Tagungsbericht

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PROGRAMM: ÖGE Süd Frühjahrstagung
14. April 2016/Steiermarkhof, Krottendorfer Str. 81, 8052 Graz
Lebensmittelsicherheit
Gesundheit – Vertrauen – Genuss
10:00 – 12:00 Impulsvorträge
Vorsitz:
Michael Murkovic, TU Graz
Elisabeth Pail, FH Joanneum
10:00-10:30 Infektionen durch Lebensmittel
Günter Krejs, Medizinische Universität Graz
10:30-11:00 Krebs und Ernährung - das unterschätzte Risiko
Siegfried Knasmüller, Medizinische Universität Wien
11:00-11:30 Listerien
Verarbeitungsprozess
in
Lebensmitteln
–
blinde
Passagiere
aus
dem
Ariane Pietzka, AGES Graz
11:30-12:00 Die Kraft der süßen Verführer in der Lebensmittelpyramide
Sandra Wallner-Liebmann, Medizinische Universität Graz
12:00-13:00 Mittagspause
13:00-13:45 Product Slam: Kurzvorstellung von AusstellerInnen
14:00 – 16:00 Impulsvorträge
Vorsitz:
Sandra Wallner-Liebmann, Medizinische Universität Graz
Nicole Zöhrer, LK Stmk.
14:00-14:30 TTIP- ein Update
Lebensmittelstandards geschützt?
zu
den
Verhandlungen:
Wie
werden
Johann Sollgruber, Europäische Kommission
14:30-15:00 Produktsicherheit – eine anspruchsvolle Managementaufgabe
Michael Stelzl, Hygienicum Graz
15:00-15:30 Eigenversorgung und Export regionaler Lebensmittel
Robert Schöttel, LK Stmk.
15:30-16:00 Herkunftsanalyse von steirischen Lebensmitteln
Donata Bandoniene, Montanuniversität Leoben
16:00-16:30 Wie sicher sind Neue Lebensmittel
Michael Murkovic, TU Graz
_______16:30-18:00 Ausklang in der Produkt- und Kunstausstellung______
die
Inhalt
Zusammenfassung der Vorträge .................................................................................................... 3
Infektionen durch Lebensmittel ......................................................................................................... 3
Krebs und Ernährung – das unterschätzte Risiko .............................................................................. 4
Listerien in Lebensmitteln – blinde Passagiere aus dem Verarbeitungsprozess .............................. 5
Die Kraft der süßen Verführer in der Lebensmittelpyramide ........................................................... 6
Produktsicherheit eine komplexe Managementaufgabe .................................................................. 7
Selbstversorgung und Außenhandel Österreichs .............................................................................. 7
Herkunftsanalyse von steirischen Lebensmitteln.............................................................................. 8
Wie sicher sind neue Lebensmittel .................................................................................................... 9
Product Slam ..................................................................................................................................... 10
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Zusammenfassung der Vorträge
Infektionen durch Lebensmittel
Em. o.Univ.Prof. Dr. Günter J. Krejs
Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Medizinische Universität Graz
Verbraucher erwarten hygienisch einwandfreie Lebensmittel. Die Lebensmittelwirtschaft legt großen
Wert auf die Qualität ihrer Produkte, zusätzlich erhöhen behördliche Maßnahmen und Kontrollen die
Lebensmittelsicherheit. Wird dennoch ein mit Krankheitserregern verunreinigtes Lebensmittel
konsumiert, kann dies je nach Art des Erregers zu unterschiedlichen sogenannten
lebensmittelbedingten Erkrankungen führen. In Einzelfällen gelingt es meist nicht unter der Vielzahl der
verzehrten Lebensmittel das für die Erkrankung ursächliche herauszufinden. Kommt es aber zu
Gruppenerkrankungen, zu sogenannten lebensmittlebedingten Krankheitsausbrüchen, so besteht eine
bessere Chance durch Herausarbeiten von charakteristischen Gemeinsamkeiten zwischen den Fällen
das verantwortliche Lebensmittel bzw. den Infektionserreger zu identifizieren.
