2005

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marchegg
2005
redaktion: erich eder
skriptum im rahmen der lehrveranstaltung
freilanddidaktik in lehramt biologie und umweltkunde
zoologische station marchegg
30. april - 4. mai 2005
die teilnehmerInnen
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
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inhaltsverzeichnis
Schwerpunktthema 2005: Evolutionäre Trends
Peter Pany
Patrick Hacker & Hannes Penninger
Krista Lang & Claudia Loos
Doris Pargfrieder
Barbara Hudelist & Katharina Turic
Philip Holzweber & Christiane Maurer
Erich Eder
Barbara Rauer
Wahlpflichtfach BRG Wiener Neustadt
Erich Eder
Die TeilnehmerInnen
Vorwort
Kryptogamen: Vom Wasser aufs Land
Blütenökologie
Tierspuren
Wasserarthropoden und Mollusken
Reptilien der March-Auen
Evaluation Lehr- und Lernziele
Planung der Schulexkursion
Schülerinnen-Feedback
and now for something completely different
Nachtpfauenauge (Saturnia pyri)
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vorwort
von Peter Pany
Heuer war es soweit! Nachdem ich selbst
während des Studiums des öfteren Lehrveranstaltungen aus den Bereichen „Pädagogik“ und „Didaktik“ absolviert, und dabei
nicht nur gute Erfahrungen gemacht hatte,
war ich nun frischgebackener Lehrender in
einer ebensolchen Lehrveranstaltung.
Nun hatte ich also die Gelegenheit,
Studierende in Kontakt mit SchülerInnen zu bringen und ihnen dabei zu
helfen, ihr mehr oder weniger frisch
erworbenes/aufgewärmtes Wissen in
der Sondersituation Freilandexkursion an den Mann/die Frau zu bringen.
Tausend
verschiedene
Fragen
schwirrten mir durch den Kopf, u.a.:
Welche Themen sollte man vergeben?
Welche davon lassen sich im Freiland
überhaupt verwirklichen? Wieviel
und welche Betreuung werden die
StudentInnen benötigen? Biete ich
genügend Hilfe an ohne zu bevormunden? Und nicht zuletzt: Werden
wir genügend Bier gekauft haben?
Unabhängig von all diesen Eventualitäten
nahm ich mir eine Sache jedoch fest vor: ich
wollte gemeinsam mit Erich Eder und Walter Hödl ein Praktikum anbieten, von dem
die StudentInnen mit dem Gefühl nach
Hause fahren konnten, dass sie zumindest in
fachlicher und didaktischer Hinsicht davon
profitiert haben (ein Gefühl, das mir wäh-
rend meines Studiums in diversen Pädagogik- und Didaktikveranstaltungen leider
allzu oft verwehrt blieb).
Ich hoffe sehr, dass uns dies nun auch gelungen ist, doch wenn ich mich rückblickend an
Anfang Mai 2005 erinnere, so bin ich mir
dessen fast schon sicher. Wenn Ihr, die Studierenden, auch nur einen
Teil dessen mitgenommen
habt, was ich in diesen fünf
Tagen mit und durch Euch
gelernt habe, so hätten wir
unser Ziel schon erreicht.
Es war für mich heuer eine
ganz besondere Erfahrung,
das Flair dieser Exkursion
nicht als Student, sondern ab
nun von der anderen Seite
kennenzulernen und ich
wünsche Euch mit Euren
zukünftigen Schülern die
selbe Freude, wie ich sie mit
Euch gehabt habe!
Peter
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vom wasser aufs land
von Hannes Penninger und Patrick Hacker
Fachlicher Teil
Unsere Aufgabe war es, den Kindern das
Thema „Kryptogamen - vom Wasser aufs
Land“ näherzubringen. Das in diesem Jahr
ausdrückliche Betrachten des Themas im
Schlaglicht der Evolution ergibt sich hier
praktisch von selbst.
Wir betrachteten dabei folgendes:
Ausgehend von der Annahme, dass sich die
Pflanzen, wie auch alle übrigen Lebensformen (Tiere, Pilze, eukaryontische Einzeller,
Bakterien) primär im Wasser entwickelt
haben, gibt es vor allem drei Punkte zu klären:
Welche Anpassungen benötigt eine Pflanze
im Einzelnen um den Schritt zum Landleben
unternehmen zu können?
Die wichtigsten Anforderungen lassen sich
tabellarisch auflisten:
Stützgewebe bzw. -elemente – hat sie diese
nicht, so ist kein (oder nur in sehr eingeschränktem Maß durch den Turgordruck)
Höhenwachstum möglich, was durch den
auch an Land bestehenden Konkurrenzdruck
durch gegenseitige Abschattung jedoch wiederum erforderlich ist.
Abschlussgewebe nach außen ist als Schutz
vor Austrocknung nötig. Es wird eine Epidermis aus zwischenraumlos aneinandergefügten Zellen ausgebildet und diese zusätzlich noch durch eine Wachsschicht (Cuticula) nach außen isoliert.
Damit einhergehend ist Leitungsgewebe
nötig, da Nährstoffe nur mehr aus dem
Boden, nicht aber dem umgebenden Medium bezogen werden können. Diese müssen
nun mittels eines Wasserstromes aus dem
Boden in die entsprechenden Pflanzenorgane gelangen. Ansätze hierzu gibt es bereits
bei den Moosen.
Dazu werden in weiterer Folge Spaltöffnungen ausgebildet, die eine kontrollierte Transpiration an der Blattoberfläche ermöglichen.
Durch oben erwähnte Spaltöffnungen lassen
sich so auch Schwankungen in der Wasserverfügbarkeit durch Tag-Nacht-Rhythmen
oder dergleichen überbrücken.
Gleiches gilt auch für Anpassungen bezüglich des Metabolismus: C3-, C4- und CAMPflanzen (Crassulacean Acid Metabolism).
Üblicherweise wird bei Pflanzen im sogenannten Calvin-Zyklus das aus der Luft aufgenommene Kohlendioxid auf Ribulose1,5-bisphosphat übertragen Das dafür verantwortliche Enzym heißt RubisCO (Ribulose-1,5-bisphosphat-carboxylase / Oxyge5
nase). Da das für den CO2-Einbau in die
Phosphoenol-Brenztraubensäure verantwortlich Enzym PEP-Carboxylase eine
ungleich höhere Affinität zum CO2 besitzt
als RubisCO (Nultsch 2001), kann der CO2einbau auch bei geringeren Konzentrationen
von CO2 stattfinden, wenn die Spaltöffnungen wegen großer Trockenheit und damit
verbundener Gefahr des Austrocknens nicht
geöffnet werden können. Dies passiert in
ganz ähnlicher Form bei CAM-Pflanzen in
einem Tag-Nacht Rhythmus.
Last but not least: Das ungeheure Problem
der Verbreitung der Gameten. Während bei
primären Wasserpflanzen die männlichen
Gameten zu den weiblichen hinschwimmen
können, besteht diese Möglichkeit an Land
nicht, überdies sind die empfindlichen
Geschlechtszellen ebenfalls von Austrocknung bedroht. Abhilfe schafft auch hier wieder das Verpacken in eine schützende Hülle.
Ein frühes Beispiel hierzu sind die sogenannten Armleuchteralgen [Charophyceae,
Klasse der Abteilung Chlorophyta (Grünalgen im weiteren Sinn)]: hierbei wird die
Eizelle von sogenannten Berindungszellen
umgeben. Erfolgt eine Befruchtung, umgibt
sich die Zygote mit einer Zellulosewand, in
die Kalk oder Kieselsäure eingelagert werden (Till et al. 2003). Dies könnte man als
Überrest einer frühen Anpassung an z.B.
Trockenperioden deuten.
Der entscheidende Schritt jedoch passiert
bei der Entwicklung hin zu den Samenpflanzen. Der bei grundsätzlichen allen Pflanzen
vorhandene Generationswechsel ist hier, mit
Hinblick auf die zu ihrem Zusammenfinden
auf tropfbares Wasser angewiesenen Gameten reduziert. Die Makrospore, und mit ihr
der weibliche Gametophyt, welcher aus ihr
entsteht wird nicht mehr ausgebreitet, sondern verbleibt als „Anhängsel“ auf dem
Sporophyten. Die gesamte Geschlechtsgeneration wird nun von Gewebe des Sporophyten umhüllt. Erfolgt eine Befruchtung,
so entwickelt sich die Zygote innerhalb dieser sporophytischen Umhüllung zum
Embryo. Gleichzeitig wächst aus Gewebe
des eingeschlossenen ? Gametophyten
Nährgewebe für den Embryo heran (Die
Nährstoffe werden ebenfalls vom Sporophyten bereitgestellt). Dieses ganze Gebilde
bezeichnet man nun als Samen. Diese werden bei den Nacktsamern (Gymnospermae)
frei auf Sproßachsen gebildet, während bei
Bedecktsamern (Angiospermae) diese auf
eigenen Fruchtblättern gebildet und von diesen überdies eingehüllt (=“bedeckt“) werden. Denjenigen Abschnitt der Fruchtblätter,
der die Samen beherbergt, wollen wir hier
„Fruchtknoten“ nennen. Der Samen selbst
ist, bedingt durch die feste Umhüllung, wiederum austrocknungsresistent und kann
unter ungünstigen Bedingungen überdauern
und weit ausgebreitet werden.
Der unschätzbare Vorteil jedoch ist, dass der
Befruchtungsvorgang innerhalb einer schützenden Hülle stattfinden kann. Das örtliche
Zusammentreffen von Eizelle und Spermium wird quasi im Vorhinein von den Sporen
erledigt. Das, was als Pollen bezeichnet
wird, ist eigentlich homolog den Mikrosporen (denjenigen Sporen, aus denen ausschließlich männliche Gametophyten
erwachsen). Da Sporen mit keinen anderen
Zellen verschmelzen müssen, können sie
praktisch ab ihrer Bildung weitgehend austrocknungsresistent sein. Den weiten Weg
zur Eizelle kann der Pollen unter nicht
feuchten Bedingungen deshalb wesentlich
besser bewältigen als das eigentliche Spermium. Ist der Pollen erst einmal am Zielort
angekommen (dieser Ort ist derjenige an der
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Oberfläche des Sporophyten, an dem ein
Weg ins innere des Fruchtblattes Richtung
Eizelle führt, er heißt „Narbe“), wächst der
sogenannte Pollenschlauch aus. Dieser ist
eine lange Zelle, die drei Zellkerne beinhaltet, welche homolog dem männlichen
Gametophyten sind. Der Weg führt dabei
durch den Griffel in Richtung der Samenanlage, anschließend durch die vom umhüllenden sporophytischen Gewebe freigelassene
Öffnung, der sogenannten Micropyle zum
Embryosack, wo die Befruchtung erfolgt.
aus bis in Süssgewässer vorgedrungen sind.
Wenn man hierzu noch den Faktor von allfälligen Trockenperioden, Wa s s e r s p i e g e lschwankungen, etc… in Erwägung zieht,
dürften sich vor allem jene Individuen hervorgetan haben, welche in der Lage waren
auch kurze Zeiten außerhalb des Wassers zu
überdauern. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Pflanzen zuerst Abschlussgewebe zum Austrocknungsschutz als allererste Anpassung entwickelt haben.
Auch werden Stützgewebe am vegetativen
Teil reduziert, sofern die Pflanze zeitlebens
untergetaucht bleibt, Sumpfpflanzen benötigen dieses weiterhin.
Da der sexuelle Fortpflanzungzyklus, wie
unter Punkt 1 geschildert, derart aufwändig
an die Verhältnisse an Land angepasst ist,
muss dieser auch weiterhin außerhalb des
Wassers ablaufen, wobei Blüten über die
Wasseroberfläche getrieben werden.
Warum haben einige Tracheophyta II. Fachdidaktik
Und das oft erfolgreich, auch wenn es (Gefäßpflanzen) wieder den Weg zurück ins
außerhalb der Pflanze völlig trocken ist! Wasser eingeschlagen und was sind nun Didaktische Reduktion
deren Anpassungen?
Was könnte sie dazu bewogen haben?
Die verwendeten Anschauungsmaterialien
Das Szenario ist meiner Meinung nach völ- waren für die 2. Klasse wie auch für die 7.
Man kann davon ausgehen, dass die frühen lig analog zu Punkt 2 zu veranschlagen, Klasse im Wesentlichen die gleichen, wir
Wasserpflanzen (so sie nicht schwimmend, wobei viele terrestrische Anpassungen wie- beschränkten uns lediglich darauf, die Erkläsondern auf Substrat zur Verankerung und der zurückgenommen werden und sekundär rungen und die Thematik des gesprochenen
damit Standortsicherung) in Küstennähe aquatischen Adaptionen weichen müssen. Vortrags der Altergruppe entsprechend anzuwuchsen, da nur dort das Wasser seicht Dazu zählt beispielsweise eine Reduktion passen.
genug ist, um genug Licht für die Photosyn- der Cuticula und das Aufnehmen von Nähr- Bei den teilweise in Aquarien vorbereiteten
these durchzulassen. Entsprechend hoch stoffen direkt über die Blätter, welche zur und mit Namenskärtchen versehenen
dürfte mit der Zeit der Konkurrenzdruck Ve rgrößerung der Oberfläche zerteilt, Anschauungsobjekten handelte es sich um:
geworden sein. Es ist in diesem Lichte gelappt bis hin zu gefiedert ausgeprägt sind.
betrachtet durchaus vorstellbar, dass viele (Nebenbei bemerkt dient dies auch der Grünalgen; darunter eine im Binokular deutPflanzen über die Brackwasserbereiche hin- Anpassung an Strömungsverhältnisse). lich am schraubig gewunden Chromatophor
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erkennbare Spirogyra sp. (Schraubenjochalge). Die Kinder sollten die Algen dabei
berühren, um zu „begreifen“, dass sie
außerhalb des Wassers aufgrund ihres Körperbaues nicht lebensfähig sind. Bei der
zweiten Klasse beschränkten wir uns auf die
Merkmale „Kein Schutz vor Austrocknung“
und „Kein aufrechter Wuchs
möglich“, wobei wir die 7. Klasse mit Begriffen wie Leitungsgewebe und Epidermis konfrontierten. Allen gemein wiederum war
der Blick durchs Binokular um
das typische Merkmal von Spiro gyra zu erkennen
Bei dem als Handstück zur Verfügung stehenden Laubmoos (Ordnung Bryidea, Birnmoosähnliche) sollte primär der aufrechte
Wuchs der Moosstämmchen
erkannt werden. Hauptsächlich
erklärten wir die Funktion der
Sporenbehälter und die Tatsache,
dass es sich hierbei um eine von
zwei abwechselnd auftretenden
handelt, von der eine der anderen
aufsitzt. Die 7. Klasse erfuhr
zudem noch vom einfachen bzw.
doppelten Genom der beiden
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
Generationen.
Unsere vor der 2. Klasse aufgestellte
Behauptung, dass Moose nur an prinzipiell
feuchten Stellen wachsen können, ist eine
Reduktion, um jenen recht abstrakten Sachverhalt der Angewiesenheit der Gameten auf
tropfbares Wasser zu umgehen. Tatsächlich
sind sie eben nur in ihrem Fortpflanzungszyklus auf Wasser angewiesen
Laubblätter eines Farnes (Asplenium rutamuraria, Aspleniaceae) mit deutlich sichtbaren Sporenlager an der Blattunterseite wurden demonstriert, durchgereicht und erklärt,
wobei die deutlich rigiden Blätter die Trok-
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kenheitsresistenz „erfühlen“ lassen sollten.
Die umstehende Vegetation an Gräsern, Phanerophyten, etc… wurde von uns als
Musterbeispiel der Anpassung an terrestrisches Leben hingestellt
Die Wasser-Sumpfkresse (Rorippa amphi bia, Fam.: Brassicaceae) wurde von uns als
erstes von fünf Beispielen für sekundär
aquatische Lebensweise gewählt. Als
Sumpfpflanze besitzt sie einen deutlichen
Blattdimorphismus (ganzrandige Laubblätter über der Wasseroberfläche, untergetauchte Blätter sind deutlich gefiedert) welcher
von den Kindern durchwegs von selbst
erkannt wurde. Erwurde von uns als zur Vergrößerung der Blattoberfläche nötig erklärt,
da die Aufnahme von Nährstoffen über die
Blätter, zu welcher die Pflanze wieder übergeht, leichter ist als über die Wurzel.
Ein Sprossstück des Hornkrauts (Cerato phyllum sp.) demonstriert die Tendenz zu
gefiederten, feingliedrigen Blätter bei Wasserpflanzen natürlich sehr eindrucksvoll.
Der Grund für die Einlagerung von Hornsubstanz wurde von uns nicht näher erläutert.
Die kleine Wasserlinse (Lemna minor) zeigt
als Schwimmpflanze eine spezielle Anpassung an den Lebensraum „Wasseroberflä-
che“. Da die Wurzel nicht mehr als Verankerungsorgan dient, könnte sie eigentlich wegfallen, da es aber keine anderen völlig im
Wasser befindlichen Pflanzenteile gibt,
bleibt sie in ihrer Funktion als Nährstoffbeschaffungsorgan erhalten.
Unser Standtitel „Der Weg der Pflanzen –
vom Wasser aufs Land und manchmal wieder zurück“ sollte den Kindern bereits von
Beginn an verdeutlichen, worum es bei dieser Station geht.
Wichtig schien es uns vor allem die Kleineren durch gezieltes Begreifen im ursprünglichen Sinn, also antasten, berühren von Dingen einen ersten Bezug dazu herzustellen,
wichtig vor allem bei den „schlazigen“
Grünalgen. Alle Exponate, die wir in den
Aquarien hatten, haben die Kinder auch in
die Hand bekommen (mit Ausnahme der
Wasserlinsen), während wir die Sumpfkresse als auch die Wasserlinsen direkt am
Standort, wenige Schritte abseits der Station, aufsuchten.
Dies auch deswegen, da wir uns im Vorhinein darüber klar waren, dass Pflanzen ein bei
jungen Menschen im Allgemeinen auf
wenig Interesse stoßendes Thema sind. Aus
diesem Grund entschlossen wir uns auch für
einen frontalen Vortrag, da angesichts der
doch relativen Abstraktizität des Themas
„Evolution bei Pflanzen“ keine Eigeninitiative für selbständiges Anschauen, etc… zu
erwarten war.
Um das Auditorium auch geistig bei der
Stange zu halten, beschlossen wir, wichtige
Dinge durch Fragen an die Schüler von diesen selbst entwickelnzulassen, z.B.: Was
unterscheidet die Alge vom Moos? Dazu
sollen sie sie aus dem Aquarium herausnehmen und feststellen, dass die Alge keinen
aufrechten Halt hat. Ebenso sollte beim
Blick auf eine unscheinbare, ausgetrocknete
Lacke (zu der wir sie hinführen) einen ebenso vertrockneten Algenrest sehen, und
erkennen, dass das Moos, obwohl es in der
Sonne liegt, noch vital scheint. Damit sind
die beiden augenscheinlichsten Anpassungen bereits von den Kindern selbst „entdeckt“ worden!
Weiters erfragten wir noch die Gründe,
warum die Pflanzen das Wasser verlassen
haben könnten und weshalb manche wieder
in dieses Medium zurückgegangen sein
könnten.
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Bei der 7. Klasse gingen wir aufs Ganze und
versuchten ihnen so einfach, knapp und prägnant das Problem des Austrocknungsschutzes der Gameten und der damit einhergehenden Reduktion des Gametophyten bei den
Samenpflanzen nahezubringen. Dazu erklärten wir zunächst anhand einer Grafik den
Ablauf des Generationswechsels und versuchten anschließend die einhergehende
Reduktion begreiflich zu machen. Die obere
Grafik ist eher zum Nachlesen für Interessierte gedacht.
Reflexion
Das Vermitteln der Take – Home - Message
„Pflanzen sind ausgesprochen hoch entwikkelte und an ihre Umwelt bestangepasste
Lebewesen“ betrachten wir als im Großen
und Ganzen als gelungen. Abgesehen von
der Tatsache, dass viele der jüngeren Kinder
sich durch unvorhergesehenes Auftreten von
Tieren (Fröschen, tote Fische, etc…) sehr
leicht vom Thema Pflanzen ablenken lassen,
konnten wir sie ganz gut zum Mitmachen
animieren. Dabei fällt auf, dass diese sich
auch leichter begeistert zeigen, als die
Großen, wobei diese sich wiederum nicht so
leicht ablenken lassen. Hierbei wichtig zu
betonen ist die primär auffallende Absurdität
der Tatsache, dass die schwieriger zu kontrollierenden 11 – 12 jährigen in wesentlich
größerer Klassenstärke zu kontrollieren
waren als die eigentlich interessierteren älteren SchülerInnen. Straffe Organisation war
bei den jüngeren schon aufgrund der Tatsache notwendig, dass jede der StudentInnen –
Gruppen im Laufe des Tages viermal die
eigene Station vorstellen musste und Verzögerungen vermieden werden mussten.
Die Gametophytenreduktion wurde von den
Schülern der 7. Klasse gefühlsmäßig kaum
verstanden, es bräuchte dazu mehr Vorwissen, was im Gelände in kurzer Zeit nicht
rüberzubringen ist. Ich hatte, obwohl
zustimmendes Nicken erfolgte, eher das
Gefühl, dass die Komplexität dieses Sachverhalts ein allzu schwer verdaulicher Brokken ist, dessen Verständnis schon kippt,
wenn man gerade als Vortragender sich nicht
perfekt an einen roten Faden hält. Dann wird
es sehr schnell undurchschaubar und führt
eher zu Verwirrung. Für uns im Nachhinein
sehr schade ist die Tatsache, dass sich die
SchülerInnen trotz mehrmaliger Aufforderung kaum trauten bestehende Unklarheiten
durch Fragen zu klären. Wir hatten ja, da uns
das Vorwissen der Klasse gänzlich unbekannt war – in unserer Vorbereitung nicht
wirklich darauf eingehen können, und waren
in der Hoffnung verblieben, die SchülerInnen würden uns durch ihre Fragen über den
Stand ihres Vorwissens aufklären, eine Hoffnung die sich leider nicht erfüllte.
Geradezu mehr an unserem Vortrag interessiert – wenn nicht gerade ein Frosch vorbei
sprang – als die Älteren die eher den Eindruck vermittelten den Vortrag über sich
ergehen lasen zu müssen. Erstaunlich gut
geklappt dagegen hat das „Selber auf Merkmale draufkommen lassen“, also das Erfragen von sichtbaren Sachverhalten, wenn die
Schüler das Objekt erst einmal vor sich
haben. Hier greift ein gewisser Faszinationseffekt, ausgelöst von vorher nie bewusst
Wahrgenommenem. Auffallend war in diesem Zusammenhang, das die jüngere Gruppe viel eher und schneller bereit war in die
Becken zu fassen und sich mit den augenoder besser finger- scheinlichen Unterschieden der ausgestellten Objekte zu befassen.
