Schnecken_in_Raps_2015

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Schnecken im Herbst
In den vergangenen Jahren haben Schnecken im Winterraps vielerorts erhebliche Schäden, bis hin zum
Umbruch verursacht. Da Schnecken binnen weniger Nächte ganze Schläge kahl fressen können, gehören
sie zu den wichtigsten Schädlingen im Rapsanbau. Leider ist der Schneckenbesatz auf den eingesäten
Rapsflächen nicht so einfach wie bei anderen Schädlingen zu ermitteln. Was kann man im Vorfeld gegen
eine Schneckenplage tun und wie können wir die Rapsbestände vor Schaden schützen? Dies erläutert
Nikolaus Schackmann vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel in Bitburg.
Bild 1: Starker Schneckenbesatz auf Ausfallrapsfläche
Schnecken führen immer wieder zu erheblichen Schäden im Rapsanbau. Dabei kommen die
Ackerschnecken, wie die Genetzte Ackerschnecke, Graue Ackerschnecke oder Farnschnecke
(Deroceras-Arten) ganzflächig auf den Feldern vor. Sie sind ca. 4 - 6,5 cm lang. Die Wegschnecken
(Arion-Arten) sind meist nur am Rand zu finden, da sie von den Feldrainen her in die Flächen
einwandern. Die Gartenwegschnecke ist mit 2,5 -3 cm deutlich kleiner als die Ackerschnecke. Die
rötlich-braune Spanische Wegschnecke ist jedoch deutlich größer (bis 18 cm) und fällt besonders nach
Niederschlägen auf den Feldwegen auf. Während die Wegschnecken in der Regel nur eine Generation
pro Jahr hervorbringen, kann es bei den Ackerschnecken bei günstigen Bedingungen mehrere
Generationen pro Jahr geben. Die Schnecken sind Zwitter, so dass jedes Tier Nachkommen bzw. Eier
produzieren kann. Die Tiere sind nach 4 - 6 Wochen geschlechtsreif und leben 6 - 8 Monate. Die Eier
schlüpfen nach 2 - 4 Wochen, wobei pro Tier bis zu 500 Eier abgelegt werden können. Dies begründet
die enorme Vermehrungsrate von Schnecken. Schnecken haben auch natürliche Feinde. Zu ihnen
gehören Igel, Vögel, Laufkäfer und andere. Bei für Schnecken günstigen Bedingungen schaffen es die
natürlichen Feinde meist nicht, die Schneckenpopulation auf einem erträglichen Maß zu halten.
Darüber hinaus sind Schnecken wahre Lebenskünstler. Sie benötigen zwar sehr viel Feuchtigkeit,
ziehen sich in Trockenphasen jedoch in tiefere Bodenschichten zurück. Fällt die Bodenfeuchte unter
10 % der nutzbaren Feldkapazität stellt die Genetzte Ackerschnecke ihre Eiablage ein. Die Tiere ziehen
sich in tiefere Bodenschichten zurück und werden inaktiv, wogegen die abgelegten Schneckeneier im
Oberboden vertrocknen. Erhöht sich die Bodenfeuchte werden die Tiere wieder aktiv und kommen in
die oberen Bodenschichten. Schnecken sind überwiegend nachts aktiv. Selbst wenn die
Bodenoberfläche nach der Rapssaat „Staubtrocken“ ist, nutzen die Tiere die starke Taubildung in der
Nacht. Bei zögerlichem Feldaufgang bzw. langsamer Jugendentwicklung beim Raps, reichen auch
wenige Schnecken um großen Schaden anzurichten.
