Moooment – im letzten Heft stand hier noch was von „F*** you

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> TEST
MAX
Moooment – im letzten Heft stand hier noch was von
„F*** you Enduro!“. Und jetzt testen wir Raceenduros?
Richtig. Aber wir sind unschuldig. Man muss mit der Zeit
gehen. Der Markt verlangt es von uns. Der Kunde will es
so. Blablabla. Na gut, wir sind ehrlich: Wir hatten Bock auf
die Dinger. Und darum haben wir uns zwei superschnelle
Enduro-Profis eingeladen und ordentlich am Gashahn gedreht – aber ohne die Beine zu rasieren! Voll Freeride also
Text: Christian Schleker, Fotos: Wolfgang Watzke (Action), Daniel Simon, Markus Greber (Portraits)
48 | FREERIDE 3|14
Einsamer Jagdflieger:
Testleiter Chris Schleker
im Anflug auf dem Specia­
lized „Enduro S-Works“,
dem einzigen 26-Zöller
in der ansonsten trendighochgebockten 650B-Test­
flotte. Ein Kampf David
gegen Goliath irgendwie.
Wie der ausging, weiß
man ja ...
FREERIDE 3|14 | 49
> TEST
I
nes drückt auf den Sattel, setzt sich, wippt
ein bisschen. „Hey, auf däm hier fühl i mi
auf Anhieb wohl!“, schwäbelt sie. Mist.
Das wird dann wohl wieder eine stressige Testabfahrt. Vor mir „Mad“ Max Schumann.
Versuche ich dem am Hinterrad zu bleiben,
rasiere ich mehr als einmal nur haarscharf am
Krankenhausbesuch vorbei. Nehmen ich das
Gas raus und lasse ihn ziehen, drängelt früher
oder später – je nach Wohlfühlfaktor – Ines
Thoma von hinten. Das hat man dann davon,
wenn man sich eine der schnellsten EnduroFahrerinnen der Welt und einen der besten
Enduristen Deutschlands zum Test einlädt:
Stress. Für diesen Test waren die beiden Profis
aber ideal. Denn wir wollten Race-Enduros
testen. Bikes mit konsequenter Ausstattung auf
dem neuesten Stand der Technik. Räder also,
die Ines und Max ohne Umbaumaßnahmen
sofort für das nächste Enduro-World­series(EWS)-Rennen nutzen könnten. Wenn sie die
freie Wahl hätten in diesem hochkarätigen
Testfeld, welches würden sie dann wählen?
Und würde sich ihre Wahl mit unseren Favoriten decken? Wir schnuppern zwar auch gerne
mal Rennluft. Doch zu zickig sollte der Bock
dann bitte doch nicht sein. Bevor „Enduro“ vor
zwei, drei Jahren zum neuen Trendsport avan-
1
3
50 | FREERIDE 3|14
cierte, stand er ja für eine Bike-Kategorie mit
möglichst breitem Einsatzbereich: Fast so gut
bergauf wie ein All Mountain und fast so potent
bergab wie ein Freerider sollten Enduros sein.
Können die Rennfeilen des 2014er-Jahrgangs
beides? Extrem schnell sein und im Alltagseinsatz dem weniger ambitionierten Jedermann
Spaß auf der Bergtour machen? Die Antwort: Ja!
Die Geometrien sind spürbar vom Rennzirkus
beeinflusst: Reach-Werte über 430 Millimeter
bei Größe M, Lenkwinkel unter 66 Grad und
– im Verhältnis zur höheren 650B-Radachse –
stark abgesenkte Tretlager verleihen viel
Laufruhe und bieten Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten. Das gefällt jedem.
Schwindsucht
Die Hersteller betreiben hohen Aufwand, um
bei Federwegen um die 160 Millimeter in ungeahnte Gewichtsklassen vorzustoßen: Nur ein
Bike, das Focus „Sam 1.0“, besitzt noch einen
Rahmen aus Alu. Bei allen anderen ist mindestens der Hauptrahmen aus Carbon. Lapierre
und Norco spendieren zusätzlich Sitzstreben
aus Kohlefaser. Scott und Radon lassen auch
die Kettenstreben aus dem Verbundkunststoff
fertigen. Und so wiegen die meisten Räder
deutlich unter 13 Kilo. Das spürt auch der Laie
und freut sich. Leicht fährt sich einfach gut. Mit
Serien­bereifung knackt das leichteste Bike im
Test, das Specialized „Enduro S-Works“, sogar
die 12er-Marke: 11,9 Kilo – inklusive der obligatorischen Teleskopstütze und eines Cane­CreekDH-Luftdämpfers! Allerdings ist das Ur-Enduro
auch der letzte Vertreter der 26-Zoll-Generation
in diesem Vergleich. Einen Teil des Rekordgewichts erkauft es sich also mit den leichteren
Laufrädern. Dass auch die restlichen Bikes trotz
650B-Bereifung so wenig wiegen, verdanken sie
neben dem Rahmenwerkstoff der 1x11-Schaltungstechnik von SRAM. Kettenführungen sind
fast ausgestorben. Umwerfer und zwei Kettenblätter verbaut gar kein Hersteller. Das spart
Gewicht, verlangt aber bei steilen Anstiegen ordentlich Schmackes in den Beinen. Auf unserer
Teststrecke, den Stages des letzjährigen EWSFinales in Finale Ligure, wurden breitere Übersetzungen aber von keinem Tester vermisst.