Die 16 – 17 jährigen ließen sich vielmehr
bitten und mussten offensichtlich erst eine
bestimmte Wartezeit verstreichen lassen um
ihren Coolnessfaktor nicht zu reduzieren.
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Die Jüngeren waren da viel eher bereit auch
in das Becken mit den Algen zu fassen,
wobei mir bei einigen schien das sie das
mehr als Mutprobe taten als aus wahrem
Interesse an der Struktur der Wasserpflanze.
Generell lässt sich sagen, dass gerade die 11bis 12-Jährigen noch eine stringente Führung durch das Thema, oder sagen wir besser: straffe Organisation verlangen. Die 7.
Klässler erfordern deutlich weniger Ordnungsrufe. Dafür waren die jüngeren auch
augenscheinlich interessierter (?)
Zusammenfassung
Lehrziel: Erkennen und Verstehen von
Anpassungen der Pflanzen an das Leben
außerhalb des Wassers und die Tatsache,
dass viele Wasserpflanzen „Rückkehrer“ ins
Wasser sind, und deshalb wieder einige
Merkmale reiner Wasserpflanzen ausbilden.
Konfrontation mit Zusammenhängen und
Ursachen für die evolutionär entstandene
Diversität sowie die Möglichkeit einige der
besprochenen Objekte nicht nur in Becken
sondern auch in situ zu beobachten sollen
nicht nur zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den besprochenen Grundlagen führen, sondern auch ein intuitives Verständnis
der Evolution als Grundpfeiler alles Leben- Literatur
den ermöglichen.
Nultsch, W. (2001): Allgemeine Botanik,
Methode: Frontaler Vortrag mit viel Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York.
Anschauungs- und Angreifsmaterial und
Till et al. (2003): Informationsblatt zu
einem Schuss erfragendem Entwickeln. Die
‚Diversität der Pflanzen und Pilze', Institut
Begründung für die Wahl der Methode liegt für Botanik der Univerisität Wien, 38
in den teilweise schwierig zu fassenden
Kernpunkten des Inhalts unseres doch relativ weit gefassten Themas. Uns war es wichtig sicherzustellen dass jede Gruppe die
unsere Station durchgemacht hat, unsere
doch sehr exakt formulierte Take – Home –
Message auch wirklich mit nach hause
nimmt. Vor allem wollten wir verhindern
dass durch leichte Berieslung der Eindruck
bei den Zuhörern entsteht nicht aufpassen zu
müssen den wenig ist schlimmer als wenn
man aus einem Vortrag nur unzusammenhängende Satzfetzen mitnimmt die im
schlimmsten Fall eine falsche Gesamtsicht
bedingen. Auf Grund des auch bei den älteren vollkommen fehlenden Grundstockes
auf dem aufzubauen gewesen wäre, konnte
auch wenig mit Partner, Gruppen oder anderer Teamarbeit erarbeitet werden, nicht nur
war der zeitliche Rahmen zu begrenzt dafür,
es hätte unserer Meinung auch den SchülerInnen nichts gebracht.
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blütenökologie & bestäubungsstrategien
von Claudia Loos und Krista Lang
Fachlicher Teil:
Wir haben dieses Thema deshalb gewählt,
weil es uns selbst sehr interessiert. Was wir
aber zuerst nicht bedacht haben, ist, dass es
etwas schwierig ist, Schülern ein botanisches Thema näher zubringen. Jugendliche
finden Pflanzen meist langweilig, Pflanzen
bewegen sich nicht, geben keine Geräusche
von sich, sie sind sozusagen „leblos“. Aber
gerade deshalb wollten wir den Schülern
zeigen, dass es nicht so ist. Daher überlegten wir von Anfang an, wie wir dieses botanische Thema, neben den vielen zoologischen Highlights, für die Schüler auch
möglichst spannend gestalten könnten.
Wir wählten diesmal einen etwas anderen
Zugang zur Flora, als unsere Kollegen in
den Jahren zuvor, wo eigentlich immer mit
essbaren Pflanzen gearbeitet wurde. Und
zwar setzten wir heuer den Schwerpunkt
bei den Bestäubungsstrategien von Pflanzen und dem daraus resultierenden Aufbau
der Blüten. Wir zeigten die gegenseitige
Abhängigkeit von Pflanzen und Insekten
auf. Ohne Insekten gäbe
es keine Pflanzen und
umgekehrt.
Bestäubung
Bestäubung ist die Übertragung des Pollens von
den männlichen Blütenorganen (Staubblätter) auf
die weiblichen Blütenorgane (Fruchtblätter –
bestehend aus Fruchtknoten, Griffel und Narbe).
Da die Blütenpflanzen an
ihren Standort gebunden sind, sind sie bei
der Übertragung des Pollens auf äußere
mechanische Hilfe angewiesen. Die beiden
wichtigsten Arten des Pollentransportes
zwischen verschiedenen Individuen einer
Art (Fremdbestäubung) sind der Wind
(Anemophilie) und Tiere (Zoophilie). Was
letztere betrifft so spielen bei uns vor allem
Insekten eine überaus wichtige Rolle.
Außerdem greifen aber auch einige Pflanzen auf die Selbstbestäubung (Autogamie)
zurück.
Windbestäubung
Windbestäubung ist besonders bei Pflanzen,
die sehr individuenreiche Populationen aufbauen zu finden. Beispiele dafür sind
Bäume und Gräser.
Merkmale von windbestäubten Blüten:
Sie besitzen keinen Schauapparat und sind
daher meist sehr unscheinbar. Außerdem
bilden sie auch keinen Nektar. Blüten sind
hier oft in großer Zahl vorhanden und es
wird eine große Menge an Pollen produziert. Die einzelnen Pollenkörner sind sehr
klein, haben ein geringes spezifisches
Gewicht und eine glatte Oberfläche ohne
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Pollenkitt und Klumpenbildung. Die Narbe
hat meist eine große (z.B.: aufgefiederte)
Oberfläche, damit genügend Pollen darauf
landen kann.
an die Insekten dient. In manchen Fällen
werden die Pollenkörner auch in ganzen
Paketen verfrachtet (z.B. Orchideen).
Evolution entstanden immer komplizierter
gebaute Blüten, z.B. Lippenblüten = bilaterale Blütensymmetrie. Weiters bildeten sich
komplexe Blütenstände (Infloresenzen).
Selbstbestäubung
Häufig ist dabei ein Zusammenhang zwiTierbestäubung
Viele Pflanzen mit Zwitterblüten fördern
schen zunehmender Verkleinerung, dafür
Im Laufe der Evolution der Bedecktsamer
zwar die Fremdbestäubung lassen sich aber aber zahlenmäßiger Vermehrung der Blüten
erfolgte eine starke Differenzierung der
den Ausweg der Selbstbestäubung für den
erkennbar. Schließlich traten Blütenstände
Lock- und Reizmittel sowie des Blütenbau- Notfall (d.h. bei Ausbleiben von Fremdbe- bestehend aus vielen reduzierten Einzelblües. Dadurch wurden immer mehr Tiergrup- stäubung) offen. Andere, vor allem einjähri- ten und sterilen auffälligen Randblüten auf,
pen, besonders die verschiedensten Insekge Pflanzen, die instabile Standorte besiedie wie strahlige Einzelblüten wirken. Solten und in den Tropen auch verschiedene
deln, „verzichten“ auf die Durchmischung
che Gebilde wirken blütenökologisch als
Vögel, für die Bestäubung gewonnen.
des Erbgutes und sind zur „sicheren“
eine Blume (=bestäubungsbiologische EinMerkmale von Tierblüten:
Selbstbestäubung (Autogamie) übergegan- heit), z.B. bei den Korbblütlern.
Von Tieren (bei uns Insekten) besuchte Blü- gen, da die Samenbildung zur Sicherung
Scharbockskraut (Ranun ten sind der Körpergröße und dem Körper- des Überlebens der Population sichergeculus ficaria), Hahnenbau der spezifischen Bestäuber entsprestellt werden muss.
fußgewächse
chend dimensioniert. Die Blüten sind meist Merkmale der Blüten:
lebhaft gefärbt. Bei Insekten sind sie oft
Ihre Blüten sind sehr klein und unscheinBlüte: auffällige gelbe
purpurn oder gelb, rote Färbung findet man bar, ihr Schauapparat ist mehr oder weniger
Farbe, radiärsymmetrische
nur sehr selten (z.B.Klatschmohn). Geleverkümmert. Die Staub- und Fruchtblätter
Einzelblüte
gentlich haben sie auch auffällige, manchdieser Pflanzen reifen gleichzeitig. In
Bestäuber: Biene
mal „unsichtbare“ UV – Muster(„Saftmamachen Fällen öffnen sich die Blüten gar
le“). Sie besitzen Pollen oder Nektar (selten nicht mehr und die Selbstbestäubung findet
Kleine Taubnessel (Lamium
Öl) als Lockmittel für die Insekten. Der
innerhalb der geschlossenen Blüte statt (=
purpureum), Lippenblütler
Pollen wird in kleinen, „ökonomischen“
Kleistogamie).
Mengen produziert. Ihre Pollenkörner sind
Blüte: rosa bis purpurfarben,
groß mit vielfältigen Strukturierungen der
bilaterale Einzelblüten
Oberfläche (Stacheln, Warzen, ...)
Entwicklung der Blütenpflanzen
Bestäuber: Hummel
Außerdem sind die Pollenkörner klebrig
Einzelblüten mit Radiärsymetrie sind die
Besonderer Bestäubungsmedurch Pollenkitt, was auch zur Anhaftung
ursprüngliche Blütenform. Im Laufe der
chanismus: Die Taubnessel
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bietet durch ihre Blütenform einen guten
Landeplatz für Hummeln. Während das
Insekt mit seinem langen Saugrüssel in der
Tiefe der Blütenröhre nach Nektar sucht,
streift es mit seinem pelzigen Rücken an den
Staubbeuteln entlang und wird mit Pollen
eingepudert. Die nächste Blüte kann nun
damit bestäubt werden.
Osterluzei (Aristolochia Didaktischer Teil
clematitis), Osterluzeigewächse
Orientierungsphase
Wir haben das Thema Blütenökologie für die
Freilanddidaktik Marchegg ausgewählt, da
Blüte: gelb, Einzelblüte = uns spontan allerhand dazu eingefallen ist.
Fliegen – Kesselfalle
Blütenökologie, Bestäuber und Blüte, sollten
Bestäuber: Fliegen
im Mittelpunkt stehen.
Die drei Begriffe, die wir mit den Schülern
Wiesenkerbel
Besonderer Bestäubungsmechanismus: Die genauer unter die Lupe nehmen wollten,
(Anthriscus sylvestris), Dol- Osterluzeiblüte ist eine Fliegenkesselfalle. waren:
denblütler
Die Innenseiten der trichterartigen Blütenöff- -Bestäubung (Windbestäubung, Tierbestäunung ist durch einen Wachsüberzug so glatt, bung und Bestäubung durch das Wasser)
dass landende Fliegen abrutschen und
-Lockmittel (Duft, Farben und Form der
dadurch in den Kessel am Blütengrund fal- Pflanze)
Blüte: weiß, mehrer kleine
len. Abwärts gerichtete Haare (Sperrhaare) -Anpassungen an Bestäuber,
Blüten zu einer Dolde verei- verhindern ein Hinauskriechen. Wenn die
Schauapparate(z.B. Schleudermechanismus)
nigt
Insekten artgleichen Blütenstaub mitbringen,
Bestäuber: Käfer
bestäuben sie die Narben am Grund des Kes- Während der Vorbereitungsphase zu Hause,
sels. Welkt die Blüte nun, öffnen sich die
schaute unsere Schulstunde noch ziemlich
Staubgefäße und pudern die Insekten im
anders aus, als wir sie dann tatsächlich in
Kessel mit Blütenstaub ein. Jetzt welken
Marchegg durchführten. Motiviert und
auch die Sperrhaare und geben die Gefange- begeistert wollten wir Modelle bauen, um
nen frei.
den Schülern den Bestäubungsvorgang eines
Vogelmiere (Stella - Tieres zu verdeutlichen, wir wollten Mundria media), Nelken- werkzeuge toter Tiere zeigen, wie z.B. den
Löwenzahn (Taraxacum officinale),
gewächse
Rüssel eines Schmetterlings oder die sauKorbblütler
Blüte: weiß,
gend- leckenden Mundwerkzeuge der Biene.
Blüte: gelb, viele Einzelblüten zu einem
unscheinbare, kleine Wir waren von der Idee begeistert Bienen
Korb vereinigt
Einzelblüten
auf verschiedene Düfte zu dressieren. Aber
Bestäuber: Biene
Bestäuber: Selbstbestäubung
leider fehlte uns für die Modellbauten die
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
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nötige Zeit, wir entschieden uns, dass der
Bestäubungsvorgang an lebenden Tieren
besser gezeigt werden kann als an toten
Tieren und für die Bienendressur fehlte der
Strom und die benötigte Kühlvorrichtung.
Nun hieß es umdisponieren und sich nach
anderen Gestaltungsmöglichkeiten
umschauen. Wir stöberten im Strasburger
(um uns vorerst einmal das nötige Wissen anzueignen) und in
weiterer botanischer Literatur.
(siehe Literaturverzeichnis)
des Windes). Blumen, die die Kinder fanden waren z.B.: Veilchen (Viola sp.),
Kreuzlabkraut (Cruciata laevipes), Echter
Beinwell (Symphytum officinale), Vogelmiere (Stellaria media), Echter Kerbel
(Anthriscus cerefolium), Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum), Löwenzahn
(Taraxacum officinale agg.), Großes Schöll-
kraut (Chelidonium majus), Acker-Stiefmütterchen (Viola tricolor), Warzen-Wolfsmilch (Euphorbia verrucosa),Traubenkirsche (Prunus padus), Hirtentäschel (Cap sella bursa-pastoris) Knoblauchsrauke
(Alliaria petiolata), Acker-Hellerkraut
(Thlaspi arvense). Jedes der Kinder sollte
kurz seine Überlegungen zur Bestäubung
Didaktische Reduktion
Für die erste Klasse AHS:
Unsere kleine Schule im Freien
befand sich inmitten einer Wiese
voll mit Blütenpflanzen. Wir
wollten uns direkt „in unserem
Thema“ niederlassen.
Zu Beginn unserer Blütenökologieeinheit schickten wir die
Schüler los, sie sollten verschiedene Blütenpflanzen sammeln
und dabei überlegen, welches
Tier diese Blume wohl bestäuben
wird, oder ob der Wind die Pollenkörner verbreitet (bei den
Erstklässlern beschränkte sich
das Thema Bestäubung lediglich
auf die mit Hilfe von Tieren und
15
verkünden. Anhand eines Plakates erklärten
wir den Unterschied zwischen Tier- und
Windbestäubung und gemeinsam erarbeiteten wir mit den Schülern die Voraussetzungen bzw. Bedingungen für eine Windbestäubung oder Tierbestäubung. Wir gingen
vor allem auch auf die Bedeutung von
Farbe oder Duft der Blüte ein. Zur Vertiefung des Gelernten klebten die Schüler die
gesammelten Blumen auf ein Plakat und
schrieben die wichtigsten Merkmale,
jeweils zur Wind- und Tierbestäubung, in
die richtige Spalte.
Zum Abschluss stellten wir den Schülern
noch zwei besonders interessante Blütenpflanzen vor, die in den Marchauen wachsen, die Osterluzei (Aristolochia clematitis)
und die Taubnessel (Lamium
purpureum),wobei die Schüler den
süßlichen Nektar der Taubnessel selber heraus saugen durften.
Wahlfachklasse:
Mit der Wahlfachklasse wollten wir unser
Augenmerk vor allem auf die unterschiedlichen Arten der Bestäubung (Tier- Wind und
auch Selbstbestäubung) legen und dabei auf
den davon abhängigen Bau der Pflanze eingehen. Das Thema Evolution durfte nicht
zu kurz kommen.
Wir erklärten den Übergang von der Einzel-
blüte am Beispiel des Scharbockkrautes
(Ranunculus ficaria) zu der Sammelblüte
am Beispiel des Löwenzahnes (Taraxacum
officinale).Die Schüler sollten lernen, dass
der Schauapparat einmal aus einer Blüte
bestehen kann und bei einer anderen Pflanze können mehrere Blüten den Schauapparat bilden wie z.B. beim Echten Kerbel
(Anthriscus cerefolium). Auch besprachen
wir die Bestäubung der Osterluzei und der
Taubnessel genauer. Die Schüler konnten
sich die einzelnen Blüten unter dem Binokular anschauen.
Was hat geklappt, was nicht
Die ersten Schüler, die von der Blütenökologie hören sollten, waren die Schüler der
ersten Klasse. Wir freuten uns sehr, endlich
einmal wirklich etwas mit Schülern durchzuführen und auszuprobieren. Wir waren
gespannt, aber auch ziemlich nervös und
ängstlich, da wir nicht wussten, wie die
Schüler auf unser eher „langweiliges“
Thema reagieren würden. Wir waren
besorgt, ob wir sie tatsächlich etwas Neues
lehren könnten. Unsere „take home message“ wollten wir uns stets vor Augen halten. Diese war: die Schüler sollen verstehen, dass Tiere und Pflanzen aneinander
angepasst sind, es braucht sowohl das Tier
als auch die Pflanze, damit die Natur, so
schön wie sie ist, entstehen kann und auch
so bestehen bleibt.
Als dann die ersten Schüler zu uns kamen,
stöhnten sie bereits schon vor Hitze und
auch wir hatten blöderweise unsere Station
in ein sonniges Plätzchen gestellt. Bei der
letzten Gruppe dann hatten wir Zeit, unsere
Station in den Schatten zu stellen. Wir hatten uns bewusst kein Zelt besorgt, da wir
mit den Schüler direkt in der Wiese unter
freiem Himmel am Boden zwischen den
Pflanzen sein wollten. Das hat sich aber
gleich schon als eine schlechte Idee herausgestellt. Bei unserer Station sollten die
Schüler die Unterschiede zwischen Windund Tierbestäubung auf ein Plakat schreiben und dazu die dazugehörigen Pflanzen
kleben. Leider waren die Schüler nicht
interessiert auf das Plakat zu schreiben und
auch nicht die Blumen hinaufzukleben, die
eh schon ziemlich verwelkt waren. Wir
haben dann gemerkt, dass auch wir keine
Freude mit einem solchen Plakat hätten, wo
man nicht einmal erkennt, welche Blumen
überhaupt darauf geklebt wurden. Die letzte
Gruppe, die an unsrer Station vorbei kam,
brauchte dann auch kein Plakat mehr anfertigen. Wir dachten, es würde ihnen Spaß
machen, aber dem war nicht so. Leider
waren die Schüler auch enttäuscht, als wir
sie beauftragten ein paar schöne Blumen zu
16
sammeln, da die Blumen alles andere als
schön waren, in ihren Augen. Ein Schüler
meinte dann “hier gibt es aber keine schönen Blumen. Die kleinen Blumen hier sieht
man nicht einmal. Er bräuchte eine Lupe!“
Aber generell hat das Blumensammeln den
Schülern, glauben wir, schon Spaß gemacht
und sie waren auch interessiert, wie die
Bestäubung der Osterluzei und der Taubnessel funktioniert und alle wollten den
Nektar der Taubnessel kosten. Gut hat auch
funktioniert, dass die Schüler alle sehr viel
zum Thema Blütenökologie wussten und so
konnten mit den älteren Schülern schon
kleine Diskussionen entstehen. Gefreut hat
es uns auch, als wir tatsächlich eine Biene
dabei erwischten, wie sie versuchte einen
Löwenzahn zu bestäuben. Wir bildeten
einen Kreis um das Tier und schauten ihm
dabei zu. Das hat den Schülern sehr gefallen. (Leider ist das nur einmal passiert!)
Wir hatten einen wunderschönen lebenden
Osterluzeifalter vom Professor bekommener. Er gefiel den Schülern sehr. Eine Schülerin meinte dann sie wisse nun, wer die
Osterluzei bestäubt, dieser Schmetterling.
Wir glauben, dass dieses Tier die Schüler
verwirrt haben könnte, da ja Fliegen diese
Blume bestäuben und der Falter nur den
Namen vom Ort der Eiablage trägt.
Nachdem wir gesehen hatten, dass bereits
die Schüler der 1. Klasse sehr viel von
dem, was wir ihnen lehren wollten, wuss-
17
ten, haben wir uns den ganzen Tag, bevor
die Wahlfachklasse kam, auf diese vorbereitet. Mit Hilfe von Peter konnten wir
dann auch noch einiges Interessantes erzählen, vor allem erarbeiteten wir zusammen
die evolutionären Vorgänge von der Einzelblüte zur Sammelblüte.
zungen von uns (passiv) und zum Schluss
noch mal zusammenfassen bei der 1. Klasse durch das Anfertigen eines Plakates
(aktiv) und bei den älteren Schülern, wollten wir die Evolution noch einbringen und
das genauer Betrachten der Blüte unter dem
Binokular (aktiv).
Was war das Lehrziel? Was war die
Methode?
Unser Lehrziel:
- Schüler sollen verstehen, dass Tiere und
Pflanzen aneinander angepasst sind/haben,
es braucht sowohl das Tier als auch die
Pflanze, damit die Natur, so schön wie sie
ist, entstehen kann und auch bestehen
bleibt.
- Schüler sollen lernen, dass bestimmte
Tiere nur ganz bestimmte Pflanzen bestäuben können
- Schüler sollten begreifen, dass das Leben
ein Zusammenspiel zwischen Tier, Pflanze
und Mensch ist, und dass dieser sich nicht
über alles andere stellen darf.
- verschieden Pflanzennamen lernen
- Bau der Blüte wiederholen
- verschieden Bestäubungsstrategien kennen lernen
Uns hat das Arbeiten mit den Schülern sehr
viel Spaß gemacht und wir freuen uns darauf, wenn wir bald wieder etwas mit Schülern machen können. Wir hoffen, dass das
nächste Mal vieles besser gehen wird. Wir
müssen noch so viel lernen z.B. ein Problem war, dass wir die Schüler immer auf
eine ganz bestimmte Antwort hingedrängt
haben. Wir wollten genau das hören, was
wir uns wünschten und nicht das, was sich
die Schüler denken. Wir müssen uns ein
andermal viel genauer zu einem bestimmten Thema einlesen, vorbereiten und uns
wirklich gut auskennen. Uns ist manchmal
vorgekommen, dass wir auch nicht mehr
wissen als die Schüler und das sollte bei
Lehrern doch nicht sein.
Marchegg war ein sehr schönes Erlebnis
und vor allem die Arbeit mit den Schülern
hat Spaß gemacht und unsere Wahl Lehrerinnen zu werden, bekräftigt.
Die Methode war: zuerst sammeln (aktiv),
dann gemeinsames Gespräch und Ergän-
Literatur:
Adler, W., K. Oswald & R. Fischer (1994):
Exkursionsflora von Österreich. Ulmer,
Stuttgart, 1180 pp.
Aichele, D. & M. Golte-Bechtle (1986):
Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart, 427 pp.
Aichele, D. & H. Schwegler (....): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas.2. Auflage. Stuttgart 2000.
