Februar 2013

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Achtung Lesen
Freitag, 22. Februar 2013 | zt | www.zofingertagblatt.ch
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Wie sieht so eine Schneeflocke aus?
Haben Pinguine
kalte Füsse?
Achtung Lesen Drei wohlig-wärmende Winterbücher mit stimmungsvollen Zeichnungen
Pinguine Wie kamen Pinguine zu ihrem Namen? Haben Pinguine kalte
Füsse? Dicht drängen sich die Pinguin-Küken aneinander. Ein schneidender Wind fegt über das Eis der Antarktis. Wann kommen die Eltern mit
Nahrung zurück? Pinguine sind lustige Gesellen im Frack, die an Land unbeholfen und tollpatschig sind, im
Wasser aber ihre wahren Fähigkeiten
beweisen. Sie erreichen Tauchtiefen
bis 500 Meter und trotzen in der Antarktis während der Brutzeit den kältesten Temperaturen, die unsere Erde
zu bieten hat. Doch wer weiss schon,
dass Pinguine am Rande der Atacamawüste mit der Hitze kämpfen? Weitere Themen im Buch sind: Brillenpinguin, Chipmarkierung, Kolonien, Schopfpinguin, Stoffwechsel, Überfischung.
Das Kindersachbuch eignet sich für
Kinder ab acht Jahren. Es ist in leichter
Sprache geschrieben und gut illustriert. Zum Schluss noch eine interessante Frage: Warum werden Pinguine
in freier Natur nicht von Eisbären gefressen? Antwort: Pinguine leben auf
der südlichen Halbkugel und Eisbären
im nördlichen Polargebiet. (T.M.)
Pinguine, Boris Culik, illustriert von Wolfgang Freitag, ISBN 978-3-7886-0670-1
Die drei winterlichen Bücher überzeugen mit ihren sympathischen Figuren.
VON CAROLINE GRABER, TEAM PURZELBAUM
Stellen Sie sich vor, Sie hätten noch
nie Schnee gesehen, noch nie einen
Winter erlebt. Und dies nicht, weil
Sie irgendwo auf der Welt zu Hause
sind, wo das milde Klima dieser Jah-
reszeit keinen Platz einräumt. Der
Grund wäre ein völlig anderer: Sie
verschlafen den Winter jedes Mal
und können sich nur aufgrund von
Erzählungen ein Bild von ihm machen. Wie also stellen sich Winterschläfer jene Zeit vor, die sie gar nie
aktiv mitbekommen?
Wunderschön ist er, der Winter. Es
fallen Schneeflocken, alles wird weiss,
nass, kalt und weich. Herr Eichhorn,
der Igel und der Bär beschliessen, für
einmal wach zu bleiben. Doch das ist
gar nicht so einfach. Und überhaupt,
wie sieht so eine Schneeflocke aus?
Weiss und kalt. Bald findet der Igel einen Gegenstand (eine Zahnbürste),
auf den diese Kriterien zutreffen. Aber
ist das wirklich Schnee? Auch Herr
Eichhorn entdeckt bald etwas, was
kalt und innen drin ziemlich nass ist
(eine Blechdose); doch ob sich Schnee
wirklich so anfühlt? Der Bär seinerseits sieht bald eine erste Flocke, diese
riecht aber recht eigenartig (eine alte
Socken). Und dann plötzlich fällt wirklich Schnee, bis alles weiss bedeckt ist.
Die Tiere staunen und endlich finden
sie nun Zeit für ihren Winterschlaf.
Der Autor und Illustrator Sebastian
Meschenmoser versteht es, mit seinen
wundervollen Figuren humorvolle Geschichten zu erzählen. Mit wenigen,
präzisen Strichen gelingt es ihm, den
Tieren einen völlig verschlafenen Gesichtsausdruck zu verpassen. Und
dem Betrachter wird beim Durchblättern garantiert ein Schmunzeln ent-
Die quirligen, minimal
colorierten Zeichnungen zeigen durchwegs
überzeugende Figuren.
lockt; denn die drei Suchenden identifizieren völlig falsche Dinge als vermeintliche Schneeflocken. Das diese
am Ende der Geschichte pointiert eingesetzt werden, rundet die Erzählung
ab. Die quirligen, minimal colorierten
Zeichnungen zeigen durchwegs überzeugende Figuren. Mit wenigen Mitteln wird das Maximum erreicht. Es
ist ein klassisches Bilderbuch-Thema:
Viele unterschiedliche Charakteren,
ZVG
Die drei Bücher
• Herr Eichhorn und der erste Schnee,
Sebastian Meschenmoser,
ISBN 3-480-22359-1
• Ein Apfel für alle,
Feridun Oral,
ISBN 978-3-86566-128-9
• Der kleine Polarforscher,
Sonja Bougaeva,
ISBN 978-3-7152-0567-0
die unter normalen Umständen vielleicht nie etwas gemeinsam unternommen hätten, tun sich zusammen,
um einander zu unterstützen.
