Kölner Stadt-Anzeiger: PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG im TAS

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 Kölner Stadt-Anzeiger: PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG
im TAS
Auszug: "Joe Knipp gibt in seiner schnörkellosen Inszenierung ... den Text zur Interpretation frei... Beeindruckend zu sehen, wie Anna Möbus und Julian Baboi in einem wahren schauspielerischen Kraftakt mit nur minimalen Kostümwechsel in neue Rollen schlüpfen. Vor allem das junge Nachwuchstalent Möbus
überzeugt mit großer Wandlungsfähigkeit. Gerade noch strahlend jugendliche Natalie, brilliert sie im nächsten Augenblick als knorrig-leutseliger Obrist Kottwitz, beide bemüht, den nun von Baboi verkörperten Kurfürsten umzustimmen. Wenn sich im Laufe des Stückes die Akteure in Allianzen finden und diese wieder
aufgebrochen werden, spiegelt dies eine unsichere Welt im Aufbruch und Wandel wider, wie sie Kleist in Preußen nach den napoleonischen Kriegen angetroffen hat und wie er sie als zeitloses Gedankenspiel niederschrieb." (nor) Kölnische Rundschau: Kleist im TAS
Auszüge aus der Rezension: (K)Ein Platz für Träumer - Alida
Pisu am Dienstag, 24.11.2015
Alida Pisu am Dienstag, 24.11.2015
veröffentlicht auf meinesuedstadt
Foto: Francesca Magistro
Eine grasgrüne, schmale Mauer. Und mit der Mauer allein, die die Bühne beherrscht, ist schon viel gesagt. Schmal ist der Grat, auf dem wir wandeln. Ein falscher Schritt, und der Sturz ins Bodenlose ist die Folge. Mauern trennen, stehen als Hindernisse im Weg, steinerne Mauern erweisen sich oftmals gar als
unüberwindbar...
Manchmal ist weniger mehr. Mit zwei Schauspielern ein Stück zu bestreiten, in dem es von unterschiedlichsten Charakteren nur so wimmelt: Kann das gut gehen? Ja, das kann es, und es hat sogar einen ganz besonderen Reiz... Was nun den Reiz der Knippschen Inszenierung ausmacht, ist das Spiel mit den Rollen...
Und das ist so aktuell wie nur irgendetwas. Nur ein Gedanke daran, was sich derzeit an den Grenzen Europas abspielt, und schon wird klar: Es ist ein gewaltiger Unterschied, und es sind zwei völlig verschiedene Sichtweisen, ob ich vor einer Mauer stehe oder dahinter.
Prinz Friedrich von Homburg (Julian Baboi), dieser geistesabwesende Träumer, der auf einen Handschuh seiner Angebeteten, Prinzessin Natalie (Anna Möbus), so fixiert ist, dass er die Anordnung des Kurfürsten, erst auf seinen Befehl hin in der bevorstehenden Schlacht anzugreifen, nicht aufnimmt. Wie ein
Fremdkörper wirkt er, der Welt fremd, aber auch sich selbst fremd. Wie gefangen in einem Raum, der jenseits von Realität liegt und angefüllt ist mit Schwärmerei und Blindheit. Gegenüber der unvermeidlichen Wirklichkeit... Kein Platz also für Träumer auf dieser Welt?
Doch! Denn, wie gesagt, der Rollen- bzw. der Perspektivwechsel, der in der Inszenierung angelegt ist, ließe sich vielleicht so formulieren: „Ich könnte auch du sein.“ Beide Schauspieler agieren, ganz in weiß, in identischen Kostümen und es genügt der flotte Wechsel eines Jöppchens, das Anlegen einer Schärpe, das
Überstülpen einer Perücke, um Natalie in die Haut Friedrichs schlüpfen oder Friedrich zum Kurfürsten werden zu lassen... So wie der eine gegen das Recht verstößt, so muss der andere es verteidigen. Doch da, wo die Grenzen zwischen Ich und Du verschwimmen, wo Gewissheiten nur eine Frage des Blickwinkels sind,
da ist alles möglich. Auch unerwartete und unverdiente Gnade.
Das Anfangsbild, in dem Friedrich auf der Mauer liegt, wird im Schlussbild wieder aufgegriffen. Der Prinz, sich bewegend wie ein Somnambuler, wird von Natalie „geweckt“, die ihn mit dem Lorbeerkranz des Siegers krönt. Friedrichs Frage: „Ist es ein Traum?“, bleibt unbeantwortet. Oder vielleicht doch nicht? Das Gras
ist so grün, wie die Hoffnung so grün. Und die Träumer, die Weltfremden, wenn wir sie nicht hätten, wer sollte das Gras denn dann erblühen und ergrünen lassen…
Ein zeitloser Klassiker in einer modernen Interpretation mit zwei Schauspielern, die durch ihre Wandlungsfähigkeit überzeugen und bestechen. Das Publikum dankte es ihnen mit herzlichem Applaus.
DER GOTT DES GEMETZELS - REZENSION KÖLNISCHE
RUNDSCHAU
Konfrontation beim Kaffeekränzchen - von Alida Pisu, 26.08.2015
„Der Gott des Gemetzels“, eine der weltweit meist gespielten Komödien von Yasmina Reza, 2011 auch
von Roman Polanski verfilmt, hat am 27. August Premiere im Theater am Sachsenring. Das Theater kann
2015 sein 28jähriges Bestehen feiern und auf eine lange Reihe ebenso erfolgreicher wie beeindruckender
Inszenierungen zurückblicken. Meine Südstadt hat dem TAS einen Probenbesuch abgestattet.
Eine Rauferei zwischen zwei Jungs endet mit ausgeschlagenen Zähnen und hat unerwartete Folgen.
Treffen sich doch die zugehörigen Elternpaare, gut situierte, kultivierte und politisch korrekte Leute, bei
Kaffee und Kuchen zu einem klärenden Gespräch. Was als Friedensgipfel beginnt, artet in eine
fulminante Zimmerschlacht aus, in der das Faustrecht der Prärie gilt.
Die Rollen sind scheinbar klar verteilt: hier die Eltern Annette (Bettina Scholmann) und Alain (Julian
Baboi) des bösen Buben Ferdinand auf der Arme-Sünder-Bank. Dort die Eltern Véronique (Doris Lehner)
und Michel (Richard Hucke) des Opfers Bruno, die sich mit einem schwarzen Würfel begnügen müssen,
auf dem nur eine Person Platz nehmen kann. Zwischen ihnen zwei Stapel Kunst-Bücher und ein Strauß
Tulpen.
Annette und Alain sind die schick gestylten Prototypen des modernen Business-Menschen: sie ist
Vermögens-Beraterin, Alain arbeitet als Jurist für einen Pharma-Konzern. Véronique und Michel
wiederum verkörpern das Gutmenschentum in Reinkultur: Véronique schreibt an einem Buch über den
Dafour-Konflikt und hat ein Abonnement auf penetrante Sozialkritik. Michel führt einen
Eisenwarengroßhandel, in dem er u. a. Klospülungen verkauft und er sieht so aus, als könne er kein
Wässerchen trüben. Irgendwie wirken sie überhaupt allesamt nett, wie sie sich bei einem Stückchen
Apfel-Birne-Clafoutis über Kindererziehung und Backrezepte austauschen und beredt klassischen
Small-Talk betreiben. Dieses Bild jedoch hat nur so lange Bestand, bis Alain das erste von unzähligen Handy-Telefonaten führt,
das sich um eine heikle Studie dreht. Hat sich doch herausgestellt, dass der Pharma-Konzern ein
Medikament mit schweren Nebenwirkungen vertreibt. Alain zeigt sich als zynisches Arschloch, dem
Menschenleben ganz egal sind. Was einzig zählt, sind 150 Millionen Dollar Jahresumsatz. Bricht der
Umsatz weg, ist Alain seinen Job los. Dann doch lieber gewissenlos agieren und aufs Leugnen, Betrügen,
Verschleiern drängen.
Hören Gattin und Gutmenschen ihm zunächst noch gespannt zu, werden sie zunehmend desinteressierter,
reden dazwischen, überschreien sein Schwadronieren, umkreisen ihn bedrohlich. Das ist hübsch
choreographiert und spiegelt die zunehmend aufgeheizte Stimmung wider. Schließlich gerät die Gattin
über ein Telefonat so in Rage, dass sie auf einen Kokoschka-Band kotzt. Spätestens ab diesem Moment
lösen sich alle Strukturen auf. Die Ehen sind rissig, die Lebenslügen werden entlarvt und die Protagonisten erweisen sich als
dünnhäutig. Michel hat Knusperinchen, den Hamster seiner Tochter, auf der Straße ausgesetzt, weil er
Nagetiere hasst. Ist Knusperinchen nun tot? Warum hat Véronique nichts dagegen unternommen?
Niemand weiß es. Nur Ausreden und Rechtfertigungen. Und Angriffe und bohrendes Nachfragen der
Anderen, die nun munter die Fronten wechseln, während ein allgemeines Besäufnis anhebt, das die
letzten Schichten an Zivilisation davonfegt und völlig enthemmt. Véronique setzt sich auf Alains Schoß
und beklagt sich über Michel, Annette bekreischt ihre Ehe-Hölle, man prügelt einander. Alains Handy
landet in der Blumenvase, Kommentar Annette: „Männer hängen zu sehr an ihrem Zubehör, das macht
sie klein“. Kurz und klein gemacht wird auch der Blumenstrauß. Es geht wortwörtlich Schlag auf Schlag.
Dabei waren sie doch alle besten Willens und was ist passiert: sie landen im Gemetzel… Die Inszenierung ist sehr unterhaltsam, reich an Tempo und Pointen, die Schauspieler liefern sich
veritable Schlagabtausche und man sieht ihnen mit Vergnügen dabei zu. Gibt es etwas Ergötzenderes, als
den Nachbarn (oder gar sich selbst, denn ein bisschen was von ihnen steckt doch in uns allen) dabei
zuzusehen, wie sie sich selbst zerfleischen, wie sie sich streiten, sich fetzen, einander entblößen? Vor
allem aber: wie sie sich wandeln: die feinen Damen mutieren zu Furien, Michel lässt den Berserker raus,
Alain ist der Einzige, der sich selbst treu und wie er ist bleibt.
Und dann können sie einem fast schon wieder leid tun, als sie am Schluss ihrer Schlacht wie
Elendsgestalten auf der Bühne sitzen und aussehen als wären sie gerupfte Hühner. Federn mussten sie
jedenfalls zur Genüge lassen. Und wenn noch Hoffnung besteht, dann nur für den Hamster
Knusperinchen, der vielleicht doch nicht tot ist, sondern gerade irgendwo einen Festschmaus
verzehrt. Ein Festschmaus für Augen und Ohren ist er jedenfalls, „Der Gott des Gemetzels“ unter
der Regie von Joe Knipp. Hingehen, genießen und lauthals lachen, weil die Schlacht so schön ist!
Und das überzeugende Ensemble mit Applaus überschütten, er ist verdient!
Kölner Stadt-Anzeiger: „Gott des Gemetzels" im Sachsenring
Eine Schulhofrauferei zwischen dem elfjährigen Ferdinand Reille und dem gleichaltrigen Bruno Houillé
endet für Letzteren mit zwei herausgeschlagenen Zähnen. Wie gut, dass die Eltern der beiden Streithähne
sich zusammensetzen, um die Sache zivilisiert bei einem ruhigen Gespräch aus der Welt zu schaffen. Das
ist der Ausgangspunkt in Yasmina Rezas berühmtem Boulevardstück über Bildungsbürger und den
dünnen Firnis der Zivilisation. Das Stück ist durch Roman Polanskis Kinofassung und nicht zuletzt Karin Beiers Kölner
Schauspielhaus-Inszenierung aus dem Jahre 2007 wohlbekannt. Das Ensemble im Kölner Sachsenring
spielt also gegen berühmte Vorbilder an, hält sich aber im ungleichen Wettstreit beachtlich. Regisseur Joe
Knipp verwandelt die kleine Bühne des Südstadt-Theaters in eine intimes Schlachtfeld familiärer
Zwistigkeiten. Die Bühne (Hannelore Honnen) bleibt betont schlicht und lenkt, bis auf einen kleinen
gewitzten Hinweis auf Yasmina Rezas erstes Erfolgstück „Kunst", zu keinem Zeitpunkt vom Spiel der
Schauspieler ab. Doris Lehner gibt glaubwürdig die beflissene Gastgeberin Véronique deren Sohn als Opfer nun mit
Zahnlücke herumläuft. Richard Hucke ist ihr Mann Michel, ein Fahnenträger des gedeckelten
Mittelmaßes, hinter dessen behäbiger Bräsigkeit aber ein kleiner Choleriker lauert. Julian Baboi, in der
Rolle des Anwalts und Alpha-Tiers Alain Reille, macht hingegen aus seinem Herzen keine Mördergrube.
An seiner Seite mit feiner Arroganz Bettina Scholmann als Ehefrau Anette. Souverän drehen die vier Akteure an der Schraube des anschwellenden Konflikts. Ständig tun sich in dem
tragikomischen Tohuwabohu neue Allianzen auf, wobei die Wortgefechte unter den Eheleuten in der
Logik der Eskalation mit den gefährlichsten Waffen geführt werden. Am Ende der knackigen
75-minütigen Konfrontation sind die Ehen im Zustand gefährlicher Erosion und die Hoffnungen auf
zivilisierte Umgangsformen vom Gott des Gemetzels gänzlich zunichtegemacht worden. (NoR) Portrait des Schauspielers Richard Hucke: Leidenschaft, aber
nicht um jeden Preis
Richard Hucke über Selbstdarsteller und seine nächste Premiere „Der Gott des Gemetzels" VON BARBRO SCHUCHARDT Träumt nicht jeder Theaterschauspieler davon im Film und Fernsehen groß herauszukommen? Richard
Hucke nicht. Er steht lieber auf den kleinen Kölner Bühnen als im Scheinwerferlicht der Studios. 'Ich will
durch meine Arbeit wahrgenommen werden und nicht durch Selbstdarstellung. Popularität interessiert
mich nicht' erklärt der 52-jährige Kieler. der auch im Gespräch von sympathischer norddeutscher
Zurückhaltung ist. Finanzielle Basis als Sprecher Wohl abgewogen sind seine Sätze über die Rollen, mit denen er sich vor allem bei Aufführungen im
Theater am Sachsenring profiliert hat. Dort steht er auch am 27. August wieder im Rampenlicht - als
Michel in Joe Knipps Inszenierung von Yasmina Rezas Erfolgsstück 'Der Gott des Gemetzels'. Der Mann
mit den markanten Zügen und der rotblonden Haartolle ist in der komfortablen Lage sich seine
Theaterengagements aussuchen zu können. Beim WDR und dem Deutschlandfunk hat der Lehrersohn,
der in Berlin studierte und die Schauspielausbildung absolvierte, seine finanzielle Basis als fester freier
Sprecher von Nachrichten und Features. Film und Fernsehen haben natürlich auch angefragt. 'Aber die Arbeit dort reizt mich nicht sehr', sagt
Hucke. 'Da liefert man tagsüber seinen Text-Part ab und geht abends nach Hause. Spannender finde ich
Kurzfilme von Studenten oder ein Projekt wie Stefan Krauses ,Cabinet des Dr. Caligari' in der Orangerie
nach dem Stumm-Klassiker von 1920: Und er stellt klar: 'Ich bin mit Leidenschaft Schauspieler, aber
nicht um jeden Preis. Eine Rolle muss mir liegen, ich möchte sie entwickeln, ihre tieferen Schichten
aufdecken. Dabei ist mir ein Regisseur unheimlich wichtig. Ich brauche jemanden, der das Ganze im
Blick hat. Spielen und zugleich Regie führen - das könnte ich nie.' Besonders gut funktioniert die Zusammenarbeit mit Joe Knipp, der ihn 2003 für seine Inszenierung von
'Das Fest' nach Thomas Vinterberg und Mogens Rukov engagierte. Seitdem prägte Hucke, der seit 25
Jahren in Köln lebt, am TaS auch Arbeiten wie 'Szenen einer Ehe' (2012) und Peer Gynt (2013). 'Ein
tolles Stück in seiner märchenhaften Lyrik. aber der schwierigste Text, der Ist mir je untergekommen ist',
erzählt Hucke. 'Christian Morgensterns Übersetzung von Ibsens Stück ist so komplex in ihren
Konstruktionen und Begrifflichkeiten - das war echt mühsam' Schlagabtausch mit Ehefrau Ein Zufall. dass sein eigener Sohn auch Peer heißt. Der 19-jährige hat keine Bühnen-Am-bitionen. Mit
dessen Mutter Bettina Scholmann steht Hucke jedoch in 'Der Gott des Gemetzels' gemeinsam auf der
Bühne (in weiteren Rollen: Doris Lehner und Julian Baboil. Allerdings nicht als Ehepaar: sondern als
Gegner. die sich bei der Frage wer wessen Kind verprügelt hat. erbittert bekriegen. 'Bei der Konstellation
kann nichts Privates hinein spielen!' lacht Hucke. DRACULA - Die Rundschau schreibt: Das TaS "spielt virtuos mit
der Imagination"
Eher düster schwarz als blutrot (Foto: Siewer)
Ohne die handelsüblichen Effekte Bram Stokers „Dracula": Theater am Sachsenring setzt auf die Vorstellungskraft VON BARBRO SCHUCHARDT 117 Jahre hat Bram Stokers „Dracula" auf dem Buckel. Eigentlich kein Alter für einen Vampir, der sich seine Unsterblichkeit durch frisches Blut sichert. Solches injizierte ihm jetzt Sabine Dissel, die für das Theater am Sachsenring eine bühnenwirksame Neubearbeitung schuf. Der irische Journalist und Theatermann Bram Stoker (1847-1912) bediente 1897 mit seinem Briefroman die Vorliebe seiner Zeitgenossen für romantische Gruselgeschichten. Wobei Freudsche Theorien und die gerade in Mode kommende Hypnose gewiss schon grüßen ließen. In der nur durch Crowdfunding ermöglichte Uraufführung im TaS gibt es keine spitzen Eckzähne, keinen Sarg und keinen Tropfen „Blut". Die Inszenierung von TaS-Chef Joe Knipp verzichtet auf die handelsüblichen Effekte und spielt virtuos mit der Imagination und tiefenpsychologischer Symbolik seelischer Abgründe. Da geht es um Wahn und Wirklichkeit, Eros und Thanatos, Faust und Mephisto und den Kampf mit den eigenen
Dämonen. Ein paar mobile Rahmen und eine kluge Lichtregie (Bühne: Hannelore Honnen) genügen, um die klaustrophobische Atmosphäre zu schaffen, in der sich die vier großartigen Akteure (alle in mehreren Rollen) bewegen. Durch den ständigen, mitunter etwas verwirrenden Wechsel der Identitäten und Schauplätze entstehen scharf geschnittene, alptraumartige Szenen, die das Lachen gefrieren lassen. Als Graf Dracula (Felix von Frantzius) von Transsylvanien nach London zieht, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die somnambule Lucy (Signe
Zurmühlen; sie alterniert mit Marie Hiller) hat plötzlich zwei punktförmige Male am Hals. Können ihre Freundin Mina (Jennifer Tilesi Silke) und die Ärzte van Helsing (Julian Babol, grandios auch als Psychiatrie-Patient Renfield) und Sewart (ebenfalls Felix von Frantzius) sie retten? Oder bleibt sie wie Dracula zur
Unsterblichkeit verdammt? Das eindrucksvolle letzte Bild legt nahe, dass es auch 2015 keine Therapie gibt, um das Böse aus der Welt zu schaffen ... 2 1/4 Std. (mit Pause). Karten-Tel. 0221/315015 Eher düster schwarz als blutrot: die psychologische „Dracula"- Interpretation von Regisseur Joe Knipp. (Foto: Siewer) Der Klassiker "Dracula" im Theater am Sachsensring
Gruseln mit Augenzwinkern
Theaterleiter Joe Knipp bringt ideenreich und unterhaltsam den Gruselklassiker "Dracula" auf die
Bühne.
