Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand

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Position
Globalisierung schafft Wachstum und
Wohlstand
Stand: Januar 2016
www.vbw-bayern.de
Position – Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand
vbw – Januar 2016
Vorwort
X
Vorwort
Durch Internationalisierung Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen
Der Begriff der Globalisierung ist in der öffentlichen Debatte oft negativ besetzt. Doch
dies ist nicht gerechtfertigt. Die Globalisierung sorgt für Wirtschaftswachstum und führt
zu Wohlstand – in allen Ländern, die ihre Märkte und Standorte öffnen und am internationalen Waren- und Kapitalaustausch teilnehmen.
Gerade in Bayern sind Ängste unbegründet. Ohne die starke Exportorientierung wären
Wachstum und Beschäftigung in Deutschland und Bayern viel niedriger. Ohne die Internationalisierung der Wertschöpfungsketten könnten unsere Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht erhalten.
Die zunehmende Globalisierung eröffnet aber nicht nur Chancen, sie stellt uns auch
vor große Herausforderungen. Denn es entstehen nicht nur zusätzliche und größere
Absatzmärkte, sondern es wachsen auch zahlreiche neue Konkurrenten auf dem
Weltmarkt heran. Bereits heute ist China unser bedeutendster Wettbewerber. Umso
wichtiger ist es, im Inland für Rahmenbedingungen zu sorgen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen stärken und die Unternehmensansiedlungen aus dem
Ausland anziehen. Notwendig sind stabile Kosten, eine hohe Flexibilität und ein
verlässlicher marktwirtschaftlicher Ordnungsrahmen.
Es wäre fatal, sich von unserem Erfolgsmodell der Internationalisierung abzukehren.
Vielmehr gilt es, die Internationalisierung weiter voranzutreiben und für offene Güterund Kapitalmärkte zu sorgen. Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg ist es,
endlich die Freihandelsabkommen TTIP und CETA zügig umzusetzen.
Denn Globalisierung schafft Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand.
Bertram Brossardt
29. Januar 2016
Position – Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand
vbw – Januar 2016
Inhalt
X
Inhalt
1
Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft ........................................ 1
1.1
Offenheitsgrad .............................................................................................. 1
1.2
Außenhandel ................................................................................................ 2
1.3
Wertschöpfungskette .................................................................................... 4
1.4
Unsere Position in der Welt ........................................................................... 5
2
Die Position der vbw ................................................................................... 7
2.1
Mehr Wachstum durch Export ....................................................................... 7
2.2
Wachstumssteigerung durch Erschließung neuer Märkte ............................. 8
2.3
Internationalisierte Wertschöpfungsketten verbessern die
Wettbewerbsfähigkeit .................................................................................... 8
2.4
Vom Exporterfolg Deutschlands profitieren auch andere Staaten ................. 9
2.5
Die Exportwirtschaft lässt die inländischen Zulieferbranchen wachsen ......... 9
2.6
Die Exportwirtschaft stärkt die Kaufkraft im Inland ...................................... 10
Ansprechpartner / Impressum ..................................................................................... 11
Position – Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand
vbw – Januar 2016
1
Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
1
Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
Unsere heimische Wirtschaft ist international gut aufgestellt.
Deutschland ist ebenso wie Bayern eine offene, in der Weltwirtschaft integrierte Volkswirtschaft. Unsere Unternehmen sind international aufgestellt, sowohl über den Außenhandel als auch über Direktinvestitionen. Die Globalisierung nimmt stetig zu – das Volumen des Außenhandels steigt, immer mehr Märkte werden erschlossen, die Wertschöpfungsketten werden auf immer mehr Standorte verteilt. Diese Entwicklung ist erfolgreich: Trotz des Aufstiegs der Schwellenländer können Deutschland und Bayern
ihre Positionen in der Welt stabil halten.
1.1
Offenheit
Deutschland ist eine offene Volkswirtschaft mit geringen Handelsbarrieren. Die Heritage Foundation berechnet für alle Länder unter Berücksichtigung von Warenzollsätzen
und nicht-tarifären Handelshemmnissen den sog. Trade Freedom Index. Deutschland
erreichte hier im Jahr 2015 88 von 100 Punkten, nur die Schweiz und Norwegen kommen auf leicht höhere Werte. Zudem hat sich der Offenheitsgrad in den letzten Jahren
weiter erhöht. Die Weltbank analysiert die Dauer und Kosten der Export- und Importabwicklung. Hier kommt Deutschland unter 189 Ländern auf Rang 18.
