Global Macro Economic Outlook Macro & Political| by ECR Research BV | www.ecrresearch.com Global Macro Economic Outlook Bietet einen klaren Einblick wie globale Ökonomien zusammenhängen und einander beeinflussen. Wir erläutern wie die Geldpolitik der großen Zentralbanken die verschiedenen Finanzmärkte beeinflusst und treffen konkrete mittelfristige Vorhersagen. FRAGEN ODER ANMERKUNGEN? Edward Markus Maarten Spek +31 (0)30 232 8000 [email protected] Politik zwingt Zentralbanken zu Inflationspolitik Donnerstag, 31. März 2016 | Zusammenfassung > Fed-Chefin Janet Yellen teilte in ihrer letzten Rede mit, Amerika, aber auch der Rest der Welt laufe Gefahr, in nicht allzu langer Zeit in eine Rezession abzugleiten. Um sich aus deren Klauen zu befreien, müssten die Realzinsen ca. minus 4 % betragen. > Bei einer Inflationsrate nahe null ist das allerdings praktisch unerreichbar. Werden also nicht zügig drastische Strukturreformen durchgeführt, wonach es nicht aussieht, muss die Inflation hochgetrieben werden. > In den Vereinigten Staaten können die Zinsen darum vorläufig nur sehr langsam weiter angehoben werden (wir denken an weitere Zinsschritte im Juni und Dezember). In Europa ist dazu wahrscheinlich irgendwann auch fiskalische Stimulierung notwendig, die monetär finanziert wird. > All das hat auch eine wichtige politische Komponente. Der Mangel UNABHÄNGIG Mit über 35 Jahren Erfahrung ist ECR Research zu einem der führenden Anbieter von unabhängigem Research zu Makroökonomie, politischen Entwicklungen und Asset Allokation in Europa geworden. an Strukturreformen sowie die technologischen Entwicklungen treiben den Keil immer tiefer in die Gesellschaft im Westen. Das erschwert zunehmend die Bildung tatkräftiger Regierungen. Inflation bietet dann den leichten Ausweg. > Die Renditen für amerikanische und deutsche zehnjährige Staatsanleihen (ca. 1,8 % bzw. 0,15 %) dürften zuerst leicht steigen auf ca. 2 % bzw. 0,25 %, bevor sie erneut auf Talfahrt gehen. Danach erwarten wir für beide Renditen einen lang andauernden Uptrend. the clever research solution for time-pressed decision makers Global Macro Economic Outlook > Euro/Dollar wird auf kurze Sicht vielleicht weiter klettern auf 1,15 - 1,18, insgesamt aber erwarten wir in den kommenden Quartalen einen Rückgang auf 1,00 oder tiefer. Euro/Yuan kann dabei zuerst noch etwas zulegen, insgesamt aber rechnen wir mit einem Kursrückgang auf ca. 6,75. > Der S&P-500-Index ist u.E. nahe an den Scheitel herangerückt und dürfte in Kürze wieder in einen Downtrend gelangen. Der Rückgang kann dabei zunächst begrenzt bleiben, dürfte aber allmählich zunehmen. Vorläufig ist das Target ca. 1800 Zähler. > In den meisten anderen Ländern dürften Aktien vorläufig nicht viel besser abschneiden. Portfolios sollten indes in den kommenden Monaten mehr und mehr auf Inflation Hedges umgeschichtet werden. Für den Goldpreis erwarten wir zuerst noch einen Rückgang auf ca. 1150 $, per Saldo aber in den kommenden Quartalen einen Anstieg auf ca. 1400 $. Yellen schiebt Geldpolitik mehr Richtung Inflation Vorige Woche traten in den USA immer mehr Chefs regionaler Zentralbanken mit der Botschaft nach außen, die Fed solle ihre Zinserhöhung nicht mehr lange aufschieben. Im Federal Reserve Board haben jedoch drei Personen das Sagen: Fed-Chefin Janet Yellen und die beiden Vizepräsidenten Dudley (früher Goldman Sachs) und Fisher (früherer IWF-Hauptökonom). Dudleys Meinung dazu werden wir später in dieser Woche hören, Yellen aber äußerte sich am Dienstag eindeutig: Die Fed müsse mit weiteren Zinserhöhungen sehr vorsichtig sein, denn höhere US-Zinsen treiben den Dollarkurs aufwärts, und das bedeutet für die Schwellenländer große Nachteile (sie haben sich vielfach hoch in Dollars verschuldet, die bei einem Dollarkursanstieg in der jeweiligen Landeswährung schwerer wiegen). Daneben ist ein Rohstoffpreisverfall die Folge, besonders ein Ölpreissturz, was Erdöl produzierende Länder und Ölfirmen in die Enge treibt. Zahlreiche Ölstaaten müssen dann Reserven beanspruchen, und das führt zu Verkäufen von Anleihen und Aktien im Westen. Daneben haben viele Firmen der Ölbranche vielfach hohe Kredite aufgenommen, d.h. bei fallenden Rohstoffpreisen kann es zu großen Bankrotten kommen. Das beschränkt wiederum Kreditvergaben und Wirtschaftswachstum. Yellen führte aber noch zwei Punkte an. Erstens ist sie nicht sicher, dass der Anstieg der Kerninflation anhalten wird, den wir in letzter Zeit in den USA beobachten konnten. Das ist in der Tat ein verständliches Argument. Einige Volkswirte verweisen nämlich darauf, dass der jüngste Inflationsanstieg auf mehreren einmaligen Ereignissen und höheren Preise für Bekleidung basiere. Letzteres ist allerdings rätselhaft, denn Bekleidungshersteller haben ihre Preise nach ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 2 Global Macro Economic Outlook eigenen Worten sogar gesenkt. Andererseits gibt es Ökonomen, denen zufolge die Inflation in den Dienstleistungssektoren kräftig steigt, die Gesamtinflation aber wegen der fallenden Güterpreise sehr niedrig