- Ardeypharm

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Ernährungstipps
und wichtige Informationen für
Menschen mit Reizdarm und
chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Ernährungstipps und andere wichtige Informationen
Mitgliedern der Selbsthilfegruppe
Morbus Crohn- und Colitis-ulcerosa-Erkrankte in Lippe,
der Diätassistentenschule Bielefeld sowie
Ärzten, Therapeuten und anderen Mitarbeitern
3. Auflage 2016
Brosch Ernährung_Umschlag 12_2015.indd Alle Seiten
950/01050100/01.2016
zusammengestellt von
07.01.16 11:27
Ernährungstipps
und wichtige Informationen für
Menschen mit Reizdarm und
chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Persönliche Anmerkung zur aktuellen Auflage unserer SHG-Broschüre
Nahrungsmittelallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Lebensmittelver­
giftungen sind auf dem Vormarsch – ein erschreckender Trend zeichnet sich ab.
Die tägliche Nahrungsaufnahme ist lebensnotwendig. Doch EHEC, Listerien,
­Noroviren und „Kollegen“ sorgen für Unruhe im Verdauungstrakt – reine Hysterie, Medien­
kampagne – was sollen wir Verbraucher noch glauben, worunter leiden tatsächlich immer
mehr Menschen?
Muss wirklich jeder peinlich genau die Liste der Inhaltsstoffe (die leider immer noch
nicht korrekt und vollständig vom Hersteller angegeben wird – meistens sind die Zutaten
viel zu klein und kaum lesbar deklariert) prüfen, ob irgendein „unverträglicher“ Bestandteil
in Lebensmitteln und Nahrungsmitteln (industriell hergestellt) enthalten ist?
Vorsicht:
Auch Medikamente enthalten Laktose und sehr häufig Fruktose oder Sorbit.
Bestimmte Unverträglichkeiten, die früher eher eine Randerscheinung darstellten wie
die Fruktoseintoleranz, spielen bei den ernährungsbedingten Erkrankungen eine immer
bedeutsamere Rolle.
Der Test auf Fruktoseintoleranz erfolgt, wenn überhaupt, in der Regel erst nach allen
anderen Untersuchungen, wie z. B. Ultraschall, Darmspiegelung usw..
Viele Menschen mit Reizdarm oder CED müssen unerträglich lange leiden, bis der
Grund ihrer (zusätzlichen) Störungen im Verdauungssystem gefunden wird.
Deshalb haben wir bei der aktuellen Neuauflage unserer Broschüre auch das ­Kapitel
„Fruktoseintoleranz“ überarbeitet und umfassend ergänzt, damit die Tipps und ­Ratschläge
des Büchleins Euch/Ihnen ein hilfreicher Begleiter im Alltag auch bei geänderten Ernäh­
rungsbedingungen sein kann. Wir sind auf Eure tatkräftige Unterstützung, Eure Bei­träge,
Beobachtungen und Erkenntnisse angewiesen, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und
freuen uns auf Eure Kommentare, Anregungen und Hinweise.
Es ist unsere mit vereinten Kräften erstellte Broschüre.
Unterstützt uns, gemeinsam Erfahrungen zu sammeln, Lösungen zu finden und macht
Euch einfach auch mal die Mühe und schreibt der Nahrungsmittelindustrie Eure Wünsche
und Verbesserungsvorschläge. Helft uns Betroffenen mit CED und Reizdarm, wieder Spaß
am genussvollen Essen (Leben) zu haben
Eure Bettina Holzgrewe
2
Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser,
Was „bringt“ uns die eigene Initiative zur Gesund­erhaltung unseres Körpers?
Was bedeutet eigentlich Selbsthilfe?
Diese Broschüre informiert Betroffene mit Chronisch-Entzündlichen Darmerkrankungen
(CED) und Reizdarm, aber auch Angehörige Betroffener und Interessierte, gibt nützliche Tipps
und bietet Rezepte aus 17 Jahren Erfahrungsaustausch. Die ­­Beiträge wurden mit viel Liebe
zum Detail von Mitgliedern unserer Selbsthilfegruppe für M
­ orbus Crohn- und Colitis ulcerosaErkrankte aus Lippe gesammelt und zusammengefasst; ergänzt durch wertvolle Hilfestellun­
gen und andere Informationen von Ärzten und Therapeuten.
„Kombiniert“ können die kleinen und die großen „Tricks“ im Alltag eine hilfreiche
­Stütze sein.
Wir wollen Ihnen/Euch (Vorschlag, lasst uns der Einfachheit und Lesbarkeit halber
doch einfach beim persönlichen Du bleiben) auf Basis unserer Erfahrungen Infos („Erfahre­
nenkompetenz“) näher bringen und zeigen, wie wir mit einer Chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung, einem Reizdarm (RDS) und/oder allergischen Verdauungsproblemen
umgehen.
Von den positiven Erfahrungen der Betroffenen aus der Selbsthilfegruppe können an­
dere Erkrankte profitieren – wobei hier erwähnt werden muss, was dem Einen ge­holfen
hat, hilft dem Nächsten nicht unbedingt genauso. Jeder Mensch ist, wie wir wissen,
­„anders“ und jeder legt andere Maßstäbe an seine Gesundheit, an die eigene Selbsthilfe –
und jeder empfindet gesundheitliche Einschränkungen unterschiedlich.
Beim Lesen der Broschüre fragt Ihr Euch vielleicht:
• Kann ich hier oder da nicht doch noch etwas selbst tun?
• Was ist richtig für mich? und
• Wie finde ich den für mich richtigen Weg mit einer chronischen Krankheit, mit CED
oder mit Reizdarm zu leben?
• Was tut mir gut?
Hilfestellung und Motivation zur eigenen Selbsthilfe findet Ihr bei der Deutschen
­ orbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV), der Deutschen Reizdarmhilfe,
M
dem Allergiker-Verband Mönchengladbach und/oder den örtlichen Selbsthilfegruppen.
Eine Liste nützlicher Kontakt-Adressen dazu findet Ihr auf der letzten Seite.
Ein besonderer Dank für die Mitarbeit, die Ideen und die Unterstützung für dieses
Projekt gilt namentlich:
Mitgliedern unserer Selbsthilfegruppe in Lippe, den „frisch gebackenen“ Diätassis­
tenten und deren Lehrer der Diätassistentenschule Bielefeld (Evangelisches Krankenhaus
Bielefeld), Herrn Horst Friedenberger, Herrn Dr. Eckhard Schreiber-Weber, Dennis Holz­
grewe (Fotos der Broschüre). Die Finanzierung dieser Broschüre (Druck, Satz und Ge­
staltung) übernahm freund­­licherweise die Firma Ardeypharm GmbH in Herdecke. Dank
auch allen nicht namentlich Genannten, ohne deren Unterstützung diese Broschüre nie
realisiert worden wäre.
Ihre / Eure Bettina Holzgrewe
Ansprechpartnerin der Selbsthilfegruppe für Morbus Crohn u. Colitis ulcerosa,
und Reizdarm-Erkrankte in Detmold-Lippe
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Teil 1: Leben mit CED / Reizdarm
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1. SHG Lippe – Hilfe zur Selbsthilfe
Tipps – Erfahrungen – Anregungen aus der Praxis
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2. Hilfe und Tipps bei akutem Durchfall oder Magen-Darminfekt
9
3. Vorbeugen ist besser als Heilen – Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen
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4. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien Lebensmittelzusatzstoffe
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4.1 Laktoseintoleranz
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4.2Fruktoseintoleranz
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5. Der Mensch ist, was er isst
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5.1 Brot, Getreide, Hirse, Buchweizen & Co.
Vorsicht Gluten! – Zöliakie / Sprue
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5.2 Die Kartoffel
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5.3 Gute und schlechte Fette
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5.4 Balsam für die Seele – Etwas zum Naschen
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5.5 Vegetarische Alternativen zu Wurst und Käse
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5.6 Frische Kräuter – wichtige Mineralstoffe und mehr
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5.7 Grüne Smoothies – Medizin und Ernährung
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6. So lebt sich’s leichter – „Heute schon gelebt ? !“
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7. Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung
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7.1 Schulmedizin und CAM-Verfahren
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7.2Mikrobiologische (Probiotika-)Therapie
– Die Darmflora
– Freunde und Feinde der Darmflora
– Einfluss der Ernährung auf die Darmflora
– Darmflora und Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
– Probiotika – Bakterien, die es gut mit uns meinen
– Umgang als Betroffene mit dem Darmfloraaufbau
– Das Bauchhirn
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7.3Bewegungstherapie
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7.4Unterstützende Maßnahmen
Das Sein bestimmt das Bewusstsein – Raumklima
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7.5 Praktische Hilfe bei Durchfall – Patienteninformation
Bauchhirn und Reizdarm – Wie der Bauch den Kopf bestimmt
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5
Teil 2: Ernährung in der täglichen Praxis 49
1. Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
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1.1 Tagespläne: Ballaststoffarm - Ballaststoffreich
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1.2Tipps und Rezepte bei CED – Alternativen für Süßigkeiten
– Gesund und vollwertig
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2. Vorsicht Gluten – Rezepte & Tipps zu Zöliakie/Sprue
­– Was ist Gluten?
– Worin ist es enthalten?
– Ernährung bei Glutenunverträglichkeit
– Rezepte für Gluten-freie Ernährung
Anhang – Adressen, Kontakte
– Literatur, Buchhinweise
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Teil 1: Leben mit CED / Reizdarm
1
1 SHG Lippe – Hilfe zur Selbsthilfe:
Tipps – Erfahrungen – Anregungen aus der Praxis
Herauszufinden, was das „Richtige“ ist und in der Praxis auszuprobieren, I­nformationen
zu sammeln und auszuwerten, erfordert bei Patienten mit Reizdarm und Chronischentzünd­lichen Darmerkrankungen natürlich etwas Zeit. Wir wollen Euch mit dieser kleinen
Broschüre tatkräftig dabei unterstützen. Was richtig für Euch ist, muss jeder für sich selbst
– genau wie wir – ausprobieren.
Lernen, auf den eigenen Körper dabei zu hören, ist eine von vielen ­Voraussetzungen,
wieder zu mehr Wohlbefinden zu gelangen. Dieser kleine Wegweiser hier erspart das
­Herumsuchen in Büchern oder im Internet. Hier findet Ihr viel Wissenswertes und eine
Liste wichtiger Adressen für weitere Informationen (s. Anhang).
Vielleicht bekommt Ihr ja auch Lust, bei uns in der Selbsthilfegruppe aktiv mitzu­
machen und Erfahrungen auszutauschen. Ihr könnt so weitere Informationen, Kopien zu
interessanten Themen erhalten und mehr erfahren.
Die Behandlung einer chronischen Erkrankung erfordert viel Geduld, Nachsicht mit
sich selbst und immer eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt, Therapeut und Patient.
Gezielte, gesunde Ernährung und der Kondition angepasste Bewegung wie
­ ymnastik, Radfahren, Schwimmen, Nordic-Walking, eventuell Joggen, Becken­boden­
G
gymnastik, Wandern usw. fördern den Heilungsprozess während der Behandlung.
Wichtig (auch wenn’s schwerfällt) ist, sich von der ungesunden Zigarette zu verab­
schieden.
Nicht zu vergessen:
Jeder von uns sollte täglich für einen Moment mal nur an sich selbst denken und auch
mal „Nein“ sagen ohne schlechtes Gewissen, wenn situationsbedingt Stress im „Anzug“ ist.
Wichtig !
Unsere Informationsbroschüre ersetzt nicht die ärztliche Behandlung. Eine gute Zu­
sammenarbeit zwischen dem Patienten, dem Therapeuten und dem behandelnden Hausund Facharzt, die ausführliche ärztliche Beratung und die eigene Selbsthilfe sind wichtige
Bestandteile des Behandlungserfolges!!
Eine Umstellung der Ernährung bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und
multiplen Nahrungsmittelallergien (die oft mit Fehl- und Unterernährung einhergehen) oder
beim Reizdarm muss immer in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und
Therapeuten erfolgen.
Eventuell ist eine fachliche Ernährungsberatung durch eine examinierte D
­ iätassistentin
(Verordnung auf Rezept vom Arzt/Antrag bei der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
notwendig und sinnvoll.
Am besten Ihr schreibt Euch mal 3 Wochen in einem Ess-Tagebuch auf:
• Was und wie viel habe ich gegessen?
• Wann sind welche Probleme aufgetaucht?
• Wie haben sich die Beschwerden geäußert?
Die folgenden Beiträge sind teils gesammelte, kopierte und dann eingescannte
­ nterlagen von CED-Betroffenen. Daher kann nicht überall eine Buch- oder Quellenan­
U
gabe gemacht werden.
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2 Hilfe und Tipps bei akutem Durchfall oder Magen- und Darminfekt:
(siehe hierzu auch die Empfehlungen von Dr. Schreiber-Weber auf Seite 46/47)
Bei Durchfall
• mindestens 2,5 – 3 Liter täglich trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen,
günstig sind Mineralwässer ohne Kohlensäure und (schwach gesüßte) Tees. Auch
­Brühen oder Elektrolyt-Getränke sind empfehlenswert, da sie die bei Durchfall verloren
gegangenen Mineralstoffe und Elektrolyte wieder zuführen.
Tipp ! Bei akutem Durchfall kann eine Elektrolytlösung zubereitet werden aus ½ I Wasser,
½ Teelöffel (Teel.) Salz und 5 Teel. Traubenzucker – eventuell mit etwas Orangen­
saft abschmecken.
• Feucht warme Leibwickel tun dem Bauch zusätzlich gut und beruhigen die Darmtätigkeit.
• Eine ballaststoffarme Kost schont den Darm! Günstig sind gekochte Kartoffeln, Reis und
leicht verdauliches gekochtes Gemüse (Möhren, Sellerie, Kopfsalat usw.). Bei Durchfällen
tritt neben hohem Salz- vor allem Kaliumverlust auf. Kaliumreiche und gut verträgliche
Obstsorten wie Bananen oder Honigmelone, leicht bekömmliches gekochtes Obst wie
Aprikosen oder Pfirsiche, Haferschleim, Babyheilnahrung, Hirseflocken mit Reismilch,
Heidelbeermuttersaft oder getrocknete Heidelbeeren sind dann zu empfehlen.
Sauermilchprodukte (nicht Wärme behandelt!) wie Joghurt, Buttermilch oder Kefir werden
häufig wegen ihres natürlichen Bakteriengehalts der darin enthaltenen Milchsäurebakterien
besser vertragen als Milch.
Tipp ! – Omas Hausrezept: Der Apfel (Nicht für Apfel-Allergiker geeignet ! )
Ein geriebener Apfel vor der Mahlzeit enthält viele lösliche Ballaststoffe (Pektine),
die die Bindung von Wasser im Darm unterstützen.
Der Apfel enthält Vitamin A, B, C, Natron, Phosphor, Natrium, Gerbstoffe, Frucht­
säuren und Pektin und eignet sich ideal bei akutem Darmkatarrh: ein bis zwei Tage
nur roh geriebenen (Glasreibe-)Apfel ohne Schale und Kerngehäuse essen, fünfmal
täglich je ca. 200 g – tut gut.
Der Apfel ist wohl die vielseitigste Frucht und ein sehr wertvolles Nahrungs- und
Heilmittel. Ein Apfel täglich als Zwischenmahlzeit erfrischt, reinigt die Zähne,
­beeinflusst positiv die Verdauung und führt uns reichlich Vitamin C sowie auch
wichtige Mineralstoffe zu.
Gewürze:
Ingwer beruhigt die Magen-Darm-Schleimhaut. Geriebene Muskatnuss ver­längert die
Transportzeit im Darm. Zimt z. B. in Gebäck oder auch Tee verzögert die Darmtätigkeit.
Wenn nötig, kann bei starken Beschwerden der Einsatz von Kaffeekohle z. B.
(Myrrhinil Intest® s. u.) hilfreich sein.
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1
2 Hilfe und Tipps bei akutem Durchfall oder Magen- und Darminfekt:
(siehe hierzu auch die Empfehlungen von Dr. Schreiber-Weber auf Seite 46/47)
Pflanzliche Präparate
Tipp !
MYRRHINIL-lNTEST® – ein Pflanzencocktail aus Kamillen­blüten, Myrrhe und ­Kaffee­kohle.
Kamille
Myrrhe
Kaffeekohle
Die echte Kamille (lat. Matricaria chamomilla) – als Extrakt besonders wertvoll – ist die
weltweit am häufigsten verwendete Heilpflanze. Sie wirkt antibakteriell, entzündungshem­
mend und wundheilungsfördernd. Sie löst Krämpfe, entbläht und schützt vor Magen­
geschwüren.
Doch der beim Verbraucher so beliebte Kamillentee zeigt bei Magen-Darm-Erkran­
kungen nur eine unbefriedigende therapeutische Wirkung. Denn bei der Teezubereitung
gehen wertvolle fettlösliche Inhaltsstoffe nur in unzureichender Menge in den Tee über.
Zahlreiche Untersuchungen belegen aber, dass die gute Wirksamkeit und das breite
­Wirkungsspektrum der Kamille auf dem Zusammenwirken von fett- und wasserlöslichen
Inhaltsstoffen beruhen.
Um die therapeutischen Eigenschaften der Kamille optimal zu nutzen, ist ein mit einer
Alkohol-Wasser-Mischung hergestellter Trockenextrakt erforderlich.
Die Myrrhe (lat. Commiphora myrrha) gehört zu den ältesten Heilmitteln der Mensch­
heit und wurde schon von Hippokrates verwendet.
In der Medizin des Mittelalters finden sich erste Hinweise auf die Anwendung bei
entzündlichen Darmerkrankungen. Hier wird die Myrrhe als Mittel bei „Verschleimung“ von
Magen und Darm empfohlen. Myrrhe besteht aus dem an der Luft gehärteten Gummiharz,
das aus verschiedenen Myrrhebaum-Arten durch Anschneiden der Stämme und Zweige
gewonnen wird.
Wichtige Inhaltsstoffe sind das ätherische Öl, Harz sowie Bitter- und Gerbstoffe.
­Myrrhe ist adstringierend, das heißt sie deckt wie ein Schutzfilm die Schleimhaut ab.
Darüber hinaus wirkt sie desinfizierend, regenerierend und schützt vor ­Pilzinfektionen
(antimykotische Wirkung).
Im Harz der Myrrhe konnten außerdem so genannte Triterpensäuren isoliert werden,
die stark entzündungshemmende Effekte aufweisen.
Kaffeekohle (lat. Coffeae carbo) ist eine Pflanzenkohle, die durch Rösten und an­
schließendes Vermahlen der grünen, getrockneten Früchte verschiedener Kaffee-Arten
hergestellt wird.
Als Anwendungsgebiete sind Durchfallerkrankungen und die lokale Therapie leichter
Entzündungen der Schleimhäute bekannt.
Kaffeekohle zeichnet sich durch adstringierende („zusammenziehende“), absor­
bierende („aufsaugende“), antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften
aus. Der absorbierende Effekt ist durch die große Oberfläche der Kaffeekohle bedingt.
­Dadurch können schädliche Stoffe gebunden und ausgeschieden werden. Der „abdicht­
ende“, adstringierende Effekt führt darüber hinaus zu einer Verminderung der Flüssig­
keitsbildung im Darm.
(Quelle: Broschüre: „Aus dem Schatz der Natur – Pflanzliche Hilfe bei Darmerkrankungen“; Biologische Arzneimittel Repha)
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3 „Vorbeugen ist besser als Heilen“
Tipps von Betroffenen aus der Selbsthilfegruppe
Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen bei CED und Reizdarm
Grundregel für eine „gesunde“ Verdauung:
Gut essen heißt:
Essen mit genügend Zeit und Genuss, gut kauen. Liebe­
voll ­dekorierte Teller – nicht nur für Kinder („das Auge isst
auch mit“) und gemeinsames Essen am Tisch in Ruhe,
ohne Fernseher oder Diskussion um schlechte Noten oder
eine verhauene Mathematikarbeit.
Unser Darm dankt es uns!
Gesund ernährt bedeutet:
Reichlich frisches Gemüse und Salat, Kartoffeln und Obst
– schonend zubereitet – sollten täglich auf dem Spei­
seplan stehen. Gemüse und Obst sollten nicht zu spät
abends – vor allem nicht roh – gegessen werden, da es
sonst zu Gärungsprozessen im Darm und Beschwerden
kommt. Die Nachtruhe ist dann auch gestört.
Industriell hergestellte Nahrungsmittel sollten gemieden werden (sie enthalten häufig
Lebensmittelzusatzstoffe).
Sinnvoll und ratsam ist, nur wenig (rotes) Fleisch, wenig Wurst, wenig Fett und fett­
reiche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Außerdem ist es ratsam, wenig Süßes und würzig
aber nicht salzig, besser Kräuter zur Geschmacksverbesserung zu essen. Öfters kleine
und nicht zu spät eingenommene Mahlzeiten sind empfehlenswert.
Zuckerreiche Limonaden und künstliche Fruchtsaftgetränke sollten gemieden werden
(Diese enthalten nur einen minimalen Fruchtanteil, der Rest sind Aroma, Zucker, Konser­
vierungsstoffe).
Nicht gut ist: zu viel tierisches Eiweiß, zu viel tierisches Fett und zu viel Zucker
­belasten die Verdauung des (empfindlichen) Darmes.
Der kleine Vitaminräuber – Zucker
Zu viel ist ungesund. Das gilt auch für den Zucker. Zu viel Zucker ist nicht gut für unsere
Zähne und vor allem auch schädlich für die Darmflora:
Zuckergehalt einiger (fertiger) Nahrungsmittel
In 300 g Ketchup = 68 g Zucker / 34 g Fruchtzucker
1 Becher Kinderjoghurt = 18 g Zucker / 9 g Fruchtzucker
1 Dose Cola = 36 g Zucker / 18 g Fruchtzucker
1 Glas Rotkohl
= 75 g Zucker / 37,5 g Fruchtzucker
1 Dose Ananas = 83 g Zucker / 41,5 g Fruchtzucker
Merke:
ucker führt zu Blähungen und somit schneller wieder zu Magen- und Darmproblemen
Z
oder Durchfall.
11
1
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen bei CED und Reizdarm
Häufig begleiten Unverträglichkeitsreaktionen und gelegentlich Allergien Chronisch-­
entzündliche Darmerkrankungen, den Reizdarm oder die Zöliakie.
Lebensmittelzusatzstoffe
Was macht unsere Nahrung so „allergen“?
Fertiggerichte/Fertigprodukte / Fertiggebäck enthalten recht häufig (chemische) Zu­
satzstoffe, die den Verdauungstrakt und das Immunsystem sensibilisieren. Menschen
mit empfindlichem Verdauungssystem und Allergiker sollten solche Produkte wirklich nur
­selten zu sich nehmen
Tabelle (häufig) verwendeter Lebensmittelzusatzstoffe:
E 107 – Gelb 2G (Farbstoff)
E 407 – Carageen (z. B. in Kinderfertigpuddings)
E 128 – Rot 2G (Farbstoff)
E 410 – Johannisbrotkernmehl (wirkt abführend)
E 131 – Patentblau V (Farbstoff)
E 420 – Sorbit / E 421-Mannit (wirken abführend)
E 210 – Benzoesäure
E 450a – Natrium- und Kaliumdiphosphate
E 211 – Natriumbenzoat
E 621 – Natriumglutamat
E 214 – p-HydroxybenzoeSäureethylester
E 620 – ­Glutaminsäure,
E 622 – Kaliumglutamat,
E 220 – Schwefeldioxid
E 905 – Paraffinöl (wirkt abführend)
E 221 – Natriumsulfit
E 413 – Traganth, E 415 – Xanthan
E 250 – Natriumnitrat
E 343 – Magnesiumorthophosphate
(Emulgator/Stabilisator)
E 414 – Gummi arabicum
Merke: Emulgator/Stabilisator z. B. in Puddings,
Margarine, Salatdressings
(Quelle: unbekannt. Die ausführliche Tabelle „E-Nummern” ist über die SHG Morbus Crohn/Colitis ulcerosa mit f­rankiertem
1,45 e Briefumschlag plus 0,55 e in Form von Briefmarken für Kopien erhältlich.)