Mit einfachen, aber wirkungsvollen Effekten zieht der "Dracula" im Theater am Sachsenring die
Zuschauer in den Bann. Die kluge, kompakte Inszenierung des Klassikers von Bram Stoker lässt die
Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Aberglaube, Unschuld und mörderischer Gier zerfließen.
DRACULA im Domradio - auf das Bild klicken
DRACULA - noch in der Premierennacht:
Kölnische Rundschau vom 20. Mai 2015
DRACULA MIT VIEL HERZBLUT
Jasmin Klein schreibt in meinesuedstadt über das Erlebnis Theater: "...die vier Schauspieler, die beiden jungen Frauen und beiden jungen Männer, spielen... echt, unprätenziös und wahrhaftig... Mit großer Spielfreude tragen sie das Stück und machen es kurzweilig und lebendig. Und das Stück ist nicht
nur gruselig und unheimlich. Es steckt voller großartiger Ideen..."
DER GOTHIC-KLASSIKER DRACULA IM THEATER AM
SACHSENRING
Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt:
"Wahnsinn und Sinnlichkeit"
und weiter: "Gleich der erste Auftritt von Julian Baboi als Fliegenfressender Patient Renfield setzt die richtigen Akzente: Mit irrem Blick, schwitzend und schwer atmend, stimmt der Mann in markanter Zwangsjacke den Saal auf eine Geschichte ein, die wohl ein jeder in ihren Eckpunkten kennt, aber bei der kaum einer
den 400 Seiten starken Originalroman gelesen hat. Sabine Dissel hat das gewichtige Werk zu einer gut zweistündigen Theaterfassung verdichtet, dabei aber den Handungsverlauf der Vorlage ebenso beibehalten, wie den Duktus der Stoker'schen Sprache...
Julian Baboi ... als Vampirjäger Van Helsing ... mischt die Wissenschaft mit Wahnsinn und taxiert mit lüsternem Blicken Mina und ihre Freundin Lucy ... Jennifer Tilesi Silke und Signe Zurmühlen kontern in ihren Rollen mit weiblicher Sinnlichkeit ..."
DRACULA IM TAS - Sabine Dissel (nach Bram Stoker)
Großer Stoff, kleine Bühne
... Felix von Frantzius ... ist mit wechselnder Stimme und variablem Körperspiel sowohl Graf Dracula als auch der Irrenarzt Dr. Seward. Signe Zurmühlen verkörpert den jungen Rechtsanwalt Jonathan Harker wie auch die somnambule Lucy, welche später durch einen Vampir-Biss selber zur Untoten
mutiert und gepfählt wird. Lucys Freundin Mina, Jonathans Verlobte, spielt Jennifer Tilesi Silke; auch bei ihr kommen andere Figuren hinzu. Dass Julian Baboi sowohl den Prof. van Helsing als auch den irren Patienten Renfield mimt, ist eine besonders pikante Rollenverdoppelung, bei der sich Regisseur Joe
Knipp aber ohne weitere auf den „Caligari“-Film berufen könnte, wo der Leiter einer Irrenanstalt sein schizophrenes Innenleben mit äußerer Bonhomie kaschiert. Geschickt nutzt Knipp die räumlichen Möglichkeiten ..., lässt die Darsteller intensiv agieren, durchsetzt das grausige Geschehen gelegentlich mit
witzig-skurrilen Momenten oder blendet Szenen am Klavier ein (Beethovens „Mondschein“-Sonate für die mondsüchtige Lucy).
Bei Stoker wird Dracula verfolgt, gestellt und enthauptet, in den „Nosferatu“-Filmen nach einer blutsaugerischen Nacht von der aufgehenden Sonne ins Nichts aufgelöst. Joe Knipp erlaubt sich ein ironisches Finale. Draculas Verfolger erstarren, ihre Gesichter verzerren sich bizarr. Der Vampir scheint sich seine Macht
zurückgeholt zu haben.
Christoph Zimmermann (theater pur)
DRACULA - zur Premiere im WDR Fernsehen:
LA CHANTEUSE DE MINUIT - DIE GANZE WELT DER
BARBARA
Kritik von Thomas Dahl für den Kölner Wochenspiegel
Kölner Stadt-Anzeiger zur Spielzeiteröffnung im TAS
Sabine Dissel, Hannelore Honnen und Joe Knipp vom Theater am Sachsenring Foto: Peter Rakoczy
Der Duft der neuen Spielzeit
18. September 2014
Freie Bühnen wie das Theater am Sachsenring gehen bei der Finanzierung ihrer Produktionen ungewöhnliche Wege. So setzt Joe Knipp, der künstlerische Leiter des Theaters, auf eine Mischkalkulation aus Publikumsmagneten und Neuem.
Von Peter Berger
Wenn Joe Knipp etwas schätzt, ist es die Unabhängigkeit. Das kann für den künstlerischen Leiter eines
Theaters fatale Folgen haben, wenn die Bühne privatwirtschaftlich organisiert ist. Beim Theater am
Sachsenring mit seinen 90 Sitzplätzen ist das seit 27 Jahren der Fall, ganz besonders aber seit 2005, als
das Kulturamt die Förderpolitik geändert hat. Weil es seither keine Basisförderung mehr gibt, muss Knipp
ein Viertel seines Jahresetats, der bei rund 200.000 Euro liegt, zusätzlich erwirtschaften. Das ist bisher
immer gelungen. „Wir haben nach wie vor unsere Lieblingsprojekte gemacht, wir sind ein
Autoren-Theater, bei uns liegt der Zauber in der Schauspielerei und nicht in den den ganzen technischen
Spielereien.“
Konkurrenz Schauspielhaus
Knipp spricht von einer Mischkalkulation, in der Komödien wie „Gibt’s ein Leben über 40?“ als
Publikumsmagneten dienen und Abende über die französische Chansonsängerin Barbara mitfinanzieren.
Über die Jahre habe er ein Gespür entwickelt, „wie man mit so einem Laden umgeht. Aber es braucht
neue Impulse.“ Impulse, die Sabine Dissel zu setzen versucht. Als Dramaturgin arbeitet sie derzeit mit an
der Inszenierung der Hedda Gabler von Henrik Ibsen. Das Stück hat am heutigen Donnerstag Premiere
und wird ab November in Konkurrenz mit einer Gabler-Inszenierung von Karin Neuhäuser am Kölner
Schauspielhaus stehen. Kein glücklicher Umstand, doch Knipp sieht das als Bereicherung. „Wir haben
das Stück spielplantechnisch früher geplant. Für mich ist wichtig, das zu machen, was ich gern möchte.
Wenn das den Geschmack des Publikums trifft, ist das ideal.“
Diese Unabhängigkeit muss man sich leisten können. Deshalb hat Sabine Dissel, die mit Joe Knipp bei
einer Kabarett-Produktion am Hamburger Lustspielhaus zusammengearbeitet hat, sich auf neue Wege
begeben, die zur Finanzierung von Produktionen beitragen können. Beim Ibsen-Stück ist ihr das auf eine
ungewöhnliche Weise gelungen. Als Neu-Kölnerin sei sie Karneval eher durch Zufall auf die Geschichte
des Eau de Cologne gestoßen – und damit auch auf Farina und den historischen Streit um die
Markenrechte mit 4711. „Ich habe gelernt, dass Farina das Original ist, das es seit 300 Jahren gibt. Ein
Parfüm, das in den höchsten Kreisen gehandelt wurde. Napoleon soll sich flaschenweise damit
überschüttet haben. Da habe ich mir gedacht, warum nicht Hedda Gabler, diese kapriziöse Persönlichkeit
aus bestem Hause“. Und so wird es in einer Szene, in der sie nach einer durchwachten Nacht am
Frisiertisch sitzt, zum Einsatz eines historischen Flakons als Requisite kommen. „Ganz dezent, ohne den
Markennamen zu platzieren oder zu erwähnen“, sagt Dissel. „Das ist sogar sehr sinnfällig, weil Gerüche
im Stück für Hedda Gabler durchaus eine Rolle spielen.“ Sinnfällig auch für die Besucher, die in dem
kleinen intimen Raum den Duft werden riechen und anschließend im Foyer als Geschenk ein Fläschchen
mitnehmen können. Farina wird ein paar Vorstellungen buchen und Werbung machen.
Unverstellter Blick für Neues
Mit dem unverstellten Blick der Neuen will Sabine Dissel weitere Dinge anpacken. Die exklusive
Theater-Brosche, die Joe Knipp und Hannelore Honnen immer tragen und die bisher ausschließlich für
außergewöhnliche Leistungen an Schauspieler verliehen wurde, wird es künftig als Pin für Besucher
geben. 7000 Zuschauer haben das Theater in der Spielzeit 2013/14 besucht, 2000 Anstecker will Dissel
bestellen. „Wir wissen auch, dass es die großen Sponsoren für den Jahresetat nicht gibt. Wir nehmen jetzt
halt Dinge in Angriff, die sich einfach realisieren lassen.“ Dazu zählen auch Theater-Snacks, die es
künftig bei allen Vorstellungen geben wird. Für die neue Inszenierung des Dracula im Frühjahr will
Dissel mal probieren, ob sich Theater-Produktionen auch über Crowdfunding finanzieren lassen. „Ich
kenne das aus der Filmbranche im Hamburg. Dazu braucht es aber Multiplikatoren.“
Joe Knipp, der viele Jahre Vorsitzender der Theaterkonferenz und Gründer der Kölner Theaternacht war,
lässt sie gewähren. „In der Theaterkonferenz erwarten alle Zuschüsse. Wenn die dann ausbleiben, ist die
Enttäuschung groß. Dann muss man den Kopf oben tragen und etwas unternehmen.“
FAZ-Feuilleton vom 25. September 2014
Produktplazierung im Theater
Dufte!
Heraus aus der ewigen Subventionsspirale: Wie ein Kölner Kleintheater sich durch Produktplazierung
neue Finanzierungsquellen erschließt.
Von Andreas Rossmann
Trägt Hedda Gabler Parfum? Müsste sie eigentlich, kapriziös und wirkungsbewusst, wie sie sich
aufführt. Nur welches? Eine Frage der Inszenierung. Im Kölner Theater am Sachsenring, einer
Off-Bühne mit hundert Plätzen, greift sie an der Frisierkommode nach Farina, dem ältesten Eau de
Cologne, 1709, lange vor 4711 erfunden, wie es der historische Flakon, auch ohne Markenname oder
Erwähnung, und vor allem der Duft dem Zuschauer verraten. Passt. Denn dieser Duft, so schrieb der
Parfumeur Johann Maria Farina seinem Bruder Johann Baptist, „erinnert mich an einen italienischen
Frühlingsmorgen“, wie ihn Hedda, von der ausgedehnten Hochzeitsreise in den Süden zurückgekehrt,
noch gerne in der Nase spürt. Und der Zuschauer, olfaktorisch angefixt, vielleicht auch, weshalb er
anschließend eine Probe davon, kostenlos, versteht sich, mitnehmen darf.
Der Kostümbildner der Zukunft
Was Farina diese Duftnote wert ist, möchte das Theater nicht verraten, nur dass die „älteste
Parfum-Fabrik“, so steht es auf den Markisen am Stammsitz gegenüber dem Jülichs-Platz, schon dreimal
zehn Karten für die Belegschaft bestellt hat. Wie einträglich die Wohlriech-Offensive auch sein mag, die
kleine Bühne beweist einen guten Riecher. Die freie Szene – früher Talentschmiede und
Nachwuchsreservoir der Stadttheater, wobei eine auffällige Regiearbeit reichte, um zum
Schauspieldirektor berufen zu werden – beweist nun auch marketingmäßig ihre Pfiffigkeit und zeigt den
etablierten Häusern, wie sie sich herauswinden können aus der Subventionsspirale.
Mit diskretem, passgenauen Product-Placement! Was für ein Markt der Möglichkeit tut sich da auf,
endlich können sich Dramaturgen mal nützlich machen. Denn ob Heddas Angetrauter, das
Tantensöhnchen Jürgen Tesman, eher in einem schlank geschnittenen Kiton- oder aber, mit der
Korpulenz eines Gerhard Schröder, in einem Brioni-Anzug bella figura zu machen versucht, ist eine Typund Besetzungsfrage; und womit sich sein labil-genialischer Studienfreund Ejlert Lövborg auf die schiefe
Bahn trinkt, mit Gorbatschow-Wodka oder Gin-Tonic, hängt nicht zuletzt von Stil und Tempo der
Inszenierung ab.
Der Beruf des Kostümbildners zumal könnte einen grundlegenden Wandel erfahren, denn wo es bisher
vor allem auf Handwerk ankam, wäre künftig die Kompetenz einer Werbeagentur gefragt. Wenn, ja wenn
unsere Goliath-Bühnen die Chancen, die ihnen der Kölner Theater-David aufzeigt, nicht längst mit
vorauseilender Anpassungsbereitschaft verspielt hätten. Sieht doch heute schon jede zweite
Klassiker-Inszenierung aus, als hätte H & M sie gesponsert.
HEDDA GABLER im TAS
Kölner Stadt-Anzeiger:
Hedda Gabler im Theater am Sachsenring
"
Hedda langweilt sich zu Tode. 'Nur einmal im Leben die Herrschaft haben über ein Menschenschicksal', das wünscht sich die kapriziöse Frau, die einem verflossenen Liebhaber nachtrauert und nicht weiß, was sie mit ihrer Rolle als brave Ehefrau und Bürgerin anfangen soll. Joe Knipp inszeniert
Henrik Ibsens 1891 aufgeführtes Drama als konzentriertes Schauspielertheater ohne Schnickschnack. Katja Gorst als Titelfigur balanciert lasziv auf Hockern und zieht diese wie Gitterstäbe um sich herum – eine hospitalistische Pantherin zwischen Stubentigern (auch gut: Felix von Frantzius,
Jennifer Tilesi Silke, Tobias Teschner und Till Klein), eindringlich dargestellt. Eine traditionelle Aufführung, die an eine fast vergessene Welt heranführt.
" (jdü)
Uraufführung "LustSchiffer": EIN WAHRHAFT
INTELLEKTUELLES VERGNÜGEN
Kölnische Rundschau vom 15. Januar 2014
Kritik Stadt-Revue Februar
PEER GYNT im Theater am Sachsenring
Reise durch den Gedankenkosmos - Peer Gynt im TAS Rezension von Andreas Kohl (Auszüge)
Signe Zurmühlen, Jennifer Silke und Richard Hucke in Ibsens PEER GYNT
Joe Knipp beginnt die Spielzeit am Theater am Sachsenring mit Ibsens 'Peer Gynt'
Peer ist ein Fliegenfänger, eine Mischung aus Parzifal, Hamlet und Kraftmeier, ein Weiberheld,
Träumer und Geschichtenerzähler. Einer, der sofort packt, so sympathisch, leicht weltvergessen,
wie ihn Richard Hucke spielt, ... dass man ihm am liebsten jede seiner verrückten Geschichten glauben
möchte. Manchmal ist er ein Clown und manchmal dauert er einen wie Woyzeck...
Die junge Jennifer Silke ist Aase, Peers Mutter, die mit ihm keift als wäre er der Ehemann. Dann aber
erliegt auch die Mutter Peers Charme, der sie umgarnt, als wäre sie die Frau, der gerade sein Herz gehört.
