Duden. Das Adverb Der grammatische Ausdruck Adverb (Plural: die

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Duden. Das Adverb
Der grammatische Ausdruck Adverb (Plural: die Adverbien) meint seinem Wortsinn nach zunächst ganz
allgemein „Nebenwort" oder „Beiwort" (aus lat. adverbium). In einem engeren Sinne wird es dann auch
verstanden als „Beiwort zum Verb" oder als „Umstandswort". Die Bezeichnungen „Beiwort" und
„Nebenwort" versuchen eine syntaktische Bestimmung, während „Umstandswort" eine inhaltliche Deutung
gibt.
Die Schwierigkeiten, die die Behandlung des Adverbs oft bereitet, rühren daher, aß diese Bezeichnung in
einem zweifachen Sinne gebraucht wird. Erstens wird „Adverb" benutzt, um eine lexikalische Kategorie,
nämlich die Wortart Adverb, zu bezeichnen, zweitens aber bezeichnet Adverb eine syntaktische Kategorie,
nämlich die mit einem Verb verbundene Umstandsangabe. Die neuere grammatische Terminologie benutzt
für diese Unterscheidungen auch die Bezeichnungen „Adverb" und „Adverbial" (bzw. „adverbiale
Bestimmung"). Wir verstehen hier „Adverb" nur in dem erstgenannten Sinne, meinen also damit nur
die lexikalische Kategorie (Wortart).
Dadurch wird ausdrücklich auch das Adjektiv aus dem Bereich des Adverbs ausgeschlossen. Das Adjektiv
kann zwar - syntaktisch gesehen - ,adverbial' verwendet werden, anders gesagt, es kann als
Umstandsangabe oder adverbiale Bestimmung dienen, im Hinblick auf die Wortart ist es aber streng vom
Adverb zu scheiden. Man darf sich dabei auch durch die Tatsache, daß das Adjektiv als adverbiale
Bestimmung immer unflektiert gebraucht wird, nicht irremachen lassen: Als adverbiale Bestimmung
begegnet es im Satz zwar unflektiert (Die Musik tönt laut), als Wortart ist es aber grundsätzlich flektierbar
(Eine laute Musik ertönt).
Die Adverbien stellen eine verhältnismäßig kleine Wortklasse von einigen hundert Einheiten dar. Diese
Klasse ist allerdings wegen der Möglichkeit von Neubildungen in bestimmten Teilbereichen (etwa mit weise) nicht geschlossen.
Bildung
Die Adverbien weisen im Deutschen keine einheitliche Form auf. Es gibt allerdings einige Teilgruppen, die
einheitlich mit einem bestimmten Suffix gebildet sind, zum Beispiel mit dem Suffix -s (abends, dienstags,
eingangs), mit -weise (auszugsweise, probeweise, schrittweise) oder mit -wärts (seewärts, himmelwärts,
talwärts).
Das adverbial gebrauchte Adjektiv wird im Deutschen nicht durch eine besondere Form gekennzeichnet.
Das Deutsche unterscheidet sich darin von anderen Sprachen, in denen das adverbial gebrauchte Adjektiv
bestimmte Formmerkmale aufweist (vgl. engl. quick/ quickly).
Gebrauch
Adverbien können als adverbiale Bestimmung (Umstandsbestimmung) und als Attribut gebraucht werden.
Als adverbiale Bestimmungen in Verbindung mit Verben sind sie selbständiges Satzglied (notwendige
Ergänzung oder freie Angabe):
Dort (= freie Angabe) singt ein Vogel.
Er wohnt dort (= notwendige Ergänzung).
Als Attribut sind Adverbien Teil eines Satzgliedes und bestimmen näher das Substantiv, Adjektiv oder
Adverb, bei dem sie stehen:
Das Buch dort gefällt mir gut.
Der Ausflug gestern war schön.
Der Weg dorthin ist recht steil.
Der Krankenwagen fuhr sehr schnell zur Unfallstelle.
Michael spielt besonders gern Trompete.
Die Kinder besuchen uns sehr oft.
