Materialmappe. Prinz Friedrich von Homburg

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Theaterpädagogische Materialen
Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist
Foto: Beushausen. V.l.: Julia Gutjahr (Prinzessin Natalie von Oranien), Peter Adrian E. Krahl (Feldmarschall
Dörfling), Guido Thurk (Graf Hohenzollern), Kristoffer Keudel (Rittmeister von der Golz), Vesna Buljevic (Die
Kurfürstin), Andreas Wobig (Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg). Vorn: Dennis Laubenthal (Prinz
Friedrich von Homburg), Berthold Schirm (Obrist Kottwitz).
Premiere 14.10.2010
Aufführungsdauer 1 Stunde 40 Minuten, Pause nach dem dritten Akt
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Herzlich Willkommen im Westfälischen Landestheater!
Wir freuen uns über Ihr Interesse an „Prinz Friedrich von Homburg“ von Heinrich von Kleist in
einer Inszenierung von Ralf Ebeling.
Das theaterpädagogische Begleitmaterial bietet Ihnen Anregungen, Ihre SchülerInnen auf den
Theaterbesuch vorzubereiten oder das gemeinsame Erlebnis nachzubereiten. Mit den
Spielvorschlägen aus Darstellendem Spiel wird ein alternativer Zugang zum Stoff ermöglicht.
Auf spielerischer Ebene können Sie und Ihre Klasse sich mit den Themen und den Figuren des
Stückes bekannt machen und auseinandersetzen.
„Dieses Stück hat die Kraft, den Zuschauer in einer Zeit und Gesellschaft, die von Hektik und
Rücksichtslosigkeit geprägt ist, zum Einhalten zu bewegen. Gerade vor dem Gedanken eines
permanenten Erfolgsdrucks, der jede Individualität und das Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten erstickt, steht der „Prinz von Homburg“ als exemplarischer „Leuchtturm“ gegen
die Resignation des Individuums. Es wird gezeigt, dass es sich lohnt und bereichernd ist, sich
selbst zu vertrauen, dem eigenen Empfinden, dem Traum.“ (Christian Scholze, Dramaturg, WLT)
Wenn Sie einen Vorstellungsbesuch durch eine unserer Theaterpädagoginnen vor- oder
nachbereiten lassen möchten, rufen Sie uns an oder senden eine E-Mail.
Wir freuen uns darauf, mit Ihnen in Kontakt zu treten und grüßen herzlich
Theaterpädagogik
Europaplatz 10 / 44575 Castrop-Rauxel/ Tel.: 02305-978027
E-Mail: [email protected]
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Inhalt
Besetzung.....................................................................................................................................S. 4
Inhalt............................................................................................................................................S. 5
Zum Stück....................................................................................................................................S. 5
Heinrich von Kleist - Sein Leben.................................................................................................S. 6
Historischer Hintergrund............................................................................................................S. 9
Aufführungsgeschichte...............................................................................................................S. 11
Das Bühnenbild und die Kostüme.............................................................................................S. 13
Vorbereitung und Nachbereitung.............................................................................................S. 14
Literatur.....................................................................................................................................S. 20
Service.......................................................................................................................................S. 20
Impressum..................................................................................................................................S. 21
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Besetzung
Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg.........................................................Andreas Wobig
Die Kurfürstin.............................................................................................................Vesna Buljevic
Prinzessin Natalie von Oranienburg, seine Nichte......................................................Julia Gutjahr
Feldmarschall Dörfling....................................................................................Peter Adrian E. Krahl
Prinz Friedrich Arthur von Homburg..................................................................Dennis Laubenthal
Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien.................................Berthold Schirm
Graf Hohenzollern..........................................................................................................Guido Thurk
Rittmeister von der Golz........................................................................................Kristoffer Keudel
Siegfried von Mörner, Rittmeister..........................................................................Andreas Bühring
Inszenierung...................................................................................................................Ralf Ebeling
Ausstattung...........................................................................................................Jeremias Vondrlik
Dramaturgie...........................................................................................................Christian Scholze
Theaterpädagogik..............................................................................................Franziska Rieckhoff
Regieassistenz/ Abendspielleitung........................................................................Andreas Bühring
Soufflage.........................................................................................................................Karin Hinze
Bühnentechnik..............................................................................................Sebastian Jungermann
Licht............................................................................................................................Gerhard Hinze
Ton...........................................................................................................Klaus-Werner Wollnowski
Maske......................................................................................................................Susann Reinhold
Requisite………....................................................................................…..................Beatrix Broecker
Garderobe........................................................................................…....................Eva-Maria Runge
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Inhalt
Im Garten des Kurfürsten hat der Prinz von Homburg einen Traum, der seine Wahrnehmung
der Realität grundlegend verändert. Direkt im Anschluss ignoriert er in der Schlacht von
Fehrbellin den Marschbefehl und entscheidet mit seinem Mut die Schlacht zu Gunsten des
Kurfürsten von Brandenburg. Ausschlaggebend für sein Verhalten ist das unbedingte
Vertrauen in das eigene Gefühl; ihm ist die eigene Wahrnehmung Lebens- und
Glaubensprinzip. Im Zentrum dessen steht seine Liebe zu Natalie, der Prinzessin von
Oranienburg und Nichte des Kurfürsten.
Der Kurfürst wertet das Handeln des Prinzen als Gehorsamsverweigerung und ruft das
Kriegsgericht ein, das den Prinzen zum Tode verurteilt. Der Prinz akzeptiert das Urteil und
findet durch die Vorbereitung auf den Tod zu sich. Dieses Vertrauen führt ihn zurück ins
Leben, in die Liebe und macht ihn zum eigentlichen Helden einer jeden Zeit. Das Individuum
und das Gesetz – dieser ewige Gegensatz steht im Mittelpunkt des einzigartigen Stückes von
Heinrich von Kleist. Muss man dem Gesetz bedingungslos folgen oder darf die persönliche
Gewissheit und Überzeugung den Ausschlag für das eigene Handeln geben?
