AAP Astro-News - Sternwarte Bieselsberg

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Ausgabe 2/2011
Interview mit Neu–ESA–Astronaut Alexander Gerst
Saturn–Sturm lässt Forscher staunen
Magma–Ozean in Jupiter–Mond Io bestätigt
Rückblick Astronomietag
Porträt:Otto von Struve
Die nächsten Veranstaltungen des AAP:
Vereinsinternes Sommerfest am 10. September
Kulinarische Wanderung um Bieselsberg am 11. September
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Vorwort des Vorstands
Vorwort des Vorstands
Liebe Vereinskollegen,
die erste größere Veranstaltung in diesem Jahr, den
Astronomietag, haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Ansonsten war das Jahr bisher relativ ruhig
und das Führungspersonal hatte (leider) auch nicht
viel zu tun. Unsere Osterfeldvorträge waren bisher
gut besucht, allerdings wie üblich fast ausschließlich von Mitgliedern. Da wir im August und September nicht ins Kulturhaus Osterfeld können,
haben wir uns für unser Monatstreffen im September mal etwas neues ausgedacht: einen Aktivvortrag. Die Idee ist, den Vortrag in Bieselsberg
abzuhalten und danach zu „spechteln“. Es wird
über den Kleinplaneten Vesta gehen, den man
dann auch gleich beobachten kann. Ich hoffe, dass
auch hier zahlreiche Leute erscheinen und wir vor
allem schönes Wetter haben.
Auch im September steht dann die nächste kulinarische Wanderung rund um Bieselsberg an. Da wir
dieses Jahr noch knapper an Helfern sind, bitte ich
alle, den 11. September für den AAP freizuhalten
und zum Helfen zu kommen! Jedes Jahr können
wir da einige Euro für unsere Vereinskasse hinzuwirtschaften und trotz allem Einsatz bleibt auch
die Geselligkeit nicht auf der Strecke!
Vom Teleskopprojekt gibt es noch nichts neues zu
berichten. Im Moment befindet sich ein Teil der
Montierung auf Reise zum Härten und wird demnächst zurück erwartet. Dann können wir selbst
daran weiterbasteln und unserem Traum näher
kommen, der doch langsam aber sicher Wirklichkeit werden wird.
Geniesst den Sommer, erholen Euch und wir sehen uns hoffentlich im September beim Vortrag
und der Wanderung. In diesem Sinne bis demnächst
Euer Martin Tischhäuser
Editorial
Liebe Leser,
auch in unserem Sonnensystem passiert oft etwas
unerwartetes. Schon einige Male haben wir Überraschendes erlebt, man denke nur an den Absturz des
Kometen Shoemaker–Levy 9, Polarlichter auf den
Gasplaneten oder neue große Wirbelstürme auf Jupiter, die miteinander verschmolzen und vieles andere mehr. Nun steht Saturn plötzlich ebenfalls im
Rampenlicht — dieses Mal nicht mit seinen Ringen sondern einem riesigen Sturmgebiet. Gleich
zweimal ist es Thema eines Beitrags in dieser Ausgabe, einmal aus wissenschaftlicher Sicht und einmal von der Amateur–Beobachtungsseite.
Auch in weiteren Artikeln befassen wir uns dieses
Mal viel mit unserem eigenen Sonnensystem.
Selbst in der Ferne Plutos, bei eisigen Temperaturen tut sich noch was. Da darf man wirklich gespannt sein, wenn die Sonde New Horizons den
Zwergplaneten besuchen wird.
Aus der traditionsreichen Familie der Struves hat
sich Wolfgang Schatz einen berühmten Mann herausgegriffen und berichtet uns mal wieder über eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Die meisten
werden eher etwas von seinen Ahnen gehört haben, aber auch Otto wurde durch seine Forschungen berühmt und bekannt.
Besonders gespannt war ich auch auf einen weitern Artikel (und auch überrascht, dass es so einen
Beitrag gibt). Christian Sollner hatte mir schon
länger verraten, dass er einen Leckerbissen an der
Angel hat. Er hatte die Ehre, ein kurzes Interview
mit dem neuen ESA–Astronauten Alexander Gerst
zu führen. Ungewöhnlich, wie es entstanden ist,
ist es ein sehr schöner Beitrag geworden! Auch
die Entstehungsgeschichte des Interviews verrät
Christian uns hier.
Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe
Martin Tischhäuser
Titelbild: Alexander Gerst, Neu–ESA–Astronaut
(Foto: ESA)
Aus Wissenschaft und Forschung
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Aus Wissenschaft und Forschung
Turbulenter Ringplanet — SaturnSturm lässt Forscher staunen
Infernalische Gewalten durchfahren die Atmosphäre des Saturn: Bei 40 Grad Nord begann sich im Dezember vergangenen Jahres ein gigantisches
Sturmsystem zu entwickeln, dessen Dimensionen
Astronomen in ungläubiges Staunen versetzten.
Bis heute dauert das Schauspiel an. Zunächst waren nur weiße Wölkchen zu sehen, doch dann ging
es richtig zur Sache. Im Wissenschaftsmagazin
Science berichtet ein Forscherteam um Leigh Fletcher von der University of Oxford nun, wie der
Monstersturm die Atmosphäre des Ringplaneten
nachhaltig durcheinander brachte.
Das Unglaublichste sei die Größe, sagt Fletcher.
Das gigantische Sturmsystem wütete über eine Höhe von etwa 500 Kilometern in der Saturnatmosphäre, in der Wasserstoff, Helium und Wolken aus
Ammoniakkristallen wabern. Die vertikale Ausbreitung lässt sich nur schwer bestimmen, weil bis heute weite Teile der Atmosphäre in Aufruhr sind.
Fletcher spricht von einem Durchmesser von weit
über einhunderttausend Kilometern. Das sei ein riesiges Biest, mit dem sie es da zu tun hätten.
Es war der US–Astronom Asaph Hall, der im Jahr
1876 zum ersten Mal einen Sturm dieser Größenordnung auf dem Saturn beobachtete. Seitdem hat
sich die planetare Show sechs Mal wiederholt, zuletzt im Jahr 1990. Die Stürme entwickeln sich auf
der Nordhalbkugel in jedem Frühjahr. Weil sich
der Planet langsamer um die Sonne dreht als unse-
re Erde, ist es normalerweise etwa alle 30 Jahre so
weit — so lange dauert die Abfolge von Frühjahr,
Sommer, Herbst und Winter auf dem Gasriesen.
Dieses Mal konnten Forscher den Sturm und seine
Entwicklung allerdings zum ersten Mal auch im
Bereich der thermischen Infrarotstrahlung untersuchen und nicht nur das vom Saturn reflektierte
Sonnenlicht. Zum Einsatz kamen die Saturn–Sonde Cassini und das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile.
Die Atmosphäre des Saturn hat eine vergleichsweise geringe Dichte. Sie reicht also weit ins Weltall
herein, weil der Planet im Vergleich zum Jupiter
eine recht geringe Gravitationswirkung auf sie ausübt. Die Infrarotbilder zeigen die Atmosphäre in
Aufruhr. Besonders auffällig sind riesige Bereiche
wärmeren Gases, die sich mehrere hundert Kilometer in höhere Schichten ziehen. Die Forscher
nennen sie stratosphärische Leuchtfeuer.
Die euphorische Bezeichnung täuscht allerdings
etwas darüber hinweg, dass die Areale immer
noch vergleichsweise kalt sind. Statt den üblichen
minus 130 Grad lassen sich in ihrem Inneren
knapp 20 Grad mehr messen. Im Bereich des sichtbaren Lichts sind die Leuchtfeuer nicht zu erkennen, sehr wohl aber auf den Infrarotaufnahmen.
Ob sie stets bei solchen Stürmen auftreten, oder
ein Einzelfall sind, wissen die Forscher noch
nicht.
Im Vergleich zum turbulenten Nachbarn Jupiter
gilt der Saturn eigentlich als ruhig. Doch der Eindruck täuscht, wie Forscher wissen. So erschüttern
Sturm auf dem Saturn: Die Aufnahme ganz links zeigt den Planeten im sichtbaren Licht, auf den dann
folgenden Bildern ist der Bereich des thermischen Infrarots zu sehen. Die Bilder zwei und vier zeigen die
Turbulenzen in der Troposphäre des Planeten. Die Bilder drei und fünf zeigen stratosphärische
Leuchtfeuer in den ansonsten ruhigen Atomsphärenschichten darüber.