Spätestens dann nimmt diese rundum gelungene Inszenierung Fahrt auf und hat mit der Dritten im
Bunde des glänzend aufgelegten Schauspielertrios, Signe Zurmühlen, bereits den ersten komschen
Höhepunkt des unterhaltsamen aber eigentlich nie oberflächlichen Theaterabends. Die ist sozusagen
kostümgleich (Hannelore Honnen mit zum Teil sehr kunstvollen aber in der Schnörkellosigkeit der
Inszenierung ebenbürtigen Kostümen) Schmied Aslak und als Dritte im Bunde Symbol für das Fest, das
Peer nach Mutters Standpauke mit Kuscheleinlagen besucht...
Mit zwei Lichtleisten, die an die Lampen an Spiegeln in Theatergardeoben erinnern, macht Regisseur Joe
Knipp mal eben aus dem Publikum im Zuschauerraum die Festgemeinde. Eine analoge Lichtleiste an der
Bühnendecke markiert die Trollwelt. Alles ist Schein, alles ist Leben, alles ist Phantasie, alles ist Theater.
Das ist die Marschrichtung des Abends, der auch in den engen Grenzen des Theaters ganz großes
sozusagen armes Theater zeigt und neben Peers Geschichte in einer Welt aus den Fugen - wie nah bei uns
heute - auch mmer wieder über Theater und die Lust am Theatermachen erzählt.
Verliert man sich bei der Lektüre des Stücktextes, ...muss sich die Geschichte sozusagen in den Versen
erkämpfen, erzählen die Menschen vom TAS ganz karg und damit klar und damit stringent den im
Programmflyer angekündigten rasanten Blderbogen, ein Spiel, eine Reise durch die dichte, emotionale,
absurde und komische Szenen.
Dabei müssen Peers Antipodinnen zuweilen regelrecht Schwerstarbeit an Typen- und
Kostümwechseln leisten, ihr Hans im Glück (so darf das "Hänschen klein"-Lied auch später nicht fehlen)
muss diesen Parforceritt nicht leisten, hat mehr Raum für Emotion und Tiefe. Dass dabei gelegentlich auf
Teufel komm raus chargiert wird, darf aber nicht stören, zumal der Regisseur seinen beiden
Darstellerinnen als Solveig und als Knopfgießer/Tod/Teufel dann den Raum gibt, der zeigt, dass sie eben
auch starke Schauspielerinnen sind.
... Joe Knipp hat nun diesen in Gänze kaum spielbaren Text klug zusammengestrichen, die überbordenden
Szenen auf ihren Kern reduziert, damit aber ganz viele, feine Theatermittel eingesetzt, die die Geschichte
klar und direkt zupackend erzählen, wobei man sich zuweilen nicht nur in punkto Slapstick und
Chargieren an bestes Volkstheater erinnert fühlt, ohne dass deswegen die Dialoge untergehen, die Tiefe
und Emotion haben.
Peer ist einer, der immer schon weg ist, bevor er eigentlich ganz da war, von zu Hause zu den Trollen,
von den Trollen zu Solveig, von Solveig in den Wald, vom Wald zurück zur Mutter, die er sterbend in
den Armen hält.
Aase, die Mutter, ist auch Solveig, die junge Frau, die ihn liebt, aber erst nicht will, weil sein Ruf
so schlecht ist, ihn sozusagen, wie der Tod der Mutter am Ende des ersten Teils in einer
rührenden Szene, auch hinaustreibt in die Welt. Da wird der auch laute Peer ganz still und in
einer umgekehrten Pieta hält er die sterbende Mutter im Schoß, die ihren Atem aushaucht,
während er nicht ganz wahrhaben möchte, was da gerade passiert und nichts davon hören will,
dass da ja schon wieder eine ist, die ihn liebt. In dieser Szene kann man im Publikum eine
Stecknadel fallen hören. ... Und all diese Frauen verbindet die Schauspielerin der Aase und Solveig...
Ja, so geliebt, zieht Peer in die Welt, wird reich, verarmt, wird bestohlen. Ein Kabinettstückchen, der bei
Ibsen für die Szene geplante Untergang von Peers Schiff... - wird mit Echokommentaren aus dem Fond
des Zuschauerraums unterlegt, die fast in Comicmanier beschreiben, was geschieht. Das ist ganz großes
Theater in der Vielfalt der kargen Mittel.
Peer begegnet den Affen, die sich in Tänzerinnen und Anitra verwandeln, wieder eine Frau, die Peer
umgarnt. Köstlich der leicht gockelige Weiberheld Peer, dem man aber seine Liebe zu den Frauen
abnimmt, man fühlt sich schon fast an Truffauts tragischen Mann, der die Frauen liebte, erinnert, der sich
in seiner Sehnsucht zu Tode verzehrt, weil es ihn so gelüstet, verführt zu werden. Peer andererseits ist
aber dann wieder zu toll, wie mit den Trollen. Ja, den Konsequenzen weicht der Prinz Peer, der auch ein
Hans im Glück ist, lieber aus, vor allem wenn sie zu schmerzhaft sind oder scheinen.
Der Kargheit und der Größe der Bühne - die Lichtstimmungen leuchten eher heller, denn
zurechtgedimmt, schattenspielartig an der Bühnenrückwand, aus was nötig ist, dienen aber dem
Ganzen - entsprechen die verwendeten Mittel an Requisite und vor allem Bühnenbild. Die Bühne ist ein
schwarzer Guckkasten, dessen Frontalität durch Auftritte aus der vor der Bühne liegenden
Fluchttür und durch den Zuschauerraum hindurch durchbrochen wird, so dass das ganze Theater
immer wieder als Theater deutlich wird und so immer klar gemacht wird, dass die da oben und vor
der Bühne auch von der Lust am Theatermachen erzählen, davon, fast wie Kinder in Rollen zu
schlüpfen, Geschichten zu erzählen, Späße zu machen und urplötzlich so ernst zu werden, dass es
einen ins Mark trifft, ins Mark des Lebens. Überhaupt ist das die große Kunst von Joe Knipp, der
keinen großen oder experimentellen Regieansatz verfolgt, sondern einfach jede Geschichte schlicht und
mit direkten Mitteln erzählt und so ständig die Tempi wechselt, dass der Rezensent kaum zum
Mitschreiben kommt und das Mitgeschriebene nachher kaum lesen kann.
...In den ständigen Rollenwechseln der beiden Darstellerinnen und im Spiel von Peer geht keine
Symbolebene verloren, keine Bedeutungsebene wird platt eingeschränkt, es tun sich vielmehr immer
wieder ganz offene, neue Assoziationen auf und die starken Striche bedankt man als Zuschauer am Ende mit einer Pause - auch mit geistiger Frische. Und dann immer wieder diese Hände des Peer. Sie sind groß,
sie sind wuchtig. Peer benutzt sie zuweilen als könne er kaum glauben, dass er solche spielenden und
tanzenden Hände besäße, als wären diese so feinfühlig wirkenden Pranken gar nicht seine.
Ich erinnere mich noch gut, dass ich nach Karin Baiers 'Peer Gynt'-Inszenierung 2009 ziemlich erschöpft
war. Im Theater am Sachsenring war ich es nicht, sah ich dem weißgesichtigen Teufel/Tod/Knopfgießer dem roten Faden des zweiten Teils - zu, der die singende Solveig dabei beobachtete, wie sie ihren Peer in
den Schlaf sang, in den Tod?, ihn tröstete, diesmal in einer rollengerechten Pieta, Peer in Solveigs Schoß,
vielleicht in die ewige Sehnsucht, besungen mit dem Sandmannlied des DDR-Fernsehens, ein Anklang an
Kindertage.
...das was bleibt ist nicht nur Schweigen, obwohl es auffallend lange im Zuschauerraum ruhig bleibt, bis
begeisterter Applaus die Schauspieler für ihre Leistung belohnt.
... Im Stück sind gegen Ende alle alt geworden, Solveig, der Knopfgießer und Peer. Bei Knipp bleiben sie
jung, vielleicht eine Metapher dafür, dass Jungbleiben und Älterwerden, nicht nur bei den Trollen, keine
Frage des reinen Alterns, sondern der Lasten sind, die einem die Erfahrung und das Leben auf die
Schultern laden. Immer bleibt die Inszenierung in ihrer direkten Art so in der Schwingungsschwebe der
Bilder und Assoziationen, dass der Reichtum des Textes nicht durch vordergründige Aktualisierung oder
Politisierung eingegrenzt, sondern man im eigenen Kopf ein Feuerwerk der Fantasie zünden kann.
Jedenfalls sollte man sich diesen PEER im Theater am Sachsenring unbedingt ansehen.
Signe Zurmühlen im FRAUENRAUSCH
Kölnische Rundschau vom 19. Juli 2013
Über die Arbeit an der Theaterakademie
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SZENEN EINER EHE (Ingmar Bergman): ein "Begeisternde
Schauspieler-Abend im TAS"
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HAMLET
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Die nie endende Geschichte. Zur Vergrößerung auf das Bild klicken
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Das TAS im Spiegel der Presse (Auszüge 1998 - 2012)
Juli 2012
Dieses Theater ist mein Leben
Juni 2012
von Reinhard Lüke
Joe Knipp über 25 Jahre „Theater am Sachsenring“, das Überleben ohne Subventionen, die Südstadt und überhaup
Menschen, die noch nie einen Fuß ins „Theater am Sachsenring“ (TaS) gesetzt haben, ist Joe Knipp in der Südstad
hat mit seiner imposanten Körpergröße, aber auch damit zu tun, dass sich der passionierte Anzug- und Krawattentr
der Restbevölkerung rund um den Clodwigplatz markant abhebt. Und das seit 25 Jahren. So lange leitet Joe Knipp
und Autorin Hannelore Honnen nämlich schon das TAS.
Dabei sah es vor ein paar Jahren nicht so aus, als sollte die Südstadt-Bühne dieses Jubiläum noch erleben. „Es ging
die Notbremse ziehen, um uns nicht völlig zu überschulden“, erinnert sich Knipp an das Jahr 2009, als er irgendwa
den Mietvertrag aufzulösen und sein Theater zu schließen. Mit dem „Theater der Keller“, das damals dringend eine
schon ein Nachmieter gefunden. Doch dann durfte der „Keller“ plötzlich doch im Gebäude in der Kleingedankstraß
vorerst auf seinem langfristigen Mietvertrag sitzen. Was tun? Weitermachen! Irgendwie. Aber wie? So ganz ohne ö
Grund für die finanzielle Schieflage des TaS war nicht etwa Misswirtschaft oder nachlassendes Interesse seitens de
Beschluss der Stadt Köln. 2005 stellte die ihre Subvention der Freien Theaterszene um. Wo sie früher nach dem Gi
sämtliche Freien Häuser und Ensembles unterstützt hatte, war plötzlich so genannte Spitzenförderung angesagt. Fo
ausgewählte Bühnen mit Zuschüssen bedacht, während der Rest gänzlich leer ausging. Und das TaS gehörte leider
dahin pro Jahr mit bis zu 58 000 Euro Betriebskostenzuschuss rechnen, stand man plötzlich ohne jede öffentliche U
Überschriften-Theater hat man beim Kulturamt bessere Chancen.“Die Kriterien, nach denen die Auswahl getroffen
nicht nachvollziehen. An einem Mangel an künstlerischer Qualität kann es eigentlich nicht gelegen haben. „Schließ
„für die Inszenierung „Das Fest“ noch mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet worden. Also kann unsere Arbe
Aber beim Beirat des Kulturamtes, der entscheidet, wer gefördert wird und wer nicht, hat man mit „Überschriften-T
Chancen.“ „Überschriften-Theater“ nennt Knipp jene Ensembles, die vorzugsweise Inszenierungen zu jeweils aktu
bringen. Fliegt irgendwo ein AKW in die Luft, wird schnellstens ein Stück zur Atomkraft auf den Spielplan gesetz
Kollegenschelte betreiben und über den Hickhack mit der Stadt auch nicht mehr reden. Nur einen Satz zum noch im
Kulturdezernenten muss er dann doch noch loswerden: „Georg Quander hat sich noch nie für Menschen und Theat
für die Koordinaten der Macht.“ Will er das so stehen lassen? Er fährt sich noch mal durchs graue Haupthaar, nipp
nickt. Freunde in der NotZurück zum Anfang nach dem drohenden Ende. „Wir haben damals“, so Joe Knipp, „als d
wurde, enorm viel Zuspruch erfahren. Zahlreiche Menschen haben uns gebeten, unbedingt weiterzumachen und ihr
anboten“. Und? Haben sie ihre Versprechen gehalten? „Nun, ja…“, sagt Knipp und macht eine Pause. Also eher ni
Theater auch nichts anderes als ein Feinkostladen. Kaum hört man, dass ihm die Pleite droht, bedauert man das zut
Verunstaltung der Severinstraße zur Trash-Meile, hat aber in dem Laden doch nie was gekauft. Wirkliche Hilfe kam
Kollegen wie dem Autor Tony Dunham und dem Kabarettisten Thomas Reis, beide langjährige Freunde des Hause
letzten Jahres die Komödie „Traumfrau verzweifelt gesucht“ auf die Bühne und Thomas Reis schrieb sein Program
das Theater um. Beides Produktionen, die durchaus darauf angelegt waren, ein breiteres Publikum anzusprechen. D
sämtlichen Vorstellungen der beiden Inszenierungen waren die knapp 100 Plätze im TaS besetzt.
Eine aus der Not geborene Hinwendung zum Komödiantischen, mit der Joe Knipp aber keinerlei Problem hat: „Die
traditionell unterschätzt. Gute Komödien und Boulevard-Stücke sind keineswegs leichter zu inszenieren, als tiefsin
nicht davon abgehalten hat, im vergangenen Jahr einen viel beachteten „Hamlet“ auf die Bühne zu bringen. Und kü
Bergmanns Beziehungsdrama „Szenen einer Ehe“ Premiere, dessen Fernsehadaption in den 70er Jahren die Bunde
versetzte. Trotz erfolgreicher Produktionen findet Freies Theater ohne kontinuierlich fließende, öffentliche Subven
Selbstausbeutung statt. Was im „TaS“ so aussieht: Knipp inszeniert, steht bei Vorstellungen allabendlich im Foyer
Hannelore Honnen am Regiepult die Vorstellung fährt. Im Idealfall bei einem Stück, das sie selbst geschrieben hat
an. Macht der Umstand, dass die Südstadt mit „Keller“, „FWT“, „Comedia“, „Orangerie“ und „TaS“ so etwas wie
das (Über-)Leben womöglich noch schwieriger? Joe Knipp schüttelt den Kopf: „Auf keinen Fall! Die Theater-Dich
etwas Belebendes. Und es gibt inzwischen auch Überlegungen für gemeinsame Initiativen der Theatermacher. Das
der Gesellschaft eher rückläufig ist und wir mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen haben, trifft uns alle gleiche
SängerWo wir das „TaS“-Pferd an diesem sonnigen Nachmittag im Filos schon mehr oder minder von hinter aufge
Schluss noch unbedingt auf die Anfänge kommen. Einer wie Joe Knipp wollte sicher immer schon ein Theater leite
er, „weil meine Eltern beide Schauspieler waren, wollte ich mit Theater lange Zeit überhaupt nichts zu tun haben. I
viel gezeichnet und habe erstmal Malerei studiert.“ So arbeitete Knipp u.a. als Karikaturist für das politische Satire
Spätgeborene: eine Art Vorläufer der „Titanik“), aber irgendwann forderten dann doch die Theater-Gene ihren Trib
Honnen gründete der gebürtige Kölner flussaufwärts 1980 das „Freie Theater Neuwied“, bis es ihm in der Provinz
später das am Sachsenring „TaS“ aus der Taufe hob. Bis dahin firmierte die Bühne unter dem Namen „Saxi“ und w
legendären Trios „Matsche, Works und Pullrich“ (Wilfried Schmickler, Wolfgang Müller und Klaus Huber), das p
kreuzte.
So, jetzt hat man Joe Knipp aber im Kasten. Nicht ganz. Dass er als Dozent seit Jahren an der Kölner Theater Akad
einer Theater AG am Gymnasium in Deutz ins Leben gerufen, ließe sich noch erwähnen und dann ist da natürlich n
Knipp, Albrecht Zummach und Clemens Dreyer gegründete Trio, das sich dem deutschsprachigen Chanson versch
als Texter und Sänger mit von der Partie ist. Für die Einspielung „Schnee von gestern“ heimste man 1999 den hono
Schallplattenkritik“ und mit „Live aus dem Alten Pfandhaus“ gab es 2010 endlich wieder eine Neuveröffentlichung
so wenig Konzerte? „Durch meine Arbeit für das „TaS“ fehlt mir oft schlicht die Zeit. Und dieses Theater ist mein
Alles Weitere zum „TaS“ und dem Start in die neue Spielzeit am 4.8.2012 unter www.theater-am-sachsenring.de. J
joeknipp.kulturserver-nrw.de
Juni 2012
Szenen einer Ehe
Joe Knipp zurrt die kritische Analyse der kleinsten bürgerlichen Institution zusammen auf rund eindreiviertel Stund
Inszenierung ein dichtes Kammerspiel heraus, das den Vergleich mit dem preisgekrönten Werk des filmischen See
nicht scheuen muss.
Direkt und schnörkellos à la Bergman ist auch die Bühne eingerichtet. (...) Gerahmt wird die Spielfläche von Stellw
bespannt sind; jenem natürlichen, warmen, aber auch unbestimmten und trüben Farbton, der symbolisch für diese E
auch die Farben der Kostüme – zumindest bis zum zweiten Teil des Abends, wenn Marianne auflebt und sich ihre
klareren Linien und offensiverem Styling ausdrückt.
