Magen wird zum Schlauch (HZ v. 06.07.2016)

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Stadt und Land
Magen wird zum Schlauch
Henner & Marie
Moderne
Technik
D
ie Anna hat sich nach
drei Jahren von ihrem
Alten getrennt und hat
jetzt einen Neuen. Die äußere
Erscheinung ist auch fast
gleich geblieben, an die sogenannten inneren Werte muss
sich die Gute allerdings erst
noch etwas gewöhnen.
So hat der kleine Flitzer
zwar alle möglichen technischen Funktionen, der Ablageraum ist jedoch ziemlich begrenzt. Auch der Schlüssel, der
eigentlich kein Schlüssel ist,
und einige andere Dinge, die
sich verändert haben, sind
noch gewöhnungsbedürftig.
Das komischste für die Anna
ist aber der nicht vorhandene
CD-Player. Schließlich war das
Auto bisher der einzige Ort, an
dem noch CDs gehört wurden.
Aber die sind jetzt offenbar
out, wozu gibt es Playlists auf
dem Smartphone und USB? Daran hatte die Anna beim Bestellen gar nicht gedacht. Womöglich war sie zu geblendet
von den äußeren Werten.
Wir wünschen ihr trotzdem
allzeit gute Fahrt – und wenn
das Radioprogramm mal nicht
zusagt, kann sie ja immer
noch selbst singen, rät ihr eine
laut lachende
Eure Marie
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Rhörigshofer
Volkslauf
startet wieder
RÖHRIGSHOF. Der Heimatund
Verschönerungsverein
Röhrigshof lädt zum zweiten
Röhrigshofer Volkslauf am
Freitag, 8. Juli, ein. Start und
Ziel ist auf dem Freizeitgelände direkt am Minigolfplatz an
der Straße am Hirschgarten in
Röhrigshof.
Um 18.15 Uhr fällt der Startschuss für den 725 Meter langen Schülerlauf. Der Hauptlauf über 7,25 Kilometer startet um 18.30 Uhr und fünf Minuten später gehen die Nordic
Walker auf die gleiche Strecke. (red/fis)
Weitere
Informationen:
www.huvv-roehrigshof.de
Offenes Singen
in der
Stadtkirche
BAD HERSFELD. Zum offenen
Singen für alle Interessierten
laden die evangelische Stadtund Johanneskirchengemeinden für Montag, 11. Juli, ab 15
Uhr in die evangelische Stadtkirche zu Bad Hersfeld ein.
Die Mitmachenden singen
alte Kirchenlieder und bekannte sakrale Melodien. Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger an der Orgel
von Sebastian Bethge, Bezirkskantor des Kirchenkreises Hersfeld-Rotenburg.
Im Anschluss lädt die Kirche
zu Kaffee und Kuchen ins Martin-Luther-Haus ein. (red/sis)
WI Nt erg är teN
60.2
TIPP DES TAGES
Klinikum: Joachim Rudolph wurde mit Schlüsselloch-OP die Speiseröhre entfernt
VON GUDRUN
SCHANKWEILER-ZIERMANN
BAD HERSFELD. Krebs an der
Speiseröhre ist nicht besonders häufig. Aber wenn die
etwa 25 Zentimeter lange Verbindung zwischen Mund und
Magen oder ein Teil von ihr
wegen eines Tumors entfernt
werden soll, müssen viele Patienten auch heute noch mit
einer großen, belastenden
Operation rechnen. Doch es
geht auch durchs „Schlüsselloch“ – die Mediziner sprechen von „minimalinvasiv“,
was soviel bedeutet wie Operieren mit kleinsten Schnitten.
Am Klinikum in Bad Hersfeld operiert Privatdozent Dr.
Peter Vogel die Patienten mit
einem Tumor an der Speiseröhre nur noch minimalinvasiv. Dazu sind lediglich vier
kleine Schnitte zwischen fünf
und 12 Millimetern Länge
notwendig, erläutert der Mediziner. Durch diese Zugänge
werden die Instrumente eingeführt: Verschiedene Katheter und und eine winzige Kamera. Auf einem Monitor
kann er dann sehen, was zu
tun ist.
Der betroffene Teil der
Speiseröhre, bisweilen auch
das ganze Organ, werden entfernt – ebenfalls durch einen
kleinen Zugang. Man müsse
darauf achten, auch die
Lymphknoten sorgfältig zu
entfernen, betont der Chirurg. Aus dem etwa faustgroßen Magen bildet er anschließend einen Ersatz für die
Speiseröhre.