Der Apfel hängt zu hoch
In winterlicher Kulisse erzählt Feridun Oral mit «Ein Apfel für alle» diesen Klassiker neu. Die eisige Winterkälte setzt den Waldtieren zu. Der Hase hat grossen Hunger und begibt sich
auf Futtersuche. Ein wunderbar rotleuchtender Apfel hängt einsam an einem Ast; doch auf dieser Höhe ist er
unerreichbar für das kleine Tier. Auch
mit Hilfe der Maus stellt sich kein Erfolg ein. Doch im Vierergespann mit
Fuchs und Bär erreichen die Protagonisten ihr Ziel und das Abendessen
rückt wortwörtlich in greifbare Nähe.
Doch dies ist nur die Nebenhandlung, denn tatsächlich wird hier in
wenigen, klaren Worten eine
Freundschaftsgeschichte
erzählt.
Zusammen erreicht man viel mehr
als man glaubt. Die wunderschönen,
eindrücklichen Illustrationen bringen die winterliche Atmosphäre
glaubhaft zum Ausdruck. Und auch
die Wärme kommt nicht zu kurz,
als am Ende die pelzigen Tiere eng
aneinandergekuschelt in der Höhle
schlafen.
Die Vorräte schrumpfen schnell
Eisig geht es zu und her in der Arktis. Dort wird der kleine Polarforscher
in einer behelfsmässigen Hütte einquartiert, um das Wetter zu beobachten und Messungen vorzunehmen. Tagebuchartig schildert er seine Ergebnisse, alles verläuft nach Plan. Doch
seine Vorräte schrumpfen viel zu
schnell; was oder wer steckt wohl dahinter? Rasant schwinden die Nahrungsmittel, das Unbehagen wächst.
Diese Stimmung wird auch in den Bildern gut sichtbar, die Spannung ist ergreifend nahe zu spüren. Wer sich
hier bereichert, sei nicht verraten; der
Eindringling entpuppt sich eher als
tapsig-unbeholfen denn als bedrohlich. Sonja Bougaeva versteht die szenische Umsetzung einer Geschichte in
Bildern auf kunstvolle Weise.
Drei fantastische, humorvolle winterliche Bücher, die mit stimmungsvollen Zeichnungen viel Wärme verbreiten.
Ein kleines Reh
allein im Schnee
Susewind Liliane ist ein Mädchen mit
einer aussergewöhnlichen Gabe: Sie
kann mit Tieren sprechen. Gleichzeitig
ist sie aber auch ein sehr nettes Kind –
besorgt um das Wohl ihrer Freunde,
wie etwa den Nachbarjungen Jesahja.
Aber sie kümmert sich auch um all die
Tiere, die zu ihr kommen. Dass dies
nicht immer einfach ist, beweist die
vornehme Katze Frau von Schmidt. Liliane Susewind muss sich anstrengen,
um all die kapriziösen Wünsche dieser
stilbewussten Katzendame zu erfüllen.
Die Winterferien stehen an, und Lilis
Familie fährt zusammen mit Jesahjas
Familie in ein abgelegenes Haus in den
Bergen. Sie werden völlig eingeschneit, Jesahja wird schwer krank,
und eine Lawine hat die Rehmutter
Reena verletzt. Liliane kümmert sich
um das Rehkind Schnaps und versucht
verzweifelt, Jesahja zu helfen. Glücklicherweise kann sie mit dem Murmeltier Nasibart sprechen, das ihr zu Hilfe
kommt. Doch als Gegenleistung möchte es lesen lernen. Ob Liliane es schafft,
ihren Freund und Reena zu retten, ohne Nasibart vor den Kopf zu stossen?
Ein stimmungsvoller Winterroman für
kleine und grosse Tierfreunde. (CV)
Liliane Susewind: Ein kleines Reh allein
im Schnee, Tanya Stewner, ISBN 978-3596-85470-7
Erste Abenteuer am Nordpol Sehnsucht nach Zuhause
«Der Eisbär» Ein spannendes Sachbuch über
ein interessantes Tier.
