Psychopathologischer Befund

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Psychiatrie und
Psychotherapie
Crosswalk
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Warum ist psychiatrisches Wissen für
den Arzt wichtig?
30 % der
Patienten
Depression
Angsterkrankung
Alkoholismus
einer
Allgemeinarztpraxis
leiden unter psychischen
Erkrankungen
häufigsten
präsentieren
sich mit
somatische Symptome
Erstgespräch
Sehr wichtig
•
•
•
•
•
•
Angstreduktion
Relativiert Misstrauen
Schafft eine Arbeitsbasis
Eigen – Fremdmotivation
Zeit nehmen für den Patienten, auf ihn eingehen,, nicht verurteilen.
Zeit lassen beim Daten sammeln (benötigt oft mehrere Anläufe)
Ende des Gespräches
• Zusammenfassung
• diagnostische oder therapeutische Schritte, die sich aus dem Gespräch
ergeben, werden festgehalten
Offenbarungstransparenz schaffen
• Offenbarungsbefugnis für alle Beteiligten klären
• Fremdbefunde – Informationen einholen
Aktuelle Krankheitsgeschichte
Symptomatik
• Dauer und Intensität
• Subjektive Gewichtung der Symptome
• Beurteilung und Erleben der Erkrankung
• Auslösefaktoren: Persönliche Bindungen, Beziehungen, Familie, Berufsprobleme,
Lernschwierigkeiten, Soziokultureller Hintergrund, Bisherige psychopharmakologische,
psychotherapeutische oder andere Behandlungsversuche der aktuellen Problematik?
Erfolg? Komplikationen während der aktuellen Krankheitsphase: Delinquentes
Verhalten? Selbst-/Fremdverletzung/Gefährdung? Abusus psychotroper Substanzen?
• Umstände, die die Symptomatik lindern
• Schlafstörungen
• Appetit und Schmerzen
• Fragen nach Selbstverletzung oder Suizidalität
• Einschätzung der Fremdaggressivität
Psychische und somatische Vorgeschichte
• alle zurückliegenden Krankheitsepisoden mit Dauer, Symptomatik und
medikamentöser Therapie
• körperliche Erkrankungen, Operationen und frühere stationäre Aufenthalte sowie
Suizidalität in der Krankheitsvorgeschichte
Aktuelle Krankheitsgeschichte
Medikamentenanamnese
•
•
•
•
•
•
aktuelle Medikation
wie relevante frühere Medikamente
Dosierung, Frequenz und Dauer der Einnahme
Phytotherapeutika oder homöopathische Mittel
Behandlungserfolge, Nebenwirkungen , Unverträglichkeiten
somatische Krankheiten
Biografische Daten
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Informationen zu Geburtsumständen
Geschwister und Geschwisterreihenfolge
Beruf der Eltern
Familienatmosphäre
kindliche und schulische Entwicklung
Pubertät
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Partnerschaften und Kinder
sexuelle Entwicklung und belastende Lebensereignisse
Erstkontakt
• Kurzbiografie, die ergänzt wird
Aktuelle Krankheitsgeschichte
Familien- und Sozialanamnese
• Familienanamnese: viele psychiatrische Erkrankungen besitzen (z. B.
Depressionen, Schizophrenie) auch eine genetische Komponente
• soziale Umfeld: Art der Unterkunft, das familiäre Umfeld, die berufliche
Belastung, finanzielle Situation, Gesellschaftliche Stellung
Suchtanamnese
• Gepflogenheiten wie Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum
• Regelmäßigkeit und Menge des Konsums
Fremdanamnese
•
•
•
•
Befragen der Familie oder des nahen sozialen Umfeld
Schwere und das Ausmaß der Krankheit
Informationen vom Hausarzt
Einbeziehung der Familie in die Diagnostik und Therapie
Aktuelle Krankheitsgeschichte
Schweigepflicht
• Gefahr einer Stigmatisierung durch Außenstehende auch
Familienangehörige
• Schamgefühle der Patienten
• Expliziter Hinweis auf die bestehende Schweigepflicht seitens
des Therapeuten
• Entbindung nur durch den Patienten
• Gespräche mit Angehörigen immer in Gegenwart des Patienten
Untersuchung
• orientierende körperliche und v. a. neurologische Untersuchung
• Ausschluss differenzialdiagnostisch v. a. v. körperliche
Erkrankungen
Aktuelle Krankheitsgeschichte
Struktur der psychiatrischen Erstuntersuchung
Personaldaten
Aktuelle Anamnese
Psychiatrische Krankheitsvorgeschichte
Biografische Daten
Primärpersönlichkeit
Familienanamnese
Somatische Anamnese
Suchtanamnese
Fremdanamnese
Erwartungen an die Therapie
Persönliche Ressourcen
Psychopathologischer Befund
Psychopathologischer Befund
Äußeres Auftreten
•gesamte Erscheinungsbild, die Kleidung, Gestik, Mimik und die Körperpflege
Verhalten
•In der Untersuchungssituation
•ablehnend oder misstrauisch, aggressiv oder eher zurückhaltend
•Kooperativ
•kritikfähig und einsichtsfähig
•Akzeptieren der Krankheit
•Vorinformation, wie drückt sich der Patient aus?
Bewusstseinsstörungen
•Quantitative:
•Benommenheit: Patient ist teilnahmslos und verlangsamt, v. a. in der Informationsaufnahme und verarbeitung.
•Somnolenz: Patient ist schläfrig, reagiert nicht adäquat auf Ansprechen, ist aber erweckbar.
•Sopor: Patient schläft und ist nur durch Schmerzreize erweckbar.
•Koma: Patient ist nicht mehr bei Bewusstsein und auch nicht durch starke Reize erweckbar.
•Qualitative:
•Bewusstseinseintrübung: Die Bewusstseinsklarheit ist eingetrübt, Handeln und Denken sind verwirrt,
bestimmte Aspekte der eigenen Person und der Situation können nicht mehr sinnvoll in Einklang gebracht
werden. (Typisch für Delir).
•Bewusstseinseinengung: Das Bewusstsein ist auf wenige Bereiche eingeengt und starr darauf fixiert, z. B.
beim Dämmerzustand der Epilepsie.
•Bewusstseinsverschiebung: Eindrücke aus der Umwelt werden verändert wahrgenommen, z. B.
Intensitätssteigerung der Gefühlswahrnehmung im Drogenrausch.
Psychopathologischer Befund
Orientierungsstörungen
•
•
•
•
zur eigenen Person (Name, Geburtsdatum, Vorgeschichte)
zur Zeit (Datum, Monat, Jahr)
zum Ort (Krankenhaus, Station, Wohnort)
zur Situation (Untersuchungssituation, Klinik, zu Hause)
Aufmerksamkeit und Konzentration
• Rechenaufgaben (von 100 fortlaufend 7 abziehen)
• Buchstabierenlassen (inkl. Rückwärts)
Gedächtnisstörungen
• Kurzeitgedächtnis: drei Begriffe (z. B. Ei, Baum, Auto) vorsprechen
und diese gleich und nach einigen Minuten reproduzieren lassen
• Langzeitgedächtnis sollte mit Fragen über die Kindheit o. Ä. erfolgen
Psychopathologischer Befund
Formale Denkstörungen
• Denkverlangsamung
•Das Denken erscheint dem Untersucher verlangsamt und schleppend.
• Denkhemmung
•Der Patient empfindet das Denken mühsam, wie blockiert oder gebremst.
• Umständliches Denken
•Weitschweifiger Gedankengang, bei dem der Patient Wichtiges nicht von Unwichtigem trennen kann. Ein inhaltlicher
Zusammenhang ist aber erhalten.
• Eingeengtes Denken
•Gedankengänge sind auf wenige Themen fixiert, Verhaftetsein an diesen Inhalten.
• Perseveration
•Wiederholen von zuvor gemachten Angaben oder verwendeten Worten, die dann nicht mehr sinnvoll sind.
• Grübeln
•Andauernde Beschäftigung mit bestimmten, meist unangenehmen Denkinhalten, die häufig mit der aktuellen
Lebenssituation in Zusammenhang stehen.
• Gedankendrängen
•Patient ist dem Druck vieler unterschiedlicher Gedanken ausgeliefert.
• Ideenflucht
•Extrem einfallsreicher Gedankengang, bei dem die einzelnen Gedanken nicht mehr zu Ende geführt werden, sondern
durch eine Flut von Assoziationen unterbrochen werden und dessen Zielgedanke ständig wechselt.
• Vorbeireden
•Obwohl der Patient die Frage verstanden hat, geht er nicht auf die Frage ein, sondern antwortet etwas inhaltlich anderes.
• Gedanken-abreißen/-sperrung
•Plötzlicher Abbruch eines flüssigen Gedankengangs bzw. des Sprechens ohne ersichtlichen Grund.
• Inkohärenz/Zerfahrenheit
•Denken und Sprechen des Patienten sind für den Untersucher in ihrem Zusammenhang unverständlich, im Extremfall
kann der Satzbau zerstört und bis in einzelne Satzgruppen oder Gedankenbruchstücke zerrissen sein.
• Neologismen
•Wortneuschöpfungen, die nicht den sprachlichen Konventionen entsprechen und oft nicht verständlich sind.
Psychopathologischer Befund
Inhaltliche Denkstörungen
• Wahn:
• für den Betroffenen eine unabänderliche Realität
• kann diese Überzeugtheit nicht korrigieren oder einen
Perspektivenwechsel vornehmen
• nicht durch neue, widersprüchliche Erfahrungen beeinflussbar
• verschiedene Stadien: Wahnstimmung → manifester Wahn →
Residualwahn
• Wahnausprägungen
• Wahnstimmung: Der Patient hat das Gefühl, dass etwas „vor sich geht“.
• Wahnwahrnehmung: Reale Sinneswahrnehmungen aus der Umwelt
erhalten eine abnorme Bedeutung, d. h., sie werden vom Patienten
falsch interpretiert. Beispiel: Der Patient berichtet, dass alle Ampeln für
ihn auf „grün“ geschaltet sind.
• Wahneinfall: plötzliches Auftauchen von wahnhaften Überzeugung ohne
Sinneswahrnehmung
Häufige Wahnformen
Psychopathologischer Befund
Häufige Wahnformen
• Verfolgungswahn (häufigster Wahn)
• Beziehungswahn:
• bezieht Vorgänge, die um ihn herum geschehen, auf sich; er glaubt
beispielsweise Nachrichten im Fernsehen beziehen sich auf ihn.
• Größenwahn:
• Themen wie Macht, hohe Abstammung (zukünftiger Bundeskanzler
zu werden.)
• Sonderform religiösen Wahn: Der Patient glaubt z. B. Jünger Christi
zu sein, mit Gott kommunizieren zu können
• Verarmungswahn:
• Die Betroffenen sind überzeugt, dass sie schon in naher Zukunft
alles verlieren und ihre Familie in eine desolate finanzielle Situation
bringen werden (z. B. als Symptom bei depressiven Störungen).