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Frühe Phase des Monstersturms (am 24.12.2010):
Zunächst waren nur weiße Wölkchen zu sehen,
doch dann ging es richtig zur Sache. Bei 40 Grad
Nord begann sich im Dezember vergangenen
Jahres ein gigantisches Sturmsystem zu entwickeln.
massive Gewitter die Atmosphäre, mit Blitzen
10.000 Mal so stark wie auf der Erde. Dicke
Schichten aus Schwebeteilchen und kleinen Tröpfchen versperren nur allzuoft den Blick ins sturmumtoste Innere. Wie es zu dem aktuellen
Sturmsystem kam, das wissen die Astronomen deswegen nur in Grundzügen. Sie gehen davon aus,
dass die Turbulenz in unteren Atmosphärenschich-
Aus Wissenschaft und Forschung
ten entstanden ist. Mächtige Wolken aus Wasserdampf gibt es hier, verborgen vom Blick der
Teleskope und Sonden.
In diesem Bereich dürfte sich ein Prozess abgespielt haben, der der Entstehung eines Gewitters
auf der Erde gleicht. Durch den Aufstieg von wärmerem Gas bildete sich nach und nach eine mächtige Konvektionsströmung. Der perfekte Sturm
war geboren, als sich die Turbulenzen ihren Weg
auch in höhere Atmosphärenschichten bahnen
konnten. Dort trafen sie auf die normalerweise wehenden zirkulären Winde, und fertig war der riesige
Mixer.
Er
sorgte
für
großflächige
Temperaturänderungen in der Atmosphäre, gebar
Jetstreams wechselnder Richtung und einen riesigen kühleren Wirbel.
Doch warum treten die Stürme auf der Nordhalbkugel ausgerechnet im Saturnfühling auf? Die Rotationsachse des Planeten ist stärker geneigt als
die unserer der Erde. Deswegen fallen auch die Effekte der Jahreszeiten stärker aus. Doch das reicht
für eine vollständige Erklärung nicht aus. Denn
die Konvektionen, die den Sturm ans Laufen
brachten, toben etwa 200 bis 300 Kilometer unterhalb der von der Erde aus sichtbaren Wolken.
Sonnenlicht gelangt kaum in diese finstere Region. Dort gebe es keine saisonalen Effekte, sagt
Forscher Fletcher. Offenbar verändert sich aber
die Geometrie der gesamten Atmosphäre im
Rhythmus der Jahreszeiten. Und das könne es den
Konvektionsströmungen ermöglicht haben, auch
höhere Schichten zu erreichen, obwohl seit dem
letzten Sturm erst 20 Jahre vergangen sind.
Doch eine weitere, ebenfalls entscheidende Frage
bleibt: Warum rasen nicht auch im Südfrühling
Stratosphärische Leuchtfeuer: Statt den üblichen minus 130 Grad lassen sich in ihrem Inneren knapp 20
Grad mehr messen. Im Bereich des sichtbaren Lichts sind die Leuchtfeuer zwar nicht zu erkennen, sehr
wohl aber auf den Infrarotaufnahmen. Ob sie stets bei solchen Stürmen auftreten, oder ein Einzelfall
sind, wissen die Forscher noch nicht.
Aus Wissenschaft und Forschung
entsprechende Windsysteme über die Südhalbkugel des Saturn? Solche Beobachtungen fehlen nämlich bis heute, auch wenn es zum Beispiel am
Saturnsüdpol eine Art Hurrikan gegeben hat. Verglichen mit dem aktuellen Sturm fiel er jedoch selbst
bei einem Durchmesser von 8000 Kilometern eher
winzig aus.
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Die Forscher vermuten, dass das mit dem veränderten Abstand des Saturns zur Sonne zu tun hat.
Im Nordsommer ist die Distanz zwischen Planet
und Zentralgestirn größer als im Südsommer. Ehrfürchtig spricht Leigh Fletcher von einem „großen
Mysterium“.
(ms)
Ergebnis 11 Jahre nach Messung —
Magma-Ozean in Io bestätigt
Außer unserer Erde ist der Jupitermond Io der einzige Himmelskörper des Sonnensystems, auf dem es
aktive Vulkane gibt. Wahrscheinlich zumindest.
Doch während auf der Erde Vulkane entlang von
Aktivitätszonen wie etwa dem pazifischen Feuerring zu finden sind, sind sie auf der Oberfläche
von Io nahezu gleichmäßig verteilt. Die Vulkane
des Jupitermonds produzieren bei ihren explosiven
Ausbrüchen außerdem etwa hundert Mal mehr Lava als ihr Verwandten auf der Erde. Außerdem ist
die Lava auf Io besonders heiß.
Nun haben Forscher Hinweise darauf gefunden,
dass sich unter der Oberfläche von Io eine mindestens 50 Kilometer dicke Schicht aus teilweise geschmolzenem Magma verbirgt. Sie stützen sich
auf eine neue Auswertung von Magnetfelddaten
der Raumsonde Galileo, die von 1995 bis 2003
den Jupiter umkreist hat. Der Magma–Ozean sei
für den starken Vulkanismus auf Io verantwortlich,
berichten amerikanische Forscher in der Online–Ausgabe des Fachmagazins Science.
Der starke Vulkanismus und die hohe Temperatur
der Lava deuteten auf ein globales Magma–Reservoir im Inneren von Io hin, aber bisher fehlte dafür
ein direkter Beweis, berichten Krishan Khurana
von der University of California in Los Angeles
und seine Kollegen. Mit einem Trick konnten die
Wissenschaftler diesen Beweis nun liefern: Sie
nutzten das rotierende Magnetfeld des Planeten Jupiter, um einen Blick ins Innere des Mondes zu werfen.
Anhand von Messungen der Sonde Galileo aus
den Jahren 1999 und 2000 konnten Khurana und
seine Kollegen analysieren, wie Io das Magnetfeld
Jupiters beeinflusst. Sie konnten zeigen, dass ein
vollständig fester Mantel keine ausreichende Reaktion erzeugt, um die Beobachtungen zu erklären,
schreiben die Forscher. Nur eine über 50 Kilometer dicke Schicht aus zu mindestens 20 Prozent flüs-
Io–Aufnahme der Galileo-Sonde: Die 140~km
hohe Rauchfahne über dem Mond stammt vom
Io–Volkan Pillan Patera. In der Bildmitte, nahe
der Tag- und Nachtgrenze, erkennt man die 75 km
hohe Rauchfahne samt Schattenwurf des Vulkans
Prometheus. Letztere war auf allen bisherigen
Aufnahmen dieser Io–Region seit der VoyagerVorbeiflüge 1979 erkennbar, woraus sich die
Annahme ergibt, dass Prometheus die letzten 18
Jahre kontinuierlich aktiv war.
sigem Magma besitzt eine ausreichende
elektrische Leitfähigkeit, um die gemessenen Magnetfeldänderungen zu erzeugen.
Jupiter besitzt ein starkes Magnetfeld, durch das
sich Io beständig bewegt, und das starke Ströme in
der Atmosphäre des Mondes induziert. Sie reißen
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Aus Wissenschaft und Forschung
große Mengen an Materie aus Ios oberer Atmosphäre. Auf diese Weise verliert der Mond jede Sekunde mehrere Tonnen Masse, die in einen
donutförmigen Plasmaring um den Jupiter wabern.
Bei seiner Reise durch die Plasmasuppe stört Io seinerseits die Jupiter–Magnetosphäre: Starke Plasmawellen elektrisch geladener Teilchen strömen in
die Jupiteratmosphäre und bringen sie zum Leuchten.
(ms)
Magma-Ozean auf Io: Elektrische Leitfähigkeit
beeinflusst Jupiter–Magentfeld.
Blähungen am Rande des Sonnensystems — Pluto–Atmosphäre wuchs
3000 Kilometer weit ins All erstreckt sich die Gashülle des Pluto, haben Forscher entdeckt. Damit ist
sie viel größer als bislang vermutet. Astronomen
hatten angenommen, die Atmosphäre des Zwergplaneten würde in gut einhundert Kilometern Höhe enden. Doch sie füllt immerhin ein Viertel der
Strecke bis zu Plutos größtem Mond Charon. Pluto
selbst ist mit einem Durchmesser von weniger als
2400 km kleiner als der Mond der Erde. Die äußerste Schicht der Erdatmosphäre, die sogenannte Exosphäre, endet in bis zu zu 10000 km Höhe.
Plutos extrem dünne Gashülle besitze vermutlich
ein fragiles Gleichgewicht aus dem kühlend wirkenden Kohlenmonoxid und dem Treibhausgas Methan, berichten britische Astronomen, die die
Atmosphäre mit dem James–Clerk–Maxwell–Teleskop auf Hawaii beobachtet haben. Sie sei wahrscheinlich die empfindlichste Planetenatmosphäre
im Sonnensystem, sagte Jane Greaves von der Universität von St Andrews auf der Jahrestagung der
britischen Königlichen Astronomischen Gesellschaft in Llandudno (Wales).