Insgesamt behält Knipp die stärkere Betonung der weiblichen Perspektive bei, die auch schon die filmische Vorlag
Hintergangene, Gedemütigte, sich aber auch Unterwerfende, bietet größeres Entwicklungspotenzial. Eindimension
Schuldzuschreibungen lassen sich hier trotzdem nicht treffen, das komplizierte Verhältnis bleibt in einer spannung
allem das Verdienst der ausgezeichneten Darsteller.
Die in Köln lebende Pariserin Aurélie Thépaut, erstmals am Theater am Sachsenring, und Richard Hucke, d
„Das Fest“ Erfolge feierte, füllen ihre Rollen mit großer Natürlichkeit aus. Er bezeichnet seinen Charakter a
dessen Leben vorbei sei – und genau so spielt Hucke ihn auch. Seine Partnerin fasziniert mit emotionaler Ba
beredten Mimik. Die Nöte ihrer beiden Figuren so nah – der Vorteil des kleinen Raums – mitzuerleben, ist b
manchmal auch witzig und stimmt nachdenklich. Ein klassischer, souveräner Theaterabend, der das Zeug z
Mai 2012
Gibt's ein Leben über 40?
(...) Reis und Knipp sind natürlich viel zu schlau, um nicht die Gefahr eines auf zwei Männer aufgeteilten Kabarett
Dafür steht ihnen die famose Puck-Anwärterin Signe Zurmühlen zur Seite. Sie sorgt in vielerlei treffsicher überspi
belebende Element im männlichen Jammertal. Mit wenigen Kostümwechseln verwandelt sie sich von Olis nervige
sexsüchtige Hippiemädchen Hilde, die frustrierte Molekularbiologin Jutta und eine knallharte Männerpsychologin.
Überwältigend komisch ist sie als Jürgens halbwüchsiger Sohn Dennis, die dem Leben abgelauschte Studie e
Null-Bock-Totalverweigerers mit schlurfendem Gang und starrem Blick aufs Handy. Die Reaktion des bege
nur hier auf einen hohen Wiedererkennungsfaktor schließen. Denn die bis zur bierseligen Party klug gesteig
rasanten Pointen-Feuerwerk trifft bei allen mitten ins schwarze Humorzentrum. (BS)
März 2012
Rauschender Gesang der Sterne
Zurück am Sachsenring: Anne Simmering singt Kurt Weill
Anne Simmering ist zurück gekehrt: Mit dem von ihr konzipierten Kurt-Weill-Abend "Der rauschende Gesang der
Kino" gastiert sie im Theater am Sachsenring. Hier hat die Kölner Sängerin und Schauspielerin ihre Karriere begon
Fest" wurde sie 2003 mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet. (...)
Anne Simmering singt und plaudert sich durch die facettenreichen Weillschen Musikstile und seine mitunter schrä
Abendkleid lebt sie förmlich seine Lieder, greift auch schon mal ihrem kongenialen Pianisten Ulrich Pakusch in di
Da verschmelzen Weills Genialität und Simmerings Charisma zu einem wunderbaren Abend, der eigentlich en suit
Rolf Hamacher für die KRundschau
Februar 2012
Denken an der Stange
Philosophie af der Bühne? Das könnte spröde werden. Doch Hannelore Honnen hat Texte von Walter Benja
Robert Walser bei der Uraufführung im Theater am Sachsenring elegant zu einer Collage montiert, die Joe
inszeniert.
(...) Autorin Hannelore Honnen führt die drei Männer, die sich im wahren Leben nie trafen, zu einer fiktiven Begeg
Kunst, Religion, Technik, den Menschen, die Sprache und vieles mehr philosophieren - alle drei wollten der Welt m
Texte von Robert Walser und knappe Dialoge ergänzen die klug und elegant montierte Collage.
In Honnens Stück sind der Schriftsteller, der Philosoph und der Kulturhistoriker, die wir heute als würdige Herren
um Anerkennung ihrer Texte - eben um "Satisfaktion", folgerichtig also, dass die Darsteller ebenfalls jung sind. Jo
Schritt weiter gegangen und hat drei Darstellerinnen ausgewählt, Signe Zurmühlen, Celina Rongen und Mirjam Ra
Regisseurs vor drei jungen Talenten (...), die, wie die dargestellten historischen Personen, noch einiges vor sich hab
Farbe gekleidet: Radovic alias Benjamin als blauer Marinesoldat, Zurmühlen als grüner, gediegener Jäger, Rongen
Auf der leeren Bühne steht ein Überseekoffer, liegen Bücher. Zwischendurch räkeln sich die Schauspielerinnen an
um zu zeigen, dass die drei Philosophen einen Überblick über die komplexe Welt zu bekommen suchten, oder auch
Gegensatz zu erotischen, jungen Frauen anzudeuten. Doch auch die komplexe Philosophensprache wirkt auf der B
wenn sie so gewandt gesprochen wird - die drei folgen den alten Herren auf ihren Höhenflügen. "Wir haben nicht
zu hinterlassen", heißt es am Schluss. Stimmt nicht: "Satisfaktion" ist eine kurzweilige, witzige und würdige
Werken dieser etwas in den Hintergrund gerückten Denker zu beschäftigen.
Dina Netz für akT Feb. 2012
Januar 2012
Totgesagte leben länger
Das Theater am Sachsenring besteht seit 25 Jahren
Von Barbro Schuchardt
Totgesagte leben länger. Als das Theater am Sachsenring (TaS) am 17. Dezember 2009 nach fast 22 Jahren schließ
Fördermittel wegfielen, war die Trauer bei den Theaterleitern Joe Knipp (57) und Hannelore Honnen (67), den Sch
groß. Niemand konnte sich Hoffnung auf eine „Wiedergeburt“ machen – obwohl der Mietvertrag weiter lief. Doch das Wunder geschah: Seit März 2011 wird dort wieder gespielt. Langjährige Freunde wie der Autor Tony Du
Anne Simmering und Nicole Kersten hauchten dem Theater neues Leben ein. Und im Sommer feierte Knipp mit se
Komödie „Traumfrau verzweifelt gesucht“ seine Rückkehr. Seit Herbst gibt es wieder einen regulären Spielplan, a
Theaterpreis nominierte literarische Collage „Satisfaktion“ von Hannelore Honnen und Knipps ambitionierte „Ham
Der Dänenprinz – gespielt von David N. Koch – ist auch die Galionsfigur für ein ganz besonderes Fest: Am 21. Jan
Bestehen mit Ausschnitten aus der Aufführung und einer großen Party. Und am 27. und 28. Januar wird weiter gef
Stücke „Phil Noir“ und „A Special Relationship“ (in englischer Sprache) auf dem Programm – anlässlich der 20jäh
„Confederacy of Fools“.Honnen und Knipp werfen einen Blick zurück auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Arb
gewonnen!“ freut sich Knipp. Genau am 21. Januar 1987 haben die Partner den Mietvertrag für das TaS (früher hie
Start mit starker Mischung
Knipp hatte dort schon im Jahr zuvor mit seinen „Zinnober“-Kollegen Albrecht Zummach und Clemens Dreyer da
liebt, kann ja immer noch das Fernsehen einschalten“ gespielt. Für ihr Publikum war das nie eine Option. „Wir kon
betreiben mit einer Mischung aus Schauspielertheater, Kabarett und Musik – die Bedürfnisse der Zuschauer deckte
sagt Knipp. Hannelore Honnen, die schon für das Freie Theater Neuwied mit Knipp zusammen gearbeitet hatte („W
Seelen“), inszenierte damals das erste Stück: „Frau Armand trifft Rosa Luxemburg nicht“ nach einem Roman von
zurückhaltenden Kunstlehrerin liegt inzwischen auf dem Schreiben und der Ausstattung, die sie zusammen mit Kn
Bühnenbilder, die man in eine Kiste packen kann“, erklärt sie – ein Konzept, das sich der Mini-Spielfläche anpasst
Knipp ergänzt: „Wir zeigen zum Beispiel in unserem ,Hamlet’, wie man mit ein paar Flügelschlägen ohne technisc
und Schauspieler sollen im Mittelpunkt stehen.“ Dieser Anspruch wurde in den gefeierten Aufführungen „Kafkas W
und das Theaterpreis-gekrönte „Fest“ von Thomas Vinterberg (2003) aufs Schönste erfüllt – über 5000 Zuschauer
Inszenierung. Auf Richard Hucke, der seinerzeit in der Rolle des Sohnes Christian brillierte, wartet im Mai 2012 ei
einer Ehe“ nach Ingmar Bergman.
Immer wieder beweist Knipp auch sein gutes Händchen für die leichte Muse. So ist er seit den 1980er Jahren „Hau
Thomas Reis. Die Bühnenfassung von dessen Erfolgsprogramm „Gibt's ein Leben über 40?“ wird im März 2012 P
Stück von Tony Dunham ist geplant. „Wir haben zum Glück wunderbare junge Schauspieler, die mit Leib und See
der Hausherr. Viele kommen von der Kölner Theaterakademie, wo Knipp unterrichten und im November die Absc
wird. „Theater kann Geschichten erzählen, Theater schärft die Sinne und klärt den Kopf!“ ist die Devise der engag
November 2011
Frühes Misstrauen
"Sie haben sich nie kennen gelernt ... Hannelore Honnen führt die drei völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten in der Uraufführung ihres Stückes "SATISFAKTION" zusammen und lässt in ihren Szenen ... wichtige Kapitel europäischer Geistesgeschichte wieder aufleben. Wie Fixsterne kreisen die drei Denker umeinander... Celina Rongen (Spengler), Signe Zurmühlen (Walser) und Mirjam Radovic (B
hochklettern, gelingt ihnen der Blick über den eigenen intellektuellen Horizont hinaus (...)
BS Kölnische Rundschau
Drei böse junge Männer
"Satisfaktion" im Theater am Sachsenring
Die Satisfaktion ist eine veraltete Form der Wiedergutmachung einer Ehrverletzung, erzielt zumeist im Duell. In der gleichnamigen Uraufführung im Theater am Sachsenring fechten drei junge Autoren ihren gesellschaftlichen Stand und die Bedeutung ihrer Werke für Philosophie, Kunst und Leben mit Worten aus. Walter Benjamin, Robert Walser und Oswald Spengler waren Zeitgenossen, im echten Leben trafen sie nicht aufeinander. Die Dramatikerin Hannelore Honnen bringt die wenig massenkompatiblen Geister in ihrem Text zusammen, indem sie deren Schriften zu einer tiefsinnigen Collage montiert und auf fesselnde Weise mit biografischen Skizzen mischt. Regisseur Joe Knipp lässt die drei als "angry you
Mirjam Radovic, Signe Zurmühlen und Celina Rongen sprecherisch stark sind und physisch wie emotional Leistungsfähigkeit zeigen. Dass sich die Schauspielerinnen zwischen ihren aufgeladenen Monologen um Stangen schwingen müssen und gelenkig an ihnen hochturnen, lässt Raum für Interpretationen ... Gemeint sind wohl die intellektuellen Höhen, die sie in ihren Rollen erklimmen. Und das gelingt ihnen gut (...) (jdü) Kölner Stadt-Anzeiger
Nominiert für den Kölner Theaterpreis
Oktober 2011
"Hamlet" im Theater im Sachsenring
EIN WAHRER SOHN
am Montag, 17.10.2011
Die "Hamlet"-Inszenierung, derzeit im "Theater am Sachsenring" zu sehen, ist ein Spiel mit Bühnenelementen: (...) Durch Scharniere verbundene Rahmen werden umfunktioniert, sobald der Schauspieler durch sie hindurch schreitet - in eine andere Szene und einen anderen Zustand hinein. In die Zerrissenheit, Gewissenhaftigkeit, in den Wahn, Zweifel, in die Erkenntnis, Liebe, den Hass, den Verrat, in d
Ein Rahmen als Spiegel, zwei Rahmen als Buch, drei Rahmen als Grab. Für das elterliche Gemach – alle Rahmen
Burgmauern, alle Rahmen als Wände, durch die man hindurchgeht oder sich dahinter versteckt. Die Rahmen als G
für Hamlets Welt (...).
Es gibt die beiden Totengräber als hirnlose piepsige Ratte (Signe Zurmühle) und derben Alkoholiker (Katja
Hamlets (David N. Koch - er selbst als Montagsmaler, die anderen als sehr unterhaltsames Schaf und hemm
mittelalterlicher Manier gegeben. Die Hofleute Güldenstern und Rosenkranz: verräterische, hinterhältig bla
sich ständig selbst reglementierenden König Claudius (Max Heller), der seine Augenklappe verloren hat und
es ambivalent brodelt, fantastisch steht. Den Polonius mit witzigem Rollenwechsel (Max Heller), die Königin
BH-Trägerin (aufgemotzt durch royale Schulterpolster) mit einem außergewöhnlichen empathischen Vermö
offenbart, als sie vom Ertrinken der Ophelia berichtet. Die süße, naive, gehorsame und sehr verliebte, sehr t
Ophelia. Den männlichen, duelliersüchtigen und großherzigen Laertes mit verwegener Schnute (Signe Zurm
Atmosphäre. Die Zeit. Das Herz.
Und natürlich den Hamlet, alias David N. Koch. Als Sympathieträger mit einer markanten Stimme ausgestattet und
Tollheit. Treffsicheres, handwerklich klar erkennbares Vokabular, sorgfältig gesetztes Timing und den Schalk in d
willkommene (dankbar entgegengenommene) unfreiwillige Drolligkeit. Dem Wechselbad der Wahnwitzigkeit emo
verssicher. Es sind das Kind und die Spielfreude in ihm, die ihn als wahren Sohn entpuppen.
Isabel Hemming (meine-suedstadt.de)
HAMLET, EISKALT
"(...) Regisseur Joe Knipp hat sich ein schönes Bild für den aus der Ordnung gerückten Staat einfallen lassen
stehen, liegen oder kippen auf der Bühne - mal Halt, mal Hindernis. Aufrecht stehend bilden sie Tore und Gem
Podesten, Särgen, Wällen. Es gibt nichts Festes und Fixes in diesem Dänemark. Und jede Figur versucht, ihre ganz
Wunderbar die Szene, in der Ophelia ein wildes Raumkonstrukt zu errichten versucht, dass ihr Vater Polonius gleic
zurückbaut.
Spielerisch bietet die Inszenierung einen spannenden Zugang zum Innenleben des desperaten Prinzen. Als Schutz g
(David N. Koch) sich grenzenlosen Zynismus zugelegt. Wo alle versuchen in die Normalität zurück zu finden, kön
ihn als trockenen Existenzialisten. Seine Liebe zu Ophelia ist obertflächlich, sein Freund Horatio ein Weichei, sein
aufgesetzt - nicht einmal Verzweifeln will dem grimassierenden Jüngling gelingen. Der Gegenpol dazu ist seine M
Gorst) erscheint in Rock und BH, lebens- und liebessüchtig wirft sie sich mal dem Sohn, mal dem Gatten an den H
zwischen beiden schier zerfetzt. Gorst zeigt mit minimalem Aufwand berührenden Facettenreichtum, auch in ander
Totengräber ist der Beweis, dass Shakespeare keine Nebenrollen geschrieben hat, sondern nur solche mit weniger T
aalglatter Karrierist, als toter König aber etwas zu sehr Schlossgespenst. Signe Zurmühlen spielt Ophelia wunderba
In einigen tollen Momenten spielt das kleine Theater mit den eigenen Grenzen: Wind, Herzklopfen und andere Ger
produziert, und wenn Hamlet Nachtwache hält, lassen die Kolleginnen seinen Mantel flattern (...)"
Robert Christott in der akt 27
August 2011 Kölnische Rundschau
Mit Zeitung läuft's
"Traumfrau, verzweifelt gesucht": Glänzende Komödie im Theater am Sachsenring
von BARBRO SCHUCHARDT
Joe Knipp kann wieder strahlen - nach heftigen finanziellen Turbulenzen feiert sein Theater am Sachsenring Wiederauferstehung. Zum Auftakt inszenierte der Hausherr Tony Dunhams Erfolgsstück "Traumfrau, verzweifelt gesucht", das im TaS schon vor 20 Jahren gefeiert wurde. Nicht das einzige Jubiläum. Im nächsten Jahr wird das Theater 25 - ein ewig junger Twen.
Nach neuen Talenten braucht Joe Knipp nicht lange zu suchen: Die nahe gelegene Theaterakademie (an der er ab dem nächsten Jahr auch unterrichten wird) bietet einen Pool von bemerkenswerten Begabungen. Eine davon ist David N. Koch, der in Knipps Inszenierung von "Kafkas Welten" brilliert (wieder ab dem 22. September).
Nun liefern wieder zwei junge Schauspieler mit erstaunlicher Professionalität und Sprechkultur ihre Visitenkarte ab. Celina Rongen und Harald Hauber rücken dem unerschöpflichen Thema "Partnersuche" unter Knipps pointierter, temporeicher Regie so frisch zu Leibe, dass die bewährte Form der Zeitungs-Kontaktanzeigen mit ihrer kruden Poesie auch im Zeitalter des Internets noch Biss und Witz hat.
(...) Celina Rongen stürmt die Bühne nicht nur als Henriette, sondern verkörpert mit viel Temperament und Spielfr
aus den Kontaktanzeigen. Erst ist sie Trish, die überdrehte Amerikanerin, die den verschreckten Harald in atember
Danach erscheint sie als esotherische französische Kräuterhexe Camilla, dann als Motorbiene Gabi, die sexuelle V
Sprachfehler und schließlich als schwärmerische Hesse-Verehrerin Anja mit dem heißen Wunsch nach 'Vereinigun
Das TaS war tot, es lebe das TaS!