Zum Stück
Prinz Friedrich von Homburg entstand in der Zeit von 1809 – 1811. Die Uraufführung fand am
3.10.1821 am Wiener Burgtheater statt. Die Spannung des Schauspiels resultiert aus der
Ungewissheit, ob das verhängte Todesurteil ausgeführt wird oder nicht. Zunächst hält der
Prinz das Urteil für eine Formalität, er geht davon aus, dass der Kurfürst auf die Vollstreckung
verzichten wird. Tatsächlich geschieht dies am Ende des Dramas, doch erst nachdem der Prinz
anerkennt, dass dem Gesetz Folge zu leisten ist. Die Entscheidung über Gerechtigkeit und
Ungerechtigkeit des Urteils wird in die Hände Prinz Friedrichs von Homburg gelegt. Er wird
vom Kurfürsten zum Richter über sich selber ernannt und erkennt, dass er sich schuldig
gemacht hat. Prinz Friedrich von Homburg geht als staatspolitisches Drama zu Ende und der
„Fall“ ist für alle Seiten befriedigend, rational einsichtig gelöst. Kleists Beinahe-Tragödie
schließt mit einem traumhaften Wunsch- und Hoffnungsbild gegen Tragik und Tod, als wenn
der Held am Ende die Verwirklichung der Vision des Anfangs nicht glauben will und fragt: „Ist
es ein Traum?“ und Kottwitz darauf antwortet: „Ein Traum, was sonst?“.
Foto: Beushausen. V.l.: Julia Gutjahr (Prinzessin Natalie von Oranien), Kristoffer Keudel (Rittmeister von der
Golz), Vesna Buljevic (Kurfürstin). Vorn: Dennis Laubenthal (Prinz Friedrich von Homburg).
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Heinrich von Kleist - Sein Leben
Am 18. Oktober 1777 wird Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist als ältester Sohn des
Kompaniechefs Joachim Friedrich von Kleist und seiner zweiten Frau Juliane Ulrike, geb. von
Pannwitz, in Frankfurt a. d. O. geboren. 1792 tritt er in das Garderegiment Potsdam als
Gefreiter-Korporal ein und nimmt von 1793-1795 am Rheinfeldzug teil. 1799 erbittet und
erhält Kleist den Abschied. Nach bestandener Reifeprüfung im April immatrikuliert sich Kleist
an der Universität Frankfurt a. d. O. und studiert Physik, Mathematik, Kulturgeschichte,
Naturrecht und Latein. 1800 verlobt er sich mit Wilhelmine von Zenge. Im März 1801 erlebt
er seine erste schwere Krise, die sogenannte Kant-Krise. Der Einfluss der Aufklärung auf
Heinrich von Kleist war sehr groß. Doch wann genau er mit der Philosophie Immanuel Kants in
Kontakt kommt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es darf davon ausgegangen werden,
dass Kleist spätestens im Jahre 1800 erstmals Kantsche Schriften liest. Von einer Krise ist zu
diesem Zeitpunkt noch nichts zu spüren; vielmehr überschneiden sich die Ansichten Kleists
und Kants, zumindest was die Idee des Glaubens an eine rein moralische Vernunft betrifft:
Weder die Vorstellung von Göttern oder von ihren Geboten noch von Unsterblichkeit kann der
innerste Kern einer Religion sein, denn diese sind nur Imaginationen, die auf verschiedenen
Erdteilen verschiedenartig ausgeprägt sind. Es muss also eine allgemeingültige Essenz aller
Religionen geben: "Aber in uns flammt eine Vorschrift - und die muss göttlich sein, weil sie
ewig und allgemein ist, sie heißt: erfülle Deine Pflicht; und dieser Satz enthält die Lehren aller
Religionen. [...] Würdest du nicht mehr tun, was Recht ist, wenn der Gedanke an Gott und
Unsterblichkeit nur ein Traum wäre? Ich nicht. [...] Aber zuweilen, wenn ich meine Pflicht
erfüllt habe, erlaube ich mir, mit stiller Hoffnung an einen Gott zu denken, der mich sieht; [...]
Ich will mich nicht um meine Bestimmung nach dem Tode kümmern, aus Furcht darüber,
meine Bestimmung für dieses Leben zu vernachlässigen."
(a Kleist: In: http://tinyurl.com/67snvgy).
Die Tatsache, dass Kleist dem Leben vor dem Tod weitaus mehr Bedeutung zumisst als einem
spekulativen Leben nach dem Tod, müsste ihn eigentlich gegen die spätere Krise immun
machen. Doch dem ist nicht so. Wäre Kleist seinem skeptischen Agnostizismus treu geblieben,
hätten die Argumente der Erkenntniskritik seinem Weltbild nicht das Geringste anhaben
können. Stattdessen lässt er es zu, dass sich die eigene Skepsis gegen ihn wendet.
"Ich hatte schon als Knabe [...] mir den Gedanken angeeignet, dass wir einst nach dem Tode
von der Stufe der Vervollkommnung auf eine andere weiter fortschreiten würden, und dass wir
den Schatz von Wahrheiten, den wir hier sammelten, auch dort einst brauchen könnten.
Bildung schien mir das einzige Ziel, das des Bestrebens, Wahrheit der einzige Reichtum, der
des Besitzes würdig ist."
(b Kleist: In: http://tinyurl.com/5tu6oyh).
Dann aber trifft die harte Keule der Erkenntniskritik und zerschmettert sein Weltbild: Was
nützt der mühsam angehäufte "Schatz von Wahrheiten“ im Jenseits, wenn sich der Verstand im
Diesseits nicht sicher sein kann, ob das Gesammelte überhaupt wahr ist? Wer eine grüne Brille
trägt, führt Kleist beispielhaft aus, wird die ganze Welt grün sehen und dieses Grün für wahr
halten - ohne je sicher sein zu können. Nun merkt Kleist, dass selbst ideelle Werte im Tod
keinen Nutzen mehr haben:
"Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder
ob es uns nur so scheint. Ist das letzte, so ist die Wahrheit, die wir hier sammeln, nach dem
Tode nicht mehr - und alles Bestreben, ein Eigentum sich zu erwerben, das uns auch ins Grab
folgt, ist vergeblich" (Kleist: In: ebda).
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Unruhig versucht Kleist sich zu zerstreuen, doch er schreibt und liest nicht mehr, ist untätig,
unfähig gar ein Buch auch nur anzurühren. Er begibt sich auf Reisen und beginnt, in der Kunst
eine rettende Ablenkung zu suchen. Gefühl und Verstand sind aus der Bahn geworfen.
Bald ebbt all sein Lamentieren ab, doch die seelischen Wunden dieser Krise verheilen nicht.
1802 wird er durch den Kupferstich von Le Veau zum "Zerbrochnen Krug" angeregt und fängt
mit dem "Guiskard" an. Außerdem erfolgt der Bruch mit Wilhelmine. 1803 erscheint "Die
Familie Schroffenstein" (anonym). Das „Guiskard"-Manuskript vernichtet er. Er selbst erleidet
einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch und hat Selbstmordpläne. 1804 ist die
Aufführung der "Familie Schroffenstein" in Graz. 1806 fortdauernde Unpässlichkeiten,
sechsmonatiger Urlaub, schließlich gibt er die Beamtenlaufbahn auf. 1807 wird er auf der
Reise nach Dresden als angeblicher Spion verhaftet und verbringt die Zeit von Februar bis Juli
in französischer Gefangenschaft. „Amphitryon" erscheint, „Penthesilea" wird abgeschlossen.
