Robert Schumann Konzertstück für vier Hörner und Orchester

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Robert Schumann
Konzertstück für vier Hörner und Orchester
Donnerstag, 12. November 2015, 19.30 Uhr
Wiesloch, Palatin
Montag, 23. November 2015,
Freiburg, Konzerthaus, Rolf-Böhme-Saal
Konzerteinführung 19 Uhr
Probenbesuch am 10.11. möglich („Musik macht Schule“)
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Dirigent: François-Xavier Roth
Empfohlen ab Klasse 8
Erstellt von Siegfried Schmollinger
Inhalt
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Robert Schumann – ein bedeutender Komponist der Romantik
Schumanns Kompositionen für Horn
Das Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester op. 86
Unterrichtliche Anmerkungen
Hinweise zu den Interpreten und zum Orchester
Quellen / Tonträger
Materialien für den Unterricht
S. 2
S. 4
S. 6
S. 8
S. 9
S. 10
S. 11
1. Robert Schumann – ein bedeutender Komponist der Romantik (1810 – 1856)
Robert Schumann, geboren 1810 in Zwickau, ist einer der bedeutendsten Komponisten der
Romantik. Aufgewachsen in einem literarischen Umfeld – der Vater führte eine Buchhandlungs- und Verlagsfirma – konnte sich Schumann lange nicht entscheiden, ob er die schriftstellerische oder die musikalische Laufbahn einschlagen
sollte. Er entschied sich, Klaviervirtuose zu werden, allerdings blieb seine schriftstellerische Tätigkeit zeitlebens
erhalten. Nach einem Jurastudium in Leipzig, bei dem er
mehr seinen literarischen und musikalischen Interessen
nachging, nimmt Schumann Klavierunterricht bei Friedrich Wieck in Leipzig. Dessen 9-jährige Tochter Clara zeigte 1828 eine außergewöhnliche pianistische Begabung.
Nach einem kurzen Studium in Heidelberg folgen umfangreiche Reisen, die Schumann bis nach Italien führten.
Ein Schlüsselerlebnis um die Musikerlaufbahn einzuschlagen war für Schumann ein Auftritt Paganinis 1830 in
Frankfurt. Um seine Klaviertechnik schneller voranzubringen, löste der Einsatz einer Übemaschine eine Entzündung und zeitweilige Lähmung der
Hand aus. !830 zog Schumann ins Haus Wieck und lernte dort bedeutende Persönlichkeiten
der Literatur und Musik kennen. Neben seinem Klavierstudium bei Wieck befasste er sich bei
H. Dorn mit Komposition. Er bezeichnete sich aber später als Autodidakt. Für Schumann war
das Klavierspiel Ausdruck seiner Stimmungen. Er versuchte alle Möglichkeiten des Klaviers
auszuloten mit vielfältiger Kammermusik, mit virtuosen und humoristischen Auftritten in
Gesellschaften und stellte immer wieder sein Improvisationsgeschick unter Beweis.
Eine berufliche Neuorientierung erfolgte, als er miterlebte wie die zwölfjährige Clara Wieck
die schwierigen Chopin Variationen über Mozarts Là ci darem la mano in nur acht Tagen
einstudierte. Schumann musste erkennen, dass er diesem Werk nicht gerecht werden konnte und widmete sich nun verstärkt seinen Kompositionen zu. In den Jahren 1833 bis 1836
entstehen bedeutende Klavierkompositionen. Eine Beziehung zu Clara bahnt sich an. Die
Widmung des Drucks von op. 11 an Clara erzürnte den Vater Wieck so sehr, dass er sich jahrelang einer Heirat widersetzte.
1833 scharten sich um Schumann und Wieck eine Reihe junger musikinteressierter Freunde,
die die Untrennbarkeit von Kunst und Gesellschaft propagierten. Diese Gruppe publizierte
1834 die Neue Leipziger Zeitschrift für Musik und es wurden im ersten Vierteljahr schon 300
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Abonnenten gewonnen. Für Schumann bedeutete dies eine wirtschaftliche Absicherung.
