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Werbung
azonline vom 04.04.2012
Stopp dem Strapsen tragenden Hausmütterchen: SP-Nationalrätin Yvonne Feri
aus Wettingen hat genug von sexistischer Werbung und wünscht sich, dass diese
schweizweit verboten wird.
von Erna Lang-Jonsdottir
Sexy oder sexistisch - zwei Wörter, deren Bedeutung für SP-Nationalrätin Yvonne Feri aus
Wettingen bei der Werbung unterschieden werden müssen. Vor einem Monat hat sie beim Bundesrat
eine Interpellation eingereicht, in der sie fragt, ob er sexistische Werbung auf Bundesebene zu
verbieten gedenkt (die az Aargauer Zeitung berichtete).
Dabei geht es ihr nicht darum, keine nackte Haut oder knapp bekleidete Männer und Frauen zu
zeigen: «Gegen sexy Werbung - wie es bei Frauenunterwäsche der Fall ist - habe ich nichts
einzuwenden. Sexistische Werbung hingegen, die Geschlechter diskriminiert oder Unterwerfung
und Ausbeutung darstellt, muss verboten werden.»
Doch wo liegt die Grenze zwischen sexy und sexistisch und wie präsent sind solche Plakate
überhaupt? Die az wollte es wissen und fuhr durch das Freiamt und durch die Bezirke Baden, Brugg
und Zurzach.
Feri: 5 von 10 Plakaten sexistisch
Ganz einfach war es nicht, sexistische Werbung zu finden. Dies vor allem, weil bei der Beurteilung
von Werbung das subjektive Empfinden von «sexistisch» mitspielt. Also wurden alle verdächtigen
Plakate fotografiert und danach Yvonne Feri zur Beurteilung vorgelegt. Das Ergebnis: Von 10
Plakaten wurden 5 von Feri als sexistisch eingestuft. Die Kriterien? «In 5 Fällen werden die
Geschlechter diskriminiert; ihre Gleichwertigkeit wird infrage gestellt. Die Bilder sind zweideutig,
teils lasziv und haben überhaupt nichts mit dem Produkt zu tun.»
Doch wer legt fest, welche Werbung sexistisch ist? Die Lauterkeitskommission habe Grundsätze für
die Bewertung von geschlechterdiskriminierender Werbung festgelegt, erklärt Feri. Diese
Grundsätze habe sie als Anlehnung in ihrer Interpellation aufgeführt. «Die Verstösse gegen die
Lauterkeit in der Werbung werden aber nur auf Klage von Konsumenten geprüft» , gibt sie zu
bedenken.
Keine entwürdigenden Bilder
Wo liegt die Grenze zwischen sexy und sexistisch? «Das ist die Schwierigkeit an dem ganzen
Thema. Die Grenze ist schwammig und von der subjektiven Wahrnehmung abhängig.» Sie fordere
stärkere Richtlinien für Werbung und ein Aufzeigen von Grenzen für sexistische Werbung. Als
sexistisch erachte sie nebst den erwähnten Kriterien auch Werbung, die Männer und Frauen mit
stereotypischen Eigenschaften zeige. «Eine Frau als Hausmütterchen hinzustellen, ist
stereotypisch.» Weiter frage sie sich, was eine Frau von hinten mit Strapsen auf einer Autowerbung
zu suchen habe oder eine Frau auf einem Spieltisch, die lasziv auf einem Delfin reitet.
Sie wünsche sich, dass die Lauterkeitskommission die Werbung genauer kontrolliere. «Für meinen
Geschmack gibt es noch zu viel sexistische Werbung.» Leider seien Frauen öfters davon betroffen.
Die Darstellung der Frau in der Werbung sei ein Puzzleteil in der Gleichberechtigung. «Kinder und
Jugendliche können diese Bilder sehen. Wir müssen aufpassen, was ihnen vermittelt wird.» Sie
wolle verhindern, dass Frauen und Männer in ein Muster gedrängt oder entwürdigend dargestellt
werden.
Wie soll das Problem gelöst werden? «Das Problem könnte gelöst werden, in dem der
Lauterkeitskommission klarere Kompetenzen und Kriterien für die Beurteilung von Werbung
gegeben werden.» Eine andere Möglichkeit wäre für Feri eine Ombudsstelle auf Bundesebene, die
sich der Kontrolle von sexistischer Werbung annimmt, ähnlich dem Preisüberwacher. So könne der
Geschlechterdiskriminierung entgegengewirkt werden, «was mir ein grosses Anliegen ist».
Grundlage der Interpellation an den Bundesrat seien nicht vereinzelte Plakate in der Region,
sondern ein Waadtländer Parlamentsentscheid, der ein Verbot sexistischer Werbung fordere. Zudem
knüpfe sie an die Arbeit der ehemaligen SP-Nationalrätin Doris Stump aus Wettingen an. Stump
reichte 2006 eine Motion in gleicher Sache ein, blitzte aber ab.
Für die Gleichstellung kämpfen
«Wenn wir Frauen aufhören, uns für Frauen einzusetzen, gehen wir in der Gleichstellung
rückwärts.» Die junge Frau von heute denke anders. «Die neue Generation hat den Kampf um die
Gleichstellung der Frau nicht miterlebt. Heute ärgern sich Frauen lediglich über Missstände bei den
Löhnen.» Dementsprechend habe sie auch Rückmeldungen erhalten: «Einige finden meine
Interpellation übertrieben, andere schätzen meinen Einsatz.»
Wird Yvonne Feri als Emanze betitelt? «Das geschieht schnell, wenn man sich als Frau für Frauen
einsetzt», sagt Feri und lacht. Sie sei keine Emanze und auch keine Feministin im klassischen Sinn.
«Ich setze mich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Männer und Frauen sollen das
Recht haben, zu tun, was sie wollen.» Was, falls ihre Interpellation negativ beantwortet wird? «Ich
wäre nicht überrascht aber enttäuscht.» Ob sie weitere Schritte auf politischer Ebene mache, «das
lasse ich noch offen».
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