Die Amerikanische Gastroenterologische Gesellschaft sendet wöchentlich einen Newsletter über alle
neuen Studienresultate und Entwicklungen aus. Es vergehen keine 2 Wochen ohne dass dabei nicht
auch über eine lebensmittelbedingte Epidemie berichtet wird, wobei als wichtigste Ursachen das
Hepatitis A Virus, Salmonellen, pathogene Escherichia coli, Campylobacter und Listerien zu nennen
sind. In diesem Beitrag soll auf die „food-borne infections“ durch Virus Hepatitis A, Salmonellen und
enteropathogene E. coli eingegangen werden. Die auch sehr wichtigen Listerien werden in einem
eigenen Beitrag behandelt.
Virus Hepatitis A: Das Virus wird während der akuten Erkrankung (die ikterisch oder anikterisch sein
kann) fäkal ausgeschieden und dann fäko-oral übertragen. Epidemien sind seit der Antike bekannt (1).
Heute ist die Virushepatitis A in Österreich selten geworden (2015: 60 gemeldete Fälle). Eine Epidemie
mit 28 Erkrankten in Salzburg ging 2008 von einem Fleischhauer in einem Supermarkt aus. In den USA
wurde gerade der Weg für eine Sammelklage freigemacht: im Jahr 2013 gab es 165 Fälle von Hepatitis
A durch ein Granatapfelsaft-Konzentrat aus der Türkei. Dies war in einem speziellen biologischen
„Antioxidantien-Drink“ enthalten. Seit einigen Jahren ist die Impfung gegen Hepatitis A Teil des
offiziellen österreichischen Impfplanes. Nach einer Infektion besteht lebenslange Immunität. Die Rate
der durch Antikörper geschützten Erwachsenen (Impfung oder durchgemachte Infektion) ist in
Österreich aber ungenügend.
Salmonellose: Während die thyphösen Formen der Salmonellose nur mehr bei importierten Fällen zu
finden sind (weniger als 20 pro Jahr) gab es in den 1990er Jahren epidemische Zahlen von Infektionen
mit Salmonella enteritidis (bis zu 12.000 pro Jahr mit Keimnachweis, Dunkelziffer vermutlich 100mal
höher). Quelle der Infektion waren Geflügel und Eier. Der Rückgang ist eine Erfolgsstory der AGES mit
nunmehr ca. 1500 Fällen pro Jahr und beruht zum einen auf der Umsetzung des Zoonosegesetzes
(epidemiologische und mikrobiologische Abklärung von Ausbrüchen), zum anderen auf Maßnahmen im
Legehennenbereich (2).
Escherichia coli: Im Jahr 2011 kam es in N-Deutschland zu einer Epidemie von blutigem Durchfall bei
3816 Personen. Ein Fünftel der Patienten entwickelte das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom
(HUS). Es gab 50 Todesfälle. Als Ursache wurde eine neue Mutation von enteroaggregativen E. coli
(Serotyp O104:H4) gefunden, die sowohl ein Shiga-Toxin produzierte, als auch eine beta-Lactamase
mit erweitertem Wirkungsspektrum besaß (Antibiotikaresistenz). Als Quelle wurden letztendlich
Sprossen identifiziert (3).
Zum Abschluss wird ein jüngst am Grazer Universitätsklinikum beobachteter Fall von EchinokokkusZysten in der Leber berichtet (5-10 Echinokokkus-Fälle in Österreich pro Jahr) (4).
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Literatur:
1.
Krejs GJ, Gassner M, Blum AL. Epidemiology of infectious hepatitis. In: Clinics in Gastroenterology, W.B.
Saunders, London, Philadelphia & Toronto, Vol. 3, Nr. 2, 1974, pp 277-303
2.
AGES
-
Nationale
Referenzzentrale
für
Salmonellen:
Jahresbericht
2014
(http://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Themen/Krankheitserreger_Dateien/Salmonellen/Salmonellen_Jahr
esbericht_2014.pdf)
3.
Rasko DA et al. Origins of the E. coli strain causing an outbreak of hemolytic-uremic syndrome in Germany.
NEJM 2011;365:709-717
4.
Fabian E et al. Clinical-Pathological Conference Series from the Medical University of Graz: Case No 151: 19year old student from Albania with emergency admission due to shock. Wien Klin Wochenschr 2015;127:151159
Krebs und Ernährung – das unterschätzte Risiko
Siegfried Knasmüller
Institut für Krebsforschung, Medizinische Universität Wien, Borschkegasse 8A, 1090 Wien
Etwa 19000 Menschen sterben in Österreich jährlich an den Folgen von Krebserkrankungen. Etwa 1/3
der Todesfälle ist durch Ernährungsfaktoren bedingt und könnte größtenteils verhindert werden.