Nach Unstimmigkeiten zwischen den Herausgebern übernahm Schumann als Redakteur und
Herausgeber die musikalische Zeitschrift unter der Bezeichnung Neue Zeitschrift für Musik.
Robert Schumann publizierte in dieser Zeitschrift richtungsweisende Artikel, setzte sich für
junge Musiker und Komponisten ein. Diese Zeitschrift, die sich um zeitgenössische Musikströmungen befasst, besteht bis heute.
Robert Schumanns Leben war durchzogen von Phasen der Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Depression, bei denen seine Kompositionsarbeit teils völlig zum Erliegen kam. Andererseits gab es Abschnitte höchsten Glücks mit unbändigem Schaffensdrang. „Zum Schaffen und dass es Einem gelinge, gehört Glücklichsein und tiefe Einsamkeit.“1 Nach seiner Eheschließung mit Clara Wieck 1839 entstanden 1840 in einer Phase des Glücks über 138 Lieder.
Dass sich Schumann nun fast ausschließlich der Liedkomposition zuwandte hatte auch den
Hintergrund, dass er von seinen Verlegern für diese beliebte Gattung mehr Geld erhielt. Die
letzten beiden Liedzyklen op. 37 und op. 12 wurden von Robert und Clara gemeinsam komponiert. In dieser Zeit entstehen auch drei seiner Symphonien sowie das Klavierkonzert aMoll. In Mendelssohn fanden Clara und Robert Schumann einen Freund und Förderer, der
sich für die Aufführung von Schumanns Kompositionen in Leipzig einsetzte und mit Clara
mehrfach auftrat. In seiner „Neuen Zeitschrift für Musik“ würdigt Schumann Mendelssohns
Wirken als Dirigent und Komponist.
1842 beschäftigte Schumann sich intensiv mit Kammermusik. Es entstanden Streichquartette
(op. 41), das Klavierquartett (op. 47), das Klavierquintett (op.44) sowie 4 Phantasiestücke
(op. 88). Die Jahre 1843/1844 waren gezeichnet durch Schumanns gesundheitliche, berufliche und private Krisen.
Im 1843 neugegründeten Leipziger Konservatorium übernimmt Schumann Lehraufträge für
Klavier, Komposition und Partiturspiel. Seine introvertierte Art zeigte jedoch bald, dass er für
diese Aufgabe nicht geeignet war. Auch sein erstes Dirigat mit dem Leipziger Gewandhausorchester war überschattet von Verständigungsschwierigkeiten. Mit seinem leisen Sprechen,
seiner Wortkargheit und seiner Kurzsichtigkeit, die den Blickkontakt zu den Ausführenden
behinderte, waren keine guten Voraussetzungen zum Kapellmeister gegeben. Dies steht im
Gegensatz zu seinen schriftstellerischen Fähigkeiten und zu seinen begeisternden musikalischen und erzählenden Darbietungen im häuslichen Kreis. Dass er bei der Besetzung des
Gewandhaus-Kapellmeisters nicht berücksichtigt wurde, stürzte Schumann in eine tiefe Krise. Die Familie verließ Leipzig und ließ sich in Dresden nieder. Zudem war für ihn die erfolgreiche Konzerttätigkeit von Clara belastend. In diese Zeit fällt auch der Verkauf seiner Zeitschrift. Schumann wendet sich nun der Oper zu, wobei seiner einzigen Oper „Genoveva“ op.
81 (1847/48) der Erfolg versagt bleibt.
Claras Klaviertrio g-moll op. 17, entstanden 1847, spornte Robert an, sich ebenfalls dem Klaviertrio zuzuwenden. Es entstanden die Klaviertrios d-moll op. 63 und F-Dur op. 80. In der
Folgezeit konzertierte das Ehepaar Schumann mit glanzvollen Klavier- und Kammermusikauftritten, insbesondere für die angesehenen Gesellschaftskreise. Als Folge der Revolution
widmete sich Schumann nun auch als Chorleiter vermehrt der Laien- und Liebhabermusik,
sowie der Musik für Kinder. Aus dem Geschenkalbum für seine Tochter Marie zum siebten
Geburtstag entstand das „Album für die Jugend“ op. 68 mit bekannten Charakterstücken wie
„Wilder Reiter“ (Schaukelpferdreiter) und „Fröhlicher Landmann, von der Arbeit zurückkehrend“. Die „Kinderszenen“, leichte Stücke für das Pianoforte op. 15 mit dem Ohrwurm
„Träumerei“ entstanden 1837/38.
