08-1/2-219 Grundkurs Filmanalyse / Werner Faulstich. - 2

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08-1/2-219 Grundkurs Filmanalyse / Werner Faulstich. - 2. Aufl. - Paderborn : Fink, 2008. - 236 S. : Ill., graph. Darst. ; 22 cm. - (UTB ;
2341 : Medien- und Kommunikationswissenschaft) - (utb.de
Bachelor-Bibliothek). - ISBN 978-3-7705-3717-4 (Fink) - ISBN
978-3-8252-2341-0 (UTB) : EUR 16.90
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Werner Faulstich, seit 1989 Professor für Medienwissenschaft an der Universität Lüneburg und Leiter des dortigen Instituts für Angewandte Medienforschung IfAM (seit jüngstem Institut für Medien und Geschichte), hat 2002
für den dortigen Lehrbetrieb den Grundkurs Filmanalyse veröffentlicht,1
den er nun in den Literaturhinweisen auf den aktuellen Stand gebracht und
um einen neuen Ausblick auf Die transkulturelle Filminterpretation erweitert
in neuer Auflage vorlegt. Der Band basiert auf Vorarbeiten und ähnlich betitelten Vorveröffentlichungen, die bis in das Jahr 1976 zurückreichen und
ebenso lange Grundlage für seine Lehrveranstaltungen in Universitäten,
Fachhochschulen und in der Erwachsenbildung gewesen sind.2 Thematisiert wird die methodengesteuerte, analytische Interpretation von einzelnen
Spielfilmen in der Vorführung im Kino, d.h. des emotionalen Erlebnisses
dort. „Filme müssen analysiert werden, weil es sich beim Spielfilm um ein
emotionales Erlebnis, eine Art Traum handelt, aus dem man gleichsam ‚erwacht’, wenn der Film zu Ende ist und das Licht im Kino wieder hell wird.
Wie im Traum äußert sich auch im Spielfilm über Identifikation und Projektion das Unterbewußte, das Verdrängte“ (S. 21). Da die Prozesse der Encodierung durch den Regisseur und sein Team sowie die Decodierung durch
den Filmzuschauer weitgehend unbewußt ablaufen, versucht die Filmanalyse den Prozeß der „Traumarbeit“ (nach Freud) bewußt zu machen, sie verlangt dem einzelnen Spielfilm seine latente spezifische Bedeutung ab. Filmanalyse hat die Person des Interpreten zum Ausgangspunkt der Analyse,
sie wird als Traumanalyse auch zur Selbstanalyse. Diese psychoanalytischen Hintergründe der Filmanalyse werden von Faulstich nur knapp angedeutet, sind aber die Basis seiner Interpretationen.
Bevor Faulstich sich dem Instrumentarium der Filmanalyse zuwendet, stellt
er in Kapitel 2 kurz die wichtigsten Filmgenres als Wahrnehmungshorizonte
vor. Für die Analyse kann die Nutzung genrespezifischer Konzepte durchaus hilfreich sein und den Zugang zu Filmen erleichtern, auch wenn die Vorläufigkeit und gewisse Beliebigkeit der Definitionen von Filmgenres bekannt
sind und obwohl sie Regisseuren immer wieder Anreize zum Genremix oder
zur Überwindung von Genrekonventionen bieten.
Entsprechend dem Grundmodell der Filmanalyse von Faulstich, die in zunehmender Komplexität nach dem Was, dem Wer, dem Wie und dem Wozu
1
Grundkurs Filmanalyse / Werner Faulstich. - München : Fink, 2002. - 222 S. :
Ill. ; 22 cm. - (UTB ; 2341). - ISBN 3-7705-3717-3 (Fink) - ISBN 3-8252-2341-8
(UTB) : EUR 16.90.