Biegl, C.-E. (2002): Begegnungen mit der
Natur 6. öbv & hpt VerlagsgmbH & Co.
KG, Wien, 188 pp.
Fischer, M. A. & J. Fally (2000): Pflanzenführer Burgenland. Mag. Dr. Josef Fally
Eigenverlag, Deutschkreuz, 312 pp.
Kattmann, U. (2001): Elfen, Gaukler & Ritter – Insekten zum Kennenlernen. Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung, Seelze-Velber, 144 pp.
Sitte, P., H. Ziegler, F. Ehrendorfer & A.
Bresinsky (1998): Strasburger – Lehrbuch
der Botanik. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1007 pp.
18
tierspuren
von Doris Pargfrieder
Wenn man als Biologielehrer einen Ausflug
mit Schülern in die Natur plant – egal was
dabei das genaue Unterrichtsziel ist – ist
eine gewisse Kenntnis von Tierspuren
immer von großem Vorteil, denn dann kann
man die Kinder schon auf dem Weg durch
die Natur auf unheimlich viele Dinge aufmerksam machen. Es lohnt sich aber mit
Sicherheit auch einen Ausflug „zum Spurenlesen“ zu machen. Es kann dabei nicht nur
eine Menge über die Lebensweise der Tiere
gelernt werden, sondern auch ein genaues
Hinschauen und Aufmerksam-Werden auf
was sich in Wald und Wiese so alles „versteckt“ kann geschult werden. Es gibt so
viele Tiere von denen man bei Spaziergängen in der Natur gar nichts bemerkt, obwohl
sie in diesem Gebiet sehr häufig sind. Das
kann ganz einfach daran liegen, dass sie
nachtaktiv oder scheu sind. In anderen Fällen sind diese Tiere wiederum so klein, dass
man sie einfach nicht bemerkt. Daher kennt
man viel weniger von seiner Umgebung als
und die bedeutung der pflanzen für die tierwelt
die Natur tatsächlich bietet. Wenn man sich
aber ein wenig mit Tierspuren beschäftigt,
wird man bald merken, dass in allen Ecken
und Enden Hinweise auf tierisches Leben zu
finden sind. Und wenn man sich ein bisschen näher damit auseinandersetzt, wird
man staunen wie viel man von einem
scheinbar unbedeutenden Fund über das
Tier, seine Lebensweise, seinen körperlichen Zustand, etc sagen kann. Wenn man die
Schüler auf diese „Kleinigkeiten“ aufmerksam macht, werden sie in den natürlichen
Lebensräumen viel mehr tierisches Leben
sehen, und bald werden sie merken wie
wichtig die Rolle der Pflanzen in der Tierwelt ist.
Bevor man so einen Freilandunterricht
angeht, sollte man sich allgemeine Informationen zu Tierspuren einholen (siehe Punkt
1.). Was man aber den Schülern tatsächlich
zeigen kann, findet man nur heraus, wenn
man das Ausflugsziel vorher alleine besucht.
Das Thema Tierspuren ist so komplex – da
kann man sich nie auf alles vorbereiten.
Daher ist es besonders wichtig das Ausflugsziel vorher zu durchforschen, und sich dann
über die speziellen Tiere und Tiergruppen
näher informiert und Material vorbereitet.
Was zu diesem Thema beispielsweise alles
in einem Augebiet gefunden werden kann,
und wie ich dieses Thema dort aufbereitet
habe, wird in Punkt 2(a) beschrieben. Verbesserungsvorschläge, weitere Ideen und
Tipps für einen derartigen Unterricht im
Freiland sind in Punkt 2(b) zusammengefasst.
Allgemeine Informationen zu Tierspuren
Wie bereits erwähnt ist das Thema Tierspuren unheimlich komplex. Man stellt sich
anfangs die Frage: Was sind Tierspuren
überhaupt? Im Grunde kann man alles als
„Tierspur“ bezeichnen, das einen Hinweis
auf tierisches Leben gibt. In den gängigen
Lehr- beziehungsweise Bestimmungsbüchern werden Tierspuren in folgende Gruppen zusammengefasst: Fährten, Wohnungen
(Baue und Verstecke), Fraßspuren, Losun19
gen, Gewölle, Federn. Daneben gibt es
natürlich auch noch eine Menge anderer
Spuren wie zum Beispiel Skelettreste, akustische sowie Duft- und Sichtmarkierungen
des Territoriums, Fegespuren, etc.
Fährten:
Fährten sind ganz einfach die Fußabdrücke
und Spuren von Tieren, wobei der Begriff
„Fährten“ vor allem für Abdrücke von Huftieren verwendet wird. „Spuren“ werden die
Abdrücke der Pfoten von Säugetieren
genannt, und bei den Vögel wird die Ausdrücke „Geläufe“ oder „Tritt“ gebraucht.
Am besten zum Beobachten und Verfolgen
sind Fährten natürlich im Schnee, aber man
kann sie auch in lehmigen und erdigen
Böden finden. Ein guter Tipp ist auch neben
Gewässern zu suchen, denn in der feuchten
Erde drücken sich die Füße der Tiere gut
sichtbar ab.
Anhand einer Fußspur kann man schon
allerhand erkennen. Man kann bestimmen
von welchem Tier diese Spur kommt. Weiters kann aber erkannt werden, in welcher
Situation das entsprechende Tier war: ob es
gemütlich umhergegangen ist um Futter zu
suchen, ob es etwas unruhig Ausschau nach
Feinden hielt, oder ob es auf der Flucht war.
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
In den verschiedensten Bestimmungsbü- Anatomie der landlebenden Säuger und
chern (siehe Literatur) gibt es dazu jede Vögel. Anhand verschiedener Fußspuren
Menge Abbildungen. Als Beispiel sind in kann man den Unterschied zwischen Sohfolgender
lengängern, Zehengängern und ZehenspitAbbildung
zengängern erklären. Gerade bei großen
die
verSchreitvögeln sieht es für den ungeschulten
schiedenen
Beobachter so aus als ob das Knie „nach
Formen von
hinten“ gebogen wäre. In Wirklichkeit ist
H a s e n s p udieses vermeintliche Knie aber die Ferse
ren
zu
des Vogels, der auf seinen Zehen geht
sehen, an
denen man
erkennen
kann in welcher Situation sich das
Tier befunden hat.
Abb. 1:
Verschiedene Hasenspuren: a Spur des
rückenden Hasen, b hoppelnden und c
flüchtigen Hasen, d seltenere Spur.
Was in diesem Zusammenhang vor allem für
.
die Schule interessant ist, ist das Erkennen Abb. 2: Gliedmaßenschema, Fußsohlen
und Verstehen der unterschiedlichen Fuß- schwarz
20
Abb. 3: Skelett des Fußes bei Hund,
Hirsch, Pferd, gezeichnet: a Sohlengänger, b Zehengänger, c Zehenspitzengänger. Vergleichbare Zehen sind nummeriert.
Sohlengänger treten mit der ganzen
Fußsohle auf, und jede Extremität hat 5
Zehen. Diesen Fußtyp findet man heute bei
Insektenfressern (Igel, Maulwurf, Spitzmaus), einigen Raubtieren (Bär, Dachs) und
den Primaten (Affen, Menschen). Zehen-
gänger haben eine kleinere Fußsohlenfläche
und treten nur mit den Zehen auf. Auch die
Zehenzahl ist bei den meisten Zehengängern
bereits verringert. Die meisten Raubtiere,
pflanzenfressende Steppentiere und auch
Hunde, Katzen und Hasen sind Zehengänger. Auch Vögel treten mit den Zehen auf.
Bei den Zehenspitzengängern sind nun auch
die Zehenknochen aufgerichtet, und sie treten nur mehr mit der Zehenspitze auf. Auch
wurde die Zehenzahl weiter verringert. Paarhufer (Hirsch, Reh, Schwein, Gemse, Mufflon) treten nur mehr mit den Spitzen der
Zehen 3 und 4 auf. Am weitesten ist die Entwicklung bei den Pferden gegangen. Erhalten blieb nur Zehe Nummer 3, deren Endglied mächtig ausgebildet ist.
Abb. 4: Schema
eines linken
Vogellaufes: a
Sohlenteile
schwarz gezeichnet. Bezeichnung
der Zehen am
Lauf (a) und in
der Vogelspur (b):
1 Hinterzehe
(Daumen),
2 Innenzehe,
3 Mittelzehe,
4 Außenzehe.
Der Fuß wurde im Verlauf der Evolution allmählich aufgerichtet. Durch die Verlängerung bestimmter Fußknochen wurden die
Beine verlängert und die Fußsohle verkürzt.
Beides ist für eine schnelle Fortbewegung
von Vorteil, daher sind Tiere, die sich vor
allem im Lauf bewegen (zur Jagd oder zur
Flucht) Zehengänger oder Zehenspitzengänger.
Wohnungen (Baue und Verstecke):
Die wenigsten Tiere haben einen festen Bau,
in dem sie das ganze Jahr über leben. Meistens werden „Wohnungen“ nur dann errichtet, wenn die Jungen aufgezogen werden,
oder wenn eine sichere Unterkunft über den
Winter gebraucht wird. Vogelnester sind hier
wohl die am häufigsten anzutreff e n d e
Wohnstätte. Auch wenn das Vogelnest schon
verlassen ist, kann man meist feststellen von
welchem Vogel es stammt. Auch dafür gibt
es Bestimmungsbücher. Es gibt (wie übrigens auch bei den Fußspuren) bei Vogelnestern genaue Messverfahren, mit denen man
bestimmen kann von welchem Vogel das
Nest stammt. Beim Bau halten die Vögel
Nestform und –größe mit fast mathematischer Genauigkeit ein, sodass die Unterschiede zwischen den einzelnen Nestern der
21
jeweiligen Art ganz geringfügig sind. Diese
Bauweise ist ihnen angeboren. Oft kann man
aber auch am verwendeten Material erkennen, um welchen Vogel es sich handeln
könnte. Gerade hier kann man Schülern klar
machen wie wichtig Pflanzen für die Tiere
sind, und wie vielfältig pflanzliches Material zum Nestbau verwendet wird.
Fraßspuren:
Fraßspuren sind Spuren, die Tiere an Pflanzen oder Tieren hinterlassen von denen sie
sich ernährt haben. Tiere fressen fast alles,
was irgendeinen Nährwert hat. Geht es um
Pflanzenfresser, so kann man sagen, dass im
Prinzip alle Teile der Pflanze von irgendeinem Tier als Nahrung verwertet werden.
Sogar Holz wird gefressen. Je nach Fraßbild
lässt sich oft der „Täter“ identifizieren.
Durch Unterschiede im Gebiss, der Technik,
der bevorzugten Nahrung, etc kann man an
einer Fraßspur erkennen, um welches Tier es
sich handeln könnte. So kann man beispielsweise an der Art in der eine Nuss geknackt
wurde feststellen welches Tier sich davon
ernährt hat.
Abb. 5: Beispiele für von Tieren bearbeitete Nüsse.
In diesem Zusammenhang
kann man auch darauf eingehen wie viele verschiedene Ernährungstypen es
gibt und – je nachdem welche Spuren man findet –
besprechen wie die einzelnen Tiere auf ihre spezielle
Nahrung angepasst sind.
Ganz allgemein kann man
die Tiere in 3 Hauptgruppen einteilen: in Pflanzen-,
Fleisch-, und Allesfresser.
Diese drei Gruppen unterscheiden sich nicht nur im
Körperbau (Gebiss, Verdauungstrakt,...) voneinander, sondern auch in ihrer
Verhaltensweise.
Auch
diese Unterschiede können
im Freiland erarbeitet werden – vor allem jene des
Gebisses, wenn man unterschiedliche Schädel zur
Verfügung hat. Ein weiteres wichtiges und spannendes Thema sind in diesem
Zusammenhang die Parasiten.
22
Losungen:
Als Losung bezeichnet man Tierkot. Eine
Losung verrät häufig die Anwesenheit von
Tieren, von denen man sonst keine Ahnung
hätte. Auch wenn eine Losung eine nicht
gerade „verlockende“ Spur ist, ist sie sehr
aussagekräftig. Man kann daran Ernährungsgewohnheiten der Tiere, aber auch ihre
sonstige Lebensweise und ihr Verhalten
erkennen. Die Losung besteht aus unverdaulichen Resten ihrer Ernährung. Darunter
kann zum Beispiel Haare, Federn, Chitinstücke von Insekten oder Knochensplitter
finden und daran Rückschlüsse auf die
Ernährung ziehen.
Auch hier kann man wieder auf den Unterschied zwischen Pflanzen-, Fleisch-, und
Allesfresser eingehen, da sich die Kotformen gut unterscheiden lassen. Bei Pflanzenfressern ist der Kot in der Regel völlig entwässert und hat eine charakteristische
Kugel-, Walzen-, oder Bohnenform.
Außerdem lässt der Kot Pflanzenreste
erkennen. Fleischfresser haben längliche
walzen-, spindelförmige, schnurartig
gekrümmte Losungen. Ihre Konsistenz ist
breiiger, und sie enthält Reste von Knochen,
Federn oder Haaren. Normalerweise riecht
sie sehr kräftig.
Abb. 6: Schematische Darstellung der Eulen und viele Greifvögel ihre Nahrung
Losungsformen: a pflanzenfressende Säu- nicht rupfen, sondern als ganzes samt Knoger, b fleischfressende Säuger, c pflanzenfressende Vögel.
chen, Federn oder Haaren verschlingen,
gelangen diese unverdaulichen Reste in den
Magen. Dort werden sie zu walzenartigen
Gebilden geformt und dann ausgeworfen.
Gewölle bringen auch andere Vögel hervor:
Möwen, Ziegenmelker, Störche, Krähen,
Reiher, Eisvögel, Bienenfresser und andere.
Doch diese speien ihre Gewölle nur zufällig
Vögel verarbeiten ihre Nahrung anders. aus und nicht so häufig und nicht an fixen
Vögel haben eine Kloake. Ihr Urin ist breiig Ruhewarten wie Eulen und Greifvögel. Die
und weiß gefärbt. Er wird gemeinsam mit größten Gewölle hinterlässt der Uhu. Ihre
dem Kot ausgeschieden und haftet als Länge kann sogar über 10 cm ausmachen,
weißliche „Haube“ an dessen Oberfläche. und sie sind rund 4 cm dick!
Daran ist eine Vogellosung besonders leicht Federn sind nicht sehr leicht zu bestimmen,
erkennbar.
aber man kann aus einer gefundenen Vogelfeder trotzdem so einiges herauslesen. Wenn
Gewölle und Federn:
man eine dichte Ansammlung von Federn
Eulenvögel aber auch andere Greifvögel findet, kann man zum Beispiel sagen, ob ein
w ü rgen unverdauliche Reste über den Greifvogel oder ein Raubtier einen Vogel
Schnabel wieder aus. Diese Auswürfe nennt gefressen hat. Greifvögel ziehen beim Bearman Gewölle. Sie enthalten Haare, Kochen, beiten ihrer Beute die Federn am Ansatz (der
Krallen, Schnäbel oder Federn ihrer Beute. „Spule“)heraus. An der aufgeschlitzten
Da Vögel ja keine Zähne haben ist die Funk- Spule kann man oft sogar die Eindrücke des
tion der Säugerzähne auf den Vogelmagen Greifvogelschnabels sehen. Raubtiere hinübergegangen, der besonders drüsenhaltig gegen rupfen die Federn nicht sondern
und muskulös ist um die Nahrung zerklei- beißen sie ab, sodass die Spule in der Haut
nern und verdauen zu können. Da aber des Beutevogels stecken bleibt.
23
Abb. 7: Benagte Federn: Links vom Hermelin (Federspule durchgebissen), rechts
war es ein Greifvogel (Federspule intakt,
Feder wurde herausgerissen).
Fachdidaktik
Didaktische Reduktion: Aufbereitung des
Themas in der Au
Ein für mich besonders wichtiger Punkt in
der Aufbereitung des Themas für Kinder
war, dass die Kinder selber nach Spuren
suchen sollen, und versuchen sollen diese zu
deuten, denn wenn man selber etwas entdeckt bleibt es einem im Normalfall einfach
besser in Erinnerung. Ich ging also das
Gelände zuerst alleine auf der Suche nach
Spuren ab. Ich beschloss, dass es am
anschaulichsten ist, mit den Kindern durch
die Natur zu gehen und ihnen vor Ort die
interessantesten Spuren zu erklären. Ich
erstellte dann einen Rundgang, bei dem die
Schüler an verschiedensten Spuren vorbeikommen sollten. Dabei war es mir aber
wichtig, die Spuren an ihrem natürlichen
Standort zu lassen. Im Prinzip gingen wir
also in diesem Rundgang von einer Spur zur
anderen. Damit die Schüler ungefähr wussten, wo sie suchen sollen, hängte ich bunte
Zettel mit kleinen Hinweisen an Äste in der
Nähe der entsprechenden Spur. Ich ließ die
Schüler vor laufen und die Spuren suchen.
Bei der richtigen Spur angelangt, ließ ich sie
zuerst immer raten, was das wohl sein könnte. Im Lehrer-Schüler-Gespräch erarbeiteten
wir dann, was sie nicht schon im vorhinein
wussten. Als Ausrüstung für unsere kleine
Wanderung nahm ich eine Lupe, Bestimmungsliteratur, eine aufgeschnittene Rosengalle als Anschauungsmaterial und Getränke
mit.
Gallen, Losungen, etc).Es ging darum den
Kindern zu veranschaulichen was Tierspuren alles sein können, und dass man durch
Tierspuren viel über Tiere erfahren kann, die
man normalerweise gar nicht zu Gesicht
bekommt.
Außerdem sollten sie einen ersten Hinweis
kriegen, dass ohne Pflanzen tierisches Leben
gar nicht möglich wäre. Ich stellte den Schüler die Frage: Wozu brauchen und nutzen
Tiere Pflanzen? Die Antworten konnten
dann gleich mit dem aufgelegten Material
veranschaulicht werden (Pflanzen als Baumaterial bei Nestern, Pflanzen als Nahrung
in der Losung, etc).
Dann ging es los auf Spurensuche.
1. Hinweis: WIR BITTEN UM RUHE!
Amselnest: Ein Amselnest mit jungen
Küken. Das Amselnest war relativ tief
am Baum gebaut, daher konnten die
Kinder sogar hineinschauen. Nutzung
der Pflanzen: als Baumaterial.
2. Hinweis: HIER STEHENBLEIBEN!
Weidenschaumzikaden: Die Kinder
Der Parcours:
mussten dort stehen bleiben wo es
Einleitung: Auf einer Bank legte ich verdurch den von den Weidenschaumzischiedenste Tierspuren auf (Nester, Gehäukaden produzierten Schaum herunterse, Schlangenhaut, Knochen und Schädel,
tropfte. Nutzung der Pflanzen: als
24
Wohnstätte, Pflanzensaft zur Produktion von schützendem Schaum.
3. Hinweis:
Wicklerraupen und Gallmilben:
Wickler (Familie der Schmetterlinge)
bringen ihre Eier einzeln an der Futterpflanze ab. Die Raupen befinden
sich in eingerollten zusammengesponnenen Blättern und ernähren sich
von diesen. Die Kinder fanden diese
Spur relativ schnell. Nach einiger Zeit
tauchte dann die Frage auf: Und was
soll das sein? Gemeint waren die Gallen auf den anderen Blättern. Gallen
sind Verwachsungen von Pflanzen,
die durch bestimmte Inhaltsstoffe im
Speichel des Tieres beim Saugstich
und der Eieinbohrung bebildet werden. (Aus-)Nutzung der Pflanzen:
Wohnstätte zum Schutz, Nahrung.
4. Hinweis: Mmm, DAS IST IST ABER
LECKER! AUSSERDEM KANN MAN IM
HOLZ AUCH SUPER WOHNEN!
Fraßspuren im Holz: Die Fraßspuren eines Borkenkäfers am Stamm
eines umgefallenen Baumes. Nutzung
der Pflanzen: Wohnstätte und Nahrung.
5. Hinweis: DURCH WELCHE SPUREN
„VERRATEN“ SICH VÖGEL?
Spechtlöcher und Vogellosung: Entlang eines Weges konnten die Kinder
einige Spechtlöcher finden. Auch charakteristisch weiße Vogelausscheidungen auf den Pflanzen darunter konnten gefunden werden. Nutzung der
Pflanzen: Wohnstätte.
6. Hinweis: HIER WERDEN SCHLAFÄPFEL GESUCHT!
Rosengallen: Die Rosengallwespe
legt ihre Eier in die Pflanze ab, wor-
auf die Pflanze mit Gallbildung reagiert. Die Larve entwickeln und
ernähren sich darin. Diese Gallen
wurden früher „Schlafäpfel“ genannt,
da man der Meinung war, dass sie
Schlaf fördernd sind, wenn man sie
nachts unter den Polster legt. Ich hatte
für diese Station außerdem auch eine
alte, aufgeschnittene Rosengalle mit,
bei der sich die Schüler mit der Lupe
die Kammern anschauen konnten.
Nutzung der Pflanzen: Wohnstätte
und Nahrung.
7. Hinweis: HIER GIBT ES BIBER!
Abgenagte und gefällte Stämme des
Bibers: Besonders beeindruckende
gefällte Stämme konnten beim Fluss
gefunden werden. Nutzung der Pflanzen: Baumaterial und Nahrung.
Nachdem ich den Kindern bei der Biberstation noch etwas Zeit (falls vorhanden) ließ
sich die Spuren genau anzusehen und über
den Biber zu sprechen, beantwortete ich Fragen und verabschiedete mich.
Es hätte noch einige andere Tierspuren
gegeben, die ich in den Parcours eingebaut
hätte. Aus Zeit- und Weggründen ließ ich
diese Stationen aber aus: Fußabdrücke,
25
Muscheln, toter Fisch und Igel (mit einge- sen, wird es auch für sie so richtig interesfangenem Aaskäfer als Anschauungsmateri- sant. Man könnte sich zum Beispiel zum
al), vermeintliche Fegespur.
