Frühkindlicher Autismus

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Frühkindlicher Autismus
Ursachen, Symptomatik und
Behandlungsmöglichkeiten
Verfasser: Anna Steininger
Betreuer: Mag. Edith Moser
Unterrichtsgegenstand: Psychologie
Schule:GRG3 Hagenmüllergasse
Schuljahr 2000/01
2
Inhaltsverzeichnis:
1.Vorwort.....................................................................................................3
2.Begriffserläuterung.....................................................................................4
3.Geschichte..................................................................................................6
4.Ursachen....................................................................................................7
4.1.Die psychogene Hypothese...................................................................7
4.2.Genetische Faktoren.............................................................................8
4.3.Hirnschädigungen...............................................................................10
4.4.Biochemische Komponenten...............................................................11
4.5.Multikausalität....................................................................................12
4.6.Neueste Forschungsergebnisse............................................................13
5.Früherkennung.........................................................................................16
6.Symptomatik............................................................................................17
6.1.Verhalten im ersten Lebensjahr..........................................................17
6.2.Sprachstörungen.................................................................................18
6.3.Intelligenz...........................................................................................19
6.4.Spezielle Fähigkeiten..........................................................................20
6.5.Soziales Verhalten..............................................................................21
6.6.Wahrnehmung....................................................................................22
6.6.1.Probleme der auditiven Wahrnehmung.......................................22
6.6.2.Probleme der visuellen Wahrnehmung........................................23
6.6.3.Andere Sinnesbereiche...............................................................24
6.7.Motorisches Verhalten........................................................................24
6.8.Stereotypien.......................................................................................25
7.Behandlung bzw. Therapien.....................................................................26
7.1.Integration………………………………………………………..…..26
7.2.AIT Auditory Integration Training……………………………………28
7.3.Sprachförderung.................................................................................30
7.3.1.IBM Sprechspiegel III...............................................................30
7.3.2.ELA Everyday Life Activities…………………………………..31
7.3.3.Lernsystem GEBILEX……………………………………….....32
7.4.Sensorische Integrationstherapie.........................................................33
7.5.Verhaltensorientierte Autismustherapie...............................................34
7.6.Psychoanalytische Autismustherapie...................................................35
7.7.Weitere Therapieformen.....................................................................36
7.8.Ziele der Autismustherapie.................................................................36
7.9.Hindernisse der Autismustherapie.......................................................37
8.Darstellung der Situation in Österreich.....................................................37
8.1.Statistische Daten...............................................................................37
8.2. Die Österreichische Autistenhilfe (ÖAH)...........................................38
9.Fotogalerie autistischer Kinder.................................................................42
10.Zusammenfassung/Nachwort.................................................................44
Glossar.......................................................................................................45
Quellenverzeichnis......................................................................................47
Bilderverzeichnis........................................................................................48
Abkürzungsverzeichnis...............................................................................48
3
1. Vorwort
Autismus ist eine relativ seltene Krankheit und ich denke, dass vielen Leuten
dieses Syndrom nicht bekannt ist. Auch mir war, abgesehen vom Film
„Rainman“, in dem Dustin Hoffman einen Autisten spielt, nicht bewusst, was
diese Krankheit überhaupt bedeutet. Also begann ich mich näher damit zu
beschäftigen und beschloss im Juni 2000 meine Fachbereichsarbeit darüber zu
schreiben. So besorgte ich mir stapelweise Bücher, die ich in den
Sommerferien gierig verschlang. Am meisten interessierte mich sofort der
frühkindliche Autismus, da ich es unglaublich finde, wie sich so eine Krankheit
schon im Säuglingsalter manifestieren kann.
Obwohl Autismus relativ selten ist, habe ich auch einige Seiten im Internet
gefunden. Eine der bemerkenswertesten Homepages möchte ich hier besonders
erwähnen. Nämlich die, die eine Mutter für ihren autistischen Sohn gestaltet
hat. Sein ganzes Leben ist hier dokumentiert und man wird wirklich gut über
Autismus, speziell über den frühkindlichen Autismus informiert.
Nachdem ich nun genug über Autismus gelesen hatte, wollte ich auch wissen,
ob es einen Verein oder dergleichen speziell für Autisten in Österreich gibt und
wurde schnell fündig. Ich machte mir einen Termin in der Zweigstelle der
Österreichischen Autistenhilfe in Wien aus und wurde dort auch herzlich
empfangen. Frau Krehan, eine Mitarbeiterin dieser Anlaufstelle, berichtete mir
begeistert über den Verein und über Autismus an sich. Die Österreichische
Autistenhilfe möchte ich auch hier in meiner Fachbereichsarbeit in einem
eigenen Kapitel erwähnen, da ich es besonders wichtig finde, dass solche
Anlaufstellen existieren, die sich nicht nur um die Krankheit selbst kümmern,
sondern auch versuchen, den „Patienten“ eine gesicherte Zukunft zu bieten.
Ich will somit den Menschen, denen das autistische Syndrom noch unbekannt
ist, einen kleinen Einblick in die Welt der Autisten geben.
4
2.Begriffserläuterung
Autismus ist zwar eine relativ seltene psychische Störung, es treten jedoch
verschiedene Arten dieses Syndroms auf.
Vorerst eine allgemeine Definition:
Autismus kommt vom griechischen Wort „αύτός“ („autos“), was soviel wie
„für sich“ bedeutet. Das autistische Syndrom ist in erster Linie eine Störung in
der Wahrnehmungsverarbeitung.
Eine Wahrnehmungsverarbeitungsstörung bedeutet, dass das Kind mit intakten
Sinnesorganen die Umweltreize nicht richtig einordnen und miteinander
koordinieren kann. Dadurch ergeben sich große Probleme, das Verhalten
anderer zu verstehen und sich der Umwelt gegenüber verständlich zu machen.
Es fehlen Kommunikationsstrategien, die aus vielen, einzelnen
Verhaltensweisen bestehen. Eine mögliche Folge dieser Störung in der
Reizverarbeitung sind stereotype Verhaltensweisen, die aber in der
Entwicklung hinderlich sind, da sie immer nach dem gleichen Muster ablaufen
und kaum durch neue Erfahrungen ergänzt werden. Hinzu kommt, dass die
meisten Autisten keine aktive Sprache entwickeln. Das Intelligenzniveau ist
sehr unterschiedlich; es kann zwischen geistiger Behinderung bis
überdurchschnittlich liegen.
Dennoch ist die Intelligenz autistischer Menschen äußerst schwierig zu testen,
da sie die Testanweisungen meist nicht befolgen. Oft zeigen sich erstaunliche
Teilleistungen auf gebieten, die kein soziales Verhalten voraussetzen (z.B.
Rechnen, Musik,..)
Autismus kommt als Grundsymptom z.B. auch bei Schizophrenie vor.
Grundsätzlich gilt unter folgenden Störungsbildern zu unterscheiden:
Frühkindlicher Autismus, Atypischer Autismus, Asperger Syndrom und RettSyndrom
5
Worauf sich diese Fachbereichsarbeit spezialisiert, ist der Frühkindliche
Autismus, den ich folgendermaßen definiere:
Der Frühkindliche Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die
sich schon vor dem 3. Lebensjahr manifestiert.
Er ist außerdem gekennzeichnet durch ein charakteristisches Muster abnormer
Funktionen in den folgenden psychopathologischen Bereichen: in der sozialen
Interaktion, der Kommunikation und im eingeschränkten stereotyp repetitiven
Verhalten. Neben diesen spezifischen diagnostischen Merkmalen zeigt sich
häufig eine Vielzahl unspezifischer Probleme, wie Phobien, Schlaf- und
Essstörungen, Wutausbrüche und (autodestruktive) Aggression.
In der internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden folgende Auffälligkeiten für den
frühkindlichen Autismus genannt:
1. Qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen
2. Beeinträchtigung in der Kommunikation und Phantasie
3. Deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen1
Atypischer Autismus:
Die auffällige Entwicklung beginnt erst nach dem 3. Lebensjahr und entspricht
nicht allen Merkmalen des autistischen Syndroms.
Asperger Syndrom:
Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende
allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. durch den fehlenden
Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Meistens
tritt mit dieser Störung auffallende Ungeschicklichkeit auf.
1
aus: http:// www.autismus.com
6
Rett- Syndrom:
Von dieser Störung sind nur Mädchen betroffen. Nach anfänglicher normaler
Entwicklung kommt es zu einer Abnahme des Kopfwachstums zwischen dem
5. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr. Charakteristisch sind der zeitgleiche
Verlust der Sprache und der Fähigkeit zielgerichteter Handbewegungen, statt
denen Stereotypien auftreten.
Hinzu kommen Kommunikationsstörungen, sowie Störungen in der sozialen
Interaktion und Hyperventilation. Es kommt fast immer zu einer schweren
Intelligenzminderung.
3. Geschichte:
Der Begriff „Autismus“ wurde bereits 1914 von dem Schweizer Psychiater
Eugen Beuler geprägt. Er bezeichnete damit das einseitig auf sich bezogene
Denken, das er vor allem bei Schizophrenen beobachtet hatte. Beuler erweiterte
die Bezeichnung „autistisch“ auch noch. So schrieb er in einer seiner Schriften
von 1919 über „das autistisch- undisziplinierte Denken in der Medizin und
seine Überwindung“.
Als eigenständige Krankheit, die sich von der Schizophrenie unterscheidet und
in der Kindheit beginnt, wurde Autismus erst 1943 bzw.1944 vom
amerikanischen Psychiater Leo Kanner beschrieben. Er und der Wiener
Pädiater Hans Asperger beobachteten unabhängig voneinander eigenartige
Verhaltensweisen bei Kindern, „bei denen Kontaktstörungen und extreme
Bezogenheit auf sich selbst die am meisten hervorstechenden Merkmale sind.“2
So nannte Kanner dieses Erscheinungsbild „frühkindlichen Autismus“ (early
childhood autism) und Asperger „autistische Psychophatie“.