4.1 Laktoseintoleranz
kommt bei Chonisch-entzündlichen Darmerkrankungen und beim R
­ eizdarm häufiger
vor. Bei Laktoseintoleranz (auch als Milchzuckerunverträglichkeit, Kohlenhydratmalab­
sorption, Laktosemalabsorption, Laktasemangelsyndrom oder Alaktasie bezeichnet, ca.
10 – 12 Mio. Menschen leiden in Deutschland daran) wird der mit der Nahrung aufgenom­
mene Milchzucker (Laktose, ein Doppelzucker aus Glukose und Galaktose), als Folge von
fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase, unvollständig
verdaut. Die Folgen sind Blähungen, Durchfälle, Schmerzen und (schwere) Magen- und
Darm­beschwerden.
Alternativen zu (Kuh-)Milch:
Sojamilch, Minus L(Laktose)-Produkte (Milch, Sahne, Käse usw.), Reismilch,
Schweden­milch, Schafs- und Ziegenmilchprodukte (guter Kalziumgehalt) – Schafsmilch­
schokolade (www.schafschoki.de) – Produkte aus Büffelmilch usw.
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4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Vorsicht !
Milchpulver ist versteckt in Wurst, Süßigkeiten, Schokolade, Gebäck, Pizza, Eis,
Medikamenten (die darin enthaltene Laktosemenge ist jedoch vernachlässigbar gering),
Fertig­soßenpulver, Puddingpulver, Fertiggerichten usw.!
Laktosegehalt ausgewählter Lebensmittel (alphabetisch gelistet)
Lebensmittel
g Laktose / 100 g
Butter
0,6 – 0,7
Buttermilch
3,5 – 4,0
Butterschmalz0
Creme fraiche, Creme double
2,0 – 4,5
Desserts, Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis
3,3 - 6,3
Dickmilch
3,7 – 5,3
Eiscreme
3,5 – 4,3
Frischkäsezubereitungen (10-70 % Fett i.Tr.)
2,0 – 3,8
Frischmilch (H-Milch)
4,8 – 5,0
Frucht-Dickmilch
3,2 – 4,4
Hart-,Schnitt-und Weichkäse
laktosefrei bzw. geringe Mengen
1
Hüttenkäse2,6
Joghurt
3,7 – 5,6
Joghurtzubereitungen
3,5 – 6,0
Kaffeesahne (10 – 15 %Fett)
3,8 – 4,0
Kefir 3,5 – 6,0
Kochkäse (0-45% Fett i.Tr.)
3,2 – 3,9
Kondensmilch (4 - 10% Fett i.Tr.)
9,3 – 12,5
Magerquark4,1
Milchpulver
38,0 – 51,5
Molke, Molkegetränke
2,0 – 5,2
Quark (10 – 70 % Fett i.Tr.)
2,0 – 3,8
Rahm- und Doppelrahmfrischkäse
3,4 – 4,0
Sahne, Rahm (süß, sauer) 2,9 – 3,6
Sahneeis1,9
Schichtkäse (10 – 50 % Fett i.Tr.)
2,9 - 3,8
Schmelzkäse (10 -70 % Fett i.Tr.)
2,8 – 6,3
(Quelle: unbekannt – Kopie Tabelle/Bericht aus der SHG: der ausführlichen Bericht zu „Laktoseintoleranz” ist erhältlich über
die SHG Morbus Crohn/Colitis ulcerosa mit frankiertem 1,45 e Briefumschlag plus 0,55 e in Form von Briefmarken
für Kopien oder per Mail.)
13
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Tipp !
Bestimmte „gute“, probiotische Bakterien können auch bei der Laktoseintoleranz
für Abhilfe sorgen: sie produzieren das fehlende Laktase-Enzym und tragen damit maß­
geblich zur besseren Verträglichkeit dieses Zuckers bei. Diese probiotische Wirkung wird
beispielsweise deutlich bei Sauermilchprodukten (Joghurts mit lebenden Keimen, Kefir,
Buttermilch), die besser vertragen werden als die Milch selbst. Wichtig ist eine ausrei­
chend hohe Keimzahl, die auch am Ort des Geschehens – im Darm – ankommen muss.
Dies ist bei probiotischen Nahrungsmitteln nicht gewährleistet. Um gezielt zu behandeln,
empfiehlt sich die Gabe gut untersuchter und kontrollierter lebender Mikroorganismen,
die in probiotischen Arzneimitteln enthalten sind – wie L
­ aktobazillen (z. B. Paidoflor®)
oder auch E. coli Nissle 1917 (Mutaflor®) – die idealen Helfer bei der Laktose-­Verdauung.
Die im Darm von den Probiotika erzeugte ­Laktase verstoffwechselt den Milchzucker.
­Blähungen, Durchfälle und Beschwerden werden verhindert.
4.2 Fruktoseintoleranz
Neben der Laktoseintoleranz spielt oft (in 60% der Fälle)
auch die Fruktoseunverträglichkeit (= Fruktosein­toleranz,
Fruktose = Fruchtzucker) allein oder in Kombination mit
der Milchzucker­un­verträglichkeit eine maßgebliche Rolle.
Das häufige Zusammentreffen von Fruktose- und Lakto­
seintoleranz beruht vermutlich mehr auf einer generellen
Störung des Darms bzw. unzureichenden Verdauungsund Stoffwechselprozessen als auf Transport­
störungen
des Darms. Die Bedeutung der Fruktoseintoleranz nimmt
immer mehr zu, da sich die Menge an Fruktose in unse­
ren Lebensmitteln in den letzten Jahren dramatisch erhöht
hat. Vor allem durch den Zusatz künstlicher Süßungsmittel
nimmt die Belastung zu (s. u. ausführliche Tab. Glukoseund Fruktosegehalt in Lebensmitteln).
Damit haben die Betroffenen bei Laktoseintoleranz Probleme beim Konsum von Milch
und Milchprodukten, bei Fruktoseintoleranz sind dann auch noch so gesunde Lebens­
mittel wie Obst und Gemüse oder andererseits „Diät“- und „Light-Produkte“ (mit Zucker­
austauschstoffen wie Mannit oder Sorbit), in Nahrungsergänzungsmitteln wie Präbiotika
in Form der Oligofructose oder auch in Lactulose (Abführmittel) unverträglich und der
Verzehr von unangenehmen Symptomen begleitet.
Nicht zu vergessen ist auch der „normale“ Haushaltszucker, der u. a. Fruktose e
­ nthält
(50 g pro 100 g Zucker). Wichtig: Alle Süßigkeiten (Schokolade; Pralinen, u.s.w.) enthalten
verhältnismäßig viel Fruchtzucker.
Bei einer Fruktoseintoleranz ist häufig die Fettverträglichkeit etwas eingeschränkt.
Tipp ! Kalt gepresste Öle sind besser verträglich als Lebensmittel in heißen Fett oder Öl.
Öl also nach dem garen kurz vor dem Servieren der Speise zufügen.
Als Ursache für die Fruktoseintoleranz wird eine Kombination aus Fruktosemal­
absorption (unzureichende Aufnahme der Fruktose aus dem Speisebrei, so dass mehr
Fruktose in den Dickdarm gelangt als abgebaut werden kann) und einer gleichzeitig
bestehenden funktionellen Darmstörung angenommen. Die funktionelle Darmstörung –
meist das sog. Reizdarmsyndrom – ist mit einer gestörten Funktion der Transport-Eiweiße
verbunden und führt dazu, dass die in den Dickdarm gelangte Fruktose unangenehme
Symptome wie Blähungen, Durchfall oder Schmerzen hervorruft, d. h. dieser Teil der Fruk­
tose unverträglich wird. Die Belastungsgrenze für Kohlenhydrate wie Fruktose, die im
Dickdarm noch verarbeitet werden kann, liegt bei ca. 20 – 30 g. Meist treten die Beschwer­
14
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
den 30 Minuten (bis zu 2 Stunden) nach dem Verzehr der
entsprechenden Lebensmittel auf. Der Fruchtzucker (Fruk­
tose) ist ein Einfachzucker und wird erst nach Aufnahme
über die Darmschleimhaut bzw. mit Hilfe entsprechender
Transportproteine verdaut und abgebaut.
Da aber vor allem die Schleimhaut des Darms beson­
ders anfällig und empfindlich reagiert, außerdem oft durch
Medikamente wie Antibiotika, durch Fremdkeime oder
Strahlen geschädigt wird, sind diese Transportenzyme in der Darmwand oft nicht (mehr)
funktionstüchtig. Fehlt die Aufspaltung, gelangt die Fruktose in die unteren Darmabschnit­
te, wird nicht (ausreichend) verstoffwechselt und der „überschüssige“ Fruchtzucker von
den Darmbewohnern im Dickdarm vergoren. Dabei entstehen Säuren und „unangeneh­
me“ Gase wie Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid, die für die Blähungen und den ge­
legentlich auftretenden Durchfall verantwortlich sind. Diese im Darm entstandenen Gase
entweichen nicht nur über den After, sondern werden auch abgeatmet. Darauf beruht der
diagnostische Wasserstoff-Atemgastest, mit dessen Hilfe eine Laktose- bzw. Frukto­
seintoleranz nachgewiesen werden kann. Erhöhte Wasserstoffwerte in der ausgeatmeten
Luft werden als Hinweis auf eine Milch- bzw. Fruchtzuckerunverträglichkeit gewertet. In­
zwischen gibt es auch genetische Tests, die ererbte Zuckerunverträglichkeiten nachwei­
sen können.
Fruktose- und Laktoseunverträglichkeiten treten häufig dann auf, wenn sich diese im
Gefolge von (entzündlichen) Darmerkrankungen (wie z. B. Zöliakie (Glutenunverträglich­
keit), Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auf Basis einer gestörten Darmflora und einer
„geschwächten“, vermehrt durchlässigen Darmbarriere, einstellen. Zu beachten ist auch,
dass durch diese Unverträglichkeit gegenüber Fruktose (oder auch Laktose) bei Verzehr
entsprechender Lebensmittel durch weitere Schädigung der Darmschleimhaut und der
Mikroökologie im Darm ein akuter Schub der chronisch entzündlichen D
­ armerkrankungen
oder auch erhöhte Anfälligkeit für (infektiöse) Darmentzündungen ausgelöst werden kann.
Medikamente werden bei Malabsorption schlechter resorbiert, die Wirksamkeit ist
nicht gewährleistet. Ein Teufelskreis !
Behandlung: neben der generellen Vermeidung von Lebensmitteln, die Fruktose (bei
gleichzeitiger Laktoseintoleranz Laktose) enthalten, sollte auf eine ausreichende Dauer
der Abstinenz – 6-8 Wochen – geachtet werden. Probiotische Keime bieten als „Helfer in
der Not“ Hilfe zur Selbsthilfe. Die fleißigen „guten“ Bakterien – die sog. Probiotika – kön­
nen nicht nur bei Laktoseintoleranz, sondern auch bei Fruktoseintoleranz Abhilfe schaffen:
sie stärken die Abwehrkräfte gegen Entzündungen, stabilisieren die Darmbarriere und vor
allem sie produzieren das fehlende Enzym, das den Zucker abbaut (z. B. Laktase), und
tragen so zur besseren Verträglichkeit dieses Zuckers bei.
Achtung ! Bei Patienten mit Fruktoseintoleranz, die weiter Fruktose zu sich nehmen,
kann sich die Darmflora und damit die Aufnahmefähigkeit von Dünn- und Dickdarm weiter
verschlechtern, es kann zu Reizmagen oder Reizdarm kommen. Eine Fruktoseaufnahme­
störung ist häufig von weiteren Resorptionsstörungen begleitet. Mangel an Folsäure, Zink
oder der essenziellen Aminosäure (die nicht selbst vom Körper gebildet werden kann,
sondern mit der Nahrung aufgenommen werden muss), sind die Folge. Tryptophan- bzw.
Serotonin- (= Stoffwechselprodukt des Tryptophans)-Mangelzustände beeinflussen das
seelische Wohlbefinden, es kann zu Depressionen und weiteren Verdauungsbeschwerden
kommen. Ein Mangel an diesen Stoffen muss daher ausgeglichen werden (Tryptophan wie
z. B. in Ardeytropin®).
15
1
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Klinische Untersuchungen haben ergeben, dass nach Laktose- und/oder Fruktose-­
Konsum unter Anwendung von probiotischen Keimen deutlich weniger Gase (Nachweis
mit Wasserstoff-Atemtest) gebildet werden. Dies wird als Zeichen einer besseren Ver­
träglichkeit gewertet. Wichtig ist, dass diese mikrobiologischen Zubereitungen Laktoseund Fruktose-frei hergestellt werden und eine ausreichend hohe Zahl an Lebendkeimen
enthalten (wie z. B. Mutaflor® von Ardeypharm). Nach Behandlung mit darmwirksamen
probiotischen Arzneimitteln kann sogar ein Verschwinden der enzymatisch bedingten
Nahrungsmittelintoleranz beobachtet werden.
Übersicht über Gukose- und Fruktosegehalt verschiedener Lebensmittel
Lebensmittel 100 g
Glukose
Fruktose
Ananas
Apfel
Apfel getrocknet
Apfelgelee
Apfelmus
Apfelsaft
Aprikose (Marille)
Aprikosen getrocknet
Artischocke
Aubergine
Avocado
Bambussprossen
Banane
(keine überreifen – Histamin)
Batate
Bier alkoholfrei
Birne
Blaukraut
Blumenkohl
Bohnen grün
Broccoli
Brombeere
Brombeermarmelade
Champignons (enthält Mannit)
Chicoree
Chinakohl
Dattel getrocknet
Ei
Eiklar
Endiviensalat
Erbse Schote und Samen
2,1300
2,0300
9,8000
26,1000
4,2000
2,4000
1,7300
9,6900
0,7600
1,0400
0,1000
0,3500
2,4400
0,9
5,74000,51000,4
27,3000
2,4900
0,4
27,1000
1,0
7,5000
0,6
6,40000,56000,4
0,87000,82002,0
4,88004,60002,0
1,7300
0,4
1,0300
1,0
0,2000
0,5
0,4100
0,9
3,5500
0,7900
0,3000
1,6700
1,6800
0,9550
0,9600
1,0700
2,9600
22,0000
0,2050
1,2800
0,6500
25,0200
0,3400
0,4100
0,4850
0,0900
3,4000
1,0
0,6600
1,2
0,30000,20001,0
6,73002,17000,2
1,2800
1,3
0,8950
1,1
1,3100
0,7
1,1000
1,0
3,1100
1,0
20,1000
1,1
0,2150
1,0
0,7150
1,8
0,5100
1,3
24,9200
1,3500
1,0
0,0000
0,0000
0,6000
0,8
0,0650
1,4
16
SorbitVerhältnis
Gluko./Frukt.
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Übersicht über Gukose- und Fruktosegehalt verschiedener Lebensmittel
Lebensmittel 100 g
Glukose
Erdbeere
2,1700
Erdbeermarmelade
21,9200
Feige getrocknet
25,7000
Feldsalat (Vogerlsalat)
0,3900
Fenchel
1,2600
Gerste
0,1000
Grahambrot
1,0000
Granatapfel
7,2000
Grapefruit
2,3800
Grapefruitsaft
4,3000
Grapefruitsaft frisch
2,4000
Grünkohl
0,6200
Gurke
0,8950
Hagebutte
7,3000
Hagebuttenmarmelade
12,2000
Heidelbeere (enthält Xylit)
2,4700
Heidelbeermarmelade
22,4000
Himbeere
1,7900
Himbeergelee
18,8000
Himbeermarmelade
16,5400
Himbeersaft
2,4000
Honig
33,9000
Honigmelone
1,6000
Johannesbeernektar schwarz
4,5500
Johannisbeere rot
2,0100
Johannisbeere schwarz
2,3500
Johannisbeere weiß
3,1000
Kaki
7,0000
Kaktusfeige
6,5000
Karotte, Möhre
1,4000
Kartoffel
0,2400
Kichererbse
0,0900
Kirsche (sauer)
5,1800
Kirsche (süß)
6,9300
Kirschmarmelade
27,8400
Kiwi
4,3200
Kohlrabi
1,3900
Kohlrübe
0,3000
Fruktose
SorbitVerhältnis
Gluko./Frukt.
2,30000,0300 0,9
18,6600
1,2
23,5000
1,1
0,2300
1,7
1,0600
1,2
0,1000
1,0
0,7400
1,4
7,9000
0,9
2,1000
1,1
4,2000
1,0
2,3000
1,0
0,9200
0,7
0,8650
1,0
7,3000
1,0
8,9000
1,4
3,3500
0,0040 0,7
19,9000
1,1
2,05000,0090 0,9
18,2000
1,0
13,8000
1,2
3,0800
0,8
38,8000
0,9
1,3000
1,2
4,65000,0200 1,0
2,4900
0,8
3,0700
0,8
3,0000
1,0
8,0000
0,9
0,6000
10,8
1,3100
1,1
0,1700
1,4
0,0900
1,0
4,2800
1,2
6,1400
1,1
21,6800
1,3
4,6000
0,9
1,2300
1,1
0,5500
0,5
1
17
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Übersicht über Gukose- und Fruktosegehalt verschiedener Lebensmittel
Lebensmittel 100 g
Glukose
Kopfsalat
Kren (Meerrettich)
Kürbis
Limabohne, Butterbohne,
Lauch, Porree
Limetten
Löwenzahnblätter
Litchi
Mais
Mandarine
Mandarinensaft frisch
Mango
Mangold
Marille (Aprikose)
Marillen getrocknet
Marillenmarmelade
Meerrettich (Kren)
Mirabelle
Möhre (Karotte)
Okra
Orange
Orangenmarmelade
Orangensaft
Orangensaft frisch
Papaya
Paprikaschote (grün)
Pastinake
Petersilie Blatt
Petersilie Wurzel
Pfifferling, Eierschwamm
Pfirsich
Pfirsich getrocknet
Pflaume
Pflaume getrocknet
Pflaumenmus
Preiselbeere
Preiselbeeren in Dosen
Radieschen
0,4100
0,5300
0,8
1,4000
0,1300
10,8
1,5100
1,3200
1,1
0,0700
0,5000
0,1
1,0000
1,2300
0,8
0,8000
0,8000
1,0
1,2700
0,5550
2,3
5,0000
3,2000
1,6
0,1000
0,0900
1,1
1,7000
1,3000
1,3
1,5500
3,0200
0,5
0,8500
2,6000
0,3
0,2100
0,2700
0,8
1,7300 0,87000,8200 2,0
9,6900 4,88004,6000 2,0
17,3600
13,4600
1,3
1,4000
0,1300
10,8
5,1000
4,3000
1,2
1,4000
1,3100
1,1
0,7000
0,8000
0,9
2,2000
2,5000
0,9
17,4000
15,3500
1,1
2,5000
2,6000
1,0
2,3000
2,8000
0,8
0,9900
0,3300
3,0
1,3800
1,2500
1,1
0,2450
0,2550
1,0
0,5300
0,3200
1,7
0,5600
0,6600
0,8
0,0950
0,0700
1,4
1,0300 1,23000,8900 0,8
6,1900 7,39005,3300 0,8
3,3600 2,01001,4000 1,7
15,6700 9,37006,5700 1,7
17,7000
16,2400
1,1
3,0300
2,9300
1,0
20,9000
20,5500
1,0
1,2900
0,7150
1,8
18
Fruktose
SorbitVerhältnis
Gluko./Frukt.
4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Übersicht über Gukose- und Fruktosegehalt verschiedener Lebensmittel
Lebensmittel 100 g
Glukose
Fruktose
SorbitVerhältnis
Gluko./Frukt.
Rettich
Rhabarber
Roggen Korn
Rosenkohl
Rosine
Rote Rübe
Sauerkirschsaft
Sauerkraut
1,1600
0,4050
0,0500
0,8800
31,2000
0,2750
6,5000
0,6000
0,3900
0,0500
0,7900
31,60000,8500
0,2500
5,3000
(verträgt nicht jeder!)
Sellerieknolle
schwarzer Tee
Schwarzwurzel (enthält Mannit)
Spargel
Spargel in Dosen
Spinat
Stachelbeere
Steinpilz
Tomate
Tomaten (Dose)
Tomatensaft
Trauben
Traubensaft
Wassermelone
weiße Rübe
Weißkohl
Weißwein
Weizen Korn
Weizenkeime
Weizenkleie
Weizenmehl T 405
Weizenmehl T 630
Weizenmehl T 812
Weizenmischbrot
Wirsingkohl
Zitrone
Zitronensaft
Zucchini
Zuckermais
Zwiebel
0,4200
0,0000
0,0000
0,0190
0,8050
0,3800
0,1400
3,0200
0,2700
1,0800
1,2000
1,3100
7,1800
8,1000
2,0200
1,9200
2,0400
0,3800
0,7000
1,0900
1,4000
1,0000
1,0000
0,6200
1,6300
0,2000
2,1
0,1000
2,1
0,7000
0,0
0,0800
0,2
0,9950
0,8
0,5700
0,7
0,1250
1,1
3,3300
0,9
0,2600
1,0
1,3600
0,8
1,2500
1,0
1,5100
0,9
7,44000,20001,0
8,3000
1,0
3,9200
0,5
1,5100
1,3
1,7600
1,2
0,4100
0,9
0,0400
0,0
0,5000
1,4
0,0500
0,0
0,0200
0,0
0,0300
0,0
0,0300
0,0
0,4200
0,0
1,1100
1,0
1,3500
1,0
1,0300
1,0
1,1000
0,9
0,3750
1,7
1,3400
1,2
1,9
1,0
1,0
1,1
1,0
1,1
1,2
1
Vorsicht: In 100 g Haushaltszucker sind 50 g Fruktose enthalten ! !
19
5 Der Mensch ist, was er isst
5.1 Brot, Getreide
Zu viel und zu frisches Brot belastet die Verdauung.
Sehr feines Dinkel(vollkorn)brot ist gut verträglich und hat
mehr Mineralstoffe und Spurenelemente als z. B. Weizen­
brot.
Der Weizen löst häufiger Allergien (s. u. Zöliakie/Sprue)
aus als das Dinkelkorn – auch hier heißt es, ausprobieren.
Mit feinem Dinkelmehl oder Dinkelvollkornmehl lassen sich
sehr gut leckere Plätzchen backen.
Während eines leichten Krankheitsschubs empfiehlt es sich (fein geschrotetes)
­ inkelkorn oder Dinkelflocken, Hirse oder Buchweizen z. B. wie Reis zu verwenden z. B.
D
bei Gemüse­gerichten, Aufläufen oder in Eintöpfen.
Basisch wirkende Kartoffeln (z. B. bei Übersäuerung wie Sodbrennen) und gegarte
Möhren sind u. U. abends leichter verdaulich und besser verträglich als das Käsebrot.
Bei starken Blähungen, Unwohlsein und Bauchschmerzen ist leichtes (trockenes)
­Knäckebrot oder Zwieback besser als frisches Brot.
Alternativen zu den üblichen Mehlen: Hirse, Buchweizen, Amaranth, Kokosmehl usw.