1808 findet am 2. März die misslungene Uraufführung des „Zerbrochnen Krugs" in Weimar
durch Goethe statt. Außerdem stellt Kleist „Die Hermannsschlacht" fertig. 1809 beginnt er mit
dem Quellenstudium zum „Prinzen von Homburg“. 1810 ist die Uraufführung und erscheint
die Buchausgabe des „Käthchen von Heilbronn", außerdem erscheint der erste Band der
„Erzählungen". Am 19. März wird der “Prinz von Homburg“ erstmals in einem Brief an Ulrike
von Kleist erwähnt. An keinem seiner Werke hat er länger gearbeitet. Er trug das Manuskript
auf all seinen Reisen mit sich und hat es oft verändert. Wann genau die endgültige Fassung
vorlag, ist nicht bekannt, auch ein von ihm autorisiertes Manuskript ist nicht überliefert. 1811
wird das Stück fertig gestellt. Aber all seine Hoffnungen, dass es zu einer Aufführung des
„Prinzen von Homburg“ kommt, zerschlagen sich. Es erscheint der zweite Band der
Erzählungen. Er versucht, eine Anstellung als Redakteur zu finden oder wieder in preußischen
Zivildienst übernommen zu werden.
In der Nacht des 20. November 1811 befindet er sich mit seiner Vertrauten Henriette Vogel in
einem Hotel am Wannsee in Berlin. Es ist Spätherbst. In jeder Beziehung. Sie schreiben Briefe.
Ob sie sich auch gegenseitig ihr Leben erzählen? Ob sie wissen, was sie geleistet haben?
Wieviel sie den Menschen und der Kultur über Jahrhunderte bedeuten würden? Und was sie zu
tun gedenken?
Die beiden waren tags zuvor, am 20.11.1811, angereist und im Wirtshaus 'Neuer Krug'
abgestiegen. Am Nachmittag des 21.11. ließen sich Kleist und Henriette Vogel, nachdem sie
gespeist hatten, den Kaffee in einer stille Bucht am See servieren, setzten sich dort in eine
Vertiefung einander gegenüber und schickten die Magd fort, eine weitere Tasse zu holen. Als
diese sich ein Stück entfernt hatte, hörte sie zwei Schüsse fallen. Kleist hatte zuerst Henriette
Vogel ins Herz geschossen und sich anschließend eine Kugel in den Kopf gejagt. "Die Wahrheit
ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war." (Kleist, am Morgen seines Todes) Henriette Vogel
war 31 Jahre, Kleist einen Monat und drei Tage zuvor 34 Jahre alt geworden.
Tatsache ist, dass bereits sehr früh im Leben Kleists eine tiefere innere Veranlagung des
Dichters zum Selbstmord erkennbar war. Einer der Hauptgründe für den Selbstmord Kleists
mag die verlockende Gelegenheit eines gemeinsamen Todes mit einer geschätzten Freundin
gewesen sein. Kleist hatte zuvor schon, seine Cousine Marie von Kleist, des öfteren gefragt, ob
sie mit ihm sterben wolle. So wichtig dieser letzte Schritt für Kleist geworden war, so sehr
scheute er sich davor, ihn allein zu tun. Kleist war ein Mensch, der Zeit seines Lebens am
Leben litt und die Erfüllung im gemeinsamen Tod mit einem geliebten Menschen suchte.
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Aufgrund der Abschiedsbriefe an Marie lässt sich vermuten, dass Marie von Kleist die
wichtigste Person überhaupt in Kleists Leben war. Kleist hätte wegen Marie seinen Entschluss
zu sterben vielleicht aufgegeben. Doch in diesem Brief vom 10. November 1811 schrieb er ihr:
„Aber ich schwöre dir, es ist mir ganz unmöglich länger zu leben; meine Seele ist so wund."
(Kleist: In: ebda).
Kleist hatte außerdem große Zukunftsängste, die aus den hohen Erwartungen rühren, die er an
sich gestellt glaubte: "Aber der Gedanke, das Verdienst, das ich doch zuletzt [...] habe, gar
nicht anerkannt zu sehen, und mich von ihnen als ein ganz nichts nütziges Glied der
menschlichen Gesellschaft [...] betrachtet zu sehn, ist mir überaus schmerzhaft, wahrhaftig es
raubt mir nicht nur die Freuden die ich von der Zukunft hoffte, sondern es vergiftet mir auch
die Vergangenheit" (Kleist: In: ebda).
Foto: Beushausen. V.l.: Julia Gutjahr (Prinzessin Natalie von Oranien), Dennis Laubenthal (Prinz Friedrich von
Homburg).
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Historischer Hintergrund - Prinz Friedrich von Hessen-Homburg (1633-1708)
In seinen "Mémoires pour servir à l'histoire de la maison de Brandenbourg" beschreibt
Friedrich der Große 1751, wie der Prinz von Hessen-Homburg in der Schlacht von Fehrbellin
1675 eigenmächtig und voreilig angegriffen - und dadurch die Schlacht gewonnen habe. Diese
Legende steht allerdings im Widerspruch zu den historischen Berichten. Kleist nutzte sie
dennoch als Quelle und entwickelte den Stoff frei weiter. Das Handeln des Prinzen "ohne
ausdrücklichen Befehl" wandelte er in ein Handeln "gegen" den Befehl um.
Theodor FontaneFontane- Prinz Friedrich von HessenHessen-Homburg
„[...] Unser Prinz Friedrich ward am 9. Juni 1633 geboren. Er war der zweite Sohn des
Landgrafen Friedrich von Hessen, des Stifters der Homburgischen Linie. Er trat jung in
schwedischen Dienst, war 1659 mit vor Kopenhagen und verlor bei dieser Belagerung ein
Bein. Dasselbe wurde künstlich ersetzt, weshalb er seitdem der »Prinz mit dem silbernen
Bein« hieß. Neben Götz von Berlichingen wohl der einzige Fall einer derartigen
Namensgebung. Die Belagerung von Kopenhagen fiel in die glänzende Regierungszeit Karl
Gustavs von Schweden, nach dessen plötzlichem Tode, 1660, unser Homburger Prinz sich
zurückgesetzt fühlte, weshalb er denn auch den Abschied nahm. Wahrscheinlich 1661.