Besprechen einfach einmal im Kreis niedersetzen. Und da wäre es natürlich auch von
Reflexion:
großem Vorteil etwas für die Kinder vorbereitet zu haben. Das ist auch mein nächster
Die Idee mit dem Spurensuchen in Form Verbesserungsvorschlag: Mehr Material!
eines Parcours gefällt mir nach wie vor sehr Mit Material meine ich zum Beispiel kleine
gut, was die Umsetzung betrifft kann ich Tafeln mit großen Abbildungen der Tiere.
jedoch nur eines strengstens betonen: Weni- Bei der Weidenschaumzikade
ger ist mehr!
wäre es sicher interessant geweBesonders am ersten Tag hatte ich das sen zu erfahren wie das adulte
Gefühl, dass die Kinder nur wenig gelernt Tier aussieht, oder man hätte bei
haben, und dass es eigentlich nur eine „Het- den Gallen eine schematische
zerei“ durch den Wald war. Daher strich ich Zeichnung herzeigen können
für den zweiten Tag einige Punkte aus der wie so eine Galle gebildet wird,
Einführung mit den Materialien auf der und so weiter. Viele Parasiten
Bank, damit mehr Zeit für den Parcours sind außerdem so klein, dass
selbst bleibt. Am zweiten Tag hat es daher man sie nicht so einfach sehen
auch viel besser funktioniert. Wenn man kann. Für die Kinder wäre das
alles sehr interessant findet, möchte man aber sicher interessant. Gerade
natürlich so viel herzeigen wie möglich, bei Tierspuren (wo man nach
aber Schüler, die noch nicht so genau wissen einem „Täter“ sucht) wäre es
was zum Beispiel Parasiten sind, benötigen besser, wenn man nicht nur hören würde wie
einfach mehr Erklärung und Zeit zum Nach- der Täter heißt, sondern ihn auch sehen
denken. Nächstes Mal würde ich daher noch könnte. Außerdem merkt man sich dann
mehr streichen und dafür eine Spur viel aus- auch den Namen viel leichter. Man könnte
führlicher besprechen. Erst wenn sich die diese Tafeln (vielleicht einfach laminierte
Schüler auskennen und viel über etwas wis- Zettel) dann durchgeben, und die verschie-
denen Beziehungen zwischen Tier und
Pflanze in Ruhe besprechen. Folgende
Abbildung könnte zum Beispiel so eine
Tafel sein. Sie zeigt den Entwicklungszyklus
des Buchdruckers. Wenn man diese Abbildung vergrößert und bei der Spurensuche
mitnimmt, kann man bei einer Fraßspur des
Buchdruckers den Lebenszyklus des Tieres
viel anschaulicher erklären.
Abb. 8: Beispiel für Veranschauungsmaterial bei einer Buchdruckerspur.
Ein dritter Verbesserungsvorschlag der
Methode wäre: Eine Nachbesprechung/
Zusammenfassung am Schluss! Es wäre
sehr sinnvoll gewesen die erworbene Kennt26
len draufzukommen was es sein
könnte. Erstens lernen sie so besser hinzuschauen und zweitens
sind sie „gezwungen“ mitzudenken. Nur wer mitdenkt, kann auch
verstehen. Und schließlich versteht man es am allerbesten, wenn
man selber etwas herausfindet.
Gut funktioniert haben auch die
kleinen Hinweisschilder. Es kam
mir so vor, als ob es für die Kinder motivierend war zu wissen,
dass in nächster Nähe wieder
i rgendeine Spur ist, und sie
begannen meist eifrig zu suchen.
Außerdem spart man durch diese
Hinweise Zeit, da die Schüler
nicht planlos nach Spuren suchen,
sondern schon mal in die richtige
Richtung geleitet wurden.
nis über die vielfältige Nutzung der Pflanzen
im Tierreich am Ende noch einmal zu festigen. Man könnte auf einem Plakat die verschiedenen Teile einer Pflanze aufschreiben
(Blatt, Rinde, Wurzel, Stamm, etc) und zu
den jeweiligen Teilen dazuschreiben welche
Tiere sie nutzen. So wird noch einmal klar,
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
dass Pflanzen für Tiere lebensnotwendig Zusammenfassung
sind, und die Namen der einzelnen Tiere
werden wiederholt.
Was war das Lehrziel?
Erkennen der Bedeutung der Pflanzen für
Was ich auf jeden Fall an der Methode bei- die Tierwelt: Ohne Pflanzen könnten die
behalten würde war, dass die Schüler selber Tiere nicht überleben. Pflanzen werden auf
die Spuren finden sollen und versuchen sol- alle verschiedenst möglichen Weisen
27
genutzt; immer und überall.
Erkennen, dass man durch genaues Hinschauen viel entdecken kann: Aufmerksamer durch die Natur gehen; Freude am Entdecken wecken, das Hinschauen lernen.
Erkennen der unglaublichen Vielfalt an
Lebewesen, die man sonst nicht wahrnimmt.
Erkenntnisse über die Lebensweisen der
besprochenen Tiere.
Was war die Methode?
Einführung: Dialog mit den Schülern,
Naturmaterialien zur Veranschaulichung.
Parcours: eigenständiges Erkunden der
Natur; im Lehrer- S c h ü l e r-Gespräch die
Lebensweise der einzelnen Lebewesen erarbeiten.
Beantwortung etwaiger Fragen am Schluss.
Wie wurde evaluiert?
Leider gar nicht. Als Evaluierung würde ich
die oben besprochene Übung der Nachbesprechung machen: Pflanzenteile auf ein
Plakat schreiben; Schüler müssen zu den
jeweiligen Teilen dazuschreiben welche
Teile von welchen (der besprochenen) Tieren genutzt werden.
Literatur
Abbildung 3: Bang, P & P. Dahlström
(2000): Tierspuren: Fährten, Fraßspuren,
Losungen, Gewölle und andere. BLV VerBang, P & P. Dahlström (2000): Tierspuren: lagsges., München. p. 29.
Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle
Abbildung 4: Bouchner, M. (1982): Der
und andere. BLV Verlagsges., München.
Kosmos-Spurenführer. Franckh’sche VerBouchner, M. (1982): Der Kosmos-Spuren- lagshandlung, Stuttgart. p. 26.
führer. Franckh’sche Verlagshandlung,
Abbildung 5: Bang, P & P. Dahlström
(2000): Tierspuren: Fährten, Fraßspuren,
Stuttgart.
Losungen, Gewölle und andere. BLV VerBrandt, K. & H. Behnke (1995): Fährten
lagsges., München. p. 100.
und Spurenkunde. Verlag Paul Parey, Ham- Abbildung 6: Bouchner, M. (1982): Der
burg.
Kosmos-Spurenführer. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart. p. 29.
Jacobs, W. & M. Renner (1988): Biologie
und Ökologie der Insekten. Gustav Fischer Abbildung 7: Bang, P & P. Dahlström
(2000): Tierspuren: Fährten, Fraßspuren,
Verlag, Stuttgart.
Losungen, Gewölle und andere. BLV VerBFW: Bundesforschungs- und Ausbillagsges., München. p. 159.
dungszentrum für Wald, Naturgefahren und
Landschaft: Schadensanalysesystem - Assi- Abbildung 8:
stent zur Schadensidentifikation:
http://www.forst.bayern.de/waldschutz/borhttp://bfw.ac.at/ws/sdis.schadenstypen
kenkaefer/image_0_5.jpg
http://www.forst.bayern.de/waldschutz/borkenkaefer/image_0_5.jpg
Abbildungsnachweis:
Abbildung 1: Brandt, K. & H. Behnke
(1995): Fährten und Spurenkunde. Verlag
Paul Parey, Hamburg. p. 66.
Abbildung 2: Bouchner, M. (1982): Der
Kosmos-Spurenführer. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart. p. 16.
28
arthropoda & mollusca
Bericht aus der Wasserforschungsstation
von Barbara Hudelist und Katharina Turic
Vorbereitung
VOR DER LEHR-VERANSTALTUNG
In Wien begannen wir mit Hilfe umfangreicher Literaturrecherchen (siehe Literaturverzeichnis), unseren Themenkreis so konkret
wie möglich abzustecken. Während einiger
Treffen beschlossen wir, unsere Schwerpunkte auf Atmung, Ernährung und Fortbewegung wasserlebender Arthropoda und
Mollusca zu legen und arbeiteten an Konzepten für die spätere Umsetzung unseres
Themas mit den Schülern in den Marchauen.
Wir formulierten Lehrziele, passten sehr
darauf auf, nicht zu viel Theorie in unser
Projekt zu packen und versuchten, Methoden zu erarbeiten, wodurch es den Schülern
möglich sein sollte, theoretisches Wissen
selbst anzuwenden.
Hauptaugenmerk legten wir darauf, zu vermitteln, wie Evolution im Sinne einer passiven Anpassung an die Umwelt funktioniert...
der March-Auen
VORBEREITUNGEN IN MARCHEGG
In Marchegg angekommen, erkundeten wir
die Gegend, suchten uns einen guten Platz
direkt an der March und fingen gleich am
ersten Tag mit Keschern, Gummistiefel, Plastikwannen und Bestimmungsbüchern ausgerüstet damit an, zu sehen, welche Tiere
wir dort im Wasser finden würden. Kathi
zögerte nicht lange und warf sich mit vollem
Einsatz und Kescher in der Hand in die Fluten. Anmerkung v. Kathi: Barbara ging in
Anbetracht der Schlammmassen und der
folglich hohen Rutschgefahr ein größeres
Risiko damit ein, am Ufer meine Fänge in
Empfang zu nehmen.
Schon an diesem ersten Tag konnten wir
recht viele Tiere, wie z.B. Käferlarven,
Libellenlarven, Wasserwanzen, Spitzschlammschnecken und sogar einen kleinen
„Ich versuch’ doch, dir die Kartoffeln rüber- ca. 2,5cm großen Hecht fangen.
zugeben!... Du weißt genau, dass meine Vor- Weiters halfen uns die Gaststudenten weitederarme genauso nutzlos sind wie deine!”
re Tiere aus der March zu Keschern, wobei
der „kapitalste Fang” ein Wasserskorpion
(Nepa cinerea) war. Außerdem fuhren wir
...und wie sie sich vor allem im konkreten mit Erich zu zwei nahe der March gelegenen
Fall von temporären Gewässern äußert.
29
Tümpeln, die von den Überschwemmungen
noch übrig geblieben waren, um Urzeitkrebse zu fangen und kehrten erfolgreich zu
unserer Station zurück. Wir fanden neben
Rückenschalern und Feenkrebsen auch
einen Muschelschaler sowie einen Strudelwurm, sowie ca. sechs Karauschen, die wir
am Abend auf den Grill schmissen. (Das
allerdings war ein weniger erfolgreiches
Unterfangen...)
Am Nachmittag und am folgenden Morgen,
bereiteten wir alles für die Schüler vor:
Wir trugen unserer Aquarien mit:
* Großlibellen- Kleinlibellen- und Käferlarven,
* Wasserwanzen und Wasserkäfern
* Steinfliegen-, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven
* Zuckmückenlarven und -puppen, sowie
Stechmückenlarven und -puppen,
* Urzeitkrebsen zusammen mit Posthornund Spitzschlammschnecken
* Sowie einen kleinen Plastikbecher mit
unserem Hecht zum Ufer.
Außerdem transportierten wir Plakate, Dekken zum Draufsetzen, Lupengläser, Lupen,
Bestimmungsbücher, Papier, Buntstifte, Zei- lernen, wie genaues und ruhiges Beobachchenunterlagen und eine Bank zum Drauf- ten, sorgfältige Zeichnungen anfertigen und
stellen für die Aquarien zu unserer For- daraus Schlüsse ziehen zu können.
schungs-station an der March.
METHODEN
Didaktisches Konzept
* Fangen und Beobachten der Tiere mittels
Es ging uns wie gesagt darum, Kindern und Lupengläser
Jugendlichen Evolution in temporären * Wissenschaftliches Zeichnen, damit sich
Gewässern der Aulandschaft im Freiland zu die Schüler mit einem Tier genau befassen u.
erläutern. Zu diesem Zweck sollten die selbst auf Ernährungs-, Fortbewegungs- u.
Schüler ein aquatisches Tier ihrer Wahl wis- Atmungsweise draufkommen.
senschaftlich zeichnen und anhand ihrer * Durch Kurzreferate bzw. Vorstellen des
Beobachtungen versuchen, Aussagen über Tieres, mit dem sich der jeweilige Schüler
dessen Lebens-, Fortbewegungs-, Atmungs- beschäftigt hat, soll Erkanntes wiederholt
und Ernährungsweisen zu machen.
werden und einiges davon besser in Erinnerung bleiben. Außerdem kann so jeder SchüLEHRZIELE
ler die Tiere der Klassenkameraden sehen
und ein wenig über sie erfahren.
* Kennenlernen der am häufigsten im * Zuordnen der Tiere mittels angefertigter
Süßwasser vorkommenden Arthropoden und Zeichnungen und vorbereitetem Plakat zu
Mollusken.
Sauerstoff aus der Luft bzw. Sauerstoff aus
* Zusammenhänge erkennen lernen - in dem Wasser atmendem Tier (zur Veranunserem Projekt zwischen Atmungsweise, schaulichung und zur nochmaligen WiederFort-bewegung/Körperform und Ernäh- holung).
rungsweise unserer Tiere und dies so weit
wie möglich selbständig erforschen zu las- Die Kinder sollten ihre Zeichnungen auf die
sen.
entsprechende Hälfte unseres Plakates kle* Wissenschaftliche Arbeitsweisen kennen ben.
30
PROJEKTTAG MIT DEN SCHÜLERN
DER FÜNFTEN SCHULSTUFE
Die Schüler der ersten Klasse waren sehr
aktiv, leicht zu motivieren, zu begeistern
und zu interessieren, und so bedeutete es
auch für uns viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten.
Bei unserer ersten Gruppe hatten wir sogar
noch genug Zeit, um den Schülern den Reiz
des Kescherns nahe zubringen...
Als sie unsere Station besuchten, stürmten
die meisten von ihnen gleich zu den vorbereiteten Aquarien. Und spätestens als eine
Gelbrandkäferlarve versuchte, eine Libellenlarve zu verspeisen, hatten wir ihr Interesse für unsere Station gewonnen - zumin-
dest das der Burschen. Diese zögerten auch
nicht, mit ihren Lupengläsern, die wir ihnen
ausgeteilt hatten, in die Aquarien zu tauchen
um eines der Tiere zu fangen. Die meisten
Mädchen waren etwas ruhiger, jedoch nicht
weniger interessiert. Das Fangen der Tiere
gingen sie einwenig ruhiger an, manche hatten ein bisschen Angst und baten uns, ihnen
zu helfen.
Alle Schüler setzten sich dann mit
ihrem Tier im Lupenglas auf eine
große Decke, auf der wir Zeichenpapier und Buntstifte vorbereitet hatten
und hatten ca. 10-15
Minuten Zeit, ihr Tier zu erforschen.
Wir setzten uns zu den Schülern und
versuchten sie über gezielte Fragestellungen zu Ernährungs-, Atmungs-, und
Fortbewegungsweise und deren
Zusammenhänge erkennen zu lassen.
Wir waren sehr erstaunt über das schon vorhandene Wissen der Schüler und auch darüber, wie gut sie Kombinieren, Erkennen
und Zeichnen konnten.
Als sie dann ihre Tiere vor den Klassenkameraden vorstellen sollten, konnten es die
meisten kaum erwarten, an die Reihe zu
kommen und taten dies dann mit so großer
Freude und Stolz, wie man es sich manch-
mal von einem Universitätsprofessor wünschen würde.
Auch das Zuordnen der angefertigten Zeichnungen auf dem Plakat funktionierte gut und so hatten wir den Eindruck, dass sich
die jungen Forscher ein wenig Wissen und
Gespür für Natur von unserer Station mit
nach Hause nehmen konnten.
Bei der Schwimmwanze erkannte der Schüler gut, dass behaarte Beine fürs Schwimmen von großem Vorteil sind, und Wanzen
auf Grund ihrer Ernährungsweise als Jäger
schnell vorwärts kommen müssen.
Die Gelbrandkäferlarve war ein etwas ruhigerer Zeitgenosse als ihr Kamerad und zog
das Interesse der Schüler an sich, bevor eine
der anderen Larven begann, eine Libellenlarve zu attackieren.
Diese Gelbrandkäferlarve war eines der
Highlights unserer Tiersammlung, vor allem
als sie anfing mit einer der Libellenlarven zu
kämpfen und diese dann zu verspeisen.
Anhand des Kiemenfußkrebses gelang es
den Erstklassern sehr gut, den Zusammenhang zwischen Ernährung, Atmung und
Fortbewegung zu erkennen.
31
Zu unserer großen Freude, hatten unsere PROJEKTTAG MIT DER WAHLSchützlinge auch erheblichen Spaß daran, PFLICHTFACH-GRUPPE: Ein Vergleich
ihre Erfolge in Form ihrer Zeichnungen und zwischen Kindern und Jugendlichen
Erkenntnisse vor allen zu präsentieren.
Barbara und ich stellten für beide
Altersstufen ganz bewusst dieselbe Aufgabe, und zwar nicht, wie
anfangs
fälschlicherweise
geglaubt, auf unterschiedlichen
Niveaus, sondern einen gleichen
naturwissenschaftlichen Bildungsstatus voraussetzend.
gruppe mit denen für die Jüngeren überein.
In der Häufigkeit unserer Denkanstöße für
eigene Rückschlüsse auf die oben angeführten Fragen unterschieden sich die beiden
Gruppen allerdings gewaltig. Kinder von
zehn bis zwölf Jahren denken fast gänzlich
anders als Achtzehnjährige, also im Grunde
schon Erwachsene. Wo wir für die blitzschnelle Erkenntnis, dass sich ein Tier mit
großen Schwimmbeinen mit besonders
hoher Geschwindigkeit fortbewegen kann
und somit mit großer Wahrscheinlichkeit ein
Räuber ist, einen Hinweis geben mussten,
Das Ergebnis war zu
unserer Überraschung
ein verblüffend Ähnliches: In den Formulierungen der zu treffenden evolutiven Kernaussagen
stimmten
beide Gruppen nahezu
gänzlich
überein,
genauso wie in der
a rgumentativen Vorgangsweise;
auch
Erklärungen und Hilfestellungen unsererseits
stimmten inhaltlich bei
der Wahlpflichtfach32
In Bezug auf die Kunstfertigkeit hatten die Größeren offensichtlich einen altersbedingten
Vorteil.
Interessanterweise
erfreuten sich dieselben Tiere
wie am Vortag großer Beliebtheit:
Rückenschaler
Spitzschlammschnecke
Wasserskorpion
Schwimmwanze
waren es bei den „Großen” mehrere in längerer Zeit. Die Quintessenz, die sich für uns
daraus ergab, war, dass wir beobachten
konnten, wie unkompliziert Kinder denken
und dass man sich diesen Umstand auf
unglaublich dankbare, ergiebige und äußerst
schöne Weise für Unterricht in jeglicher
Form und in jedem Fach zu Nutze machen
kann.
Danke, Babsi, für diese Idee!
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
beschränkt sich im Vergleich zu solchen
Zahlen auf wenige 30000 Spezies. Bereits in
Anbetracht der hohen Artenzahl innerhalb
einiger Stunden Keschern, wird ersichtlich,
wie umfangreich auch der aquatische
Bestand an heimischen Insekten ist - vor
allem, wenn man bedenkt, dass wir unsere
Bestimmung der Insekten nicht konsequent
auf Artniveau betrieben.
Gemäß unserer Schwerpunktsetzung auf die
Evolution der Organismen im Lebensraum
Au, legten wir unser Augenmerk insbesondere bei den Insekten auf die Atmung.
Anhand der Beschaffenheit der Atmungsorgane vieler Beispiele, wird eine sekundäre
Besiedelung des Wassers erkennbar. Die
Erläuterung der einzelnen Modifikationen
folgt bei den entsprechenden Beispielen.
Artenliste
Ephemeroptera (Eintagsfliegen)
ARTHROPODA
INSECTA
Die Insekten stellen mit rund einer Million
beschriebener Arten die artenreichste Gruppe im Tierreich dar. In Anbetracht dessen,
dass laufend neue Arten beschrieben werden, belaufen sich Schätzungen über tatsächliche Bestände bis zu 20 Millionen
Arten weltweit. Unser heimisches Spektrum
Entgegen ihrem Namen leben Eintagsfliegen nicht nur einen Tag lang. Auch bezieht
sich diese Bezeichnung lediglich auf die
Imago und nicht auf die Larvalstadien. Die
Larven leben 1-3 Jahre lang im Wasser als
Detritusfresser oder Räuber.
Eintagsfliegenlarven leben demnach permanent unter Wasser und benötigen deshalb ein
33
Leptophlebia marginata nicht abwegig.
Plecoptera (Steinfliegen)
spezielles Atmungssystem. Die CuticulaOberflächen, über die der im Wasser gelöste
Sauerstoff aufgenommen wird, sind zu Tracheenkiemen in Form von abdominalen
Fortsätzen vergrößert. Die aquatischen
Ephemeropterastadien haben ein Tracheensystem wie alle anderen Insekten, das aber
im Gegensatz dazu nicht nach außen mündet, da die Stigmen fehlen.
Dass wir ausnahmslos äußerst junge Ephem e r-opteralarven fanden, machte eine
Bestimmung auf Artniveau unmöglich.
Lediglich aufgrund des Lebensraumes
ließen sich Rückschlüsse auf Gattungen
bzw. Arten ziehen. So wäre nach ihrem Vorkommen an stehenden und langsam
fließenden, pflanzenreichen Gewässerni
dung am einfachsten.
Anisoptera
(Großlibellen)
Bei dieser Familie ist es unabhängig vom
Larvalstadium nahezu unmöglich, die Art zu
bestimmen. Auch die Plecoptera atmen mithilfe von Tracheenkiemen, deren Position
und Beschaffenheit hier sogar zum Bestimmungsmerkmal werden. Im Gegensatz zu
den meisten Ephemeropteralarven besitzen
Plecopteralarven immer zwei abdominale
Fortsätze. (Cerci). Steinfliegenlarven sind
wegen ihres hohen Sauerstoffbedürfnisses
besonders in schnellfließenden Gewässern
aufzufinden und gelten somit auch als Bioindikatoren für die Gewässergüte.
Was an der Atmung dieser Gruppe besonders interessant ist, ist eine skurrile Form der
Kopplung von Fortbewegung und Sauers t o ff v e r s o rgung: Die Stoßatmung. Dabei
wird Atemwasser aus dem Enddarm ausgestoßen, was eine rasche Vorwärtsbewegung
verursacht. Das ermöglicht ihnen zum einen
blitzartigen Zugriff auf Beutetiere und zum
anderen dient die Anwendung dieses
Mechanismus dem Irreführen der eigenen
Feinde. Zusätzlich besitzen Großlibellenlarven ebenfalls Tracheenkiemen, die aber im
Enddarm verborgen sind. Dort stehen bis zu
Odonata (Libellen)
24 000 (!) solcher Kiemenblättchen in Doppelreihen nebeneinander.
In Mitteleuropa gibt es rund 80 Libellenar- Was ebenfalls äußerst gut zu erkennen ist, ist
ten, die auf zwei Untergruppen aufgeteilt die Fangmaske.
werden: Anisoptera und Zygoptera. Diese
Gruppen unterscheiden sich als Larve und Zygoptera (Kleinlibellen)
als Imago sowohl im Habitus als auch in
ihrer Atemtechnik deutlich voneinander. Bei den Kleinlibellenlarven sind die TraAbgesehen von der Größe, sind der Augen- cheenkiemen in Form von drei Lappen am
abstand und das Fehlen (Anisoptera) bzw. Abdomen deutlich sichtbar. Auch die Augen
das Vorhandensein (Zygoptera) von abdomi- sind im Gegensatz zu den Anisoptera, wo sie
nalen Fortsätzen zur raschen Unterschei- direkt aneinander stoßen, mindestens eine
34
Augenbreite
voneinander
entfernt.
