Die Open-Lambda-Initiative - NET-im-web

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NETZE
Die Open-Lambda-Initiative
Virtualisierte passive optische Metro-Zugangsnetze
Curt Badstieber
Zu den größten Herausforderungen
in der TK-Branche zählt die
Konzeption der Metro-Access-Netzarchitektur, die das Nebeneinander
unterschiedlicher Techniken
ermöglicht und gleichzeitig einen
gangbaren Migrationspfad für
zukünftige Innovationen bietet. Dies
wird vor allem im Glasfaserbereich
deutlich, wo derzeit verschiedene
Strategien untersucht werden. Alle
diese Strategien bergen durchaus ein
großes Potenzial, sind aber nicht
unbedingt miteinander kompatibel.
Hier setzt die Open-Lambda-Initiative
an. Sie wurde 2010 ins Leben
gerufen, um einen Rahmen für eine
offene Netzarchitektur zu konzipieren, der den Anforderungen von
zukünftigen optischen Metro-AccessNetzen gerecht wird.
Curt Badstieber arbeitet als Entwicklungssingenieur bei Nokia Siemens Networks in München
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Bis dato wurden schon viele optische
Zugangstechniken zur Bewältigung
der Herausforderungen des Open Access vorgeschlagen. Allerdings berücksichtigten diese kaum, wie sie auf
derselben Glasfaser nebeneinander
bestehen können, ohne sich in die
Quere zu kommen.
Entbündelung von Wellenlängen und Virtualisierung
Die vorgeschlagene offene Umgebung ermöglicht die Entbündelung
von Diensten und Konnektivität auf
der eigentlichen Glasfaserinfrastruktur, was eine äußerst wettbewerbs-
Bild 1: Entbündelung der Infrastruktur in einem transparenten Optical Distribution Network (ODN)
Der Schlüssel hierfür ist die Definition
einer neuen, offenen Architektur, die
das Spektrum dynamisch aufteilt und
die flexible Einführung verschiedener
Techniken auf derselben Glasfaser ermöglicht. Weiterhin müssen Regeln
für das Management des verfügbaren
Spektrums entworfen werden, die
verhindern, dass sich Dienste gegenseitig beeinträchtigen. Beides hat sich
die Open-Lambda-Initiative (OLI) zum
Ziel gesetzt.
In den derzeitigen optischen Netzsystemen sind die Wellenlängen für Upund Downstream-Kanäle klar zugewiesen, wobei der Großteil des verfügbaren Glasfaserspektrums allerdings ungenutzt bleibt. Die alternativ
vorgeschlagene, offene Wellenlängenmultiplexingmethode ermöglicht
eine wesentlich effektivere Verwertung des gesamten Spektrums. Techniken, die eine dynamische Abstimmung und Anpassung der Wellenlänge erlauben, werden dabei eine
Schlüsselrolle einnehmen, da sie Zugriff auf brachliegende Bereiche des
Spektrums erlauben.
freundliche Umgebung für Techniken
und Dienste herstellt. Innerhalb desselben physischen Netzes können
mehrere Betreiber und Diensteanbieter gleichzeitig unterschiedliche Bereiche des verfügbaren Spektrums nutzen. Die Betreiber werden in die Lage
versetzt, ihren Kunden differenzierte
Dienste anzubieten. Die Kunden wiederum können ihren Betreiber wechseln, indem auf der physikalischen
Ebene eine automatische Neuzuweisung der genutzten Wellenlänge erfolgt.
Die Konzeption eines solchen Netzes
als gemeinsam genutztes Medium
bietet handfeste Vorteile wie geringere Netzausbaukosten und ein geringeres unternehmerisches Risiko. Außerdem entfällt die Notwendigkeit für
Regulierungsbehörden, den Wettbewerb mit kostspieligen Infrastrukturanpassungen zu erzwingen. Dies
ist der Kernpunkt eines virtualisierten
Netzes, das Anbietern und Kunden
gleichermaßen ein Maximum an
Transparenz bez. der physischen Infrastruktur bietet (Bild 1).
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Die Open-Lambda-Initiative
Bild 2 enthält eine abstraktere Darstellung der Spektrumszuteilung in der
offenen Lambda-Umgebung, in der
das verfügbare Spektrum in verschiedene Dienste- und Technikbereiche
unterteilt ist, jeweils unter der Obhut
eines Betreibers oder eines Managements. Diese Bereiche können durchaus geschachtelt sein. So können sich
z.B. verschiedene Diensteanbieter unter Verwendung derselben Technik
dieselbe Glasfaserinfrastruktur teilen.
Dagegen kann man aber auch denselben Dienst auf derselben Glasfaserleitung mit verschiedenen Zugangstechniken anbieten.
In einer solchen Umgebung muss eine
neutrale Instanz eingeführt werden,
die die Zuteilung des Spektrums kontrolliert. Daraus ergibt sich der Bedarf
an einem Regelwerk, vergleichbar mit
der Situation im Mobilfunkbereich.