Schnecken halten auch keine echte Winterruhe. Sinken die Temperaturen unter 5°C ziehen sich die
Schnecken in tiefere, frostgeschützte Bodenschichten zurück. Sobald die Temperaturen leicht steigen,
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werden sie wieder aktiv. Bei Bedarf können sie ihren Stoffwechsel extrem nach unten fahren und so
auch Zeiten des Hungers gut überstehen. Werden die Bedingungen wieder günstiger, sind sie sehr
schnell wieder zur Stelle. Dies erschwert die Einschätzung des Schneckenbefalls bzw. des
Gefährdungspotentials auf den Ackerflächen. Dieser Umstand führt nach trockenen
Erntebedingungen immer wieder zu fatalen Fehleinschätzungen der Schneckensituation.
Was können wir tun, um das Gefährdungspotential zu ermitteln?
Den Besatz von Schnecken zu ermitteln ist sehr aufwendig. Hierzu müssten entsprechende Erdziegel
unter Wasser gesetzt werden, um die Schnecken auszuschwemmen. Die Schneckeneier müssten
anschließend ausgesiebt werden. Diese Methode kann nur stichprobenartig auf einem Feld zur
Anwendung kommen und gibt keinen sicheren Überblick über die Besatzlage, da Schnecken nicht
immer gleichmäßig im Schlag verteilt sind. Zudem werden die vom Rand her einwandernden
Wegschnecken mit dieser Methode nicht erfasst. Während der Ernte sieht man in den frühen
Morgenstunden und besonders nach Niederschlägen sehr viele Schnecken auf den Feldwegen und in
den noch nicht geernteten Feldern. Dies ist ein sicherer Hinweis für das vorhanden sein von
Schnecken. Dies gibt jedoch noch kein Hinweis über die Aktivität der Schnecken in den bestellten
Rapsschlägen. Die Aktivität der Schnecken in den Rapsschlägen kann mittel Fallen ermittelt werden.
Hierzu eignet sich das Auslegen von Schneckenfolien, Jutesäcken, Brettern oder ähnliches. Diese
werden an mehreren Stellen eines Rapsschlages abends ausgelegt. Unter die Abdeckungen sollten
einige Schneckenköder (1 Teelöffel methaldehydhaltiges Schneckenkorn) gestreut werden. Bei der
Kontrolle ist es wichtig, diese in den Morgenstunden durch zu führen, bevor die Sonne die Fallen
erwärmt. Dann sind tote Schnecken bzw. Schleimspuren noch deutlich zu erkennen. Diese Methode
lässt jedoch nur bedingt Rückschlüsse auf ein Gefährdungspotential in der Fläche zu. Werden unter
solchen Abdeckungen 1 - 2 Tiere in 2 - 4 Tagen gefunden, sollte gehandelt werden.
Ein weiterer Hinweis auf starken Schneckenbesatz liefert das Ausfallgetreide bzw. Ausfallraps. Wenn
auf einer Rapsstoppel der Ausfallraps ohne Zutun des Landwirts nicht aufläuft bzw. nicht groß wird,
liegt der Verdacht auf extremen Schneckenbesatz nahe. Neue Rapsschläge in unmittelbarer
Nachbarschaft zu Altrapsschlägen unterliegen einer besonderen Gefährdung. Dies gilt
selbstverständlich auch für Weizen der nach Raps kommt.
Was können wir vorbeugend tun?
Auch wenn Schnecken Zeiten des Hungers relativ gut überstehen können, haben Flächen mit
ständigem Bewuchs oder Mulchabdeckung ein deutlich höheres Schneckenrisiko, als solche die über
einen längeren Zeitraum „schwarz gehalten“ werden. Diese besondere Gefährdung gilt insbesondere
für Stilllegungsflächen, die bis unmittelbar vor der Rapsaussaat mit grünen Pflanzen bewachsen sind.
