Westfälische Wilhelms-Universität Münster Fachbereich Psychologie & Sportwissenschaft AD(H)S – was wissen Laien? Eine Feldstudie zur Experten-LaienKommunikation in einer netzbasierten Beratung der Schulpsychologie Wissenschaftliche Hausarbeit zur Diplom-Hauptprüfung im Fach Psychologie vorgelegt von Heike Namazi Münster, 09.November 2005 1. Gutachter: Prof. Dr. Rainer Bromme 2. Gutachter: Dr. Regina Jucks Danksagung Als aller erstes möchte ich meiner Familie danken, die mich in arbeitsintensiven Zeiten, wie dieser immer tapfer ertragen hat. Namentlich sind das mein Mann Reza und meine Söhne Jonas, genannt Bardia, und Lukas. Ganz besonders dankbar bin ich meiner Mentorin und mütterlichen Freundin Roswitha, die mir immer wieder mit all meinen Selbstzweifeln auch während des ganzen Studiums den Rücken gestärkt hat. Ihr immer offenes Ohr und ihre Geduld sowohl für inhaltliche als für bewältigungsstrategische Themen haben an der Vollendung der Arbeit sicher einen Anteil. Meinen Dank aussprechen möchte ich Carola, nicht nur für ihre „profunden Kenntnisse“ beim Korrekturlesen, sondern auch für den ermutigenden Zuspruch, der mir vor allem auf der letzten Strecke sehr viel Kraft zum Durchhalten gegeben hat. Mein weiterer Dank gilt Herrn Zimmermann vom Zentrum für Schülerförderung, Bildungsberatung und Schulpsychologie der Stadt Köln, ohne dessen vertrauliche Bereitstellung des Datenmaterials die Arbeit in der Form nicht hätte zustande kommen können. Auch erwähnen möchte ich die schulpsychologische Beratungsstelle Münster, wo ich durch ein Praktikum im Februar 2004 zur Idee dieses Themas inspiriert wurde. Insbesondere sei dem Leiter der Stelle, Herrn Dunkel, auch Dank für die Unterstützung der Initialzündung und der Vermittlung ausgesprochen. Nicht zuletzt gilt, dass eine Diplomarbeit auch immer gute Betreuer braucht. So möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Bromme und Frau Dr. Jucks für Ihr Engagement, ihre Offenheit und die immer zügigen Rückantworten bei Problemen aller Art bedanken. Dazu gehört auch, dass die Möglichkeit zu einem Thema der eigenen Wahl und viel Freiheit für die Bearbeitung gefördert wurde. Zusammenfassung Anhand von statistischen Daten und Anfragen der schulpsychologischen netzbasierten Beratung der Kommunalen Dienste Nordrhein-Westfalen wurde der Personenkreis der Nutzer auf zweierlei Art beschrieben. Die quantitative Beschreibung der Klientel erfolgte zum Teil im Vergleich mit üblichen Beratungsangeboten. Dabei ergaben sich Ähnlichkeiten, aber auch einige Unterschiede in Attributen der Ratsuchenden oder deren betroffener Kinder. Personen mit Informationsbedürfnissen ohne vordergründigen Beratungsbedarf und Eltern von noch nicht schulpflichtigen Kindern oder von unauffälligen Mädchen nutzten die Beratung via Netz häufiger als den direkten Kontakt. Die Niederschwelligkeit netzbasierter Beratung bekommt damit eine andere Bedeutung. Die andere Beschreibung geschah im Rahmen der Theorien netzbasierter Experten-LaienKommunikation. Dort spielt, wie in der Literatur erwähnt, aufgrund der fehlenden Rückmeldesignale die antizipierte Gruppenzugehörigkeit des Gegenübers eine große Rolle. Anhand der Symptomatik um Aufmerksamkeitsdefizit- und Konzentrationsstörungen wurde ein qualitativer Abriss von Laienbeschreibungen erstellt, der dem Experten Auskunft über deren dargestelltes Wissen geben kann. Dafür wurden die Diagnosekriterien des DSM-IV zugrunde gelegt. Wissen über Laienwissen kann dem Berater den für gegenseitige Verständigung nötigen Wechsel in die Klientensichtweise erleichtern. Die Untersuchung der E-Mails zeigte außerdem, dass Eltern, welche die Störung mit Namen ADHS oder hyperaktiv benennen, sehr viel weniger Beschreibungen machen, als Personen die keine derartigen diagnostischen Begriffe verwenden. Inhalt 1. Einleitung ...............................................................................................................1 2. Theorie .....................................................................................................................3 2.1 Schulpsychologie ................................................................................................3 2.1.1 Begriffsbestimmung und Definition .........................................................3 2.1.2 Der schulpsychologische Dienst ...............................................................3 2.1.3 Arbeit und Selbstverständnis von Schulpsychologen ...............................4 2.1.4 Schulpsychologie in Nordrhein-Westfalen ...............................................5 2.1.5 Zahlen aus Beratungsstellen .....................................................................6 2.2 Beratung bei www.schulpsychologie.de ...........................................................8 2.2.1 Träger und Auftrag ...................................................................................8 2.2.2 Die Homepage ..........................................................................................9 2.2.3 Die Beratung ...........................................................................................12 2.3 Warum ist Internetberatung wichtig? ...........................................................14 2.3.1 Zunahme des Nutzerkreises ....................................................................14 2.3.2 Sozialwissenschaftliche Argumente für eine Beratung via Netz ............15 2.3.3 Schülerzahlen in Deutschland ................................................................16 2.4 Kommunikation- Theorien aus der Psycholinguistik ..................................17 2.4.1 Die Kommunikationstheorie von Clark ..................................................17 2.4.2 Experten-Laien –Kommunikation ..........................................................19 2.4.3 Besonderheiten der Kommunikation per Mail .......................................23 2.4.4 Experten-Laien-Kommunikation und schulpsychologische Beratung ...27 2.5 AD(H)S/Hyperaktivität .......................................................……………........27 2.5.1 Ein Syndrom – viele Namen ...................................................................27 2.5.2 Definition und Beschreibung .................................................................29 2.5.3 Symptomkriterien der AD(H)S nach DSM ............................................30 2.5.4 Abgrenzung zu anderen Störungen .........................................................32 2.5.5 Laiengerechte Information .....................................................................33 2.6 Intention und Ziel der Untersuchung ............................................................33 3. Methode ................................................................................................................36 3.1 Datenmaterial ..................................................................................................36 3.2 Vorgehen ..........................................................................................................37 3.2.1 Erstanfragen ............................................................................................37 3.2.2 AD(H)S-Mails ..................................................................................…..38 4. Ergebnisse ............................................................................................................41 4.1 Beschreibung des Angebotes aus demografischer Sicht ..............................41 4.1.1 Allgemeines ............................................................................................41 4.1.2 Merkmale der Ratsuchenden ..................................................................43 4.1.3 Merkmale der betroffenen Schüler .........................................................46 4.1.4 Einstiegsthemen der Ratsuchenden ........................................................48 4.1.5 Präferenzen der Themen bei Ratsuchenden und betroffenen Schülern .51 4.2 Auswertung der AD(H)S-Anfragen ...............................................................54 4.2.1 Statistik der AD(H)S-Anfragen ..............................................................54 4.2.2 Textanalyse: Grobkategorien ..................................................................56 4.2.3 Textanalyse: Feinkategorien ...................................................................58 4.2.4 Beschreibung, Konzept Unaufmerksamkeit: Syndrom-Verschmäher ....61 4.2.5 Beschreibung, Konzept Unaufmerksamkeit: Syndrom-Verwender ......64 4.2.6 Beschreibung, Konzept Hyperaktivität: Syndrom-Verschmäher ...........65 4.2.7 Beschreibung, Konzept Hyperaktivität: Syndrom-Verwender ...............66 5. Diskussion .............................................................................................................68 5.1 Nutzung und Klientel ......................................................................................68 5.1.1 Schlussfolgerungen .................................................................................68 5.1.2 Kritik .......................................................................................................70 5.1.3 Ausblick ..................................................................................................71 5.2 Darstellung der Konzepte ............................................................................71 5.2.1 Schlussfolgerungen .................................................................................71 5.2.2 Kritik .......................................................................................................73 5.2.3 Ausblick ..................................................................................................73 6. Literaturverzeichnis .........................................................................................75 Anhang Anhang A: Aussagen, Mail- und Gruppenzuordnung .......................................................I Anhang B: Verteilung der Aussagen auf die Mails ......................................................VII Anhang C: Verteilung de Aussagen auf die Grob- und Feinkategorien ......................VIII Einleitung 1 1. Einleitung „Unser Sohn . . . ist Legasteniker. Er hat die 2. Klasse wiederholt. Schon immer ist er bei Dingen die er nicht gerne macht einer der blockiert und vermeidet. Als Kleinkind war er Hyperaktiv, was sich inzwischen wieder etwas beruhigt hat . . .. Die Lehrerin sagt er sei nicht bei der Sache und träumt oft vor sich hin. Er ist auch sehrlangsam bei Stillarbeiten im schreiben und rechnen. . . . . Er fällt manchmal als Klassenkaspar auf und versucht die Aufmerksamkeit auf sich zuziehen. Manchmal ist er bei den Hausaufgaben auch aggressiv und wir streiten uns. . . . . Ich weis keinen Rat mehr können Sie mir helfen? Seine Lehrerin hat gesagt wenn er so weitermacht dann muss er die 6. Klasse wiederholen. Mit freundlichen Grüßen . . .“ Der Inhalt der E-Mail einer ratlosen Mutter, die den Schulpsychologen des Schülerzentrums Köln vor einiger Zeit erreichte, steht stellvertretend für viele Anfragen, die via Netz Tag für Tag gestellt werden. Die zunehmende Nutzung psychologischer und psychotherapeutischer Beratung im World Wide Web als Ergänzung zur telefonischen und persönlichen Beratung machen Untersuchungen gerade zu netzbasierter Beratung und Kommunikation weiterhin nötig. Neben vielen unseriösen Anbietern gibt es eine Reihe von qualifizierten Angeboten, die von Beratungsstellen verschiedenster Ausrichtungen und Beratern verschiedenster Qualifikationen offeriert werden. Als Beispiel wird die schulpsychologische Beratung der Homepage der Schulpsychologie in Deutschland vorgestellt. Dafür sollte man einiges über Aufgaben von Beratungsstellen und Selbstverständnis von Schulpsychologen wissen. Natürlich ist auch die Klientel von Interesse. Fragen, die sich stellen, sind: Welche Personen nutzen diese Art von Beratung? Gibt es bestimmte Themen, vielleicht auch nicht typisch schulpsychologische, die immer wieder vorkommen? Gibt es eine bevorzugte Nutzung von Eltern oder auch Schülern bestimmter Schulformen oder Altersgruppen? Gibt es Unterschiede zu den demografischen Daten von Beratungsstellen? Auf die Suche nach Antworten geht der erste Teil der Arbeit. Schaut man sich den Text der E-Mailanfrage genauer an, zeigen sich hier Einleitung schon deutlich die Schwierigkeiten, die bei einer solchen Art von Kommunikation auftreten können. Zum einen sind es die Begriffe, welche die Schreiberin verwendet. Was versteht die Mutter, die höchstwahrscheinlich in diesem Metier ein Laie ist, unter Legasthenie oder Hyperaktivität? Auch wenn die Autorin die Fachwörter scheinbar adäquat einsetzt, deutet es nicht zwingend auf profunde Sachkenntnisse hin. Deshalb werden die Schwierigkeiten der Kommunikation zwischen Experten und Laien, besonders bei Informations- und Beratungsgesprächen, dargestellt. All das, was in einem normalen Gespräch, insbesondere bei solch einer eher schwierigen Konstellation, zum Verständnis beitragen könnte, funktioniert in einem Kontakt, der nur auf das Internet und Schreiben beschränkt ist, nicht mehr. Das Gegenüber ist nicht sichtbar, es ist nicht möglich seine Reaktionen mit zu bekommen. Häufig ist der E-Mailkontakt auch nur einmalig. Der Berater bekommt aus beiden Gründen nicht mit, ob und was der Ratsuchende weiß oder verstanden hat. So kann der Experte nur Vermutungen über das Wissen der Klienten anstellen. Er weiß, dass es sich im obigen Fall um eine Mutter handelt. Er hat keine Ahnung, womit die Frau ihre verwendeten Begriffe füllt. Die Mutter könnte durch die Verwendung von Fachwörtern, die eigentlich Anzeichen für Expertise sein könnten, Wissen vortäuschen, das gar nicht vorhanden ist. Um einen Einblick in Beschreibungen von Eltern und somit auch in ihre dargestellten Kenntnisse zu bekommen, wird im zweiten Teil der Arbeit ein Konzeptraum, der inhaltliche Beschreibungen einer Störung umfasst, aufgespannt. Dafür wurde exemplarisch das Syndrom der Aufmerksamkeitsdefizitstörung ausgewählt. Aus verhaltenstherapeutischer Perspektive werden Beschreibungen aus dem Lehrbuch angeführt. Teilweise werden mit Hilfe eines Diagnosemanuals Kategorien entworfen, mit denen die Beschreibungen der Ratsuchenden und damit wahrscheinlich auch ihr Wissen systematisiert dargestellt werden können. So könnte ein Berater einen Einblick in das Wissen von Eltern betroffener Kinder bekommen, zumindest wenn diese Personen als homogene Gruppe betrachtet werden. Zuerst wird der theoretische Hintergrund vorgestellt, der allerdings nur soweit wie für die Fragestellung der Untersuchung nötig, vertieft wird. 2 Theorie 3 2. Theorie 2.1 Schulpsychologie1 „Sie haben keine Lust zu lernen, kein Ehrgefühl, keinen Gehorsam. Wahrlich ein Kamel tanzen oder einem Esel das Lautenschlagen lehren, wäre erträglichere Mühe“ (Melanchthon2) 2.1.1 Begriffsbestimmung und Definition Schulprobleme gab es immer schon, seit mehr als 5000 Jahren bleiben Kinder und Jugendliche hinter determinierten Lern- und Verhaltenszielen zurück (Keller, 2003). An dieser Stelle hat sich die Schulpsychologie als Ableger der Pädagogischen Psychologie und der Entwicklungspsychologie entwickelt. Sie wendet psychologische Kenntnisse und Methoden auf die Erfordernisse der Schule an. Sie nutzt die psychologische Forschung und Praxis im Bereich der Schule. Dazu gehören Diagnose, Analyse und Verbesserung von Lernschwierigkeiten, von sozialen Strukturen, aber auch von Strukturen, die durch situative Momente vorgeben sind (Dorsch, 1998). Lassen sich schulische Probleme nicht durch Selbsthilfe lösen, kann beim schulpsychologischen Dienst professionelle Beratung in Anspruch genommen werden. Schulpsychologie versucht also mit psychologischen Methoden und Erkenntnissen die pädagogische Arbeit zu fördern, schulische Probleme zu analysieren und diese lösen zu helfen (Landesgesetz über die Schulen in Rheinlandpfalz, 2004). 2.1.2 Der schulpsychologische Dienst Die Schulpsychologie an sich gibt es in Deutschland nicht, durch die Kulturhoheit der einzelnen Länder gibt es unterschiedliche Beschreibungen und Organisationsformen. Während sie in Baden-Württemberg staatlich organisiert ist, gibt es in NordrheinWestfalen die regionale Form und die kommunalen Dienste. Gemeinsam ist allen eine 1 Falls der Leser die Abkürzung SP findet, so bedeutet sie in dieser Abhandlung immer Schulpsychologie 2 Reformator und Gründer des heute ältesten Gymnasiums Deutschlands (1497-1560) Theorie übergeordnete Fachaufsicht in Form eines Dezernates oder Referates. Unterschiedliche konzeptionelle Vorstellungen bestimmen zudem die Aufgaben der Schulpsychologie und das Selbstverständnis der Schulpsychologen (Heyse, 2001). Deshalb kann eine Aufgabenbeschreibung nur strukturell sein. Neben der Systemberatung für Schule als Institution für Lernen, Lehren und Erziehen, spielt die Lehrerfortbildung eine große Rolle. Als wichtigste Aufgabe gilt jedoch die individuelle Beratung von Eltern, Schülern und Lehrern. Dafür sind in Deutschland 1200 Schulpsychologen3 zuständig, Sie sind sowohl im Schuldienst, als auch in Beratungsstellen tätig. Für die Schulpsychologie gibt es im Gegensatz zu den Einrichtungen der Jugendhilfe keine gesetzliche Grundlage, maßgeblich ist die Freiwilligkeit der Beratung. Schulpsychologen treten meist auf Anforderung eines oder mehrerer Hilfesuchenden in eine Arbeitsbeziehung, „primär als Nothelfer bei Lernunfällen und Verhaltenspannen“ (Heyse, 2001). 2.1.3 Arbeit und Selbstverständnis von Schulpsychologen Die Sektion Schulpsychologie im Bund deutscher Psychologen begreift Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe. Der Ratsuchende soll darin unterstützt werden, auftretende Probleme in eigner Verantwortung zu bewältigen. Ziele werden vom Klienten festgelegt, der Schulpsychologe unterstützt und begleitet ihn, seinen Lösungsweg selbst zufinden. Je nach Klientenstatus sind die Problematiken unterschiedlich. Schüler haben Fragen zu ihrer Schullaufbahn oder haben Schwierigkeiten mit Lehrern oder Mitschüler. Eltern brauchen Unterstützung, wenn ihre Kinder nicht Lesen, Schreiben oder Rechnen lernen. In den letzten Jahren kommen vermehrt Anfragen zu den Themen Gewalt, Hyperaktivität und Hochbegabung, diese sind die neuen Herausforderungen für schulpsychologische Beratungsstellen. Gefordert werden sie auch von Lehrkräften für Supervision und Fortbildung, aber auch von Schulverwaltungen für Fachgutachten zu verschiedenen Fragestellungen (Bund deutscher Psychologen, 2005). Dabei sind Methoden aus allen Bereichen der Psychologie entnommen. Beispielsweise hilft die klinische Psychologie bei Kriseninterventionen und die Arbeits- und Organisationspsychologie bei LehrerTeamberatungen. Durch die Abwendung von psychometrischen Testverfahren und einem zunehmend andern Beratungsverständnis kann bei einer schulpsychologischen Be3 die hier verwendete männliche Form schließt die weibliche ein und dient der Vereinfachung des Sprachgebrauches 4 Theorie ratung nicht mehr von einer herkömmlichen Arzt-Patienten-Konstellation ausgegangen werden.. Heute ist das Bemühen, Formen der Zusammenarbeit zu finden, vordergründig. So kann der Schulpsychologe unter Einbezug von pädagogischen Zielen und psychischen Faktoren die Schnittstelle im komplexen Zusammenwirken von Eltern, Schülern und Lehrern sein. Seine Arbeit wird bei zunehmender Selbstverwaltung der Schulen umso wichtiger (Heyse, 2001). 2.1.4 Schulpsychologie in Nordrhein-Westfalen Die Schulpsychologie wurde in den 50er Jahren durch einzelne Städte, Kreise oder Gemeinden gegründet. Ende der 60er Jahre erhielten Gesamtschulen als Starthilfe Schulpsychologen, die ihren Arbeitsplatz in der Schule haben. Später wurden die regionalen Schulberatungsstellen, die sehr unterschiedlich organisiert sind, vom Land NordrheinWestfalen begründet. Die Träger und die Bediensteten können sowohl dem kommunalen Dienst als auch dem Landesdienst verpflichtet sein. Im Jahre 2001 sind 170 Stellen für kommunale Schulpsychologen in 67 Beratungsstellen und 74 schulpsychologische Stellen für Landesbedienstete vorhanden. Da der Bedarf an schulpsychologischer Beratung steigt, wurde den Gemeinden empfohlen, neue Stellen einzurichten (Kuhlmann, 2003). Von einer flächendeckenden Versorgung mit Schulpsychologen in NordrheinWestfalen kann aber nicht die Rede sein. Die angestrebten Zahlen einer Schulpsychologen-Schüler-Relation von 1:5000 sind nie erreicht worden. In einigen Städten und Kreisen gibt es überhaupt keine schulpsychologische Versorgung und Verhältnisse von 1:20.000 sind nicht selten. (Arbeitskreis der Leiter/innen Kommunaler Schulpsychologischer Dienste, 2000). So stehen im Jahre 2003 in Nordrhein-Westfalen 2.286.602 Schülern im Durchschnitt nur 230 Schulpsychologen zur Verfügung, für 10.000 Schüler ist ein Schulpsychologe zuständig. Wartezeiten für beratungsbedürftige Schüler oder Eltern von einem halben bis zu einem Jahr sind nicht selten. Dem Beratungsangebot steht im Vergleich zur Aufgabenvielfalt der Schulpsychologie somit nur ein begrenzter Raum zu Verfügung (Just, 2004). 5 Theorie 6 2.1.5 Zahlen aus Beratungsstellen Münster. Die schulpsychologische Beratungsstelle Münster konnte für das Jahr 2001 477 Neuanmeldungen für die Einzelfallberatung verzeichnen. Der Anteil betroffener Jungen ist wesentlich höher als der von Mädchen und beträgt 68%. Jahreszeitliche Auffälligkeiten einer vermehrten Nachfrage sind im Mai (n = 81), Dezember (n = 59) und März (n = 59). Sehr wenige Erstkontakte kamen in den Monaten Juli und August (jeweils n = 16) zustande. Bei einer Zuordnung zur Schulform ergibt sich, dass fast 50% der betroffenen Schüler (n = 240) die Grundschule besuchen. Sehr wenige Ratsuchende, nur 6%, haben Kinder auf der Hauptschule. Ein Überblick der Verteilung auf die Schulformen ist der Abbildung 1 zu entnehmen. Dort sind die Zahlen für das Jahr 2003 mit dargestellt. Nicht nachzuvollziehen ist die Abnahme der Gesamtzahl im Jahr. Erklärungen wären eventuell eine andere personelle Besetzung oder eine andere Schwerpunktsetzung der Arbeitsbereiche. Auch die telefonischen Beratungen, die als erste Abklärung oder als Krisenintervention verstanden werden, nahmen von 2001 (n = 1935) bis 2003 auf fast die Hälfte der Kontakte ab. Seit 2004 bietet die Beratungsstelle eine eigene E-Mailberatung auf ihrer Homepage an (SP Beratungsstelle Münster, 2002; 2004). 