Die Offenheit zeigt sich auch an den konkreten Handelsdaten. Der sog. Offenheitsgrad
einer Volkswirtschaft wird berechnet als Summe von Exporten und Importen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Deutschland erreichte hier im Jahr 2014 einen
Wert von 87 Prozent. Höhere Offenheitsgrade weisen fast ausschließlich kleinere Länder auf. Die anderen großen Industriestaaten haben deutlich niedrigere Werte: Frankreich 60 Prozent, Großbritannien und Italien jeweils 57 Prozent, Japan 40 Prozent und
die USA 30 Prozent. Seit 1995 ist der Offenheitsgrad in Deutschland um 88 Prozent
gestiegen, nur Japan hatte einen noch höheren Zuwachs.
Im Hinblick auf die internationale Kapitalverflechtung schneidet Deutschland hingegen
weniger gut ab. Zwar hat sich der Offenheitsgrad Deutschlands bei Direktinvestitionen,
also die Summe aus Direktinvestitionen im Ausland und ausländischer Investitionen im
Inland bezogen auf das BIP, seit 1995 verdoppelt, mit einer Quote von 60 Prozent rangiert Deutschland aber dennoch nur im unteren Mittelfeld. Das liegt vor allem an dem
sehr niedrigen Anteil ausländischer Direktinvestitionen im Inland von nur 19 Prozent
des BIP. Der Bestand an Direktinvestitionen im Ausland in Relation zum BIP ist mit 41
Prozent mehr als doppelt so hoch.
2
Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
1.2
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Außenhandel
Der deutsche und bayerische Außenhandel expandiert seit vielen Jahren kräftig. Im
Jahr 2015 haben deutsche Unternehmen Waren im Wert von knapp 1,2 Billionen Euro
exportiert. Die Importe summierten sich auf etwas unter 950 Milliarden Euro.
In Bayern beliefen sich die Exporte im Jahr 2015 auf ca. 177 Milliarden Euro, die Importe auf über 160 Milliarden. Aus- und Einfuhren wachsen deutlich schneller als die
Wirtschaft insgesamt. Von 2000 bis 2015 nahmen sowohl Exporte als auch Importe in
Bayern um rund 90 Prozent zu. Das nominale BIP hingegen wuchs im selben Zeitraum
nur um 49 Prozent.
Abbildung 1
Außenhandel und Wirtschaftswachstum, Bayern
in jeweiligen Preisen, 2000 = 100
Exporte
200
Importe
BIP
180
160
140
120
100
80
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Quelle: Bay. Landesamt für Statistik; Daten für 2015 hochgerechnet
Bundesweit war die Entwicklung ähnlich. Während das BIP zwischen 2000 und 2015
um 40 Prozent zunahm, stiegen die Importe um 77 Prozent, die Exporte sogar um 87
Prozent.
Vor allem die Industrie ist stark internationalisiert. Die bayerischen Industrieunternehmen erwirtschaften mehr als die Hälfte ihres Umsatzes jenseits der Grenzen. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz lag 2015 bei 54,1 Prozent. Im Jahr 2000
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Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
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betrug die Exportquote erst 40,5 Prozent. Bundesweit erhöhte sich der Anteil des industriellen Auslandsumsatzes im selben Zeitraum von 37,5 auf 49,4 Prozent.
Neben dem Wachstum des Außenhandelsvolumens ist eine deutliche Verschiebung
der geografischen Struktur der Liefer- und Absatzländer zu beobachten. Zwar wird der
Großteil des Außenhandels nach wie vor mit den Industriestaaten betrieben, das Gewicht der Schwellenländer nimmt aber rasant zu.
Abbildung 2
Entwicklung des Außenhandels Bayern nach Ländern und Regionen
Anteil an den gesamten Exporten bzw. Importen Bayerns
Exporte
Importe
100%
90%
13,3%
13,9%
17,4%
12,0%
8,0%
13,0%
5,2%
80%
70%
60%
8,8%
2,4%
12,4%
13,8%
12,4%
BRIICS
1,9%
12,8%
50%
Rest
MOE
6,1%
Japan
10,0%
Westeuropa
40%
24,2%
1,8%
7,5%
USA
30%
14,2%
56,4%
47,0%
20%
46,1%
39,2%
10%
0%
2000
2015
2000
2015
Quelle: Bay. Landesamt für Statistik; Daten für 2015: Jan – Okt.