Außerdem ist die Zygopteralarve wie auch
das adulte Tier im Habitus wesentlich filigraner als die Großlibellen.
Heteroptera (Wanzen)
Wanzen zeichnen sich insbesondere durch
ihre hemimetabole Verwandlung und ihre
stechend-saugenden Mundwerkzeuge aus.
Weiters ist auch der besondere Bau der Flügel erwähnenswert: An der Basis sind die
Flügel durch Chitin verstärkt, der Endteil ist
häutig. In Bezug auf den aquatischen
Lebensraum lassen sich je nach Besiedelung
des Wassers zwei große Gruppen unterscheiden: Wasserläufer leben auf der Wasseroberfläche und Wasserwanzen im Wasser.
Gerromorpha, Amphicorisae (Wasserläufer)
Da Wasserläufer ausschließlich die Gewässeroberfläche besiedeln, besitzen sie
auch keine Anpassungen an das Leben unter
Wasser.
Sie zählen zu den terrestrischen Insekten
und atmen somit durch ein entsprechendes
Tracheensystem.
Durch ihre geringe Masse und ihren ausge-
streckten Körper verringern sie ihr Gewicht
so weit, dass ihnen die Oberflächenspannung als Träger ausreicht. Vor Benetzung
schützt sie ein dichter Haarfilz auf der Körperunterseite. Wasser- und Teichläufer können sich äußerst schnell fortbewegen, oft
sogar bis zu 1m weit springen.
Nepomorpha
Hier handelt es sich um Bewohner des freien Wasserkörpers.
Wasserwanzen besitzen kurze Fühler und
drei Paar Gehörorgane.
In Bezug auf die Atmung sind zwei Besonderheiten zu nennen. Zwar atmen auch Wasserwanzen durch Tracheen, allerdings bedienen sie sich zusätzlich besonderer Techniken. Als Beispiele seien
hier Nepa cinerea (Wasserskorpion) und die
Notonectidae (Rückenschwimmer) zu nennen.
Beide atmen im Gegensatz zu den bisher
genannten Larven keinen
gelösten Sauerstoff aus
dem Wasser, sondern
atmosphärisches O2.
Der Wasserskorpion benutzt dazu ein zweiteiliges Atemrohr, das eine Verlängerung
der hinteren Stigmen darstellt.
35
Rückenschwimmer kommen ebenfalls zum
Atmen an die Wasseroberfläche. Dort strekken sie ihren Hinterleib aus dem Wasser durch unbenetzbare Haare ist das leicht
möglich. Luft gelangt direkt in zwei auf der
Bauchseite liegende Längskanäle, die von
zwei Reihen dunkler Haare gesäumt sind.
Die Stigmen ihrer Tracheen münden direkt
in dieses Luftreservoir. Dieses Prinzip wird
physikalische Kieme genannt.
Beim Auftauchen gelangt auch Luft unter
die Flügeldecken, was den silbrigen Glanz
erklärt. Darüber hinaus verleihen die anhaftenden Luft-bläschen Auftrieb.
Coleoptera (Käfer)
Die Käfer stellen die artenreichste Gruppe
der Insekten dar. Auch in Bezug auf die
unterschiedlichen Atemtechniken erschließt
sich hier eine ungeheure Vielfalt. Das ist vor
allem darauf zurückzuführen, dass Käfer
mehrmals parallel ins Wasser zurückgekehrt
sind. Die heimischen aquatischen Käfer
werden zum Teil nach ihrer Bewegungsweise und damit in Wechselwirkung stehenden
K ö r p e r b e s c h a ffenheit in fünf wichtige
Familien unterteilt: Dytiscidae (Schwimm36
käfer), Hydrophilidae (Wasserkäfer), Dryopidae (Hakenkäfer), Gyrinidae (Taumelkäfer) und Haliplidae (Wassertreter). Hier soll
aber nur auf die tatsächlich gefundenen
Exemplare eingegangen werden.
Dytiscidae (Schwimmkäfer)
Dytiscus marginalis (Gelbrandkäfer)
Sowohl der Adultus als auch die Larve des
Gelbrandkäfers sind in jeder Hinsicht didaktisch und naturwissenschaftlich herrlich
anschauliche Objekte.
Die Larve ist einer der effizientesten Räuber
unter Wasser. Ihre Mandibel sind zu zwei
auffällig großen hohlen Dolchen umgewandelt, durch die sie Verdauungssekret in ihr
Beutetier injizieren um dieses dann aussaugen zu können (externe Verdauung!). Die
Beutetiere übertreffen ihre Jäger oft an
Größe; auch das
adulte Tier ernährt
sich räuberisch.
Weder der Käfer
noch die Larve
atmen im Wasser
gelösten Sauerstoff.
Die Larve hängt sich an ihrem Hinterleib an
die Unterseite der Wasseroberfläche und
durchbricht diese um über die Stigmen ihres
letzten Abdominalsegments Luft aufzunehmen.
Auch der ausgewachsene Käfer nimmt Luft
auf diese Weise auf, allerdings sammelt er
gleichzeitig einen Luftvorrat unter seinen
Flügeldecken an, von wo aus atmosphärischer Sauerstoff auch in die übrigen dorsalen Stigmen gelangt. Nebenbei dient sein
Luftreservoir auch der Hydrostatik. Im Winter bedient sich der Käfer allerdings einer
noch raffinierteren Technik einer physikalischen Kieme: Obwohl der Sauerstoffbedarf
der Tiere unter der Eisdecke bei niederen
Temperaturen ohnehin nicht groß ist - sie
befinden sich in einer Art Ruhestadium wird naturgemäß dennoch Sauerstoff für den
Metabolismus benötigt. Da der Käfer über
längere Zeit von der Atmosphäre abgeschlossen sein
kann, muss er
mit
seinem
Vorrat länger
als gewöhnlich
auskommen.
Er reichert zu
diesem Zweck
seine Luftreserve selbst mit Sauerstoff an,
indem er die Luft in Form einer Blase unter
seinen Flügeldecken hervorlässt, und diese
mithilfe kleiner Härchen an seinem Hinterleibsende festhält. Dabei diffundiert gelöster
Sauerstoff aus dem Wasser in die nun sauerstoffärmere Luftblase und dafür Kohlendioxid in das Wasser, wo es sich sofort löst.
3.1.1.5.2.
Hydrophilidae (Wasserkäfer)
In Mitteleuropa gibt es rund 150 Arten, von
denen allerdings nur zwei Drittel aquatisch
sind. In ihrer Atemtechnik ähneln sie den
Schwimmkäfern, hingegen nehmen sie Luft
mit ihrem Kopf, der mit Haarleisten gesäumt
ist, auf. Dabei gelangt Luft über die Stigmen
des vorderen Thorax ins Tracheensystem.
Die Kopfhaare bilden eine Art Rohr, über
das die Luft einströmen kann. Ein silbrig
erscheinender Film aus Luftbläschen auf der
Ventralseite dient ebenfalls dem Auftrieb
bzw. der Verringerung ihres spezifischen
Gewichts unter Wasser.
Sowohl Larven als auch die Käfer leben räuberisch, allerdings hat die Wasserkäferlarve
- im Gegensatz zu Dytiscus - keine hohlen
Mandibeln. Weil deshalb keine wasserdichte
Verbindung zwischen Schlund und Beute
37
hergestellt werden kann, muss sie ihre Nahrung außerhalb des Wassers aufnehmen. Zu
diesem Zweck streckt die Larve die Beute
aus dem Wasser.
einen eigenen Malariastamm im Gebiet der
March. In Folge der großen Individuenzahl,
konnten wir alle Stadien dieser Stechmükken beobachten.
Die Larven atmen atmosphärischen Sauerstoff von der Oberfläche. Dazu hängen sie
sich waagrecht auf die Wasseroberfläche,
wo sie ihr ganzes Stadium über verbringen.
Sie ernähren sich von Algen, die sie von der
Unterseite der Wasseroberfläche abweiden sie können ihren Kopf um 180° drehen. Luft
nehmen sie mit den dorsalen Stigmen ihres
achten Abdominalsegments auf. Die Larven
von Culex hängen im Vergleich dazu mit
ihrem Atemrohr an der Wasseroberfläche.
Auch wenn sie im Habitus ähnlich sind,
kann man Hydrophilidae und Dytiscidae
aufgrund ihrer unterschiedlichen Bewegungsweise kaum verwechseln: Während
die Dytiscidae ein Beinpaar synchron bewegen, verläuft die Schwimmbewegung der
Wasserkäfer asynchron.
3.1.1.6.
Diptera (Zweiflügler)
Dipteren sind holometabole Insekten - sie
durchlaufen also eine vollständige Verwandlung. Generell werden zwei Großgruppen
unterschieden, nämlich Nematocera (Mücken) und Brachycera (Fliegen).
Mit wasserbewohnenden Fliegen hatten wir
in Marchegg keinen Kontakt, dafür mit
Nematoceren umso mehr... Die hier
beschriebenen Familien gehören also alle zu
den Mücken.
3.1.1.6.2.
3.1.1.6.1.
Culicidae (Stechmücken)
Dass nur Weibchen Blut saugen - sie brauchen die Proteine zur Eiproduktion - fällt bei
der in der Au vorkommenden Menge an
Stechmücken kaum ins Gewicht. In den
Marchauen herrscht im Gegensatz zum
Donaugebiet nicht die Nominatgattung
Culex, sondern Anopheles vor. Anopheles
überträgt bekanntlich Malaria; es gab auch
noch bis ins vorige Jahrhundert hineine
Simulidae (Kriebelmücken)
Eine für den Menschen unter Umständen
noch unangenehmere Familie sind die Simulidae. Wegen ihres giftigen Speichels neben Histamin wird auch starkes blutgerinnungshemmendes Protein, das Simulidin, in
die Wunde gespritzt - und ihrer Attacken im
Schwarm, können sie Warmblütern sehr
gefährlich werden. Zu Zeiten, an denen
Flüsse noch nicht reguliert waren und auch
das Gebiet zwischen March und Donau
38
Schwemmland war, kam es im Gebiet des
heutigen Österreichs zu zahlreichen Todesfällen unter Weidevieh - bis zu 35000 Rinder/a. Diese Zahl ist bis heute natürlich stark
zurück gegangen, allerdings verzeichnet
man jüngst wieder einige Fälle in Westösterreich. Die Kombination aus giftiger und
blutgerinnungshemmender Wirkung mit
20000 Stichen pro Stunde führt bei beispielsweise einem Rind zum Herztod oder
zu Verbluten. Der meines Wissens letzte
Todesfall in Österreich (um 2002) bezieht
sich auf einen alten Mann mit Herzschwäche. In anderen Ländern wie Afrika sind
Kriebelmücken auch wegen der Übertragung von Onchocerca volvolus, einem
Nematoden, der seinerseits Onchozerkose
überträgt, als Krankheitsüberträger Ernst zu
nehmen.
Onchozerkose führt in 10% der Fälle zu
Flussblindheit. Meistens sind unsere mitteleuropäischen Ängste lediglich bei allergischen Reaktionen auf die hohe Histaminkonzentration nach einzelnen Stichen
gerechtfertigt.
Dass in der March Puppen von Simuliden
vorkommen, spricht für deren Wasser-qualität. Kriebelmücken-larven haben einen
äußerst hohen Sauerstoffbedarf und sind nur
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
in Fließ-gewässern mit
hoher Fließ-geschwindigkeit
(d.h. mehr Sauerstoff) mit
Wassergüte 1-2 zu finden.
Durch
diesen
hohen
Anspruch gelten sie häufig
als Bio-indikatoren für
Gewässer-gütebestimmung.
Abb.47.
Im Unterschied zu den
Stechmücken atmen Larven
und Puppen gelösten Sauerstoff aus dem Wasser. Die
Larven heften sich mit einer Haftscheibe an
den Untergrund, die Atmung erfolgt über die
Haut. Sie filtern Detritus mithilfe zweier
Haarkämme aus der Strömung.
Die Puppen wenden zur Atmung ihre fadenförmigen Tracheen-kiemen der Strömung
zu. Durch deren oberflächige Lamellenstruktur wird durch Sauerstoff-diffusion ein
permanenter Gas-film festgehalten, von dem
aus der Sauerstoff in das Tracheensystem gelangt.
Die Nutzung von permanenter Sauerstoffbzw. Luftbindung an den Körper wird Plastron-Atmung genannt. (Plastron gr. = Gashülle). Im Gegensatz zur physikalischen
Kieme, wo regelmäßig (!) ein Luftvorrat von
der Oberfläche geholt wird, ist bei dieser
Form kaum bzw. im Fall der Diffusion aus
dem Wasser kein Nachtanken notwendig.
3.1.1.6.3.
Chironomidae (Zuckmücken)
Die Chironomiden sind die artenreichste
Gruppe limnischer Insekten in Mitteleuropa.
Es gibt etwa 1000 Arten. Weil sie auch in
Massen vorkommen (die Larven machen oft
70% der Tiefenfauna von Seen aus) spielen
sie als Futterquelle für Fische eine große
Rolle. Sauerstoff nehmen sie zum einen über
die Haut oder über Blutkiemen am Abdomen auf.
39
bauen oder frei leben. Köcher dienen
nur begrenzt der Gattungs- geschweige
denn der Artbestimmung, weil sie je
nach Umgebungsmaterial gestaltet
sind. Zwar bevorzugen verschiedene
Gattungen unterschiedliche Habitate,
dennoch kann allein dadurch wie
gesagt noch kein eindeutiger Rückschluss auf die Spezies gezogen werden. Der Vielfalt der Köcher sind
jedoch keine Grenzen gesetzt..
3.1.1.7.
Trichoptera (Köcherfliegen)
Schon allein wegen ihrer ästhetischen
Gehäuse sind Köcherfliegen äußerst interessante Geschöpfe. Nach der Stellung ihres
Kopfes werden sie in zwei Gruppen eingeteilt.
Nach ihrer Lebensweise kann man sie ebenso unterteilen - je nach dem, ob sie Köcher
In Marchegg erfreute uns ein Exemplar, dessen Köcher aus kleinen
Schneckenhäusern, die zum Teil noch
bewohnt waren, ganz besonders.
Die freilebenden Gattungen ernähren
sich räuberisch, die die sich Köcher
bauen filtrieren Detritus aus der Strömung. Zu diesem Zweck spinnen sie Netze,
deren Gestaltung ungleich der Abbildung
manchmal nicht ganz optimal gelingt: Studien haben gezeigt, dass Köcherfliegenlarven
in verschmutzten Gewässern keine ebenmäßigen Netze fabrizieren können.
Man glaubt, dass sich ein Überschuss an
Nähr-stoffen auf die Ko-ordination auswirkt
und spricht deshalb von so genannten Dro-
gennetzen.
Zur Atmung (gelöster Sauerstoff) haben sie
fadenförmige Tracheenkiemen, die unterschiedlich positioniert sein können. Je nach
Art stehen sie vereinzelt, in Grüppchen oder
Reihen an Rücken, Bauch und Seite.
Abb.57.
Viele Köcherfliegenlarven sind Anzeiger für
Güteklasse 2, also
mäßig verschmutzte Gewässer. Die adulten
Tiere sind an ihren dachförmig übereinander
ge-stellten Flügeln zu erkennen.
3.1.2. CRUSTACEA
Zur Zeit bevölkern rund 40000 Krebsarten
unseren Planeten. Die Gruppe der Urzeitkrebse zählt zu den phylogenetisch ältesten.
Zu ihnen gehören:
* Anostraca (Feenkrebse)
* Notostraca (Rückenschaler)
* Conchostraca (Muschelschaler)
Urzeitkrebse besiedeln Extrembiotope, in
denen wenig Konkurrenzdruck herrscht. So
blieb ihr Erscheinungsbild über hunderte
Millionen Jahre nahezu unverändert.
40
Solch Extrembiotope stellen temporäre
Gewässer - wie sie typisch in Aulandschaften zu finden sind - dar.
Unter temporären Gewässern versteht man
austrocknende Tümpel, Überschwemmflächen, Pfützen, ja sogar Fahrspuren in denen
sich Wasser ansammelt.
Der oftmals geringe Wasserstand solcher
Habitate ermöglicht eine schnelle Erwärmung des Wasserkörpers. Diese wiederum
lässt Algen, sowie Einzeller als Nahrung für
die Larven (Nauplien) nach dem Schlupf
üppig gedeihen. Die Entwicklung der Larven vollzieht sich bei warmen Wassertemperaturen innerhalb von 5-8 Tagen. Ein breites
Nahrungsspektrum lässt die Tiere schnell
heranwachsen. Innerhalb weniger Tage oder
Wochen, bevor der Tümpel austrocknet, sind
sie herangewachsen und können ihre Eier
ablegen. Die Lebensdauer eines Urzeitkrebses beträgt ca. 3 Monate; innerhalb derer
häuten sie sich mehrmals (bis zu 40 mal).
Die Eier (Dauereier) wiederum können
Jahre - sogar Jahrzehnte scheinbar unbeschadet überstehen. Ihnen kann weder eisige
Kälte noch kochende Hitze, Trockenheit
oder gar ein extrem saures Medium etwas
anhaben. Sowie die Bedingungen wieder
günstig sind, schlüpfen daraus die Nauplien.
3.1.2.1.
Anostraca (Feenkrebse)
Feenkrebse in ihrem jetzigen Erscheinungsbild sind seit dem Jura bekannt. Sie zeichnen
sich durch einen schilderfreien Körper,
sowie durch gestielte Facettenaugen aus.
Kennzeichnend ist auch ihr Schwimmstil.
Sie wenden ihren Bauch immer dem einfallenden Licht zu und sind so vorwiegend
Rückenschwimmer. Würde man sie in ein
Aquarium geben, das von unten beleuchtet
wird, so würden sie zu Brustschwimmern
werden und ihren Bauch nach unten drehen.
Ihre 11 Paar blattförmigen Beine dienen
dabei nicht nur der Fortbewegung, sondern
auch der Atmung und dem Herbeistrudeln
von Nahrungspartikeln wie Detritus und
Algen (Filtration), die von der Bauchrinne
aufgenommen und zur Mundöffnung weiter
transportiert werden.
Geschlechtsreife Weibchen kann man
anhand ihres Brutsackes leicht von den
Männchen unterscheiden.
Bei den Männchen ist das zweite Antennenpaar oft stark vergrößert und auffällig
geformt. Es dient zur Umklammerung der
Weibchen während der Paarung. Das
Geschlechterverhälnis bei dieser Krebsart ist
1:1.
In Österreich sind acht anostrace Urzeitkrebsarten bekannt.
Gefundenen Arten bei der Exkursion:
* Schäffers Kiemenfuß (Branchipus schaef feri)
* Grüner Feenkrebs (Chirocephalus shadini)
* Handköpfchen (Eubranchipus grubii)
3.1.2.2.
Notostraca (Rückenschaler)
Die Rückenschaler sind seit der Trias
bekannt.
Sie kennzeichnen sich durch Facettenaugen,
die in einen flachen
Rückenschild ein-gelassen sind. Der
Rückenschild
(Carapax) schützt
und stabilisiert
den Kopfbereich
41
und den beinetragenden Rumpf, welchem
der schlauchförmige Hinterleib und der
gabelförmige Schwanz folgen. Der Schwanz
dient vermutlich der Steuerung und/oder
dem Umdrehen, sollte sich das Tier in Rükkenlage befinden.
Auf der Unterseite des Körpers befinden
sich das Maul mit seinen Kauwerk-zeugen
und zahl-reiche Beinpaare, die gleich mehrere Funktionen erfüllen. Neben der Atmung
dienen die Kiemenfüße zur Fort-bewegung
und zum Greifen von Nahrung. Die Rückenschaler bewegen sich grabend am Boden
fort und suchen im Untergrund nach Nahrung, wie Plankton, Mückenlarven aber
auch toten Regenwürmern. Mit der Vorderkante des Rückenschildes wühlen sie den
Boden auf um an ihre Nahrung heranzukommen. Das erste Beinpaar ist zu Tastorganen
ausgebildet, mit dem sie die durch die
schaufelnde Bewegung des Panzers zur
Seite geworfene Nahrung ertasten können.
Durch die rhythmische Bewegung der folgenden Beinpaare werden Nahrungsbrocke
in einer Rinne mittig an der Unterseite des
Tieres zur Mundöffnung transportiert.
Die Rückenschaler verbringen den Großteil
ihres kurzen Lebens wühlend am Untergrund - nur bei Sauerstoffmangel schwim-
men sie an die Oberfläche und drehen ihren
Bauch nach oben.
In Österreich vorkommende Rückenschaler
sind durchwegs Weibchen und betreiben
Jungfernzeugung (Parthenogenese). Sie
besitzen zwar eine Zwitterdrüse - diese dürfte jedoch nur ein Überbleibsel sein.
Bereits ab einem Alter von zwei bis drei
Wochen beginnen sie die an einem hinteren
Beinpaar befindlichen Säckchen mit kleinen
rotbraunen Dauereiern zu füllen, welche sie
nach und nach im Boden vergraben. Auch
hier trocknet das temporäre Gewässer, in
dem das Muttertier lebt und seine Eier legt,
aus, und alle Bewohner sterben. Nur die Eier
überstehen diese Trockenzeit und Frost.
Beim nächsten großen Regen und bei entsprechender Temperatur schlüpfen aus den
scheinbar toten Eiern (in den Dauereiern ist
während der Trockenperiode kein Stoffwechsel nachweisbar) innerhalb kürzester
Zeit kleine Nauplien, und eine neue Generation entsteht.
In Österreich lebende und bei der Exkursion
gefundene notostrace Urzeitkrebsarten:
* Frühjahrs-Rückenschaler (Lepidurus
apus)
* Sommer-Rückenschaler (Triops cancrifor mis)
Der Unterschied zwischen diesen beiden
liegt nicht nur darin, dass der Lepidurus
apus sich während des Frühjahrshochwassers im Zeitraum von Ende Januar bis Mitte
Mai entwickelt, sondern auch einen charakteristischen Schwanzschild zwischen den
beiden Schwanzanhängen trägt, der dem
zusätzlichen Antrieb dient. Der Triops can criformis ist größer und tritt von Ende April
bis in den Herbst auf.
3.1.2.3.
Conchostraca (Muschelschaler)
Muschelschaler sind die älteste rezent in
unveränderter Form auftretende Gruppe der
Urzeitkrebse; sie sind seit dem Silur bekannt
(also seit ca. 430 Mio. Jahren). Muschelschaler sind ca. 1cm große Krebse, deren
42
Körper - wie bei den Muscheln - von einer
zweiklappigen Schale umgeben ist, welche
während des Wachstums nicht abgeworfen
wird, sondern durch Material-zuwachs
(Zuwachs-streifen) fortlaufend vergrößert
wird. Die zwei Klappen der Schale werden
durch einen Schließmuskel zusammen
gehalten. Abb.63.