250 200 150 2001 2003 100 50 0 sc e tig ns So m siu na ym G le hu sc al Re le hu sc pt au H le hu nd ru G Abbildung 1 Münster, Anmeldezahlen 2001 und 2003 in absoluten Zahlen Theorie 7 Schleswig-Holstein. Im Jahr 1998 wurde eine repräsentative Datenerhebung über drei Monate für Schleswig-Holstein durchgeführt. Sie umfasst die wahrgenommenen Tätigkeiten von 20 Planstelleninhabern des Landes- und Kommunaldienstes. Die Individualberatung von Schülern ist traditionell das typische Arbeitsfeld an der Schnittstelle Elternhaus-Schule und nimmt etwa 62% der Arbeitskapazität ein. Es wurden 898 Neuanmeldungen aufgenommen, davon 47% Grundschüler. Die andere Hälfte der betroffenen Kinder teilt sich fast gleichmäßig auf die Schulformen der weiterführenden Schulen auf (siehe Abbildung 2). Der Anteil der Gymnasiasten beträgt nur 14%. In den Beratungsprozess einbezogen waren in einem großen Ausmaß die Mütter, die Gruppe machte 37% der Personen von den 3538 Kontakten, die am Beratungsprozess beteiligt waren, aus. Die Verfasser der Dokumentation stellen fest, dass Mütter, da sie den größten Teil der Erziehungsarbeit leisten, somit auch Hauptansprechpartner sind. Die Gruppe der betroffenen Schüler machte ein Viertel des beteiligten Personenkreises aus. Immerhin 19% Lehrer und 10% Väter und nahmen an Gesprächen teil. Neben der persönlichen Beratung ist fast zu gleichen Teilen auch die telefonische Beratung von großer Wichtigkeit. Bei einer Einzelfallberatung gibt es eine Vielzahl psychologischer Tätigkeiten, wobei die Beratung neben Informationsvermittlung, Diagnostik, Gutachten und Hospitation fast die Hälfte des Arbeitsaufwandes umfasst. Als Gründe für eine Anmeldung werden von den Ratsuchenden mit unter Mehrfachnennung zu 32% Leistungsprobleme, zu 21% emotionale und zu 20% Probleme mit Nicht-Einhalten von Regeln und Grenzen angegeben. Nur etwa 14% nutzen Schullaufbahnberatung und 10% Kommunikationsprobleme als Einstieg in eine Beratung (Dawiec, Scheffler, und Wallrodt, 1998). 250 200 150 100 50 0 siu e tig ns So m na ym G le hu le hu le hu tsc sc sc al Re p au H nd ru G Abbildung 2 Schleswig-Holstein, Verteilung nach Schulform in absoluten Zahlen Theorie 2.2 Beratung bei www.schulpsychologie.de 2.2.1 Träger und Auftrag Das netzbasierte Angebot der Schulpsychologie NRW wurde im Frühjahr 1999 im Arbeitskreis der Leiter kommunaler schulpsychologischer Dienste ins Leben gerufen. Neben vielen Informationen und Downloads steht ein kostenloses professionelles Beratungsangebot per E-Mail zur Verfügung. Das Angebot wendet sich an Schüler, Eltern, Lehrer und Schulpsychologen. Die Beratung wird hauptsächlich von einem Berater, einem Diplom-Psychologen, mit langjähriger Erfahrung, in Ausnahmenfällen von einem Vertreter durchgeführt (Zimmermann, 2000). Der Beratungsauftrag sieht vor, dass Anfragen beantwortet, Informationen gegeben, Zuständigkeiten geklärt und Kontakte zu regionalen Schulpsychologen vermittelt werden. Das beinhaltet, dass Problematiken geklärt, bei der Vorgehensweise beraten, Hilfen zur Selbsthilfe gegeben und zum Aufsuchen fachkundiger Hilfen ermutigt werden. Auch sollen zu schulpsychologischen Themen allgemeine Informationen und Literaturhinweise geben werden. Wichtige Prinzipien sind Vertraulichkeit, Schweigepflicht und Kostenfreiheit. Dazu kommt der Hinweis, durch wen die Beratung geführt wird. Eine mitgeführte Statistik soll neben Kostenfragen Aufschluss geben, inwieweit das Angebot optimiert werden kann. Es interessieren Zahlen zur Nachfrage, angedacht ist eine mögliche Vereinfachung der Antworten mittels Textbausteinen (Zimmermann 2000). Der Berater und sein Vertreter sind Mitglieder des Arbeitskreises zur OnlineBeratung der Kinderschutzzentren. Bei Betrachtung der Aufgaben und Inhalte wird die Selbstbeauftragung der Beratung noch deutlicher. Der Arbeitskreis gibt Rahmenempfehlungen zu Qualitätsmerkmalen der Internetberatung für Eltern, Kinder und Jugendliche. Die übergeordnete Zielsetzung der Online-Beratungen ist die niederschwellige, psychologische und soziale Beratung nebst Informationsvermittelung für gemeinnützige Anbieter von Beratung. Die Richtlinien beziehen sich auf Strukturqualität (regionale Zuständigkeit, Qualitätsmerkmale in der Internetberatung und Regeln des fachlichen Könnens, Einbindung in das Gesamtspektrum der Anbieterleistung, fachlichmethodische Standards, Unterscheidung von Anfragen wie Information, Beratung, Krisenhilfe), zeitliche Standards (Response-Zeit, Zuständigkeit, Organisationsqualität, 8 Theorie 9 rechtliche Standards, Datenschutz) und technische Standards. Der weitere Entwicklungsbedarf wie barrierefreie Zugänge, Nutzung für ausländische Mitbürger und Statistik wird noch eruiert. Eine Abgrenzung zu vielen anderen Angeboten im Netz ergibt sich durch die klare Zuordnung zu der Arbeitsstätte des Beraters und den Zugang über eine Homepage. Die Online-Beratung wird hier, egal in welcher Form, ob als Einzelberatung (E-Mail, Chat) oder Gruppenberatung (moderierte Chats, themenzentrierte Foren), präventive Arbeit, soziale Netzwerke oder auch Expertenchats oder -foren als Ergänzung zum bestehenden Beratungsangebot der einzelnen Beratungsstellen verstanden. Immer bestimmt der Nutzer das inhaltliche Thema in der Internetberatung, es ist unabhängig vom institutionellen Selbstverständnis der einzelnen Anbieter (AK OnlineBeratung, 2004). So kann ein eher fachfremdes Thema wie z.B. Essstörung durchaus Hauptanliegen in einer schulpsychologischen Beratung sein. 2.2.2 Die Homepage Die Homepage des schulpsychologischen Angebotes kann auf verschiedene Weise erreicht werden, einmal direkt über die Adresse www.schulpsychologie.de, aber auch über die verschiedenen kommunalen Beratungsstellen und den Server des Beratungsnetzes Deutschlands (www.das-beratungsnetz.de). Die Eingangsseite ist auf der Abbildung 3 zusehen. Abbildung 3 Eingangsseite der Homepage Theorie 10 Die Seiten sind klar und überschaubar gehalten4, dem Benutzer wird ein schneller Zugang ermöglicht. Der Aufbau der Seiten dauert sogar mit einem wenig leistungsstarken Internetzugang nur kurze Zeit. Auf der linken Seite sind die blauen Link-Buttons für die jeweilige Rezipientengruppe aufgelistet. Für die einzelnen Untergruppen gibt es verschiedene Angebote, während die Lehrer und Schulpsychologen überwiegend mit Informationen versorgt werden, macht der Anteil der Beratung bei den Eltern und Schülern relativ betrachtet einen großen Anteil aus. Das bedeutet nicht, dass es für Eltern und Schüler keine Information gibt. Im Gegenteil, gerade für Eltern ist eine Vielfalt schulpsychologischer Themen im PDF-Format abrufbar, die rezipientengerecht verfasst sind. Um die lesergerechte Ausrichtung zu zeigen, sind die in Abbildung 4 und 5 dargestellten Zugänge zum Beratungsangebot für Eltern und Schüler gut geeignet. Abbildung 4 Zugang für Schüler Abbildung 5 Zugang für Eltern Der Aufbau und die Struktur der Homepage sind in der Abbildung 6 strukturell dargestellt. Deutlich wird, dass die Individualberatung insgesamt in diesem Angebot nur einen Teil der Arbeit des Trägers ausmacht. Diverse Fachleute sind für die anderen Bereich tätig und aktualisieren ständig das Angebot. 4 subjektive Sichtweise der Autorin Theorie 11 Adresssuche Karikatur des Monats Gästebuch Schulpsychologie im www Neu auf den Seiten Impressum www.schulpsychologie.de Diverse Links wie Download des Monats, online-Diskussion...... Schüler Downloads Links Beratung AdressSuche Eltern Lehrer Downloads Links Schulpsychologen Literatur, Downloads, Links Aktuelle Themen Karikatur Unterricht/Projekte SP-Themen Beratung Rückmeldung Diskussion/ Berichte ...in den Medien aktuelles Beratungslehrer Beratung Notfalladressen SP-Folien, Grafiken Schulentwicklung Adress-Suche SP in den Ländern Abbildung 6 5 Struktur der Internetseiten der Schulpsychologie5 (Wallberg, 1999) abgeändert, am Stand 2005 aktualisiert Theorie 12 2.2.3 Die Beratung Formaler Ablauf. Entscheidet sich ein Schüler, Elternteil oder ein Lehrer für eine indi- viduelle Anfrage per E-Mail, wird diese an den Berater mit Arbeitssitz im Zentrum für Schülerförderung, Bildungsberatung und Schulpsychologie der Stadt Köln weitergeleitet. Die Beantwortung der Fragen und die Dokumentation ist Teil seiner Arbeitsplatzbeschreibung. Für den Text ist ein Formular wie aus Abbildung 7 zu verwenden. Daten zum betroffenen Kind wie Alter, Schulform und Klasse, die Mailadresse und der Name, mit dem der Anfragende angeredet werden möchte, werden abgefragt. Abbildung 7 Darstellung eines Anfragenformulars Beratungsansatz. Der Berater hat keinen einheitlichen definierten Beratungsansatz, er berät auf Basis seiner dreißigjährigen Tätigkeit als Schulpsychologe. Er versucht so individuell und so schnell als möglich zu antworten. Auf Vollständigkeit des vermuteten individuellen Bedarfs versucht er einzugehen. Zum Teil sind seine Beratungen sehr direktiv. Der Berater benötigt Informationen, um die Problematik aufzugreifen und diese fachlich und psychologisch im richtigen Zusammenhang neu darzustellen. Er beschreibt Regeln und Gesetzmäßigkeiten und leitet Vorschläge für die günstigste Vorgehensweise ab. Die Verbindlichkeit der schriftlichen Beratung sozusagen als Dokument erfordert Theorie 13 keine „ Dr.Sommer-Beratung6“, von einer Verwendung von Allgemeinplätzen ist Abstand zu nehmen. Andererseits sollte der Klient nicht mit Informationen und Anregungen zu überflutet werden (Zimmermann 2000, 2001). Rückblick aufs 1. Jahr. Nach 11 Monaten lagen erste Daten und Erfahrungen mit der Mailberatung vor. Die Statistik über 104 Anfragen ergab eine Verteilung zugunsten der weiblichen Klienten (62%). Die Beratung per Mail nutzen Schüler am meisten mit 52%, nur etwa 5% der Personen waren keine Eltern oder Schüler. Mit fast 28% der Anfragen liegen Schülerinnen an der Spitze, gefolgt von den Müttern. Viele Anfragen betreffen Kinder oder Jugendliche von Gymnasien, aber auch von Kindergärten und Grundschulen. Sehr wenige Anfragen werden von Haupt- und Gesamtschulklientel gestellt (siehe Abbildung 8). 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% e tig le u ns h So sc e l fs ru chu Be ts am es um G asi n ym l e G hu c ls e ul ea R sch ule pt sch d au H run r/G Vo A. k. Abbildung 8 Verteilung der Schulformen im 1. Jahr der Beratung in Prozent Das Spektrum der Anliegen entspricht nach Aussage des Beraters dem von Beratungsstellen. Seine Erfahrung ist, dass Problematiken sehr gut geschildert werden können, aber es den Ratsuchenden häufig schwer fällt, ein Anliegen zu formulieren. Vielleicht ist die Reduktion des Kontaktes auf den Schriftverkehr der Grund, dass der Klient nicht gleich mit dem Anliegen herausrückt, sondern häufig erst einmal um Sachinformationen bittet. Erst auf Nachfrage käme eine psychologische Problematik zum Vorschein. Auch 6 Bezeichnung für Beratungen im Kontext von Jugendzeitschriften Theorie 14 könnte bei Unklarheiten der Beschreibung von Störungen oder Symptomen wie Angst, Essen u.ä. eine Checkliste aus dem DSM-IV auf einmal angeboten werden (Zimmermann, 2000). 2.3 Warum ist Internetberatung wichtig? 2.3.1 Zunahme des Nutzerkreises Internet und PC-Nutzung. Die Computer- und Internetnutzung haben sich in den letz- ten Jahren als Normalität in unseren Alltag integriert. Zweidrittel aller Menschen7 in Deutschland nutzten 2004 einen PC. Der Gebrauch des Medium hat geschlechts- und alterspezifische Einflüsse. Etwa 10% mehr Männer als Frauen und 95% der unter 25jährigen gehören zum Nutzerkreis. 66% aller Haushalte sind mit einem Computer ausgestattet und 57% aller Haushalte nutzen diesen Online. Zahlen über die Jahre 2002 bis 2004 beschreiben eine stetige Zunahme. Geht man vom Personenkreis der Computernutzer aus, so haben 84% dieser Menschen die Möglichkeit der Verbindung mit dem Netz genutzt. Nach Informationssuche steht der Austausch per Emil bei der privaten Nutzung im Vordergrund. Insgesamt ist eine Zunahme des Austausches privater EMails zu verzeichnen, so nutzen fast die Hälfte der Bevölkerung im 1.Quartal 2004 das Internet für das Empfangen und Versenden von Mails, vor zwei Jahren waren dies nur 35%. Vor allem Personen im Alter von 15 bis 24 Jahre (77% im 1. Quartal 2004) waren zu diesem Zweck online verbunden. Personen über 65 nutzen diese Möglichkeit nur zu 10%. Auch die persönliche Situation spielt eine Rolle, so sind Studierende Spitzenreiter (97%), gefolgt von Schülern ab 15 Jahren (78%). Deutlich weniger beteiligten sich Rentner, Hausfrauen oder Arbeitslose. Werden nur Internetnutzer betrachtet, gingen über 80% der Personen für den Austausch von E-Mails online (Hausschild, Kahle, und Schäfer, 2004). Telefonseelsorge. Am Beispiel der Telefonseelsorge, die seit 1995 eine Beratung via Netz betreibt, ist eine erhebliche Zunahme von Internetberatung dokumentiert. Gab es 7 Zahlen schließen Kinder unter 10 Jahren aus Theorie 1996 nur 341 Gesamtkontakte von Ratsuchenden per Internet, waren es 2000 schon 5100. Im Jahre 2004 explodierte die Zahl auf 12.352 Internetkontakte. Die Gesamtkontakte setzen sich zusammen aus Erstmails und Folgemails, rund 44% der Ratsuchenden belassen es bei einer Erstmail, nachdem sie eine Antwort erhalten haben. In den ersten Jahren des Internetangebots war der männliche Anteil der Ratsuchenden etwas größer als der weibliche. Dies hat sich in den folgenden Jahren jedoch umgekehrt, weil sich zunehmend mehr Frauen im Internet bewegen. Über Zweidrittel der Ratsuchenden sind heute weiblich. Die Aufteilung nach Geschlecht ist mittlerweile der Telefonklientel sehr ähnlich: 32% Männer/Jungen und 68% Frauen/Mädchen (Telefonseelsorge, 2004). 2.3.2. Sozialwissenschaftliche Argumente für eine Beratung via Netz Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ergeben sich Vorteile einer Internetberatung durch den leichten Zugang und die Niederschwelligkeit, die sogar die Telefonberatung übertreffen. Die äußeren Schwellen betreffen die zeitliche und räumliche Erreichbarkeit. Der Ratsuchende ist an keine festen Termine gebunden. Menschen, gerade aus ländlichen Gebieten, haben die Möglichkeit ohne großen Aufwand psychosoziale Beratung einzuholen. Auch gehörlose oder körperbehinderte Menschen profitieren von einem solchen Angebot, da es außer den technischen Voraussetzungen keine physischen Barrieren gibt (van Well, 2000). Scham, Peinlichkeit und Kontaktstörungen können Ursachen für innere Schwellen sein. Menschen, die ihre Kontakte über distanzierte Medien abwickeln, könnten zu der Gruppe gehören, die Probleme im Umgang mit Menschen haben. Das würde bedeuten, dass gerade sie sehr belastet wären und große Schwellenängste hätten (Christl, 1998). Da bietet das Medium Internet eine unaufwändige und ungefährliche Möglichkeit, Kontakt zu Psychologen aufzunehmen. Die netzbasierte Beratung könnte als Übergangsraum verstanden werden, um dann Schritt für Schritt den Weg in eine persönliche Beratung zu schaffen (Christl, 1998). Ein wichtiges Kriterium ist die Anonymität der Beratung oder zumindest das subjektive Erleben dieser. Vorteile ergeben sich dadurch vor allem für Menschen mit Berührungsängsten zu Fachleuten. Der Verlust des Anwesenheitsgefühls kann dem Klienten die Furcht vor dem Berater als Autorität nehmen, hochbrisante und peinliche Themen werden viel eher angesprochen. Statusunterschiede fallen innerhalb von E-Mailkommunikation geringer aus als bei der direkten Kommuni- 15 Theorie 16 kation, dieses Phänomen findet als equalization effect (Sproull und Kiesler, 1991) Eingang in die Sozialpsychologie. Sogar die Reduktion der Kommunikationskanäle kann Vorteile haben. Der Berater bekommt weder Stimme noch emotionale Äußerungen mit, das trägt zur Herabsetzung der Schamgrenze bei. Auch kann der Ratsuchende sich unvorbelastet durch Äußeres und Aussprache in die Beratung begeben. (Christl, 1998). Viele Wissenschaftler (z.B. Döring, 1998), die sich mit dem Thema aus sozialpsychologischer Sicht beschäftigt haben, sagen, dass die „virtuelle Couch“ (Janssens 1998) niemals den menschlichen Kontakt ersetzen kann. Trotz aller Vorteile birgt der Kontakt über dieses Medium erhebliche Gefahren und Probleme. Die Kommunikation per Netz unterliegt an vielen Stellen anderen Bedingungen und Strukturen als die üblichen Formen. Auswirkungen auf die psychologische Arbeit aber auch auf die Kommunikationspartner bleiben nicht aus. 2.3.3 Schülerzahlen in Deutschland Es gibt in Deutschland 9.727.000 Schüler, ausgenommen Schüler der berufsbildenden und privaten Schulen. Davon nehmen die Grundschüler mit 32% den größten Anteil an den unterschiedlichen Schulformen ein. Die Schüler der weiterführenden Schulen verteilen sich zu 24% auf die Gymnasien, zu 13% auf die Realschulen und zu 11% auf die Hauptschulen. Kleine Gruppen bilden mit 6% die Gesamtschüler und mit 4% die Sonderschüler, einen Überblick liefert die Abbildung 9 (Statistisches Bundesamt, 2005). 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% pt e hl sc sc nd e tig ns le So hu sc er nd le So hu tsc am es G m siu na ym G le hu sc al le Re hu ru au H G Abbildung 9 Verteilung der Schülerzahlen bundesweit in Prozent Theorie 17 2.4 Kommunikation – Theorien aus der Psycholinguistik Es gibt keine größere Illusion als die Meinung, Sprache sei ein Mittel der Kommunikation zwischen Menschen (Elias Canetti) Die Beratung per E-Mail, wie sie auch in oben skizzierten schulpsychologischen Beratung praktiziert wird, birgt einige Probleme. Schwierigkeiten die auftreten können begründen sich nicht nur in der allgemeinen Problematik von Kommunikation und der von Experten-Laien-Kommunikation, sondern in den Besonderheiten der computervermittelten und hier speziell der zeitversetzten Verständigung. Es können in diesem Rahmen nur kurze Einblicke gegeben werden, soweit sie die Gründe für die Fragestellung der Untersuchung liefern. 2.4.1 Die Kommunikationstheorie von Clark Kommunikation ist die wichtigste Form sozialer Interaktion (Dorsch, 1998). Eine Antwort über das Wesen und die Schwierigkeiten der verbalen Kommunikation gibt die psycholinguistische Forschung. Clark (zusammenfassend 1996) beschreibt in seiner Theorie die Kommunikation als koordinierungsbedürftige Abstimmung von Einzelaktionen (joint activity) zwischen Hörer und Sprecher. Der Sprecher möchte dem Hörer etwas mitteilen, was dieser noch nicht weiß. Die neue Information kann nur auf dem Hintergrund bereits existierenden Wissens verstanden werden, sollte also nicht nur neu sein. Erfolgreiche Kommunikation im Sinne des Verstehens setzt voraus, dass die Kommunikationspartner eine wechselseitige Vorstellung von dem Wissenshintergrund ihres Gegenübers besitzen, von dem aus sie eine gemeinsame Wissensgrundlage definieren, die sie dann sukzessive erweitern. Dieser gemeinsame Wissenshintergrund oder kognitiver Bezugsrahmen wird als common ground bezeichnet, der Prozess, ihn zu bestimmen, zu aktualisieren und fortschreitend zu erweitern, als grounding. Der common ground umfasst die Schnittmenge des geteilten Wissens und die Information über die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Kenntnisse (Brennan und Clark, 1991; Clark, 1996). Eine ständig wechselnde Rollenzugehörigkeit, wie es in einem Alltagsgespräch Theorie 18 üblich ist, erfordert eine formale Abstimmung des Sprecherwechsels (turn-taking). Die Erweiterung des gemeinsamen Wissenshintergrundes als Ziel einer funktionierenden Kommunikation wird in der verbalen Face-to-face-Kommunikation8 mittels Techniken wie verbaler Zustimmung/ Ablehnung, (back channels wie „mhm“) oder Initiieren eines Sprecherwechsels (z.B. durch eine weiterführende Frage des Zuhörers, welche die Verarbeitung der präsentierten Informationen anzeigt oder durch Sprecherpausen) erreicht. Eine weitere Technik besteht aus nonverbalen Signalen, die anzeigen, ob der Hörer noch folgen kann oder ob er versteht (z.B. Blickkontakt, Stirnrunzeln). Nur durch Akzeptanz kann eine Äußerung zum common ground gezählt werden. Die Erweiterung geschieht dadurch, dass eine Person Informationen, von der sie vermutet, dass der Gesprächspartner nicht über diese verfügt (Grice, 1989), in die Kommunikation einbringt (presentation phase). Erst wenn das Gegenüber angezeigt hat, dass es sie aufgenommen hat (acceptance phase), sind die Inhalte Teil des common ground (Clark und Schaefer, 1989). Für die Erweiterung des common ground wird allerdings nur soviel Aufwand wie nötig betrieben (Grice, 1989). Dieser wiederum hängt von der Wichtigkeit des Verstehens, dem Zeitdruck und dem Kostenfaktor des Mediums ab. Kommunikation kann somit als opportunistic process verstanden werden (Schober und Clark, 1989). Eine gemeinsame Überzeugung über die ausreichende Verständigung entscheidet über den Umfang des Groundings (Clark und Schaefer, 1989). Unterscheiden kann man zwischen communal common ground, welcher stereotypische Vorannahmen über kulturelle, soziale, berufliche Herkunft des Gegenübers beinhaltet, und dem personal common ground, der durch gemeinsames perzeptuelles Erleben und Handeln entsteht (Clark, 1996). Die Anpassungsprozesse finden somit sowohl an spezifische Personen als auch an Personengruppen meist ohne bewusste Entscheidung in Sekundenbruchteilen statt. Ein Beispiel ist die automatische Anpassung der Sprache, wenn Menschen mit kleinen Kindern reden. Sie benutzten eine andere Tonhöhe, Syntax und sogar einen anderen Wortschatz (Bromme, Jucks und Rambow 2004). Die sprachliche Abstimmung an das Wissen des Gegenübers ist das Rezipientendesign (Sacks und Shegloff, 1979), auch audience design genannt (Clark, 1996). Da es aber fast unmöglich ist, jedes Detail des common ground auf diese Weise zu erarbeiten, bilden die Partner Heuristiken, um den Aufwand möglichst gering zu halten. Derer gibt es nach Clark drei, welche die Bildung konkreter Annahmen in der F-T8 folgend F-T-F-Kommunikation genannt Theorie F-Kommunikation bestimmen können. Die physische Kopräsenz bedeutet, dass für beide sichtbare Objekte oder gemeinsame Erlebnisse als geteiltes Wissen vorausgesetzt werden können (Clark und Murphy, 1982). Für die linguistische Kopräsenz gilt, dass was einmal gesagt wurde, kann als bekannt vorausgesetzt werden (Clark und Marshall, 1981). Der Wortgebrauch ist das wichtigste Zeichen für die Anpassung an den Sprachgebrauch des Partners. Im Spezialfall gilt das besonders für Fachworte und konzeptuelle Begriffe. Die letzte Heuristik bezieht sich auf die community membership (Clark, 1996). Das Wissen über die Gruppenzugehörigkeit lässt zu, dass bestimmte Inhalte vorausgesetzt werden können. Dabei kann die Gruppenzugehörigkeit z.B. am Alter, Geschlecht oder auch an der Nationalität des Kommunikationspartners und - im Kontext der Experten-Laien-Kommunikation sehr wichtig - dem perzipierten Expertisestatus (Clark und Marshall, 1981) festgemacht werden. Wissen Partner über den Expertisestatus des anderen Bescheid, findet fast ohne nochmalige Rückversicherung zumindest im Experiment eine Anpassung statt (Clark und Isaacs, 1987). Die Heuristiken finden überwiegend in der normalen F-T-F-Kommunikation zur Bildung des audience design Verwendung. Zum einen hängt eine rezipientengerechte Formulierung vom Medium der Kommunikation ab, aber auch von Quantität und Qualität des Wissens des Kommunikationspartners. Dies machen auch die Schwierigkeiten in der Experten-LaienKommunikation aus, dort treffen „Unwissende“ auf „Wissende“. Was kann passieren? 