Die Königsdisziplin des Bergsteigens

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 Die Königsdisziplin des Bergsteigens
In welchen Himmel aber würde mich erst
der Aufstieg auf einen Berg führen, der flog?
Christoph Ransmayr, „Der fliegende Berg“
Mit dem MMM Corones auf dem Kronplatz – zwischen Gadertal, Olang und Pustertal gelegen – ist
das Projekt Messner Mountain Museum (das insgesamt sechs Häuser umfasst) abgeschlossen. Am
Rande des großartigsten Aussichtsplateaus Südtirols, im unverwechselbaren Museumsbau von Zaha
Hadid, erzähle ich zum Abschluss vom traditionellen Alpinismus.
Am Kronplatz geht der Blick in alle vier Himmelsrichtungen über die Landesgrenzen hinaus: von den
Lienzer Dolomiten im Osten bis zum Ortler im Westen, von der Marmolada im Süden bis zu den
Zillertalern im Norden. Im Museum spiegeln sich die Welt meiner Kindheit – die Geislerspitzen; der
Mittelpfeiler am Heiligkreuzkofel – die schwierigste Kletterei meines Lebens – und die vergletscherten
Granitberge über dem Ahrntal. Im Berg erzähle ich von der Entwicklung des modernen Bergsteigens,
von der Ausrüstung, wie sie sich im Laufe von 250 Jahren verbessert hat, von Triumphen und Tragödien
an den berühmtesten Bergen der Welt – Matterhorn, Cerro Torre, K2 – und der Darstellung unseres
Tuns, so widersprüchlich es auch erscheinen mag. Wie in den anderen Museen beleuchte ich den
Alpinismus mithilfe von Reliquien, Sätzen, Kunstwerken (Bildern und Plastiken) sowie der Spiegelung
der äußeren Bergkulisse ins Innere des MMM Corones.
Als der Storyteller zum traditionellen Alpinismus will ich weder werten noch dramatisieren, es geht mir
um das Verdichten von Erfahrungen, um eine Sache, die auch meine Sache ist, die 250 Jahre währende Auseinandersetzung zwischen Berg und Mensch. Nicht Sport und Rekorde stehen im Mittelpunkt
sondern die großen Persönlichkeiten des Alpinismus, auch Philosophen, Pioniere, die den „goldenen
Schritt“ wagen – von der Idee zur Tat, wenn die Frage nach dem Warum aufgehoben ist.
Aus dem Ladinischen übersetzt bedeutet Corones „die Krone“. Der Kronplatz – der berühmte Ski- und
Wanderberg, der Gipfel der Drachen- und Gleitschirmflieger – beherbergt nun das Highlight meiner
Bergmuseen: Einen Ort der Stille, der Entschleunigung und unvergessener Ausblicke. Dieser Rückzugsraum öffnet alle menschlichen Sinne für das Darüber und Dahinter. Die Berge werden zum Erfahrungsraum, Teil unserer Kultur. Im Geistesflug über alle Gipfel hinweg gilt es sie neu wahrzunehmen.
Reinhold Messner
Das von Reinhold Messner initiierte Messner Mountain Museum umfasst eine sechsteilige Museumsstruktur, wobei jedes Haus, wie ein Satellit, jeweils einem Teilthema gewidmet ist. Im Zentrum steht
dabei das Museum in Schloss Sigmundskron bei Bozen (MMM Firmian), in dem es um die Entstehung,
Besteigung und Verwitterung der Berge geht; in Schloss Juval (MMM Juval), seiner Privatburg im Vinschgau, erzählt Reinhold Messner von den heiligen Bergen; auf dem Monte Rite (MMM Dolomites), südlich
von Cortina, wird das Felsklettern und in Sulden unter dem Ortler (MMM Ortles) das Eis thematisiert;
Schloss Bruneck (MMM Ripa) im Pustertal ist den Bergvölkern gewidmet und im gerade erschaffenen
sechsten Haus am Kronplatz (MMM Corones) wird der traditionelle Alpinismus an den großen Wänden
der Welt beleuchtet.
Die Messner Mountain Museen sind weder klassische Kunst- noch Naturkundemuseen, vielmehr sind
sie interdisziplinär ausgerichtete Erlebnisräume. Jedes der Häuser befindet sich an einem einzigartigen
Ort. Indem das jeweilige Thema in Verbindung mit der Sammlung sowie der Architektur gebracht wird,
entsteht eine Spiegelung von Drinnen und Draußen: Geografische Lage, Reliquien und Kunstwerke
werden in Beziehung zueinander gesetzt. Neben den Dauerausstellungen sind themenbezogene Filme
und jährliche Wechselausstellungen zu sehen.
Weitere Informationen: www.messner-mountain-museum.it
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