Inhaltsverzeichnis

Werbung
Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Beziehung zwischen perzeptueller Flüssigkeit und Affekt
2.1 Der mere exposure effect
2.2 Perzeptuelle Flüssigkeit und das Gefühl der Vertrautheit
2.3 Das Attributionsmodell der perzeptuellen Flüssigkeit
2.4 Hat die Manipulation der perzeptuellen Flüssigkeit einen Einfluss auf das affektive
Urteil?
3. Die Beziehung zwischen perzeptueller Flüssigkeit und Wahrheitsurteilen
3.1 Der illusorische Wahrheitseffekt
3.2 Die Substitutionshypothese
3.3 Eine Untersuchung zur Substitutionshypothese
3.4 Die Prozessdissoziationstheorie
3.5 Perzeptuelle Flüssigkeit als Mediator zwischen Vertrautheit und
Wahrheitseffekt?
illusorischem
4. Die Bedeutung des Effekts der perzeptuellen Flüssigkeit für Werbung und Medien
5. Vorschläge für die zukünftige Forschung
6. Literaturverzeichnis
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
1. Einleitung
Grundlage dieser Arbeit ist die Studie "Effects of perceptual fluency on judgments of
truth" von R. Reber und N. Schwarz (1999). Die Autoren konnten in dieser Studie
zeigen,
dass
durch
die
Manipulation
der
perzeptuellen
Flüssigkeit
Richtigkeitsbeurteilungen beeinflusst werden.
In dieser Arbeit werden die theoretischen Hintergründe und einige Studien zum
Thema erläutert. Zuerst wird die Beziehung zwischen perzeptueller Flüssigkeit und
Affekt beschreiben, weil dieser Zusammenhang für die Studie von Reber und Schwarz
(1999) von grundlegender Bedeutung ist. Im zweiten Teil der Arbeit werden theoretische
und experimentelle Grundlagen der Studie von Reber und Schwarz (1999) näher
beschreiben.
Zudem wird dargestellt, welche Bedeutung der Effekt der perzeptuellen Flüssigkeit
für Medien und Werbung hat und gezeigt, womit sich die zukünftige Forschung
auseinandersetzen könnte.
2. Die Beziehung zwischen perzeptueller Flüssigkeit und Affekt
2.1 Der mere exposure effect
Zajonc (1968) konnte in mehreren Studien zeigen, dass sich die Einstellung eines
Individuums gegenüber einem Stimulus positiv verändert, wenn dieser Stimulus dem
Individuum mehrfach dargeboten wird. Dieses Phänomen nannte Zajonc (1968) mere
exposure effect. Unter mere exposure verstand er eine Bedingung, unter welcher der
gegebene Stimulus der Wahrnehmung des Individuums leichter zugänglich gemacht
wird.
Unterstützung für die Hypothese des mere exposure effects fand Zajonc (1968) aus
verschiedenen Richtungen:
1. Aufgrund einer eigenen wie auch mehreren Studien von anderen Forschern
konnte Zajonc (1968) aufzeigen, dass zwischen der affektiven Konnotation eines
Wortes sowie dessen Häufigkeit eine positive Korrelation besteht. Diese Korrelation
bedeutet, dass Wörter mit positiver Bedeutung häufiger benutzt werden als Wörter mit
negativer Bedeutung. Aufgrund der Korrelation kann jedoch noch nicht gesagt werden,
ob Wörter mit positiver Bedeutung häufiger benutzt werden oder ob häufig benutzte
Wörter allgemein positiver eingeschätzt werden.
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
2. Je häufiger den Probanden eines Experiments die gleichen Symbole und
sinnlosen Wörter dargeboten werden, desto stärker zeigen sie die Tendenz, diesen
Wörtern und Symbolen eine positive Bedeutung zuzuschreiben (Zajonc, 1968).
3. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass die wiederholte
Präsentation eines Stimulus zu einer positiveren Einstellung des Probanden gegenüber
dem Stimulus führt (Zajonc, 1968).
Zajonc (1968) erklärt den mere exposure effect aus lerntheoretischer und
evolutionsbiologischer Sicht: Begegnet ein Individuum zum ersten Mal einem Stimulus,
zeigt es eine instinktive Angst- und Vermeidungsreaktion. Werden mit dem Stimulus
jedoch keine negativen Konsequenzen assoziiert, schwächt sich die
Vermeidungsreaktion mit jeder weiteren Begegnung ab. Mit der Zeit entwickelt das
Individuum dem Stimulus gegenüber Vertrautheit und positive Gefühle.