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Aus einem Brief an seine spätere Frau Clara Wieck, 1838
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Die Fertigstellung der Faust-Szenen 1849, nach jahrelanger Beschäftigung mit diesem Thema, versetzen Schumann in einen regelrechten Schaffensrausch, bei dem eine Vielfalt an
Kompositionen entstehen u.a. Chorwerke, Kammermusik und Orchesterwerke. Schumann
nennt das Jahr 1849 sein „fruchtbarstes Jahr“. In dieser Zeit entsteht das “Konzertstück für
vier Hörner und großem Orchester“ op.86. In nur drei Tagen skizziert er das Werk und bietet
es schon vier Wochen später seinem Verleger Simrock an. Fast gleichzeitig entsteht das Konzertstück für Klavier und Orchester G-Dur op. 92 und das berühmte Violoncellokonzert in amoll op. 129 (1850).
Nachdem Schumann mit den musikalischen Verhältnissen in Dresden unzufrieden war, nahm
er 1850 in Düsseldorf die Stelle des Musikdirektors an. Mit großen Erwartungen wurden Robert und Clara Schumann in Düsseldorf aufgenommen. Die in einem
Abonnementskonzert uraufgeführte Es-Dur Sinfonie op. 97 erhielt den
Namen „Rheinische Sinfonie“. Ab 1853 verschlechterte sich der
Gesundheitszustand Schumanns zusehens. Unbemerkt entfernte er sich
aus seinem Arbeitszimmer und stürzte sich von einer Schiffsbrücke in
den Rhein. Von Brückenwärtern wurde er gerettet und anschließend
von seinem Arzt in die Irrenanstalt in Endenich bei Bonn eingewiesen.
In Schumanns umfassendem Opus finden sich alle musikalischen Gattungen oft mit neuen Aspekten. Er schreibt ein Oratorium für den Konzertsaal, komponiert Sinfonie und Konzert in einem Satz, für Satzbezeichnungen verwendet
er deutsche Begriffe und befasst sich mit der Musik für Kinder.
1956 erschienen in der DDR zum 100.Todestag Schumanns zwei Gedenkmarken, dabei wurde zunächst nicht bemerkt, dass hinter Schumanns Bildnis Schuberts Notenhandschrift
„Wanderers Nachtlied“ zu sehen war. Die Marken wurden eingestampft und in der berichtigten Fassung ein Auszug aus Schumanns „Mondnacht“ hinterlegt.
mit Schuberts „Wanderers Nachtlied“
berichtigte Fassung
2. Schumanns Kompositionen für Horn
Das Waldhorn übte auf Schumann eine besondere Anziehung aus. Es war der dunkle, volle
Klang, der mit anderen Instrumentengruppen gut mischbar war. Auch im 19. Jhd. galt das
Horn als Symbol für die Jagd und den Wald sowie für die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe und Geborgenheit. Im Jahr 1849 komponierte Schumann drei Solowerke für Horn, was für
die damalige Zeit ungewöhnlich war. Zunächst komponierte Schumann das „Adagio und Allegro“ op. 70 für Horn, Violine, Violoncello und Klavier. Ein Notenausschnitt zeigt, dass dieses
Werk in Fis-Dur mit dem bisher gebräuchlichen Naturhorn kaum spielbar war.
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Mit dem Naturhorn konnten nur die Töne der Naturtonreihe gespielt werden.