Im Jahr 2000 flossen erst gut 5 Prozent der bayerischen Exporte in die sog. BRIICSStaaten (Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika), 2015 waren es
12 Prozent. Dabei wird die mittelfristige Entwicklung durch die aktuellen Rezessionen
in Brasilien und Russland, die zu einem Rückgang unserer Exporte führten, noch unterzeichnet. Der Anteil der Exporte in die Staaten Mittel- und Osteuropas (MEO) ist
ebenfalls merklich gestiegen. Im Gegenzug ging vor allem das Gewicht der Ausfuhren
nach Westeuropa zurück, in geringerem Maße sanken auch die Exportanteile der USA
und Japans.
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Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
Bei den Importen hat vor allem die Bedeutung der MOE-Staaten kräftig zugenommen.
Ihr Anteil an allen Importen Bayerns hat sich seit 2000 nahezu verdoppelt auf 24,2 Prozent. Das Gewicht der Einfuhren aus den BRIICS-Staaten stieg ebenfalls deutlich von
8 auf gut 14 Prozent. Dagegen ging die Bedeutung der klassischen Industriestaaten als
Lieferanten für Bayern zurück.
1.3
Wertschöpfungskette
Die deutschen und bayerischen Industrieunternehmen haben auch ihre Wertschöpfungskette internationalisiert. Ein nicht unerheblicher Teil der Importe sind Vorleistungen. Vor allem der oben beschriebene deutliche Anstieg der Importe aus den MOEStaaten ist zu einem Großteil auf diese Entwicklung zurückzuführen. Im Jahr 1991 lag
der Anteil aus dem Ausland bezogener Vorleistungen an der Industrieproduktion in
Deutschland bei 12 Prozent. Bis 2010 stieg dieser Anteil auf 21 Prozent.
Abbildung 3
Struktur der Industrieproduktion in Deutschland
Anteile am Produktionswert des Verarbeitenden Gewerbes
Importierte Vorleistungen
Vorleistungen aus dem Inland
Bruttowertschöpfung
100%
12%
90%
15%
18%
20%
21%
52%
52%
51%
30%
28%
28%
2000
2005
2010
80%
70%
60%
52%
49%
50%
40%
30%
20%
37%
36%
10%
0%
1991
1995
Quellen: Statistisches Bundesamt, IW Köln.
Die importierten Vorleistungen der Unternehmen werden entweder von ausländischen
Lieferanten bezogen oder an eigenen Standorten im Ausland produziert. Die eigene
Auslandsproduktion – nicht nur von Vorleistungen, sondern auch von Endprodukten –
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Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
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von deutschen und bayerischen Unternehmen hat in den vergangenen Jahren spürbar
zugenommen. So hat sich der Bestand an Direktinvestitionen bayerischer Industrieunternehmen im Ausland seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Im Inland nahm der Bestand
des Bruttoanlagevermögens um lediglich 14 Prozent zu. Inzwischen hat rund jedes
zweite Industrieunternehmen Bayerns mindestens einen Standort im Ausland. Der ausländische Direktinvestitionsbestand der deutschen Industrie ist um 85 Prozent gestiegen, das inländische Anlagevermögen um 10 Prozent.
Besonders stark gewachsen sind die Investitionen bayerischer Industrieunternehmen
in Asien (+280 Prozent seit 2000), vor allem in China und Südkorea. Europa bleibt aber
weiterhin der wichtigste Kontinent, auf dem Unternehmensbeteiligungen oder Produktionsstandorte bayerischer Unternehmen angesiedelt sind. 55 Prozent der bayerischen
Auslandsinvestitionen sind in Europa beheimatet. An zweiter Stelle liegt Amerika mit
einem Anteil von 29 Prozent, der Anteil Asiens liegt bei 12 Prozent. Von den bundesweiten Direktinvestitionsbeständen im Ausland entfallen sogar 61 Prozent auf Europa.
