Auch die neue Musik hat ihre Wenden

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Stefan Fricke
Auch die neue Musik
hat ihre Wenden
Neue Zeitschrift für Musik / www.musikderzeit.de 2006
www.musikderzeit.de – melos
© Schott Musik International
S. Fricke: Auch die neue Musik hat ihre Wenden, www.musikderzeit.de, 2006
STEFAN FRICKE
Nach
Nonos Quartett
Auch die neue Musik hat ihre
Wenden... —
Luigi Nonos Fragmente —
Stille, An Diotima (*)
Bonn-Bad Godesberg, 2. Juni 1980. Das LaSalle
Quartet spielt während des 30. Beethoven-Festes die
Uraufführung von Luigi Nonos Streichquartett Fragmente
– Stille, An Diotima. Anschließend ist die Musikwelt nicht
mehr die, die es zuvor gewesen ist. Das rätselhafte Quartett
Fragmente – Stille, An Diotima, komponiert in den Jahren
1979/80, löst aus, was die Neue Musik wohl so noch nicht
gekannt hat. Ein einzelnes Werk verändert einschneidend,
grundlegend das abendländische Komponieren, das Reden,
Denken und Schreiben in und über Musik, die
Aufführungs- und Interpretensituation...
Bereits der Werktitel Fragmente – Stille, An Diotima
setzt mannigfache Assoziationen frei: die einkomponierten
Bezüge – Verdi, Ockeghem, Beethoven, Hölderlin –, das
schweigende Verhältnis von Musik und Wort, die ehrwürdige Gattung bzw. die ehrwürdige Besetzung
Streichquartett, das kompositorisch gewollte Fragment,
das ästhetisch intendierte Bruchstück mit seinen vielfältig
offenen Räumen, die Stille, die Pause, das innerlich
Erspürte, die Homophonie, das Leise...
All das wird seit Nonos Quartett neu und anders und
nahezu unermüdlich diskutiert. Zudem Nonos darin sich
artikulierende Haltung, in der viele Kritiker, darunter langjährige Weggefährten des venezianischen Komponisten,
unmittelbar nach der Uraufführung nun eine veränderte
sehen: nämlich die Preisgabe seines einst dezidiert politischen Komponierens und den Rückzug ins Subjektive.
Diesem Vorwurf aber erteilt Nono schon bald eine harsche
Absage. Im November 1980 – das LaSalle Quartet spielt
Fragmente – Stille, An Diotima bei den RömerbadMusiktagen in Badenweiler – sagt er: «Ich habe mich keineswegs verändert; auch das Zarte, Private hat seine kollektive, politische Seite. Deshalb ist mein Streichquartett
nicht Ausdruck einer neuen retrospektiven Linie bei mir,
sondern meines gegenwärtigen Experimentierstandes: ich
will die große, aufrührerische Aussage mit kleinsten
Mitteln.»1
Und tatsächlich haben diese kleinsten Mittel viel
bewegt: Kein anderes Werk hat den Diskurs in den letzten
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zwei Jahrzehnten so bestimmt wie dieses; keine andere
Komposition steht derart oft im Mittelpunkt von
Diskussionen wie Fragmente – Stille, An Diotima; kaum
einem anderen Stück – vielleicht nur noch John Cages Silent
Piece 4'33 von 1952 – sind so zahlreiche musikologische
Beiträge gewidmet wie ihm.2 Aber auch etliche
Komponistenkollegen haben sich in analytischen Aufsätzen
und Kommentaren wiederholt mit ihm auseinandergesetzt.
Zudem hat das Nono-Quartett die lange Zeit des eher
Nicht-Quartett-Schreibens in der Neuen Musik nach 1945
beendet. Seit seiner Uraufführung 1980 sind mehrere hundert neue Streichquartette entstanden. Darunter so manche,
die sich gar dezidiert auf Nonos Komposition beziehen. Sie
sind kaum zu zählen; ebenso wenig die Werke, die seither
auf Friedrich Hölderlin Bezug nehmen, auf seine Poetik
und/oder seine Biografie. Die kompositorische
Wiederentdeckung Hölderlins in den achtziger Jahren
scheint wesentlich auch ein Reflex auf das Nono-Quartett
zu sein.3
Überdies ist wohl kein anderes Streichquartett der letzten Zeit so oft aufgeführt worden wie dieses, von ganz verschiedenen Quartetten, die das Stück ins Repertoire genommen und teils auch auf Schallplatte eingespielt haben: etwa
das Arditti Quartet, das Leonardo Quartett, das Minguet
Quartett, das Artemis Quartett, das Casal Quartett, das
Pellegrini Quartett, das Moscow String Quartet und das
französische Quatuor Diotima, deren Gründung,
Namensgebung und Programmatik sich gar der NonoKomposition verdankt.4 So heißt es in einer programmtischen Notiz des Quatuor Diotima:
«Die Entdeckung des Werks von Luigi Nono –
Fragmente – Stille, An Diotima – war ausschlaggebend für
unsere zukünftige Identität. Sein persönliches Engagement,
seine Zweifel, seine Ideale, verbunden mit dem wunderbaren
poetischen und philosophischen Spiegel Hölderlins haben es
uns ermöglicht, unser Projekt zu benennen und es zudem in
eine gewisse geschichtliche Tradition zu stellen. Von dem
Bewunderer Goethes und der Französischen Revolution bis
hin zu dem revolutionären Venezianer konnten wir unser
Abenteuer als etwas für das Zukünftige immer Offene
bestimmen.»5
Und der Geiger Irvine Arditti, der mit seinem Quartett
als zweites Ensemble das Fragmente-Stück ins Repertoire
aufgenommen hat, schreibt 1990 im Nachruf auf den am 8.
Mai des Jahres verstorbenen Nono: «Auch wenn er uns nur
ein einziges Stück für Streichquartett […] hinterließ, lässt
uns doch die Kraft und Originalität dieses Werkes wesentlich dankbarer für das sein, was wir haben, als traurig über
das, was wir nicht haben. – Mit diesem einzigen Stück, dessen in höheren Regionen schwebende Wendungen sich aus
musikalischen Fragmenten zusammensetzen, die mit lang
ausgehaltenen Tönen oder Pausen verwoben sind, die
Brücken zwischen diesen Wendungen schlagen, zwingt
Nono uns auf unverkennbar persönliche Weise, Musik und
Stille zuzuhören.»6
«Wenn man das Partiturbild anschaut», sagt der
Komponist und Musikwissenschaftler Dieter Schnebel,
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«dann spielen eine dominierende Rolle drin die Fermaten
und er beschreibt am Anfang in den Erklärungen auch, wie
jede dieser Fermaten zu realisieren ist. Im Italienischen heißt
ja ,fermata‘ eigentlich Halt, an allen Bushaltestellen,
Straßenbahnhaltestellen steht ‚fermata‘. Ist also eigentlich
ein Moment, wo die Zeit stillsteht – gibt‘s ja nicht, aber
intentional. Vielleicht ist das die eigentliche Entdeckung dieses Stücks bei Nono: diese Fermaten, dieses immer wieder
Innehalten, wieder anfangen, innehalten. Vermutlich ist das
auch das auch das, was das Müheselige beim Hören bewirkt.