Mit der seit 1737 üblichen Stopftechnik, bei der der Spieler die Hand in den Schalltrichter
legte und auf diese Weise den jeweiligen Naturton um einen halben Ton erniedrigen konnte,
war es möglich weitere Töne zur Naturtonreihe zu spielen. In der 2. Oktave waren damit
diatonische Tonschritte möglich, in der 3. Oktave sogar das Spiel einer chromatischen
Tonreihe.
Mit der von Heinrich Stölzel und Friedrich Blühmel 1818 patentierten Erfindung, mit Hilfe
von Ventilen dem Rohr der Blechblasinstrumente verschieden lange Rohrbögen zuzuschalten, wurde die Spieltechnik revolutioniert. In seinem Patentantrag weist
Stölzel daraufhin, dass auf seinem Waldhorn „alle Töne, zwischen den
tiefsten und höchsten, ohne die Hand in das Schallstück zu stopfen, mit
gleicher Reinheit und Stärke“, gespielt werden können. Die Gegner dieser Errungenschaft kritisierten, dass die Differenzierung zwischen offen
geblasenen und gestopften Tönen nicht mehr gegeben sei.
Schumann, der Neuerungen positiv gegenüberstand, erkannte die erweiterten spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten und verwendet ab 1848 das Ventilhorn in seinen Werken, was auch zur weiteren Verbreitung des Ventilhorns beigetragen hat.
In seinem Konzertstück op. 86 , das am 12.11.2015 in Wiesloch aufgeführt wird, beschreitet
Schumann neue Wege, indem er gleich 4 Ventilhörner solistisch einsetzt. In den Orchesterstimmen sieht er allerdings 2 Naturhörner vor. Das Werk stellt nicht nur an den 1. Hornisten hohe technische Anforderungen, schnelle Läufe, Sprünge und Spitzentöne bis in die
höchste Lage wechseln sich ab. Im dritten Teil des Werks gibt es Stellen, die für den 1. Hornisten fast unspielbar sind, so dass die Originalstimme meist auf die vier Hörner verteilt wird.
Die Uraufführung erfolgte 1850 im Gewandhaus in Leipzig. Der 1. Hornist, Eduard Pohle,
benutzte dabei allerdings ein Naturhorn, mit dem er die Spitzentöne sicherer zu treffen erhoffte.
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Ausschnitt aus dem Konzertprogramm der Uraufführung am 25.2.1850 im Gewandhaus
Leipzig
Der von einem Zuhörer handschriftlich vermerkte Eintrag „schwer und zu lang“, ist heute nur
teilweise nachvollziehbar. Es ist richtig, dass das Werk für die Solisten äußerst schwierig ist,
andererseits klingt das 20-minütige Werk recht frisch mit vielfältigen Klangkombinationen
und ist für den heutigen Hörer kurzweilig.
1849 komponierte Schumann ein weiteres Werk für Männerchor und vier Hörnern: „Fünf
Gesänge aus H. Laube’s Jagdbrevier“ mit 4 Hörner ad lib. op. 137.
3. Robert Schumann – Konzertstück für 4 Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86 (1849)
Versteht man unter Konzertstück in der Musik ein einsätziges Werk für Soloinstrumente, so
handelt es sich bei Schumanns Konzertstück für 4 Hörner um ein dreisätziges Werk. Die einzelnen Sätze gehen ineinander über, wobei die einzelnen Motive in Schumannscher Eigenart
satzübergreifend vorkommen.
Das Solistenquartett setzt Schumann teils solistisch, dann aber in ein abwechslungsreich gestaltetes Zusammenwirken mit dem Orchester satztechnisch meisterhaft ein. Mit den Ventilhörnern war zum ersten Mal das gesamte Tonspektrum spielbar. Vom Publikum wurde
dieses Werk von Anfang an mit Begeisterung aufgenommen. Wegen den extremen Schwierigkeiten wird diese Komposition selten aufgeführt. Mit diesem Konzertstück gelang Schumann ein frisches und farbenfrohes Musikstück.
Im 1. Satz (Lebhaft, 4/4 Takt) beginnt das Hornquartett sofort nach zwei Tutti-Schlägen mit
einem fanfarenartigen Triolenmotiv.