Ursprünglich nahm man an, dass vor allem Schadstoffe, die bei der Zubereitung entstehen (etwa
Verbrennungsprodukte in Fleisch) sowie Herbizide, Pestizide und Zusatzstoffe (z.B. Süßstoffe) als
Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen. Auch bestimmte Pilzgifte in verdorbenen Nahrungsmitteln
und radioaktive Rückstände wurden als Einflussgrößen diskutiert. Die Einschätzung der Gefährlichkeit
dieser Faktoren wurde in den letzten Jahren relativiert; wesentlich relevanter, so die Meinung fast aller
Experten, ist das ständig steigende Übergewicht, der relativ hohe Fleisch- und Alkoholkonsum sowie
der Verzehr „funktionsloser“ Nahrungsmittel (Zucker, Auszugsmehl), die keine bioaktiven Inhaltsstoffe
enthalten.
Eindeutig krebsschützende Eigenschaften sah man in groß angelegten europäischen Studien mit
Tomaten, Ballaststoffen und Vollwertnahrung, und aus südostasiatischen Studien weiß man, dass
Sojaprodukte Substanzen enthalten, die die Effekte körpereigener Hormone reduzieren und vor
Brustkrebs schützen. Von den Vitaminen mit krebsprotektiven Eigenschaften spielen vor allem die
Folsäure sowie die Vitamine B6, B12 und D eine Rolle; die Einnahme von Vitaminpräparaten ist jedoch
nicht ratsam. Die meisten Verbindungen werden in ausreichender Menge über die Nahrung
aufgenommen und zusammenfassende Analysen von Einzelstudien zeigen keine Abnahme der
Krebsmortalität durch Supplemente. Bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel (z.B. Knoblauch,
Kohlgemüse und Co.) aber auch Grüntee und Kaffee bewirken eine Aktivierung körpereigener
Entgiftungsenzyme, die krebsauslösende Verbindungen unschädlich machen. Diese Substanzen
spielen vor allem beim Schutz von Menschen eine Rolle, die in besonderem Ausmaß
Schadstoffexponiert sind. Antioxidantien sind in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten und
schützen unseren Körper vor den Auswirkungen chronischer Entzündungen, die zu Krebserkrankungen
führen. Trotz intensiver Forschungstätigkeiten ist es bis heute nicht gelungen den Krebs durch
Entwicklung von Medikamenten zu „besiegen“. Insbesondere in Anbetracht der steigenden
Lebenserwartung, kommt daher der Prävention eine bedeutende Rolle zu.
Literatur:
1)
Knasmüller, S., Krebs und Ernährung. 2014, Georg Thieme Verlag KG.
2)
Knasmüller, S., et al., Chemoprevention of Cancer and DNA Damage by Dietary Factors. 2009, WILEY-VCH
Verlag GmbH & Co. KGaA.
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Listerien in Lebensmitteln
Verarbeitungsprozess
–
blinde
Passagiere
aus
dem
Ariane Pietzka, AGES Graz
Listeria monocytogenes ist ein stäbchenförmiges Bakterium, das in der Umwelt weit verbreitet ist und
u.a. in Abwässern, der Erde und auf Pflanzen vorkommt. Es handelt sich um den Erreger der Listeriose,
einer seltenen durch Lebensmittel übertragbaren Erkrankung. Von der Erkrankung betroffen sind vor
allem immunsupprimierte Personen, darunter Ältere mit geschwächtem Immunsystem und Personen
mit Vorerkrankungen. Schwangere stellen ebenfalls eine Hochrisikogruppe dar, da bereits geringe
Keimzahlen zu einer Infektion des ungeborenen Kindes führen können. Die Symptome können sehr
unterschiedlich ausgeprägt sein, darunter grippeähnliche Anzeichen, Durchfälle sowie Sepsis und
Meningitis. Schwangere sind häufig von Aborten, Früh- oder Totgeburten betroffen.