VON HEDI SIEGRIST
In der unwirtlichen Eislandschaft des Nordpols begegnen
wir den wunderbaren Eisbären. In diesem Sachbuch begleiten Leser diese riesigen,
starken und auch gefährlichen Tiere durch die Jahreszeiten. Eisbären fühlen sich
wohl im Polarwinter. Die Bärinnen graben sich eine Höhle und verbringen den Winter
geschützt vor den schrecklichen Eisstürmen. In dieser
Höhle werden auch die winzigen Eisbärenkinder geboren.
Die männlichen Eisbären leben als Einzelgänger und
streifen
stundenlang durch
die Schneeund
Eislandschaft,
oft legen
sie bis zu
70 Kilometer zurück.
Das Buch
ist mit wunderbaren Fotos
illustriert. So erlebt man den
ersten Spaziergang der Jungtiere, ebenso wie die Machtkämpfe der mächtigen Männchen oder die Eisbären als Superschwimmer. Glücklicherweise sind diese Tiere heute
geschützt. Aber auch auf die
neuen Gefahren, welche die
Eisbären bedrohen, wie die
Klimaerwärmung oder den
Müll der Zivilisation, wird im
Buch verwiesen. Gut lesbare
Texte erlauben es auch weniger geübten Lesern das Buch
zu geniessen. Hintergrundwissen kann nachher aus den
Erklärungen am Schluss des
Buches gewonnen werden.
Die Erstleser werden an
diesem wunderschön gestalteten Buch grosse Freude haben. Sie können den kleinen
Eisbären auf seinen ersten
Abenteuern in der Schneelandschaft am Nordpol begleiten. Endlich darf der Kleine das erste Mal zusammen
mit seiner Schwester aus der
Höhle. Ach, wie ist doch das
Spielen und Herumtollen im
Freien schön!
Der Eisbär, Valérie Tracqui, Fotos:
S. Cordier/ JACANA, Esslinger
Verlag, ISBN 978-3-480-222418-0
«Verloren in der Wildnis»
Die berührende Geschichte
eines Hundes, der den
Heimweg über 600 Meilen
im strengen Winter Nordamerikas zu seiner geliebten Abby sucht.
VON HEDI SIEGRIST
Es ist ein wunderschöner Oktobertag, als Abby Whistler mit
ihrem Shetland Sheepdog Tam
zu einem Agilitätswettbewerb
für Junioren antritt. Und die
beiden unzertrennlichen Freunde gewinnen den ersten Preis.
Auf der Rückfahrt durch den
Nationalpark rennt plötzlich
ein Tier über die Strasse. Mama
erschrickt und gerät von der
Fahrbahn ab. Abby wird ver-
letzt und ist ohnmächtig. Die
Kiste mit Tam wird vom Pick-up
geworfen und holpert den Abhang hinunter, durch den Wald
bis in den Fluss. Alle kümmern
sich um Abby, und leider wird
Tam erst einmal vergessen.
Als Abby ihren Vater überredet, mit ihr an den Unfallort zurückzukehren, ist Tam verschwunden. Der kluge Hund
konnte sich zwar aus der Kiste
befreien, aber als er einige Zeit
seine Familie gesucht hatte,
machte er sich auf die Suche
nach seiner besten Freundin. Er
wird getrieben von seiner Sehnsucht nach seinem Zuhause.
Anfangs ist das Wetter noch
herbstlich, aber bald schon
kommen die ersten Winterstürme und der erste Schnee. Tam
erlebt eine sehr entbehrungsreiche Zeit und muss lernen,
sich in der Wildnis zurechtzufinden. Er streift 600 Meilen
durch Wälder, Felder und über
Berge. Wochenlang ist er unterwegs in Schnee und Eis, hungernd und frierend. Eines ist
aber sicher, Tam wird niemals
aufgeben – er will zurück zu Abby. Auch Abby gibt nicht auf.
Das Buch ist sehr spannend
geschrieben, und man kann
fast nicht Lesepause machen,
denn es gibt immer ein Kapitel
über Abby, dann wieder eines
von Tam. So erlebt man die beiden unterschiedlichen Geschichten von Abby und Tam
noch viel intensiver. Ein richtiges Lesevergnügen!
Verloren in der Wildnis, Bobbie
Pyron, Übersetzung: Gerda Bean,
Thienemann Verlag, ISBN 978-3522-18314-7
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