Forscher hatten die Atmosphäre des Zwergplaneten zwar 1988 entdeckt, als Pluto von der Erde aus
gesehen vor einem fernen Stern vorbeizog und dessen Licht nicht abrupt verschwand, sondern zunächst von der Gashülle abgeschwächt wurde. Der
ferne Zwergplanet erlebe wahrscheinlich derzeit
einen Klimawandel. Sie glauben, dass die Ausdeh-
nung der Atmosphäre gewachsen sei.
1989 hatte Pluto den sonnennächsten Punkt seiner
Umlaufbahn passiert. Wahrscheinlich habe das etwas stärkere Sonnenlicht zusätzliches Eis verdampft und so die Atmosphäre aufgeblasen,
glauben die Astronomen, die ihre Entdeckung im
Fachjournal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society vorstellen. Trotz der momentan
etwas geringeren Sonnenentfernung ist die Atmosphäre des Eiszwergs frostige minus 220° Celsius
kalt. Im Schnitt beträgt die Entfernung vom Pluto
zur Sonne 5.8 Milliarden Kilometer.
Kohlenmonoxid und Methan, bislang das einzige
andere auf Pluto nachgewiesene Gas, finden sich
wahrscheinlich nur in Spuren in Plutos Hülle.
Hauptbestandteil ist nach Annahme der Astronomen Stickstoff, wie auch in der Erdatmosphäre.
Die Forscher wollen die Entwicklung der Pluto–Atmosphäre möglichst lange weiterverfolgen.
Diese einfache, kalte Atmosphäre, die stark von
der Sonnenwärme beeinflusst werde, könnte wichtige Hinweise auf die fundamentalen physikalischen Zusammenhänge geben, sagte Greaves.
Dies könne auch zu einem besseren Verständnis
der Erdatmosphäre beitragen.
Der erst 1930 entdeckte Pluto war 2006 von der
Internationalen Astronomischen Union zum
Zwergplaneten degradiert worden. 2015 bekommt
der Eiszwerg, der nur alle 248 Jahre einmal die
Sonne umrundet, erstmals Besuch von einer irdischen Raumsonde: Dann wird die NASA–Mission
New Horizons den Zwergplaneten erreichen. (ms)
Aus Wissenschaft und Forschung
Quarzmurmeln und Einstein–Theorie
— Gravity Probe B
Manchmal dauert es in der Wissenschaft halt ein
bisschen länger. Rund 100 Jahre nach ihrer Formulierung hat ein Satellit zwei Aussagen aus der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein mit
bisher in ungekannter Genauigkeit bestätigt.
Der mittlerweile abgeschaltete NASA–Satellit Gravity Probe B hat zwei Vorhersagen von Albert Einsteins Relativitätstheorie mit bislang unerreichter
Genauigkeit bestätigt. Die Erde verbiegt demnach
die Raumzeit um sie herum. Der Effekt ist winzig,
aber messbar, wie die US–Raumfahrtbehörde berichtet.
Wenn man es bildlich ausdrücken will, dann dellt
die Masse der Erde die Raumzeit ein, so wie ein
Schlafender die Matratze seines Bettes. Dazu
kommt, dass die Erde die Raumzeit bei ihrer Rotation gewissermaßen mit sich zieht. Man stelle sich
vor, die Erde wäre in Honig getunkt, sagt Francis
Everitt von der Universität Stanford. Während der
Planet sich drehe, würde der Honig um sie herum
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mitwirbeln. Mit Raum und Zeit sei es dasselbe.
Beide Effekte, der geodätische Effekt und der Lense–Thirring–Effekt, sind Konsequenzen der Allgemeinen Relativitätstheorie und wurden zuvor
bereits nachgewiesen.
Der 2004 gestartete Satellit Gravity Probe B hat
sie jedoch mit bislang unerreichter Genauigkeit
vermessen, wie Forscher im Fachmagazin Physical Review Letters berichten. Herzstück des Satelliten waren vier Gyroskope. Sie konnten kleinste
änderungen der Lage im Raum erfassen. Fast bis
auf den absoluten Nullpunkt gekühlte Quarzkugeln mit Niob–überzug rotierten dazu mit etwa
10.000 Umdrehungen in der Minute. Weil es Probleme bei der Erhebung der Daten gab, mussten
diese jahrelang nachbearbeitet werden. Erste Zwischenergebnisse hatte es aber bereits gegeben.
Die NASA hatte seit Anfang der Sechziger an der
Vorbereitung der Gyroskop–Experimente gearbeitet und insgesamt 750 Millionen Dollar in das Programm investiert. Forscher Everitt war seit 1963
dabei. Seine wissenschaftliche Mission ist nun erfüllt, genau so wie die von Gravity Probe B. Im
Erde, Satellit und Raumzeit: Die Erde verbiegt die Raumzeit um sie herum. Der Effekt ist winzig, aber
messbar von Gravity Probe B
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Aus Wissenschaft und Forschung
Dezember 2010 wurde der Satellit abgeschaltet,
kreist aber weiter um die Erde.
Die Ergebnisse dieser Mission werden Langzeitfolgen für die Arbeit theoretischer Physiker haben. Je-
der künftige Zweifel an Einsteins Allgemeiner
Relativitätstheorie muss präzisere Messungen anstreben als Gravity Probe B erreicht hat.
(ms)
Extremwanderer — Planeten
vagabundieren durch die Milchstraße
unwahrscheinlich, solche Mikrolinsen–Effekte
überhaupt zu beobachten, schließlich muss sich dafür ein Exoplanet genau so vor einen Stern schieben, dass dies von der Erde aus zu sehen ist. Zum
anderen sind die Ereignisse mit abnehmender Masse immer schwieriger nachzuweisen.
Die zehn indirekt nachgewiesenen Exoplaneten
sind allesamt mindestens zehn astronomische Einheiten (AE) von einem Stern entfernt. Planeten
können auch weiter entfernt ihre Bahn um einen
Stern ziehen: Der Neptun etwa kreist in einer Distanz von rund 30 AE um die Sonne. Frühere Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass nicht
alle Sterne über so weit entfernte Begleiter verfügen. Deshalb folgern die Forscher, dass nur rund
ein Viertel dieser neuentdeckten Exoplaneten
einen Heimatstern besitzt. Der Rest würde demnach frei durch die Milchstraße fliegen. Bisher
wurden solche ungebundenen Exoplaneten nur in
Sternenhaufen gesichtet, in denen viele sehr junge
Sterne zu finden sind, und jene Planeten waren extrem massereich.
Die Wissenschaftler schließen deshalb aus ihren
Beobachtungen auf eine gigantische Zahl: In der
Milchstraße gebe es demnach etwa 1,8-mal so viele vagabundierende Exoplaneten mit Jupiter–Masse wie Hauptreihensterne.
Theorien zum Ursprung der freifliegenden Planeten gibt es bereits. Wenn Planeten entstehen, kreisen sie zum Teil in sehr nah beieinander liegenden
Bahnen. Dabei könnten sie sich gegenseitig durch
ihre Gravitation stark beeinflussen. Ein Planet
kann so aus seiner Bahn gekegelt werden oder sogar der Gravitation ihres Heimatsterns komplett
entfliehen. Bisher ließ sich nur nicht abschätzen,
wie häufig so etwas vorkommt.
(ms)
Kreisen Planeten grundsätzlich um Sterne, oder
geht es auch ohne? Die Frage dürfte unter Astronomen künftig brisant werden. Denn laut einer im
Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie finden sich in der Milchstraße überraschend viele Exoplaneten ohne Zentralgestirn. Ihre Zahl könnte
Berechnungen zufolge sogar die der Sterne in unserer Heimatgalaxie übertreffen.
Zwei internationale Forschergruppen kamen den
kosmischen Vagabunden auf die Spur: die Microlensing Observations in Astrophysics Collaboration (MOA) und die Optical Gravitational Lensing
Experiment Collaboration (OGLE). Die Astronomen des MOA–Projekts überwachten zwei Jahre
lang die Helligkeit von 50 Millionen Sternen im
Zentralbereich der Milchstraße, jeden Stern beobachteten sie mindestens einmal pro Stunde.
Zieht ein anderes Objekt, ein Stern oder ein Exoplanet, vor einem der weit entfernten Sterne vorüber,
so wirkt es dank seiner Schwerkraft wie eine Linse. Das führt dazu, dass der Stern dahinter aufflackert: Astronomen sprechen vom Gravitationslinseneffekt. Aus der Veränderung der Helligkeit
können die Forscher ableiten, welche Masse das
Objekt im Vordergrund besitzt. Zudem gilt: Je kürzer das Aufflackern, desto geringer die Masse der
Linse.