2.4.2 Experten-Laien-Kommunikation Der Forschungsbereich der Experten-Laien-Kommunikation besteht aus den Bereichen Lehrer-Schülerbeziehungen, Experten-Laien-Beziehungen anderer Institutionen und der interdisziplinären Wissenskommunikation. Diese Ausrichtungen haben trotz einiger Unterschiede eines gemeinsam; es findet Kommunikation zwischen mindestens zwei Personen mit sehr unterschiedlichen Wissensanteilen im entsprechenden Fachgebiet statt (Bromme und Rambow, 2001). Das Hauptanliegen speziell bei Informationsgesprächen und Beratungen ist, dass ein Laie, der sich kaum mit dem Thema beschäftigt hat, Informationen irgendwelcher Art von einem qualifizierten Experten einholen möchte. Ein typisches Beispiel ist, wenn ein Patient vom Arzt eine Diagnose erläutert haben möchte. 19 Theorie Der Experte. Experten sind Personen mit praktischer Erfahrung und theoretischem Wis- sen, das sowohl wissenschaftsbasiert als auch akademisch vermittelt wurde (Bromme und Rambow, 2001). Dabei spielt nicht nur die Quantität, wie oft irrtümlich angenommen wird, eine große Rolle, sondern besonders die Qualität des Wissens. Domänenspezifisches Wissen beim Experten ist anders, kohärenter strukturiert als das Wissen der Laien. Expertenwissen besteht aus engmaschig integrierten, problembezogenen Konzepten (Bromme, 1992; Bromme und Rambow, 2001). Komplexe Inhalte werden dichter gepackt (Bromme, 1992) und können in Fachbegriffen zusammengefasst werden. Die Unterscheidung zwischen Laien und Experten kann mit dem Begriff systematischer Wissensdivergenz beschrieben werden (Bromme und Jucks, 2001). Der Laie. Laie im Beratungskontext ist jemand, der einer Schwierigkeit oder Entschei- dung gegenüber steht und dem für eine eigenständige Problemlösung die Ausbildung und die institutionellen Rahmenbedingungen fehlen (Bromme und Rambow, 2001). Er ist auf den Experten angewiesen, da er meist eine informierte Entscheidung, manchmal mit erheblichen Konsequenzen, treffen muss (Hartog, 1996). Er unterscheidet sich von Anfängern (Novizen) in einer Wissensdomäne dadurch, dass er nicht das Ziel einer Wissensangleichung hat. Der Experte hat somit keine pädagogische Beziehung zum Laien. Zusammengefasst haben Informations- oder Beratungsgespräche mehrere typische Kennzeichen. Sie sind problembezogen und ohne pädagogische Intervention. Außerdem sind sie stärker individualisiert und von kürzerer Dauer. Zudem ist seitens des Experten meist keine systematische Planung möglich. Die Heterogenität der Laiengruppe erschwert diese Art von Gesprächen noch. Fluch der Expertise. Die zur Alltagskommunikation zusätzlichen Probleme können durch verschiedene Gründe entstehen. Zum einen kann die Unterschiedlichkeit der kognitiven Bezugsrahmen von den Beteiligten nicht erkannt und zum anderen keine Rücksicht darauf genommen werden. Problematisch ist, dass meist keiner über das Wissen des anderen Bescheid weiß. Ein langer Prozess der Ausbildung und Erfahrungen machen einen Experten aus. Neben Fachwissen werden auch Methoden bezüglich des Denkens und Problemlösens erworben, aber selten Kompetenzen zur Wissensvermittlung. Für eine Verständigung mit weniger fachspezifisch ausgebildeten Menschen muss die fachliche Perspektive verlassen und die fremde eingeschätzt werden (Antizipation). 20 Theorie Die Kommunikationsbeiträge müssen im besten Fall an diese antizipierte Perspektive angepasst werden (Adaptation) (Bromme, Jucks und Rambow, 2004). Die Fähigkeit zur Antizipation der Perspektive des anderen wurde schon bei Piaget und Mead als wichtige Voraussetzung für Kommunikation und Interaktion gesehen. Da die Perspektivenunterschiede in der Experten-Laien-Kommunikation besonders gravierend sind, muss hier ein besonderes Augenmerk verwendet werden (Nückles, 2001). Experten könnten sich mit der realistischen Antizipationen des Laienwissens schwer tun, da sie zu sehr im Fachwissen vertieft sind, um die Sachproblematik erfolgreich zu bearbeiten (Jucks, 2001). Deshalb ist es oft nicht ganz einfach für sie, ihr Wissen rezipientengerecht für den Laien zu verbalisieren. Adaptiert der Experte in seiner Sprache nicht auf den Wissenslevel des Laien und berücksichtigt den common ground nicht, misslingt eine Wissensantizipation und damit das Verstehen der Thematik für den Laien. In der Alltagskommunikation sollte im Idealfall für die Beteiligten ein Perspektivenwechsel stattfinden, dabei soll nicht die Perspektive des Partners vollständig übernommen, sondern die eigene im Bewusstsein gehalten werden. Er ist die, meist automatisiert ablaufende Abstimmung, zwischen dem intendiertem Gesprächsbeitrag und dem vermuteten kognitiven Bezugsrahmen des Gegenübers (Bromme, Jucks und Rambow, 2004). Speziell Experten sollen ihre eigene, professionelle Betrachtungsweise in den Hintergrund stellen können, um sich auf die Wissensebene des Laien zu begeben. Das Fachwissen lässt sie eine gezielte Auswahl treffen und die Botschaft kommunikativ unterbreiten. Bearbeiten Experten kognitiv anstrengende Aufgaben und sollen sie gleichzeitig erklären, neigen sie dazu, ihre Perspektive als die Laienperspektive an zusehen. (Flavell, 1992). Diese Schwierigkeit aus dem Dunstkreis seines Expertenwissens herauszutreten und die Perspektive des Laien einzunehmen ist der curse of expertise (Hinds, 1999). Schon in der Alltagsprache fällt es Kommunikationspartnern schwer, zu unterscheiden, was dem anderen an Informationen verfügbar ist (Keysar, 1994). Aufgrund der vielen Schwierigkeiten mit dem Expertenstatus ist es umso wichtiger Informationen vom Laien zu bekommen Ein Rezipientendesign, welches durch Rücksichtsnahme auf den Partner im Gespräch, Orientierung und Sensitivität gekennzeichnet sein sollte, wird bei gelungener Kommunikation auf den Laien ausgerichtet (Sacks, Schegloff und Jefferson, 1974). Aufgabe des Laien. Auch für den Laien gilt es, rezipientengerecht zu kommunizie- ren.Neben unerfüllbaren Erwartungen an den Experten kann gerade dies zum Haupt- 21 Theorie problem werden (Hartog, 1996). Er kann nicht wissen, in welchem kognitiven Bezugsrahmen der Experte sein Wissen stellt, er überschätzt es vielleicht. Auch kann der Laie wissentlich oder unwissentlich „Pseudo-Wissen“ vortäuschen und dem Berater wird dadurch die Möglichkeit verbaut, sich an der Erfahrungswelt des Klienten auszurichten. Zeigt der Laie, dass er die Sprache des Experten nicht beherrscht und benutzt keine Fachwörter und konzeptuelle Begrifflichkeiten, die er nicht wirklich versteht, ermöglicht er es dem Berater eher, auf sein Un(vollständiges)Wissen einzugehen (Hartog, 1996). Das Zitat von Goethe „Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“ würde für den Laien bedeuten, so zu fragen, das der Experte möglichst viel über die Lücken des Anfragenden Bescheid weiß und dort in seinem Beratungsprozess ansetzen kann. Fachwörter. Der Fachwortgebrauch kann sowohl vom Experten als auch vom Laien zur Problematik beisteuern. Überschätzen Experten das Wissen von Laien, verwenden sie zu viele Fachbegriffe und -konzepte. Auch können sie nicht unbedingt davon ausgehen, dass der Laie sie versteht. Der Experte muss auch wissen, dass es mehrdeutige Bedeutungen von Wörter geben kann, eine alltagssprachliche und seine domänenspezifische fachsprachliche Bedeutung. Hantieren Laien mit vielen Fachbegriffen, kann es auch zu einer Unterschätzung des Laienwissens seitens des Fachmannes kommen. Abhängig ist dies vom speziellen Inhalt des Fachbegriffs, von seiner tatsächlichen Verbreitung unter Laien und von der Art des Fachbegriffs. Es gibt Unterschiede, ob die Kenntnisse zu dem jeweiligen Begriff realistisch beurteilt werden oder ob das Wissen dazu eher überoder unterschätzt wird (zusammenfassend Bromme, Jucks und Runde, 2003). Die Bekanntheit der Begriffe an der Grenze zwischen Alltags- und Fachsprache wird von Experten überschätzt, dabei kommt es bei exklusiven Begriffen zu weniger Verschätzungen (Rambow, 2000) und ein häufigerer Kontakt zu Laien führt zu einer besseren Einschätzung (Bromme, Rambow und Nückles, 2001). Eine Untersuchung in der Domäne Medizin zeigte, dass in fast allen Anfragen von Laien Fachwörter vorkommen. Es werden von den Experten sogar noch etwas mehr Fachbegriffe in den Antworten verwendet. Der Experte nimmt meist die Fachworte auf und ergänzt sie durch neue Fachworte. Die Fachsprachlichkeit der Experten wird demnach auch durch Laien beeinflusst, er hat durch seine Anfrageart Einfluss auf die Expertenantwort (Bromme, Jucks und Wagner, 2005). Ein vermehrter Fachwortgebrauch sollte von Laien mit dem Wissen eingesetzt 22 Theorie werden, dass dann die eigenen Kenntnisse von den Experten häufig überschätzt werden. Ein „Teufelskreislauf der Fachwortverwendung“ könnte in Gang gesetzt werden. Rollenbesetzung. Manchmal sind die Rollenbesetzungen von Experten und Laien nicht eindeutig verteilt. Unterschieden werden kann in kognitive und soziale Rollenzuweisung. Die soziale Rolle wird durch Zuschreibung oder durch eine formale Ausbildung erworben. Die kognitive Rollenzuweisung ist gekennzeichnet durch problemlöserelevantes Wissen, Erfahrung und Können beim Rollenträger. Während bei einem Computerfachmann und -laien die kognitiven und sozialen Rollen identisch sind, ist es im Beispiel von Arzt und Patient oder auch von Psychologe und Klient nicht so. Der Laie ist bezogen auf seinen Körper, seine Psyche oder seine individuelle Krankheitsgeschichte der eigentliche Experte (Bromme, Jucks und Rambow, 2004). Heuristiken. Die beschriebenen Heuristiken, die jede Person in der Alltagskommunika- tion verwendet, können in der Experten-Laien-Kommunikation zu irreführenden Annahmen über das Wissen des Gegenübers führen. So trägt physikalische Kopräsenz bei großen Wissensdivergenzen eher nicht zur wechselseitigen Verständigung bei, da es für den Experten schwierig ist, sich eine laienhafte Sichtweise z.B. eines (fachlichen) Diagramms vorzustellen. Ebenso bringt die linguistische Kopräsenz den Nachteil mit sich, dass die Gesprächspartner den Inhalt des Gesagten zwar als bekannt voraussetzen, nicht aber die mentale Verarbeitung beim jeweiligen Gegenüber einschätzen können. Im schlimmsten Fall kann Kopräsenz ohne Rückmeldung zur Illusion der Evidenz führen. Das Verständnis von dem, was unmittelbar sichtbar ist, wird vom Experten überschätzt (Keysar, 1994). Noch gravierender wird die Problematik in der netzbasierten Kommunikation zwischen Experten und Laien. Woran können sich die Beteiligten gerade unter den erschwerten Bedingungen der systematischen Wissensdivergenz orientieren, vor allem wenn die angesprochenen Techniken und Heuristiken aufgrund der Reduktion der Kommunikationskanäle kaum noch Anwendung finden können? 2.4.3 Besonderheiten der Kommunikation per E-Mail Unterschiede der Medien. Clark hat seine Theorie ursprünglich für die F-T-F- Kommunikation entwickelt, die Forschung versucht die computervermittelte Kommu- 23 Theorie 24 nikation9 als zusätzliche Einflussvariable zu integrieren. Betrachtet man unterschiedliche Kommunikationsmedien, so kann man eine Zuordnung nach Ort und Zeit, nach Gleichheit und Unterschiedlichkeit treffen. Diese Raum-Zeit-Struktur von Kommunikationsmedien gibt die Tabelle 1 sowohl für nicht-digitale als auch für netzbasierte Medien wieder. Der Raum ist bei den computergestützten Medien virtuell zu verstehen. Synchrone Kommunikation ist die Kommunikation in Echtzeit zwischen zwei oder mehreren Benutzern, F-T-F oder netzbasiert im Chat. Asynchrone Kommunikation bedeutet eine zeitlich versetzt stattfindende Kommunikation z.B. im Netz mit E-Mail, Mai- linglisten, Diskussionsforen und Newsgroups. Die Kommunikation per E-Mail ist aus Sicht der technischen Voraussetzungen die einfachste Variante der CMC. Allerdings ist sie psycholinguistisch betrachtet mit einigen Schwierigkeiten behaftet. Die F-T-FKommunikation findet am selben Ort und zur selben Zeit statt, während der Ablauf einer Kommunikation per E-Mail sowohl zeitversetzt als auch an verschiedenen Orten stattfindet. Tabelle 1 Übersicht der Kommunikationsmedien Kommunikationsmedien Am selben Ort Zur selben Zeit Synchron An verschiedenen Orten F-T-F Kommunikation Telefon Meeting-Rooms Videokonferenzen Shared PC, shared work surfaces (z.B. BSCW) Z u verschiedenen „Post-it“-Notiz Brief E-Mail Zeitpunkten asynchron „Shared“ Kalender Im Hinblick auf die angeführten Heuristiken gibt es acht Dimensionen, hinsichtlich derer sich die Medien voneinander unterscheiden: Kopräsenz (befinden sich die Partner am gleichen Ort), Sichtbarkeit (werden die Partner gesehen), Hörbarkeit (werden Äußerungen akustisch verarbeitet), Kotemporalität (Kontiguität zwischen Senden und Empfangen der Nachricht), Simultanität (Unabhängigkeit zwischen Produktion und Rezeption einer Nachricht), Sequenzialität (Äußerungen eines Senders sind nur in gegebener Reihenfolge sinnvoll), Permanenz (Möglichkeit zum Rückblick durch Dokumen9 folgend CMC abgekürzt Theorie 25 tation) und Korrigierbarkeit (kann vor dem Versenden korrigiert werden) (Brennan, 1991, 1998; Brennan und Clark, 1991). Diese Dimensionen lassen Annahmen zu, wie die Verwendung der Heuristiken durch die Medien verändert wird. In der Tabelle 2 sind die für Beratungskontexte üblichen Medien, F-T-F- Kommunikation, Telefon, Chat, Brief und E-Mail hinsichtlich der Dimensionen dargestellt. In der F-T-FKommunikation finden alle Dimensionen bis auf zwei Berücksichtigung. Gerade die Permanenz und Korrigierbarkeit sind aber Kennzeichen der Mailkommunikation. Die Sequenzialität ist nicht immer gewährleistet. Da mit dem heutigen Stand der Technik Videokonferenzen oder Bildtelefonie möglich sind und bei netzbasierten Medien die Annahme des virtuellen Raumes besteht, sind die Unterschiede zwischen F-T-F- und EMail-Kommunikation weniger durch die Netzbasiertheit als durch Schriftlichkeit und Asynchronität begründet. Tabelle 2 Übersicht der Medien nach Dimensionen F-T-F Telefon Brief Kopräsenz X Sichtbarkeit X Hörbarkeit X X Kotemporalität X X Simultanität X X Sequenzialität X X Chat E-Mail X (X) X (X) Permanenz X X X Korrigierbarkeit X X X Charakteristika von Mailkommunikation. Die besonderen Merkmale der Mail- Technologie bestehen in der Textbasiertheit, in der Asynchronität der Kommunikation und im Fehlen von sozialen Hinweisreizen (Harms, 1998). Das Konzept der gemeinsamen Situation bricht nicht nur in räumlicher, sondern auch in zeitlicher Hinsicht zusammen. Daraus ergeben sich, ebenso wie unter Beachtung der acht Dimensionen, Vorund Nachteile für diese Art von Kommunikationsmedien. Nicht vorhandene physische Kopräsenz, Sichtbarkeit und Hörbarkeit (Bromme und Jucks, 2001) durch die Verschiedenheit der Orte bedeutet, die Teilnehmer können sich gegenseitig nicht in ihrem äuße- Theorie ren Erscheinungsbild wahrnehmen. Nonverbale Kommunikation wie Körperhaltung, Gestik, Stimme und Mimik bleiben ausgeblendet. Es stehen nur die Informationen zur Verfügung, die der Gesprächspartner explizit mitteilt. Durch den zeitversetzten Dialog erhalten die Teilnehmer Flexibilität hinsichtlich des Zeitpunkts der Kommunikation und der Zeitdauer, die aufgewendet wird. Der aus der Asynchronität resultierende Zeitbonus, kann für Reflexion und Formulierung des einzubringenden Beitrages genützt werden (Harms, 1998). Auch für den Rezipienten besteht kein Zeitdruck, da er die Mitteilung beliebig oft lesen kann. Problematisch kann allerdings eine große zeitliche Distanz zwischen den einzelnen Beiträgen werden. Vorteilhaft wirkt sich neben der Revisionsmöglichkeit vor Absenden der E-Mail vor allem die Permanenz durch die schriftliche Form aus. Die Äußerungen bleiben erhalten und sind weniger flüchtig. Die Speicherungsmöglichkeit erlaubt eine intensivere Beschäftigung, das Nachzeichnen von Diskussionen und eine Weiterverarbeitung von Texten, was für den Bereich des netzbasierten Lernens gezeigt wurde (Harms, 1998). Das grounding kann nun nicht mehr so wie in der F-T-F-Kommunikation oder am Telefon stattfinden, da keine Rückmeldemöglichkeiten oder -signale mehr möglich sind (Bromme & Jucks, 2001). Während im Gespräch Missverständnisse mit nonverbalen Signalen oder Nachfragen schnell ausgeräumt werden, ist es hier nicht möglich. Allerdings wurde nachgewiesen, dass der Sprecher bei fehlender Rückmeldemöglichkeit mehr audience-design vornimmt (Clark und Schober, 1989). Kann wie hier keine explizite Verständigung über den common ground stattfinden, werden Vorannahmen über den kognitiven Bezugsrahmen des Gegenübers umso wichtiger (Bromme und Jucks, 2004). Nun können in der Mailkommunikation nicht alle Heuristiken angewendet werden. Die physische Kopräsenz ist verständlicherweise gar nicht anwendbar. Die linguistische Kopräsenz wird durch die Möglichkeit des Nachlesen unterstützt. Allerdings können die Vorteile der Permanenz gerade auch bei der asynchronen Kommunikation zu einem entgegengesetzten Effekt führen. Weiß eine Person, dass ihre Äußerungen zu einem bestimmten Thema schriftlich vorliegen, wird sie annehmen, dass der Gesprächspartner den betreffenden Text gelesen hat. Er setzt den Inhalt als bekannt voraus, dennoch kann der Partner sich nicht mehr erinnern oder es überhaupt nicht verstanden haben. Umso mehr besteht hier die Gefahr der Illusion der Evidenz (Keysar, 1994). Somit gewinnt die Heuristik der community membership an Bedeutung. Fehlen nonverbale Hinweisreize, haben gerade Vornahmen der wahrge- 26 Theorie nommenen Gruppenzugehörigkeit einen großen Einfluss auf das Gegenüber (Bromme, Jucks, Runde, 2003). 2.4.2 Experten-Laien-Kommunikation und schulpsychologische Beratung In der F-T-F-Kommunikation oder Telefon-Beratung übliche Beratungsansätze in der Schulpsychologie entstammen meist dem systemischen, lösungsorientierten oder klientenzentriertem Ansatz. Entweder nähert der Klient sich schrittweise an die Problematik an oder beschäftigt sich durch Informationsüberflutung seitens des Beraters solange mit seiner Thematik, bis er selbst die für ihn richtigen Schlussfolgerungen zieht. Dieses Vorgehen findet in der E-Mailberatung kaum Anwendung (Zimmermann, 2001). Die darausfolgende Direktivität und die Tatsache, dass es für Schulpsychologen zum Alltag gehört, z.B. Leistungsstörungen und andere Symptomatiken für Laien zu erläutern, machen die vorliegende E-Mailberatung zu einem typischen Experten-Laien-Gespräch. Ein Psychologe informiert und berät und einen Klienten oder Ratsuchenden. Das unterscheidet im schulpsychologischen Kontext die netzbasierte Beratung eindeutig vom persönlichen Beratungsgespräch. Eine typische Symptomatik, zu der es Beratungsbedarf gerade auch in der Schulpsychologie gibt, ist die Aufmerksamkeitsdefizitstörung. 2.5 Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung 2.5.1 Ein Syndrom - viele Namen Sowohl in Fachkreisen wie auch in der Alltagssprache existieren verschiedene Bezeichnungen und Namen für ein Syndrom, welches in dem bekannten Struwwelpeter-Buch als „Zappelphilipp“ oder „ Hans-guck-in-die-Luft“ beschrieben wurde. Hyperaktivität wird in der Alltagssprache überwiegend zur Beschreibung auf- merksamkeitsgestörter, motorisch überaktiver und impulsiver Kinder verwendet. Das Wort an sich, in seine Einzelkomponenten zerlegt, beschreibt allerdings nur die motorische Unruhe, welche ein einzelnes Symptom der Verhaltensauffälligkeit darstellt. (Dorsch, 1996) Das Hyperkinetische Syndrom (HKS) oder die hyperkinetische Störung bezeichnet schwere und allgemeine Formen der Hyperaktivität, die mit weiteren Entwicklungs- 27 Theorie 28 rückständen einhergehen. Auch wenn der Name vor einigen Jahren gängiger war, wird er heute noch viel verwendet (Döpfner 2000). Als Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD), auch frühkindlicher Hirnschaden (Psychrembel, 1990) wurde das Syndrom vor ca. 20 Jahren durchgängig beschrieben. Selten wird die Beschreibung heute noch verwendet, durch den Namen wird gefolgert, dass die Hyperaktivität immer das Ergebnis einer hirnorganischen Schädigung sei (Neuhaus, 1996). Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird als Bezeichnung von der American Psychiatric Association im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen IV10 verwendet. Man versteht darunter ein „durchgehendes Mus- ter von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität . . . “. Die Bezeichnung Attention Deficit Disorder (ADD) wird für Kinder genutzt, die vorwiegend durch ihre Unaufmerksamkeit und weniger durch verstärkte motorische Unruhe auffallen. Als deutsche Bezeichnung Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) berücksichtigt sie nur einen Aspekt der Störung, so dass man bei diesen Kindern nicht synonym von hyperaktiven Kindern sprechen kann. Die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktive Störung des Sozialverhaltens wird in der Classification of mental and behavioural disorders 1011 differenziert und benutzt. Damit wird zum einen die Kombination von Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität und zum anderen die Störung des Sozialverhaltens als zusätzliches Symptom beschrieben. Häufig findet man die sehr unspezifische Vokabel überaktive Kinder, sie wird aber auch im ICD-10 verwendet. Verwendung findet sie z.B. in der Informationsschrift einer schulpsychologischen Homepage zur Hyperaktivität, danach können „diese Kinder Pädagogen und Eltern zur Verzweiflung bringen“. Eine Auflistung von Merkmalen wie Bewegungsunruhe, Konzentrationsschwäche, Launenhaftigkeit und damit verbundenen Wahrnehmungsstörungen wird beigefügt (Schulpsychologie Detmold, 2005). Vor allem die Begriffe Hyperaktivität und hyperkinetisches Syndrom werden in der Alltagssprache synonym verwendet und eine einheitliche Begrifflichkeit existiert weder bei Experten noch Laien. 10 11 wird im folgenden mit DSM-IV abgekürzt wird im folgenden mit ICD-10 abgekürzt Theorie 29 2.5.2 Definition und Beschreibung Das Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), bei fehlender Hyperaktivität nur Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) genannt, gehört neben aggressiven Verhaltensweisen zu den häufigsten Vorstellungsanlässen bei Psychotherapeuten, Erziehungsberatungsstellen, schulpsychologischen Diensten und Kinderpsychiatrien. Berücksichtigung findet das Syndrom in der Beschreibung und Untersuchung als medizinische, psychiatrische Erkrankung, die unter Vorliegen bestimmter Symptome diagnostiziert und behandelt wird. Auf die Diskussion anderer Sichtweisen wird an dieser Stelle verzichtet. AD(H)S12 gehört zu den Verhaltensstörungen. Die wiederholt auftretenden Verhaltensmuster schränken die eigene Entwicklung stark ein und sind durch fehlende oder stark eingeschränkte Handlungsalternativen gekennzeichnet (Petermann, 1998). Hauptmerkmale dieses Krankheitsbildes sind durchgehende Muster von Unaufmerksamkeit und zum Teil Hyperaktivität und Impulsivität, die häufiger und schwerwiegender sind als bei vergleichbar entwickelten Personen. Diese Erkrankung gehört zu den Störungen, die gewöhnlich im Kleinkindalter, Kindheit oder Jugend diagnostiziert werden. Wird AD(H)S nicht behandelt, können im weiteren Verlauf Störungen im Sozialverhalten so stark in den Vordergrund rücken, dass ein Bezug zum vorliegenden Krankheitsbild nur noch schwer erkannt werden kann (Döpfner, 2000). Was bedeuten Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität? Unaufmerksamkeit ist das Gegenteil von Aufmerksamkeit, definiert als Vorliegen einer Reaktions- bereitschaft und das Nicht-Vorhandensein von Ermüdung. Aufmerksamkeitstests sind immer Konzentrationstests. Konzentration wird als Sammlung und Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf eng umgrenzte Sachverhalte beschrieben. Hyperaktivität ist die übersteigerte Bewegungsaktivität, Personen können in Situationen, wo dies gefordert wird, nicht ruhig bleiben. Impulsivität ist die Tendenz zu spontanen Reaktionen als Gegenteil der Reflexivität, der Tendenz zum überlegten, besonnenen Handeln. Impulsiv bedeutet lebhaft und affektiv-triebhaft. Eine Manifestation erfolgt als Ungeduld und als Schwierigkeit, Reaktionen zurückzuhalten (Dorsch, 1998). Diese Definitionen umschreiben schon recht gut, was die Symptomatik der AD(H)S ausmacht, dennoch ist eine differenzierte Beschreibung für die anschließende Untersuchung nötig. Hier bieten sich diagnostische Klassifikationssysteme an. Da es 12 die allgemeine Form wird im folgenden mit AD(H)S abgekürzt Theorie hohe Übereinstimmungen in der Symptomatik nach DSM-IV und ICD-10 gibt, wird der Kriterienkatalog nach DSM-IV für eine umfassende Beschreibung und Checkliste genutzt. Gemeinsamkeiten der beiden Klassifikationssysteme bestehen auch in den Bedingungen bezüglich Beginn und Situationsunabhängigkeit der Störung. Auch eine funktionelle Beeinträchtigung des Betroffenen und der Ausschluss anderer Störungen zur Erklärung der Symptome wird in beiden Klassifikationssystemen gefordert. In Abgrenzung zum DSM-IV spricht der ICD-10 von der hyperkinetischen Störung bzw. der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Desgleichen findet der Begriff Überaktivität statt Hyperaktivität Verwendung. Während nach DSM-IV die übermäßige sprachliche Aktivität der Kinder ein Symptom der Hyperaktivität ist, ist sie nach ICD10 eines der Impulsivität. 2.5.3 Symptomkriterien der AD(H)S nach DSM-IV Welche Symptome sind typisch für die drei Hauptkriterien einer AD(H)S laut DSM-IV? Unaufmerksamkeit. Unaufmerksame Kinder beachten häufig Einzelheiten nicht oder machen Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, der Arbeit oder anderen Tätigkeiten. Sie haben Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Erledigung von Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten, so scheinen sie häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen. Auch führen sie Anweisungen anderer häufig nicht vollständig durch und können Schularbeiten und andere Pflichten nicht zu Ende bringen. Ausgeschlossen werden muss oppositionelles Verhalten und Verständnisschwierigkeiten. Sie haben weiterhin Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren, es kommt zu Vermeidungen und Abneigungen gegen Aufgaben, die längerandauernde geistige Anstrengungen erfordern wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben. Weitere Kennzeichen können sein, dass sie häufig Gegenstände, die sie für Aufgaben oder Aktivitäten benötigen, verlieren, sich durch äußere Reize leicht ablenken lassen und bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich sind. Hyperaktivität. Hyperaktive Kinder zappeln häufig mit Händen oder Füßen oder rut- schen auf dem Stuhl herum. Sie stehen in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird, häufig auf. Sie laufen viel herum oder klettern ex- 30 Theorie zessiv in unpassenden Situationen herum. Bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben. Ein häufiges Auf-Achse-sein und ein angetriebenes Handeln, sind neben den Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten zu beschäftigen, auffällig. Auch übermäßiges Reden ist typisch. Impulsivität. Impulsivität bei Kindern kann sich ausdrücken durch häufiges Herausplat- zen von Antworten, bevor Fragen zu Ende gestellt sind. Sie können nur schwer warten, bis sie an der Reihe sind, auch unterbrechen und stören sie andere häufig in Gesprächen oder beim Spielen. Sonstiges. Dabei sind die Vorgaben nach DSM-IV, dass sechs oder mehr Symptome entweder der Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität bzw. Impulsivität während des letzten halben Jahres meistens in dem Ausmaß vorhanden gewesen sein müssen, welches nicht mehr mit dem Entwicklungsstand des Kindes zu vereinbaren und angemessenen war. Nur dann erfüllen sie die Kriterien der entsprechenden Störung. Weitere wichtige Hinweise sind, dass einige Symptome, die Beeinträchtigungen verursachen, bereits vor dem siebten Lebensjahr auftreten und sich in zwei oder mehr Bereichen zeigen müssen. Außerdem müssen deutliche Hinweise auf klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit vorhanden sein. Differentialdiagnostisch sollten tiefgreifende Entwicklungsstörungen, Schizophrenie, andere psychotische Störungen abgeklärt werden. Desgleichen sollte das Erscheinungsbild nicht durch andere psychische Störungen wie affektive Störungen, Angststörungen, Manie oder Autismus besser erklärt werden können. Praxis. Innerhalb dieser Diagnosekriterien orientiert man sich in der Praxis vorwiegend an den Primärsymptomen der AD(H)S: Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Eine kurze Übersicht ist der Tabelle 2 zu entnehmen. Für eine Diagnose müssen jeweils mehrere, zu den Primärsymptomen zugehörige Verhaltensmerkmale ausgebildet sein, damit die Störung festgestellt werden kann. In der Praxis sollten zusätzlich zur Differentialdiagnose Abgrenzungen getroffen werden. Altersgemäßes Verhalten aktiver Kinder, bestimmte Medikamente, Intelligenzminderung, psychosoziales Chaos und schulische Unter- oder Überforderung können ähnlich Symptome erzeugen. 31 Theorie 32 Tabelle 3 Übersicht der Symptome in Kurzfassung nach DSM-IV Unaufmerksamkeit Flüchtigkeitsfehler Aufmerksamkeit nicht aufrecht erhalten nicht zuhören können kann Arbeiten nicht zu Ende bringen Organisation von Aufgaben Abneigung längere geistige Anstrengungen Verlieren von Gegenstände Ablenkung von Reizen bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich Hyperaktivität zappeln aufstehen herumlaufen unruhiges Spielen angetrieben viel reden Impulsivität nicht abwarten können mit Antworten herausplatzen andere unterbrechen, stören 2.5.4 Abgrenzung zu anderen Störungen Nicht jedes unkonzentrierte, lebhafte und laute Kind leidet an AD(H)S. Die Übergänge vom schwierigem Verhalten zur Störung sind fließend und für den Laien schwer einzuschätzen. Auffällige Verhaltensweisen können in bestimmten Altersstufen durchaus zur normalen Entwicklung gehören. Ebenso kann schwieriges Verhalten eine Reaktion auf Übergänge oder belastende Lebenssituationen sein. Schaut man sich die Komorbidität mit anderen Störungen an, wird es noch deutlicher, dass, was für den Fachmann schon schwierig ist, für den Laien fast unmöglich sein muss: Eine Zuordnung oder Unentscheidung zwischen AD(H)S und anderen Störungen zu treffen. So weisen zweidrittel aller betroffenen Kinder komorbide Störungen auf. Oppositionelle Verhaltensstörungen oder dissoziale Störungen des Sozialverhaltens führen mit ca. 50% der Kinder aus klinischen Stichproben die Hitliste an. Weitere Störungen können Depressivität, Angststörungen, Lernstörungen, Schulleistungsdefizite, Tic-Störungen, Sprech- und Sprachstörungen, aber auch Beziehungsprobleme sein. Dabei ist sowohl zu Gleichaltrigen durch Theorie Dominanzstreben wie auch zu Eltern und Erziehern die Beziehung oft belastet, da Interaktionen hoch negativ, bestrafend oder kontrollierend sind (Döpfner 1999). Auf die Bereiche Ursachen und Interventionen wird hier nicht eingegangen, da diese für die Untersuchung keine Rolle spielen. Kurz erwähnt werden soll nur als eine von vielen Behandlungsmöglichkeiten die Medikamentation mit Methylphenidat, das unter Handelsnamen wie Ritalin oder Medikinet bekannt ist. 2.5.5 Laiengerechte Informationen Um nun Eltern Hinweise an die Hand zu geben, ob ihr Kind an AD(H)S erkrankt ist, werden in diversen Informationsbroschüren (z.B die Broschüre „adhs....was bedeutet das?“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) typische Verhaltensweisen von Grundschülern beschrieben. Sie werden leicht wütend und können sich nur schwer beruhigen. Beständige Freundschaften werden schwer geschlossen, weil jähzorniges Verhalten im Vordergrund steht. Trotziges und aggressives Verhalten gegenüber Erwachsenen und Grenzüberschreitungen können zum Repertoire betroffener Kinder gehören. Im Jugendalter nehmen die Symptome ab, quälende Unruhe und inneres Getriebensein bleiben. Vordergründig sind meist Schulleistungsprobleme und die Entwicklung antisozialer und aggressiver Verhaltensweisen. Missachten sozialer Normen, Gewalttätigkeit, Destruktivität, Anschluss an Außenseitergruppen und erhöhte Auffälligkeit für Alkohol- oder Drogenmissbrauch gehören zur Normalität. Bei Mädchen fehlt oft die Hyperaktivität. Da sie weniger auffallen, werden bei ihnen auch weniger Diagnosen gestellt. Es bedeutet somit nicht unbedingt, dass Mädchen weniger betroffen sein müssen. Es gibt ähnliche Beschreibungen und Formulierungen wie auch in der Fachliteratur (z.B. Döpfner, 2000). 2.6 Intention und Ziel der Untersuchung Es gibt mehrere Argumente für die Durchführung der vorliegenden Untersuchung. Das eine liegt in der zunehmenden Nutzung und vermehrten Nachfrage nach niederschwelliger Beratung begründet. Besonders Angebote eines seriösen Trägers wie das Vorliegende können Werbung vertragen, sodass Hilfesuchende in ihrer Ratlosigkeit nicht an Sei- 33 Theorie ten zweifelhafter Anbieter im Internet geraten. Zumal auch fest steht, dass Angebote dieser Art einige Vorteile haben. Ferner reicht die Versorgung mit Schulpsychologen für den persönlichen Beratungskontext nicht aus. Ein weiteres Anliegen ist es, die Klientel des virtuellen Beratungsraumes der Schulpsychologie zu beschreiben. Welche Menschen nutzen den niederschwelligen Zugang, welche Fragen haben sie oder welche Merkmale haben ihre betroffenen Kinder? Gibt es Unterschiede zu den vorliegenden Zahlen von F-T-F- Beratungen? Der andere große Bereich soll die Suche nach Antworten zur Lösung der Problematiken der Experten-Laien-Kommunikation speziell bei netzbasierten Angeboten unterstützen helfen. Aus den in Kapitel 2.4 dargestellten Hintergrundinformationen zur Alltagskommunikation, Experten-Laien-Kommunikation und der Netzbasiertheit wird deutlich, dass in einer Beratung per E-Mail vielseitige Problematiken auftreten können. Es gilt, dass Experten gerade bei Nutzung eines solchen Mediums in der Lage sein sollten, flexibel auf die Kommunikationsbedürfnisse von Laien einzugehen. Somit kann für Berater auch gelten, was für Lehrende gilt, sie müssen das Vorwissen der Laien detailliert und themenbezogen abschätzen und daraus Konsequenzen für ihre Kommunikation ziehen können (Bromme, Nückles und Rambow, 1999). Der Berater muss in der Lage sein, sein Wissen von dem des Laien abzugrenzen und den Unterschied zu bemerken (Bromme, Jucks und Runde, 2005). Dem Experten fehlen durch die Asynchronität und der Schriftform die unmittelbaren Rückmeldesignale des Gegenübers. Auch können nicht alle Heuristiken angewendet werden. Die community membership wird wichtig: Sie übernimmt die Hauptrolle in dem Herstellungsprozess des communal common grounds. Doch was bringt es dem Berater, über den Status des Anfragenden Bescheid zu wissen, wenn er wenig Vorstellungen über den Umfang und die Art der domänenspezifischen Kenntnisse seiner Klienten hat? Dafür wird die Gruppe der Eltern (oder Personen in ähnlicher sozialer Funktion) mit dem Anliegen untersucht, welche Kenntnisse sie über ein bestimmtes Krankheitsbild haben. Wie benennen Eltern die Störung und wie beschreiben sie diese? Im Vordergrund stehen Symptombeschreibungen von Laien. Neben der Frage, ob es Zusammenhänge gibt, soll hauptsächlich der Laien-Konzeptraum um diese Problematiken herum beschrieben werden. Für die vorliegende Untersuchung wird ein psychiatrisches Krankheitsbild verwendet, da dieses am deutlichsten das Experten-Laien-Problem veranschaulichen kann. 34 Theorie 35 Aus einer Vielzahl von Problemen fiel die Auswahl auf die Symptomatik der Hyperaktivitätsstörung. Sie ist eine relativ neue Herausforderung, aber ein typisches Problem in der schulpsychologischen Beratung. Zudem rechnet man in Deutschland im Kindesund Jugendalter mit einer Häufigkeit von 5%, das entspricht ca. 500.000 Betroffenen zwischen 6 und 18 Jahren. Die Häufigkeit ist auf jeden Fall so hoch, dass es wohl kaum eine Schulklasse ohne mindestens ein betroffenes Kind gibt (Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte, 2005). Das Syndrom wird hier als einheitliches Konzept behandelt13. Zusammenfassung. Ziel ist zum einen eine Beschreibung der Nutzung und der Klientel, zum anderen eine Darstellung von Beschreibungen von Laienwissen. Letzteres geschieht am Beispiel der Gruppe von Eltern betroffener Kinder, die entweder unter AD(H)S oder starken Konzentrationsproblemen leiden. Möglicherweise kann die Untersuchung etwas zur Verbesserung der Annahmen über das Wissen des Gegenübers (beispielhaft an diesem speziellen Fall) beisteuern, so wie es von verschiedenen Wissenschaftlern in der Forschung gewünscht wird (Bromme, Jucks und Rambow, 2004). 13 der Protest vieler Psychologen ist bei dieser Aussage förmlich zu hören Methode 36 3. Methode 3.1. Datenmaterial Der Kontakt zum Berater, Herrn Zimmermann, ist durch ein Praktikum in der Schulpsychologie Münster über Herrn Dunkel, der in Urlaubszeiten die Vertretung der Beratung übernimmt, zustande gekommen. Die Statistik über Erstanfragen und die kompletten E-Mail-Texte inklusive der Antworten, liegen in schriftlicher Form und als Datenmaterial vor. Die Nutzung als Datenmaterial wurde bevorzugt, da es versandt werden konnte und ein Bearbeiten am Computer einfacher erschien. Die Beachtung der Schweigepflicht und der Anonymität der Ratsuchenden wurde gewährleistet. Der Kontakt zum Berater fand ausschließlich per Mail statt. Die Statistik über vier Jahre und vier Monate E-Mail-Beratung von September 2000 bis Dezember 2004 umfasst Beratungsanfragen aus verschiedenen Quellen. Nicht alle Mails kamen über die Homepage, dennoch wurde von der Gesamtheit der Daten, so wie der Berater sie sieht, ausgegangen. Informationen, die der Berater dokumentiert hat, sind folgende: Die Schiene (welchen Zugang nutzen die Klienten), eine laufende Nummer, das Datum, die Region (in Form von Postleitzahlen), Informationen zu „Wer fragt“ in Form von Geschlecht und Funktion (wie Eltern, Lehrer oder Schüler), dann Informationen über die betroffenen Schüler/innen: Schulform, Stufe und Schüler/innen: Alter, Geschlecht, die Problematik (eine Kurzbeschreibung der Anfrage durch den Berater), das Echo (bedankt sich jemand oder wurde die Anfrage weitergeleitet) und der Aufwand. Beim letzteren wurde der tatsächliche Aufwand aus Beantwortung, Statistik, Do- kumentation und Ablage aufgeführt. Bei den demografischen Daten gab es viele Lücken, begründet dadurch, dass nicht alle Anfragen über die Homepage kamen und damit kein Formular zum Ausfüllen der Daten vorlag. Allerdings ignorierten trotz Homepage-Nutzung einige Anfragende auch das Formular. Anfragen von September bis Dezember 2000 wurden in der Auswertung nicht mit berücksichtigt, weil die Dokumentation unvollständig war. Für die Durchführung der spezifischen Untersuchung des Konzeptverständnisses von Laien wurden die laufenden Nummern der Mailanfragen anhand der Beschreibung Methode des Beraters in der Rubrik Problematik herausgesucht. Dabei handelt es sich um 75 Anfragen zu den Themen ADHS, ADS, ADD, Hyperaktivität und Konzentration. Das Thema der Konzentration wurde mit einbezogen, da es als ein Hauptsymptom der Störung gilt und eventuell einen ersten Hinweis auf die Erkrankung geben kann (aber nicht muss). Für die Gewährleistung einer relativ homogenen Stichprobe bezogen auf die Ratsuchenden wurden Anfragen von Schülern (n = 8), von Nicht-Laien (Lehrer und sonstiges Fachpersonal) oder nicht eindeutiger Zugehörigkeit zu einer der Gruppen (n = 3) aussortiert. Von den nun 64 Erstanfragen, die als Laienanfragen betroffener Eltern und sonstiger Angehöriger eingestuft, wurden nach genauerer Durchsicht weitere ausgeschlossen: Informationsfragen wie eine Internatsuche, Informationsrecherche für eine Facharbeit, Arbeitsmaterial und eine Fortbildungseinladung (n = 4) und eine sehr umfangreiche Mail. Des weiteren fielen zwei Anfragen, in denen andere Themen im Vordergrund standen und AD(H)S nur erwähnt wurde, und drei Anfragen, in denen andere Störungen wie Hirnschaden, auditive Wahrnehmungsstörung oder Tourette-Syndrom vorlagen, heraus. Weiterhin wurden für die Untersuchung eine Anfrage mit offensichtlich fremdsprachlichem Hintergrund und welche, in denen keine Konzepte angeboten wurden und somit nicht zur Untersuchung beitragen können (n = 4), entfernt. Da die erste Auswahl nur über die Kurzzusammenfassungen des Beraters stattfand, wurden die kompletten Anfragen, also das gesamte Datenmaterial, nach den Begriffen hyperaktiv, ADHS, ADD und ADS abgesucht. Dies erfolgte, damit nicht Anfragen zum Thema übersehen wurden. Diese Kontrolle sollte sicherstellen, dass das Thema AD(H)S nicht von anderen Themen wie Mobbing oder Schulleistung in der Kurzbeschreibung überdeckt wurde. Es ergaben sich keine neuen Mails, sodass die zu untersuchende Stichprobe von 49 E-Mails blieb. Die dazugehörigen Original-Anfragen wurden über das Eingangsdatum und bei Unklarheiten auch über Merkmale in der Statistik herausgesucht. Zur Unterscheidung werden im folgenden die Begriffe Erstanfragen für demografische Daten und AD(H)S-Mails für die ausgesuchten Mails benutzt. 3.2 Vorgehen14 3.2.1 Erstanfragen 14 Die Trennung der Beschreibung des Vorgehens von den Ergebnissen konnte aufgrund der Art der Untersuchung nicht stringent eingehalten werden. Es wurde aber versucht, Überlappungen zu vermeiden. 37 Methode Das Datenmaterial der Statistik der Erstanfragen wurde aufgearbeitet und teilweise in neuen Kategorien angelegt, die aus den vorhandenen extrahiert oder kombiniert wurden. Für die Beschreibung des netzbasierten Angebotes der Schulpsychologie erschienen vier Bereiche wichtig. Die allgemeine Abteilung umfasste Informationen zu Jahres- und Monatszahlen. Verschiedene Fragestellungen fanden Beachtung. Wie erreichen die Anfragenden den Berater? Erreicht das Angebot nur den Kölner Raum? Ebenso sollten Merkmale der Ratsuchenden bezüglich Geschlechtszugehörigkeit, ihrem Status oder Funktion im Schulleben untersucht werden. Die Art des Kontaktes wurde berücksichtigt und Attribute der betroffenen Schüler wurden aufgezeigt. Bedeutung fanden auch Schulform, Geschlecht und Altersgruppe und deren Interaktionen. Zuletzt wurden die Einstiegsthemen der Ratsuchenden beäugt. Dafür wurden neun Problemkategorien auf Basis der Kurzbeschreibung des Beraters identifiziert, die genauere Differenzierung und deren Inhalte findet sich im Ergebnisteil, ebenso die Berechnung der Beurteilerreliabiltät. Aufgezeigt wurde die Verteilung der Thematiken und die Veränderung über die Jahre. Daraufhin wurde untersucht, ob es irgendwelche Zusammenhänge zwischen den Themen und den Merkmalen der Anfragenenden oder der betroffenen Kinder gab. Es wurden geschlechts- und funktionsspezifische Aspekte bei den Anfragenden untersucht. Es stellten sich Fragen wie: Ob Frauen bei anderen Themen Rat suchen oder Schüler andere Probleme haben. Aber auch die Merkmale der betroffenen Kinder wurden auf Geschlechts-, Alters- und Schultyp-Spezifität hin untersucht werden. Für die Beantwortung all dieser Fragen wurden Häufigkeitsberechnungen und Kreuztabellen erstellt. 