnières Wotartenlehre ist eng mit seiner Valenzlehre verbunden. Er trennt die
Leistung der Wörter im Satz nach Bezeichnungen:
15
a) für Substanz und Prozess
b) für abstrakte und konkrete Funktion.
Durch Kreuzklassifikation ergibt sich eine Stufung für die Funktion der Verben und
Substantive und für Adjektive und Adverbien.
Das Verb drückt einen Prozess aus, an dem die „Aktanten” beteiligt sind. Nur
Substantive sind dafür zulässig. Seine Kritiker beachten nicht, dass auf diese Weise
primär syntaktisch Urfunktionen für die Wortarten festgelegt werden: Verben
konstituieren den Satz und eröffnen Leerstellen, Substantive sind Leerstellenfüller,
Adjektive charakterisieren die Substantive und Adverbien gestalten den Satz aus. Die
Wortarten werden also für syntaktische Positionen definiert. Die Knoten unter den
Verben dürfen nur von Substantiven, die Knoten direkt unter den Substantiven
dürfen nur von Adjektiven besetzt werden. (vgl. Eroms 1981, 11f.).
2.2
Das Verb werden, seine Bedeutung und seine Funktionen im Satz
Das Verb werden nimmt in der deutschen Sprache eine besondere Stellung ein. Das
Wort werden ist im Deutschen: ein Vollverb, ein Hilfsverb im Futur und im Passiv,
im Konditionalis I und II, und ein epistemisches Modalverb. Nur im Deutschen
wurde das Verb werden so stark ausgebaut. „Werden” kommt vom indoeuropäischen
Verbalstamm *uert(h)-, das ursprünglich „drehen”, „sich wenden” bedeutete. Der
idg.Verbalstamm lebt in mehreren idg. Sprachen fort. Es handelt sich sowohl um ein
Vorgangsverb als auch um ein Verb der Bewegung, das im Germanischen seit der
ältesten Zeit in ein Verb der Entwicklung bzw. Zustandsänderung umgedeutet worden ist. (vgl. Kotin 2003, 29)
„Bei der Deutung der werden-Semantik liegen die Vorgangs- und die Zustandsdominante nahe, wobei die Zustandsdominante vielmehr
Zustandes
auf den Eintritt eines
hinweist. Die Bedeutung der Zustandsänderung kann als mutativ
eingeordnet werden, wobei das Verb werden den Endpunkt einer Phase bezeichnet.
Im Neuhochdeutschen – dort, wo die Eigensemantik von werden – zumindest
teilweise
erhalten geblieben ist
schlägt die zweite, d. h. aktional markierte
Deutung eines Zustandswechsels bzw. des Eintritts eines neuen Zustandes durch:”
16
Es wird/ wurde kalt.
Sie wird/ wurde Architektin.
Auch heute finden sich in der Umgangssprache Verwendungsweisen, wo werden sowohl die Bedeutung „geschehen; passieren” als auch die Bedeutung „entstehen;
eintreten; geboren werden, zur Welt kommen” führen kann.
z. B. ein Sprichwort: Was nicht da ist, kann noch werden.
Die Bedeutung von werden ist hier „entstehen.” (vgl. Kotin 2003, 31)
Obwohl bei beiden ursprünglichen Bedeutungen der idg. Wurzel *uer(t)- („geschehen, passieren” vs. „eintreten, entstehen”) die dynamische Komponente charakteristisch ist, unterscheidet sich die „Vorgangsdynamik von der einer „Zustandsänderung.” Die Vorgangsdynamik setzt u. a. die Möglichkeit einer in der Zeit gedehnten
Wiederholung, einer gewissen Monotonie des bezeichneten Prozesses voraus. (die
urspr. Bedeutung von *uert- als „sich drehen.” Die Zustandsänderung drückt als
„sich wenden”– oft eine weitgehend momentane bzw. relativ kurz dauernde Bewegung von einem Zustand zum anderen aus, „sich drehen” involviert keine obligatorische Komponente [+Veränderung], während „sich wenden” diese in seiner
semantischen Struktur führt. (vgl. Kotin 2003, 32)
Leiss spricht von zwei Grundbedeutungen des Verbs werden: der additiven und der
nichtadditiven. Man kann also zwischen einem „langsamen” und einem „atomaren”
werden unterscheiden. (vgl. Leiss 1992, 167 ff., in Kotin 2003, 32)
Nach der Sprachwissenschaftlerin R. Musan hat das Verb werden die telische
(nichtadditive) aktionale Bedeutung. Nach R. Steinitz handelt es sich bei werden um
ein aktional vages bzw. unbestimmtes BECOME- Prädikat. Ihre Beweisführung
stützt sich vor allem auf eine Gegenüberstellung der Sätze vom Typ: Er wird groß
und Er wird größer. Im zweiten Fall soll nach Steinitz die Semantik einer allmählichen Veränderung, also eines additiven Vorgangs, vorliegen. Dynamische Verben
bezeichnen ein Ereignis– im Unterschied zu den statischen Verben, die einen
Zustand ausdrücken. Statische Verben sind nach Mel`čuk immer aterminativ, da ein
Zustand weder sich entwickeln noch eine innere Grenze haben kann. Ein
dynamisches Verb kann sowohl terminativ als auch aterminativ sein. (vgl. Mel`čuk
1998, 88, in Kotin 2003, 32)
Bei *uert- unterscheiden sich zwei Arten der ausgedrückten Bewegung: die
(monotone) und (sich wiederholende) Bewegung „im Kreis” und die Bewegung von
einem Punkt (Zustand) zum anderen. Viele andere Bewegungsverben haben auch
17
ähnliche Komponenten wie z. B. „gehen, schwimmen, fahren, fliegen.” Der aktionale
Unterschied zwischen monotonem Vorgang und Zustandsänderung besteht darin,
dass der monotone Prozess seiner Aktionsartsemantik nach in die Nähe einer
Zustandsbedeutung mit statischer Dominante kommt. Der Unterschied zwischen
Vorgangs- und Zustandsverben, der in der Semantiktheorie als prototypisch gilt,
kann relativiert oder zurückgestellt werden, wenn die jeweiligen Verben bezüglich
ihrer Funktionsgeltung im kategorialen Bereich der Aktionsarten gemustert werden.
Es gibt auch diachrone Evidenzen dafür, dass auch statische Verben, wie z. B.
„stehen, bleiben, sein” ursprünglich durchaus „dynamische” Lesarten mit aktionaler
Dominante
[+Zustandsänderung]
haben
konnten,
welche
später
bei
der
Funktionalisierung dieser Verben in verschiedenen Sprachen bemüht wurde. (vgl.
Kotin 2003, 33)
Das Verb werden mit dem Infinitiv I dient zur Bildung von Futur I und werden mit
Infinitiv II dient zur Bildung von Futur II, jeweils mit Zukunfsbedeutung. Das Futur I
hat zwei Bedeutungsvarianten:
1) Futur I zur Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Gegenwart,
2) Futur I zur Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens.
Die erste Bedeutungsvariante des Futur I bezeichnet ein Geschehen in der Gegenwart, obligatorisch verbunden mit einem Modalfaktor der Vermutung. Eine zusätzliche Temporalangabe (jetzt, in diesem Augenblick u. a.) kann fakultativ auftreten,
ändert aber nichts an der Tempusbedeutung und am Modalfaktor. Aktzeit,
Betrachtzeit und Sprechzeit decken sich.
Er wird (jetzt) (wohl) im Kino sein.
Er wird (in diesem Augenblick) (wohl) arbeiten.
In diesen Beispielen deckt sich das Futur I in der temporalen Charakteristik mit dem
Präsens.
Wenn es sich um perfektive Verben handelt, bezieht sich das Futur I nicht auf ein
gegenwärtiges, sondern auf ein zukünftiges Geschehen. Es nimmt damit die Bedeutung der Variante 2 des Futur I an, z. B.:
Wir werden uns (wohl) am Bahnhof treffen.
Er wird (wohl) einen Brief bekommen.
Die zweite Bedeutungsvariante des Futur I bezeichnet ein zukünftigen Geschehen.
Die Betrachtzeit deckt sich mit der Aktzeit; beide liegen nach der Sprechzeit. Diese
Variante kann einen Modalfaktor (der Vermutung) enthalten:
18
Wir werden (bald) das Resultat erfahren.
Er wird (im nächsten Jahr) wieder als Arzt arbeiten.
Diese Bedeutungsvariante des Futur I deckt sich in temporaler Hinsicht mit der
Bedeutungsvariante des Präsens. Da dieser jedoch der Modalfaktor fehlt, muss er bei
einem Austausch mit dem Futur I lexikalisch eingefügt werden:
Wir werden das Resultat (wohl) (bald) erfahren. (vgl. Helbig, Buscha 2005, 137f.)
Das Futur II hat drei Bedeutungsvarianten:
a) Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Vergangenheit
Diese Bedeutungsvariante des Futur II bezeichnet ein Geschehen in der Vergangenheit, obligatorisch verbunden mit einem Modalfaktor der Vermutung. Eine zusätzliche Temporalangabe (gestern, vor einigen Tagen u. a.) kann fakultativ auftreten,
ändert aber nichts an der Tempusbedeutung und am Modalfaktor. Die Betrachtzeit
deckt sich mit der Aktzeit, beide liegen sie vor der Sprechzeit:
Er wird (gestern) die Stadt besichtigt haben.
Seine Tochter wird (in den vergangenen Jahren) in Bonn gewohnt haben.
b) Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Vergangenheit mit resultativem
Charakter,
Das Futur II drückt in dieser Bedeutungsvariante vergangene Sachverhalte aus, die
einen für die Sprechzeit relevanten Zustand einbeziehen, der für die Kommunikation
wesentlicher ist als die in der Vergangenheit liegende Aktzeit. Ein Modalfaktor der
Vermutung ist enthalten, eine Temporalangabe ist fakultativ:
Hans wird (vor einigen Stunden) eingeschlafen sein.
(> Hans schläft jetzt.)
c) Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens.