Die Infektion erfolgt oral durch kontaminierte Nahrung. Obwohl als Quelle auch Rohprodukte in Frage
kommen, sind in der Praxis meist verarbeitete Lebensmittel, die bei der Herstellung kontaminiert wurden
die Ursache. Listerien sind in lebensmittelverarbeitenden Betrieben als so genannte „Hauskeime“
gefürchtet, da sie sich aufgrund ihrer charakteristischen Eigenschaften als Nischenkeime etablieren
können.
Der Wunsch des Konsumenten nach immer mehr fertigen (ready-to-eat)
bzw. halbfertigen
Convenienceprodukten, erfordert deshalb ein erhöhtes Hygienebewusstsein während des
Verarbeitungsprozesses von Lebensmitteln. Die Produkte sollen lange haltbar sein, in feinen Scheiben
oder Portionen angeboten werden und für Personen in single Haushalten zudem noch in möglichst
kleinen Verpackungseinheiten erhältlich sein. Die dafür notwendigen Arbeitsschritte begünstigen die
Verbreitung von Listerien vor allem durch unsaubere Maschinenteile und Gerätschaften und
unzureichende Personalhygiene (v.a. Händehygiene).
Kochen, braten und pasteurisieren tötet Listerien zwar ab, jedoch erfolgt eine Kontamination häufig erst
bei der Reifung oder nach der Wärmebehandlung des Rohproduktes, sodass auch bei Verwenden von
nicht kontaminierten Rohstoffen oder Zutaten, das Vorkommen von Listerien im Endprodukt nicht
ausgeschlossen werden kann.
Geringe Keimzahlen im Endprodukt können bei nicht Einhalten der Kühlkette (langer Transportweg vom
Supermarkt nach Hause), längerer Lagerung und vergrößerter Oberfläche (Aufschnitt) im Haushalt des
Konsumenten zur Infektionsquelle werden.
Die vom Konsumenten geforderte Convenience stellt daher lebensmittelverarbeitende Betriebe vor
neue Herausforderungen, wenn Convenience nicht auf Kosten von Hygiene und Sicherheit gehen soll.
Literatur:
L. Poulsen. Microbial biofilm in food processing. Lebensm.-Wiss. U. Technol., (1999); 32, 321-326.
K. Preußl, A. Milde-Busch, P. Schmich, M. Wertstein, K. Stark, D. Werber. Risk factors for sporadic non-pregnancy
associated listeriosis in Germany – immunocompromised patients and frequently consumed ready-to-eat products.
PLoS ONE (2015); 10(11):e0142986. doi:10.1371/journal.pone.0142986
F. Allerberger, Z. Bago, S. Huhulescu, A. Pietzka. Listeriosis: The dark side of refrigeration and ensiling in
Zoonoses: Infections affecting humans and animals – Focus on public health aspects A. Sing (Ed.), Springer Verlag,
Heidelberg, 2015, pp. 249-286 ISBN: 978-94-017-9456-5 (Print) 978-94-017-9457-2 (Online).
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Die Kraft der süßen Verführer in der Lebensmittelpyramide
Sandra Wallner-Liebmann, Medizinische Universität Graz
Ernährungsempfehlungen werden heute weltweit in der Form von Lebensmittelpyramiden
anwendungsorientiert dargestellt. Die einfache bildliche Darstellung ergibt eine praxisbezogene Hilfe
zur Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung im Alltag. So bieten auch die Österreichische und die
neue Steirische Ernährungspyramide einen Überblick über optimale Mengenverhältnisse und lassen
Freiraum für individuelle Gestaltung. Abhängig von der Menge, kann grundsätzlich jedes Lebensmittel
ein Bestandteil einer gesunden Ernährung sein kann.
Süße Lebensmittel ergeben dabei eine wichtige Komponente. Diverse physiologische Systeme greifen
stark regulierend in die Erhaltung des Energiegleichgewichts des Menschen ein. Die
Geschmackswahrnehmung „Süß“ leitet entscheidend unser Ernährungsverhalten. Der Einfluss der
Aufnahme von verschiedenen Zuckerarten auf unsere Gesundheit wird noch immer kontrovers
diskutiert. Plausible metabolische Erklärungsmodelle stärken aber mit hoher wissenschaftlicher Evidenz
den direkten oder indirekten Zusammenhang von hohem Zuckerkonsum mit der Entstehung
kardiovaskulärer Erkrankungen und Typ 2 Diabetes. Bedeutend ist die unregulierte hepatische
Aufnahme der Fruktose mit der Folge einer Lipidakkumulierung, Dyslipidämie, Insulinresistenz und
erhöhten Serumharnsäurewerten. Indirekt könnte eine erhöhte Fruktoseaufnahme aufgrund fehlender
Stimulierung von Leptin zu erhöhter Energiezufuhr und konsequent erhöhtem Körpergewicht und –fett
und damit bei der Entstehung chronischer Erkrankungen eine entscheidende Rolle spielen.