3.2.2 AD(H)S-Mails Für die 49 Anfragen wurden demografische Daten ähnlich den Erstanfragen beschrieben. Außerdem wurden Informationen zu Textmerkmalen erstellt: Die Länge der EMails gemessen an der Wortzahl (ohne Gruß- und Abschiedsformel) und die Briefform, operationalisiert durch Gebrauch von Formulierungen der Anrede und des Abschiedes. Auch fand die Nennung des Namens der betroffenen Kinder Beachtung als mögliches Kennzeichen einer vertraulichen Atmosphäre. Die AD(H)S-Mail-Verfasser wurden daraufhin in zwei Gruppen aufgeteilt, je nachdem, ob sie das Syndrom mit Namen aufführten oder nicht. Dabei konnte nicht unterschieden werden, ob die Störung nicht vorhanden ist oder nur nicht benannt wird. 38 Methode 39 Das gleiche gilt auch andersherum. Wird die Störung benannt, bedeutet es nicht, das sie wirklich vorliegt oder diagnostiziert wurde. Anhand des DSM-IV wurden die Texte einer Analyse nach Kategorien unterzogen. Diese 4 Grobkategorien Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Leistungsdefizit und Hochbegabung sind in der Tabelle 4 dargestellt. Tabelle 4 Kategorie Name 1 Unaufmerksamkeit Beschreibung und Erläuterung: Grobkategorien für die Kodierung der Aussagen Erklärungen beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen (nicht aufgrund oppositionellen Verhaltens oder Verständnisschwierigkeiten) hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die längerandauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben) verliert häufig Gegenstände, die er/sie für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt lässt sich öfter durch äußere Reize leicht ablenken ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich 2 zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum Hypersteht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen Sitzen bleiben erwartet wird, häuaktivität/ fig auf Impulsivität läuft häufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben) hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen ist häufig auf Achse oder handelt oftmals, als wäre er/sie getrieben redet häufig übermäßig viel; platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist, kann nur schwer warten, bis er an der Reihe ist unterbricht und stört andere häufig (platzt z.B. in Gespräche oder in Spiele anderer hinein 3 LRS, Legasthenie, Probleme mit Deutsch Leistungs- Dyskalkulie, Rechenschwäche, Probleme mit Mathematik sonstige Lernschwächen, defizite schlechte Leistungen, schlechte Noten im Allgemeinen, Leistungsdefizite Wahrnehmungsstörungen Minderbegabung 4 Hochbegabung intelligent, IQ-Werte, Testergebnisse Hochbegabung wissbegierig und Beschreibungen, die darauf hinweisen Beschreibungen, die auf besondere Begabungen hinweisen Der Bereiche um die Leistungsdefizite wurde mit aufgenommen, da diese oft als Folgen des Syndrom in der Literatur beschreiben werden. Hochbegabung und eine darausfolgende Unterforderung, aber auch die Überforderung aus Leistungsschwierigkeiten kön- Methode nen andererseits auch zu Aufmerksamkeitsstörungen oder einem motorisch auffälligem Verhalten führen. Die Beschreibung wurde zwei unabhängigen Begutachter (Psychologiestudentinnen im Abschlusssemester) vorgelegt, welche die Anfragen auf mögliche Aussagen bezüglich der vorgegebenen Kategorien untersuchten sollten. Eine Einweisung erfolgt mündlich mit dem Hinweis, sich nur an die aufgeführten Kategorien zuhalten und eigene Interpretationen und Vorstellungen möglichst in den Hintergrund zustellen. Die Begriffe hyperaktiv, Hyperaktivität, ADS, ADHS oder ADD (auch in ihrer Langform) sollten nicht gekennzeichnet werden, da diese schon das Konzept an sich und das Kriterium für die Gruppenunterscheidung darstellen. Die Textstellen, die Aussagen enthalten sollten, wurden nicht vorgegeben. Eine offene Kategorisierung war erwünscht. Anschließend wurde die Beurteilerreliabiltät ermittelt. Daraufhin wurden Zusammenhänge zwischen Textlänge, Grobkategorien und Gruppen berechnet. Die Erstellung der Grobkategorien erfolgte theoriegeleitet, dicht in Anlehnung an das DSM-IV. Im Gegensatz dazu wurden die Feinkategorien direkt aus augenscheinlich zusammengehörenden Aussagen abgeleitet. Vorgaben wie bei den Grobkategorien existierten nicht. Auch hier fand eine Zweitkategorisierung zur Überprüfung der Reliabilität statt. Das Ziel der Untersuchung, eine Beschreibung des Konzeptraumes zu liefern, erfolgte dann durch die Beschreibungen der Aussagen, getrennt nach Gruppenzugehörigkeit der Verfasser und nach Feinkategorien. 40 Ergebnisse 41 4. Ergebnisse 4.1 Beschreibung des Angebotes aus demografischer Sicht Es konnte keine Zunahme des Angebotes der Schulpsychologischen Beratung per Netz festgestellt werden, allerdings nahm die Nutzung über die Homepage zugunsten anderen Zugangsmöglichkeiten zu. Jahreszeitliche Schwankungen sind zu verzeichnen. Die Anfragen kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland. Der Kölner Raum ist dabei am stärksten vertreten. Bei einer Unterscheidung nach Funktion und Geschlecht, konnte ermittelt werden, dass viele Eltern und Frauen, insbesondere Mütter, dieses Medium zur Beratung nutzten. Erstaunlich war, dass trotz des eigens für Lehrer eingerichteten Beratungszuganges, diese nur sehr wenig anfragten. Die meisten Kontakte blieben auf eine Beratung beschränkt, einige Personen, meist Schülerinnen, nutzten einen länger andauernden Mailkontakt. Viele der betroffenen Kinder bzw. der anfragenden Schüler besuchen das Gymnasium, dennoch gab es Eltern, die Probleme mit Kindergarten- oder Vorschulkindern schilderten. Auch Berufsschüler fragten um Rat. Jungen und Mädchen, ob betroffen oder selber fragend, sind gleichermaßen vertreten, allerdings konnten Interaktionen zwischen Alter bzw. Schulform und Geschlecht ermittelt werden. Die Einstiegsproblematiken unterscheiden sich sowohl bei Eltern und Schülern als auch zwischen Frauen und Männern. Desgleichen gibt es Unterschiede bei den Themen der Erstanfragen bezogen auf Merkmale der betroffenen Schüler. Die reinen Informationsfragen nahmen zugunsten der Fragen zu emotionalen und psychischen Thematik im Laufe der vier Jahre ab. 4.1.1 Allgemeines Verlauf über die Jahre und durch das Jahr. In dem untersuchten Zeitraum über vier Jahre klickten sich 1033 Ratsuchende erstmalig für die schulpsychologische Beratung ins Internet. Insgesamt ist die Nutzung zwar gestiegen, doch von einer stetigen Zunahme kann nicht gesprochen werden. Nach einer Anzahl von 273 Ratsuchenden im ersten Jahr, fiel die Zahl in 2002 ab (n = 228). Im Jahr 2003 (n = 244) und 2004 (n = 288) Ergebnisse 42 wurde das Angebot dann wieder vermehrt in Anspruch genommen. Eine jahreszeitliche Verteilung der Anfragen ist der Abbildung 10 zu entnehmen. Während es im November und im September die meisten Anfragen gab, nahmen die Zahlen im August und April die niedrigsten Werte an. 120 100 80 60 40 20 0 ez D ov N kt O p Se ug A li Ju ni Ju ai M il pr A n b Fe Ja Abbildung 10 Jahreszeitlicher Verlauf der Gesamt-Anfragen in absoluten Zahlen Zugang. Obwohl das Angebot einer Homepage zugeordnet ist und auch die meisten E- Mails (n = 735) darüber abgewickelt wurden, erreichen einige Anfragen den Berater über andere Zugänge. Einige Ratsuchende wählten den Weg über die Stadt Köln (n = 33), oder über das Amt, dem die Schulpsychologie in Köln zugeordnet ist (n = 68). Manche Klienten mailten dem Berater auch direkt zu (n = 60). Etwa 13% der Anfragen wurden von Beratern anderer schulpsychologischen Beratungsstellen weitergeleitet. Es ist eine Veränderung über die Jahre zu sehen. Während der Zugang über die Homepage von 2001 mit 69%, nach einer leichten Abnahme in 2002, bis 2004 stark zunimmt (79% der Anfragen), nimmt der Zugang über das Amt und da im besonderen über die Stadt Köln stark ab (von 19% in 2001 bis zu 7% in 2004). Auch die Übersendung anderer Berater nimmt nach einem Hochpunkt im Jahre 2002 (19%) mit 9% fast wieder den Ursprungswert aus dem Jahre 2001 an. Somit kann ein deutlicher Anstieg der Homepagenutzung zugunsten der Abnahme der Zugänge über die Stadt Köln und den Zuweisungen anderer Berater festgestellt werden. Ergebnisse 43 Wohnsitz. Auch wenn das Angebot von den Kommunalen Diensten NRW, speziell der Beratungsstelle Köln ausgeht, kann durch den Zugang über das World Wide Web nicht erwartet werden, dass nur Menschen aus diesem Raum das Angebot nutzen. Viele Anfragende haben in anderen Bundesländern oder im Ausland ihren Wohnsitz. Die Abbildung 12 zeigt die Verteilung sortiert nach Postleitzahlen. Der Anteil im Kölner Raum ist mit 18% relativ hoch. Je weiter die Entfernung (gemessen an der Postleitzahlengröße) von Köln ist, desto weniger Anfragen kamen aus den entsprechenden Gebieten. Für 176 Anfragen war keine räumliche Zuordnung möglich, immerhin 5% aller Anfragen kamen aus dem Ausland. Kölner Raum 200 160 120 80 40 0 .. 9. Z PL . . 8. Z PL . . 7. Z PL . . 6. Z PL . . 5. Z PL . . 4. Z PL . . 3. Z PL . . 2. Z PL . . 1. Z PL . . 0. Z PL Abbildung 11 Verteilung der Anfragen nach PLZ in absoluten Zahlen 4.1.2 Merkmale der Ratsuchenden Geschlecht und Funktion. Die 1033 Ratsuchenden können in drei große Gruppen un- terteilt werden. Die Eltern nahmen mit 521 Personen den größten Teil der Klientel ein. 300 Schüler und 165 sonstige Personen schickten eine erste E-Mail an den Berater. In 47 Fällen war keine Gruppenzuordnung aufgrund fehlender Angaben möglich. Unterscheidet man in den Gruppen auch nach Geschlecht, ergibt sich, dass Mütter am meisten anfragen (n = 391). Auch die Gruppe der Schülerinnen ist mit 200 Anfragenden stark vertreten. Väter (n = 79) und Schüler (n = 67) nehmen weniger eine Beratung in Anspruch. Ein Teil der Eltern (n = 51) und der Schüler (n = 33) gab in den Formularen Ergebnisse 44 kein Geschlecht an. Somit machen mit 38% der Gesamtanfragen die Mütter den größten Teil der Ratsuchenden aus. Bei einer Aufteilung nach Geschlechterzugehörigkeit aller Personen ergeben sich für die vier Jahre Beratungsdokumentation 18% männliche und 69% weibliche Anfragende. Somit haben die Frauen und Mädchen einen ungleich höheren Anteil in diesem Beratungskontext. Etwa 13% der Personen machten keine Angabe zum Geschlecht (siehe Abbildung 12). 600 500 400 300 keine Angabe 200 männlich 100 weiblich 0 ti ns e ab ng ge eA in ke So n ter El Abbildung 12 Anteile Status und Geschlecht in absoluten Zahlen Während im Jahre 2001 noch 19% der Anfragenden keine Angabe zu ihrer Geschlechtszugehörigkeit machten, sank deren Anteil auf 10% im Jahre 2004. Die Zunahme der weiblichen Ratsuchenden auf 72% in 2004 könnte damit zusammenhängen. Ein Vergleich über die Jahre zeigt, dass im Jahre 2001 noch 15% der Anfragenden keine Angabe zu ihrer Funktion machten, 2004 betraf dies nur noch unter 1% aller Anfragenden. Ein Entwicklungstrend zugunsten der Schüler konnte außerdem festgestellt werden. Die Zahl der Schüleranfragen steigt im Jahr 2004 sprunghaft an und beträgt anteilig 38% von ursprünglich 27% in 2001. Der Kreis der sonstigen Personen besteht aus Lehrern (n = 40), Pädagogen/ Psychologen (n = 18), Personen aus persönlichen Beziehungen wie Lebenspartner, Verwandte oder Freunde (n = 32), Studenten (n = 47) und einer heterogene Restgruppe (n = 27). Der Lehreranteil beträgt prozentual an der Gesamtpopulation der Anfragenden 4%. Ergebnisse 45 Kontaktdauer. Über 50% aller Anfragenden beschränken sich auf einen einmaligen Kontakt und geben sich mit einem Beratungskontakt zufrieden. 24% der Ratsuchenden stellten eine oder mehrere Rückfragen, ein Prozentsatz von 14 bedankten sich noch einmal. Es kam zu insgesamt 33 Mailkontakten und 8 Weitervermittlungen in eine persönliche Beratung (siehe Abbildung 14). Der Mailkontakt wird dabei ausschließlich bis auf eine Ausnahme von weiblichen Klienten genutzt. Eine weitere Aufschlüsselung zeigt, dass 21 Schülerinnen, 9 Eltern (8 Mütter und 1 Vater) und 3 andere Personen Mehrfachkontakte bevorzugten. Setzt man die Zahlen sogar in Beziehung zum Verhältnis Schüler- zu Elternzahlen, kann man sagen, dass der Mailkontakt die Domäne der Schülerinnen ist. 600 500 400 300 200 100 0 m lu itt t ak nt er rv te ei o lk ai W M e ab k an D kt ta on K n. er ei /le bg A ng Abbildung 13 Kontakthäufigkeit der Anfragenden in absoluten Zahlen Über den gesamten Beobachtungszeitraum zeigt sich, dass die Anzahl der rückfragenden Personen zugunsten der Klienten, die sich nur mit einer Einmalberatung zufrieden geben oder bedanken, zunimmt (siehe Abbildung 15). Ergebnisse 46 60% Einmaliger Kontakt 50% 40% 30% Rückfrage/n 20% 10% Dank 0% 2001 2002 2003 2004 Abbildung 14 Verlauf über die Jahre in prozentualen Anteilen 4.1.3 Merkmale der betroffenen Schüler Es werden im folgenden nur die Angaben berücksichtigt, die vorhanden sind. Die Prozentsätze beziehen sich immer auf die Restgruppe unter Abzug der Gruppe ohne Angaben. Bei einer Verallgemeinerung müsste von einer Gleichverteilung der nicht bekannten Merkmale ausgegangen werden. Eine Unterscheidung, ob die Anfragen von Eltern, Schülern oder sonstigen Personen kommen, wurden in diesen Berechnungen nicht berücksichtigt. Ausnahmen werden erwähnt. Schulform. Die meisten betroffenen Kinder, für die Beratungsbedarf bestand, stammen aus dem Gymnasialbereich (34%), gefolgt von den Grundschulkindern (31%). Mäßig vertreten sind Realschüler mit 12% und die sonstigen Schüler mit 11%. Sehr wenige Anfragen kommen von Schülern oder ihren Eltern aus dem Haupt- und Gesamtschulbereich. Kindergarten und Vorschule sind immerhin noch mit fast 4% Anteil vertreten. Die sonstigen Schulformen teilen sich auf in Berufsschulen aller Richtungen (47%) und Sekundarstufen, die keinem Schultyp zuzuordnen sind (37%). Dazu gehören auch die wenigen Anfragen mit jeweils unter 10% Anteil: Sonderschüler, Studenten, Abendschüler oder Menschen, die sich in Lehre oder Beruf befinden. Schließt man alle Berufsschüler in den Sekundarstufenbereich II mit ein, zeigt sich ein Anteil von 19%. Die Grundschule bestimmt 33% aller Anfragen. Die Sekundarstufe I hat mit 45% den Ergebnisse 47 Grundschule bestimmt 33% aller Anfragen. Die Sekundarstufe I hat mit 45% den größten Anteil. Ein Blick auf die Elternanfragen zeigt, dass die Grundschulkinder eindeutig die Gruppe ist, um die sich Eltern am meisten sorgen. 300 250 200 150 100 50 0 e t ig ns m So asiu n m Gy hule c als ule h Re ts c le up u Ha sch t m e sa l Ge schu d un Gr u le h rsc abe ng Vo in ke eA Abbildung 15 Verteilung der betroffenen Schüler nach Schulform in absoluten Zahlen Geschlecht. Während es bei der Geschlechterverteilung der Gesamtzahl keine Unter- schiede gibt, kann eine Beziehung zwischen Schulform und Geschlecht dokumentiert werden. Im Entwicklungsverlauf des Problemschülers findet eine Verschiebung vom „männlichen zum weiblichen Problemkind“ statt. Während in Kindergärten die Jungen mit 75% und in Grundschulen mit 67% vertreten sind, kippt in der Sekundarstufe I die Verteilung seitens der Mädchen mit einem Anteil von 54%. In der Sekundarstufe II übernehmen sie eindeutig den größten Anteil mit 71% der Betroffenen. Bezogen auf die drei Hauptformen der Schulen sind die Mädchen der Gymnasien sehr stark vertreten, während im Haupt- und Realschulbereich fast eine Gleichverteilung der Geschlechter anzutreffen ist. Schaut man sich nur die Elternanfragen an, ist ein eindeutiger Trend zur Problematik von Jungen zu verzeichnen, mit einem 66%igen Anteil liegen sie vorn. Altersgruppe. In der Abbildung 8 sind die betroffenen Schüler nach Altersgruppen und Geschlecht dargestellt. Zu einem großen Teil der Anfragen (n = 175) gab es keine Angaben zu Merkmalen der betroffenen Kinder oder Jugendlichen. Die meisten Schüler sind zwischen 11 und 15 Jahre alt (n = 311), dann folgt die Gruppe der 7 bis 10jährigen (n = 249). 173 Schüler sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Der Anzahl der 6jährigen und Ergebnisse 48 der über 18jährigen beträgt immerhin 62 bzw. 63 Kinder. Auch hier wird die Beziehung von Geschlecht und Alter noch mal deutlich. Über die Jahre ist ein zunehmender Trend bei Anfragen zu der Altersgruppe der 11-15 jährigen, von 32% zu 40% Anteil, zu beobachten. 400 300 200 weiblich 100 männlich keine Angabe 0 e ab ng eA in ke re ah 8J >1 re ah 8J -1 16 re ah 5J -1 11 e hr Ja 10 7re ah J =6 </ Abbildung 16 Altersverteilung der betroffenen Schüler in absoluten Zahlen 4.1.4 Einstiegsthemen der Ratsuchenden Problemkategorien. Anhand der Kurzbeschreibungen des Beraters wurde eine Eingrup- pierung nach acht Problemkategorien vorgenommen. Es soll hier noch einmal betont werden, dass es sich um Einstiegsproblematiken handelt und das Thema im Laufe eines weitergehenden Kontaktes sich sehr schnell ändern kann. Es konnten neun Kategorien definiert werden. Fragen zum Bereich Schule sind Fragen zur Schullaufbahnberatung, es geht dabei um Schulwechsel auf weiterführende Schulen, zu anderen Schulen oder zu anderen Schultypen. Weiter gehören dazu Fragen zur Einschulung, vorzeitige wie auch zurückgestellte. Themen der Klassenwiederholung oder –überspringen sind hier ebenfalls zu finden. Die Problematiken um die Psyche herum umfassen alle emotionalen, aber auch psychischen Probleme. Letztere können sowohl allgemein als auch spezifisch in Form von Essstörung, Angststörung, Depression, Borderline-Störung oder Selbstverletzungen beschreiben werden. Dazu findet allgemeine Schulangst und Angst vor Prüfungen sei- Ergebnisse nen Platz in dieser Kategorie. Themen mit Missbrauch oder Gewalt, wenn es kein Mobbingthema war, wurden hier ebenso eingeordnet. Mit der Problematik Personen hat man es zu tun, wenn vordergründig Auseinadersetzungen oder schwieriger Umgang mit anderen Menschen geschildert wurde. Dies betrafen Eltern (aus Sicht der Schüler), Mitschüler, Freunde, Lehrer oder Geschwistern. Natürlich gehören hier auch die „Liebesgeschichten“ hin. Themen der Motivation sind neben Verweigerungshaltungen alle Anfragen, in denen von „keiner Lust“ oder von Demotivation die Rede ist. Die Kategorie Mobbing ist selbsterklärend und wurde verwendet, sobald in der Kurzbeschreibung des Beraters dieser Begriff verwendet wurde. Eine Zuordnung der Anfragen zum Thema Leistung fand statt, wenn Angelegenheiten zur Hoch- oder Minderbegabung geschilderten wurden. Anhaltspunkte liefern Begrifflichkeiten wie ein hoher Intelligenzquotient oder Unterforderung. Aber auch Schilderungen zu Leistungsdefiziten, schlechter Leistung im Allgemein oder in einzelnen Fächern, sowie Dyskalkulie bzw. Rechenschwäche oder Legasthenie bzw. Leserechtschreibestörung sind Leistungsthemen. Unter Kognition werden E-Mails, die überwiegend Fragen zu Problemen oder Störung der Wahrnehmung und Konzentration haben, verstanden. Vor allem Begriffe wie ADS, ADHS oder Hyperaktivität wurden hier gefunden. Die Abteilung der Information ist vielschichtig, so wurde nach Adressen von Einrichtungen, Ärzten oder Zuständigkeiten (örtliche, inhaltliche) gefragt. Immer wieder wurde um Information für Referate, Ausbildungen oder Berufswünschen gebeten. In der Kategorie Sonstiges fand alles seinen Platz, was keiner anderen Gruppe eindeutig zu zuordnen war. Interraterreliabilität. Für die Beurteilerreliabilität hat ein weiterer Kodierer die Katego- rien nach den oben aufgezeigten Zuordnungen, die er schriftlich bekommen hat, vorgenommen. Es erschien ausreichend, nur von einem anderem Beurteiler im Abgleich mit den Referenzwerten des Experten (Untersucherin) die Eingruppierungen in der SPSSTabelle vornehmen zu lassen (Asendorpf und Wallbott, 1979). Die Tabelle 5 der Interraterreliabilität wird trotz der Verwendung des zufallskorrigierenden Cohens` Kappa, welches r = 0.90 beträgt, dargestellt. Nach Caspar und Wirtz (2002) ist es immer wichtig, sich die Daten anzuschauen. Besondere Auffälligkeiten bei Differenzen bestimmter Kategorien sind nicht vorhanden. Höchsten die Nicht-Übereinstimmungen 49 Ergebnisse 50 Kategorien sind nicht vorhanden. Höchsten die Nicht-Übereinstimmungen im Bereich der Leistung kann Erwähnung finden, hier ist die Fächerung auf andere Themen sehr groß. Von einer Reliabilität der Zuordnung zu den Problemklassen wird ausgegangen, somit kann die Kategorisierung weiter verwendet werden. Tabelle 5 Interraterreliabilität der Problemkategorien KODIERER 2 K O D I E R E R 1 Psy Sch Son ∑ K1 4 2 2 1 230 2 3 2 Info Kog leer Leis Mo Info 221 Kognition 5 62 leer Mot Per 74 6 Leistung 8 Mobbing 1 5 6 173 1 2 73 Motivation 7 Person 2 5 1 Psyche 1 1 Schule 1 1 Sonstiges 1 ∑ Kodie237 rer2 68 193 40 79 1 1 1 5 42 193 75 1 80 1 3 6 3 53 88 151 1 1 157 2 89 2 95 53 62 59 1033 2 3 83 168 98 Verteilung der Themen. Ungefähr ein Viertel der Fragen sind Informationsfragen (n = 230), auch Fragen zu Schulleistungen kommen recht häufig vor (n = 193). An dritter Stelle stehen Fragen zu emotionalen und psychischen Problemen (n = 157). Einem Anteil von unter 10% nehmen die Themen zur Schullaufbahnberatung (n = 95), Probleme mit Personen (n = 88) und Fragen zu den Bereichen um Kognition, Mobbing und Motivation ein. Ein kleiner Teil der Anfragen (n = 62) ist nicht eindeutig einzuordnen (siehe Abbildung 9). Ergebnisse 51 250 200 150 100 50 0 es tig ns So n io at iv ot M n tio ng bi ob en on rs ni og K M Pe g un le hu ist he yc Sc Ps Le fo In Abbildung 17 Verteilung der Problemkategorien in absoluten Zahlen Ein Verlauf über die Jahre zeigt, dass sich die reinen Informationsfragen mit einem Anteil von 30% in 2001 auf die Hälfte im Jahre 2004 reduzierten. Die Fragen zu emotionalen oder psychischen Problemen nahmen dagegen zu. Im Jahr 2004 ist eine Verdoppelung dieser Einstiegsproblematik zu verzeichnen. Die Anteile der anderen Themenbereiche blieben in etwa stabil. 