Das Futur II drückt in dieser Bedeutungsvariante zukünftige Sachverhalte aus, die
man sich unter einem bestimmten Zeitpunkt (Perspektive der Betrachtzeit) als
abgeschlossen vorstellt. Die Aktzeit liegt vor der Betrachtzeit, zwischen Sprechzeit
und Betrachtzeit. Diese Bedetungsvariante des Futur II kann einen Modalfaktor der
Vermutung enthalten. Sie ist jedoch gebunden an das obligatorische Auftreten einer
zusätzlichen Temporalbestimmung (morgen, bald, u. a.):
Morgen wird er die Arbeit beendet haben.
Bald wird er es geschafft haben. (vgl. Helbig, Buscha 2005, 139 ff.)
Von werden als Hilfsverbs lautet das 2. Partizip worden, von werden als Vollverb
geworden, z. B.:
Der Hund ist geschlagen worden.
Peters Bruder ist Lehrer geworden.
19
(vgl. Duden, Band 4, 2005,132)
Im Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II verliert das Partizip II von werden das
Präfix ge-:
Ich bin operiert worden.
Nicht: *Ich bin operiert geworden.
Bei unregelmäßigen Verben mit nicht trennbarem Präfix ist das Präsens des Vorgangspassivs (b) formengleich mit dem Futur I des Aktivs (a), wenn Präsens und
Perfekt den gleichen Ablautvokal haben. Manche Formen sind deshalb homonym
und werden nur durch den Kontext eindeutig:
Sie werden vergessen.
a) Sie werden (das Unrecht) vergessen.
b) Sie (d. h. Die Freunde) werden (von uns) vergessen.
Die futurischen Formen des Vorgangspassivs werden selten gebraucht. Das Futur I
wird meist durch das Präsens, das Futur II durch das Perfekt ersetzt:
ich werde operiert werden
ich werde operiert worden sein
→ ich werde operiert
→ ich bin operiert worden
(vgl. Helbig, Buscha 2005, 144)
Das Zustandspassiv wird gebildet aus den konjugierten Formen des Hilfsverbs sein
und Partizip Perfekt eines transitiven Verbs. Es bezeichnet einen aus einem Vorgang
resultierten Zustand. Man unterscheidet sowohl das Präsens Zustandspassiv, als auch
das Präteritum das Zustandspassiv:
ZP/ Präsens Das Essen ist für uns bestellt.
ZP/ Präteritum Das Essen war für uns bestellt.
Das Perfekt des Plusquamperfekt sowie das Futur I und Futur II des Zustandspassivs
werden selten verwendet. Das Perfekt und Plusquamperfekt werden gewöhnlich
durch das Präteritum, das Futur I wird durch das Präsens, das Futur II durch das
Perfekt ersetzt:
ich bin operiert gewesen
ich werde operiert sein
→ ich war operiert
→ ich bin operiert
ich war operiert gewesen
ich werde operiert gewesen sein
→ ich war operiert
→ ich bin operiert gewesen
(vgl. Helbig, Buscha 2005, 145)
Man kann das Vorgangspassiv nach der Zahl der Glieder syntaktisch klassifizieren:
1) Eingliedrige Passivkonstruktion:
20
Es wird gespielt.
2) Zweigliedrige Passivkonstruktion:
Er wird gelobt.
3) Dreigliedrige Passivkonstuktion:
Er wird vom Lehrer gelobt.
4) Viergliedrige Passivkonstruktion:
Das Buch wird dem Jungen vom Lehrer geschenkt.
Die vorgenommene Klassifizierung bezieht sich ausschließlich auf valenzgebundene
Glieder und ist unabhängig von freien (valenzunabhängigen), meist adverbialen
Angaben, die im Satz syntaktisch nahezu beliebig auftreten können. So würde man
als zweigliedrige Passivkonstruktion ansehen müssen:
Die Ausstellung wurde geöffnet.
Die Ausstellung wurde am Montag feierlich eröffnet.
(vgl. Helbig, Buscha 2005, 145 f.)
Das Vorgangspassiv (oder werden- Passiv) setzt nicht immer eine Aktivform voraus,
z. B.: Zucker wird im Wasser bei 100 Grad aufgelöst. Man kann keinen Aktivsatz
bilden, sondern einen Passivsatz.
Nach dem Verhältnis von syntaktischen und semantischen Einheiten ergeben sich 4
Typen des Vorgangspassivs, die durch die Angabe der semantischen Struktur, der
syntaktischen Grundstruktur des Aktivs und der syntaktisch abgeleiteten Struktur des
Passivs charakterisiert werden.
Es wird unterscheiden:
1) als Typ 1 das zwei-, drei-, oder viergliedrige Vorgangspassiv bei transitiven
Verben:
Der Vater schenkt dem Kind das Buch.
→ Das Buch wird (dem Kind) (vom Vater) geschenkt.
Bei diesem Typ müssen im Aktivsatz mindestens 2 Aktanten vorhanden sein, von
denen der zweite ein Objektsakkusativ ist, der sich durch Passivtransformation in
einen Subjektsnominativ verwandelt. Der obligatorische Subjektsnominativ des
Aktivsatzes (als Agens) wird im Passivsatz zu einem fakultativen Präpositionalobjekt.
2) als Typ 2 das zwei-, dreigliedrige Vorgangspassiv bei multivalenten
intransitiven Verben:
Wir helfen dem Jungen.
21
→ Dem Jungen wird (von uns) geholfen.
Bei diesem Typ müssen ─ wie bei Typ 1 ─ im Aktivsatz mindestens 2 Aktanten
vorhanden sein, von denen der zweite kein Objekt im Akkusativ ist, sondern Objekt
im Dativ, Objekt im Genitiv oder Präpositionalobjekt, die bei der Passivtransformation als solche erhalten bleiben und von ihr nicht berührt werden. Der obligatorische
Subjekt im Nominativ des Aktivsatzes (als Agens) wird ─ wie bei Typ 1 ─ im
Passivsatz zu einem fakultativen Präpositionalobjekt.
3) als Typ 3 das zweigliedrige Vorgangspassiv bei monovalenten
intransitiven Verben mit bestimmt-persönlichem Agens:
Die Zuschauer klatschten.
Es wurde von den Zuschauern geklatscht.
Bei diesem Typ ─ im Unterschied zu den Typen 1 und 2 ─ ist im Aktivsatz nur ein
Aktant vorhanden, der das Agens bezeichnet und “bestimmt-persönlich” ist. Bei der
Passivtransformation bleibt dieses Subjekt im Nominativ ─ im Unterschied zu Typ 1
und 2 obligatorisch als Präpositionalobjekt erhalten.
4) als Typ 4 das eingliedrige Vorgangspassiv bei monovalenten
intransitiven Verben mit unbestimmt-persönlichem Agens:
Man tanzt.
→ Es wird getanzt.
Bei diesem Typ ist ─ wie bei Typ 3, aber im Unterschied zu den Typen 1 und 2 ─ im
Aktivsatz nur ein Aktant vorhanden, der das Agens bezeichnet und ─ im Unterschied
zu Typ 3 ─ “ unbestimmt-persönlich” ist. Bei der Passivtransformation wird dieses
Subjekt im Nominativ obligatorisch eliminiert, im Unterschied zu Typ 1 und 2 (dort
wird er fakultativ als Präpositionalobjekt angeschlossen), im Unterschied auch zu
Typ 3 (dort wird er obligatorisch als Präpositionalobjekt angeschlossen). (vgl.
Helbig, Buscha 2005, 149 f.)
Das Agens wird im Vorgangspassiv meistens mit Hilfe der Präpositon von oder
durch angeschlossen, dabei wird von nicht nur bei Personen gebraucht, sondern auch,
wenn die Agensangabe nicht persönlich ist, also eine Sache oder etwas Abstraktes
nennt:
Das kranke Kind wird von der Nachbarin gepflegt.
Der Baum ist vom Blitz getroffen worden.
Wenn es bei der Agensangabe nicht um den eigentlichen Urheber oder Träger eines
Gschehens geht, kann die Präposition durch gebraucht werden:
22
Er wurde durch eine johlende Menge aufgehalten. (= Die johlende Menge ließ ihn,
ohne es zu beabsichtigen, nur langsam vorankommen.)
Die Präposition durch wird auch verwendet, wenn der Urheber oder Träger eines
Geschehens im Auftrage eines anderen handelt, wenn er nur Vermittler eines Geschehens, Mittelperson ist:
Das Gelände wurde durch Polizisten gesichert. (= Man/ Die Behörde/ Die Regierung
sicherte das Gelände durch [den Einsatz von] Polizisten.)
(vgl. Duden, Band 4 2005, 177f.)
Neben dem Vorgangs- oder werden- Passiv kennt die deutsche Sprache auch das
Zustands- oder sein- Passiv, das mit sein + 2. Partizip gebildet wird. Man kann zwei
Typen unterscheiden. Der Typ 1 ist dadurch gekennzeichnet, dass das Zustands- oder
sein- Passiv auf ein Perfekt des Vorgangs- oder werden- Passivs zurückgeführt werden kann.:
Die Arbeit ist beendet. (Aus:) Die Arbeit ist beendet worden.
Der Fehler ist gefunden. (Aus:) Der Fehler ist gefunden worden.
Beim Typ 1 des Zustandspassivs wird das Agens (der Handelnde, der Urheber, die
Ursache eines Geschehens) nicht genannt:
Die Tür ist geöffnet. (Nicht:) Die Tür ist von mir geöffnet.
Der Typ 2 des Zustandspassivs lässt sich nicht auf das Perfekt des Vorgangspassivs
zurückführen, obwohl das betreffende Verb transitiv und passivfähig ist:
Die Bücher sind mit Staub bedeckt. (Nicht:) Die Bücher sind mit Staub bedeckt
worden. In einigen Fällen kann eine Zurückführung auf das Präsens des Vorgangspasssivs möglich sein:
Dieses Gebiet ist von Turkmenen bewohnt. (Aus:) Dieses Gebiet wird von
Turkmenen bewohnt.
Auch beim Typ 2 handelt es sich um eine passivistische Struktur: eine Hauptbedingung für die Aktiv-/ Passiv-Transformation ist erfüllt, indem das Akkusativobjekt
des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes und das Subjekt des Aktivsatzes zur ─
meistens obligatorischen ─ Agensangabe in Form eines Präpositionalgefüges wird.
Semantisch betrachtet dient dieses Präpositionalgefüge nicht so sehr als Agens,
sondern eher als Instrumentalangabe (“Mittel, Vermittler, Werkzeug”). Es wird
deshalb auch vorwiegend mit Präpositionen wie mit, über, durch, seltener durch von
angeschlossen.