Um eben diese Zeit (1661) hatte er sich mit der Gräfin Margarete Brahe [...] vermählt
und übersiedelte nach Weferlingen, einem schönen Gute im Magdeburgischen, das ihm durch
seine Gemahlin zugebracht worden war. Hier, von Weferlingen aus, kam er an den Berliner
Hof, trat in die Armee des Kurfürsten, erhielt ein Regiment und wurde später, 1670, zum
General der Kavallerie erhoben. [...] Der Prinz befand sich (1675) mit seinem kurfürstlichen
Herrn im Elsaß, danach in Franken, allwo den 18. Mai, im Lager vor Schweinfurt, die Nachricht
vom Einfall der Schweden in die Mark Brandenburg eintraf. Der Kurfürst brach sofort auf, mit
ihm der Prinz. Am 11. Juni war er in Magdeburg, am 14. vor Rathenow, und nahm von hier aus,
nach Erstürmung eben dieser Stadt durch Derfflinger, an jener berühmt gewordenen
Verfolgung teil, die der schwedischen Armee schon am 16. und 17. in verschiedenen
Avantgarden-Gefechten erhebliche Verluste beibrachte. Am 17. waren die verfolgenden
Brandenburger bis Nauen gekommen. Von hier aus schrieb unser Prinz, dem für den nächsten
Tag eine so bedeutende Rolle vorbehalten war, an seine [zweite, die erste war schon
gestorben] Gemahlin folgenden Brief: Meine Engelsdicke, wir seint braff auf der jacht mit den
Herren Schweden, sie seint hier beim passe Nauen diesen morgen übergegangen, musten aber
bei 200 Todten zurückelassen von der arriert guarde; jenseits haben wir bei Fer-Berlin alle
brücken abgebrannt und alle übriche paesse so besetzet, das sie nun nicht aus dem lande
wieder können. Sobald unsere infanterie kombt, soll, ob Gott wolle, die ganze armada dran.
Der schwedische Feldherr war mit 3000 Mann in Havelberg, wollte die Brücke über die
Elbe machen lassen, aber nun ist er von der armada abgeschnitten und gehet über Hals
und Kopf über Ruppin nach Pommern. Sein Bruder commandirt diese 12,000 mann hier
vor uns. Wo keine sonderbare straff Gottes über uns kombt, soll keiner davon kommen,
wir haben dem Feind schon über 600 todtgemacht und über 600 Gefangene. Heute hat
Hennig [Oberst Henning von Treffenfeld, d. Verf.] wohl 150 pferth geschlagen, und
gehet alleweil Lüttique [General Lüdicke, d. Verf.] mit 1500 Mann dem Feindt in
ricken. Morgen frihe werden sie ihnen den 1. morgensegen singen. Wir haben noch kein
60 Mann verlohren, und unsere leite fechten als lewen. – in zwei Tagen haben wir
unsere infanterie und morgen den Fürsten von Anhalt mit 4000 Mann, die Kayserlichen
werden alle Tage erwartet mit 8000 Mann. Dann gehen wir gerath in pommern, und
wenn die battaglie vorbey, gehe ich nach Schwalbach, habe schont Urlaub. [...] Friedrich L. z.
Hessen. [...]
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Nichts kann uns eine bessere Vorstellung geben von der Stimmung, welche im
brandenburgischen Heere herrschte, zumal auch von der des Prinzen selbst, der nunmehr auf
vierundzwanzig Stunden in die vorderste Linie trat. Am folgenden Tage, am »Tage von
Fehrbellin«, führte er die Avantgarde, hing sich mit dieser an die Schweden, brachte sie zum
Stehen und wurde so die vorzüglichste Ursache zum Siege über dieselben. Verfuhr er anders,
so entkam der Feind. Er selber hat über diese glänzende Aktion am Tage darauf (19.) von
Fehrbellin aus, abermals in einem Briefe an seine »Engelsdicke« berichtet. Der Brief lautet:
Allerlibste Frawe! Ich sage nun E. L. hiermit, das ich gestern morgen, mit einichen Tausent
mann in die advanguart commandiret gewesen, auff des Feindtes contenance achtung zu
haben, da ich denn des Morgens gegen 6 Uhr des Feindtes gantzer armé ansichtig wurde, der
ich dann so nahe ging, das er sich muste in ein Scharmützel einlassen, dadurch ich ihn so
lange aufhielte, bis mir J. Dl. der Churfürst mit seiner gantzen Cavallerie zu Hülfe kam.
Sobalten ich des Churfürsten ankunft versichert war, war mir bang, ich möchte wider
andere ordre bekommen, und fing ein hartes treffen mit meinen Vortruppen an, da mir
denn Dörffling soforth mit einichen Regimentern secontirte. Da ging es recht lustig ein
Stundte 4 oder 5 zu, bis entlichen nach langem Gefechte die Feindte weichen musten,
und verfolgten wir sie von Linum bis Fer-Berlin, und ist wohl nicht viel mehr gehört
worden, daß eine formirte armee, mit einer starken infanterie und canonen so wohl
versehen, von bloßer Cavallerie und tragonern ist geschlagen worden. Es hilte
anfenglich sehr hart; wie denn meine Vortruppen zu weidten mahl braff gehetztet
wurden, wie noch das anhaltische und mehr andere regimenter. Wie wir den entlichen
so vigoureusement drauff gingen, das uns der Feind le champ de battaglie malgré hat
lassen, und sich in den passe Fer-Berlin retiriren muste, mit Verlust von mehr als 2000
Todten ohne die plessierten. Ich habe, ohne die zweitausend im Vortrupp
commandirten, mehr als 6 oder 8 escatronen angeführtet. Zuweilen must ich lauffen,
zuweilen machte ich laufen, bin aber diesesmahl Gottlob ohn plessirt davongekommen.
Auf schwedischer seiten ist gepliben der Obrist Adam Wachtmeister, Obr.-Liet. Malzan
von General Dalwichens (Regiment) und wie sie sagen noch gar viele hohe officirer;
Dalwig ist durch die Achsel geschosen, und sehr viele hart plessiert. Auf unser seiten
wurde mir der ehrliche Obrist Mörner an der Seiten knall und falle todt geschossen, der
ehrliche Frobenius todt mit einem Stücke, kein schrit vom Kurfürsten, Strauß mit 5
Schossen plessirt; Major Schlapperdorf blib diesen Morgen vor Ferberlin; [...] Gegeben
im Feldlager bei Fer-Berlin, den 19. Juni 1675.“ (Originalrechtschreibung)
(In: Grindl: In: http://tinyurl.com/6g4vudc).