Die meiste Zeit verbringen sie seitlich liegend am Untergrund und filtrieren mit Hilfe
der Beine, die zusätzlich auch der Atmung
dienen, Nahrung aus dem Wasser. In
schlammigen Boden können sie sich auch
eingraben und zur freien Fortbewegung im
o ffenen Wasser dient ihnen ihr zweites
Antennenpaar, welches sie als Ruder verwenden. Dadurch wird ihnen ein gaukelnder, torkelnder Schwimmstil verliehen.
Die Fortpflanzung bei dieser Gruppe der
Urzeitkrebse erfolgt sowohl parthenogenetisch, getrennt geschlechtlich als auch durch
Selbstbefruchtung.
Ihre Entwicklung vollzieht sich äußerst
schnell - somit sind sie hervorragend an
kurzfristig bestehende Gewässer angepasst.
reichste Gruppe der Crustaceen (14.000
Arten) und stellen den größten Anteil des
marinen Zooplanktons dar. Typisch sind ihr
torpedoförmiger Körper, die beiden langen
Antennen vorne und die gegabelten
Schwanzfächer hinten. Am Bauch der bis zu
3,5mm großen Tierchen sind freie Füßchen
zu erkennen. Die großen Antennen beim
ausgewachsenen Hüpferling dienen zum
Ausbalancieren und zum Schweben und
sind somit keine Ruderorgane.
Die hüpfende Bewegung wird durch schnelle Schläge der 5 Brustbeinpaare an der Körperunterseite erzeugt. Durch ihren ruckartig
zuckelnden Schwimmstil sind sie leicht zu
erkennen.
Die Weibchen tragen - je nach Ordnung - ein
oder zwei Eisäcke unter dem Hinterleib. Die
daraus schlüpfenden Nauplius-Larven erreichen erst durch mehrere Häutungen die endgültige Gestalt.
Brust- und Hinterleib tragen die Beinpaare,
wobei die vordersten zwei zum Greifen, die
folgenden fünf der Fortbewegung und der
Atmung dienen (an ihrer Basis tragen auch
sie Kiemenanhänge). Ihre ständige Bewegung erzeugt auch einen Frischwasserstrom
an der Bauchseite für die Kiemen. Die letzten drei Beinpaare sind kurz und dienen in
Verbindung mit Streckbewegungen des Körpers dem Springen (daher Flohkrebs).
Sie ernähren sich vorwiegend von abgestorbenen Pflanzenresten.
Bei der Paarung legt das Weibchen die Eier
in einer taschenartigen Furche zwischen den
Grundgliedern der Brustbeine ab, wo sie
vom Männchen besamt werden. Wie bei den
meisten Krebsen, trägt es dann die Eier mit
sich herum, bis die Larven schlüpfen. Die
Eier sind so gut geschützt und mit Sauerstoff
versorgt.
3.1.2.5.
Amphipoda (Bachflohkrebs)
Der Körper der Bachflohkrebse ist bogenförmig gekrümmt, seitlich zusammengedrückt und weißlich oder gelbbraun. Weib3.1.2.4.
Copepoda (Ruderfußkrebse, chen werden etwa 1,5 cm, Männchen bis zu
Hüpferlinge)
2 cm lang.
Ruderfußkrebse (Abb. 64) sind die arten- Der Kopf trägt zwei Paar längere Fühler,
43
3.2. M O L L U S C A
3.2.1. GASTROPODA (SCHNECKEN)
Schnecken gehören zu den Mollusken und
vertreten mit 43000 bekannten Arten 78%
der Weichtiere. Sie leben sowohl am Land
als auch im Meer und im Süßwasser. Meeres-Schnecken sind Überlebende der Urzeit:
sie lebten schon lange vor den Dinosauriern.
Fossilien beweisen, dass erste Schnecken
schon vor 500 Millionen Jahren gelebt
haben - Dinosaurier lebten etwa vor 150
Millionen Jahren.
Der Körperbau der Schnecken ist grob durch
eine Einteilung in Schale und Weichkörper
gekennzeichnet (Ausnahme sind alle Nacktschnecken, denen das Gehäuse fehlt). Dieser
typische Bauplan findet sich auch bei den
anderen Weichtieren zumindest in Ansätzen
wieder. Bei wasserlebenden Gehäuseschnecken dient das Schneckenhaus vornehmlich als Schutz vor Fraßfeinden. Bei
landlebenden Schnecken ist es aber wichtiger, dass sie sich in Trockenzeiten ins
Gehäuse zurückziehen können und so auch
an trockenen Standorten überleben.
Der Weichkörper gliedert sich in:
* Kopf
* Fuß
* Eingeweidesack
Der Eingeweidesack enthält die meisten
inneren Organe. Der Mantel stellt eine Hautfalte dar, die den Eingeweidesack nach
außen abschließt. Darüber hinaus bildet er
eine Höhle, die Mantelhöhle, in der sich die
Atemorgane der Schnecke befinden.
Der muskulöse Fuß ist das Hauptfortbewegungsorgan der Schnecken, das meist den
größten Teil der außerhalb der Schale liegenden Körperteile der Schnecke ausmacht.
An der Fußsohle befinden sich Schleimdrüsen, die eine Schleimspur absondern, auf der
die Schnecke kriecht. Die Fortbewegung
findet durch wellenförmige Bewegungen
der Fußsohle statt, die von hinten nach vorne
verlaufen.
Am vorderen Ende der Schnecke geht der
Fuß stufenlos in den Kopf über. Erwähnenswert ist die Reibzunge (Radula), die für
Schnecken charakteristisch ist. Diese ist mit
mehreren Zahnreihen ausgestattet, wobei die
Zähnchen nach hinten gerichtet sind. Durch
wiederholtes Vor- und Zurückschieben der
Radula können Pflanzenteile abgeraspelt,
oder von Moos und Algen bewachsene Steine, sehr gut abgeweidet werden. Die Zähnchen werden nach Abnutzung regelmäßig
nachgebildet. Die Ernährungsweise der
Schnecken kann zwischen pflanzlicher bis
hin zu räuberischer Ernährung alle Bereiche
umfassen.
Weiters besitzen Schnecken am Kopf Fühler
(Tentakel). Die meisten Landschnecken
haben zwei Fühlerpaare, wobei eines als
Augenträger und das zweite als Tastorgan
dient. Süßwasserschnecken hingegen besitzen nur ein Fühlerpaar, das dem Tasten
dient. Die Augen liegen bei diesen Schnekken basal an den Fühlern.
Während die meisten Vorderkiemerschnekken getrennt geschlechtlich sind, sind
sowohl die Hinterkiemer, als auch die landund süßwasserbewohnenden Lungenschnekken Zwitter (Hermaphroditen). Das heißt,
sie besitzen sowohl männliche, als auch
weibliche Organe in einem gemeinsamen
Genitalapparat.
3.2.1.1.
Planorbarius corneus (Posthornschnecke)
Die Posthornschnecke gehört zur Familie
der Planorbidae (Tellerschnecken). Sie ist
gut an dem in einer Ebene aufgewundenen,
tellerförmigen, oliv bis dunkelbraunen
Gehäuse mit feinen Querrillen zu erkennen.
44
Der Weichkörper ist meist matt dunkelgraubraun bis schwarz gefärbt.
Abb.66.
Auf Grund ihrer Größe ist sie leicht von
anderen Tellerschnecken zu unterscheiden.
Außerdem besitzen viele andere Tellerschnecken nahe der Unterseite ihres Gehäuses einen fadenförmigen Kiel.
Ähnlich wie Landschnecken atmen sie
durch das gut durchblutete Dach der Mantelhöhle. Man bezeichnet dieses Organ als
Schneckenlunge und die damit atmenden
Schnecken als Lungenschnecken (Pulmonata). Die Lungenschnecken machen den bei
weitem größten Teil der bekannten Schnekkenarten aus.
Die meisten Posthornschnecken sind
Bewohner stiller, pflanzenreicher Gewässer.
Man findet sie daher vorwiegend in Altarmen und Weihern. Am Boden lebend ernähren sie sich von verrottenden Pflanzenteilen
und Aas. Sie können ein zeitweiliges Trokkenfallen ihres Gewässers ertragen und
überwintern im Schlamm ihres Heimatgewässers. Abb.67.
Sie legen nachts flache 15-30mm lange
Laich-ballen, die jeweils ca. 60 Eier enthalten. Wenn die Schnecken schlüpfen, erwartet sie ein 3-5 Jahre langes Leben.
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
3.2.1.2.
Lymnaea
schlammschnecke)
stagnalis
(Spitz- Blättern von Wasserpflanzen finden kann.
4. FEEDBACK
Barbara
Sie gehört zur Familie der Schlammschnekken (Lymnaeidae) und ist wie die zuvor
beschriebene
Posthornschnecke
eine
Süßwasserlungenschnecke.
Sie ist mit bis 60 mm Schalenhöhe die
größte Gehäuseschnecke Europas. Spitzschlammschnecken sind an ihrem lang gezogenen, im Mündungsbereich oft charakteristisch aufgeblasenen Gehäuse, welches nach
hinten spitz zusammenläuft, gut zu erkennen.
Sie leben vor allem in ruhig fließenden und
stehenden Gewässern, wie Teichen und
Flussauen, wo sie Pflanzen und verrottendes
organisches Material fressen.
Schlammschnecken sind Zwit-ter, deren
charakteristischen Eipakete man an den
Ganz am Anfang muss ich wohl mit Schmeicheleien beginnen, da Marchegg erstens eine
der lustigsten, und obwohl es eigentlich fast
immer was zu tun gab, eine der gemütlichsten Lehrveranstaltungen war, an der ich bis
jetzt in meiner Studienkarriere teilgenommen hab (mittlerweile bin ich mit sechs Studienjahren wohl doch schon eine „erfahrene” Studentin). Das liegt wahrscheinlich
daran, dass wir allesamt eine super Gruppe
waren, keinen Strom gehabt haben (also
auch keine Laptops...., sondern Lagerfeuer
hatten), und uns das geteilte Leid mit den
Gelsen und dem Plumpsklo gut zusammengeschweißt hat.
Zweitens hab ich mir von diesen Tagen
wirklich viel für mich mitnehmen können
und auch viel gelernt. Nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Erfahrungen im
Umgang mit Schülern und im Team zu
Arbeiten! Wo ich nun auch schon beim
45
nächsten wäre:
Mit Kathi hab ich wirklich Glück gehabt
zusammenzuarbeiten und ich glaub wir
waren ein super Team und haben uns gegenseitig ganz super ergänzt - das ist dann ja
auch eigentlich der Idealfall bei einer Teamarbeit. Kurz hatten wir`s mal in der Vorbereitungszeit ein bisschen schwierig, aber
konnten uns gut zusammenreden und es hat
dann auch alles gut geklappt. Bei Dingen,
die ich anders machen würde, muss ich mich
Kathi anschließen, nämlich sorgsamer mit
den Tieren umzugehen. Denn am Ende der
drei Tage für die Tiere in den Aquarien
haben nur die Härtesten überlebt - und
obwohl es unsere Aufgabe war, den Schülern Natur, Leben und
wissenschaftlich-biologische Arbeitsweisen nahe
zu bringen, haben wir uns
selbst
sehr
unbio”logisch” verhalten.
Zum Schluss - danke
Erich und Walter für die
gute Betreuung und hoffentlich könnt ihr diese
Lehrveranstaltung in dieser Form fortführen!
Kathi
Zuerst möchte ich die gute Zusammenarbeit
von Barbara und mir erwähnen. Obwohl ich
aus privaten Gründen gerade zu dieser Zeit
nicht unbedingt einfach war, hat sie oft
Geduld bewiesen. Was mich sehr gefreut
hat, war, dass sie mich persönlich darauf
angesprochen hat und wir so unsere Probleme, Missverständnisse (wie auch immer)
geklärt haben. Also in Sachen Konfliktmanagement geb’ ich uns - besonders Babsi volle Punktezahl. Auch was die Umsetzung
unseres Arbeitsauftrages betrifft, bin ich im
Großen und Ganzen recht zufrieden. Was ich
beim nächsten Mal anders machen würde?
Nun ja, dass man als Biologe aus purer
Ungeschicktheit nicht unbedingt die Tiere
vor den Kindern im Algenwasser ersticken
sollte - vor allem, wenn man sich im Vorfeld
vorgenommen hat, Respekt vor dem Leben
zu vermitteln - ist wohl klar. Obwohl ich es
an und für sich lustig fände, wenn sich Franz
von Assisi im Grab umdrehen würde, würd’
ich diesen Umstand in Zukunft tunlichst vermeiden. Ferner (!) fürcht’ ich, vor den Schülern etwas angefuckt gewirkt zu haben, was
wohl keinen guten Eindruck hinterlassen
haben könnte. Asche auf mein Haupt! Ich
weise an dieser Stelle allerdings guten
Gewissens einen beträchtlichen Teil der
Schuld den Anophelesschwärmen zu. (Walter hat auf meinem Rücken die Einstiche in
30er-Schritten gezählt...)
Dass mir diese LV trotz aller Gelsen sehr,
sehr viel Spaß gemacht hat, hab’ ich bereits
in Marchegg mehrmals betont. Und ja - der
Kurs hat mir hinsichtlich Didaktik und
Fachwissen auf einer Skala von 1-10 mindestens 11 Punkte gebracht. Bin sicher wieder
mal dabei!
Verwendete Literatur
Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos-Insektenführer. Kosmos: Stuttgart 1999.
46
Hans-Eckhard Gruner. 3.Tl.: Mollusca, Storch, Volker; Welsch, Ulrich: Kurzes
Engelhardt, Wolfgang: Was lebt in Tümpel, Sipunculida, Echiurida, Annelida, Onycho- Lehrbuch der Zoologie. 7.Aufl. Spektrum:
Bach und Weiher? Pflanzen und Tiere unse- phora, Tardigrada, Pentostomida. 5. Aufl. Heidelberg 2003.
rer Gewässer. Kosmos: Frankfurt am Main Gustav Fischer: Stuttgart 1993.
2003.
Systematische Zoologie. Hg. V. Storch, U.
Welsch. 4. Aufl. Gustav Fischer:
Frömming, Ewald: Biologie
Stuttgart 1991.
der
mitteleuropäischen
Süßwasserschnecken. HumUnterbrunner, Ulrike: Lebendiges
boldt: Berlin.
Lernen in der Umwelterziehung.
Heft 9. ARGE 1986.
Hödl, Walter; Eder, Erich:
Die Groß-Branchiopoden
Wehner, Rüdiger; Gehring, Wal(„Urzeitkrebse”) der österter: Zoologie. 23.Aufl. Thieme:
reichischen March-ThayaStuttgart 1995.
Auen. In: Fließende Grenzen. Lebensraum MarchThaya-Auen. Wien, 1998.
S.247-258.
Jacobs, Werner: Biologie
und Ökologie der Insekten. 3. Aufl. Gustav Naumann, Hans: Wasserjungfern oder
Fischer: Lübeck 1998.
Libellen. Die neue Brehm-Bücherei. Bd. 55.
Geest & Portig: Leipzig 1952.
Lehrbuch der Entomologie. Hg. Konrad
Dettner u. Werner Peters. 2.Aufl. Spektrum: Spezielle Zoologie. Hg.: Wilfried Westheide
München 2003.
u. Reinhard Rieger. Tl.1.: Einzeller und wirbellose Tiere. Spektrum: München 1996.
Lehrbuch der speziellen Zoologie. Hg.:
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
47
reptilien der marchauen
von Christiane Maurer & Philip Holzweber
Allgemeines über Reptilien:
Reptilien sind eine stammesgeschichtlich
sehr alte Wirbeltierklasse. Die ältesten fossilen Funde stammen aus der Steinkohlezeit
vor ca. 260 Mio. Jahren. Diese Funde zeigen
auch, dass Reptilien einst eine wesentlich
größere Vielfalt an Körpergröße und Körperbau aufwiesen als es heute der
Fall ist. Bis auf wenige Ausnahmen sind Reptilien reine Landbewohner. Die Haut ist von hornigen Schuppen oder Schildern
bedeckt, was einerseits eine zu
starke Verdunstung verhindert,
und andererseits einen wirksamen Schutz gegen Feinde bildet.
Regelmäßige Häutungen ermöglichen ein ungehindertes stetiges
Wachstum. Bei den Lacteridae
(Eidechsen) löst sich die Haut in
Schuppen vom Körper, bei Serpentes (Schlangen) hingegen
reißt sie am Kopf auf und die
Tiere schlüpfen aus der dabei unverletzt
bleibenden hornigen Haut (Schlangenhemd)
heraus, wobei die Innenseite nach außen
gestülpt wird. Die Ausbildung der Körperbeschuppung ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.
Die Haut der Reptilien ist drüsenarm.
Schleimdrüsen, die wie bei Amphibien die
Haut feucht halten, fehlen ihnen völlig.
Daher fühlt sich die Körperoberfläche stets
trocken an.
Reptilien sind poikilotherm – ihre Körpertemperatur steht in Abhängigkeit von der
Außentemperatur. Dadurch sind der weltweiten Verbreitung klimatische Grenzen
gesetzt. Alle in Mitteleuropa verbreiteten
Reptilien legen im Winter eine Aktivitätspause ein und ziehen sich in frostgeschützte
Winterquartiere zurück, wobei der Stoffwechsel stark reduziert wird.
Fortbewegung:
Eine Reduktion oder der Verlust der
Gliedmaßen sind Entwicklungstendenzen, die in der Entwicklungsgeschichte der Eidechsen und Schlangen häufig und wiederholt auftraten.
Dieser Verlust scheint mit der
Benützung unterirdischer Lebensräume einherzugehen wie auch mit
der Besiedlung von dichtem Grasland. Dieselben umweltbezogenen
Anpassungen begünstigten auch die
48
Ausbildung eines verlängerten schlangenförmigen Körpers. In der Regel ist die Zahl
der vorhandenen Wirbel umso höher (bei
Schlangen oft mehr als 400), je stärker die
Gliedmaßen reduziert sind. Die auf den
ersten Blick ungewöhnliche Körperform der
Schlangen ist keineswegs so ein Ausnahmefall. In der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere kam es oft zu einer Verlängerung
des Körpers und dem Verlust von
Gliedmaßen – so etwa auch bei Aalen und
Salamandern. Selbst ohne Beine sind verschiedene Formen der Fortbewegung möglich. Sowohl die weit verbreitete schlängelnde als auch die raupenförmige, geradlinige
Fortbewegung konnte den Schülern eindrucksvoll präsentiert werden. Bei beiden
Bewegungsformen nutzt die Schlange einen
Kontrapunkt am Boden als Halt und hebt
dann den Körper deutlich vom Boden ab um
einen anderen Kontrapunkt zu finden.
Bauplan, Lebensweise, Vor- und Nachteile
Auf den ersten Blick erscheint uns eine
Schlange als eine lange Röhre – dies bringt
mit sich, dass das Maul im Vergleich zur
Körpergröße, und damit zur benötigten Nahrungsmenge sehr klein ist. Nun haben lang-
gestreckte beinlose Wirbeltiere verschiedene
Wege eingeschlagen, um dieses Problem zu
lösen. So fressen einige große Mengen sehr
kleiner Beutetiere, andere fangen wiederum
größere Beute und reißen davon Stücke hinunter. Die meisten Schlangen entwickelten
jedoch eine dritte Möglichkeit: Der Schädelbau wurde so grundlegend verändert, dass
die Schlange Beuteobjekte verschlingen
kann, die im Verhältnis zum eigenen Körperdurchmesser riesig sind. Im Schädel
einer Schlange sind die festen Verbindungsstellen gelockert um die Beweglichkeit zu
erhöhen. Die Öffnung der Luftröhre kann
zur Seite geschoben werden, sodass die
Schlange weiterhin atmen kann während sie
ein Beutetier verschlingt – was oft Stunden
dauern kann. All dies ermöglicht es den
Schlangen lange Zeit ohne Nahrung auszukommen. Hinzu kommt die niedrige Rate
mit der Schlangen Energie für eigene Körperprozesse aufwenden. All dies ermöglicht
es der Schlange und auch anderen wechselwarmen Wirbeltieren Gebiete mit geringem
und nur zufälligem Nahrungsangebot zu
besiedeln. Die Ektothermie bringt noch
andere Vorteile mit sich. Da Säugetiere und
Vögel konstant hohe Körpertemperatur aufrechterhalten müssen, haben sie erhebliche
Probleme damit, dass sie Wärme an die
Umgebung abgeben – d.h. sie benötigen
eine isolierende Körperdecke und müssen
einen relativ rundlichen Körper mit möglichst wenig Oberfläche aufweisen. Da
Ektotherme diese Sorgen nicht kennen, können sie sich nahezu jeden Körperbau leisten. Häufig ist ein langgestreckter Körper
von Vorteil – etwa dann, wenn ein Tier in
eine enge Spalte schlüpfen möchte. Der speziell langgestreckte Körper von Schlangen
bietet auch durch die große Oberfläche die
Möglichkeit, schnell Wärme aufzunehmen
(Sonne). Auch Regulation durch Veränderung des Körperumrisses ist möglich – eine
zusammengerollte Schlange bietet viel
weniger Oberfläche zur Wärmeabnahme
oder Wärmeaufnahme als eine gestreckte.
Natürlich kann Ektothermie nicht nur Vorteile beinhalten, denn sonst gäbe es schon
lang keine entothermen Lebewesen mehr
oder es hätte sie niemals gegeben. Es
erscheint zu weit hergeholt, hier auf all die
Vorteile einzugehen, die die jeweiligen
Lebensweisen aufweisen. Vielleicht nur
einige passende: Bei niedrigen Temperaturen wie sie in unserem Klimabereich öfters
auftreten, stehen Reptilien vor einer Zwick49
mühle. Einerseits müssen sie ihren Körper
unbedingt der Sonne aussetzen, um warm zu
werden, andererseits können sie sich, solange sie kalt sind, nur langsam bewegen und
fallen so sehr leicht Räubern zum Opfer, die
diese physiologische Einschränkung nicht
kennen (Säuger, Vögel). Reptilien zeigen
deshalb ein bestimmtes Kompensationsverhalten. So sind die meisten Tiere bei ganz
niedrigen Temperaturen unfähig, auf die
meisten Reize zu reagieren. Sobald sie etwas
wärmer geworden sind, zeigen sie oft sehr
aggressives Verhalten – sie bluffen oder
beißen, was weniger Energie kostet als
davonzulaufen. Ein bekanntes Problem ist
auch, dass sich Reptilien gern auf warmen
Asphaltstraßen sonnen und so oftmals dem
Verkehr zum Opfer fallen. In Marchegg war
es ebenfalls auffällig, dass zahlreiche Reptilien am aufgeheizten Schotter der Bahnlinie
und auch auf den Steinplatten rund ums
Haus zu finden waren. Ein beliebter Platz
war auch die sandige Fläche unter der Bahnbrücke wo uns gleich bei der Ankunft eine
Würfelnatter in die Hände lief. Interessanterweise ist der typische Lebensraum dieser
Art beim und v.a. im Wasser. Im Frühjahr
herrschen dort jedoch zu niedrige Temperaturen vor und so es zieht sie eher an wärme-
re Standorte. Ebenso bleibt die Äskulapnatter um diese Jahreszeit ihrem eigentlichen
Lebensraum, den Bäumen, fern. Auch sie
nutzt die Gemütlichkeit der Erdoberfläche,
die sich wesentlich schneller erwärmt als
das Wasser und die Luft.