Insgesamt beobachteten die Astronomen 474 solcher Mikrolinsen–Ereignisse. Bei zehn hielt das
Aufflackern des Hintergrundsterns weniger als
zwei Tage an. In diesen Fällen muss sich ein Exoplanet vor den Stern geschoben haben, dessen Masse etwa der des Jupiters entsprach, schreiben die
Forscher. Andere Verursacher des Effekts konnten
sie nach eigenen Angaben ausschließen. Daten der
OGLE–Arbeitsgruppe hätten den größeren Teil dieser Mikrolinsen–Ereignisse bestätigt.
Zehn Entdeckungen binnen zwei Jahren bei der Beobachtung von 50 Millionen Sternen erscheinen
zwar wenig. Für die Astronomen stellt es sich jedoch anders dar: Es waren deutlich mehr, als man
vorher erwartet hatte. Zum einen ist es schon sehr
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Aus Wissenschaft und Forschung
Expandierendes Universum —
Astronomen weisen Wirkung
Dunkler Energie nach
Der Kampf sei längst entschieden: Im kosmischen
Wettstreit von Dunkler Energie und Gravitation erlangte erstere vor rund sechs Milliarden Jahren die
Oberhand, meinen Astronomen. Deshalb dehne
sich das Universum stetig weiter aus, und mit steigender Geschwindigkeit.
Während die Gravitation dafür sorgt, dass die
Sonne ihre Planeten in Umlaufbahnen zwingt, sich
Millionen von Sternen zur Milchstraße zusammenfinden und Galaxien wiederum zu gewaltigen
Galaxienhaufen anwachsen, bewirkt die Dunkle
Energie das Gegenteil. Sie treibt den Raum
auseinander.
Mehrere Untersuchungen haben den Effekt der
Dunklen Energie bereits bestätigt, doch nun liefert
eine große internationale Studie erneut eine Fülle
an Daten zu dem Phänomen.
über einen Zeitraum von fünf Jahren haben Astronomen mehr als 200.000 Galaxien beobachtet, um
dem Wirken der Dunklen Energie, die rund drei
Viertel der Masse des Universums ausmachen
soll, auf die Spur zu kommen. Die Daten stammen
vom Galaxy Evolution Explorer der NASA sowie
dem anglo–australischen Teleskop auf dem Siding
Spring Mountain im Südosten Australiens, wie die
Wissenschaftler in zwei Fachartikeln berichten,
die in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht wurden.
Die Forscher kartierten, wie weit Galaxien voneinander entfernt sind. Dafür erstellten sie die nach eigenen Angaben größte 3D-Karte von Galaxien in
weiter entfernten Bereichen des Universiums. Diese Daten kombinierten sie mit den Geschwindigkeiten, mit denen sich die Galaxien von der Erde
entfernen. Sie maßen außerdem, in welchem Tempo sich Galaxiehaufen geformt haben. Solche
Cluster ziehen durch die Gravitation weitere Galaxien an. Die Dunkle Energie jedoch behindert diesen Prozess.
Beide Messungen bestätigten: Das Universum
dehnt sich mit steigender Geschwindigkeit aus.
(ms)
Dunkle Energie (violett) und Gravitation (grün): Illustration gegensätzlich wirkender Kräfte.
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Interview Alexander Gerst
ESA-Astronaut Alexander Gerst
Interview mit Alexander Gerst
Biographie
Alexander Gerst wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau geboren. Nach Abitur und Zivildienst bereiste
er ein Jahr lang als Rucksacktourist verschiedene
Länder. Beeindruckt von den Vulkanen Neuseelands studierte er anschließend am Institut für
Technologie in Karlsruhe Geophysik und erlangte
sein Diplom. Danach studierte er Geowissenschaften an der Victoria University of Wellington, Neuseeland wo er 2003 den Master of Science in
Geophysik erhielt. Er promovierte an der Universität Hamburg über Eruptionsdynamik des antarktischen Vulkans Mount Erebus. Zahlreiche
Expeditionen führten ihn unter anderem in die Antarktis, nach Äthiopien, Indonesien und Guatemala.
2007 bekam er den Bernd-Rendel-Preis der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) für ausgezeichnete Nachwuchsgeophysiker.
Sein Interesse an der Raumfahrt wurde früh durch
seinen Großvater geweckt, der als Funkamateur Signale zum Mond schickte.
Gerst konnte sich im Auswahlverfahren gegen
8413 Mitbewerber durchsetzen und wurde am
20. Mai 2009 zusammen mit fünf weiteren Astronauten vorgestellt. Im September 2009 begann er
seine Ausbildung am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln und wurde am 22. November 2010 nach Beendigung der Grundausbildung
in einer öffentlichen Zeremonie zum Astronauten
ernannt. Er soll als nächster deutscher ESA–Astronaut 2014 zur Internationalen Raumstation (ISS)
fliegen.
Zu seinen Lieblingssportarten zählt Fechten,
Schwimmen und Laufen. Er mag auch OutdoorAktivitäten wie Fallschirmspringen, Snowboarden, Bergwandern, Bergsteigen, Klettern und
Sporttauchen.
Alexander Gerst ist Mitglied in folgenden Organisationen: International Association of Volcanology
and Chemistry of the Earth's Interior (IAVCEI),
Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG),
European Geosciences Union (EGU), European
Volcanological Society (SVE), American Geophysical Union (AGU)
Sehr geehrter Herr Gerst, vielen herzlichen Dank
das Sie trotz Ihres prall gefüllten Terminkalenders
für ein Interview für unsere Vereinszeitschrift
Astro-News zur Verfügung stehen. Uns als
Astronomischen Verein interessiert natürlich ganz
besonders ob Sie vielleicht selbst ein Teleskop
besitzen?
Alexander Gerst: Die Astronomie hat mich schon
als kleiner Junge interessiert. Als ich 10 Jahre alt
war, habe ich am Projektkreis Astronomie meiner
Schule teilgenommen. Die Schule besaß damals
ein schönes großes Teleskop, durch das wir sogar
den Halleyschen Kometen beobachtet haben. Ich
erinnere mich noch, dass ich besonders fasziniert
war, als ich zum ersten Mal die Saturnringe
gesehen habe. Ohne Teleskop ist es ja nur ein
kleiner weißer Punkt, und plötzlich sah ich ihn so,
wie ich ihn von den Bildern her kannte. Aber
leider habe ich bisher persönlich nie ein Teleskop
besessen.
Sind Sie traurig oder eher froh nicht mehr mit dem
Space Shuttle fliegen zu müssen?
Gerst: Natürlich bin ich schon etwas wehmütig.
Für mich ist das Space Shuttle immer der Inbegriff
der Weltraumfahrt gewesen. Als ich aufgewachsen
bin, habe ich das Space Shuttle ja oft in den
Nachrichten gesehen und mir immer gewünscht,
ich könnte einmal mitfliegen. Und natürlich habe
ich es leider auch beim Challenger Unglück
explodieren sehen müssen. Über 40 Jahre fliegt
das Space Shuttle nun schon in den Weltraum.
Daneben haben wir auch noch die Russische
Sojus-Kapsel, die seit vielen Jahren zuverlässig
Quellen: esa.int, dlr.de, wikipedia.org
Menschen ins All transportiert. Dennoch gibt es
Interview Alexander Gerst
gute Gründe, unseren Blick in die Zukunft zu
richten und neue Transportmöglichkeiten zu
entwickeln, die uns in den Erdorbit und noch
weiter transportieren können.
Wann halten Sie die erste bemannte Marslandung
für realistisch?
Gerst: Aus technischer Hinsicht könnte das schon
in wenigen Jahren geschehen. Auch das Ziel, zum
Mond zu fliegen, wurde in einer relativ kurzen
Zeit erreicht. Es kommt im Wesentlichen aber
darauf an, daß wir in der Gesellschaft erkennen,
wie wichtig es ist, wieder auf Entdeckungsreise zu
gehen und noch weitere Himmelskörper zu
erforschen. Wir können da draußen noch viel
lernen, nicht zuletzt über uns hier auf der Erde.
Folglich ist dies eher eine gesellschaftliche denn
eine technische Frage.
Würden Sie einer Mission zum Mars zustimmen,
um dort zu forschen, die aber nicht mehr zur Erde
zurückkehren würde?