Der menschliche Organismus verfügt über ein Fruktose-management. Es gibt eine starke individuelle
Absorptionsvarianz, die bei maximal 5-50g liegt und bei äquivalenter gleichzeitiger Aufnahme von
Glukose durch Beeinflussung des Fruktosetransporters erhöht wird. Wir finden Fruktose in keinem Obst
oder Gemüse ohne Glukose. Dies scheint evolutionär zu erklären, warum der Mensch keine großen
Mengen an freier Fruktose absorbieren kann.
Zuckerhältige Getränke nehmen im Konsumverhalten unserer Gesellschaft leider eine wichtige Rolle
ein. Neben der hohen Energiedichte ergibt sich daraus vor allem ein erhöhtes Adipositas-Risiko, da die
Sättigung durch energiereiche Flüssigkeiten aufgrund veränderter hormoneller Steuerungen wenig
beeinflussbar ist. Andererseits sind 100%ige Obst- und Gemüsesäfte eine wichtige Möglichkeit, den
Verzehr von Obst und Gemüse zu erhöhen.
Der Zusammenhang von verändertem Kohlenhydrat- und v.a. Mono- und Disaccharidstoffwechsel bei
speziellen
Krankheitsbildern wie Bipolare Störungen, angeborenen oder erworbenen KHMalabsorptionen und Essstörungen ergeben ein spannendes Forschungsfeld, das auch klinisch
relevante neue Therapieansätze im Fokus hat.
Literatur:
Stanhope KL. Sugar consumption, metabolic disease and obesity: The state of the controversy. Crit Rev Clin Lab
Sci. 2016 Feb;53(1):52-67.
Malik VS, Hu FB. Fructose and Cardiometabolic Health: What the Evidence From Sugar-Sweetened Beverages
Tells Us.J Am Coll Cardiol. 2015 Oct 6;66(14):1615-24.
Lackner N, Mangge H, Reininghaus EZ, McIntyre RS, Bengesser SA, Birner A, Reininghaus B, Kapfhammer HP,
Wallner-Liebmann SJ. Body fat distribution and associations with metabolic and clinical characteristics in bipolar
individuals. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2015 Jun;265(4):313-9.
Schnedl WJ, Kalmar P, Mangge H, Krause R, Wallner-Liebmann SJ. Co-occurrence of carbohydrate
malabsorption and primary epiploic appendagitis. World J Gastroenterol. 2015 Sep 21;21(35):10242-5.
Bengesser SA, Fuchs R, Lackner N, Birner A, Reininghaus B, Meier-Allard N, Stracke A, Kapfhammer HP,
Reininghaus EZ, Wallner-Liebmann S. Endoplasmic Reticulum Stress and Bipolar Disorder - Almost Forgotten
Therapeutic Drug Targets in the Unfolded Protein Response Pathway Revisited. CNS Neurol Disord Drug
Targets. 2016;15(4):403-13.
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Produktsicherheit eine komplexe Managementaufgabe
Harald Stelzl, Hygienicum Graz
Lebensmittelunternehmen stehen in einem komplexen Umfeld unterschiedlicher Interessenspartner.
Diese haben Aufgaben als Behörden, Eigentümer, Finanzgeber, Handelsunternehmen, Konsumenten,
NGOs und öffentliche Berichterstatter. Zu dem kommt, dass die Lebensmittelproduktion beginnend von
der Urproduktion bis zum Konsumenten ein in sich verzahntes Gebilde darstellt, in dem der einzelne
Betrieb
zumeist
nur
ein
Rädchen
unter
vielen
ist.
Eine Anforderung wird jedoch von allen zu gleichen Maßen an die Lebensmittelproduzenten gestellt,
nämlich, dass Lebensmittel sicher sein müssen. Diese Anforderung wurde mit der Basisverordnung
178/2002 EU erstmals formuliert und bedeutet, dass auch Wahrscheinlichkeiten eines Auftretens von
Risiken zu bewerten und zu steuern sind.