Nicht alle Verben, die ein Vorgangspassiv bilden können, bilden auch ein Zustands23
passiv.
Von intransitiven Verben kann in der Regel kein Zustandspassiv gebildet werden:
Die Gemeinde gedenkt der Toten. ─ Der Toten wird von der Gemeinde gedacht.
(Aber nicht: Der Toten ist gedacht.) (vgl. Duden, 4 Band 2005, 183ff.)
Das Zustandspassiv ist möglich bei Verben wie z. B. verletzen, verbinden, brechen,
einreihen, annähen, abschneiden, kämmen, waschen, ernten, schreiben, vollenden,
öffnen, schließen, pflastern, impfen, operieren, unmöglich bei Verben wie z. B.
bewundern, loben, betrachten, sehen, befragen, beglückwünschen, zeigen.
Der Brief ist geschrieben. /Zustandspassiv/ ← Der Brief ist geschrieben worden.
(vgl. Helbig, Buscha 2005, 158)
Bei den zahlreichen Konkurrenzformen des Passivs können zwei Gruppen unterschieden werden: solche ohne modale Nebenbedeutung und solche mit modaler
Nebenbedeutung. Zur ersten Gruppe gehören:
1) Konstruktion mit bekommen, erhalten, kriegen + Partizip II:
Er bekommt das Buch geschenkt. (= Ihm wurde das Buch geschenkt.)
2) Konstruktion mit bekommen, erfahren, erhalten, finden, gehen,
gelangen, kommen u. a. + Nomen actionis:
Das Buch findet Anerkennung. (= Das Buch wird anerkannt.)
3) Reflexive Formen, bei denen sich das obligatorische Reflexivpronomen auf
ein syntaktisches Subjekt bezieht, das nicht Agens, sondern Patiens des
Verbalgeschehens ist und dem syntaktischen Objekt des aktivischen Satzes
entspricht:
Der Schlüssel wird sich finden. (= Der Schlüssel wird gefunden werden.)
4) Aktivformen mit reduzierter Valenz:
Die Suppe kochte.
Die Suppe wurde (von der Mutter) gekocht.
Zu Passiv- Paraphrasen mit Modalfaktor gehören:
1) Konstruktion mit sein + zu + Infinitiv:
Das Zimmer ist abzuschließen. (= Das Zimmer kann/ muss abgeschlossen werden.)
2) Konstruktion mit sein + Adjektiv:
Seine Schrift ist leserlich. (= Seine Schrift kann gelesen werden.)
3) Konstruktion mit es gibt... + zu + Infinitiv, auch es gilt...+ zu + Infinitiv
Es gibt viel zu lesen. (= Es kann/ muss viel gelesen werden.)
4) Konstruktion mit bleiben + zu + Infinitiv
24
Das Resultat bleibt abzuwarten.
(= Das Resultat muss abgewartet
werden.)
5) Konstruktion mit gehen + zu + Infinitiv
Das Radio geht zu reparieren. (= Das Radio kann repariert werden. Man
kann das Radio reparieren.)
6) Reflexive Form, bestehend aus Sn + lassen sich + Infinitiv + Modalbestimmung.
Das Buch lässt sich gut verkaufen. (= Das Buch kann gut verkauft
werden.)
Das Verb werden dient auch zur Bildung des Konjunktivs I und II. Der Konjunktiv
Futur I wird mit dem Konjunktiv Präsens von werden + Infinitiv I des Verbs
gebildet, der Konjunktiv Futur II entsprechend mit dem Infinitiv II. (vgl .Helbig,
Buscha 2005, Band 4, 171)
Neben den regulären Konjunktivformen kann im Deutschen noch eine besondere
Konjunktivform aus dem Konjunktiv Präteritum von werden und dem Infinitiv (I und
II) des Verbs gebildet werden. Diese so genannte würde- Form kann als Ersatz für
nahezu alle anderen Konjunktivformen stehen. Besonders oft werden Konjunktiv
Präsens, Präterium und Futur durch würde + Infinitiv I ersetzt.
Die würde- Form wird bevorzugt, wenn die uneingeleitete indirekte Rede (mit
Konjunktiv Präsens) nicht von der direkten Rede (mit Indikativ Präsens) zu
unterscheiden ist:
Er hat mir erzählt, seine Eltern leben auf dem Land.
→ Sie hat mir erzählt, seine Eltern würden auf dem Land leben.
Die würde- Form wird gewählt, wenn ein Konditionalsatz als Ausdruck einer
potenziellen Bedingung in der Vergangenheit (mit Indikativ Präteritum) oder als
Ausdruck einer hypothetischen Bedingung in der Gegenwart (mit Konjunktiv
Präteritum) interpretierbar ist:
Wenn er regelmäßig trainierte, erreichte er mehr.
→ Wenn er regelmäßig trainieren würde, erreichte er mehr.
Die würde-Form ersetzt die veralteten oder ausschließlich gehobenen präteritalen
Konjunktivformen von unregelmäßigen Verben:
Wenn ich Zeit hätte, hülfe ich dir.
→ Wenn ich Zeit hätte, würde ich dir helfen.
Seltener ist der Ersatz des Konjunktivs Perfekt und Plusquamperfekt durch würde +
25
Infinitiv II, da diese Formen in der Regel eindeutig sind und die würde- Form umständlicher wäre:
An deiner Stelle hätte ich ihn gefragt.
→ An deiner Stelle würde ich ihn gefragt haben.
(vgl. Helbig, Buscha Duden, Band 4, 2005, 172)
Bei der Verwendung des Konjunktivs in der indirekten Rede unterscheidet man drei
Zeitstufen, die sich als relative oder als absolute Zeiten beschreiben lassen.
Um „relative” Zeiten handelt es sich, wenn man von Gleich-, Vor- oder Nachzeitigkeit, der in der Rede gegebenen Aktzeit im Verhältnis zu der in der Redeeinleitung
gegebenen Sprechzeit spricht. Um „absolute” Zeiten − Gegenwart, Vergangenheit,
Zukunft − geht es, wenn man allein von der in der Rede ausgedrückten Aktzeit
ausgeht. Man verwendet im Folgenden die Einteilung nach den „absoluten” Zeiten,
um für die Konjunktivformen die Entsprechungen zu den zum Teil anderen indikativischen Formen in der direkten ( und indirekten) Rede deutlich zu machen:
Zur Wiedergabe der Gegenwart dienen Konjunktiv Präsens und Präteritum.
Für die Wiedergabe der Vergangenheit werden Konjunktiv Perfekt und
Plusquamperfekt verwendet.
Zur Wiedergabe der Zukunft dienen Konjunktiv Futur I und würde + Infinitiv I
(entsprechend Indikativ Präsens/ Futur I):
Sie hat mir gesagt: „Ich sehe ihn bald./ Ich werde ihn bald sehen.”
(direkte Rede Indikativ Präs./ Fut. I)
Sie hat mir gesagt, dass sie ihn bald sieht/ sehen wird.
(indirekte Rede Indikativ Präs./ Fut. I)
Sie hat mir gesagt, sie werde/ würde ihn bald sehen.
(indirekte Rede Konjunktiv Fut. I/ würde + Infinitiv I)
(vgl. Helbig, Buscha Duden, Band 4, 2005, 175)
Ähnlich wie in der indirekten Rede wird der Konjunktiv im Komparativsatz mit den
Subjunktionen als + Erststellung des finiten Verbs als ob und als wenn gebracht.
Wenn der Konjunktiv verwendet wird, gibt es wie in der indirekten Rede ein nichts
und genau geregeltes Nebeneinander der Tempusformen innerhalb der Zeitstufen,
aber mit einer Präferenz des Präteritums und Plusquamperfekts:
Gegenwart (Konjunktiv Prät/ Präs.,würde- Form):
Es tut so, als ob/ wenn er mich nicht sähe/ sehe/ sehen würde.
Es tut so, als sähe/ sehe er mich nicht/ als würde er mich nicht sehen.
26
Verganenheit (Konjunktiv Plusq. / Perf.)
Der Konditionalsatz: „Wenn ich Zeit habe, besuche ich meine Schwester./ Wenn ich
Zeit haben werde, werde ich meine Schwester besuchen.” bezieht sich auf die
Gegenwart/ Zukunft und meint die Realisierbarkeit des bedingenden und des
bedingten Geschehens.
Der hypothetische Konditionalsatz wird mit dem Konjunktiv Prät. (oder: würde +
Infinitiv I) gebildet und bezieht sich auf die Gegenwart oder Zukunft:
Wenn das Buch mein Eigentum wäre, würde ich es Ihnen gern leihen.
(vgl. Helbig, Buscha, Duden, Band 4, 2005,180 f.)
Im nächsten Kapitel wird das Verb werden als Vollverb dargestellt.
2.2.1
Das Verb werden als Vollverb
Die Vollverben sind Verben, die allein das Prädikat des Satzes bilden. Als Vollverb
tritt werden in der deutschen Gegenwartssprache sehr selten auf. Seine lexikalische
Semantik ist dabei der Bedeutung der Verben „─ geschehen, entstehen, eintreten,
sich ereignen, zuteil werden” am nächsten. (vgl. Kotin, 2003, 211)
Beispiele aus dem Duden Universalwb. 1996, 1732:
(1) Wird`s bald?! (energische Aufforderung, sich zu beeilen)
(2) Es werde Licht! (entstehen)
(3) Was nicht ist, kann noch werden (Sprichw.) – die Bedeutung von werden ist hier
„entstehen”
(4) Das Haus wird allmählich (ugs.) – sich so im Ergebnis zeigen, darstellen, wie
auchbeabsicht
(5) jmdm. Zuteil werden: Jedem Mensch soll sein Recht werden.
(6) Was soll bloß werden? (geschehen), wenn...
Meistens tritt werden in Vollverbfunktion in der Präsensform auf. Es ist auch
möglich das Präteritum und das Perfekt zu bilden und sogar werden als Vollverb mit
werden als prognostisches Auxiliar zu verbinden:
(7) Es ward (wurde) Licht (veraltend)
(8) Sind die Fotos geworden? (Sind die Fotos gelungen?)