bleibt. Letzteres ist allerdings hauptsächlich dem Dollarkursanstieg und dem Rückgang der Energiepreise zuzuschreiben. Beide Faktoren werden jedoch bald verpuffen, denn gegenüber dem Vorjahr wird die Veränderung immer geringer. Kurzum, die Inflation kann zwei Richtungen einschlagen, also ist es logisch, sich noch eine Weile zu gedulden und abzuwarten. Damit kommen wir zum zweiten und wahrscheinlich wichtigsten Punkt von Janet Yellen. Laut der Federal Reserve liegt das neutrale Niveau der Realzinsen auf etwa null Prozent. Gemeint ist: Läuft die Wirtschaft bei voller Kapazitätsauslastung, werden die Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) das Wachstum weder bremsen noch ankurbeln. Ausgehend von der Annahme, dass die Teuerung tatsächlich bei null liegt, müssen die Realzinsen also negativ werden, wenn die US-Wirtschaft wieder angeschoben werden soll. ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 3 Global Macro Economic Outlook Ein wichtiger Punkt, denn im historischen Vergleich ist die US-Wirtschaft schon lange wieder reif für eine Rezession. Die Zeit seit der Kreditkrise ist für eine rezessionsfreie Phase ungewöhnlich lang. Normalerweise werden die Realzinsen ca. 4 Prozentpunkte gesenkt, um die Wirtschaft aus der Rezession zu befreien. Das hieße bei der aktuellen Inflation und ausgehend von der Annahme, dass sie in einer Rezession sinkt, dass die Nominalzinsen auf minus 4 % gesenkt werden müssten. In der Praxis ist das aber wohl unmöglich. Glücklicherweise verfügt die Fed noch über andere Instrumente, z.B. quantitative Lockerung und Forward Guidance, doch die haben sich in der Vergangenheit als nicht besonders effektiv erwiesen. Das Problem verschwindet also nur, wenn wieder ein wenig Inflation auftritt, mindestens 2 %, aber bevorzugt noch mehr, denn dann könnten die Nominalzinsen auf null oder etwas darunter gesenkt werden. Das wäre zumindest machbar. Yellen wollte damit also sagen, dass die USA im Hinblick auf die Inflation keinerlei Risiko eingehen können: die Inflation darf nicht sinken, sondern muss steigen. Die Fed darf die Zinsen deshalb auch nicht zu früh erhöhen. Wir wollen das gleich in einen breiteren Rahmen einordnen. Die Weltwirtschaft ächzt unter dem Joch der enormen Schuldenlast, die das Wirtschaftswachstum immer tiefer drückt, wodurch dem Angebot eine zu geringe Nachfrage gegenübersteht. Das bedeutet wiederum eine Tendenz zu einer Deflation. Die Kombination aus einer Deflation und einem massiven Schuldenberg ist für eine Volkswirtschaft jedoch verheerend. Bei einer Deflation sinken nämlich die Nominaleinkommen, aber Zinsen und Tilgung bleiben vielfach mehr oder weniger gleich. Demnach bleibt weniger Geld für Ausgaben übrig, die Deflationskräfte nehmen zu, etc. Eine Deflation ist also unbedingt zu vermeiden. Das aber geht nur, wenn man die Nachfrage steigert, doch dafür wären noch mehr Kredite notwendig (zumindest solange Strukturreformen ausbleiben, aber darauf kommen wir später noch zurück). Ist die Verschuldung aber bereits sehr groß, wird ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 4 Global Macro Economic Outlook man immer mehr Kredite aufnehmen, wenn die Zinsen dafür sehr attraktiv sind, das impliziert also sehr negative Realzinsen. Damit kommen wir zur aktuellen Idiotie. In der Praxis bedeutet das nämlich, dass viele Länder Negativzinsen brauchen. Unter den jetzigen Umständen ist das die einzige Art, die Realzinsen tief genug zu drücken, damit die Kreditvergabe stabil bleibt. Faktisch ist es jedoch grober Unfug, wenn man auch noch Geld dafür bekommt, wenn man Geld leiht. Das entbehrt jeglicher Logik. Es illustriert allerdings auch sehr deutlich, wie stark unser System aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der Schuldenberg ist schlicht und einfach zu schwer und die Wirtschaft eindeutig mit einem Süchtigen vergleichbar, der immer mehr Drogen braucht. Im Falle der aktuellen Wirtschaftslage geht das so weit, dass so etwas Unlogisches wie Negativzinsen erforderlich sind. Daher lässt sich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen: das ist nicht durchzuhalten. Praktisch kann die Wirtschaft nämlich nur auf den Beinen bleiben, wenn die Schuldenberge noch höher anwachsen. Also müssen die Zinsen immer negativer werden, damit weiterhin Kredite aufgenommen werden. Irgendwann klappt das nicht mehr. Aus dieser Situation gibt es nur einen einzigen Ausweg: eine höhere Inflation. Dann können Schulden nicht nur mit Geld getilgt werden, dessen Wert gesunken ist, sondern wird auch eine Rücknahme der Realzinsen praktisch möglich (falls sie nötig sein sollte). Dabei gilt: je höher der Schuldenberg, desto stärker müssen die Realzinsen gesenkt werden, um bei einer Rezession einen Zusammenbruch zu verhindern. Selbst beim Einsatz von quantitativer Lockerung und Forward Guidance wäre dafür schon jetzt mindestens eine Inflationsrate von ca. 3 % notwendig, um einen ausreichenden Puffer aufzubauen. Wahrscheinlich sogar mehr, denn bei einer Rezession ließe die Inflation auch wieder nach. ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 5 Global Macro Economic Outlook Wie kann die Inflation hochgetrieben werden? Die gewaltige Schuldenlast hat wie erwähnt zur Folge, dass die Weltwirtschaft gegenüber dem vorhandenen Angebot zu wenig expandiert. Der IWF, die OECD und die BIZ wiederholen darum schon seit längerem, es sei eine gemeinschaftliche Aktion notwendig, um die Nachfrageseite zu einer flotteren Zunahme zu bewegen. Vielfach werden in diesem Zusammenhang vermehrte fiskalische Impulse befürwortet. Auch das ist wiederum eine Art, die Schulden noch höher aufzutürmen. Fragt sich nur, ob das zu verantworten ist, denn in vielen Ländern sinkt die Zunahme der Erwerbsbevölkerung aus demografischen Gründen kräftig. Den Nichterwerbstätigen stehen immer weniger Erwerbstätige gegenüber. Daneben werden Rentner (d.h. Nichterwerbstätige) immer älter und die Kosten für Rentenzahlungen und medizinische Versorgung immer höher. Denjenigen, die als Erwerbstätige übrig bleiben, immer mehr Schulden aufzuhalsen, erscheint eine sehr heikle Angelegenheit. Das illustriert, wie viel besser es wäre, die Schuldenproblematik anders zu lösen, nämlich mit einem höheren Wachstum, das nicht von wachsender Verschuldung getragen wird. Bis vor etwa zehn Jahren betrug das Wachstum im Westen ca. 5 %. Inzwischen sind es jedoch nicht einmal mehr 1,5 %. Sollen wieder ca. 3 % Wachstum generiert werden, ohne immer höhere Schuldenberge anzuhäufen, wächst die Wirtschaft automatisch aus den Schulden heraus; sie werden dann nicht schwerer, sondern immer leichter. Im Grunde heißt das, die Reallöhne müssen zügiger steigen. Konsumenten könnten dann mehr ausgeben, ohne mehr Kredite aufnehmen zu müssen. In den USA ist das auch eine praktische Möglichkeit, denn ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 6 Global Macro Economic Outlook dort herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Wer arbeiten will, hat so langsam einen Job gefunden. Verknappt sich der US-Arbeitsmarkt also weiter, werden in nicht allzu ferner Zukunft die Lohnsteigerungen anziehen. Die Kehrseite: Will man so eine außer Kontrolle geratende Inflationsspirale vermeiden, müssen die höheren (Real-)Zinsen auf eine dieser zwei Arten bezahlt werden: > Durch die Verschiebung von den Gewinnen auf höhere Löhne. Dieser Prozess ist allerdings nicht lange durchzuhalten, denn wenn die Gewinne zu tief absinken, wird zu wenig investiert und fallen die Aktienkurse zu stark (wenn auch die Credit Spreads zu kräftig steigen). Beides hemmt das Wachstum. > Durch höheres Produktivitätswachstum. Das heißt, jedes Jahr muss der Mehrwert je Arbeitnehmer mehr zunehmen, als das jetzt der Fall ist. Gelingt das, bleiben sowohl die Inflation als auch die Gewinne unter Kontrolle. (Das Produktivitätswachstum ist in den letzten zehn Jahren wegen zu geringer Investitionen ungefähr auf die Hälfte zusammengeschrumpft.) In unseren Berichten haben wir vielfach beschrieben, wie das zu erreichen ist. Kurz zusammengefasst: durch eine viel bessere Ausbildung der Erwerbstätigen, mehr staatliche Investitionen in Infrastruktur sowie in Forschung und Entwicklung, die Verbesserung des Standortklimas zur Förderung von Innovationen und deren Vermarktung, die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts sowie wichtiger Produktmärkte, Abbau von Regeln, etc. All diese Maßnahmen sind für die Steigerung der Produktivität ohnehin notwendig, gelten jetzt aber doppelt für den rasanten Aufschwung neuer wirtschaftlicher Großmächte (China, Indien, usw.). Das konfrontiert die alten ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 7 Global Macro Economic Outlook Industrieländer (USA, Europa, Japan) mit wachsender Konkurrenz, wodurch der Mehrwert pro Arbeitnehmer dort eher zu einer Abnahme tendiert statt zu einer Zunahme. Sehr problematisch ist indes: Die genannten Strukturreformen für die erheblich schnellere Steigerung der Produktivität sind politisch ausgesprochen unpopulär. Vielfach kosten sie den Staat nämlich Unsummen, und Privilegien bestimmter Gruppen müssen dafür gestutzt werden. In der Praxis: Steuererhöhungen oder energische Kürzungen der Sozialausgaben. All das ist sehr unbeliebt. Vielfach sieht man daher, dass Politiker lieber weitermachen wie gehabt und immer mehr Kredite aufnehmen. Das begünstigen die Zentralbanken mit ihren sehr niedrigen Zinsen ohnehin, denn Kredite sind derzeit sehr billig (besonders für den Staat). Fazit: Zur Befreiung aus der Schuldenfalle wären Strukturreformen am weitaus besten, die das Einkommens- und Wachstumspotenzial steigern, aber die sind in der Praxis unmöglich (siehe unten). Dazu tragen auch die Zentralbanken mit ihrer extremen Niedrigzinspolitik bei, denn damit wird es für Politiker sehr attraktiv, einfach mehr Geld zu leihen, statt unliebsame Maßnahmen durchzuführen. Das hat jedoch auch eine Kehrseite. Gelingt es den Industrieländern, die Vollbeschäftigung zu erreichen (wie z.B. in den USA, Japan und Deutschland schon mehr oder weniger der Fall ist), braucht es nicht mehr viel, bis sich der Arbeitsmarkt noch weiter verknappt und die Lohnsteigerungen zunehmen. Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis auch die Inflation in die Höhe geht (steigt sie anfangs noch nicht, können Konsumenten real mehr ausgeben, expandiert die Wirtschaft noch flotter, verknappt sich der Arbeitsmarkt noch mehr, nehmen die Lohnsteigerungen weiter zu, etc., bis die Unternehmen ihre Preise doch erhöhen). Dazu trägt das jetzige magere Produktivitätswachstum sogar bei. ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 8 Global Macro Economic Outlook Das Wachstum braucht damit nämlich überhaupt nicht hoch zu sein, damit sich der Arbeitsmarkt trotzdem weiter verknappt. Schlussfolgerung: Fehlen Strukturreformen, die das Produktivitätswachstum auf ein viel höheres Niveau hieven (wonach es jetzt praktisch aussieht), müssten die Zentralbanken die Realzinsen stark negativ werden lassen, falls wieder eine Rezession auftritt. Sowieso müssen die Realzinsen immer negativer werden, um die Kreditaktivität zu stabilisieren und die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch unter der Schuldenlast zu bewahren. Die Zinsen immer tiefer in den roten Bereich zu führen ist aber praktisch unmöglich. Die einzige Lösung wäre dann, einen Inflationsrückgang zu verursachen (ein Schuldenerlass ginge zwar auch, würde aber einen enormen Abschwung auslösen; auf Dauer zwar vielleicht eine bessere Option, aber praktisch auch nicht machbar). In Ländern wie den USA, Großbritannien, Deutschland und Japan scheint eine höhere Teuerung auf Dauer auch möglich. Was aber soll mit den Staaten passieren, in denen Vollbeschäftigung noch in weiter Ferne ist? "Zum Glück" ist wegen des geringen Produktivitätswachstums auch dort nicht viel Wachstum nötig, damit sich der Arbeitsmarkt verknappt, und hoffentlich erreichen auch sie dann innerhalb von einigen Jahren den Punkt der Vollbeschäftigung und zunehmender Lohnsteigerungen. Jedenfalls versuchen die betreffenden Zentralbanken das mit einer möglichst expansiven Geldpolitik zu bewerkstelligen. Das Problem ist nur: Immer klarer wird, dass der Effekt hiervon abschwächt. Immer lauter wird deshalb gefordert, die betreffenden Volkswirtschaften auch fiskalisch kräftiger anzuschieben, weil wegen der Niedrigzinsen durchaus mehr Kredite aufgenommen werden könnten und die Zentralbank das notfalls direkt finanzieren könnte. So gut wie sicher würde daraufhin automatisch die Inflation steigen. Reaktionen der Zentralbanken Angesichts der obigen Ausführungen stellt sich die Frage, wie die einzelnen Notenbanken in nächster Zeit vorgehen werden. Die Fed hat angesichts der US-Wirtschaft wenig zu befürchten. Die Zahlen von Ende des vierten und Anfang des ersten Quartals waren zwar deutlich schwach, aber seither zeichnet sich immer klarer eine Wachstumserholung ab, wahrscheinlich dank dieser Entwicklungen: > Die Konsumenten haben das durch den billigeren Ölpreis eingesparte Geld anfangs auf die hohe Kante gelegt, geben es jetzt aber allmählich aus. > Die Erdölindustrie und die mit ihr verbundenen Branchen mussten massive Kürzungen vornehmen, als der Ölpreis auf Talfahrt blieb. Viel hiervon ist inzwischen überstanden (bei dem Wachstum geht es um die Rate of Change). ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 9 Global Macro Economic Outlook > Dasselbe gilt für die Verschlechterung im US-Außenhandel infolge des höheren Dollarkurses. > Als die Märkte immer negativer auf die Fed-Zinserhöhung im Dezember reagierten und sich die monetären Konditionen verknappten, litt die Wirtschaft darunter immer mehr. Da sich die Märkte jetzt aber scharf erholen und die monetären Konditionen lockerer werden, tritt das genaue Gegenteil ein. Falls die Fed die Inflation auf dem aktuellen Niveau halten will, hat sie jetzt also allen Grund für eine weitere Leitzinserhöhung. Bei dieser Entscheidung spielen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle: > Zunächst will die US-Zentralbank die Inflation nicht auf demselben Niveau halten, sondern hochtreiben. Zudem bestehen wie gesagt Zweifel, ob die Inflation schon unter Aufwärtsdruck steht. Eventuell wäre dafür doch zuerst ein größerer Lohnanstieg erforderlich. Man darf auch nicht vergessen, dass die internationale Konkurrenz und die hohen Schulden noch immer Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben. > Die Fed war alarmiert von den heftigen Reaktionen, die ihre erste Zinserhöhung und ihr ursprüngliches Vorhaben hervorriefen, die Zinsen dieses Jahr noch vier Mal anzuheben. Besonders im Ausland wurde so reagiert, aber das beeinträchtigt die US-Wirtschaft wiederum negativ. Nicht umsonst verweist Yellen daher auf die Gefahren aus China, wo ganz leicht eine Kreditblase zerplatzen kann. ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 10 Global Macro Economic Outlook > In der aktuellen Situation macht die Fed lieber den Fehler, die Zinsen zu spät anzuheben als zu früh, denn falls etwas schiefgehen sollte, bliebe ihr nur noch wenig Spielraum, um die Wirtschaft auf Trab zu bringen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Fed mit einer weiteren Zinserhöhung wohl bevorzugt abwarten, bis die Lohnsteigerungen deutlich anziehen. Allerdings birgt das auch die große Gefahr, dass die Inflationserwartungen dadurch zu rapide steigen. Die Realzinsen müssten dann kräftig hochgeschraubt werden, um die Inflationserwartungen wieder unter Kontrolle zu bringen. Bevor man es sich versieht, sinken die Aktienkurse dann so stark und steigen die Credit Spreads und der Dollarkurs so kräftig, dass dies eine Rezession heraufbeschwört. Die Herausforderung für die Fed ist darum, die Inflation(serwartungen) nur langsam ansteigen zu lassen. Kombinieren wir alles, dürfte die Fed die Leitzinsen im Juni abermals heraufsetzen, und im Dezember wahrscheinlich noch einmal. Nach unserer Erwartung werden beide Zinsschritte zwar negative Reaktionen an den Finanzmärkten hervorrufen, werden sie das Wachstum aber nicht so weit erschüttern, dass die Arbeitslosigkeit nicht noch weiter zurückgeht und die Lohnsteigerungen nicht weiter zunehmen. Eine Rolle spielt auch, dass u.E. viele der Faktoren, die die Wirtschaft jetzt bremsen und die Inflation abwärts drücken, allmählich Stärke verlieren. Steigt dadurch die Inflation, treiben zwei weitere Zinsanhebungen die Realzinsen nicht nach oben. Im Grunde wird die Wirtschaft dann also weiterhin kräftig monetär angekurbelt. Viel mehr Probleme stünden dann allerdings 2017 an. Die Inflationserwartungen in den USA steigen dann so sehr, dass die Fed ohnehin energischer agieren muss. Die Aktienkurse werden dann jedoch noch anfälliger sein als jetzt, denn bis dahin ist viel stärker eine Verschiebung von den Gewinnen auf höhere Lohnsteigerungen in Gang gekommen, d.h. es entsteht die Kombination aus rückläufigen Gewinnen, steigenden Zinsen, dadurch wahrscheinlich einem stärkeren Dollar und einer Fed, die ohnehin energischer monetär bremsen muss. Die Fed sollte dann im Rest der Welt keinen allzu großen Schaden verursachen. Zweifellos hofft man, es werde der Wirtschaft dort dann besser gehen, aber ob das gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Die Fed wird die Zinsen also weiterhin zu wenig und zu spät heraufsetzen müssen, allerdings im Umfeld zunehmender Inflation(serwartungen). Zweifellos wird das scharfe Reaktionen an den Finanzmärkten verursachen. (Zu einer Inflation gehören ganz andere Bewertungen als zu einer Deflation.) Die EZB Die Euro-Zentralbank verfolgt an sich andere Ziele als die Fed. In Europa ist der Arbeitsmarkt für mehr Lohnsteigerungen allerdings noch nicht knapp genug. Solange das so bleibt, ist die Inflation praktisch nicht zu steigern. Ein großes Übel in Europa ist auch, dass die Kreditvergabe stark behindert wird, weil die Banken vielfach nur über eine dünne Kapitaldecke verfügen. Demnach können sie nicht viele extra Kredite gewähren, obwohl die Zentralbank ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 11 Global Macro Economic Outlook Bedingungen schafft, die ihnen das unter dem Aspekt der Gewinnträchtigkeit schmackhaft machen müssten. Dennoch hellen sich die europäischen Wachstumsaussichten langsam auf. Dieses Jahr werden ca. 1,5 % Wachstum erwartet, nächstes Jahr ca. 1,7 %. Angesichts des sehr mageren Produktivitätswachstums reicht das gerade aus, um die Arbeitslosigkeit langsam weiter zurückzudrängen. Es kann aber durchaus noch zwei Jahre dauern, bis das auch effektiv zu höheren Lohnsteigerungen führt. Fazit: Die EZB wird die Wirtschaft wahrscheinlich noch eine beträchtliche Zeit maximal monetär ankurbeln müssen, um die Arbeitslosigkeit abzubauen und die Inflation hochzutreiben. Dennoch könnte all das zu träge Wirkung zeigen, wodurch letztlich doch fiskalische Impulsen her müssten. Deutschland wird sich dagegen heftig sträuben, so dass wir auch für die Währungsunion 2017 sehr schwere Zeiten erwarten, besonders wenn die Flüchtlingskrise ungebrochen bleibt. Europa bleibt gegenüber wirtschaftlichen Rückschlägen dann sehr anfällig und/oder muss eine Inflation erzwingen, indem es die wachsenden Haushaltsdefizite von der Zentralbank finanzieren lässt. China und Japan Im Hinblick auf China können wir uns kurz fassen. Es versucht die heimische Wirtschaft umzugestalten, denn das Wachstum soll künftig weniger von Exporten und Investitionen und stattdessen vermehrt vom Konsum getragen werden. Ein solcher Wandel verläuft mühsam und ist mit Überkapazitäten verbunden, d.h. großem Abwärtsdruck auf die Preise. Die chinesische Wirtschaft erhält bereits maximal fiskalische und monetäre Impulse. Allerdings besteht deutlich die Gefahr, dass das nicht genug hilft und eine Kreditkrise ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 12 Global Macro Economic Outlook ausbricht, denn in China haben die Schulden zu schnell zugenommen. Bis dahin wird die Regierung aber zuerst versuchen, das mittels einer Yuan-Abwertung zu verhindern. Theoretisch kann das zwar einen Währungskrieg provozieren, aber zunächst werden die meisten Länder sie akzeptieren, denn das Platzen einer Kreditblase im Reich der Mitte hätte für die ganze Welt noch viel ernstere Folgen. Im Grunde gilt das auch für Japan, aber wegen des knappen japanischen Arbeitsmarkts hat Japan viel mehr Gelegenheit, Richtung Inflation zu gehen. Die politische Seite Bisher haben wir die Schuldenproblematik ausschließlich von der Wirtschaft her beleuchtet. Aber die Sache hat auch eine politische Seite, und die macht das Ganze nicht gerade einfacher. Die schärfere Konkurrenz der Schwellenländer macht es für die Industriestaaten immer schwieriger, den Mehrwert pro Arbeitnehmer und damit Löhne und Wachstum zu steigern. Das einzige Mittel dagegen sind Strukturreformen, aber dafür fehlt es in fast allen Ländern an Unterstützung. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Produktion darum in die Schwellenländer verlagert. In letzter Zeit sehen wir darauf jedoch eine Reaktion und wird Produktion ins eigene Land zurückverlagert. Allerdings geht das nur, wenn viel sehr avancierte moderne Apparatur und Technologie eingesetzt wird. Unter dem Strich entsteht in der westlichen Gesellschaft so eine immer tiefere Spaltung: ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 13 Global Macro Economic Outlook > Der Westen kann auf diese Weise nicht angemessen auf die wachsende Konkurrenz der Schwellenländer reagieren. Das trifft in erster Linie schlechter ausgebildete Arbeitnehmer, die häufig über die Hälfte der Erwerbsbevölkerung ausmachen. Die aufstrebenden Länder verfügen über einen Überschuss an solchen Arbeitskräften und können sie darum auch nur relativ schlecht bezahlen. Auf Fachkräfte trifft indes das Gegenteil zu. Vielfach verfügen im Westen ausgebildete Arbeitnehmer über erheblich größere Fähigkeiten als diejenigen, die in den Schwellenländern ausgebildet wurden. Die Konkurrenz für solche Arbeitskräfte ist darum im Westen bedeutend geringer. Zudem sind sie sehr gefragt, denn sie müssen sozusagen das Rennen gewinnen. Der Westen muss Produkte und Dienstleistungen generieren, für die die Wirtschaft in den Schwellenländern noch nicht reif ist. > Damit die Wirtschaft nicht unter dem Schuldenberg einknickt, müssen die Zentralbanken sehr entschlossen monetär Gas geben. Das treibt die Kurse von Aktien, Anleihen und Immobilien künstlich nach oben. Der reichere Teil der Bevölkerung besitzt jedoch viel mehr als der ärmere. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft folglich immer weiter auseinander. > Für einen wachsenden Teil der Bevölkerung, der "auf der falschen Seite" steht, wird die Situation damit immer unerträglicher. In der Vergangenheit hatten Politiker der großen Parteien ihnen allerlei Versprechungen gemacht und diese Zusagen vielfach auch eingehalten. Das für die damit verbundenen Ausgaben nötige Geld wurde allerdings nicht wirklich verdient, sondern sie wurden mit extra Krediten finanziert. Seit der Kreditkrise ist das jedoch immer schwieriger geworden, d.h. für einen großen Teil der Bürger geht es nicht mehr aufwärts oder sogar bergab. Von den großen Parteien sind sie deshalb zunehmend enttäuscht und glauben auch nicht mehr an nennenswerte Verbesserungen in der Zukunft. Diese Gruppe weicht infolgedessen mehr und mehr auf populistische Parteien aus, die stark vereinfachte Lösungen für komplexe Probleme verkündigen und bessere Zeiten versprechen. Jedoch, indem sie sich gegen die Politik der großen Parteien querstellen, denn die funktioniert ja ohnehin nicht. Marine Le Pen in Frankreich geht sogar so weit, dass sie sich von einer Zusammenarbeit mit den Russen viel mehr verspricht als mit den USA und den meisten anderen europäischen Ländern. Auch die NATO und die Währungsunion sollten ihr zufolge unverzüglich abgeschafft werden (dabei verschweigt sie geflissentlich, welche Wirtschaftskrise und Schwierigkeiten das nach sich zöge). In vielen anderen Ländern sind dieselben Bewegungen feststellbar, in Spanien, Italien und Griechenland, aber auch in den Niederlanden und Deutschland, Großbritannien und den USA. Nun sind diese Parteien zwar noch nicht so groß, dass sie das Sagen hätten, aber ihretwegen müssen die alten politischen Parteien, die sich früher in verschiedenen Lagern gegenüberstanden, zunehmend gemeinsam eine Regierung bilden. Eine Kooperation mit den Populisten wäre ja praktisch noch immer das größere Übel, und sonst kommt man nicht zu einer Mehrheitsregierung. Allerdings mehren sich infolgedessen auch die flügellahmen Regierungen. Innerhalb der Regierung gehen die Meinungen über diverse Themen viel zu weit auseinander, um zu einer tatkräftigen Politik zu ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 14 Global Macro Economic Outlook kommen. Oder, was auch möglich ist, die Opposition wird in ihren Auffassungen immer unbeugsamer, womit Kompromisse nur sehr schwer möglich sind (insbesondere in den USA und Großbritannien). > Um dem großen Schuldenberg zu Leibe zu rücken und die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft zu verringern, bräuchte man jedoch tatkräftige Regierungen, die z.B. Strukturreformen durchführen. Bleibt das aus, wird die Gesellschaft immer tiefer gespalten und werden Staaten zunehmend unlenkbar. Auch das ist u.E. ein Grund, aus dem sich Zentralbanken zunehmend