2.2 Perzeptuelle Flüssigkeit und das Gefühl der Vertrautheit
Whittlesea, Jacoby und Girard (1990) zeigten den Probanden einer Studie zuerst
verschiedene Wörter in rascher Abfolge. Anschliessend präsentierten sie ihnen einige
dieser Wörter mit Masken unterschiedlicher Intensität ein zweites Mal. Die Masken,
welche aus sich bewegenden, auf die Wörter proijzierten Punkten bestanden, führten zu
einer verminderten perzeptuellen Flüssigkeit. Die Probanden mussten angeben, ob sie
das Wort wiedererkennen. Es zeigte sich, dass Wörter mit schwacher Maske signifikant
häufiger als vertraut eingestuft werden als Wörter mit starker Maske. Wurden die
Probanden jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass die Wörter unterschiedlich gut
lesbar sind, hatte die Intensität der Maske keinen Einfluss auf das Urteil der Probanden.
Die Autoren sehen die Erklärung für diese Ergebnisse in unbewussten
Attributionsprozessen. Suchten die Probanden nach einer Erklärung für die einfachere
Verarbeitung eines Wortes, schrieben sie dies nicht der schwächeren Maske, sondern
einem falschen Gefühl von Vertrautheit zu. Die Quelle der einfacheren Verarbeitung
wurde in der Vergangenheit gesucht, wenn die Probanden nicht über die Manipulation
der Wahrnehmungsflüssigkeit informiert waren. Folglich kann Wahrnehmungsflüssigkeit
nur schwer vom Gefühl der Vertrautheit getrennt werden (Whittlesea, Jacoby & Girard,
1990).
Zajonc (1968) ging davon aus, dass eine wiederholte Präsentation eines Stimulus
zu einem positiven Gefühl der Vertrautheit führt. Die Ergebnisse der Studie von
Whittlesea, Jacoby und Girard (1990) weisen jedoch darauf hin, dass der mere
exposure effect nicht auf die Vertrautheit alleine, sondern vor allem auf die durch die
Wiederholung verursachte perzeptuelle Flüssigkeit und einfachere Verarbeitung
zurückzuführen ist.
2.3 Das Attributionsmodell der perzeptuellen Flüssigkeit
Gemäss dem Attributionsmodell der perzeptuellen Flüssigkeit ist zur Entstehung
des mere exposure effects die Kombination zweier Prozesse nötig (Bornstein &
D'Agostino, 1990).
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die Richtigkeitsbeurteilung
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1. Die wiederholte Darbietung eines Stimulus führt zu einer Zunahme der
perzeptuellen Flüssigkeit.
2. Ist das Individuum über die wiederholte Präsentation nicht informiert, wird die
perzeptuelle Flüssigkeit auf ein positives Gefühl gegenüber dem Stimulus attribuiert.
Bornstein und D'Agostino (1994) testeten das Attributionsmodell in zwei Experimenten:
Im ersten Experiment wurden den Probanden zuerst Stimuli (Photographien)
unterhalb der Wahrnehmungsschwelle präsentiert. Anschliessend mussten die
Probanden angeben, wie sehr sie diese ihnen zuvor präsentierten und ähnliche Stimuli
mögen. Einige Probanden erhielten die Information, dass sie keines der Bilder zuvor
gesehen hätten (Neu-Bedingung). Einer anderen Gruppe wurde gesagt, ihnen seien alle
Bilder subliminal präsentiert worden (Alt-Bedingung). Die Kontrollgruppe erhielt keine
Informationen (Standard-Bedingung).
Entsprechend dem Attributionsmodell der perzeptuellen Flüssigkeit erwarteten die
Autoren, dass die Probanden der Neu- und Standard-Bedingung die ihnen zuvor
subliminal präsentierten Bilder signifikant positiver beurteilen als die ihnen unbekannten
Bilder. Bei den Probanden der Alt-Bedingung sollte es keine Unterschiede zwischen
zuvor präsentierten und neuen Bildern geben. Diese Hypothese konnte mit dem
Experiment
bestätigt
werden.
Wissen
die
Probanden,
dass
die
Wahrnehmungsflüssigkeit auf die wiederholte Präsentation zurückzuführen ist,
korrigieren sie ihre auf der einfacheren Verarbeitung basierenden positiven Gefühle
gegenüber dem Stimulus. Neue und alte Stimuli werden gleich beurteilt. Fehlt den
Probanden diese Information, können sie nicht zwischen der Wahrnehmungsflüssigkeit
und den daraus resultierenden Gefühlen unterscheiden.