August 2011 Bild Köln
Hübsche Celina ist neue Theater-Traumfrau
"Well, Let's Do It"! Celina als aufgedrehtes Ami-Girl
von MICHAEL BISCHOFF
Köln - Sie erscheint als durchgeknalltes American Girl, als coole Rockerbraut oder als verführerische Traum
neue Theater-Traumfrau.
Großer Premierenjubel im Theater am Sachsenring für eine wunderbar leichte Sommerkomödie: "Traumfrau, verzw
britischen Autors Tony Dunham, der seit 22 Jahren in Köln lebt.
Mit leichter Hand inszeniert von Theaterchef Joe Knipp. (...) Fazit: Celina überrascht in sieben sehr sexy Frauenrol
Harald Hauber voll tiefgründigem Witz.
März 2011 Kölnische Rundschau
Durch gleiche Sprache getrennt
von Rolf.-R. Hamacher
"Gefährliche Liebschaften" hieß bezeichnenderweise das letzte Stück, das 2009 am Theater am Sachsenring
Überlebenskampf von Theater-Chef Joe Knipp gedauert, den das Kölner Kulturamt schon seit 2005 mit "Li
Fördergeld-Verweigerung bestraft hatte. Ohne nachvollziehbare Begründung. Nun, nach über einem Jahr i
Joe Knipp aber um so entschlossener: "Ich muss einfach dem sinkenden Stellenwert des Theaters in Kultur
entgegenwirken, seinen Zauber aufrechterhalten."
Glücklicherweise fand er in diesem Jahr "der Verwunderung, des Überlegens und des Vermissens" private Fördere
Sinnigerweise ist es wieder eine "Liebesgeschichte", die nun den Neubeginn einläutet. "A Special Relationship" fü
den Amerikaner Andy Valvur - die ihren gemeinsamen Sinn für Humor als Mitarbeiter bei der Deutschen Welle en
durch die Besonderheiten ihrer Heimatländer zusammen.
Wie sagte schon Oscar Wilde: "Wir sind zwei Nationen, getrennt durch die gleiche Sprache." Während Andy in loc
("Good Evening Ladies and Germans") das offensichtlich angelsächsisch-lastige Publikum einzufangen versucht, r
"Das Leben ist nicht lässig, es ist problematisch, besonders hier." Nach dem Motto "Was sie schon immer über Cri
aber nicht zu fragen wagten", liefern uns die beiden eine urkomische Einführung in jene National-Sportarten, die w
Das Publikum singt dazu begeistert die Baseball-Hymne "Take me out to the Ball Game" mit. Das der Song aus de
Yankees" stammt, ist wie Wasser auf die Mühlen des Briten. Tony findet es äußerst albern, einen Spieler Pitcher zu
lieber einen Pitcher zur Brust nimmt. Und wie kann man über das britische Königshaus lästern, wo man doch selbs
Bush-Dynastie vorzuweisen hat? Frauen, Essgewohnheiten, Kunst und die Sprache - warum sprechen die Briten Le
schreiben die Amis "Nite" statt Night? - sind weitere Themen ihres Zwiegesprächs, dem man gerne zuhört, weil es
zweideutiger Comedy-Shows abgleitet.
Dunham und Valvur lassen die Kunst der Vaudeville-Komik wiederauferstehen - mit Intelligenz und Witz. D
dem TAS hoffentlich den nötigen Schub.
zur Schließung:
29. Dezember 2009 Kölner Stadt-Anzeiger
Aus der Zeit gefallen Am 19. Dezember fand in Joe Knipps Theater am Sachsenring die letzte Vorstellung statt. Voraus gegangen war e
Kulturamtes gegen die freie Bühne.
„Vielleicht“, sagt Joe Knipp, „bin ich im Moment ja wirklich aus der Zeit gefallen.“ Wenn er davon spreche, wie g
würde, sinniert der 55-jährige Theatermann, wenn er gar den Zauber des Theaters beschwöre, lache man ihn doch n
Knipps Theater am Sachsenring der letzte Vorhang gefallen. Das Aus nach 23 Jahren. „Ich war gar nicht traurig“, sagt Knipp. Es sei ja ein schöner Abend gewesen, wie überhaupt die vergangenen Woc
Erfahrungen bereit gehalten hätten. Gespräche mit dem Publikum, mit treuen Theatergängern, die nun noch einmal
100-Plätze-Haus als kommunikativen Raum schätzen. Weil man sich die Bedeutung einer Institution eben erst im M
macht. (...) Im Jahr 2005 strich das Kulturamt der Bühne nach der Empfehlung eines eigens gebildeten Theaterbeirats die
passte nicht ins Konzept. Die eher wertkonservative Auffassung des Sohns eines Schauspieler-Ehepaars, sein Beha
erzählendem Theater verlief konträr zu den Zielen des Kulturamts. „Man fand uns altmodisch“. Wen wundert es folglich, dass sich Knipp über „blutleere Konzepte“ beklagt, über eine Förderpolitik, die sich nich
gewachsen sei. Immerhin hatte der Theatermacher noch zwei Jahre vor der Kürzung mit seiner Bühnenfassung von
„Das Fest“ den Kölner Theaterpreis gewonnen. „Wir wollten ja nicht viel, nur eine Basisförderung und das Gefühl
(...) KOMMENTAR
Frei und vogelfrei
Über 22 Jahre lang gehörte das Theater am Sachsenring zum Kölner Kulturleben. Vier Jahre hatte Theaterleiter Joe
nachdem die Stadt Köln seinem Haus die Fördergelder gestrichen hatte. Wenn er jetzt gezwungen ist aufzugeben, i
Missmanagement oder künstlerischem Versagen. Sondern die erwartbare Konsequenz aus dem Förderkonzept der
vielen zu wenig geben will. Man trennte also in Freie und Vogelfreie Szene. Ein kleines Haus wie das am Sachsenr
freigegeben. Wer dieses Konzept damals richtig fand, sollte der Bühne nun keine Krokodilstränen nachweinen. Auch entbehrt d
horrenden Mietkosten in seiner Existenz bedrohte Theater der Keller in die Räumlichkeiten am Sachsenring ziehen
Eleganz. Als wäre das Ende der einen die Rettung der anderen Bühne. Aber das ist Schönrederei. Ein Theater weniger ist selbstredend ein Verlust an kultureller Vielfalt für die Stadt. Un
kleineren Bühne nicht unbedingt einfacher haben, sich in der Gruppe ausgewählt förderungswürdiger Theater zu ha
Jahrzehnte andauernde Diskussion darüber, welche Häuser aus welchen Gründen zu unterstützen sind, nicht führen
irgendwann dazu entschlossen hätte, eine Summe in sein Theaterleben zu investieren, die einer Metropole angemes
Jetzt kann man den vogelfreien Theatern nach und nach beim Untergang zusehen. Aber nur, weil die absaufen, wer
noch keine Leuchttürme.
KStAnzeiger Christian Bos Das ganze Potenzial der Figuren
Der Regisseur Joe Knipp nimmt seine Rolle zugunsten der Akteure zurück
Das Theater am Sachsenring beweist auch ohne städtische Hilfe Stehkraft.
VON OLIVER CECH
"Zwei Meter zwei", korrigiert Joe Knipp mit einem milden Lächeln. Ihn als Zwei-Meter-Mann zu bezeichnen, wär
sonst ist er eine ins Auge fallende Erscheinung innerhalb der Kölner Theaterszene: Niemand sonst trägt hier Anzug
Feiertags. "Es hat zu tun mit Fassung", sagt Joe Knipp. "Mit Fassung und Form, die man sich persönlich gibt. Das
wesentlich."
Der Regisseur und Leiter des "Sachsenring" stammt aus Theaterfamilie - beide Eltern waren Schauspieler. "Wenn
Tonbandgerät Rollen lernte, dann war ich dabei. Vieles habe ich nicht verstanden, habe es in eine Fantasiesprache
ausgedacht. So fing es an: mit Lust am Spielen."
Knipp studierte zunächst Kunst; als Zeichner hat er Karikaturen für "Pardon" geliefert. Doch das Publikum fehlte i
Jazztrio "Zinnober" auf die Bühne; er schrieb eigene Lieder und Chansons. 1987 dann entdeckte Knipp im Keller a
Bühnenraum, mit minimaler Distanz zum Publikum - und den bespielt er seit 20 Jahren.
Ein Höhepunkt dieses Theaters war im Jahr 2003 die Inszenierung des Familiendramas "Das Fest", ausgezeichnet m
ungeheure Kraftanstrengung, erinnert sich Knipp, für seine kleine Bühne - und seine Feuertaufe als Regisseur. "Wi
zwar der unterschiedlichsten Generationen, aus völlig verschiedenen Schauspielschulen. Die einen wollten gestellt
improvisieren; da musste ich schon stark halten!"
Zwei Jahre später stand das Theater vor dem Aus: Die Stadt hatte sämtlic
Knipp legte den Vorstand der "Theaterkonferenz" nieder und "dachte zum ersten Mal darüber nach, Köln, meiner G
kehren." Eine schwere Zeit, ein tiefes Tal, erinnert sich Knipp. "Aber heute kann ich wieder frei atmen. Große Sch
Zuschüsse zwar nicht zu verwirklichen. Doch wir haben Wege gefunden, das Theater am Leben zu halten, auch oh
Ein Bühnenmonolog bildet folglich den Auftakt der Saison 2007: Peter Turrinis "Endlich Schluss". Auch in dieser
seiner Idee von Theater treu. Im Vordergrund steht das Ausloten des Textes, die Faszination an der Spielsit
den Aufführungen nicht einen Stempel aufzudrücken, damit jeder sieht: Ah, diese Handschrift! Sondern ich will de
Figur heranzukommen und ihr Potenzial auszuschöpfen."
(Kölner Stadtanzeiger, 23.08.2007)
Kritiken zur Theaterarbeit im TAS
in Auszügen
Cloudbuster
"In der köstlichen Inszenierung von Joe Knipp erfahren wir darum recht viel über Männerphantasien und die Lust z
über das Vergnügen, Theater zu machen. (...) Ein klasse gespieltes und deftiges Vergnügen."
Josef Schloßmacher 1997 KÖLNER STADT-ANZEIGER Aus dem Dunkel der Großstadt
"Die Inszenierung ist ein weiteres Kleinod im Theaterreigen am Sachsenring."
Werner Aschemannn 1998 im EXPRESS über die Uraufführung von Honnens Dostojewski-Bearbeitung.
Dem Theater zu geben, was ihm würdig ist einen Ort der geistvollen Verzauberung und des passionierten Experiments."
Marianne Kolarik 1998 KÖLNER STADT-ANZEIGER
Stumm
"Dass der Regisseur und Hausherr Joe Knipp das Stück in sanft schwebender Balance zwischen Komik und Tra
Vergnügen an dem Abend bei wie das bestens aufgelegte Schauspieler-Trio (…) Wir meinen: das für den Kölner T
sollte sich niemand entgehen lassen, der intelligente Unterhaltung zu schätzen weiß."
Marianne Kolarik 1999 KÖLNER STADT-ANZEIGER über „Stumm“ von Tony Dunham
echt brecht
"Top-Theater auf Top-Niveau!"
Michael Bischoff/ BILD-Zeitung 2001 über die außergewöhnliche Komödie über das Leben des Bertolt Brecht an einem ungew
Oberlandesgericht am Reichensperger Platz.
Die Ermittlung
"(…) es sind die Details, die, genau artikuliert, den Schrecken freisetzen. (…) Menschen im Hörsaal. Menschen w
Schweigen.“
FAZ-Feuilleton am 28.10.2002 über die Aufführung des Stücks von Peter Weiss in einem Hörsaal der Universität.
DAS FEST
"Es gibt kein Entrinnen. Man wäre doch so gerne so lustig und würde gerne feiern. Doch wie Mehltau auf Rosen
Figuren, bis auch der letzte die Tatsachen nicht mehr leugnen kann. Dies alles geschieht auf einer weißen, leeren B
bestückt ist. Die Akteure sind ebenfalls alle in weiße, oder doch sehr helle Kleidung gewandet. (...) Die Leere gibt
der Rollen und Charaktere und Raum für Gefühl. Die Enge macht ein Vergraben oder Verstecken unmöglich. Es g
In diesem Spannungsfeld laufen die elf Darsteller zur Hochform auf. Man darf behaupten, hier ist jeder ideal bese
kleinen Theater geboten wird, ist Schauspieler-Theater der Extraklasse. Es dürfte sicherlich auch ein Idealzustand z
Regisseur (Joe Knipp) gewesen sein. Denn in dieser Klasse der Darbietung hat man das Gefühl die Hand eines Reg
hoher Intensität, einer Tonabnahme der Schauspieler von seltener Güte und mit einer Glaubwürdigkeit, die rar
Verlogenheit in den Orkus."
Rolf Finkelmeier in „Theater pur“ / Juli 2003 über die Premiere des Stücks nach dem Dogma-Film.
"In diesem Jahr waren sich Kritik, Kollegen und nicht zuletzt die Zuschauer schnell einig über die herausrage
Inszenierung, die gestern Abend folgerichtig mit dem Kölner Theaterpreis 2003 gekrönt wurde!“ 09.12.03 Kölnische Runds
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
"Es spricht für die Regie von Joe Knipp, dass er diesen mit Liz Taylor verfilmten Welterfolg im Theater am Sachse
dem Schwebezustand belässt, der einen bei Albee zuerst auflachen und dann - beim Blick in all die Abgründe - s
Kölner Stadt Anzeiger 2004
"Diese Aufführung ist ein Juwel."
taz
Verwanzt
"Joe Knipps Inszenierung weiß dem Gespinst allgegenwärtiger Verfolgung, die schließlich vom eigenen Körper Be
Bühnenrealität zu verleihen."
Kölner Stadt Anzeiger 2005 über die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks von Tracy Letts, das nach dem Erfolg am
Regie von Friedkin in Hollywood verfilmt wurde.
"Unter dem Originalnamen "Bug" war das Stück ein Erfolg in New York und erhielt den Preis als "bestes neues S
. (...) Die deutsche Erstaufführung inszenierte Joe Knipp auf einer höchst interessanten Bühne von Hannelore Honn
Wolfgang Wehlau: ein zunächst weißes Rechteck in der Mitte des Raumes, mit zwei angedeuteten Türen, dazu Sch
Untiefen, die das Zimmer, das dargestellt werden soll, als unwirklich-gefährliche Landschaft ins Zentrum rücken
(...) Das ist alles spannend in Szene gesetzt, und von erstklassigen Schauspielern exzellent dargestellt. Dazu werd
Sound-Möglichkeiten des ehemaligen Studios außerordentlich genutzt, da knattern Hubschrauber körperlich spürba
Explosion lässt einen tatsächlich körperlich erzittern.
Das Premieren-Publikum, u.a. mit dem Leiter des Fischer Theaterverlages Uwe B. Carstensen, der diese deutschsp
Köln ermöglicht hat, spendete sehr großen, lang anhaltenden Beifall."
Koeln.de, Edgar Franzmann
Mann ist Mann
"Dieses Stück ist mehrdimensional, ist Komödie, Moralstück und Groteske. Seine Tiefe lotet Joe Knipp in seiner
am Sachsenring mit viel Liebe zum Detail aus. Eine wichtige Rolle spielt die Musik von Paul Dessau, Gitarre un
Geschehen wie die Arie in der Oper. Das Sechs-Personen-Ensemble (Marietta Bürger, Hans Peter Deppe, Gracias
Kramer und Frank Meyer) agiert bewegungsfreudig, charaktervoll und hinreißend komisch. Es zelebriert ein Lusts
zu gehen. Am Ende doch ganz die feine Art. Zu Recht kräftiger Premierenapplaus." (peb)
Der Kölner Stadt-Anzeiger 2006
Endlich Schluss
"(...)Peter Turrini schrieb den Monolog 'Endlich Schluss' für Claus Peymanns Abschiedsvorstellung im Burgtheate
Selbstgefälliges, wenn ein Autor einem erfolgreichen Protagonisten die Hässlichkeit eines Machtmenschen ins Ges
"Aber Joe Knipp vom Theater am Sachsenring und sein Schauspieler Hans Peter Deppe bekommen die dramaturgi
über weite Strecken in den Griff. Deppe spielt stellenweise wie entgeistert, um dann um so effektvoller in komisch
stellen sich vor allem dann ein, wenn sein Protagonist über die Bosheiten spricht, die er sich gegenüber Frau und K
Hoffnung, ihm, dem zynischen Machtmenschen, würde jemand die Grenzen aufzeigen. (...)
Deppe gibt dieser unsympathischen Gestalt eine Spur Menschlichkeit, indem er den Mann aus Kinderaugen sc
ihm eine Verletzlichkeit, die dem finalen Countdown dann doch wieder eine Spur Sinn verleiht."
29.08.07: Thomas Linden, Kölnische Rundschau
"... Schon der erste Satz des Ein-Mann-Stücks 'Endlich Schluss', das jetzt im Theater am Sachsenring Premiere feie
Rücken herunterlaufen. Und der Mann (großartig gespielt von Hans-Peter Deppe) beginnt zu erzählen - und unterb
um zu erzählen. Eine Stunde lang spricht er über das Dilemma seines Lebens, dass er immer das will, was er gerad
und makaber, gruselig und auch immer wieder komisch. Bis zum Schluss." Express
"Teils komisch, teils verstörend. (...)"