Von Ines und Max schon mal gar nicht. Mist.
Fazit: Sobald ein Rennformat den Einsatzbereich einer Klasse genauer definiert,
reagieren die Hersteller konsequent. Die
aktuellen Raceenduros sind leicht, sicher
und damit schnell und machen so sowohl
Racern als auch Freizeitbikern Spaß.
2
1 Trail-Parade: Die
Stages des letztjährigen
Wettkampf-Finales der
Enduro World Series in
Finale Ligure boten den
angemessen Rahmen
für diesen Test. Ines
Thoma gibt hier auf
dem flowigen Part von
„Little Champéry“ das
Tempo vor, Max Schuhmann bleibt dran und
Autor Chris Schleker
styled ums Eck, damit
nicht auffällt, dass er
um Anschluss kämpft.
2 Regen, Hagel, Sonnenschein – und dabei
im Schnitt zehn sehr
lange Abfahrten pro
Tag. Tests sind keine
Kaffeefahrten. Dank der
leidensfähigen Shuttlecrew von Bike&Sun war
das Pensum dennoch
nach drei Tagen geschafft.
3 Proficheck: Jedes
Bike wurde mit Einheitsbereifung (Maxxis
„Highroller II“ vorne,
Minion „DHR II“ hinten)
sowohl von professio­
nellen, als auch von
Freizeit-Fahrern auf
zwei unterschiedlichen
Strecken getestet:
Einmal steil und mit
engen Kehren, einmal
felsig und schnell. Hier
zeigt Max Schuhmann
dem neuen Focus „Sam“
den Grenzbereich.
> TEST
Lange (B)rennweite
Letztes Jahr entdeckten wir einen Prototypen des „Sam“ unter dem Po von Focus-Entwickler
Fabian Scholz. Natürlich bei einem Enduro-Rennen. Besonders gesprächig war der Mann
damals nicht, aber er war schnell. Und ist es noch. Aktuell führt er mit dem Bike die SRAMEnduro-Serie an. Nicht schlecht. Das „Sam 1.0“ ist das Topmodell der Serie. Mit „XX1“-Schaltung,
Reynolds Carbonlaufrädern, absenkbarer „Pike RC“ und „Monarch Plus“ dem Kaufpreis von 5000 €
angemessen ausgestattet. Der Alurahmen ist in der Preisklasse schon weniger typisch. Erfahrungsgemäß verlangt diese Rahmenform in Verbindung mit dem Werkstoff ein recht massiv
ausgelegtes Unterrohr, um den Kräften, die über die Dämpferaufnahme eingeleitet werden,
Stand zu halten. Mit 13,1 Kilo ist das „Sam“ dann auch das schwerste Bike im Test. Die Geo­
metrie ist extrem: Reach 436 Millimeter und 1178 Millimeter Radstand bei Größe M
sind Rekord in der Testgruppe. Dazu eine deutliche Tretlagerabsenkung (-11 Milli­
meter) und ein flacher Lenkwinkel. Und so fährt das „Sam“ auch bergab: Wie
auf Schienen nämlich. „Supersicher“, „wie ein kleiner Downhiller“, „sauschnell“
waren die Kommentare der Tester. Tatsächlich kann man es auf dem Focus
richtig laufen lassen. Front und Heck arbeiten harmonisch und stabil im
mittleren Hub. Man steht extrem zentral im Bike. Lange Anlieger fährt man
so schnell im Grenzbereich der Traktion, enge Kehren verlangen aber viel
Nachdruck – hier spürt man den langen Radstand und die etwas größeren
Laufräder. In tretlastigem Gelände und in Anstiegen gefiel der antriebsneutrale Hinterbau, das höhere GeSamtgewicht raubte aber etwas Energie und
Agilität. Um hier schnell zu sein, verlangt das Focus gute Fitness.
Wippenklon: Diese
Rahmenform kennt
man von Canyon und
Liteville. Focus setzt
aber auf einen Eingelenker-Hinterbau und einen
sehr schlanken Rohrsatz.
Schick!
Fazit: Das „Sam 1.0“ entspricht der Definition des Racebikes nahezu
perfekt. Die Geometrie und das Fahrwerk sind auf maximale Geschwindigkeit und Kontrolle optimiert. Die Agilität und Verspieltheit bleiben da etwas
auf der Strecke. Im Antritt wippfrei, aber etwas schwerer als die Konkurrenz.