Im zweiten Experiment wollten Bornstein und D'Agostino (1994) testen, ob sich das
Attributionsmodell der perzeptuellen Flüssigkeit auch bestätigen lässt, wenn die Stimuli
(Strichzeichnungen) den Probanden supraliminal dargeboten werden. Abgesehen von
der Präsentationsart behielten sie das Vorgehen aus dem ersten Experiment bei. Die
Autoren erwarteten, dass der Korrekturprozess in der Neu-Bedingung gehemmt wird,
weil die Probanden die flüssigere Wahrnehmung der ihnen eigentlich schon bekannten
Stimuli nicht auf die vorangehende Präsentation, sondern auf die positiven Gefühle
gegenüber dem Stimulus attribuieren. Entsprechend der Hypothese beurteilten die
Probanden der Neu- und der Standard-Bedingung die ihnen vertrauten Zeichnungen
signifikant positiver als die ihnen unbekannten Stimuli. Die Probanden der AltBedingung korrigierten den Effekt der perzeptuellen Flüssigkeit - die Vertrautheit des
Stimulus hatte keinen Einfluss auf das Urteil der Probanden. Die tatsächliche
Wahrnehmung der Probanden scheint eine weniger wichtige Rolle zu spielen als die
Information: In beiden Experimenten wurden die gleichen Ergebnisse erzielt,
unabhängig davon, ob die Probanden die Stimuli bewusst wahrnehmen konnten oder
nicht (Bornstein & D'Agostino, 1994).
Die Ergebnisse von Bornstein und D'Agostino (1994) entsprechen denjenigen von
Whittlesea, Jacoby und Girard (1990). Die Probanden der Studie von Whittlesea,
Jacoby und Girard (1990) attribuierten die einfachere Verarbeitung eines Stimulus nicht
auf die Wahrnehmungsflüssigkeit, sondern auf ein falsches Gefühl der Vertrautheit.
Bornstein und D'Agostino (1994) arbeiteten nicht mit Gedächtnis-, sondern mit
Affektillusionen: Bei fehlender Information attribuierten die Probanden die einfachere
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Verarbeitung auf positive Gefühle gegenüber dem Stimulus und nicht auf die
vorangehende Präsentation.
2.4 Hat die Manipulation der perzeptuellen Flüssigkeit einen Einfluss auf das
affektive Urteil?
Gemäss den Ergebnissen von Bornstein und D'Agostino (1994) führt die
wiederholte Präsentation eines Stimulus zu perzeptueller Flüssigkeit, welche wiederum
die Gefühle gegenüber dem Stimulus beeinflusst. Reber, Winkielman und Schwarz
(1998) schlossen aus der Attributionstheorie der perzeptuellen Flüssigkeit, dass die
perzeptuelle Flüssigkeit und somit das affektive Urteil über einen Stimulus nicht nur
durch wiederholte Präsentation manipulierbar ist.
Die
Autoren
führten
drei
Experimente
mit
drei
verschiedenen
Manipulationsmethoden durch. Im ersten Experiment konnten Reber, Winkielman und
Schwarz (1998) zeigen, dass eine Manipulation durch visuelles Priming die perzeptuelle
Flüssigkeit wie auch das affektive Urteil über die präsentierten Stimuli positiv
beeinflusst. Das zweite Experiment, in welchem die perzeptuelle Flüssigkeit durch eine
Manipulation der Figur-Grund-Trennung beeinflusst wurde, führte zu ähnlichen
Ergebnissen. Auch die dritte Manipulationsmethode, Variationen in der
Präsentationsdauer der Stimuli, hatte unterschiedliche affektive Urteile zur Folge. In
allen drei Experimenten führte eine Verbesserung der perzeptuellen Flüssigkeit zu
einem positiveren Urteil. Ausserdem zeigte sich, dass perzeptuelle Flüssigkeit nicht nur
positive Gefühle verstärkt, sondern auch negative schwächt.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Attributionstheorie der perzeptuellen
Flüssigkeit. Die entscheidende Variable zwischen Stimulus und affektivem Urteil ist
nicht die wiederholte Präsentation, sondern die perzeptuelle Flüssigkeit. Folglich kann
durch die Manipulation der perzeptuellen Flüssigkeit die Einstellung gegenüber
visuellen Stimuli positiv beeinflusst werden (Reber, Winkielman & Schwarz, 1998).
3. Die Beziehung zwischen perzeptueller Flüssigkeit und
Wahrheitsurteilen
3.1 Der illusorische Wahrheitseffekt
Hasher, Goldstein und Toppino (1977) waren die ersten, die den illusorischen
Wahrheitseffekt beobachten konnten. Die Probanden der Studie mussten drei Mal im
Abstand von zwei Wochen den Wahrheitsgehalt verschiedener plausibler Aussagen
beurteilen. Einige der Aussagen wurden in jeder Phase des Experiments präsentiert,
andere erschienen nur einmal. Es zeigte sich, dass die Probanden den wiederholten
Aussagen einen signifikant höheren Wahrheitsgehalt zusprachen als den nicht
wiederholten Aussagen.
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
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Hasher, Goldstein und Toppino (1977) schlossen aus diesen Ergebnissen, dass
eine Person stärker an die Wahrheit und Gültigkeit einer Aussage glaubt, wenn ihr
diese Aussage durch die wiederholte Präsentation vertrauter ist.
Der illusorische Wahrheitseffekt tritt auch auf, wenn zwischen den Wiederholungen
der Präsentation nur einige Sekunden liegen (Schwartz, 1982).