Hirsevollkornmehl (Gluten-frei)
Ernährungsphysiologische Vorteile von Hirse:
Hirse nimmt eine wichtige Stellung in der Vollwertkü­
che ein. Da es frei von Gluten ist, kommen seine vielen
gesunden Inhaltsstoffe auch Zöliakie-/Sprue-Erkrankten
zugute. Hirse ist besonders reich an B-Vitaminen (B1, B2,
B6 und B17), ­Kalium, Kieselsäure, Magnesium, Fluor, Zink,
Eisen, Silizium. Hirse ist der Vitalstoff für Haut und Haare.
Hirse ist eiweißreich und seine vielen Nährstoffe lassen sich
vom Körper besonders leicht aufnehmen. Hirse ist somit
eine gesunde und gut verträgliche Alternative zu Weizen. Im Handel gibt es Hirse (z. B. für
Couscous), Hirsevollkornmehl und Hirseflocken. Hirse gibt es auch als Babybrei (Salz-,
Milch- und Zucker-frei) für Babys mit Allergien oder für CED-Betroffene im akuten Schub
ihrer Erkrankung.
Buchweizen (nicht nur) in der Gluten-freien Ernährung
Buchweizen gehört zur Familie der Gräser, ist ein Knö­
terichgewächs und botanisch mit Weizen nicht verwandt.
Buchweizen enthält kein Gluten.
Durch seine sonstigen Inhaltsstoffe eignet es sich
aber durchaus als Getreideersatz. Er ist reich an wertvollen
Nährstoffen, essentiellen Aminosäuren sowie Rutin, Kalium,
Eisen, Zink, B-Vitamine und B
­ allaststoffe. Buchweizenmehl
lässt sich auch in der Gluten-freien Küche äußerst vielseitig
verwenden. Es eignet sich zur Herstellung verschiedener
Gluten-freier Backwaren und Speisen, wie Brot, Brötchen, Waffeln, Blinis oder Nudelteig.
Statt Reis oder Nudeln kann eine Gemüsepfanne oder ein Eintopf mit Buchweizengrütze
oder ganzen Buchweizenkörnern angereichert werden.
20
5 Der Mensch ist, was er isst
Reines Kokosmehl
Kokosmehl ist Gluten-frei, ballaststoffreich, kohlen­
hydratarm (259kcal/100 g). Es wird aus dem Presskuchen
frischer Kokosnüsse nach der Gewinnung des Kokosöls
(natives Kokosöl, Virgin Coconut Oil = VCO) gewonnen.
Es enthält mit 38 % ausgesprochen viele leicht verdau­
liche Ballaststoffe, ist Gluten-frei und somit für Allergiker
und Diabetiker eine echte Alternative, da es auch knapp
20 % wertvolles Eiweiß enthält.
Kokosmehl eignet sich als 10 – 25 %-iger Ersatz von
­anderen Mehlen in herkömmlichen Backrezepten, oder zu 100 % für Gluten-freie Back­
waren in modifizierten Rezepten.
Da Kokosmehl eine natürlich Süße enthält, kann beim Backen Zucker eingespart wer­
den. Außerdem eignet es sich vorzüglich als Sahneersatz zum Binden von Soßen und
Curries, als Zusatz beim Backen mit anderen Gluten-freien Mehlen. Daneben ist es eine
gesunde Ballaststoffquelle als Zusatz zu Joghurt, Müsli, in Shakes, Smoothies, Dips und
natürlich für die asiatische Küche.
Vorsicht Gluten! Zöliakie / Sprue – Glutenunverträglichkeit
Tipp !
Bei Zöliakie oder Sprue oder Allergie auf übliches Getreide auf Gluten-haltige Lebens­
mittel verzichten!
Ursache und Folgen
Zöliakie und Sprue sind zwei Bezeichnungen für ein und dieselbe Erkrankung: tritt
sie im Kindes­alter auf, heißt sie Zöliakie, wird sie erst im Erwachsenenalter erkenn­
bar, spricht man von (einheimischer) Sprue. Ursache für diese Erkrankung des Dünn­
darms ist eine Unverträglichkeit des Organismus auf das Klebereiweiß „Gluten“, eine
toxisch-­allergische Reaktion des Körpers. Gluten kommt in den Getreidesorten Weizen,
Roggen, Gerste und Hafer vor. Als einer der wichtigsten in diesen Getreidesorten ent­
haltenen ­Eiweißstoff gilt das Gliadin, das u. a. Auslöser für die Glutenunverträglichkeit
ist. Normalerweise wird im Dünndarm die Nahrung aufgespalten und die einzelnen Nah­
rungsbestandteile über die Darmschleimhaut aufgenommen (resorbiert). Um dafür eine
genügend große Oberfläche zu schaffen, ist der Darm mit vielen Schleimhautfältchen,
den sog. Zotten ausgestattet. Bei der Zöliakie bilden sich diese Zotten zurück, die Dünn­
darmschleimhaut flacht ab und die aufnahmefähige Oberfläche des Darmes verkleinert
sich. Bei andauernder Gluten­belastung wird der Oberflächenverlust so groß, dass nicht
mehr genügend Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden können und Mangelerschei­
nungen auftreten.
Oft sind bei Diagnosestellung bereits keine Zotten mehr vorhanden. Folgen sind Gewichtsverlust, Anämie aufgrund eines Mangels an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure, die
normalerweise im Dünndarm aufgenommen werden sowie Krämpfe, die aufgrund unzurei­
chender Kalzium- und Magnesiumzufuhr entstehen. Infolge eines Vitamin-K-Mangels kann
die Blutgerinnung gestört sein. Wird die Krankheit nicht erkannt und die Ernährung nicht
umgestellt, können sich langfristig bösartige Tumore im Magen- und Darmbereich bilden.
Eine erbliche Veranlagung ist Voraussetzung für die Entwicklung der Zöliakie /
Sprue. Wichtige Symptome für eine Zöliakie sind Durchfall, ein vorgewölbter, geblähter
Unterbauch, Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Wachstumsstörungen und
­
21
1
5 Der Mensch ist, was er isst
­unterentwickelte Muskeln. Eine erstmals im Erwachsenenalter aufgetretene Sprue zeigt
oft nicht solch eindeutige Symptome und ist oft schwer erkennbar. Häufige Begleiterkran­
kungen der Glutenunverträglichkeit sind Anämien, Diabetes mellitus Typ I, Osteoporose
und Epilepsie.
Die beste Therapie ist der strenge Verzicht auf alle Gluten-haltige Nahrungsmittel
(z. B. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Dinkel, Kamut, Einkorn, Urkorn, Emer).
­Vorsicht auch bei Fertigprodukten, die oft Mehl, Weizenstärke, Weizenkleie oder auch
direkt Gluten enthalten wie Kroketten, Wurstwaren, Eiscreme und Süßigkeiten). Medika­
mente gegen Gluten-Unverträglichkeit gibt es nicht.
Gluten-freie Getreidesorten sind Mais, Hirse, Buchweizen, Reis, Quinoa, Ess­
kastanien, Bananen- und Speisehanfmehl sowie Amaranth. Diese Nahrungsmittel
­dienen als Getreide­ersatz, aus dem Brot, Nudeln, Kuchen und Süßigkeiten hergestellt
werden können. Weiterhin vertragen Betroffene Lebensmittel wie Milch (wenn keine Lak­
tose-Unverträglichkeit vorliegt), Naturjoghurt, Quark, Dickmilch, Sahne, Schnitt- und
Weichkäse, Öl, Margarine, Butter, Fleisch, Fisch, Eier, Obst, Gemüse, Tofu und Kartoffeln
– solange sie nicht industriell bearbeitet sind.
Sicher können Betroffene nur sein, wenn Produkte das Symbol der durchgestrichenen Ähre zeigen, also definitiv Gluten-frei sind. Gluten-freie Ernährung muss lebenslang
durchgeführt werden, so können sich die Darmzotten wieder neu bilden und ihrer Funktion
gerecht werden.
Aber Achtung ! Gluten-frei heißt Gluten-frei und nicht Gluten-arm. Selbst kleinste
Verun­
reinigungen mit Gluten können Beschwerden verursachen und die Dünndarm­
schleimhaut schädigen! Wichtig ist es, dass Gluten-freie Produkte auch gesondert ge­
lagert und in getrennten Räumen mit speziellen Maschinen verarbeitet werden. Nicht
vergessen werden darf, dass auch Arzneimittel relevante Mengen an Gluten enthalten
können; Weizenstärke ist ein gebräuchlicher Hilfsstoff bei der Tablettenherstellung. In vie­
len Arzneimitteln (z. B. den probiotischen Medikamenten) ist die Weizenstärke durch z. B.
Kartoffelstärke ersetzt.
Zu Beginn der Nahrungsumstellung ist zu beachten, dass die Patienten wegen des
­Zottenschwundes oft auch andere Nahrungsmittel schlecht vertragen. So liegt meist
ein Laktase-Mangel mit Laktoseunverträglichkeit vor. Daher sollten Betroffene anfangs
auf Milch und deren Produkte verzichten oder diese stark einschränken. Die Dünn­
darm-Schleimhaut beginnt sich bei Gluten-freier Diät rasch zu regenerieren und bald wer­
den auch Milch & Co. wieder vertragen. Die Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe durch
die regenerierte Zottenschleimhaut verbessert sich, der Lebensmut und das Wohlbefin­
den kehren wieder zurück.
(Quellen, Angaben zu den oben gen. Mehlen kommen von Betroffenen aus der SHG; aktuelle Aufstellung Gluten-freier
Lebensmittel und Unterstützung finden Betroffene bei der Deutschen Zöliakiegesellschaft DZG www.dzg-online.de)
22
5 Der Mensch ist, was er isst
5.2 Die Kartoffel als „Naturheil- und Darmpflegemittel“
Ein bisschen Historie – Woher kommt die „Knolle“?
Die Knolle oder Kartoffel stammt ursprünglich aus
Südamerika und ist vor etwa 400 Jahren nach Europa
gekommen. Sie wurde erst als exotische Zierpflanze
gezogen. 100 Jahre später wurde der Kartoffelanbau
gefördert, um die damaligen Hungersnöte zu lindern.
Seit dieser Zeit spielt die Kartoffel in allen Küchen
Europas eine bedeutende Rolle. Sie gehört zu den
­
wichtigsten Grundnahrungsmitteln.
Nach akuten Durchfallerkrankungen ist die basische Kartoffel ein idealer, leicht ver­
daulicher Nahrungslieferant, um den geschwächten Körper wieder aufzubauen.
Kartoffel und ihre „inneren“ Werte:
Die Kartoffel enthält leicht verdauliche Stärken und wertvolles Eiweiß, wichtige Bal­
laststoffe, 11 Vitamine (u. a. Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C), 15 Mineralstoffe und
einige Spurenelemente.
Sie ist reich an Mineralien wie Kalium, Magnesium, Eisen, Kalzium und Fluorid. Beson­
ders wichtig sind Kartoffeln bei Herz- und Nierenerkrankungen wie auch bei Bluthochdruck.
Mineralstoffe (mg / in 100 g
frischen, ­ungeschälten Knollen):
Spurenelemente (mg / in 100 g
frischen, ungeschälten Knollen):
Kalium443,0
Eisen800,0
Kalzium 10,0
Fluor 10,0
Phosphor 50,0
Jod 3,8 (1,1-35,0)
Magnesium 25,0
Selen 12,0
Natrium 3,2
Zink270,0
1
Fett haben sie kaum. Daher sind sie auch ideal zum Abnehmen, denn sie sättigen
besonders gut und sind recht kalorienarm. Ein Arzt (Chirurg) empfahl vor geraumer Zeit
bei einem Arztpatientenseminar:
„Esst Kartoffeln, esst Kartoffeln“!!!
Jetzt weiß ich, warum die Kartoffel in jeglicher Form so wichtig ist. Es gibt mehrere
Gründe, sie zu essen. Die Kartoffel baut die Knochensubstanzen auf, sie aktiviert den
gesamten Stoffwechsel, sie reguliert den Wasserhaushalt, sie kräftigt die Muskulatur und
das Bindegewebe. Das Wachstum wird durch die Kohlenhydrate und Mineralien in der
Kartoffel gefördert.
(Quelle: „Lust auf Kartoffeln“ von Johanna Handschmann, Bassermann Verlag)
Eine Empfehlung von Celina Dreisilker, 11 Jahre (Morbus Crohn)
23
5 Der Mensch ist, was er isst
5.3 Gute und schlechte Fette / Öle:
Gut verträglich sind kalt gepresste Öle, wie Walnussöl, Olivenöl usw. Butter ist oft
­besser verträglich als Margarine – auch hier heißt es wieder, ausprobieren.
Bei Kurzdarmsyndrom und Fettverdauungsstörungen eignen sich mittelkettige Fette
(MCT-Fette) z. B. von Basis (Reformhaus); MCT-Fette werden leichter resorbiert und ver­
stoffwechselt.
Fett in Form von mineralstoffreichen Mandeln, Walnüssen oder Paranüssen sind meis­
tens gut verträglich. Die einzelnen Nussarten müssen ausprobiert werden – Erdnüsse und
Haselnüsse rufen häufig Allergien hervor.
Nicht empfehlenswert sind gehärtete Fette wie Palmfett, Schmalz, viele Margarine­
sorten (enthalten Zusatzstoffe und Laktose). Gehärtete Fette sind u. a. in Chips (sehr, sehr
fetthaltig), Kuchen, Süßigkeiten und vielen Fertiggerichten enthalten – daher Vorsicht !
5.4 Balsam für die Seele – Etwas zum Naschen
Fruchteis (laktosefrei)
½ l Schwedenmilch (Reformhaus), 120 g Zucker oder Traubenzucker, 80 g Fruchtpüree
schaumig rühren (ideal Eismaschine), anschließend gefrieren.
(Rezept: Norbert Tamm, Chefkoch vom Sanatorium Fronius / Bad Kissingen)
Dinkelplätzchen
175 g Butter, 1 ganzes Ei plus 1 Eigelb, 125 – 150 g Zucker, 2 Päckchen Vanille-Zucker
(echte Vanille) oder Vanille-Stange miteinander umrühren. 100 g gemahlene Mandeln,
½ Päckchen Backpulver (Weinsteinsäure), 325–350 g Dinkelvollkornmehl (alternativ
1/3 Hirsemehl und 2/3 Dinkelvollkornmehl) – alles zu einem Teig vermengen und dann
kleine Taler formen (als Deko einritzen, Muster oder z. B. Herzchen ausstechen). Bei
150 Grad (Umluft) ca. 15 – 20 Minuten backen.
Alternativen: 75 – 100 g geraspelte bittere Schokolade (70% Kakao) – dann ca. 30 g
Zucker weniger nehmen; zur Weihnachtszeit: Zimt oder Christstollengewürz nach Ge­
schmack ­hinzufügen.
Gluten-freie Variante: Statt Dinkelmehl – Hirsevollkornmehl und Hirseflocken plus
­bittere Schokolade.
Gewürzplätzchen (Gluten-frei)
100 g Honig, 1 Päckchen Vanillezucker (echte Vanille oder Vanillestange), 200 g ge­
mahlene Mandeln, ein kleiner Schuss Rum, 100 g fein gewürfeltes Orangeat oder
­Zitronat. 2 Eier schaumig schlagen, 125 g Butter, ½ Teel. Zimt, Prise Ingwer, Prise
Nelkenpfeffer, Messerspitze Spekulatius- oder Christstollengewürz, ca. 100 – 125 g
Hirse-Vollkornmehl, 2–3 Essl. Kartoffelmehl, ½ Päckchen Backpulver (aus Weinstein­
säure – besser verträglich). (zusätzlich kann, wenn vorhan­
den 1 Essl. Kokosmehl und 1 Essl. Inulin (präbiotisch) zu­
gegeben werden).
Teig aus Zutaten herstellen und kleine Häufchen auf ein mit
Backpapier ausgelegtes Backblech geben. Plätzchen bei
ca. 140 Grad (Umluft) ungefähr 20 Minuten backen.
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5 Der Mensch ist, was er isst
Haferflockenschnitten (Haschplatten)
1500 g feine Haferflocken, 250 g Butter, 250 g Honig,
100 g grob gehackte Mandeln, 1 Messerspitze Zimt
(ggf. auch etwas mehr). Bei geringer Hitze zerlasse­
ne Butter zu den Haferflocken geben und so lange
verkneten, bis die Haferflocken „weich“ geworden
sind. Zuletzt alle übrigen Zutaten untermengen und
das Ganze 30 Minuten ruhen lassen (zum Aufquel­
len). Auf ein leicht gefettetes Backblech geben und
am besten mit einer Palette so verteilen, dass eine etwa halbe Zentimeter dicke
„Platte“ entsteht. Bei 200 – 220 Grad auf mittlerer Schiene etwa 20 M
­ inuten backen
(bis leichte Bräunung zu erkennen ist).
Noch heiß in Stücke schneiden, aber erst nach dem Erkalten vom Blech nehmen,
damit sie nicht zerbrechen. Nach Belieben noch zur Hälfte mit Schokoladenglasur
(1 Tafel reicht) überziehen.
(Plätzchenrezepte wurden von Betroffenen mit CED getestet und für Gut! befunden.)
5.5 Vegetarische Alternativen zu Wurst und Käse
(Rezept: Norbert Tamm, Chefkoch vom Sanatorium Fronius / Bad Kissingen)
vocadoaufstrich mit Senf und Haselnüssen
A
(Aufwand: einfach; Dauer: 15 Minuten)
250 g Avocadofruchtfleisch, 1 kleine Zwiebel, 1 Essl.
Zitronensaft, 1 Knoblauchzehe, 1 Teel. Senf, 1 Messer­
sp. Pfeffer, 10 g geriebene Haselnüsse (oder Wal­
nüsse), frische Petersilie.
Zubereitung:
Avocadofruchtfleisch gut zerkleinern.
Zwiebel fein würfeln, Knoblauch pressen und alles zu­
sammen mit dem Zitronensaft vermengen bzw. dem Mixstab pürieren. Mit Senf und
Pfeffer abschmecken. Zum Schluss Petersilie und (Hasel)Nüsse zugeben. Mit der Ga­
bel alles cremig rühren und sofort servieren.
VORSICHT! Senf ist verdauungsfördernd und führt ab! Allergiker sollten Nüsse weg­
lassen oder durch nicht-allergene Sorten ersetzen.
Grünkern-Brotaufstrich
(Aufwand: einfach; Dauer: ca. 30 Minuten)
100 g Grünkern, 250 ml Wasser, 1 Gemüsebrühwürfel, 1 mittelgroße Zwiebel, 1 Teel.
Majoran, 1 Teel. Thymian, 1 Teel. Senf, Kräutersalz, 5 Essl. Olivenöl, 1 Messersp.
­Chilipulver (Ingwer oder Curry statt Chillipulver)
Zubereitung:
Den mittelfein geschroteten Grünkern in einem trockenen Topf vorsichtig etwas an­
rösten. Wasser mit Gemüsebrühwürfel unter ständigem Umrühren zufügen. M
­ asse auf­
kochen lassen, umrühren und auf niedriger Stufe ca. 10 Minuten quellen ­lassen. Auf der
ausgeschalteten Platte noch etwa 20 Minuten stehen lassen. Zwiebel fein s­ chneiden
und im Olivenöl zusammen mit den getrockneten Kräutern glasig ­andünsten. Etwas
abkühlen lassen und zur Grünkernmasse geben (durchpürieren).
Mit den Gewürzen, Kräutern und Senf abschmecken. Der Pfiff ist die Würzung mit
Cayennepfeffer oder Chilipulver, lecker!
VORSICHT! Chilipulver, Cayennepfeffer und Senf ist nicht für jeden verträglich.
25
1
5 Der Mensch ist, was er isst
Linsencreme
60 g rote Linsen, 100 ml Wasser, etwas Senf, 1 kleine Zwiebel, 1 große Möhre, 1 Teel.
Majoran, 1 Teel. Thymian, 1 Teel. Bohnenkraut, Meersalz, Pfeffer, etwas Chilipulver,
Curry, 1 Bund Petersilie, 4 Essl. Olivenöl oder Rapsöl.
Zubereitung:
Linsen mit dem Wasser am Vorabend einweichen, am nächsten Tag 30–45 Minuten
kochen, Möhre fein raspeln und zusammen mit den Linsen pürieren, überschüssige
Flüssigkeit abgießen. Wenn Sie rote Linsen verwenden, können diese ohne Einweich­
zeit gegart werden. Die Garzeit beträgt 15–20 Minuten. Zwiebel sehr fein würfeln. Zum
Schluss gut mit den Gewürzen und dem Öl vermengen.
Variante: Die Zwiebeln und die Möhre im Olivenöl anschwitzen. Die getrockneten
Kräuter mitdünsten.
Alternative: Aufstrich ohne Zwiebeln, stattdessen mit frischen, fein gehackten Kräu­
tern (Petersilie, Schnittlauch, Knoblauchschnittlauch, Basilikum, Majoran, Thymian,
Oregano, ein wenig Rosmarin – sehen, was der Kräutergarten hergibt und auspro­
bieren). Brotaufstrich ein paar Stunden durchziehen lassen.
Kräuterbutter
(Aufwand: einfach; Dauer: ohne Wartezeit 10 Minuten)
125 g Butter (Zimmertemperatur) mit ½ gestr. Teel. Salz, gemahlenem frischem P
­ feffer
und frischen, fein gehackten Kräutern (Petersilie, Schnittlauch, Knoblauchschnittlauch,
Basilikum, Majoran, Thymian, Oregano, ein wenig Rosmarin – was der Kräutergarten
hergibt) mit einer Gabel vermengen und ein paar Stunden durchziehen lassen.
5.6 Frische Kräuter – wichtige Mineralstoffe und mehr
26
5 Der Mensch ist, was er isst
Unser Körper benötigt Mineralstoffe z. B. für unsere Knochen, unsere Haut, unsere
Muskeln, unseren Stoffwechsel und andere Körperfunktionen.
Mineralstoffe sind u. a. reichlich enthalten in frischen Kräutern und in Trockenkräutern
wie Dill, Schnittlauch, Petersilie. Allergiker vertragen gefrorene Kräuter meistens besser
als frische. Einfach ausprobieren.
Küchenkräuter können auf der Fensterbank oder auf dem Balkon in Töpfe gesät
­werden, wenn kein Garten vorhanden ist.
Frische Kräuter sind außerdem lecker, preiswerter und gesünder als Mineralstoff­
tabletten.
Dill
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit Carvon, Limonen, Phellandren, fettes Öl
Dill ist ein schmackhaftes gesundes Würzkraut und wird
auch als Heilpflanze verwendet. Dill wirkt beruhigend,
­Magen stärkend und verhindert Blähungen. Somit ist der
uns bekannte Dill aus der Diätkost, besonders der Gallen-/
Leberdiät, als Würzmittel nicht wegzudenken.
Kümmel
Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Carvon, Limonen, Dihydrocarvon, Geraniol,
Gerbstoffe
Kümmel wird als Küchengewürz und für Heilzwecke ver­
wendet. Der Kümmel, dessen „Früchte“, die Kümmelkörner
genutzt werden, hat verdauungsfördernde, gallefreund­
liche und ent­kram­pfende Wirkung bei Blähungen.
Gerade deshalb macht der Kümmel beispielsweise einen
Weißkohleintopf nicht nur geschmacklich besser, sondern
auch sehr viel bekömmlicher.
Als pflanzliches Mittel gegen Blähungen und Blähungsschmerzen (Krämpfe) im
­Magen-Darm-Bereich ist der Kümmel kaum zu übertreffen.
Aber auch als Hustenmittel (beispielsweise gemahlen in heißer Milch) ist der Kümmel sehr
geschätzt. Kümmel in Form des ätherischen Kümmelöls das in Apotheken erhältlich ist,
ist der Darreichungsform als Tee vorzuziehen. Das Kümmelöl ist zu schwer verdaulichen
Mahlzeiten praktisch anwendbar – einfach etwa zehn Tropfen auf etwas Zucker einnehmen.