Focus Sam 160 1.0
MAX Schumann (26)
„Ein Wohlfühlracer. Nicht das
leichteste Bike, aber eins, auf dem
man sich sofort wohlfühlt und
Gas gibt.“
herstellerangaben Vertrieb Derby Cycle Werke GmbH
www.focus-bikes.com
Material/Größen Alu/S,M,L
Preis/Gewicht ohne Pedale 4 999 Euro/13,1 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Draufsetzen und los geht‘s! Das
Rad hat mir sehr viel Sicherheit
geboten. Es animiert zum Schnellfahren. “
160 mm/160 mm
Mehrgelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer RockShox Pike RC DPA/
RockShox Monarch Plus
Kurbeln/Schaltung SRAM XX1/SRAM XX1
Bremsanlage SRAM XO Trail
Laufräder Reynolds AM Carbon Systemlaufradsatz,
Schwalbe Hans Dampf 27,5X2,35er Reifen (Serie)
60
569
105
Stärken
450
Reach 436 mm
Stack 596 mm
BB-Drop -11 mm
• Fahrwerk
• Laufruhe
• aufgeräumte Optik
Schwächen
75,3°
1178
438
66°
• Handling in
engen Kehren
• Gewicht
345
52 | FREERIDE 3|14
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
Tunnelsystem: Komplett innenverlegte Züge mit
sauberer Führungslösung im Steuerrohr. Kein
Rad war so aufgeräumt und schlicht wie das
„Sam“.
Performance
Uphill/Trail
Downhill
HANDLING
wendig
9,5
10
Toplader: Der auffallend hochgesetzte Drehpunkt
über dem Ausfallende ist ein optisches Alleinstellungsmerkmal des Bikes. Bestimmt kennt die
Focus-Marketingabteilung die Vorteile dieses
Designs. Uns ist es zumindest nicht negativ aufgefallen.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
Mad Max: Den Spitznamen
verdankt Enduroprofi
Max Schuhmann seinem
aggressiven Fahrstil,
der schon so manches
Hinterrad über den
Jordan geschickt hat. Ein
austrainierter ZeitrafferTestprüfstand. Nicht alle
Bikes haben ihn komplett
heil überstanden.
FREERIDE 3|14 | 53
> TEST
Pfefferschote
Schon 2013 fanden wir das „Spicy“ super, die unzuverlässig arbeitende erste Generation der intelligenten Federung, „E:i-Shock“ genannt, mochten wir aber nicht. Fazit: „Die 500 Gramm Mehrgewicht kann man sich sparen.“ Für 2014 wurde das „Spicy“ neu aufgesetzt. Der Rahmen hat
jetzt nur noch 150 Millimeter Hub. Für satte 6600 € bekommt man die „Pike RC“, SRAM „XX1“Schaltung und „Rail 50“-Systemlaufräder. Herzstück im edlen Carbonrahmen (mit Carbonwippe
und Alukettenstrebe) ist wieder der elektronisch angelenkte „Monarch E:i RT3“. Das „Spicy“ ist im
Vergleich zum Focus deutlich kürzer im Reach, dafür noch flacher beim Lenkwinkel und erstaunt
mit der extremsten Tretlagerabsenkung aller Bikes: -28 Millimeter (nur 325 Millimeter absolut!). Im
Gelände überschattet die Funktion der E:i-Einheit erstmal alles. Überraschung: Bei diesem Test funktionierte das System fehlerlos und total unauffällig. In der Sensibilitätsstufe 1 und 2 reagiert
es blitzschnell auf Untergrund und Fahrverhalten und regelt den Dämpfer entsprechend. Im Antritt extrem vortriebsstark und effizient in tretlastigen Passagen. Nach
kurzer Zeit vergisst man das System und fährt einfach. So muss es sein. Das Beste
ist aber das Fahrverhalten bergab: Dass im Heck nur 150 Millimeter Hub und
ein einfacher Dämpfer stecken, mag man kaum glauben. In perfekter Balance
und mit einer idealen Mischung aus Laufruhe und Handlichkeit zischt man
mit dem Lapierre genauso gut durch enge Kehren wie durch verblockte,
offene Steinfelder. Die Franzosen haben es irgendwie geschafft, dass man
von den etwas größeren Laufrädern profitiert, weil man tiefer im Bike
steht und die rotierende Masse das Bike stabiler macht, ohne dass Agilität
verloren geht. Sowohl für Allroundfahrer, als auch Racer absolut perfekt.
Nur der Computer am Vorbau und die Kabel sind nicht wirklich hübsch.
Vollcarbon-Rahmen
mit elektronischer Fahrwerksanpassung – mehr
Fortschritt steckt derzeit
in keinem anderen Enduro.
Fazit: Laufruhig und gleichzeitig agil – das Lapierre ist ein Bike mit
idealer Geometrie und perfektem Handling. So muss sich ein 650BBike fahren, wenn man 26 Zoll nicht vermissen soll! Das Fahrwerk ist
aktiv und wird durch die zuverlässige Elektronik gut unterstützt.
Lapierre Spicy Team
herstellerangaben Vertrieb Material/Größen Preis/Gewicht ohne Pedale MAX Schumann (26)
„Auf dem Lapierre fühlt man sich
richtig schnell. Es ist leicht und
enorm agil. Der 150-Millimeter-Hinterbau war überraschend potent.