3.2 Die Substitutionshypothese
Wenn ein Individuum den Wahrheitsgehalt einer Aussage beurteilen muss, verlässt
es sich nur dann auf die Vertrautheit, wenn ihm keine adäquaten Informationsquellen zur
Verfügung stehen. Fehlende Information aus dem Gedächtnis wird durch das Gefühl der
Vertrautheit ersetzt. Die Substitutionshypothese ist eine mögliche Erklärung für den
illusorischen Wahrheitseffekt (Schwartz, 1982).
Die Substitutionshypothese kann mit dem Attributionsmodell der perzeptuellen
Flüssigkeit verglichen werden: Ist sich ein Individuum der wiederholten Präsentation
eines Stimulus nicht bewusst, attribuiert es die perzeptuelle Flüssigkeit auf die positiven
Gefühle gegenüber dem Stimulus, weil keine andere Information verfügbar ist
(Bornstein & D'Agostino, 1994). Wenn ein Individuum die Richtigkeit einer Aussage
beurteilen muss und ihm keine adäquaten Informationsquellen zur Verfügung stehen,
attribuiert es die durch Wiederholung entstandene perzeptuelle Flüssigkeit auf die
Gültigkeit der Aussage.
3.3 Eine Untersuchung zur Substitutionshypothese
Schwartz (1982) testete die Substitutionshypothese in folgendem Experiment: Zwei
Gruppen von Probanden wurden die gleichen Aussagen präsentiert. Ein Teil der
Aussagen wurde nur einmal, der andere Teil wiederholt gezeigt. Anschliessend musste
die eine Experimentalgruppe die Vertrautheit, die andere den Wahrheitsgehalt der
Aussagen beurteilen. Gemäss der Substitutionshypothese sollte sich das Urteil der zwei
Gruppen nicht unterscheiden: Um den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu beurteilen,
steht den Probanden keine andere Quelle als die Vertrautheit zur Verfügung. Folglich
beeinflusst eine Wiederholung der Präsentation die Vertrautheit wie auch das Urteil
über den Wahrheitsgehalt gleichermassen.
Die statistische Analyse der Ergebnisse ergab, dass die Wiederholung einer
Aussage sowohl die wahrgenommene Vertrautheit wie auch die wahrgenommene
Gültigkeit beeinflusst. Entgegen der Substitutionshypothese hatte die Wiederholung
einen stärkeren Einfluss auf das Wahrheitsurteil als auf das Gefühl der Vertrautheit.
Insgesamt sprechen die Resultate für den illusorischen Wahrheitseffekt, jedoch
gegen die Substitutionshypothese. M. Schwartz (1982) schliesst aus ihrer Studie, dass
wahrgenommene Vertrautheit und Richtigkeit einer Aussage auf zwei verschiedenen,
voneinander unabhängigen Prozessen beruhen.
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
3.4 Die Prozessdissoziationstheorie
Begg, Anas und Farinacci (1992) versuchen, den illusorischen Wahrheitseffekt mit
der Prozessdissoziationstheorie zu erklären. Im Gegensatz zu den Vertretern der
Substitutionstheorie gehen die Autoren davon aus, dass dem Urteil über die Wahrheit
einer Aussage zwei voneinander unabhängige Prozesse, Erinnerung und Vertrautheit,
zugrunde liegen. Begg, Anas und Farinacci (1992) sehen die Erinnerung als bewussten
und kontrollierten Gebrauch des Gedächtnisses; der Einfluss der Erinnerung auf das
Wahrheitsurteil ist gewollt. Vertrautheit hingegen ist eine automatische Folge der
wiederholten Präsentation - ihr Einfluss auf das Wahrheitsurteil kann nicht bewusst
gesteuert werden. Folglich basiert der illusorische Wahrheitseffekt auf dem
unabsichtlichen und unkontrollierbaren Einfluss der Vertrautheit.
Wenn der Einfluss der Vertrautheit und der Einfluss der Erinnerung zwei
voneinander unabhängige Prozesse sind, sollten sie auch unabhängig voneinander
manipulierbar sein. Begg, Anas und Farinacci (1992) überprüften diese Annahme im
Experiment. Um die Einflüsse von Erinnerung und Vertrautheit trennen zu können,
müssen, entsprechend dem Prozessdissoziationsverfahren (Jacoby, 1991; Jacoby &
Kelley, 1990, 1991), folgende zwei Bedingungen geschaffen werden: Die
Inklusionsbedingung, in welcher Vertrautheit und Erinnerung den gleichen Einfluss
haben. Im Gegensatz dazu bewirken Erinnerung und Vertrautheit entgegengesetzte
Effekte in der Exklusionsbedingung. Dieses Verfahren setzt jedoch voraus, dass
Erinnerung und Vertrautheit zwei voneinander unabhängige Prozesse sind.