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Aufführungsgeschichte
Zu Lebzeiten Kleists wurde der „Prinz von Homburg“, wie so viele seiner Stücke, von keiner
Bühne angenommen. Eine Aufführung scheiterte, da Prinzessin Marianne von Preußen, eine
geborene Hessen-Homburg, dadurch die Familienehre gekränkt sah. Das Stück geriet in
Vergessenheit, bis Tieck es um 1819 in literarischen Kreisen vorlas. Die Uraufführung fand erst
1821 am Wiener Burgtheater statt, vorsichtshalber unter dem Titel „Die Schlacht bei
Fehrbellin“, da in der österreichischen Armee mehrere Prinzen von Homburg dienten. Es kam
zum Theaterskandal, da eine Claque von Militärs das Publikum animierte, jede Szene schon im
vorhinein auszuzischen und zu verlachen. Nach 5 Vorstellungen musste das Stück auf
Betreiben des Erzherzogs Karl abgesetzt werden, da er befürchtete, dass das Beispiel des
Prinzen einen schlechten Einfluss auf die Armee ausüben könnte. Die 1821 folgenden
Aufführungen in Dresden und Weimar von Ludwig Tieck, dem ersten Herausgeber der
Gesammelten Werke Kleists, brachten einen literarischen Achtungserfolg, der aber den
Widerstand des preußischen Hofes gegen eine Aufführung in Berlin nicht brechen konnte. Erst
1828 konnte der Prinz von Homburg am preußischen Hoftheater, das als einzige Bühne Berlins
die Konzession für historische Dramen besaß, in einer noch abgemilderten Fassung, aufgeführt
werden. Nach 3 Vorstellungen befahl der König Friedrich Wilhelm III., dass das Stück nicht
wieder gegeben werden darf, da im militärischen Staat Preußen ein Offizier mit so wenig
Ehrgefühl den ganzen Stand lächerlich machen würde, das Stück daher staatsgefährdend sei.
Zwischen 1850 und 1945 wurde das Stück teilweise gefeiert, teilweise verdammt.
„Oh Garten, künstlich in dem märkischen Sand!
Oh Geistersehn in preußisch blauer Nacht!
Oh Held, von Todesfurcht ins Knien gebracht!
Ausbund von Kriegerstolz und Knechtsverstand!
Rückgrat, zerbrochen mit dem Lorbeerstock!
Du hast gesiegt, doch wars dir nicht befohlen.
Ach, da umhalst nicht Nike dich! Dich holen
Des Fürsten Büttel feixend in den Block.
So sehen wir ihn denn, der da gemeutert,
Mit Todesfurcht gereinigt und geläutert,
Mit Todesschweiß kalt unterm Siegeslaub.
Sein Degen ist noch neben ihm: in Stücken.
Tot ist er nicht, doch liegt er auf dem Rücken
Mit allen Feinden Brandenburgs in Staub.“
(Brecht: In: Die neue Weltbühne).
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam aus Frankreich der Anstoß zu einer Bühnen-Renaissance des
nun entpatriotisierten „Prinzen von Homburg“. Der „Prinz von Homburg“ war hier als
unhistorische Revolte des vereinzelten Individuums konzipiert. Ingeborg Bachmann betonte
den utopischen Charakter der Traumempfindung. Unter Peter Stein und Botho Strauß blieb
dieser Aspekt 1972 weiter bestimmend. Stein und Strauß nahmen die Politisierung des
Theaters, die für die 60er und 70er Jahre typisch war, zurück und ersetzten sie durch die
ästhetische Analyse der persönlichen Erfahrung gesellschaftlicher Zumutung, Beschränkung
und Unterdrückung.
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„Ich bewunderte und liebte Kleist, ich hatte den Prinz von Homburg gelesen, aber nur ein
einziges Mal auf der Bühne gesehen, in Paris, in französischer Sprache, in der Inszenierung
von Jean Vilar. Le Prince du Homburg. Gérard Philipe gab ihm Glanz, Zittern, Demut. Er sprach
französisch, war fern von Preußen, von Deutschland. Man musste das Stück lieben. Aber
konnte man das Stück noch lieben, wenn Brandenburg wieder Brandenburg war und bei dem
Kanonendonner, der den Prinzen zurück ins Leben ruft, sich die schlimmsten Assoziationen
einstellen? Einer Generation zugehörig, die nicht nur dem Volk misstraute, das seine Klassiker
missbraucht hatte, sondern auch den Dichtern misstraute, deren Werke sich so hatten
missbrauchen lassen. [...]. Es gibt in diesem Schauspiel, dessen Szenen alle zur Nachtzeit
spielen (oder in der Dämmerung oder im Morgengrauen), durch den ständigen Lichteinfall der
Sprache und einer Freiheit, die nicht eigens ihrer Verkündigung braucht, sondern sich durch
die Sprache fühlbar macht, eine große Klarheit und Helligkeit. [...]. Was an dem Stück wie die
Verherrlichung der Legitimität erscheint, ist nicht die Glorifizierung jener Legitimität (oder
sagen wir besser: Illegitimität), unter der wir seit je in unseren Ländern gelitten haben und die
Deutschland in den Abgrund geführt hat, sondern eine noch nie verwirklichte, durch die der
Staat einsichtig werden konnte, die Gerechtigkeit lebbar wird.“
(Bachmann: In: Grindl: In: http://tinyurl.com/6g4vudc).
„Was mich betrifft, so stimme ich dafür, daß [Kleists Drama, Prinz Friedrich von Homburg`]
gleichsam vom Genius der Poesie selbst geschrieben ist und daß es mehr Wert hat als all jene
Farcen und Spektakelstücke und Houwaldsche Rühreier, die man uns täglich auftischt.“
(Heinrich Heine)
„Kleists Erzählsprache ist etwas absolut Singuläres. Es genügt nicht, sie ‚historisch` zu lesen –
auch zu seiner Zeit hat kein Mensch so geschrieben wie er.“ (Thomas Mann)
„Ich dichte bloß, weil ich es nicht lassen kann.“ (Heinrich von Kleist)
„So musste der Prinz uns erscheinen als der erste moderne Protagonist, schicksallos, mit sich
allein in einer ‚zerbrechlichen Welt` und uns darum nah, kein Held mehr, komplexes Ich und
leidende Kreatur in einem, ein ‚unaussprechlicher Mensch`, wie Kleist sich selbst genannt hat,
ein Träumer, Schlafwandler, der Herr seiner selbst wird.“ (Ingeborg Bachmann)
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Das Bühnenbild und die Kostüme
Die verschlungenen Wege zur Spielfläche auf der Bühne (kupferfarbene Gitter) stehen sowohl
für die Kompliziertheit und Verborgenheit der unterschiedlichen Spielorte, wie für die
geheimnisvolle Persönlichkeit des Prinzen. Die variablen Elemente (silberfarben) ermöglichen
unterschiedliche konkrete Bühnen: Rampe, Tisch, Zentrum der Macht, etc.. (Ein
Bühnenbildmodell des Ausstatters Jeremias Vondrlink).