27
(9) Das wird[et] was werden! (Das wird großen Spaß geben)
Mundartlich (schwäbisch) wird werden auch in der Bedeutung „zur Welt kommen”,
„geboren werden” verwendet:
(10) Wann bist worde(n)? „Wann bist du geboren?”
Als Vollverb kommt werden fast ausschließlich in der mutativen Lesart vor und steht
hier dem – ebenso selten als Vollverb verwendeten – sein gegenüber. Diese
ursprüngliche Gegenüberstellung von sein und werden als Vollverben im
Germanischen wurde z. B. von Hegel benutzt. Statt des ontologischen Grundsatzes
„Gott ist” hat er die dialektische Alternative „Gott wird” vorgeschlagen. Mutativ
kann es nun seinerseits sowohl als Eintritt eines neuen Zustandes als auch als
Entwicklung und Veränderung des schon vorhandenen Zustandes gedeutet werden.
(vgl. Kotin 2003, 211f.)
Das Verb werden ist auch mutatives und transformatives Verb.
2.2.2 Das Verb werden als Kopulaverb und seine Stellung im Satz
Kopulaverben, Hilfsverben, Modalverben gehören zu den Nicht-Vollverben. Das
Kopulaverb werden bildet zusammen mit einem Adjektiv ( Partizip, Adverb) oder
Substantiv (als Prädikativ) das Prädikat, z. B.:
Peter wird Arzt.
Er wird krank.
Die Sache wird dringend.
Die Kopula-Prädikativ-Konstruktion mit werden (Peter wird krank, Das Wetter
wurde schlechter) lässt sich aus dependenzgrammatischer Sicht so einordnen:
werdenx,y
y: Prädikativumx,(n)
x: Subjekt
(vgl. Kotin 2007, 159)
28
Das Kopulaverb werden ist nicht schlechthin „bedeutungsleer”. Das Verb werden ist
inchoativ, es bedeutet Zustandsveränderung, Eintreten eines neuen Zustands. Die
verschiedenen Gruppen der Nicht-Vollverben unterscheiden sich in ihrer Funktion
und in ihren charakteristischen Umgebungen (z. B. Infinitiv mit oder ohne zu, Akkusativ bzw. Präpositionalgruppe, Partizip II, Substantiv im Nominativ oder Adjektiv).
(vgl. Helbig, Buscha 2005, 45)
Das Verb werden tritt als Kopulaverb in der sog. Kopula- Prädikativ- Konstruktion
auf. Im Satz: Gott wird; alles wird noch geht die kopulative Funktion von werden auf
deren ursprüngliche, in der Gegenwartssprache selten vorkommende VollverbBedeutung zurück. In dieser Bedeutung ist das Verb einstellig. (vgl. Kotin 2007,
151)
Mutativ bzw. transformativ verhält sich werden auch als Kopulaverb in einer
Kopula-Prädikativ-Konstruktion mit Substantiven („Arzt werden, zu Eis werden”)
oder Adjektiven („dunkel werden, müde weden”) als Prädikativa:
Das Wetter wurde schlechter.
Was willst du werden?
Sie wurde seine Frau.
Das Kind ist zum Mann geworden.
(vgl. Duden Universalwb. 1989, 1731)
2.2.3 Die Eigenschaften des Verbs werden als Auxiliarverb und seine Funktionen
im Satz
Hilfsverben sind Verben, die zur Bildung der zusammengesetzten Verbformen dienen. Sie bilden also zusammen mit anderen Verben das Prädikat.
Hilfsverben bezeichnet man als Auxiliarverben. Auxiliaris heißt auf lateinisch „Hilfe
leistend, hilfreich.” (vgl. Bertelsmann 2004, 180)
Die kategorielle Bezogenheit weisen die Formen (Futur I, II, Passiv und Konditionalis I und II) mit dem Auxiliarverb werden auf. Diese Formen gibt es in allen drei
Bereichen des großen Verbalparadigmas des Neuhochdeutschen – Tempus (Futur I,
II), Genus (Passiv) und Modus (Konditionalis I, II). Diese bedeutende Rolle des
29
Verbs werden für die Ausbildung der analytischen Verbalformen charakterisiert nur
das Deutsche.
Die Funktion des Auxiliarverbs werden lässt sich schematisch folgendermaßen darstellen:
werden Präs. Ind. + Inf. I – Futur I
(wird gelesen, gehen)
+ Inf. I – Futur II (wird gelesen haben/
Tempus
gegangen sein)
alle Tempora
u. Modi
+ PPvt(vi) – Passiv (wird/ wurde gesendet/
getanzt; ist/ war
Genus
getanzt worden...)
Prät. Konj.
+ Inf. I – Konditionalis I (würde senden, gehen)
Prät. Konj.
+ Inf. II – Konditionalis II (würde gesendet haben/
Modus
würde gegangen sein)
Das Schema zeigt, dass die Komposition zwischen den Formen und Fügungen mit
dem Auxiliarverb werden die Polyfunktionalität und einen sehr hohen Paradigmatisierungsgrad von werden – Formen in allen drei Teilen des Verbalparadigmas
aufweist. (vgl. Bergmann 1997, 481 f.)
Werden dient mit dem Infinitiv I zur Bildung von Futur I und mit dem Infinitiv II zur
Bildung von Futur II.
Hauptsächlich lassen sich vier unterschiedliche Herangehen an werden mit Infinitiv
feststellen:
a) werden ist in Verbindung mit dem Infinitiv ein Futurauxiliar und die Periphrase im
Ganzem stellt daher eine Tempusform (Futur) dar. Die Problematik wird bei
mehreren Autoren behandelt. (z. B. von Matzel).
b) werden ist in Verbindung mit dem Infinitiv ein epistemisches Modalverb, es
drückt eine Annahme des Sprechers über gegenwärtige, zukünftige oder (mit dem
Infinitiv II) auch vergangene Ereignisse aus (Saltveit, Vater), z. B.:
Peter wird jetzt in seinem Zimmer sitzen.
30
Er wird seine Arbeit schon gestern abgeschlossen haben.
c) werden drückt in Verbindung mit dem Infinitiv II temporale oder modale
Bedeutungen aus, abhängig davon, ob das jeweilige Vollverb nonadditiv (resultativ)
oder resp. additiv (kursiv) ist. Ist das Verb nonadditiv, so ist es auch zukunftsbezogen, und werden ist in solchen Fällen kategorialer Redundanz für die modale
Reinterpretation „zuständig”, wodurch die kategoriale Redundanz vermieden wird:
Wir werden den Schlüssel finden.
Wenn das Verb additiv ist, muss der Zukunftsbezug zusätzlich hergestellt werden,
und in diesem Fall ist werden temporal zu interpretieren: Wir werden den Schlüssel
suchen. (Leiss)
d)
werden in Verbindung mit dem Infinitiv ist ein spezielles Zeichen, das im
Unterschied zur „unmarkierten Finitheit” den Sprecherbezug zum Ausdruck bringt.
Sprecherbezug trägt Kategorialcharakter. Mit Hilfe des Verbs werden weist der Sprecher in der Periphrase werden + Infinitiv ausdrücklich auf sich. Es wird ein „Ichsage – dir – so” Satz geschaffen, der in Opposition zu einem „Das – ist – so”
steht.(Fritz):
Der Gast wird (wohl) abgereist sein.
Wenn sich die Handlung auf die Gegenwart bezieht, ist die Funktion von werden rein
modal, z. B.: Peter wird jetzt in seinem Zimmer sitzen.
Dieser Satz kann zwei Bedeutungen haben:
1. Bedeutung: eine Prognose, eine Zukunftsaussage
2. Bedeutung: eine Gegenwart (Der Inhalt Satzes weist auf die Gegenwart)
Wie schon festgestellt wurde, kann werden ein epistemisches Modalverb sein. Im
Satz: Peter wird in seinem Zimmer sitzen nimmt das Verb werden eine Alphastelle
(eine Leerstelle) ein:
wird α
α [ Peter in seinem Zimmer sitzen]
α- Regens der oberen Stufe regiert den ganzen Satz
31
α- Dependentia sind Subjektsätze
wird α
α: sitzenx
in → Zimmer
x: Peter
seinem
Werden regiert den ganzen Satz, steht in der Oberstufe.
(nach Kotin 2007, 141)
Werden kann als Hilfsverb im Futur stehen. Im Satz: Ich komme morgen ist das
Präsens futuri genauso epistemisch wie die werden- Periphrase: Ich werde morgen
kommen.
(vgl. Kotin 2003, 215)
Nach Kotin kommt einem Satz wie: Wir werden morgen kommen folgendes Stemma
zu:
werdenx(o)y
y: kommenx
x: wir
morgen
Das Verb werden eröffnet semantisch eine Stelle. Erste Stelle ist Null-Stelle.
Die Auxiliarisierung von werden mit dem Infinitiv I ist mit einer Kodierung der
Temporalität auf engste verbunden und in dem Kategorialbereich der Handlungen,
Ereignisse und Zustände, die ihren Anfang in der Vergangenheit bzw. der Gegenwart
haben und sich kontinuierlich bis in die Zukunft hinziehen. Die Periphrase werden +
Infinitiv I fungiert als klassisches paradigmatisiertes Tempus Futur, was seine prognostische Funktion, gebunden an die Spezifik der Zukunftsperspektive, in keiner
Weise beeinträchtigt, z. B.: Er gewann früher, er gewinnt heute und er wird auch in
Zukunft gewinnen.
Die Prognostik bei Zukunfsbezug ist hier eindeutig, aber die werden- Periphrase wird
hier nicht primär dazu verwendet, um diese Prognostik zu kodieren. Die Ersetzung
32
des Futurs durch das futurische Präsens ist in solchen Fällen nicht möglich. (vgl.
Kotin 2003, 217)
„In der Gegenwartsperspektive verhält sich werden wie epistemisches Modalverb. In
der für werden markierten Zukunfsperspektive wird die Epistemik von werden durch
den Einfluss der Epistemik der Zukunftsperspektive selbst abgeschwächt. Der Grad
dieser Abschwächung kann jedoch unterschiedlich sein – bis hin zur Dominanz der
temporalen Funktion.” (Kotin 2003, 218)
Die Konstruktion werden + Infinitiv I bzw. II kann zweifach interpretiert werden:
a) als Futur mit einem dafür typischen Dependenzstemma mit der EinebenenRelation zwischen dem Finitum und dem Infinitiv oder
b) als Periphrase mit werden als epistemischem MV und somit α- Regens, z. B.:
Peter wird kommen. (vgl. Kotin 2007, 160 f.)