• Versündigungswahn:
• Hier geht es um die Überzeugung, durch das eigene Handeln Schuld
auf sich zu laden (auch typisch im Rahmen von Depressionen).
Psychopathologischer Befund
Zwänge
• Zwangsgedanken
• gewisse Denkinhalte drängen sich auf, könnennicht
unterdrückt werden. Dies wird als sehr quälend erlebt.
• Zwangshandlungen
• Häufige Zwangshandlungen sind: Waschzwang,
Zählzwang, Kontrollzwang, Putzzwang.
• als eigenes Erkrankungsbild,
• auch bei Schizophrenien,
• depressiven Episoden
• Persönlichkeitsstörungen. Im Unterschied zum Wahn
nehmen die Betroffenen ihre Zwänge als sinnlos wahr
und leiden unter ihnen.
Psychopathologischer Befund
Wahrnehmungsstörungen (Sinnestäuschungen)
• Halluzinationen: Trugwahrnehmungen ohne objektiv gegebenen
Sinnesreiz
• optische (z. B. weiße Mäuse),
• akustische (z. B. Stimmen),
• olfaktorische, gustatorische
• taktile (= haptische) Halluzinationen
• Illusionen: Verkennung, also Fehldeutung real vorhandener
Gegenstände (ein Patient nimmt beim Spazierengehen einen
Baumstamm als Menschen wahr).
Ich-Störungen
• die Störung der Integrität der eigenen Person
• Abgrenzungsprobleme der eigenen Persönlichkeit von anderen/
Umwelt
• Depersonalisation und Derealisation (sog. Entfremdungserlebnisse)
• Gedankenausbreitung, -entzug, -eingebung und Fremdbeeinflussung
Psychopathologischer Befund
Affektstörungen
•
•
•
•
gedrückten Affekt (wie bei depressiven Episoden)
gehobene Stimmung (wie sie bei einer Manie))
zirkadianen Besonderheiten, z. B. Morgen- oder Abendtief.
Ratlosigkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Affektarmut/starre
• Euphorie, gesteigertes Selbstwertgefühl, Gereiztheit oder
Aggressivität
• Parathymie: Gefühl und Situation passen nicht zusammen
(Patient erzählt lachend vom Tod seiner Mutter).
• Affektlabilität und Affektinkontinenz: Rasch wechselnde
Stimmungslagen, im Extremfall kann Patient
Gefühlsregungen nicht mehr kontrollieren.
Psychopathologischer Befund
Antrieb
• Aktivitätsbereitschaft eines Menschen
• Tempo, Ausdauer mit der psychische und körperliche
Anforderungen bewältigt werden
• Antriebsarmut oder Passivität oder gesteigerter Antrieb
Psychomotorik
• Ausdruck des Bewegungsapparats auf innerseelische
Vorgänge
• Motorische Unruhe bei Ängsten
• Mutismus: wortkarg bis Versiegen der Sprache
• Logorrhö: verstärkter Redefluss
• Stupor: schwere Antriebshemmung bis zur völligen
Regungslosigkeit
Psychopathologischer Befund
Somatische Störungen
• vegetative Störungen (z. B. Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwitzen,
Obstipation)
• Schlaf- oder Vigilanzstörungen(z. B. Einschlafstörungen, Tagesmüdigkeit,
Früherwachen)
• Appetenzstörungen (z. B. Appetitlosigkeit, vermindertes sexuelles Interesse)
Appetenzstörungen
• (z. B. Appetitlosigkeit, vermindertes sexuelles Interesse)
Kontaktstörungen/Primärpersönlichkeit
• Soziales Verhalten und Kontaktfähigkeit
Selbst- und Fremdgefährdung
• passiven Todeswünschen bis hin zu konkreten Handlungsabsichten
• Aggressivität und eine drohende Gefahr
Überblick
• Affektive Störungen
• Suchterkrankungen
– Depression
– Bipolare Störungen und
Zyklothymie
• Schizophrene Störungen
–
– Alkoholabhängigkeit
– Medikamenten- und
Drogenabhängigkeit
• Kinder- und Jugendpsychiatrie
Schizophrenie
• Neurotische Störungen
–
–
–
–
Angststörungen
Zwangsstörungen
Somatoforme Störungen
Belastungs- und
Anpassungsstörungen
– Dissoziative Störungen
• Persönlichkeitsstörungen und
Verhaltensauffälligkeiten
– Persönlichkeitsstörungen
– Essstörungen
– Sexualstörungen
– Schlafstörungen
•
– Intelligenzminderung,
– Entwicklungsstörungen und
Verhaltens- und emotionale
Störungen
Gerontopsychiatrie
– Demenz, Delir und affektive
Störungen
• Spezielle Themen
– Psychiatrische Notfälle
– Psychiatrische Krankheitsbilder in
Neurologie und Innerer Medizin
– Forensische Psychiatrie
Depression
• „affektive Störung“: vorrangige Symptom die veränderte
Stimmungslage, körperliche Symptome sind sekundär
veränderte
Stimmungslage
Affekt
Klassifikation
• depressive Syndrome mit eher gedrückter Stimmung
• manische Zustände, bei denen die Stimmung pathologisch
gehoben
• Unipolare Störungen: nur depressive oder manische Phasen;
selten als einmalige Phase -remittieren
• Bipolare Störungen: abwechselnd manische und depressive
Episoden
Epidemiologie
Erkrankung
Altersgipfel (Lj.)
Frauen : Männer
Häufigkeit
Depression
30. und 40.
2:1
3–7 %
Bipolare Störung
20 und 35
1:1
1–2 %
1:1
1%
Manie
Mehr als 10 % der Patienten in einer Allgemeinarztpraxis leiden unter
Depressionen!
genetische
Faktoren
• Vulnerabilität: höhere Erkrankungszahlen
bei Verwandten ersten Grades
Psychosoziale
Faktoren
• Life events
somatische
Faktoren
Regelkreis von
Neurotransmittern.
Monoaminmangel-Hypothese
(NorA/ Ser)
• schwere Krankheit oder
hormonelle Umstellungen
(Wochenbett)
Klinik
Hauptsymptome
• Depressive Stimmung
• Verlust von Interesse
und Freude
• Antriebsverlust mit
erhöhter Ermüdbarkeit
bzw. Energieverlus
Weitere
Längsschnitt
• Verminderte
Konzentration und
Aufmerksamkeit
• Vermindertes
Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen
• Schuldgefühle und
Gefühle der
Wertlosigkeit
• Eine negative oder
pessimistische
Zukunftsperspektive
• Suizidgedanken oder
erfolgte
Suizidhandlungen
• Schlafstörungen (Einund/oder
Durchschlafstörungen)
• Verminderter Appetit
• mindestens 2
Wochen unter zwei
(schwere Episode: drei)
der Hauptsymptome
• zwei (schwere Episode:
mindestens vier)
weiteren Symptomen
• psychotische
Begleitsymptome
können bei schweren
Depressionen auftreten
• somatisches
Syndrom
somatisches Syndrom
Objektivierbare
psychomotorische
Hemmung und
Agitiertheit
Frühmorgendliches
Erwachen
Morgentief
> 5 % des
Körpergewichts im
vergangenen
Monat
Mangelnde
Fähigkeit, auf
positive Aspekte
der Umgebung
emotional zu
reagieren
Interessenverlust/
Verlust der Freude
an normalerweise
angenehmen
Aktivitäten
Sonderformen
Wahnhafte Depression (Depression mit
psychotischen Symptomen)
• Schwer beeinträchtigter Realitätsabgleich
• Wahnideen affektkonform
• Hypochondrisch
• Verarmungswahn
• Schuldwahn
• Versündigungswahn
• Nihilistischer Wahn
• Halluzinationen
• depressiver Stupor. :
Wochenbettdepression
•
•
•
•
10 % der postpartalen Frauen
dramatische hormonelle Umstellungen
neuen Situation mit hohen Anforderungen
Schlafmangel
Diagnostik
Ausschluss organischer Erkrankungen
Infektionen
(Meningitis)
Neoplasmen
(Hirntumor oder metastasen)
endokrinologische
Störungen
(Hypothyreose,
Morbus Addison,
Morbus Cushing etc.)
metabolische
Störungen (Urämie,
Leberinsuffizienz)
Kollagenosen (SLE)
Hirnerkrankungen
wie Morbus
Parkinson, Morbus
Alzheimer und
multiple Sklerose
Medikamenten- und Drogenanamnese
Antihypertensiva
Antibiotika
Benzodiazepine
Alkohol
Opiate
orale
Kontrazeptiva
Antiarrhythmika
Therapie
stationäre Aufnahme
Suizidalität,
Fremdgefährlichkeit
schwere familiäre
Konflikte
Entlastungsvorteil
durch Statiion
vertrauensvolle Arzt-Patient-Verhältnis
Pharmakotherapie
Akutbehandlung
Erhaltungstherapie
Rezidivprophylaxe
Medikation
Akuttherapie
• Antidepressiva
• Nebenwirkungen
• Kosten
• Symptomatik
• verzögerter
Wirkungseintritt (2-3
Wochen)
• Ausreichende Dosis
• Volle Wirkung nach 6
Wochen
Erhaltungstherapie
• Nachlassen der
Symptomatik –
Beibehalten der
Medikation über
mindestens 6 Monate
• langsamen
Ausschleichen, genaue
Beobachtung
• Bei sich andeutenden
Rückfall sofort die Dosis
steigern
Prophylaxe
• zwei oder mehr Phasen in
den letzten 5 Jahren
• eine längerfristige, ggf.
auch lebenslange
Rezidivprophylaxe
• Entweder
Antidepressivum oder
• Phasenprophylaktikum
• Ggf Quetiapin
• Auslöser in der
Familie oder
Partnerschaft
Psychoedukation
• Entlasten
• Erarbeiten von
Bewältigungsstr
ategien und
alternativen
Verhaltensmuste
rn (Trauerarbeit
oder
Paartherapie)
• wöchentliche
Einzelsitzungen
(ges. 10–20)
Paar- und Familientherapie
• Erkennen,
Abbauen von
negativen,
pessimistischen
Denkschemata
• +Verhaltensthe
rapie
•Konfliktbewältig
ung
•Skills
Interpersonelle Psychotherapie
Tiefenpsychologisch orientierte oder
psychoanalytische Therapie
• Patienten mit
hoher
Introspektionsfä
higkeit
Kognitive Therapie
Psychotherapie
• Aufklärung über
Erkrankung,
Behandlungsmö
glichkeiten usw.
