rbb Praxis - Das Gesundheitsmagazin

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rbb PRAXIS sucht Ihre Krankengeschichte!
Sie haben gesundheitliche Beschwerden? Sie sind schon bei verschiedenen Ärzten gewesen und
haben immer noch keine klare Diagnose? Sie wären bereit, sich einer Live-Diagnose im Studio zu
unterziehen? Sie wohnen in Berlin oder Brandenburg? Wir können Ihnen vielleicht helfen.
Dann bitten wir Sie, uns kurz Ihre Krankengeschichte zu schildern und Kopien Ihrer Arztbefunde
zu schicken. Wenn möglich, legen Sie bitte ein Foto von sich bei.
Wir arbeiten mit einer Reihe von Ärzten zusammen, die zur Live-Diagnose zu uns ins Studio
kommen. Vielleicht finden wir Ärzte, die Ihnen helfen könnten.
Schreiben Sie uns eine E-Mail und schicken Sie Arztbefunde als Anhang an:
[email protected]
oder schicken Sie uns alles per Post an:
Redaktion rbb PRAXIS
Masurenallee 8-14, 14057 Berlin
rbb Praxis – Das Gesundheitsmagazin
am 07.12.2016, 20.15 - 21.15 Uhr
Themen:
 Glaukom – Früherkennung rettet vorm Erblinden
 Minisensor gegen Herzversagen
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
Kann eine Diät Diabetes heilen?
Weihnachtszeit: Schlemm- und Verdauungszeit
Wie gesund ist Sauna?
Glaukom – Früherkennung rettet vorm Erblinden
Meist verläuft ein Glaukom („Grüner Star“) schleichend. Durch den erhöhten Druck im
Auge kann der Sehnerv nach und nach absterben. Oft bemerken die Betroffenen die
damit verbundene Seheinschränkung nicht gleich. Die rbb Praxis zeigt live im Studio,
welche Untersuchungen wichtig sind für eine rechtzeitige Diagnose und erklärt auch, wie
man einen Glaukom-Anfall, bei dem der Druck im Auge plötzlich sehr stark steigt,
erkennt und behandelt.
Wenn der Sehnerv zusammengedrückt wird
Das Glaukom ist ein Sammelbegriff für verschiedene Augenerkrankungen, bei denen der
Sehnerv dauerhaft zerstört wird. Der Sehnerv und seine hochsensiblen Nervenfasern
leiten die Impulse der Sehrezeptoren in das Gehirn (Sehrinde) weiter. Auf Dauer
entstehen durch den Untergang von Nervenzellen so genannte Gesichtsfeldausfälle: Das
Auge kann nicht mehr alle Bereiche des Blickfeldes gleich gut erkennen. Im Volksmund
ist die Erkrankung auch als Grüner Star bekannt. Deutschlandweit sind Schätzungen
zufolge 800.000 Menschen am Glaukom erkrankt. Rund fünf Millionen Menschen leben
mit einem Glaukom-Risiko.
Das Glaukom ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Jedes Jahr
verlieren 2.000 Deutsche durch ein unbehandeltes Glaukom ihr Augenlicht. Die
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Augenerkrankung entsteht, wenn sich der Augeninnendruck erhöht. Dieser Prozess
verläuft fast immer schleichend und schmerzfrei.
Wie kommt es zu einem erhöhten Augeninnendruck?
Der Augeninnendruck wird über das Kammerwasser reguliert und vom Blutdruck und
dem allgemeinen Gefäßzustand beeinflusst. Damit das Auge seine pralle runde Form
behält und klare Bilder auf der Netzhaut produziert werden, wird es im Inneren des
Auges vom sogenannten Ziliarkörper ständig produziert. Normalerweise fließt das
Kammerwasser durch die Pupille in die vordere Augenkammer. Es wird über Blutgefäße
abgeleitet.
Beim Glaukom gibt es ein Missverhältnis des Zu- und Abfluss des Kammerwassers.
Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck und drückt den empfindlichen Sehnerv so
zusammen, dass dieser absterben kann. Das Gefährliche: Anfangs bemerken die
Betroffenen die Gesichtsfeldeinbußen nicht, weil die Lücken vom Gehirn kompensiert
werden und der Nervenfaserverlust völlig schmerzlos ist. Schleichend verschlechtert
sich also das Sehvermögen. Irgendwann droht die Erblindung.