Es gibt Leute, die finden es unheimlich spannend, also das ist
mir eigentlich nie so gegangen. Ich habe eher so dieses
immer wieder Innehalten, dieses Verweilen. Das macht für
mich den ästhetischen Reiz aus.»7 Und schon 1981 hat
Schnebel festgestellt: «Als ich jüngst das Streichquartett
Fragmente – Stille, An Diotima vernahm, wurde mir [...]
gewiss: da ist ein großer Komponist, der sich – obschon
nicht mehr jung – abermals auf einen neuen Weg begibt.»8
Nonos neuer Weg – viele sehen ihn, manche höchst argwöhnisch, andere – wohl das Gros – heißen ihn mehr als nur
gut und schöpfen daraus für sich selbst Mut. Wiederum
andere machen sich nun auf die Suche, um rückschauend in
Nonos älteren Werken etwas von dem Neuen aufzuspüren.
Und sie werden vielfach fündig. Etwa der Komponist
Werner Linden in Nonos Klavierstück ...sofferte onde serene... von 1976 und im Liebeslied von 1954.9
Hingegen erkennt der Komponist Nicolaus A. Huber, in
den Jahren 1967/68 Schüler Nonos in Venedig, gewisse
Parallelen zu dessen Kantate Il Canto sospeso von 1955/56.
Zudem grenzt er die Nono’sche Stille-Konzeption ab von
derjenigen John Cages. Beide werden gerne wiewohl auch
fälschlich miteinander gleichgesetzt.
«Nonos Stille-Konzeption dagegen», so N. A. Huber,
«erwächst aus kontrastierender Expressivität der kompositorischen Intention selbst. Schon im 7. Teil des Canto sospeso schieben sich die kurzen Dauern […] als ‚himmlische‘,
schöne Welt hoher Klänge von Celesta, Marimba, Harfe und
anderen Instrumenten zwischen die langen […], die
Gegenwart des grausamen Addio-sagen-Müssens repräsentierenden Dauern. Dieses Sospeso-Modell kehrt sich in der
späteren Fragmente-Stille-Konzeption, ohne grundsätzliche
Veränderung des Prinzips, um. Aus den Einschüben werden
die gewichtigen Fermatentürme [– so Nono im
Partiturvorwort des Streichquartetts –] ‚für träumende
Räume‘, ‚für plötzliche Ekstasen‘, ‚für unaussprechliche
Gedanken‘, ‚für ruhige Atemzüge‘ und ‚für die Stille des
zeitlosen Singens‘. Stille ist hier nicht das einfach in die
Musik dem Klang gleichberechtigt Eingefügte, Entspannte,
sondern Möglichkeit zu großen aufrührerischen Aussage.
Die kollektive, politische Seite bleibt immer mit inbegriffen.
– Für Cage ist Stille im wesentlichen das Aufgeben jeglicher
Absicht.»10
Und 2004 bemerkt Helmut Lachenmann, der zwischen
1958 und 1960 Schüler Nonos gewesen ist: «Jener Archetyp
der ‚Fanfare‘, der ursprünglich den Weckruf an ein Kollektiv
verkörpert, wird hier [in Fragmente – Stille, An Diotima] in
intimster Instrumentalbesetzung – vergleichbar dem ‚morsenden‘ Ruf in seinem Klavierwerk …sofferte onde serene…
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– vom ersten Takt an beschworen, zugleich aber in seine
Partikel zersetzt, und im weiteren Verlauf in seine
Gegensätze, gar in breit gezogene melodische Zellen umgeformt – anders gesagt: er wird beständig sich wandelnder
Beleuchtung ‚strukturell‘, das heißt in seiner – per
Streichquartett verfremdeten – anatomischen Gestalt erfahren. Auf diese Weise ist Nono vielleicht nicht seinem Ruf,
aber sich selbst treu geblieben. Die Legende des vom Saulus
zum Paulus gewandelten Nono konnte nur dort sich gebildet haben, […] wo man in seiner Musik den strukturalistischen Aspekt und dessen Intensität und Radikalität übersah
und am Ende den scheinbar ‚gewandelten‘ Nono als feinsinnig meditierenden Guru neben scheinbar Artverwandten
wie Giacinto Scelsi oder Morton Feldman erneut verfehlte.»11
Helmut Lachenmann bezieht sich mit dem Schlusssatz
auf den Aufsatz Sakrale Sehnsüchte. Der Scelsi-FeldmanNono-Kult des Hamburger Musikwissenschaftlers Peter
Niklas Wilson, der, 1992 erschienen, für einige Aufregung
gesorgt hat – wegen der vorgenommen Gleichsetzung der
drei Komponisten und wegen solcher Aussagen wie «Der
Scelsi-Feldman-Nono-Kult als Artikulation holistischer
New-Age-Bedürfnisse: Diese These lässt sich schon rein
musikalisch fundieren. Wie die Musik des New Age ist die
Scelsis, Feldmans und des späten Nono eine der Reduktion,
der Vereinfachung des Materials aufs Essentielle, eine Musik
der Konzentration auf die Qualitäten des Einzeltons und
seiner Komponenten, eine Musik des Hier-und-Jetzt, die die
klingende Unmittelbarkeit vor die Abstraktion der Struktur
setzt, eine Musik, aus der sich der Komponist als Initiator
von Emotion oder Struktur scheinbar verabschiedet hat,
eine Musik der ritualisierten Selbstaufgabe.»12
Auch solche Interpretationen gehören in die
Rezeptionsgeschichte von Nonos Streichquartett, mit dem
er ja – hierin sind sich alle einig – sein Spätwerk begründet
hat. – Doch nun zu den Anfängen von Fragmente – Stille,
An Diotima. Walter Levin, Primarius des LaSalle Quartets,
hat im Dezember 2004 bei den Römerbad-Musiktagen in
Badenweiler davon erzählt, zudem von der dortigen
Zweitaufführung im November 1980:
«Wir haben Nono Mitte der 1950er Jahre bei den
Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik kennen gelernt
und ihn damals wie auch einige andere Komponisten, die
wir da getroffen haben, gebeten, ob er für uns nicht ein
Quartett schreiben würde. Und er sagte: Ja, das würde ihn
schon interessieren, das braucht seine Zeit, er wäre sehr
beschäftigt, er müsse sich dafür sehr viel Zeit nehmen und
auch Zeit lassen und er könnte uns nicht garantieren, wann
das fertig sein würde. Nun, er hat sich dann einige Zeit gelassen für das Schreiben dieses Quartetts, im ganzen ungefähr
25 Jahre (Publikumslachen). 1980 war es soweit, dass wir es
uraufführen konnten nach vielen Monaten und Treffen mit
Nono, immer wieder mit Problemen in der Niederschrift
und in der Technik des Spielens, die er da erwartetete. Er
wollte immer wieder hören, wie was klänge, wenn man das
und das machte. Wir haben uns an verschiedenen Orten
getroffen und das ausprobiert. Es ist unerhört spannend, bei
der Genese eines neuen Stückes von einem Komponisten der
Struktur, der Qualität der Intelligenz eines Nonos dabeizu-
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sein und akustisch mit zu experimentieren an dem, was ihm
da vorschwebt. Ein Prozeß der Genese, den man ja gewöhnlich bei einem Komponisten nicht mit vollziehen kann. Ich
beneide immer die Mitglieder des Schuppanzigh-Quartetts,
die das mit Beethoven gemacht haben bis zu einer gewissen
Weise, und wir wünschten oft, dass wir hätten lauschen können oder dass die Herren vom Radio sich damals bemüht
hätten, einige Mitschnitte zu machen von diesen
Arbeitstreffen. Wir wüssten sehr viel mehr über die
Gedanken, die einen Beethoven bewegt haben, so unglaublich avancierte Musik zu schreiben, so dass sie noch für
Jahrzehnte für das breite Publikum unverständlich sind. Das
ist das Schicksal vieler Komponisten, und wir waren beteiligt an der Genese einiger solcher Werke, zum Beispiel des
Nono-Quartetts. Wir haben es dann in Bad Godesberg
uraufgeführt und gleich danach sind wir nach einer
Television-Aufnahme für den Südwestrundfunk, eine Serie,
die Peter Wapnewski damals hatte, die hieß Notenschlüssel,
wo wir es besprochen haben – mit Nono gemeinsam und
Peter Wapnewski – und dann auch ganz gespielt haben.