Gerst: Das ist eine Frage die ich oft gestellt
bekomme. Ich finde sie etwas verwunderlich. Wir
sollten eine solche Mission nicht planen, solange
wir nicht auch sicherstellen können, dass es auch
eine Rückkehr zur Erde gibt. Selbst wenn man
Leute finden würde, die an so einer Mission
teilnehmen wollten, so würde es doch der
Menschheit kein gutes Zeugnis ausstellen. Wir
Menschen sind soziale Wesen, und eine Heimat zu
haben, ist wichtig für uns. Die Raumfahrt dient
keinem Selbstzweck. Es geht deshalb nicht einfach
nur darum, irgendwo hinzufliegen und dann dort
zu sein. Es geht zum Großteil darum, dass man
etwas zurückbringt. Zum Beispiel neues Wissen
über unsere kosmische Umgebung, Wissen über
uns selbst, oder eine Perspektive von einer
anderen Welt auf unsere eigene Welt. Dieser
Gewinn ist so wertvoll, dass wir darauf nicht
verzichten sollten.
Und wenn man nicht das eigene Leben opfert,
sondern eine Kolonie aufbaut und dort eines
natürlichen Todes stirbt?
Gerst: Das ist etwas anderes. Ich bin mir sicher,
dass dies eines fernen Tages passieren wird, und
Menschen werden dies aus freien Stücken tun.
Wie auch frühe Entdecker ihre Zelte an vertrauten
Orten abgebrochen haben, und hinaus aufs Meer
ins Unbekannte gefahren sind, so werden eines
Tages Menschen zu anderen Sternensystemen
aufbrechen, und vielleicht nie wieder zur Erde
11
zurückkehren.
Andere
wiederum
werden
umkehren, und sich dafür entscheiden, in ihrer
Heimat zu bleiben. Auf diesem Prinzip basiert die
Ausbreitung unserer gesamten Kultur.
Die Frage einer Mission die auf dem Mars
verbleibt, wurde vor kurzem diskutiert. Mich
würde interessieren wie Sie persönlich dazu
stehen?
Gerst: Ehrlich gesagt habe ich noch nichts über
solche Diskussionen gehört und kann mir auch
nicht
vorstellen,
dass
eine
der
Weltraumorganisationen ein solches Projekt
ernsthaft planen würde. Ich vermute eher, dass die
Idee im Bereich der Science Fiction einzuordnen
ist.
Es war zu lesen das Sie eventuell der erste
Deutsche auf dem Mond werden. Wie hoch stehen
die Chancen für diese Mission?
Gerst: Wie die Frage nach der Marsmission, ist
auch diese eine gesellschaftliche oder politische
Frage, deren Antwort ich nicht kenne. Aus
technischer Sicht wäre es natürlich möglich, und
der Mond ist auch ein interessanter und sinnvoller
Schritt, um sich auf eine Mission zum Mars
vorzubereiten. Der Mond ist ja nur ein paar
Flugtage entfernt, wohingegen es Monate oder gar
Jahre dauert, um zum Mars zu fliegen. Abgesehen
davon gibt es auf dem Mond noch sehr viel zu
entdecken. Insgesamt waren die Astronauten nur
sechsmal für ein paar Tage dort. Das ist
vergleichbar mit dem berühmten Tropfen auf den
heißen Stein. Mir persönlich geht es nicht darum,
der erste Deutsche auf dem Mond zu sein, sondern
vielmehr sollten wir als Gesellschaft erkennen,
wie wichtig die weitere Erkundung unserer
Umgebung im Sonnensystem ist. Sollten wir eines
Tages vielleicht von einem Meteoriten oder einer
anderen Katastrophe bedroht sein, könnten wir auf
dieses Wissen angewiesen sein.
Wann wird die Menschheit Ihrer Meinung nach
erfahren, dass es Leben außerhalb unseres
Sonnensystems gibt?
Gerst: Dann setzen Sie ja voraus, dass es das gibt.
Ich weiß es nicht. Es ist aber eine der
interessantesten Fragen, die wir uns stellen
können. Ich bin überzeugt davon, dass der Mars
uns eine gute Chance bietet, mehr darüber zu
erfahren. Es könnte zum Beispiel sein, dass wir
auf dem Mars ehemaliges oder noch existierendes
Leben finden, das uns ähnelt. Leben, das zum
12
Beispiel auf DNA und Kohlenstoff basiert und aus
Proteinen und Aminosäuren aufgebaut ist. In
diesem Fall wäre die Chance sehr groß, dass
dieses Leben aus der gleichen Quelle stammt wie
wir. Wir hätten quasi Geschwister im All vielleicht durch Kometen und Asteroiden
transportiert — mit einem noch unbekannten
Ursprung und unbekannter Ausbreitung. Genauso
wäre es aber auch möglich, dass wir auf dem Mars
Leben finden, das uns in keiner Weise ähnelt.
Leben, welches sich unabhängig von unserem
entwickelt hat. Wenn wir sozusagen beim ersten
Mal „über den Tellerrand schauen“, und beim
ersten Planeten, den wir erforschen, direkt
außerirdisches Leben finden, dann wäre die
Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf weiteren
Planeten außerhalb unseres Sonnensystems Leben
gibt, sehr groß. Das würde vermutlich bedeuten,
dass unser Universum vor Leben nur so blüht.
Kann es sein, das man die Suche jetzt auch neu
Gestalten muss nach den Meldungen über
Arsenfressende Bakterien?
Gerst: Ich finde das eine interessante Sache, denn
sie bestätigt etwas, was zwar nicht überraschend
klingt, aber schwierig nachzuweisen ist: nämlich
dass Leben so anpassungsfähig ist, dass es in
weitaus unwirtlicheren Umgebungen existieren
und gedeihen kann, als wir uns bisher vorstellen
konnten. Es zeigt uns, dass wir nicht den Fehler
begehen sollten, Leben nur dann für Leben zu
halten, wenn es unserem gleicht. Leben könnte
theoretisch so aufgebaut sein, dass wir es noch
nicht einmal erkennen würden, wenn wir es direkt
vor unseren Augen hätten. Wir müssen deshalb
offen sein, und unsere Suche entsprechend
anpassen, d.h. genauer hinschauen. Beispiele dafür
gibt es auf der Erde auch. Sobald wir irgendwo
genauer hinschauen, finden wir Leben, sei es in
Ölreservoiren, im Gestein tausende Meter unter
der Erde, in siedend heißem giftigen Wasser, in
vulkanischen Schloten, tief im Ozean. All das sind
unvorstellbare Orte, in die sich unser Leben hin
verschlagen hat, wo es eine Nische gefunden hat.
Diese Anpassungsfähigkeit ist eine grundlegende
Eigenschaft des Lebens, und daher kann ich mir
auch gut vorstellen, dass wir nicht alleine im
Universum sind.
Welche privaten Gegenstände werden Sie auf Ihre
erste Mission mitnehmen?
Gerst: Leider kann man natürlich aus
Interview Alexander Gerst
Gewichtsgründen nicht sehr viel mitnehmen.
Vermutlich meinen MP3 Player, ein Tagebuch und
eine Kamera.
Was haben Sie gefühlt als der Anruf der ESA kam
und Sie erfahren haben, dass Sie ins
Astronautenkorps aufgenommen werden?
Gerst: Ich war natürlich erst einmal überrascht
und überwältigt. Das war eine großartige
Erfahrung und die Tragweite kann man in einem
solch kurzen Moment, wenn man so einen Anruf
bekommt, nicht wirklich erfassen. Ich war zu dem
Zeitpunkt, es war abends um neun, gerade mit
meiner Doktorarbeit beschäftigt und wollte
danach schwimmen gehen, als der Anruf aus Paris
kam. Mir wurde mitgeteilt, dass nur 36 Stunden
später eine Pressekonferenz in Paris stattfinden
würde, auf der meine Auswahl bekanntgegeben
werden sollte – wenn ich denn überhaupt wolle.
Ich wusste, mein Leben würde sich praktisch ab
dem Moment komplett ändern. Das war natürlich
überwältigend. Selbstverständlich habe ich
dennoch sofort ja gesagt — und bin dann erst
einmal zwei Kilometer schwimmen gegangen,
um meine Gedanken zu sortieren.
Wie sieht der Zeitplan für ein bemanntes ATV
(Automated Transfer Vehicle) aus?
Gerst: Hierzu gibt es noch keine konkreten
Beschlüsse. Der Schritt davor ist ja erstmal, eine
unbemannte Rückkehrkapazität zu haben. Im
Moment befindet sich eine Weiterentwicklung des
ATV, das sogenannte ARV (Advanced Re-entry
Vehicle) noch in der Studienphase. Eine
Transportkapazität aus dem All zurück zur Erde
zu schaffen, ist aber sehr wichtig. Die Sojus
Kapsel kann das Space Shuttle, das in diesem Jahr
ja seinen letzten Flug absolvieren wird, nicht
ersetzten, da sie nur begrenzte Möglichkeiten hat,
z.B.
