Optimale Messung sehr kleiner Ströme

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M ES S - U ND PRÜ FTECHNI K
SOURCE-MEASURE-UNITS
www.polyscope.ch
Präzisionselektrometer oder SMU für anspruchsvolle Herausforderungen
Optimale Messung sehr kleiner Ströme
Die Fortschritte bei mobilen Elektronikgeräten, Halbleitern und in der Nanotechnologie
erfordern immer häufiger eine Messung kleiner Ströme. Source-Measure-Units
(SMU) werden für derartige Messungen immer beliebter, da sie Präzisionsstrom- und
Spannungsquellen mit hochempfindlichen Messfunktionen kombinieren.
» Jonathan L. Tucker
lung lässt sich manchmal dieses Rauschen
reduzieren, allerdings erhöht dies die Kosten
und die Komplexität der Messung. Zwar kann
die Rauschbandbreite durch Filter reduziert
werden, dies verlangsamt aber die Messung
merklich. Durch eine Vergrösserung des DUTQuellenwiderstands lässt sich das JohnsonStromrauschen ebenfalls vermindern, aber
diese Möglichkeit ist normalerweise nicht
umsetzbar.
Minimierung von Störungen
Eine Source-Measure-Unit (SMU) kombiniert Strom- und Spannungsquellen mit Messschaltungen
für Strommessung und Spannung
SMUs kombinieren Präzisionsstrom- und
Spannungsquellen mit hochempfindlichen
Messfunktionen und ermöglichen eine gleichzeitige Einspeisung und Messung von Strom
und Spannung. Die hohe Flexibilität und
die problemlose Programmierung von SMUs
vereinfachen zudem den Einsatz in automatischen Testsystemen (ATE). Die Strommess-
empfindlichkeit eines Instrumentes wird
hauptsächlich durch Störungen begrenzt. Der
kleinste mit einem Instrument noch messbare Strom ist auch vom Testobjekt (DUT) abhängig, da sein Quellenwiderstand (RS) durch
die thermische Bewegung der Elektronen ein
thermisches Rauschen (Johnson-Rauschen)
(IJ) erzeugt. Mithilfe einer kryogenen Küh-
Zusätzliche Stromquellen können eine Messung kleiner Ströme ebenfalls komplizierter
machen. Zum Beispiel können die verwendeten Koaxialkabel Ströme von mehreren
zig Nanoampere aufgrund triboelektrischer
Effekte generieren. Diese treten auf, wenn
ein Kabel gebogen wird und seine äussere
Abschirmung gegen die Isolierung reibt. Die
aus der Isolierung herausgelösten Elektronen überlagern sich mit dem zu messenden
Strom. In Anwendungsbereichen wie der Nanotechnologie und der Halbleiterforschung
kann dieser generierte Strom grösser sein als
der vom DUT zu messende Strom. Um den triboelektrischen Effekt zu minimieren, sollten
störungsarme Kabel mit einem inneren Isolator aus Grafit-beschichtetem Polyäthylen
unter der äusseren Abschirmung genutzt, die
Längen der Testkabel möglichst kurz gehalten, der Testaufbau schwingungsgedämpft
gelagert und die Kabel auf eine feste Oberfläche zur Vermeidung von Bewegungen aufgeklebt werden.
Weitere Fehlerquellen bei der Messung
kleiner Ströme
Der piezoelektrische Effekt erzeugt Strom
aus mechanischer Beanspruchung anfälliPolyscope 7/11
SOURCE-MEASURE-UNITS
ger Materialien und ist damit eine weitere
Fehlerquelle bei der Messung sehr kleiner
Ströme. Einige üblicherweise als Dielektrika
verwendete Materialien wie Polytetrafluoräthylen (PTFE) können einen relativ hohen
Strom bei Beanspruchung und Schwingungen erzeugen. Um piezoelektrische Effekte zu
reduzieren, sollte mechanischer Stress bei
Isolatoren vermieden und Isolierstoffe mit
minimalen piezoelektrischen Eigenschaften,
wie Keramiken, sollten ausgewählt werden.
Dielektrische Absorption tritt auf, wenn
eine ausreichend hohe Spannung über einem Isolator zur Polarisierung von positiven und negativen Ladungen führt. Dies
kann ebenfalls die Messgenauigkeit verschlechtern. Wenn die Spannung über dem
Isolator abgeschaltet wird, kommt es durch
die getrennten Ladungen zu einem abklingenden Strom, der den zu messenden Strom
überlagert. Die Zeit, bis dieser Strom vollständig abgeklungen ist, kann von wenigen
Minuten bis zu mehreren Stunden reichen.
Um die Auswirkungen der dielektrischen
Absorption zu minimieren, sollten bei der
Messung kleiner Ströme nur kleine Spannungen an den verwendeten Isolatoren anliegen.