Schlafentzug
Lichttherapie
• eine Nacht (zweite
Nachthälfte) vollständig
durchwachen
• 50–80 % der Fälle erleben
eine deutliche Besserung
der Stimmung
• Herbst-Winter-Depression
(SAD = Seasonal Affective
Disorder)
• mehrfach täglich über einige
Zeit (meist1/2–2 h) sehr
hellem Licht
Elektrokrampftherapie
(EKT)
• Versagen der
medikamentösen Therapie
• mit psychotischen
Symptomen,
• Katatonische Zuständen
• hohe Suizidalität
Soziale Unterstützung
• Sozialarbeiter zur Seite
• Lösen der finanziellen,
beruflichen oder privaten
Probleme
• Wohnmöglichkeiten,
• berufliche REHA
• Selbsthilfegruppen
• Usw.
ZUSAMMENFASSUNG
Definition „depressive Episode“
• melancholische, gedrückte Stimmung über mindestens 2 Wochen
• negative oder auch suizidale Gedankeninhalte
• häufig zusätzliche vegetative Symptome wie Kraftlosigkeit,
Antriebsstörung, Schlafstörungen oder Appetitstörungen
Therapie der depressiven Episode
• Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient
• Medikamentöse Akut- und Erhaltungstherapie
• Rezidivprophylaxe (> 2 depressive Phasen in den letzten 5
Jahren)
• Psychotherapie
• Ggf. additive Verfahren wie Licht-, Schlafentzugstherapie und
Psychoedukation
Bipolare Störungen
Definition
• abwechseln von depressiven und manischen (bzw. hypomanen) Episoden
• Oft vollständige Remission
• >4 Phasen/Jahr: „rapid cycling“
Unterscheidung
• Bipolar I = Major-Depression mit Manie
• Bipolar II = Major-Depression mit Hypomanie
Bipolare Störungen
Epidemiologie
Klinik
Manie
viel seltener als
monopolare depressive
Störungen
treten in aller Regel früher
auf
erste Episode mit Anfang
20
Lebenszeitrisiko 1–2 %
(Depression:15-18%)
Männer = Frauen
Symptome der
verschiedenen Phasen –
der depressiven Episode
Manie
Hypomanie
Verhaltens- und
Stimmungsänderungen
gehobene euphorische
auch gereizte Stimmung
Weitere Symptome
• Antriebssteigerung,
• vermindertes
Schlafbedürfnis,
• erhöhte
Entschlussfreudigkeit
• Distanzlosigkeit
• sexuelle Enthemmung,
• Stimmungslabilität,
• leichte Ablenkbarkeit mit
Konzentrationsstörungen
• Ideenflucht
• Größenideen bis –wahn
• Logorrhö
Bipolare Störungen
Therapie
Akuttherapie
Depression
• Stimmunsstabilisatoren
• Antidepressiva
Akuttherapie
•
•
•
•
•
•
Manie
Neuroleptika (z. B. Olanzapin, Risperidon, Quetiapin, Aripiprazol),
Antikonvulsiva (Valproat)
Lithium (verzögerten Wirkungseintritt (ca. 1 Woche) Spiegel von 1–1,2 mmol/l (Prophylaxe 0,6-0,8 mmol/l)
ausreichender Schlaf (Psychohygiene), Schlafdauer von 6–7 h wirkt antipsychotisch und antimanisch
, Neuroleptika und/oder Benzodiazepine
In schweren Phasen (+Suizidalität: EKT)
stationäre
Krankenhausaufnahme
Grund vor allem bei Manien
• Kaufräusche bei eingeschränkter Geschäftsfähigkeit
• Selbst- und Fremdgefährdung
• Incompliance
Bipolare Störungen
Therapie
Bipol.
Prophylaxe: Manie, Depression,
Suizidalität und psychotische Symptome
• Manie: Valproat, Lithium, Olanzapin, Quetiapin, Aripripazol, Carbamazepin
Depression: Lamotrigin, Quetiapin, Lithium, Valproat, Olanzapin
Psychotische Symptome: atypischen Neuroleptika
Suizidalität: Lithium
• Lamotrigin zeigt eine überlegene Wirksamkeit auch bei „rapid cycling“.
Prophylaxe
Lithium
• geringe therapeutische Breite
• häufige Spiegelkontrollen
• Serumkonzentrationen:zwischen 0,5 und 1,2 mmol/l (toxisch: ab Spiegeln von etwa 1,6
mmol/l)
• sinkendes Suizidrisiko unter kontinuierlicher Therapie
• schon nach der ersten Manifestation der Erkrankung
Bipolare Störungen
Therapie
Eindosieren
Voruntersuchungen bei Lithium:
•Blutbild
Kreatinin, Kreatininclearance (wegen interstitieller Nierenfibrose)
Urinstatus (auch Proteinurie, Sediment)
Elektrolyte
T4, freies T4 (wegen Gefahr der Entwicklung einer Struma)
TSH
Nebenwirkungen bei Lithium
•feinschlägiger Fingertremor
EKG-Veränderungen
Übelkeit, Erbrechen
Polydipsie, -urie Gewichtszunahme, Ödeme
Struma
Teratogen (vor allem im ersten Trimenon)
Intoxikation
bei Lithium
•Dehydratation bzw. Kochsalzmangel bei kochsalzarmer Diät oder starkem Schwitzen
•Niere im proximalen Tubulus: analog Natrium „gehandhabt: 80 % werden tubulär rückresorbiert
•grobschlägiger Tremor, Erbrechen, Diarrhö, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Oligurie und Bewusstseinstrübung bis zum
Koma
•Therapie: forcierte Diurese oder Dialyse
Bipolare Störungen
Therapie
Valproat
hemmt den GABA-Abbau
•Häufige Nebenwirkungen: Tremor, Schläfrigkeit, Parästhesien, Blutbildveränderungen, Gewichtsveränderungen, gastrointestinale
Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen etc.).
Lamotrigin:
Nebenwirkungen:
•Hautausschlag, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, gastrointestinale Beschwerden.
Carbamazepin:
Nebenwirkungen
• Blockierung spannungsabhängiger Na+-Kanäle und kalziumantagonistischen Effekten im ZNS.
• Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit, Ataxie
• Herz: Arrhythmie, Bradykardie (Cave AV-Block)
• Leber: Cholestase (cave: schwere Leberfunktionsstörungen.)
• Blutbild: Agranulozytose
Psycho- und sozialtherapeutische
Möglichkeiten
Indikation
•Intervallphasen ambulant wie stationär
•Psychoedukation: Aufklärung über die Erkrankung, Strategien zum rechtzeitigen Erkennen von Prodromalsymptomen,
•Förderung der Selbstverantwortung,
•Maßnahmen zur Stressbewältigung und zur Psychohygiene (reizarme Umgebung, Zeitmanagement, Ordnungstherapie usw.)
•Bearbeiten der Schuld- und Schamgefühle
sozialtherapeutische Unterstützung
Indikation
• Möglichkeiten der Wiedereingliederung in den beruflichen und familiären Alltag.
Zyklothymie
Stimmungslabilität,
• die wie bei der bipolaren Störung von Misslaune in
gehobene, expansive Stimmung umschlagen kann,
Schwere
• die aber gemessen an Schwere, Dauer und
Intensität weder die Kriterien der Major Depression
noch die der Manie erfüllt.
Erstmanifestation
• oft im frühen Erwachsenenalter.
ZUSAMMENFASSUNG
Erkrankungen
manische Episode
• manische und depressive Phasen
abwechseln
• inadäquat gehobene Stimmung,
Hyperaktivität sowie Logorrhö, und
zwar für länger als 1 Woche
• schnelle Intervention
Medikamentöse Akuttherapie
• Phasenprophylaxe der bipolaren
Störung erfolgen nach Symptomen
und umfassen Antidepressiva,
atypische Neuroleptika, Lithium und
Antikonvulsiva.
• Psycho- und Soziotherapie
Schizophrenie
Definition
• tief greifende psychische Erkrankung
• Betroffen sind Handeln, Denken und Fühlen des
Betroffenen
• Subjektives Erleben und Objektive Tatbestände sind im
Missklang
• Fehlende Krankheitseinsicht
Epidemiologie
•
•
•
•
Lebenszeitprävalenz: 1–2 %
Inzidenz: 1:1.000 weltweit
Männer = Frauen
Erstmanifestation bei Männern zwischen 15 und 25, bei
Frauen zwischen 25 und 35 Jahren
Schizophrenie
Ätiologie
• Multifaktorielle Disposition (Vulnerabilität)
• hereditäre Faktoren (Zwillings- und Familienuntersuchungen )
• Zerebrale Schädigungen, neurobiologische Faktoren
• Umwelteinflüsse
Psychosoziale Auslöser
•
•
•
•
negatives Familienumfeld mit „high expressed emotions“,
Wohnungs- oder Arbeitsplatzwechsel
Partnerschaften (Neubeginn, Ende)
Ablösung vom Elternhaus
Transmittersysteme
• Dopaminausschüttung im mesolimbischen System (Überaktivität )
• Glutamat (Glutamatmangel)
• Veränderungen des serotonergen Systems
Hirnmorphologische Befunde
• morphologische Veränderungen in CCTs und MRTs:Erweiterung der Seitenventrikel und oft auch des
III. Ventrikels, Volumenminderung im Hippocampus und in der Amygdala, mit insgesamt linksseitiger
Betonung/ Hypofrontalität
Genetik der Schizophrenie
Klinik der Schizophrenie
Negativsymptomatik Positivsymptomatik
Passivität
Gefühlsverarmung
Halluzinationen
Wahn
Affektverflachung
(Gleichgültigkeit,
Interesselosigkeit,
Gefühlsleere)
Anhedonie (sozialer
Rückzug, Unfähigkeit,
Freude zu empfinden)
Formale
Denkstörungen (s.
u.)