Hörbeispiel 1: Beginn 1. Satz
Notation 1
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Als Gegensatz zum frischen Anfangsmotiv folgt eine lyrisch-elegische zweiteilige Melodie, die
im weiteren Verlauf des Satzes immer wieder variierend auftritt. Das Triolenmotiv tritt immer wieder als Kontrast hinzu.
Hörbeispiel 2: Legatomelodie aus 1. Satz
Geschickt verbindet Schumann die Aufgaben des Orchesters und der Solisten. Im Durchführungsteil stehen Variationen und Umformungen des lyrisch-elegischen Themas im Vordergrund mit Unterbrechungen leidenschaftlicher Steigerungen und frischem Vorwärtstreiben.
Der 2. Satz (Romanze – ziemlich langsam, doch nicht schleppend, d-moll, ¾ Takt) ist dreiteilig
angelegt und wird von einer melancholischen Stimmung beherrscht. Der Tonumfang der
solistischen Hörner ist hier in der mittleren Lage, wodurch der dunkle, warme Ton der Hörner besonders zur Geltung kommt.
Hörbeispiel 3: Thema der Romanze
Der B-Dur-Mittelteil klingt heller und besitzt ein Thema mit einer akkordisch gesetzten
Chromatik. Die Holzbläser und Streicher geben dieses Thema an die Solistengruppe weiter.
Hörbeispiel 4: B-Dur- Mittelteil, Hornistengruppe
Trompetensignale leiten zum 3. Satz (Sehr lebhaft, F-Dur, 2/4 Takt) über, einem schwungvollen, virtuosen Satz, der thematische Gedanken aus dem 1. Satz wieder aufgreift, sowie auch
die im Mittelteil des 2. Satzes vorherrschende, getragene Motivik in variierter Gestalt anklingen lässt. Die Solisten werden in diesem Satz an ihre spieltechnischen Grenzen geführt mit
halsbrecherischen Intervallsprüngen, gemeinsamen schnellen Läufen, kurzen rhythmischen
Einwürfen und Spitzentönen und dies in einem bis zum Ende des Satzes beschleunigten
Tempo.
Hörbeispiel 5: Anfang 3. Satz
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4. Unterrichtliche Anmerkungen
Das Abendkonzert in Wiesloch bietet für den Unterricht eine Fülle von Ansätzen für die Instrumentenkunde. Treten in Haydns „Sinfoninia concertante“ Oboe, Fagott, Violine und Violoncello solistisch auf, so sind es in Schumanns Hornkonzert vier Solohörner.
An den beiden Texten M1 und M2 können sich die Schüler/innen über Schumann und das
Waldhorn informieren. Weitere Informationen sollten in Lexika oder durch Internetsuche
erfolgen.
Aus den Texten sollte der Begriff „GEMA“ (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und
mechanische Vervielfältigungsrechte) geklärt, sowie deren Aufgabengebiete aufgezeigt werden. Auch die Bezeichnungen „op.“ (Werknummer) und „Gewandhauskonzert“ (Konzertgesellschaft, die nach dem alten Leipziger Gewandhaus benannt ist) bedürfen einer Erläuterung. In Wiesloch findet das Konzert im Paladin statt.
An der Wave-Darstellung des 2. Satzes können die 3 Teile erkannt werden (Teil A bis 2’30;
Teil B bis kurz vor 4’; Teil A’ bis Schluss). Gut vergleichen läßt sich der Anfang der Teile A und
A’.
Aus dem Wave-Bild des 3. Satzes lassen sich klangliche Erwartungen herauslesen: u.a. lebendiger Verlauf des Satzes, der kompakte Schluss, der letzte Teil besteht aus Beifall.
Robert Schumann hat für die damalige Zeit „Musikalische Haus- und Lebensregeln aufgestellt:
– Singe fleißig im Chor mit. Dies macht dich musikalisch!
– Du musst nach und nach alle bedeutenderen Werke aller bedeutenden Meister kennenlernen!