Der Anteil Amerikas liegt bei 27 Prozent und jener Asiens bei 10 Prozent.
1.4
Unsere Position in der Welt
Die Internationalisierung der deutschen und bayerischen Wirtschaft war und ist erfolgreich. Trotz des Erstarkens der Schwellenländer konnten Deutschland und Bayern ihre
Positionen auf den Weltmärkten stabil halten.
So konnte Deutschland seine Exportperformance in den vergangenen Jahrzehnten
verbessern. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen seit 1995 um 11 Prozent stärker als die Importe der Handelspartner. Das bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft auf ihren Absatzmärkten Marktanteile hinzugewonnen hat. Da die bayerischen
Exporte noch stärker zugenommen haben als die bundesweiten und die Absatzregionen vergleichbar sind, dürfte sich die bayerische Exportperformance noch mehr verbessert haben. Eine bessere Entwicklung der Exportperformance als Deutschland verzeichneten nur Irland und Luxemburg sowie einige Schwellenländer. Die anderen klassischen Industrieländer haben Marktanteile verloren, insbesondere Japan und Italien
(vgl. Abb. 3, S. 6)
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Position – Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand
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Deutschland und Bayern in der Weltwirtschaft
Abbildung 3
Exportperformance
Kumulierte Veränderung der Waren- und Dienstleistungsexporte eines Landes relativ zur
Veränderung der handelsgewichteten Importe seiner Handelspartner; 1995 bis 2014 in Prozent
100
80
78 78 77
67
61
60
40
27
20
11
0
-1
-8
-20
-40
-8
-8
-9
-14 -16
-19 -21 -21
-23
-28
-37 -37
-46 -47
-60
Quellen: OECD, IW Köln..
Die stabile Position Deutschlands zeigt sich auch bei der globalen Produktion. Die Industrieländer mussten hier in den letzten Jahrzehnten zu Gunsten der Schwellenländer
deutliche Anteilsverluste hinnehmen. Unsere von der Prognos AG erstellte Globalisierungsstudie zeigt aber, dass sich Deutschland von diesem Trend abheben und seine
Position weitgehend behaupten konnte. So ging der Anteil Deutschlands an der weltweiten Produktion von 1991 bis 2009 lediglich von 10 auf 8 Prozent zurück. Der Anteil
der Industriestaaten insgesamt hingegen fiel von knapp 90 auf gut 60 Prozent. Aktuellere Daten liegen für die M+E Industrie vor. Während der Anteil der traditionellen Industrieländer an der weltweiten M+E Produktion von 2000 bis 2013 von 88 auf 62 Prozent gesunken ist, blieb der Anteil Deutschlands konstant bei 9 Prozent.
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Die Position der vbw
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Die Position der vbw
Die zunehmende Internationalisierung führt zu Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand
Die Globalisierung führt weltweit zu Wirtschaftswachstum und steigendem Wohlstand.
Eine Untersuchung der Prognos AG für 42 Staaten belegt, dass die zunehmende internationale Vernetzung das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner gesteigert hat. Dieses Ergebnis gilt unabhängig von der Größe, der Wirtschaftsstruktur, dem Ausgangsniveau oder der geografischen Lage der Länder. In einer anderen Studie hat das IW Köln
einen positiven Zusammenhang zwischen dem Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft
und dem Wirtschaftswachstum nachgewiesen.
Dies gilt natürlich auch für die deutsche und bayerische Wirtschaft. Ihre zunehmende
Internationalisierung hat in mehrfacher Hinsicht positive Effekte. Steigende Exporte,
vor allem auch durch das Erschließen neuer Märkte, erhöhen das Wirtschaftswachstum. Die Exporterfolge werden nicht zuletzt dadurch möglich, dass die heimischen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch den Import von Vorleistungen verbessern.
Dadurch profitieren auch andere Staaten von unseren Exporterfolgen. Außerdem sorgen die Erfolge der Exportwirtschaft in der gesamten inländischen Wirtschaft für
Wachstum und Beschäftigung, weil die exportierenden Unternehmen von anderen
Branchen Vorprodukte beziehen und weil die hohen Entgelte der Beschäftigten die
Kaufkraft stärken.