„Da Asperger jedoch in deutsch und während der Kriegsjahre schrieb, wurde
seine Arbeit, die viele detaillierte klinische Beschreibungen enthielt, weniger
bekannt und nicht völlig verstanden.“3
2
Kehrer, Hans E.: Autismus; Diagnostische, therapeutische und soziale Aspekte. Roland
Asanger Verlag, Heidelberg, 1989, S.9
3
Aarons, Maureen und Gittens, Tessa: Das Handbuch des Autismus: Ratgeber für Eltern und
Fachleute. Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1994, S.22
7
Erst Ende der vierziger Jahre wurde diese schwere Verhaltensstörung in
Europa als neues Syndrom bekannt.
In den ersten Jahrzehnten nach der Entdeckung der autistischen Störung
interessierte man sich vorwiegend für die Diagnose und man stellte
Untersuchungen an, um mögliche Ursachen zu finden.
In dieser Zeitspanne kam es immer wieder zu Neuentdeckungen und
Falsifizierungen aufgestellter Theorien. Und bis heute stehen noch viele
grundlegende Fragen über die Störung Autismus offen.
4. Ursachen
4.1. Die psychogene Hypothese:
Vor allem L. Kanner, B. Bettelheim, und N. und E.A. Tinbergen gingen davon
aus, dass das Verhalten der Eltern, insbesondere der Mutter, eine entscheidende
Rolle bei der Entstehung von Autismus spielt.
Der psychogenen Theorie zufolge besteht schon vor der Geburt des Kindes bei
der Mutter eine Persönlichkeitsstörung, so dass sie nicht in der Lage ist
während der ersten Lebenswochen zu dem sonst ganz normalen Säugling eine
liebevolle Beziehung aufzubauen.
Auch N. und E.A. Tinbergen hielten folgende Aspekte als „autismogene
Faktoren“:
In der Schwangerschaft der Mutter soll es „Mangel an Selbstvertrauen“ oder
„unsanftes Knuffen“, wenn sich das Kind im Mutterleib bewegt, sein.
Während der Geburt sollen Benommenheit der Mutter und deren eventuelle
Narkose autismogen sein. Bei Zangengeburten werde das Kind durch diese
Manipulation „furchtbar erschreckt“ und könne damit „tiefgreifend seelisch
geschädigt“ werden. Nach der Geburt wird der sofortige Körperkontakt mit
der Mutter „schon in den ersten Minuten, ja Sekunden“ gefordert.(...); weiter
wird das Aufziehen in einem Brutkasten bei einem Frühgeborenen als
autismogener Faktor genannt.4
4
Kehrer, Hans E.: Autismus: S.74
8
Weiters zur Entstehung von Autismus beitragend soll in etwas späteren Phasen
der Entwicklung des Säuglings die Geburt eines Geschwisterkindes vor dem 18.
Lebensmonat des ersten, häufige Besuchsfahrten mit dem Kind, übertriebene
Ängstlichkeit der Mutter oder Fernbleiben der Mutter zum Beispiel durch deren
Berufstätigkeit, sein.
Diese etwas veraltete Anschauung enthält jedoch folgende Schwächen:
• Einige von diesen Erlebnissen haben fast alle Kinder in der ganzen Welt –
sicher auch in einer gewissen Summierung- gemacht und wurden nicht
autistisch.
• Ainsworth 1962, Bowlby 1952, O’Connor 1956 und andere haben folgendes
beobachtet:
Bei Kindern, die in einer völlig anregungsarmen Umwelt aufwachsen, die z.B. von
Geburt an einer schlecht geführten Institution überlassen sind und keine Möglichkeit zur
Entwicklung einer stabilen Beziehung zu einem Erwachsenen haben, besteht anscheinend
kein erhöhtes Risiko zur Entwicklung von kindlichem Autismus.(...) Lang andauernde
Abnormitäten, die möglicherweise als Folge solcher reizarmen Umwelt entstehen, sind
vermutlich eher Retardierung der Intelligenz und Störungen der Persönlichkeit als
spezifische Krankheitssymptome.5
• Es liegen keine wissenschaftlich akzeptierten Beweise dafür vor,
„daß Mütter autistischer Kinder im Vergleich zum Durchschnitt besonders
gefühlskalt sind oder besondere Schwierigkeiten haben, eine gute
Gefühlsbeziehung zu einem Baby herzustellen.“6
• Ein Großteil der Mütter hat außer dem autistischen Kind auch noch
normale Kinder.
4.2.Genetische Faktoren:
• Chromosomen-Anomalie:
Am Duke Center for Human Genetics in North Carolina fanden
Wissenschaftler jene Veränderung an Genen, die Autismus auslösen sollen.
5
Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: Klinische, pädagogische und soziale Aspekte.
4.Auflage, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1992, S.46
6
eben da, S.46f
9
Die Genetikerin Margaret Pericak-Vance und ihre Kollegen sammelten
genetische Informationen von mehr als 100 Familien, die mindestens zwei
autistische Kinder haben. Sie verglichen die Gene der Eltern und Geschwister
mit denen der autistischen Kinder, und konnten so zwei recht eng begrenzte
genetische Regionen ausmachen:
In einer kleineren Region des Chromosoms 15 fanden sie bei einigen autistischen
Kindern verdoppelte oder zerstörte Gene. Einige dieser Gene dürften ein Signal im
Gehirn erkennen. Mindestens eine Form von Autismus ist nachweislich mit einem dieser
sogenannten GABA- Rezeptor- Gene verbunden.7
Eine mögliche Ursache für Autismus kann auch eine genetische Variante auf
dem Chromosom 7 sein. Durch Forschungen fand man heraus, „dass die
Region des Chromosoms 7 anfällig dafür ist, wegzubrechen und sich dann
mit seinem Chromosomenpaar wieder zu verbinden.“8
Anscheinend funktioniert diese Neukombination aber in einigen Fällen
nicht und Teile des Chromosoms werden nicht ordnungsgemäß dupliziert.
• Mit Zwillingsuntersuchungen aus Europa und den USA konnte man
nachweisen, „daß ein eineiiges autistisches Zwillingskind mit sehr viel
größerer Wahrscheinlichkeit ein autistisches Zwillingsgeschwister hat als ein
zweieiiges autistisches Zwillingskind.“9
Daraus folgerte man einen genetischer Ursachenfaktor.
Jedoch kann man auch diese Hypothese nicht verallgemeinern, da nicht alle
eineiigen autistischen Zwillingskinder ein autistisches Zwillingsgeschwister
haben.
Abbildung 1 veranschaulicht das Vorkommen von Autismus
bei Zwillingen:
7
http://www.dielebenshilfe.at/DBPages/00/01/35/89.html
eben da
9
Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus. Wilhelm Heyne Verlag, München, 1993, S.45
8
10
4.3.Hirnschädigungen:
Bei der dritten Möglichkeit zur Verursachung von Autismus handelt es sich
um sogenannte exogene Hirnschädigungen.
„Darunter versteht man alle negativen Einflüsse, die von außen auf das
Gehirn einwirken, einschließlich des Sauerstoffmangels bei der Geburt.“10
Abbildung 2 zeigt, welche exogene Hirnschädigungen vor, während und nach
der Geburt, möglich sind.
Abb.2: Exogene Hirnschädigungen:
• Röteln:
„Neugeborene, deren Mütter während der ersten 3 Schwangerschaftsmonate
an Röteln erkrankten, werden zehnmal häufiger autistisch als Kinder, die von
einer Rötelembryopathie verschont blieben.“ 11
• Hyperglykämie:
Erhöhter Blutzuckerspiegel der Mutter während der Schwangerschaft.
• Anoxie:
Sauerstoffmangel im letzten Drittel der Schwangerschaft, perinatal oder
postnatal.
• Geburtsverletzungen mit nachfolgenden Hirnblutungen oder
Rissverletzungen der Hirnhäute
• Hypoglykämie:
Zu niedriger Blutzuckerspiegel des Neugeborenen
10
11
Kehrer, Hans E.: Autismus: S. 78
Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus: S.40
11
• Ikterus:
Gelbsucht des Neugeborenen
• Cytomegalievirus:
Bei oder vor der Geburt auf das Kind übertragenes Virus, das schwere
Allgemeinerscheinungen, unter anderem auch Gehirnblutungen und Krämpfe
hervorruft.
• Infektionskrankheiten, wenn sie das Zentralnervensystem befallen:
- Toxoplasmose:
Als besonders gefährlich gelten der Verzehr von rohen Eiern und
unzureichend gegartem Fleisch, der Umgang mit rohem Fleisch während
der Zubereitung und der Umgang mit Katzen.
- Meningitis:
Entzündung der Hirn- und Rückenmarkhäute
- Gehirnhautentzündung als Begleiterscheinung von Masern, Röteln,
Mumps oder Windpocken.
• Hyperbilirubinämie:
Erhöhung des Gallenfarbstoffes im Blut
4.4.Biochemische Komponenten:
• Mangel an Vitaminen, Aminosäuren, Fettsäuren, Spurenelementen und
Enzymen, der durch sehr einseitige Fehlernährung, überwiegende Dosenkost
oder Alkoholkonsum entstehen kann. Daraus kann auch eine Verminderung
der Aktivität des Immunsystems folgen.
• Über- und Unterproduktion von Hormonen oder Nervenbotenstoffen
(Neurotransmitter-Störung):
Auf die eigentlich unverzichtbare Aminosäure Leuzin reagiert bei manchen Kindern die
Bauchspeicheldrüse überempfindlich. Sie schüttet zu viel des blutzuckersenkendenden
Hormons Insulin aus. Die Folge sind Blutzuckermangelzustände (Hypoglykämie) mit
hirnschädigenden Krampfanfällen.12
12
eben da, S.43
12
Bei etwa 30% autistischer Kinder konnte man einen erhöhten Serotinspiegel
nachweisen. Allerdings stellte man auch bei Kindern mit Hyperaktivität und
Intelligenzminderung eine solche Abweichung fest.
Sogar bei der Hälfte autistischer Kinder wurde eine erhöhte Aktivität des
Botenstoffes Dopamin aufgespürt.