In neun von zehn Fällen – vornehmlich im höheren Lebensalter – tritt ein sogenanntes
Offenwinkelglaukom auf. Dabei kommt es durch eine Abflussbehinderung des
Kammerwassers direkt im Abflussbereich des Augenwinkels zu der Druckerhöhung im
Auge. Eine weitere, häufige Form des grünen Stars ist das sogenannte
Engwinkelglaukom. Vor allem weitsichtige Menschen sind davon betroffen. Bei ihnen ist
der Kammerwinkel aufgrund des kürzeren Auges (Weitsichtigkeit) zu eng, sodass das
Kammerwasser nur ungenügend abfließt.
Das Risiko für einen Grünen Star steigt ab 40
Statistisch gesehen steigt das Risiko für ein Glaukom ab dem 40. Lebensjahr. Oft kommt
es durch den schleichenden, schmerzlosen Prozess für Patienten aber völlig
überraschend, dass sie einen gefährlich erhöhten Augeninnendruck haben. In der
Glaukomfrüherkennung kann der Augenarzt den Augendruck messen. Der Patient
übernimmt dafür aber die Kosten. Hat ein naher Verwandter ein Glaukom, können
Augenärzte bei diesen Betroffenen die Augendruckuntersuchung im Rahmen der so
genannten "Ordinationspauschale" durchführen. Damit wäre die Untersuchung für die
Untersuchten kostenfrei. Die Ärzte sind dazu jedoch nicht verpflichtet. Die Rechnung
nachträglich bei der Krankenkasse einzureichen, ist jedoch nicht möglich.
Es besteht hier bei der Abrechnung somit leider eine "Grauzone". Man sollte in jedem
Fall seinen Arzt vor der Untersuchung darauf ansprechen. Gibt es in der Familie einen
Betroffenen mit einem Grünen Star, raten Ärzte deutlich vor dem 40. Lebensjahr zu der
Vorsorgeuntersuchung. Die Untersuchung sollte alle 2-3 Jahre wiederholt werden, ab
dem 65. Lebensjahr alle 1-2 Jahre.
Wie der Arzt das Glaukom frühzeitig erkennt
Die Früherkennung verhindert, dass das Augenlicht zerstört wird. Den ersten Hinweis
auf ein Glaukom gibt die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie). Die
Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Ein normaler Augendruck
liegt im Bereich von zehn bis 22 mm Hg. Das Messen des Augeninnendrucks allein reicht
aber nicht aus, um eine sichere Diagnose zu stellen. Denn rund 20 Prozent aller
Glaukom-Patienten haben einen völlig normalen Wert. Wichtig ist deshalb, dass der
Augenarzt zusätzlich den Sehnerv beurteilt. Häufig sieht er am Nerv bereits krankhafte
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Veränderungen, bevor sich seine Funktion verschlechtert. Ist das der Fall, kann der
Augenarzt weitere sinnvolle diagnostische Methoden in Angriff nehmen, wie zum
Beispiel die Vermessung des Gesichtsfeldes und der Nervenfaserschicht.
Wenn sich der Druck plötzlich erhöht
Ein Sonderfall ist der sogenannte Glaukom-Anfall: Dabei steigt der Innendruck plötzlich.
Der Glaukomanfall ist im Gegensatz zum chronischen Glaukom sehr schmerzhaft. Das
Auge ist gerötet, dazu können Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und
Kopfschmerzen kommen. Da letztere oft bei den Beschwerden im Vordergrund stehen,
denken Betroffene, aber auch Ärzte, nicht selten eher an neurologische Erkrankungen
wie einen Migräneanfall oder an einen Schlaganfall. Hinweise auf ein Glaukom können
Sehstörungen in Form von farbigen Ringen sein. In jedem Fall sollte man bei Hinweisen
auf einen Glaukomanfall sofort einen Augenarzt bzw. einen augenärztlichen Notdienst
aufsuchen.
Akut erhalten die Patienten Augentropfen, die den Druck im Auge senken. Kann der
Druck jedoch nicht schnell genug gesenkt werden, erfolgt eine Notfall-Operation. Dabei
wird das im Auge gestaute Wasser abgeleitet. Je schneller Ärzte den Glaukomanfall
durchbrechen, desto besser ist die Prognose langfristig für das Auge. Bei dem
Akuteingriff wird ein neuer Abflussweg für das Augenwasser geschaffen.
