Verzögerte Mitteilung von Trauma

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Dr. med. Hans Wolfgang Gierlichs
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Arzt für Innere Medizin
Arzt für Psychotherapeutische Medizin
Psychoanalytiker DGPT/DGIP
Literatur über
verzögerten Beginn von Traumatisierungen
verzögerte Mitteilungen über Traumatisierungen
1. VERZÖGERTEN BEGINN
Traumastörungen gehen weit über PTSD hinaus, sie sind häufig chronisch. Viele Flüchtlinge haben nach den traumatischen Erlebnissen im Herkunftsland ein frühe Phase akuter
Traumastörung, andere unterdrücken alle Symptome während der Flucht, um zu überleben. Danach kommt es zu (Pseudo)Stabilisierungen, erst die Abschiebung aktiviert die
Störung gesetzmäßig neu. Insofern ist es nicht sinnvoll, die Gesetzmäßigkeiten des Verlaufs der PTSD auf die Flüchtlinge anzuwenden.
Bei PTSD kennt ist der verzögerte Beginn als „late onset PTSD“ bekannt. Sowohl in der
ICD als auch in DSM IV erwähnt und beschrieben.
Siehe Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften: Leitlinie
PTSD, herausgegeben von G. Flatten et al Schattauer Verlag 2001
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/051-010.htm
Siehe Kommentar Gierlichs http://www.asyl.net/Magazin/7_8_2003c.htm
Birck, A. (2003). Symptomatik bei kriegs- und folterüberlebenden Flüchtlingen,
mit und ohne Psychotherapie. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie.
Zitat:
„Nach bisherigen Annahmen bildet sich die Symptomatik der PTBS meist innerhalb des ersten Jahres nach dem traumatischen Ereignis, ein verzögerter Beginn wurde zwar beobachtet, gilt aber insgesamt als eher selten (vgl. Maercker
2000, S. 404). Das Vollbild einer PTBS bilde sich beim so genannten verzögerten Beginn erst nach einem subsyndromalen Intervall heraus, oft ausgelöst von
der Veränderung von Lebensumständen (a.a.O.). In unserer Untersuchung hat
sich die posttraumatische Symptomatik bei knapp der Hälfte der untersuchten
Personen erst mehr als ein halbes Jahr nach den letzten traumatischen Ereignissen entwickelt. Relativ häufig wird uns berichtet, die Beschwerden seien erst
nach der Flucht hier in Deutschland entstanden. Oftmals ist es überlebenswichtig, für die Flucht noch einigermaßen stabil zu sein. Flüchten stellt erhöhte Anforderungen und ist belastend, eine Erholung oder psychische Stabilisierung ist
dabei in der Regel nicht möglich.“
Maercker, A. (2000). Posttraumatische Belastungsstörungen. In M. Linden & M.
Hautzinger (Hrsg.), Verhaltenstherapiemanual. 4., überarbeitete und erweiterte
Auflage. (S. 403–411). Springer: Berlin.
VERZÖGERTE MITTEILUNG:
1
Dieser Punkt bedarf insofern kaum einer Mitteilung, weil auch deutsche Patientinnen und Patienten häufig erst nach Jahren über ihre Erlebnisse sprechen. Alle Patientinnen und Patienten, die als Erwachsene in die Therapie kommen, weil sie als
Kinder traumatisiert wurden, z. B. nach Missbrauch, haben Jahre bis Jahrzehnte
geschwiegen und verdrängt.
Traumatisierte zeigen darüber hinaus:
Vermeiden: viele Flüchtlinge vermeiden alle Gedanken an die Traumatisierungen aus Angst vor emotionaler Überwältigung
Gedächtnisstörungen
Innere Abkapselung des Traumas
Scham, Tabus, Schuldgefühle, Angst vor Ausstoßung
Häufig wissen sie auch nicht, dass ihre Traumatisierung etwas mit ihrem Bleiberecht zu tun haben könnte, weil sie annehmen, sie würden aus politischen oder
gesellschaftlichen Gründen Asyl erhalten.
Es gibt in der Literatur Untersuchungen zu diesem Thema vor allem aus den 60er
Jahren, als die NS-Opfer nach langem Schweigen zu reden begannen und danach
von manchen Psychiatern und Gerichten als Rentenjäger denunziert wurden.
Baeyer W. von, Häfner H. Kisker K.: Psychiatrie der Verfolgten, Berlin, Göttingen; Heidelberg, Springer (1964)
Venzlaff, U.: Die psychologischen Störungen nach entschädigungspflichtigen Ereignissen. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York (1958)
Baeyer W. von, Häfner, H. und Kisker, K.: Zur Frage des ,symptomfreien Intervalles´ bei erlebnisreaktiven Störungen Verfolgter. In: Paul und Herberg (Hrsg.):
Psychische Spätschäden nach politischer Verfolgung, Basel, Karger (1963)
Graessner S. und M. Wenk-Ansohn: Die Spuren von Folter, Behandlungszentrum Berlin (2000) (S. 17)
Dr. Gierlichs
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