4.5.Multikausalität:
Da man noch keine eindeutigen Ursachen für Autismus gefunden hat, nimmt
man an, dass mehrere Komponenten, die miteinander in Wechselwirkung
stehen, an der Entstehung beteiligt sein können. „Aus dieser sogenannten
Multikausalität (Vielursächlichkeit) ergibt sich auch die ungewöhnlich hohe
Variationsbreite des Erscheinungsbildes.“13
Abb.3: Hier eine Verbildlichung dieser Vielursächlichkeit:
13
eben da, S.37
13
4.6. Neueste Forschungsergebnisse:
Die amerikanische Embryologin Patricia M. Rodier erforscht angeborene
Missbildungen des Gehirns. Seit einem Vortrag auf einem Kongress 1994
interessiert sie sich besonders für Autismus. Bei diesem Vortrag hört sie von
zwei Kinderaugenärztinnen über Störungen bei Contergan- Geschädigten bei
manchen Augenbewegungen. Der Wirkstoff Thalidomid, der in Contergan und
anderen Medikamenten enthalten ist, hatte um 1960 bei Kindern, deren Mütter
das Medikament einnahmen, schwere Missbildungen der Gliedmaßen
verursacht. Die beiden Ärztinnen, die erwachsene Contergan-Opfer
untersuchten, entdeckten, dass jeder Zwanzigste der Betroffenen auch
Autismus aufwies. Damit ergab sich eine auffällige Häufung der Krankheit im
Vergleich zur Durchschnittspopulation.14
Typische Missbildungen der Contergan-Geschädigten waren verkrüppelte
Gliedmaßen, fehlende oder verkrüppelte Daumen, missgebildete oder fehlende
Ohren, neurologische Defekte an Auge und Gesichtsmuskulatur.
Wissenschaftlern sind die genauen Zeitpunkte in der embryonalen Entwicklung
bekannt, in denen es zur Ausbildung der verschiedenen Organe und Körperteile
kommt. Daher ist es möglich den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, an dem
eine bestimmte Missbildung entstanden ist. (siehe Abb.4)15
Abb.4:
14
aus: Rodier, Patricia M.: Autismus: Ein Defekt im Stammhirn ist Symptom, wenn nicht
Ursache der schweren Behinderung, Spektrum der Wissenschaft, Ausgabe: Mai 2000, S.57
15
eben da, S.59
14
Interessant ist, dass bei den Autisten dieser Studie die Gliedmaßen völlig
normal ausgebildet waren, die Ohren aber Missbildungen aufwiesen. Demnach
wurde der Defekt schon zwischen dem Tag 20 und 24 nach der Empfängnis
ausgelöst.
In der 4. Schwangerschaftswoche entstehen gerade die Nervenzellen, vor allem
Mononeutronen. Diese steuern später die Muskeln von Auge, Ohr, Gesicht,
Kiefer, Rachen und Zunge. Die Zellkörper sitzen am Gehirnstamm. Zu dieser
Zeit entwickeln sich die Ohrmuschel und der äußere Gehörgang. ConterganGeschädigte leiden auch unter Funktionsstörungen der Hirnnerven, was durch
Anomalien in Mimik und Augenbewegungen bemerkbar ist.16
Autisten allerdings wirken vom Aussehen her völlig normal und zeigen eine
normale Statur und Kopfgröße. Rodier beobachtete allerdings Fehlbildungen
der Ohrmuschel (siehe Abb.5). Störungen der Augenbewegungen und das
Fehlen von Mimik sind schon länger als Symptome bei Autismus bekannt.17
Abb.5:
1995 untersuchte die Embryologin mit Kollegen das Präparat vom Hirnstamm
einer in den siebziger Jahren verstorbenen jungen autistischen Frau. Bei diesem
fand sie einen nur rudimentär vorhandenen sogenannten Facialkern, der die
16
17
eben da, S.59
eben da, S.59f
15
Muskulatur der Mimik steuert. Der obere Olivenkern, der als Schaltstelle für
Hörinformation dient, schien zu fehlen. Das Gehirn der Frau hatte zwar
normale Größe, allerdings war der Hirnstamm deutlich verkürzt.18 (siehe
Abb.6)
Mehreren weiteren Untersuchungen zufolge beeinträchtigt wahrscheinlich eine
genetisch bedingte Entwicklungsstörung im Stammhirn die normale
Hirnreifung.
Abb.6:
18
eben da, S.60f
16
5. Früherkennung
Der Psychologe Philip Teitelbaum von der University of Florida in Gainesville
fand mögliche Anhaltspunkte mit deren Hilfe man möglicherweise Autismus
erheblich früher erkennen könnte. Bisher gab es kaum bis gar keine Methoden
diese Verhaltensstörung vor dem 3. Lebensjahr festzustellen. Wenn sich jedoch
herausstellt, dass Teitelbaums Beobachtungen stimmen, wird es möglich sein,
Autismus ab dem 3. Lebensmonat zu diagnostizieren.
Teitelbaum entdeckte, „daß Autisten schon im Säuglingsalter durch
charakteristische Bewegungen auffallen.“19
Er sammelte 17 Videotapes mit Aufnahmen aus dem Säuglingsalter von
Kindern, bei denen Autismus diagnostiziert wurde. Auf diesen waren die
wichtigsten Entwicklungsstufen des ersten Lebensjahres festgehalten. Zum
Vergleich machte er selbst Videoaufnahmen von 15 normalen Babys.
Es stellte sich aber heraus,
daß obwohl keine zwei Babys sich auf dieselbe Weise entwickeln, es doch deutliche
Unterschiede zwischen jenen Babys, die später als autistisch erkannt wurden, und normalen
Babys gab. So lernte keines der autistischen Babys, sich so herumzurollen wie es nichtautistische Babys tun. Manche lernten es gar nicht, andere vollzogen diese Bewegung auf
eine sehr sonderbare Weise.20
Er beobachtete auch, dass normale Babys ungefähr zur selben Zeit zu krabbeln,
wie auch zu sitzen anfangen und dass sie dabei schon allmählich das
Körpergewicht einigermaßen symmetrisch auf alle vier Gliedmaßen zu
verteilen lernen. Autistischen Babys hingegen bewegten sich deutlich
asymmetrischer. Ein Baby benutzte seinen rechten Fuß, um sich
vorwärtszuschieben, während es das linke Knie über den Boden schleifte.
Teitelbaum selbst meint seine Beobachtungen seien noch nicht abgeschlossen,
denn die Forscher müssten noch viel mehr Babys beobachten. Sollten die
Forschungsergebnisse aber stabil bleiben, dann bestünde die Möglichkeit durch
eine auf Babys abgestimmte Körpertherapie die abnormale Gehirnentwicklung
etwas zu korrigieren.
19
20
http://www.a-site.at/Gesundheit/messages/270.htm
eben da
17
6. Symptomatik
Beim frühkindlichen Autismus entwickelt sich das typische Zustandsbild
allmählich während der ersten Lebensjahre und ist im Alter von etwa 3 oder 4
Jahren am stärksten ausgeprägt.
6.1.Verhalten im ersten Lebensjahr
Obwohl es fast unmöglich ist, während des ersten Lebensjahrs eine Diagnose
zu stellen, beschreiben die Eltern rückblickend bestimmte Symptome sehr
häufig:
Viele Kinder haben als Säugling - und zwar schon von Geburt an – Schwierigkeiten
gehabt, feste Gewohnheiten im Essen, Schlafen und in den Ausscheidungsvorgängen
anzunehmen. Die motorische Entwicklung ist gewöhnlich normal, ebenso die
Entwicklung des Lächelns, aber die Kinder reagieren anscheinend auf ihre Umwelt
recht wenig. Sie strecken der Mutter nicht die Arme entgegen, in Erwartung
aufgenommen zu werden, und wenn sie im Arm gehalten werden, stellen sie ihre
Körperhaltung nicht darauf ein. Die Mutter klagt, daß ihr Baby nicht anschmiegsam
sei.21
Hinzu kommt, dass es nicht auf Dinge im Zimmer zeigt, die es haben möchte
oder die es interessieren. Es scheint am zufriedensten zu sein, wenn es allein
gelassen wird. Einige Babys sind ungewöhnlich ruhig und friedlich, aber viele
schreien ebenso ungewöhnlich viel, besonders nachts oder nach dem
Aufwachen und sind dann kaum zu besänftigen. Häufig werden auch
Schaukelbewegungen und Stoßen mit dem Kopf (gegen Bettgestell, Wand oder
dergleichen) von den Eltern beobachtet.
Dazu ist noch anzumerken, dass derartige Verhaltenseigentümlichkeiten
natürlich auch bei normalen Kindern in bestimmten Stadien ihrer Entwicklung
und auch bei anderen psychischen Störungen anzutreffen sind. Bei Autisten
fallen sie aber besonders ins Auge und passen nicht zum sonstigen
Entwicklungsstand des Kindes.
21
Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: S.19f
18
6.2. Sprachstörungen:
Abgesehen davon, dass ungefähr 40% der autistischen Kinder Mutismus haben,
das heißt, dass sie trotz intakten Sprechorganen stumm sind, sind für den
restlichen Teil der sprechenden autistischen Kinder besondere
Sprachabnormitäten charakteristisch.
Eine der am häufigsten bei Autisten auftretende Sprachstörung ist Echolalie:
Das Kind wiederholt bestimmte Ausdrücke endlos, in fast dem gleichen
Tonfall, wie es sie gehört hat.
Dem wäre aber noch hinzuzufügen, dass dieses Wiederholen von
Gesprochenem auch bei jeder normalen Sprachentwicklung vorkommt. Jedoch
zieht sich das Stadium der Echolalie oft über Jahre und kann sogar bis ins
Jugendalter reichen.
Wie Abbildung 7 zeigt werden auch Fragen nicht beantwortet, sondern werden
als Echo nachgesprochen. Abb.7:
Eng in Zusammenhang mit der Echolalie entwickelt sich oft eine pronominale
Umkehr. Autistische Kinder nennen sich selbst oft „du“ anstatt „ich“. Dies
entsteht zum Beispiel dadurch, dass sie Fragen, mit denen sie angesprochen
werden, nur wiederholen.