Eine mehrmalige Bodenbearbeitung führt dazu, dass immer wieder Schnecken und Schneckeneier an
die Oberfläche kommen und dort vertrocknen. Nur durch Pflügen wird der Schneckenbesatz nicht
deutlich reduziert. Deutlich effektiver ist eine mehrmalige flache Bodenbearbeitung (2-3 cm) nach der
Ernte der Vorfrucht. Diese hat den größten Einfluss auf die Reduktion der Schneckeneier. Dazu
eigenen sich spezielle Strohstriegel oder flach einstellbare Scheibeneggen. Kaum durchführbar ist dies
jedoch bei spät räumenden Vorfrüchten, wie Weizen, oder in Spätdruschgebieten. Der Einsatz von
Kalkstickstoff mit mind. 2,5 dt./ha unterstützt die anderen Bekämpfungsmaßnahmen. Kalkstickstoff
wirkt bei guter Bodenfeuchte hauptsächlich gegen Schneckeneier und Jungschnecken. Kalkstickstoff
muss kurz vor der Saat, oder bei der Saatbettbereitung eingearbeitet werden. Ein gänzlicher Verzicht
auf Schneckenköder nach der Saat ist nach der Kalkstickstoffanwendung meist nicht möglich.
Insbesondere in Jahren mit starkem Schneckenaufkommen wird jedoch seine unterstützende
Wirkung geschätzt. Die Strategie Schnecken in der Vorfrucht, kurz vor der Ernte mit Schneckenködern
zu bekämpfen ist nicht zu empfehlen. Zum einen ist diese Anwendung nicht durch die Zulassung
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abgedeckt, zum anderen können zwar die Erwachsenen Tiere, nicht aber die Eier bekämpft werden.
Nicht zuletzt gehört die Aussaat in ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett ebenso zu den
vorbeugenden Maßnahmen.
Was ist nach der Saat zu tun?
Insbesondere nach der Saat von Raps müssen die Flächen regelmäßig in kurzen Abständen (1 - 2 Tage)
auf Schneckenaktivität kontrolliert werden. Hierzu leisten o. g. Hilfsmittel gute Dienste. Sobald Sie
Schneckenaktivität feststellen (1 - 2 Schnecken unter der Schneckenmatte in 2 - 4 Tagen) müssen Sie
mit entsprechenden Schneckenködern handeln. Denken Sie daran, dass die unterschiedlichen
Schneckenarten an verschiedenen Stellen im Schlag auftreten. Die oft empfohlene Randbehandlung
mit Schneckenködern wirkt nur gegen die am Rand vorhandenen und die vom Rand her
einwandernden Tiere. Die Folge ist, dass nicht selten der Raps am Rand recht gut steht, in der
Schlagmitte jedoch nichts mehr da ist. Das beidrillen von Schneckenködern bei der Saat ist nicht
effektiv. Schnecken können selbst nicht graben und sind auf Hohlräume im Boden angewiesen. Auch
ist die Lockwirkung der Köder nicht so groß als das die Schnecken in den Saatrillen angelockt werden.
Welche Köder sind die besten?
Dies ist schwer zu beantworten. Wichtig für Sie ist zu wissen welche Unterschiede es bei den
Schneckenködern gibt.
Wirkstoff: Seit dem vergangenen Jahr stehen uns nur noch zwei verschiedene Wirkstoffe zur
Verfügung. Die meisten Köder haben den Wirkstoff Metaldehyd. Er verstärkt den Wasserverlust. Die
Tiere schleimen aus. Bei sehr feuchten Bedingungen kann es jedoch zu einer Minderwirkung kommen
die eine zügigere Nachbehandlung erforderlich machen kann. Ein weiterer Wirkstoff ist das Eisen-IIIPhosphat. Es schädigt Zellen im Kropf und Mitteldarm der Schnecke und führt zum Einstellen der
Nahrungsaufnahme. Die Tiere verkriechen sich im Boden und sterben nach wenigen Tagen. Die
Aktivitätskontrolle oder Wirkungskontrolle ist bei diesem Produkt schwierig, da die toten Tiere nicht
an der Bodenoberfläche zu finden sind. Der Wirkstoff Eisen-II-Phosphat ist bislang nur in einem
Produkt, dem Sluxx HP enthalten. Der Wirkstoff Methiocarp, der bislang im Mesurol Schneckenkorn
enthalten war, steht nicht mehr zur Verfügung. Die Zulassung wurde zum 19. September 2014
widerrufen. Das bedeutet, dass Köder mit diesem Wirkstoff ab dem 19. September 2014 nicht mehr
gehandelt und angewendet werden dürfen. Es besteht keine Aufbrauchfrist.