Der E:i-Shock arbeitet super!“
Lapierre SA
www.bikes-lapierre.de
Hybrid/S,M,L
6599 Euro/12,9 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Schon nach wenigen Metern
war mir klar: Müsste ich ein Bike
wählen, das hier wäre es. Super
ausgeglichene Geo, gute Balance,
laufruhig und spritzig im Antritt.“
160 mm/150 mm
Viergelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer RockShox Pike RC/Monarch RT3 E:i
Kurbeln/Schaltung SRAM XX1/SRAM XX1
Bremsanlage SRAM X0 Trail
Laufräder SRAM Rail 50 Systemlaufräder,
Schwalbe Hans Dampf 27,5 X 2,35/2,25 Reifen (Serie)
60
602
110
440
Reach 407 mm
Stack 613 mm
BB-Drop -28 mm
Stärken
72,5°
• Fahrwerk
• Handling
• E:i Shock
65°
Schwächen
1166
436
• nix
325
HANDLING
wendig
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
Performance
Uphill/Trail
Downhill
54 | FREERIDE 3|14
The Brain: Das Herzstück der „E:i“-Einheit steckt
unter dem Computer. Mikroprozessoren und
Beschleunigungsmesser in der Halterung und an
der Gabel ermitteln Erschütterungen am Vorderrad und passen den Dämpfer entsprechend an.
10
10
Gelenkstudie: Dass der Hinterbau so gut funktioniert, liegt weniger am elektronischen Fahrwerk,
als an der ideal konstruierten Kinematik. Die
Wippenkonstruktion sorgt für top Feedback, top
Bodenhaftung und top Beschleunigung.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
> TEST
Grenzposten
Auch Norco hat für 2014 Carbon als Rahmenwerkstoff entdeckt. Das „Range 7.1“ gehörte
optisch zu unseren Favoriten: fließende Formen, aufgeräumtes Design, sehr tiefer Schwerpunkt. Für den gleichen Preis wie bei Focus bekommt man hier wegen des hochwertigen
Rahmens etwas weniger Schaltung: „Nur“ die „X1“ ist verbaut. Bis auf die schwerere Kurbel
aus Alu ist das aber kein echter Nachteil. Allerdings sind die „Elixir 7 Trail“-Bremse und die hauseigenen Kore-Parts bei Lenkzentrale und Laufrädern schon ziemlich basic. Trotzdem ist das
Norco leicht: 12,8 Kilo. Auch hier ist die Geometrie modern lang und tief, allerdings nicht ganz
so extrem wie beim „Sam“. Man sitzt angenehm zentral und speziell Ines Thoma fühlte sich auf
dem Bike auf Anhieb wohl. Die erste Abfahrt mit 30 Prozent Sag am Heck mussten wir
unterbrechen und mehr Luft in den Dämpfer füllen, denn der Hinterbau neigte
zum Durchsacken und pumpte in Anstiegen stark. Mit 25 Prozent Sag passte
er deutlich besser zur Gabel. Ganz so stabil steht das Norco trotzdem nicht
im Hub. Racern war es bei Highspeed in Anliegern auch mit wenig Sag
zu schwammig. Bergauf sollte man die Druckstufe aktivieren, um das
Wippen zu beruhigen – wenn dafür die Zeit bleibt. Kurzum: Dem Norco
fehlt ein bisschen der Race-Charakter – wenn man denn racen will. Allrounder, die ein spaßiges Bike für lange Touren und Einsätze in allen
Terrains suchen, sind mit dem „Range 7.1“ da schon sehr viel besser
bedient, denn das Handling ist angenehm und ausgewogen.
Fazit: Das „Range 7.1“ hat in Sachen Geometrie und Rahmen alle
Attribute eines Raceenduros. Auch das Gewicht ist gering. Aber
das Heck arbeitet nicht ganz so stabil im Hub, muss sehr genau
abgestimmt werden, um nicht durchzusacken, und wippt im Wiegetritt etwas. Freizeitbiker kommen mit dem schicken Kanadier dafür
sehr gut zurecht. Ein toller Allrounder!
Tief, tiefer, Norco: Das Oberrohr des „Range“ liegt irgendwo zwischen Kniehöhe und
Damenrad. Mehr geht nicht,
außer man lässt das Oberrohr
ganz weg.
MAX Schumann (26)
„Ich habe mich auf dem handlichen Bike sehr wohl gefühlt.
Es fühlt sich schnell und spritzig
an, bei hohen Geschwindigkeiten
fehlte aber die Sicherheit.“
Norco Range Carbon 7.1
herstellerangaben Vertrieb Material/Größen Preis/Gewicht ohne Pedale LTP Sportsgroup Inc.
www.norco.com
Carbon/S,M,L
4999 Euro/ 12,8 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Beim Norco fehlte mir die Sicherheit zum Racen. Es fährt sich gut,
keine Frage, aber nicht so sicher
wie längere Bikes im Test, zum
Beispiel das Focus.“
160 mm/160 mm
Viergelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer RockShox Pike RC/
RockShox Monarch Plus RC3
Kurbeln/Schaltung SRAM X1/SRAM X1
Bremsanlage Avid Elixir 7 Trail
Laufräder Kore Systemlaufradsatz,
Maxxis Highroller II 27,5 x 2,3 Reifen (Serie)
60
110
Stärken
440
Reach 421 mm
Stack 601 mm
BB-Drop -9 mm
590
• Komfort
• Handling
• Verarbeitung
Schwächen
74,4°
1152
424
• etwas durchsackender
Hinterbau
66,1°
340
56 | FREERIDE 3|14
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
Carbonklops: Im Lenkkopfbereich haben die Ingenieure den Begriff „klotzen“ neu definiert. In Kombination mit den sauber innenverlegten Zügen
sieht das Bike dennoch sehr edel aus.
