14.10.07 Wenn die Sehkraft schwindet

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ARD-MORGENMAGAZIN – SERVICE 07.10.2014
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Autor:
EXPERTE IM STUDIO:
Funktion:
WENN DIE SEHKRAFT SCHWINDET
Uschi Müller
ISABELLA SCHREIBER
Augenärztin
Kurz- oder Weitsichtigkeit sind die am häufigsten auftretenden Augenprobleme. Brillen
oder Kontaktlinsen helfen da schon weiter. Andere Augenerkrankungen lassen sich
nicht so leicht beheben: Alter und eine familiäre Veranlagung sind die größten Risikofaktoren dafür. Das gilt vor allem für Erkrankungen wie das Glaukom und den grauen
Star. Beim Glaukom ist der Sehnerv geschädigt, beim grauen Star die Augenlinse getrübt. Diese Augenkrankheiten lassen sich also häufig nicht vermeiden. Dennoch kann
jeder einiges für die Augengesundheit tun.
1. Sehstörungen bei Kindern frühzeitig feststellen
Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs sämtliche empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen
nutzen. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Besonders
wichtig für die Augen ist die „U 7a“. Sie richtet sich an Kinder, die ihr drittes Lebensjahr
fast vollendet haben. Bei dieser Untersuchung geht es vor allem darum, Sehstörungen
frühzeitig zu erkennen. Bei Auffälligkeiten ist es sinnvoll, einen Augenarzt aufzusuchen.
Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Kind schielt. Wird das Schielen rechtzeitig behandelt, lässt sich eine Sehschwäche vermeiden.
2. Bei Beschwerden zum Augenarzt gehen
Auch Erwachsene sollten bei Sehstörungen oder bei Beschwerden einen Facharzt für
Augenheilkunde aufsuchen. Ein regelmäßiger Besuch beim Experten empfiehlt sich,
wenn in der Familie bereits Augenerkrankungen aufgetreten sind und damit ein höheres
Risiko besteht, auch selbst daran zu erkranken.
3. Ein Rauchverzicht lohnt sich
Tabakkonsum kann auf lange Sicht die Blutgefäße in den Augen schädigen und damit
Erkrankungen begünstigen. Wer auf den Glimmstängel oder die Pfeife verzichtet, tut
seinen Augen daher etwas Gutes.
4. Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
ärztlich behandeln und regelmäßig die Augen kontrollieren lassen
Die Gefahr, dass sich ein grauer Star entwickelt, ist bei Diabetikern erhöht. Um die Risiken zu verringern, sollten Patienten darauf achten, dass ihr Blutzuckerspiegel und Blutdruck gut eingestellt sind. Patienten mit Diabetes und Koronarer Herzkrankheit, die in
das strukturierte Behandlungsprogramm der AOK mit dem Namen "AOK-Curaplan" eingeschrieben sind, kommt mindestens einmal jährlich eine Augenuntersuchung zugute.
Bluthochdruck schädigt auch auf Dauer die kleinen Blutgefäße auch in den Augen und
erhöht das Risiko einer Makuladegeneration. Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 oder
Typ 2 haben ebenfalls ein höheres Risiko für eine Schädigung der kleinen Blutgefäße.
Bemerkbar macht sich dies oft erst nach zehn bis 15 Jahren, zum Beispiel in Form einer
diabetischen Retinopathie und eines Makula-Ödems. Diese können zu einer Schädigung des Augenhintergrundes führen und das Sehvermögen beeinträchtigen.
5. Medikamente nur auf Anweisung des Arztes einnehmen
Manche Arzneimittel können sich negativ auf die Augen auswirken. Dazu gehören Präparate gegen Rheuma oder Brustkrebs. Deshalb sollte jeder die Medikamente nur in
der Dosierung einnehmen, die der Arzt verordnet hat. Bei Bedarf können auch regelmäßige Kontrollen der Augen durch einen Facharzt sinnvoll sein.
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6. Sonnenbrillen sehen nicht nur cool aus.
Vor allem in den Bergen empfiehlt es sich, die Augen mit einer geeigneten Sonnenbrille
zu schützen. Achten Sie auf das CE-Kennzeichen auf der Bügel-innenseite. Es belegt,
dass die Brille den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Europäischen Union
genügt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine Sonnenbrille im Fachhandel kaufen oder vom Optiker überprüfen lassen, ob der UV-Schutz genügt.