Im Allgemeinen tun sich autistische Kinder sehr schwer bestimmte
Sprachregeln richtig zu verstehen und anzuwenden. Sie verwechseln meist
Präpositionen und Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) oder setzen
Wörter in die falsche Reihenfolge; z.B.: „Geh mit dem Park zum Hund“
„Manchmal hat man den Eindruck, daß die Kinder überhaupt den eigentlichen
Sinn der Sprache als Kommunikationsmittel nicht richtig verstanden haben.“22
Ein Beispiel dafür ist, dass sie oft zu Selbstgesprächen neigen. Ihre erlernte
Sprache wird nicht dafür eingesetzt, um mit Partnern zu kommunizieren,
sondern um zum Beispiel beim Spielen mit Puppen zu sprechen.
22
Kehrer, Hans E.: Autismus: S.36
19
Charakteristisch für das autistische Syndrom ist die Iteration: Das Kind
wiederholt oft tagelang von irgendwoher aufgeschnappte Laute, Silben, Wörter
oder Sätze in endloser Weise.
Eine weitere charakteristische Sprachstörung ist der Neologismus: Hier werden
neue Ausdrücke für bestimmte Dinge oder Personen erfunden, die im normalen
Sprachgebrauch nicht vorkommen.
Dazu einige Beispiele:
Aus Glocke wird „Aufa“; eine Schraube wird „Uha“ genannt und ein Kind
nennt die Armbanduhr seiner Mutter „Patetutokete“.
Ähnlich wie diese Neologismen entstehen auch folgende Eigentümlichkeiten:
Häufig werden Wörter zu konkret verwendet; z.B. kann „Schlüssel“ für ein Kind nur
die Abwaschschüssel bedeuten, aber nicht die Schüssel, woraus der Hund Wasser
trinkt. Auch können die Namen von Dingen, die gewöhnlich zusammengehören,
durcheinander gebracht werden; z.B. nannte ein Kind die Haarbürste „Kamm“, den
Strumpf „Schuh“. Die Gegenstände selbst werden nicht verwechselt, nur ihre Namen.
(...) Aus Wörtern, die es nicht kennt, macht das Kind Sequenzen aus vertrauten
Wörtern; z.B. sagt ein (englischsprachiges Kind) statt „hospital“ (Krankenhaus“
„horse-a-petal“, statt „Peter and the wolf“ „Peter on the roof“ (Peter auf dem Dach).
Sprachfragmente werden unter Umständen als Bedeutungsträger verwendet; z.B.
„n’n“ für „I want“ (ich möchte); „jui“ für „orange juice“, (...)23
6.3.Intelligenz:
Die meisten autistischen Kinde haben laut Intelligenztest einen
Intelligenzquotienten (IQ), mit dem sie als geistig behindert gelten. Das heißt,
etwa drei Viertel dieser Kinder haben einen IQ unter 70 und nur 10% erreichen
normale Werte.
Wie man in Abbildung 8 sehr gut erkennen kann, ist das Ausmaß der Streuung,
das von Normalität bis zu schwerer geistiger Behinderung reicht,
hervorstechend.
Abb.8:
23
Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: S.22
20
Es läge nun nahe, parallel zum Ausmaß der geistigen Behinderung die Tiefe der
autistischen Störung anzunehmen. Diese Interpretation entspricht jedoch nicht dem
Umstand, daß die autistischen Verhaltensstörungen in veränderter Form bei den
intelligenten Autisten genauso bestehen wie bei den geistig behinderten.24
6.4.Spezielle Fähigkeiten:
Auffallend ist auch, dass viele Autisten in verschiedenen Teilbereichen
ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen. (siehe Abb.9) Sehr oft wurde ein
außerordentlicher Sinn für Musik hervorgehoben. Rimland (1964) war sogar
der Meinung, „dass alle autistischen Kinder eine besondere musikalische
Begabung aufweisen würden.“25
Abb.9:
Und auch andere Forscher fanden derartige Hinweise wenigstens bei manchen
autistischen Kindern. Tatsächlich hören über 50% dieser Kinder gerne Musik.
Jedoch beschränkt sich diese Vorliebe nur auf einige Musikstücke, dessen
Melodien von der Mehrzahl der Kinder kaum nachgesummt werden können.
Auch das Beherrschen eines bestimmten Rhythmus ist selten oder schlecht. Es
steht jedoch deutlich mit dem Stand der sprachlichen Begabung in
Zusammenhang.
Zudem scheint es, dass sie seltener verschiedene musikalische Bereiche
gleichzeitig beherrschen, was DeMyer (1979) so interpretiert, „dass bei
autistischen Kindern die Integration musikalischer Fähigkeiten nur selten
vorkommt.“26
24
Klicpera, Christian und Innerhofer, Paul: Die Welt des frühkindlichen Autismus. 2., völlig
neu überarb. u. erw.Auflage, Ernst Reinhard Verlag, München und Basel, 1999, S.35
25
eben da, S.35
26
eben da, S.36
21
Weitere außergewöhnliche Fähigkeiten sind ungewöhnliche zeichnerische
Begabungen, frühe außerordentliche mündliche Lesefertigkeiten, besonders
gute Gedächtnisleistungen und „manche Autisten konnten für lange Zeiträume
sehr rasch den Wochentag angeben können, auf den ein bestimmtes Datum fällt
(z.B. O’Connor & Hermelin 1984)“27
6.5.Soziales Verhalten:
Zur Zeit Kanners 1955 hat man vermutet, dass der „Autsimus“, also in dem
Fall die Unfähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, der Kern
des Syndroms ist.
In der Tat liegt der Beginn der Störung aber oft unmittelbar nach der Geburt,
noch bevor ein Säugling soziale Beziehungen entwickeln kann.
Abnormitäten in Gefühlen und Stimmungen sind bei Autisten jedoch
charakteristisch. Mit 3 bis 4 Jahren wirken autistische Kinder oft abgekapselt
und unzugänglich, aber sie können auch Menschen gegenüber, die sie mögen
und die sich ihnen auf richtige Weise nähern, auch in diesem Alter mit Freude
reagieren. Und wenn sie um ungefähr 2 Jahre älter sind, können sie in
vertrauter Umgebung sogar zärtlich und aufgeschlossen werden.
Wolff und Chess bemerkten 1964 folgendes: „Der Gesichtsausdruck der
Kinder ist gewöhnlich ernst oder sogar traurig(...), besonders wenn sie nicht zu
Hause sind.“28
Manchmal alltäglich erscheinen Wutausbrüche, Tränen, Füßestampfen und
Treten, wie im Trotzalter, das bei fast allen normalen Kindern auch vorkommt,
jedoch bei Autisten oft ohne erkennbarem Anlass ausgelöst. So schnell wie
diese Wutausbrüche anfangen, können sie auch wieder verschwinden.
Ansonsten sind „wütende autistische Kinder“ aber schwer zu besänftigen.
27
28
eben da, S.36
Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: S.27
22
Genauso wie das plötzliche unerklärliche Auftreten von Wutausbrüchen
kommen auch „Lach- und Kicheranfälle“ vor, deren Anlässe auch nicht immer
erkennbar sind.(siehe Abb.10)
Abb.10:
Abb.11:
Viele autistische Kinder können auch Gefahren nicht erkennen, genauso wie
ihnen die Furcht davor fehlt.(siehe Abb.11)
Andererseits geraten sie wegen so mancher harmloser Dinge, wie dem Tragen
von Schuhen, dem Baden in der Wanne oder bestimmten Möbelstücken in
Panik.
6.6.Wahrnehmung:
6.6.1.Probleme der auditiven Wahrnehmung:
Charakteristisch für autistische Kinder ist, dass sie in einer gewissen Phase auf
verschiedenste Geräusche nicht reagieren. Oft hält man sie für taub, da sie zum
Beispiel selbst gegenüber lauten Geräuschen ganz unempfindlich zu sein
scheinen.Abb.12:
Beobachtet man sie aber sorgfältig, merkt man, dass sie zum Beispiel auf
Raschel- oder Rauschtöne sehr wohl reagieren und regelrecht fasziniert davon
sind.
Typisch für Autismus ist auch die „auditive Meidung“. Das Kind reagiert auf
bestimmte Laute und besonders auf laute Geräusche und gesprochene Sprache,
panisch, geht fort und hält sich die Ohren zu. Echos, Klopfen und ähnliche
Geräusche hingegen interessieren Autisten sehr.
23
6.6.2.Probleme der visuellen Wahrnehmung:
Typisch ist das Problem, gesehene Dinge wirklich zu erfassen. Die
Entwicklung der Fähigkeit zur Figur-Grund Differenzierung verläuft meist nur
langsam. Autistische Kinder neigen oft zu peripherem statt zentralem Sehen.
Das heißt die Kinder nehmen Dinge oder Personen durch (scheinbares)
Vorbeisehen wahr- sie haben nur einen „schweifenden Blick“ und fixieren das
Zuwahrnehmende nicht. „So gibt es Kinder, die treppab gehen und dabei
scheinbar nicht auf ihre Füße schauen.“29
Genauso wie bei der auditiven Wahrnehmung kann es auch hier zur Meidung
kommen, nämlich zur „visuellen Meidung“, indem das Kind die Augen
bedeckt oder den Kopf abwendet.
Ungewöhnlich ist auch die Reaktion auf bestimmte optische Reize: Manche
autistische Kinder reagieren zum Beispiel nicht auf Gesten oder auffällige
Reize, sondern sind eher durch Glitzern, Flimmern, gleichmäßige
Objektbewegungen, Drehbewegungen runder Gegenstände und dergleichen
fasziniert. Als Beispiel möchte ich hier Robin, ein autistisches Kind aus
Deutschland, erwähnen. Er ist von Lampen aller Art und vor allem von
Ampeln fasziniert, wie man in folgendem Bild erkennen kann:
Abb.13: Robin spielt fasziniert mit seiner Ampel
29
eben da, S.23
24
6.6.3.Andere Sinnesbereiche:
Auch in anderen Sinnesbereichen kann es zu Beeinträchtigungen kommen.