Performance
Uphill/Trail
Downhill
HANDLING
wendig
9
10
Kabelsalat: Auf dem Bild erkennt man den Nachteil innenverlegter Züge. Die defekte Hinterradbremse mussten wir ohne Werkstatt reparieren,
sparten uns lieber eine aufwändige Führung
durchs Innere und mussten dafür hässliche
Kabelbinderei ertragen.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
Fräuleinwunder: Ines
Thoma gehört zu
den fünf schnellsten
Endurofrauen des Planeten. Regelmäßig fährt
sie in der EWS-Weltserie
aufs Treppchen. Einmal
verbremst und schon
hat man sie im Nacken –
ungewohnt, aber cool.
FREERIDE 2|14
3|14 | 57
> TEST
Leichte Rutsche
Wow, das Radon ist leicht! Bei jedem Testrun fiel uns das auf, wenn wir die Bikes vom Trailer
hoben. Knapp über 12 Kilo – das ist ein Spitzenwert für ein 650B-Enduro. Hauptverantwortlich
für das niedrige Gewicht ist der Vollcarbonrahmen inklusive Wippe. Dass auch die Anbauteile
und Federelemente keine Billigparts sind, macht den Preis von 3300 € richtig günstig. Die Geometrie ist lang und tief, allerdings fällt der Lenkwinkel mit fast 67 Grad etwas steiler aus als bei den
meisten Konkurrenten. Das Radon ist bergauf und in coupiertem Gelände eine Rakete. Es beschleunigt extrem, setzt Antritte ohne Wippen in Vortrieb um und fühlt sich schnell an. Dabei sitzt man
angenehm zentral. Gerade in flowigem Terrain pusht man sich mit dem „Slide“ in einen
Vollgasrausch. Das Handling ist spielerisch und direkt. Steifigkeitsprobleme hatten
wir bei dem leichten Rahmen nicht. Dafür zeigte der Hinterbau Schwächen, wenn
das Gelände ernster wurde. Der „Monarch“ wirkte dann zäh und überdämpft.
Beim Anbremsen wurde das Heck unruhig. Die Fahrstabilität war dahin und
der Federweg fühlte sich nicht nach 160 Millimetern an. Dass der Hinterbau
mehr kann, wissen wir aus einem Test der BIKE-Kollegen, die das Bike mit
einem Fox „Float RP3“ getestet hatten und recht angetan waren. Gerade im
Vergleich zum Lapierre, das dem gleichen Dämpfer eine geschmeidige
Performance entlockt, fällt das Radon deutlich ab. Aber auch Bikes wie
das Specialized oder das Focus bieten eine Klasse mehr Bodenhaftung
und Sicherheit, wenn es schnell wird. So bleibt die Hinterbauperformance
eher enttäuschend und wir mussten Punkte abziehen. Serienstreuung des
Dämpfers? Der Hersteller kann es sich nur so erklären. Schade eigentlich,
denn mit einem potenteren Dämpfer wäre das „Slide 8.0 SE“ ein super Racer.
Edelfeile: Ein metallic­
rot lackierter Vollcarbonrahmen (inkl. Wippe!)
mit Mini-Gewicht und konsequenter Raceausstattung.
Viel Bike fürs Geld!
Fazit: Das Radon ist superleicht, schön verarbeitet und für den Preis
richtig toll ausgestattet. Auf Trailtouren superschnell unterwegs und sehr
sportlich. In heftigem Gelände ist der Hinterbau schwach. Die Kinematik
braucht scheinbar ein anderes Set-up oder einen leistungsfähigeren Dämpfer.
Radon Slide 8.0 SE
MAX Schumann (26)
„Das Radon überzeugt durch sein
niedriges Gewicht. Dadurch wirkt
es schnell und leichtfüßig. Wenn
es allerdings schnell wird, fühlt
man sich weniger sicher.“
herstellerangaben Vertrieb H&S Bikediscount GmbH
www.radon-bikes.de
Material/Größen Carbon/16“,18“,20“,22“
Preis/Gewicht ohne Pedale 3299 Euro/12,2 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Reaktionsfreudig, leicht und agil.