In dem Stück werden keine historisch genauen Kostüme verwendet. Das liegt daran, dass das
Theaterstück den militärischen und gesellschaftlichen Verhältnissen von 1810 angepasst ist.
Die nachgespielte Handlung (Schlacht bei Fehrbellin) ereignete sich jedoch am 18. Juni 1675.
Daher würden die historisch genauen Kostüme einen unerwünschten Schwerpunkt setzen. Das
Kleid ist weiß aus bestickter Rohseide und hat einen dunkelblauen Überrock aus Samt, der an
der hohen Taille befestigt ist. Das Kleid ist in Anlehnung an den Empire-Stil gefertigt worden,
eine Modeform, wie sie zu Lebzeiten Heinrich von Kleists getragen wurde (Kostüme des
Ausstatters Jeremias Vondrlink).
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Vorbereitung und Nachbereitung - Anregungen für die Spielleiter
Bei der Vorbereitung auf den Theaterbesuch werden die SchülerInnen an die Inszenierung
herangeführt. Über die Nachbereitung wird das Theaterstück ins Gedächtnis gerufen, über das
Gesehene nachgedacht, entstandene Fragen werden diskutiert und reflektiert. Die folgenden
Übungen bilden einen Übungspool. Die Übungen können für die Vor- und/oder Nachbereitung
genutzt werden.
Abklopfen und Abstreichen – Alleine
Der Körper wird abgeklopft, die Arme, die Hände, die Beine, die Füße, Rücken, Bauch etc. Im
Anschluss den Körper abstreichen.
Abklopfen und Abstreichen – Gemeinsam
Diese Übung lässt sich auch schön im Kreis machen, wenn die Gruppe keine Berührungsängste
hat. Den Kreis recht eng machen, alle drehen sich in eine Richtung und geben ihrem
Vordermann, ihrer Vorderfrau eine kleine Massage, immer nach den Wünschen desjenigen, der
„massiert“ wird.
Klatschkreis
Wir stehen im Kreis. Es wird ein Klatsch-Impuls im Kreis herumgegeben, dabei sollten Sender
und Empfänger stets zu erkennen bleiben. Verschiedene Variationen sind möglich:
• Ein Empfänger ruft und signalisiert laut ein „Stop!“ dann geht der Impuls in die
entgegengesetzte Richtung zurück.
• Ein Empfänger duckt sich, der Impuls überspringt die Person und muss nun vom
nächsten aufgenommen und weitergegeben werden.
• Ein Empfänger gibt den Klatscher durch die Mitte des Kreises begleitet von einem
„there we go“. Wo der Klatscher ankommt, wird er wieder in den Kreis gegeben.
• Ein Empfänger ruft laut „freak out“. Alle rennen durch den Kreis und suchen sich einen
neuen Platz. Derjenige der „freak out“ gerufen hat, gibt den Klatscher nun wieder im
Kreis herum.
Status
Über Status schreibt Keith Johnstone, Schauspiellehrer und Lehrer von Improvisationstheater:
„Ohne Status könnten wir im Flur nicht aneinander vorbeigehen, ohne Schläge auszutauschen.
Da dies körperliche Verletzungen mit sich bringen könnte, suchen wir einander nach
Statussignalen ab, und derjenige, der Tiefstatus akzeptiert, weicht aus. Wenn wir uns über den
Status nicht einigen können, entsteht eine unangenehme Situation, wenn wir nur zur gleichen
Zeit durch die Tür gehen wollen. [...]. Wenn unser Status nie gefährdet wäre, wären wir alle
gelassen und ausgeglichen; unsere Hälse wären lang und unsere Bewegungen würden mühelos
wirken. Aber wir besänftigen Hochstatusleute, indem wir unsere Haltung ruinieren und
unseren „Raum“ einschränken“ (Johnstone: In: Theaterspiele 1998).
Hochstatus
Tiefstatus
geschmeidige Bewegungen
ruckartige Bewegungen
Kopf nach oben gerichtet und ruhig
Kopf hängen lassen oder unruhig
bewegen
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Körper ist aufgerichtet und
angespannt
Blick ist streng, Blickkontakt halten
Wenig Augenzwinkern
Hände ruhig
Körper ist in sich gekehrt und
schlapp
Blick schweift umher
Häufiges Augenzwinkern
Hände unruhig, oft im Gesicht
Füße gerade
Füße etwas nach innen gedreht
Vollständige, lange Sätze
Bruchstückhafte Sätze
Durch den Raum führen
Die Spieler gehen zu zweit zusammen, der eine führt, der andere folgt auf verschiedenste
Weise durch den Raum: freundlich an die Hand nehmen, mit Befehlston vor sich her stoßen, an
beiden Armen ziehen, schieben, ohne Körperkontakt, mit geschlossenen Augen usw.
Die Rollen werden gewechselt, anschließend über die Erfahrungen berichtet.
Statusspiel I
Die Spieler stellen sich in zwei Reihen einander gegenüber auf, sodass jeder einen Partner vor
sich stehen hat. Nun wird festgelegt, welcher von den beiden Hochstatus und welcher
Tiefstatus ist. Jetzt laufen sich die Partner langsam entgegen und spielen dabei (ohne Sprache)
ihren Status. Je näher sie kommen, je mehr betonen sie ihren Status. Dann wird gewechselt.
In einer weiteren Runde nähern sich die Partner wieder in ihrem Status an, versuchen aber in
der Mitte langsam den Status zu tauschen und sich dann mit neuem Status wieder zu ihrer
Ausgangsposition zurückzubewegen.