Kamille
Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Chamazulen, Azulen, Flavonglykoside, Bisabo­
lole, Cumarin
Diese bekannte Heilpflanze ist wegen ihrer Vielseitigkeit
und ihrer milden Wirkung sehr beliebt. Kamillentee wird
äußerlich als feucht-warmer Umschlag, zum Gurgeln bzw.
für Spülungen verwendet – bei Bindehaut- und Nagel­
bett­
entzündung, Entzündungen der Mundhöhle und des
Rachens, bei Abszessen, schlecht heilenden Wunden,
­
­Koliken und schmerzhafter Menstruation. Kamillentee wird innerlich bei Magenverstim­
mung, Darm- und Gallenbeschwerden, Durchfall, Blähungen und Koliken, bei Unruhe,
Schlafstörungen, Erkältung, Menstruationsbeschwerden, bei allen Infektionskrankheiten
und schließlich bei Neuralgien (Nervenschmerzen) unterstützend angewendet.
27
1
5 Der Mensch ist, was er isst
Petersilie
Vitamin C, ätherisches Öl mit Apiol, Apiin, Schleimstoffe, Mineralsalze
Die Petersilie ist jedem von uns als Küchenkraut vertraut.
Sie ist während des ganzen Jahres und überall frisch zu
erhalten.
Das macht die weniger bekannte Anwendung als Heil­
pflanze leicht. Das aromatische Doldengewächs wirkt
stark harntreibend und hilft Wasser aus dem Gewebe
(z. B. bei Ödemen) auszuscheiden. Auch bei Hautleiden hat sich die Petersilie gut bewährt.
Ein Zuviel ist auch bei der Petersilie ungesund, sonst können Nierenschädigungen die
­Folge sein. Die Petersilie wirkt appetitanregend, stoffwechselfördernd, krampflösend
und entblähend.
Melisse, Zitronenmelisse
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit Citral, Citronellal, Citronellol, Linalool, Gera­
niol, Gerb- und Bitterstoffe, Flavonglykoside
Die Melisse ist eine ausdauernde, krautige Pflanze. Ihre
Blätter sind mit vielen Drüsen besetzt, die das ­wirksame
ätherische Öl enthalten, das zart nach Zitrone duftet.
­Deshalb wird die Melisse auch als Würzkraut für Salate,
Suppen und Saucen angebaut.
Ihre Heimat ist aber der östliche Mittelmeerraum. Weil das
ätherische Öl leicht flüchtig ist, empfiehlt sich auch hier der Gebrauch von s­ tandardisierten
Auszügen in Form von Ölpräparaten (beruhigende Melissen-Ölbäder). Bei nervösen ­Herz-,
Magen- und Darmbeschwerden, Reizüberflutung, Stress, Einschlafstörungen, ist eine
­Melissenkur (täglich zwei bis drei Tassen Tee) empfehlenswert.
Thymian
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol, Cymol und Borneol, ferner
Gerbstoffe, Harz- und Bitterstoffe
Wie der Rosmarin ist auch der Thymian aus der Familie
der Lippenblütler, im Mittelmeergebiet beheimatet und dort
eine charakteristische Pflanze der Felsenheiden. Im übrigen
Europa wird der Thymian kultiviert, ist teilweise aber auch
wild anzutreffen. Auch für den Thymian gilt, dass er nicht
nur eine wichtige Heil-, sondern auch eine hoch aromati­
sche, beliebte Gewürzpflanze ist. Die ätherischen Öle sorgen dafür, dass die Gärung im
Darmtrakt gebremst oder verhindert wird. Damit werden Blähungen vermieden. Thymian
macht besonders fette Speisen verträglicher. Nicht umsonst gehört Thymian zum Gänse­
schmalz wie die Butter zum Brot. Der Thymian hat eine gute krampf- und schleimlösende,
­desinfizierende Wirkung.
Bei allen Erkältungskrankheiten, Husten, Keuchhusten, Bronchitis, Asthma, Infekten des
Magens und des Darmes sowie von Blase und Niere: Aufguss von einem gehäuften Teelöf­
fel Thymiankraut auf eine Tasse Wasser bis zu dreimal täglich als Tee mit Honig gesüßt trin­
ken. Bei Erkältungskrankheiten sowie Rheuma: Vollbäder, angereichert mit einem Aufguss
aus etwa 100 g Thymiankraut und einem halben Liter Wasser, sind sehr hilfreich. Auch hier
gilt: Praktisch und bewährt sind die fertig erhältlichen Ölbäder.
28
5 Der Mensch ist, was er isst
Ingwer (Tee und zum Kochen)
Inhaltsstoffe: Zahlreiche Vitamine, Mineralien wie etwa Kalzium, Kalium oder
Eisen, verschiedene ätherische Öle mit den Hauptkomponenten Zingiberen
und Zingiberol, Scharfstoffe (Gingerole und Shoagole), Diarylheptanoide.
Ingwer ist eine scharfe Angelegenheit. Wer auf ein Stück­
chen frische Knolle beißt, dem brennt nicht nur die Zunge.
Die Wangen röten sich, die Nase läuft und ein Wärmege­
fühl durchblitzt den Körper. Der Grund: Ingwer steckt voller
Scharfstoffe. Sie aktivieren Wärmerezeptoren, wodurch das
Blut in die Adern schießt und sich der Organismus für kurze
Zeit aufheizt. Weitaus bekannter ist, dass die Knolle gegen Reiseübelkeit hilft. Inhaltsstoffe
aus Ingwer mindern Übelkeit und Brechreiz.
Salbei
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, d-Kampfer, Salviol, Salven, Betulin, Asparagin,
Bitterstoff, Borneol, Carnosinsäure, Zineol, Flavonoide, Fumarsäure, Gerbstoff,
Gerbsäure, Harz, Ledol, Limonen, Menthol, Östrogenartige Stoffe, Oleanol­
säure, Pinen, Sabinol, Salizylsäure, Saponine, Terpineol, Thujon, Thymol, Zink,
Vitamine.
Der Salbei gehört zu den Kräutern, die im Mittelmeer­
raum heimisch sind, bei uns aber auch gut gedeihen. An
der ­richtigen Stelle im Garten gepflanzt wuchert er über
­mehrere Quadratmeter.
Sein Spezialgebiet ist die zusammenziehende und desinfizierende Wirkung. Dadurch wirkt
er gut bei Halsschmerzen und ist bei Halsentzündungen aller Art die Pflanze der Wahl. Der
Salbei hat ausserdem eine ausgesprochen schweisshemmende Wirkung.
Genauer betrachtet hat der Salbei so vielfältige Heilwirkungen, dass man ihn zu Recht fast
als Allheilmittel bezeichnen kann. Salbei wirkt adstringierend, antibakteriell, blutstillend,
entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, tonisierend, u.s.w..
Rosmarin
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Terpene, Thymol, Verbanol, Gerbstoff, Gerbsäu­
re, Kampfer, Bitterstoff, Beta-Sitosterol, Flavone, Salicylate, Saponine
Rosmarin ist im Mittelmeerraum heimisch, er wird aber
­gerne in Deutschland angebaut.
Mit seiner anregenden Wirkung ist er unter den H
­ eilpflanzen
relativ selten, daher spielt er bei der Behandlung von nied­
rigem Blutdruck eine wichtige Rolle.
Morgendliche Armbäder in Wasser mit ätherischem Ros­
marinöl können kleine Wunder wirken. Aber auch sonst hat
er ein breites Wirkungsspektrum.
Gartenbesitzer sollten auf ihn nicht verzichten, denn er ist nicht nur eine Zierde des Steinoder Kräutergartens sondern auch eine ganze Naturheilapotheke in einer Pflanze vereint.
Rosmarin wirkt u. a. adstringierend, anregend, antibakteriell, entspannend, entzündungs­
hemmend, krampflösend, pilztötend, schmerzstillend, tonisierend, bei Atem­beschwerden,
Blähungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Magenschwäche, Durchfall, Rheuma,
u.s.w..
29
1
5 Der Mensch ist, was er isst
Rezepte mit Kräutern
Pesto
Zutaten (für gemischtes) Pesto:
Petersilie, Baslikum. Oregano, etwas Thymian, Schnittlauch, etwas Estragon, 1 Tüte
50/60 g. Pinienkerne, Knoblauchzehen (Knoblauchzwiebel), Salz, Pfeffer, Olivenöl
Die jeweiligen Mengen und welche Kräuter überhaupt, kann jeder nach Geschmack selbst
herausfinden.
Die Ätherischen Öle (des Gegenspieler) Oregano macht Knoblauch sehr gut verträglich
und Mann/Frau riecht später nicht so stark nach Knoblauch. Knoblauch in Verbindung mit
Kräuter, gerade Oregano plus Olivenöl ist verträglicher als Knofi pur, das wissen nicht nur
die (alten) Griechen oder Inder.
Salbei-Kartoffel – oder Rosmarinkartoffel
(schnelle Küche)
Die zarten Blätter vom Salbei oder z. B. Ananassalbei (Ros­
marin) in der Pfanne im heißen Öl kross rösten – anschlie­
ßend Pellkartoffel hinzufügen, braten oder dünsten, etwas
Salz, Pfeffer oder andere Gewürze beigeben – selbst ge­
machter Kräuterquark (Quark gibt es auch laktosefrei) dazu
– und schnell ist ein preiswertes Essen mit vielen Vitaminen,
Mineralstoffen und Spurenelementen fertig.
Auszüge
Thymian-Salbei-Tropfen (Kaltauszug)
Benötigt wird ein ca. ½ Liter Glas, frischer Thymian und frischer Salbei, 32 % Korn oder
Klarer zum aufgießen:
Das Glas (0,350 – 0,500 l ) wird bis zu einem Drittel locker mit dem Thymian-Spitzen (muss
nicht vom Stängel abgepflückt werden) und ca. 7 – 8 Salbeiblätter gefüllt – danach mit Korn
das Glas auffüllen und das Glas 6 Wochen an einen dunklen Ort stellen.
Nach dieser Zeit das Ganze abseien und in Tropfflaschen füllen. (Vielleicht befinden sich
Flaschen im Haushalt – diese spülen und auskochen).
Die Tropfen helfen bei Husten – dienen als schleimlösend bei Erkältungsinfekten – tun
ebenfalls gut bei Magen- und Darminfekten.
Die Ätherischen Öle mit Thymol, Carvacrol, Cymol und Borneol, ferner Gerbstoffe, Harzund Bitterstoffe beeinflussen positiv die Schleimhäute des Verdauungstraktes.
Kräuter-Öle
Ein Beispiel Lavendelöl – sehr hautverträglich und für Allergiker geeignet:
Frische Lavendelblüten (eine gr. Handvoll Blüten u. ca. 1/3 l Mandelöl) mit süßen Mandelöl
oder Olivenöl aufgießen – 4 Wochen ziehen lassen und abgießen (Blüten können noch für
1 Bad genutzt werden).
30
5 Der Mensch ist, was er isst
Kräutertee – Zubereitung
Kräutertee wird in der Regel immer auf die gleiche
­Weise zubereitet. Die Teezubereitung ist recht einfach,
bei losem Kräutertee rechnet man einen Teelöffel pro
Tasse. Die Teemischung wird dann mit kochendem
Wasser übergossen. Generell muss Kräutertee zwi­
schen 5 und 10 Minuten ziehen, wobei einige Sorten
offen andere Sorten abgedeckt ziehen müssen. Um
die Wirkung von Kräutertee zu optimieren, sollte man
ihn generell heiß und in kleinen Schlucken trinken. Einige Kräuterteesorten muss man
jedoch nicht zwingend als Fertigmischung kaufen. Tees, wie zum Beispiel Ingwertee bei
Sodbrennen oder Fenchel- oder Kümmeltee bei Verdauungsproblemen kann man sehr
leicht selbst herstellen. So bereitet man einen Ingwertee zu, indem man ca. 1 cm Ingwer
schält, in kleine Stücke schneidet und diese ca. 5 bis 10 Minuten in ausreichend Wasser
kocht. Die Ingwerstücke werden herausgefiltert und der Tee kann sofort getrunken wer­
den. Ähnlich verfährt man mit Fenchel und Kümmel, wobei man bei Kümmeltee jedoch auf
jeden Fall Kümmelkörner und kein Kümmelpulver verwenden sollte.
Kräuterteemischung – bei Erkältungen
Holunderblüten, Wegrauke, Kamille, Salbei, Fenchel, Sauerampfer, Anis, Spitzwegerich,
Brennessel, Brombeerblätter, Thymian, Pfefferminze, marokkanische Minze, Ingwer, Zitro­
nenmelisse, Schwarzer Kümmel, Oreganoblüten, Ringelblume.
Kräutergewürzsalz
Oregano, Goldoregano, Estragon, Petersilie, Bärlauch, Schnittlauch, Liebstöckel, Dill,
­Basilikum, Ananassalbei, Salbei, Thymian, Bohnenkraut, Pimpinelle, Rosmarin, Harrissa
und Chili, Meersalz (10-13%).
Wildkräutergewürzsalz
Oregano, Goldoregano, Alantwurzel, Giersch, Brennsessel, Ingwer, Liebstöckel, T
­ hymian,
Salbei, Gänseblümchenblüten, Borretsch, Pimpinelle, Spitzwegerich, Sauerampfer, Löwen­
zahn, Schnittlauchblüten, Harrissa und Chili, Meersalz (10-13%).
Absud
Ein Absud wird aus zähen, holzigen oder sehr flaumigen Pflanzenteilen oder aus Wurzeln
zubereitet. Dabei lässt man die Pflanzenteile köcheln, um soviel Wirkstoff wie möglich
herauszulösen. Für einen Absud nehmen Sie 28 g getrocknete Pflanzenteile, zerstampft
oder in kleine Stücke geschnitten, auf 840 ml Wasser. Für kleine Mengen nehmen Sie
einen Teelöffel getrocknete Kräuter auf eine große Tasse Wasser. Füllen Sie die Kräuter in
ein Gefäß aus Emaille, Glas oder rostfreiem Stahl (kein Aluminium verwenden). Bringen
Sie sie mit dem Wasser zum Kochen. Lassen Sie den Absud 10 Minuten lang köcheln
oder so lange, bis ein Drittel der Flüssigkeit verdampft ist. Filtern Sie die Pflanzenteile aus.
Die meisten Heilmittel wirken am besten, wenn sie noch heiß sind.
Dosierung:
Von einem Aufguss oder Absud nimmt ein Erwachsener 3mal täglich 1 Tasse (oder 140 ml).
Dosierung für Kinder:
Die Dosierungen für einen Absud variieren je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder.
Tipp ! Weitere leckere Kräuter sind z. B. Basilikum (mehrere Sorten), diverse Schnittlauch­
sorten, Estragon, Bohnenkraut, Majoran, Rauke, Bärlauch, Fenchel, und viele
­andere mehr. Auch Gewürze wie Curcuma, Curry, Muskat, Koriander, Nelke u.s.w.
helfen der Verdauung.
31
1
5 Der Mensch ist, was er isst
5.7 Grüne Smoothies – Medizin und Ernährung
Iris Rosin, Gesundheitsberaterin, Waldeyerstr. 88, 48149 Münster
Ernährung war bis vor wenigen Jahren kein Thema im Medizinstudium, weil eher sym­
ptomatische als vorbeugende Behandlung im Fokus lag.
Gegenbeispiele finden sich im asiatischen Raum (Indien, Tibet, China): Traditionelle
chinesische Ernährungslehre ist ein Musterbeispiel für gesundheitsfördernde und -erhal­
tende Medizin. Ebenso die Ayuveda-Lehre, die ebenfalls eine Ernährungsbehandlung als
festen Bestandteil der Therapie integriert hat.
Durch wissenschaftliche Untersuchungen kam man zu der Erkenntnis, dass richtige
Ernährung für die Wiederherstellung/Erhaltung von Gesundheit unbedingt erforderlich ist.
Die häufigsten Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-/Kreislauferkrankungen, Er­
krankungen des Bewegungsapparates, degenerative Erkrankungen des Nervensystems
(Alzheimer, Multiple Sklerose), Verdauungsstörungen usw. sowie Angsterkrankungen und
Depressionen können auch ernährungsbedingt entstehen.
Die Nahrungsmittel in unserer Zivilisation sind Krankheitserreger! Außerdem essen
wir häufig zu viel und das, was wir essen, ist dazu auch noch potentiell schädigend.
Was ist wichtig ?
Nahrung sollte leicht sein, frisch, vitalstoff- und faserstoffreich (irreführend ballast­
stoffreich).
Allgemein wird empfohlen: 5-am-Tag (insgesamt ca. 500 – 700 g Obst und Gemüse,
nicht erhitzt, also frisch).
Herkömmliche Ernährung: hoch verarbeitete Nahrungsmittel stören den Stoffwechsel
und lassen durch oxidativen Stress freie Radikale entstehen. Durch diese aggressiven
Sauerstoffmoleküle entstehen nach heutigem Wissen die meisten Erkrankungen und de­
generativen Veränderungen in unserem Körper.
Freie Radikale entstehen ebenfalls durch Stress, der psychisch bedingt sein kann
oder durch körperliche Überbelastung, ebenso durch Umweltgifte, UV-Strahlung, ­Rauchen,
Lärm usw..
Freie Radikale können durch sog. Antioxidantien (Radikalenfänger) unschädlich ge­
macht werden. Einen Teil dieser Radikalenfänger stellt der Körper selbst her (­bestimmte
Hormone), ein wesentlicher Teil muss durch die Nahrung zugeführt werden. Dieses wird
in erster Linie durch frisches Obst und Gemüse sichergestellt durch sog. Vitalstoffe
= ­Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe, die in unerhitztem Zu­
stand in höchstem Maße vorhanden sind.
Üblicherweise essen wir viel zu wenig frisches Gemüse und Obst, meist nur in Form
von Beilagensalat, der oft auf dem Teller verbleibt oder ein-zwei Stücke Obst pro Tag.
Industriell gefertigte Nahrungsmittel in Form von Fertiggerichten, wie sie in jedem Su­
permarkt regalweise aufgereiht vorhanden sind, enthalten ausnahmslos Zusatzstoffe, die
nachgewiesener Weise den Stoffwechsel stören und zur Entstehung von freien Radikalen
führen. Die Nahrungsmittel sind nicht gesund und führen zu den oben genannten häufigs­
ten Zivilisationskrankheiten.
Leider werden natürliche Lebensmittel in Form von Frischkost oft nicht als „richtiges
Essen“ erlebt. Gern greift der Verbraucher als Versuch des Ausgleichs zu Multivitamin­
präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln. Diese sind jedoch isolierte Konzentrate, die
keine sekundären Pflanzenstoffe, keine Enzyme, Mineralien usw. beinhalten, wie sie in le­
bendiger Nahrung enthalten sind. Im Gegenteil, sie können sogar gefährlich werden. In
einer großen Studie wurde ermittelt, dass das Krebsrisiko sich erhöhte.
32
5 Der Mensch ist, was er isst
Genug des Klagens. Die Lösung:
Grüne Smoothies
Hier betreten wir die fantastische Welt der fein gemixten grünen Blätter und des Obstes!
In dieser Form werden unserem Körper Vitalstoffe in hoher Konzentration zur Verfü­
gung gestellt, wir können uns einfach wieder entspannen, der oxidative Stress wird abge­
fangen, um das Gewebe wieder optimal zu regenerieren.
Durch das Pürieren wird die schwer zu knackende Zellwand aufgebrochen, die kost­
baren Inhaltsstoffe stehen dem Stoffwechsel zur Verfügung, langes Kauen ist nicht mehr
nötig. Weiterhin wird das Püree im Darm sehr gut verstoffwechselt, selbst Menschen, die
ungern frisches Obst und Salate wegen auftretender Blähungen ungern aßen, profitieren.
Ebenso tritt ein sehr gutes Sättigungsgefühl ein, dass nicht beschwert (kein „Suppen­
koma“) und viel Energie schenkt.
Positive Effekte:
• Hohe Konzentration von Vitalstoffen stehen zur Verfügung
• Rückgang der Erkrankungsschwere bis hin zum Verschwinden vieler Krankheits­
symptome
• Mehr Energie, nach dem Genuss kein Nach-dem-Essen-Tief
• Besserer Schlaf, da leicht.
Wichtiger Aspekt: Grüne Blätter im Smoothie: heilsam wirkende Substanzen im
Chloro­
phyll. – Forschungen haben ergeben, dass Chlorophyll zu einer Reduktion des
Darmkrebsrisikos führt aufgrund der beachtlich entgiftenden und desinfizierenden Wirkung
des Chlorophylls.
Pflanzliches Eiweiß ist wegen seiner anderen Zusammensetzung leichter verdaulich
als tierisches Eiweiß. Das halb verdaute tierische Eiweiß erzeugt unangenehmen Geruch
des Stuhls. Durch den Genuss von weitgehend pflanzlicher Nahrung verändert sich dieses
wesentlich. Weniger Toxine entstehen und der gesamte Körper wird entlastet. Dass man
unbedingt Fleisch braucht, um richtig gesund zu sein, ist falsch. Selbst Vitamin B12 wird
im Darm eines gesunden Menschen von Mikroorganismen gebildet.
Weiterer Aspekt: die hochkonzentrierten Pflanzeninhaltsstoffe wirken auch positiv
auf den Gehirnstoffwechsel. Neurotransmitter, die Depressionen verhindern, scheinen ver­
mehrt gebildet zu werden. Das limbische System (verantwortlich für die emotionale Steue­
rung) wird positiv beeinflusst, Angstimpulse werden reduziert. Die Forschung ist hier noch
ganz am Anfang, obwohl sie in diesem Bereich sehr wichtig ist, denn Depression und
Angsterkrankungen sind mittlerweile häufigste Krankheitsgruppe überhaupt !
Regelmäßiger Konsum von grünen Smoothies führt zur Abnahme von eher ungüns­
tigen Nahrungsmitteln wie zuviel Fett, Fleisch, raffinierte Zucker, faserstoffarme Speisen,
welche die Hauptursache für oben genannte Erkrankungen darstellen.
Der Stoffwechsel wird alkalisiert (entsäuert) und damit das Gesundheitspotential er­
höht. Effizientes Mittel zur Gewichtsnormalisierung. Außerdem sind Grüne Smoothies sehr
sättigend, da der hohe Anteil an Faserstoffen lange satt macht.
Durch das Beigeben von Kräutern kann noch gezielter gesundheitlich Einfluss genom­
men werden. Außerdem wird das Heil-/Kräuterwissen neu belebt zur Prophylaxe und The­
rapie von z. B. leichteren Erkrankungen wie Infekten.
Wichtig zu wissen: Die Alkaloide in den frischen grünen Blättern zum Schutz vor
Fressfeinden unterschiedlicher Art und Konzentration, können zu Müdigkeit, Abgeschla­
genheit führen. Deshalb ist es wichtig immer wieder andere Sorten der grünen Blätter in
die grünen Smoothies zu geben.
33
1
5 Der Mensch ist, was er isst
Fazit: Wertvolle pflanzliche Inhaltsstoffe können in wesentlich größerer Menge aufge­
nommen werden als bisher. Der grüne Smoothie kann an die individuelle Geschmacksvor­
liebe angepasst werden – Gesundheit ist trinkbar geworden.
Ebenso kann der grüne Smoothie leicht in die bisherige Ernährungsweise eingebaut
werden, eine Gewöhnung an Frischkost ist unkompliziert, weil man auf nichts verzichten
muss. Genial ist zudem, dass nun dem Körper die Bausteine zum Aufbau gesunder Zellen
zur Verfügung gestellt werden!