Bizarre
Verhaltensweisen
Aufmerksamkeitsstörungen
Alogie (Sprachverarmung)
Zwänge
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Affekt
Ich-Störung
Affekt gedrückt
Affekt gehoben
Ich-Störungen
Gedankenausbreitung
• (Patient ratlos, hilflos)
• (läppische Gestimmtheit; lauter,
enthemmter, rücksichtsloser
Patient)
•Verschwimmen der
Grenzen zwischen Ich und
Umwelt
•„von außen gemacht“ oder
gelenkt
•erlebt seine Gedanken als
aufgezwungen, fremde
Gedanken werden
eingegeben
Inadäquater Affekt
Ambivalenz/Ambitendenz
Gedankenentzug
Willensbeeinflussung
• (Parathymie)
• Affektlabilität
• (das Nebeneinander von
gegensätzlichen Gefühlsregungen
bzw. Trieben)
•Andere nehmen dem
Patienten die Gedanken
weg
•Wille und Handlungen
werden von außen
beeinflusst und gemacht
Angst, evtl. verbunden mit
sozialem Rückzug
Aggressionen oder Eigen/Fremdgefährdung
Derealisation und
Depersonalisation
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Wahn:
Halluzinationen
• mehr als 90 % der schizophrenen Patienten
• akustische Halluzinationen
• z. B. in Form dialogischer,
imperativer oder
kommentierender Stimmen
Wahnstimmung Vorstufe des
Wahns
• „irgendetwas ist im Gange“
Wahnwahrnehmung
optisch, olfaktorisch,
gustatorisch
• Umdeutung von Tatsächlich Erlebten oder Gesehenen
Wahneinfall
• Objektiv falsche, aus krankhafter Ursache entstehende
absolute Überzeugung
Wahnthemen
• Verfolgungswahn,
• Größenwahn („Ich bin der Papst“),
• Vergiftungs- und Beeinträchtigungswahn,
• Beziehungswahn
Leibeshalluzinationen
• von außen mit Strahlen,
Apparaten und anderen
Methoden elektrisch oder
magnetisch beeinflusst (u.a.
sexuell)
• Zönästhesien: groteske
Vorstellungen
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Formale Denkstörungen
(Denkabläufe)
Störungen der
Psychomotorik
Denkzerfahrenheit
Katatonie
• Zerrissener und nicht mehr
synthetisierbarer
Gedankenfluss
Begriffszerfall (Syntax)
• Begriffe verlieren ihre Idiolexis
(Verschiebungen,
Verdichtungen)
• Paralogie
• Vorbeireden
• katatoner Stupor mit
vorherrschender Minussymptomatik
• katatoner Erregungszustand
• Mutismus (i.e. akinetischer…)
• Katalepsie: (wächserne Biegsamkeit
= Flexibilitas cerea)
• Hyperaktivität Schreien, Schimpfen,
Selbst-/Fremdaggression, in
manchen Fällen stereotypes
Wiederholen zweckloser
Bewegungsabläufe oder von
Gesagtem (Bewegungs- und
Sprachstereotypien)
• Befehlsautomatie, Echopraxie,
Echolalie
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Störungen des Antriebs und des
Sozialverhaltens
• Antrieb vermehrt (akute Schizophrenie)
• vermindert (Residualsymptomatik)
Subtypisierung der Schizophrenie nach ICD 10
• Paranoide Schizophrenie: Form)Geprägt von Wahninhalten
(Verfolgungs-, Größenwahn) Halluzinationen (v. a. akustisch) und
Ich-Störungen Erwachsene, relativ gute Prognose F20.1
• Hebephrene Schizophrenie: Alberne, läppische Stimmung, Affektund Antriebsstörungen, Apathie, Kontaktstörungen, z. B.
Distanzlosigkeit, gelegentlich Aggressivität, enthemmtes
Sozialverhalten, Jugendliche, schlechte Prognose: F20.6
• Schizophrenia simplex: Affektänderungen im Vordergrund;
schlechte Prognose F20.2
• Katatone Schizophrenie gute Prognose F20.4
• Postschizophrene Depression:
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Schizophrenie F20
Symptomatik
Prädispositionsalter und Prognose
Geprägt von Wahninhalten
F20.0
(Verfolgungs-, Größenwahn)
Paranoide Schizophrenie (häufigste
Erwachsene, relativ gute Prognose
Halluzinationen (v. a. akustisch) und
Form)
Ich-Störungen
F20.1
Hebephrene Schizophrenie
F20.6
Schizophrenia simplex
Alberne, läppische Stimmung,
Affekt- und Antriebsstörungen,
Apathie, Kontaktstörungen, z. B.
Jugendliche, schlechte Prognose
Distanzlosigkeit, gelegentlich
Aggressivität, enthemmtes
Sozialverhalten
Es stehen v. a. Affektänderungen im
Vordergrund, fast immer ist es eine
Negativsymptomatik, Nachlassen
Progredienter Verlauf, schlechte
beruflicher Leistungen, Verlust
Prognose
mitmenschlicher Beziehungen.
Psychotische Symptome werden
nicht beobachtet
F20.2
Katatone Schizophrenie (selten)
F20.4
Postschizophrene Depression
Eher gute Prognose
Negativsymptomatik, die sich oft an
eine psychotische Phase anschließt
und länger als 2 Wochen anhält
Diagnosestellung
Schizophrenie
Symptome ersten Ranges
Symptome zweiten Ranges
Akustische Halluzinationen (dialogische [in Form
von Rede und Gegenrede], kommentierende [die
unablässig das Handeln und das Verhalten des
Alle anderen Halluzinationen
Patienten kommentieren] oder imperative
Stimmen [die Befehle erteilen])
Wahnwahrnehmung
Wahneinfall
Gedankenlautwerden: Der Patient hört seine
eigenen Gedanken
Depressive Verstimmung, Ratlosigkeit
Leibliche Beeinflussungserlebnisse (das Gefühl
des Von-außen-Gemachten z. B. Bestrahlung
oder Elektrisierung)
Zönästhesie (z. B. das Gefühl, als sei das Bein
aus Stein)
Gedankeneingebung (s. Ich-Störungen)
Gedankenausbreitung (s. Ich-Störungen)
Gedankenentzug (s. Ich-Störungen)
Diagnosestellung
Schizophrenie
ICD-10
• ein Symptom 1. Ranges > 4 Wochen
• zwei weitere der folgenden vorliegen:
• Schneider-Symptome 2. Ranges
• formale Denkstörungen oder
• Katatonie oder
• Negativsymptomatik (nach Ausschluss einer Depression)
kürzerer Manifestationsdauer
• akute schizophreniforme Störung.
Differenzialdiagnosen
• Substanzmissbrauch: Kokain, Amphetamin, Halluzinogene, Alkohol
• Organische Erkrankungen: Hirntumor, ZNS-Infektion, Epilepsie,
Autoimmunerkrankungen
• Andere psychische Erkrankungen: wahnhafte Störung, Depression,
Persönlichkeits störungen, Mischbilder wie schizoaffektive Störungen
• Borderline-Persönlichkeitsstörung
Differentialdiagnose
Schizophrenie
Schizophrenie- Verlauf
Prodromalphase
ein bis fünf
Jahre
Zunehmende Negativsymptomatik mit sozialem Rückzug, schwindendes Engagement
in allen Lebensbereichen, Konzentrationsstörungen, emotionale Distanzierung,
Stimmungslabilität bis hin zur unzureichenden Körperhygiene und Apathie
Verlauf nach Ausbruch
ein akuter Beginn und
eine anschließende
Vollremission sind
prognostisch günstig
Teilremissionen mit
Residualsymptomatik
(Typisches
Residualsyndrom)
Atypisches
Residualsyndrom
Residualsymptomatik >
3 Jahre, ungünstige
Prognose
Schizophrenie- Verlauf
Schizophrenie- Verlauf
Rückfälle
• Frühwarnzeichen
• durch vorhergehende Phasen bekannt
• Ruhelosigkeit
• Schlafstörungen
• Nervosität, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
• Überforderungsgefühl
• Verlust der Freudfähigkeit, sozialer Rückzug
Langzeitprognose (Drittelregel)
• 1/3 der Patienten erlebt eine vollständig Remission und keine oder nur
wenige Rezidive
• 1/3 verläuft die Krankheit in Phasen unterschiedlich stark ausgeprägter
Symptomremission
• 1/3 finden sich schizophrene Residuen mit ausgeprägter
Negativsymptomatik oder chronische Schizophrenien
• 50% bleibt erwerbsfähig
Schizophrenie- Verlauf
Komplikationen
• Suizid
• häufigste und ernsthafteste
Komplikation
• Gefahr der imperativen Stimmen, die
selbstschädigendes Verhalten befehlen
Schizophrenie- Therapie
Neuroleptika
• Mittel erster Wahl
• klassische (hoch- und
niedrigpotente) und atypische
Substanzen
Hauptwirkmechanismus
• Blockade von
• Dopamin-, v. a. D2-Rezeptoren
• m-Cholinozeptoren,
• α-Adrenozeptoren,
• Serotoninrezeptoren
• Histaminrezeptoren
Biologische Verfahren
Psychopharmaka: Antidepressiva und
Phasenprophylaktika
Antidepressiva
•
•
•
•
Sollen die Stimmung der Patienten verbessern,
Sollen das Interesse und die Freudfähigkeit steigern
machen nicht abhängig
unterliegen keiner Toleranzentwicklung.
Wirkmechanismus
• Monoaminkonzentration (v. a. Serotonin und Noradrenalin) wird
erhöht (unterschiedliche Wege)
• verminderter Abbau (MAO-Hemmer)
• verminderte Resorption aus dem synaptischen Spalt (SSRI,
SNRI)
• Latenz von Wochen bis Monaten
Antidepressiva
Depressionen
Angststörungen
Indikationen
SSRI
MAO-Hemmer
trizyklische
Antidepressiva
Schlafstörungen
Mirtazapin
Agomelatin
Essstörungen
SSRI
Posttraumatische
Belastungsstörungen
SSRI
Zwangsstörungen
v. a. SSRI
Amitriptylin
Schmerztherapie
Duolexitin
Einteilung
Klassifikation
chemischen
Struktur
trizyklische
Antidepressiva
(Imipramin,
Doxepin)
tetrazyklische
Antidepressiva
(Maprotilin)
primären
Angriffspunkt
en im Gehirn
Wirkung
Sedierende
AD
Antriebssteig
ernde AD
Amitriptylin
Desipramin
Doxepin
Mittelstellung
Desipramin
Serotonerg
Gemischt
Clomipramin
Mirtazepin
Nortriptvlin
Citalopram,
Duolexetin
Trimipramin
SSRI
(Citalopram,
Paroxetin
etc.)
Venlafaxin
Mianserin
Venlafaxin
Mirtazapin
MAOHemmer
(Moclobemid,
Tranylcyprom
in)
Aglomelatin
Imipramin
Noradrenerg
Melatonerg
Agomelatin
Probleme
Metabolisierung
• „ultra-rapid metabolizer"
• „poor metabolizer"
Nebenwirkungen
• SSRI
• Besser vertragen
• zu Beginn der Therapie - Übelkeit und Erbrechen
• Unruhe mit Schlafstörungen
• sexuelle Funktionsstörungen
• Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung
• Tremor, Schwitzen, Unruhe, Kopfschmerzen und Tachykardie
• trizyklische Antidepressiva
• Anticholinerg: Mundtrockenheit, Obstipation, Miktionsprobleme, Akkomodationsstörungen,
Sinustachvkardie, Verwirrtheit, Delir
• Antiadrenerg: Hypotonie; Orthostase,, reflektorische Tachykardien; Schwindel, Müdigkeit
• Antihistaminerg: Müdigkeit; Gewichtszunahme; Verwirrtheit
• PQ- und QT-Zeit-Verlängerung im EKG
• Senkung der Krampfschwelle erhöhte Gefahr von Krampfanfällen
• Kardiomyopathien
• Agranulozv tose
• Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
Phasenprophylaktika
Lithium (z. B.