Das heißt, der Magen wird
aus seiner Verankerung gelöst
und zu einem Schlauch umgeformt, in die Brusthöhle hin-
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Onkologie. Die Operation
selbst dauert gut fünf Stunden
und hat gegenüber einem langen Schnitt mit Eröffnung der
Brusthöhle den großen Vorteil, dass die Patienten weniger Blut verlieren und weniger
Schmerzen haben. Entsprechend früher sind sie wieder
auf den Beinen.
Kleinere Portionen
Der Arzt und sein Patient: Joachim Rudolph, Landwirt aus Beiershausen, mit PD Dr. Peter Vogel, Chefarzt am Klinikum.
Foto: Schankweiler-Ziermann
einverlegt und mit der restlichen Speiseröhre vernäht (Hybridtechnik). In besonderen
Fällen kann die Speiseröhre
auch durch einen Teil des
Dickdarms ersetzt werden.
Zehn Jahre Erfahrung
Während selbst an manchen Universitätskliniken die
schonende Technik zur Speiseröhrenentfernung erst neuerdings angewendet wird, hat
I
der 82-Jährige keine Angst vor
der OP „durchs Schlüsselloch“. Er berichtet, danach sei
er überrascht gewesen, wie
gut es ihm ging. Er hatte zunächst ein Druckgefühl in der
Brust, konnte aber am Tag danach schon wieder aus dem
Bett aufstehen.
Maß halten
„Ich darf nur nicht zu viel
essen“, erklärt Rudolph. Das
ist eine Umstellung für ihn,
denn: „Wir sind es gewöhnt,
den Teller abzuessen“, erzählt
er und lacht. Ganz so fit wie
zuvor fühlt er sich noch nicht.
„Nach dem Essen bin ich
müde“, sagt er, der sein Leben
aktiv war und viele Jahre
Landwirtschaft betrieben hat.
Bald möchte er zu Hause wieder Gartenarbeit machen und
den Söhnen helfen, den großen Hof in Schuss zu halten.
„Er muss Maß halten“, rät ihm
seine Frau, Marlies Rudolph.
HINTERGRUND
Ein Schlauch von 25 Zentimetern
Die Speiseröhre ist ein etwa
25 Zentimeter langer Muskelschlauch, der den Mund- und
Rachenraum mit dem Magen
verbindet. Die Innenwand des
Schlauchs ist mit einer
Schleimhaut ausgekleidet, deren oberste Schicht aus flachen Zellen besteht, dem sogenannten Plattenepithel. Bei
Speiseröhrenkrebs verändern
sich die Zellen der Schleimhaut und beginnen zu wuchern. Im Jahr 2012 wurde bei
5000 Männern und 1500
Frauen ein bösartiger Tumor
der Speiseröhre entdeckt. Für
das Jahr 2016 erwarten die Experten der Krebsregister einen leichten Anstieg auf 5600
männliche und 1600 erstmals
betroffene weibliche Erkrankte. Dieser Anstieg ist auf die
höhere Lebenserwartung zurückzuführen: Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 67 Jahren, für Frauen
bei 71 Jahren.
www.krebsinformationsdienst.de
Deutschland diese Technik anbieten.
Die meisten Patienten bekommen vor der Operation
eine Chemotherapie und /oder
Bestrahlung im Klinikum und
in enger Abstimmung mit der
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Teller leeressen –
das war einmal
ch sitze hier. Da sieht man
doch schon, wie gut ich das
weggesteckt habe.“ Joachim Rudolph ist begeistert.
Vor gut sechs Wochen hat ihm
Dr. Peter Vogel im Klinikum
wegen eines Tumors einen
Teil der Speiseröhre entfernt.
Jetzt übernimmt der zum
Schlauch geformte Magen die
Funktion der Speiseröhre und
dank der modernen minimalinvasiven OP-Technik kann
der Landwirt schon wieder lachen.
Zurzeit ist der Beiershäuser
in Begleitung seiner Frau zur
Reha in der Vitalisklinik. Dass
er vor wenigen Wochen eine
große Operation hatte, sieht
man ihm auf den ersten Blick
nicht an.
Weil er immer mehr abgenommen hatte, war Rudolph
vom Hausarzt zur Magenspiegelung ins Klinikum überwiesen worden. Obwohl hier
Krebs festgestellt wurde, hatte
Vogel selbst damit schon zehn
Jahre Erfahrung und operiert
alle Tumoren der Speiseröhre
am Klinikum selbst. Etwa 90
solcher OPs hat er bereits vorgenommen. Er schätzt, dass
nur etwa 20 Häuser in
Mit dem nach der OP stark
verkleinerten Magen können
die Patienten weitgehend normal essen, allerdings nur noch
kleinere Portionen. Ob die Patienten wieder vollständig gesund werden, hängt laut Chefarzt Vogel davon ab, ob der Tumor schon gestreut hat.
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