Die klassischen Instrumente der Lebensmittelsicherheit wie z.B. das HACCP Konzept sind dafür längst
nicht ausreichend, da die Vielzahl möglicher Risiken und negativer Einflussfaktoren über das reine
Steuern
kritischer
Kontrollpunkte
nicht
beherrscht
werden
kann.
Moderne
Lebensmittelsicherheitsmanagementkonzepte
bauen
daher
auf
klassischen
Qualitätsmanagementkonzepten (wie z.B. der ISO 9001) auf, die prozessorientiert angelegt sind und
alle Einflussfaktoren sowie Regelkreise innerhalb und außerhalb des Unternehmens berücksichtigen.
Verknüpft mit den Anforderungskatalogen und Prüfsystemen sogenannter „Produktstandards“ wie IFS
und BRC werden daraus umfassende Managementsysteme für die Lebensmittelsicherheit.
Wie immer liegt es an der Umsetzung innerhalb einer risikoorientierten und aktiv in
Verbesserungsprozessen handelnden Unternehmenskultur, ob die Managementaufgaben eine
Mehrbelastung für den Betrieb darstellen oder in Folge von Fehlervermeidung und ständiger
Verbesserung den Betrieb unterstützen.
Selbstversorgung und Außenhandel Österreichs
Robert Schöttl, Landwirtschaftskammer Steiermark
Unsere heimischen Bäuerinnen und Bauern sichern trotz ihrer kleinteiligen Struktur – noch - die
Versorgung mit Agrarrohstoffen und Lebensmittel. Sie stehen allerdings im extremen Wettbewerb mit
zahlreichen kostenbegünstigten Agrarindustrien innerhalb und außerhalb der Europäischen Union. Mit
einer Betriebsgröße von 19,3 haI befinden sich Österreichs Betriebe im EU-28-Vergleich im unteren
Mittelfeld. Diese Wettbewerbsnachteile kann die Gemeinsame Agrarpolitik mit ihren budgetären
Möglichkeiten nur zum Teil ausgleichen. Sehr herausfordernd ist daher die betriebswirtschaftlich
sinnvolle Verfügbarmachung von Agrargütern zur Erreichung der aktuellen Verbrauchererwartungen.
So sind die Vertriebskanäle vielfältig, Export unabdingbar und der Warenaustausch rege.
Europa Spitzenreiter
Europa war 2015 mit rund 129 Mrd. Euro der weltweit größte Agrarexporteur und mit rund 113 Mrd.
Euro der weltgrößte AgrarimporteurII. Daher besteht ein positiver Agrar-Aussenhandelssaldo von 16
Mrd. Euro. Vor allem mit den USA und China wurde 2015 der Agrar- und Lebensmittelhandel
intensiviert. Österreichs Lebensmittelexporte erreichten im Jahr 2015 nach einer ersten Hochrechnung
der AMA Marketing die Schallmauer von zehn Mrd. Euro(+2,5%) III. Insgesamt hat sich zwar der
abgesetzte Wert seit 1995 (1,79 Mrd. Euro) knapp verfünffacht, der Agrar-Außenhandelssaldo ist mit
knapp einer Milliarde Euro seit 2009 aber konstant negativ. „Exportschlager“ sind alkoholfreie Getränke,
die mit einem Wertanteil von 16,7% den größten Brocken stellen. Erst an zweiter Stelle rangieren
Fleisch und Fleischzubereitungen mit 14,6% gefolgt von Milch und Milchprodukten mit 11,8%,
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Die agrarischen Haupt-Zieldestinationen liegen in unserer Nachbarschaft. So erhalten Deutschland und
Italien alleine über 47% unserer österreichischen Agrar- und Lebensmittelexporte.
SelbstversorgungsgradeIV
Die österreichischen Selbstversorgungsgrade liegen bei tierischen Produkten tendenziell auf gutem
Niveau, mit historisch und strukturbedingten Ausreißern nach oben (Rind 148%, Konsummilch 160%)
und nach unten (Geflügel 67%, Fische 6%). Die pflanzlichen Selbstversorgungsgrade liegen im
Vergleich tiefer. Klimatische Einflüsse und Saisonalität sind dabei Hauptbestimmungsgrößen (zB.