Die Verbindung von werden mit dem Infinitiv II bringt zum Ausdruck in der
temporalen Perspektive der Vergangenheit eine „Prognose für die Vergangenheit”.
Der Sprecher nimmt an, dass ein Ereignis in der Vergangenheit stattgefunden oder
nicht stattgefunden hat, z. B.:
Er wird die Prüfung mit Glanz und Gloria bestanden haben.
Die subjektive
Sicherheit des Sprechers wird durch die Periphrase werden + Infinitiv II kodiert und
unterscheidet sich von der Epistemik der Periphrase werden + Infinitiv I in der
temporalen Perspektive der Zukunft dadurch, dass es hier keinerlei Affinitäten von
Epistemik des Zeichens und Epistemik der temporalen Perspektive bestehen. Die
epistemische Funktion der Umschreibung werden + Infinitiv II kommt dagegen in
die Nähe der Funktion der Umschreibung werden + Infinitiv I in der temporalen
Perspektive der Gegenwart, welche ebenfals als solche epistemisch unmarkiert ist,
vgl.: Er wird jetzt in seinem Büro sitzen ~ Er wird gestern in seinem Büro gesessen
haben. (vgl. Kotin 2003, 218)
Präteritumform von werden im Konjunktiv mit Infinitiv I und II dient zur Bildung
Konditionalis I und II.
Die Form würde + Infinitiv I drückt optionale, voluntative und irreale Ereignisse in
Gegenwart und Zukunft aus, die Form würde + Infinitiv II dagegen irreale bzw. nicht
stattgefundene Ereignisse in der Vergangenheit bezeichnet:
Morgen würde er ins Kino gehen.
Gestern würde er ins Kino gegangen sein.
Ich würde dir helfen.
Ich würde dir geholfen haben.
Nach dieser Konzeption wird die Periphrase würde + Infinitiv I als Konditionalis I
33
und würde + Infinitiv II als Konditionalis II kodiert. ( vgl. Kotin 2003, 222 f.)
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Periphrasen würde + Inf. I und
werden + Inf. I, welche in der Gegenwartsperspektive nur epistemische Funktion hat.
Würde + Inf. I ist in der Gegenwartsperspektive nichtfaktisch - prognostisches
Auxiliarverb. Selten kann würde parallel zu werden eine Vermutung für die Gegenwart ausdrücken: Das wird so sein ~ Das würde so sein.
In diesem Fall ist würde ein prognostisches Modalverb.
Die Periphrase würde + Inf. I wird in der Indirekten Rede und zur Kodierung einer
Prognose für die Zukunft in der Vergangenheit verwendet.
Die Periphrase würde + Inf. II bezieht sich auf temporale Perspektive der
Vergangenheit und kodiert die nichtfaktische bzw. kontrafaktische Prognose:
Ich würde dir gern geholfen haben.
Es gibt keine Paralität zwischen der Funktion von würde und werden:
Es würde die Prüfung bestanden haben, wenn...[aber...] (nichtfaktische Prognose) vs.
Er wird die Prüfung bestanden haben (faktische Prognose).
Werden als Hilfsverb wird zusammen mit dem Partizip II des jeweiligen Verbs
gebraucht zur Bildung des werden- Passivs (''Vorgangspassiv”). Im Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II heißt es worden nicht geworden, z. B.:
Er wird von mir gefragt worden sein.
Bei Aktiv steht der Handelnde, der Täter im Mittelpunkt (agenszugewandt), beim
Passiv der Vorgang/ das Geschehen bzw. der Zustand.
Das werden-Passiv (Vorgang/ Geschehen) wurde als nicht agenszugewandt (agengsabgewand) und prozessual beschrieben:
Die Stadt wird wieder aufgebaut. (Vorgang)
Das sein- Passiv wurde als nicht agenszuwandt und nicht prozessual beschrieben:
Die Stadt ist wieder aufgebaut. (Zustand, Ergebnis)
Im Satz: Das Fenster wird (von Peter) geschlossen ist :
das Fenster - ein Objekt,
von Peter - ein Agens und tritt obligatorisch aus.
Im Satz: Peter schließt das Fenster ist:
das Fenster-ein Objekt,
Peter- ein Agens und tritt fakultativ aus
34
Dem Satz Peter schließt das Fenster lässt sich folgenes Schema zuweisen:
schließtx,y
x: Peter
y: Fenster
das
Wenn man davon geht, dass ein Passiv eine Transformation vom Verb ist, verändert
sich das Prädikat zu wird geschlossen.
Dem Satz Das Fenster wird geschlossen lässt sich das semantische Schema zuweisen:
[ wird geschlossenx,y]
x: [von Peter]
y: Fenster
das
In der semantischen Bedeutung sind Peter ein Agens und das Fenster ein Objekt.
Das Verb werden hat zwei Arten von Selektion:
1) S- Selektion ( thematische Zuweisung der Rollen (Theta- Rollen)
Im Aktivsatz selegiert die S- Selektion schließt. Im Passivsatz bleibt die S- Selektion
dieselbe.
2) C- Selektion (Konstruktionierung Selektion)
Im Passivsatz ändert sich die C- Selektion. Im Aktivsatz selegiert die S-Selektion
selegiert das Wort, ein Akkusativobjekt. Im Aktivsatz ist Agens immer Subjekt.
Im Passiv wird die Valenz reduziert, vgl.: Zucker wird bei 100 Celsius sehr schnell
im Wasser aufgelöst. Das Verb auflösen ist zweistellig. Das ist eine mediale
Konstruktion. (vgl. Kotin 2007, 160)
Eine alternative Lösung ist den ganzen Satz vom Verb werden auszubauen.
35
Dem Satz Das Fenster wird (von Peter) geöffnet lässt sich folgendes Schemma
zuweisen:
wirdx(0),y
y: geöffnetx,(a)
xo : Fenster
a: (von
Peter)
das
Nach Eroms zerlegt das Verb werden 2 Teile, hat zwei Stellen.
Die Lexikalisierung von werden in Verbindung mit dem Partizip II eines
subjektlosen Passivsatzes kommt darin zum Ausdruck, dass es nicht mehr als finiter
Teil des periphrastischen Pädikats fungiert, sondern die Funktion des Prädikatsähnlich einem Vollverb – übernimmt. Das Partizip II füllt die leere Nische des
Satzsubjekts aus: Hier wird getanzt ~ „Hier geschieht Tanz” (Was wird hier?Getanzt.)
Weden realisiert dabei nicht seine mutativ markierte Eigenbedeutung als Vollverb
oder Kopula, sondern seine zweite, ursprüngliche, nichtmutative additive Bedeutung,
welche außer diesem Einzelfall ausschließlich in den Periphrasen mit werden aufgelöst wurde. (vgl. Kotin 2003, 238)
36
3 Die valenzorientierte Analyse der Belege mit dem Verb werden
3.1 Allgemeines
Bei der Analyse des Gebrauchs des Verbs werden als Voll-, Kopula- und Auxiliarverb in der deutschen Gegenwartssprache werden authentische Texte untersucht. Das
Untersuchungsmaterial des empirischen Teils bilden Belletristik, Zeitschriften und
Internet. Als Textgrundlage für die vorliegende Analyse dienen die Werke: „Das
siebte Kreuz” von Anna Seghers, „Erziehung vor Verdun” von Arnold Zweig, „Hundert Gedichte 1918 – 1950” von Bertolt Brecht, „Die Erbin vom Washington Square”
von Henry James, „Leselöwen – Weihnachtsbuch” von Jutta Radel, „Wilhelm Tell”
von Friedrich Schiller und auch Duden Universalwörterbuch. Einen Teil des Untersuchungsmaterials bilden Sätze aus den deutschen Zeitschriften „Der Spiegel,” „Focus,” „Stern” und auch einige Internetseiten. Ferner werden die theoretischen Grundlagen der Dependenzgrammatik, besonders der Valenzeigenschaften des Verbs werden als Voll-, Kopula- und Auxiliarverb mit Hilfe der authentischen Belegsätze analysiert. Die ausgewählten Belege werden zuerst nach ihrer Funktion und Bedeutung
im Satz als Voll-, Kopula- und Auxiliarverben klassifiziert, dann werden die ausgewählten Beispielsätze in Bezug auf ihre Valenzeigenschaften behandelt und anhand
eines grafischen Schemas dargstellt.
Im Kapitel 3.2 werden die Valenzeigenschaften des Verbs werden als Vollverb dargestellt. Dabei werden Sätze verschiedenen Typs präsentiert, die Quelle wird unter
dem Belegsatz genannt, danach werden die Belegsätze grafisch dargestellt und beschrieben. Im Kapitel 3.3 werden die Valenzeigenschaften des Kopulaverbs werden
in der deutschen Sprache erläutert und dann auch grafisch dargestellt und beschrieben.
Im Kapitel 4.1 werden die Bedeutungen und Valenzeigenschaften des Verbs werden
als Auxiliarverb präsentiert. Im Kapitel 4.2 wird das Auxiliarverb werden in Belegsätzen mit Futur dargestellt. Im Kapitel 4.3 wird das Verb werden als Auxiliarverb in
37
Belegsätzen verschiedenen Typs mit Vorgangspassiv dargestellt und grafisch
beschrieben.
Bei der Analyse des empirischen Materials habe ich mich für das grafische Muster
von Michail, L. Kotin entschieden.