Dieses Video gibt es heute noch im Archiv des SüdwestFernsehens. Dann sind wir hierher gekommen zu Klaus
Lauer, der ja unglaubliches Gespür dafür hat, wo etwas
Wichtiges, Neues geschieht. In der Quartett-Literatur gibt
es kaum ein Stück, das sehr alt geworden ist, bevor es nicht
hier sofort gespielt wurde (Publikumslachen). Bei dem
Nono-Quartett war es so, dass wir eingeladen wurden. Die
Uraufführung war im Juni 1980; im November ‘80 haben
wir es hier, auf diesem Podium gespielt und im Publikum saß
Luigi Nono mit seiner Frau Nuria Schoenberg. Die war
natürlich auch bei der Uraufführung dabei und dann eben,
wie gesagt, in Badenweiler bei diesem Film. Und diese
Aufführung war für die Weiterentwicklung dieses Stückes
wichtig. Denn mit der Uraufführung war es mit der endgültigen Form, die das Stück bekommen sollte, nicht getan. Das
ist auch wichtig, daran zu denken, wenn man oft glaubt, dass
eine Komposition in dem Moment, wo sie uraufgeführt
wird, für den Komponisten abgeschlossen ist. Oft verändern
sich noch wichtige Dinge in der Wahrnehmung des
Komponisten bei der Uraufführung oder des ersten
Ausprobierens. Ich denke da zum Beispiel an Mozart, der
seine Quartette Haydn gewidmet hat, sechs seiner wichtigsten Quartette, und die hat er dann bei sich in der Wohnung
ausprobiert, die neuen Quartette, und Haydn saß im
Quartett und spielte mit und Mozart selber spielte mit und
sein Vater Leopold spielte auch mit. Und da kam es dann zu
Diskussionen über diese neuen Stücke, die waren inzwischen schon beim Drucker und da sagte Mozart zu seinen
Kollegen, die spielten: ‚Hier müsst ihr leise spielen, piano
und hier ist ein forzato, das müsst ihr laut spielen und da
wieder ganz leise.‘ Da sagte Haydn: ‚Warte mal, davon steht
aber nichts in den Noten. Das kannst du doch nicht einfach
verlangen, das können wir doch nicht erfinden. Wenn du das
willst, dann schreibe es bitte rein.‘ Und dann hat er das reingeschrieben. Inzwischen war aber die Handschrift schon
fertig. Diese Verbesserungen hat er nie in die Handschrift
eingetragen, die sind nur im ersten Druck erschienen, so dass
wir heute eigentlich nur im nachhinein nachvollziehen können, was da wohl bei ihm zu Hause geschehen ist, dass er
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solch grundlegende Veränderungen in dem Erstdruck
gemacht hat, die in der Handschrift gar nicht drin stehen.
Das nun geschah mit Nono hier auch. Wir spielten das Stück
und dann fanden wir im Briefkasten am nächsten Morgen
solche großen Zettel und da standen lauter Bemerkungen
drauf über die Aufführung vom vorhinein. Und was ihn
besonders besorgte, war immer die Frage der Dauer. Wie
lange die Pausen sein sollten, die in diesem Stück eine entscheidende Rolle spielen. Und bei der Uraufführung hat das
Stück etwa 27 Minuten gedauert, und als wir mit Nono endlich soweit, dass er halbwegs mit unseren Pausen zufrieden
war, war es auf vierzig Minuten gewachsen. Und da war
nicht eine Note hinzugekommen, sondern nur Schweigen.
Die Stille hatte sich ausgebreitet über das Stück, das ja nicht
zu unrecht Fragmente – Stille, An Diotima heißt. Und damit
ist viel gesagt für die Art des Stückes. Es sind Fragmente,
Klanginseln, die immer wieder in eine absolute Stille münden, aufhören, nachdenken, sich versenken und dann fängt
etwas Neues an. Der normale Ablauf eines Stückes, den Sie
erwarten
können,
aus
der
Erfahrung
der
Streichquartettliteratur der letzten zweihundert Jahre, der
gilt hier nicht mehr. Melodien im normalen Sinne kommen
hier nicht vor, es sind Klänge, es sind homophone, nicht
kontrapunktische, oft ganz eigenartige Klangmuster, die es
vorher so in einem Streichquartett nicht gegeben hat. Und so
braucht man sehr viel Zeit, das heißt, die Zeit, die er sich für
die Komposition gelassen hat, die ist auch etwas in das Stück
selbst eingegangen. Es lässt sich Zeit.»13
Außer dem von Walter Levin erwähnten Hintergrundund Analyse-Fernsehfilm zu Nonos Fragmente – Stille, An
Diotima hat am Tag vor der eigentlichen Uraufführung am
2. Juni 1980 in Bonn-Bad Godesberg auch ein sehr ausführliches Podiumsgespräch mit dem Komponisten und dem
LaSalle Quartet stattgefunden, bei dem das Stück auch seine
Voraufführung erlebt hat. Aus diesem einstündigen
Gespräch nun ein Ausschnitt, in dem es um die von Nono in
seinem Quartett entlehnte «scala enigmatica» von Giuseppe
Verdi geht sowie um einige der Klangfarbenmischungen und
Spieltechniken. Es ist übrigens recht erstaunlich, dass beide
höchst ergiebigen Quellen – Uraufführungsgespräch und
Fernsehfilm – in der umfangreichen Fragmente-Literatur
bisher kaum berücksichtigt worden sind. Der Ausschnitt
beginnt mit einer Frage aus dem Publikum.
«Publikum (7): ‚Hat eigentlich die Reihenfolge der
Fragmente eine innere Logik oder könnte man sich auch
denken, dass das Werk in einer ganz anderen Reihenfolge
aufgeführt wird. Beispielsweise auch, dass Sie dem Quartett
die Möglichkeit geben, von sich aus anders die zeitliche
Reihenfolge zu wählen?‘
Luigi Nono: ‚Warum?‘
Publikum (7): ‚Ja, die Frage wäre, ob die einzelnen
Fragmente in sich einen inneren Zusammenhang haben…‘
Luigi Nono: ‚Wissen Sie, – – –
Publikum: …nachzuvollziehen?
Luigi Nono: Sie fragen das, weil es gibt einige, die so
gemacht haben – einige machen so, andere machen ganz
anders. Deswegen ich Frage, warum alle müssen so machen?
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Das ist also die Basis, wenn ich das sage das, Sie haben schon
etwas zugehört, das kommt von scala enigmatica von Verdi.