Bei diesem Preis ein echter RaceKnaller.“
160 mm/160 mm
Viergelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer RockShox Pike RCT3/
RockShox Monarch RT3
Kurbeln/Schaltung SRAM X01/ SRAM XO1
Bremsanlage SRAM Elixir 9 Trail
Laufräder DT Swiss Ex 1501 Spline Systemlaufradsatz,
Schwalbe Hans Dampf 27,5X2,35 (Serie)
50
590
110
460
Reach 418 mm
Stack 609 mm
BB-Drop -15 mm
g
Preis/Leistun
Stärken
74,5°
• Gewicht
• Geometrie
• Handling
66,7°
Schwächen
1160
435
340
• Hinterbaufunktion
HANDLING
wendig
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
Performance
Uphill/Trail
Downhill
58 | FREERIDE 3|14
Zug an der Luft: Gegen den aktuellen Trend führt
Radon die Züge beim „Slide“ auf dem Unterrohr.
Optisch auch sehr aufgeräumt, aber unkomplizierter in der Wartung.
9
10
Straffe Nummer: Mit dem „Monarch“-Dämpfer
ließ sich das Potential des Hinterbaus leider
nicht wirklich ausschöpfen. Gut bei flowigen
Strecken, hölzern in rauem Gelände.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
> TEST
Höhenmesser
Mit dem „Altitude 770 MSL Rallye Edition“ liefert Rocky Mountain seine Definition eines Race­
bikes. Der edle Carbonrahmen und die High-End-Ausstattung drücken das Gewicht knapp
unter 13 Kilo. Über einen Chip in der vorderen Dämpferaufnahme kann man die Kennlinie
des Fox „Float X“-Dämpfers beeinflussen und die Geometrie anpassen. Wir entschieden uns für
die bergablastigste, flachste Position. Beim Thema Schaltung tanzt das Rocky mit seiner knackigen
1x10-Übersetzung (34 Zähne vorne, 11-36 hinten) aus der Reihe. Steile Anstiege und AllroundEinsatz im Gebirge fallen damit aus. Dafür gibt’s eine Fernbedienung für die Druckstufe des
Dämpfers. Das „Altitude“ war in der gewählten Einstellung recht kurz und passte
nur unserem 1,70 großen Tester wirklich gut. Im Anstieg wippt der Hinterbau
– mit maximaler Druckstufe per Klick am Lenker geht es aber straff und
direkt vorwärts. Allerdings tritt man wegen des flachen Sitzwinkels etwas
von hinten. Im Trail und bergab erwacht das Bike zum Leben. Handlich
lässt es sich durch enge und weite Kurven ziehen und reagiert direkt
auf Lenkbefehle. Im offenen Modus schluckt der Hinterbau richtig gut
und liegt stabil im satten Hub, muss für Sprints aber immer verhär­
tet werden, sonst pumpt das Bike spürbar. Hemmschuh in hartem
Terrain: Die Gabel arbeitet weniger sensibel als die „Pike“ und nutzt
zu viel Federweg bei mittleren Schlägen. Fährt man weniger Sag,
wird sie unsensibel. Die Balance ist nicht ideal, das kostet Punkte.
Stylemaster:
In Sachen Design
macht den Jungs von
Rocky Mountain keiner was
vor. Das Bike gefiel optisch
allen Testern. Beim Fahrverhalten waren die Meinungen geteilt.
Rocky Mountain
Fazit: Das Rocky „Altitude“ ist konsequent als Racebike aufgebaut. Zu konsequent finden wir, denn so eine reduzierte Gangauswahl schränkt den Einsatzbereich unnötig ein, ohne echte
Vorteile im Rennen zu bieten. Der Hinterbau arbeitet bergab hervorragend, leider war die Gabel nicht ideal abzustimmen und trübte
die ansonsten tollen Downhill-Eigenschaften.
MAX Schumann (26)
„Die Geo am Rocky überzeugt.
Leider leisten sich Fahrwerk und
Gabel gewisse Schwächen. Die
Sicherheit fehlt, das kostet Zeit im
Rennen.“
Altitude 770
MSL Rallye Ed.
herstellerangaben Vertrieb Material/Größen Preis/Gewicht ohne Pedale Bike Action GmbH
www.bikeaction.de
Hybrid/XS,S,M,L,XL
5499 Euro/12,9 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
160 mm/150 mm
Viergelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer Fox Float 34 FIT CTD /
Fox Float X CTD
Kurbeln/Schaltung Race Face SixC/SRAM X0
Bremsanlage Avid Elixir 9 Trail
Laufräder Stans Notubes ZTR Flow Ex, SRAM X9 Naben,
Continental Trail King 2,4 Reifen (Serie)
60
115
Stärken
• sattes Heck
• Handling
• Verarbeitung
460
Reach 403 mm
Stack 608 mm
BB-Drop -11 mm
587
Schwächen
73,4°
1148
431
• etwas kurz
• Gabel
• Übersetzung
66,2°
60 | FREERIDE 3|14
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
345
Kontrollhebel: Die Fernbedienung ist ein ideales
Feature an so einem Racebike. Auf Knopfdruck
wird der Hinterbau für Zwischensprints gestrafft.
Beim Rocky war der Hebel aber generell nötig,
um starkes Wippen zu unterbinden.