Hypnorex®)
Bestimmte
atypische
Neuroleptika
(z. B.
Quetiapin,
Olanzapin)
Phasenprophylaktika Antiepileptika:
• Carbamazepin (z.
B. Tegretal®)
• Valproat (z. B.
Ergenyl®)
• Lamotrigin (z. B.
Lamictal®)
Lithium
Indikationen
V. a. manisch-depressive Erkrankungen,
Akutbehandlung der Manie und therapieresistente Depressionen
Prophylaxe schizoaffektiver Psychosen.
„Goldstandard“
Wirkmechanismus
Unklar
Gebunden an Plasmaproteinen, unveränderte Ausscheidung (renal)
Geringe therapeutische Breite
Vorbeugung einer Intoxikation regelmäßig Spiegelkontrollen
Richtlinien der Therapie:
langsames Einschleichen mit steigender Dosierung
Kontrolle des Pl asmaspiegels nach einer Woche
therapeutische Bereich liegt bei 0,5 mmol/l bis 0,8 mmol/1
Akute Manie: Serumspiegel von 1-1,2 mmol/l angestrebt.
Werte über 1,6 mmol/l: Intoxikation (Schwindel, Schläfrigkeit, Erbrechen, Durchfall,
Tremor und Reflexsteigerung, zunehmende Schwere , dann Krampfanfälle,
Bewussteinsverlust bis zum Tod)
Lithium Nebenwirkungen
Psychopharmaka: Neuroleptika
Indikationen
Klassifikation
Schizophrenien (akut
und als
Rezidivprophylaxe)
Klassische Neuroleptika
Chlorpromazin als
erstes Neuroleptikum
„neuroleptische Potenz*
mit 1
Wahnhafte
Depressionen
schwach potente NL
unter der Potenz von 1
vornehmlich zur
Sedierung
Akute Manien
NL mit starker (10-50)
und sehr starker (50400) Potenz
(Psychomotorische
Unruhe,
Erregungszustände und
Schlafstörungen)
Reduktion produktiver
psychotischer
Symptome bei
Schizophrenien/
affektive Episoden
Psychopharmaka: Neuroleptika
• Typische Neuroleptika
niedrigpotent
Hochpotent
Levomepromazin
Neurocil®
Pipamperon
Dipiperon®
Promethazin
Atosil®
Chlorprothixen
Truxal®
Haloperidol
Haldol®
Fluphenazin
Lyogen®
Benperidol
Glianimon
• Atypische Neuroleptika
Olanzapin
Zyprexa®
Quetiapin
Seroquel®
Amisulprid
Solian®
Aripiprazol
Abilify®
Asenapin
Sycrest®
Psychopharmaka: Neuroleptika
Neuroleptika
Niedrigpotent
Hochpotent
Atypika
Levomepromazin
Neurocil®
Haloperidol, Haldol®
Olanzapin, Risperidon
Pipamperon
Dipiperon®
Fluphenazin
Lyogen®
Aripiprazol
Promethazin
Atosil®
Chlorprothixen Truxal®
Benperidol
Glianimon®
Flupethixol
Sertindol, Ziprasidon
Asenapin
Quetiapin
Nebenwirkungen
typ. Neuroleptika
Klassische Neuroleptika
Frühdyskinesien
Akathisie
Medikamentöses ParkinsonSyndrom
Spätdyskinesien
Unfähigkeit, ruhig zu sitzen
Tasikinese
20–30 % der Patienten, in der
Regel nach 1- bis 2-wöchiger
Einnahme
innerhalb von 3 Jahren nach
Beginn der Einnahme bei bis
zu 20 % der Patienten
Zungen-, Schluck- und
Blickkrämpfe, Kiefersperre oder
Grimassieren
Unfähigkeit, ruhig zu sitzen
Bewegungsarmut, Tremor,
Rigor (Erhöhung des
Muskeltonus) und
Gangveränderungen
unwillkürlichen Bewegungen
oder Zuckungen der Kopf-,
Hals- oder Armmuskulatur
choreatische Zuckungen der
Arme oder Halsmuskeln
Reduzieren der NeuroleptikaDosis β-Blocker
(Biperiden)
Absetzen des Medikaments
atypisches NL
Anticholinergika
Schmatzen oder
Herausstrecken der Zunge
oder Schleuderbewegungen
der Arme
20 % der Patienten zu Beginn
der Einnahme
Gabe von Anticholinergika, z.
B. Biperiden (Akineton®), ggf. i.
v
potenziell irreversibel
Tetrabenazine (Nitoman®)
Latrepirdin
Nebenwirkungen
typ. Neuroleptika
Atypische
Neuroleptika
Senkung der
Krampfschwelle
Erhöhung der
Krampfbereitschaft
Sedierung
Gewichtszunahme,
Metab. Syndrom
QT2c Zeit
Verlängerung
Olanzapin
Ziprasidon
Clozapin
Sertindol
Agranulozytose
Clozapin (in ca. 1–
2 % der Fälle)
Anxiolytika (Tranquilizer, Sedativa)
Angst- u. spannungslösend
Benzodiazepine,
β-Blocker
Buspiron (5-HT3Antagonist)
Anxiolytika (Tranquilizer, Sedativa)
Wirkmechanismus
hemmende Transmitterwirkung GABA
die Dichte der Chloridionenkanäle an
den Nervenzellen steigt
Flumazenil
(Anexate®).
Depression
Status
Bei
bestimmten
Anfallstypen
Antidot
Anästhesie,
Orthopädie
Antikonvul-siion
Notfallsituatio
nen (z. B.
additiv bei
akuter psychotischer
Exazerbation
, bei Myokardinfarkt)
Muskelrelaxation
unterstützend
und
kurzfristig zur
Kriseninterve
ntion
Sedierung
Anxiolyse,
Anxiolytika (Tranquilizer, Sedativa)
Vorherrschen
de
ängstlicher
Symptomatik
oder
Suizidgefähr
dung
Anxiolytika (Tranquilizer,
Sedativa)Nebenwirkungen
nur kurz und in kleinen Packungen
gut verträglich
große
therapeutische
Breite
hohes
Abhängigkeitsrisiko
Müdigkeit
Antriebsminderung
eingeschränktes
Reaktionsvermögen
paradoxe Wirkung
Muskelschwäche
Alkoholwirkung
sowie
Atemdepression
Rebound-Effekte /
Delire beim
Absetzen.
Richtlinien Anxiolytika
Strenge
Indikationsstellung
niedrigstmögliche
Dosierung
regelmäßige
Überprüfung der
Indikation
Maximum 3–4
Wochen
Sedierung meiden
Alternativ:
niedrigpotenten NL
oder AD
Hypnotika (Schlafmittel)
Früher
Heute
Früher Barbiturate
Benzodiazepine mit kurzer
Halbwertszeit
Abhängig-keitsrisiko
Reservemedikation
Anästhesie
Suizidversuche
Alternativ
sedierende trizyklische AD
Trimipramin = Stangyl®
sedierende neuere AD (z.
B. Mirtazapin = Remergil®)
Alternativ Zolpidem =
Stilnox® oder Zopiclon =
Ximovan®
niedrig- bis
mittelpotente Neuroleptika
eingesetzt werden (z. B.
Atosil® oder Taxilan®)
Nootropika (Antidementiva)
Verbessern der
Hirnfunktionen
Aufmerksamkeit,
Konzentration,
Gedächtnis
neuroprotektive
Wirkung
Indikationen
Demenzielles
Syndrom
Organisches
Psychosyndrom
heterogenen
Substanzgruppe
Acetylcholinest
erasehemmer
•(Donepezil,
•Rivastigmin,
•Galantamin)
•Erhöhung der
Konzentration von
Acetylcholin
Glutamatmodul
atoren
•Memantin
•Amantadin
spannungsabhän
gige,
nichtkompetitive
Antagonisten an
NMDARezeptoren
Andere
Ginkgo
(„Radikalenfänge
r“)
Vitamin E:
antioxidative
Wirkung
Piracetam
Nicergolin
Psychostimulanzien
Wirkung
Erhöhung der
Konzentration
von
Katecholaminen
verstärkte
Ausschüttung
gehemmte
Wiederaufnahme
Noradrenalin,
Dopamin
und/oder
Serotonin
Zentrale
Wirkungen
Euphorie,
gesteigerte
Leistungsfähigkei
t,
Schlafstörungen,
Appetithemmung,
Kopfschmerze
Periphere
Wirkungen
Vasokonstriktion,
Tachykardie bis
hin zu
Rhythmusstörung
en, Hypertonie
Indikationen
Narkolepsie
Hyperkinetisches
Syndrom
Methylphenidat
(ADHD)
Modafinil(Vigil®)
Nebenwirkungen der
Psychostimulanzien
Kopfschmerzen,
Palpitationen,
Kraftlosigkeit,
Verdauungsstörungen,
Appetitminderung,
Übelkeit
Nervosität.
Zusammenfassung
Tranquilizer
Hypnotika
• Angst- und
Spannungszuständen
• hohes
Abhängigkeitspotenzial
• Schlafstörungen
Nootropika,
Antidementiva
Psychostimulanzien
• Verbessert den
Hirnstoffwechsel
• Narkolepsie
• AufmerksamkeitsdefizitHyperaktivitätsSyndromen (ADHS)
Klassifikationssysteme
In der Psychiatrie
ICD 10 WHO
DSM IV American Psychiatric
Association
ICD-10
Organische einschließlich somatischer psychischer Störungen
Demenzen verschiedener Ätiologie
F0
Delir
Sonstige Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (Suchterkrankungen)
Alkohol
F1
Opioide
Tabak etc.