Kölner Stadtanzeiger
Liebe, Sex und Therapie
"(...) So setzt das Stück die Charakteristik des Paars ins gesellschaftliche Allgemeine.
Die Inszenierung von Joe Knipp arbeitet in die entgegengesetzte Richtung. Sie entfaltet ein Szenario mit Orten des
vergangener Jahre, sie betont Details, lässt dem temperamentvollen Ensemble viel Spielraum und führt so das glob
amüsant ins Besondere." 17.11.07
Kölner Stadtanzeiger
Lieblingsmenschen
Joe Knipp schneidet die Szenen hart aneinander, entlarvt die verkürzten Sprachschablonen der SMS-Kommunikati
eingefrorenen Gefühlshaushalt der Protagonisten geprägt zu haben scheint. (...) Die Aufführung ist eine präzise En
Geste, jeder Tonfall überzeugt.
Gut gespielt, klug inszeniert.
29.02.2008 (Kölnische Rundschau)
Für alle Fälle Fritz
(...) "Lassen sich Persönlichkeit und Werk so genau trennen?
Um diese Frage geht es Joe Knipp (Text) und Albrecht Zummach (Komposition) bei ihrer schrägen Collage "Für a
Theater am Sachsenring Uraufführung hatte. Sie verbanden Elemente aus dem Leben des echten Robert Crumb (im
mit den chaotischen Possen von Fritz, dem bei Knipp zum Schwein mutierten Kater. David Koch mit Max-und-Mo
als Wüstling mit romantischer Seele zwischen zwei ebenso springlebendigen und temperamentvollen Frauen
Schweineschwester und Rebecca Madita Hundt (als Freund Hermann und Frau Strauß, die nach Crumbs Willen Fr
sollte). Martin Erdmann bringt am Klavier Zummachs zitatengespickte, mitunter an Kurt Weill erinnernde Partitur
Die 'Drei-Schweine-Oper für Jedermann', dieser Theater gewordene Comic, ist in Wahrheit eine vertrackte, (selbs
Entstehen von Kunst, bei dem der sich gottähnlich fühlende Schöpfer derselben allzu leicht ein Opfer seiner Krea
Kölnische Rundschau 04.05.2008
Kafkas Welten
"Koch ist in Knipps Inszenierung das böse, grausame Kind Franz, das sich mit Horrorvisionen aus der beengten Kl
despotischen Vater hinaus fantasiert und dabei alle Grenzen überschreitet - auch physisch.
Mit halsbrecherischer Präsenz turnt Koch in seinen kurzen braunen Hosen über die Balustrade zum Zuschauerraum
dem Kopf an die Decke, aus der er Bonbons zutage fördert, schnaubt, schnarrt, grunzt, quietscht - und redet, redet,
schwarze Löcher im weißgeschminkten Gesicht, eine Gießkanne wird in Kochs fulminantem Monolog durch ein p
Mutter, Schwester. Getrieben vom Hass auf die ganze Welt rast er durch seine Vision von der Verweigerung
junge Schauspieler eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit beweist.
Mühelos wechselt er die Ebenen, und ganz organisch fügen sich die Auszüge aus der 'Strafkolonie' in sein Spiel ein
eines totalitären Staates, der seinen Todeskandidaten das Urteil ('Sei gerecht') durch eine Maschine in den Rücken
durch eine ratternde Nähmaschine symbolisiert)."
Kölnische Rundschau
"Wenn die Wände Stromstöße verteilen, wenn Nähmaschinen von alleine zu laufen beginnen und einem gar die Fi
scheint alles um einen herum animiert zu einer einzigen gewaltigen Bedrohung, der man schutzlos ausgesetzt
Ohnmachtszustände konsequent ausfabuliert, und eine beeindruckende Energieleistung von Koch. "
Kölner Stadtanzeiger
Schnee von gestern
Der aktuelle "Schnee von gestern", das sind heiter-melancholische Miniaturen über Paar-Probleme, Lebenslü
Großstadt-Tristesse und Arbeits-Monotonie. Die schrägen Harmonien erinnern mitunter an die Songs von Brecht u
einige auf dem Programm standen. Joe Knipp präsentierte die anmutigen Chansons mit Charme und Leichtigkeit, w
Seitenhiebe auf die eigene WG-Vergangenheit mit ihren politische Aktivitäten nicht fehlten ("Demo" als Coverver
Köstlich die Parodie auf die Situation der Kölner Theater zu "Seeräuber-Jenny"-Klängen. Der Kölsche Klüngel wir
verarztet und Lafontaine mit Aznavours "Du lässt dich geh'n". Ein feiner Abend voller Witz und Nostalgie.
Kölnische Rundschau
Groschenroman als Nachschlag Schauspieler nähern sich unterhaltsam dem Thema "Frau sein" Das Festival der Zwischentöne hat sich an seinem ersten Abend mit der Frage beschäftigt "Wie's Frauen machen".
"Verführerisch, aber nicht nuttig, gut verheiratet, aber nicht an die Wand gedrängt, berufstätig, aber nicht
bloß ihren Kerl nicht platt zu machen, schlank, aber nicht panisch in Sachen Ernährung", so fasst die franzö
Virginie Despentes - vorgetragen von Schauspielerin Kerstin Kramer - das "Idealbild der weißen Frau" im Vorwor
Kong Theorie" zusammen. Und kommt zu dem Schluss: "Die ist mir sowieso noch nie und nirgends begegnet. Ich
überhaupt nicht." Am Eröffnungsabend des "Festivals der Zwischentöne" im Theater am Sachsenring kreisten Sc
Frauen machen" anhand von Gedichten, Roman- oder Dramen-Auszügen und Essays das Thema Frau-Sein auf unt
Simone Beauvoirs Fragen "Gibt es überhaupt Frauen?" und "Was ist überhaupt eine Frau?" stellt Schauspielerin Re
über Kunst" von Louise Bourgeois gegenüber, die hinsichtlich ihrer Beziehung als Künstlerin zum Publikum festst
fortgeschrittener Versuch, sie zu verführen." Es sei wie Brautwerbung - und "natürlich ist der erste Kuss der schwe
Jede Veranstaltung endet mit dem sogenannten "Nachschlag": Einem in verschiedenen Rollen vorgetragenen und h
Groschenroman, der wie eine Fernseh-Soap Abend für Abend fortgesetzt wird. Das Festival der Zwischentöne beg
Theater am Sachsenring (Sachsenring 3), am Sonntag findet außerdem um 16 Uhr eine Lesung für Kinder statt. Ka
Dreierkarte 15 Euro. KStAnzeiger, 12. März 2009
Gefährliche Liebschaften
David N. Koch überzeugt nach seinem beeindruckenden Solo in "Kafkas Welten" auch als süffisanter Verführer, R
Society-Queen mit tiefem Schlitz im Kleid und Sternchenstrümpfen strahlt gekonnt die Unbarmherzigkeit einer Gi
der doppelten Opfer-Rolle wechselt mühelos zwischen der naiven 15-Jährigen, die die Lust entdeckt und der fromm
zugrunde geht.
Eine ebenso frische wie zeitlose Inszenierung, eine würdige letzte Premiere für das Traditionshaus, das im D
KStAnzeiger 13. Oktober 2009
"Neue Züricher Zeitung" über Köln
Das Ressort "Ausland" der 'NZZ' schrieb 2001 in einer Reihe über deutsche Städte auch über Köln. Auch hier war
einer der Pluspunkte. Auszüge:
"Köln ist eine hässliche Stadt. (...) Man schlug Schnellstrassen durchs Zentrum und gab ihnen Namen wie Nord-Sü
Köln zu den deutschen Grossstädten mit unverwechselbarem Charakter. (...) Geistige Elastizität, Kompromissberei
sind hervorstechende Eigenschaften der Einheimischen.
(...) Wer abseits steht, macht sich verdächtig. «Steh nicht herum, trink einen mit» lautet, ins Schriftdeutsche über
der Bläck Föös, einer Kölner Band. (...) Der Grundton ist fast immer konservativ. Man besingt eine kleine intakte W
Wie Hamburg patrizisch und Berlin proletarisch ist, haftet Köln der Habitus des Kleinbürgerlichen an. (...) Für alle
leicht grossmäuligen Patriotismus, die kleinbürgerliche Glückseligkeit und den Klüngel, existiert ein Wort: Karnev
die Essenz Kölner Daseins. (...)
Köln ist auch die Hauptstadt der deutschen Spasskultur. Hier entstehen die erfolgreichsten Comedy-Sendungen, so
Spross des Karnevals. Deren Humor kommt derb und vulgär daher, er zielt vor allem auf Schadenfreude. «Spass h
tun», behauptet hingegen Joe Knipp, der künstlerische Leiter der Off-Bühne Theater am Sachsenring. Das s
bestehende Kellertheater bemüht sich um eine unverwechselbare Handschrift, indem es einzelne Autoren dauerhaf
seit Bestehen der Bühne hier gastieren, gehört der Kabarettist Thomas Reis, der anstelle von Klamauk auf ein im w
setzt. Köln besitzt eine abwechslungsreiche Theaterszene. (...)"
Neue Zürcher Zeitung, vom Auslandskorrespondenten Eric Guijer, 28. Juli 2001
Theaterleiter Joe Knipp ist seit 1998 (von 2001-2005
als Vorsitzender der Kölner Theaterkonferenz)
auch kulturpolitisch für die Interessen des freien Theaters in Köln tätig.
Pressereaktionen in Auszügen:
Vor 10 Jahren: Februar 1998: Nach einem Krach um die Förderung der freien Kultur in Köln, treten die Kulturdez
zurück.
FAZ: 25.02.1998
Folgesignal
Auch Kölner Theaterreferent gibt auf
Der Rücktritt der Kölner Kulturdezernentin Kathinka Dittrich van Weringh zieht Kreise. Gut eine Woche nach ihre
(FAZ vom 14.02) ist ihr nun der Theaterreferent im Kulturamt der Stadt, Jupp Schmidt, gefolgt. Während Schmidt
nicht äußern möchte und auf seine Schweigepflicht verweist, zeigt Joe Knipp, Leiter des Theaters am Sachsenring,
Verständnis für den Entschluss: Der scheidende Referent habe "mit uns nach Möglichkeiten gesucht, Qualität
gegen blinde Sparwut zu verteidigen. Das haben einige offenbar nicht gerne gesehen." Knipp warnte zugleic
Kultur und der damit verbundenen Provinzialisierung unserer Stadt, die nur noch Soap-Sender und Kitschscheint". (...) aro
Mai 2001: Die Kölner Theaterkonferenz wählt einen neuen Vorstand. Dieser beschließt, um die Vielfalt der The
Erhörung der Theaterförderung erreichen zu wollen und die Ausrichtung einer ersten Theaternacht als ein gro
planen.
22.06.2001
Fast umsonst und im Saale:
Der neue Vorstand der Kölner Theaterkonferenz plant ein Großprojekt
"Eine ganze Nacht lang nur Theater"
(...) der kürzlich neu gewählte Vorstand - Joe Knipp, Dietmar Kobboldt und Oliver Durek - stellte das beschlossene
Zwar veranstalte man ja "im Grunde täglich eine lange Theaternacht", erklärte Joe Knipp, auch Leiter des Theaters
geht eben mehr über die Bühne. Um 20 Uhr hebt sich in allen beteiligten Häusern der Vorhang für einen Abend- , g
Spätvorstellung. Dazwischen gibt es offene Proben
und Lesungen, Führungen hinter die Kulissen, Autogramme und mehr. Ein Bus-S
Theatern. Mit einer party im Foyer der Oper endet die Geschichte gegen vier Uhr morgens.
11. September 2001: Anschläge in New York. In den Theatern versammelt sich das Publikum um zu reden und
Grauens zu entfliehen. Die Boulevardpresse kritisiert geöffnete Theater als geschmacklos. 14.09.2001
"Die Kunst muss provozieren"
Die Auseinandersetzung um die geplante Aufführung des umstrittenen Stückes „Corpus Christi“ im Kölner Theate
Joe Knipp, Vorsitzender der Kölner Theaterkonferenz und Leiter des Theaters am Sachsenring, schreibt in einem O
Oberbürgermeister Schramma: „Sie wollen, dass ein Stück vom Spielplan genommen wird, weil es Gefühle verletz
den Attentaten in den USA benötigten die Menschen das Theater: „Die Kunst sucht nach neuen Blickwinkeln un
Gefühle schärfen, nicht verletzen.“ „Corpus Christi“ sei ein „schlechtes Stück“, sagt Knipp, „über das sich höchs
Gleichwohl müsse die Freiheit des Andersdenkenden verteidigt werden.
In dem Stück von Terrence McNally wird Jesus Christus als Homosexueller dargestellt. Dies allein, so sieht es der
Stadtkirchenverband, ist aber noch kein Grund, die Absetzung des Stückes zu fordern. Es handele sich schließlich u
Thematisierung von Homosexualität am fiktiven Beispiel einer für Jesus stehenden Figur“. Weil aber die Mensche
Botschaft Jesu Christi“ suchten, wäre die Aufführung zum aktuellen Zeitpunkt ein falsches Signal.
(...) Es sei das erste Mal, schreibt Knipp weiter zur Bitte des Oberbürgermeisters, die Premiere abzusagen, „dass w
erleben“. Das allerdings ist nicht korrekt. So wurde die Uraufführung von Bela Bartoks Totschlagsdrama „Der wun
Oper am 27. November 1926 vom Publikum mit Entrüstung quittiert - worauf Oberbürgermeister Konrad Adenaue
Szenkar zur Rede stellte. Szenkar dazu in seinen Memoiren: Er „machte mir bitterste Vorwürfe, wie es mir eingefa
aufzuführen und forderte die sofortige Absetzung des Werkes. Ich versuchte ihn von seinem Irrtum zu überzeugen.
zeitgenössischer Komponist, man möge sich nicht vor der musikalischen Welt lächerlich machen.“ Doch Adenauer
wurde abgesetzt. (EB)
03.10.01
"Abendlicher Bummel zur Kultur"
VON CHRISTIAN BOS, SUSANNE KREITZ UND STEFAN WORRING
Die „Erste Kölner Theaternacht“ war eine bundesweite Uraufführung, und mit 4000 abgesetzten Karten res
auch einigen Ärger einbrachte.
„Haben Sie den Woyzeck im Schauspielhaus gesehen?“, fragt die Dame in Abendgarderobe den älteren Herrn auf
stehen zwei Studentinnen, die Hände in den Halteschlaufen, diskutieren über den skandalheischenden Lärm um die
Theaterhaus. „Nächste Station: Arkadas-Theater“, ruft der Fahrer. Kulturträchtiger war Busfahren nie. Wir befinde
Verkehrs-Betriebe. Auf vier Theater-Strecken fahren die Busse die theaterbegeisterten Kölner im Zehn-Minuten-T
(...) Restlos ausverkauft, hatte sich Joe Knipp, Vorsitzender der veranstaltenden Kölner Theaterkonferenz, b
gefreut. 4000 Karten waren vergriffen, wer spontan auf Theatertour gegangen war, konnte nur das Flair auf der Str
die Dichte der Kulturpendler. Die meisten hatten sich auf eine lange Nacht vorbereitet, die Älteren mit Regenschirm
mit einer Flasche Kölsch. (...) „Wo ist denn hier die nächste Kneipe?“, fragte einer der Nicht-Vorbesteller vorm Pr
Rose-Theegarten-Ensembles in der Widdersdorfer Straße. Und musste einige hundert Meter durchs verlassene Gew
Wer nicht so schnell aufgab, kam dann zumeist doch noch ans Theatererlebnis. Denn schlaue Theaterbummler hatt
gehalten und gleich für mehrere der knapp 100 Vorstellungen reserviert.
Ihre Aufgabe, mehr Appetit aufs Theater zu machen, dürfte die Nacht jedoch glänzend erfüllt haben. Im AR
dreist. Die glänzend gespielte Vorpremiere zum neuen Sex- und Drogenschocker „Der Penetrator“ trieb das ARTh
einer der Akteure wartet schweißgebadet auf den Todesstoß mit dem Jagdmesser. Dann geht das Licht an, und Reg
verschmitzt auf die heutige Premiere.
Im Schauspielhaus erklangen ruhigere Töne. Lesungen aus dem Koran, aus den Texten des Hinduismus und Taoism
Zeitungsartikel und Internet-Beiträge zu den Terror-Anschlägen bildeten einen vielsprachigen Klangteppich, der gl
Einen anderen Appetizer hatte sich das Rose-Theegarten-Ensemble ausgedacht. Die Gruppe gewährte den Nachtsc
Einblick in ihre Probearbeit. Auf die Anweisungen des Regisseurs Thomas Wenzel hin improvisierten die Schausp
sich Szenen und Liedern. Um das Ergebnis zu sehen, muss man dann natürlich wieder regulär ins Theater gehen.
Dem Besucherandrang entsprechend schnell füllte sich auch das Opernfoyer zur Abschlussparty. Um die 1500 Men
Markus Reinhardt-Ensemble und die wohltönenden Stimmen des „ensemble six“. Die fröhlichen Brassband-Kläng
animierten zum ausgelassenen Tanz durch die heiligen Hallen der Hochkultur.
03.12.2001
„Ein
gewaltiges Maß an Unkenntnis“
VON CHRISTIAN BOS
Glücksspiel statt Förderung? Die Theaterkonferenz wehrt sich gegen den Plan des neuen Theaterbeirats, nu
bezuschussen.
