Interview - Rethink! Corporate Finance

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Interview
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D. (Präsident)
„Die Politik muss attraktive Rahmenbedingungen setzen und vorsichtig sein,
keine verfehlte Industriepolitik machen zu wollen. Die deutsche Volkswirtschaft
ist vergleichsweise sehr abhängig von innovativen Sektoren und Produkten.
Daher sollte die Politik vor allem stärkere Anreize für Forschung, Entwicklung
und Innovation setzen.“
Im Vorfeld zur Rethink! Corporate Finance Minds 2016 sprach we.CONECT mit Prof. Marcel Fratzscher,
Ph.D., Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
we.CONECT:
Wie bewerten Sie die momentane Lage der Weltwirtschaft
im Hinblick auf Unternehmensfinanzierung und Unternehmensinvestitionen?
Prof. Marcel Fratzscher:
Wir sehen große widersprüchliche Trends in den Rahmenbedingungen für private Investitionen. Zum einen sind die
Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft nach wie vor durchwachsen. Vor allem die hohe
Volatilität in Finanzmärkten, wie
wir kürzlich erst in China erfahren konnten, schafft Unsicherheit und schädigt das Vertrauen
der Unternehmen. Zum anderen
sind die Finanzierungsbedingungen jedoch nach wie vor
enorm günstig für Unternehmen.
we.CONECT:
Was wird in 2016 auf uns zukommen? Wie wird sich das
Wachstum für Unternehmen
im deutschsprachigen Raum
weiterentwickeln?
Prof. Marcel Fratzscher:
Europa befindet sich noch immer in der Krise. Die Wachstumserwartungen für die Eurozone und auch für Deutschland sind moderat, jedoch
gleichzeitig auch zu schwach
um
Beschäftigung
aufzubauen, Risiken und Verschuldung abzubauen und einen
nachhaltigen Wachstumsimpuls zu setzen.
we.CONECT:
Welche Reformen für mehr
Wachstum und Beschäftigung
erachten Sie als nötig? Oder
an welcher Stelle sollte es
weniger
Regulierungen
geben?
Prof. Marcel Fratzscher:
Die
schwachen
privaten
Investitionen sind die Achillesferse der deutschen und der
europäischen Wirtschaft. Dies
liegt an vielen Faktoren - Probleme im Finanzsektor einiger
Länder,
ein
zunehmender
Fachkräftemangel in anderen,
eine hohen Unsicherheit, falsche Regulierung, zu hohe bürokratische Hürden und eine
immer schwächer werdende
öffentliche Infrastruktur. Die
Politik, gerade in Deutschland,
ist in der Pflicht, die Rahmenbedingungen dringend deutlich
zu verbessern.
we.CONECT:
Wie wird sich die europäische
Geldpolitik auf Unternehmen
auswirken?
Prof. Marcel Fratzscher:
Die Geldpolitik der EZB ist weiterhin sehr expansiv und gibt
maximale Unterstützung an Unternehmen, die Kredite aufnehmen wollen. Trotzdem haben
viele Unternehmen, vor allem
kleine und mittelständische Unternehmen in Südeuropa, nach
wie vor Probleme an ausreichend zuverlässige Finanzierung zu kommen. Das Signal
der EZB ist klar - die Geldpolitik
wird wohl auch in den nächsten
3 - 4 Jahren weiterhin sehr expansiv bleiben.
we.CONECT:
Wo sehen Sie neue Innovationsfelder für die deutsche
Wirtschaft und mit welchen
gezielten Maßnahmen kann
die Politik die Unternehmen
dabei unterstützen?
Prof. Marcel Fratzscher:
Die Politik muss attraktive
Rahmenbedingungen
setzen
und vorsichtig sein, keine verfehlte Industriepolitik machen zu
wollen. Die deutsche Volkswirtschaft ist vergleichsweise sehr
abhängig von innovativen Sektoren und Produkten. Daher
sollte die Politik vor allem stärkere Anreize für Forschung,
Entwicklung und Innovation
setzen. Dazu gehört auch eine
explizite Förderung von jungen
Unternehmen, die nach wie vor
in Deutschland häufig benachteiligt werden.
we.CONECT:
Vielen Dank für das Interview!
Interviewpartner: Katja Müller
und Prof. Marcel Fratzscher
Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D.
Marcel Fratzscher ist Präsident des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin),
Professor für Makroökonomie und
Finanzen an der Humboldt-Universität Berlin und Mitglied des Beirats
des Bundesministeriums für Wirtschaft. Als unabhängiges Institut
mit 334 Mitarbeitern zählt das DIW
Berlin zu den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten
und
Denkfabriken
in
Europa.
Von 2001 bis 2012 war Marcel
Fratzscher für die Europäische
Zentralbank (EZB) tätig. Während
der Asienkrise 1997-98 arbeitete er
als Makroökonom beim Harvard
Institute for International Development (HIID) in Jakarta, Indonesien.
Zudem war er tätig beim Peterson
Institute for International Economics
in Washington D.C., USA, in 200001, bei der Weltbank 1996, und für
kürzere Perioden in Asien und
Afrika.
Marcel Fratzscher erlangte ein
Vordiplom in VWL an der Universität Kiel, ein B.A. in Philosophy,
Politics, and Economics (PPE) der
University of Oxford (UK), einen
Master of Public Policy der Harvard
University's John F. Kennedy
School
of
Government,
in
Cambridge (USA), und ein Ph.D. in
Volkswirtschaftslehre vom European University Institute in Florenz
(Italien).
Persönliche Homepage:
http://www.fratzscher.eu
Twitter: MFratzscher
Blog: https://berlinoeconomicus.diw.de/
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http://www.rethink-corporate-finance.de/
Kontakt Marketing:
Katja Müller
Head of Marketing i.CONECT Series
Telefon: +49 (0)30 52 10 70 3 - 92
Fax: +49 (0)30 52 10 70 3 - 30
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