Trouvaillen aus Barock und Romantik

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Samstag, 25. Juni 2016
20.00 Uhr, Stadtkirche
Konzerteinführung 19.15 Uhr
Programm
Johann Ludwig Bach (1677-1731)
Suite für Streicher G-Dur
Ouverture – Air – Menuet – Gavotte – Air – Bourrée
Johann Adolph Hasse (1699-1783)
Mundi amores relinquendo. Motette für Alt und Streicher
Mundi amores relinquendo – Decepti o vos mortales –
Si non amas contemplando – Alleluja
Leoš Janáček (1854-1928)
Suite für Streichorchester
Moderato – Adagio – Andante con moto – Presto –
Adagio – Andante
Ferdinand Thieriot (1838-1919)
Konzert für Orgel und Streichorchester F-Dur
Allegro non tanto – Andante, un poco lento – Allegro
bendmusiken
Trouvaillen aus Barock
und Romantik
Victor de Souza Soares, Countertenor
Nadia Bacchetta, Orgel
Orchesterverein Aarau
David Schwarb, Leitung
Eintritt frei – Kollekte
Eintritt frei – Kollekte
reformierte
kirchgemeinde aarau
www.ref-aarau.ch
Trouvaillen …
Victor de Souza Soares, Countertenor
Kennen Sie die Tönnerenegg? Sie liegt unscheinbar eingebettet in den St. Galler Voralpen,
eine grasbewachsene Erhebung, 995 Meter über Meer. Hierher verirrt sich keine Reisegruppe
aus Japan auf ihrem Weg von Luzern nach Zermatt. Auch wer die Schweiz besser kennt, schon
an drei Dutzend beliebten und spektakulär schönen Orten war, wird hier kaum je vorbeikommen. Aber welch eine Aussicht! Vom Säntis bis zu den Berner Alpen reiht sich Gipfel an Gipfel,
talwärts schweift der Blick über den Zürichsee. Und man ist allein hier.
Victor de Souza Soares begann seine musikalische Ausbildung im Alter von neun Jahren in
São Francisco, Brasilien, in Klavier und Gesang. Als Mitglied des Vokalensembles Grupo Angels
wurde er an den Cäcilia Chortagen 2001 in Lindenholzhausen (Deutschland) mit dem Silberdiplom ausgezeichnet. Im Jahr 2007 gewann er in Brasilien den Wettbewerb Jovem Músico
BDMG für junge Nachwuchstalente in klassischer Musik.
Ähnlich geht es im klassischen Konzertbetrieb zu und her: Ein paar wenige Werke gehören auch für Vorbeireisende zum Pflichtprogramm und etwa drei Dutzend Komponisten sind
im Konzertleben heute noch regelmässig präsent. Daneben warten zahllose musikalische
Orte vom Rang einer Tönnerenegg auf neugierige Ohren. Sie gehören nicht zum StandardRepertoire, diesem gleichsam amtlich beglaubigten Destillat an musikalischer Originalität.
Aber sie sind einen Abstecher unbedingt wert, ein Verweilen lohnt sich. An solche Orte lädt
Sie dieses Konzert ein.
… aus Barock …
Im ersten Teil begegnen sich zwei Barockmeister. Der erste, Johann Ludwig Bach, würde wohl
noch immer auf seine Wiederentdeckung warten, wenn er nicht ein Namensvetter und ein
Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach gewesen wäre. Der hat seine Werke geschätzt und oft aufgeführt – Grund genug, die Kompositionen dieses langjährigen Meininger
Hofkapellmeisters genauer anzuschauen. Zum Beispiel die raffiniert komponierte G-Dur-Suite
von 1715. Sie ist sein einziges erhaltenes Orchesterwerk – wieviel originelle Musik muss da
verloren gegangen sein!