Zwei Gruppen von Probanden wurden verschiedene Aussagen präsentiert. In der
einen Gruppe wurde bei allen Aussagen eine Quelle sowie deren Glaubwürdigkeit
angegeben. Die andere Gruppe erhielt keine Angaben über die Glaubwürdigkeit der
Quellen (neutrale Bedingung). In der Testphase des Experiments wurden die Aussagen
erneut präsentiert, diesmal jedoch ohne Quellenangaben. Zudem wurden sie mit neuen
Aussagen gemischt. Die Probanden mussten die Aussagen nach ihrem
Wahrheitsgehalt beurteilen.
Die Ergebnisse der Studie scheinen die Prozessdissoziationstheorie zu unterstützen.
Diejenigen Aussagen, die während der Präsentationsphase mit glaubwürdigen Quellen
kombiniert waren, wurden am häufigsten als wahr beurteilt, weil Vertrautheit wie auch
Erinnerung zum gleichen Urteil führen (Inklusionsbedingung). Die Exklusionsbedingung
besteht dann, wenn mit unglaubwürdigen Quellen kombinierte Aussagen beurteilt
werden müssen. Auf der einen Seite spricht die Erinnerung gegen die Richtigkeit einer
Aussage, auf der anderen Seite erzeugt die erneute Präsentation ein Gefühl der
Vertrautheit. Wenn die Probanden Aussagen mit unglaubwürdiger Quelle als falsch
bezeichnen, ist dies der Einfluss der Erinnerung. Werden die Aussagen hingegen als
wahr beurteilt, kann dies auf die Vertrautheit zurückgeführt werden. Die statistische
Analyse ergab, dass die Aussagen mit unglaubwürdigen Quellen seltener als wahr
eingestuft wurden als die mit glaubwürdigen Quellen gepaarten Aussagen. Der
bewusste Einfluss der Erinnerung scheint grösser zu sein als der unbewusste Einfluss
der Vertrautheit. Am wenigsten oft als wahr beurteilt wurden die neuen Aussagen, da in
diesem Fall weder Erinnerung noch Vertrautheit die Entscheidung beeinflussen. Die
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
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Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Annahme, dass Erinnerung und Vertrautheit
unabhängig voneinander manipuliert werden können.
Der illusorische Wahrheitseffekt zeigte sich nur in der neutralen Bedingung: Die
wiederholt präsentierten Aussagen wurden signifikant häufiger als wahr beurteilt als die
neuen Aussagen. Weil den Probanden Informationen und somit bewusste Erinnerung
fehlten, hatte nur die Vertrautheit einen Einfluss auf das Wahrheitsurteil. Selbst wenn die
Probanden wussten, dass sie einige der Aussagen nicht zum ersten Mal sahen, zeigte
sich der illusorische Wahrheitseffekt. Diese Tatsache spricht dafür, dass die Probanden
die Quelle des Gefühls der Vertrautheit nicht identifizieren konnten und der Einfluss der
Vertrautheit weder bewusst ist, noch kontrolliert werden kann (Begg, Anas & Farinacci,
1992).
In einer anderen Studie verwendeten Begg, Anas und Farinacci (1992) das gleiche
Verfahren. Im Gegensatz zur oben erwähnten Studie wurden die Probanden jedoch erst
nach der Präsentation der Aussagen über die Glaubwürdigkeit der Quellen informiert.
Auch die Resultate dieser Studie unterstützen die Hypothese, dass Erinnerung und
Vertrautheit zwei verschiedene, voneinander unabhängige Prozesse sind:
Probanden verlieren an Kontrolle über die Enkodierung, wenn sie die
Glaubwürdigkeit der Quelle nicht berücksichtigen können. Aufgrund der reduzierten
Kontrolle vermindert sich auch die Fähigkeit, zwischen Aussagen mit glaubwürdigen
und unglaubwürdigen Quellen zu unterscheiden; das Erinnerungsvermögen nimmt ab.
Weil das Gefühl der Vertrautheit im Gegensatz zur Erinnerung nicht bewusst und mit
Absicht eingesetzt werden kann, hat die reduzierte Kontrolle keinen Einfluss auf das
Gefühl der Vertrautheit.
Eine Analyse der Daten der neutralen Bedingung (keine Information über die
Quelle) ergab, dass die Erinnerung an die Quelle negativ mit dem illusorischen
Wahrheitseffekt korreliert. Dies ist ein weiterer Beleg für die Annahme, dass der
illusorische Wahrheitseffekt auf den unkontrollierbaren Einfluss der Vertrautheit
zurückzuführen ist (Begg, Anas & Farinacci, 1992).
3.5 Perzeptuelle Flüssigkeit als Mediator zwischen wiederholter Präsentation
und illusorischem Wahrheitseffekt?