Experimente
und
deren Aufbauten
zurückzubringen.
Hierzu
finden
intensive
Diskussionen mit der NASA statt. Zu der für 2012
geplanten ESA Ministerratstagung sollen die
Ergebnisse der Studie vorliegen.
Was würden Sie einem Kind raten das den
Berufswunsch Astronaut hat?
Gerst: Das wichtigste ist, nicht aufzugeben, seine
Träume nicht hinten anzustellen, sondern zu
versuchen, ihnen wenigstens einmal eine faire
Chance zu geben. Man kann aufgrund der
statistischen Wahrscheinlichkeit natürlich nicht
fest planen, Astronaut zu werden. Daher sollte
Interview Alexander Gerst
13
Ingenieur oder Wissenschaftler gearbeitet
haben. Auf der ESA Webseite gibt es sehr
gute Informationen dazu und weitere Tipps!
Wie schwer ist es Ihnen gefallen Russisch
zu lernen?
Gerst: Das war nicht einfach. Ich fand das
Sprachtraining eines der anspruchsvollsten
Dinge in meinem Training. Russisch ist
natürlich auch keine einfache Sprache. Wir
mussten es in nur drei Monaten Intensivkurs lernen, denn ein Teil unseres
Trainings findet jetzt schon immer mal
wieder im Sternenstädtchen bei Moskau
statt — auf Russisch. Abgesehen davon bin
Die neuen ESA–Astronauten: oben (v.l.n.r): Timothy Peake ich jedoch froh, diese Chance bekommen
(GB), Andreas Mogensen (DK), Alexander Gerst (D), Luca zu haben. Russisch ist eine sehr schöne
Parmitano (I); unten (v.l.n.r.): Samantha Cristoforetti (I), und ausdrucksstarke Sprache, und es war
Thomas Pesquet (F)
schon immer ein Traum von mir, einmal
man sein Leben nicht komplett daran ausrichten, mit der Transsibirischen Eisenbahn zu fahren. Ich
um dann enttäuscht zu sein, wenn es nicht klappt. hoffe, dass ich in der Zukunft einmal Zeit dafür
Letztendlich ist es am erfolgversprechendsten, das haben werde.
zu tun, was einem liegt und Spaß macht. Dann ist
(cs)
man automatisch auch gut darin und das ist die
beste Voraussetzung. Um Astronaut zu werden,
kann man vorher zum Beispiel als Pilot, Arzt,
Wie es zum Interview mit Alexander
Gerst kam
Im Februar 2010 schrieb ich Alexander Gerst eine
Mail in der ich Ihm zur Berufung ins europäische
Austronautenkorps gratulierte und einen Autogrammwunsch äußerte. Zu meiner großen Freude
bekam ich kurze Zeit später eine persönliche Antwort. Er schrieb dass er mir gerne ein Autogramm
schickt, allerdings würde es etwas dauern da er
sich zur Zeit in Russland zum Training befinde.
Ein paar Wochen später bekam ich Post von der
ESA. Voller Freude öffnete ich den Brief der zu
meiner großen Überraschung nicht nur ein Autogramm von Alexander Gerst sondern zusätzlich
noch ein Gruppenbild aller neuen ESA Astronauten: Samantha Cristoforetti (Italien), Alexander
Gerst (Deutschland), Andreas Mogensen (Dänemark), Luca Parmitano (Italien), Timothy Peake
(Großbritannien), Thomas Pesquet (Frankreich)
mit Autogramm enthielt. Das war natürlich mehr
als ich mir erhofft hatte und ich freute mich riesig.
Am 22. November 2010 beendeten die sechs neuen ESA Astronauten Ihr Basistraining. Zu diesem
Anlass schrieb ich Alexander Gerst wieder um
Ihm zu gratulieren. In der Mail fragte ich Ihn ob er
in einem Kurzinterview drei Fragen per Mail für
unser Mitteilungsblatt Astro-News beantworten
würde. Da ich natürlich weiß wie knapp die Zeit
der Astronauten bemessen ist machte ich mir da
keine allzu großen Hoffnungen.
Allerdings erhielt ich kurz darauf eine sehr nette
Mail von Frau Bärbel Niederlag-Scholz der ESA.
Sie schrieb dass die Astronauten Fragen nicht so
gerne schriftlich beantworten, da dies sehr viel
Zeit in Anspruch nehme. Wir könnten aber gerne
ein telefonisches Interview vereinbaren. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Die Vorfreude war
groß und natürlich war ich etwas nervös.
Das Interview fand dann am 14. Dezember 2010
statt. Alexander Gerst war supernett, und aus der
Idee drei Fragen per Mail zu stellen wurde ein fast
20 minütiges Telefoninterview.
(cs)
14
Sternwarten, Astronomietag
Sternwarte Bieselsberg
Führungen
Im Frühjahr konnten wir endlich auch mal wieder
Führungen durchführen und sogar Sonderführungen abhalten. Vom Klinikum Nordschwarzwald
war eine kleine Gruppe zu Besuch, die von Christian Witzemann fachkundig durch den Abendhimmel geführt wurde. Und Kay Niemzig konnte
einer Schulklasse die Faszination des Sterne beobachtens näher bringen.
Auch die erste Sonnenführung Ende Mai brachte einige Besucher zur Sternwarte. Erfreulicherweise
zeigte sich die Sonne auch ungewohnt aktiv und
präsentierte dazu gleich fünf Sonnenfleckengruppen, von denen zwei jeweils etwa ein Dutzend
Sonnenflecken hatte. Für die Besucher war das natürlich sehr interessant. Auch einige kleinere Protuberanzen waren zu sehen, die sich im Laufe des
Nachmittags noch vergrößerten.
Wie jedes Jahr in Bieselsberg geht es mit den
Abendführungen erst ab August wieder los. Bis dahin stehen aber noch zwei Sonnenführungen auf
dem Programm (26.6., 31.7.).
Sternwarte Keplergymnasium
Führungen
Auf dem Kepler–Gymnasium ist derzeit die übli-
che Beobachtunspause wegen der späten Dämmerung und der Sommerferien. Erst im Oktober geht
es mit dem abendlichen Führungsbetrieb weiter.
9. Deutscher Astronomietag am 9. April
Astronomietag
Am Astronomietag herrschte bei uns recht gutes
Wetter, so dass wir das volle Programm durchziehen konnten.
Im Keplergymnasium begannen wir den Abend
mit dem Vortrag über den Mond. Der Vortrag war
leider nicht sehr gut besucht, aber den Anwesenden hat er sehr gut gefallen. Gleich im Anschluss
ging es dann rauf in die Kuppel, wo noch eine ganze Weile der Abendhimmel beobachtet wurde.
In Bieselsberg warteten schon vor 16 Uhr einige
Besucher auf die Öffnung der Sternwarte! Als es
dann pünktlich losging füllte sich die Kuppel
schnell mit einigen Interessierten, die dann fasziniert die Sonnenflecken betrachteten. Auch die Protuberanzen
und
die
Granulation
der
Sonnenoberfläche zogen die Beobachter in ihren
Bann.
Gegen Abend wurde dann der Andrang etwas geringer, aber dafür schaute ein Fotograf vorbei, der für
die Vereinigung der Sternfreunde unterwegs war
um von den verschiedenen Veranstaltungen Bilder
zu schiessen. Nach einer sehr angeregten Unterhaltung zog er dann weiter Richtung Weil der Stadt.
Parallel dazu wurde für die AAPler der Grill angeworfen um wir nutzten die fast besucherlose Zeit
zwischen Sonnenbeobachtung und Sternführung
um uns etwas zu stärken. Das war wie immer eine
schöne gesellige Abwechslung des Beobachtungstages.
Als so langsam die Dämmerung Einzug hielt kamen auch wieder ein paar Besucher. Zunächst
konnten wir natürlich ausgiebig den Mond anschauen, bevor wir dann zu den Objekten außerhalb unseres Sonnensystems gewechselt haben.
Der Orionnebel war noch tief im Westen anzuschauen und nach einigen weiteren Objekten gelangten wir dann wieder zurück ins Sonnensystem
zum Ringplaneten Saturn.
Nachdem so gegen 23 Uhr die Besucher alle verschwunden waren harrten drei Mitglieder noch ein
wenig aus und nutzten die sehr klare Nacht und geringe Luftunruhe um noch bis weit nach 1 Uhr den
Saturn mit bis zu 500-facher Vergrößerung zu geniessen.