Es gibt, ich habe das in drei Teile geschnitten: 1. Teil, was
kommt eine kleine Sekunde und kleine Terz. Das ich habe
mit diesem, in verschiedenen, also ich habe dieselbe Intervall
festgehalten, ich habe in verschiedene Tonhöhen, mit verschiedener Änderung von Qualität, von Eigenschaft von
Streicher. Auch in Oktavierung, aber durch, weil ich wollte
keine Oktavierung, ich habe die Vierteltöne benützt. Da
kommt so, daß dieselbe ist hier und hier, weiter oder zusammen, so oder so oder ganz so oder so. Und wo die, wo was
anders wird, ist immer die Qualität des Klanges. In
Beziehung, das ist genau studiert, auch mit viele Sachen,
die…‘
Publikum (8) (sehr leise aus dem Hintergrund): ‚Können
Sie das vielleicht mal demonstrieren anhand von Beispielen
und Notenmaterial?‘
Luigi Nono: ‚Was?!‘
Publikum (8): ‚Können Sie das vielleicht mal demonstrieren anhand von Notenmaterial, was Sie vielleicht kurz
vorspielen, zum Beispiel?‘
Luigi Nono: ‚Natürlich, das ist eine, andere ist, wo
kommt also bei Verdi kommt fünf, vier Töne, das kommt in
eine satonal, also von großer Sekunde, das kommt Moment,
wo das kommt wie eine Art von kleine Cluster. Und auch
das wird durch die Eigenschaft von Streicher und auch das
durch die Beziehung von Vierteltönen ganz anders. Nachher
von da die Intervalle von Anfang, von Ende, von diese vier
ist ein Tritonus, manchmal ist nur ein Tritonus benützt. Das
ist aber ganz elementar gesagt, weil was für mich sind nachher die Eigenschaft von Instrumenten, die Wechsel dauernd,
aber Wechsel in Beziehung unter sich selbst unter das akustische Material. Was mir hier natürlich viel mehr als die
Struktur interessiert, mehr die Qualität des Klanges.‘
Walter Levin: ‚Der Tritonus kommt gleich am Anfang.
Das ist das grundlegende Intervall dieses ganzen Stückes
praktisch, das ist eines, das am Anfang gleich exponiert wird,
und zwar kommt dann auch gleich als Demonstration im
ersten Takt, daß der Klang verdoppelt wird durch andere
Instrumente, die dieselben Töne zur gleichen Zeit spielen,
aber mit anderer Klangfarbe, so daß ständig eine
Klangfarbenmischung erzielt wird. Auch dadurch, daß die
Instrumente, die anders spielen, denselben Klang in anderer
Dynamik spielen, so daß sich eine Mischung von Ton zu Ton
verändert. Wir spielen mal den ersten Takt und da kommt
gleich zuerst ein Intervall – das fängt an mit einem battuto
der zweiten Geige, so fängt das Stück an, und dann gehalten
dieselben beiden Töne, flautato in der Geige, das sind also
die Sekunde. Da haben sie sofort einen Klangfarbenwechsel,
aber dasselbe Intervall. (Klangbeispiel) Jetzt als nächstes
kommt eine Mischung von normalem Klang und arco ponticello in der Viola oder in der ersten Geige. Beide spielen sie
das a-Flageolett. Er spielt es – bitte mal allein jetzt
(Klangbeispiel) – und ich spiele es – normal (Klangbeispiel).
Die Mischung müßte so sein, daß man also weder das eine,
noch das andere genau hört, dabei soll seins lauter sein als
meins, dominiert also in der Mischung. (Klangbeispiel) Es ist
ein Klang, der sich eigentlich nicht orten läßt, vom Streicher,
aber er ist durch völlig normale Mittel erzeugt. Ich meine ein
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normaleres, ein einfacheres Flageolett als das a – da stimmt
man ja geradezu mit (Gelächter). Dann kommt also der erste
Tritonus in der Geige, in der ersten Geige sind gleich zwei
hintereinander
(Klangbeispiel)
a–es
und
d–gis
(Klangbeispiel). Aber auf das gis kommt die zweite Geige
zur selben Zeit mit battute al ponte. Spielen wir mal das
grad’ (Klangbeispiel) – a ist verändert, battuto normal und
col legno – und er hat battuto col legno – also machen wir
mal, machen wir das battuto col legno auch, beides Male
(Klangbeispiel) es ist der selbe Tritonus, den ich auch spiele
– spiel mal den battuto col legno – nur – (Klangbeispiel) ja,
nur das eine, ich möchte von da (Klangbeispiel) – die kommen zusammen und seins ist mf, auch das der 2. Geige ist mf,
meins hingegen, derselbe, dieselben zwei Töne sind pp.
Wieder eine Mischung, die einen anderen Klangcharakter
erzeugt, ohne daß dabei neue Töne ins Spiel kommen. – Jetzt
spielen wir noch diese. (Klangbeispiel) So, auf diese Art und
Weise entstehen sehr viele der Akkorde. Wir können Ihnen
einen zeigen, der jetzt kommt, nach meinem langen es
(Klangbeispiel), ja, das lang gehaltene tasto-es. Dann kommt
das es in dreifach verschiedener Weise: ponticello
(Klangbeispiel), flageolett (Klangbeispiel) und bei ihm arco,
während ich schon flageolett, ponticello spiele. Jedesmal
verändert sich der Klang, immer derselbe Ton, immer in
einer anderen Klangzusammensetzung. Und drei Leute spielen es zusammen, so daß sich der Klang von Ton zu Ton
ändert. Dann kommt ein a, gleichfalls von drei Leuten produziert, auch jeweils von einer verschiedenen Klangfarbe.
Wir spielen jetzt mal, ich spiele mein einzelnes
(Klangbeispiel)-‘
Peter Kamnitzer: ‚…was wieder einen Tritonus zur
Folge hat.‘
Walter Levin: ‚Ja, es ist es–a, ist auch wieder melodisch
jetzt, der Tritonus. (Klangbeispiel)14
Nonos Fragmente – Stille, An Diotima ist ein Stück, das
sich viel Zeit nimmt, das je nach Interpretation zwischen
dreißig und vierzig Minuten dauert. Und um diese
Gesamtzeit mit ihren Binnenzeiten zu regulieren, hat Nono
ein komplexes Notationssystem von Ton- und
Pausenfermaten entwickelt, zudem hat er 52 Fragmente aus
Hölderlin-Gedichten in die Partitur geschrieben. Diese
Textfragmente sollen von den Interpreten weder gesprochen
werden, noch sind sie als «naturalistischer, programmatischer Hinweis» für die Aufführung zu begreifen. Nono
notiert in der Partitur seines Streichquartetts, die Interpreten
«mögen sie ‚singen‘ ganz nach ihrem Selbstverständnis, nach
dem Selbstverständnis von Klängen, die auf ‚die zarten Töne
des innersten Lebens‘ hinstreben». Die HölderlinFragmente dienen zugleich der Zeitmessung.