Die Frage, welche Variable zwischen der Häufigkeit der Präsentationen und dem
Wahrheitsurteil vermittelt, versuchten Reber und Schwarz (1999) mit ihrer Studie
"Effects of perceptual fluency on judgments of truth" zu beantworten. Die Autoren
verweisen auf die Erkenntnisse von Begg, Anas und Farinacci (1992) bezüglich der
Prozessdissoziationstheorie: Die Unabhängigkeit der Erinnerung von unbewussten und
automatischen Einflüssen legt nahe, dass ein unbewusster Prozess wie die perzeptuelle
Flüssigkeit zwischen wiederholter Darbietung und Wahrheitsurteil vermittelt. Für die
Annahme der perzeptuellen Flüssigkeit als Mediator spricht auch, dass einfachere
Verarbeitung zu einem Gefühl der Vertrautheit führt (Whittlesea, Jacoby & Girard,
1990). Wenn perzeptuelle Flüssigkeit die entscheidende Variable ist, sollte es möglich
sein, Wahrheitsurteile durch eine Manipulation der perzeptuellen Flüssigkeit zu
beeinflussen (Reber & Schwarz, 1999). So wie die Manipulation der perzeptuellen
Flüssigkeit zu einer positiveren Einstellung gegenüber einem Stimulus führt (Reber,
Winkielman & Schwarz, 1998), sollte auch das Wahrheitsurteil beeinflussbar sein. Liegt
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
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dem illusorischen Wahrheitseffekt nicht die wiederholte Präsentation, sondern die
daraus resultierende perzeptuelle
Flüssigkeit zugrunde, sollte jede Manipulation, die zu einer einfacheren Verarbeitung
führt, auch den illusorischen Wahrheitseffekt hervorrufen.
Die Probanden der Studie von Reber und Schwarz (1999) mussten Aussagen wie
"Osorno ist in Chile" auf ihre Richtigkeit hin beurteilen. Reber und Schwarz (1999)
verzichteten in ihrem Experiment auf die wiederholte Darbietung der zu beurteilenden
Aussagen, um den Effekt der perzeptuellen Flüssigkeit isolieren zu können. Stattdessen
manipulierten sie die perzeptuelle Flüssigkeit über die Lesbarkeit der Aussagen: Die
eine Hälfte der Aussagen war gut (blau und rot auf weissem Hintergrund), die andere
Hälfte schlecht lesbar (grün, gelb und hellblau auf weissem Hintergrund). 50% der
Aussagen waren wahr, 50% falsch. Die Bedingungen waren vollständig ausbalanciert.
Unmittelbar nach der Präsentation jeder einzelnen Aussage mussten die Probanden
entscheiden, ob die Aussage stimmte oder nicht.
Gemäss der Hypothese wurden die gut lesbaren und somit einfach zu
verarbeitenden Aussagen überzufällig oft als richtig beurteilt. Perzeptuelle Flüssigkeit
wirkt sich unabhängig von der Anzahl Präsentationen auf das Wahrheitsurteil aus.
Wahrscheinlich bewirkt jede Variable, die den Verarbeitungsprozess erleichtert, eine
Zunahme der Wahrheitsurteile (Reber & Schwarz, 1999). Diese Annahme stimmt mit
den Ergebnissen von Begg, Anas und Farinacci (1992) überein. Verfügten die
Probanden der Studie von Reber und Schwarz (1999) nicht über das nötige Wissen, um
eine Aussage beurteilen zu können, mussten sie sich auf das Gefühl der Vertrautheit
verlassen. Sie sind in einer ähnlichen Situation wie die Probanden in der neutralen
Bedingung der Studie von Begg, Anas und Farinacci (1992). Da die Erinnerung ein
bewusster und kontrollierbarer Prozess ist, kann auch der Einfluss der perzeptuellen
Flüssigkeit auf das Wahrheitsurteil kontrolliert werden. Der Einfluss des Gefühls der
Vertrautheit jedoch geschieht unbewusst und kann nicht kontrolliert werden. Weil
gemäss Whittlesea, Jacoby und Girard (1990) perzeptuelle Flüssigkeit zu einem Gefühl
der Vertrautheit führt und die Vetrautheit wiederum das Wahrheitsurteil beeinflusst
(Hasher, Goldstein & Toppino, 1977), kann die Manipulation der perzeptuellen
Flüssigkeit zu veränderten Wahrheitsurteilen führen.
Ein weiterer Beleg für die Hypothese, dass perzeptuelle Flüssigkeit zwischen der
wiederholten Präsentation und Wahrheitsurteilen vermittelt, findet sich in der Studie von
McGlone und Tofighbakhsh (2000). Auch diese Autoren stellen die Hypothese auf der
Grundlage des illusorischen Wahrheitseffekts und der Erkenntnisse von Whittlesea,
Jacoby und Girard (1990) und Begg, Anas und Farinacci (1992) auf. Im Gegensatz zu
Reber und Schwarz (1999) verwendeten sie zur Manipulation der perzeptuellen
Flüssigkeit keine Figur-Grund-Kontraste, sondern Reime. Die zu beurteilenden
Aussagen waren Aphorismen, die sich auf das menschliche Verhalten bezogen. Die
eine Hälfte der Aphorismen bestand aus Reimen und sollte somit einfacher zu
verarbeiten sein als die andere Hälfte der Aphorismen. Gemäss Begg, Anas und
Farinacci (1992) lautete die Hypothese von McGlone und Tofighbakhsh (2000), dass
die Probanden die durch die Reime hervorgerufene perzeptuelle Flüssigkeit auf die
Richtigkeit der Aphorismen attribuieren.