Das chronische Glaukom wird medikamentös oder operativ behandelt
Zunächst versucht der Augenarzt, den Augeninnendruck eines Glaukoms mit
Augentropfen abzusenken. Ihm stehen dafür verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung,
somit kann er die Therapie bei Unverträglichkeiten auch wechseln. Die
Tropfenbehandlung erfolgt meist lebenslang. Zudem muss der Patient engmaschig mit
Augendruck-, Gesichtsfeld- und Nervenfaserschichtmessungen kontrolliert werden. Eine
Heilung des grünen Stars ist nicht möglich. Reichen die Medikamente nicht aus, stehen
operative Behandlungsmethoden zur Wahl. Sie verbessern entweder den Abfluss oder
verringern die Produktion des Kammerwassers. Der Eingriff erfolgt mittels Laser oder
Skalpell.
Minimalinvasive Methode mit weniger Risiko
Eine neue Operationsmethode zur Behandlung des Glaukoms ist die sogenannte
Kanaloplastik. Sie wird inzwischen auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Das einfache und minimal-invasive Verfahren verbessert den Abfluss des
Kammerwassers oder stellt ihn überhaupt erst wieder her. Während des Eingriffs führt
der Augenarzt einen Mikrokatheter am Hornhautrand in den Abflusskanal des Auges
und erweitert ihn mittels eines Gels. Dann wird der Katheter aus dem Kanal
zurückgezogen. Ein gespannter Faden hingegen verbleibt im Kanal und hält ihn offen.
Das Kammerwasser kann wieder ungehindert abfließen und der Augeninnerdruck
normalisiert sich. Der Patient ist während des Eingriffs in Vollnarkose. Die Kanaloplastik
kommt zum Einsatz, wenn der Schaden am Sehnerv noch nicht allzu groß ist.
Der Vorteil der Kanaloplastik gegenüber herkömmlichen Operationsmethoden besteht
darin, dass die natürlichen Abflusswege im Auge erhalten bleiben und für den Abfluss
besser genutzt werden können. Bei den anderen herkömmlichen Methoden wird
hingegen ein künstlicher Abfluss unter die Bindehaut geschaffen, was mit mehr Risiken
und Schädigungen für die Patienten verbunden ist. Die Kanaloplastik bringt eine
vergleichsweise schnellere Genesung nach dem Eingriff und somit kürzere Ausfallzeiten
im Privat- und Berufsleben.
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Insgesamt ist es empfehlenswert, so früh wie möglich einmal einen Augenarzt
aufzusuchen. Denn für die weit verbreiteten Krankheiten wie das Glaukom gibt es
individuell angepasste Therapien. Je eher der Augenarzt mit der Therapie beginnt, umso
größer ist hinterher auch der Behandlungserfolg.
Experten im Beitrag und im Studio:
Dr. Matthias Hartmann
Augenärztliche Gemeinschaftspraxis
Ferdinandstr. 34-35
12209 Berlin-Lichterfelde
Telefon.: 030/ 7735 044
www.dochartmann.de
Chefärztin Priv.Doz. Dr. med. Anja Liekfeld
Augenklinik Klinikum Ernst von Bergmann gemeinnützige GmbH
Akademisches Lehrkrankenhaus der Humboldt-Universität Berlin (Charité)
Charlottenstraße 72
14467 Potsdam
Telefon: 0331/ 241 -0
E-Mail: [email protected]
Infos im www:
http://www.glaukom.de/glaukom-wissen-und-vorbeugen/frueherkennung-undaugenaerztlicheuntersuchung/
Infos des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) zum Grünen Star:
http://www.dbsv.org/infothek/augenerkrankungen/gruener-star
Initiativkreis zur Glaukomfrüherkennung e. V.
Niederseeon 33
85665 Moosach
E-Mail: [email protected]
www.glaukom.de
Bundesverband Glaukom-Selbsthilfe e. V.