Der Streit war unvermeidlich: Am 14. November war der neugebildete Theaterbeirat zum ersten Mal an die Öffent
institutionelle Förderung von höchstens neun bis zehn Kölner Gruppen gefordert. Die Reaktion der Kölner Theat
denkbar scharf aus. „Wer glaubt“, sagte der Vorsitzende der Theaterkonferenz Joe Knipp, „mit einer Zehn
privaten Theater fördern zu können, eine Szene von 60 Theatern, die Hunderte von Künstlern bindet, zeigt
Unkenntnis oder Zynismus.“
Man wüsste gerne, so Knipp, „welche Förderkriterien zur Absurdität einer solchen Liste“ geführt haben. Das sei ke
eine Glückslotterie - 10 aus 59. Angesichts der drohenden Kürzung von 25 Prozent der Fördermittel fordert die Th
das neue Konzept so lange auszusetzen, bis es eine Bereitstellung ausreichender Geldmittel überhaupt ermögliche,
Kriterien anzusetzen. Als sinnvolle, jährliche Fördersumme nannte Knipp fünf Millionen Mark. Die Stadt Ha
Theater mit jährlich 17,3 Millionen Mark. Kölns freier Szene stehen - vor der geplanten Kürzung - 2,2 Milli
Gerade die Vielfalt der Theaterszene sieht Knipp als besondere Qualität der Stadt. Das Argument des Kulturdezern
Gießkannenförderung Abschied nehmen, hält Knipp für „Augenwischerei“: „Eine Gießkanne hat es nie gegeben.“
Förderungskonzept hätten wenige Theater den Löwenanteil an Zuschüssen bekommen. „Die Beiratsmitglieder“, meinte Knipp, „treten wie Jungmanager auf, die - ohne einen Betrieb von innen zu kennen
ankündigen.“ Einige der Beiratsmitglieder wären noch in keinem Kölner Theater zu sehen gewesen. Zudem kritisie
nach denen der Beirat zusammen gestellt wurde. Vier der sieben Mitglieder seien vom Kulturamt vorgeschlagen w
stimmberechtigte - Vertreter der Theaterkonferenz musste sich, wie alle Mitglieder des Beirats zum Stillschweigen
soll die Unabhängigkeit des Beirats gewährleisten. Knipp hält sie für kontraproduktiv: „Klar gab es früher Verband
Jetzt läuft alles im Geheimen ab. Aber Verbandelungen gibt es wohl immer noch.“
21.02.02
"Zwischen Hoffen und Bangen"
VON OLIVER CECH, , 21:04h
Politik und Verwaltung gehen in eine neue Runde: Wird es mehr Geld für mehr Gruppen geben? „Als gebrannte Kinder sind wir natürlich vorsichtig geworden“, sagt Joe Knipp, der Vorsitzende der Kölner Theate
ernsthaft zuversichtlich stimmt, ist die Erfahrung, dass die Politik jetzt erstmals unsere Argumente aufgreift. Wir b
einen Anschluss an die Fördersummen anderer Städte, sonst geht die Szene über kurz oder lang vor die Hunde. Un
begriffen.“
Zwischen Hoffen und Bangen schweben dieser Tage Kölns freie Theater. Knipps Optimismus in Ehren - was der K
Förderung der freien Bühnen beschließen wird, weiß von den Theaterleuten niemand. Bis dahin ist dies: eine Übun
Mit Abwicklung beschäftigt
Wie bedrängend die Lage für viele geworden ist, zeigt ein Blick auf Knipps eigenes Theater am Sachsenring. Nur z
Theaterhäuser und Gruppen Kölns sollten ursprünglich in den Genuss einer kontinuierlichen Konzeptionsförderung
Sachsenring gehörte nicht zu den Auserwählten. Damit stand man vor dem Ruin: „Dieses Theater wäre definitiv ge
waren bereits mit der Abwicklung beschäftigt.“
So verzweifelt standen die Dinge für die Mehrheit der Theater, als auf der entscheidenden Ausschusssitzung am 22
machina“ auf die Bühne sprang. Im letzten Augenblick verkündete der kulturpolitische Sprecher der CDU Richard
vorgelegte Konzept ab. In einem „finanziellen Kraftakt“ werde man versuchen, die Mittel für die Theater zu erhöh
Theaterbeirat ging der Auftrag, weitere zehn bis 15 Theater auszuwählen, die ebenfalls eine ständige Konzeptionsf
Wirklich ernst gemeint?
„Wir befinden uns in einer merkwürdigen Lage“, meint Volker Hein, Leiter des Horizont-Theaters. „Die Pläne zur
klingen natürlich großzügig, aber es fehlen eben die Details. Wir haben die Hoffnung, dass die Politik es diesmal w
Unruhe bleibt.“ Auch das Horizont-Theater wäre innerhalb des ursprünglichen Förderkonzepts - in den Worten von
Hüllenkremer - „durch den Rost gefallen“. Von einem Inszenierungsprojekt zum nächsten hätte man um Einzelförd
mit Projekt-Fördermitteln“, so Hein, „kann man ein Haus auf Dauer nicht erhalten“.
Inzwischen darf sich auch das Horizont-Theater wieder Hoffnungen machen - vor allem durch seine Leistungen im
diese Sparte hat der Theaterbeirat zum Schwerpunkt erklärt. Zugleich aber hat er ausschließlich Ömmes & Oimel,
Anbieter der Sparte, eine Konzeptionsförderung zugesprochen. „Eine so große Stadt wie Köln“, meint dazu Klaus
& Oimel, „kann nicht durch uns allein mit Kindertheater versorgt werden.“ Gute Karten also für weitere Anbieter w
Künstler Theater?
Die gleiche Ungewissheit herrscht auch in anderen Sparten. „Was meinte Richard Blömer, als er im Kulturausschu
sprach - eher 50 000 Euro oder eher 500 000?“ bringt Klaus Schweizer die Frage auf den Punkt. Wird man die Mit
erhöhen oder jene für Projektförderung? Und was bleibt übrig vom Vorschlag des Theaterbeirats, durch gezielte Fö
Niveau der Kölner Inszenierungen zu heben? „Wir haben seit Jahren in der gesamten Szene nicht die Möglichkeit g
produzieren“, wiegelt Joe Knipp ab.
Und er verbreitet Zuversicht für jedermann: „Wenn 10 bis 15 weitere Theater Konzeptionsförderung erhalten, dann
gen Gruppen lassen sich durch Projektförderung erhalten. Eine neue Hoffnung ist jetzt üb
Schub, und plötzlich kommen einem die Kollegen wieder strahlend lächelnd entgegen!“
Blick auf die Nachbarn
Eine Anhebung der Gesamtförderung um 700 000 Euro hält Joe Knipp für sinnvoll - „in einem ersten Schritt“. Das
Verdopplung der bisherigen Fördersumme, aber klingt logisch, sollen doch jetzt doppelt so viele Theater gefördert
Und - keineswegs unbescheiden - schaut man zum Vergleich auf andere Städte wie Stuttgart oder Frankfurt, die all
Unterstützung ihrer freien Theater aufwenden.
08.02.03
"Zeichen der Versöhnung gesetzt"
VON SUSANNE KREITZ
Schauspieler spielten ohne Gage, um ehemaligen KZ-Häftlingen zu helfen. Das Interesse hat die Organisatoren selbst überrascht. Zehn Vorstellungen, alle ausverkauft. Mehr als 30 Schauspie
Bühne, Fernsehen und Comedy, die alle ohne Gage auftraten. Ein engagiertes Publikum, in dem auffallend viele ju
10 000 Euro Reinerlös brachte die Lesung „Die Ermittlung“ von Peter Weiss im Dezember vergangenen Jah
am Sachsenring und des Regisseurs Hans Kieseier.
Am Freitag überreichten Joe Knipp vom Theater am Sachsenring und Regisseur Kieseler einen symbolischen Sche
81-Jährige hat die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt, ist Professor der Universität Prag u
Initiativen von NS-Verfolgten. Das Geld wird er weiterleiten an Auschwitz-Überlebende in Bjelorussland. Kolmer
die die KZ überlebt hatten, bei ihrer Heimkehr nichts mehr vorgefunden hätten. Politisch Verfolgte hätten zumeist
Juden waren ganz allein. Auch finanziell ging und geht es vielen sehr schlecht, in Mitteleuropa mehr als beispielsw
zumeist völlig mittellos seien die Überlebenden im Osten. Einen Teil des Geldes bekommt der Jugendclub Courage, der damit eine Dokumentation mit Interviews von Ausch
veröffentlichen will.
10.04.2003
"Abreißen und neu bauen"
Von HARTMUT WILMES
KÖLN. Der Intendant war nach zwölf Minuten bedient. „Den Scheiß muss ich mir ja wohl nicht antun“, mu
verließ eilig das Kolpinghaus. Dicht gefolgt von Joe Knipp, Privattheater-Leiter und Sprecher der Theaterk
beide bei der Podikumsdiskussion des Kölner Kulturrats zur Zukunft der Bühnen („Leitbild Kulturstadt Kö
halbstarke Vorschläge anhören müssen: Die Halle Kalk wird Zentrale des Sprechtheaters, das Schauspielhaus h
nach dem Motto „Unmögliches denken, um das Mögliche zu schaffen“ noch eine zahme Vision. Meinhard Zanger, Chef des Kölner Keller-Theaters, sah in einer Kahlschlag-Kur unter anderem Entzug aller Zusch
des Schauspielhauses und einen Neubau aus Ruinen vor. Ach ja, und ein Teil der dann irgendwann doch wieder fli
Fach „Angewandte Theaterwissenschaft“ an der Uni Köln zugute kommen. Und in stärkerem Maß der freien Szene
(Bauturm-Theater) eine „wahnsinnige Selbstausbeutung“ beklagt.
08.05.03
"Verlogene Gesellschaft"
VON OLLVER CECH
Die Theatralisierung des Films ist Regisseur Joe Knipp glänzend gelungen. (...) Das Ziel der Dogma-Filme - ist eine Disziplin, in der es das Theater mit dem Kino aufnehmen, es sogar übertru
Regie überfrachtet ein Stück nicht mit Effekten.
Davon ist Joe Knipp weit entfernt, inszeniert mit souveräner Zurückhaltung. Auf fast leerer Bühne kann sich das S
und ungeschützt prallen die Figuren aufeinander, haben keine Möglichkeit, sich zu verbergen, die Schuld, die Scha
Utensilien. Unmittelbar sichtbar wird so die Verlogenheit einer Gesellschaft, die gar so gern feiern möchte und der
Gesicht blickt, auch wenn sie längst den gesamten Bühnenraum ausfüllt.
Dass dieses Fest der Sühne „authentisch“ und darum kathartisch wirkt, ist den elf Schauspielern zu danken. Ideal b
Figuren; jeder einzelne der elf Akteure spielt auf hohem, teilweise auf höchstem Niveau. Überragend dennoch Rich
des als Kind geschändeten Christian hineinfrisst mit selbstzerstörerischer Intensität. Ihre einzige Schwäche hat die
Versöhnliche retten möchte, um das Publikum schließlich aus dem Schrecken zu entlassen - eine Erleichterung ist
09.12.03
Theaterpreis für „Das Fest“
Der Höhepunkt des Abends kam wie immer zum Schluss: Der Kölner Theaterpreis in Höhe von 10 400 Euro, gesti
dem städtischen Kulturamt und der BioFactory, ging diesmal an das Theater am Sachsenring für „Das Fest“ von Th
Rukov in einer Inszenierung von Joe Knipp. 18.2.2004
"Gegen die Lüge des Scheins"
Kulturhauptstadt Europas 2010 zu werden, ist eine humanistische Aufgabe. In Köln bestimmt Glanz die Bew
eine Kulturstadt indes ist der Beitrag der Kulturschaffenden
VON JOE KNIPP
Köln ist ein schlafender Riese, aber es gibt zu viele Zwerge, die ihn am Aufwachen hindern wollen. Deshalb mus
werden. Wir haben das größte Entwicklungspotenzial. Daher sind zur Bewerbung viele freie Kulturschaffende zusa
unentgeltlich wie immer, Papiere geschrieben. Dann kam eine Agentur, und schon ist mancher Gedanke kaum noc
"Global Player" steht im Internet. Toll! Fehlt nur noch: Köln ist stückweit ne ,coole location'. Dazu dann die sicher
der Kölnarena.
Ich habe einen Traum. Wie wäre es mit politischer Kultur, Fußballkultur, einer Kultur des respektvollen Umgangs,
Publikum zugewandt ist. Das wäre doch etwas. Das Spiel als Idee, das Spielerische als Methode. Der Sinn: mündig
Wir sprechen von Menschen. Von ihrem Lebensgefühl, ihrer Lust an einer Stadt. Kulturhauptstadt zu werd
Aufgabe.
Die Realität ist Schein: glitzernde Models, die in blitzenden Karossen durch Glasstädte donnern. RTL und Bild, ein
Maxime: Verwertbarkeit und Quote.
Ein anderer Bildausschnitt
Zuhause kichert der Fernseher über die Schau der Klone, die Superstars werden müssen, um wochenlang die Schla
dann noch: korrupte Politiker, eitle Karrieristen, Dummheit, Schadenfreude, Dschungelcamp. Auch davon ist Köln
zu ändern sein, zumindest bis 2010.
Wir müssen den Bildausschnitt ändern. Der wird heute bestimmt durch die unmittelbaren Interessen der Industrie,
Pöstchenjäger. Sie führen zur Überschätzung des "Glanzes" und gleichzeitigen Geringschätzung einer über Jahre g
selbstständig und authentisch. Diese findet in besagtem Bildausschnitt fast nicht statt. Der Kulturchef des Kölner S
in der Bewertung der kulturellen Attraktivität nur auf dem sechsten Platz landet, und kommt nicht auf den Gedanke
damit zu tun haben könnte.
Einfallslose Ästhetik
Trotz der journalistischen Ausblendungen und trotz der Journalisten, in deren Köpfen mehr als eine schräge Revue
Homestory nicht vorkommen, hat sich die freie Kultur behauptet, ja gestärkt.
Klar ist: Hätten sich die Kulturschaffenden nicht selbst bewegt, wäre hier schon lange der Ofen aus. Ein Beispiel: O
hätte es 2002 keine Mittelerhöhung gegeben, keine Konzeptionsförderung für 17 Theater, keine Theaternacht, kein
Vielfalt im Kinder- und Jugendtheater. Es gäbe auch keine Inszenierung von Vinterbergs "Fest", (mit dem Theaterp
selbst das Theater am Sachsenring nach dem Willen der Verwaltung abgeschafft wäre. Alles das hätte keinen Boden mehr. Dieser Boden aber ist die Mindestvoraussetzung für eine Kulturstadt. Sonst gä
Zeit, in der es in Köln nur eine Handvoll Bühnen gab. Also hat die Politik begonnen, umzudenken. Die Stadt ist in
Leben in seiner Vielfalt zu finanzieren und es nicht immer wieder als "freiwillige Leistung" zur Verfügung z
Was wir brauchen, ist ein "Kölner Modell" mit einem starken Zentrum städtischer Bühnen und einer Landkarte fre
zwischen allen Wegen zulässt.
Sprechen wir zum Schluss noch über die Kunst. Die Zerstörung von Stücken, die Zerstörung von Zusammenhänge
lange nicht mehr dem Geist der Zeit oder gar den Bedürfnissen des Publikums. Es ist arm zu denken, ohne Video
Theater mehr. Diese Ästhetik kopiert Werbesplitter, Reiz und Schock, sie ist eben nicht "modern", sondern einfal
des Scheins, der Lüge der Attraktion des Augenblicks widersetzen. Köln als Medien-Dom wird keine Kulturhaupts
Stärken der Kunst, der Sprache, der Körperlichkeit. Vertrauen wir auf die Tradition des Spiels, der Verwandlung, d
Köln als Stadt schon immer beherrscht hat. Lasst uns auf Seele und Köpfe zielen mit der Kunst. Offenbach, Shakes
heute noch ihre Chance, gerade in Köln.
Der Autor ist Chef des Theaters am Sachsenring und leitet seit drei Jahren die Kölner Theaterkonferenz. taz Köln N
157 Zeilen (TAZ-Bericht), JOE KNIPP
Typisch Köln: statt eine Debatte zu führen, sitzt nach dieser Veröffentlichung manch einer auf dem Sofa und nimm
sich gegen die Angriffe auf RTL, Politiker finden Kritik "unglücklich" und drei Damen aus der freien Szene, die sic
treten aus der Theaterkonferenz aus.
Joe Knipp wehrt sich
ksta: 03.03.04
Joe Knipp, Vorsitzender der Kölner Theaterkonferenz, wehrt sich gegen Vorwürfe aus der freien Theaterszene. De
Kulturhauptstadt-Bewerbung stelle seine persönliche Sicht dar, schreibt Knipp in einer Stellungnahme. Er habe sic
geäußert, sondern sich „gerade gegen den Dogmatismus des Zeitgeistes“ gewandt. Knipp hebt die politisch erfolgr
hervor, die zu einer „deutlichen Mittelerhöhung“ geführt habe und zu dem „klaren Bekenntnis: Vielfalt als Profil d
als Trumpfkarte“. Dass ein Theater oder dessen Austritt unerheblich sei, habe er „nie behauptet“. Er fordere alle Th
suchen, statt ihr auszuweichen“. In der vergangenen Woche sind das theater-51grad.com, Angie Hiesl Produktion u
Knipp aus der Theaterkonferenz ausgetreten. 20.05.04
"Stimmen aus der Kölner Kultur: Brauchen Leute mit Visionen"
VON SUSANNE STAERK
Zunächst war ein langes Stöhnen zu hören. Dann erst kamen die Worte: „Nein!“ Fassungslosigkeit, Bestürzung. Au
„Köln hätte es verdient gehabt“, bemerkte Joe Knipp, Vorsitzender der Kölner Theaterkonferenz. Man habe wohl n
welches „Entwicklungspotenzial“ Köln habe, spekulierte er angesichts des Votums der Jury. Es habe wohl eine Vis
ein Loch“. Es sei zwar gut gewesen, dass der Oberbürgermeister sich an die Spitze gesetzt habe; aber man hätte sic
sollen. „Wir haben eine große Chance verpasst“, so Knipp. Man hätte künftig in kulturellen Belangen mehr Druck
Geld gegeben. Das hätten wir gebraucht.“
Kölner Stadtanzeiger
02.09.04
"Sturzflug oder Aufbruch?"