McGlone und Tofighbakhsh (2000) bildeten aus den Probanden des Experiments
zwei Gruppen. Die eine Gruppe musste lediglich beurteilen, inwieweit die ihnen
präsentierten Aphorismen eine passende Beschreibung des menschlichen
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
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Verhaltens liefern. Die zweite Gruppe wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die
poetische Qualität der Aussage keinen Hinweis auf deren Richtigkeit gibt. Diese
Unterscheidung zwischen semantischem Inhalt und poetischer Qualität sollte die
Tendenz, perzeptuelle Flüssigkeit auf die Richtigkeit zu attribuieren, abschwächen. Die
Analyse der Resultate bestätigte die Hypothesen von McGlone und Tofighbakhsh
(2000): Die aus Reimen bestehenden Aphorismen wurden, im Gegensatz zu den sich
nicht reimenden Aphorismen, überzufällig oft als zutreffend bezeichnet. Diejenigen
Probanden, die auf die Unterscheidung zwischen semantischem Inhalt und poetischer
Qualität hingewiesen wurden, zeigten die Tendenz, perzeptuelle Flüssigkeit auf die
Richtigkeit der Aussage zu attribuieren, weitaus seltener. McGlone und Tofighbakhsh
(2000) schliessen aus den Ergebnissen, dass Reime zu einer einfacheren Verarbeitung
und somit zu einem verzerrten Wahrheitsurteil führen. Sobald sich die Probanden
jedoch bewusst sind, dass die perzeptuelle Flüssigkeit manipuliert wurde, lassen sie
sich in ihrem Urteil nicht mehr nur von einem Gefühl der Vertrautheit leiten. Es ist der
bewusste und kontrollierbare Einfluss der Erinnerung, der zum Urteil führt.
Ausserdem bestätigte die Studie die Hypothese von Reber und Schwarz (1999):
Perzeptuelle Flüssigkeit wird nicht nur durch die wiederholte Darbietung, sondern auch
durch in der Umwelt des präsentierten Stimulus liegende Faktoren hervorgerufen
(McGlone & Tofighbakhsh, 2000).
4. Die Bedeutung des Effekts der perzeptuellen Flüssigkeit für
Werbung und Medien
Gemäss dem mere exposure effect führt die wiederholte Präsentation eines
Stimulus zu einer positiven Einstellung gegenüber dem Stimulus (Zajonc, 1968). Könnte
man den mere exposure effect auf die Werbung anwenden, würde dies bedeuten, dass
wiederholte Werbung für ein Produkt automatisch zu einer positiveren Einstellung
gegenüber dem Produkt führt. Ich denke jedoch nicht, dass sich die Beziehung
zwischen Werbung und Einstellung so einfach erklären lässt. Meiner Meinung nach
haben andere Faktoren einen grösseren Einfluss auf die Einstellung gegenüber einem
Produkt als die Anzahl präsentierter Werbungen. Es ist zum Bespiel bedeutend, in
welchem Kontext die Werbung dargeboten wird. Wenn Werbung ein Individuum stört
und belästigt, reicht die wiederholte Präsentation der Werbung wahrscheinlich nicht, um
diese negativen Gefühle zu kompensieren. Zudem kann eine zu oft wiederholte
Werbung schnell zu Übersättigung, Langeweile und auch Ärger führen. Zajonc (1968)
wies auf die Bedeutung des mere exposure effects für die Werbung hin, warnte jedoch
auch vor einem Effekt des overexposure.
Ebenfalls bedeutend für die Wirkung der Werbung ist sicher das Vorwissen sowie
die Einstellung des Individuums gegenüber dem Produkt. Es braucht mehr als
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
wiederholte Präsentation, um eine negative Einstellung gegenüber einem Produkt zu
ändern. Das Individuum muss vom Nutzen des Produkts überzeugt werden. Ein
weiterer wichtiger Faktor ist sicher die Gestaltung. Ansprechende Werbung wirkt
wahrscheinlich weniger schnell übersättigend als weniger ansprechende Werbung.
Auch wenn die Gestaltung der Werbung von grösserer Bedeutung ist als die Anzahl
Präsentationen, halte ich den mere exposure effect im Hinblick auf die
Werbung nicht für bedeutungslos. Die wiederholte Präsentation kann ein Gefühl der
Vertrautheit mit dem Produkt hervorrufen (vgl. Whittlesea, Jacoby & Girard, 1990).