3.2 Die Valenzeigenschaften des Vollverbs werden
Das Verb werden ist ein unregelmäßiges Verb und hat viele Bedeutungen in der
deutschen Sprache. Das ist das Verb der Entstehung, mutatives Verb, transformatives
Verb. Das Verb werden tritt in der deutschen Sprache als Voll-, Kopula- und Hilfsverb auf. Das Vollverb kann in seiner finiten Form allein das Prädikat bilden. Das
Prädikat ist die zentrale Stelle des Satzes. Vollverben sind Verben, die allein im Satz
vorkommen können. Das Vollverb bildet den infiniten Teil. Vollverben bilden selbstständig die Satzaussage. Es ist nicht leicht, unterschiedliche Eigenschaften von Hilfsund Vollverben zu beschreiben. Dasselbe Verb kann sowohl als Voll- als auch als
Hilfsverb auftreten, z. B.: Ich habe eine Wohnung. vs. Ich habe eine Wohnung
gemietet. (vgl. Kotin 2007, 83)
Vollverben kommen immer allein, Hilfsverben im Regelfall zusammen mit einem
Vollverb vor, z. B.: Wir kommen morgen. (Vollverb)
Wir wollen morgen kommen. (Hilfsverb)
In diesem Fall bildet das Hilfsverb den finiten Teil des Prädikats, das Vollverb den
infinien Teil.
Als Vollverb erscheint werden in der deutschen Gegenwartssprache sehr selten.
Meistens tritt werden in Vollverbfunktion in der Präsensform auf. Es ist auch
möglich, davon das Präteritum und das Perfekt zu bilden und sogar werden als
prognostisches Auxiliar zu bilden.
Werden kommt als Vollverb fast ausschließlich in der mutativen Lesart vor. Mutativ
kann es als Eintritt eines neuen Zustandes als auch als Entwicklung und Veränderung
des schon vorhandenen Zustandes gedeutet werden.
Wie schon im theoretischen Teil gesagt wurde, ist das Verb werden Valenzträger.
38
Werden wird selten als Vollverb gebraucht. Der Belegsatz (1) lässt sich wie folgt
schematisch darstellen:
(1) Gott wird.
(Hegel)
wird x
x: Gott
In diesem Beispiel ist das Verb werden der Valenzträger, es eröffnet eine Leerstelle
X. Die Wörter Gott und werden sind gleichwertig. Das Verb werden ist ein Vollverb.
Es ist einstellig. Die X- Stelle besetzt das Subjekt Gott. Nur wenn es um die Existenz
des Gottes geht, müssen wir keine Ergänzungen benutzen. Hegel hat statt des Satzes
Gott ist die dialektische Alternative Gott wird vorgeschlagen. Das Verb werden kann
mutativ als Eintritt eines neuen Zustandes als auch als Entwicklung und Veränderung
des bereits vorhandenden Zustandes gedeutet werden. (vgl. Kotin 2003, 212)
(2) Was nicht ist, kann noch werden.
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(3) Das wird [et] was werden.
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(4) Wann bist worden? (Wann bist du geboren?)
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
Nach Engel gehört das Verb werden zu den subjektlosen Verben.
werden, es (nom.) Es wird Frühling.
39
werden, es (adj.) Es wird kalt.
Engel bezeichnet das es als „integralen Bestandteil des Verbs”. Eroms ist damit zum
Teil einverstanden. Er fasst es als formale Besetzung der Subjektsstelle auf. Inhaltlich ist es leer. Es entspricht damit der mikrovalenziellen Besetzung der vom
Auxiliar und von den unpersönlichen Verben formal eröffneten Leerstelle. (vgl.
Eroms 2000, 190)
(5) Es wird Frühling.
(„Erziehung von Verdun” Arnold Zweig 1967, S. 372)
[es] wird x,
x: Frühling
In diesem Stemma ist das Verb werden der Valenzträger. Er eröffnet eine Stelle, die
vom Subjekt Frühling ersetzt ist. Werden kann ein subjektloses Verb sein. Im Satz:
.Es wird Frühling ist werden, es(nom.) - das Subjekt Frühling steht im Nominativ.
Es nimmt eine formale Subjekts-Position ein. Es hat jedoch keine „volle” Bedeutung.
Formal besetzt es Subjektsstelle. Es ist ein formales Positionselement.
(vgl. Eroms 2000, S. 190)
(6) Es werde Licht!
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(7) Es wurde dies und das.
(„Hundert Gedichte” 1968, S. 103)
[es]
wurde x,
x: dies und das
40
In diesem Beispiel ist das Verb weden der Valenzträger. Es eröffnet eine LeerstelleX, die für dies und das reserviert ist.
(8) Nicht mehr werden. (salopp)
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(9) Die Pflanze wird nicht wieder.
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(10) Wird`s bald?!
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
wird x
x: es
bald
Das Verb werden ist in diesem Satz der Valenzträger, es regiert den Satz. Das Verb
werden ist einstellig, aber mit dem Anschluss der temporalen Umstandsbestimmung.
Werden eröffnet eine Leerstelle X, die für es reserviert ist.
Der Satz bedeutet eine energische Aufforderung, sich zu beeilen.
(11) Die Zeichnung ist nichts geworden. (ist misslungen)
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
(12) Sind die Fotos geworden? (Sind die Fotos gelungen?)
(Duden Universalwb. 1996, 1732)
41
3.3
Die Valenzeigenschaften des Kopulaverbs werden
Kopulaverben werden zu den „Nicht-Vollverben” gezählt. Sie bilden zusammen mit
einem Prädikativ das Prädikat. Eine Kopula braucht also eine obligatorische Ergänzung, um eine Satzaussage zu bilden. Als Prädikat kann ein Substantiv, Pronomen
oder Adjektiv auftreten. Das Prädikat wird in Bezug zum Subjekt gesetzt. Kopulaverben nehmen eine Stellung zwischen den Hilfsverben und den Vollverben ein.
Hilfsverben bilden zusammen mit anderen Verben das Prädikat. Kopulaverben dagegen brauchen kein weiteres Verb, sondern ein Prädikativ, um das Prädikat zu
bilden. Kopula und Prädikatsnomen haben zusammen die Funktion, die das Vollverb
allein erfüllt. Ohne das Prädikativ beim Kopulaverb ist das Prädikat unvollständig. In
der Kopula-Prädikativ-Konstruktionen können Substantive und Adjektive als prototypische Prädikate und somit als Valenzträger fungieren. Prädikavische Komplemente eröffnen die Leerstellen, die von dem Subjekt-Aktanten besetzt werden. (vgl.
Kotin 2007, 157) Auch das Kopulaverb werden kommt immer mit Prädikativ vor (es
kann nicht allein stehen), z. B.: Peter wurde rot.
In diesem Satz verbindet das Kopulaverb werden das Adjektiv rot.
Die Kopulaverben haben eine sehr allgemeine Bedeutung, die bei werden inchoativ
ist, das bedeutet Zustandsveränderung, Eintreten eines neuen Zustands.
Um die Valenzeigenschaften des Verbs werden zu präsentieren, habe ich Belegsätze
verschiedenen Typs ausgewählt. Manche von ihnen werden schematisch dargestellt
und beschrieben.
(1) Georg wurde gegen Ende des Winters unruhig.
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers, 1975, S. 77)
(2) Der Verletzte wird bald wieder gesund.
42
(http:/www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/38579.html.canoo, Stand : 10.05.2009)
(3) Peter wird Arzt.
(Kotin)
wird x,y
x: Peter
y: Arzt
In diesem Beispiel ist das Kopulaverb werden ein Valenzträger. Das Verb werden eröffnet zwei Leerstellen, die eine Leerstelle X ist vom Subjekt Peter besetzt, die
andere Y vom Prädikat Arzt besetzt. Das Prädikat ist in diesem Fall das Substantiv.
(4) Im Herbst werden die Blätter der großen Bäume gelb, braun und rot.
( „Leselöwen - Weinachtsbuch,” Jutta Radel 1987, S.123)
(5) Das Essen wird schlecht.
(„Hundert Gedichte ”, Bertolt Brecht, 1968, 209)
wird x, y
x: Essen
y: schlecht x
das
In diesem Stemma ist das Kopulaverb werden der Valenzträger, es eröffnet zwei
Leerstellen, die erste Leerstelle X wird vom Subjekt Essen besetzt, die zweite
Leerstelle Y wird vom Prädikativ schlecht besetzt. Das Verb werden ist also in
diesem Belegsatz zweistellig und bildet zusammen mit dem Prädikativ schlecht ein
vollständiges Prädikat. Das präsentierte Dependenzdreieck dient zur schematischen
43
Darstellung der Dependenzbeziehungen im Belegsatz, wo das Kopulaverb werden
seine kopulative Valenzeigenschaft aufweist.
(6) Der Blick wird breiter.
(„Hundert Gedichte”, Bertolt Brecht, 1968, 22)
wird x, y
y: breiter x(n)
x: Blick
der
Das Stemma ist dem oben präsentierten Schema ähnlich. Das Verb werden regiert
den Satz. Es eröffnet zwei Leerstellen.
Die erste Leerstelle X ist vom Subjekt im Nominativ besetzt, die zweite Y vom
Prädikativum breiter. Das Verb werden ist in diesem Satz zweistellig und bildet zusammen mit dem Prädikativ ein Prädikat.
(7) Franz wurde knallrot im Gesicht.
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers 1975, S. 115)
wirdx, y
y: knallrot x, a
x: Franz
a: im Gesicht
44
In diesem Schemma ist das Verb werden der Valenzträger. Es eröffnet zwei Leerstellen. Die erste LS -X wird vom Subjekt Franz besetzt, die zweite LS - Y wird vom
Prädikativ knallrot besetzt. Die LS a wird vom im Gesicht besetzt.
(8) Er wurde enger und kunstvoller mit jeder Stunde Polizeiarbeit
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers, 1975, S. 232)
.
(9) Der Weihnachtsengel wurde sehr traurig.
( „Leselöwen - Weihnachtsbuch” Jutta Radel 1987, S. 168)
(10) Der Lehrer wird ein guter Schuldirektor.
(http://www.kjs.samorzad.uw.edu.pl/pliki/SATZGLIEDER.pdf) Stand: 15. 05.
2009)
45
4
Bedeutungen und Valenzeigenschaften von werden
als Auxiliarverb
4.1
Allgemeines
Hilfsverben sind Verben, die zur Bildung von zusammengesetzten Verbformen dienen. Die Hilfsverben, anderes Auxiliarverben genannt, bilden also zusammen mit
anderen Verben das Prädikat. Sie treten nicht im Imperativ ein. Auxiliarverben regieren eine infinite Form (Infinitiv oder Partizip II) von Voll- und Modalverben. Sie
sind ergänzungsbedürftig, zweiwertig, außer dem Subjekt verlangen sie einen Infinitiv oder ein Partizip, z. B. :
Er wird schwimmen.