– Suche unter deinen Kameraden die auf, die mehr wissen!2
Die Aussage der Regeln versuchen wir auf die heutige Zeit zu beziehen. Wir stellen musikalische Regeln auf, die für uns heute bedeutsam sind, z.B.
– Vermeide laute Musik. Dein Gehör wird dadurch geschädigt!
– Höre Musik verschiedenster Richtungen. Dein Hörspektrum wird dadurch erweitert
und dein musikalischer Geschmack wird offener!
2
siehe u.a. in „Deutsche Musikkunde“, Berlin 1961, S. 124/125
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5. Interpreten / Orchester
Die vier Solohornisten:
Peter Bromig ist seit 1980 Solohornist des SWR Sinfonieorchesters. Er wirkt bei verschiedenen internationalen Kammermusikfestivals mit und tritt im In- und Ausland
solistisch auf.
Marc Noetzel war von 1994 bis 1997 Mitglied der Baden-Badener Philharmonie. Seit
2000 ist er Mitglied des SWR Sinfonieorchesters. Kammermusikalische Tätigkeiten
u.a. mit dem Consortium Classicum, dem Ensemble Recherche und dem Albert
Schweitzer Bläserensemble.
Benno Trautmann ist Preisträger beim Deutschen Hochschulwettbewerb sowie beim
internationalen Kammermusikwettbewerb in Martigny.
Sein Interesse gilt zeitgenössischer sowie grenzüberschreitender, improvisierter Musik. Er wirkt in Ensembles für zeitgenössische Musik wie z.B. "Ictus" (Brüssel) mit, ist
Initiator des "Modal Tapestry Orchestra", das klassische indische, westliche und improvisierte Musik zu einem neuen Ganzen verwebt.
Als Gast war Benno Trautmann mit "Eurasian Rung" (Japan) auf Japantour (Improvisation mit Einflüssen aus Jazz, Worldmusic und traditionell japanischer Musik). Seit
1981ist er Mitglied des SWR Sinfonieorchesters.
Horst Ziegler gehörte verschiedenen Klangkörpern an: 1979 Junge Deutsche Philharmonie, 1981 Düsseldorfer Philharmoniker, Deutsche Oper am Rhein,
1983 Bayreuther Festspielorchester.
Mitglied des Ensemble Sorpresa, Karlsruhe.
Solistische Konzerte, sowie Lehrtätigkeit in Form von Privatunterricht.
Seit 1985 Mitglied des SWR Sinfonieorchesters.
Es musiziert das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg.
https://de.wikipedia.org/wiki/SWR_Sinfonieorchester_Baden-Baden_und_Freiburg
Dirigent: Francois-Xavier Roth
https://de.wikipedia.org/wiki/François-Xavier_Roth
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6. Quellen
Bildwörterbuch Musikinstrumente, Schott, Leipzig 1987
Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Personenteil Bd. 15, Stuttgart 2006;
Sachteil Bd. 4, Stuttgart19 96
Janetzky K./Brüchle,B., Das Horn, Schott, Mainz 1984
Rehberg, Karl, Deutsche Musikkunde, Merseburger, Berlin 1961
Robert Schumann, Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Berlin 1922
Schumann-Portal, http://www.schumann-portal.de/
Stauder,W., Das kleine Buch der Musikinstrumente, Lebendiges Wissen, Frankfurt
a.M. 1957
Tonträger
R.Schumann, Konzertstück für 4 Hörner und Orchester F-dur op.86, Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, Leitung: Kent Nagano
Verschiedene Konzertaufnahmen bei youtube, z.B. mit dem Orquesta de la ESMUC
en Barcelona https://www.youtube.com/watch?v=JZa3DG0Eca8
Partitur
http://imslp.org/wiki/Concertpiece_for_Four_Horns_and_Orchestra,_Op.86_(Schum
ann,_Robert)
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7. Materialien für den Unterricht
M 1 Robert Schumann, nicht nur ein Meister des Lieds
„Es ist des Lernens kein Ende!”
aus ”Musikalische Haus- und Lebensregeln”
von Robert Schumann
Robert Schumann wurde 1810 in Zwickau geboren und wuchs
in einem Haus auf, in dem Bücher eine große Rolle spielten.