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Einige Adverbgruppen haben besondere syntaktische Funktionen. Die Pronominaladverbien zum Beispiel
vertreten Präpositionalgefüge und können wie diese auch Präpositionalobjekt sein:
Er freut sich über den Besuch / darüber.
Sie überredete ihn zur Teilnahme an der Tagung / dazu.
Teilklassen des Adverbs
Adverbien sind im Gegensatz zu den Präpositionen und Konjunktionen keine reinen Funktionswörter. Die
meisten haben wie die Wörter der drei Hauptwortarten Verb, Substantiv und Adjektiv eine eigene
Bedeutung.
Sechs Teilklassen der Adverbien lassen sich unterscheiden, nämlich die Adverbien des Ortes
(Lokaladverbien), der Zeit (Temporaladverbien), der Modalität (Modaladverbien), der Inbeziehungsetzung
(Konjunktionaladverbien) und der Stellungnahme und Bewertung (Kommentaradverbien). Die
Pronominaladverbien schließlich stellen eine eigene Teilkasse dar.
Nach der Funktion ist zwischen absoluten und relationalen Adverbien zu unterscheiden. Absolute
Adverbien haben keinen Bezug auf den Sprecher / Schreiber, den Ort und die Zeit des Sprechens /
Schreibens:
Das Boot fährt stromaufwärts
Es ist zeitweise mit Schauern zu rechnen.
Sie stürzte kopfüber ins Wasser.
Relationale Adverbien nehmen Bezug auf den Sprecher / Schreiber, den Ort und die Zeit des Sprechens /
Schreibens. Sie haben zeigende (deiktische) Funktion oder dienen im Text der Rückweisung oder
Vorausweisung (anaphorische und kataphorische Funktion). Wie einige Pronomina treten sie als Vertreter
oder Ersatz von Substantiven bzw. Substantivgruppen auf:
Hier (= auf diesem Tisch) liegt die Zeitung.
Jetzt (= zum Zeitpunkt des Sprechens) ist aber Schluß!
Ich habe das vorhin (= vor dem Zeitpunkt des Sprechens) bereits bemerkt.
Damit (= mit dieser Äußerung, Bemerkung) kam er zum Schluß seiner Rede.
Bisher (rückweisend; = bis zum Erreichen des Gipfels) war alles gutgegangen.
Besondere Adverbgruppen
Neben den bisher behandelten Teilklassen gibt es noch zwei Gruppen von Adverbien, die eine ausgeprägte
Eigenart aufweisen. Es sind dies die Zahladverbien und die Indefinitadverbien. Unter Zahladverb werden
die Ableitungen aus Ordinalzahl + Suffix -ns verstanden, also erste-ns, zweite-ns, dritte-ns, vierte-ns usw.:
Erstens scheint die Sonne, und zweitens haben wir genug Zeit, um jetzt einen Spaziergang zu machen.
Unter Indefinitadverbien werden Zusammensetzungen mit irgend- und verneint mit nirgend- verstanden.
Allen diesen Zusammensetzungen ist das Bedeutungsmerkmal „Unbestimmtheit" gemeinsam, weswegen
sich ihre Zusammenfassung in einer eigenen Gruppe durchaus rechtfertigen läßt. Auf der anderen Seite ist
ihre jeweilige Eigenbedeutung doch so deutlich, daß sie sich ohne weiteres den bestimmten Teilklassen
zuordnen lassen, also den Lokaladverbien (irgendwo), den Temporaladverbien (irgendwann), den
Modaladverbien (irgendwie) usw.:
Er machte sich irgendwo draußen zu schaffen.
Sie war nirgendwo zu finden.
Irgendwann wirst du dich doch entscheiden müssen.
Ich muß dem irgendwie aus dem Wege gehen.
Sie wird das Heft schon irgendwozu brauchen.
Irgendwomit wird man schon helfen können.
Statt der Zusammensetzung irgendwo wird in der Umgangssprache häufig auch nur wo gebraucht:
Ich glaube, wir sind uns schon mal wo begegnet.
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