Zum 75. Geburtstag von Werner Burkhardt In bester Erinnerung Den Freunden Braunschweigischer Kirchenmusik ist er gewiß noch nicht aus dem Gedächtnis entschwunden, wenngleich er nicht mehr aktiv im Musikleben der Stadt tätig ist, das er über viele Jahre mitprägle: Werner Burkhardt, der heute 75 Jahre alt wird. Spontan und begeisternd St. Martini am Altstadtmarkt war die Wirkungsstätte des immer so spontan wie jugendlich begeisternd wirkenden Organisten und Kantors, der mit dem von ihm 1972 gegründeten "Chor an St. Martini" viele der großen oratorischen Werke aus Barock und Romantik aufführte, Kammermusiken veranstaltete, die Reihe der Sonnabendmusiken an der alten Stadtpfarrkirche ins Leben rief und immer auch einen wachen Sinn für die Musik der Gegenwart hatte. So brachte er nicht nur Dieter Salberts "Theatralische Messe" an St. Martini zur Uraufführung, sondern auch das "Requiem" von Manfred Trojahn, der heute zu den profiliertesten Komponisten der mittleren Generation gehört. Doch nicht nur St. Martini war sein Wirkungsfeld. Die gerade wieder anstehenden Musiktage im Kaiserdom zu Königslutter wurden im Wechsel mit Helmstedls ehemaligem Kirchenmusikdirektor Friedrich Peter-lsenbürger von Werner Burkhardt und seiner Martini-Kantorei über Jahre künstlerisch gestaltet. Händels "Messias" in der englischen Originalfassung wurde von ihm dort aufgeführt, und 1987 verabschiedete er sich von den Dommusiken mit einer beispielhaften Aufführung von Mendelssohn Bartholdys "Elias", denn Mendelssohn, an dessen Werk er auch forschte, gehört mit auf die Prioritätenliste der Komponisten, die Burkhardt immer wieder aufführte. Daß so einer auch nach der Pensionierung nicht ganz ruhig bleibt, ist klar. Bis 1994 hatte er noch einen Lehrauftrag für EnsembleLeitung an der TU Braunschweig inne. Und als er davon erfuhr, daß in Bühne, einem Dorf im ehemaligen DDR-Grenzbezirk bei Hornburg, für die Restaurierung einer schönen, leider desolaten Kirchenorgel mit seltener romantischer Klangfärbung das Geld fehlte, stellte Werner Burkhardt sein Wissen und seine Erfahrung zur Verfügung und warf sich zur Orgelrettung mit einigen Mitstreitern in die Bresche. Orgel-Obolus Er warb für das Anliegen, stellte zu seinem 70. Geburtstag im Garten eine Orgelpfeife auf, in welche die Gratulanten ihren OrgelObolus einwerfen konnten. Das reichte zwar nicht, war aber doch einer der vielen Tropfen, die letztlich dann doch die Restaurierung der Orgel ermöglichten, die nun seit diesem Frühjahr in der ebenfalls restaurierten Dorfkirche wieder erklingt. Ansonsten: Eine Fingerverletzung hindert ihn am Orgelspiel. So bleibt der Opernbesuch, die geistige Auseinandersetzung mit Kammermusik, Sinfonie und Musik der Gegenwart. Es bleibt die Freude an einem guten Wein, am Reisen und an geselligen Runden, wie gewiß auch zu seinem 75. Geburtstag. he