7. Bei der Bildschirmarbeit "Blinzel"-Pausen einlegen
Bildschirmarbeit ist zwar nicht schädlich für die Augen, kann aber dazu führen, dass sie
trocken werden. Der Grund ist, dass das Auge seltener blinzelt, wenn man am Computer sitzt. Dadurch wird weniger Tränenfilm auf den Augen verteilt. In der Folge können
sie austrocknen, jucken und schmerzen. Um dem vorzubeugen, ist es sinnvoll, ab und
zu eine Pause zu machen und den Blick schweifen zu lassen. Bewegung an der frischen Luft tut den Augen ebenfalls gut. Wer Tränenersatzmittel in die Augen tropft, sollte eines wählen, das möglichst frei von Konservierungsstoffen ist, damit die Augen nicht
zusätzlich gereizt werden.
Glaukom bzw. Grüner Star
Das Glaukom - umgangssprachlich auch „Grüner Star“ genannt - zählt zu den häufigsten Erblindungsursachen. Als Glaukom wird eine Augenerkrankung bezeichnet, die
durch Schädigungen des Sehnervenkopfes, seiner Nervenfasern und der Netzhaut gekennzeichnet ist. Infolge eines relativ erhöhten Augeninnendrucks wird die Papille
(Sehnervenkopf) geschädigt. Das ist jene Stelle am hinteren Teil des Augapfels, wo der
Sehnerv das Auge verlässt. Die häufigste Glaukomart ist das primäre Offenwinkelglaukom. Ein wichtiger Risikofaktor dafür ist ein chronisch erhöhter Augeninnendruck. Beim
Normaldruckglaukom liegt der Augeninnendruck zwar statistisch im Normbereich, trotzdem kommt es aber zur Schädigung des Sehnerven. Die Ursachen solcher Normaldruckglaukome sind noch nicht völlig klar, aber man nimmt an, dass unter anderem
Schädigungen der Nervenfasern aufgrund von Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen. Die Erkrankung beginnt meist schleichend und wird deshalb oft erst spät erkannt:
Etwa 950.000 Menschen in Deutschland leiden unter einem Glaukom oder grünem
Star. Die vermutete Dunkelziffer ist mindestens noch einmal so hoch. Bei ihnen ist der
Sehnerv geschädigt. Dadurch sehen Betroffene zunächst Details im mittleren Randbereich des Gesichtsfeldes schlecht. Dies setzt sich allmählich ins Zentrum fort. Über einen Zeitraum von meist mehreren Jahren verengt sich so ihr Gesichtsfeld – im
schlimmsten Fall droht die Erblindung. Die Folgen für die Betroffenen sind erheblich:
Lesestörungen führen zu einem Verlust geistiger Mobilität; Orientierungsprobleme sind
ein Grund für Stürze und eine entsprechende Ängstlichkeit. Insgesamt kommt es zu
einer Beeinträchtigung der Unabhängigkeit, Kommunikationfähigkeit und vor allem der
Lebensqualität der betroffenen Patienten
Schrumpfendes Gesichtsfeld
Die Hälfte aller Betroffenen weiß nichts von der Krankheit, da die Anfänge der
Erkrankung unbemerkt verlaufen. Die Schädigung des Sehnervs durch einen erhöhten
Augeninnendruck führt dazu, dass die Wahrnehmung des Patienten zunächst in kleinen
Bereichen zwischen Zentrum und Peripherie des Gesichtsfeldes beeinträchtigt ist. In
vielen Fällen merken die betroffenen Patienten dies zunächst nicht. Dabei kann die
Krankheit bei einer einfachen Spiegelung des Augenhintergrundes diagnostiziert
werden.
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Vorbeugen und Risikofaktoren erkennen
Da der Krankheitsprozess langsam verläuft und mitunter viele Jahre dauert, kann der
Arzt versuchen, durch eine ausreichende Senkung des Augeninnendrucks die Schäden
entweder ganz zu verhindern, oder ihr Auftreten zumindest hinauszuschieben. Das
heißt nicht, dass bei einem erhöhten Augeninnendruck automatisch eine Behandlung
erforderlich ist. Mittlerweile liegen die Ergebnisse zweier umfangreicher Studien aus
den Vereinigten Staaten und Europa vor, die zu gleichen Ergebnissen kommen:
Danach gibt es bestimmte Patientengruppen, die aufgrund weiterer Faktoren ganz
besonders gefährdet sind, Glaukomschäden zu entwickeln, wenn der zu hohe Augeninnendruck nicht bekämpft wird. Andere hingegen, die diese Risikofaktoren nicht haben,
verlieren ihr Sehvermögen auch dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht, wenn sie
weiter ohne Behandlung mit dem erhöhten Augeninnendruck leben.