«Ihr technischer Zweck», so der Musiktheoretiker
Heinz-Klaus Metzger, «ist natürlich die qualitative
Mensurierung der Pausen anstelle einer quantitativen durch
ja Zeitmessung mit der Stoppuhr oder Zeitzählung mit dem
Metronom, eine qualitative Zeitmessung. Die Länge der
Pausen, der Fermaten, übrigens italienisch heißt die Fermate
ja ‚corona‘ und so wird sie auch im Vorwort Nonos zum
Quartett genannt, das ist ganz einfach der terminus technicus, das ist keine monarchistische Metapher, aber eine Note
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oder eine Pause, die länger währt, so dass eine Corona darüber steht, ist schon etwas Gekröntes. Und diese ganzen
Coronen, die Nono hier erfunden hat, diese ganzen
Abstufungen, eine ganze, Skala von Coronen, das schafft
schon eine Aura. Damit man da nicht einfach zählen muss,
eins, zwei, drei, oder auf die Stoppuhr schauen, wobei eine
alte Stoppuhr mit einem rotierenden Zeiger natürlich angenehmer wäre als eine digitale, wo so diese Ziffern da vorbei
flutschen, mit denen man auch Cage eigentlich nicht mehr
spielen kann, man muss sich in technischen Antiquariaten,
technologischen Antiquariaten die alten Stoppuhren besorgen, wenn man eine menschenwürdige Cage-Aufführung
machen will, Nono hat das ersetzt durch Inhalte, durch poetische Inhalte, die ein rezeptives Verhalten von den ausführenden Musikern verlangen, die Musiker produzieren ja
nichts, sondern sie rezipieren, und zwar den Hölderlin, und
zwar so, dass das niemanden etwas angeht und wer zuhört,
erlebt nur die Dauer einer qualitativ mensurierten Zeit. Die
Quartette machen in der Regel mit dem Stück die
Erfahrung, je länger sie damit umgehen, desto länger werden
die Pausen. Sie brauchen immer mehr Zeit, um die
Hölderlin-Fragmente innerlich wirklich zu erleben und ja
sie verändern sich vielleicht die Musiker. Sie werden gelassener, das geht schon in die Richtung gewisser Tugenden.»15
Heinz-Klaus Metzger, der zusammen mit Rainer Riehn
1981 das für die deutsche Nono-Rezeption wichtige MusikKonzepte-Heft Luigi Nono überhaupt nur wegen dessen
Fragmente – Stille, An Diotima-Erlebnis herausgegeben hat,
berichtet auch von einer bislang nicht berücksichtigten
Quelle der Nono-Forschung:
«Die soziale Relevanz von Kammermusik, dass
Kammermusik eine gesellschaftlich relevante Gattung der
Komposition ist, das ist in exemplarischer Weise durch dieses Streichquartett statuiert worden. Als ich das Stück kennen und lieben und schätzen lernte, wusste ich noch nicht,
dass es aus der Volksmusik kommt, das hätte jetzt den
Bartók gefreut. Aber es kommt etwas anderes aus der
Volksmusik. Auf Anregung Nonos hat Friedrich Hommel,
allerdings erst nach Nonos Tod, die Hintergründe einmal
demonstriert, indem er ein sardisches Bauernquartett nach
Darmstadt einlud. Also stellen Sie sich vor: Vier sardische
Bauern, die stehen beieinander, alle vier, ganz, ganz dicht, als
wollten die sich zu viert küssen und singen ganz leise, nur
für einander. Dass andere dabei zuhören, ist nicht verboten,
aber das ist nicht für Publikum, es ist wirkliche Volksmusik,
Bauernmusik. Und das ist wohl die, ja sagen die
Musikethnologen, vielleicht die älteste polyphone und harmonisch-tonale Musik, aber das ist schon sehr eigentümlich.
Adorno hat ja in der Musiksoziologie hervorgehoben, dass
die Frage, ob etwas Kammermusik sei oder nicht, eben keine
Frage der Besetzungsgröße ist. Es ist nicht so, dass ein Stück,
das groß besetzt ist, keine Kammermusik wäre und wenn es
wenige Musiker sind, ist es Kammermusik. Sondern das
Wesen der Kammermusik ist, dass sie mehr den Spielern als
den Hörern zugedacht ist. Und das ist eben bei authentischer Volksmusik extrem, die hat kein Publikum. Und diese
sardischen Bauernquartette, es sind immer vier Männer, die
haben Nono zu dieser Komposition inspiriert. Das habe ich
damals gar nicht gewusst, als ich über das Stück schrieb, den
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Aufsatz Wendepunkt Quartett?16 Das habe ich erst später
erfahren. Und jetzt weiß ich, dass die Kammermusik, diese
vier gleich berechtigten, gleich geltenden Musiker, die nur
füreinander musizieren und in einer gewissen Entfernung
schon nicht mehr zu hören sind, das Volk sind, jedenfalls für
das Volk stehen, und zwar für das Volk, das man, wenn es
endlich als Volk entstünde, mögen würde, während man das,
was ja jetzt Volk genannt wird, das kann man ja nicht lieben.»17
Mit Nonos Streichquartett haben sich abgesehen von
zahlreichen
Musikwissenschaftlern
haben
auch
Komponisten wie Hermann Spree, Tillmann Claus,
Wolfgang Rihm, Klaus Huber, Georg Friedrich Haas analytisch-publizistisch mit dem Werk auseinander gesetzt.18
Und 1990 hat die «projektgruppe neue musik bremen» ihre
erste Konzert-Tagung unter das Motto gestellt: «JETZT das
Streichquartett».19 Ausgangspunkt und Zentrum dieser viel
beachteten Veranstaltung: Fragmente – Stille, An Diotima.
Als bei den Darmstädter Ferienkursen im Sommer 2004
vier Komponisten – Georg Friedrich Haas, Franz Martin
Olbrisch, Enno Poppe und Michael Reudenbach – über ihre
Streichquartette und die Tradition diskutierten, ist das
Nono-Quartett natürlich auch wieder ein wichtiges Thema.
«GEORG FRIEDRICH HAAS: ‚Ein Schlüsselwerk,
das sollte man schon erwähnen, ist eben Nonos
Streichquartett und ich glaube, dass wirklich für mich revolutionäre an diesem Quartett ist, dass Nono das
Streichquartett befreit von dieser historischen Aufgabe, ein –
wie sagte das Goethe, glaube ich, ein interessantes Gespräch
von vier Personen zu sein. Und genau das ist ja bei Nono
nicht mehr. Bei Nono ist das Streichquartett plötzlich
eigentlich homophones Instrument geworden, das die
Klänge, die homophon komponiert sind, natürlich ein enormes Eigenleben haben, aber der diese Tradition dann eben
irgendwie bricht. Das hat mich eigentlich dann ermutigt, da
in dieser Situation für dieses Ensembles Neues weiterzusuchen.‘
JÖRN PETER HIEKEL, der Moderator: ‚Ja, andererseits weiß ich nicht, ob alle vier Komponisten da ohne weiteres
zustimmen.
Es
ist
ja
ein
häufiger
Diskussionsgegenstand, auch gerade dieses NonoStreichquartett als das paradigmatische Werk der neueren
Musik gelten kann. Ich kenne Hanspeter Kyburz, der dem
mal laut und heftig widersprochen hat, was man natürlich
begründen könnte. Liegt das daran, dass jetzt schon wieder
so ein gewichtiges Werk mit seiner großen Länge sich hinsetzt, das ist dann natürlich vielleicht doch ein Moment der
Tradition oder liegt das dann an diesem Inselhaften, diesem
Berühmten dieses Streichquartetts, diesem Zögerlichen?