Wißstr. 9
44137 Dortmund
Telefon: 0231 - 9710 0034
E-Mail: [email protected]
www.bundesverband-glaukom.de
Glaukom-Sprechstunde der Charité Universitätsmedizin Berlin:
http://glaukom.charite.de
Informationsbroschüre des Berufsverbandes der Augenärzte zum Glaukom
www.augeninfo.de/patinfo/glaukom.pdf
Allgemeine Informationen:
Berufsverband der Augenärzte: www.augeninfo.de
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) http://www.dog.org
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Info-Broschüren zu Glaukom: https://www.bundesverband-auge.de/info-broschueren
Minisensor gegen Herzversagen
Eine schwere Herzschwäche muss engmaschig kontrolliert werden. Denn pumpt das
Herz zu schwach, staut sich das Blut im Kreislauf. Die Folge kann lebensbedrohliches
Herzversagen sein. So einen drohenden Zusammenbruch kann man frühzeitig durch
einen neuartigen Sensor erkennen und dann Gegenmaßnahmen treffen. Der Sensor
wird direkt in die Lungenarterie eingesetzt - ganz in der Nähe des Herzens. Die rbb
Praxis hat einen Betroffenen bei diesem Eingriff im Deutschen Herzzentrum Berlin
begleitet.
Rund 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer chronischen
Herzschwäche. Mindestens 300.000 Menschen erkranken jährlich neu. Erste Symptome
sind leichte Atemnot bei Belastung. Betroffene fühlen sich erschöpft, geraten leicht
außer Atem. Die Pumpleistung verfällt schleichend. Warnzeichen für eine Herzschwäche
sind Atemnot, Leistungsabfall und Müdigkeit, sowie Flüssigkeitseinlagerungen, vor allem
in den Beinen und der Lunge. Sie entstehen, weil sich das Blut im Kreislauf staut.
Jedes Jahr müssen fast 400 000 Menschen mit Herzschwäche ins Krankenhaus – so
viele wie bei keiner anderen Erkrankung. Die Herzschwäche gehört zu den drei
häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Fallzahl könnte sogar noch zunehmen,
denn die Menschen werden älter und damit steigt auch die Zahl der schwachen Herzen.
Herzspezialisten implantieren Minisensor bei Herzschwäche
Am Deutschen Herzzentrum Berlin setzen Kardiologen nun ein neuartiges Implantat ein:
Mit dem Sensor können Patienten mit schwerer Herzschwäche engmaschiger überwacht
werden, um einen Kollaps möglichst zu vermeiden.
Er wird minimalinvasiv über einen Katheter in die Lungenarterie eingesetzt. Auf den
Millimeter genau platziert kann er dort lebenslang verbleiben – und den Blutdruck nah
am Herzen messen, in der Pulmonalarterie. Auf drahtlosem Wege werden die
Druckmesswerte an das elektronische System des ambulanten Patienten und weiter auf
eine sichere Website geschickt, wo Ärzte sie einsehen können. Der Patient muss sich
lediglich einmal am Tag auf ein spezielles „Kissen“ legen, um die Messwerte zu
übermitteln. Durch die täglich verfügbaren Daten können die Kardiologen die Patienten
engmaschiger auf die Medikation einstellen. Das Ziel ist, mehr Krankenhausaufenthalte
zu verhindern und die Lebensqualität und das Langzeitüberleben der Patienten zu
verbessern.
Die Telemedizin gilt als Technologie der Zukunft: Die Idee ist bei allen Projekten die
gleiche. Medizinische Informationen werden über größere Entfernungen mittels GSMNetz, Wireless-LAN oder Festnetz an ein telemedizinisches Zentrum gesendet.
Geschultes Personal ruft die Daten rund um die Uhr ab. Spezialisten können so aus der
Ferne Patienten zu Hause betreuen, aber sich auch untereinander austauschen.
Schätzungen zufolge kann Telemedizin beispielsweise bei Patienten mit HerzKreislauferkrankungen die Kosten um mindestens ein Drittel reduzieren.
Experten im Beitrag:
Dr. Felix Schönrath
Oberarzt Herzinsuffizienz
Deutsches Herzzentrum Berlin
Augustenburger Platz 1
5
13353 Berlin
Telefon: 030 – 4593 1000
E-Mail: [email protected]
https://www.dhzb.de/
Prof. Dr. Friedrich Köhler
Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin
Oberarzt für Kardiologie an der Medizinischen Klinik m. S. Kardiologie und Angiologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin Campus Mitte
Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Telefon: 030 - 450 514 184
https://telemedizin.charite.de/
Kann eine Diät Diabetes heilen?
Diabetes ist ein Volksleiden, Experten sprechen von einer drohenden Epidemie. Die
Deutsche Diabetes Gesellschaft zählt jedes Jahr rund 300.000 neue Diagnosen.