Der Brief wird vorgelesen.
Den Hilfsverben wird keine eigene semantische Valenz zugewiesen. Die Hilfsverben
verhalten sich ähnlich wie die Tempusmorpheme von Vollverben. Sie eröffnen Leerstellen. Die erste Leerstelle wird durch einen vollen nominalen Ausdruck besetzt und
die zweite wird durch einen verbalen besetzt., der als wirkliche Valenzträger verstanden wird. Die Hilfsverben werden als Teile von Verbalperiphrasen im Formenparadigma von Vollverben (Modalverben) verwendet. (vgl. Eroms 2000, 137 f.)
Das Verb werden besetzt jede Nische des grammatischen Systems. Es tritt als Auxiliarverb mit dem Infinitiv I auf und dient zur Bildung von Futur I :
Sie wird lernen.
Werden dient mit dem Infinitiv II zur Bildung von Futur II:
Er wird die Lösung gefunden haben.
Das Verb werden benutzt man zur Bildung des „Vorgangspassivs“. Es drückt Vorgänge aus.
Aktiver Satz:
Der Lehrer öffnet das Fenster.
Vorgangspassiv: Das Fenster wird vom Lehrer geöffnet.
Man kann das Vorgangspassiv nach der Zahl der Glieder syntaktisch klassifizieren:
- eingliedrige Passivkonstruktion
Er wird gespielt.
- zweigliedrige Passivkonstruktion Er wird gelobt.
- dreigliedrige Passivkonstruktion Er wird vom Lehrer gelobt.
46
- viergliedrige Passivkonstruktion Das Buch wird dem Jungen vom Lehrer geschenkt.
Das Verb werden dient auch zur Bildung des Konditionalis I und II .
4.2 Das Auxiliarverb werden in Belegsätzen mit Futur
(1) Obama wird mit einem Big Bang beginnen.
(Der Spiegel, Nr. 52, 2008, S. 25)
(2) Den Täter wird niemand vergessen.
(Focus, Nr.17, 2007, S. 175)
wird x (0), y
y: vergessen x, a
x: niemand
a: Täter
den
Das Verb werden eröffnet struktuell zwei Leerstellen. Das Symbol x (0) steht für die
LS, welche strukturell von werden eröffnet ist, die von dem Indefinitpronomen
besetzt wird. Die Y- Stelle ist rein strukturell, weil sie nicht von werden direkt
erfragbar ist. Die Dependenzrichtung wird durch den Pfeil symbolisiert, die LS a
wird vom VV eröffnet und wird vom Substantiv im Akkusativ (den Täter) besetzt.
Die LS niemand ist einzig und allein vom Vollverb eröffnet.
Das Satzgebilde wird -→ vergessen kann mit den Fragen von links wer? nach rechts
wen? erfragt werden.
47
(3) Wir werden vermutlich heiraten.
(„Die Erbin vom Washington Square” Henry James, 1975, S. 128)
werden x (0), y
x: wir
heiraten x (n)
(n): vermutlich
(4) Du wirst den Apfel schießen von dem Kopf des Knaben!
(„Wilhelm Tell” Friedrich Schiller)
(5) Die jungen Frauen werden Waisen gebären.
(„Hundert Gedichte” Bertold Brecht 1968, S. 190)
(6) Er wird jetzt mit seinen Fragen anfangen.
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers 1975, S.200)
wird x (0), y
x: er
y: anfangen x, a
jetzt
a: mit Fragen
seinen
48
(7) Wir werden sie jetzt gleich im Auto wieder heimbringen.
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers 1975, S. 231)
(8) Bettina wird nach der Schule eine Ausbildung machen.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=110 Stand: 14. 05. 2009)
(9)
Im Jahre 2133 wird man alle Lebewesen komplett geklont haben.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=110 Stand: 14. 05. 2009)
(10) Er wird sich biegen müssen.
(„Das siebte Kreuz” Anna Seghers 1975, S. 232)
(11) Alles werden sie vergessen haben.
(„Hundert Gedichte” Bertold Brecht 1968, S. 168)
x: werden x (0), y (0)
y: haben x (0) , z
z: vergessen x, a
a: alles
x: sie
Aus diesem Stemma ist ersichtlich, das das Auxiliarverb werden zwei Leerstellen
eröffnet. Erste Leerstelle wird vom Personalpronomen besetzt, die zweite Y
ist rein strukturell, weil sie nicht von werden direkt erfragbar ist. Die Leerstelle a
49
wird vom VV eröffnet und wird vom Indefinitpronomen alles besetzt.
Das ist die Konstruktion werden + Infinitiv II .
Das Auxiliarverb werden eröffnet 2 Leerstellen, wodurch die X-LS eine dreifache
Abhängigkeit erhält.
4.3
Das Auxiliarverb werden in Belegsätzen mit dem Vorgangspassiv
(1) Die Autofahrer werden mittransportiert.
(Der Spiegel, Nr. 1, 1991, S. 36)
werden x (0), y
y: mittransportiert x
x: Autofahrer
die
In diesem Stemma mit der Verbalperiphrase werden + Partizip II eröffnet das Verb
werden die Leerstelle, die sich nicht mehr aus der semantischen Valenz von werden
ergibt. X ist von dem Subjekt die Autofahrer besetzt. Die Y- Stelle ist rein struktuell.
Sie ist nicht von werden direkt erfragbar.
(2) Zehn Zivilisten wurden getötet.
(Stern, Nr. 22, 2007, S. 35)
wurden x (0), y
y: getötet x
x: Zivilisten
50
Zehn
(3) Heute wird gefeiert.
(Konfuzius)
(4) Vertrag muss ratifiziert werden.
( http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,7133428,00.html Stand: 9. 10. 2008.)
(5) Das Auto wird erst morgen Nachmittag repariert.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id
=110,Stand: 14. 05.
2009)
(6) Zum erstenmal wurden an diesem Abend auch unsere Baracken geheizt.
(„Das siebte Kreuz“ Anna Seghers, 1975, S. 14)
(7) Jetzt wurde die Tür weit aufgemacht.
(„Das siebte Kreuz“ Anna Seghers, 1975, S. 50)
(8) Die Kerzen wurden angezündet.
(„Leselöwen Weihnachtsbuch“ Jutta Radel 1987, S.124)
wurden x (0) y
y: angezündet x
Kerzen
die
51
(9) Die Marzipan- Rollen werden zu Brenzeln gebogen.
(„Leselöwen Weihnachtsbuch“ Jutta Radel 1987, S. 152)
(10)
Zuerst werden die Kartoffeln geschält.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=110,
Stand:
14.05.2009)
(11) Er wurde in New York vom Putsch überrascht.
(Focus Nr 39, 2009, S.260)
(12) Der Patient wird durch die Operation gerettet.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=110, Stand: 14. 05. 2009)
(13) Die Koffer werden vom Gast gepackt.
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=110
14.05.2009)
(14) Das Fenster wird vom Lehrer geöffnet.
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5 Schlusswort
Der Gegenstand der vorliegenden Diplomarbeit waren die theoretischen Grundlagen
der Funktionen des Verbs werden in der deutschen Gegenwartssprache aus der Sicht
der Valenztheorie. Das Ziel dieser Magisterarbeit bestand in einer Beschreibung und
Analyse einer ausgewählten lexikalisch- grammatischen Klasse der Einheiten der
deutschen Sprache unter dem Aspekt der Valenztheorie, wobei im Vordergrund die
Valenzeigenschaften des Verbs werden standen. Im theoretischen Kapitel wurden
anhand herausgefundener und erforschter Informationen aus den wissenschaftlichen
Literatur die Grundlagen der Valenztheorie und das Problem ihrer Anwendbarkeit im
Bereich der Valenzeigenschaften des Verbs werden als Voll-, Kopula- und Auxiliarverb dargestellt.
Am Anfang des theoretischen Teils wurden zuerst die Grundlagen der Entstehung
der Valenztheorie beschrieben. Als Begründer der Valenztheorie gilt der Klassiker
der Valenztheorie, der französiche Sprachwissenschftler L.Tesnière (1893-1954).
Die Valenzidee von L. Tesnière hat eine reiche Vorgeschichte: die scholastische
Grammatikbeschreibung, dann die Arbeiten des deutschen Grammatikers J. Meiner,
der die Rolle des Verbs im Satz als zentral sieht. Als erster Vorläufer der modernen
Valenztheorie gilt Karl Bühler, der den Begriff „Leerstelle” eingeführt hat. Er hat relativ früh erkannt, dass die Wörter einer bestimmten Wortklasse um sich Leerstellen
eröffnen, die durch Wörter
anderer Wortklasse ausgefüllt werden müssen. Der
Valenzbegriff wurde auch vom russischen Linguisten S.D. Kacnel`son weit verbreitet. Für ihn war die Valenz eine verdeckte Fügungspotenz. Ein anderer russischer
Sprachwissenschaftler, Admoni, bezeichnet die Valenz als Fügungspotenz oder
Fügungswert. Der Terminus von Tesnière wurde Grundlage für die Aufstellung von
Satzmodellen bei anderen Linguisten. Der Begriff der Valenz wird bei Stepanova als
potenzielle Verbindbarkeit von gleichartigen Sprachelementen bezeichnet. Er wird
vor allem auf die Wortbildung übertragen.
L. Tenière gründete seine Grammatiktheorie nach der Idee der Abhängigkeitstheorie.
53
Der Klassiker der Valenztheorie verglich die Valenz mit zwei Metaphern (die erste
aus dem Bereich der Chemie, die zweite betraf die Handlung im Theater), um die
Valenzproblematik zu erklären. Er formulierte die These, dass der Satz eine abstrakte
Ordnung besitzt, sowohl lineare als auch strukturale. Er hielt das Verb für das Wichtigste im Satz. Nach Tesnière ist die Syntax exakt mit der Semantik verbunden.