Statusspiel II
An drei Spieler werden verdeckt Karten mit Nummern von 1 – 3 ausgeteilt. Die Nummern
geben an, wer in der zu improvisierenden Szene welchen Status innehat (1 höchster, 2
mittlerer, 3 tiefster Status). Einser müssen versuchen, jedermann zu dominieren, doch
vorzugsweise dominieren sie einen Zweier; Zweier brauchen Dreier, um sie zu beherrschen,
und Einser, um zu ihnen aufzublicken; Dreier blicken zu allen auf, aber sehnen sich nach
einem Zweier, um einen Bezug zu haben. Nun soll eine kurze Szene improvisiert werden, in
der jeder versucht, seinen Status zu zeigen. Als Rollen bieten sich Themen des realen Umfelds
an wie „Vater, Mutter, Kind“, „Schulleiter, Lehrer, Schüler“, oder aber auch Figuren aus dem
Stück.
Danach sollte eine kurze Reflexion erfolgen, wie die Spieler sich je nach Status gefühlt haben.
Welchen Status hat Prinz Friedrich von Homburg im Verhältnis zum Kurfürsten, welchen zu
Kottwitz, welchen zu Prinzessin Natalie etc.?
Statusspiel III
Es werden 2 Reihen gebildet, die sich gegenüber stehen. Eine Reihe hat die Aufgabe,
Tiefstatusfiguren zu spielen, die anderen Hochstatusfiguren. Ein Spieler einer Reihe beginnt
mit einer beliebigen Figur seines Status’, z. B. Hochstatus: „Meier, was haben Sie sich dabei
gedacht?“ Aus der gegenüberstehenden Reihe muss nun ein beliebiger Spieler im Tiefstatus
die passende Rolle ergänzen, z.B. „Chef, tut mir Leid...“ Die Dialoge werden nur kurz
angespielt, bis die Situation klar ist, dann folgt ein neues Paar.
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Statuenwald
Jeder Schüler bekommt einen Satz (s.u.) aus dem Stück. Die SchülerInnen gehen durch den
Raum. Sie sprechen den Satz für sich. Beginnen zu murmeln, werden nach und nach immer
lauter. Der Spielleiter gibt verschiedene Stimmungen hinein: traurig, wütend, gelangweilt,
fröhlich, hysterisch. Zu dem Satz findet jeder eine Bewegung, eine Geste, die seiner Meinung
nach passt. Die Hälfte der Gruppe merkt sich den Satz und die Bewegung und geht ins
Publikum, die Spieler der anderen Gruppe suchen sich einen Ort und sind nun Standbilder. Der
Spielleiter kann durch antippen die Spieler „an- und ausschalten“. Solange der Spieler
„eingeschaltet“ ist, wiederholt er den Satz und seine Bewegung in Schleife.
Statuengruppe
4 bis 5 Spieler werden zu einer Gruppe zusammengefasst und bekommen die Aufgabe, ihre
Sätze und Bewegungen zu einer kleinen Sequenz zusammenzustellen mit einem Höhepunkt
und einem Ende. Ziel ist eher eine kleine Choreographie als eine Szene.
Statuen-Szene
Der Spielleiter bittet einige Statuen auf die Bühne, sie werden nacheinander ein- und
ausgeschaltet, das Publikum stellt nun daraus Paare zusammen. Dabei werden die Sätze
beliebig zusammengestellt, unabhängig vom ursprünglichen Szenentext. Aus den
Paarzusammenstellungen lassen sich nun mit Hilfe des Publikums kleine Szenen entwickeln.
Zunächst wird geklärt, wer die Figuren sind, wo sie sich befinden und wie die
Ausgangssituation ist. Gehen den Spielern die Ideen aus, stoppen sie und fragen das
Publikum: „Und was kommt jetzt?“ Das Publikum muss nun Vorschläge machen für den
Fortgang der Szene. Dann wird weiter gespielt.
Beziehungen
Jeder sucht sich eine Rolle aus dem Stück (Mehrfachbesetzungen möglich). Beim ersten
Durchlauf ruht das Hauptaugenmerk auf dem Prinzen. Alle anderen Rollen setzen sich zu ihm
in Beziehung, d. h., sie zeigen durch die Entfernung und Körperhaltung ihr Verhältnis zu ihm.
Dabei soll auch darüber gesprochen werden, wer jeweils Hoch – oder Tiefstatus innehat.
Figurenarbeit - Heißer Stuhl
Jeder Schüler sucht sich eine Figur aus. Ein Schüler, eine Schülerin setzt sich auf einen Stuhl
der Gruppe gegenüber. Nun werden alle möglichen Fragen an die Figur gestellt. Dabei kann sie
selber antworten, es können aber auch Spieler aus der Gruppe sich hinter den Stuhl stellen
und an ihrer Stelle antworten: Wie ist Dein Name? Wie alt bist Du? Wo lebst Du? Wie groß ist
Deine Wohnung und wie bist Du eingerichtet? Mit wem lebst Du zusammen? Hast Du
Geschwister? Wen magst Du am liebsten? Hast Du einen Beruf? Welche Arbeit macht Dir Spaß,
welche nicht und warum nicht? Hast Du viele Freunde? Was magst Du an Dir? Was ist Dein
Lieblingsessen? usw.
Automatisches Schreiben und Improvisation
Sätze aus dem Stück werden auf dem Boden verteilt. Die Schüler laufen umher und sprechen
die Sätze in verschiedenen Stimmungen. Sie suchen sich einen Satz aus und bekommen Stift
und Papier. Sie werden aufgefordert, zu dem ausgesuchten Satz alles aufzuschreiben, was
ihnen in den Sinn kommt und zwar völlig ungefiltert. Das können Stichwörter oder Sätze sein,
wichtig ist einfach loszuschreiben, ohne den Stift abzusetzen. Fällt einem nichts ein,
wiederholt er das letzte Wort so lange, bis sich wieder ein Gedanke einstellt. Nach 8 bis 10
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Minuten wird gestoppt. Das Geschriebene soll nicht korrigiert werden. Jeder sucht sich aus
seinem Text einen Satz oder Ausdruck heraus. Alle wandern sprechend durch den Raum und
probieren wieder verschiedene Stimmungen aus. Danach werden – immer noch gehend –
verschiedene Bewegungen und Gesten ausprobiert. Jeder Spieler sucht sich eine Bewegung
aus, dann wird verfahren wie beim Statuenwald (s.o.).
Haiku
Um dem eigenen geschriebenen Text eine weitere Form zu geben, kann ein Haiku entwickelt
werden. Ein Haiku besteht aus drei Zeilen. Die erste Zeile ist 5-sielbig, die zweite 7-silbig und
die dritte ist 5-silbig. Die Gedichte können Ausgangsmaterial für kleine Collagen o.ä. sein.