Für Betroffene, die sich in einem Schub befinden, sind die grünen Smoothies als
­alleinige Nahrung sehr zu empfehlen: Hierdurch wird die Aufnahme von Frischkost möglich
gemacht, die zum Aufbau gesunder Zellen erforderlich ist, sehr gut verträglich ist, zur Beru­
higung des Immunsystems beiträgt, da jede erhitzte Nahrung das Immunsystem reizt (Nah­
rungsleukozytose = massiver Anstieg der Leukozytenzahl im Blut durch gekochte Nahrung)
Rezepte
Variante 1
Grünkohl (ohne harte Anteile für diejenigen, denen es zu sehr nach Kohl schmeckt) ca.
300 – 350 g; 2 Äpfel, 2 Bananen, 4 Datteln, ca. 500 ml gutes Wasser. Ergibt ca. 1 – 1,5 Liter
grünen Smoothie für den Tag (Morgen-/Mittagmahlzeit, abends wie gewohnt essen).
Variante 2
1 Kopf Endiviensalat, 1 Granatapfel, 1 Mango (bio-Obst immer ungeschält), 1 Avocado,
1 Banane. Zitrone (immer bio, da die Schale mitpüriert wird; hier sind wichtige Enzyme zur
Verdauungshilfe enthalten!) und Wasser. Ca. 1,5 Liter Grüner Smoothie.
Grundsätzliches:
• Zitronen – geben einen fruchtig-frischen Geschmack, können ungeschält verwendet
werden, wenn sie aus Bioanbau sind. Auch kann nur der Saft verwendet werden
oder 1 – 2 Stücke der Zitrone, je nach Geschmack. Das Weiße der Haut, enthält
Bitterstoffe und ist ein wichtiger Enzymlieferant!
• Alle Früchte aus Bio-Anbau bitte nicht schälen. Hier gilt: Das Gute sitzt direkt unter
der Schale, deshalb Schale mitverwenden!
• Wasser, ohne Kohlensäure, so hochwertig
wie möglich. Aber aus dem Wasserhahn tut‘s
auch.
• 50 % des Smoothies soll aus grünen ­Blättern
bestehen (z. B. Grünkohl, M
­ angold, Kopf­
salat, Endiviensalat, Grünes von ­
Möhren,
Grünes von Kohlrabi, Grünes von Rote
Beete, R
­
­ ömersalat usw… – alles, was auf
dem Markt erhältlich ist.
34
6 So lebt sich’s leichter mit Morbus Crohn – Heute schon gelebt ? !
Meine Erfahrungen mit der Erkrankung Morbus Crohn und deren Folgen
Michael J. (28)
Sich mit den gesundheitlichen Einschränkungen am Anfang zurecht zu finden, ist oft­
mals nicht ganz einfach für mich gewesen.
Mir ging es irgendwann einmal richtig gut. Ich war jung, hatte Elan, Kraft und Mut,
womit ich einige Dinge bewegen wollte. Ich hab mich oft danach gesehnt, frei und selbst­
ständig handeln zu können, wie meine Geschwister halt. Jedoch stand ich immer von zu
Haus unter Strom und hohem Druck in der Schule. Ich war oft enttäuscht, genarrt und
gescheitert.
Ich versuchte, mit meinen Eltern über einige Dinge zu reden, versuchte, meine Situation
zu erklären. Doch es kam jedes Mal die gleiche Antwort. Dann merkte ich eines Tages einen
ungewöhnlichen Druck auf der Brust! Und wieder war ich allein. Das Chaos machte sich breit.
Manche Dinge gehen so lange gut bis etwas passiert. Am 5. Oktober 1998 kam ich in
Begleitung meiner Mutter zum weiteren Vorstellungstermin beim Hausarzt. In der Arztpraxis
nach einigen Minuten nach der Ankunft – plötzlich Schluckbeschwerden mit Luftnot und
krampfartigen Bauchschmerzen. Ich rannte nach draußen vor die Tür und rang nach Luft.
Mit Schock – Nervenzusammenbruch und die Angst im Nacken – begleitete mich der
Hausarzt mit meiner Mutter in sein Behandlungszimmer. Mein Zustand war nicht gerade
der Beste. Da ich Taubheitsgefühle im Unterkiefer verspürte, versuchte ich verzweifelt mit
aufgeschriebenen Stichwörtern meine Situation verständlich zu machen. Von da an wollte
der Arzt keine Verantwortung mehr übernehmen und rief den Notdienst an.
Die ersten vier Jahre waren die schlimmsten! Versuchte verzweifelt, ein Mittelmaß zu
finden, wie ich im Alltag klar kommen sollte. Doch jeder weiß, dass nicht jeder Tag der
gleiche ist! Wehmut über tausend Köpf, wie ein Tuch hüllte mich die Erkrankung ein. Sie
führte mich durch Höhen und Tiefen. Wie ein Pfeil entriss sie mir mein vertrautes Leben
von daheim.
Liebe, Leid und viele Träume. Leises Murren wurde lauter, weil auf der Bühne des
Lebens nichts geschah! Die ersten Pfiffe waren zu hören. Viel Ärger hatte sich aufgestaut;
zuerst verhalten und dann laut!
Durch den Lärm hörte man mich sprechen. Meine Worte schluckte der Saal. Ich ­erzählte
ihnen meine Sorgen, immer und immer wieder!
Die Ersten hörten auf zu reden, dann hörte mir schon die Hälfte zu. Die Anderen
­wurden immer stiller und langsam kam der ganze Saal zur Ruhe! Ein ganzes Leben mit
Erfahrungen, es ging Manchen sehr nahe, was ich beschrieb. Meine Gefühle kommen nun
aus tiefstem Herzen, die leeren Seiten werden knapp.
Völlig still ist es nun geworden, Stille die mein Atmen trägt. Niemand stört sich an
einer Träne, die noch leise auf den Boden schlägt. Zaghaft nur als wollt man stören, da
stehe ich nun im grellen Schein. Mit gebeugten Schultern, nachdenklicher Miene und
einem müden Lächeln.
Trümpfe sind im Leben rar, Erfolge wiegen manchmal schwer. Da bin ich nun wieder
im großen Saal und stehe vor der Bühne des Lebens. Wehmütig betrachte ich sie nun von
einer anderen Seite!
Aus dem Glas der heißen Lampen stirbt der letzte Lichterschein. Aus einem jungen
bürger­lichen Burschen mit 17 Jahren nun, wurde ein nachdenklicher junger Mann mit 28
Jahren. Zum Ausgang wollt ich gehen, doch meine innere Stimme sagte mir: „Versuche es
noch ­einmal, du wirst sehen!“
Schlechte Karten sind kein Grund gleich aufzugeben. Nimm sie, auch wenn sie dir
nicht gefallen. Wer hat schon ein Trumpf-„As“ in der Hand. Doch das Glücksrad dreht sich
schnell in diesem Leben, niemand weiß genau wie es weiter geht ! ?
35
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Horst Friedenberger
Diplompädagoge und Lehrer für Sonderpädagogik
(Abteilung für Heilpädagogik der Universität Dortmund)
Fachrichtungen:
– Sondererziehung und Rehabilitation der Erziehungsschwierigen –
– Sondererziehung und Rehabiltitation der Lernbehinderten –
Förderlehrer:
Förderschwerpunkte
– Soziales Lernen und Emotionale Entwicklung –
– Lernen –
Kranefeldweg 6, 44309 Dortmund-Brackel
Telefon: 0231/ 910 25 01, E-Mail: [email protected]
7.1 Das Spannungsverhältnis zwischen Schulmedizin und CAM-Verfahren
(persönliche Stellungnahme aus der Sicht eines CED-Erkrankten)
Jeder Patient möchte letztendlich möglichst geheilt werden.
Dazu benötigen wir an CED-Erkrankten – besonders im akuten Schub – die Hilfen
der Schulmedizin mit ihren vielfältigen fachärztlichen Leistungen. Eine herausragende Be­
deutung haben in diesem Zusammenhang die Gastroenterologen und im äußersten Notfall
auch die Chirurgen.
Die Leistungen der Schulmedizin sind zweifellos ein Segen für uns. Allerdings sollte
jeder CED-Erkrankte die Bedeutung der Schulmedizin für sich selbst auch hinsichtlich ihrer
Möglichkeiten und Grenzen richtig einschätzen können.
Die Schulmedizin vertritt entsprechend ihres naturwissenschaftlichen Erkenntnis­
standes zurzeit den Standpunkt, dass der Wunsch der CED-Erkrankten auf Heilung zumin­
dest jetzt noch nicht verwirklicht werden kann.
Die Behandlungswege und Heilmittel der Naturheil- und Alternativmedizin werden
von der Schulmedizin unter dem Oberbegriff Komplementärmedizin (Ergänzungsmedizin)
eingeordnet.
Auch auf internationaler Ebene spricht man schulmedizinisch von CAM-Verfahren.
Übersetzt umfassen die englischen Worte Complementary and Alternative Medicine in
etwa das, was die deutschen Komplementär- und Alternativmedizin beinhalten.
Mit diesen Begrifflichkeiten nimmt die Schulmedizin entsprechend ihres naturwissen­
schaftlichen Grundansatzes zugleich eine gewisse Abwertung der Naturheil- und Alter­
nativmedizin vor. Die Schulmedizin setzt mit dem Begriff Komplementär = ErgänzungsMedizin voraus, dass sie selbst in der Rangordnung an erster Stelle steht und die Komple­
mentärmedizin an zweiter Stelle ergänzend wirkt.
Diese Grundannahme hat schwerwiegende Folgen, wenn es zum Beispiel darum geht,
wie die Wirksamkeit von Heilverfahren der Komplementärmedizin nachgewiesen werden
muss.
Die Schulmediziner folgern nämlich aufgrund ihrer Grundannahme, dass bei der Wirk­
samkeitsprüfung von Heilverfahren und Medikamenten der Komplementärmedizin die
­Normen der Schulmedizin angewendet werden müssen.
Sie lassen damit zugleich das Argument der Naturheilmediziner und der Alternativ­
mediziner nicht gelten, dass die Normen und Bewertungsverfahren der Schulmedizin in
diesem Bereich das Heilgeschehen nicht oder nur unvollständig erfassen und bewerten
können.
36
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Wo Schulmedizin und Naturheilmedizin sich begegnen oder aufeinander treffen, sind
wegen des dargestellten Spannungsverhältnisses viele Arten von Bewertungen und Bezie­
hungen beobachtbar.
Es gibt beispielsweise Schulmediziner, die alle Naturheilverfahren für wirkungslosen
Humbug halten, andere gestehen einzelnen Heilverfahren der Alternativmedizin zu, dass
sie eingeschränkte Wirkungen haben.
Außerhalb des schulmedizinischen Bereichs gibt es Ärzte für Naturheilverfahren und
Heilpraktiker, die alternative Heilverfahren für so wirkungsstark halten, dass sie ­
ihren
Patienten in allen Krankheitsfällen von der Anwendung schulmedizinischer Verfahren
­
und Heilmittel abraten. Andere Therapeuten arbeiten mit den von ihnen angewendeten
CAM-Verfahren bewusst in einem eingeschränkten medizinischen Bereich und überweisen
ihre Patienten bei bestimmten genau festgelegten Erkrankungen an einen Schulmediziner.
Einige Therapeuten, die CAM-Verfahren anwenden, behaupten, sie könnten CED
heilen. Wissenschaftlich im Sinne der Schulmedizin nachgewiesen haben die mir bekann­
ten Therapeuten diese Behauptung allerdings nicht. Es handelt sich wohl auch vorwiegend
um solche Ärzte, Therapeuten und Heilpraktiker, die schulmedizinische Bewertungen in
ihrem Bereich für unzulänglich halten. Dennoch – einigen Patienten mit CED konnten sie
wohl entscheidend weiterhelfen. Sie können diese Schlussfolgerung teilweise mit belast­
baren Untersuchungsergebnissen belegen. Es gibt auch vereinzelte Patienten, die von
sich sagen, sie seien an einer Form von CED erkrankt und hätten sich durch eine sehr
konsequente und disziplinierte Umstellung ihres Lebenswandels durch die Anwendung
von CAM-Verfahren im Laufe einer gewissen Zeit von den Krankheitssymptomen befreien
­können. Diese Patienten sind meist sehr gern bereit, von ihren Erfahrungen zu berichten
und anderen Erkrankten zu helfen.
Patienten mit CED sollten den dargestellten Diskussionsstand kennen und um das
Spannungsverhältnis zwischen Schulmedizin und Naturheilmedizin wissen.
Jeder einzelne CED-Erkrankte muss nämlich in seinem einzigartigen Fall unter seinen
einzigartigen Lebensbedingungen möglichst richtig entscheiden, welchen Arzt er zur Be­
handlung seiner gerade vorliegenden Beschwerden aufsuchen und welches Behandlungs­
verfahren er anwenden möchte.
Grundsätzlich empfiehlt sich in solchen Entscheidungssituationen der Informationsaustausch mit Patienten, die von der gleichen Erkrankung betroffen sind (z. B. in der
ört­lichen Selbsthilfegruppe oder auch in der eines Nachbarortes). Je mehr Informationen
eingeholt werden können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine angemessene Ent­
scheidung zu treffen.
Sinnvoll ist es für CED-Patienten auch in jedem Fall, die Hilfsangebote der DCCV e. V.
– Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung – zu nutzen (www.dccv.de ). Auch
Internetplattformen bieten ein Forum für Betroffene.
Die freie Entscheidung der CED-Patienten in der Auswahl der Behandler und Be­
handlungsverfahren ist oft durch geringe finanzielle Mittel oder durch die Vorgaben der
Krankenver­
sicherung eingeschränkt. Einige CAM-Verfahren und bestimmte Präparate
(z. B. Mutaflor® bei Colitis ulcerosa in Remission, bei Durchfällen bei Kindern und Klein­
kindern) sind erstattungsfähig.
Manchmal ist dann auch ein formeller Widerspruch oder sogar eine Klage zur Durch­
setzung der gewünschten Behandlung oder Heilmittel notwendig. Auch in diesem Falle
hilft es, sich mit möglichst vielen gleichfalls Betroffenen auszutauschen und gegenseitig
zu stärken. Auch hierbei hilft die DCCV und auch die Hersteller der CAM-Präparate bieten
(argumentative) Unterstützung.
37
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Dies gilt ebenso für die Entscheidung, wegen der Einschränkungen im Alltagsleben
durch die CED-Erkrankung beim Versorgungsamt einen Antrag auf Anerkennung als
schwer behinderter Mensch zu stellen oder nicht.
Spätestens in solchen Situationen erweist sich eine Mitgliedschaft in der DCCV e. V.
– Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung – auch unter finanzieller Berück­
sichtigung des Mitgliedsbeitrages als unbedingt vorteilhaft.
7.2 Mikrobiologische (Probiotika-) Therapie
Die Darmflora
Der Darm ist von unzähligen Mikroorganismen besiedelt. Bei
einem gesunden Erwachsenen besteht diese Wohngemeinschaft
von Mikroorganismen – die Darmflora – zu 95 % aus anaeroben
Bakterien (Mikroorganismen, die keinen Sauerstoff für ihren Stoff­
wechsel benötigen) wie Laktobazillen und Escherichia coli mit einer
Gesamtzellzahl von 10 bis 100 Billionen (100.000.000.000.000).
Teilweise gibt es 10-mal mehr mikrobielle „Untermieter“ beim
Menschen als die Gesamtzellzahl des Menschen ausmacht. Im
Dickdarm ist die Bakterienkonzentration am höchsten, hier bietet
© Ardeypharm
sich ihnen auch nochmal reichlich „Futter“. Bei einer gesunden
Darmflora herrscht ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bakterienstämmen. Im Darm
eines Erwachsenen leben etwa 500 verschiedene Bakterienarten, die sich auf 17 Familien
verteilen in Frieden zusammen.
Freunde und Feinde der Darmflora
Leider vertreiben wir die guten „Mieter“ meist schon früh
durch negative Einflüsse. Darmfeindliche Esssünden wie fehlende
Ballaststoffe, Medikamente wie Antibiotika, Stress, der auch den
Darmkeimen zu schaffen macht und das Keimspektrum im Darm
verändert. Die „guten“ Bakterien halten es unter so ungemütlichen
Bedingungen nur schwer aus. Auch das sensible „Bauchhirn“
s.u. tut ein Übriges. Der Darm gerät aus dem Gleichgewicht, er
„streikt“. Die geschädigten lokalen Anwohner überlassen dann
den „durchreisenden“, krank machenden das Feld. Es kommt zu
© Ardeypharm
Fehlbesiedlung, Abwehrschwäche, erhöhtes Infektionsrisiko. Ist
eine solche Störung der Darmflora erst einmal längerfristig da, können sich weitere Be­
schwerden (z. B. Verstopfung, Infektionen mit Durchfall, Entzündungen, Allergien, Abwehr­
schwäche, Pilzbefall) einstellen.
Einfluss der Ernährung auf die Darmflora – Prof. Dr. med. S.C. Bischoff
Die Auswirkung der Zusammensetzung der von uns verzehrten Nahrung auf die
Beschaffen­heit und die Stoffwechselaktivität unserer Darmflora ist Gegenstand laufender
Unter­suchungen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Stoffwechsel­
leistungen der Bakterien vor allem vom Angebot an Substrat abhängen.
Besondere Bedeutung haben die so genannten Ballaststoffe, die vom Menschen nicht
abgebaut werden können, sondern hauptsächlich im Dickdarm von den Bakterien aufge­
schlossen werden. Eine erhöhte Zufuhr von Ballaststoffen bedeutet eine erhöhte Menge
­verfügbaren Substrats für die Darmflora und eine verstärkte Bildung mikrobieller Stoffwech­
selprodukte, u. a. von kurzkettigen Fettsäuren, aber auch die Entstehung ­verschiedener
38
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Gase wie Kohlen­dioxid, Methan oder Wasserstoff. (Auf die blähenden Nahrungsmittel wird
in unten genannter Broschüre detailliert eingegangen.)
Während einer Fehl- oder Mangelernährung und insbesondere bei parenteraler Ernäh­
rung besteht die Gefahr, dass zu wenig kurzkettige Fettsäuren von der Darmflora gebildet
werden. Stehen diese Fettsäuren den Zellen der Dickdarmschleimhaut nicht mehr ausrei­
chend zur Verfügung, kann ein Energiemangelsyndrom entstehen, wodurch langfristig die
Schleimhaut geschädigt wird. Durch den Einsatz von Probiotika (Mikroorganismen, Mikro­
biologika) kann die Darmflora gezielt beeinflusst werden.
Präbiotika sind bestimmte Kohlenhydrate, die natürlicherweise in vielen Pflanzen ent­
halten sind und im Dünndarm nicht verdaut werden können. Sie regen das Wachstum der
Darmbakterien an und unterstützen die Funktionen des Darms.
Für die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora ist der regelmäßige Verzehr von
­ballaststoffreichen Nahrungsmitteln, bestehend aus Vollkornprodukten, Obst und Gemüse
empfehlenswert. Ernährung spielt sowohl bei der Entstehung als auch in der Therapie von
CED eine Rolle.
Allerdings sind viele Detailfragen, z. B. ob bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe bei der
Entstehung oder der Reaktivierung von CED beteiligt sind, noch immer unbeantwortet.
Entgegen früherer Meinungen gibt es nicht „die CED-Diät“, aber es gibt viele sinnvolle
Empfehlungen, die insbesondere von Patienten mit Komplikationen (Fisteln, Kurzdarm u.
a.) beachtet werden müssen. Deshalb erscheint auch ohne allgemeine CED-Diät eine in­
dividuelle Beratung, die eventuell vorhandene Unverträglichkeiten berücksichtigt, sinnvoll.
Neuere Forschung auf dem Gebiet Ernährung und Darmflora zeigt, dass die Behand­
lung mit Probiotika bei CED sinnvoll ist (Mutaflor® ist auch für die Ruhephase der Colitis
ulcerosa zugelassen und zu Lasten der GKV verordnungsfähig); E. coli Stamm Nissle 1917
(Mutaflor®) ist ebenso wirksam bei Colitis ulcerosa in Remission wie Mesalazin. Diese Form
der Immunmodulation durch Einwirkung auf die Darmflora mittels Nahrungsstoffen und
Bakterien steht erst am Anfang und es bleibt abzuwarten, welche Forschungsergebnisse
praktische Bedeutung für die Prävention und Therapie von CED erlangen.
Gesichert ist eine Wirksamkeit für den E. coli Stamm Nissle 1917, den die DGVS
(Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) mit der bestmögli­
chen Empfehlungsstärke A bewertet.
Auch für Reizdarmpatienten liegen wissenschaftliche Ergebnisse von Professor Kruis
vor, die die Einnahme von E. coli Stamm Nissle 1917 empfehlen. Die aktuellen Reizdarm­
linien der DGVS (2011) empfiehlt ausdrücklich Probiotika bei verschiedenen Symptomen
(Blähungen, Druchfall, Verstopfung, Schmerzen) des Reizdarmsyndroms. Bestimmte Bak­
terienstämme (z. B. E. coli Stamm Nissle 1917 in Mutaflor®) haben sich besonders beim
RDS bei Blähungen und Verstopfung bewährt.
Quelle: (Beitrag von Prof.Dr.med. S.C. Bischoff aus den Broschüren “Ernährung” und “Darmflora (Ardeypharm); Kruis/
Iburg „Köstlich essen bei Reizdarm”, TRIAS Verlag.
Darmflora und Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Wird die Darmflora in ihrem empfindlichen Gleichgewicht gestört, kann sie ihre vielfäl­
tigen Aufgaben nicht mehr erfüllen. Wenn die Zusammensetzung und Funktion der Darm­
flora gestört ist, kann das zu unterschiedlichen Krankheiten führen:
• Durchfall
• Chronische Verstopfung
• Bauchschmerzen und Blähungen
• Reizdarm mit vielfältigen Symptomen
(Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchschmerzen)
• Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
(= CED: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
39
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung In Deutschland sind insgesamt etwa 150.000 Menschen an Morbus Crohn und 90.000
an Colitis ulcerosa erkrankt. Die Krankheit beginnt häufig akut und zeigt sich erstmals vor
allem im Kindes-, Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Die Ursachen für die „Brand­
herde“ im Darm sind bislang noch nicht vollständig geklärt, aber man kennt eine Reihe
von Faktoren, welche die Erkrankung begünstigen. Erbliche Einflüsse und Störungen des
Immunsystems spielen eine große Rolle. Das Immunsystem ist bei Patienten mit CED in
einer „Dauer-Alarmbereitschaft“.
Es tut des Guten zu viel und produziert mehr oder weniger ständig entzündungsför­
dernde Botenstoffe im Übermaß. Die Entzündung, die normalerweise Bestandteil des na­
türlichen Heilungsprozesses ist, kommt nicht zur Ruhe, sondern „schwelt“ im Darm weiter
und vernichtet die Darmschleimhaut. Diese Löcher in der natürlichen Abwehrbarriere des
Darmes – das sog. „leaky gut“ (der „durchlässige“, „löchrige“ Darm) bieten feindlichen
Bakterien und Giftstoffen keinen Widerstand mehr, es kommt zu einer Invasion an frem­
den, schädlichen Keimen, die die Darmflora weiter zerstören. Dabei ist das Gleichgewicht
zwischen antientzündlichen und entzündungsfördernden Immunstoffen gestört. Auch die
Durchlässigkeit der Darmschleimhaut wirkt sich nachteilig aus. Die Funktion der Darm­
schleimhaut als „Barriere“ zum Körper­inneren ist geschwächt und so können auch Nah­
rungsmittelbestandteile ins Blut gelangen.