F2
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
Affektive Störungen
Depression
F3
Manie
Bipolare Störung
ICD-10
Belastungs- und somatoforme Störungen
Angststörungen (Phobien, Panikstörung, generalisierte
Angststörung)
Anpassungsstörungen
F4
Somatoforme Störungen (körperliche Beschwerden ohne
morphologisches Korrelat)
Dissoziative Störungen
Zwangsstörungen
Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit
körperlichen Störungen oder Faktoren
F5
Essstörungen (Anorexie, Bulimie)
Schlafstörungen
Psychische Störungen im Wochenbett
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Alle Formen der Persönlichkeitsstörung
F6
Störungen der Impulskontrolle
Störungen der Geschlechtsidentität und der sexuellen
Präferenz
ICD-10
Intelligenzminderung
F7
Einteilung in verschiedene Grade je nach IQ
Entwicklungsstörungen
F8
Störungen in der Entwicklung von Sprache, des
Sprechens, schulischer sowie motorischer Fertigkeiten
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie z. B. Autismus
Verhaltensstörungen und emotionale Störungen mit Beginn
in Kindheit und Jugend
F9
ADHS-Syndrom (Aufmerksamkeits-Defizit-HyperaktivitätsSyndrom)
Störungen des Sozialverhaltens oder anderen Verhaltens
Ticstörungen
DSM-System
Achse I:
Aktuelles psychopathologisches Syndrom
Achse II:
Persönlichkeitsstörung
Achse III:
Körperliche Erkrankung
Achse IV:
Situative Auslöser
Achse V:
Soziale Adaptation
Epidemiologie psychischer
Erkrankungen
allgemein sehr
häufig
• bis zu 30 % der
Patienten leiden in
einer
allgemeinärztlichen
Praxis (auch) unter
psychischen
Symptomen
• depressive
Erkrankungen
• Angststörungen
• Alkoholismus
• somatoforme
Erkrankungen
Überblick
• Affektive Störungen
• Suchterkrankungen
– Depression
– Bipolare Störungen und
Zyklothymie
• Schizophrene Störungen
–
– Alkoholabhängigkeit
– Medikamenten- und
Drogenabhängigkeit
• Kinder- und Jugendpsychiatrie
Schizophrenie
• Neurotische Störungen
–
–
–
–
Angststörungen
Zwangsstörungen
Somatoforme Störungen
Belastungs- und
Anpassungsstörungen
– Dissoziative Störungen
• Persönlichkeitsstörungen und
Verhaltensauffälligkeiten
– Persönlichkeitsstörungen
– Essstörungen
– Sexualstörungen
– Schlafstörungen
•
– Intelligenzminderung,
– Entwicklungsstörungen und
Verhaltens- und emotionale
Störungen
Gerontopsychiatrie
– Demenz, Delir und affektive
Störungen
• Spezielle Themen
– Psychiatrische Notfälle
– Psychiatrische Krankheitsbilder in
Neurologie und Innerer Medizin
– Forensische Psychiatrie
Depression
• „affektive Störung“: vorrangige Symptom die veränderte
Stimmungslage, körperliche Symptome sind sekundär
veränderte
Stimmungslage
Affekt
Klassifikation
• depressive Syndrome mit eher gedrückter Stimmung
• manische Zustände, bei denen die Stimmung pathologisch
gehoben
• Unipolare Störungen: nur depressive oder manische Phasen;
selten als einmalige Phase -remittieren
• Bipolare Störungen: abwechselnd manische und depressive
Episoden
Epidemiologie
Erkrankung
Altersgipfel (Lj.)
Frauen : Männer
Häufigkeit
Depression
30. und 40.
2:1
3–7 %
Bipolare Störung
20 und 35
1:1
1–2 %
1:1
1%
Manie
Mehr als 10 % der Patienten in einer Allgemeinarztpraxis leiden unter
Depressionen!
genetische
Faktoren
• Vulnerabilität: höhere Erkrankungszahlen
bei Verwandten ersten Grades
Psychosoziale
Faktoren
• Life events
somatische
Faktoren
Regelkreis von
Neurotransmittern.
Monoaminmangel-Hypothese
(NorA/ Ser)
• schwere Krankheit oder
hormonelle Umstellungen
(Wochenbett)
Klinik
Hauptsymptome
• Depressive Stimmung
• Verlust von Interesse
und Freude
• Antriebsverlust mit
erhöhter Ermüdbarkeit
bzw. Energieverlus
Weitere
Längsschnitt
• Verminderte
Konzentration und
Aufmerksamkeit
• Vermindertes
Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen
• Schuldgefühle und
Gefühle der
Wertlosigkeit
• Eine negative oder
pessimistische
Zukunftsperspektive
• Suizidgedanken oder
erfolgte
Suizidhandlungen
• Schlafstörungen (Einund/oder
Durchschlafstörungen)
• Verminderter Appetit
• mindestens 2
Wochen unter zwei
(schwere Episode: drei)
der Hauptsymptome
• zwei (schwere Episode:
mindestens vier)
weiteren Symptomen
• psychotische
Begleitsymptome
können bei schweren
Depressionen auftreten
• somatisches
Syndrom
somatisches Syndrom
Objektivierbare
psychomotorische
Hemmung und
Agitiertheit
Frühmorgendliches
Erwachen
Morgentief
> 5 % des
Körpergewichts im
vergangenen
Monat
Mangelnde
Fähigkeit, auf
positive Aspekte
der Umgebung
emotional zu
reagieren
Interessenverlust/
Verlust der Freude
an normalerweise
angenehmen
Aktivitäten
Sonderformen
Wahnhafte Depression (Depression mit
psychotischen Symptomen)
• Schwer beeinträchtigter Realitätsabgleich
• Wahnideen affektkonform
• Hypochondrisch
• Verarmungswahn
• Schuldwahn
• Versündigungswahn
• Nihilistischer Wahn
• Halluzinationen
• depressiver Stupor. :
Wochenbettdepression
•
•
•
•
10 % der postpartalen Frauen
dramatische hormonelle Umstellungen
neuen Situation mit hohen Anforderungen
Schlafmangel
Diagnostik
Ausschluss organischer Erkrankungen
Infektionen
(Meningitis)
Neoplasmen
(Hirntumor oder metastasen)
endokrinologische
Störungen
(Hypothyreose,
Morbus Addison,
Morbus Cushing etc.)
metabolische
Störungen (Urämie,
Leberinsuffizienz)
Kollagenosen (SLE)
Hirnerkrankungen
wie Morbus
Parkinson, Morbus
Alzheimer und
multiple Sklerose
Medikamenten- und Drogenanamnese
Antihypertensiva
Antibiotika
Benzodiazepine
Alkohol
Opiate
orale
Kontrazeptiva
Antiarrhythmika
Therapie
stationäre Aufnahme
Suizidalität,
Fremdgefährlichkeit
schwere familiäre
Konflikte
Entlastungsvorteil
durch Statiion
vertrauensvolle Arzt-Patient-Verhältnis
Pharmakotherapie
Akutbehandlung
Erhaltungstherapie
Rezidivprophylaxe
Medikation
Akuttherapie
• Antidepressiva
• Nebenwirkungen
• Kosten
• Symptomatik
• verzögerter
Wirkungseintritt (2-3
Wochen)
• Ausreichende Dosis
• Volle Wirkung nach 6
Wochen
Erhaltungstherapie
• Nachlassen der
Symptomatik –
Beibehalten der
Medikation über
mindestens 6 Monate
• langsamen
Ausschleichen, genaue
Beobachtung
• Bei sich andeutenden
Rückfall sofort die Dosis
steigern
Prophylaxe
• zwei oder mehr Phasen in
den letzten 5 Jahren
• eine längerfristige, ggf.
auch lebenslange
Rezidivprophylaxe
• Entweder
Antidepressivum oder
• Phasenprophylaktikum
• Ggf Quetiapin
• Auslöser in der
Familie oder
Partnerschaft
Psychoedukation
• Entlasten
• Erarbeiten von
Bewältigungsstr
ategien und
alternativen
Verhaltensmuste
rn (Trauerarbeit
oder
Paartherapie)
• wöchentliche
Einzelsitzungen
(ges. 10–20)
Paar- und Familientherapie
• Erkennen,
Abbauen von
negativen,
pessimistischen
Denkschemata
• +Verhaltensthe
rapie
•Konfliktbewältig
ung
•Skills
Interpersonelle Psychotherapie
Tiefenpsychologisch orientierte oder
psychoanalytische Therapie
• Patienten mit
hoher
Introspektionsfä
higkeit
Kognitive Therapie
Psychotherapie
• Aufklärung über
Erkrankung,
Behandlungsmö
glichkeiten usw.
Schlafentzug
Lichttherapie
• eine Nacht (zweite
Nachthälfte) vollständig
durchwachen
• 50–80 % der Fälle erleben
eine deutliche Besserung
der Stimmung
• Herbst-Winter-Depression
(SAD = Seasonal Affective
Disorder)
• mehrfach täglich über einige
Zeit (meist1/2–2 h) sehr
hellem Licht
Elektrokrampftherapie
(EKT)
• Versagen der
medikamentösen Therapie
• mit psychotischen
Symptomen,
• Katatonische Zuständen
• hohe Suizidalität
Soziale Unterstützung
• Sozialarbeiter zur Seite
• Lösen der finanziellen,
beruflichen oder privaten
Probleme
• Wohnmöglichkeiten,
• berufliche REHA
• Selbsthilfegruppen
• Usw.
ZUSAMMENFASSUNG
Definition „depressive Episode“
• melancholische, gedrückte Stimmung über mindestens 2 Wochen
• negative oder auch suizidale Gedankeninhalte
• häufig zusätzliche vegetative Symptome wie Kraftlosigkeit,
Antriebsstörung, Schlafstörungen oder Appetitstörungen
Therapie der depressiven Episode
• Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient
• Medikamentöse Akut- und Erhaltungstherapie
• Rezidivprophylaxe (> 2 depressive Phasen in den letzten 5
Jahren)
• Psychotherapie
• Ggf. additive Verfahren wie Licht-, Schlafentzugstherapie und
Psychoedukation
Bipolare Störungen
Definition
• abwechseln von depressiven und manischen (bzw. hypomanen) Episoden
• Oft vollständige Remission
• >4 Phasen/Jahr: „rapid cycling“
Unterscheidung
• Bipolar I = Major-Depression mit Manie
• Bipolar II = Major-Depression mit Hypomanie
Bipolare Störungen
Epidemiologie
Klinik
Manie
viel seltener als
monopolare depressive
Störungen
treten in aller Regel früher
auf
erste Episode mit Anfang
20
Lebenszeitrisiko 1–2 %
(Depression:15-18%)
Männer = Frauen
Symptome der
verschiedenen Phasen –
der depressiven Episode
Manie
Hypomanie
Verhaltens- und
Stimmungsänderungen
gehobene euphorische
auch gereizte Stimmung
Weitere Symptome
• Antriebssteigerung,
• vermindertes
Schlafbedürfnis,
• erhöhte
Entschlussfreudigkeit
• Distanzlosigkeit
• sexuelle Enthemmung,
• Stimmungslabilität,
• leichte Ablenkbarkeit mit
Konzentrationsstörungen
• Ideenflucht
• Größenideen bis –wahn
• Logorrhö
Bipolare Störungen
Therapie
Akuttherapie
Depression
• Stimmunsstabilisatoren
• Antidepressiva
Akuttherapie
•
•
•
•
•
•
Manie
Neuroleptika (z. B. Olanzapin, Risperidon, Quetiapin, Aripiprazol),
Antikonvulsiva (Valproat)
Lithium (verzögerten Wirkungseintritt (ca. 1 Woche) Spiegel von 1–1,2 mmol/l (Prophylaxe 0,6-0,8 mmol/l)
ausreichender Schlaf (Psychohygiene), Schlafdauer von 6–7 h wirkt antipsychotisch und antimanisch
, Neuroleptika und/oder Benzodiazepine
In schweren Phasen (+Suizidalität: EKT)
stationäre
Krankenhausaufnahme
Grund vor allem bei Manien
• Kaufräusche bei eingeschränkter Geschäftsfähigkeit
• Selbst- und Fremdgefährdung
• Incompliance
Bipolare Störungen
Therapie
Bipol.