Deutschlandweit gibt es sechs Millionen Betroffene. Mit 95 Prozent leiden die meisten
von ihnen an einem Typ 2-Diabetes. Bei dieser Krankheit sprechen Körperzellen immer
weniger auf das blutzuckersenkende Insulin an, das in der Bauspeicheldrüse gebildet
wird. Folge. Der Blutzuckerspiegel steigt. Um die Insulinresistenz zu überwinden,
produziert die Bauchspeicheldrüse daher zunächst immer mehr Insulin. Auf Dauer
schafft die Bauspeicheldrüse das allerdings nicht, und reduziert irgendwann die
Insulinproduktion wieder. Der Diabetes Typ 2 manifestiert sich.
Seit Jahren streiten Experten darüber, wie man das Leiden in den Griff bekommt.
Kritiker des Trends, frühzeitig Insulin zu verordnen, raten, den Schwerpunkt nicht auf
die medikamentöse Behandlung zu legen. Stattdessen solle mehr für einen gesünderen
Lebensstil mit viel Sport und weniger Gewicht getan werden. Das soll das Risiko
verringern, dass die Regelmechanismen für Blutzucker aus der Bahn geraten – und so
dafür sorgen, dass weniger Tabletten oder Insulingaben erforderlich werden.
Tatsächlich gibt es immer wieder Anzeichen dafür, dass eine Umstellung der
Gewohnheiten sogar vielen helfen kann, die bereits regelmäßig Medikamente nehmen.
So wurde schon 2011 das Ergebnis einer kleinen britischen Studie veröffentlicht, bei
der eine achtwöchige Diät mit maximal 600 Kilokalorien die Beschwerden des Diabetes
komplett rückgängig machen konnte. Studienleiter Roy Taylor von der Newcastle
University rekrutierte elf Diabetes-Patienten und verordnete ihnen eine achtwöchige
Diät. Sie führte ihnen nur so viel Energie zu, wie Menschen nach einer Magen-Operation
verdauen können: 800 Kalorien am Tag. Danach kehrten sie langsam wieder zu festem,
aber recht gesundem Essen zurück.
Das Ergebnis war verblüffend: Bei allen elf Patienten verschwand der Diabetes nach acht
Wochen und blieb es bei sieben von ihnen bis zur Nachuntersuchung drei Monate später.
Taylor sah sich auch an, wie die Bauchspeicheldrüse reagierte: Ihr Fettgehalt sank von
durchschnittlich acht auf normale sechs Prozent – und die Insulin produzierenden Zellen
nahmen ihre Arbeit wieder auf. Die Patienten brauchten kein Insulin mehr. Bei etwas
mehr als 40 Prozent der Patienten verschwand in der Folge auch der Diabetes – und
blieb bis zu drei Jahre danach auch weiterhin verschwunden. Durch die kleine Fallzahl
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von nur elf Probanden ist das Ergebnis der Untersuchung zwar nur bedingt
aussagekräftig. Doch es spricht für den Erfolg einer Ernährungsumstellung.
Gerade hat Taylor die nachfolgende größere Studie im Fachjournal „Diabetes Care“
veröffentlicht. 30 Patienten hat er diesmal für seine Radikaldiät gewinnen können. 15
von ihnen hatten den Diabetes seit weniger als vier Jahren, weitere 15 hatten ihn aber
schon länger als acht Jahre. Wieder war die Bilanz sehr gut, vor allem für jene, die ihren
Diabetes seit weniger als vier Jahren hatten: Zwölf von ihnen, also 87 Prozent,
brauchten nach den acht Wochen keine Medikamente mehr. Taylor glaubt, dass jeder
Mensch eine bestimmte Kapazität hat, Fett im Körper zu tolerieren – genetisch
vorgegeben. Alles, was möglich ist, steckt er zunächst ins Unterhautfettgewebe. Reicht
das nicht, lagert sich das Fett in den Organen ab: in der Bauchspeicheldrüse etwa und in
der Leber. Wenn das passiert, wird die Fähigkeit der Organe beeinträchtigt, Insulin zu
produzieren und auf das Hormon zu reagieren. Ist das Fett wieder weg, können auch die
beiden Organe wieder normal arbeiten. Dazu passt auch, dass es für den Blutzuckerwert
der Probanden in der Studie keine Rolle spielte, was sie vor und nach der Diät wogen:
Wichtig war allein, dass sie genügend Gewicht verloren.