VON JOE KNIPP
Unsere Reihe erörtert Perspektiven und Prioritäten der Kulturstadt Köln. Für Köln stellt sich mehr denn je die Frage: Sturzflug in die Zweite Liga oder Aufbruch? Nachdem die Mission „K
Europas“ schon in NRW scheiterte, überschlugen sich die Bekenntnisse zur Entwicklung der „Kulturstadt“ Köln. B
der freien Kultur, ein Kammermusiksaal, ein kompetent geführtes Kulturdezernat - Versprechen fielen freimütig.
musste: Personalpolitik. Ein Kulturdezernent aus dem Hut gezaubert un
d wieder zum Verschwinden gebracht. Gelächter. Vorhang. Köln.
Nur wenn aus der Bankrotterklärung der Politik Schlüsse gezogen werden, wenn sich Kultur und Demokratie verbi
dann. Dazu brauchen die Politiker Hilfe von denen, die sich auskennen; die Kulturschaffenden und Künstler selbst,
Entwicklung „Kulturstadt“ eingebunden werden. Ein wenig mehr direkte Demokratie kann auch in Köln nicht scha
der Schritt vom Klüngel hin zu fundierten Entscheidungen, von Mutlosigkeit zur Kultur des Streits, vom Verwalten
Pappnase der Republik. (…)
In kaum einer anderen Stadt gibt es Theater, die sich in der ganzen Stadt verteilen, in unterschiedlichsten R
Ansätzen. Diese Vielfalt ist ein historischer Schatz. Ein Ergebnis von: „Wir leben das!“ - nicht als Bewerbungsm
Lebenshaltung. Daran orientiert sich auch das Förderkonzept. Daher gibt es im Bereich Theater zu Recht keine „Betriebs“-, sonder
Konzeptionsförderung, die darauf schaut, dass Gruppen von Künstlern Kontinuität und Handschrift entwickeln kön
Gruppen ohne festes Haus. Da im Städtevergleich Köln aber in den Fördersummen bundesweit nach wie vor Schlu
niedrigstem Stand eingefroren bleiben, sollten wir vor allem die Strukturen schützen. Die Förderung konzentriert s
(von zirka 50). Das ist wahrlich keine „Gießkanne“, sondern die Verhütung des Schlimmsten, nämlich des Absterb
die Zukunft muss es darum gehen, den Künstlern freies Atmen zu ermöglichen, Planungssicherheit. Nur so wird sic
Was wir brauchen, ist die Lust, mit der vor zwei Jahren die Bewerbung zur Kulturhauptstadt begann. Aus e
Sparten entstand ein reger Austausch, dann das KulturNetz Köln. „Kooperativen“ schlossen Experten freier und stä
gemeinsam Konzepte schrieben. Dann kam, was kommen musste: Weder Musiker noch Theaterleute fanden ihre Id
„[email protected]“ wieder. Da war sie wieder, die Sprache der Technokraten. Wer hatte sich eingemischt? Nieman
geben. Eine neue Runde: Klüngel schlägt Kultur. Damit muss Schluss sein. Was wir nicht brauchen, ist, uns im Überlebenskampf gegenseitig totzubeißen. Was wir brauchen, sind Bündn
Theaterkonferenz, die als Zusammenschluss fast aller Theater in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen feiert, spielt hie
Grundidee, unter einem gemeinsamen Dach die Interessen des Theaters zu bündeln, die Dinge in die eigenen Händ
und wirkungsvoll.
Nur gemeinsam erreichen wir mehr. Beispiele: enge Kooperation mit den städtischen Bühnen, gemeinsame Verans
Plakat, die Anhebung der Gesamtfördersumme um 500 000 Euro auf 1,2 Millionen für alle freien Theater, in 2003
Außerdem binden Theaterbummel, Theaterfeste, Theaternächte (am 2. Oktober zum vierten Mal) unser Publikum,
mit der freien Wirtschaft (Ford, Stadtwerke). Der Arbeitskreis „Junges Publikum ins Theater“ (JuPiter), betreibt Th
Spielorte für die vielen Gruppen. In zirka zwei Jahren, wenn die Nutzung des geplanten Kinder- und Jugend-Theat
dieser Theater zugute kommen wird, sind wir diesem Ziel ein großes Stück näher gekommen.
Wir brauchen eine Kultur der vielen Stimmen. Wir müssen Künstler und Publikum einander näher bringen. Wir
Prozess begreifen. Wir leben das - jetzt erst recht!
Bild: November 2005
Kluge Kölner Köpfe
Heute: Joe Knipp (Künstlerischer Leiter des Theaters am Sachsenring, Regisseur, Sänger)
"Kulturell spielt Köln bald nur noch 3.Liga"
Joe Knipp macht Theater. Erfolgreich. Noch. Gedanken über Bühnenförderung, FC und andere kölsche Grausamke
BILD: Welches Theater in der Stadt jenseits aller Bühnen ist zur Zeit das
spannendste?
Joe Knipp: Die Stadtpolitik ist es auf keinen Fall. Daß die Koalition
geplatzt ist, ist doch keine Überraschung. Das spannendste Theater findet zur Zeit in den Straßenbahnen und den B
Warum dort?
Wo Kölner sich treffen, kann man die oft strapazierte Liebe zu ihrer Stadt
hochkonzentriert erleben. Vor kurzem sah ich eine Runde älterer Damen beim Kölsch, die zusammen mit Leidensc
greifende
Baustellen und über andere kölnische „Grausamkeiten“ Luft machten. Bei allem Ärger kann man dort aber auch er
immer versöhnliche Töne gibt. Der Kölner an sich ist sehr geduldig und
leidensfähig, wenn es um seine Stadt geht.
Sie sind vor kurzem von Ihrem Amt als Vorsitzender der Kölner
Theaterkonferenz zurückgetreten. Warum ?
Das war für mich eine Frage der Ehre. Das neue Konzept zur Förderung der freien Theater ist eine schleichende Au
Theatervielfalt und Kreativität. Man nennt diese Nebelkerze „Spitzenförderung“ und verteilt die geschrumpften Mi
Bühnen. Die anderen bekommen den Rest oder gehen leer aus.
Die Konsequenz dieser Politik wird die Schließung der nicht als
förderungswürdig erachteten Bühnen sein. Eine Schande für die viertgrößte Stadt Deutschlands. Dann spielen wir k
Liga.
(...)
über die 6. Theaternacht schrieb BRIGITTE SCHMITZ-KUNKEL in der Kölnische Rundschau:
04.10.06
Efeuumranktes Märchenschloss, Industriedenkmal, gigantisches Bühnenbild - alles auf einmal war das Heizkraftw
Theaternacht. Zum ersten Mal stellte Hauptsponsor Rheinenergie sein Jahrhundertwende-Schmuckstück in der Süd
Und statt es mit den ohnehin imposanten Räumen im Inneren der Gebäude gut sein zu lassen, hatte man als Überra
Backsteingemäuer, Schornsteinen und Werksbrücken dank eines ausgetüftelten Lichtdesigns in intensiv bunte Farb
Szenerie, durch die die Theaterbesucher zwischen den Vorstellungen begeistert flanierten. (...)
Ein paar Straßen weiter stehen Leute Schlange vor dem Theater am Sachsenring. Im Café nebenan präsentiert das E
aus verschiedenen aktuellen Brecht-Produktionen, unten im Saal lacht man über die köstliche BRD-Revue „Flower
angucken!“ befinden zwei ältere Damen. Die einen kommen, andere gehen, viele sind unterwegs mit Fahrrad oder
einer Laterne und sucht sich im Programmheft die nächste Vorstellung („In zehn Minuten Tanz in der Orangerie, d
Menschen geben sich Tipps. Überall ist es voll. Im Kabarett Eifelturm wollen Hunderte Moritz Netenjakobs „Dicke, freche, türkische Familie“
verpasst man immer, dafür entdeckt man vielleicht nebenbei eine freie Bühne oder ihr Veedel neu. Die Kölner The
Besuchern spürbar Spaß, sondern auch den Künstlern, die an diesem Abend ja zumindest finanziell nicht reich wer
bei einer Party aus. Und nächstes Jahr am 2. Oktober ist wieder Theaternacht.
01.11.06
Freie Szene beunruhigt über Grüne
"Kulturnetz Köln" sorgt sich um städtische Zuschüsse in Köln. VON MARTIN OEHLEN Kölns freie Kulturszene ist beunruhigt über die Grünen. Grund dafür ist eine Frage von Barbara Moritz, der Fraktio
Kölner Rat, auf dem "1. Kölner Kulturpolitischen Symposium": "Wie kommt es, dass die freie Kulturszene in Köln
keine städtische Unterstützung erhielt, viel erfolgreicher war als heute?" In einem offenen Brief schreibt das Kul
Zusammenschluss von Vertretern der freien Szene, diese Frage lege "die Vermutung nahe, dass Sie sich - un
Haushaltslage - gegen eine Erhöhung des städtischen Zuschusses für die freie Kulturarbeit aussprechen". Z
Fragestellung folgern, "dass Sie sich für eine Reduzierung bzw. Einstellung der städtischen Förderung für d
aussprechen." Sollte dies tatsächlich die Auffassung der Fraktionsvorsitzenden sein, so Friederike van Duiv
Knipp vom Sprecherrat, dann "wäre dies ein offener Affront gegenüber allen Kulturschaffenden Kölns und
Schauspieler und Regisseur am Bauturm Theater, ergänzt: "Wenn die Politik nicht ganz einfach anfängt, die Kultu
wird die Kultur in dieser Stadt ganz einfach sterben." In ihrer Erwiderung stellt Barbara Moritz fest, dass sie die Frage so provokativ formuliert habe, um eine Strukturde
niemand eingegangen. (...)
Im Gespräch räumt Barbara Moritz ein, es sei "beschämend", dass Köln mit seinem Kulturetat im Bundesvergleich
ihr bewusst, dass der Kulturetat in den vergangenen Jahren von sechs auf drei Prozent vom Gesamtetat halbiert wo
Etat in anderen Städten höher sei - dies habe sie vom Deutschen Städtetag erfah- ren -, sei die starke Nachfrage der
Gewiss seien im Kulturbereich auch Fusionen zu prüfen. Im Opernbereich könnte dies etwa mit Bonn erwogen we
einen Opernball vor, für den es ein Publikum in Köln gebe und auf dem man Sponsoren für die Bühnen gewinnen k
der freien Szene sollten erörtern, ob sie nicht besser dastünden, wenn sie kooperieren würden. Denn unterha
Zuschauer-Plätzen rechne sich so ein Theater betriebswirtschaftlich nicht mehr.
22.02.07
"So etwas hat es seit 1979 nicht gegeben"
Kulturpolitiker feiern Kölns Kulturetat Die Erhöhung um rund neun Millionen Euro im Haushalt 2007 kommt vor allem der Freien Szene der Stadt zugute
VON MARTIN OEHLEN Die "Trendwende" sei vollzogen und ein "Meilenstein" gesetzt. Dies stellten Hans Georg Bögner, der kulturpolitisc
sowie seine Kollegen Angela Spizig (Grüne) und Ulrich Wackerhagen (FDP) vor der Presse fest. Die Lobreden gal
in diesem Jahr, für die man sich - so Bögner - "in langen Nächten und vielen Telefonaten" stark gemacht habe. (...) Nach Ansicht von Lothar Theodor Lemper (CDU) ist die Mittelerhöhung dringend notwendig gewesen, um "d
Kultur in Köln" zu stabilisieren und auszubauen. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Kulturausschusses sind die
Beispiel für die Vielfalt der Szene - aber auch für deren Notlage. Defizite seien hier im Rahmen der Aufstockung
Weiter regt Lemper an, die "Zukunftsfelder" Bildung und Kultur enger zu verbinden. Projekte, in denen Künstler u
seien besonders zu unterstützen. Er wolle sich einsetzen für Partnerschaften zwischen Theatern und Schulen.
Künstler und Kulturschaffende seien keine Bittsteller, meint der Kulturausschuss-Vorsitzende, sondern Partner. Di
Arbeit "ist eine geistige Anschubfinanzierung für die ganze Stadt". Dabei warnt Lemper davor, die Nachfrage zum
machen: "Auch wenn Besucherzahlen und Einnahmen zu sichten sind, so geht es in erster Linie nicht um Be
künstlerische Qualität."
Lemper stellt fest, dass SPD und Grüne zunächst "verärgert" auf die Ankündigung einer Erhöhung reagiert hätten.
sich jetzt an die Spitze einer kulturpolitischen Bewegung zu stellen, die sie zunächst monatelang massiv behi
sei, dass Hans Georg Bögner, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, "jetzt schon wieder Vorbehalte äu
weiteren Steigerung des Kulturetats zuzustimmen". Wenn SPD und Grüne diese "von der finanziellen Entwicklung
widerspricht dem die CDU-Fraktion vehement". (ksta) "Wir sind keine doofe Stadt"
Kulturdezernent Quander löst in der Debatte um Kunstfreiheit Proteste aus Eine Diskussion zur Freiheit der Kunst entwickelt sich überraschend heftig. VON CHRISTIAN BOS Es ging hoch her am Dienstagabend im Erfrischungsraum des Kölner Schauspielhauses. Schauspiel-Chefin Karin
über die Frage "Was darf die Kunst?" geladen. Statt dieser eher philosophischen Aufgabenstellung auf den Grun
Diskutanten jedoch über eine ungleich spannendere Frage: "Was erlauben Köln?", um es mit Giovanni Trapattoni z
Hintergrund war das Verbot, das die Stadt Köln gegen das Plakat zu Beiers Eröffnungsinszenierung "Die Nibelung
Plakat, das eine an den Händen gefesselte Frau zeigt, der man eine blaue Plastiktüte über den Kopf gezogen hat, hi
Erfrischungsraum. Beier betonte zu Anfang, dass sie das Plakatverbot zwar für eine Petitesse erachte, dass sie sich
Punkt, an dem hier Zensur ansetze, wundere. "Wir müssen das Risiko eingehen, Anstoß zu erregen, Diskussionen a
Kölns Kulturdezernent Georg Quander wollte unterschieden wissen zwischen dem, was die Kunst dürfe, und dem,
künstlerische Veranstaltung bewerbe. Eine Unterscheidung, die Karin Beier als "akademisch" abtat: "Wir wollen ja
hineinwirken." Gerhart R. Baum, Rechtsanwalt und ehemaliger Innenminister, stützte die Auffassung der Intendan
verankerten Kunstfreiheit falle auch das Plakat, mit dem für Kunst geworben werde. "Es gibt keinen Grund, das Pl
Stadtdirektor Guido Kahlen, der das Verbot ausgesprochen hatte, verteidigte seine Entscheidung vor allem mit dem
seiner Bekannten, denen er das Nibelungen-Plakat zeigte, hätten ablehnend reagiert. Man hätte, so Kahlen, das Pla
diskutieren müssen. Doch wäre die Hängung in die Schulferien gefallen. Ein überraschendes Argument. Schließlic
war das Verbot mit den Adjektiven "geschmacklos" und "gewaltverherrlichend" ausgesprochen worden. An dieser Stelle schaltete sich Kasper König, der Direktor des Museum Ludwig, in die Diskussion ein. "Ja, glauben
ferngesehen haben", wandte er sich an Kahlen. Die Befindlichkeitsattitüde, dass der Stadtdirektor ein Plakat in sein
völlig undemokratisch. König hat selbst Erfahrungen mit Plakatverboten. So wurde das ursprünglich vorgesehene Motiv zur Matthew-Bar
von der Stadt abgelehnt. Das Plakat zur Ausstellung "Das achte Feld" - es zeigte ein Bild Wolfgang Tillmanns, auf
sonst unbekleideten Mann unter den Schottenrock fotografiert hatte - hatte Quander 2006 als "Pornografie" untersa
werde er solche Verbote nicht dulden.
Dann wurde der Museumsdirektor heftig: "In dieser beschissenen, verkackten Stadt will niemand für die Kultu
den Kulturdezernenten. "Ich habe diese Entscheidung gefällt, weil ich für die Kultur einstehe", verwahrte sich Qua
Zensur sich als Bewahrer der Kunst aufspielt", konterte König. Baum erinnerte an die 60er Jahre, "da war Köln übe
Es stelle sich die Frage, warum die Jugend denn überhaupt vor provozierender Kunst geschützt werden müsse. Nun wandte sich ein Mann im Publikum an Georg Quander: "Ich hätte von ihnen erwartet, dass sie die Schulter
Diskussion stellen. Köln hat es nicht verdient, so kleingeistig verwaltet zu werden. Auf Grund dieser Mental
abgerutscht." Worauf Quander antwortete, dass sich seiner Einschätzung nach in Berlin niemand über das Nibelungen-Plakat auf
ist in Köln wahrscheinlich ein Stück kleiner als in Berlin." Eine Äußerung, die zu Unmut im Publikum führte u
König zum Zwischenruf "Unverschämtheit, Sie Apparatschik!" animierte. "Ich bin empört von ihrer Arrogan
doofe Stadt", schickte König hinterher. Was Quander mit "Machen Sie sich doch nicht lächerlich" quittierte.
Sommer 2007
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