Zudem steigert die wiederholte Präsentation das Erinnerungsvermögen an das Produkt.
Ein Produkt wirkungsvoll zu präsentieren bedeutet, die Werbung nach den Gesetzen
der perzeptuellen Flüssigkeit zu gestalten. Entsprechend den Resultaten von Reber,
Winkielman und Schwarz (1998), Reber & Schwarz (1999) und McGlone und
Tofighbakhsh (2000) führt perzeptuelle Flüssigkeit nicht nur zu einer positiveren
Bewertung, sondern auch zu erhöhter Glaubwürdigkeit. Hier stellt sich jedoch die Frage,
ob sich die positiven Gefühle von der Werbung auf das beworbene Produkt übertragen
lassen. Zudem spielen sicher auch hier Faktoren wie Kontext oder Vorwissen eine
wichtige Rolle. Es ist nicht klar, ob der unbewusste Einfluss der perzeptuellen
Flüssigkeit grösser ist als der bewusste Einfluss von Kontext oder Vorwissen.
Die Erkenntnis, dass Werbung perzeptuell flüssig und einfach zu verarbeiten sein
sollte, ist sicher nicht neu. Man versuchte schon immer, Werbung perzeptuell flüssig zu
gestalten, wenn auch eher um die potentiellen Konsumenten anzusprechen und nicht,
um die Werbebotschaft glaubwürdiger erscheinen zu lassen.
Für die Medien allgemein ist der kausale Zusammenhang zwischen perzeptueller
Flüssigkeit und Glaubwürdigkeit meiner Meinung nach von grösserer Bedeutung als für
die Werbung. Wer Schlagzeilen und Texte perzeptuell flüssig gestaltet, erhöht die
Wahrscheinlichkeit, dass die Konsumenten die Nachrichten glauben. Doch auch in
diesem Fall spielen Faktoren wie der Kontext, das Vorwissen oder die Einstellung
gegenüber einem Medium eine wichtige Rolle.
Auch wenn die Glaubwürdigkeit nicht durch die perzeptuelle Flüssigkeit alleine
beeinflusst werden kann, ist es sinnvoll, bei der Gestaltung die Effekte der perzeptuellen
Flüssigkeit zu berücksichtigen: Perzeptuelle Flüssigkeit hat nur positive Gefühle zur
Folge und hilft, negative Gefühle zu vermeiden (Reber, Winkielman & Schwarz, 1998).
5. Vorschläge für die zukünftige Forschung
Schon Zajonc (1968) forderte, dass die Grenzen des mere exposure effects
untersucht werden sollten. Es wäre interessant, mehr über die Anwendungen aber auch
Grenzen des mere exposure effects herauszufinden.
Bezüglich des Effekts der perzeptuellen Flüssigkeit gibt es einige interessante,
bisher nicht beantwortete Fragen. Es ist zum Beispiel wichtig zu wissen, welche
Faktoren die perzeptuelle Flüssigkeit beeinflussen und erhöhen. Die Studien, die ich
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
finden konnte, bezogen sich alle auf visuelle Präsentationen der Stimuli. Ich kann mir
vorstellen, dass sich die Effekte der perzeptuellen Flüssigkeit auch bezüglich der
auditiven Wahrnehmung zeigen. Vor allem in Zusammenhang mit den Medien wäre eine
Untersuchung dieser Frage wichtig.
Weiter würde mich interessieren, was passiert, wenn die perzeptuelle Flüssigkeit
reduziert wird. Ich frage mich, ob die positiven Gefühle nur schwächer werden oder ob
sie sich sogar in negative Gefühle verwandeln können. Der Einfluss von reduzierter
perzeptueller Flüssigkeit auf die Glaubwürdigkeit ist sicher auch von Bedeutung.
Alles in allem scheint es sinnvoll, den Zusammenhang zwischen perzeptueller
Flüssigkeit, Affekt und Glaubwürdigkeit eingehender zu erforschen. Ich denke, dass sich
daraus einige wichtige Erkenntnisse für Werbung und Medien ergeben können.
6. Literaturverzeichnis
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Effekte der Wahrnehmungsflüssigkeit auf
die Richtigkeitsbeurteilung
Monika Bosshard
Begg, I. M., Anas, A. & Farinacci, S. (1992). Dissociation of processes in belief: Source
recollection, statement familiarity, and the illusion of truth. Journal of Experimental
Psychology: General, 121, (4), 446-458.
Bornstein, R. F. & D'Agostino, P. R. (1992). Stimulus recognition and the mere
exposure effect. Zitiert in: Bornstein, R. F. & D'Agostino, P. R. (1994). The attribution
and discounting of perceptual fluency: Preliminary tests of a perceptual fluency /
attributional model of the mere exposure effect. Social Cognition, 12, (2), 103-128.
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