Wichtig: Nicht für jeden Diabetiker ist die Rosskur geeignet. Ausgeschlossen ist sie für
Typ-1-Diabetiker und chronisch Kranke, deren Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin
produziert. Experten raten zudem dringend davon ab, die Therapie ohne ärztliche
Begleitung zu starten. Nie sollten insulinpflichtige Diabetiker im Selbstversuch die
Medikamente weglassen und mit einer Crash-Diät, wie der Forscher Taylor sie
untersucht hat, beginnen.
Experte im Beitrag
Dr. Ralf Jordan
Arzt für Innere Medizin und Diabetologe
Diabetologie Steglitz
Gutsmuthsstraße 24
12163 Berlin
Tel.: 030 700 96 23 30
E-Mail: [email protected]
Verdauungstipps zur Weihnachtszeit
Die Advents- und Weihnachtszeit ist die besinnliche Zeit im Kreis der Familie und
Freunde. Und sie ist eine Zeit des Genießens. Bei Kerzenschein gibt es Plätzchen und
Marzipan und die Mahlzeiten fallen üppiger aus als sonst. Das Magen-Darm-System hat
in diesen Wochen wieder allerhand zu tun. Völlegefühl, Blähungen und Sodbrennen sind
häufig das Ergebnis.
Daher gilt generell: Genießen ist erlaubt, aber in Maßen. Süßigkeiten wie Plätzchen,
Marzipan oder Schokosterne sollten generell auf kleine, einmal tägliche
„Genussmengen“ beschränkt werden. Zu viel Zucker liefert viel Energie, aber auch
wenig Vitamine, Mineralstoffe oder Ballaststoffe. Wer den Verdauungsprozess
unterstützen will, kann Ingwertee trinken.
Deftiges Essen kann unangenehme Folgen haben: Blähungen. Vorbeugend kann
Kümmel, dem Essen beigemischt, helfen. Ebenso lindern Kräutertees wie zum Beispiel
Anis, Fenchel oder Kümmel oder ein Teelöffel Heilerde den „Blähbauch“.
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Wissenschaftlich nicht belegt ist hingegen die Wirkung von Artischockensaft bei
Blähungen.
Sodbrennen ist häufig Folge von fettigem Essen. Doch das saure Aufstoßen kann auch
manchmal nach einem Espresso oder nach Cola auftreten. Abhilfe schaffen Mandeln,
andere Nüsse oder trockenes Brot. Sie alle binden Magensäure, die beim Sodbrennen
nach oben steigt. Ein altes Hausrezept gegen saures Aufstoßen ist zudem warme Milch.
Wer den Verdauungsprozess unterstützen will, kann Ingwertee trinken.
Alkohol ist eine Verdauungsbremse
Anders als häufig gedacht ist auch Alkohol eher eine Verdauungsbremse als eine Hilfe.
Denn der Körper baut das Zellgift bevorzugt ab – andere Substanzen werden im
Verdauungsprozess nachgeschaltet behandelt. Ein Magen, der nach einer opulenten
Mahlzeit noch Alkohol bekommt, braucht bis zu anderthalb Mal solange, bis er seine
Arbeit getan hat. Der kleine Schnaps nach dem Gänsebraten ist daher nicht zu
empfehlen - der klassische Verdauungsspaziergang dagegen immer.
Expertin im Beitrag:
Dr. Karen Franz
Dipl.-Ernährungswissenschaftlerin
„Dr. Gola - Institut für Ernährung und Prävention GmbH“
Garbátyplatz 2
13187 Berlin
Telefon: 030 - 47 53 63 66
E-Mail: [email protected]
Internet: www.drgola.de
Wie gesund ist Sauna?
Die einen lieben es in der Sauna - die anderen verstehen nicht, warum sie eigentlich
nackt mit anderen in einem engen, heißen Raum schwitzen sollten. Weil‘s gut für den
Körper ist, heißt es. Aber was macht eigentlich die gesundheitsfördernde Wirkung
genau aus? Und ist Sauna für jeden empfehlenswert? Die rbb Praxis hat alles
Wissenswerte übers Saunieren zusammengetragen.