in eine Inflationspolitik flüchten. Sie bietet zwar keine echte Lösung, der Vorteil aber ist, dass nominal jeder davon profitiert. Folgen für die Finanzmärkte Vor dem G20-Gipfel im vorigen Monat läutete der IWF die Alarmglocke. Die hohen Schulden drücken die Volkswirtschaften immer tiefer, und wenn dagegen nicht schnell etwas unternommen wird, kann die Weltwirtschaft leicht in eine selbsttragende negative Spirale geraten. Der IWF meinte daher, es seien schnell extra monetäre und fiskalische Impulse notwendig. Der Ruf nach fiskalischen Maßnahmen verhallte zwar ungehört, aber die Zentralbanken wurden durchaus aktiv. Wahrscheinlich haben die zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer ihre Politik auf der Konferenz aufeinander abgestimmt. So senkte die Bank of Japan die Zinsen mittlerweile in den negativen Bereich, die EZB lockerte kräftig weiter, und Yellen zufolge wird die Fed die Zinsen nur langsam höher schrauben, denn: > sie will die US-Inflation hochtreiben, und > ein rascher Anstieg der US-Zinsen stürzt den Rest der Weltwirtschaft in massive Schwierigkeiten. Wie in den vergangenen Jahren stets als Reaktion auf weitere monetäre Lockerung ist auch jetzt wieder Risk off-Stimmung entstanden, d.h. höhere Aktienkurse, steigende Rohstoffpreise und sinkende Credit Spreads. An den Kursen von Yen, Dollar und Euro gegeneinander hat sich ansonsten nicht allzu viel geändert, denn die betreffenden Zentralbanken haben gleichzeitig agiert und/oder lassen geldpolitisch größere Milde walten. Den Währungen und Aktien der Schwellenländer hat es indessen geholfen, denn je weniger die Fed die Zinsen erhöht, desto leichter sind die Lasten (der Dollar-Schulden), die diese Länder schultern müssen. Es unterstützt auch die Rohstoffe exportierenden Länder bei steigenden Rohstoffpreisen. Allerdings sehen wir schon seit Jahren: Obwohl monetäre Lockerung und Risk on-Stimmung für die Vermögenspreise günstig sind, kurbeln sie die Wirtschaft nicht genug an. Es ist nicht so, dass die Weltwirtschaft plötzlich rapide wächst und die Überkapazität schnell verschwinden wird (dazu ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 15 Global Macro Economic Outlook müsste es auch viel mehr fiskalische Impulse geben). Wohl aber nehmen die Schulden weiter zu, und die Belastung dadurch wächst. Die Vermögenspreise entfernen sich somit immer weiter von ihrem realen zugrunde liegenden Wert. Zinserwartungen Das ist der Hintergrund unserer Erwartungen für die Kurse. Wie erwähnt erwarten wir etwa Ende des zweiten, Anfang des dritten Quartals eine weitere Fed-Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Am Jahresende dürfte eine weitere Zinsanhebung stattfinden. In den letzten Tagen sind allerdings sowohl die lang- als auch die kurzfristigen Zinsen in den USA gesunken, und zwar anlässlich Yellens Äußerungen, die Fed werde mit weiteren Zinserhöhungen vorsichtig sein. Deswegen sind auch die kurzfristigen Zinsen stärker zurückgegangen als die langfristigen. Für die nächste Zeit erwarten wir jedoch immer positivere US-Wirtschaftsdaten, was die Ängste vor höheren Lohnsteigerungen und Inflation steigern dürfte. Die Kurzfristzinsen werden dann langsam steigen, die Kapitalzinsen schneller. Die Rendite für zehnjährige USStaatsanleihen (jetzt ca. 1,8 %) dürfte daher in den kommenden Monaten auf ca. 2 % oder sogar höher klettern. Danach dürfte sie infolge fallender Aktienkurse wieder eine Weile sinken. Schlägt die Fed aber die Richtung einer Inflation ein, dürften die Kapitalzinsen zunehmend unter Aufwärtsdruck geraten. Staatsanleihen mit langen Laufzeiten befinden sich daher u.E. in einer Wende aus einem Bullen- in einen Bärenmarkt. In Europa ist das anders. Dort kommt nicht nur die Wirtschaft viel mühsamer in Schwung, auch höhere Lohnsteigerungen und Inflation wird es vorerst nicht geben. Gut möglich daher, dass die EZB die Zinsen in einigen Monaten abermals senken und/oder ihre quantitative Lockerung ausweiten wird. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen (jetzt ca. 0,15 %) kann dadurch u.E. sogar negativ werden, besonders wenn bald - entsprechend unserer Erwartung - die Stimmung an den Finanzmärkten wieder in Risk off umkippen sollte. In der zweiten Jahreshälfte dürften die deutschen Zehnjahreszinsen jedoch langsam ansteigen, zunächst wegen steigender Kapitalzinsen in den USA, aber auch weil wir dann immer mehr Spekulationen auf fiskalische Anreize erwarten. In einem Jahr könnten die Zehnjahreszinsen darum durchaus auf 1,5 % oder sogar höher klettern, besonders wenn in Europa der Eindruck entsteht, man werde letztlich Richtung Inflation gehen. ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 16 Global Macro Economic Outlook Euro/Dollar Was den Euro/Dollar-Kurs angeht, sank der Dollar in letzter Zeit aufgrund von Äußerungen der Fed-Chefin, die Fed werde die Zinsen nur langsam anheben. Steigende Inflationserwartungen in den USA sind zudem ungünstig für die US-Währung (was übrigens eher auf lange Sicht gilt als auf kurze). Einzukalkulieren ist auch, dass ein Anstieg über 1,15 charttechnisch wahrscheinlich bedeutet, dass der Kurs auf ca. 1,18 weitersteigen wird. Euro/Dollar steht zudem Ende März, Anfang April häufig unter Aufwärtsdruck. Trotz alledem ist der Dollar zwar vielleicht ein bisschen schwächer geworden, bleibt der Euro aber u.E. die bedeutend schwächere Währung. In den USA steigen die Zinsen, in Europa dagegen sinken sie. Auch der Druck auf die Währungsunion dürfte zunehmen, ob es nun um die Flüchtlingskrise geht oder darum, ob es mehr fiskalische Impulse geben soll oder nicht. Hinzu kommt ein anderer Punkt. Der Chef der französischen Zentralbank wiederholte diese Woche in einem Interview, die EZB finde eine gewisse Aufwertung des Euro zum Dollar nicht so wichtig, wohl aber eine Euro-Aufwertung gegenüber den Währungen von Schwellenländern. Im Risk offKlima, das wir in nicht allzu langer Zeit erwarten, dürfte Letzteres jedoch eintreten. Darum erwarten wir noch mehr monetäre EZB-Lockerungsrunden. Wir bleiben daher bei unserer Erwartung, dass Euro/Dollar in den kommenden Quartalen zur Parität oder sogar darunter fallen wird und Rallys zwischendurch nicht höher führen werden als ca. 1,18. Yuan Der chinesische Yuan profitierte in letzter Zeit von dem schwächeren Dollar. Recht bald dürften die US-Daten jedoch besser werden und erwarten wir zunehmende Spekulationen auf eine weitere Fed-Zinserhöhung. Zudem dürfte sich wenig daran ändern, dass die Schwellenländer es mit ihrer ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 17 Global Macro Economic Outlook kolossalen Schuldenlast in Dollars und den dort entstandenen Überkapazitäten schwer haben. Aufgrund dieser Kombination bleiben die Wirtschafts- und Gewinnaussichten für sie trüber als für die Vereinigten Staaten. Die Aufwertung der Währungen dieser Länder in der letzten Zeit dürfte darum nicht mehr lange andauern und sich bald umkehren. Das gilt dann auch für den Yuan. Dollar/Yuan dürfte vor Jahresende auf ca. 6,75 - 7,00 steigen. Euro/Yuan dürfte in nächster Zeit auf ca. 7,75 weitersteigen, in den kommenden Quartalen aber per Saldo auf ca. 6,75 absinken. Erwartungen Aktienmärkte Die amerikanischen Aktien haben in letzter Zeit von der monetären Lockerung profitiert. In der Zukunft aber dürfte in den USA zunehmend eine Verlagerung von den Gewinnen auf Lohnsteigerungen, steigende Zinsen und einen langsamen Dollarkursanstieg stattfinden. Unseres Erachtens genug, damit die US-Aktien in einen Bärenmarkt gelangen. Wir erwarten allerdings einen Bärenmarkt mit sehr großen Sprüngen, denn sobald ein zu großer Aktienkursverfall droht, wird der Geldhahn weniger zugedreht oder sogar weiter aufgedreht, denn der Schaden für die Wirtschaft würde sonst zu groß. So dürfte der S&P-500-Index nun sehr nahe an seinen Scheitel herangerückt sein und kann er bald wieder fallen. Anfangs wird das vielleicht noch langsam verlaufen, aber wenn hohe Lohnsteigerungen deutlicher in Sicht kommen, wird sich das beschleunigen. Charttechnisch kalkulieren wir aber auch ein, dass der S&P 500 zuerst noch auf 2150 - 2200 klettern kann, bevor der Bärenmarkt einsetzt. Diese Wahrscheinlichkeit beträgt u.E. jedoch momentan unter 50 %, denn bald dürften die Probleme in den Schwellenländern sich wieder verschärfen und die Rohstoffpreise stark fallen. Infolgedessen werden u.E. auch die Aktien der Schwellenländer vorläufig eher eine schwächere Performance aufweisen als eine stärkere. Theoretisch müsste das angesichts der EZB-Politik bei den europäischen Aktien zwar umgekehrt sein, aber sie sind gegenüber der Schwäche der Weltkonjunktur bedeutend anfälliger als die US-Aktien. Also dürften auch Aktien in Schwellenländern nicht besser abschneiden als US-Aktien. Wichtig ist unseres Erachtens jedoch, dass Portfolios stets in Richtung Inflation Hedges verschoben werden, d.h. Edelmetalle, Immobilien, Rohstoffe, TIPS, etc. Die Performance dieser Anlageklassen kann zwar schlecht sein, wenn in nächster Zeit die Spekulationen auf eine FedZinserhöhung zunehmen und der Dollar erstarkt. Das ändert sich aber, sobald die Fed die Zinsen ECR Research BV | www.ecrresearch.com | Donnerstag, 31. März 2016 | 18 Global Macro Economic Outlook zu wenig und zu spät erhöht. So dürfte der Goldpreis womöglich erst noch auf ca. 1150 $ nachgeben, per Saldo aber in den nächsten Jahren die Marke 2000 $ übersteigen. Für die kommenden Quartale ist unser Ziel (nach der Talfahrt auf 1150 $) ca. 1400 $, bevor erneut eine kräftige Korrektur auftritt. DISCLAIMER © ECR Research BV, The Netherlands. All rights reserved. No parts of this publication may be reproduced, stored in a retrieval system, or transmitted in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopying, recording or otherwise, without the prior written consent of the copyright owner. This publication is intended as general background information and not as definitive recommendation. The publishers and authors accept no liability whatsoever for any damage that may be incurred in connection with this publication should you consider concluding transactions on the basis of information supplied in this report.