nationalismus (12 f)

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Max Weber → »Politik als Beruf« 1919
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00.05.98
Max Weber (1864-1920) → 1919 gehaltener Vortrag »Politik als Beruf«
⇒ Teil eines Vortragszyklus an der Universität München, der der aus dem Krieg heimgekehrten Jugend als
Wegweiser für ihre zukünftige geistige Arbeit dienen sollte
→ Warnung vor der Revolution und der Räterepublik, die keine Aussichten auf Erfolg haben würden
und bloß von Gesinnungsethikern gewollt würden
→ Weber fordert insbesondere, daß Deutschland nach dem verlorenen Krieg und der Revolution nicht
»führerlos« dasteht und führt deshalb aus, über welche Qualitäten ein Berufspolitiker verfügen muß
• Definition des Begriffes »Politik« → außerordentlich weites Bedeutungsfeld
⇒ allg.: jede Art leitender Tätigkeit
⇒ eng: Leitung eines politischen Verbandes (= Staat)
• Definition des Begriffes »Staat«
⇒ »diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebiets das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit beansprucht« → der Staat ist also ein auf das Mittel der legitimen
Gewaltsamkeit gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen, die sich der staatlichen Autorität fügen
⇒ dazu bedarf die beanspruchte Herrschaft einer Legitimation:
• Weber kennt drei reine Typen legaler Herrschaft:
{ traditionale Herrschaft
→ legitimiert durch die Autorität herkömmlicher und gewohnheitsmäßiger Traditionen und Sitten (z.B.
Patriarch, Fürst)
| charismatische Herrschaft
→ legitimiert durch die Autorität der außeralltäglichen persönlichen Gnadengabe = Charisma (z.B.
Prophet, Demagoge, Condottiere/Kriegsfürst, Parteiführer)
} legale Herrschaft
→ legitimiert durch die Autorität von Satzungen, Recht und Regeln (z.B. Staatsdiener, Beamten)
• der moderne Staat zeichnet sich dadurch aus, daß seitens des Herrschers/Fürsten im Zuge des Ausbaus des
Absolutismus und der Entmachtung der Stände eine zunehmende Enteignung der selbstständigen Träger
der Verwaltungsmacht erfolgte
⇒ Aufbau eines rational organisierten Verwaltungsapparates mit geschulten Fachbeamten, die nur dem
Fürsten in einem Loyalitätsverhältnis unterstehen und über die sachlichen Betriebsmittel keine Verfügungsgewalt mehr besitzen (analog der wirtschaftlichen Entwicklung des Kapitalismus)
Definition: »Der moderne Staat ist ein anstaltsmäßiger Herrschaftsverband, der innerhalb eines Gebietes die legitime physische Gewaltsamkeit als Mittel der Herrschaft zu monopolisieren mit Erfolg
erreicht hat und zu diesem Zweck die sachlichen Betriebsmittel in der Hand seiner Leiter vereinigt,
die sämtlichen eigenberechtigten ständischen Funktionäre aber, die früher zu Eigenrecht darüber
verfügten, enteignet und sich selbst in seiner höchsten Spitze an deren Stelle gesetzt hat.«
• im Zuge dieses Enteignungsprozesses von politischer Herrschaft sind die ersten »Berufspolitiker« entstanden
⇒ Weber unterscheidet drei Arten von Politikern:
Gelegenheitspolitiker
alle Menschen, die sich an Wahlen
beteiligen und sich gelegentlich
politisch äußern
nebenberufliche Politiker
Menschen, die ihre politische
Tätigkeit nur im Bedarfsfall
ausüben und nicht materiell
davon abhängen
hauptberufliche Politiker
Menschen, die ausschließlich für
die Politik (in ideeller Hinsicht)
oder von der Politik (in materieller Hinsicht) leben
Max Weber → »Politik als Beruf« 1919
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00.05.98
⇒ der Berufspolitiker muß über drei Qualitäten verfügen, um der Machtausübung gerecht zu werden:
{ Leidenschaft
→ i.S. von leidenschaftlicher Hingabe an die politische Sache
| Verantwortungsgefühl
→ Bewußtsein über die Folgen des politischen Handelns
} Augenmaß
→ Fähigkeit, die Realitäten zu erkennen und abzuschätzen
• ein Ausdruck der Rationalisierung von polit. Herrschaft ist die Entwicklung der modernen Beamtenschaft
⇒ Weber unterscheidet zwei Arten von Beamten:
Fachbeamten
spezialisierte, fachgeschulte und
hochqualifizierte Arbeiter im Dienste des Staates (entstanden in den
absolutistischen Staaten im Zuge der
Verfeinerung von Finanzwesen,
Kriegstechnik und Rechtswesen)
politische Beamten
Beamte, deren Aufgabe es ist, die
Politik der jeweiligen Regierung zu
vertreten und bei Regierungswechseln beliebig und häufig versetzt
oder entlassen werden können
• ein Ausdruck des modernen Staates ist der hohe Stellenwert, den die Parteien geniessen
⇒ Weber unterscheidet drei Typen von Parteien hinsichtlich ihrer Entwicklung:
{ persönliche aristokratische Gefolgschaftsparteien (Klientelwesen)
| bürgerliche Honoratiorenparteien
→ Partei, die v.a. aus Honoratioren (= Hochangesehene) besteht, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen
Situation meist ehrenamtlich tätig sind. In ihrer Organisation besteht sie aus lose miteinander verknüpften lokalen Wahlkomitees
} Massenparteien mit bürokratischem Apparat
− Patronagepartei → Partei, die versucht, ihre Anhänger in staatlichen Führungspositionen unterzubringen. Inhaltlich gesinnungslos und opportunistisch, sind sie nur auf den Gewinn von Wahlen aus
− Klassenpartei → Partei, die hauptsächlich die Interessen einer bestimmten gesellschaftlichen
Klasse repräsentiert (v.a. sozialistische und kommunistische Parteien)
− Weltanschauungspartei → Partei, die auf die Durchsetzung inhaltlicher politischer Ideale, die
einer bestimmten Weltanschauung entstammen, gerichtet ist (im Gegensatz zur inhaltslosen Patronagepartei). Unterscheidung zwischen Weltanschauungspartei auf konfessioneller und auf
Klassenbasis (v.a. Zentrum und SPD)
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