Eidechsen können weiters ihren Schwanz
abwerfen, um Räuber abzulenken – Autotomie, das Abwerfen von Körperteilen, kommt
bei Wirbellosen durchaus häufiger vor, bei
Wirbeltieren jedoch gibt es nur einige wenige Ausnahmen. Für eine Eidechse kann der
Verlust des Schwanzes ernste Folgen haben,
da hier Fett gespeichert wird und ohne diese
Reserve die Überlebenschance im Winter
sinkt. Ebenfalls bedeutet der Schwanzverlust eine Einschränkung bei der Fortbewegung und beim Fortpflanzungserfolg.
Fortpflanzung und Entwicklung:
Bei Eidechsen und Schlangen erfolgt eine
innere Befruchtung. Sie besitzen eine
schlitzförmige Kloakenspalte – in die Kloake münden Verdauungs- und Urogenitaltrakt
gemeinsam. Männchen verfügen über paarige Einführungsorgane, die Hemipenes.
Die Fortpflanzungshäufigkeit hängt von den
klimatischen Bedingungen ab. Unter
Umständen kann ein Weibchen nicht jedes
Jahr genügend Energie speichern, um ein
Gelege zu produzieren und lässt deshalb
auch manchmal eine Gelegenheit zur Fortpflanzung aus.
Unter den Lacertidae und Serpentes ist die
Fortpflanzung über Ovoviviparie vorherrschend, doch es kam mehrfach zur Entwicklung von Viviparie – oft ist diese Entwicklung fließend verlaufen, schon deshalb weil
durchschnittlich die Hälfte der Embryonalentwicklung in den Eiern abläuft, solange
sich diese noch im Inneren des Körpers
befinden.
Ein Grund für die Entwicklung von Viviparie liegt in der geografischen Verbreitung
lebendgebärender Arten. Diese bewohnen
nämlich meist kühlere Gebiete als ihre eierlegenden Verwandten und sie sind zudem
die einzigen Arten, die auch in wirklich kalte
Gebiete vordringen. Offenbar ist der Boden
dort zu kalt, um den Eiern eine erfolgreiche
Entwicklung zu ermöglichen. Dagegen können Eier, die im Körper der Mutter zurückbleiben, wesentlich wärmer gehalten werden, denn diese kann sich in die Sonne legen
und warme Unterstände aufsuchen. Nachteil: Die Weibchen sind in ihrer Bewegungs50
freiheit eingeschränkt. Ringelnattern beispielsweise umgehen die Tatsache der kühlen Witterung, indem sie ihre Eier in Misthaufen legen, die sich durch die rege Bakterientätigkeit erwärmen und so eine
beschleunigte Entwicklung ermöglichen.
Sinnesorgane:
Für die meisten Reptilien sind drei Sinnesorgane überlebenswichtig: Gesicht, Gehör,
und Geruch. Dabei hängt die relative Bedeutung eines jeden Sinnesorganes stark von der
Lebensweise der jeweiligen Art ab.
Besonders hervorzuheben ist die gespaltene
Zunge der Schlangen, die hervorragend
geeignet ist, um Chemikalien der Umgebung
wahrzunehmen. Schlangen ziehen ihre
Zunge immer wieder in den Mund zurück,
um Partikel aus der Umgebung dem Jakobsonschen Organ am Munddach zuzuführen.
Gut zu erkennen ist bei der Schlange auch,
dass die Augen nicht von Lidern, sondern
von einer transparenten Kappe bedeckt werden, wodurch diese ihren sprichwörtlichen
starren Blick erhält.
Bei Eidechsen ist die Öffnung des Gehörgangs gut zu erkennen. Schlangen hingegen
besitzen weder eine äußere Ohröffnung,
noch ein Trommelfell, eine Tympanumhöhle
oder eine Eustachische Röhre. Deshalb galten sie auch lange Zeit als taub. Dies stimmt
nicht ganz, da sie Erschütterungen und auch
Vibrationen der Luft über die Körperoberfläche wahrnehmen können.
der Paarungszeit in der Regel grüne Körper, Kopf- und Bauchseiten mit schwarzen
Flecken, die Seitenzonen der Weibchen sind
graubraun
mit
braunschwarzen,
weißgekernten Fleckchen. Die Bauchseite
ist bei den Männchen grünlich, bei den
Weibchen gelblich oder weißlich und
schwarz gepunktet. Die intensive GrünfärIn den Marchauen vorkommende Reptibung der Männchen in der Paarungszeit
lienarten:
(=Frühjahr) ist oft ein Verwechslungsgrund
mit der Smaragdeidechse. An den Flanken
1. Zauneidechse – Lacerta agilis agilis
sind die typischen großen weißen, dunkel
umrahmten Augenflecken (=Ocellen) ausgeBeschreibung:
bildet, die bei Jungtieren bis zu drei Reihen
Die Zauneidechse kann bis zu 24 cm lang pro Flanke bilden können. Bei älteren
werden. Ihr Kopf ist auffallend hoch und Männchen sind die Augenflecken oft nicht
stumpf. Der gedrungene, kräftige Körper mehr erkennbar.
besitzt einen relativ kurzen und langen
Schwanz. Der unverletzte Schwanz ist ein
Drittel länger als der Körper. Der freie Rand Männchen in der Paarungszeit
des Halsbandes ist gezähnt. Die Zauneidechse besitzt gekielte Rückenschuppen.
Bei der Zauneidechse unterscheiden sich die
beiden Geschlechter als auch die Jungtiere
in der Färbung. Die Grundfarbe vom Oberkopf, Rücken und Schwanz ist bräunlich.
Bei heranwachsenden Tieren verdunkeln
sich die Seitenzonen, und die Rückenzone
bleibt heller mit einem beidseitigen, dunklen
Längsband. Dieses Band ist ebenfalls mit
Ocellen versehen. Die Männchen besitzen in
51
Weibchen
Biologie:
Die Zauneidechsen sind keineswegs so
beweglich wie ihr wissenschaftlicher Name
„agilis“ ausdrückt und daher eher leicht zu
fangen. Sie bevorzugen Trockenmauern,
Steinhaufen, Bahndämme und sonnige
Waldränder als Aufenthaltsplätze. Kahles
Gestein und nackte Felswände meiden sie.
In klimatisch begünstigten Lagen kommt die
Zauneidechse bereits im März aus ihrem
Winterquartier. Die Männchen und die Jungtiere zeigen sich dabei zuerst. Die Paarung
erfolgt von April bis Mai. In dieser Zeit finden auch die typischen Kämpfe zwischen
den Männchen statt. Zwischen Mai und Juni
werden vom Weibchen an feuchten Stellen 4
bis 15 weichschalige, walzenförmige, haselnussgroße, weiße Eier vergraben. Der
Schlupf erfolgt etwa 8 – 10 Wochen danach.
Die Jungtiere besitzen dann eine Gesamtlänhttp:// univie.ac.at / freilanddidaktik
ge von 3 bis 4cm. Im September oder im
Oktober ziehen sich die Zauneidechsen in
ihre Winterquartiere, meist Erdhöhlen,
zurück. Die Jungtiere verkriechen sich meist
einen Monat nach den Erwachsenen. Die
Nahrung der Zauneidechse setzt sich aus
Spinnen, Schnecken und Krebstieren
zusammen.
Geschlecht unterschiedlich. Die Rückenfärbung ist bei beiden Geschlechtern hell- bis
dunkelgrün (selten auch bräunlich). Das
Männchen besitzt gleichmäßig verteilte,
kleine schwarze Pünktchen auf dem Rücken
die beim Weibchen oft zu dunklen Reihen
entlang von weißlich - gelblichen bis blassgrünen Linien angeordnet sind. Die Unterseite ist blassgelb und das Kinn sowie die
Kehle sind weißlich. Das Männchen besitzt
Verbreitung:
Die Zauneidechse ist in ganz Österreich ver- eine auffallend blaue Färbung der Kehlregibreitet und in allen Landschaften Nieder- on, die während der Paarungszeit leuchtend
österreichs anzutreffen. Trotz ihrer nur blau ist.
geringen Anforderungen an die Umwelt,
konnte bereits vor Jahren eine rückläufige
Populationsentwicklung festgestellt werden.
2. Smaragdeidechse – Lacerta viridis viri dis
Beschreibung:
Die Smaragdeidechse wird bis zu 40 cm Männchen in der Paarungszeit
lang, wovon der Schwanz zwei Drittel der Weibchen
Körperlänge ausmacht, und ist damit die
größte heimische Eidechse. Sie besitzt einen
hohen, zugespitzten Kopf und einen langen,
schlanken Schwanz. Das Halsband ist wie
bei der Zauneidechse gezähnt. Die Rückenschuppen sind klein und gekielt. Die Färbung und die Zeichnung sind nach Alter und
52
Biologie:
Im März (Männchen) bzw. im April (Weibchen) verlassen die Smaragdeidechsen ihre
Winterquartiere. Nach der 1. Häutung im
Frühjahr zeigen die Männchen bereits die
auffallende Färbung der Kehle. Im April finden die Kommetkämpfe statt. 4 Wochen
nach der Paarung, bei der das Weibchen vom
Männchen in die Flanken gebissen wird,
vergräbt das Weibchen seine 8 – 10 bohnengroßen Eier in die Erde. Nach der Eiablage
wird das Erdloch wieder eingeebnet. Nach
weiteren 3 Monaten schlüpfen die Jungtiere
und graben sich selbst an die Oberfläche.
Die Jungtiere besitzen nach dem Schlupf
eine Körpergröße von 6 – 9 cm. Es konnte
auch eine Herbstpaarung beobachtet werden. Die Smaragdeidechse kommt vor allem
auf trockenen, der Sonne ausgesetzten Hängen oder Felswänden vor, die zum Teil mit
einzelnen Sträuchern oder Bäumen bewachsen sind. Die Smaragdeidechse ernährt sich
von Heuschrecken, Grillen, Spinnen, Käfern
und ähnlichem.
liegt ihr Hauptverbreitungsgebiet zwischen
Krems und Ybbs bzw. zwischen Langenlois
und Wegscheid. In größerer Zahl kommt sie
in der Nähe der tschechischen Grenze in
der Umgebung um Retz vor.
erwachsenen Tiere ist grau, kupferfarben,
braun bis schwarz. Die Unterseite ist
schwarz bis blaugrau gefärbt, gelegentlich
mit blauen Flecken. Die Jungtiere sind am
Rücken hellgrau, oft silbrig, auf der Bauchseite schwarz. Über den Rücken zieht ein
dunkler Längsstrich bis zur Schwanzspitze,
der bereits hinter den Augen beginnt. Der
3. Blindschleiche – Anguis fragilis fragilis Mittelstreifen ist bei erwachsenen Tieren
meist reduziert.
Beschreibung:
Die Blindschleiche wird bis zu 50 cm lang.
Sie hat einen lang gestreckten, fußlosen
Körper. Die Augenlider sind im Gegensatz
zu den Schlangen getrennt und frei beweglich. Die Schuppen bedecken den Körper
einheitlich, wohingegen bei den Eidechsen
Bauch – und Rückenschuppen getrennt vorliegen. Die Blindschleiche besitzt nur an
Rücken – und Bauchseite größere Schuppen.
Der Rumpf geht unmerklich in den Schwanz Blindschleichenweibchen
über. Der unversehrte, also nicht regenerierte Schwanz, wird länger als der restliche Biologie:
Körper. Der leicht abbrechbare Schwanz Die Blindschleiche ist ein Dämmerungstier.
regeneriert nicht so gut, wie bei anderen Ihre Tagaktivitätsmaxima fallen in die Zeit
Verbreitung:
Eidechsen. Es bildet sich nur ein kurzer, von 5 bis 10 Uhr morgens und 18 bis 21 Uhr
Die Verbreitung der Smaragdeidechse ist
kegelförmiger meist dunkler Schwanz- abends. Diese Aktivitätszeiten können sich
innerhalb Österreichs auf die östlichen
stumpf aus. Ein Züngeln ist nur bei leicht an regnerischen Tagen verschieben, da die
Bundesländer beschränkt. Sie kommt entgeöffnetem Mund möglich, da eine Ausspa- Tiere oft nach Regenfällen auf Nahrungssulang der Donau von Königstetten bis zu den rung in der Oberlippe, wie es bei Schlangen che gehen. Die Blindschleiche ist ein
Hundsheimerbergen vor. Gegen Westen
üblich ist, fehlt. Die Oberseitenfärbung der Bodentier, das schattige Plätze bevorzugt.
53
Sie ist vor allem in Wäldern und auf Hängen
mit Büschen und Sträuchern zu finden,
wobei sie sich vor allem gerne unter Baumrinden und unter Steinen aufhält. Die
Bodenfeuchtigkeit spielt in diesen Fällen
nur eine untergeordnete Rolle.
Die Paarung, bei der das Männchen das
Weibchen in den Nacken beißt, findet von
April bis Mai statt. Nach dreimonatiger Paarungszeit werden 5 – 26 Jungtiere geboren,
die ihre Eihüllen bei oder kurz nach der
Geburt verlassen (Ovoviviparie).
Die Fortbewegung erfolgt in weiten starren
Windungen, wegen der Ausbildung von
Knochenplättchen unter den Schuppen. Die
Blindschleiche zieht sich Ende Oktober in
ihr Winterquartier zurück und bleibt dort bis
März. Bis zu 30 Artgenossen überwintern
gemeinsam in einer Erdhöhle. Blindschleichen verzehren vor allem Nacktschnecken
und Regenwürmer. Das älteste, bekannte
Exemplar stammt aus einem Zoo in Kopenhagen mit einem unglaublichen Alter von 54
Jahren. Durchschnittlich werden diese Reptilien 20 bis 28 Jahre alt.
Die natürlichen Feinde der Jungtiere sind
Kröten, und große Laufkäfer. Die ausgewachsenen Tiere hingegen werden vor allem
vom Fuchs, vom Marder, vom Igel, vom
Dachs, von Vögeln, von Kreuzottern und
von Schlingnattern bedroht.
Verbreitung:
Die Blindschleiche ist in ganz Österreich
verbreitet. Ovoviviparie und eine geringe
Vorzugstemperatur ermöglichen den Blindschleichen bis zu Höhen von 2400m passende Lebensräume zu finden. In Niederösterreich sind diese Reptilien in allen natürlichen Landschaften anzutreffen. Sie kommt
vor allem in Niederösterreich sehr zahlreich
vor. Der Grund, warum man sie so selten zu
Auge bekommt, sind wohl ihre versteckte
Lebensweise und ihre Hauptaktivitätszeiten.
4. Europäische Sumpfschildkröte - Emys
orbicularis
Beschreibung:
Die europäische Sumpfschildkröte ist eine
dunkle Schildkröte mit abgeflachtem Panzer. Sie kann bis ca. 20 cm lang werden. Ihr
Kopf und ihr Hals weisen mehr oder weniger gelbe Sprenkelung auf
dunklem bis schwarzem
Untergrund auf. Ihr heller
Bauchpanzer ist mit unregelmäßiger
schwarzer
Fleckung versehen. Der
Schwanz bei den Männchen ist länger und kräftiger als bei den Weibchen.
Biologie:
Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus tierischer Kost (Kaulquappen, Wasserinsekten,
Fische). Daneben werden aber auch, vor
allem von erwachsenen Individuen, gelegentlich Wasserpflanzen und Algen gefressen. Europäische Sumpfschildkröten sind
eine sehr scheue Reptilienart mit hoher
Fluchtdistanz. Sie sonnen sich gerne auf
Totholz und Schwemmgutansammlungen.
Verbreitung:
In Österreich waren sie wahrscheinlich nur
im pannonischen Tiefland und am Bodensee
(dort aber bereits ausgestorben) ursprünglich heimisch. Bestände mit erfolgreicher
Fortpflanzung konnten in den Donau- und
Marchauen festgestellt werden. Alle anderen
Vorkommen sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf ausgesetzte Tiere zurückzuführen. Europäische Sumpfschildkröten bevorzugen
Fluss-Systeme in klimatisch
begünstigten
Gebieten, wie zum Beispiel in Auwäldern an
vegetationsreichen Altarmen mit schlammigem
Bodengrund.
54
5. Ringelnatter - Natrix natrix
Beschreibung:
Das Männchen wird nicht länger als 1
Meter. Das Weibchen wird selten länger als
1,5 Meter. Der Körper der Ringelnatter ist,
wie es für alle Schlangen typisch ist, bei den
Weibchen kräftiger ausgebildet als bei den
Männchen. Der Kopf, der vom Hals deutlich
abgesetzt ist, ist relativ groß und hoch. Das
Auge der Ringelnatter ist mit einer runden
Pupille versehen. Die Rückenschuppen sind
stark gekielt. Dem unpaaren Schnauzenschild schließen beidseitig 7 oder 8 Oberlippenschilder an, von denen das 3. und das 4.
(bzw. das 4. und das 5.) direkt an den unteren Augenrand stoßen. Die Kopfoberseite
wird von 9 großen glänzenden Schildern
bedeckt. Die Oberseite des Körpers ist meist
grünlich – grau in den verschiedensten
Schattierungen und trägt im Normalfall 4 –
6 Längsreihen kleiner, schwarzer Fleckchen.
Ein deutliches Erkennungsmerkmal
der
erwachsenen Ringelnatter
sind die beiden gelben
Hinterhauptsflecken, die
vorne und hinten schwarz
eingegrenzt sind.
Biologie:
Die bodenlebenden, tagaktiven Ringelnattern sind nur selten in trockenen Waldgebieten anzutreffen. Sie bevorzugen Auen und
die Umgebung von Bächen, Flüssen und
Seen. Wenn man eine Ringelnatter einfängt,
entleert sie ihre Stinkdrüsen, ähnlich wie die
Würfelnatter, anstatt zu beißen (wie es zum
Beispiel die Äskulapnatter macht).
Die Paarung findet in den Monaten Mai und
Juni statt. Das Männchen beißt sich am
Weibchen fest. Ungefähr 8 – 10 Wochen
nach der Frühjahrspaarung beginnt die Eiablage. Es werden 11 – 32 länglich – ovale
Eier in alten Baumstümpfen, Mistbeeten,
Laubhaufen oder in Mauerlöchern abgelegt.
Für die Wahl des richtigen Eiablageplatzes
kommen verschiedene Faktoren, wie zum
Beispiel Wärme und Feuchtigkeit, ins Spiel.
Die Länge der geschlüpften Jungtiere
beträgt ca. 18 cm.
Die Zeit der Winterruhe ist bei den Ringel-
nattern von Oktober bis
April, wobei sich mehrere
Individuen in tieferen
Spalten der Uferböschungen oder in alten Baumstämmen verkriechen.
Die Ringelnatter ernährt
sich von kleinen Fischen,
Molchen, Fröschen, Kröten und Kleinsäugern.
Verbreitung:
Die Ringelnatter ist in ganz Österreich verbreitet. In Niederösterreich ist sie meist in
der Nähe, bisweilen aber auch fernab von
Wasserstellen in einer Höhenlage bis zu
1500 m zu finden. Sie ist die in Niederösterreich am häufigsten vorkommende Schlangenart.
6. Würfelnatter – Natrix tessellata
Beschreibung:
Das Weibchen erreicht eine Körperlänge
von bis zu 1m, das Männchen wird 60 – 70
cm lang. Die Würfelnatter hat einen länglich, schmalen Kopf und leicht vorstehende,
nach oben gerichtete Augen. Sie ist neben
der Ringelnatter die einzige auch stark ans
Wasser gebundene Schlangenart Österreichs. Sie besitzt runde Pupillen, wie alle
55
anderen heimischen Nattern auch. Die Rükkenschuppen sind wie die Schuppen der
Schwanzoberseite deutlich gekielt. Der
Kopf wird von neun großen Schildern
bedeckt, die Schilder der Schwanzunterseite
und das Afterschild sind geteilt. Die Körperoberseite ist hell – bis dunkelbraun mit
dunklen Flecken. Die Unterseite ist weiß bis
gelblich mit deutlicher schwarzer Würfelzeichnung (=> Name!)
Biologie:
Die Würfelnatter ist ein bodenlebendes Tagtier und nur gelegentlich dämmerungsaktiv.
Sie ist ein großartiger Schwimmer und Taucher, wobei sie auch längere Zeit am Grund
von Gewässern liegen kann. Wie schon bei
der Ringelnatter erwähnt, beißt die Würfelnatter aüßerst selten zu, wenn sie eingefangen wird, sie entleert anstatt dessen ihre
Stinkdrüsen.
Die Paarung erfolgt in der Zeit von April bis
Juni, in den Monaten Juni oder Juli legt die
Würfelnatter 5 – 25 in lockerem Erdreich
oder in Dunghaufen ab. Ungefähr 5 – 10
Wochen später schlüpfen die Jungtiere mit
einer Länge von bis zu 20 cm.
Die Aktivität der Würfelnatter setzt bei 10
bis 11°C ein. Von Oktober bis März halten
diese Reptilien ihre Winterruhe. Die Würfelnatter ist immer in der Nähe von Gewässern
anzutreffen. An sonnigen Tagen liegt sie
auch gerne auf Steinen am Ufer und flüchtet
vor Räubern blitzschnell ins Wasser.
Die Würfelnatter ernährt sich hauptsächlich
von Fischen, Fröschen und Molchen. Sie
kann aber auch Kröten und Kleinsäuger
fressen. Der größte Feind der Würfelnatter
ist die Bisamratte.
Verbreitung:
Bis auf Tirol, Salzburg und Oberösterreich
ist die Würfelnatter in ganz Österreich verbreitet. In Niederösterreich besitzt sie nur
lokale Vorkommen. Im Osten Niederösterreichs stellt das Stadtgebiet Wien und die
Umgebung Wiens ein geschlossenes Verbreitungsgebiet dar.
7. Schlingnatter – Coronella austriaca
austriaca
Beschreibung:
Die Schlingnatter wird bis zu 75 cm lang.
Sie hat einen schlanken Körper, ihr Körper
ist flach und oval. Die Rückenschuppen sind
ungekielt. Beiderseits an das unpaare
Schnauzenschild schließen 7 (8) Oberlippenschilder an. In Richtung Nasenöffnung
wird das Auge von einem, nach hinten von 2
übereinander
liegenden
Schildchen,
begrenzt. Die Kopfoberseite wird von 9
größeren, matten Schildern bedeckt.
Die Färbung der Schlingnatter ist sehr variabel. Beim Männchen ist die Oberseite braun,
beim Weibchen ist sie gräulich. Am Kopf ist
ein dunkler Fleck, der zweischenkelig über
den Nacken reichen kann, und sich in einer
mindestens zweireihigen Fleckung auf der
Körperoberseite fortsetzt. Aufgrund dieses
56
scheinbaren “Zick-Zackbandes” kommt es
immer wieder zur Verwechslung mit der
Kreuzotter. Die Unterseite ist bei Jungtieren
ziegelrot, bei erwachsenen Weibchen gräulich bzw. bei erwachsenen Männchen rötlich
braun mit leichter Sprenkelung.