2.1
Mehr Wachstum durch Export
Der Export sorgt für ein höheres Wirtschaftswachstum im Inland. Gerade vergleichsweise kleine Volkswirtschaften wie Bayern und Deutschland sind auf den Außenhandel
angewiesen, um Wachstum zu generieren und zu erhöhen.
Von 1991 bis 2015 nahm die Inlandsnachfrage in Deutschland im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr zu. Die Exporte hingegen wuchsen mit jahresdurchschnittlich 5,9 Prozent
fast zweieinhalb Mal so schnell. Wären die Ausfuhren in diesem Zeitraum nur so stark
gestiegen wie die inländische Nachfrage, müssten wir uns heute mit einem um knapp
16 Prozent niedrigerem BIP begnügen, selbst wenn man berücksichtigt, dass die Vorleistungsimporte infolge der schwächeren Exporte ebenfalls langsamer gestiegen wären. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen läge heute um 5.200 Euro unter dem tatsächlichen Niveau von 35.400,- Euro. Tatsächlich dürfte der Effekt sogar noch größer sein,
da in der Berechnung nicht berücksichtigt wurde, dass als Folge des geringeren Exports die Unternehmensinvestitionen und über die niedrigere Beschäftigung auch der
Konsum geringer ausgefallen wäre.
8
2.2
Die Position der vbw
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Wachstumssteigerung durch Erschließung neuer Märkte
Durch die Erschließung neuer Märkte und die verstärkte Präsenz in den dynamisch
wachsenden Schwellenländern kann der Export und damit das Wachstum in Deutschland und Bayern noch stärker gesteigert werden.
In den zurückliegenden Jahren waren die Emerging Markets die Wachstumslokomotive
der Weltwirtschaft. Nach Daten des Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis
wuchs in den 1990er Jahren die Nachfrage in den Industriestaaten und in den Schwellenländern in etwa gleich. Von 2000 bis 2015 nahmen dann die Importe der Emerging
Markets um 176 Prozent zu, während die Nachfrage aus den entwickelten Volkswirtschaften im selben Zeitraum nur um 30 Prozent stieg.
Aktuell kämpfen zahlreiche Schwellenländer mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dennoch sind auch für die kommenden Jahre die Wachstumsperspektiven in den Schwellenländern deutlich höher als in den Industriestaaten. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert in seinem Economic Outlook vom Januar 2016, dass die fortgeschrittenen Volkswirtschaften bis 2020 um jahresdurchschnittlich gut 2 Prozent wachsen werden. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer liegt die Prognose hingegen
bei 5 Prozent. Besonders dynamisch werden der Prognose zufolge die Emerging Markets in Asien mit 6 ½ Prozent wachsen. Für Zentral- und Südafrika wird ein Wachstum
von knapp 5 Prozent erwartet, für den mittleren Osten und Nordafrika ein Plus von gut
4 Prozent und für Lateinamerika von knapp 3 Prozent.
2.3
Internationalisierte Wertschöpfungsketten verbessern die Wettbewerbsfähigkeit
Durch den Bezug von Vorleistungen aus kostengünstigeren Standorten erhöhen die
heimischen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit und steigern somit ihre Wertschöpfung im Inland.
Die deutschen Unternehmen stellen ihre Wertschöpfungskette zunehmend international auf. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) stieg der
Anteil der importierten Vorleistungen an allen Vorleistungen von 13,4 Prozent im Jahr
1995 auf 22,2 Prozent im Jahr 2011. In der Industrie liegt der entsprechende Anteil sogar bei 34 Prozent.
Der zunehmende Anteil an ausländischer Wertschöpfung führt aber nicht zu einem
sog. „hollowing out“, also einem Rückgang inländischer Wertschöpfung. Der vermehrte
Import von Vorleistungen, vor allem aus den MOE-Staaten, hat die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie erhöht, wie eine Studie des Centre for Research and Analysis of Migration zeigt. Dies ermöglichte ein so starkes Exportwachstum, dass die Inlandswertschöpfung trotz des immer höheren Anteils importierten Vorleistungen weiter
gestiegen ist.
Position – Globalisierung schafft Wachstum und Wohlstand
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Die Position der vbw
9
Das IW Köln hat einen positiven Beitrag der Vorleistungsimporte zum Wachstum nachgewiesen. Je höher die Vorleistungs-Importquote eines Landes ist, desto höher ist das
Pro-Kopf-Einkommen.