2
Faulstich präsentiert eine Liste seiner mehr als 200 Veröffentlichungen unter
http://www.uni-lueneburg.de/fb3/ifam/faulstich.htm
eines Spielfilmes fragt, folgen in der Durchführung nun vier weitere Kapitel
zur Handlungsanalyse (anhand von Drehbuch, Filmprotokoll, Sequenzprotokoll, Zeit, Struktur, Phasen der Handlung), zur Figurenanalyse (den Formen, Konstellationen, Rollen, Typen, Stars und Setting resp. Filmausstattung), zur Analyse der Bauformen (Kameraführung, Einstellung und Montage, Dialog und Geräusche, Musik, Raum, Licht, Farbe) und zur Analyse der
Normen und Werte (anhand von divergierenden Modellen der Filminterpretation als film- oder literarhistorische Filminterpretation, als biographische,
soziologische, genrespezifische oder transkulturelle Filminterpretation). Alle
Analysemethoden werden zunächst kurz vorgestellt und danach jeweils anhand beispielhafter Filminterpretationen veranschaulicht, Abbildungen
(kleinformatig, schwarz-weiß), Dialogauszüge und Szenenbeschreibungen
helfen, die Besonderheiten und Charakteristika der Filme und ihrer Interpretation einsichtig zu machen. Um die interpretatorische Konsistenz, die
Nachvollziehbarkeit und auch die Greifbarkeit der Analysebeispiele abzusichern, werden sie in aller Regel als Kurzversion oder Auszug aus einer ausführlichen Filmanalyse (verfaßt in aller Regel von Faulstich selbst oder zitiert
aus einem von ihm herausgegeben Sammelband) vorgetragen. Die große
Fülle solcher kurzen und längeren, immer beispielhaften Interpretationen
vermittelt ihre Vielfalt, aber auch eine gewisse Beliebigkeit der Filmanalyse;
eine ausführlich alle Aspekte der Filmanalyse umfassende Interpretation
eines Film als abschließendes Beispiel hat Faulstich seinem Grundkurs
nicht beigefügt. Durch die zahlreichen Literaturangaben (plaziert als Fußnoten in den Kapiteln zum filmanalytischen Instrumentarium resp. als Titelblöcke in der Einführung und im Filmgenre-Kapitel) werden aber themenorientiert Hinweise zur weiteren und vertiefenden Information angeboten, die
zusätzlich im Anhang in einer mehr als 400 Titelhinweise umfassenden alphabetischen Liste wieder aufgenommen, erweitert und aktualisiert werden.
Ein kombiniertes Begriffs- und Filmregister mit über 500 Einträgen hilft in
der inhaltlichen Erschließung und beim Nachvollziehen und Vervollständigen von Filmanalysen, - allerdings hätte die Trennung von Begriffs- und
Filmregister die Übersichtlichkeit des Registers verbessert. Randglossen
schließlich erleichtern zusätzlich zur inhaltlichen Gliederung die Orientierung
im Fließtext.
Faulstich hat seinen Grundkurs Filmanalyse für Neulinge und Laien konzipiert und stellt in den methodischen Kapiteln deutliche Ansprüche an Fleiß
und Ausdauer in der filmanalytischen Arbeit. Da er wiederholt betont, daß
Fruchtbarkeit und Ergiebigkeit der einzelnen Instrumente in der Anwendung
für die Analyse einzelner Filme durchaus variieren und sich vor allem vom
Ergebnis her legitimieren, wird das Instrumentarium wohl nur selten in vollem Umfang genutzt werden. Der Grundkurs mag helfen, sich auf die praktikablen und je ergiebigeren Instrumente zu konzentrieren. Unabhängig davon bietet der Grundkurs eine sehr konzise Übersicht über das komplexe
filmphilologische Instrumentarium und die Kriterien, an denen es ansetzt,
zur ersten Information und zur Einführung auch für Filmliebhaber und werdende Cineasten.
Wilbert Ubbens
QUELLE
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Wissenschaft
http://ifb.bsz-bw.de/
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