Sehr oft sind Autisten gegenüber Kälte oder Schmerz unempfindlich. Auch auf
Berührungen reagieren sie teilweise ungewöhnlich: Meistens lehnen sie sanfte
Berührungen, Umarmungen und Ähnliches ab, aber wie folgendes Bild von
Robin zeigt, muss diese Ablehnung nicht immer vorhanden sein.
Abb.14: Robin und seine Mutter
„Es gibt auch Kinder, die Berührungsreize nicht lokalisieren können,
ungewöhnliche Geschmacksvorlieben zeigen oder an bestimmten Gerüchen
starkes Interesse haben.“30
6.7.Motorisches Verhalten:
Hutt hat 1965 folgendes beobachtet:
Die meisten Kinder sind in ihren Bewegungen graziös, aber oft besteht in jüngerem
Alter eine gewisse Unbeholfenheit, besonders in der Feinmotorik. Die Muskulatur des
Kindes wirkt oft sehr schlaff. Überaktivität ist mit 3 oder 4 Jahren die Regel; sie
verstärkt sich in komplizierten Situationen.31
30
31
eben da, S.24
eben da, S.25
25
Wie man in der folgenden Abbildung erkennen kann, sind Bewegungen, wie
Handgelenke verdrehen, mit den Armen schlenkern, auf und ab hüpfen,
Gesichter schneiden und Ähnliches für das autistische Syndrom
charakteristisch. Abb.15:
6.8.Stereotypien:
Stereotypien sind meist Bewegungen, die oft endlos und immer in der gleichen
Weise wiederholt werden. Beispiele für solche Stereotypien sind:
-
ständiges Ein- und Ausschalten des Lichtes
-
Klopfen mit einem Gegenstand auf den anderen
-
stundenlanges Drehen und Kreiseln von Gegenständen
-
Körperschaukeln
- Sich-um-sich-selbst-drehen
Stereotypien gelten als typisches Merkmal von Autismus. So wurden von der
Forscherin Weber (1970) Stereotypien bei 97% einer größeren Gruppe
autistischer Kinder beobachtet.
Viele Wissenschaftler, wie Walker & Coleman 1976, Weber 1970 und Sorosky
1968 stellten folgende bemerkenswerte Art der Stereotypien fest:
Besonders häufig wird ein rasches Auf- und Abbewegen der abgewinkelten Arme (auch
Flügeln genannt) sowie ein rasches Hin- und Herbewegen der Hände bei angewinkelter
Stellung der Arme beobachtet. Dabei werden die Arme meist in Kopf- oder Ellbogenhöhe
gehalten. 32
Da Autisten Veränderungen aller Art hassen, ist anzunehmen, dass ihnen diese
Stereotypien Sicherheit verschaffen.
32
Klicpera, Christian und Innerhofer, Paul: Die Welt des frühkindlichen Autismus: S.145
26
7.Behandlung bzw. Therapien
Da es Autismus in vielen Ausprägungsstufen und Kombinationen gibt, kann
man nicht direkt von den verschiedensten „Autismustherapien“ sprechen.
Vielmehr muss der Mensch in seinem Umfeld individuell und ganzheitlich
gefördert werden. Es gibt viele sinnvolle Therapien und es obliegt dem
Geschick der mit Autismus befassten Person, das jeweils passende Angebot
auszuwählen.
Es gibt eine Fülle von entwickelten Therapien mit mehr oder weniger Erfolg.
Die häufigst angewandten und bekanntesten Behandlungen möchte ich in den
folgenden Kapiteln darstellen.
Am Anfang möchte ich besonders jene Therapien erwähnen, die auch am
häufigsten von der Österreichischen Autistenhilfe (siehe auch Kapitel 8.2.)
verwendet werden. Elfi Krehan, eine Mitarbeiterin dieser Anlaufstelle, hat
mich in einem Gespräch ausführlich über die angewendeten Therapieformen von Kapitel 7.1 bis 7.4 - informiert.
Wichtig erscheint der ÖAH dem „Normalisierungsprinzip“ gerecht zu werden.
Sie achtet darauf, den autistisch behinderten Menschen nicht noch zusätzlich
zu behindern, indem man ihn aussondert und einer Spezialbehandlung zuführt.
7.1. Integration:
Eine der wichtigsten Bestandteile der Arbeit der ÖAH ist Integration. In
diesem Zusammenhang ist vielleicht zu erwähnen, dass das
„Integrationsprojekt“ der ÖAH den ersten Platz des Gesundheitspreises der
Stadt Wien 1998 (Kategorie Schule/Jugend) erlangt hat.
„Integration von Kindern mit autistischer Wahrnehmung“. Das Projekt habe
ich jedoch in Kapitel 8.2. näher erläutert. Hier werden Ausbildungsmaßnahmen
für angehende Fachleute (PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, u.ä.) und
Unterstützungsleistungen für Menschen mit autistischer Wahrnehmung
gleichzeitig erbracht.
Vorrangiges Ziel dieser Integration ist es, Kindern mit autistischer
Wahrnehmung einen „normalen“ Kindergarten- oder Schulbesuch zu
27
ermöglichen, anstatt wie ansonsten sehr oft üblich, diese in einer
Schwerstbehindertenklasse unterzubringen, wo sie wenige Möglichkeiten zur
persönlichen Entfaltung haben.
Besonders deutlich wird einem die Notwendigkeit dieser Maßnahme, wenn
man sich vor Augen hält, dass Autismus nicht unbedingt mit einer geistigen
Behinderung einhergehen muss. Das heißt es gibt sehr wohl Kinder- Fachleute
vermuten sogar einen Großteil der autistisch behinderten Menschen- die bei
normaler Intelligenz eine autistische Wahrnehmung haben, was dazu führt,
dass sie beispielsweise auf bestimmte Reize nicht reagieren (können) oder auf
andere überreagieren (müssen).
In der Praxis sieht eine gelungene Integrationsunterstützung in der Schule wie
folgt aus:
Die Eltern eines Kindes mit autistischer Wahrnehmung entscheiden sich dazu,
ihr Kind in eine integrativ geführte Klasse zu geben. In dieser Phase gehören
Gespräche mit den Eltern des zu integrierenden Kindes, den Lehrer/Innen und
der Leitung der Schule. Meistens haben Lehrer/Innen wenig oder kein Wissen
über Autismus, woraus sich große Unsicherheiten ergeben können. Die ÖAH
versucht hier durch Wissensvermittlung in Form von Vorträgen und
Seminaren, eine Basis für die weitere Arbeit zu schaffen. Sehr oft erweist sich
auch sinnvoll, die Eltern der „nichtbehinderten“ Klassenkameraden in diese
Gespräche zu involvieren, um Verständnis für das zu integrierende Kind zu
entwickeln.
In der weiteren Phase wird ein/e für das betreffende Kind geeignete/r
Praktikant/in gesucht, der/die das Kind schon vor Schulbeginn kennenlernt, um
eine Vertrauensbasis aufzubauen. Aufgabe dieses/er Praktikante/in ist es dann,
im laufenden Schuljahr dem Kind mit autistischer Wahrnehmung dabei zu
helfen, dem Unterricht in der Schule so gut wie möglich zu folgen und auch in
den Pausen einen möglichst „normalen“ Schulalltag zu gewährleisten.
Natürlich haben die Praktikant/Innen genügend Gelegenheit, sich Wissen zum
Thema Autismus anzueignen sowie in den verpflichtenden Supervisionen
Unterstützung und Entlastung zu bekommen.
28
Auch den Lehrern und Eltern ist es möglich, sich zu jeder Zeit Beratung und
Supervisionen bei den Experten im Verein zu holen. Zusätzlich planen alle am
Integrationsprojekt Beteiligten jeweils zu Schuljahresbeginn und –ende eine
Besprechung, wo Ziele erarbeitet und Ergebnisse reflektiert werden.
Im Idealfall ist der Einsatz der/des Praktikantin/en (zu Beginn bis zu 10
Wochenstunden) am Ende des Schuljahres nur mehr sporadisch (zweimal pro
Woche) nötig. Das Kind ist integriert, nimmt weitgehend selbstständig am
Unterricht teil und hat durch das normale Umfeld genügend Sozialkontakte.
7.2. AIT Auditory Integration Training/ Audiovokales Training
AIT ist eine vom französischen HNO- Arzt Dr. Guy Bérard entwickelte Form
des Hörtrainings. Dr. Bérard konnte bei vielen Patienten mit
Lernschwierigkeiten oder auch Verhaltensstörungen Beeinträchtigungen im
Bereich des Hörens bzw. in der Verarbeitung des Gehörten feststellen.
So leiden manche Patienten an einem unterempfindlichen Gehör, andere an
einem Überempfindlichen und damit verbunden an einer verstärkten
Lärmempfindlichkeit. Einige hören unausgewogen, (also auf einem Ohr
Frequenzen oder Lautstärke betreffend etwas anderes als auf dem anderen),
ungleichmäßig in verschiedenen Frequenzen oder haben eine verlängerte
Aufnahme- und Verarbeitungszeit.
Beeinträchtigungen im Bereich des Hörens, meint Bérard, führen zu
Veränderungen im Verhalten. So kann sich jemand z.B. schlechter
konzentrieren, hat Schwierigkeiten, Sprache richtig zu verstehen oder
überhaupt Schwierigkeiten, sich in der Welt der Laute zurechtzufinden.
Lernschwierigkeiten oder Verhaltensstörungen können die Folge sein.
Bérard hat nun eine Therapie entwickelt, bei der Menschen über Kopfhörer
Musik zugeführt wird, die durch ein speziell entwickeltes Gerät für Bruchteile
von Sekunden in Frequenz und Lautstärke verzerrt wird, ja nach
29
Beeinträchtigung des zu Behandelnden. Dadurch wird das Ohr trainiert, wieder
„ausgewogener“ zu hören.
AIT wird mittlerweile von verschiedensten Einrichtungen weltweit angeboten.
Die Österreichische Autistenhilfe orientiert sich am Behandlungskonzept der
amerikanischen Sprachpathologin Aditi Silverstein, durch deren Institut bisher
bereits mehr als 400 Patienten mit Lernschwierigkeiten, Dyslexie,
Konzentrationsstörungen, Entwicklungsverzögerungen, Down Syndrom,
Autismus und autismusähnliche Verhaltensstörungen erfolgreich behandelt
werden konnten.