Und da könnte ich mir vorstellen, dass, wenn ich mir das
Werk von dir, Enno Poppe, betrachte, dass es ja durchaus so
Elemente gibt, die auch sich in eine ganz andere Richtung
wenden.‘
ENNO POPPE: ‚Der Nono ist ein Meisterwerk, da ist,
glaube ich, überhaupt kein Zweifel. Ob das ein Pradigma ist,
kann ich jetzt so nicht unbedingt bestätigen. Ich finde
eigentlich, dass Nono eben genau diesen Punkt erwischt, der
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S. Fricke: Auch die neue Musik hat ihre Wenden, www.musikderzeit.de, 2006
mich selbst auch immer interessieren würde. Nämlich dass
er quasi, sich wirklich auch mit dem traditionellen Material,
er trägt es ja auch mit sich herum, aber er entwickelt es zu
einem völlig anderen. Also die Qualität entsteht ja auch daraus, dass er durchaus den Mut behält, diesen gesamten
Ballast quasi auszuhalten. Das ist eigentlich ein Punkt, den
man bei Ferneyhough-Quartetten ganz deutlich sieht. Ich
glaube, dass Brian Ferneyhough mit seinen Quartetten viel
weiterkommt, eine viele größere Radikalität erreicht deshalb, weil er den ganzen Informationsgehalt traditioneller
Musik mit sich herumschleppt, wenn er quasi einfach nur
sagt, dass er das ganze Zeug abschneidet und nicht benutzt,
vergibt er sich eine Möglichkeit, das Stück quasi mit
Informationen und Reichtum aufzuladen. In ganz wesentlich einfacherer Weise habe ich das ja hier auch versucht in
meinem Streichquartett [Tier, 2002], weil ich habe gerade
über diesen Punkt Tradition oder Traditionsverwaltung
lange nachgedacht und bin eigentlich, je länger ich dran
gesessen habe, immer mehr auf den Punkt gekommen, das
gerade die Vierstimmigkeit genau dieses Ding mit dem
Goethewort, das gerade das offensiv zu benutzen, also quasi
das traditionelle Material als traditionelles Material traditionell zu benutzen in einer Form, wo ich dann aber hoffe, dass
gerade aufgrund des offensiven Gebrauchs das in eine andere Qualität umkippen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob das
im Stück gelungen ist, glaube aber. Ich persönlich habe das
Interesse daran, diesen traditionellen Ballast, der da drin
steckt, dann auch wirklich zu ertragen und nicht einfach
wegzuschauen von dem, weil der Komplexitätsgehalt eines
Stücks eigentlich genau daraus resultiert, die Strukturiertheit
der
Musik
kommt
eigentlich
aus
diesen
Informationsgehalten.‘
MICHAEL REUDENBACH: ‚Vielleicht noch eine
Bemerkung zu der Frage, wie geht man denn um mit der
Tradition und zu Nono. Vielleicht mal ganz grundsätzlich
denke ich, dass wir ja uns heute ja auch schon wieder in einer
Situation befinden, wo das Befragen, wie gehe ich denn mit
so einem Ding wie diesem Streichquartett um, ja auch schon
wieder in einer langen Tradition steht. Wir haben eben so ein
Streichquartett von Nono, wir haben ein zweites
Streichquartett von Brian Ferneyhough, wo das ja auch auf
den Punkt definiert ist, die Frage, wie homogen ist denn der
Klang, man kann die ganze Eingangssequenz, wenn man
sich erinnert, wie Ferneyhough dieses Streichquartett förmlich zusammen baut aus Violine solo, das Duett usw., wir
haben die Streichquartette von Lachenmann und und und.
Es gibt unzählige Beispiele, die genau das zum Thema
haben. Und jetzt stehe ich ja förmlich, wenn ich jetzt ein
Stück schreibe, auch wieder in dieser Tradition. Ich kann
mich ja jetzt nicht bewusst aus meiner Tradition herauslösen
und sagen, damit will ich jetzt gar nichts mehr zu tun haben.
Aber irgendwann beim Schreiben [von und aber, 2004; ein
Streichquartett von Michael Reudenbach] war dann aber der
Punkt da, wo ich sage, jetzt ist es auch gut und jetzt muss ich
mein Ding schreiben, egal wie die Geschichte vorher, wenn
ich das mal so salopp sagen darf, egal wie diese Geschichte
vorher ausgesehen hat, obwohl ich sehr bewusst in dieser
Geschichte stehe und mich dieser Verantwortung schon stellen möchte.‘
www.musikderzeit.de – melos
JÖRN PETER HIEKEL: ‚Ich gehe noch mal zu Franz
Martin Olbrisch, der das ja eben schon angedeutet hat. Diese
Zitate von Lachenmann, von Nono und auch von Cornelius
Schwehr...‘
FRANZ MARTIN OLBRISCH: ‚... und Bartók Vier ...‘
JÖRN PETER HIEKEL: ‚... und Bartók genau. Damit
rufst du ja, die von Michael Reudenbach angesprochene
Tradition ja ganz bewusst auf. Du wirst ja daran auch gemessen und du beziehst dich auf diese Tradition und entziehst
dich ihr auch, wenn ich das richtig sehe...‘
FRANZ MARTIN OLBRISCH: ‚Ich habe ja dadurch,
dass ich in mein Streichquartett Ein Quadratmeter
Schwärze durch die Hintertür reingekommen bin, einen
gewissen Teil der Problematik umgehen können. In der
ursprünglichen Fassung klingt gleichzeitig ein Text von
Octavio Paz, der zitiert wird, ein fragmentierter Text von
Octavio Paz und in dem Paz gab es irgendwo eine Stelle, wo
Paz auf die Vergangenheit zu sprechen kam, auf Vorbilder,
Weggefährten usw. Und das war für mich Anlass genug zu
sagen, okay, ich bilde das innerhalb des Mediums
Streichquartett ab und ziehe eine Linie wohl, also wirklich
auch nur im 20. Jahrhundert, ich will jetzt nich noch mal
zurückgreifen auf Beethoven oder was auch immer, ziehe
eine Linie, die immer näher an mich herankommt, also bis
zu Cornelius Schwehr und bei Bartók als großes Vorbild
beginnen. Und die Auswahl dafür war auf der einen Seite
sehr subjektiv und auf der anderen Seite natürlich schon
auch objektiv. Ich meine, es nicht ohne Grund, dass Nono
da drin ist. Da sind wir uns bisher alle einig gewesen. Nono
nicht rein zu nehmen, wäre irgendwie auch unverständlich
und für mich ist es genauso das Gran Torso [von Helmut
Lachenmann] drin ist, ist für mich ein wesentlicher Grund.