Auch Verunreinigungen durch Salz,
Feuchtigkeit, Öl, überschüssige Lote oder
sogar durch Fingerabdrücke auf der Oberfläche von Isolatoren oder der Leiterplatte
können Probleme verursachen. An einem
Schaltungsknoten mit kleinen Strömen kann
eine Verunreinigung auf einem Isolator eine
Art Batterie bilden, die einen Störstrom von
einigen Nanoampere erzeugt. Um Verunreinigung zu verhindern, sollten bei Arbeiten
mit Isolatoren Handschuhe getragen oder
diese am besten gar nicht berührt werden.
Der Einsatz von Lot sollte minimiert und gelötete Bereiche mit einem entsprechenden Lösungsmittel, wie Isopropyl-Alkohol, gereinigt
werden. Die Reinigung sollte mit einem sauberen Wattestäbchen erfolgen, das nach dem
Abwischen nicht wieder in das Lösungsmittel
eingetaucht werden darf.
Autor
Jonathan L. Tucker
Senior Marketer
Research and Education
Business
Keithley Instruments, Inc.
Polyscope 7/11
MESS- UND PRÜFTECHNIK
Zwei SMU-Kanäle
reichen, um mittels
Rampen die
I-U-Charakteristik von
FETs und anderen
Halbleiterbauteilen zu
messen
Ein Magnetfeld mit veränderlicher Intensität kann einen Strom in nahe gelegene
Leiter induzieren, ebenso die Bewegung eines
Leiters innerhalb eines Magnetfeldes. Um
falsche Messwerte zu vermeiden, sollten das
Messinstrument oder das System gegen Magnetfelder abgeschirmt sein.
Praktische Beispiele für die Messung
Zu den praktischen Beispielen für die Messung kleiner Ströme gehören die Charakterisierung von Feldeffekt-Transistoren (FET)
und Kohlenstoff-Nanoröhrchen (CNT). Ein
gängiger FET-Test ist die Untersuchung der
Bauteil-Kennlinie. Selbst sehr kleine DrainStröme lassen sich mithilfe eines einfachen
Testaufbaus mit zwei SMU-Kanälen untersuchen. In diesem Beispiel wird ein zweikanaliges System-SourceMeter-Instrument
der Serie 2600 A von Keithley verwendet, da
diese Instrumente gleichzeitig einen Strom
und eine Spannung einspeisen und messen
können. Um den FET zu charakterisieren,
wird er in einem Testadapter eingesetzt,
der sichere Masse- und Vorspannungsverbindungen gewährleistet. Einer der SMUKanäle liefert dem FET eine veränderliche
Gate-Source-Spannung (VGS), während der
andere Kanal eine veränderliche DrainSource-Spannung (VDS) liefert, gleichzeitig
wird der Drain-Strom (ID) des Bauteils gemessen. Dieser einfache Testaufbau erlaubt
Tests mit Drain-Strömen von weniger als
10 nA.
Materialien wie Fotovoltaik-Wafer und
CNT-Sheets werden normalerweise im Hinblick auf ihre Stromdichte charakterisiert –
wie viel Strom können sie pro Materialfläche generieren. Forscher der Seoul National
University haben zum Beispiel mit einem
Elektrometer von Keithley mehrwandige
Kohlenstoff-Nanoröhren-Bauteile (MWNT)
untersucht, die durch eine Lichtbogenent-
SMU sind ideale Tools zur Untersuchung
der I-U-Charakteristik von Kohlenstoff-Nanoröhrchen
ladung auf einem CNT-Substrat hergestellt
wurden. Bei einem angelegten elektrischen
Feld von 5 V/µm und weniger wurde eine
Stromdichte von nur 10 –4 /cm 2 gemessen.
Eine praktische Analyse der I-U-Charakteristik von CNT-basierter Elektronik lässt
sich wie bei einem FET mithilfe von zwei
SMU durchführen, indem die Drain- und
Gate-Spannungen verändert werden und
gleichzeitig der Drain-Strom als eine Funktion der Gate-Spannung gemessen und aufgezeichnet wird.
Die erforderliche Auflösung und Genauigkeit bei der Messung kleiner Ströme bestimmt
normalerweise den Instrumententyp. Ist die
Genauigkeit weniger wichtig, dann sollte ein
normales DMM ausreichen. Bei anspruchsvolleren Anforderungen wird dagegen ein
Präzisionselektrometer oder SMU benötigt.
Die SMU-Modelle 2635A und 2636A von
Keithley wurden zum Beispiel für eine Messauflösung bis 1 fA optimiert.
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Keithley Instruments GmbH
Postfach 432, 8024 Zürich
Tel. 044 821 94 44, Fax 044 820 30 81
[email protected], www.keithley.ch
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