Wer in die Sauna geht, erlebt nicht nur eine wohlige Mischung von Faulheit und
Erfrischung, sondern tut seinem Körper nachweislich gut. Warum? Bekanntlich ist es
heiß ist der Sauna: In einer klassischen finnischen Sauna herrschen meist
schweißtreibende Temperaturen von 75 bis 110 Grad Celsius. Auch die Hauttemperatur
steigt auf bis auf 40 Grad an. Die Körperinnentemperatur steigt bei jedem Saunagang
um maximal einen Grad. Der Körper beginnt zu schwitzen, um sich abzukühlen.
Sauna bedeutet Hochleistungssport für Kreislauf und Stoffwechsel: Die Blutgefäße
weiten sich, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck sinkt. Damit trotzdem alle Organe
mit Blut versorgt werden, muss das Herz mehr arbeiten. Nur so kommt jetzt noch überall
Blut im Körper an. Jeder Saunagang sollte – um das Herz nicht zu überfordern – maximal
8 bis 12 Minuten dauern. Die Muskulatur entspannt. Die heiße Luft tut zudem der
Schleimhaut gut, sie wird besser durchblutet. Wer Probleme mit den Bronchien hat,
profitiert nachweislich von regelmäßigen Saunagängen. Durch die hohen Temperaturen
werden außerdem der Stoffwechsel und das Abwehrsystem angeregt. Der
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gesundheitliche Vorteil tritt allerdings nur dann ein, wenn der Hitze ein Kälteschock
folgt. Nach zwei bis drei Saunagängen hat der Körper einen Liter Schweiß abgegeben.
Wer mindestens ein halbes Jahr regelmäßig schwitzt, leidet seltener unter Erkältungen,
Wetterfühligkeit oder Schlafproblemen. Sauna trainiert das Herz-Kreislaufsystem und ist
eine Vorbeugung vor Infekten. Heizungstrockene Räume und kühle Nässe können uns
weniger anhaben. Nicht geeignet ist das Schwitzprogramm gegen ungeliebte
Speckröllchen: Auch wenn man nach dem Saunaabend ein Kilogramm weniger auf die
Waage bringt, ist das nur ausgeschwitztes Wasser, keineswegs aber verlorenen Fette.
Insgesamt stärkt die Sauna das Immunsystem.
Achtung Aufguss!
Beim Saunabaden in der finnischen Sauna sollte man mit Aufgüssen vorsichtig sein, falls
man empfindliche Atemwege hat. Denn oft werden den Aufgüssen ätherische Öle
zugesetzt. Diese Aromastoffe können Bronchien und Lunge reizen und zu
unangenehmen Hustenattacken führen. Das gilt besonders für Kinder und Allergiker – da
die ätherischen Öle Luftnot machen können. Auch wer einen niedrigen oder hohen
Blutdruck hat, sollte Aufgüsse meiden.
Sanfte Alternative
Eine sanfte Alternative zur finnischen Sauna ist das „feuchte Warmluftbad“, auch
Saunarium genannt. Hier empfangen den Sauna-Freund eine Temperatur von 50 bis 60°
Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Die niedrigeren Temperaturen fordern
den Kreislauf nicht ganz so stark wie die finnische Sauna – und tun dennoch den
Schleimhäuten gut. Darum können hier auch diejenigen rein, für welche die heißtrockene finnische Sauna tabu ist, wie beispielsweise Patienten mit
Atemwegserkrankungen oder einem milden Bluthochdruck. Ein weiterer Pluspunkt: Man
kann sich mehr Zeit lassen: Bis zu 30 Minuten pro Saunagang kann man die angenehme
Wärme genießen. Ein Gang „ins Warme“ statt „ins Heiße“ lohnt sich in jedem Fall: Die
niedrigeren Temperaturen wirken nach Ansicht von Experten genauso günstig auf
Kreislauf und Immunsystem wie die finnische Sauna.
Abkühlung – Vorsicht bei Bluthochdruck
Egal ob heiße finnische Sauna oder das softe „Warmluftbad“: Die Abkühlung nach jedem
Gang gehört bei beiden dazu. Nur dann ziehen sich die erweiterten Gefäße schnell
zusammen, und der erniedrigte Blutdruck erreicht wieder Normalniveau. Wer dagegen
nach der Sauna zu warm duscht, riskiert einen Blutdruckabfall bis hin zum
Kreislaufkollaps.