Was für mich bei Bartók ganz entscheidend ist, Bartók ist für
mich ein Komponist, der für Streichquartett geschrieben hat
als Instrument, Streichquartett wirklich benutzt hat als
Instrument. Wenn ich jetzt zum Beispiel an die Zweite
Wiener Schule denke, dann ist das für mich noch mehr
Tonsatz. Diese Streichquartette könnten auch von einem
anderen Ensemble gespielt werden. Das war mir ganz wichtig, Streichquartett wirklich als Instrument zu begreifen und
das Instrumentenspezifische ist etwas, das mir sehr am
Herzen liegt.‘»20
Franz Martin Olbrisch ist mit seinem Streichquartett Ein
Quadratmeter Schwärze von 1999 nicht der einzige, der sich
konkret auf das Nono-Quartett bezieht – in diesem Fall
wird es sogar zitiert. Auch so unterschiedliche Komponisten
wie Hans-Jürgen von Bose – mit seinem Dritten
Streichquartett von 1986/87 – oder Gerhard Stäbler – mit
dem Quartett … strike the ear… von 1987/88 – verdanken
sich nicht nur der Auseinandersetzung mit Nonos
Fragmente – Stille, An Diotima, sondern sie begreifen sich
als unmittelbare Antworten darauf. Denkt man nun beim
Hören und Sehen des Stäbler-Quartetts an die
Musizierpraxis der sardischen Bauern, die ihre Köpfe beim
Singen eng zusammenstecken, so ist sein …strike the ear…
ein Gegenmodell dazu. Jedenfalls sagt das Stäbler auch im
Werkkommentar zu seinem Quartett: «Stellen sich vier
Menschen – Rücken an Rücken – zu einem Kreis zusammen,
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S. Fricke: Auch die neue Musik hat ihre Wenden, www.musikderzeit.de, 2006
ist ihr Blick offen. Aus der Mitte sehen sie das, was sich nur
zu halten vermag durch lärmende Ignoranz und das, was
keimt, sich immer neu entfaltet … bis zum Äußersten … an
Kraft verliert … und erstarrt ... Gäbe es dann nur Menschen,
die in der Mitte die Köpfe zusammensteckten und sich – auf
Geheiß und selbst – das Sehen nähmen! Was könnten Sie?
Mit Köpfen gegen Köpfe rennen, wenn sie spürten (vorausgesetzt, ihre Gefühle sind noch nicht völlig verdorben), dass
sich um sie Neues ver-vorsucht, atmet, wächst… Es müsste
ausdörren, verwesen… – … schon immer bequemte man
sich eher im Mief der Mitte und stempelte die Sehenden zu
Tätern… – Die vier Spieler des Quartetts agieren als diejenigen, die sich gegenseitig – Schulter an Schulter gleichsam –
Rückdeckung geben und dadurch offen sind und öffnen
könn(t)en.»21
Luigi Nonos Streichquartett Fragmente – Stille, An
Diotima von 1979/80 ist ein Werk der Wende, allerdings
weniger in seinem Oeuvre und in seiner Haltung. Vielmehr
hat sich das europäische Komponieren generell durch dieses
Stück verändert. Ein Flut von Streichquartetten ist seither
entstanden, seitdem begegnen wir intendiert fragmentaren
Werken auf Schritt und Tritt, ebenso zahlreichen HöderlinVertonungen und etlichen Kompositionen, in deren
Hintergrund ein verborgener, nicht hörbarer Dichter-Text
agiert, etwa in dem 1987 entstandenen Dritten
Streichquartett (Nacht-Musik) von Paul-Heinz Dittrich,
(21) der allerdings nach eigenen Aussagen das NonoQuartett noch nicht gekannt hat, als er Novalis-Fragmente
in sein Stück integrierte, oder das 1989 komponierte
Streichtrio Des Dichters Pflug von Klaus Huber (hier bilden
Textfragmente von Ossip Mandelstam die schweigende
Subschicht).
Die Komposition, über der Luigi Nono am 8. Mai 1990
verstarb, war übrigens ein just begonnenes zweites
Streichquartett, von dem es jedoch bloß einige wenige
Skizzen gibt. Für die Quartettliteratur, aber nicht nur für
diese, bleibt Fragmente – Stille, An Diotima Meilenstein und
Steinbruch zugleich – und das wohl auch in Zukunft.
Anmerkungen
(*) Überarbeitete Fassung eines Sendemanuskriptes für
den Südwest-Rundfunk Baden-Baden. Erstsendung der
Produktion auf SWR 2 «JetztMusik» am 18. April 2005,
23.00 – 24.00 Uhr (Redaktion: Armin Köhler).
(1) Luigi Nono, zitiert nach Ellen Kohlhaas,
«Römerbad-Musiktage Badenweiler: Schumann oder der
Stachel der Versöhnlichkeit», in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 3. Dezember 1980, S. 27.
(2) Hier nur eine kleine Auswahl musikologischer
Arbeiten, die das Nono-Quartet behandeln (siehe auch
Anmerkung 18): Ingrid Allwartdt, Die Stimme der Diotima.
Friedrich Hölderlin und Luigi Nono, Berlin: Kadmos 2004;
Doris Döpke, «Fragmente – Stille, An Diotima».
Fragmentarische Gedanken zur musikalischen Poetik von
Luigi Nonos Streichquartett, in: Zeitschrift für
Musikpädagogik 1986, Heft 36, S. 10-24; Wolf Frobenius,
www.musikderzeit.de – melos
«Luigi Nonos Streichquartett Fragmente – Stille, An
Diotima», in: Archiv für Musikwissenschaft 1997, S. 178193 (in diesem Beitrag auch weitere bibliographische
Angaben); Nicola Gess «Dichtung und Musik. Luigi Nonos
Fragmente – Stille, An Diotima», in: MusikTexte 65 (1996),
S. 18-30; Siegfried Mauser, «An Diotima»…: Dichtung als
Partitur, in: Die Musik Luigi Nonos, hrsg. von Otto
Kolleritsch, Wien – Graz: Universal Edition 1991 (= Studien
zur Wertungsforschung, Band 24), S. 162-179; Heinz-Klaus
Metzger, «Wendepunkt Quartett?», in: Luigi Nono, hrsg.
von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München: text
+ kritik 1981 (= Musik-Konzepte, Heft 20), S. 92-112;
Gerhard Müller, «Fragmente – Stille, An Diotima per quartetto d‘archi von Luigi Nono. Eine Werkbetrachtung», in:
Musik und Gesellschaft 1990, S. 352-360; Luigi Pestalozza,
Ausgangpunkt Nono (nach dem Quartett), in: Luigi Nono,
hrsg. von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn,
München: text+kritik 1981 (= Musik-Konzepte, Heft 20), S.
3-10; Peter Rautmann und Nicolas Schalz, «… mit offener
Phantasie für träumende Räume…». Luigi Nono,
Fragmente – Stille, An Diotima per quartetto d‘archi, 197980, in: dies., Pasagen. Kreuz- und Quergänge durch die
Moderne, Regensburg: ConBrio 1998, S. 337-346; Reinhard
Schulz: «Luigi Nono, Fragmente – Stille, An Diotima» –
1980 Bonn, in: Meilensteine der Musik, hrsg. von Hans A.
Neunzig, Dortmund: Harenberg 1991, Band III, S. 230-232;
Jürg Stenzl: «Luigi Nono: Fragmente – Stille, An Diotima»,
in: Schweizerische Musikzeitung 1980, S. 231 f.
(3) Siehe hierzu u.a. Peter Andraschke, «Hölderlin 1980.
Versuche Hölderlin kompositorisch zu begegnen», in: Die
Musik Luigi Nonos, hrsg. von Otto Kolleritsch, Wien –
Graz: Universal Edition 1991 (= Studien zur
Wertungsforschung, Band 24), S. 145-161; Lydia Jeschke,
«Ohne Hölderlin nichts los? Literarische Titel in der neuen
Musik», in: Positionen 47 (2001), S. 23-26.