Paradeiser 20%). Aber auch in vermeintlich produktionsstarken Sparten (Äpfel 87%, Körnermais 72%)
liegen die Selbstversorgungsgrade unter 100%. Hier drängt vermehrt Verarbeitungsware in Österreichs
Industrie.
Der Drang nach mehr oder weniger Selbstversorgung entwickelte sich oft gemäß politischer Stabilität
oder Instabilität. Versorgungssicherheit wollen nun jedoch auch Lebensmittel-Handelsketten erreichen
und werben verstärkt mit bäuerlicher Herkunft, die sich neben anderen Verbrauchererwartungen
ungebrochen dynamisch entwickelt. Zusätzlich ist mit jeder Lebensmittelkrise Produktsicherheit ein
Thema, welche die Verbraucher zu nachvollziehbaren Lebensmitteln greifen lässt. Dennoch blieben
dem Erzeuger im Österreich-Durchschnitt kaum Mehrerlöse, die landwirtschaftlichen Einkommen
sanken 2015 das vierte Jahr in Folge.
Literatur:
I)
Grüner Bericht, 2014, S.211; Strukturdaten zur Land- und Forstwirtschaft in der EU
II)
European Commission, 2016; Monitoring EU Agri-Food Trade: Development until December 2015
III) AMA-Marketing, Stand März 2016; Außenhandel Österreich – Alle Länder KAP 01-24
IV) Statistik Austria, 2015; Versorgungsbilanzen für tierische und pflanzliche Produkte – Schnellbericht 1.26 und
1.27
Herkunftsanalyse von steirischen Lebensmitteln
Donata Bandoniene1, Thomas Meisel1, Daniela Zettl1, Ferdinand Ringdorfer2, Eduard Zentner3
1Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie, Montanuniversität Leoben
2Institut für Nutztierforschung, Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft
Raumberg-Gumpenstein
3Institut für Artgemäße Tierhaltung und Tiergesundheit, Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für
Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein
Kontaktdaten:
Mag. Dr. Donata Bandoniene
Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie, Montanuniversität Leoben
Franz-Josef-Str. 18, 8700 Leoben, Tel.: +43-(0)3842-402-1207, Fax: +43-(0)3842-402-1202
E-Mail: [email protected]
Das Interesse der Konsumenten an regionalen Produkten und präzisen Herkunftsangaben steigt. Selbst
Gütesiegel und von der EU geschützte Angaben sind keine Garantien für die Regionalität heimischer
Produkte. Daher wird die Nachfrage nach ausgereiften Methoden zur geographischen
Herkunftsbestimmung von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten immer größer. In diesem
Vortrag wird die Entwicklung einer neuen Methode zur Sicherung und Identifizierung der
geographischen Herkunft von regionalen Produkten mittels Elementspuren in Zusammenarbeit mit
steirischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen vorgestellt. Die Idee dieser Arbeit war es regionale
Produkte, durch eine Anreicherung des Futtermittels oder Bodens/Substrates mit Elementspuren, zu
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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markieren und somit die Herkunft zu garantieren. Die Ergebnisse werden am Beispiel von Hühnereiern,
Hühnerfleisch, Lammfleisch, Ziegenmilch und Glashausgemüse (Tomaten) gezeigt.
Die regionalspezifische Verteilung der Elementspuren, besonders jener der Seltenen Erden
(Lanthaniden, SEE), im Boden und deren Übertragung in Pflanzen und Tiere wird genutzt, um die
geographische Herkunft aufgrund des Elementspurenfingerprints nachzuweisen. Bisher wurde von uns
eine analytische Methode für die geographische Herkunftsbestimmung von Kürbiskernen und
Kürbiskernölen entwickelt und in der Praxis erfolgreich eingesetzt (1). Für die Produkte, die keinen
direkten Bezug zum regionalen Boden/Erde haben, ist eine Herkunftsbestimmung auf Basis eines
regionsspezifischen Elementspurenfingerprint nicht möglich. Für solche Produkte kann die Herkunft
durch die Markierung mit SEE im Ultraspurenbereich gesichert werden (2).