2.4
Vom Exporterfolg Deutschlands profitieren auch andere Staaten
Das Wachstum der deutschen Exporte schafft auch in anderen Staaten Wertschöpfung
und Beschäftigung.
Auf Grund des hohen und steigenden Anteils von Vorleistungsimporten an deutschen
Industrieprodukten profitieren auch andere Staaten von den Exporterfolgen Deutschlands. Für die meisten EU-Länder ist Deutschland der wichtigste oder zweitwichtigste
Absatzmarkt, zwischen 10 und 17 Prozent ihrer Ausfuhren gehen nach Deutschland.
Auch für andere Volkswirtschaften ist Deutschland ein bedeutender Exportmarkt. So
fließen 13 Prozent der russischen und knapp 10 Prozent der türkischen Exporte nach
Deutschland. Für China liegt der Exportanteil Deutschlands bei über 5 Prozent, für die
USA bei mehr als 4 Prozent.
Unsere von der Prognos AG erstellte Studie Die Bedeutung der deutschen Industrie für
Europa zeigt, dass die Nachfrage der deutschen Industrie nach Vorleistungen in den
anderen EU-Staaten für 3,5 Millionen Arbeitsplätze sorgt.
2.5
Die Exportwirtschaft lässt die inländischen Zulieferbranchen wachsen
Die Erfolge der Exportwirtschaft sorgen über Zulieferverflechtungen auch in den binnenwirtschaftlich orientierten Branchen für Wachstum.
Die Industrie ist für 85 Prozent der deutschen Exporte verantwortlich. Die Wertschöpfungstiefe in der Industrie geht zunehmend zurück. Lag der Vorleistungsanteil am industriellen Produktionswert im Jahr 1995 bei 63,1 Prozent, so waren es 2011 bereits
68,7 Prozent. 57 Prozent dieser Vorleistungen kommen aus dem Inland. Steigende Exporte führen über den Vorleistungsbezug auch in anderen Branchen wie dem Dienstleistungssektor oder dem Handwerk zu höherer Produktion und höherem Umsatz.
Neben diesen direkten Effekten dürfen auch indirekte Wachstums- und Beschäftigungseffekte nicht vergessen werden, die entstehen, weil die Beschäftigten der Exportwirtschaft ebenfalls Kunden von Dienstleistern oder Handwerkern sind.
10
2.6
Die Position der vbw
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Die Exportwirtschaft stärkt die Kaufkraft im Inland
Die Lohnzuwächse der Beschäftigten in der Exportwirtschaft erhöhen die inländische
Kaufkraft.
Die Verdienste in den exportorientierten Branchen sind höher und steigen stärker als in
den binnenmarktfokussierten Wirtschaftszweigen. Eine Untersuchung des Instituts für
Arbeitsmarkt und Berufsforschung aus dem Jahr 2012 zeigt, dass exportorientierte Unternehmen zwischen fünf und zehn Prozent höhere Entgelte zahlen als nicht export-orientierte Firmen. Dieser Entgeltunterschied ist im Zeitablauf tendenziell gestiegen. Vor
allem die übertariflichen Lohnzahlungen sind in den Unternehmen der Exportwirtschaft
besonders hoch.
In der exportorientierten bayerischen Industrie sind die Durchschnittsentgelte allein in
den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gestiegen. Im Dienstleistungssektor, der
stark auf den Inlandsmarkt fokussiert ist, nahmen Löhne und Gehälter im selben Zeitraum nur um elf Prozent zu.
Der wirtschaftliche Erfolg der Exportunternehmen wird an die Beschäftigten weiter gegeben und erhöht somit die Binnenkaufkraft. Die Behauptung, die Exportorientierung
der deutschen Wirtschaft schwäche die Binnennachfrage, ist falsch.
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Ansprechpartner / Impressum
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Volker Leinweber
Leiter Volkswirtschaft
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Tobias Kochta
Abteilung Volkswirtschaft
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Alle Angaben dieser Publikation beziehen sich grundsätzlich sowohl
auf die weibliche als auch auf die männliche Form. Zur besseren
Lesbarkeit wurde meist auf die zusätzliche Bezeichnung in weiblicher
Form verzichtet.
Herausgeber:
vbw
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80333 München
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