Poren öffnen dem Krebs die Tür - 09-04-2008 - Online

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Poren öffnen dem Krebs die Tür - 09-04-2008
by Detlef Hoewing - Online-Zeitung Mensch & Krebs - https://mensch-und-krebs.de
Poren öffnen dem Krebs die Tür
by Detlef Hoewing - Donnerstag, September 04, 2008
https://mensch-und-krebs.de/poren-oeffnen-dem-krebs-die-tuer/
Wissenschaftler klären den Hauptzugangsweg, über den Virus-befallene Körperzellen und Tumorzellen
von körpereigenen Abwehrstoffen angegriffen werden. Unser Körper wird nahezu kontinuierlich von
Krankheitserregern und spontan entstehenden Krebszellen bedroht. Doch der Körper wehrt sich:
Spezialisierte Zellen des Immunsystems schleusen kleine Moleküle (Granzyme) in Virus-befallene
Körperzellen sowie Krebszellen ein, und lösen so das eingebaute Selbstmordprogramm der Zellen aus.
Um in eine attackierte Zelle zu gelangen, gibt es zwei mögliche Wege. Trotz mehr als zwanzigjähriger
intensiver Forschung blieb jedoch unklar, auf welchem der beiden Wege die tödliche Menge an
Granzymen in eine Zelle eindringt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie zeigen
nun,dass winzige Poren in der Zelloberfläche den Granzymen für kurze Zeit die Tür öffnen. Die
Ergebnisse eröffnen auch neue Perspektiven für eine verbesserte Therapie von chronischen
Virusinfektionen und Krebserkrankungen. (PNAS, September 2008)
Während des alltäglichen Lebens wird uns nur selten bewusst, welche Kämpfe im eigenen Körper
stattfinden. Nahezu kontinuierlich muss sich der Körper gegen unzählige Krankheitserreger wehren. Mit
jedem Liter Blut, der durch unseren Körper gepumpt wird, werden daher bis zu fünf Milliarden weiße
Blutkörperchen auf Patrouille geschickt. Ein Teil dieser Zellen reagiert auf Krankheitserreger mit der
Produktion von Antikörpern, die exakt auf den erkannten Erreger zugeschnitten sind und diesen präzise
angreifen. Gleichzeitig lassen sie Gedächtniszellen entstehen, die diesen Erreger bei einem erneuten
Angriff wiedererkennen.
Eine Killerzelle kontaktiert eine Tumorzelle (links) und
löst sich nach einer Stunde (Mitte). Nach weiteren zwei Stunden bilden sich Bläschen (rechts, roter Pfeil)
auf der Oberfläche der angegriffenen Tumorzelle. Abbildung: MPI für Neurobiologie / Jen
Neben diesen Taktikern unter den weißen Blutkörperchen gibt es eine zweite Gruppe von Zellen, die
ohne große Umschweife gleich zum Angriff übergeht: T- und Killer-Zellen haben sich auf Virusinfizierte Körperzellen und Tumorzellen spezialisiert - hier ist ein sofortiges Handeln besonders wichtig.
Doch ganz ohne Taktik geht es auch bei diesen Angriffszellen nicht. Denn zunächst müssen die Waffen
dieser Zellen, die sogenannten Granzyme, in die kranke Zelle eingeschleust werden. Erst dort entfalten sie
ihre Wirkung: Sie manipulieren die schädliche Zelle so, dass sie ihr eingebautes Selbstmordprogramm
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aktiviert. Doch wie kommen die Granzyme in die Zelle?
Diese Frage diskutieren Wissenschaftler seit mehr als zwanzig Jahren.
Zwei Wege, über die Granzyme in eine Zelle gelangen können, wurden dabei diskutiert: über Poren oder
über einen Membrantransport. Das Molekül Perforin hinterlässt kleine Löcher in der Zellmembran. Da es
von T- und Killer-Zellen zeitgleich mit den Granzymen abgegeben wird, könnten sich hiermit Türen für
Granzyme öffnen. Granzyme binden aber auch an die Oberfläche der attackierten Zellen und werden dann
über kleine Membraneinschnürungen in das Zellinnere transportiert. Da die Perforin-Löcher in der
Zellmembran recht klein sind und von der attackierten Zelle schnell wieder geschlossen werden,
favorisierten die meisten Wissenschaftler den Membrantransport als Hauptzugang für Granzyme in eine
Zelle.
Die Frage, welcher Weg die tödliche Menge Granzyme in eine Zelle bringt, ist nicht trivial. Mit diesem
Wissen könnten neue Therapien zur Virus- und Krebsbekämpfung entwickelt werden. Nach zwanzig
Jahren scheinen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie diese Frage nun geklärt zu
haben: Entgegen der gängigen Meinung sind offenbar tatsächlich die Membranlöcher die
Haupteintrittspforte für Granzyme. Den Beweis erbrachten die Wissenschaftler mit künstlich veränderten
Granzymen, die nicht mehr an Membranen binden und somit nicht via Membrantransport in die Zelle
gelangen können.
"Interessanterweise war trotz dieser Einschränkung keine verminderte Effektivität der Angriffszellen
festzustellen", erklärt Dieter Jenne.
"Wir konnten außerdem zeigen, dass die Poren groß genug sind, um genügend Granzyme in die Zelle zu
lassen, bevor diese die Löcher wieder abdichten kann."
"Das spannende an diesen Ergebnissen ist aber nicht nur, dass eine alte Frage nun endlich geklärt ist",
sagt Florian Kurschus, "sondern dass unsere Granzym-Varianten zusammen mit dem Wissen, dass die
Membranlöcher der wichtigste Zugang zur Zelle sind, verbesserte Therapiemöglichkeiten zur Virus- und
Krebsbekämpfung bieten." Denn künstlich zugegebene Granzyme schädigen in hoher Dosis auch gesunde
Zellen, in die sie über Membrantransport eindringen. Die neuen Granzym-Varianten reichern sich nicht in
gesunden Zellen an, da sie nur den durch T- oder Killer-Zellen mittels Perforin eröffneten Weg nutzen
können. Bei infizierten Zellen, die von einer T- oder Killer- Zelle als Feind erkannt wurden, wird ihnen
diese Tür geöffnet - weit genug für ihre todbringende Arbeit.
Originalveröffentlichung:
Florian Kurschus, Edward Fellows, Elisabeth Stegmann, Dieter Jenne Granzyme B delivery via perforin
is restricted by size, but not by heparan sulfate-dependent endocytosis PNAS, 2. September 2008
Kontakt:
Dr. Stefanie Merker
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
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Tel.: +49 89 - 8578-3514
Fax: +49 89 - 89950-022
E-mail: [email protected]
Dr. Dieter Jenne
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
Tel.: +49 89 - 8578-3588
E-mail: [email protected]
Dr. Florian Kurschus
I. Medizinische Klinik und Poliklinik / Johannes Gutenberg Universität Mainz, Mainz
Tel.: +49 6131 - 3937 206
E-mail: [email protected]
Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Dr. Stefanie Merker
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