In dieser Arbeit wurden Tomaten mit SEE (Nd und Er) entweder durch die Zugabe direkt in das Substrat
oder durch das Gießen der Pflanzenerde mit angereichertem Wasser markiert. Ein kurzfristiges Gießen
des Bodens mit SEE vor der Reife der Tomaten war ausreichend, um eine deutliche Markierung der
Tomatenfrüchte zu erreichen. Tierische Produkte (Eier, Geflügel, Lammfleisch, Ziegenmilch) wurden
durch die Fütterung der Tiere mit angereichertem Futtermittel (Tb und Tm) markiert. Die SEE wurden
im Eidotter und im Geflügelfleisch (Brustfleisch, Keule) innerhalb kurzer Zeit eingebaut. Eine Markierung
mit SEE dieser Produkte ist für die Herkunftssicherung sehr gut geeignet. In Lammfleisch und
Ziegenmilch waren die Markierungen erkennbar aber nicht ausreichend um eine deutlichere
Anreicherung zu bewirken.
Literatur:
1.
Bandoniene D., Zettl D., Meisel T. and Maneiko M. (2013) Suitability of elemental fingerprinting for
assessind the geographic origin of pumpkin (Cucurbita pepo var. styriaca) seed oil. Food Chemistry 136, 15331542.
2.
De Nanclares M.P., Dessen J.-E., Rørvik K.-A., Thomassen Y. and Thomassen M.S. (2014) Feasibility of
using rare earth elements (REEs) to mark and identify escaped farmed Atlantic salmon Salmo salar L. Aquaculture
Research, 1-14.
Wie sicher sind neue Lebensmittel
Michael Murkovic
Technische Universität Graz, Institut für Biochemie, AG Funktionelle Lebensmittel
Neuartige Lebensmittel („Novel Food“) sind Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die in der EU vor
dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden.
Im Gegensatz zu „herkömmlichen“ Lebensmitteln, die grundsätzlich keine Zulassung brauchen,
unterliegen Novel Foods besonderen Überprüfungs- und Genehmigungsbestimmungen. Es ist also von
gesetzlicher Seite her vorgesehen, dass die neuartigen Lebensmittel kein zusätzliches
Gesundheitsrisiko darstellen.
Zusätzlich zur Zulassung neuartiger Lebensmittel werden nicht nur die neuen sondern auch die bereits
bestehenden Lebensmittel einer regelmäßigen Überprüfung unterzogen, wobei insbesondere die
Sicherheit bewertet wird. Falls neue Ergebnisse die Toxikologie betreffend veröffentlicht werden muss
die Exposition durch Festlegung neuer Grenzwerte angepasst werden, um ein mögliches
Gesundheitsrisiko zu minimieren.
Die betrifft nicht nur die neuen Lebensmittel sondern auch neue Verarbeitungsverfahren (insbesondere
zur Haltbarmachung) und auch den nicht der Novel-Food VO unterliegenden Zusatzstoffe, Aromen,
Extraktionslösungsmittel, sowie gentechnisch veränderte Lebensmittel.
Im Rahmen der Zulassung neuartiger Lebensmittel wird insbesondere auf die Sicherheit Bedacht
genommen, wobei eine intensive Untersuchung der Toxikologie (inkl. Exposition) erfolgt. Sollte in
irgendeiner Form ein toxikologisches Risiko bestehen wird die Exposition/Aufnahme abgeschätzt und
ÖGE Süd Frühjahrstagung 14. April 2016 – Zusammenfassung der Vorträge
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Grenzwerte für die Aufnahme bzw. für den Gehalt in den jeweiligen Lebensmitteln festgelegt. Diese
Grenzwerte sollten sicherstellen, dass bei einer lebenslangen Aufnahme kein zusätzliches
Gesundheitsrisiko besteht.
Product Slam
Erstmals haben wir in unser Programm einen Product Slam abgehalten.
In einer moderierten Ausstellung haben folgende Produzenten ihre Produkte präsentiert und mit den
Teilnehmern diskutiert:
•
Forschungsinstitut Allergosan
•
ROCgreen Weizengrassaft
•
Infood
•
Betavivo TRIMB Healthcare
•
Essigmanufaktur Gölles
•
Öhlmühle Fandler
•
Aronia-Manufakturen
•
Familie Gangl/Kobatl
•
GedoMed GmbH
•
L´Amante
•
OPST Obst Partner Steiermark GmbH
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