Dort erzeugen sie dann eine entzündlich-allergische Reaktion. Weiterhin sind äußere
Faktoren wie beispielsweise Medikamente, Umweltgifte, Stress und Rauchen in der Dis­
kussion. Interessant ist, dass Kinder und Jugendliche, denen der „Blinddarm“ entfernt
wurde, seltener an Colitis ulcerosa leiden als jene, die ihren „Wurmfortsatz“ behalten. Ein
akuter oder gar erster Schub der CED tritt nicht selten nach einer (infektiös bedingten)
Durchfallerkrankung auf. Eine Störung der Darmflora ist vor allem bei der Colitis ulcerosa
an der Krankheitsentstehung mitbeteiligt. Die „guten“ Darmbakterien fehlen. Eine Vertrei­
bung der schützenden Darmbewohner und ein Ansiedeln krankmachender „nichtsnutzi­
ger“ Keime geht mit einer Schwächung der Abwehr einher.
Darum liegt es nahe, dass eine Besiedelung mit „guten“ Keimen, ein „Wiederauffor­
sten“ vor Entzündungen und CED schützen kann.
Probiotika – Bakterien, die es gut mit uns meinen
Probiotische Keime oder Probiotika („pro bios“ – griech. „Für das Leben“) sind ­lebende
„gute“ Bakterien, die die Darmgesundheit und das Immunsystem in vielfältiger Weise
­unterstützen. Voraussetzung ist außerdem, dass diese Keime in ausreichender hoher
Keimzahl aufgenommen werden und das aggressive saure Magenmilieu überstehen und
lebend ankommen. Auch das Festheften an der Darmschleimhaut ist für Probiotika essen­
tiell. Die bekanntesten und am besten untersuchten Vertreter sind die Milchsäurebakterien
(Laktobazillen, Bifidusbakterien), die auch in gesäuerten Produkten wie z. B. Sauermilch,
Kefir, Joghurt oder in gesäuertem Gemüse (wie Sauerkraut) vorkommen. Ist zum Beispiel
nach einer Antibiotikabehandlung das Gleichgewicht zwischen den „Wohngemein­schaften“
im Darm gestört, so können probiotische Keime (z. B. E. coli Stamm Nissle 1917 (EcN) (als
Mutaflor® seit fast 100 Jahren im Gebrauch)) dabei helfen, dass sich die fehlenden guten
Bakterien wieder ansiedeln. Sie unterstützen dabei auch die Immunfunktionen und sorgen
dafür, dass sich krankmachende Keime (z. B. Durchfallerreger wie Clostridien oder Viren
(z. B. Noroviren)) nicht im Darm breitmachen. Die von den probiotischen Keimen gebilde­
ten Säuren erschweren den „Feinden“ das Ansiedeln im Darm. Über die Verstoffwechse­
lung von Kohlenhydraten – teilweise auch von Laktose, wodurch Laktoseunverträglichkeit
gebessert wird, liefern diese „guten“ Bakterien Energie, auf die vor allem die sich rasch
teilenden Darmschleimhautzellen angewiesen sind. Hilfreich sind diese Probiotika auch
40
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Milchzuckerunverträglichkeit.
­Außerdem wirken diese Präparate (Mutaflor® ist bei Colitis ulcerosa in der Ruhephase von
der Arzneimittelbehörde zugelassen und wird in den Leitlinien bei Colitis ulcerosa empfoh­
len) auch an der Wachstumsregulation der Schleimhautzelle mit und tragen so möglicherweise zum Schutz vor Darmkrebs bei.
Wirken probiotische Lebensmittel (wie Joghurt, Milchdrinks etc.) genauso wie probio­
tische Arzneimittel? Damit in Deutschland ein Produkt als Arzneimittel zugelassen wird,
muss der Nachweis über Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Sicherheit erbracht wer­
den. Besteht der Wirkstoff wie bei probiotischen Medikamenten aus lebenden Mikroor­
ganismen, werden besonders hohe Anforderungen an die Patientensicherheit gestellt und
solche Präparate unterliegen einer ständigen gründlichen Kontrolle. Probiotische Lebens­
mittel fallen nicht unter diese strengen, verbraucherschützenden Kontrollen, da sie nicht
zur gezielten Behandlung (damit entfällt auch der Wirksamkeitsnachweis) von Krankheiten
vorgesehen sind, sondern ausschließlich der Ernährung dienen. Möchte man auf diese
sicherheitsrelevanten Aspekte und auch auf die Wirksamkeit nicht verzichten, ist dies nur
bei probiotischen Arzneimitteln gewährleistet. Bei chronischen Darmerkrankungen wie
CED, bei Reizdarmsymptomatik, bei Durchfällen und Blähungen werden Probiotika – im
Dünndarm vor allem Laktobazillen (wie Paidoflor®), Bifidusbakterien oder Saccharomyces
boulardii (z. B. Yomogi®, Perenterol®) – im Dickdarm EcN (Mutaflor®) eingesetzt. Die phy­
siologische (wiederhergestellte) Darmflora ist am Aufbau und Training des körpereigenen
Abwehrsystems beim Menschen entscheidend beteiligt. Dieser Effekt kann zur Vorbeugung
gegen viele Erkrankungen und zur Therapie genutzt werden. Bei probiotischen Arzneimitteln ist eine stete Sicherheits-, Qualitäts- und Wirksamkeitskontrolle gewährleistet. Eine
ausreichend hohe Keimzahl gelangt an den Ort des Krankheitsgeschehens; Lebendkeime
sichern alle probiotischen Funktionen und Wirkungen, die bei Teilen von Bakterien oder
Keimbestandteilen nicht gegeben sind.
Der Wirkungseintritt der Probiotika hängt von der Art der Erkrankung ab, bei akuten
Krankheiten kann die Wirkung bereits nach wenigen Tagen, bei chronischen Erkrankungen
nach regelmäßiger Einnahme über mehrere Wochen eintreten; auch zur Vorbeugung kön­
nen Probiotika als Kur über mehrere Wochen eingesetzt werden.
Die Dosierung der einstufigen Probiotikatherapie ist denkbar einfach: 1 – 2 Mutaflor®
Kapseln, die in hoher Konzentration die guten EcN-Bakterien enthalten, können am ­besten
morgens vor dem Frühstück mit etwas Flüssigkeit unzerkaut eingenommen werden. Ein­
zige gelegentlich vorkommende lästige Nebenwirkung sind Blähungen, die mit einer
einschleichenden Dosierung vermieden werden können: Zunächst 4 Tage lang 1 Kapsel
Mutaflor® mite. Anschließend 3 Tage lang 2 Kapseln Mutaflor® mite. Über die folgegnden
7 Tage 1 Kapsel Mutaflor®, anschließend 2 Kapseln pro Tag Mutaflor® (bei hartnäckiger Ver­
stopfung kann die Dosis bis zu 4 Kapseln Mutaflor® pro Tag [Einnahme morgens, unzerkaut
mit etwas Flüssigkeit] gesteigert werden). Für Säuglinge und Kleinkinder und bei Sonden­
ernährung gibt es Mutaflor® als Suspension, die direkt in den Mund geträufelt werden
kann. Bei Bedarf (es gibt eben Menschen, für die Kapselschlucken ein Horror ist) kann die
Kapsel durch Druck auf die Längsseiten geöffnet und der Inhalt mit etwas Flüssigkeit direkt
eingenommen werden – die Konzentration in den Kapseln ist so hoch, dass ein gewisser
Verlust bei der Magen-Darm-Passage unerheblich ist. Bei akuten Erkrankungen kann be­
reits nach wenigen Tagen die Therapie erfolgreich beendet werden. Zum Darmfloraaufbau
kann die Behandlung über Wochen kurmäßig durchgeführt werden (der EcN-Keim ­siedelt
sich zumeist im Darm an). Bei chronischen Erkrankungen, bei Reizdarm und bei Colitis
­ulcerosa in der Ruhephase (= Remission, in dieser Indikation wie auch bei Kindern mit
Durchfallerkrankungen und bei Verstopfung wird Mutaflor® von der Krankenkasse erstat­
41
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung tet) kann die Behandlung mit Mutaflor® lebenslang durchgeführt werden. Nach Antibioti­
katherapie, nach Bestrahlung oder sonstige die Darmflora schädigende E
­ inflüsse hilft eine
Kur mit Laktobazillen und EcN-Bakterien zur Wiederaufforstung der guten Darmbakterien.
Bettina Holzgrewe (Colitis ulcerosa)
Selbsthilfegruppe Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in Detmold
Kupferbent 4a, 32758 Detmold, 0 52 32 / 80 947, [email protected]
Umgang als Betroffene mit Darmfloraaufbau (die komplexe Variante)
Die einstufige, einfache Probiotika-Therapie (s. o.) (als Kur auch zur Prävention anwend­
bar) hier nun die komplexe Mikrobiologische Mehrstufentherapie.
Spezielle komplexe Mikrobiologische Therapie
Voraussetzung für diese Behandlung:
Der Patient/die Patientin sollte gut über diese Form der Mikrobiologische Therapie
aufgeklärt sein, die Möglichkeiten und Grenzen der Therapie kennen.
Neben der direkten Abwehr schädlicher Mikroorganismen sorgt die Mikrobiologische
Therapie für die Wiederherstellung der Barrierefunktion der Darmschleimhaut und den
Aufbau der schützenden gesunden Darmschleimhaut, der Darmflora, mit „guten“ Darm­
bakterien. Ein gesunder Darm stärkt die Selbstheilungskräfte und sorgt für ein gutes Ab­
wehrtraining.
Die komplexe „Herborner“ Mikrobiologische Therapie besteht aus 3 Komponenten:
1. Protektivbakterien zur Unterstützung und Regeneration der Schutzflora im Darm
mit Hilfe von Milchsäurebakterien (Probiotika)
2. Immunbakterien zum behutsamen Aufbau und Training des Abwehrsystems – Auf­
einander aufbauende Präparate aus E.-coli-Bakterien und Enterokokken
3. Autovaccine – Eigenimpfstoff aus Patienten eigenen Stuhlbakterien – zusätzliche
Therapie ergänzend zu Schritt 1 und 2. Dies soll eine deutliche Besserung der
chron. Beschwerden bei CED oder Reizdarm ermöglichen.
Weitere Informationen zur Mikrobiologischen Therapie von Betroffenen als Austausch in der Selbsthilfegruppe / oder
Fachinformationen: Was ist Mikrobiologische Therapie, und Auskünfte zu Ärzten 02772/981-0 und im Internet unter
www.mikrooek.de; www.ardeypharm.de, www.mutaflor.de, www.a-nissle-ges.de
Die komplexe Mikrobiologische Therapie von AMT Herborn, Symbiopharm bean­
sprucht einige Monate (eventuell 1,5 Jahre) und fordert somit vom Patienten einiges an
Geduld. Es gibt jedoch auch probiotische Behandlungsmöglichkeiten zum Aufbau der
Darmflora, bei dem ein Präparat (z. B. Mutaflor®) kurmäßig angewandt, ausreicht. G
­ enerell
sollte die Mikrobiologische Therapie mit Ernährungstherapie, TCM (= Traditioneller Chine­
sischer Medizin), Phytotherapie (pflanzliche Heilmittel), Homöopathie und anderen Naturheilverfahren kombiniert werden.
Der/die behandelnde Arzt/Ärztin sollte Erfahrung mit CED/Reizdarm und Mikrobiolo­
gischer Therapie haben.
42
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Die bzw. „unsere“ Darmflora fordert eine passende, gesunde Ernährung:
Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Ernährungsaufbau oder / und Ernährungsum­
stellung die Mikrobiologische Therapie ergänzt.
Vorrangig bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist vitamin- und vital­
stoffreiche Vollwertkost unter Vermeidung von allergenen Nahrungsmitteln und Unverträg­
lichkeiten hervorrufende Bestandteile wie z. B. Laktose (Probiotika sind oft Laktase-Liefe­
ranten und schaffen Abhilfe bei Laktoseunverträglichkeit), Fruktose, bestimmte tierische
Eiweiße z. B. nicht zu viel Schweinefleisch (enthält viel Arachidonsäure, ist ungünstig).
­Denaturierte Nahrungsmittel wie Zucker, Weißmehlprodukten, Konserven, Nahrungsmittel
mit Lebensmittelzusätzen wie Carageen, Natriumglutamat u.s.w. müssen unbedingt ge­
mieden bzw. deutlich einschränkt werden.
Manchmal sind in der Ernährungstherapie Nahrungsmittelergänzungen wie Vitamine,
Mineralstoffe (Eisen!) und Spurenelemente (Selen und Zink) notwendig, – dies erfordert
immer eine Abklärung durch den behandelnden Arzt.
Die Information über Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und über andere wichtige
­Inhaltsstoffe unserer Lebensmittel sollte selbstverständlich sein.
Bei Laktoseintoleranz kann z. B. auf Ziegen- und Schafsmilchprodukte umgestellt
­werden, um den Kalziumhaushalt stabil zu halten.
Die Feststellung/Ausschaltung von Allergenen wie Nahrungsmittel und Nahrungs­
mittelzusätze ist ein Bestandteil der Behandlung – eventuelle Medikamentenunverträglich­
keiten sollten beachtet werden.
Multiple Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei CED fordern eine gute Zusammen­
arbeit zwischen Diätassistentin, Arzt und Patient, da hier häufig für eine ausgewogene
Ernährung Nahrungsergänzung notwendig wird.
Tipp ! Probiotika sparen Medikamente ein und machen die Nahrungsstoffe bekömmlicher.
Fazit: Für ein gesundes Verdauungssystem ist es zweckmäßig in der eigenen Küche mit
­frischen, gehaltvollen Lebensmitteln wie Obst, Kartoffeln, Gemüse und mit frischen oder
getrockneten Kräutern (enthalten Mineralstoffe/Vitamine) usw. zu kochen, um evtl. Unver­
träglichkeiten und/ oder allergische Reaktionen auf Bestandteile in Fertigkost zu verhindern.
Frei nach dem Motto: Ich koche für MICH und Mein Wohlbefinden!
Quelle zu dem Beitrag Punkt 1, 2, 3: „Probiotika” von Schulze und Co-Autoren, Hippokrates Verlag 2009; „Mikrobio­
l­ogie und Medizin”, Buch: „Freunde Bakterien oder Feinde” von Volker Rusch. „Probiotika, Präbiotika, Synbiotika”
(Hrsg. Professor Bischoff) Thieme Verlag 2009.
Das Bauchhirn – Das Hirn im Bauch hat seinen eigenen Kopf
„Das hat mir den Appetit verschlagen“ ist eine Redewen­
dung, die zum Ausdruck bringt, dass Ereignisse emotionaler Art
mit unserem Verdauungstrakt in Verbindung stehen können. Das
ist nicht verwunderlich, befinden sich nicht nur im Gehirn, son­
dern vor allem auch in unserem Bauchraum Nervenfasern. 100
Millionen (!) Nerven­zellen durchziehen den Verdauungstrakt. Der
Darm besitzt sogar mehr Nervenzellen als das Rückenmark. Im
Darm sitzt unser zweites „Gehirn“. Auch die Botenstoffe – Infor­
mationsvermittler zwischen den Zellen – wie Serotonin und Ad­
renalin sind dieselben wie im Gehirn. Allein die Produktion von Serotonin, ein Botenstoff,
43
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung der u. a. für die Psyche, das Wohlbefinden und die Schmerzentstehung wichtig ist, findet
zum größten Teil im Darm statt. Die Nervenzellen im Bauchraum nehmen Informationen
auf, verarbeiten diese und geben sie an das Gehirn weiter. Dabei arbeitet das Bauchhirn
weitgehend selbstständig. Es sendet weitaus mehr Signale zum Kopfhirn, als es von dort
empfängt. 90% des Informationsaustauschs verlaufen vom Bauch zum Gehirn und werden
dort ausgewertet. Daher ist es verständlich, dass belastende Ereignisse und Stress unsere
Verdauung beeinträchtigen können und sich in der Folge Befindlichkeits­störungen (z. B.
Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen) einstellen.
(Quellen: Dr. Michaela Doll „Darmgesund mit Probiotika“, Herbig Verlag 2007; www.wikipedia.de; „Mikrokosmos Darm
– Mutaflor®, Paidoflor®, Yomogi“®, Patienteninformation Ardeypharm GmbH)
7.3 Bewegung und Bewegungstherapie
(unter besonderer Berücksichtigung des Laufens oder schnellen Gehens)
… gehörten schon in der Antike zu den Naturheilkundlichen Verfahren innerhalb der
ärztlichen Bemühungen um die Gesundung und Gesunderhaltung der Menschen (Zielvor­
stellung: „mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper).
Ausgangspunkt dafür war die Erfahrung, dass Menschen vielerlei Beschwerden be­
kommen, wenn sie sich längere Zeit nicht mehr ausreichend bewegen und es ihnen wieder
besser geht, sobald sie ihren Körper wieder beanspruchen (können).
Sowohl in der aktuellen Diskussion um den Nutzen von Naturheilverfahren, Komple­
mentärmedizinischen und Alternativen Therapieverfahren werden die Maßnahmen der Be­
wegung und Bewegungstherapie als gesundheitsfördernd angesehen.
Zu ihnen zählen sowohl die allgemeine körperliche Aktivität als auch alle Formen des
Kraft- und Ausdauertrainings, Sport und Spiele, passive und aktive Krankengymnastik,
Massage, manuelle Medizin, Physiotherapie usw.
Wenn CED-Patienten Bewegung als Therapieverfahren im Rahmen einer Naturheil­
kundlichen Behandlung angemessen und achtsam anwenden, erreichen sie nachweislich
körperliche und psychische Verbesserungen ihres Krankheitsbildes.
Durch Bewegung werden die Stoffwechselvorgänge intensiv angeregt, darüber hinaus
aber auch die Kreislaufregulation insgesamt gefördert und der Grundumsatz im Körper
erhöht.
Die intestinale Motorik (auch die Peristaltik des Darmes) wird angeregt und harmoni­
siert. In der Region des erkrankten Darmes kommt es zu einem positiveren Körpererleben.
Durch die gesteigerte Zwerchfellatmung und die dadurch vermehrt aktivierte Bauchmus­
kulatur gehen eventuelle Blähungen spontan ab. Durchfälle treten während der Übungen
nach einiger Zeit nicht mehr auf.
Beim Ausdauersport (z. B. Dauerwaldlauf) kommt es zu einer Durchwärmung des ge­
samten Körpers einschließlich der Darmregion mit dem Gefühl des allgemeinen Wohlbefin­
dens, der Zufriedenheit und des Glücklichseins.
Dadurch werden Angst und Depressionen bei psychisch
­labilen Patienten günstig beeinflusst.
Vermutlich durch die bessere Durchblutung der Hirnregion
kommt es während der Bewegung zu intuitiven Gedankenblitzen,
die unvermutet eine überraschende Lösung für lange aufgescho­
bene schwierige Entscheidungen bieten oder neue Entwicklungs­
perspektiven eröffnen. Das Denken geschieht völlig ohne Anstren­
gung, aber mit großer Klarheit, Präzision und Logik.
44
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Durch die regelmäßige, bis zu leichtem Schwitzen betriebene achtsame Bewegung
bekommt der Patient auch immer wieder Rückmeldungen, welche Menge an Essen und
Trinken und welche der ausgewählten Nahrungsmittel und Getränke für sein Wohlbefinden
förderlich sind.
Achtsame Bewegungstherapie wirkt in geringem Maße Schmerz dämpfend, weil sich
die Körperwahrnehmung des Patienten vom Schmerzzentrum weg auf positive Körper­
empfindungen richtet. Gute Wirkungen werden auch bei Gelenkerkrankungen und bei
der Osteoporose durch die Entlastung der Gelenke und Knochen über eine Stärkung der
Muskeln und Bänder erzielt.
Überdies wird durch die Bewegung an der frischen Luft Vitamin D im Körper gebildet.
Die vegetativen Funktionen werden im Sinne einer gelasseneren Regulation durch das
vegetative Nervensystem umgestimmt. Es findet eine vom Patienten selbst kontrollierte
körper­liche, vegetative und psychische An- und Entspannung statt.
Negativer (überfordernder) Stress wird dadurch abgebaut. Systemische Auswirkun­
gen auf das Hormon- und Immunsystem (seltener Infekte) sind nachweisbar.
Idealtypisch werden CED-Patienten aufgrund ihrer chronischen Erkrankung als eher
ich-schwach, passiv, sensibel, Konflikte vermeidend und sozial zurückgezogen gekenn­
zeichnet.
Durch achtsame Bewegungstherapie werden diese negativen Eigenschaften günstig
beeinflusst.
Die Patienten erleben den Wechsel von Anspannung (bei der Bewegung) und Entspan­
nung. Sie haben sofort ein Erfolgserlebnis durch die erreichte Bewegungsleistung. ­Dadurch
wird das Vertrauen auf die eigenen körperlichen Kräfte, Fähigkeiten und Selbstheilungspro­
zesse gestärkt (Aktivierung des „inneren Arztes“).
Auf Unpässlichkeiten und leichte Schmerzempfindungen bei der Bewegung erfolgen
halbautomatisch-intuitiv, aber mit Beteiligung des Gehirns sofort eine Reihe regulierender
Anpassungsreaktionen, um den Schmerz auszuschalten, bis das richtige Anpassungsver­
halten gefunden ist.
Durch die immer wiederkehrenden Erfolge stellt sich statt der bisherigen unterschwel­
ligen Furcht vor dem Misserfolg des Therapieverfahrens eine generalisierte Hoffnung auf
Erfolg bei allen zukünftigen Aktivitäten ein. Die Patienten werden ermutigt, ihr Leben selbst
verantwortlich und aktiv zu gestalten statt depressiv und passiv die Besserung allein vom
Arzt zu erwarten.
Letztlich können auf diese Weise, ggf. auch durch zusätzliche Anwendung anderer
Naturheilverfahren von innen heraus Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz der Patien­
ten so gestärkt werden, dass die CED mit ihren Krisen und ihrem Stress nicht mehr als
übermächtiges Schreckgespenst, sondern als sinnvolle Herausforderung und Chance zur
Lebensänderung und persönlichen Weiterentwicklung erlebt wird und zielstrebig angegan­
gen werden kann.
Text: H
orst Friedenberger Horst Friedenberger, Diplompädagoge und Lehrer für Sonderpädagogik
(Abteilung für Heilpädagogik der Universität Dortmund)
Verwendete Literatur: www.dccv.de, online-Bauchredner-Archiv: Artikel zum Thema Bewegung, Bewegungstherapie
und Komplementärmedizin; AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)
online: Leitlinien Osteologie – Empfehlungen des Dachverbandes der dt. spr. osteologischen Fachgesellschaften (DVO)
zu Glukokortikoid-induzierten Osteoporose, Leitlinien zur Behandlung des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa;
Website des Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose e.V.; unter www.wikipedia.de: Artikel zu den Themen Bewe­
gung, Bewegungstherapie und Komplementärmedizin.
45
1
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung Bettina Holzgrewe (Colitis ulcerosa)
Selbsthilfegruppe Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in Detmold
Kupferbent 4a, 32758 Detmold, 0 52 32 / 80 947, [email protected]
7.4 Unterstützende Maßnahmen: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ – Raumklima:
Das Leben in einer hellen Wohnung mit warmen, wohltuenden (giftfreien) Farben und
mit vielen, schönen Grünpflanzen (Vorsicht bei Allergikern – Schimmelpilze in Blumenerde)
tut uns gut.
Bei einem zu dunklen Wohnzimmer kann eine gute Beleuchtungstechnik für mehr Hel­
ligkeit sorgen – helle Wandfarbe und helle Möbel ergänzen die Lichteffekte.