Das Verb steht im Zentrum des Satzes. Das Verb regiert den gesamten Satz. Die Valenztheorie heißt deshalb verbozentrisch. Das Verb steht oben in der Hierarchie und
als Valenzträger eröffnet es bestimmte Leerstellen, die besetzt werden müssen, damit
der Satz vollständig und sinnvoll wird. Für Tesnière ist das Verb die wichtigste
Konstituente im Satz, die den Vorgang ausdrückt. Vom Verb (Prädikat) hängen also
alle anderen Konstituenten des Satzes ab. Das Verb ist für die Anzahl und die Art der
Ergänzungen verantwortlich. Alle Satzglieder sind vom Verb in ihrer Form, Position
und Funktion bestimmt. Es entsteht eine streng hierarchische Gliederung des Satzes.
Tesnière unterscheidet nach der Zahl der Aktanten vier Gruppen von Verben:
nullwertige, einwertige, zweiwertige und dreiwertige Verben.
Ferner wurde die Valenztheorie von Tesnière mit dem generativen GrammatikMuster von N. Chomsky verglichen und auf die wichtigsten Differenzen hingewiesen. Charakteristisch für das Modell L. Tesnières ist vor allem eine Regens– Dependens- Relation, im Unterschied zu Chomskys Modell, das auf einer Phrasen– Binarität beruht. Tesnière verzichtet in seinem Modell auf Nominal- und Verbalphrase.
Die generative Grammatik geht vom Satz aus. Die wichtigsten Satzglieder sind das
Subjekt und das Objekt. Bei den generativen Grammatikern spielt die lineare Anordnung in den Strukturen eine primäre Rolle. Die Dependenzgrammatiker konzentrieren sich auf die Erfassung der hierarchischen Struktur des Satzes. Die von Tesnière
präsentierte Valenztheorie wurde von vielen Sprachwissenschaftlern diskutiert. Ihm
wird oft vorgeworfen, dass sein Valenzbegriff unklar sei.
Das zweite Kapitel des theoretischen Teils der vorliegenden Diplomarbeit ist dem
Verb werden und dessen Bedeutungen und Funktionen im Satz gewidmet. Am Anfang wird auf die besondere Stellung des Verbs werden in der deutschen Sprache
hingewiesen. Werden ist im Deutschen: ein Vollverb, ein Hilfsverb im Futur und im
Passiv, im Konditionalis I und II und ein epistemisches Modalverb. Nur im Deutschen wurde das Verb werden so stark ausgebaut.
Ferner wird das Verb werden als Vollverb dargestellt. Die Vollverben unterscheiden
sich von den anderen Verben darin, dass sie allein das Prädikat des Satzes bilden.
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Das Verb werden ist ein unregelmäßiges Verb, das viele Bedeutungen hat.
Im Kapitel 2.2.3 wurde das Verb werden als Kopulaverb sowie seine Stellung im
Satz präsentiert. Kopulaverben bilden zusammen mit einem Prädikativ das Prädikat.
Sie brauchen eine obligatorische Ergänzung, um eine Satzaussage zu bilden.
Im Kapitel 2.2.4 wurden die Eigenschaften des Verbs werden als Auxiliarverb und
seine Funktion im Satz dargestellt. Am Anfang wurde der Begriff des Auxiliarverbs
erklärt. Ferner wurde die Funktion des Hilfsverbs werden anhand eines Schemas erläutert. Das Auxiliarverb werden braucht man im Deutschen zur Bildung der Tempusformen (Futur I, Futur II), des werden-Passivs („Vorgangspassivs”) und des
Konditionalis I und II. Das Verb werden ist ergänzungsbedürftig.
Aufgrund einer theoretischen Festlegung, die als Arbeitsbasis in der vorliegenden
Diplomarbeit diente, wurde die empirische Untersuchung aufgenommen. Die empirische Analyse wurde mit Hilfe authentischer Belegsätze durchgeführt. Als Textgrundlage für die Untersuchung galten die Werke: „Hundert Gedichte” von Bertolt
Brecht, „Die Erbin vom Washington Square” von Henry James, „Leselöwen- Weihnachtsbuch” von Jutta Radel, „Das siebte Kreuz” von Anna Seghers, „Erziehung vor
Verdun” von Arnold Zweig und auch Duden Universalwörterbuch, einige Belegsätze
aus den deutschen Zeitschriften „Focus”, „Der Spiegel” und „Stern” und auch einige
Internetseiten. Die Verben wurden nach Funktion und Bedeutung im Satz als Voll-,
Kopula- und Auxiliarverben klassifiziert. Danach wurden die ausgewählten Belegsätze in Bezug auf die Valenzeigenschaften der Verbalprädikate behandelt und
anhand eines grafischen Schemas präsentiert. Im Kapitel 3.2
wurden die
Valenzeigenschaften des Verbs werden als Vollverb beschrieben. Als allein
stehendes Verb wird das Verb werden z. B. im Belegsatz Gott wird verwendet.
Ferner wurden die Eigenschaften des Verbs werden als Kopulaverb unter dem
Aspekt der Valenz dargestellt. Um die Eigenschaften des Verbs werden aus der Sicht
der Valenz zu präsentieren, wurden einige Sätze schematisch dargestellt und
beschrieben. Dafür wurde das Dependenzdreieck von Kotin verwendet. Im vierten
Kapitel wurden die Bedeutungen und Valenzeigenschaften von werden als
Auxiliarverb dargestellt. Das Verb werden hat sehr viele Funktionen in der deutschen
Sprache. Man kann das Deutsche als „werden- Sprache” bezeichnen. Nur das Wort
werden hat so viele Funktionen. Dieses Verb als Auxiliarverb ist zusammen mit dem
Infinitiv I der Valenzträger, es eröffnet be-stimmte Leerstellen, die von anderen
Gliedern besetzt werden müssen. Das Futur I hat zwei Bedeutungsvarianten, erstens
55
als Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Gegenwart, zweitens zur
Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens. Werden als Auxiliarverb ist zusammen
mit dem Infinitiv II der Valenzträger. Futur II hat drei Bedeutungsvarianten: erstens
als Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Vergangenheit, zweitens zur
Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in der Vergangenheit mit resultativem
Charakter, drittens zur Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens. Das Verb
werden als Auxiliarverb ist zusammen mit dem Partizip II der Valenzträger, es
eröffnet Leerstellen die besetzt werden müssen. Die Valenzeigenschaften des
Auxiliarverbs
werden
wurden
empirisch
Dependenzdreiecks von Kotin analysiert.
56
anhand
der
Stemmata
des
Literaturverzeichnis
Ágel, Vilmos (2000): Valenztheorie. Tübingen: Gunter Narr Verlag.
Ágel,Vilmos/Eichinger, Ludwig M./Eroms, Hans-Werner /Hellwig,Peter/Heringer,
Hans-Jürgen/Lobin, Hennig (Hgg.), (2003-2006): Dependenz und Valenz. Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung, 1. Halbbd. 1-2, Berlin-New
York: Walter de Gruyter.
Bondzio, Wilhelm (1980): Einfürung in die Grundfragen der Sprachwissenschaft
Leipzig: VEB Bibliografisches Institut.
Duden (1998): Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Mannheim; Leipzig;Wien; Zürich: Dudenverlag. (6. Aufl.).
Duden (1996): Deutsches Universal Wörterbuch. Mannheim;Leipzig;Wien; Zürich
Dudenverlag. (3. Aufl.).
Eroms, Hans-Werner (1981): Valenz Kasus und Präpositionen. Untersuchungen zur
Syntax und Semantik präpositionaler Konstruktionen in der deutschen Gegenwartssprache. Heidelberg: Carl Winter.
Eroms, Hans-Werner (2000): Syntax der deutschen Sprache. Berlin, New York:
Walter de Gruyter.
Helbig, Gerhard/ Buscha, Joachim (2005): Deutsche Grammatik, Ein Handbuch für
den Ausländerunterricht, Berlin-München- Wien- Zürich-New York: Langenscheidt
Kotin, Michail L. (1999): Die Basisrelationen des deutschen und die Auxiliarisierung von haben, sein und werden in: Zeitschrift für Deutsche Philologie, Heft 3, S.
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Kotin, Michail L. (2003): Die werden- Perspektive und die werden- Periphrasen im
Deutschen. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH.
Stepanova M. D./ Helbig, Gerhard (1981): Wortarten und das Problem der Valenz in
der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut
Vater, Heinz (2007): Einführung in die Zeit-Linguistik. Trier: WVT
Wissenschaftlicher Verlag Trier.
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Brecht, Bertolt (1968): Hundert Gedichte. Dresden, Aufbau-Verlag Berlin und
Weimar.
James, Henry (1981): Die Erbin vom Washington Square. Dresden, Aufbau-Verlag
Berlin und Weimar.
Radel, Jutta (1987): Leselöwen- Weinachtsbuch. Bindlach, Loewes Verlag.
Seghers, Anna (1975): Das siebte Kreuz. Berlin: Verlag Neues Leben.
Zweig Arnold (1967): Erziehung vor Verdun. Dresden, Aufbau-Verlag, Berlin und
Weimar.
Zeitschriften:
Focus 17, 2007, S.175
Focus 39, 2009, S. 260
Der Spiegel Spezial 1, 1991 S. 221
Der Spiegel 52, 2008, S. 35
Stern 22, 2007, S. 35
Internetseiten:
(www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Deutsche_Syntax-2007WScheuringer.pdf) 02.11.2008
(http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php/?menuid=110) 14.05.2009
(http://www.kjs.samorzad.uw.edu.pl/pliki/SATZGLIEDER.pdf) 15.05. 2009
58
ELŻBIETA BROŚ
FILOLOGIA GERMAŃSKA
Zielona Góra, dnia 1 września 2009
UNIWERSYTET ZIELONOGÓRSKI
W ZIELONEJ GÓRZE
OŚWIADCZENIE
Świadoma
odpowiedzialności
karnej
oświadczam,
że
przedkładana
praca
magisterska
„DIE VALENZEIGENSCHAFTEN VON WERDEN ALS VOLL-, KOPULA- UND
AUXILIARVERB”
została napisana przeze mnie samodzielnie i nie była wcześniej podstawą żadnej
innej urzędowej procedury związanej z nadaniem dyplomu wyższej uczelni lub
tytułów zawodowych.
Jednocześnie oświadczam,że w/w praca nie narusza praw autorskich w
rozumieniu ustawy z dnia 4 lutego 1994 r. o prawie autorskim i prawach pokrewnych
innych osób (DZ.U. tj. z roku 2000 Nr 80 poz. 904) oraz dóbr osobistych
chronionych prawem cywilnym.
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