Therapiestrategien beim Lungenkarzinom Prof. Rudolf M. Huber

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Therapiestrategien beim Lungenkarzinom
Prof. Rudolf M. Huber, Pneumologie, Klinikum der Universität München – Innenstadt,
Ziemssenstraße 1, D-80336 München, E-Mail [email protected]med.uni-muenchen.de
Beim Lungenkarzinom sind weiterhin Histologie und Stadium für Prognose und Effektivität
der verschiedenen Therapieverfahren entscheidend. Weiterer wesentlicher Faktor ist der
Allgemeinzustand des Patienten. Biologische Kriterien wie bestimmte genetische und
epigenetische Veränderungen haben noch nicht Eingang in die Routine-Entscheidungsfindung
gefunden. Da sich trotzdem die Therapie-Algorithmen rasch weiter entwickeln, spiegeln die
derzeit vorhandenen Empfehlungen (1 – 7) neben unterschiedlicher Einschätzung auch den
unterschiedlichen Wissensstand zum Zeitpunkt der Fertigstellung wieder.
Kleinzelliges Lungenkarzinom
Lokal begrenzte Stadien: Aufgrund des raschen und aggressiven Verlaufes ist eine
systemische Chemotherapie praktisch immer Therapie-Bestandteil. Im Stadium I und II mit
peripher gelegenem Tumor bietet die Operation die beste lokale Kontrolle, aber auch hier
sollte eine systemische Chemotherapie über 4 – 6 Zyklen erfolgen. Bei den sonstigen lokal
begrenzten Tumoren ist der Stellenwert der Operation unklar, in der Regel wird eine
Radiochemotherapie durchgeführt, wobei die thorakale Bestrahlung früh (bis zum 2. Zyklus)
in die Behandlung integriert werden sollte. Eine prophylaktische Schädelbestrahlung wird bei
kompletter Remission empfohlen.
Fortgeschrittenes Stadium(Stadium IV, teilweise IIIB): in der überwiegenden Mehrzahl der
Patienten ist eine Chemotherapie indiziert, da diese in einem hohen Prozentsatz zum
Ansprechen der Erkrankung und zu einer klinischen Besserung und statistisch auch zu einer
Lebensverlängerung führt. Angesichts des oft schlechteren Allgemeinzustandes muss aber
häufiger mit Nebenwirkungen gerechnet und eine entsprechend weniger aggressive
Chemotherapie ausgewählt werden. Bei sehr gutem Ansprechen der peripheren Metastasen
kann die thorakale Bestrahlung die Prognose verbessern. Ansonsten kommt die
Strahlentherapie ggf. in palliativer Indikation zum Einsatz. Im Rezidiv besteht bei längerem
Intervall Sensibilität gegenüber der ersten Kombination, bei frühem Rezidiv oder primärem
Nichtansprechen kann ein Wechsel auf eine andere Chemotherapie versucht werden.
Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (Plattenepithel-, Adeno-, großzelliges Karzinom)
Operable lokal begrenzte Stadien: Die beste lokale Kontrolle wird durch eine Operation
erzielt. Aufgrund der ab 2003 vorgetragenen und teilweise publizierten Studien verbessert
eine adjuvante Chemotherapie (in den Studien teilweise mit zusätzlicher Strahlentherapie) das
5-Jahres-Überleben um 4 bis 16 %. Die beste Datenlage besteht für das Stadium II, aber auch
im Stadium III A (1) und (2) besteht die Indikation zur adjuvanten Chemotherapie. Noch
etwas unklar ist die Situation im Stadium I B, für das Stadium I A fehlt bis jetzt die Evidenz.
Voraussetzung für eine adjuvante Chemotherapie ist, dass die Patienten sich nach einer
Operation schnell (möglichst 6 Wochen, maximal 60 Tage nach der Operation) erholt haben,
postoperativ einen guten Allgemeinzustand zeigen (ECOG 0/1) und keine Kontraindikationen
für eine Platin-haltige Chemotherapie vorliegen.
Lokal fortgeschrittene (Stadium III A (4) und Stadium III B) und inoperable Tumoren: Der
Stellenwert der Operation und eines neoadjuvanten Vorgehens (Induktionstherapie) ist noch
nicht ausreichend geklärt. Hier bietet sich möglichst der Einschluss in Studien bzw. eine
interdisziplinäre Zentrumsentscheidung an. Falls keine Operation erfolgt, ist die
Radiochemotherapie Standard. Die simultane Radiochemotherapie bietet eine bessere
Prognose als die Induktionschemotherapie, ist aber auch toxischer. Deshalb sollten Patienten
mit gutem Allgemeinzustand und eher günstiger Prognose eine simultane
Radiochemotherapie erhalten.
Fortgeschrittenes Stadium (Stadium IV): eine Chemotherapie ist meist, vor allem bei jüngeren
Patienten im guten AZ indiziert. In der Regel wird sie als Cisplatin-haltige
Zweierkombination (Taxan, Gemcitabin, Vinorelbin) über 4 (– 6) Zyklen durchgeführt. In
Grenzfällen kann auch eine Monotherapie mit einer der genannten neueren Substanzen
sinnvoll sein. Natürlich sollten auch alle Mittel zur Palliation eingesetzt werden. Im Rezidiv
kann bei Patienten mit eher günstigen Prognosefaktoren eine Therapie mit Docetaxel,
Pemetrexed oder Erlotinib zum Einsatz kommen.
Literatur:
1) Manuale des Tumorzentrums München (2006). Online über: http://www.krebsinfo.de
2) Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zur Therapie des kleinzelligen
Lungenkarzinoms (2004). In: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien 2004. W.
Zuckschwerdt Verlag GmbH, Germering bei München. Online über:
http://www.awmf.org/
3) Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zur Therapie des nicht-kleinzelligen
Lungenkarzinoms (2004). In: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien 2004. W.
Zuckschwerdt Verlag GmbH, Germering bei München. Online über:
http://www.awmf.org/
4) Thomas M, Baumann M, Deppermann M et al (2002) Empfehlungen zur Therapie des
Lungenkarzinoms. Pneumologie 56: 113 – 131
5) ESMO (2005) Minimal Clinical Recommendations for diagnosis, treatment and follow-up
of non-small-cell lung cancer. http://www.esmo.org
6) ESMO (2005) Minimal Clinical Recommendations for diagnosis, treatment and follow-up
of small-cell lung cancer. http://www.esmo.org
7) Diagnosis and Management of Lung Cancer: ACCP Evidence-Based Guidelines (2003).
Chest 123: Number 1, Supplement
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