Sein Vater war Verlagsbuchhändler. In einer Zeit, die weder
Radio, Fernsehen, Computer noch CDs kannte, waren Bücher
ein wichtiges Informationsmittel und die Menschen der damaligen Zeit haben außerordentlich viel gelesen. Robert wurde zum
Bücherwurm und kannte bald alle wichtigen Bücher der damaligen Zeit. Sein größter Wunsch war, selbst Dichter zu werden.
Doch da starb sein Vater und auf Wunsch der Mutter studierte Robert Rechtswissenschaften. Doch statt zu studieren musizierte und komponierte er. Beim damals berühmtesten
Klavierlehrer, Friedrich Wieck, erlernte er das Klavierspiel. Seine Fortschritte waren so groß,
dass Robert bald auf Konzertreisen gehen konnte. Auf diese Weise konnte er Geld verdienen
und seine Klavierstücke bekanntmachen.
Mit der Geläufigkeit seines Ringfingers war Robert gar nicht zufrieden. Wenn du die Finger
deiner Hand auf den Tisch stellst und den Ringfinger mit dem Kleinen Finger abwechselnd
bewegen willst, merkst du, dass diese beiden Finger nicht leicht zu bewegen sind. Robert
baute sich zum Training seines Ringfingers eine Vorrichtung. Der Finger wurde an eine
Schnur angebunden die über ein Rad an der Decke geführt wurde. Auf der anderen Seite
hängte Robert verschiedene Gewichte an. Stundenlanges Üben stärkte den Finger nicht,
doch seine rechte Hand war zeitweise gelähmt. Damit war der Traum, Pianist zu werden,
aus.
Seit 1834 gibt Robert Schumann zusammen mit einigen Freunden eine Zeitschrift heraus. Die
„Neue Zeitschrift für Musik” übernimmt Schumann 1835 als Chefredakteur und stellt seine
schriftstellerische Begabung unter Beweis. Er setzt sich für die Verbesserung der sozialen
Lage der Musiker ein und möchte einen Schutz für die Kompositionen einführen. Heute sind
alle musikalischen Werke durch die GEMA geschützt. Waren die Vortrags- und Satzbezeichnungen bisher italienisch oder französisch, so möchte er diese nun mit deutschen Begriffen
ausdrücken.
Im dreisätzigen Konzertstück für 4 Hörner und großem Orchester F-Dur op. 86, bei dem die
Sätze ineinander übergehen, verwendet Robert Schumann die Satzbezeichnungen:
Lebhaft – Romanze, ziemlich langsam, doch nicht schleppend – Sehr lebhaft.
Nachdem Schumann als Pianist nicht mehr auftreten konnte, wandte er sich vermehrt dem
Komponieren zu. Noch heute bekannte Klavierstücke wie „Kinderszenen” entstanden oder
eine Vielzahl von romantischen Liedern mit gefühlvollen Stimmungen wie „Mondnacht” mit
Texten von Eichendorff und anderen bekannten Dichtern. Seine Ehefrau Clara, eine hervorragende Pianistin und Tochter seines Klavierlehrers bereiste mit Schumann ganz Europa.
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Allerdings gab es häufig Streit, da seine Frau viel lieber die Klavierkompositionen anderer
spielte. Clara gab ihre Solistenlaufbahn auf, um den Haushalt mit den 7 Kindern zu führen.
In den letzten Lebensjahren wurden Roberts finanzielle Probleme gemindert. Er erhält die
Stelle des Städtischen Musikdirektors in Düsseldorf.
Seine Werkliste wird immer umfangreicher: Klavierstücke, Kammermusikwerke, Sinfonien,
Konzerte, Ouvertüren und Chorwerke.
Bald jedoch macht sich bei Schumann ein Nervenleiden bemerkbar. Er springt in den Rhein,
wird aber gerettet. In geistiger Umnachtung stirbt er 1856 in der Anstalt Endenich bei Bonn.