4.1.5 Präferenzen der Themen bei Ratsuchenden und betroffenen Schülern Die Berechnungen der Zusammenhänge beziehen sich auf verschiedene Grundgesamtheiten, die jeweils angeben werden. Die Ursachen sind fehlende Angaben und damit fehlende Werte. Da ein systematischer Zusammenhang zwischen Merkmalen und fehlenden Angaben nicht ausgeschlossen werden kann, sind die Zahlen und Verhältnisse nicht generalisierbar. Problematisch sind in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Grundgesamtheiten. Somit kann immer nur von gefundenen Zusammenhängen gesprochen werden und nicht von Beziehungen. Geschlechtsspezifische Aspekte der Anfragenden. Frauen haben eine andere Schwer- punktsetzung in der Thematik der Erstanfrage als Männer. Eine Verteilung der Anfragen von Männer oder Jungen teilt sich wie folgt auf: Sie bevorzugen mehr reine Informationsfragen (26%) und Fragen zur Schullaufberatungen (14%). Bei den Frauen und Mädchen stehen Leistungsthemen (18%), emotionale und psychische Probleme (17%) Ergebnisse 52 und Probleme mit anderen Personen (10%) im Vordergrund. Bei den anderen Themen gab es keine wesentlichen Unterschiede. 30% 20% männl 10% weibl 0% le hu Sc he yc Ps ng en on rs Pe tu is Le fo In Abbildung 18 Verteilung der Themenbereiche nach Geschlecht in Prozent Funktionsspezifische Aspekte der Anfragenden. Unterschiede in der Schwerpunktset- zung der Einstiegsproblematik gibt es auch zwischen Eltern und Schülern. Die Hitliste der 521 Eltern führen Leistungsfragen (25%) und Informationsfragen (14%) an. Immerhin jeweils 12% der Elternanfragen beinhalten Beratungsbedarf zur Schullaufbahn und zu Kognitionsproblemen ihrer Kinder. Bei den 300 Schülern ist die Reihenfolge eine andere. So betreffen 23% ihrer Fragen emotionale und psychische Probleme. Etwa 16% der Schüler schildern Schwierigkeiten mit anderen Personen. Aber auch die Bereiche um Leistungsfragen und Informationen sind mit 14% Anteil gut vertreten. Geschlechtspezifische Aspekte der betroffenen Kinder. Im Vergleich kann festgestellt werden, dass Fragen zu psychischen und emotionalen Themen und zu Schwierigkeiten mit Personen bei betroffenen Mädchen häufiger sind. Sind es 21% bzw. 13% der Mädchen-Anfragen, so sind es bei den Jungen nur 13% bzw. 5%. Stellt man eine Rangliste auf, ergibt sich für Mädchen eine Abfolge von Psyche (21%), Leistung (18%) und Info (16%). Bei den Jungen sind dies Leistung (24%), Schule (15%) und Info bzw. Kognition mit jeweils 13% (siehe Abbildung 11). Ergebnisse 53 30% 25% 20% Junge 15% Mädchen 10% 5% 0% hu Sc le on he yc Ps rs Pe g un ist n tio ni og fo Le K In Abbildung 19 Verteilung nach Geschlecht in Prozent Altersabhängige Aspekte der Betroffenen. Verschiedene Schwerpunkte hinsichtlich der Altersgruppe sind festzustellen. Gerade hier spielt der Entwicklungsstatus in der Schullaufbahn der betroffenen Kinder als Moderatorvariable eine Rolle. Die jeweils am meisten genutzte Problematik ist bei den unter 6jährigen Fragen zur Schullaufbahn (39%), bei den Grundschülern Leistungsfragen (29%), ebenso bei den 11-15 jährigen, dort nimmt der Anteil der Psyche-Problematiken zu. Bei den 16-18jährigen findet dieser den Weg an die Spitze (24%). Bei den über 18jährigen sind Informationsfragen die Favoriten (30%). Ein Vergleich innerhalb der Problemgruppen ist wegen der unterschiedlichen Altersgruppengröße nicht möglich. Schulabhängige Aspekte der Betroffenen. Von den Angehörigen der 792 Schulen kann gesagt werden, dass in Grundschulen Leistungsprobleme (31%) und Fragen zur Kognition (15%) im Vordergrund stehen. Bei den weiterführenden Schulen übernehmen die psychischen Probleme den Spitzenplatz (21%), allerdings dicht gefolgt von den Leistungsproblemen (18%). Bei einem Vergleich der weiterführenden Schulen untereinander zeigt sich, dass von den betroffenen Realschülern ein Großteil der Anfragen (40%) den Leistungsbereich umfassen. Bei den Hauptschülern führen psychische und emotionale Probleme (18%) und Informationsfragen (16%) die Liste an. Bei den Gymnasiasten sind Probleme der Psyche auch häufig ein Grund für Ratsuche, sie kommen fast so häu- Ergebnisse fig vor wie Themen rund um die Leistung (23%).Bei den Zahlen sind Berufsschüler und andere Sekundarschüler nicht berücksichtigt. 4.2. Auswertung der AD(H)S –Anfragen 4.2.1 Statistik der AD(H)S- Anfragen Da es sich um ausgewählte E-Mails handelt, kann die Stichprobe der Ratsuchenden und Betroffenen nicht als repräsentativ für die Gesamtdaten betrachtet werden. Vor allem gilt dies für Merkmale der betroffenen Schüler, denn die Symptomatik AD(H)S beinhaltet sowohl geschlechts- als auch alterspezifische Faktoren. Demografische Daten. Bei den ausgewählten E-Mails handelt es sich um anfragende Eltern (n = 46) und sonstige Personen in verwandtschaftlicher Beziehung (n = 3), davon sind 37 weiblich, 7 männlich und 8 ohne eine Geschlechtsangabe. Die betroffenen Kinder sind überwiegend männlich (n = 36), bei 2 Kindern gab es keine Angabe zum Geschlecht. 84% der Schüler sind unter 10 Jahre alt. 35 Kinder gehen zur Grundschule und 12 auf eine weiterführende Schule, auch ein Kindergartenkind ist dabei. Die meisten Ratsuchenden beschränkten sich auf einen einmaligen Kontakt (n = 21), ein Teil stellte Rückfragen (n = 13) oder bedankte sich (n = 8), es kam zu 2 Mailkontakten. Textmerkmale. Der kürzeste Anfragentext betrug 15, der längste 1306 Wörter (MD = 286, SD = 244). Die Anrede und die Abschiedsgrußformel wurden ausgeschlossen, da ein Einfluss gerade bei kurzen Texten vermieden werden sollte. Die Verteilung des Wortvolumens der Texte ist in Abbildung 21 dargestellt. Die meisten Anfragen, fast 70%, sind mit weniger als 300 Wörtern vertreten. 54 Ergebnisse 55 15 10 5 0 Abbildung 20 Wortzahl der AD(H)S-Texte In insgesamt 82% der Anfragen benutzt der Verfasser die Briefform, operationalisiert durch Anrede und Abschiedsformel. In 42% der Anfragen wurde der Name des betroffenen Kindes genannt. Diese Angaben dienen nur zur Beschreibung der E-Mails. Unterteilung nach Symptomnennung. Die E-Mails wurden danach eingeteilt, ob der Ratsuchende das Wort ADHS, ADS, ADD oder Hyperaktivität in seiner Anfrage verwendete. In 26 Anfragen wird der Name des Syndroms vom Ratsuchenden eingebracht, diese Gruppe wird Syndrom-Verwender genannt. In 23 Fällen wird keiner der Namen eingebracht, dieses ist die Gruppe der Syndrom-Verschmäher15. Die beiden Gruppen unterscheiden sich nicht nur in der Anzahl der Mitglieder, sondern auch durch die mittlere Textlänge ihrer Anfragen. Die E-Mails der Syndrom-Verwender haben eine durchschnittliche Wortlänge von MD = 298 (SD = 279), es ergibt sich eine Gesamtwortmenge von 7738 Wörtern. Die Anfragen der Syndrom-Verschmäher beinhalten weniger Wörter, so kommen sie mit einer mittleren Wortzahl von MD = 273 (SD = 203) auf eine Gesamttextlänge von 6283 Wörtern. 15 zur Verwendung des Namens: Verschmähen bedeut hier, dass die Verfasser der Mails nur die Namen der Störung nicht nennen. Dabei ist unerheblich, ob die Störung nicht vorhanden ist oder nur der Name nicht verwendet wird. Ergebnisse 56 4.2.2 Textanalyse: Grobkategorien Verteilung insgesamt: Die insgesamt 250 Aussagen der 49 E-Mails teilen sich in 117 Aussagen zur Unaufmerksamkeit, 58 Aussagen zur Hyperaktivität, 38 Aussagen zu Leistungsdefiziten und 37 Aussagen zur Hochbegabung auf. Die Beschreibung der Kategorien findet sich im Methodenteil, die Auflistung der Aussagen für jede E-Mail im Anhang A und die Verteilung der Anzahlen im Anhang B. In vier Anfragen wurden keine Beschreibungen identifiziert, diese E-Mails wurden für Berechnungen der Häufigkeiten dennoch weiter mit einbezogen. Sie stammen alle aus der Gruppe der Symptom-Verwender. Interraterreliabilität. Für die Beurteilung der Reliabilität zwischen zwei voneinander unabhängigen Kodierern wurde eine weitere Kategorie eingeführt (Kategorie = 0). Eine Nicht-Kategorisierung wird wie eine fünfte Kategorie behandelt (Caspar und Wirtz, 2004). Der Koeffizient nach Cohens r = 0.71 spricht für eine reliable Übereinstimmung (Caspar und Wirtz, 2004). Der direkte Abgleich kann der Tabelle 6 entnommen werden. Tabelle 6 K O D I E R E R 1 Interraterreliabilität der Grobkategorien 0 KODIERER 2 0 1 2 5 4 3 7 4 2 ∑ K1 18 1 10 2 1 112 2 5 1 1 55 3 3 4 9 ∑K2 27 99 48 2 106 25 52 35 30 26 35 30 250 Für die weitere Untersuchung wurden alle 250 Aussagen verwendet, die mindestens von einem der beiden Ratern genannt und eingeordnet wurden. Die meisten Unterschiede in den Beurteilungen beruhten auf dem Nicht-Benennen einer Aussage seitens eines Beurteilers (n = 45). Nur 7 Aussagen wurden völlig unterschiedlich zugeordnet. In diesem Fall entschied die Untersucherin. Im Anhang findet sich die Übersicht über die einzelnen Aussagen, zugeordnet zu den E-Mails. Ergebnisse 57 Korrelation Textlänge mit Anzahl der Aussagen. Da die Texte in ihrem Umfang unter- schiedlich ausgeprägt sind und ein Zusammenhang zwischen der Textlänge und der Anzahl der Aussagen in den jeweiligen Kategorien vermutet wurde, wurden Korrelationen berechnet. Für alle Aussagen zusammen ergab sich ein signifikanter Zusammenhang von r = 0.40, p < 0.01. Da es unklar bleibt, ob dies für alle Kategorien gleichermaßen gilt, wurden getrennte Korrelationen berechnet. Es gab keine Zusammenhänge der Textlänge mit der Zahl der Aussagen zur Unaufmerksamkeit oder zur Hochbegabung (r = 0.11, ns bzw. r = 0.16, ns). Signifikante Ergebnisse ergaben sich für Aussagen zur Hyperaktivität mit r = 0.52, p < 0.01. Ein schwacher Zusammenhang konnte für die Leistungsdefizite mit der Textlänge (r = 0.31, p < 0.005) gefunden werden. Verteilung der Grobkategorien auf die Gruppen. Aufgrund der, wenn auch geringen, Einflussnahme der Textlänge auf die Anzahl der Aussagen, wurde ein Faktor berechnet, der sich aus der Anzahl der Aussagen dividiert durch die Gesamtwortzahl x 10016 zusammensetzt. Die Übersicht in Tabelle 7 zeigt, dass die Gesamtheit der Texte der Gruppe der Syndrom-Verschmäher insgesamt mehr Aussagen zu den beiden Kategorien der Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität enthielt. Eine genauere Aufschlüsselung ergibt, dass der Unterschied ausschließlich durch Beschreibungen der Unaufmerksamkeit begründet ist. Der Faktor ist mit 1.29 in der Gruppe der Syndrom-Verschmäher um das 2.7fache größer als in der anderen. Zu erwähnen ist auch, dass es nicht mehr Schilderungen zu Leistungsdefiziten in dieser Gruppe gibt, dafür aber einiges mehr an Bemerkungen zur Hochbegabung. Diese Ausführungen sind aufgrund ihres geringen Vorkommens mit Vorsicht zu behandeln. Auf Berechnung von Varianzanalysen, auch mit der Möglichkeit der Post-hoc-Testung, wurde deshalb verzichtet. Tabelle 7 SyndromVerschmäher SyndromVerwender 16 Anzahl der Aussagen in den Gruppen, absolut und Faktor F Unaufmerksamkeit 81 F = 1.29 36 F = 0.47 Hyperaktivität 26 F = 0.41 32 F = 0.41 ∑ 2 Hauptsymptome 107 F = 1.70 68 F = 0.88 Multiplikation mit 100 wegen der besseren Darstellung Leistung 13 F = 0.21 25 F = 0.32 Hochbegabung 24 F = 0.38 13 F = 0.17 Ergebnisse Eine Berechnung von Korrelationen über beide Gruppen, unter Annahme der Wortzahlgleichheit, ergab signifikante Werte. So gibt es einen negativen Zusammenhang zwischen Gruppenzugehörigkeit und Aussagen zur Unaufmerksamkeit (r = -0.41, p < 0,01). Weiter konnte festgestellt werden, dass wenn jemand viele Aussagen zur Hyperaktivität macht, auch viel zu Leistungsdefiziten mitzuteilen hat. Ein mäßig signifikanter Zusammenhang wurde ermittelt (r = 0.30, p < 0,05). Desgleichen gab es einen negativen Zusammenhang zwischen Anzahl der Aussagen zur Hochbegabung und zu Leistungsdefiziten (r = - 0.29, p < 0,05). Keine signifikanten Zusammenhänge konnte gefunden werden zwischen der Anzahl der Aussagen zur Unaufmerksamkeit und zur Hyperaktivität (r = -0.26, ns). Auch zwischen der Menge an Aussagen zur Unaufmerksamkeit und Leistungsdefiziten (r = -0.10, ns) oder Hyperaktivität und Hochbegabung (r = 0.22, ns) gibt es keine Beziehungen. Unterscheidet man die beiden Gruppen, konnte festgestellt werden, dass es in den Zahlen der Aussagen bei den Syndrom-Verwendern Zusammenhänge zwischen Leistungs- und Hyperaktivitätsaussagen gab (r = 0.57, p < 0,01). Das gilt auch für die Gesamtzahl der Aussagen und Aussagen über Leistungsdefizite (r = 0.72, p < 0,01). Bei den Syndrom-Verschmähern gibt es signifikante Zusammenhänge zwischen der Anzahl der Aussagen zur Hochbegabung und zur Hyperaktivität mit r = 0.43, p < 0,05. Da die Anfragen sehr heterogen sind, haben diese Befunde leider wenig Aussagekraft, sie könnten aber Hinweise auf Hypothesen weiterer Untersuchungen liefern. Eine genauere Betrachtung der Konzepte Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität scheint um einiges aufschlussreicher zu sein und soll den größeren Teil der Schilderung einnehmen. Die Bereiche der Hochbegabung und Leistungsdefizite finden in den folgenden Ausführungen keine Beachtung mehr, da sie nicht die Hauptsymptome der AD(H)S darstellen. 4.2.3 Textanalyse: Feinkategorien Um einen Einblick in die Inhalte der Kategorien Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität zu erhalten, wurden die zwei Bereiche jeweils unterteilt. Dabei wurde versucht, Gruppierungen von Aussagen, die augenscheinlich einen Schwerpunkt abdeckten, zusammenzufassen. Unaufmerksamkeit: Verteilung der Feinkategorien. Es ergaben sich sechs Kategorien, 58 Ergebnisse 59 in welche die Aussagen des Bereiches Unaufmerksamkeit relativ eindeutig eingeordnet werden konnten. Eine siebte Kategorie, Sonstiges (U5, n = 9), wurde für die Aussagen eingerichtet, die keine eindeutige Zuordnung zuließen. So gibt es Aussagen die Verhalten beschreiben, das mit Ablenken zu tun hat (U1, n = 7). Sehr viele Ausführungen enthalten den Wortstamm Konzentration (U2, n = 37). Da sind Satzteile, die Langsamkeit (U3, n = 23) beschreiben oder den Bereich der Motivation und Unlust abdecken (U4, n = 21). Weitere Kategorien beschreiben Aussagen zu Träumen (U6, n = 13) und Vergessen (U7, n = 7). Unaufmerksamkeit: Interraterreliabilität der Feinkategorien. Auch hier dient das Ex- pertenrating als Grundlage, ein anderer Beurteiler hat die Aussagen in die dann vorgegebenen Feinkategorien einsortiert (Asendorpf und Wallbott, 1979). Die Übereinstimmung beträgt r = 0.94 (nach Cohens). Tabelle 8 zeigt die Übereinstimmungen. Tabelle 8 Interraterreliabilität der Feinkategorien Unaufmerksamkeit KODIERER 2 U1 K U1 O U2 D U3 I U4 E U5 R U6 E U7 R ∑ Kod 1 U2 U3 U4 U5 U6 U7 7 7 35 1 22 19 1 23 2 21 9 9 12 35 22 19 37 1 1 8 ∑ K2 12 3 13 7 7 8 117 1 Unaufmerksamkeit: Verteilung der Feinkategorien auf die Gruppen. Um nachher der Beschreibung der Inhalte der einzelnen Konzepte besser folgen zu können, wird die Anzahl der verschiedenen Aussagen nach Gruppenzugehörigkeit der Anfragenden detailliert aufgestellt. Wenn auch leider wenig aussagekräftig, kann für jeweils die Gesamtheit der Texte in den Gruppen festgestellt werden, dass die Unterkategorien Langsamkeit und Konzentration auffallen. Viele Aussagen bezüglich Langsamkeit werden von den Autoren der Syndrom-Verschmäher verwendet, dagegen sind Satzteile der Konzent- Ergebnisse 60 ration verhältnismäßig oft bei der Verwender-Gruppe anzutreffen. Eine übersichtliche Aufstellung ist der Tabelle 9 zu entnehmen. Die Aussagen zu Schwerpunkten in den Feinkategorien sind nur unter Vorbehalt zu sehen, da sich die Gesamtheiten in den Gruppen zu sehr unterscheiden und die Anzahl in den Zellen zu gering ist. Tabelle 9 Verteilung der Feinkategorien der Unaufmerksamkeit auf die Gruppen U1 U2 U3 U4 U5 U6 U7 ∑ Verschmäher 3 22 19 15 8 10 4 81 Verwender 4 15 4 6 1 3 3 36 Gesamt 7 37 23 21 9 13 7 117 Hyperaktivität: Verteilung der Feinkategorien. Auch hier konnten sechs Kategorien und eine Restkategorie, Sonstiges (H5, n = 10) identifiziert werden. Neben Aussagen über Aggression allgemein (H1, n = 6) und Kaspern (H2, n = 3), gab es Aussagen zu Streitigkeiten oder Konflikten (H3, n = 6). Weiterhin fanden das Reden (H4, n = 12) und Stören (H6, n = 8) sich in den Beschreibungen wieder. Ein Teil der Aussagen beschreibt den Bereich des Zappelns (H7, n = 13). Hyperaktivität: Interraterreliabilität der Feinkategorien. Die Beurteilerübereinstim- mung kann mit einem Wert von r = 0.92 (nach Cohens) als reliable angesehen werden. In Tabelle 10 ist die Aufschlüsselung der Einsortierungen zu sehen. Tabelle 10 Interraterreliabilität der Feinkategorien Hyperaktivität KODIERER 2 H1 K H1 H2 H5 H7 3 6 1 6 10 1 12 10 R H6 E H7 10 8 5 3 ∑ K2 6 3 E H5 R ∑ Kod 1 1 H6 2 D H3 H4 H4 4 O H2 I H3 6 10 12 9 8 13 13 13 58 Ergebnisse 61 Hyperaktivität: Verteilung der Feinkategorien auf die Gruppen. Die Überlegungen zur Methodik bei den Feinkategorien der Unaufmerksamkeit finden auch hier Anwendung. Obwohl die Anzahl der Gesamtaussagen in der Kategorie Hyperaktivität sich nicht zu sehr unterscheiden, ist doch die Menge der Aussagen in den Unterkategorien zu gering. Festgehalten werden kann, das ausschließlich die Gruppe der Verwender Aussagen zur Aggression macht. Die Verschmäher verwenden etwas mehr Aussagen in der Feinkategorie Reden. Bei den Syndrom-Verwendern waren mehr Aussagen als bei der anderen Gruppe nicht einzuordnen. Die Übersicht ist in der Tabelle 11 dargestellt. Tabelle 11 Verteilung der Feinkategorien der Hyperaktivität auf die Gruppen H1 H2 H3 H4 H5 H6 H7 ∑ Verschmäher 0 1 4 8 3 4 6 26 Verwender 6 2 2 4 7 4 7 32 Gesamt 6 3 6 12 10 8 13 58 In beiden Grobkategorien Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität sind zuwenig Aussagen vorhanden, um eine quantitative Auswertung zu erstellen. So wurden die Anzahlen zwar errechnet und dargestellt, aber wichtiger erscheint eine Beschreibung der jeweiligen Inhalte. Die Wortwahl und die Beschreibung von Konzepten, wie Laien sie verstehen, ist Gegenstand der Untersuchung. Bei der folgenden Aufstellung wird weiterhin nach Gruppenzugehörigkeit der Anfragenden, ob das Syndrom benannt wird oder nicht, unterschieden. Auch werden die Feinkategorien der jeweiligen Konzepte Beachtung finden. Auf die Kennzeichnung der wörtlichen Aussagen17 wird verzichtet, eine wortgenaue Darstellung und Gegenüberstellung sind dem Anhang C zu entnehmen. 4.2.4 Beschreibung des Konzeptes Unaufmerksamkeit: Syndrom-Verschmäher Die Verfasser der E-Mails, die keinerlei Begriffe oder Namen für das Syndrom der AD(H)S benutzen, beschreiben das Verhalten oder die Persönlichkeit ihres Kindes bezogen auf Unaufmerksamkeit in den sieben gefundenen Unterkategorien. 17 Ausnahmen sind umgangsprachliche Wendungen oder unübliche Bezeichnungen Ergebnisse Konzentration. In diesen Anfragen ist von Konzentrationsschwäche, -störungen oder, auch starken, Konzentrationsproblemen die Rede. So wird das Kind als (stark) unkonzentriert beschrieben oder arbeitet zumindest unkonzentriert. So hätte es Schwierigkeiten, sich im Unterricht zu konzentrieren bzw. es fällt ihm schwer, sich überhaupt oder lange bei bestimmten Arbeiten zu konzentrieren. Erwähnt wird auch, dass der Schüler sich gar nicht oder auf Dauer nicht konzentrieren kann. In manchen Beschreibungen hat sich die Konzentration, trotz Bemühungen, nicht gebessert oder es ist „damit sogar schlimmer“ geworden. Desgleichen fragten sich die Ratsuchenden, wie sie die Konzentration auch in der Schule fördern oder wie sie ihr Kind konzentriert bekommen können. Als Erklärung wird angeführt, dass es nur zu langsam und zu kindlich sei. Eine liebevolle Beschreibung ist die des „zerstreuten Professors“. In Abgrenzung wird erwähnt, dass es sich trotzdem recht gut konzentrieren kann, wenn es andere Sachen mache. Langsamkeit. Die Unterkategorie der Langsamkeit wird mit Zuschreibungen von zu, sehr oder furchtbar langsam dargestellt. Ebenso findet ein Vergleich statt, wenn jemand als „das mit Abstand langsamste Kind in der Klasse“ beschrieben wird oder beim Arbeitstempo der Klasse nicht mithalten kann. Es gibt konkrete Beschreibungen: So schaffen andere Kinder es, in der Stunde fünf Aufgaben zu rechnen, während das betroffene Kind nur eine schaffe. Dasselbe wird für das Abschreiben der Wörtern von der Tafel referiert. Weitere berichtete Verhaltensweisen sind, dass es nie mit seinen Wochenplänen fertig würde, bei den Hausaufgaben herumtrödele. Oder immer erst seine Aufgaben in der Schule zu lösen oder überhaupt so spät beginne, wo die Mitschüler bereits mit der Hälfte fertig wären. Erzählt wird, dass der Spross beim Arbeiten ganz oft Pause mache und so in der angegebenen Zeit die Aufgaben nicht schaffe. Die Verfasser dieser Anfragen zählen auf, dass ihr Kind überhaupt allgemein langsam wäre, es bräuchte für die Erledigung der Hausaufgaben bzw. beim Aufgabenlösen auch zu Hause und ebenso beim Anziehen oder sonstigen Tätigkeiten sehr lange. Das Symptom wird auch schon mal mit „Trödelverhalten“ etikettiert. Vereinzelt ist von fehlendem Verantwortungsund Zeitgefühl die Rede. Ablenken. In ihren Fragen formulieren Eltern das Thema Ablenkbarkeit damit, dass sie schreiben, ihre Kinder wären ablenkbar oder lassen sich leicht oder zu schnell von anderen Dingen ablenken. 