Schadstofffreie Möbel, der richtige Fußboden (Vorsicht bei Milben im Teppich), die
richtige Raumluft, ruhige Wohnlage der Wohnung, richtige Wärmeverteilung, richtigen
Putz- und Waschmittel, aber auch – Schadstoff-arme – und Schimmelpilz-freie Räume
und viele wichtige Dinge mehr in unserem häuslichen Umfeld beeinflussen positiv als auch
negativ unsere Gesundheit.
Das „Wohlfühlen“ in den eigenen vier Wänden hat ebenfalls positive Einflüsse auf die
Behandlung einer chronischen Erkrankung. Mit eigenen Ideen den Wohnbereich zu gestal­
ten, macht Spaß, und es kann für manche Menschen eine Art Therapie werden oder sein.
Bei Verdacht auf Schimmelpilzallergie oder andere schädliche Stoffe oder Wohngifte:
Ärzte für Umweltmedizin und Umwelttechniker können bei Verdacht z. B. auf Schim­
melpilze und andere Schadstoffe bei der Feststellung und eventuell erforderlichen Behand­
lung behilflich sein. Diese Fachärzte können bei den Krankenkassen oder über die zustän­
dige Kassenärztliche Vereinigung/Ärztekammer erfragt werden.
Berufliche Erfahrungen, Thema/Text: Bettina Holzgrewe
7.5 Praktische Hilfe bei Durchfall – Patienteninformation
Praxis für naturheilkundliche Medizin Dr. med. Eckhard Schreiber-Weber
Facharzt für Allgemeinmedizin – Naturheilverfahren – Badearzt
Ärztlicher Kursleiter für Autogenes Training - Ernährungsmediziner (DAEM/DGEM)
Parkstraße 48 · 32105 Bad Salzuflen · Tel.: 05222/61901 · Fax: 600499
E-Mail: [email protected] · Internet: www.dr-schreiber-weber.de
Bauchhirn und Reizdarm – Wie der Bauch den Kopf bestimmt !
Lange dachte man, dass es nur zwei Nervensysteme gibt: das Zentralnervensystem
(ZNS: Gehirnnerven und Rückenmark) und das vegetative oder autonome Nervensystem,
das über den Sympathikus- und Parasympathikusnerv bei Gefühlsreizen dazu führt, dass
wir rot oder blass werden, die Herzfrequenz oder der Speichelfluss angeregt werden oder
dass wir Magenschmerzen, Verstopfung oder Durchfall bekommen.
Längst wissen wir aber: es gibt noch ein drittes, das Darmnervensystem oder auch
Bauchhirn genannt. Drei Dinge faszinieren Laien und Wissenschaftler:
1. 100 Mio. Nervenzellen umhüllen den Darm. Es ist der Ort der größten Nerven­
zellansammlung außerhalb des ZNS.
2. Das Bauchhirn funktioniert unabhängig vom Kopfhirn ! Das beste Beispiel ist die
peristaltische Welle, die Eigenbeweglichkeit des Darms.
46
7 Hilfe zur Selbsthilfe – Behandlung 3. 90 % der Verbindungen verlaufen vom Bauchhirn zum Kopfhirn ! Das Darm­
nervengeflecht ist zwar unabhängig von Kopfhirn, aber intensiv mit diesem durch
viele Nervenbahnen verbunden, die vor allem in Richtung Kopfhirn verlaufen!
Was erzählt das Bauchhirn den ganzen Tag unserem Kopfhirn? Spezielle (enterochrom­affine) Zellen in der Darmschleimhaut melden dem Darmnervensystem Informationen
z. B. über die Zusammensetzung der Nahrung oder den Dehnungszustand des Darmes und
schütten Botenstoffe aus, die das Darmnervengeflecht beeinflussen, z. B. das Serotonin,
das aus dem Eiweiß Tryptophan (das der Körper nicht selbst bilden kann) als Vorstufe des
Glückshormons entsteht. Ein Mangel an Tryptophan/Serotonin kann neben Verdauungs­
beschwerden zu Depressionen führen. Dieses „Glückshormon“ wird nicht nur im Gehirn,
sondern zu 95% im Darm produziert! Bauch- und Kopfhirn haben die gleichen Botenstoffe
und die gleichen Rezeptoren. Deswegen wirken Psychopharmaka auch auf den Darm. Un­
sere Gefühle und Lebenserfahrungen sind vor allem als Bauchreaktionen gespeichert und
werden ans Gehirn weitergeleitet. Dort machen sie Stimmung und prägen unsere vermeint­
lich verstandesgemäßen Entscheidungen! So entscheiden wir tatsächlich aus dem Bauch!
Reizdarmsyndrom
Diese Erkenntnisse haben auch zu neuen Erklärungsmöglichkeiten des Reizdarmsyn­
droms (RDS) geführt. Von der Fülle der Signale vom Bauch- zum Kopfhirn nehmen wir
­normalerweise nur Alarmsignale wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen bewusst wahr.
Durch zu viele Stress-Signale aus dem Bauch können Hirnareale geschädigt werden und
alle Signale kommen ungefiltert an. Normale Reize werden so z. B. als Schmerz wahr­
genommen.
Die Hauptrolle spielen aber wahrscheinlich Störungen im Bauchhirn selbst. Ein B
­ eispiel
dafür ist, dass Patienten nach Darminfektionen einen Reizdarm entwickeln (postinfekti­
öser Reizdarm). In der Darmschleimhaut von Reizdarmpatienten hat man nach solchen
Infektionen vermehrt Entzündungszellen gefunden, die die Nervenzellen des Bauchhirns
stimulieren.
Als mögliche Auslöser dafür kommen Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Frage und
eine veränderte Darmflora. Reizdarmpatienten haben oft einen Mangel an Laktobazillen
und Bifidusbakterien und gleichzeitig zu viele Bakteroides- und pathogene E. coli-Keime
Hier kann die Mikrobiologische Therapie helfen. Bakterienpräparate (Probiotika) können
Blähungen und Schmerzen lindern.
Durchfallerkrankungen
Zum Grundprinzip
Es muss das ersetzt werden, was der Körper verliert: Wasser, Traubenzucker, Salz
und Kalium. Das wichtigste bei Durchfall ist immer, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu
nehmen ! ! !
Einfache Kontrolle, ob Sie genug getrunken haben, ist die Farbe Ihres Urins: sie muss
hell sein. Trinken Sie täglich viel Wasser oder Tee (kalt meist besser verträglich), z. B.
Kamille, ­Fenchel, Pfefferminz, Scharfgarbe oder dünnen schwarzen Tee mit Traubenzucker (Glukose) oder Honig; bitte keinen Süßstoff. Salz nehmen Sie durch Salzstangen,
Salzbrezeln, magere Brühe oder eine Prise Salz in den Tee zu sich. Kaliumreich sind z. B.
Bananen.
47
1
Nahrungsaufbau
Sie müssen nicht auf Nahrung verzichten und es gibt keine spezielle Diät. Fett und
Eiweiss sollten sie jedoch eher sparsam zu sich nehmen. Besser verträglich sind in der
Regel Kohlen­hydrate:
• zerdrückte Banane mit Traubenzucker
• geriebener Apfel, Hafer- oder Reisschleim (im Wasser gekocht)
• gekochte Kartoffeln oder Möhren (Salzwasser), ohne Fett
• Zwieback, evtl. trockenes Brötchen (ohne Belag oder mit Honig)
Nächster Schritt
• Reis, Nudeln, Kartoffeln, Knäckebrot,
• evtl. mageres Rindfleisch oder Geflügel
• magerer Käse oder Aufschnitt wie z. B. Corned Beef, Hähnchensülze
Übergang zu Normalkost
• Noch vorsichtig mit Fetten, Gebratenem und blähenden Speisen
Medikamente
Sie sind außer bei häufigem Erbrechen und starken Bauchschmerzen in der Regel
nicht notwendig. Bewährt hat sich zur Linderung der Beschwerden z. B. Luvos Heilerde
­ultra-fein, ein- bis dreimal täglich ein Teelöffel in Wasser aufgelöst.
48
Teil 2 : Ernährung in der täglichen Praxis
49
2
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
1.1 Tagespläne ballaststoffarm – ballaststoffreich bei Chronisch-entzündlicher
­Darmerkrankung nach einem akuten Schub
Erarbeitet von: Schule für Diätassistenten am evangelischen Krankenhaus Bielefeld
Michael Hilker; Diätassistent, Lehrer für Berufe im Gesundheitswesen HAGE
Schülerinnen aus dem Oberkurs 06/09:
Theresa Budde, Jasmin Isabelle Plaß, Jewgenija Schäfer, Romina Schubert
Ballaststoffarm
1. Frühstück
Menge g Zutaten
kcal EW* F
KH
Bst
Lakt
g g Gg g
125 ml
10 ml
5 g
4 g
10 g
20 g
20 g
Bohnenkaffee entsäuert 3
Milch Minus L 1,5% 5
Zucker
20
Weißbrot abgelagert
94
Pflanzenmargarine
72
Kochschinken
25
Tomaten 3
0,3
0,3
0,0
2,8
0,0
4,4
0,2
0,0  0,4
0,2  0,5
0,0 5,0
0,5
19,2
8,0  0,0
0,6  0,0
0,0 0,5
0,0
0,0
0,0
1,2
0,0
0,0
0,2
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
4,9
0,0
0,5
2,3  7,1
0,0  9,9
0,1  8,6
0,0
0,0
0,8
0,0
0,0
0,0
Bananenjoghurt
150 g
10 g
40 g
Joghurt Minus L 1,5%
Zucker
Banane
Zwischensumme
69
40
38
369 13,411,6 51,02,2 0,0
2. Frühstück
200 ml
60 g
15 g
20 g
10 g
5 g
Kräutertee 0
Weizenbrötchen
149
Pflanzenmargarine
108
Goudakäse 45% 60
Gewürzgurkenfächer 3
Eisbergsalat 1
Zwischensumme
0,0
4,5
0,0
4,9
0,1
0,1
0,0 0,0
0,8
30,4
12,0  0,0
4,5  0,0
0,0 0,6
0,0 0,1
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
321 9,5 17,3 31,12,0 0,0
(Abkürzungen: EW = Eiweiß, F = Fette, KH = Kohlenhydrate, Bst = Ballaststoffe, Lakt = Laktose)
50
0,0
1,9
0,0
0,0
0,0
0,1
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Ballaststoffarm
Mittagessen
kcalEW F
KH Bst Lakt
0 0,00,0 0,00,0 0,0
150 ml
Mineralwasser Co2 reduziert 50 mlApfelsaft
24 0,00,0 5,50,0 0,0
Putenroulade mit Gemüsefüllung, Kartoffeln und Zucchinigemüse
100 g
Putenbrust
105
24,1
15 g
saure Sahne 10% 18 0,5
Salz
15 g
Möhre 4 0,1
10 g
Sellerie
Petersilie, Salz 2 0,2
15 g
Möhre 4 0,1
30 g
Tomaten 5 0,3
30 ml Wasser 0 0,0
1,0
1,5
0,0
0,5
0,0
0,0
0,0
0,5
0,0
0,7
0,5
0,0
0,0
0,0
0,1
0,0
0,2
0,7
0,8
0,0
0,4
0,5
0,3
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,9
4,4
0,3
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,3
Soße
80 ml
20 ml
5 g
10 g
Putenfond 0
Milch Minus L 1,5 % 9
Stärke
17
saure Sahne 10%
12
0,0
0,7
0,0
0,3
0,0
0,3
0,0
1,0
Kartoffeln
Salz
85
Zucchini
19
Pflanzenmargarine
72
Wasser 0
Salz, Majoran, Petersilie
2,4
1,6
0,0
0,0
0,1 17,82,7
0,4 2,0 1,1
8,0 0,0 0,0
0,0 0,0 0,0
2
Beilagen
120 g
100 g
10 g
50 ml
0,0
0,0
0,0
0,0
Dessert – Pfirsichgelee
1100 ml
Pfirsichsaft
30 g Pfirsich
40 g
Gelatine
Zitronenmelisse
Zwischensumme
43 0,00,0 9,00,0 0,0
23 0,20,0 5,30,6 0,0
als Garnitur
14
3,40,0 0,00,0 0,0
455 33,912,5 48,26,2 0,8
51
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Ballaststoffarm
Kaffeemahlzeit
200 ml
10 ml
5 g
1 Stück
kcalEW F
Bohnenkaffee entsäuert 4
Milch MinusL 1,5% 5
Zucker 20
Puddingschnecke abgelagert198
Zwischensumme
0,4
0,3
0,0
5,0
KH Bst Lakt
0,0 0,6
0,2 0,5
0,0 5,0
5,6
31,4
0,0
0,0
0,0
1,2
0,0
0,0
0,0
0,0
226 5,7 5,7 37,51,2 0,0
Abendessen
200 ml
0
Mineralwasser Co2 reduziert
0,00,0 0,00,0 0,0
Mediterraner Salat
40 g
Zartweizenkörner Ebly® 137 4,8 0,6 28,22,4
150 ml
Gemüsebrühe verzehrfertig 29
0,3
2,7 0,8 0,7
40 g
Kochschinken 46 7,3 1,7 0,4 0,0
25 g
Parmesankäse 94 8,5 6,3 0,0 0,0
50 g
Kirschtomaten 9 0,5 0,1 1,3 0,5
50 g
Ruccola 7 0,5 0,0 0,0 0,5
10 g
Olivenöl 82 0,0 9,1 0,0 0,0
5 g
Balsamicoessig 1 0,0 0,0 0,0 0,0
Salz, Thymian, Petersilie
70 g
Laugenbrötchen
238
6,6
1,8
48,0 2,9
Zwischensumme
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
642 28,522,4 78,66,9 0,0
Spätmahlzeit
40 g
30 g
Baguette
99
3,0
0,5
20,3 1,3
Magerquark Minus L
19
3,8
0,1
0,7
0,0
Basilikum frisch, Salz
0,0
0,0
Zwischensumme
118 6,7 0,6 20,91,3 0,0
Gesamt
2131 97,8 70,2 267,019,7 0,9
Nährstoffrelation / Bilanz
Energiewert
Eiweiß
Fett
52
2131 kcal
97,8 g
19 %
70,2 g
31 %
Kohlenhydrate
267,3 g
Ballaststoffe 20,0 g
Laktose 5,0 g
53 %
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Tagesplan bei Chronisch-entzündlicher Darmerkrankung im schubfreien Intervall
Erarbeitet von: Schule für Diätassistenten am evangelischen Krankenhaus Bielefeld
Michael Hilker; Diätassistent, Lehrer für Berufe im Gesundheitswesen HAGE
Schülerinnen aus dem Oberkurs 06/09:
Theresa Budde, Jasmin Isabelle Plaß, Jewgenija Schäfer, Romina Schubert
Gesunde Ernährung mit mind. 30 g Ballaststoffen
Ballaststoffreich
1. Frühstück
Menge g Zutaten
kcal EW* F
KH
Bst
Lakt
g g Gg g
150 ml
5 ml
Bohnenkaffee mild
Minus L Kaffeesahne
3
6
0,3
0,2
0
0,5
3,9
0,8
0,3
0,5
0,3
8,2
1,9
0
7,5
0,8
0
0
0
0
0
0
0
2,1
17
0,2 1
0,1 8
0,1 5
0,1 5
3,8
12
3,0
2,3
0,8
1,1
0,8
0
0
0
0
0
0
0,3
0,8
12
4,0 0
6,5 0
0,4 1
5,0 0
0,8
0
0
0
0
0,2
0
0
0
0
Früchtemüsli
30 g
5 g
50 g
50 g
50 g
Haferflocken, kernige
104
Weizenkleie 9
Weintrauben, blau 36
Orange, frisch 24
Pflaumen, frisch 24
Minus L Milch 1,5 %
115
Vollkorntoast mit Rührei
25 g
Vollkorntoast
63
5 g
Pflanzenmargarine, lactosefrei 36
58 g
Ei, Gew. M, frisch
89
25 g
Minus L Milch 1,5 %
12
1 Teel.
Rapsöl
44
Salz, Muskat, Petersilie
Zwischensumme
2
563 24,723,6 62 9,2 0,4
(Abkürzungen: EW=Eiweiß, F=Fette, KH=Kohlenhydrate, Bst= Ballaststoffe, Lakt=Laktose)
53
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Ballaststoffreich
2. Frühstück
Menge g Zutaten
kcal EW* F
KH
Bst
Lakt
g g Gg g
150 ml
5 ml
Bohnenkaffee mild
Minus L Kaffeesahne
3
6
0,3
0,2
0
0,5
0
0
0
0
4,8
0,9
0,5
0,0
6,6
0,9
26
4,0
3,5 0
0
0,1 1
1,4
8,0 0
0,9
0
0
Belegtes Vollkornbrötchen
60 g
15 g
40 g
10 g
30 g
10 g
Vollkornbrötchen
133
Minus L Frischkäse 37
Paprika, frisch 8
Pflanzenmargarine 72
Kochschinken 38
Eisbergsalat, frisch
Zwischensumme
0
0
0
298 13,314,0 28,05,6 0
Mittagessen
150 ml
150 ml
Wasser 0 0
Kirschsaft
83 0,0
0
0
17
0
0
Currygeschnetzeltes mit Vollkornreis
80 g
10 g
30 g
30 g
30 g
5 g
100 ml
10 g
50 g
54
Putenbrust, frisch
86
19,3 0,8 0
0
Zwiebel, frisch 3 0,1 0 0
0,1
Ananas, Dose
20 0
0 5
0
Pfirsich, Dose
12 0
0 2
0,3
Birne, Dose
17 0
0 4
0,9
Rapsöl
44 0
5,0 0
0
Gemüsebrühe, verzehrfertig 1 0
0,1 0
0
Weizenmehl Type 405
33 1,0 0 7
0,4
Saure Sahne 10 % F.
18 0,5 1,5 0
0
Salz, Pfeffer, Curry
Vollkornreis, roh
172 4,0 1,1
37
1,6
Wasser, Salz
0
0
0
0
0
0
0
0
0,5
0
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Ballaststoffreich
Mittagessen
Menge g Zutaten
kcal EW* F
KH
Bst
Lakt
g g Gg g
Blattsalat
30 g
5 ml
5 ml
Kopfsalat, frisch 3
Olivenöl
44
Balsamico-Essig 1
Salz, Pfeffer,
Kräuter der Provence
0,3
0
0
0 0
5,0 0
0 0
0,3
0
0
0
0
0
0,7
0,3
0
0
0,1 4
0,3 9
0
11
0 3
2,4
1,5
0
0
0
0
0
0
Dessert – Himbeer-Apfel Grütze
50 g
75 g
100 ml
3 g
Himbeeren, tiefgekühlt
Apfel, frisch
Apfelsaft
Maisstärke
Zwischensumme
20
39
48
11
653 26,113,9 98 7,6 0,5
Kaffeemahlzeit
150 ml
Bohnenkaffee mild 3
0,3
0,0 0
0
0
5 ml
Minus L Kaffeesahne 6
0,2
0,5 0
0
0
4,4
9,8
4,4
0
1 Portion Heidelbeerkuchen
242
31
Zwischensumme
251 4,9 10,331 4,4 0
2
55
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Ballaststoffreich
Abendessen
Menge g Zutaten
kcal EW* F
KH
Bst
Lakt
g g Gg g
Bunter Gemüseeintopf
20 g
Muschelnudeln, roh
71
40 g
Möhre, frisch
10
40 g
Sellerie, frisch 6
2,6
0,4
14
0,6
0
0
0 2
1,2
0
0,4
0 1
0,8
0
35 g
Erbsen, tiefkühl
29
1,9
0,6 5
1,8
0
35 g
Kohlrabi, frisch 9
0,7
0 1
0,5
0
25 ml
Gemüsebrühe, verzehrfertig15
0,8
0,9 1
0
0
3 ml
Olivenöl
0,0
3,0 0
0
0
Kerbel, Muskat, Petersilie, Liebstöckel
50 g
Vollkornbaguette
0,5
4,3
0
Zwischensumme
26
94
3,2
19
653 26,113,9 98 7,6 0,5
Spätmahlzeit
20 g
Russischbrot 66 1,1 0,2 15
0
0
Zwischensumme
653 26,113,9 98 7,6 0,5
Gesamt
209179,7 67,3 277 36.0 1,0
Nährstoffrelation / Bilanz
Energiewert
Eiweiß
Fett
56
2091 kcal
79,7 g
15 %
67,3 g
30 %
Kohlenhydrate
277,0 g
Ballaststoffe 36,0 g
Laktose 1,0 g
55 %
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
1.2 Tipps & Rezepte bei CED
Erarbeitet von: Schule für Diätassistenten am evangelischen Krankenhaus Bielefeld
Michael Hilker; Diätassistent, Lehrer für Berufe im Gesundheitswesen HAGE
Schülerinnen aus dem Oberkurs 06/09:
Laura Kliewer, Caroline Noack, Mareike Stamer, Maria Stoverink
Hinweise zu unseren Rezepten
Beachte:
• Die ausgearbeiteten Rezepte sind nur für die Ernährung in einem schubfreiem
­Intervall geeignet.
• Diese Rezepte sind nach den DGE – Richtlinien zur gesunden Ernährung
zusammengestellt.
• Alle Rezepte sind laktosearm.
• Alle Rezepte wurden mit dem Nährwertberechnungsprogramm
Prodi Expert 5.6 berechnet
Alternativen für Süßigkeiten
Fruchtspieße mit Schokoladenglasur (für 4 Personen)
Zutaten:
400 g
240 g 200 g
300 g 250 g 20 ml
80 g 8
2
Erdbeeren, frisch oder Ananas
Sternenfrucht, frisch
Kiwi
Nektarinen
Apfel
Zitronensaft
Vollmilchschokolade
Schaschlikspieße
Zubereitung:
• Das Obst waschen, bei Bedarf schälen und in mundgerechte Stücke schneiden.
Das Obst mit Zitronensaft beträufeln und gut durchmischen
• Die verschiedenen Fruchtstücke abwechselnd auf die Spieße stecken.
• Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen und mit einem Löffel über die Obstspieße
sprenkeln.
• Tipp: Pergamentpapier unter die Spieße legen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
260
Eiweiß
5 g
Fett
7 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
42 g
7 g
1,9 g
57
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Tutti-Frutti (für 4 Personen)
Zutaten:
300 g gemischtes Obst der Saison
Alternativ gemischte
Konserven verwenden
1 Päck. Vanillezucker
250 ml Milch 1,5 % Minus L
20 g
Zucker
1 Prise Salz
20 g
Maisstärke
1
Eigelb
1
Eiweiß
4 Stck. Butterkeks
Zubereitung:
• Das Obst waschen, schälen, in kleine Würfel schneiden und in wenig Wasser kurz
dünsten und in Dessertschälchen füllen.
• Den Vanillezucker mit Milch und Eigelb verquirlen einrühren und aufkochen lassen.
Die Stärke mit etwas Milch anrühren und in die kochende Milch rühren. Einmal auf­
kochen lassen.
• Das Eiweiß steif schlagen und unter den heißen Flammeri heben und über die Früchte
ins Dessertschälchen geben.
• Die Butterkekse zerbröseln und über den Flammeri streuen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
204
58
Eiweiß
5 g
Fett
3 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
39 g
1 g
< 0,1 g
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Apfelsuppe (für 4 Personen)
Zutaten:
500 g Äpfel
1L
Wasser
30 g Maisstärke
1 Prise Salz
Zitronenschale
½
Zimtstange
Zubereitung:
• Äpfel waschen und in Viertel schneiden.
• Die Äpfel mit Wasser, Zitronenschale und der Zimtstange aufkochen,
10 Minuten fortkochen.
• Alles pürieren und erneut aufkochen.