Betroffene und deren Angehörige berichten von Verbesserung in den
Bereichen Verhalten, Kommunikation, zwischenmenschliche Beziehungen
(Interaktion), Sprache und gesellschaftliche Integration.
Vielfach wurde eine reduzierte Geräuschempfindlichkeit, ein besseres
akustisches Verständnis und eine erhöhte Aufmerksamkeitsspanne beobachtet.
Durchführung der Therapie:
In einem Zeitraum von 10 Tagen werden täglich zwei Sitzungen zu je 30
Minuten durchgeführt, eine am Vormittag, die zweite am Nachmittag. Es ist
auch möglich anstelle der beiden halbstündigen Sitzungen täglich eine Stunde
zu machen, wenn der Teilnehmer solange sitzen bleiben kann.
Vor und nach dem Training wird ein Hörtest durchgeführt, nach dem 5. Tag
Training macht man einen Tag Pause.
Den begleitenden Eltern oder BetreuerInnen bietet die ÖAH zusätzlich
umfassende Informationen, was die Vorgänge beim Hörtraining und den zu
erwartenden Verhaltensänderungen.
Erste Veränderungen können bereits während dem Training auftreten, in der
Regel kann man aber erst nach ca. 3 Monaten sagen, was das AIT dem
Teilnehmer gebracht hat. Die 10 Tage sind quasi ein Auslöser und bewirken
30
Veränderungen in der Wahrnehmung des Teilnehmers bzw. in der Integration
seiner Wahrnehmung. Dieser muss nun erst lernen, damit zurechtzukommen,
dass er die Welt „anders“ erlebt.
Nach ca. 3 Monaten werden alle Teilnehmer am AIT nochmals zu einer
Nachbesprechung eingeladen, zum einen, um zu sehen, was das AIT gebracht
hat, zum anderen bietet die ÖAH auch Beratung an, was nun weiter
unternommen werden könnte.
In einigen Fällen kann es auch angebracht sein, nochmals eine Auffrischung
des AIT von 3 bis 4 Tagen durchzuführen.
Es ist wichtig, dass zum Zeitpunkt des Hörtrainings des Gehörorgan
medizinisch gesehen „in Ordnung“ ist, also der Gehörgang weder durch
Ohrenschmalzpfröpfe verlegt noch das Mittelohr durch einen Erguss
beeinträchtigt ist, da dies die Therapie beeinflussen würde. Ein HNO- Arzt
kann das ganz leicht abklären.
7.3. Sprachförderung:
7.3.1. IBM Sprechspiegel III:
Der IBM Sprechspiegel III ist ein computerunterstütztes Therapie- und
Diagnoseprogramm mit vielfältiger Einsetzbarkeit. Besonders geeignet ist er
für Menschen mit Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich.
Das Programm entstand aus der Zusammenarbeit von Tontechnikern,
Programmierern, Künstlern, Textern sowie Sprach- und Sprechtherapeuten.
Mit den optischen und akustischen Hilfsmitteln lässt sich die Sprechqualität bei
Sprech- und Stimmstörungen, sowie auch besonders bei Störungen
sprachlicher Modalitäten von Hörbehinderungen analysieren und verbessern.
Auch zur Verbesserung von Modulation, Aussprache und Akzent beim
Erlernen von Fremdsprachen ist der IBM Sprechspiegel III geeignet.
Sprachtherapeuten und deren Klienten können Sprecheigenschaften wie
Stimmgebung, Tonhöhe, Lautstärke, Einzellautartikulationen und
Sprechgeschwindigkeit überwachen und steuern.
31
Über eine Menüleiste können die einzelnen Sprechübungen aufgerufen werden,
danach werden die gewünschten Optionen einfach angeklickt. Es gibt
verschiedene Möglichkeiten zum erstellen von Lautvorgaben, was die
individuelle Anpassbarkeit der Übungen an die Klienten gewährleistet. Ebenso
stehen zu jeder Übung mehrere optische Motive zur Auswahl, was die
Übungen sowohl für die Kinder als auch für den Erwachsenen interessant
macht.
Das Programm umfasst Sprechübungen aller Art- von einfachen Übungen, die
bestimmte Redeelemente bewusst machen bis hin zu Übungen, in denen diese
Elemente trainiert werden.
Es werden folgende Sprecheigenschaften optisch wiedergegeben: Tonhöhe,
Lautstärke, Stimmgebung, Temporegulierung, Spektren und Lautartikulation.
Synchron zur optischen Anzeige der Sprechmuster erfolgt eine akustische
Rückmeldung; auch eigene Sprache kann in normaler Geschwindigkeit oder
langsamer abgespielt werden.
Weiters können Klienteneinstellungen, Notizen, Statistiken und berichte
gespeichert und gedruckt werden, um den Therapieverlauf laufend zu
evaluieren und zu dokumentieren.
7.3.2. ELA Everyday Life Activities:
ELA ist von Dr. Jacqueline Stark, Sprachwissenschaftlerin an der Akademie
der Wissenschaften, für Sprachtherapie, Testzwecke und Sprachtraining
entwickelt worden. ELA besteht aus einer Serie von 3 Sets zu je 1000 Karten.
Es wird bei der Erfassung der Leistung sowie bei der Behandlung von
Störungen z.B. bei Verstehen und Produktion von Sätzen und Texten, bei der
Bestimmung der Abfolge von Teilleistungen, bei Aufmerksamkeitsaufgaben
und beim Erlernen des Alltagswortschatzes in der Rehabilitation nach
Sprachverlust (Aphasie nach Hirnblutungen und Thrombosen) in den Kliniken
eingesetzt.
32
Die drei Sets regen zur Bildung von einfacheren Sätzen (Set 1: eine Person
führt eine Handlung aus), von komplexeren Sätzen (Set 2: zwei oder mehrere
Personen führen die Handlung/en aus) und von längeren Texten (Set 3:
Bildgeschichten von 3-15 Karten) an. Man kann mit diesem System sowohl an
der einfachen Satzstruktur als auch an ihrer Stellung im Satzzusammenhang
vom ersten Tag an arbeiten. Dadurch ergibt sich eine unendliche Vielfalt von
Möglichkeiten, die sehr gut auf die jeweiligen Bedürfnisse des Klienten
abstimmbar sind.
7.3.3. Lernsystem GEBILEX:
GEBILEX ist ein multimediales Lernsystem, das zur Unterstützung des
primären Spracherwerbs eingesetzt wird. Es besteht aus Themenbildwerken,
einem Lexikon und einem Geschichten- Editor.
Ein Themenbild ist die Darstellung eines Begriffsumfeldes, wo beim
Anklicken eines Bildes zugehörige Laute hörbar werden bzw. der Begriff
benannt wird. Mittels der Darstellung des Lippenbildes kann man durch den
Vergleich mit dem Lippenbild des Klienten Unterschiede aufzeigen und
Lernschritte einleiten.
Eingesetzt wird GEBILEX in Diagnostik und Therapie und im Unterricht in
gehörlosen- Sonderschulen und Integrationsklassen.
33
7.4. Sensorische Integrationstherapie:
Diese Therapieform wurde von A. Jean Ayres, eine amerikanische Psychologin
und Beschäftigungstherapeutin ins Leben gerufen.
„Das Konzept der sensorischen Integrationsbehandlung wurde für alle Kinder
mit Lernschwierigkeiten entwickelt.“33
Jean Ayres hatte jedoch Zweifel, ob ihr Therapieansatz autistischen Kindern
wesentlich weiterhelfen könnte und hatte auch keine überzeugenden Erfolge.
Die Therapie eignet sich kaum für autistische Kinder. Da diese meist auch
mutistisch sind und deshalb die verbalen Anweisungen nicht verstehen.
Die Sensorische Integrationstherapie muss individuell geplant werden und
richtet sich vor allem nach dem sensorischen Entwicklungsstand des Kindes.
Die das Wahrnehmungssystem überforderten Reize werden dem Kind möglichst
erspart oder in verarbeitbarer Dosierung angeboten. Sinnessysteme, die zu schwach
empfangen, werden stimuliert, um Anpassungsreaktionen hervorzurufen. Die
Anpassung ermöglicht eine Integration der wahrgenommenen Empfindungen in das
Zentralnervensystem, falls das autistische Kind motiviert werden konnte, sich
psychisch für das Reizangebot zu öffnen.34
Die Eltern sollten realistische Erwartungen entwickeln, emotionale Krisen
voraussehen, auf
Warnsignale der Überforderung achten, Strafe vermeiden, „das Gute“ loben
und „das Schlechte“ nicht beachten.
Die sensorische Integrationstherapie bietet gute Aussichten, die vorhandenen
Entwicklungsmöglichkeiten eines autistischen Kindes zur Entfaltung zu bringen.
Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, dass der jeweils behandelten autistischen
Störung tatsächlich die Ursachen zugrunde liegen, von denen die Grundannahmen
dieses Behandlungsansatzes ausgehen.35
33
Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus: S.55
eben da, S.56
35
eben da, S.56
34
34
7.5. Verhaltensorientierte Autismustherapie:
Ivar Lovaas, ein amerikanischer Psychologe hat als Pionier in der sechziger
Jahren diese Art der Therapie gegründet.
Der Ursprung diese Verhaltenstherapie liegt im amerikanischen Behaviorismus
(Verhaltenslehre) um 1900. Berühmt sind die Experimente J.B. Watsons, dem
Begründer der Verhaltenslehre, mit Ratten und seinem erst elf Monate altem
Sohn Albert. Sie sollten „den großen Einfluss äußerer Bedingungen auf
menschliches Verhalten“36 zeigen. Watson nachahmend demonstrierten die
amerikanischen Lernpsychologen B.F. Skinner und E.L. Thorndike mit Studien
über Ratten und Tauben,
daß ein bestimmtes erwünschtes Verhalten gefördert werden kann, wenn es durch eine
angenehme Konsequenz belohnt wird, und dass andererseits ein unerwünschtes Verhalten
bei negativer Sanktionierung (Ignorieren, Strafen) seltener auftritt.37
Da man annahm, dass Autismus eine reine „Verhaltensstörung“ sei, wollte man
dieses Verfahren auch bei autistischen Kindern anwenden.