62 Ergebnisse Träumen. Den Bereich des Träumens stellen die Verfasser sehr unterschiedlich dar. Eher positiv ist vom „Traummännlein“ die Rede und davon dass der Nachwuchs oft oder ständig vor sich hin träume, mit der Folge, dass nichts in angemessener Zeit fertig würde. Auch bei normalen Aufgaben wie Anziehen, Essen, Hausaufgaben, Schreiben von Zahlen und Buchstaben wird über die Träumerei berichtet. Jemand schildert, dass der Schüler sich öfters ausklinke, so dass er förmlich in unsere Welt zurückgeholt werden müsse. Berichtet wird, dass manche mehrmals angesprochen werden müssen, bevor sie die gestellte Aufgabe lösten. Oder sie hörten nicht richtig zu. Vergessen. Ein Verfasser hantiert mit dem Wort Vergesslichkeit. Ebenso wird referiert, dass der Schüler, überhaupt oder oft, nicht nur Hausaufgaben oder Bücher in der Schule, vergäße. Ein Schüler wird zitiert, er hätte die Hausaufgaben vergessen. Motivation. Einen Teil der Beschreibungen verwenden die Klienten der Gruppe ohne Benennung auf den Bereich der Motivation. Berichtet wird, dass Schüler auf Schule keine Lust hätten, ihnen in der Schule zu langweilig und sie immer müde wären. Alles fänden sie langweilig. Eltern beschreiben ihre kaum motivierten Kinder als faul, so entstehe der Eindruck, sie befänden sich im Streik. Der Schüler verweigere und würde nichts mehr mitmachen wollen, er hätte kein „Bock“ auf Schreiben, Üben und Rechnen. Die Ratsuchenden erzählen, dass sie, auch wenn sie nicht mehr wüssten wie oder es selten möglich sei, ihren Nachwuchs zu motivieren, doch immer wieder auffordern, trotzdem in der geforderten Weise in der Schule mitzuarbeiten. So ermahnen sie ständig, weiter zu tun. Geschildert wird gleichfalls, dass Sachen, die der Junge oder das Mädchen nicht mag oder die nicht interessieren, einfach ignoriere. Sonstiges. Einige Schilderungen waren keiner Kategorie eindeutig zuzuordnen. Dieses sind Zuschreibungen wie Oberflächigkeit, Nachlässigkeit oder Unordentlichkeit, sowohl allgemein als auch in der Arbeitsweise. Weitere Darstellungen betreffen Ermüdungserscheinungen bei umfangreicheren Arbeiten und häufige Flüchtigkeitsfehler. Das Verhalten eines Kindes wird veranschaulicht: Es hätte als kleines Kind nichts gegessen, wenn sein Teller zu voll war. Auch von „Black-outs“ wird berichtet. 63 Ergebnisse 4.2.5 Beschreibung des Konzeptes Unaufmerksamkeit: Syndrom-Verwender Auch die Ratsuchenden, die Namen des Konzeptes AD(H)S in ihrer Erstanfrage einführen, benennen, beschreiben das Konzept der Unaufmerksamkeit auch in den sieben Kategorien. Konzentration. Auch hier wird die Unterkategorie der Konzentration beschrieben mit Ausdrücken wie (keine normalen) Konzentrationsprobleme, schwäche, -störung oder Unkonzentriertheit. Dazu ist von Problemen mit der Konzentration oder solchen, die auf schlechter Konzentration basieren, die Rede. Diese Schüler werden in den Schilderungen der Klienten als sehr unkonzentriert dargestellt. Überdies könnten sie sich gar nicht, nicht gut oder nicht lange (auf schulische Dinge) konzentrieren. Sie wären nicht bei der Sache. Desgleichen wurden Fördermaßnahmen erwähnt, trotz derer die Konzentration nicht besser wurde. Weiterhin stellte sich die Frage, wie man als Eltern helfen könne, die Konzentration wiederzufinden. Langsamkeit. Dargestellt wird die Abteilung der Langsamkeit durch konkrete Beispie- le, so wären die Schüler sehr langsam bei Stillarbeiten im Schreiben und Rechnen und bekämen dadurch einen Großteil der schriftlichen Aufgaben nicht geschafft. Erzählt wird ebenso, dass sie teilweise bis zu drei Stunden an den Hausaufgaben säßen und auch übten. Geschildert wird, dass man einiges tun müsse, damit sie in Gang kämen. Ablenken. Auch Eltern, die eines der Wörter benutzen, stellen ihre Kinder als leicht ablenkbar dar. Diese ließen sich anscheinend nur sehr viel oder sehr leicht auch im Unterricht von jeder Kleinigkeit ablenken. Träumen. Der Bereich des Träumens wird geschildert, dass der betroffene Schüler in einer anderen Welt zu sein scheine, oft vor sich hin oder sich sogar völlig wegträume. Vergessen. Der Themenbereich rund um das Vergessen wird dadurch beschrieben, das konkrete Bereiche angesprochen werden. So würden Hausaufgaben nicht vollständig gemacht, Hefte nicht pünktlich oder auch nicht die richtigen abgeben und nicht die richtigen Hefte eingepackt. 64 Ergebnisse Motivation. Bezogen auf die Motivation werden Kinder der Autoren, die Begriffe be- nutzen, als extrem verhaltensauffällig (Verweigerungshaltung), stinkfaul in allen Lebenslagen und als schwer motivierbar dargestellt. Außerdem zeigten sie keinerlei Leistungsbereitschaft und Freude an der eigenen Leistung. Eine Beschreibung des Verhaltens als Blockieren und Vermeiden wird manchmal konkretisiert. So würden die Sprösslinge bei den Hausaufgaben versuchen, sich ständig zu drücken oder sie verweigerten die schriftliche Mitarbeit in der Klasse und zuhause fast völlig. Sonstiges. Nichteinzuordnen war die Feststellung eines Elternteils, dass sich immer mehr Fehler einschleichen würden. 4.2.6 Beschreibung des Konzeptes Hyperaktivität: Syndrom-Verschmäher Die Autoren, die keine Begriffe in ihren Darstellungen einbringen, beschreiben in sechs Kategorien das Konzept der Hyperaktivität. Zappeln. Unter der Kategorie des Zappelns beschreibt diese Gruppe der Ratsuchenden das Verhalten ihres Nachwuchses als häufig rappelig und oft sehr zappelig. Dabei nehmen sie Bezug auf Verhalten zuhause oder auf „ein wenig“ Herumhampeln nur bei den Hausaufgaben. Ein Elterteil fragt an, wie er das Kind ruhig kriegen könne. Stören. Der Bereich des Störens wird mehrfach bezogen auf den Unterricht dargestellt. Ein Mädchen ist sogar schon im ersten Schuljahr auffällig gewesen, weil sie störte. Kaspern. Ratsuchende der Gruppe, die keine Symptomnennung vornehmen, erzählen, dass ihr Kind aufgefallen wäre als „eine Art Klassenclown“. Konflikte. Die Ratsuchenden beschreiben die Rubrik der Konflikte dadurch, dass es ständige Konflikte gäbe. Ihr Kind wäre immer mehr in Streitigkeiten verwickelt. So gäbe es oft zwischen den Kindern Streit, gleichfalls scheinen auch immer öfter die anderen Kinder das beschriebene Kind zu ärgern. Reden. Nicht wenige Schilderungen beziehen sich darauf, dass die „Problemkinder“ sehr viel und laut reden. Im besten Fall werden sie als „Plappermäulchen“ bezeichnet, 65 Ergebnisse aber auch von „Aufmüpfigkeiten“ ist die Rede. Manche berichten, dass ihr Kind viel fragt, hinterfragt oder stets eine Antwort parat hätte. Während ein Kind schnell ihre Aufgaben erledige, um dann wieder quatschen zu können, erzähle ein anderes Kind während bestimmter Tätigkeiten zwischendurch von ganz anderen Sachen. Sonstiges. In keiner Kategorie eingeordnet wurden Beschreibungen, die aussagen, dass ein Kind nicht ausgelastet und kein bisschen müde sei. Dazu gehören auch Darstellungen, dass jemand viel lernen und viele Dinge gleichzeitig machen wolle. Auch ein „Alles-Hinterfragen“ gehört in diese Kategorie. 4.2.6 Beschreibung des Konzeptes Hyperaktivität: Syndrom-Verwender Eine Kategorie, die der Aggression, kommt in den Anfragen der Erziehungsberechtigten unter Nennung des Syndroms mehr vor. Zappeln. Die Verfasser hier verwenden im Gegensatz zur anderen Gruppe, Begrifflich- keiten wie motorische oder innere Unruhe, im Einzelfall wird diese spezifiziert durch Aufspringen und Zappeln. Ebenfalls ist die Rede von (unstillbarem) Bewegungsdrang und unruhigem Verhalten. Geschildert wird, dass das Kind nicht Stillsitzen könne und oft mit dem Stuhl kippele. Stören. Auch diese Gruppe der Eltern verwendet den Begriff des Störens ausschließlich für den Unterricht. So, ihre Darstellung, fielen ihre Sprösslinge allgemein durch Stören im Unterricht und im Besonderen durch Zwischenrufe und „Faxenmachen“ auf. Kaspern. Die Kategorie des Kaspern wird zum einen mit einem Herumkaspern als auch mit dem Etikett des „Klassenkaspers“ ausgefüllt. Konflikte. Das Konfliktverhalten wird von den Klienten durch familiäre Auseinander- setzungen beschreiben. Der Sprössling streite sich auch ständig mit seinen Geschwistern oder reize seinen Bruder. 66 Ergebnisse Aggression. Der Bereich der sonstigen Aggressionen ist die Unterabteilung, die nur in der Gruppe der Symptom-Verwender vorkommt. Die Umschreibungen der Eltern sind vielschichtig. Sie beschreiben neben Grenzüberschreitungen, dass Kinder Regeln nicht einhalten können. Zuschreibungen werden gemacht, indem der Schüler als jemand, der überall aneckt, dargestellt wird. Veranschaulicht wird dies in Beschreibungen wie (total) Ausflippen und (völlig) Ausrasten. Ebenso fiele ein Kind durch unkontrollierte aggressive Äußerungen auf. Reden. Hilfesuchende führen in ihren Anfragen zur Kategorie des Redens aus, dass Kinder nicht zuhören können. Auch riefen sie dauernd dazwischen, werden allgemein als laut oder ihr Reden als laut bezeichnet. Sonstiges. Einige Umschreibungen waren keiner Kategorie eindeutig zu zuordnen. Ge- schildert wird ein Kind, welches kaum zu ertragen wäre. Neben Persönlichkeitszuschreibungen wie „harmoniesüchtig“ und „emotionsgeladen“, fehle jemandem auch schon mal, laut Eltern, das „Konsequenzdenken“. Eine Feststellung ist, dass sich der Schüler von so gut wie niemandem etwas sagen lasse. Berichte über die Ungeduld oder dem unüberlegten Handeln kommen vor. Ein Klient merkt an, dass sein Kind immer beschäftigt werden müsse. 67 Diskussion 68 5. Diskussion Die vorliegende Arbeit sollte einen Einblick in Merkmale der Nutzung und des Personenkreises, der eine Beratung auf der Homepage der Schulpsychologie Deutschland in Anspruch nimmt, liefern. Außerdem sollte dargestellt werden, wie ratsuchende Laien, explizit Eltern betroffener Kinder, Konzepte und Symptome der Störung AD(H)S in ihren Anfragen beschreiben. Dieses wurde sowohl quantitativ als auch qualitativ untersucht. 5.1 Nutzung und Klientel 5.1.1 Schlussfolgerungen Die Beschreibung des Nutzerkreises ergab einige Gemeinsamkeiten mit denen von Beratungsstellen, aber auch einige Unterschiede. Der Vorteil der Niederschwelligkeit netzbasierter Beratung erscheint in einem anderen Licht, nämlich unter subjektiver Geringfügigkeit. Wider Erwarten war keine konstante Zunahme der Anzahl der Erstanfragen zu verzeichnen. Eine Ursache könnte das Angebot hauseigener E-Mailberatungen sein, die von einigen schulpsychologischen Beratungsstellen (Beispiel Münster) neuerdings angeboten werden. Dennoch kann von einer vermehrten Nutzung der Homepage gesprochen werden, die für die dargestellte zunehmende Nachfrage nach Internetberatung allgemein steht. Der jahreszeitlich schwankende Verlauf ist vermutlich, genau wie in Beratungsstellen, zeit- und situationsabhängig. In den Ferienzeiten (August, April und Dezember) kamen die wenigsten Anfragen. In Zeiten, wo Schulwechsel, Einschulungen (September) oder Elternsprechtage (November) anstanden, wurde vermehrt um Rat gefragt. Ein Vergleich mit den vorliegenden Zahlen direkter Beratung ergab sowohl Ähnlichkeiten, als auch Unterschiede. Dies belangte Merkmale der Anfragenden und der betroffenen Kinder an. Während in Beratungsstellen die Anmeldung fast ausschließlich über Eltern erfolgt18, wagte im Rahmen der Internetberatung ein großer Teil der 18 Erfahrung aus dem Praktikum in der Schulpsychologie Münster Diskussion Schüler selbst, um Unterstützung zu bitten. Die Schüleranfragen nahmen im Laufe der Jahre sogar zu. Anfragen von Eltern waren, anders als im ersten Jahr, in der Mehrzahl gestellt worden. Die Feststellung, dass Erziehungsarbeit die Domäne der Mütter ist, konnte auch durch die demografischen Daten der Mail-Beratung bestätigt werden. Mütter waren mit Abstand am häufigsten vertreten. Gleichfalls wurde sichtbar, dass der Anteil der weiblichen Klientel ähnlich wie in anderen Kontexten (z.B. der Telefonseelsorge) überhaupt sehr hoch ist. Die Zahlen aus dem ersten Jahr der Beratung wurden in den nachfolgenden Jahren sogar noch übertroffen, allerdings waren Schülerinnen dann auch nicht mehr die Hauptgruppe der Ratsuchenden. Über die Homepage haben auch Personen die Möglichkeit Fragen zustellen, die in schulpsychologischen Beratungsstellen selten oder gar nicht anzutreffen sind. Die Gruppe der Berufsschüler wurde in den vorliegen Statistiken der Stellen zumindest nicht aufgeführt. Üblicherweise suchen Eltern von Kindern, die noch nicht schulpflichtig sind, keine schulpsychologische Beratung auf. Dennoch konnte festgestellt werden, dass diese Gruppe auch das netzbasierte Angebot nutzte. Gerade in den beiden Gruppen unterscheidet sich der Nutzerkreis hier ganz deutlich von dem in Beratungsstellen. Desgleichen unterscheiden sich die betroffenen Schüler in ihrer demografischen Zusammensetzung. Während in Beratungsstellen sehr viel mehr Grundschüler und ihre Eltern beraten wurden, entsprach der Anteil der Internet-Ratsuchenden mit Kindern in diesem Alter der tatsächlichen Verteilung in der Schülerbevölkerung, nämlich um die 30%. Gymnasialschüler und -eltern waren im Netz überproportional stark vertreten, wenn man die Verteilung der deutschen Schülerschaft zugrunde legt. Im direkten Beratungskontext waren sie sehr viel weniger zu finden. Schüler und Eltern, die der Haupt-, Gesamt- oder Sonderschule angehören, waren bei www.schulpsychologie.de kaum vertreten. Eine Erklärung wäre, dass Gesamtschulen meist ihre eigenen Schulpsychologen haben und Sonderschüler sowieso schon in eine psychosoziale Betreuung eingefügt sind. Bei den Hauptschülern und ihren Eltern könnte der gesellschaftliche Status und ein häufig niedriger Bildungsgrad eine Rolle spielen. Diese Verteilung der Schultypen wurde schon im ersten Jahr der Beratung festgestellt. Während die Geschlechterverteilung der betoffenen Kinder und Jugendlichen im E-Mailkontakt gleich war, waren in Beratungsstellen die „Problemkinder“ häufiger Jungen. Ein Gedanke ist, dass Mädchen nicht weniger Probleme haben, aber meist we- 69 Diskussion niger auffallen. Deshalb könnten Eltern annehmen, dass die Problematiken ihrer Töchter nicht so schwerwiegend sind, das es sich lohne eine persönliche Beratung aufzusuchen. Lässt man die reinen Informationsfragen außer Acht und betrachtet die Themen, mit denen Ratsuchenden kommen, waren die Problematiken in ihrer Verteilung ähnlich wie in Beratungsstellen. Probleme rund um Leistung und Psyche spielten in beiden Kontexten eine große Rolle. Das bestätigt auch die Vermutung des Beraters aus seinem ersten Jahr Mailberatungstätigkeit, der von einer Ähnlichkeit der Problembereiche sprach. Auch hier konnte wieder festgestellt werden, das es Themen bei den Ratsuchenden gab, wo das Aufsuchen einer Beratungsstelle für nicht angemessen gehalten wurde. So wurden zu einem großen Teil reine Informationsfragen gestellt, für welche die Menschen wohl kaum eine F-T-F-Beratung aufgesucht hätten. Die Niederschwelligkeit eines netzbasierten Angebotes förderte nicht, wenn man die zugrundeliegenden Daten in Betracht zieht, vermehrt über psychische Themen zu sprechen. Niederschwelligkeit hatte hier eine Bedeutung bei subjektiver Einschätzung der Gewichtigkeit von Problemen, d.h. wenn Ratsuchende ihre Thematiken selbst als eher unwichtig ansahen. Bei eher unauffälligen Mädchenproblemen, reinen Informationsfragen oder wenn das Kind „nur“ ein Kindergartenkind ist, wurde eher zur Tastatur als zum Hörer gegriffen. 5.1.2 Kritik Häufig fehlende Daten in der Statistik der Erstanfragen erschwerten die Auswertung und Darstellung. Es ist auch unklar, ob die fehlenden Daten der übrigen Verteilung entsprechen oder ob es systematische Zusammenhänge zwischen den Merkmalen und einer Nicht-Angabe gibt. Für die Vergleiche mit schulpsychologischen Beratungsstellen lagen zu wenig Zahlen vor, so das von einer Generalisierbarkeit der Vergleiche Abstand zu nehmen ist. Auch die Einteilung der Einstiegsthemen machte Schwierigkeiten. Auch wenn diese wirklich nur als „Eintrittskarte in die Beratung“ definiert sind, ist Subjektivität seitens des Beraters und der Beurteiler nicht auszuschließen. Der Vergleich mit den Zahlen in Schleswig-Holstein ist zwar gemacht worden, obwohl es unklar war, wie dort die Untersucher die einzelnen Themenkomplexe definiert hatten. Auch setzten die Eltern dort die Schwerpunke der Einstiegsproblematik selber. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der Anfragen nicht über die Homepage gestellt wurde, ein möglicher Einfluss bleibt unberücksichtigt. Desgleichen fanden Interaktionen in den Be- 70 Diskussion rechnungen manchmal nicht genug Beachtung, da es sehr schwierig war, alle Einflussfaktoren zu extrahieren. 5.1.3 Ausblick Doch warum nutzten relativ wenig Lehrer das Angebot der Homepage in Form einer Beratung? Sie sind, wie die Statistik in Schleswig-Holstein zeigte, fast genauso häufig wie Schüler, in Beratungsgespräche involviert. Möglich wäre, dass sie keine Probleme oder Beratungsbedarf haben. Vielleicht verfügen sie auch über andere Möglichkeiten der Hilfe. Ratlosigkeit oder die Suche nach Unterstützung könnte nicht in das Selbstkonzept von Lehrern passen. Eventuell sind die Seiten der Schulpsychologie nicht bekannt oder das Angebot nicht attraktiv genug. Dann könnten einige Überlegungen zur Bekanntmachung oder Umgestaltung nützlich sein. Weitere Untersuchungen im Vergleich mit direkten Beratungen zum Nutzerverhalten dieser Gruppe könnten neue Erkenntnisse bringen. 5.2 Darstellung der Konzepte Im Ergebnisteil sind die Beschreibungen der Eltern von Kindern, die eine AD(H)SSymptomatik oder Konzentrationsschwierigkeiten haben, ausführlich dargestellt worden. Dadurch ist eine Darstellung des Konzeptraumes für diese Art von Störungen erfolgt. Der Experte kann somit Einblick in die Wortwahl, Beschreibungen und eventuell in das Wissen von Laien bekommen, sodass die Antizipation der Laiensichtweise leichter fallen könnte. 5.2.1 Schlussfolgerungen Beziehungen Textlänge und Aussagen der Grobkategorien. Es fiel auf, dass je weit- schweifiger eine Person Texte verfasste, sie umso mehr Aussagen zu den vier Kategorien machte. Diese bezogen sich bei genauerer Betrachtung auf die Bereiche der Hyperaktivität und Leistungsdefizite. Diese beiden hängen sowohl korrelativ als auch konzeptuell zusammen, Ursache und Wirkung bleiben jedoch unklar. Wer allerdings viele Aussagen zur Hyperaktivität machte, beschrieb nicht ebenso häufig Themen der Unauf- 71 Diskussion merksamkeit. Möglicherweise ist das ein Zeichen für Unabhängigkeit der beiden Konzepte und unterstützt den Charakter der Störung, die sowohl mit als auch ohne Hyperaktivität auftreten kann. Vergleich mit dem DSM-IV. Es wurden sechs Kategorien der Eltern-Beschreibungen für das Konzept der Unaufmerksamkeit extrahiert. Auffallend war, dass das Wort selbst niemals verwendet wurde. Es kam ausschließlich das Wort Konzentration in den Fragen vor. In einem Vergleich mit dem DSM-IV erkennt man die Kategorien Ablenken, Konzentration, Langsamkeit, Vergessen und Motivation wieder. Die Bereiche des DSM-IV, die kaum beschrieben wurden, waren Schwierigkeiten mit der Aufgabenorganisation und das Verlieren von Gegenständen. Dafür nutzten die Eltern häufig Begriffe des Träumens. Ebenso sind viele Beschreibungen der Feinkategorien der Hyperaktivität im DSM-IV aufgeführt: Das Zappeln, Stören und Reden. Im Diagnosemanual wird das Zappeln allerdings ausdifferenziert. Die von Eltern angesprochenen Bereiche des Kas- pern, Konflikte und Aggressionen finden in den Diagnosekriterien keinen Platz. Es ist allerdings klar, das diese häufig Folgen des impulsiven und hyperaktiven Verhaltens sind. So kann gesagt werden, dass in den Elternbeschreibung die Folgen der Symptomatik einen großen Platz einnehmen. Unterschiede bei Benennung des Syndroms. Ob jemand den Namen des Syndroms nicht benannte bzw. das Syndrom nicht vorhanden war, machte einen Unterschied in der Beschreibung aus, der vor allem quantitativer Art war. Die verwendeten Begriffe dagegen unterschieden sich kaum. Fand die Nennung des Syndroms statt, so machte der Verfasser definitiv weniger Beschreibungen in allen Kategorien, vor allem im Bereich der Unaufmerksamkeit. Zu nennen sind vor allem die Themen um die Langsamkeit, Konzentration und Motivation. Dass Eltern das Verhalten der Kinder weniger beschreiben, wenn sie Fachbegriffe nutzen, ist oberflächlich dem Gebrauch von Fachwörtern von Experten ähnlich. Da besteht auch die Gefahr in der Experten-Laien-Kommunikation. Findet eine Verdichtung statt oder halten Eltern es nicht für nötig zu beschreiben, da die Diagnose ja schon feststeht? Die Gefahr der Illusion der Evidenz ist gegeben. Weiterhin sieht man, dass, wenn keine Störung benannt wurde, viele Aussagen zur Hyperaktivität in Verbindung mit Hochbegabung gemacht wurden. Wurde die Störung mit ADHS o.ä. benannt, gab es Beziehungen zwischen vermehrtem Aufkommen von Beschreibungen 72 Diskussion der Hyperaktivität und Leistungsdefiziten. Das könnte für die eingangs erwähnte Abgrenzung der Aufmerksamkeitsdefizitstörung von anderen Vorkommnissen im Leben eines Kindes interessant sein. Die Tatsache, dass sich die beiden Elterngruppen in den Inhalten der Beschreibungen wenig unterschieden, ist für Berater ein Hinweis auf die schwierige Diagnosestellung der AD(H)S überhaupt, auch aus psychiatrischer Sicht. Dies gilt umso mehr bei Anfragen per Mail zu diesem Thema. 5.2.2 Kritik Da es sich um sehr individuelle Anfragen und nicht um experimentelle Untersuchungen handelt, ist mit den Ergebnissen sehr vorsichtig umzugehen. Von einer Generalisierbarkeit kann nicht ausgegangen werden. Betont werden muss an dieser Stelle auch, dass die quantitative Auswertung sich immer auf die Gesamtheit der Textmenge der jeweiligen Gruppe bezieht. Besonderheiten des Einzelnen fanden keine Beachtung. Auf weitergehende statistische Berechnungen wurde verzichtet, da sie nicht dem Datenmaterial als angemessen erschienen. Der Umweg über die Faktorenberechnung in den Vergleichen der Anzahlen in den Kategorien galt als Kompromiss. Als problematisch hat sich im Laufe der Untersuchung die Auswahl des Störungsbildes AD(H)S erwiesen. Die auch in der Praxis sehr umstrittene Kontroverse des Störungskonzeptes spiegelte sich in der Auswahl der Anfragen und in der gesamten Auswertung wieder. So war eine ursprünglich angedachte Unterscheidung der Anfragen nach möglicher Diagnose, ob von Klienten oder Berater eingebracht, nicht haltbar. Schwierigkeiten der Operationalisierung ergaben sich dadurch, dass Diagnosen der Erkrankung nicht eindeutig waren. Eine Diagnose vom Ratsuchenden angeführt, kann falsch gestellt sein sowohl vom Arzt als auch aus Sicht des Ratsuchenden. Außerdem ist es unklar, ob Laien, die keine Diagnose anführen, nicht trotzdem eine bekommen haben. Sie möchten dies vielleicht nicht äußern, da sie möglicherweise eine Zweitdiagnose oder Überprüfung der ersten Festlegung einholen möchten. Deshalb fiel die Gruppenunterscheidung nur von der linguistischen Verwendung der Begriffe her. Zudem wurden sicher einige Anfragen, die auch in den Bereich Konzentrationsstörungen gepasst hätten, nicht ausgewählt. Eine Maskierung durch ein anderes Einstiegsthema könnte möglich sein. 73 Diskussion Die Erstellung der Grobkategorien durch die Beurteiler (Novizen) kann methodisch als korrekt angesehen werden. Dennoch würden Experten, die einen geschulten Blick für die Störung hätten, wesentlich mehr Aussagen finden. Als Gegenargument könnte gelten, dass dieses dann für alle Kategorien gälte. In Relation gesetzt, würde es zu den vorliegenden Untersuchungsergebnissen kaum Differenzen geben. Gleichzeitig kann es auch unvorteilhaft sein, das Augenmerk zu sehr auf Symptombeschreibungen zulenken. Eine Überbewertung und damit irrtümliche Diagnose könnte Folge sein. Die offene Kategorisierung hatte die Nachteile, dass einige Aussagen jeweils von den einzelnen Beurteilern nicht eingeordnet wurden. Dieses Vorgehen wurde jedoch bevorzugt, um einer Einflussnahme seitens der Untersucherin entgegen zuwirken. 