Von Johann Adolph Hasse ist viel mehr Musik überliefert. Hasse hat in der goldenen Ära der
Stadt Dresden die dortige Opernszene beherrscht und sich mit seinen 40 Opern europaweiten
Ruhm erworben. Nach seinem Tod ist seine Musik fast völlig vergessen gegangen, seit etwa
30 Jahren erlebt sie aber eine Renaissance. Trotzdem gibt es noch immer viele Werke des
«Divino Sassone» zu entdecken. Seine ausdrucksvolle Motette «Mundi amores relinquendo»
etwa existierte bisher nur als Manuskript – sie erlebt in diesem Konzert ihre Schweizer Erstaufführung.
… und Romantik
Der zweite Programmteil ist eine Antwort auf den ersten aus einer anderen Zeit. Auch er
beginnt mit einer sechssätzigen Streichersuite – bloss ist diese hier von romantischen Emotionswogen durchflutet. Leoš Janáček, der spätere Erneuerer der tschechischen Musik, hat
sie mit 23 Jahren geschrieben – als eine Art Visitenkarte: Die Suite war sein erstes für die
Öffentlichkeit bestimmtes Instrumentalstück. Janáček liess sich dafür unüberhörbar von der
Streicherserenade des Jugendidols Antonín Dvořak inspirieren, fand aber doch zu einer eigenständigen formalen Konzeption.
Zum Schluss des Programms erlebt gleich noch ein zweites Werk seine Schweizer Erstaufführung: Das Orgelkonzert F-Dur des gebürtigen Hamburgers und Brahms-Zeitgenossen Ferdinand Thieriot (Brahms selbst empfahl ihn 1870 auf die Stelle des Grazer Musikdirektors). Auch
Thieriots Werke erhalten seit einiger Zeit wieder etwas mehr Beachtung. So ist vor 15 Jahren
auch dieses undatierte Orgelkonzert erstmals editiert worden: Ein architektonisch eher einfach
gehaltenes Stück, welches neobarocke Elemente mit dem Spannungsreichtum der romantischen Harmonik verbindet.
David Schwarb
2008 ermöglichte ein Stipendium der Ruth und Hans-Joachim Rapp Stiftung und des MarieLouise Fonds de Souza Soares ein Gesangsstudium bei Prof. Ulrich Messthaler und Prof. Rosa
Domínguez an der Schola Cantorum Basiliensis. Seinen Schwerpunkt im Fach Gesangsdidaktik
schloss er 2013 mit Auszeichnung ab. Seitdem ist er als Privat- und Vertretungsdozent in mehreren Musikschulen und Gesangsvereinen der Nordwestschweiz aktiv.
Victor de Souza Soares kennt sich auch in der Welt des Jazz, Pop, Rock, der elektronischen
Musik und in aussereuropäischen Musiktraditionen aus. Neben seinen eigenen Fusion- und
Ensembleprojekten hat er bereits bei Exponenten der Musikkultur – darunter The Rolling
Stones (UK), The Alan Parsons Project (USA) und Grupo Uakti (BRA) – mitgewirkt.
Mehrmals war er bei CD-Aufnahmen für den Carus- und den Cantus Verlag beteiligt. Seine
Gesangstätigkeit unter namhaften Dirigenten führten de Souza Soares schon auf die Bühnen
der grossen Musikstätten Europas.
Nadia Bacchetta, Orgel
Nadia Bacchetta wirkt seit 2011 als Hauptorganistin an der Stadtkirche Aarau. Unterstützt
durch die beiden Orgeln, engagiert sie sich innerhalb eines weiten musikalischen Terrains, das
die Pflege Alter Musik ebenso wie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Klangwelten
oder Jazz abdeckt.
Nadia Bacchetta absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule der Künste Bern bei Heinz
Balli (Lehrdiplom mit Auszeichnung) und Daniel Glaus (Konzertdiplom mit Vertiefungsrichtung Zeitgenössische Musik). Ferner bereitete sie sich im Rahmen eines Erasmus-Auslandaufenthaltes bei Hans-Ola Ericsson in Piteå (Schweden) auf den Specialized Master in Music
Performance vor.
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