• Die Stärke mit etwas Wasser anrühren und in die kochende Flüssigkeit
einrühren und aufkochen lassen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
78
Eiweiß
1 g
Fett
0 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
17 g
2 g
0g
2
Banane mit Schokoladensoße (für 4 Personen)
Zutaten:
4
Bananen
125 ml Milch 1,5%, Minus L
100 g Zucker
½ Prise Salz
50 g Kakaopulver
½ Pck. Vanillinzucker
Zubereitung:
• Bananen schälen, ganz lassen oder in mundgerechte Stücke schneiden.
• Milch, Zucker, Salz und Vanillinzucker in einen Topf geben und aufkochen lassen.
• Das Kakaopulver mit einem Schneebesen einrühren und alles unter ständigem Rühren
5 Minuten kochen lassen.
• Anschließend entweder warm oder kalt über die Banane geben und servieren.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
241
Eiweiß
4 g
Fett
3 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
45 g
6 g
0g
59
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Gesund und vollwertig essen
Mediterraner Salat (für 4 Personen)
Zutaten:
160 gEbly® Weizenkörner oder
Bulgur, Couscous
600 ml Gemüsebrühe, verzehrfertig
160 g gekochten Schinken
60 g Parmesankäse 37% F.i.Tr.
200 g Kirschtomaten
200 g Ruccola
40 ml Olivenöl
20 ml Balsamico-Essig
Salz, Kräuter der Provence
Zubereitung:
• Ebly® ca. 10 Minuten in Brühe kochen und abkühlen lassen.
• Schinken würfeln, Parmesankäse reiben, Tomaten waschen und halbieren, Ruccola
waschen und putzen.
• Alle Zutaten und Ebly in eine Schüssel geben.
• Für die Marinade, Öl, Essig und Kräuter verrühren und darüber geben
und gut durch­ziehen lassen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
359
60
Eiweiß
20 g
Fett
17 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
31 g
4 g
<0,1 g
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Kräutersoße (für 4 Personen)
Zutaten:
40 gMargarine, laktosefrei
(Deli Reform)
40 g
Weizenmehl Typ 405
375 ml Gemüsebrühe, verzehrfertig
250 ml Milch, Minus L 1,5%, laktosefrei
Salz, Schnittlauch, Basilikum
Zubereitung:
• Margarine erhitzen, Mehl zugeben und unter ständigem Rühren hellgelb andünsten.
Mit Gemüsebrühe und Milch unter Rühren ablöschen, aufkochen und 5 Minuten in der
Nachwärme quellen lassen.
• Mit Salz abschmecken und zerkleinerte Kräuter zugeben. Zu den Bratlingen servieren.
Pro Person:
Kalorien
135
Eiweiß
3 g
Fett
9 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
10 g
0 g
<0,1 g
Hirsebratlinge (für 4 Personen)
Zutaten:
2
5 g Rapsöl
50 g Zwiebel
150 g Hirse
400 ml Wasser
50 g Möhre
1 Ei
Thymian, Majoran, Pfeffer,
Salz, frische Kräuter
10 g
Rapsöl
Zubereitung:
• Kleingeschnittene Zwiebeln in 5 g Rapsöl andünsten. Die Hirse zufügen und kurz mit­
dünsten und mit dem Wasser auffüllen.
• Auf kleiner Stufe 30 Minuten gar ziehen lassen. Geraspelte Möhre und Kräuter dazuge­
ben und mit dem Ei verkneten.
• Vier Bratlinge formen und in dem Öl von beiden Seiten goldbraun braten.
• Gut dazu passt eine Käsesoße.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
135
Eiweiß
3 g
Fett
9 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
10 g
0 g
<0,1 g
61
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Buchweizen Hackfleischklöße (für 4 Personen)
Zutaten:
100 g Buchweizengrütze
125 ml Gemüsebrühe, verzehrfertig
1
Knoblauchzehe
200 g Pizzatomaten (Dose)
5 g
Zucker
250 g Hackfleisch halb & halb
1
Ei
10 g
Tomatenmark
Gemahlener Piment, getrockneter
Oregano, Edelsüßpaprika, Pfeffer, Salz
Saft einer Limette
Zubereitung:
• Buchweizengrütze heiß abspülen, abtropfen lassen und in einer Pfanne ohne Fett
3 Minuten bei kleiner Hitze rösten. Brühe zugeben und zugedeckt 15 Minuten quellen
lassen.
• Für die Marinade: Knoblauchzehe abziehen und zerdrücken. Pizzatomaten, Knoblauch,
frisch gepresster Limettensaft, Zucker, Salz, Piment und Oregano in einem kleinem Topf
aufkochen und 2 Min. kochen. Den Backofen auf 250 °C (Umluft) vorheizen.
• Hackfleisch, abgekühlte Buchweizengrütze, Eier, Tomatenmark, Paprikapulver, Salz und
Pfeffer zu einem Teig verarbeiten. Aus dem Teig mit nassen Händen Hackfleischklöße
formen. Die Hackfleischklöße in eine gefettete Auflaufform setzen, mit der Marinade
begießen und im vorgeheizten Backofen etwa 30 Minuten backen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
287
62
Eiweiß
17 g
Fett
15 g
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
22 g
1 g
<0,1 g
1 Ordnung und Regelmäßigkeit muss sein
Drei-Saatenbrot (für 4 Personen)
Zutaten:
500 g
450 ml
40 g
50 g
50 g
50 g
3 EL
2 TL
Dinkel Vollkorn-Mehl
Wasser
Hefe, frisch
Sesam
Leinsamen
Sonnenblumenkerne
Obstessig
Salz
Zubereitung:
• Hefe mit etwas lauwarmen Wasser, etwas Mehl und Zucker in eine kleine Schüssel
geben und verrühren; an einem warmen Ort gehen lassen.
• Vollkornmehl (Zimmertemperatur) in eine große Schüssel geben, eine Kuhle formen und
die gegangene Hefe hineingeben. Mit den übrigen Zutaten alles gut verkneten.
• In eine gefettete Kastenform geben und an einem warmen Ort gehen lassen, so lange
bis sich der Teig deutlich vergrößert (idealerweise verdoppelt) hat.
• Danach das Brot bei 180 °C, 45 – 60 Minuten backen.
Guten Appetit !
Pro Person:
Kalorien
122
Eiweiß
5 g
Fett
4 g
2
KohlenhydrateBallaststoffe Laktose
16 g
4 g
<0,1 g
63
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Vorsicht Gluten ! – Rezepte & Tipps zur Zöliakie / Sprue –
Erarbeitet von: Schule für Diätassistenten am evangelischen Krankenhaus Bielefeld
Michael Hilker; Diätassistent, Lehrer für Berufe im Gesundheitswesen HAGE
Schülerinnen aus dem Oberkurs 06/09:
Katharina Klassen, Anke Schubert, Hulda Stach
Was ist Gluten?
Gluten (lateinisch: Leim) ist ein Klebereiweiß, welches in:
• Weizen
• Dinkel
• Einkorn
• Roggen
• Grünkern
• Emmer
• Gerste
• Kamut
• Urkorn
• Hafer
• Triticale
sowie in den damit verwandten Getreidesorten enthalten ist.
Woraus besteht Gluten?
Gluten besteht zu 90 Prozent aus Eiweiß, der Rest aus Fett und Kohlenhydraten.
Aus lebensmitteltechnologischen Gründen werden heute vielen Halbfertig- und Fertig­
produkten Gluten-haltige Zutaten zugesetzt.
Der Grund dafür ist, dass Gluten viele für den Hersteller erwünschte Eigenschaften hat:
• Gluten geliert
• Gluten emulgiert (verbindet Fett mit Wasser)
• Gluten bindet Wasser
• Gluten stabilisiert
• Gluten ist ein guter Trägerstoff z. B. für Aromen
• Gluten ist entscheidend für die Backeigenschaften
Gluten kann in den verschiedensten Lebensmitteln enthalten sein, ein Zusatz
muss auf der Zutatenliste angegeben sein, es kann vorkommen als::
• Klassenname von Zutaten (Pflanzeneiweiß)
• Zusatzstoff (z. B. Backtriebmittel, Verdickungsmittel)
• Zusammengesetzte Zutat (z. B. Müsli, Joghurt)
• Technologischer Hilfsstoff (z. B. Trennmittel, Trägerstoff)
• etc.
64
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Hilfestellungen und Informationen zu Gluten erhalten Sie bei:
• Firmen die Ersatzprodukte herstellen wie z. B. Hammer Mühle, Hanneforth,
SHS, 3 Pauly, usw.
• Lebensmittel mit diesem Zeichen sind Gluten-frei
• Über die Zutatenliste
• „Positiv-Liste“ – „Aufstellung Gluten-freier Lebensmittel“ der DZG
(= Deutsche Zöliakie-Gesellschaft )
• Bei der DZG- Deutsche Zöliakie Gesellschaft
Gluten ist
gut zu erkennen in:
Gluten ist
schlecht zu erkennen in:
Gluten ist
nicht enthalten in:
Weizenmehl
Weizenschrot
Roggenmehl
Roggenschrot
Kleie
Weizengrieß
Graupen
Getreideflocken
Paniermehl
Nudeln / Spätzle
Zwieback
Knäckebrot
Kuchen
Torten
Plätzchen / Waffeln
Cerealien
Pizza
Couscous
Bulgur
Müsli
Bier
Malzbier
Malzbonbons
Malzkaffee
Süßigkeiten
Fertige Süßspeisen
Gewürzmischungen
Backpulver
Biohefe
Panierte Speisen
Fertigprodukte
Frischwurst
Brühwurst
Nussnougatcreme
Knabberartikel
Fertigprodukte
Fertigsaucen
Reis, Reismehl
Reisstärke
Maismehl
Maisstärke
Kartoffelstärke
Kartoffeln
Buchweizen
Hirse
Quinoa
Amaranth
Sesam
Leinsamen
Milch
Milchprodukte
„Natur“
Fleisch „Natur“
Fisch „Natur“
Butter / Margarine
Öl / Plattenfette
Obst, Gemüse roh
Kräuter, Salz,
Gewürze, Konfitüre
Honig, Zucker
Entölter Kakao
2
65
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Ernährung bei Gluten-Unverträglichkeit – Gluten-frei Kochen und Backen
Binden von Saucen ohne Gluten
• mehr Gemüse fi pürieren
• Kartoffel-, Reis-, Maisstärke, Johannisbrotkernmehl
• pürierte Kartoffeln (Püreepulver), Bindemittel „Biobin“, das aus Guarkernund Johannisbrotkernmehl besteht
• Legierung mit Eigelb und Sahne, Stärkeschwitze (Gluten-frei).
Herstellung von Kuchen und Gebäck ohne Gluten
• Biskuit fi mehr Eier und Stärke
• Guarkernmehl oder Johannisbrotkernmehl fi Wasserbindung bei der
Teigzubereitung
• dafür Buchweizen-, Reis-, Maismehl, Kartoffelstärke
• anstatt Backpulver: Pottasche, Hirschhornsalz, Natron, Weinsteinbackpulver, Hefe,
Dr. Oetker Backpulver.
Panaden ohne Gluten
• Nusspanade, Gemüsepanade (Kartoffeln, Möhren)
• Maiscornflakes (ohne Malz), Kokosflocken
• Käsepanade, Sesampanade.
Brot- und Backwaren ohne Gluten
• Kartoffel-, Reis-, Vollkorn-, Sojamehl, Quinoa, Amaranth, Zwerghirse (Teff),
Buchweizen, Möhrenkuchen (ohne Mehl).
Müsli ohne Gluten
• Maispopcorn, Reisflocken, Sojaflocken, Obst, Trockenobst, Cornflakes ohne Malz,
Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Pinienkerne, Walnüsse, Mandeln.
Tipps für gesundes Essen und Trinken (nicht nur bei Gluten-Unverträglichkeit)
• Verteilen Sie Ihre Energiezufuhr auf 5 – 6 kleinere Mahlzeiten am Tag.
• Bei der Speisenzubereitung sind schonende Garverfahren wie Dünsten, ­Dämpfen,
Grillen, Garen im Bratschlauch oder im Römertopf zu empfehlen.
• Verzehren Sie reichlich Obst und Gemüse, 5-mal am Tag.
• Essen Sie 2–3-mal die Woche Fleisch und 1 mal pro Woche eine Fischmahlzeit.
• Für Ihre Knochen und Zähne ist es wichtig, dass Sie täglich Milch und Milch­
produkte verzehren.
• Sie sollten mindestens 1,5 – 2 Liter am Tag trinken. Zu bevorzugende Geträn­
ke sind: Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees, sowie Fruchtsaftschorlen im
Verhältnis 1 Teil Saft und 2 Teile Wasser gemischt. Malzbier und Carokaffee sind zu
meiden, da diese Getränke Gluten enthalten.
• Nehmen Sie sich bei Einladungen immer etwas zu essen oder zu trinken mit.
So sind sie auf der sicheren Seite !
66
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Rezepte für Gluten-freie Ernährung
Erarbeitet von: Schule für Diätassistenten am evangelischen Krankenhaus Bielefeld
Michael Hilker; Diätassistent, Lehrer für Berufe im Gesundheitswesen HAGE
Schülerinnen aus dem Oberkurs 06/09:
Katharina Klassen, Anke Schubert, Hulda Stach
Schokonusskuchen
Zutaten:
250 gHanneforth-Kuchenmehl­
mischung
225 g Pflanzliche Margarine
300 g Zucker
1 Prise Salz
3 TL
Backpulver Dr. Oetker
30 g
geriebene Haselnüsse
30 g
Blockschokolade, Gluten-frei
Zitronenschale
4
Eier
Zubereitung:
• Blockschokolade hacken oder raspeln.
• Die restlichen Zutaten mit einem Handrührgerät zu einem glatten Teig verrühren.
• Die Teigmasse in eine gefettet Kastenform füllen.
• Die Oberfläche glatt streichen und in der Mitte ca. 1 cm tief einschneiden.
• Bei Ober- und Unterhitze 200 °C backen. Backdauer: ca. 60 Minuten.
• Gesamtstückzahl: 20
Guten Appetit !
Nährwertangaben pro Stück
Kalorien
222
Eiweiß
2,4 g
Fett
11,7 g
KohlenhydrateBallaststoffe
26,4 g
0,3 g
67
2
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Biskuitrolle mit Himbeersahne
Zutaten:
4Eier
4 EL
Wasser
150 g Zucker
10 g
Vanillezucker
150 g Maisstärke
1 TL
Weinsteinbackpulver
Füllung:
375 g Himbeeren, frisch oder tief
gefroren
20 g
Zucker
10 g
Vanillezucker
4 Blatt Gelatine
200 g Schlagsahne, 30 % Fett
Zubereitung:
• Ofen vorheizen
• Eier und Wasser mit einem Handrührgerät aufschlagen. Zucker und Vanillezucker dazu­
geben, schlagen, bis der Teig Blasen wirft.
• Stärke mit Backpulver mischen und vorsichtig unter die Eimasse heben.
• Teig gleichmäßig auf dem Blech verteilen
• Bei Ober-/Unterhitze 200°C ca. 10 – 12 Minuten backen.
• Nach dem Backen sofort auf ein mit Zucker bestreutes Geschirrtuch stürzen, Back­
papier abziehen und Biskuit aufrollen. Auskühlen lassen.
• Für die Füllung die Gelatine im kalten Wasser einweichen.
• Himbeeren pürieren, Gelatine auflösen, Wärmeausgleich durchführen, das heißt einen
kleinen Teil der Masse in die Gelatine geben, rühren und dann das Ganze unter die
Himbeeren rühren.
• Mit Zucker und Vanillezucker abschmecken. Kaltstellen.
• Sobald die Masse zu gelieren beginnt, die Sahne steif schlagen und unter die Himbeer­
masse ziehen. (Etwas von der Masse zurücklassen zum Garnieren).
• Biskuitrolle ausrollen und mit der Himbeersahne füllen, und wieder zusammenrollen.
• Mit Puderzucker betreuen und mit zurückgebliebener Himbeersahne garnieren.
Stückzahl: ca. 16
Guten Appetit !
Nährwertangaben pro Stück
Kalorien
148
68
Eiweiß
2,7 g
Fett
5,5 g
KohlenhydrateBallaststoffe
17,6 g
1,1 g
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Eierlikörkuchen
Zutaten:
125 ml Eierlikör
125 ml Sonnenblumenöl
250 g Puderzucker
250 g Maisstärke
20 g
Kartoffelmehl
1 Pck. Vanillezucker
1 Pck. Backpulver, Dr. Oetker
5Eier
Zubereitung:
• Backform einfetten.
• Maisstärke, Kartoffelmehl, Backpulver mischen und sieben.
• Eier, Eierlikör, Vanillezucker, Öl und gesiebten Puderzucker mit dem Handrührgerät
verrühren und schaumig schlagen.
• Maisstärke und Kartoffelmehl und Backpulver unterrühren.
• Teig in eine gefettete Napfkuchenform geben, in die untere Schiene des Backofens
schieben.
• Ober-/ Unterhitze: 180 °C, ca. 40 Minuten backen.
Stückzahl: ca. 20
Guten Appetit !
Nährwertangaben pro Stück
Kalorien
148
Eiweiß
2,7 g
Fett
5,5 g
KohlenhydrateBallaststoffe
17,6 g
1,1 g
69
2
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Detmolder Brot
Zutaten:
600 g Naturreismehl
1Ei
25 g
Milchpulver
25 g
Pflanzenmargarine
20 g
Rübenkrautsirup
20 g
Johannisbrotkernmehl
20 g
Frische Hefe
2 TL
Salz
30 ml Zitronensaft
450 ml Wasser
Zubereitung:
• Reismehl, Milchpulver und Johannisbrotkernmehl in eine Rührschüssel geben und mit
einem Schneebesen gut vermengen.
• Alle weiteren Zutaten und Wasser (35 – 40 °C) hinzufügen und mit dem Handrührgerät
zu einem glatten Teig verarbeiten. Ca. 3 Minuten rühren.
• Anschließend den Teig in eine Backform geben.
• Teigoberfläche glatt streichen und bei Raumtemperatur ca. 60 Minuten gehen lassen.
• Backofen vorheizen bei 250 °C, Form in den Ofen schieben.
• Nach ca. 10 Minuten auf 200 °C zurückstellen und ca. 50 Minuten weiterbacken.
• Backoberfläche mit Wasser bestreichen.
Stückzahl: ca. 16
Guten Appetit !
Nährwertangaben pro Stück
Kalorien
162
70
Eiweiß
3,8 g
Fett
2,3 g
KohlenhydrateBallaststoffe
29,0 g
2,1 g
2 Tipps zur Ernährung bei einer Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten
Herzhaftes dunkles Brot
Zutaten:
350 gHanneforth-Mehlmischung
dunkel
1 TL
Salz
1 TL
Zucker
20 g
Butter oder Margarine
40 g
Frische Hefe
350 ml Wasser (lauwarm)
Zubereitung:
• Zutaten in einer Rührschüssel mit dem Handrührgerät ca. 3 Minuten rühren.
• Alles in eine gefettete Backform geben, glatt streichen und ca. 30 Minuten gehen
lassen.
• Anschließend bei Ober-/ Unterhitze 240 °C, ca. 40 Minuten backen.
Stückzahl: ca. 16
Rezeptvariante: Körnerbrot
Zu dem fertigen Teig ca. 50 – 100 g Samen (Sesamsamen, Sonnenblumenkörner, Lein­
samen, Kürbiskerne) dazugeben und alles gut mischen.
Guten Appetit !
Nährwertangaben pro Stück
Kalorien
86
Eiweiß
1,7 g
Fett
1,4 g
KohlenhydrateBallaststoffe
16,3 g
1,7 g
71
2
Anhang
Adressen, Kontakte (alphabetisch geordnet):
Allergie- und Umweltkrankes Kind e. V. Bundesverband
Westerholter Str. 142, 45892 Gelsenkirchen-Buer
Telefon: 0209 / 30 530
E-Mail: [email protected] · www.members.aol.com/aukge
Ardeypharm GmbH
Hersteller von pflanzlichen und probiotischen Arzneimitteln
­Loerfeldstraße 20, 58313 Herdecke
Telefon: 0 23 30 / 977-677 · Fax: 02330 / 977-697
E-Mail: [email protected]
DCCV e. V.
Inselstraße 1, 10179 Berlin
Telefon: 030 / 2000 392-0
Fax: 030 / 2000 392-87
E-Mail: [email protected]
Die telefonische Beratung rund um CED ist unter 030 / 2000 392-11 (Berlin) zu erreichen.
Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)
Fliethstraße 114, 41061 Mönchen­gladbach
Telefon: 0 21 61 / 814940 · Fax: 0 21 61 / 8 14 94 30
E-Mail: [email protected]
Deutsche Reizdarmhilfe e. V.
Postfach 700218, 60552 Frankfurt a. Main
Telefon: 01805 / 896 106 · Fax: 069 / 71 37 78 86
E-Mail: [email protected]
Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e. V.
Filderhauptstr. 61, 70599 Stuttgart
Telefon: 0711 / 4 59 98 10
E-Mail: [email protected] · www.dzg-online.de
DGEM – Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.
Info- und Geschäftsstelle, Oliver Platz 1, 10707 Berlin;
Telefon: 030 / 31 98 31-5006 (Frau Brigitte Herbst);
www.dgem.de
Hanneforth food for you GmbH & Co. KG
Kampstr. 1, 32805 Horn-Bad Meinberg
Telefon: +49 (0) 52 34 / 20 39 68
E-Mail: [email protected] · Web: www.hanneforth.de
(weitere Firmen Gluten-freier Produkte siehe Internet)
OMIRA BodenseeMilch GmbH
Jahnstr. 10, 88214 Ravensburg
Telefon: 0751 / 887-175 · Fax: 0751 / 887-179
E-Mail: [email protected] – www.minusl.de
(weitere Firmen laktosefreier Produkte siehe Internet)
Selbsthilfegruppe Morbus Crohn / Colitis ulcerosa / Reizdarm
Bettina Holzgrewe, Kupferbent 4a 32758 Detmold
Telefon: 0 52 32 / 8 09 47 (AB vorh.)
E-Mail: [email protected]
72
Literatur, Buchhinweise:
Darmflora und chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Patienteninformation der Alfred-Nissle-Gesellschaft, www.a-nissle-ges.de
Darmflora und Reizdarmsyndrom
Patienteninformation der Alfred-Nissle-Gesellschaft, www.a-nissle-ges.de
Darmgesund mit Probiotika
von Michaela Döll, Herbig Verlag 2007
Köstlich essen bei Reizdarm
von Prof. W. Kruis und Anette Iburg,
TRIAS Verlag 2009 (17,95 E)
Was tun bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn (4,90 E)
von Jost Langhorst und Annette Kerckhof
(www.kvc-verlag.de/katalog/titel.xml?tid=100)
Gesund essen bei Laktoseintoleranz
von GU (Simone Maus und Britta-Marei Lanzberger)
Mutaflor – Alles Gute für die natürliche Darmgesundheit
Patienteninformation der Ardeypharm GmbH, www.ardeypharm.de
Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ
von Giulia Enders
Ausgerechnet der Darm!
Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unangenehm war.
Aber dieses Image wird sich ändern. Denn Übergewicht, Depressionen und Allergien
hängen mit einer gestörten Balance der Darmflora zusammen. ...
Autorin: Giulia Enders
Illustration: Jill Enders
Ullstein, 2014
73
Ernährungstipps
und wichtige Informationen für
Menschen mit Reizdarm und
chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Ernährungstipps und andere wichtige Informationen
Mitgliedern der Selbsthilfegruppe
Morbus Crohn- und Colitis-ulcerosa-Erkrankte in Lippe,
der Diätassistentenschule Bielefeld sowie
Ärzten, Therapeuten und anderen Mitarbeitern
3. Auflage 2016
Brosch Ernährung_Umschlag 12_2015.indd Alle Seiten
950/01050100/01.2016
zusammengestellt von
07.01.16 11:27
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