Die Behandlung soll folgendermaßen durchgeführt werden:
Durch ausführliche Verhaltensbeobachtungen sollen Ausgangsdaten für
konkrete Therapieziele geliefert werden. Diesen Zielen angepasst besteht die
gesamte Therapie aus Anwendungen der Prinzipien des „operanten
Konditionierens“. Das heißt,
daß jeweils „richtige“ (dem Zielverhalten angenäherte) Reaktionen des Kindes ein
Reinforcement (eine Belohnung) erfahren und „falsche Reaktionen bestraft oder durch
Nichtachtung „gelöscht“ werden.38
Allerdings gibt man dem Kind verschiedene Promitings (Hilfestellungen), die
zusammen mit den Belohnungen ein sogenanntes Shaping
(Verhaltendforschung in kleinen Schritten) ansteuern.
36
eben da, S.59
eben da, S.59
38
eben da, S.60
37
35
Sobald durch das Shaping verschiedene Verhaltensketten entstanden sind,
versucht man die Hilfestellungen durch Fading (Ausschleichen) zu minimieren.
Da es schwierig ist, dem Kind beizubringen, das Gelernte auch außerhalb der
Therapiesituation anzuwenden, hat diese Anwendung in Europa kaum Erfolge
gehabt.
7.6. Psychoanalytische Autismustherapie:
Begründer waren sowohl Margaret S. Mahler, eine amerikanische
Psychoanalytikerin als auch Bruno Bettelheim, ein in Wien geborener
Psychoanalytiker.
Bettelheim meint Autismus sei eine weitgehend emotionale Störung, „die zu
beheben wäre, sofern die (psychoanalytische) Behandlung rechtzeitig und
konsequent erfolge.“39
Diese Behandlung hat das Ziel „dem Kind eine korrigierende symbiotische
Erfahrung zu verschaffen“.40
Der Therapeut versucht so zur Mutterersatzfigur zu werden. Die therapeutische
Aufgabe besteht darin, das Kind aus seiner autistischen Abkapselung „mit allen
erdenklichen Mitteln“ herauszulocken. Als solche Lockmittel sind
beispielsweise Seifenblasen, Musik, Spiele mit Wasser oder rhythmische
Betätigung geeignet.
B. Bettelheim meint, eine gute Beziehung zwischen Mutter und Kind mit Hilfe
dieses Verfahrens herzustellen, sei nicht möglich. Für M. Mahler hingegen
scheint das „Modell einer therapeutischen Dreiergruppe“, in der die Mutter
miteinbezogen wird, am geeignetsten.
39
40
eben da, S.62
eben da, S.63
36
7.7. Weitere Therapieformen:
Weitere Therapieformen sind:
• die höchst umstrittene Behandlungsmöglichkeit Forced Holding oder auch
Festhaltetherapie von Martha G. Welch und Niko und Elisabeth A.
Tinbergen, bei der die Mutter ihr Kind solange jeden Tag halten muss, bis der
Wiederstand des Kindes aufhört
• die Gebärdensprachtherapie, gegründet von dem französischen Priester Abbé
Charles Michel de l´Epée, bei der Gebärden, welche die größte Bedeutung für
ein autistisches Kind haben, natürlich am schnellsten gelernt werden und mit
diesem Erwerb von Handzeichen auch vokale Äußerungen zunehmen
• die Musiktherapie von Rolando O. Benenzon, die sich vor allem zur
Förderung erheblich retardierter autistischer Kinder anbietet
• und die Tanztherapie, entwickelt von Janet Adler, Beth Kalish- Weiss und
Elaine Siegel, in der die Musik und die Bewegung als Kommunikationsmittel
günstige Verständigungsmöglichkeiten bieten.
7.8. Ziele der Autismustherapie
In der folgenden Abbildung wurden die Behandlungsziele, auf die autistische
Symptomatik abgestimmt, zusammengestellt. Jedoch hängt die Festsetzung der
Ziele ganz von der Ausprägung des Syndroms bzw. vom Alter ab. Dadurch,
dass die Ausprägung von Autismus von Patient zu Patient verschieden ist,
muss die Therapie und ihre Ziele ganz auf das Kind abgestimmt werden.
Abb.16:
37
7.9. Hindernisse der Autismustherapie
Welche Hindernisse den Therapiezielen entgegenstehen, zeigt die folgende
Abbildung.
Abb.17:
8. Darstellung der Situation in Österreich
8.1. Statistische Daten:
Da Autismus eine relativ seltene und unbekannte Krankheit ist und oft mit
anderen Störungen beziehungsweise geistigen Behinderungen auftritt, sind nur
sehr wenige Daten in Österreich bekannt und man kann deshalb nur geschätzte
Zahlen vorlegen.
In Österreich leben derzeit ca. 3500 Menschen mit Autismus, von denen
allerdings nur ungefähr ein Viertel als solche erkannt und diagnostiziert sind.
Jährlich werden ca. 50 bis 60 Kinder in Österreich geboren, die ein autistisches
Syndrom entwickeln.
In Wien und Umgebung sind derzeit 24 Autisten bekannt, die größten Teils
auch die Anlaufstelle Autistenhilfe Wien- NÖ in Anspruch nehmen.
38
8.2. Österreichische Autistenhilfe (ÖAH):
Abb.18: Das Logo der ÖAH:
Als ich beschlossen hatte, diese Fachbereichsarbeit über Autismus zu
schreiben, habe ich auch nach einer Anlaufstelle für Autisten und Betroffene in
Österreich beziehungsweise in Wien gesucht und auch gefunden.
Nämlich die Österreichische Autistenhilfe Wien- NÖ in der Eßlinggasse 13 im
1. Bezirk.
Frau Krehan, die Leiterin dieser Institution war äußerst freundlich und hat mir
reichlich Material und Information über Autismus zukommen lassen und hat
sich auch die Zeit genommen, mir über die ÖAH zu erzählen:
Die Österreichische Autistenhilfe ist eine Selbsthilfeorganisation von
Angehörigen von Menschen mit autistischer Wahrnehmung.
Durch eine Tante eines 15jährigen Autisten wurde dieser Verein 1979 zum
Zwecke des Erfahrungsaustausches von Kontakten mit Behörden und Ärzten
und zum Finden von Förderungs- und Therapiemöglichkeiten ins Leben
gerufen.
Bis 1999 hat die ÖAH ungefähr 400 Mitglieder aufgenommen.
Zweigvereine gibt es in Wien- Autistenhilfe Wien- NÖ, in OberösterreichAutistenhilfe Oberösterreich, in Vorarlberg- Autistenhilfe- Vorarlberg und
Landes- und Kontaktstellen in allen Bundesländern.
Hauptaufgaben der ÖAH:
• Beratung von Angehörigen und anderen mit Autismus befassten Personen
• Bereitstellung von Förder- und Freizeitangeboten für Menschen mit Autismus
( z.B.: wöchentliche Kommunikationsrunde, Auditory Integration Training,
Sprachförderung)
• Bereitstellung von Praktikantinnen beziehungsweise Praktikanten und
fachliche Begleitung dieser, inklusive Supervision zur Entlastung von
Familien
39
• Integrationsunterstützung in Kindergärten und Schulen durch Praktikantinnen
beziehungsweise Praktikanten und Fachleuten ( Pädagogen, Psychologen,
Psychotherapeuten)
• Schaffung von integrativen Angeboten und Förderung integrativer
Maßnahmen für alle Lebensbereiche
• Bereitstellung von Informations- und Ausbildungsangeboten für Menschen
mit Berufen, die sich mit autistischer Wahrnehmung befassen
• Forschungstätigkeit zur Entwicklung geeigneter Betreuungs- und
Fördermethoden
• Öffentlichkeitsarbeit, um das Wissen über das autistische Syndrom bei allen
einschlägigen Professionen, insbesondere auch bei betroffenen Eltern zu
verbessern
Bei unzureichender Unterstützung von Familien mit Angehörigen mit
autistischer Wahrnehmung, bei unzureichenden Förder- und
Therapieangeboten für die Betroffenen selbst, ist häufig die Aufbewahrung in
einer psychiatrischen Anstalt das Endergebnis.
Die ÖAH hat es sich zum Ziel gesetzt, solche Lebenskarrieren zu verhindern,
beziehungsweise wenn sie bereits eingeschlagen wurden, wieder zu beenden,
indem sie ausreichende Förder-, Therapie- und Unterstützungsangebote
bereitstellen will und Lebensmöglichkeiten außerhalb der psychiatrischen
Anstalt in Wohngemeinschaften ermöglichen.
Die Österreichische Autistenhilfe geht davon aus, dass in jedem individuellen
Fall alle Ressourcen, die zur Verfügung stehen, genutzt werden wollen oder
müssen.
Das heißt, dass keine allgemeinen Hilfsangebote bereitgestellt werden, sondern
dass jede Familie, jeder Mensch mit autistischer Wahrnehmung, abhängig von
vorhandener Kompetenz, abhängig von vorhandener Leistungsfähigkeit,
abhängig von den Unterstützungs- und Fördererfordernissen, angemessene
Unterstützung erhalten soll.
40
Das bedeutet, dass keine Autistenkindergärten, keine Autistenschulen etc.
angestrebt werden, sondern dass in jedem individuellen Fall ganz spezifische
Maßnahmen entwickelt werden.
Projekt:
Besonders interessant fand ich folgendes Projekt der ÖAH, das mir Frau
Krehan erklärt hat:
Das Projekt „Einschulung von Kindern mit Autismus in integrativ geführten
Klassen“ startete mit dem Schuljahr 1996/97.Es wurden LehrerInnenteams auf
die Arbeit mit autistischen Kindern im Rahmen von
Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet beziehungsweise werden nunmehr
auch laufend durch Fachkräfte der ÖAH fachlich begleitet und unterstützt. Bis
jetzt sind über 20 Kinder mit autistischer Wahrnehmung erfolgreich in
Volksschul- und Hauptschulklassen integriert worden. Der Großteil der
integrierten Kinder erhält fachliche Assistenz durch PraktikantInnen und
Fachkräfte der ÖAH. Ohne diese Unterstützung wären in vielen Fällen
Aktionen wie Wandertage, Exkursionen, Schullandwochen und Ausflüge,
oftmals sogar der „normale“ Schulalltag kaum zu bewältigen gewesen.