Performance
Uphill
Downhill
HANDLING
wendig
9
10
Gabelsalat: Die „34“ kam nicht an die Performance der „Pike“ heran. In schnellen, ruppigen
Passagen war sie zu zäh und reduzierte die
Fahrleistung des Bikes. Dass die Fox mehr
kann, haben wir bei unserem Dauertestmodell
gesehen. Da war aber wohl Spezialöl drin, das
erst 2015 serienmäßig zum Einsatz kommt.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
Smartbike
Das Scott ist neben dem Radon das einzige Bike mit Vollcarbonrahmen. Und es ist das einzige Bike
mit 170 Millimetern Hub vorne und hinten. Dabei wiegt es nur 12,7 Kilo. Die Ausstattung ist konsequent hochwertig. Besonders gut: Die Shimano „XTR Trail“-Bremsen. Scott hat ein zweistufiges
Fahrwerksverstellsystem entwickelt. Position 1 am Lenkerhebel reduziert den Hub am Heck auf
110 Millimeter und stellt die Druckstufe an der Gabel auf Trailmodus. Position 2 erhöht dann auch
hinten die Druckstufe und geht vorne auf Climbmodus. Dieses System und das geringe Gewicht
machen das Scott zuSammen mit dem Lapierre zum Sprintkönig. Die Verstellung funktioniert
schnell und intuitiv. In Anstiegen entwickelt es so enormen Vortrieb. Perfekt ist die Abstimmung aber nicht, denn in der mittleren Position wird die Gabel zu unsensibel,
während es hinten feinfühlig federt. Der Modus eignet sich nicht für Trailfahrten,
sondern nur für kurze Sprints oder lange Ansteige auf glatterem Untergrund.
Zwei Geo-Set-ups stehen zur Wahl. Uns hat die steilere besser gefallen. Man
sitzt weniger über dem Heck und kann das recht lange Bike besser manövrieren. Die Geometrie des „Genius LT 700 Tuned“ sticht heraus: Die Front
ist im Verhältnis zum stark abgesenkten Tretlager hoch. Das Fahrgefühl
tendiert Richtung 29er. Das ist bergab kein Nachteil. Das „Genius“ fährt sich
ähnlich stabil und sicher bergab wie das Focus. Die Geo kompensiert die
etwas unsensiblen Federelemente, denn sowohl die Fox „34“, als auch der
„Nude“-Dämpfer wirken bei hohem Tempo hölzern. Ein weicheres Set-up
führt zum Durchsacken der Gabel. Das Mehr an Federweg ist nicht spürbar.
Weiterentwicklung: Mit
dem Vorgänger „Genius
LT“ hat dieses Bike nur
den Namen und das Grundkonzept gemein. Es ist leichter, effizienter, konsequenter.
Fazit: Racern gefallen das effiziente Sprintfahrwerk und die laufruhige
Geo­metrie. Freizeitbiker profitieren vom geringen Gewicht und der Lauf­
ruhe, vermissen aber den Komfort, den der nominal große Hub verspricht.
Mit etwas schluckfreudigeren Federelementen wäre es ein Sieger.
MAX Schumann (26)
„Auf dem Scott habe ich mich
wohlgefühlt. Der Hinterbau arbeitet effizient. In Kombi mit dem
geringen Gewicht ein sehr agiles
Bike.“
Scott Genius LT 700 Tuned
herstellerangaben Vertrieb Material/Größen Preis/Gewicht ohne Pedale Scott Sports AG
www.scott-sports.com
Carbon/S,M,L
6499 Euro/12,7 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Ein Spitzenbike: super schnell,
steif und spritzig im Anstieg. Die
Downhilleigenschaften waren
nicht ideal, aber alles in allem
eine gute Race-Kombi.“
170 mm/170 mm
Mehrgelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer Fox 34 Float Fit CTD/Nude CTCD
Kurbeln/Schaltung SRAM X1/SRAM XO1
Bremsanlage Shimano XTR
Laufräder Syncros AM 1.5 Systemlaufräder
Schwalbe Hans Dampf 27,5X2,35 (Serie)
50
596
110
Stärken
440
Reach 422 mm
Stack 617 mm
BB-Drop -15 mm
• Vortrieb
• Geo
• Ausstattung
74,8°
Schwächen
66,3°
• Gabel-Set-up
1111
442
HANDLING
wendig
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
340
Performance
Uphill/Trail
Downhill
9,5
Ein Hebel, zwei Kabel: Per Daumendruck werden
Gabel und Hinterbau gleichzeitig angesteuert.
Hinten wird der Federweg reduziert, vorne die
Druckstufe verhärtet. Das klappt gut, ist aber
nicht wirklich sinnvoll aufeinander abgestimmt.
Die Verstellung des Hinterbaus ist für Renneinsätze sinnvoll und effizient. Das Feature erkauft
man sich aber mit etwas unsensibleren Fahrleistungen in ruppigem Gelände. Hier ist das Heck
nicht wirklich schluckfreudig.
FREERIDE 3|14 | 61
> TEST
Trendverweigerer
Wie die Zeit vergeht. Bis letztes Jahr galt Specialized als Vorreiter der tiefen Tretlager. In diesem
Test hat es – im Verhältnis zur Radachse – das höchste. Denn das „Enduro S-Works“ rollt auf
26-Zoll-Laufrädern. Das einzige Bike im Test mit dem „alten“ Standard. Wir waren gespannt.