(4) Etwa: LaSalle Quartet: CD Deutsche Grammophon
415 513-1 (1986) [Aufführungsdauer 38'12]; Arditti Quartet:
CD Disques Montaigne WM 334.789005 (1991) [35'51;
Quartuor Diotima: CD assai 222492 (2004) [35'48]; Moscow
String Quartet: CD col legno WWW 1CD 20505 (2000)
[27'03]. Pellegrini Quartet: CD BVHAAST 9507.
(5) Quatuor Diotima, zitiert nach dem Booklet-Text zur
CD Quatuor Diotima: Lachenmann: Reigen seliger Geister;
Nono: Fragmente – Stille, An Diotima, CD assai 222492
(2004), S. 22 f.
(6) Irvine Arditti (und das Arditti Quartet), «Tribute to
Luigi Nono», in: MusikTexte 35 (1990), S. 79.
(7) Dieter Schnebel im Gespräch mit Stefan Fricke,
Berlin 2005.
(8) Dieter Schnebel, «Gruß an Luigi Nono», in: Luigi
Nono, hrsg. von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn,
München: text+kritik 1981 (= Musik-Konzepte, Heft 20), S.
81.
(9) Werner Linden, Luigi Nonos Weg zum
Streichquartett. Vergleichende Analysen zu seinen
Kompositionen Liebeslied, …sofferte onde serene…,
Fragmente – Stille, An Diotima, Kassel: Bärenreiter 1989.
(10) Nicolaus A. Huber, «Gedanken zum Tod von John
Cage» (1992), in: ders., Durchleuchtungen. Texte zur Musik
© Schott Musik International
S. Fricke: Auch die neue Musik hat ihre Wenden, www.musikderzeit.de, 2006
1964-1999, hrsg. von Josef Häusler, Wiesbaden: Breitkopf &
Härtel 2000, S. 268.
(11) Helmut Lachenmann, «Ins Freie», in: Booklet zur
CD Quatuor Diotima: Lachenmann: Reigen seliger Geister;
Nono: Fragmente – Stille, An Diotima, CD assai 222492
(2004), S. 18.
(12) Peter Niklas Wilson, «Sakrale Sehnsüchte. Der
Scelsi-Feldman-Nono-Kult», in: MusikTexte 44 (1992), S. 24.
(13) Walter Levin bei den Römerbad-Musiktagen 3. bis
5. Dezember 2004. Mitschnitt durch den SüdwestRundfunk Baden-Baden. Transkription des Verfassers.
(14) Eine etwas gekürzte und sprachlich geglättete
Transkription dieses Gespräches durch den Verfasser ist
wiedergegeben in: Luigi Nono. Dokumente – Materialien,
hrsg. von Andreas Wagner, Saarbrücken: Pfau 2003 (=
Schriftenreihe Netzwerk Musik Saar, Band 1), S. 156-167.
Eine wortwörtliche Transkription des Originals plus AudioDokumentation auf CD befindet sich in Kay-Uwe Kircherts
Studie Wahrnehmung und Fragmentierung. Luigi Nonos
Kompositionen zwischen Al gran sole carico d‘amore und
Prometeo, Saarbrücken: Pfau 2006.
(15) Heinz-Klaus Metzger im Gespräch mit Stefan
Fricke, Berlin 2005.
(16) Heinz-Klaus Metzger, «Wendepunkt Quartett?», in:
Luigi Nono, hrsg. von Heinz-Klaus Metzger und Rainer
Riehn, München: text+kritik 1981 (= Musik-Konzepte, Heft
20), S. 92-112.
(17) Heinz-Klaus Metzger im Gespräch mit Stefan
Fricke, Berlin 2005.
(18) Hermann Spree, «Fragmente – Stille, An Diotima.
Ein analytischer Versuch zu Luigi Nonos Streichquartett»,
Saarbrücken: Pfau 1992; Tillmann Claus, Fragmente – Stille,
An Diotima. Betrachtungen zum Streichquartett von Luigi
Nono, Abschlußarbeit im Fach Komposition an der Kölner
Musikhochschule 1988 (Manuskript); Wolfgang Rihm,
«Con Luigi Nono», in: ders., ausgesprochen. Schriften und
Gespräche, hrsg. von Ulrich Mosch, Winterthur: Amadeus
1997 (= Veröffentlichungen der Paul Sacher Stiftung, Band
6.1) Band 1, S. 312-320; hier: S. 313-316; Klaus Huber,
«Neue Perspektiven in gefährdeter Gegenwart. Wie können
wir das Erbe Luigi Nonos in die Zukunft weitertragen?», in:
ders. Umgepflügte Zeit. Schriften und Gespräche, hrsg. von
Max Nyffeler, Köln: MusikTexte 1999 (= Edition
MusikTexte, Band 6), S. 89-99; hier: 90-92; Georg Friedrich
Haas, «Fragmente – Stille, An Diotima. Ikonographische
Untersuchungen an Luigi Nonos Streichquartett», in:
Verbalisierung und Sinngehalt. Über semantische Tendenzen
im Denken in und über Musik heute, hrsg. von Otto
Kolleritsch, Wien – Graz: Universal Edition 1989 (= Studien
zur Wertungsforschung, Band 21), S. 189-211.
(19) Zu der Veranstaltung der «projektgruppe neue
musik» Bremen erschien 1990 ein gleichnamiger Reader
(Redaktion: Randolph Eichert und Uwe Rasch). Darin u.a.
die Aufsätze: Martin Zenck, Von Cage zu Nono. Zur
Geschichte der Streichquartettkomposition von 1950-1980,
S. 21-33; Nicolas Schalz, Nach Luigi Nono. Streichquartette
der 80er Jahre, S. 35-45.
(20)
Ein
Mitschnitt
der
Diskussionsrunde
www.musikderzeit.de – melos
«Streichquartett heute» am 17. August 2004 erfolgte durch
das Internationale Musikinstitut Darmstadt und ist dort
archiviert. Transkription des Verfassers.
(21) Gerhard Stäbler, «Werkkommentar zu …strike the
ears…», zitiert nach dem Programmheft Luigi Nono in
Düsseldorf, 26. November 1988. Anläßlich dieser
Veranstaltung wurde Stäblers Streichquartett durch das
Arditti Quartet uraufgeführt, zudem im selben Konzert das
Nono-Quartet und Kammerquartett (1982-84) von Andreas
Raseghi gespielt. – Auch in seinem Essay «Silences (Ver-)
Schweigen» weist Stäbler nachdrücklich auf das NonoQuartett hin, in: SchNeBeL 60, hrsg. von Werner
Grünzweig, Gesine Schröder, Martin Supper, Hofheim:
Wolke 1990, S. 231-254; hier: S. 242-244.
(22) Mündliche Mitteilung Dittrichs an den Verfasser,
Saarbrücken 1990. Siehe auch Manfred Machlitt, «... Gegen
Harmonie sich Sträubendes». Gespräch mit Paul-Heinz
Dittrich (1991), in: Paul-Heinz Dittrich, Nie vollendbare
poetische Anstrengung. Texte zur Musik 1957-1999, hrsg.
von Stefan Fricke und Alexandra Raetzer, Saarbrücken: Pfau
2003 (= Quellentexte zur Musik des 20./21. Jahrhunderts,
Band 10.1), S. 290.
(C) Stefan Fricke, Berlin 2005
© Schott Musik International
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