Im einfachsten Fall könnte ein Zuteilungsverzeichnis der Wellenlängen
aus einer Datenbank bestehen, in der
die zugewiesenen Kanäle und deren
Managementinformationen eingetragen sind. Die Richtlinien können dann
beispielsweise die Wellenlängenkennzeichnung, die maximale spektrale
Leistungsdichte, Kanalzuordnung und
Verwaltungsregeln enthalten.
Alle verfügbaren Wellenlängen eines
Glasfasersystems werden in dem sogenannten Wavelength Pool dargestellt, der im Grunde genommen eine
elektronische Datenbank für Wellenlängen darstellt. Benötigt ein Betreiber Wellenlängen für die Bereitstellung eines Dienstes, werden die dem
allgemeinen Wavelength Pool entnommen, oder – im umgekehrten Fall
– wieder hinzugefügt, wenn sie freigegeben werden. Die eigentliche Zuweisungsfunktion der einzelnen Wellenlängen oder der zusammengefassten Bänder geschieht außerhalb des
Pools und wird als Wavelength Hotel
bezeichnet.
Bis zur umfassenden Einführung solcher Regeln in sämtlichen Metro-Access-Einrichtungen müssen bestehende Techniken aber gesondert berücksichtigt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass eine Migration
ausgehend von einer vorhandenen
PON-Installation kostengünstig durchzuführen ist.
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OLI-Rahmenwerk
Die Ziele des OLI-Rahmenwerks für
die Architektur sind folgende:
• Definition der verschiedenen funktionalen Einheiten der neuen Metro-Access-Architekturen;
optimierte optische Bandbreitennutzung zu ermöglichen;
• Zusammenstellung von Publikationen zu den Themen: Überblick über
OLI, Definition und Beschreibung eines OLI-Systems, Implementierungsszenarien und Referenzkonfigurationen, OLI-konforme Netzarchitekturen und Berücksichtigung von
energieeffizienten Techniken.
Die Bekanntgabe der Unternehmen,
die sich in die Open-Lambda-Initiative
einbringen, wird voraussichtlich Ende
Februar dieses Jahres erfolgen. Bis dahin wird auch die Internetpräsenz der
Gruppe online gehen.
Zukünftige Richtung
Bild 2: Der Wavelength Pool enthält alle nutzbaren Kanäle der Glasfaserleitung. Die Kanäle
sind in Service- und Technikbereiche unterteilt.
Jeder Kanal kann verschiedene Übertragungsraten und Dienste unterstützen
• Festlegen von Regeln für das Spektrummanagement zur Handhabung
mehrerer dynamischer Wellenlängen;
• Wegbereitung der effizienten Nutzung des gesamten optischen Spektrums einer Glasfaser;
• Schaffen einer Grundlage für die
Koexistenz verschiedener Techniken
auf demselben physischen Medium;
• Darlegen einer klaren Migrationsstrategie auf OLI-Basis;
• Schaffen der Grundlage für die Entbündelung von Diensten und Konnektivität auf der physischen Glasfaserinfrastruktur;
• Aufstellen der regulatorischen Aspekte für die Entbündelung der Infrastruktur.
Aktuell sind an der Initiative Vertreter der Kommunikationsdienstleister,
Ausrüstungs- und Komponentenanbieter beteiligt. Alle Beteiligten haben
sich hinsichtlich des OLI-Umfangs auf
folgende Themen geeinigt:
• Gemeinsam vereinbarte Sicht aller
Beteiligten, um eine offene sowie
Die Open-Lambda-Initiative ist eng an
die baldige Verfügbarkeit von kostengünstigen photonischen Bauelementen der nächsten Generation gekoppelt, die mit wellenlängenselektiven
Elementen ein Wellenlängenmultiplexing ermöglichen wird. Diese Techniken sind der Schlüssel zur Implementierung kostengünstiger Metro-Access-Lösungen in TK-Netzen. Traditionell wird in der TK-Branche auf eine
Umgebung Wert gelegt, in der Techniken von verschiedenen Anbietern
getragen werden. Umso dringlicher ist
es, den OLI-Ansatz in den Rahmen eines angemessenen Standardisierungspfades zu setzen. Zu diesem Zweck
sollen die Ergebnisse der Initiative als
eine Serie von Whitepapers publiziert
werden, die dann in die einschlägigen
Standardisierungsorganisationen eingebracht werden können. Die zukünftige Verfügbarkeit von OLI-konformen
Systemen wird damit einen einzigartigen und interoperablen Managementrahmen bieten, der von allen Beteiligten akzeptiert wird.
Der OLI-Vorschlag sollte daher in der
Standardisierung erfasst und umgesetzt werden, damit das OLI-Rahmenwerk in den Anforderungen für kommende Technikstandards berücksichtigt wird. Ein Branchenforum wie beispielsweise das Full Service Access
Network (FSAN), das bereits die technischen Spezifikationen für passive
optische Zugangsnetze (PON) entwirft, wäre dafür eine mehr als logische Wahl.
(bk)
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