5.2.3 Ausblick Fazit aus dem Vergleich mit dem DSM-IV ist, dass sich die Beschreibungen der Eltern nicht allzu weit von den Kriterien des Diagnosemanuals aufhalten. Einer Verwendung als Checkliste, wie der Berater der Schulpsychologie vorschlug, steht mindestens bei dieser Erkrankung nichts im Wege. Gerade E-Mailanfragen ermöglichen aufgrund ihrer guten Handhabbarkeit Analysen von Beratungskontexten, wie sie in der F-T-F-Beratung nur schwer möglich sind. Deshalb könnten weitere Untersuchungen in dieser Form für Experten und deren Antizipation des Laienwissens wichtig sein. Erleichtert werden kann dadurch: Laienwissen besser kennen zulernen, es abzuschätzen und damit den nötigen Perspektivenwechsel einnehmen zu können. Damit kann man einer erfolgreichen Verständigung trotz aller Schwierigkeiten einen Schritt näher kommen. Das Wissen darüber, was Menschen wissen, wenn man sie einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit zuordnet, kann erfahren werden. Die communal community membership würde mit etwas mehr Substanz gefüllt sein. 74 Literatur 75 Literaturverzeichnis Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (2005). Abgerufen von http:// www.agadhs. de / public/index.php. Arbeitskreis der Leiter/innen Kommunaler Schulpsychologischer Dienste (2000). Erhebung der schulpsychologischen Zahlen durch den Arbeitskreis der Leiter/innen Kommunaler Schulpsychologischer Dienste beim Städtetag NRW. In Statistisches Bundesamt (Eds.), Statistisches Jahrbuch 2000. Wiesbaden: Pressestelle. Arbeitskreis Online-Beratung, Bundeszentrale der Kinderschutzzentren (2003). Rahmenempfehlungen zu Qualitätsmerkmalen der Internetberatung für Eltern, Kinder, Jugendliche und für Mitarbeiter in sozialen und pädagogischen Berufsfeldern. 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Mittag (Eds.), Schulpsychologie in Nordrhein-Westfalen, eine kommunale Erfolgsgeschichte. Köln: Josef Eul. 80 Literatur Zimmermann, A. (2000). E-Mail-Beratung der Schulpsychologie, unveröffentlichte Projektskizze. Zimmermann, A. (2001). Beratung via E-Mail: Das erste Jahr. Abgerufen von http://www.schul-psychologie.de/start/kollegen.htm. 81 Anhang I Anhang Anhang A: Aussagen, Mail- und Gruppenzuordnung Erklärungen: Gru(ppe): Kat(egorie): 0/Syndrom-Verschmäher, 1/Syndrom-Verwender 1/Unaufmerksamkeit, 2/Hyperaktivität, 3/Leistungsdefizite, 4/Hochbegabung Mail Gru 164 0 Textstelle dass auch andere Fächer betroffen sind "stinkfaul" in allen Lebenslagen damit sie "in Gang kommt" Konsequenzdenken fehlt um Wahrnehmungsstörungen eine verhauenen Physikarbeit verschwiegen Kat 3 1 1 2 3 3 172 0 Konzentration in der Schule fördern können Konzentrationschwäche in der Schule in der Stunde 5 Aufgaben rechnen können, schaft sie nur eine beim Abschreiben von Wörtern an der Tafel so 1 1 1 1 183 0 konzentrations-u. wahrnehmungsstörungen 1 3 208 1 keine "normalen" Konzentrationsprobleme mehr streitet sie sich auch ständig mit ihren Geschwistern sehr unkonzentriert ist sich sehr leicht ablenken lässt ist sehr ungeduldig 1 2 1 1 2 232 1 Konzentrationsschwäche keinerlei Leistungsbereitschaft und Freude an der eigenen Leistung zeigt die schriftliche Mitarbeit in der Klasse und zuhause fast völlig verweigert ein IQ von 122 festgestellt Teilbereichen hochbegabt 1 1 1 4 4 248 1 Konzentrationsprobleme 1 285 1 schwer motivierbar unkontrollierte aggressive Äußerungen motorische Unruhe (springt auf, zappelt redet laut innere Unruhe handelt unüberlegt Grenzüberschreitungen Visio - motorische Koordination Gehör Hören Selektion von Lauten Lese-Rechtschreibschwäche Defizit im Bereich Merkfähigkeit ungenügende Leistungen in der Schule 1 2 2 2 2 2 2 3 3 3 3 3 322 1 Schulprobleme/Leistungsunsicherheit Schulsorgen Sein IQ liegt bei ca. 130 3 3 4 Anhang II Mail Gru 397 1 Textstelle Bio-Arbeit verhauen Kat 3 407 1 sie hierfür zu intelligent sei die Konzentration wiederzufinden nicht konzentrieren 4 1 1 428 0 nicht ausgelastet, kein bißchen müde, will lernen hat stets eine Antwort parat ständigen Konflikte prägt mein Sohn sich die Schreibschrift ein .....ist total fasziniert davon schon mit 9 Monaten laufen alle Aufgaben im Mathebuch lösen kann selbst das malnehmen beigebracht 2 2 2 4 4 4 4 441 0 sondern nur "zu langsam" und "zu kindlich schwer sich zu konzentrieren das Arbeitstempo der Klasse "mit Abstand" das langsamste Kind in der Klasse gar nicht konzentrieren kann 1 1 1 1 1 448 1 laut ruft dauernd dazwischen kaspert herum usw. so intelligent 2 2 2 4 451 0 nie mit seinen Wochenplänen fertig Trödelverhalten zu langsam und "würde seine Hochbegabung nicht zeigen" trödelt bei den Hausaufgaben hat auf Schule keine Lust Alles findet er langweilig motivieren, trotzdem in der geforderten Weise in der Schule mitzuarbeiten Ich habe den Eindruck, er befindet sich im Streik hochbegabt getestet 1 1 1 1 1 1 1 1 4 460 1 hat er trotz übens eine 5 geschrieben sei nicht bei der Sache und träumt oft vor sich hin Er ist auch sehr langsam bei Stillarbeiten im schreiben und rechnen Bei den Hausaufgaben versucht er sich ständig zu drücken nicht lange auf Schulische Dinge konzentrieren Klassenkaspar der blockiert und vermeidet Legasteniker 3 1 1 1 1 1 2 1 3 487 0 Unkonzentriert schlimmer geworden, mit der Konzentration kein "bock" auf schreiben, üben und rechnen hat Rappelig 1 1 1 2 515 1 er brauch bescheftigung (Nachhilfe) 3 Anhang III Mail Gru 539 1 Textstelle schleichen sich immer mehr Fehler ein schlechter Konzentration basieren nicht gut konzentrieren kann In Mathematik löst er ...bis auf Textaufgaben und Größenumrechnungen wobei inhaltlich anspruchsvollere Text nicht ganz verstanden werden Rechtschreibung relativ viele Fehler Kat 1 1 1 4 3 3 557 0 sehr lange bei bestimmten Arbeiten konzentrieren redet sehr viel seine Konzentration fördern unkonzentriert arbeitet oft sehr zappelig er zu dumm wäre und die meisten Aufgaben deshalb nicht schaffen kann 1 2 1 1 2 3 569 1 Probleme mit seiner Konzentration leicht ablenkbar bekommt dadurch einen Großteil seiner schriftlichen Aufgaben nicht geschafft aber die Konzentration wurde nicht besser völlig wegträumt anderen Welt zu sein scheint 1 1 1 1 1 1 572 1 Unkonzentriertheit aufgefallen war durch Stören nicht Stillsitzenkönnen nicht zuhören können Dann flippt er total aus zentrale Hörstörung, auditive Wahrnehmnungs und verarbeitungsstörung) mit der Rechtschreibung tut er sich wahnsinnig schwer mit Schreibschriftschreiben 1 2 2 2 2 3 3 3 593 0 oft "vergisst" "Aufmüpfigkeiten" er hätte sie vergessen "aufgefallen" ist als eine Art "Klassenclown" und laut dass er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat 1 2 1 2 2 3 621 0 unordentlich "Black - outs" Als kleines kind ....das er nichts aß, wenn sein Teller zu voll war Strukturierungsprobleme hat war faul 1 1 1 3 1 638 1 ist er kaum zu ertragen leichte Probleme mit der Feinmotorik Noten waren nur mit viel gutem Willen auf 5 teilweise bis zu 3 Stunden an den Hausaufgaben saß und auch übte gleichzeitig reizt er aber auch seinen Bruder unstillbaren Bewegungsdrang muss er immer beschäftigt werden harmoniesüchtig und emotionsgeladen rastet er völlig aus LRS starke Schwäche beim schreiben und rechnen aufgefallen 2 3 3 1 2 2 2 2 2 3 3 Anhang IV Mail Gru 712 1 Textstelle extrem verhaltensauffällig(Verweigerungshaltung) hochbegabt Kat 1 4 724 1 den Unterricht störte hochbegabt ist mit einem IQ von 134 so intelligent 2 4 4 728 0 er klinkt sich öfters aus sehr langsam Unterricht stören immer mehr in Streitigkeiten verwickelt Immer öfter scheinen ihn Kinder zu "ärgern" mögliche Hochbegabung 1 1 2 2 2 4 756 0 Hochbegabung Das erste Schuljahr hat sie übersprungen IQ von 130 festgestellt in der Schule bei den ständigen Wiederholungen langweilig 4 4 4 4 765 0 "Traummännlein" jedoch beginnt sie erst immer ihre Aufgaben in der Schule zu lösen wo die Mitschüler bereits mit der Hälfte davon fertig sind weil sie zu spät beginnt ich muss sie ständig ermahnen weiter zu tun kein Verantwortungs- u. Zeitgefühl 1 1 1 1 1 1 778 1 sich im Unterricht von jeder Kleinigkeit ablenken läßt Regeln nicht einhalten kann überall "aneckt" er sich von so gut wie niemandem etwas sagen lässt mit dem Schulstoff vollkommen unterfordert war....einen Sprung in die 3. Klasse 1 2 2 2 4 786 0 unkonzentriert Konzentration hatte sich nicht gebessert Wahrnehmungsstörungen es gibt oft zwischen den Kindern Streit Er liest eigentlich überwiegend in Lexikas ein sehr großes Allgemeinwissen 1 1 3 2 4 4 799 0 schulischen Leistungen sind sehr gut sehr starke Konzentrationsprobleme sich auf Dauer nicht lange Konzentrieren konzentriert kriegen zerstreuten Professor ruhig kriegen Plappermäulchen Kind hinterfragt sehr viele Dinge sehr viele Dinge außerhalb der "normalen" Gebiete eines Kindes in diesem Alter interessiert 4 1 1 1 1 2 2 4 4 839 1 Nun fängt er an im Unterricht faxen zu machen und zu stören Die Hausaufgaben macht er.... schon in der Schule weil er schneller ist als die anderen Ich finde das alles pipifax und sehe nicht ein solche leichten Aufgaben zu machen 2 4 4 Anhang Mail Gru 843 0 V Textstelle sie würde "nichts mehr mitmachen wollen" bei normalen Aufgaben (Anziehen, essen, Hausaufgaben(Zahlen und Buchstaben schreiben) sehr oft verträumt so dass ich sie förmlich in unsere Welt zurückholen muss sehr oft verträumt wissensdurstig mit 2 Jahren..... mit 4 Jahren innerhalb von 8 - 10 Wochen die Uhr gelernt vor Schulbeginn alle Buchstaben kennt und derzeit jedes einzelne Wort lesen kann Addition und Subtraktion bis 20 bis Hundert addieren und subtrahieren Kat 1 1 1 1 4 4 4 4 854 0 so stark unkonzentriert ablenkbar ist und kaum motiviert Vergesslichkeit schwache Feinmotorik seiner fein-motorischen Schwächen Logische Zusammenhänge bereiten ihm sehr große Schwierigkeiten Lernschwäche Die Lernschwäche 1 1 1 1 3 3 3 3 3 878 0 verweigerte sie Hochbegabung FRAGT, HINTERFRAGT etc. Im ersten Schuljahr war sie auffällig weil sie störte zappelte Schnell ihre Aufgaben erledigte um dann wieder zu quatschen Zu Hause ist sie total zappelig Macht viele Dine gleichzeitig ALLES hinterfragte bekommt Höhenflüge,.............Aach kannst Du das nicht, dass ist aber PUPPIG Sie kann die Mathe-Aufgaben im Kopf rechnen vorzeitig eingeschult 1 4 2 2 2 2 2 2 2 4 4 4 919 0 furchtbar langsam er macht beim Arbeiten...ganz oft Pause denkt und träumt vor sich hin....Folge, dass nichts in angemessener Zeit fertig wird 1 1 1 939 1 offensichtlich stark überfordert Das Zwischenzeugnis weist jedoch einige 5er vor 3 3 983 0 der auch schon mal im unterricht stört den unterricht stören würde feinmotorischer störung iq test .....lag bei 120 2 2 3 4 M.'s Arbeitsweise unordentlich unkonzentriert oberflächlich und nachlässig ist Auch ermüdet er bei umfangreicheren Arbeiten sehr schnell 1 1 1 1 1 1014 0 Anhang VI Mail Gru 1055 0 Textstelle schafft in der angegeben Zeit ihre Aufgaben nicht Auch zu Hause, braucht sie sehr lange, um die Hausaufgaben zu erledigen Sie vergisst oft Hausaufgaben oder ihre Bücher in der Schule Konzentrationsprobleme braucht aber beim Aufgabenlösen sehr lange Sie lässt sich leicht ablenken Sie macht oft Flüchtigkeitsfehler Sie träumt oft vor sich hin Sie ist allgemein langsam, auch beim Anziehen oder sonstigen Tätigkeiten Es ist selten möglich sie zu motivieren dass sie Sachen die sie nicht mag oder die sie nicht interessieren, einfach ignoriert Kat 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1056 0 macht sich dann besonders in Mathe bemerkbar Schwierigkeiten hat, sich im Untericht zu konzentrieren Er lässt sich zu schnell von anderen Dingen ablenken 3 1 1 1069 0 trotzdem recht gut konzentrieren, wenn er......nd merkt sich auch wie ich ihn motivieren soll träumt er ständig vor sich hin muss oft mehrmals angesprochen werden, bevor er die ihm gestellte Aufgabe löst hört er auch nicht richtig zu ihm in der Schule zu langweilig und er wäre immer müde und erzählt mir zwischendurch von ganz anderen Sachen Bei den Hausaufgaben hampelt er ein wenig herum 1 1 1 1 1 1 2 2 1085 1 ihre Hausaufgaben nicht vollständig macht daß sie nicht pünktlich ihre Hefte abgibt und auch nicht die richtigen einpackt sie lässt sich anscheinend nur sehr viel ablenken Konzentrationsstörungen hat Konzentrationsstörung Wahrnehmung von Wortreihen 1 1 1 1 1 1 3 1089 1 Kippelt oft mit dem Stuhl unruhiges Verhalten Bewegungsdrang auf stört den unterricht durch Zwischenrufe Hochbegabung und eine damit verbundene Unterforderung 2 2 2 2 4 Anhang VII Anhang B: Verteilung der Aussagen auf die Mails Mail 164 172 183 208 232 248 285 322 397 407 428 441 448 451 460 487 515 539 557 569 572 593 621 638 712 724 728 756 765 778 786 799 839 843 854 878 919 939 983 1014 1055 1056 1069 1085 1089 ∑ Unauf merk 2 4 1 3 3 1 1 0 0 2 0 5 0 8 6 3 0 3 3 6 1 2 4 1 1 0 2 0 6 1 2 4 0 4 4 1 3 0 0 5 11 2 6 6 0 117 Hyperaktivität 1 0 0 2 0 0 6 0 0 0 3 0 3 0 1 1 0 0 2 0 4 3 0 6 0 1 3 0 0 3 1 2 1 0 0 7 0 0 2 0 0 0 2 0 4 58 ∑ Kriterien 3 4 1 5 3 1 7 0 0 2 3 5 3 8 7 4 0 3 5 6 5 5 4 7 1 1 5 0 6 4 3 6 1 4 4 8 3 0 2 5 11 2 8 6 4 175 Leistung 3 0 1 0 0 0 5 2 1 0 0 0 0 0 2 0 1 2 1 0 3 1 1 4 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 5 0 0 2 1 0 0 1 0 1 0 38 Hochbegabung 0 0 0 0 2 0 0 1 0 1 4 0 1 1 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 1 2 1 4 0 1 2 3 2 4 0 4 0 0 1 0 0 0 0 0 1 37 Gesamt 6 4 2 5 5 1 12 3 1 3 7 5 4 9 9 4 1 6 6 6 8 6 5 11 2 3 6 4 6 5 6 9 3 8 9 12 3 2 4 5 11 3 8 7 5 250 Erläuterung: Schattierung: Mails aus Eder Gruppe der Syndrom-Verwender Anhang VIII Anhang C: Verteilung der Aussagen auf die Grob- und Feinkategorien U1 – Unaufmerksamkeit/Ablenken Syndrom-Verschmäher Syndrom-Verwender ablenkbar ist sich sehr leicht ablenken lässt sie lässt sich leicht ablenken leicht ablenkbar Er lässt sich zu schnell von anderen Dingen ablen- sich im Unterricht von jeder Kleinigkeit ablenken ken läßt sie lässt sich anscheinend nur sehr viel ablenken U2 – Unaufmerksamkeit/Konzentration Syndrom-Verschmäher konzentrations-u. Konzentration in der Schule fördern können Konzentrationschwäche in der Schule sondern nur "zu langsam" und "zu kindlich schwer sich zu konzentrieren gar nicht konzentrieren kann Unkonzentriert schlimmer geworden, mit der Konzentration sehr lange bei bestimmten Arbeiten konzentrieren seine Konzentration fördern unkonzentriert arbeitet unkonzentriert Konzentration hatte sich nicht gebessert sehr starke Konzentrationsprobleme sich auf Dauer nicht lange Konzentrieren konzentriert kriegen zerstreuten Professor so stark unkonzentriert unkonzentriert Konzentrationsprobleme Schwierigkeiten hat, sich im Untericht zu konzentrieren trotzdem recht gut konzentrieren, wenn er......merkt sich auch Syndrom-Verwender keine "normalen" Konzentrationsprobleme mehr unkonzentriert ist Konzentrationsschwäche Konzentrationsprobleme die Konzentration wiederzufinden nicht konzentrieren sei nicht bei der Sache nicht lange auf Schulische Dinge konzentrieren schlechter Konzentration basieren nicht gut konzentrieren kann Probleme mit seiner Konzentration aber die Konzentration wurde nicht besser Unkonzentriertheit Konzentrationsstörungen hat Konzentrationsstörung Anhang U3 – Unaufmerksamkeit/Langsamkeit Syndrom-Verschmäher das Arbeitstempo der Klasse "mit Abstand" das langsamste Kind in der Klasse in der Stunde 5 Aufgaben rechnen können, schaft sie nur eine beim Abschreiben von Wörtern an der Tafel so nie mit seinen Wochenplänen fertig Trödelverhalten zu langsam und "würde seine Hochbegabung nicht zeigen" trödelt bei den Hausaufgaben sehr langsam jedoch beginnt sie erst immer ihre Aufgaben in der Schule zu lösen wo die Mitschüler bereits mit der Hälfte davon fertig sind weil sie zu spät beginnt kein Verantwortungs- u. Zeitgefühl furchtbar langsam er macht beim Arbeiten...ganz oft Pause schafft in der angegeben Zeit ihre Aufgaben nicht Auch zu Hause, braucht sie sehr lange, um die Hausaufgaben zu erledigen braucht aber beim Aufgabenlösen sehr lange Sie ist allgemein langsam, auch beim Anziehen oder sonstigen Tätigkeiten U4 – Unaufmerksamkeit/Motivation Syndrom-Verschmäher hat auf Schule keine Lust Alles findet er langweilig motivieren, trotzdem in der geforderten Weise in der Schule mitzuarbeiten Ich habe den Eindruck, er befindet sich im Streik kein "bock" auf schreiben, üben und rechnen hat war faul ich muss sie ständig ermahnen weiter zu tun sie würde "nichts mehr mitmachen wollen" und kaum motiviert verweigerte sie Es ist selten möglich sie zu motivieren dass sie Sachen die sie nicht mag oder die sie nicht interessieren, einfach ignoriert wie ich ihn motivieren soll ihm in der Schule zu langweilig und er wäre immer müde IX Syndrom-Verwender damit sie "in Gang kommt" Er ist auch sehr langsam bei Stillarbeiten im schreiben und rechnen bekommt dadurch einen Großteil seiner schriftlichen Aufgaben nicht geschafft teilweise bis zu 3 Stunden an den Hausaufgaben saß und auch übte Syndrom-Verwender "stinkfaul" in allen Lebenslagen keinerlei Leistungsbereitschaft und Freude an der eigenen Leistung zeigt die schriftliche Mitarbeit in der Klasse und zuhause fast völlig verweigert schwer motivierbar Bei den Hausaufgaben versucht er sich ständig zu drücken der blockiert und vermeidet extrem verhaltensauffällig(Verweigerungshaltung) Anhang X U5 – Unaufmerksamkeit/Sonstiges Syndrom-Verschmäher Syndrom-Verwender oberflächlich schleichen sich immer mehr Fehler ein und nachlässig ist auch ermüdet er bei umfangreicheren Arbeiten sehr schnell Sie macht oft Flüchtigkeitsfehler unordentlich "Black - outs" Als kleines kind ....das er nichts aß, wenn sein Teller zu voll war M.'s Arbeitsweise unordentlich U6 – Unaufmerksamkeit/Träumen Syndrom-Verschmäher er klinkt sich öfters aus "Traummännlein" bei normalen Aufgaben (Anziehen, essen, Hausaufgaben(Zahlen und Buchstaben schreiben) sehr oft verträumt so dass ich sie förmlich in unsere Welt zurückholen muss sehr oft verträumt denkt und träumt vor sich hin....Folge, dass nichts in angemessener Zeit fertig wird Sie träumt oft vor sich hin träumt er ständig vor sich hin muss oft mehrmals angesprochen werden, bevor er die ihm gestellte Aufgabe löst hört er auch nicht richtig zu U7 – Unaufmerksamkeit/Vergessen Syndrom-Verschmäher oft "vergisst" er hätte sie vergessen Vergesslichkeit Sie vergisst oft Hausaufgaben oder ihre Bücher in der Schule H1 – Hyperaktivität/Aggression Syndrom-Verschmäher H2 – Hyperaktivität/Kaspern Syndrom-Verschmäher "aufgefallen" ist als eine Art "Klassenclown" Syndrom-Verwender und träumt oft vor sich hin völlig wegträumt anderen Welt zu sein scheint Syndrom-Verwender ihre Hausaufgaben nicht vollständig macht daß sie nicht pünktlich ihre Hefte abgibt und auch nicht die richtigen einpackt Syndrom-Verwender unkontrollierte aggressive Äußerungen Grenzüberschreitungen Dann flippt er total aus rastet er völlig aus Regeln nicht einhalten kann überall "aneckt" Syndrom-Verwender kaspert herum usw Klassenkaspar Anhang H3 – Hyperaktivität/Konflikte Syndrom-Verschmäher ständigen Konflikte immer mehr in Streitigkeiten verwickelt Immer öfter scheinen ihn Kinder zu "ärgern" es gibt oft zwischen den Kindern Streit H4 – Hyperaktivität/Reden Syndrom-Verschmäher hat stets eine Antwort parat redet sehr viel "Aufmüpfigkeiten" und laut Plappermäulchen FRAGT, HINTERFRAGT etc. Schnell ihre Aufgaben erledigte um dann wieder zu quatschen und erzählt mir zwischendurch von ganz anderen Sachen XI Syndrom-Verwender streitet sie sich auch ständig mit ihren Geschwistern gleichzeitig reizt er aber auch seinen Bruder Syndrom-Verwender ruft dauernd dazwischen redet laut laut nicht zuhören können H5 – Hyperaktivität/Sonstiges Syndrom-Verschmäher Syndrom-Verwender nicht ausgelastet, kein bißchen müde, will lernen- Konsequenzdenken fehlt Macht viele Dine gleichzeitig ist sehr ungeduldig ALLES hinterfragte handelt unüberlegt ist er kaum zu ertragen..... muss er immer beschäftigt werden harmoniesüchtig und emotionsgeladen er sich von so gut wie niemandem etwas sagen lässt H6 – Hyperaktivität/Stören Syndrom-Verschmäher Unterricht stören Im ersten Schuljahr war sie auffällig weil sie störte er auch schon mal im unterricht stört den unterricht stören würde H7 – Hyperaktivität/Zappeln Syndrom-Verschmäher Rappelig oft sehr zappelig ruhig kriegen zappelte Zu Hause ist sie total zappelig Bei den Hausaufgaben hampelt er ein wenig herum Syndrom-Verwender aufgefallen war durch Stören den Unterricht störte Nun fängt er an im Unterricht faxen zu machen und zu stören stört den unterricht durch Zwischenrufe Syndrom-Verwender motorische Unruhe (springt auf, zappelt) innere Unruhe nicht Stillsitzenkönnen unstillbaren Bewegungsdrang Kippelt oft mit dem Stuhl unruhiges Verhalten Bewegungsdrang auf Erklärung Hiermit erkläre ich, dass ich diese Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angebenden Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Zitate sind gekennzeichnet.