Risikofaktoren an einem Glaukom zu erkranken:
– höheres Alter,
– Hoher Augeninnendruck
– die Dicke der Hornhaut,
– so genanntes Pseudoexfoliationsmaterial, eine Art Zellabfall, der auf der Linse
nachgewiesen werden kann,
– die schon vorbestehende Aushöhlung des Sehnerven
– schwankende Angaben bei der Gesichtsfeldprüfung
- Diabetes mellitus
- Arteriosklerose
Therapie:
Medikamente zur Behandlung müssen in den allermeisten Fällen lebenslang genommen werden. Grundsätzlich werden Augentropfen verabreicht, um den Augeninnendruck zu senken und um die Durchblutung der Netzhaut zu verbessern. Eine systemische Therapie, also die Einnahme von Tabletten, ist nur in Ausnahmefällen z.B. bei einem akuten Glaukomanfall für eine kurzfristige Senkung des Augeninnendrucks angezeigt. Es können grundsätzlich drei Klassen von Medikamenten unterschieden werden:
• Betablocker.
• Moderne und innovative Medikamente,
• Traditionelle Antiglaukomatosa,
Bei allen Glaukommedikamenten muss auch mit Allergien gerechnet werden.
Operative Behandlungen wie zum Beispiel Lasertherapie oder Glaukomperationen dienen dazu den Augeninnendruck zu senken. Sie sind jedoch selten, weil mit den Medikamenten bei einem Großteil der Fälle eine ausreichende Senkung des Augeninnendrucks erreicht werden kann. Operiert wird nur, wenn die Medikamente nicht wirken,
oder Allergien vorliegen.
Katarakt bzw. Grauer Star
Der medizinische Fachbegriff Katarakt stammt aus dem Griechischen und bedeutet
Wasserfall. Ursprünglich gingen die Mediziner davon aus, dass geronnene Flüssigkeit
im Auge die Trübung verursacht. Das Wort „Star“ nimmt Bezug auf den starren Blick,
den Erkrankte haben. Weltweit ist Grauer Star eine der häufigsten Ursachen für eine
Erblindung. Dies gilt vor allem für die Entwicklungsländer. In Deutschland und anderen
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Industrienationen kann Grauer Star inzwischen mit einer Operation behandelt werden.
Hierzulande werden etwa 600.000 Grauer Star-Operationen pro Jahr durchgeführt,
weltweit sind es jährlich über 100 Millionen. Die Prognose nach einer Operation ist gut:
Etwa 90 Prozent der Patienten erreichen durch den Eingriff eine Sehleistung von 50 bis
100 Prozent Grauer Star betrifft fast die Hälfte aller 52- bis 64-Jährigen, ohne dass
Sehstörungen bemerkt werden. Ab 65 Jahren besteht bei fast allen Menschen eine
Trübung der Augenlinse. Doch nicht nur das Alter ist ausschlaggebend auch Augenverletzung, andere Augenerkrankungen oder Allgemeinerkrankungen wie beispielsweise
Diabetes mellitus können Grauen Star bedingen. Oft werden zu Beginn der Erkrankung
noch keine Sehstörungen wahrgenommen.
Grauer Star: Untersuchungen und Diagnose
Um den Grauen Star zu diagnostizieren, ist eine Untersuchung der Augenpupille unumgänglich. Dafür wird zum Teil die Pupille mithilfe von Augentropfen geweitet. Routinemäßig werden im Rahmen dieser Diagnosestellung das allgemeine Sehvermögen geprüft und getestet, ob andere Augenerkrankungen vorliegen.
Weil Grauer Star kann außerdem das erste Anzeichen für andere Grunderkrankung
sein kann, werden vor allem bei jungen Menschen zusätzlich Haut und Muskeln untersucht sowie ein Bluttest durchgeführt. Auf diese Weise werden Stoffwechselstörungen
wie Diabetes mellitus, Galaktoseunverträglichkeit (Galaktosämie), Tetanie (krankhafte
Muskelverkrampfungen) oder Morbus Wilson (angeborene Störung des Kupferstoffwechsels) nachgewiesen. Das funktioniert auch schon bei Neugeborenen. Bereits in
den ersten Lebenswochen wird in der Grunduntersuchung (U2) geprüft, ob Grauer Star
vorliegt.
Vorbeugung
Ein Altersstar kann nicht verhindert werden und ist eine natürliche Entwicklung. Wird
Grauer Star durch andere Faktoren verursacht, könnte er aber in der Regel vermieden
werden. Deshalb sollten bei gefährlichen Tätigkeiten, bei denen das Auge verletzt werden könnte, immer eine Schutzbrille getragen werden. Grauer Star wird auch durch Ultraviolett-Strahlung verursacht. Das kann vermieden werden, indem im Urlaub (insbesondere im Skiurlaub) und Solarium eine Sonnenbrille getragen wird.
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