Prophylaxe: Manie, Depression,
Suizidalität und psychotische Symptome
• Manie: Valproat, Lithium, Olanzapin, Quetiapin, Aripripazol, Carbamazepin
Depression: Lamotrigin, Quetiapin, Lithium, Valproat, Olanzapin
Psychotische Symptome: atypischen Neuroleptika
Suizidalität: Lithium
• Lamotrigin zeigt eine überlegene Wirksamkeit auch bei „rapid cycling“.
Prophylaxe
Lithium
• geringe therapeutische Breite
• häufige Spiegelkontrollen
• Serumkonzentrationen:zwischen 0,5 und 1,2 mmol/l (toxisch: ab Spiegeln von etwa 1,6
mmol/l)
• sinkendes Suizidrisiko unter kontinuierlicher Therapie
• schon nach der ersten Manifestation der Erkrankung
Bipolare Störungen
Therapie
Eindosieren
Voruntersuchungen bei Lithium:
•Blutbild
Kreatinin, Kreatininclearance (wegen interstitieller Nierenfibrose)
Urinstatus (auch Proteinurie, Sediment)
Elektrolyte
T4, freies T4 (wegen Gefahr der Entwicklung einer Struma)
TSH
Nebenwirkungen bei Lithium
•feinschlägiger Fingertremor
EKG-Veränderungen
Übelkeit, Erbrechen
Polydipsie, -urie Gewichtszunahme, Ödeme
Struma
Teratogen (vor allem im ersten Trimenon)
Intoxikation
bei Lithium
•Dehydratation bzw. Kochsalzmangel bei kochsalzarmer Diät oder starkem Schwitzen
•Niere im proximalen Tubulus: analog Natrium „gehandhabt: 80 % werden tubulär rückresorbiert
•grobschlägiger Tremor, Erbrechen, Diarrhö, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Oligurie und Bewusstseinstrübung bis zum
Koma
•Therapie: forcierte Diurese oder Dialyse
Bipolare Störungen
Therapie
Valproat
hemmt den GABA-Abbau
•Häufige Nebenwirkungen: Tremor, Schläfrigkeit, Parästhesien, Blutbildveränderungen, Gewichtsveränderungen, gastrointestinale
Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen etc.).
Lamotrigin:
Nebenwirkungen:
•Hautausschlag, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, gastrointestinale Beschwerden.
Carbamazepin:
Nebenwirkungen
• Blockierung spannungsabhängiger Na+-Kanäle und kalziumantagonistischen Effekten im ZNS.
• Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit, Ataxie
• Herz: Arrhythmie, Bradykardie (Cave AV-Block)
• Leber: Cholestase (cave: schwere Leberfunktionsstörungen.)
• Blutbild: Agranulozytose
Psycho- und sozialtherapeutische
Möglichkeiten
Indikation
•Intervallphasen ambulant wie stationär
•Psychoedukation: Aufklärung über die Erkrankung, Strategien zum rechtzeitigen Erkennen von Prodromalsymptomen,
•Förderung der Selbstverantwortung,
•Maßnahmen zur Stressbewältigung und zur Psychohygiene (reizarme Umgebung, Zeitmanagement, Ordnungstherapie usw.)
•Bearbeiten der Schuld- und Schamgefühle
sozialtherapeutische Unterstützung
Indikation
• Möglichkeiten der Wiedereingliederung in den beruflichen und familiären Alltag.
Zyklothymie
Stimmungslabilität,
• die wie bei der bipolaren Störung von Misslaune in
gehobene, expansive Stimmung umschlagen kann,
Schwere
• die aber gemessen an Schwere, Dauer und
Intensität weder die Kriterien der Major Depression
noch die der Manie erfüllt.
Erstmanifestation
• oft im frühen Erwachsenenalter.
ZUSAMMENFASSUNG
Erkrankungen
manische Episode
• manische und depressive Phasen
abwechseln
• inadäquat gehobene Stimmung,
Hyperaktivität sowie Logorrhö, und
zwar für länger als 1 Woche
• schnelle Intervention
Medikamentöse Akuttherapie
• Phasenprophylaxe der bipolaren
Störung erfolgen nach Symptomen
und umfassen Antidepressiva,
atypische Neuroleptika, Lithium und
Antikonvulsiva.
• Psycho- und Soziotherapie
Schizophrenie
Definition
• tief greifende psychische Erkrankung
• Betroffen sind Handeln, Denken und Fühlen des
Betroffenen
• Subjektives Erleben und Objektive Tatbestände sind im
Missklang
• Fehlende Krankheitseinsicht
Epidemiologie
•
•
•
•
Lebenszeitprävalenz: 1–2 %
Inzidenz: 1:1.000 weltweit
Männer = Frauen
Erstmanifestation bei Männern zwischen 15 und 25, bei
Frauen zwischen 25 und 35 Jahren
Schizophrenie
Ätiologie
• Multifaktorielle Disposition (Vulnerabilität)
• hereditäre Faktoren (Zwillings- und Familienuntersuchungen )
• Zerebrale Schädigungen, neurobiologische Faktoren
• Umwelteinflüsse
Psychosoziale Auslöser
•
•
•
•
negatives Familienumfeld mit „high expressed emotions“,
Wohnungs- oder Arbeitsplatzwechsel
Partnerschaften (Neubeginn, Ende)
Ablösung vom Elternhaus
Transmittersysteme
• Dopaminausschüttung im mesolimbischen System (Überaktivität )
• Glutamat (Glutamatmangel)
• Veränderungen des serotonergen Systems
Hirnmorphologische Befunde
• morphologische Veränderungen in CCTs und MRTs:Erweiterung der Seitenventrikel und oft auch des
III. Ventrikels, Volumenminderung im Hippocampus und in der Amygdala, mit insgesamt linksseitiger
Betonung/ Hypofrontalität
Genetik der Schizophrenie
Klinik der Schizophrenie
Negativsymptomatik Positivsymptomatik
Passivität
Gefühlsverarmung
Halluzinationen
Wahn
Affektverflachung
(Gleichgültigkeit,
Interesselosigkeit,
Gefühlsleere)
Anhedonie (sozialer
Rückzug, Unfähigkeit,
Freude zu empfinden)
Formale
Denkstörungen (s.
u.)
Bizarre
Verhaltensweisen
Aufmerksamkeitsstörungen
Alogie (Sprachverarmung)
Zwänge
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Affekt
Ich-Störung
Affekt gedrückt
Affekt gehoben
Ich-Störungen
Gedankenausbreitung
• (Patient ratlos, hilflos)
• (läppische Gestimmtheit; lauter,
enthemmter, rücksichtsloser
Patient)
•Verschwimmen der
Grenzen zwischen Ich und
Umwelt
•„von außen gemacht“ oder
gelenkt
•erlebt seine Gedanken als
aufgezwungen, fremde
Gedanken werden
eingegeben
Inadäquater Affekt
Ambivalenz/Ambitendenz
Gedankenentzug
Willensbeeinflussung
• (Parathymie)
• Affektlabilität
• (das Nebeneinander von
gegensätzlichen Gefühlsregungen
bzw. Trieben)
•Andere nehmen dem
Patienten die Gedanken
weg
•Wille und Handlungen
werden von außen
beeinflusst und gemacht
Angst, evtl. verbunden mit
sozialem Rückzug
Aggressionen oder Eigen/Fremdgefährdung
Derealisation und
Depersonalisation
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Wahn:
Halluzinationen
• mehr als 90 % der schizophrenen Patienten
• akustische Halluzinationen
• z. B. in Form dialogischer,
imperativer oder
kommentierender Stimmen
Wahnstimmung Vorstufe des
Wahns
• „irgendetwas ist im Gange“
Wahnwahrnehmung
optisch, olfaktorisch,
gustatorisch
• Umdeutung von Tatsächlich Erlebten oder Gesehenen
Wahneinfall
• Objektiv falsche, aus krankhafter Ursache entstehende
absolute Überzeugung
Wahnthemen
• Verfolgungswahn,
• Größenwahn („Ich bin der Papst“),
• Vergiftungs- und Beeinträchtigungswahn,
• Beziehungswahn
Leibeshalluzinationen
• von außen mit Strahlen,
Apparaten und anderen
Methoden elektrisch oder
magnetisch beeinflusst (u.a.
sexuell)
• Zönästhesien: groteske
Vorstellungen
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Formale Denkstörungen
(Denkabläufe)
Störungen der
Psychomotorik
Denkzerfahrenheit
Katatonie
• Zerrissener und nicht mehr
synthetisierbarer
Gedankenfluss
Begriffszerfall (Syntax)
• Begriffe verlieren ihre Idiolexis
(Verschiebungen,
Verdichtungen)
• Paralogie
• Vorbeireden
• katatoner Stupor mit
vorherrschender Minussymptomatik
• katatoner Erregungszustand
• Mutismus (i.e. akinetischer…)
• Katalepsie: (wächserne Biegsamkeit
= Flexibilitas cerea)
• Hyperaktivität Schreien, Schimpfen,
Selbst-/Fremdaggression, in
manchen Fällen stereotypes
Wiederholen zweckloser
Bewegungsabläufe oder von
Gesagtem (Bewegungs- und
Sprachstereotypien)
• Befehlsautomatie, Echopraxie,
Echolalie
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Störungen des Antriebs und des
Sozialverhaltens
• Antrieb vermehrt (akute Schizophrenie)
• vermindert (Residualsymptomatik)
Subtypisierung der Schizophrenie nach ICD 10
• Paranoide Schizophrenie: Form)Geprägt von Wahninhalten
(Verfolgungs-, Größenwahn) Halluzinationen (v. a. akustisch) und
Ich-Störungen Erwachsene, relativ gute Prognose F20.1
• Hebephrene Schizophrenie: Alberne, läppische Stimmung, Affektund Antriebsstörungen, Apathie, Kontaktstörungen, z. B.
Distanzlosigkeit, gelegentlich Aggressivität, enthemmtes
Sozialverhalten, Jugendliche, schlechte Prognose: F20.6
• Schizophrenia simplex: Affektänderungen im Vordergrund;
schlechte Prognose F20.2
• Katatone Schizophrenie gute Prognose F20.4
• Postschizophrene Depression:
Psychopathologischer Befund
Schizophrenie
Schizophrenie F20
Symptomatik
Prädispositionsalter und Prognose
Geprägt von Wahninhalten
F20.0
(Verfolgungs-, Größenwahn)
Paranoide Schizophrenie (häufigste
Erwachsene, relativ gute Prognose
Halluzinationen (v. a. akustisch) und
Form)
Ich-Störungen
F20.1
Hebephrene Schizophrenie
F20.6
Schizophrenia simplex
Alberne, läppische Stimmung,
Affekt- und Antriebsstörungen,
Apathie, Kontaktstörungen, z. B.