Für die richtige Abkühlung läuft man zunächst im Saunagarten oder Frischluftbereich
hin und her, damit der Kreislauf in Schwung bleibt. Hier kühlen die Lungen ab, und der
Körper hat Gelegenheit hat, in eine Übergangsphase zu finden. Luft schnappen sollte
man jedoch nur kurze Zeit, denn der Körper darf nicht auskühlen. Deshalb geht der
nächste Schritt entweder vorsichtig ins Tauchbecken oder unter den kalten
Wasserschlauch. Menschen mit Bluthochdruck sollten eine Abkühlung langsam angehen.
Das Tauchbecken ist für sie keine gute Wahl, denn durch den Kälteschock schnellt der
Blutdruck nach oben – und das kann unter Umständen gefährlich werden. Günstiger ist
das Abkühlen mit dem Kaltwasserschlauch. Dabei duscht man sich von unten nach oben
und von den Extremitäten in Richtung Herz langsam ab.
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Nach der Abkühlung ist ein warmes Fußbad empfehlenswert. Es fördert die
Durchblutung der Haut und erzeugt ein anhaltend wohliges Wärmegefühl von Kopf bis
Fuß. Wer unter kalten Füßen leidet, kann auch mit einem warmen Fußbad beginnen. In
der Sauna dauert es dann nicht so lange, bis der ganze Körper warm wird. Die Füße
sollen übrigens mit der Nase direkt in Verbindung stehen. Sind sie kalt, zieht sich die
Nasenschleimhaut zusammen. Ein warmes Fußbad durchblutet also die Nase und stärkt
die Abwehr.
Am Ende ruhen und viel trinken
Ausklingen lässt man den Saunabesuch mit einer Ruhephase. Dabei sollte man viel
trinken, um die ausgeschwitzte Flüssigkeit zu ersetzen. Dafür eignen sich Mineralwasser
und alkoholfreie Schorlen. Alkoholhaltige Getränke hingegen trocknen die Schleimhäute
dagegen aus, die aber zur Abwehr von Infekten am besten feucht bleiben.
Fazit: Sauna ist gesund, sofern man nicht übertreibt. Einmal pro Woche ist Experten
zufolge ideal. Einer aktuellen Studie aus Finnland zufolge soll häufigeres Saunieren als
zwei bis dreimal die Woche sogar das Risiko senken, an einem Herztod zu sterben. Wer
unsicher ist und unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet, sollte vor dem Saunieren zum
Arzt.
Wann ist Saunen nicht empfehlenswert?
Zum Beispiel bei einer Erkältung raten Experten hingegen von der Sauna ab. Der
Wechsel von heißen und kalten Temperaturen schwächt den Körper. Anders als oft
behauptet lässt sich eine Erkältung also nicht wegsaunieren oder vor Ausbruch stoppen.
Auch Menschen mit entzündlichen Hauterkrankungen, mit akuten Venenleiden wie
Thrombosen oder entzündlichen Veränderungen im Bereich des Venensystems sollten
von dem Saunieren absehen. Krampfadern und Besenreiser können sich durch die
stärkere Durchblutung verschlechtern. Betroffene sollten sich in der Sauna nur auf die
untere Bank setzen oder die Beine hoch lagern.
Expertin im Beitrag
Dr. Anett Reißhauer
Oberärztin
Centrum Innere Medizin und Dermatologie
Arbeitsbereich Physikalische Medizin
Charité – Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Telefon: 030 – 450 517 082
Weitere Informationen:
Sauna im Paracelsus-Bad
Roedernallee 200-204
13407 Berlin – Reinickendorf
Tel.: 030 / 22 19 00 11
http://www.berlinerbaeder.de/baeder/paracelsus-bad/
Infos im www:
Therme und Sauna in Berlin und Brandenburg
http://www.berlin.de/special/gesundheit-und-beauty/therme-und-sauna/
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Sauna in den Berliner Bädern
http://www.berlinerbaeder.de/sauna/
Informationen rund um die Sauna und Adressen von Sauna-Bädern in ganz Deutschland:
Deutscher Sauna-Bund e.V.
Kavalleriestr. 9
33602 Bielefeld
Tel.: 0521 – 966 79-0
Email: [email protected]
http://www.saunabund-ev.de/
RBB
„rbb Praxis“
Masurenallee 8 –14
14057 Berlin
www.rbb-praxis.de
Redaktion:
Redaktionsassistenz:
Moderation:
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Stand der Information:
Juliane Rossius
Manuela Grimm
Raiko Thal
Beate Wagner
07.12.2016
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