Insbesondere im Rahmen dieses Projekts werden von der Österreichischen
Autistenhilfe Leistungen erbracht, die letztlich zu einer vollständigen oder
teilweisen Integration ins Berufsleben führen, was bedeutet, dass solchermaßen
geförderte Personen der Öffentlichkeit längerfristig weniger „zur Last fallen“,
da sie ein selbstständiges Leben führen können.
Zeitschrift:
Weiters gibt die ÖAH vierteljährlich eine Zeitschrift heraus „Betrifft:
autismus“, die zur Information über neue Erkenntnisse der Autismusforschung
und Therapie, sowie zur Veröffentlichung von Buchrezensionen, Erklärung
von Fachbegriffen und Beschreibung von Vereinsaktivitäten dient.
Kommunikationsrunde:
Eine Kommunikationsrunde wurde für Menschen mit Autistischer
Wahrnehmung und anderen Behinderten eingerichtet.
41
Einmal pro Woche treffen sich 10 bis 15 Erwachsene in den Räumen der ÖAH,
um einen Teil ihrer Freizeit miteinander zu verbringen. Moderiert werden diese
Runden von drei Praktikantinnen, welche nach den Wünschen der
Teilnehmer/Innen bei Aktivitäten unterstützen oder Vorbereitungen treffen.
Inhalte dieser Treffen können sein: Kinobesuch, Tanzen, Musizieren, Kekse
backen, Pizza essen, Plaudern, Spielen, Malen, Schwimmen gehen, Spazieren
gehen, Eis essen, etc. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass an
diesen Runden auch Menschen ohne aktiver Sprache teilnehmen. Viele positive
Rückmeldungen von Eltern und Betreuern bestätigen, dass diese
Kommunikationsrunden bereits ein wertvoller Bestandteil der
Freizeitgestaltung behinderter Menschen geworden ist.
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9.Fotogalerie autistischer Kinder:
Abb.19: Robin (1996)
Abb.20: Robin (1996)
Abb.21: Robin
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Abb.22: Robin (1999)
Abb.23:Laurence, 7 ½ Monate
Abb.24:
Gordon, 3 Jahre
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10. Nachwort:
In dieser Arbeit habe ich versucht, die wichtigsten Aspekte des frühkindlichen
Autismus, die man braucht, um die Welt autistischer Kinder wenigstens ein
bisschen verstehen zu können, darzustellen.
Ich habe sowohl theoretisches, aus verschiedensten Quellen angelesenes
Wissen, als auch praktische Tatsachen, die ich im Gespräch mit einer
Mitarbeiterin der Österreichischen Autistenhilfe erfahren habe, hier
niedergeschrieben.
Vor allem in den letzten Jahren haben Forscher viel über die möglichen
Ursachen dieser psychischen Störung herausgefunden, wie zum Beispiel die
Chromosomenanomalie.
Autismus ist durch seine Seltenheit und seine vielen verschiedenen
Erscheinungsmöglichkeiten jedoch nicht immer relativ unerforscht.
Dank dem Film „Rainman“ wurde Autismus auch bei Laien bekannt und ich
hoffe, auch ich habe mit dieser Fachbereichsarbeit dazu beigetragen, Autismus
und seine wichtigsten Grundlagen bekannter zu machen.
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Glossar:
Anoxie: (Weitgehendes) Fehlen von Sauerstoff; kann
den Gesamtorganismus
od. Teile desselben betreffen
Autismogen: Autismusverursachend
Cytomegalie - Virus: Bei oder vor der Geburt auf das Kind übertragenes
Virus, das schwere Allgemeinerscheinungen, u.a. auch
Gehirnblutungen und Krämpfe hervorruft
Down Syndrom: Mongolismus; auf Genmutation beruhende Form der geistigen
Behinderung
Dyslexie: Störung des Lesens
Echolalie: Wörtliche oder leicht abgewandelte Wiedergabe gesprochener od.
gehörter Wörter und Sätze ohne Rücksicht auf Inhalt und Situation
Hyperbilirubinämie: Erhöhung des Gallenfarbstoffes im Blut
Hyperglykämie: Erhöhter Blutzuckerspiegel (hier: der Mutter)
Hypoglykämie: Zu niedriger Blutzuckerspiegel (hier: des Neugeborenen)
Ikterus: Sog. Gelbsucht
IQ-Wert: Intelligenzquotient, ein Standardmaß, mit dem die in einem
Intelligenztest erreichte Leistung in Bezug auf eine Vergleichsgruppe
ausgedrückt wird. Ein IQ-Wert von 100 bezeichnet eine genau
durchschnittliche Leistung. Etwa 70% der getesteten Personen haben
IQ-Werte zwischen 85 und 115
Iteration: Stereotype Wiederholung von Lauten, Silben, Wörtern, Satzteilen
bzw. Sätzen, auch von rhythmischen Bewegungen
Lues: Syn. Syphilis (= Geschlechtskrankheit)
Meningitis: Entzündung der harten od. weichen Hirnhaut bzw. der
Rückenmarkhäute
Mutismus: Stummheit bei intakter Wahrnehmung erhaltenem Sprachvermögen
und intaktem Sprechorganen
Neologismus: Wortneubildung; Bildung eines Wortes, das im normalen
Wortschatz einer Sprache nicht vorkommt
Perinatal: Während der Geburt entstehend
Postnatal: Nach der Geburt
Pränatal: Vor der Geburt
Retardierung: Allgemeine Bezeichnung für Verzögerung oder Verlangsamung
einer Bewegung oder Entwicklung
Schizophrenie: Veraltete Bez. Spaltungsirresein; Form der endogenen
Psychose, die durch ein Nebeneinander von gesunden und
veränderten Erlebnis- und Verhaltensweisen gekennzeichnet
sind.Stereotypie: Verbale Äußerungen od. Bewegungen und
Handlungen, die oft
über lange Zeit und immer in der gleichen Weise wiederholt od.
beibehalten werden. St. können stark von Außenreizen abhängig
sein u. in der Form einer auf den eigenen Körper bezogenen
Stimulation od. als autoaggressives Verhalten auftreten
Symptom: Einzelne Krankheitserscheinung
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Syndrom: Eine Gruppe von Symptomen, die gemeinsam auftreten
Toxikämie: Gifte im Blut
Toxoplasmose: Durch Sporentierchen hervorgerufene Infektionskrankheit, die
von Haustieren übertragen wird.
Quellenverzeichnis:
Aarons, Maureen und Gittens, Tessa: Das Handbuch des Autismus: Ein
Ratgeber für Eltern und Fachleute. Beltz
Verlag, Weinheim und Basel, 1994
Barron, Judy & Jean: Hört mich denn niemand?. Goldmann Verlag, München,
1992
Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus. Wilhelm Heyne Verlag,
München, 1993
Kehrer, Hans E.: Autismus: Diagnostische, therapeutische und soziale Aspekte.
Roland Asanger Verlag, Heidelberg, 1989
Klicpera, Christian und Innerhofer, Paul: Die Welt des frühkindlichen
Autismus. 2., völlig neu überarb. u.
erw. Auflage, Ernst Reinhard
Verlag, München und Basel, 1999
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 257. neu bearb. Auflage, Walter de
Gryter Verlag Berlin und New York, 1994
Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: Klinische, pädagogische und soziale
Aspekte. 4.Auflage, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1992
47
Zeitschrift:
Rodier, Patricia M.: Autismus: Ein Defekt im Stammhirn ist Symptom, wenn
nicht Ursache der schweren Behinderung, Spektrum der Wissenschaft,
Ausgabe: Mai 2000, S.56-62
Internet:
http://www.a-site.at/Gesundheit/messages/270.htm
http:// www.autea.de
http://www.autismus.com
http://www.autismus.de
http://www.bidok.uibk.ac.at/texte/feuser-festhalten.html
http://www.dielebenshilfe.at/DBPages/00/01/35/89.html
Bilderverzeichnis:
Abb. Deckblatt: Spektrum der Wissenschaft: S.56
Abb.1: Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus: S.46
Abb.2: Kehrer, Hans E.: Autismus: S.78
Abb.3: Janetzke, Hartmut R.P.: Stichwort Autismus: S.37
Abb.4: Spektrum der Wissenschaft: S.58
Abb.5: Spektrum der Wissenschaft: S.62
Abb.6: Spektrum Der Wissenschaft: S.57
Abb.7: www.autismus.de
Abb.8: Klicpera, Christian und Innerhofer, Paul: Die Welt des frühkindlichen
Autismus: S.31
Abb.9: www.autismus.de
Abb.10: www.autismus.de
Abb.11: www.autismus.de
Abb.12: www.autismus.de
Abb.13: www.autismus.com
Abb.14: www.autismus.com
Abb.15: www.autismus.de
48
Abb.16: Kehrer, Hans E.: Autismus: S.122
Abb.17: Kehrer, Hans E.: Autismus: S.123
Abb.18: Unterlagen der ÖAH
Abb.19: www.autismus.com
Abb.20: www.autismus.com
Abb.21: www.autismus.com
Abb.22: www.autismus.com
Abb.23: Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: S.61
Abb.24: Wing, John K.: Frühkindlicher Autismus: S.64
Abkürzungsverzeichnis:
Abb.
bearb.
bzw.
erw.
ÖAH
überarb.
u.ä.
= Abbildung
= bearbeitet(e)
= beziehungsweise
= erweitert(e)
= Österreichische Autistenhilfe
= überarbeitet(e)
= und ähnliche
Ich erkläre, dass ich diese Fachbereichsarbeit selbst verfasst und ausschließlich
die angegebene Literatur verwendet habe.
Unterschrift:
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