Spürt man da überhaupt Unterschiede? Zuerst mal spürten alle den Gewichtsunterschied. Das
sündhaft teure Bike (8000 €!) ist trotz massivem DH-Luftdämpfer das leichteste Bike im Test und
fährt beim ersten Antritt allen 650B-lern davon. Die Laufräder wiegen mit Serienbereifung allein
ein halbes Kilo weniger als die der Konkurrenz. Das wirkt wie ein kleiner E-Motor im Sprint. Die
Sitzposition ist bekannt gut: Ausgewogen, durchschnittlich lang und gut ausbalanciert. Der
Dämpfer hält das Heck dank Climb-Switch-Funktion ruhig, ohne dass die Bodenhaftung
verloren geht. Leichtes Pumpen kann man provozieren. Im Downhill waren wir
überrascht: Beim direkten Umstieg von einem 27,5er aufs Specialized „Enduro“ ist
der Handlingsunterschied extrem. Das Bike wirkt dann auf den ersten Metern
nervös und zappelig. Die größere Schwungmasse der 650B-Laufräder in Verbindung mit dem tiefer zur Radachse liegenden Tretlager und den meist fast
um ein Grad flacheren Lenkwinkeln macht speziell auf Highspeedpassagen
einen stark spürbaren Unterschied. Man muss sich erst wieder „zurückgewöhnen“, um das Bike genießen zu können. Aber dann kann man es
auch richtig genießen: Es besitzt ein unglaublich agiles Handling und ein
richtig sattes Fahrwerk. Ohne direkten Vergleich steht man auch beim Specialized gut „im“ Bike und hat die perfekte Kontrolle. In den engen Kehren
des „Little Champéry“-Trails war es der Konkurrenz sogar überlegen. Mit
„Spaß-Works“ hatte es am Ende des Tests seinen Spitznamen weg.
Fazit: Dem „S-Works“ fehlt es im Vergleich mit den besten Bikes im Test an
Laufruhe und Sicherheit. Als sehr guter Fahrer kann man damit dennoch
Rennen gewinnen. Freizeitbiker profitieren vom geringen Gewicht und
dem fantastischen Handling.
Byebye 26 Zoll: Das „Enduro“
wird zukünftig nicht mehr als
26er gebaut. Dass die 650BVariante genauso gut funktioniert, können wir nur hoffen.
MAX Schumann (26)
„Letztes Jahr wäre das Bike der
Überflieger gewesen. Superleicht,
superagil, super Fahrwerk. In
schnellen Abfahrten wegen 26
Zoll aber weniger sicher.“
S-Works
Specialized Enduro
herstellerangaben Vertrieb Material/Größen Preis/Gewicht ohne Pedale Specialized Europe B.V.
www.specialized.com
Hybrid/S,M,L
7999 Euro/12,0 kg
messdaten Federweg vorn/hinten
Hinterbausystem
INES Thoma (24)
„Das schönste Bike im Test. Erst
war ich skeptisch: so teuer und
nur 26 Zoll? Aber auf den engen
Finale-Trails war das Bike super.
Leicht, agil und schnell.“
160 mm/165 mm
Viergelenker
ausstattung Gabel/Dämpfer RockShox Pike RCT3/
CaneCreek Double Barrel Air CS
Kurbeln/Schaltung SRAM XX1/SRAM XX1
Bremsanlage Avid XO Trail
Laufräder Roval Traverse SL Carbon Systemlaufradsatz,
Butcher /Purgatory Control 26X2,3 (Serie)
60
585
120
Stärken
430
Reach 419 mm
Stack ? mm
BB-Drop ? mm
• Fahwerk
• Geo, Gewicht
• Ausstattung
Schwächen
75,3°
1152
419
67,2°
• hart anschlagende
Stütze
• Preis
345
Performance
Uphill/TRAIL
Downhill
62 | FREERIDE 3|14
HANDLING
wendig
laufruhig
Fahrwerk
straff
komfortabel
Abschussrampe: Die „Command“-Teleskopstütze
funktioniert zuverlässig. Das ist gut. Leider knallt
sie auch mit Minimaldruck sehr schnell und ungebremst nach oben. Das ist nicht so gut.
9,5
10
DH-Technik: Mit seinem fetten CaneCreek-Dämpfer ist das Specialized eine Klasse schluckfreudiger ausgestattet als die Konkurrenz. Und das
spürt man, wenn es schnell und ruppig wird. Der
Dämpfer ist potenter als alle anderen Luftdämpfer im Testfeld.
FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.
E-Bike 2.0: Die erste
Ausgabe des Lapierre
„Spicy“ mit elektronischer
Dämpferregelung hat uns
letztes Jahr nicht von den
Socken gehauen. Das aktuelle Modell dafür umso
mehr. Und wieder mal hatte
E. T. Vouilloz seine Finger
im Spiel.
FREERIDE 3|14 | 63
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