Jugendliche, schlechte Prognose
Distanzlosigkeit, gelegentlich
Aggressivität, enthemmtes
Sozialverhalten
Es stehen v. a. Affektänderungen im
Vordergrund, fast immer ist es eine
Negativsymptomatik, Nachlassen
Progredienter Verlauf, schlechte
beruflicher Leistungen, Verlust
Prognose
mitmenschlicher Beziehungen.
Psychotische Symptome werden
nicht beobachtet
F20.2
Katatone Schizophrenie (selten)
F20.4
Postschizophrene Depression
Eher gute Prognose
Negativsymptomatik, die sich oft an
eine psychotische Phase anschließt
und länger als 2 Wochen anhält
Diagnosestellung
Schizophrenie
Symptome ersten Ranges
Symptome zweiten Ranges
Akustische Halluzinationen (dialogische [in Form
von Rede und Gegenrede], kommentierende [die
unablässig das Handeln und das Verhalten des
Alle anderen Halluzinationen
Patienten kommentieren] oder imperative
Stimmen [die Befehle erteilen])
Wahnwahrnehmung
Wahneinfall
Gedankenlautwerden: Der Patient hört seine
eigenen Gedanken
Depressive Verstimmung, Ratlosigkeit
Leibliche Beeinflussungserlebnisse (das Gefühl
des Von-außen-Gemachten z. B. Bestrahlung
oder Elektrisierung)
Zönästhesie (z. B. das Gefühl, als sei das Bein
aus Stein)
Gedankeneingebung (s. Ich-Störungen)
Gedankenausbreitung (s. Ich-Störungen)
Gedankenentzug (s. Ich-Störungen)
Diagnosestellung
Schizophrenie
ICD-10
• ein Symptom 1. Ranges > 4 Wochen
• zwei weitere der folgenden vorliegen:
• Schneider-Symptome 2. Ranges
• formale Denkstörungen oder
• Katatonie oder
• Negativsymptomatik (nach Ausschluss einer Depression)
kürzerer Manifestationsdauer
• akute schizophreniforme Störung.
Differenzialdiagnosen
• Substanzmissbrauch: Kokain, Amphetamin, Halluzinogene, Alkohol
• Organische Erkrankungen: Hirntumor, ZNS-Infektion, Epilepsie,
Autoimmunerkrankungen
• Andere psychische Erkrankungen: wahnhafte Störung, Depression,
Persönlichkeits störungen, Mischbilder wie schizoaffektive Störungen
• Borderline-Persönlichkeitsstörung
Differentialdiagnose
Schizophrenie
Schizophrenie- Verlauf
Prodromalphase
ein bis fünf
Jahre
Zunehmende Negativsymptomatik mit sozialem Rückzug, schwindendes Engagement
in allen Lebensbereichen, Konzentrationsstörungen, emotionale Distanzierung,
Stimmungslabilität bis hin zur unzureichenden Körperhygiene und Apathie
Verlauf nach Ausbruch
ein akuter Beginn und
eine anschließende
Vollremission sind
prognostisch günstig
Teilremissionen mit
Residualsymptomatik
(Typisches
Residualsyndrom)
Atypisches
Residualsyndrom
Residualsymptomatik >
3 Jahre, ungünstige
Prognose
Schizophrenie- Verlauf
Schizophrenie- Verlauf
Rückfälle
• Frühwarnzeichen
• durch vorhergehende Phasen bekannt
• Ruhelosigkeit
• Schlafstörungen
• Nervosität, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
• Überforderungsgefühl
• Verlust der Freudfähigkeit, sozialer Rückzug
Langzeitprognose (Drittelregel)
• 1/3 der Patienten erlebt eine vollständig Remission und keine oder nur
wenige Rezidive
• 1/3 verläuft die Krankheit in Phasen unterschiedlich stark ausgeprägter
Symptomremission
• 1/3 finden sich schizophrene Residuen mit ausgeprägter
Negativsymptomatik oder chronische Schizophrenien
• 50% bleibt erwerbsfähig
Schizophrenie- Verlauf
Komplikationen
• Suizid
• häufigste und ernsthafteste
Komplikation
• Gefahr der imperativen Stimmen, die
selbstschädigendes Verhalten befehlen
Schizophrenie- Therapie
Neuroleptika
• Mittel erster Wahl
• klassische (hoch- und
niedrigpotente) und atypische
Substanzen
Hauptwirkmechanismus
• Blockade von
• Dopamin-, v. a. D2-Rezeptoren
• m-Cholinozeptoren,
• α-Adrenozeptoren,
• Serotoninrezeptoren
• Histaminrezeptoren
Diagnostik
In der Psychiatrie
Diagnostik
Diagnoseebene
• Symptome, Syndrome, Dauer und zusätzliche Merkmale
Syndromebene
• Symptome, die überzufällig häufig gemeinsam auftreten, zu
übergeordneten Syndromen
Symptomebene
• psychopathologische Befunde
Verlauf
Erstmanifestation:
•Die Erstmanifestation bedeutet das erstmalige Auftreten der Krankheit.
Prodromi:
•Bei einem schleichenden Krankheitsbeginn lassen sich häufig sog. Vorläufer- oder Prodromalsymptome
definieren, die mehr oder weniger typisch für die bevorstehende Krankheit sind.
Exazerbation:
•bezeichnet den Ausbruch einer Krankheit.
Residualsymptomatik:
•Darunter versteht man die nicht vollständige Rückbildung mancher für die Krankheit typischen Symptome.
•Bestimmte Krankheiten verlaufen in Phasen oder Schüben, zwischen denen entweder eine völlige Gesundung
eintritt oder aber eine Residualsymptomatik bestehen bleiben kann.
Remission (Voll-/Partial-):
•Der Begriff bedeutet so viel wie Heilung oder Genesung.
•vollständige Heilung und nur teilweisen Genesung.
Rückfall/Rezidiv:
•bei einem Patienten die krankheitsspezifischen Symptome (während einer Remissionsphase) treten wieder auf.
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
Strukturierte Interviews
• dient der Informationssammlung.
• systematisch gegliedert
• vorformulierte Fragen, deren Bewertung aber oft dem
Untersucher überlassen bleibt.
Standardisierte Interviews
• Festlegung
• alle Elemente einer Informationserhebung
• Auswertung
• meist per Computer,
• ebenso die Diagnosestellung (z. B. SKID Strukturiertes
klinisches Interview für DSM-IV-Störungen)
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
Testpsychologie
• Objektivität: Die Ergebnisse eines Tests sollen vom Untersucher unabhängig sein.
• Reliabilität: Sie ist ein Maß für die Wiederholbarkeit eines Tests, d. h. die Zuverlässigkeit, mit der ein
bestimmtes Merkmal erfasst wird.
• Validität: Diese gibt den Grad der Genauigkeit an, d. h. die Gültigkeit eines Testverfahrens.
• Testpsychologische Verfahren wendet man z. B. im Bereich der Leistungs- und
Persönlichkeitsdiagnostik an.
Leistungsdiagnostik
•
•
•
•
Intelligenztests (z. B. Hamburger-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene = HAWIE)
Konzentration und Aufmerksamkeitsleistungen (z. B. Test d2)
Gedächtnisleistungen
Spezielle Tests für den gerontopsychiatrischen Bereich, wie z. B. der Mini-Mental-State (MMS) oder
andere Testverfahren zur Demenzdiagnostik
Persönlichkeitsdiagnostik
• Verfahren zur Feststellung der aktuell vorliegenden Persönlichkeitsstruktur (z. B. das FPI [FreiburgerPersönlichkeits-Inventar], den MMPI [Multiphasic-Minnesota-Personality-Inventory] und das EysenckPersönlichkeitsinventar)
• Verfahren, die prämorbide Charaktereigenschaften erfassen, (FPI z. B. werden mehrere Fragen zur
Selbstbeschreibung gestellt, auf die mit stimmt/stimmt nicht geantwortet wird. Aus den Antworten wird
ein Persönlichkeitsprofil erstellt, das verschiedene Dimensionen umfasst. Unter anderem geht es um
Lebenszufriedenheit, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Offenheit, Aggressivität usw.)
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
EEG (Elektroenzephalografie)
•
•
•
•
Ableiten Potenzialschwankungen des Gehirns von der Kopfhaut
Hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren
Diagnostik von Epilepsien
Differenzierung von psychischen Veränderungen nach Drogen- oder
Medikamentenmissbrauch
• Überwachung von Psychopharmaka-Therapien
CT (Computertomografie)
• verschiedene Körpergewebe absorbieren Röntgenstrahlen
unterschiedlich stark
• je nach Dichte des Gewebes entsteht ein aussagekräftiges Bild
• Einsatz von Kontrastmittel erbringt oft bessere Aussagewerte
• Ausschluss organischer Ursachen bei psychischen Symptomen
• atrophische Prozesse (Ventrikelerweiterung ,Verminderung der
Hirnsubstanz )
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
MRT (Magnetresonanztomografie)
• fehlenden Strahlenbelastung
• bessere und genauere Auflösung
• Magnetfeld nach dem sich vor allem Wassermoleküle wie Kompassnadeln
ausrichten
SPECT (Single-PhotonEmissionscomputertomografie)
• Es werden radioaktiv markierte Substanzen gespritzt
• Veränderungen des regionalen Blutstroms
• bei ischämischen Hirnprozessen
PET (Positronenemissionstomografie)
• regionale Messung und Darstellung von
intrazerebralen Stoffwechselvorgängen
• Durchblutung, Stoffwechselprozesse und Medikamentenwechselwirkungen
• Demenzdiagnostik (auch DD wie Pseudodemenz im Rahmen einer
depressiven Episode)
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
Desoxy-Glukose-PET – verringerter Stoffwechsel im temporoparietalen
Hirnbereich bei beginnender Alzheimer-Demenz. Rechts:
Symptomprogression nach 2 Jahren
Untersuchungsinstrumente zur
psychiatrischen Diagnostik
Labordiagnostik
• Hypo- oder Hyperthyreose
• Pharmakaspiegel zur Therapieüberwachung
• Lithium
• Drogenscreening im Blut oder Urin
• Alkohol, Amphetamine, Barbiturate,
Benzodiazepine, Cannabis,
Halluzinogene, Opiate, LSD, Kokain
• Liquordiagnostik zum Ausschluss
entzündlicher Gehirnerkrankungen
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