Alles in allem waren etwa 50 Besucher in beiden
Sternwarten, was für uns ein ordentlicher Andrang
war. Im Kepler hätte es zwar noch etwas mehr
sein dürfen, aber insgesamt war der Astronomietag ein erfolgreicher Beobachtungstag.
(mt)
Astronomietag, Beobachtergruppe
15
Anblick der Sonne durch das PST am Astronomietag. Man erkennt
rechts unten (auf 3 Uhr) und rechts oben (auf 1 Uhr) Protuberanzen.
Auch die Sonnenoberfläche zeigt einige größere dunkle Filamente
(vor allem rechts unten) und einige hellere aktive Gebiete.
Die kleinen schwarzen Punkte und das kleine „L“ links unten sind
Staub auf der Optik.
Beobachtergruppe
Sturm auf dem Saturn
Im Frühjahr wurde Saturn für uns ein gutes Beobachtungsobjekt. Zumindest spät am Abend war er
in gute Beobachtungsposition im Südosten gerückt
und konnte studiert werden. Wie auch Jupiter im
vergangenen Jahr wollte ich Saturn einige Male fotografieren, auch wenn er nicht so viele Oberflächenstrukturen zeigt wie sein größerer Nachbar.
Zusätzliche Motivation, den Ringplaneten abzulichten bekam ich durch die Meldungen, dass ein
Sturm auf ihm zu sehen war. Wie schon im wissenschaftlichen Artikel hier in dieser Ausgabe zu lesen ist, tobte er seit Ende 2010 in einem der
Wolkenbänder. Durch seine Größe sollte er auch bequem mit Amateurmitteln zu beobachten sein.
Als im März und April einige brauchbare Beobachtungsnächte kamen ging ich ans Werk. Mit meinem 11–Zöller und einer 2fach–Barlowlinse
erreiche ich etwa 6m Brennweite. Als Aufnahmegerät dienten mir meine WebCam und meine
(Schwarzweiß–)CCD–Kamera. Zusätzlich arbeite
ich bei der CCD–Kamera noch mit Farbfiltern um
zum einen die Abbildungsqualität noch zu steigern
und zum anderen in verschiedenen Wellenlängenbereichen des Lichts arbeiten zu können, denn die
Strukturen sehen nicht unbedingt bei allen Farben
gleich aus.
Mit meiner Ausrüstung bildet man unseren zweitgrößten Planeten auf etwa 100 Bildpunkte ab während die Ausdehnung des Ringsystems sogar etwa
250 Bildpunkte beträgt. Damit lassen sich schon
einige Details erkennen.
Auch wenn Luftunruhe meist recht hoch war, gelang es mir dennoch, an mehreren Abenden ganz
gute Filmsequenzen aufzunehmen. Nach der Bearbeitung mit einem Auswerteprogramm (Registax)
zeigte sich der Sturm an einigen Tagen sehr gut.
Auch zeigte sich, dass er sich über Wochen hinweg veränderte und somit immer wieder einen
neuen Anblick versprach.
Es macht doch immer wieder viel Spaß, auch in
unserem Sonnensystem auf Tour zu gehen und vor
allem die schnellen Veränderungen zu beobachten.
Auch mit einfacheren Mitteln kann man schon die
großen Planeten digital einfangen, probieren sie es
doch auch mal!
(mt)
16
Beobachtergruppe, Vorträge
Die linke Aufnahme enstand am 22.3.2011.
Sie wurde mit einem Grünfilter (W58)
aufgenommen und zeigt den Sturm auf Saturn
über mehr als die halbe Breite des sichtbaren
Bereichs des oberen Wolkenbandes. Im
kleinen Ausschnitt ist noch mal ein
kontrastverstärkter Ausschnitt des Sturms zu
sehen.
Nebenbei sieht man auch schön die
Cassini–Teilung des Ringsystems.
Die Aufnahme links wurde am 10.4.2011
aufgenommen. Dieses Mal wurde ein Rotfilter
(W25) verwendet um bei nicht so optimalen
Bedingungen die Verschmierung durch
Luftunruhe zu verringern. Man erkennt den
Sturm immer noch, allerdings ist er bei
weitem nicht mehr so breit wie noch drei
Wochen zuvor. Auch hier ist im kleinen
Ausschnitt noch einmal ein
kontrastverstärkter Teil des Wolkenbandes
gezeigt.
Vorträge
3. Juni: Kugelsternhaufen
Jeder kennt sicher bekannte Kugelsternhaufen wie
M13 im Herkules, M3 in den Jagdhunden oder
auch M5 in der Schlange, in denen zwischen einer
halben und einer ganzen Million Sterne
1. Juli: Die Milchstraße und ihr Platz
im All
kugelförmig um ein Zentrum angeordnet sind.
Werner Löffler wird uns in seinem Vortrag in
diese Welt der Kugelsternhaufen entführen — in
diese großen wie auch die kleineren Vertreter
dieser Gattung.
bringen, wo sich unsere Heimatgalaxie in den fast
endlosen Weiten des Alls befindet.
Thilo Kranz wird uns in seinem Vortrag näher
2. September: Der Kleinplanet Vesta
als Beobachtungsobjekt
In diesem Aktivvortrag wird uns Bernd Vogt den
Kleinplaneten Vesta vorstellen. An der Sternwar-
te in Bieselsberg, an der wir ausnahmsweise diesen Vortrag machen, besteht dann bei gutem
Wetter natürlich gleich die Möglichkeit, ihn auch
zu beobachten, da er im Herbst am Abendhimmel
zu finden ist.
17
Beobachtungsobjekte
Beobachtungsobjekte
Himmelsanblick am 1. Juli um 22 Uhr MESZ
Beobachtungsobjekte im Sommer
Imr Sommer sind ja bekannterweise die Nächte
kurz und somit die Beobachtungszeit kostbar. Aber
man kann ja in der Dämmerung schon beginnen
den Mond oder die hellen Planeten ins Visier zu
nehmen. Venus kann noch bis in den August hinein am Abendhimmel beobachtet werden. Die Phasenänderungen sind bequem über Monate hinweg
festzustellen.
Auch Saturn verabschiedet sich erst im August
langsam von der abendlichen Himmelsbühne. Er
ist zwar nicht mehr so groß wie noch im Frühjahr,
aber das Ringsystem und die Wolkenstrukturen bieten trotzdem noch einen schönen Anblick. Und
wie man gesehen hat wartet er auch ab und zu mit
überraschenden Stürmen auf! Ab August findet
sich dann spät in der Nacht auch wieder Jupiter am
Himmel. Ihn kann man dann eher zum Abschluß
der Beobachtungsnacht geniessen.
Mit dem Fernglas wäre ich natürlich viel in der
Milchstraße unterwegs. Der Nordamerikanebel ist
zwar bei dunklem Himmel auch schon gut mit
dem bloßen Auge sichtbar, aber mit dem Feldstecher kann man ihn noch besser anschauen. Im Süden bieten Skorpion und Schütze nun einige
Schätze an. Vom Kugelsternhaufen M4 nahe Antares lässt man den Blick nach Ostern schweifen
und nimmt den Lagunennebel (M8) im Schützen
ins Blickfeld. Von dort ist es nur ein kurzer
Schwenk weiter nach Osten zum Kugelsternhaufen M22. Nach Norden ist es dann nicht mehr allzu weit zu einem weiteren offenen Sternhaufen
M11 im Schild.
Der Fernrohrbeobachter hat natürlich im Schützen
auch jede Menge Auswahl, jede Menge Messierobjekte finden sich dort wie z.B. der Trifidnebel
(M20) und der Schwanennebel (M17).
Mit größerem Teleskop oder nicht allzu langen Belichtungen mit dem Fotoapparat lässt sich auch
18
Pluto in der Nähe finden (etwas südöstlich von
M18).
Auch der Schlangenträger bietet noch ein paar Kugelsternhaufen, die interessant bei mittleren Vergrößerungen sind: M10 und M12. M107, M9 und
M14 sind da schon „härtere Nüsse“, die nicht so
schön aufgelöst erscheinen.
Verschiedenes
Und vergessen sie nicht: am 15. Juni ist eine totale Mondfinsternis bei der der Mond schon
teilweise verfinstert aufgeht und zu bequemer
Abendzeit komplett im Erdschatten verschwindet und!
(mt)
Verschiedenes
Otto von Struve
Otto von Struve (* 12. August 1897 in Charkow,
Ukraine; † 6. April 1963 in Berkeley/Kalifornien
USA), war ein russisch–amerikanischer Astronom,
deutsch–baltischer Abstammung.