Reflexion - Assoziationen
Die SchülerInnen stehen in einem Kreis, werfen sich einen Ball zu, den sie mit einer Äußerung
zu dem Stück verbinden. Das können einzelne Wörter, aber auch Sätze sein. Die Äußerungen
werden nicht bewertet, es gibt kein Richtig und kein Falsch!
Raumlauf
Die SchülerInnen laufen durch den Raum und umkreisen verschiedene ausgedruckte Begriffe,
die auf dem Boden liegen. Die Begriffe stehen in Zusammenhang mit dem Stück: Krieg,
Demütigung, Minderwertigkeit, Hilflosigkeit, Lust, Liebe, Gesetze, Rebellion, Schuld. Oder:
traurig, interessant, bewegend, langweilig, dramatisch, unterhaltend, spannend, abstoßend,
lustig...
Die SchülerInnen markieren mit einem Stift, welche Begriffe ihrer Meinung nach für die
Vorstellung kennzeichnend oder wichtig sind. Abschließend stellen sie sich zu dem Begriff, der
ihnen am wichtigsten ist und begründen dies.
Nachgespräch
Das Nachgespräch in der Gruppe sollte nicht frontal stattfinden. Ein Stuhlkreis oder eine uförmige Bankanordnung sind geeignet. Fragen, die von SchülerInnen gestellt werden, sollten
möglichst an die Gruppe weitergegeben werden.
• „Was hat Dir gefallen?“
• „Was hat Dir weniger gefallen?“
• „Wie gefielen Dir die Kostüme?“
• „Wie hat Dir das Bühnenbild gefallen?“
• „Welche Szene ist Dir besonders in Erinnerung geblieben? Warum?“
• „Welches war der spannendste Moment?“
• „Wodurch unterscheidet sich die Inszenierung von anderen Theaterstücken, (die Du
gesehen hast)?“
• „Hat etwas Dir gefehlt?“
• „Was nehmt Ihr von dem Stück mit?“
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Sätze für Statuen-Spiel
Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.
Es ist nichts weiter, glaub mir auf mein Wort.
Natalie! Mein Mädchen! Meine Braut!
Was ist dies für ein Handschuh?
Was weiß ich?
Ich weiß nicht, liebster Heinrich, wo ich bin.
Schelm, der du bist, mit deinen Visionen!
Was befiehlt mein Marschall?
Ich dank euch, edler Prinz.
Noch vor der Sonn im Schlachtfeld will ich sein!
Schießt! Schießt! Und macht den Schoß der Erde bersten!
Ich nehms auf meine Kappe.
Hat man denn schon die Leiche aufgefunden?
Hast du die Reuterei geführt?
Ich, ein Gefangener?
Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen?
Die Order war, nicht von dem Platz zu weichen!
Um das Schwert, das ihm den Sieg errang, schlingt sich vielleicht ein
Schmuck der Gnade.
Das Kriegsrecht musste auf den Tod erkennen.
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Der im Leben tausendmal gesiegt, er wird auch noch im Tod zu siegen
wissen!
Darf ich den Spruch, den das Gericht gefällt, wohl unterdrücken?
Kennst du nichts Höheres, Jungfrau, als nur mich?
Es ist nicht möglich! Nein! Es ist ein Traum!
Schuld ruht, bedeutende, auf meiner Brust.
Herr, diese Bittschrift deines treuen Heers.
Vergib, wenn ich am Tage der Entscheidung, mit übereiltem Eifer dir
gedient.
Nein, sagt! Ist es ein Traum?
Ein Traum, was sonst?
„Das Leben nennt der Derwisch eine Reise,
Und eine kurze. Freilich! Von zwei Spannen
Diesseits der Erde nach zwei Spannen drunter.
Ich will auf halbem Weg mich niederlassen!
Wer heut sein Haupt noch auf der Schulter trägt,
Hängt es schon morgen zitternd auf dem Leib,
Und übermorgen liegts bei seiner Ferse.
Zwar, eine Sonne, sagt man, scheint dort auch,
Und über buntre Felder noch, als hier:
Ich glaubs; nur schade, dass das Auge modert,
Das diese Herrlichkeit erblicken soll.“ (Prinz Friedrich von Homburg)
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Literatur
a) Kleist: In: Über die Aufklärung des Weibes. Für Wilhelmine von Zenge: In:
http://tinyurl.com/67snvgy, gefunden am 07.01.2011.
b) Kleist: In: Sämtliche Briefe: In: http://tinyurl.com/5tu6oyh, gefunden am 07.01.2011.
Grindl: Die Behandlung von Kleists Prinz Friedrich von Homburg im Grundkurs 12 unter
Einbeziehung neuer Arbeitsformen, 1999: In: http://tinyurl.com/6g4vudc, gefunden am
07.01.2011.
Brecht: Über Kleists Stück Der Prinz von Homburg. In: Die neue Weltbühne, Paris, 22. Juni
1939. Zitiert nach Helmut Sembdner: Heinrich von Kleists Nachruhm. Frankfurt 1984. (Nr.
595), S. 491.
Johnstone, Keith: Theaterspiele, 1998.
Service. Theater & Schule
Vor -und Nachbereitungen: Sollte Sie das Material neugierig gemacht haben, so
unterstützen wir Sie gerne bei einer Vor- und Nachbereitung an Ihrer Schule.
Pädagogenstammtisch: Beim Stammtisch haben Sie in regelmäßigen Abständen die
Möglichkeit, sich mit KollegInnen auszutauschen, Probleme zu diskutieren, Erfahrungen und
Anekdoten preiszugeben und einfach zu „klönen“. Die TheaterpädagogInnen des WLT bereiten
das Treffen vor. Bei besonderem Interesse an einem Thema veranstalten wir auch gerne einen
Workshop.
Spielplan: Unseren Spielplan entnehmen Sie dem großen Spielzeitheft und/oder unserem
Leporello. Beides senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu! Alle Informationen können Sie auch
auf unserer Homepage www.westfaelisches-landestheater.de abrufen.
Buchung: Karten können Sie unter der Telefon-Nr.: 02305/ 97 80 20 (Frau Behlau) bestellen.
Wenn Sie eine komplette Vorstellung buchen möchten, so können Sie sich an Frau Tymann
unter der Rufnummer 02305/ 97 80 14 wenden.
Fragen: Scheuen Sie sich nicht, bei weiteren Fragen oder Anregungen, mit uns in Kontakt zu
treten.
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Kaufmännischer Direktor
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Redaktion
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Ralf Ebeling
Günter Wohlfarth
Europaplatz 10 44575 Castrop-Rauxel
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02305/978010
www.westfaelisches-landestheater.de
Franziska Rieckhoff
Januar 2011
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