Pressung: Wir unterscheiden weiterhin bei der Art der Herstellung. Es gibt die sogenannte
Trockenpressung, bei der die Köder, ähnlich wie bei Holzpellets, trocken gepresst werden. Sie sind
meist deutlich billiger, haben jedoch eine schlechtere Haltbarkeit bei Niederschlägen. Die durch
Nasspressung hergestellten Köder zeigen eine deutlich bessere Stabilität bei feuchten Bedingungen
und wirken daher länger.
TKG und Köderdichte: Schneckenkörner haben nur eine bedingte „Lockwirkung“ von wenigen
Zentimetern. Daher spielt die Köderdichte pro qm eine größere Rolle als die Wirkstoffkonzentration.
Es sollten mindestens 35 - 40 Köder / qm liegen, um einen ausreichenden Bekämpfungserfolg zu
erzielen. Je geringer das TKG umso geringer ist die Aufwandmenge in kg / ha. Von höher
konzentrierten Ködern braucht die Schnecke natürlich weniger aufzunehmen als von schwächer
konzentrierten Ködern.
Form: Probleme bei der Bekämpfung von Schnecken gibt es nicht, weil die falsche Form gewählt
wurde. Ob Korn, Pad, Linse oder Sonstiges ist in den Augen des Verfassers nebensächlich. Probleme
gibt es immer dann, wenn nicht erkannt wird, dass es ein „Schneckenproblem“ gibt, zu spät oder
nicht oft genug gehandelt wurde.
Seit einigen Jahren wird die Schneckenkornausbringung mittels Quad und aufgesatteltem
Schneckenkornstreuer angeboten. Dies ermöglicht auch bei extremen Witterungsbedingungen
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termingerecht gegen Schnecken vor zu gehen.
Fazit:
Die Bekämpfung von Schnecken 2 - 3 Tage nach der Saat oder zu Beginn einer feuchten
Witterungsphase bringt die größten Bekämpfungserfolge. In Jahren mit sehr starkem
Schneckenaufkommen sind die vorbeugenden Maßnahmen mindestens so wichtig wie die gezielte
Bekämpfung mit Ködern, um die jungen Saaten sicher vor Schaden zu schützen. Die Ausbringung
unmittelbar nach der Saat (am selben Tag auf den offenen Boden) führt oft zu einer frühzeitigen
Verschlämmung der Köder, die dann nicht mehr wirken. Eine Ausbringung zur Saat, d.h. in Mischung
mit dem Saatgut ist nahezu wirkungslos. Schnecken können nicht graben und werden von
verschüttetem Schneckenköder auch nicht angelockt. Sollten die Saatbedingungen so schlecht sein,
dass das Saatgut in Hohlräumen für die Schnecken frei zugänglich ist, ist das Problem an anderer
Stelle anzupacken. Die Wirkung der Schneckenköder ist solange gegeben, wie er frei zugänglich und
schmackhaft an der Oberfläche liegt. Verschimmelte oder aufgeweichte, verfallene Köder wirken
nicht mehr. Auch wenn der Köder aufgrund von starken Regenereignissen verschlämmt, ist keine
Wirkung mehr zu erwarten. In solchen Fällen muss bei Bedarf frühzeitig nachbehandelt werden.
Bild 2: Totalausfall durch Schnecken.
Durch Randbehandlung stehen dort noch
vereinzelt Rapspflanzen
Bild 3:Schneckenfraß an großen Rapspflanzen
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