Otto von Struve wurde am 12. August 1897 in Charkow als letztes Mitglied einer traditionsreichen
deutsch–russischen Astro- nomenfamilie geboren,
der es in dieser Wissenschaft zu Ruhm und Ehre
brachte.
Sein Ururgroßvater war der berühmte Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793–1864), Direktor der
Sternwarten zu Dorpat und Pulkowo, sein Vater
Ludwig von Struve (1858–1920) stieg in diesen Observatorien ebenfalls in hohe Führungspositionen
auf und wurde später Direktor der Charkower Sternwarte.
Nach seiner Schulzeit begann Otto von Struve ab
1914 Astronomie an der Universität Charkow zu
studieren. Sein Studium wurde durch den russischen Bürgerkrieg unterbrochen, in dem er auf der
Seite der Weißen Armee kämpfte. Nach Kriegsende schloss er sein Studium ab und lehrte auch für
kurze Zeit als Dozent.
1921 siedelte er in die Vereinigten Staaten über
und wirkte schon bald als Assistant for stellar spectroscopy am Yerkes Observatory in Williams Bay,
Wisconsin. Dieses Observatorium gehörte der University of Chicago, die ihm die Wiederaufnahme
des Astronomiestudiums gestattete. Struve promovierte 1923 und im darauffolgenden Jahr avancierte er zum Dozenten in Yerkes.
Als solcher heiratete er 1925 Mary Martha Lanning. Da die Ehe kinderlos blieb, blieb Otto von
Struve der letzte Spross der großen Astronomenfamilie Struve.
1927 wurde Struve zum Assistant Professor ernannt und noch im selben Jahr bekam er die USamerikanische Staatsbürgerschaft. 1930 wurde er
zum associate professor befördert und 1931 zum
Assistant Director. Von 1932 bis 1947 war er deren Direktor und gleichzeitig ordentlicher Professor für Astronomie an der Universität Chicago und
Direktor des McDonald–Observatory der University of Texas.
1950 legte Struve die Ämter aus gesundheitlichen
Gründen in Austin und in Chicago nieder und
nahm einen Ruf der University of California, Berkeley an. Dort lehrte er an der astronomischen Fakultät und leitete das Leuschner Observatory, das
zu dieser Fakultät gehörte.
1952 bis 1955 war Otto von Struve Präsident der
Internationalen Astronomischen Union (IAU) und
ab 1959 leitete er dann das National Radio Observatory in Green Bank, eine erst kurz zuvor gegründete
Sternwarte
für
radioastronomische
19
Termine
Beobachtungen, bis an sein Lebensende.
Zu Otto von Struves umfangreichen Tätigkeiten
zählten die Herausgabe des Astrophysical Journal,
die interstellare Materie, die Rotation von Sternen,
die Radialgeschwindigkeiten galaktischer Sterne
und extragalaktischer Sternsysteme, die spektroskopische Untersuchung von Doppelsternen, die theoretischen Untersuchungen über Sterne mit
ausgedehnten Gashüllen und die erste Beobachtung von Radioquellen.
1925 entdeckte er das chemische Element Calcium
in einigen Spektren, was er auf dessen Vorhandensein in der interstellaren Materie zurückführte, und
1938 gelang ihm der Nachweis, dass sie auch Wasserstoff in großen Mengen enthält. 1954 wurde er
als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society aufgenommen. Otto von Struve starb am 6. April 1963
in Berkeley.
Weitere Ehrungen:
1944 Goldmedaille der Royal Astronomical Society
1948 Bruce Medal der Astronomical Society of
the Pacific
1957 Henry Norris Russell Lectureship
Ein Mondkrater, ein Asteroid (2227 Otto Struve)
und ein Teleskop (Otto Struve Telescope) sind
nach ihm benannt.
(ws)
Termine
Astronomische Vorschau
1. Juni
Partielle Sonnenfinsternis, nicht von Deutschland aus sichtbar (23.16–01.07 MESZ)
3. Juni
Neptun stationär, wird rückläufig (Beginn der Oppositionsschleife)
11. Juni
Mond: Goldener Henkel sichtbar am frühen Abend (Juraberge beleuchtet)
13. Juni
Saturn stationär, wird rechtläufig (Ende der Oppositionsschleife)
15. Juni
Totale Mondfinsternis (21.22 MESZ–23.03 MESZ), Beginn der Totalität praktisch bei
Mondaufgang (21.21 MESZ)
17. Juni
Frühester Sonnenaufgang des Jahres (5.22 MESZ)
21. Juni
Sommersonnenwende (19.17 MESZ)
26. Juni
Spätester Sonnenuntergang des Jahres (21.32 MESZ)
1. Juli
Partielle Sonnenfinsternis, nicht von Deutschland aus sichtbar (09.53–11.22 MEZ)
10. Juli
Uranus stationär, wird rückläufig (Beginn der Oppositionsschleife)
13. Juli
Mond bedeckt 44 Oph (4,2m), Eintritt an dunkler Seite (3.42 MESZ)
20. Juli
Mond bedeckt Kap Psc (5,0m), Eintritt an heller Seite (4.29 MESZ–5.35 MESZ)
23. August
Neptun in Opposition (Entfernung 29,0 AE, Helligkeit 7,8m)
30. August
Jupiter stationär, wird rückläufig (Beginn der Oppositionsschleife)
3. September
Merkur: maximale Elongation, Morgensichtbarkeit
16. September Pluto stationär, wird rechtläufig (Ende der Oppositionsschleife)
23. September Tagundnachtgleiche (11.05 MESZ)
26. September Uranus in Opposition (Entfernung 19,1 AE, Helligkeit 5,7m)
30. September Venus nahe Saturn, Abstand 1,3°
Impressum
20
Veranstaltungen und Treffen
3. Juni
Monatstreffen des AAP im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld –
Vortrag "Kugelsternhaufen" (20 Uhr) von W. Löffler
15. Juni
Beobachterstammtisch im Gasthaus "Grüner Hof" in Huchenfeld (20 Uhr)
26. Juni
Sonnenbeobachtung: ein Nachmittag auf der Sternwarte Nordschwarzwald (14-17 Uhr)
1. Juli
Monatstreffen des AAP im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld –
Vortrag "Die Milchstraße und ihr Platz im All" (20 Uhr) von T. Kranz
20. Juli
Beobachterstammtisch im Gasthaus "Grüner Hof" in Huchenfeld (20 Uhr)
31. Juli
Sonnenbeobachtung: ein Nachmittag auf der Sternwarte Nordschwarzwald (14-17 Uhr)
10. August
Öffentliche Führung der Sternwarte Nordschwarzwald in Bieselsberg (ab 21 Uhr)
17. August
Beobachterstammtisch im Gasthaus "Grüner Hof" in Huchenfeld (20 Uhr)
24. August
Öffentliche Führung der Sternwarte Nordschwarzwald in Bieselsberg (ab 21 Uhr)
2. September
Monatstreffen des AAP an der Sternwarte Bieselsberg –
Aktivvortrag "Kleinplanet Vesta als Beobachtungsobjekt" (20 Uhr) von B. Vogt
7. September
Öffentliche Führung der Sternwarte Nordschwarzwald in Bieselsberg (ab 21 Uhr)
11. September 5. Bieselsberger Spezialitätenwanderung (10-17 Uhr)
14. September Beobachterstammtisch im Gasthaus "Grüner Hof" in Huchenfeld (20 Uhr)
21. September Öffentliche Führung der Sternwarte Nordschwarzwald in Bieselsberg (ab 21 Uhr)
Im August kein Monatstreffen!
Impressum
Die Astro–News erscheinen quartalsweise in einer Auflage von 150 Exemplaren und dienen zur
Information von Mitgliedern, Freunden und Förderern des Astronomischen Arbeitskreises Pforzheim
1982 e. V. (AAP)
Vereinsanschrift:
Redaktion:
Astronomischer Arbeitskreis Pforzheim 1982 e. V.
Martin Tischhäuser
z.Hd. Sylja Baalmann
Silcherstraße 7
Rotestraße 22
72218 Wildberg
75334 Straubenhardt
Bankverbindung: Konto 19 12 100, Sparkasse Pforzheim (BLZ 666 500 85)
Redakteure:
Martin Tischhäuser (mt), Martin Stuhlinger (ms), Wolfgang Schatz (ws)
Christian Sollner (cs)
Auflage:
150 Exemplare
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 20. August 2011
Der AAP im Internet:
http://www.aap-pforzheim.de
http://www.sternwarte-bieselsberg.de
http://www.sternwarte-nordschwarzwald.de
© 2011 Astronomischer Arbeitskreis Pforzheim 1982 e. V.
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