M 2 Das Waldhorn, ein Blechblasinstrument mit langer Geschichte
Besorge dir Schlauchstücke in verschiedenen Längen und versuche damit Töne zu erzeugen.
Wenn du ein Mundstück eines Blechblasinstruments zur Verfügung hast, lassen sich die Töne
leichter bilden.
Um Signale zu geben, benutzten die Menschen in früherer Zeit Tierhörner. Nachdem die Instrumentenbauer es verstanden, Messingbleche zu walzen und daraus konische Röhren herzustellen, wurden die Signalhörner aus Metall gebaut. So verwenden die Nachtwächter und
Türmer zum Melden von Gefahren oder des Abblasens der Stunden die metallenen Hörner.
Jäger führten Jagdhörner mit sich, um Signale bei der Jagd zu geben. Sogar die Metzger gaben mit ihren Hörnern Signale ab, um anzukündigen, dass sie bereit waren, auf ihren Fahrten
zum Einkauf von Schlachtvieh von Ort zu Ort Briefe und Nachrichten mitzunehmen. Dies waren die Anfänge der Post. Das Posthorn war zunächst etwa 50 cm lang. Darauf konnte der
Postillion gerade 2 verschiedene Töne blasen. Bald wurde erkannt, dass mit langen, schlanken Röhren mehr Töne erzeugt werden können.
Mit dem Posthorn wurden Signale über die Ankunft oder Abfahrt der Postkutsche oder beim
Einfahren in Hohlwege gegeben. Manchmal spielte der Postkutscher auch zur Unterhaltung
der Reisenden.
Auf dem Naturhorn konnten aber nur bestimmte Töne geblasen werden, wie du auch beim
Spiel auf einem Gartenschlauch feststellen kannst. Wenn ein Hornist in einem Orchester
mitspielte, konnte er nur diese Töne spielen. Da entdeckte ein Hornist, dass beim Einführen
der rechten Hand in den Schallbecher auch weitere Töne erzeugt werden können. Dies
nennt man die Stopftechnik. Das Horn-Mundstück ist trichterförmig ausgebohrt, dadurch
wird der Ton angenehmer und voller.
Der Musiker und Komponist Heinrich Stölzel meldete 1818 zusammen mit Friedrich Blühmel
beim Patentamt in Berlin eine bahnbrechende Erfindung an. Er baute in das Horn Ventile ein,
mit denen während des Spiels die Rohrlänge verändert werden kann und somit auch alle
Töne erzeugt werden können. Diese Erfindung wurde von den Hornisten zunächst nur ungern angenommen.
Das Horn, auch Waldhorn genannt, war ein Lieblingsinstrument des Komponisten Robert
Schumann. Er schätzte den warmen, vollen Klang, der sich mit allen Orchestergruppen gut
mischen lässt. Nachdem durch die Erfindung des Ventilhorns alle Töne gespielt werden
konnten, kündigte Schumann seinem Verleger etwas „ganz Curioses, etwas was bis jetzt
noch nicht existiert hat” an. In dem Konzertstück für 4 Hörner berücksichtigt Schumann alle
Möglichkeiten, die dem Horn klanglich und spieltechnisch gegeben sind. Das äußerst virtuo12
se Stück wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Mit seinem Konzertstück für 4 Hörner und Orchester verhalf er dem modernen Waldhorn, dem Ventilhorn, zum Erfolg.
Im ersten Teil verwendet Schumann vorwiegend Signal- und Jagdmotive. In der Romanze
schwelgt die Musik in sehnsuchstvoll-romantischen Melodien. Im letzten Teil zeigen die Solisten ihr virtuoses Können im fröhlich ausgelassenen Wechselspiel mit dem Orchester.
Das Waldhorn hat meist eine Grundstimmung in F. Die Rohrlänge beträgt bei diesem Instrument etwa 370 cm. Du kannst dir vorstellen, dass dieses Rohr unbedingt gebogen werden
muss, um spielbar zu sein.
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