Biologie:
Die Schlingnatter ist ein Tagtier. Sie bevorzugt offenes, trockenes Gelände mit Waldrändern oder Mauern, ist aber auch in
Mooren und Augebieten anzutreffen. Sie ist
in Niederösterreich zwar an einigen Orten
zu finden ist aber nirgends wirklich häufig
anzutreffen.
Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis
Mai. Bei der Paarung selbst beißt sich das
Männchen am Hals des Weibchens fest. Die
Schlingnatter ist ovovivipar. Ende August
bzw. Anfang September werden 3 bis 15
Jungtiere abgesetzt, die sofort nach der
Geburt so angriffslustig wie ihre Eltern sind.
Die Schlingnatter ernährt sich vorwiegend
von Eidechsen, Blindschleichen, jungen
Schlangen und Mäusen, die sie alle durch
Umschlingen mit dem Körper erdrosselt (=>
Name!). In der Zeit von Oktober bis März
suchen die Schlingnattern ihre Winterquartiere auf, welche meist Erdlöcher sind.
Verbreitung:
Ähnlich wie die Blindschleiche ist die
Schlingnatter in ganz Österreich verbreitet.
In Niederösterreich ist sie sowohl in den
Tieflagen des Wiener Beckens als auch in
Höhenlagen mit bis zu ca. 1500m zu finden.
In den Alpen reicht ihre Verbreitungszone
bis zu 2000 Metern Seehöhe.
8. Äskulapnatter – Elaphe longissima
longissima
seite ist gelbbraun, olivefarben, braun bis
schwarzbraun. Sie hat viele Rücken- und
Flankenschuppen mit weißen Rändern,
wodurch eine leichte längsgerichtete Strichelzeichnung entsteht. Die Unterseite ist
blassgelb bis zitronengelb. Die Körperschuppen sind glatt und glänzend. Die breiten Bauchschilder reichen beiderseits bis auf
die Flanke und haben einen schwach ausgeprägten Kiel (Kletterhilfe), sodass bei einer
am Boden liegenden Schlange ein gelber
Beschreibung:
Die Äskulapnatter ist eine sehr große
Schlange, sie kann bis zu 2 Meter lang werden. Sie ist eine kräftige und dennoch
schlank wirkende Natter. Der schmale und
kleine Kopf ist vom Körper abgesetzt. Die
Äskulapnatter hat relativ große Augen mit
runden Pupillen. Die Grundfarbe der OberLängsstreifen zu sehen ist. Jungtiere sind
auffälliger gezeichnet mit großen, dunklen
Flecken am Rücken, mit dunkler Querbinde
über der Schnauze und mit beiderseits hellgelben Nackenflecken (Verwechslungsmöglichkeit mit der Ringelnatter).
Biologie:
Die Paarungszeit der Äskulapnatter dauert
von Mai bis Juni. Bei der Paarung beißt sich
57
das Männchen am Hals des Weibchens fest
(wie bei den anderen Arten). Je schneller
sich dabei das weibliche Tier bewegt, desto
heftiger wird es vom Geschlechtspartner
verfolgt. Ende Juni werden 5 bis 8 Eier in
Baumstümpfen, Mulm, Mist, … abgelegt.
Die Reifung im Ei dauert im Allgemeinen 6
– 8 Wochen. Die Länge der geschlüpften
Jungtiere beträgt 18 – 21 cm. Die Zeit von
Oktober bis März verbringt die Äskulapnatter in ihrem Winterquartier.
Die Nahrung dieser größten heimischen
Schlange setzt sich vorwiegend aus Mäusen,
Maulwürfen, Eidechsen und Vögeln zusammen. Die Äskulapnatter verschlingt ihre
Beute nicht lebend, sondern erwürgt sie vorher durch Umschlingen.
Die Äskulapnatter kann wegen ihrer großen
Körperlänge und wegen den scharfen
Längskanten, die durch die Bauchschuppen
gebildet werden, besonders gut klettern. Die
Äskulapnatter ist ein wärmeliebendes Tagtier, welches sich besonders in trockenen,
warmen Gebieten bei Steinhaufen, altem
Gemäuer oder auf Wiesen aufhält.
se. Die Äskulapnatter hält sich vor allem in
3 Hauptverbreitungsgebieten auf, nämlich in
der Übergangszone Wienerwald – Wiener
Becken, im Kamptal und in der Wachau. Sie
fehlt im Hochgebirge.
Fachdidaktischer Teil
Lehrziele:
Kenntnis wichtiger/interessanter Vertreter
der typischen Reptilienfauna der March.
Ökologie: Erkennen und beschreiben lernen
ten Kräften und unter professioneller Anleider unterschiedlichen Reptilien-Lebensräutung von Frl. Maurer wurde dieses errichtet
me an der March, und damit verbunden, der
(siehe Foto).
Erkenntnisgewinn, anhand der Morphologie
der Reptilien ihren spezifischen Lebensraum
und evtl. etwas zu ihrer Lebensweise erfahren zu können.
Kenntnis der Gefährdung der Reptilien
Methoden:
Als Unterrichtsstil wurde ein fragend-entwickelndes Gespräch mit der Schüler-KleinVerbreitung:
gruppe (meist 5 Personen) gewählt.
Die Äskulapnatter ist in allen Bundeslän- Schauplatz war direkt neben dem Quartier
dern in Österreich, außer in Vorarlberg ver- unter einem kleinen Zelt als Sonnenschutz
breitet. In Niederösterreich zeigt sie ein ähn- für uns und v.a. für die Reptilien. Mit vereinliches Vorkommen wie die Smaragdeidechhttp:// univie.ac.at / freilanddidaktik
58
Schlusswort und –bild
Zur Illustration hatten wir ein Plakat, mit
Fotos der an der March vorkommenden
Reptilienarten montiert, welches aber auf
Grund der persönlichen Anwesenheit fast
aller Tiere überflüssig war.
Am lebenden Objekt wurde auf die Besonderheiten und evolutionären Anpassungen
der Reptilien eingegangen. Auch
Rückschlüsse auf Verhalten,
Lebensraum und –weise konnten
auf Grund von äußeren Merkmalen geschlossen werden. Besonders schön funktionierte dies, als
eine Ringelnatter, die sich von
uns offenbar zu sehr belästigt
fühlte, einen halbverdauten
Frosch in der Schülerrunde herv o r w ü rgte. Aber auch durch
„Begreifen“ der Tiere (z.B. der
Bauchschuppen der Äskulapnatter) und durch genaue Beobachtung (z.B. des Zubeißens in die
Hand des Vortragenden oder Hinterfragung
des Tarnmusters am Bauch der Würfelnatter) war es den Schülern möglich Sinn und
Zweck von verschiedensten Merkmalen zu
verstehen.
Alles in allem bleibt noch zu sagen, dass die
Exkursion, sicher für alle Beteiligten, eine
Bereicherung an Erfahrungen verschiedenster Art war. Sozialer, biologischer …
und kulinarischer.
LITERATUR:
Grillitsch, Britta. Lurche und Kriechtiere
Niederösterreichs. 1. Aufl. Facultas-Verl.
Wien 1983
Cabela, Antonia; Tiedemann, Franz;
Schultz, Ortwin. Atlas der Amphibien und
Reptilien Österreichs. Berger Verlag. Wien
1985.
Gruber, Ulrich. Amphibien und Reptilien.
Franckh-Kosmos. Stuttgart 1994
Cogger, Gzweisel, Kirshner. Reptilien und
Amphibien, Enzyklopädie der Tierwelt.
Orbis - Verlag
www.herpetofauna.at
Es bedanken sich Christiane Maurer
und Philip Holzweber und zig-tausende
Gelsen.
59
evaluation lehr- & lernziele
von Erich Eder
Viel vorgenommen hatten sich die TeilnehmerInnen unserer Lehrveranstaltung sowohl was die Lehrziele ihres ersten Freiland-Unterrichts als auch die eigenen Lernziele im Rahmen der Lehrveranstaltung
Freilanddidaktik betraf.
Lehrziele
Auf die Frage Was möchtest Du den SchülerInnen bei dieser LV vermitteln? wurden die vielfältigsten - oft reichlich hoch
gesteckten - Ziele genannt. Die
Lehrziele lassen sich im wesentlichen in vier Kategorien unterteilen (wobei die Übergänge
natürlich fließend sind): Fachliches Wissen, Umweltbildung,
Sinne Schärfen und Emotionales.
Einige Beispiele:
1a) Allgemein Fachliches
...zentrale biologische Erkenntnisse gewinnen, Prinzipien,
Zusammenhänge, Kreisläufe und
Abhängigkeiten in lebenden
Systemen sehen lernen und damit
Grundzüge eines biologischen bzw. naturwissenschaftlichen
Weltverständnisses
erwerben...
...Schüler sollen sich für evolutive Zusammenhänge interessieren...
... zeigen,dass nichts in der Natur sinnlos
ist...
1b) Themenbezogen Fachliches
...die Vielfalt an Leben im Süßwasser zu
erkennen und die Schüler dazu zu bringen,
teilweise selbst zu erkennem, wie sich die
Tiere an ein Leben im Wasser angepasst
haben...
...zeigen, dass Tier- und Pflanzenwelt eng
miteinander verbunden sind...
...vermitteln, dass auch Pflanzen spannend
sein können und nicht nur etwas “lebloses”
sind...
... gilt es zu zeigen, dass der Schritt aufs
Land ein sehr gewagter ist...
2) Umweltbildung
...Dass die Natur für uns Menschen wichtig
ist, dass wir auf sie achten müssen...
...Wissen und Kompetenzen erwerben, die
für einen umweltbewussten, nachhaltigen
Umgang mit unseren Lebensgrundlagen motivieren und befähigen. Die Bedeutung des Artenund des Biotopschutzes soll
erkannt werden...
...Bezug zur Natur erfahren...
3) Sinne schärfen
...Beobachten und genaues
Anschauen zu trainieren...
... seine Umgebung genau zu
beobachten und was man sieht zu
beschreiben, Verborgenes zu entdecken...
60
4) Emotionales
...Schüler sollen positive Emotionen für
Natur und Umwelt entwickeln...
...Scheu vor den Reptilien nehmen und
auch den einen oder anderen dafür begeistern, sie aktiv zu schützen...
...allgemein: zeigen, wie interessant die
Natur ist, und was sie sich so alles einfallen
läßt. Dass sie Spaß in der Natur haben...
...Respekt vor der Natur/Leben, Kontakt
mit Tieren und Pflanzen...
...Spaß miteinander haben und dass sich die
Schüler gern an uns erinnern...
Lernziele
Die Erwartungen an die Lehrveranstaltung
waren zwar durchaus auch hoch gesteckt,
allerdings etwas vorsichtiger formuliert,
vielleicht weil die meisten bereits pädagigische bzw. didaktische Lehrveranstaltungen
hinter sich hatten.
Eher nüchtern-vorsichtig hört sich etwa
“Planung und Durchführung einer Exkursion. Erfahrungen mit dem Unterrichten im
Freiland” an, ebenso wie “gute Möglichkeit
unmittelbaren Kontakt mit Kindern zu
haben - kommt im Studium ohnehin nicht
oft vor”. Andere Erwartungen: “Erfahrung
zu sammeln wie ich Kindern und Jugendkichen direkt in/anhand der Natur Wissen und
Fertigkeiten mitgeben kann.”, “dass ich ver-
schiedene Tipps erhalte, wie
ich mit Schülern eine spannende
Freilandexkursion
o rganisieren
kann,welche
Unterschiede zwischen einer
1.Klasse AHS und einer
Wahlpflichtklasse bestehen
und ob sie/wie sie unterschiedlich auf unser Thema
ansprechen. Für mich selbst
erwarte ich mir ein paar schöne Tage in der Natur.”
“Kinder begeistern -einfach
hineinschnuppern was man in
der Natur so alles den Kindern zeigen kann”.
Am treffendsten (aus meiner
Sicht) war die folgende
Erwartungshaltung:
“Die
erste didaktische Erfahrung in freier Natur
direkt mit Schülern, Zeitmanagement in der
freien Natur, Möglichkeiten, Grenzen,
Reaktionen der Schüler im freien Feld, Kinder für etwas zu begeistern und akzeptieren,
dass man es nie bei allen schafft. Und natürlich: das Fachwissen zu erweitern.“
selbstkritisch: Anscheinend haben sie das
Gefühl, von den Schülern mehr gelernt zu
haben als die von ihnen ;-)
Erreichte Lehrziele werden zwischen 70
und 90% angegeben, die erhofften Lernziele gar von 75 bis 95%! Wir nehmen das mit
einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis,
allerdings ebenso als Auftrag, uns in
Wie wurden die Erwartungen erfüllt?
Immerhin zu rund 80%. Bei der Beurteilung, Zukunft noch weiter zu den 100% hinzubewie viel von den selbst gesteckten Zielen wegen...
erreicht wurde, zeigen sich die Studierenden
61
planung der schulexkursion
von Barbara Rauer
Dieses Schuljahr kam ich nur mit einer
Wahlpflichtgruppe nach Marchegg. Es sind
insgesamt nur 9 Schüler (6. und 7. Klasse).
Die Schwierigkeit besteht darin, dass von
den 9 Schülern sieben aus dem naturwissenschaftlichen Zweig kommen (mit Übungen
seit der 3. klasse) und nur zwei aus dem
‘normalen’ Realgymnasium. Das Niveau der
beiden Gruppen unterscheidet sich daher
gewaltig.Trotzdem plante ich eine Woche
vor der Exkursion eine zweistündige Vorbereitung. Ich dachte dabei an einen Vergleich
von Donau- und Marchauen. Zusätzlich
wollte ich den Film über Urzeitkrebse zeigen. Aber wie der Schulalltag so spielt kam
alles anders als geplant. Unser Direktor setzte für den Nachmittag kurzfristig eine Konferenz an - damit fielen die Stunden aus.
Trotz dieser Schwierigkeiten war es mir
möglich, zumindest allen den Film über
Urzeitkrebse zu zeigen. Die Folie über den
Unterschied der beiden Auen kopierte ich
und gab sie den Schülern im Bus zu lesen.
Aus der Vorbereitung wird eine Nachbereitung in der nächsten Doppelstunde werden.
62
schülerInnen-feedback
der 6./7. Klasse BRG Wiener Neustadt
Frage
Station
Wasserorganismen,
Urzeitkrebse
Was hat dir gut gefallen?
(schwarz: Mädchen, blau: Burschen)
Was hat dir nicht gefallen?
Tiere genau anschauen und
Zu wenig Zeit.
auch zeichnen und vorstellen - Wenig Zeit zum Zeichnen.
dadurch merkt man sie sich
Behälter waren relativ dreckig,
leichter. - Selber arbeiten, sel- da konnte man nicht so viel
ber heraussuchen und herausar- erkennen, aber vielleicht gings
beiten. - Interessant zu beob- nicht anders.
achten. - Das Selber-Zeichnen
der Tiere war super - prägt
man sich besser ein. - Viel zum
Anschauen. - Alles sehr
anschaulich, viele Objekte.
Was hat es Neues gebracht? Wie waren die Vortragenden?
Man hat viele Tiere gesehen, Sehr gut vorgetragen und auch
die man sonst nicht sieht.
gut verständlich.
Tiere angreifen.
Sehr nett, freundlich, spontan.
Kiel bei Wasserschnecken,
Nett, waren bemüht und engaUrzeitkrebse, Köcherfliegen- giert.
larven.
Vortragende waren super.
Viele neue Tiere kennen lernen Freundlich.
Nahrungsaufnahme der Urzeit- Sehr sympathisch, humorvolle,
krebse.
leicht chaotische Art.
Nix Neues.
Weg der Pflanzen vom Was- Gut vorgetragen.
Interessiert mich nicht, daher Dass Pflanzen vom Land wieser aufs Land
Auffrischung des Wissens über hab ich auch die Erklärungen der ins Wasser gegangen sind.
Gameten und Sporophyten.
nicht wirklich verstanden. Für
Ich wusste gar nicht, dass ich mich zu langweilig. - Zu viele
durch selbstständiges Überle- lateinische Ausdrücke. - Zu
gen so viel weiß.
viele Fachausdrücke. - Interessiert mich nicht besonders.
Zu viele Gelsen an der Stelle.
Lustig, ich glaub da war wer
auf Drogen?! - Gut erklärt. Betreuer konnte mich nicht
wirklich für das Thema begeistern. - Wussten sehr viel!
Patrick: cooles Leiberl!!
Freundlich und ruhig, regen
zum Überlegen an.
Tierspuren
Gut.
Sehr fesch, nett & zerstochen.
Bemüht und nett.
Nett und hübsch!!!
Alles verständlich beschrieben.
Alles gesehen. - Selber suchen, Gelsen.
herausfinden und entdecken. Gibt nix.
Interessant. - Selber suchen. Sehr interessant. - Die Kärtchen haben mir gefallen.
Spuren suchen. Eichengalle!!!
Schaumzikaden.
Die verschiedenen Gallen.
Rosengallwespe.
Das mit den Gallen hab ich
vorher noch nie gehört..
63
Frage
Was hat dir gut gefallen?
Was hat dir nicht gefallen?
Was hat es Neues gebracht? Wie waren die Vortragenden?
Station
Amphibien
Vorführung, um die Bewegung Gibt nix.
der Tiere leichter zu verstehen.
Alles war gut! Frösche anfassen, aussetzen in den Teich!
Interessant, weil Thema nie
ausreichend in der Schule
besprochen. - Interessant.
Sehr anschaulich, viel zu sehen
Alles sehr logisch und
anschaulich.
Alles.
Unkenruf, Tiere anfassen.
Habe einiges gelernt.
Nix neues.
Sehr gut vorgetragen.
Sehr nett und freundlich.
Engagiert, lustig. - Lustig. Sehr humorvoll präsentiert
ohne selbst wirklich zu lachen,
sie hat also sehr authentisch
gewirkt..
Reptilien
Man konnte Tiere anfassen und Nix.
die Unterschiede sehen.
Gibt nix.
Die kleine Schlange war super.
Gut alles erklärt! Bin stolz auf
euch! - Gefangene Tiere, Körperbau. - Dass man sie angreifen konnte. - Wie bei den
Amphibien. - Viel zum
Anschauen und Anfassen.
Alles.
Tiere zum Anfassen. 1.Mal
Würfelnatter und Äskulapnatter in der Natur gesehen.
Nix neues, was ich mir wirklich gemerkt hab.
Auch sehr gut.
Sehr nett, wollte sich immer
beißen lassen, und super
gemacht!
Lustig, sehr schlangenbegeistert. Alles sehr gut präsentiert,
gibt nix zu beanstanden.
Blütenökologie
Rauchpause.
Materialien (Pflanzen, Mikroskop), gut veranschaulicht.
Viel zum Anschauen, gemütliche Sitzmatten, viel Info.
Es gab Matten zum Sitzen.
http:// univie.ac.at / freilanddidaktik
War für mich auch nicht wirk- Kaum Neues.
lich interessant. Nichts Neues, Wenn ja hab ich es mir nicht
ich wusste das schon alles.
gemerkt.
Für mich nicht interessant.
Uninteressantes Thema.
Habe die Grundsachen schon
gewusst.
Langweiliges Thema.
Sie haben zu viel gewusst.
Ein bisschen missmutig.
trotzdem bemüht.
Sehr nett.
Nett, aber undankbares Thema.
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...and now for something completely different
von Erich Eder
Zum Mitspielen hier meine Fragen:
Jedes Jahr betonen wir ausdrücklich, dass
auch die Teilnahme am letzten Tag der Lehrveranstaltung - auch wenn keine Schulklasse mehr kommt - Pflicht ist. Die Wanderung
durch das WWF-Schutzgebiet MarchauenMarchegg stellt nämlich durchaus einen
Höhepunkt der ganzen Exkursion dar,
sowohl in ästhetischer als auch fachlicher
und gruppendynamischer Hinsicht. Schon
die große Marchegger Kolonie von über 50
auf Bäumen nistenden Weißstorch-Paaren
lohnt den Besuch.
100 EUR: Was schwimmt oft auf der Suppe? A: Proteinohr, B:
Vitaminnase, C: Kohlenhydratmund, D: Fettauge.
200 EUR: Was soll man redensartlich tun, wenn man aufgefordert wird, sich etwas zum Vorbild zu nehmen)? A: Bissen
aufheben, B: Schluck trinken, C: Scheibe abschneiden, D:
Stück abbeißen.
300 EUR: Wobei handelt es sich um einen architektonischen
Begriff? A: Raumschiff, B: Kreuzfahrtschiff, C: Flaggschiff,
D: Kirchenschiff.
400 EUR: Wie wird ein Detektiv oft bezeichnet?
A: Riecher, B: Schnüffler, C: Schnupperer, D: Witterer.
500 EUR: Welches ist ein Gerät der Notfallmedizin? A: Biokatalysator, B: Refrigerator, C: Defibrillator, D: Rezitator.
1.000 EUR:
Welches KFZ-Kennzeichen steht nicht für ein
europäisches Land?
A, B, C, D.
2000 EUR: Ein Bestseller
von Dan Brown heißt... A:
Privileg B: Sakrileg, C:
Kolleg, D: Beleg.
5.000 EUR: Welchen
Nachnamen hatten zwei
verschiedene US-Präsidenten? A: Washington, B:
Lincoln, C. Wilson, D:
Roosevelt. (Hier brauche
ich blöderweise den ersten
Joker, Publikum).
10.000 EUR: Das Ernennen
eines
Kardinals
bezeichnet man als...
A: kreieren, B: erschaffen,
C: schöpfen, D: g e n e r i eren. (Und das mir!!! Ich
Umso peinlicher war es mir, dass diesmal
ich die Studierenden um Erlaubnis bitten
musste, die Lehrveranstaltung einen Tag früher zu verlassen zu dürfen. Grund: Meine
Teilnahme an der Millionenshow. Immerhin
brachte ich es dort - den 500-Euro-Unkenrufen von Patrick Hacker zum Trotz!! - zum
Cent-Millionär. Zugegeben, Euromillionär
wäre mir lieber gewesen, aber es war dies
doch der mit Abstand beste Stundenlohn
meines Lebens... Dank also allen meinen
StudentInnen für die generöse Erlaubnis!
verbrauche 2 Joker: 50:50 und den Telefonjoker, meine gute
Freundin und Euromillionärin El Awadalla).
15.000 EUR: Jean-Rémy von Matt und Holger Jung sind Stars
der: A: Manege, B: Volksmusik, C: Architekturszene, D: Werbebranche. (Keine blasse Ahnung - ich nehme die 10.000).
Nun ja. Abschließend danke ich Euch allen
fürs Daumen Halten und freue mich auf ein
Wiedersehen bei künftigen privaten
Marchegg-Treffen!
Erich
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