2 Bulbus oculi (Augapfel)

Werbung
4
2 Bulbus oculi (Augapfel)
Bulbus oculi (Augapfel)
2
2.1
Grundlagen
2.1 Grundlagen
Funktionelle Anatomie (Abb. 2.1):
Bulbuslänge: 24 mm, Gewicht: 7,5 g.
Der Augapfel wird geschützt von der
Augenhöhle (Orbita), den Lidern, Wimpern
(Zilien) und Augenbrauen (Superzilien).
Die Tenon-Kapsel umgibt den Bulbus.
Zu den Anhangsgebilden (Adnexe) gehören: Bindehaut, Lider mit Wimpern und
Augenbrauen, Lidmuskeln, Tränendrüse,
ableitende Tränenwege, sowie Gefäße,
Nerven und Muskeln der Orbita.
2.1
Funktionelle Anatomie (Abb. 2.1): Der etwa 7,5 g schwere, beim Erwachsenen
ca. 24 mm (beim Neugeborenen bereits 17 mm) lange Augapfel (Bulbus oculi)
liegt geschützt in der knöchernen Augenhöhle (Orbita). Er wird in seiner Lage
gehalten von 4 geraden und 2 schrägen Augenmuskeln und dem nasal hinten
eintretenden Sehnerv (N. opticus). Der Bulbus selbst ist von einer sehr lockeren
bindegewebigen Hülle, der Tenon-Kapsel, umgeben: sie umgibt im vorderen
Bereich auch die Augenmuskeln. Der weitere Orbitaraum ist von lockerem Binde- und Fettgewebe ausgefüllt. In ihm verlaufen Nerven und Gefäße. Nach vorn
ist die Orbita durch die Bindehaut abgeschlossen. Die Lider dienen dem Schutz
vor mechanischen Einwirkungen von außen. Wimpern (Zilien) und Augenbrauen (Superzilien) unterstützen diese Schutzfunktion.
Bindehaut, Ober- und Unterlid mit Wimpern und Augenbrauen gehören zusammen mit den Lidmuskeln, der Tränendrüse, den ableitenden Tränenwegen mit
Tränenkanälchen, Tränensack, Tränennasengang und Orbita mit Gefäßen, Nerven, Augenmuskeln, Tenon-Kapsel und Fettpolster zu den Anhangsgebilden
(Adnexe) des Bulbus.
Aufbau des Auges
9
4
10
7
2
3
1
3
13
5
2
14
6
16
1
5
4
7
6
11
8
10
17
15
18
12
5
6
7
8
9
9
a
b
a Längsschnitt durch das Auge.
1 Hornhaut (Kornea)
2 Kammerwinkel mit Schlemmschem Kanal
3 Regenbogenhaut (Iris) mit radiären und zirkulären Muskelfasern
4 Pupille
5 Linse
6 Ziliarkörper (Corpus ciliare) mit dem M. ciliaris
7 Zonulafasern (Zonula ciliaris, Zonula Zinnii, Aufhängeapparat
der Linse)
8 Pars plana der Netzhaut
9 Augenmuskelansätze
10 Bindehaut (Konjunktiva)
11 Glaskörpergrenzmembran
12 Netzhaut (Retina) mit ihren Gefäßen
13 Aderhaut (Chorioidea)
14 Lederhaut (Sklera)
15 A. et V. centralis retinae
16 Makula
17 Lamina cribrosa
18 Sehnerv (Fasciculus opticus)
b Querschnitt durch das Auge (Blick von hinten).
1 Linse
2 Zonulafasern (Zonula ciliaris, Zonula Zinnii,
Aufhängeapparat der Linse)
3 Ziliarkörperzotten
4 Ziliarkörper (Corpus ciliare)
5 Netzhaut (Retina)
6 Aderhaut (Chorioidea)
7 und 8 Lederhaut (Sklera)
9 Vortexvene
Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt.
Bulbus oculi (Augapfel)
2
5
2.1 Grundlagen
Schichten und Räume des Auges
I
Äquator
III
II
3
1
hinterer
Pol
2
I Tunica fibrosa mit Lederhaut (Sklera)
und Hornhaut (Kornea)
II Tunica vasculosa mit Gefäß- oder
Traubenhaut (Uvea), bestehend aus
Regenbogenhaut (Iris), Ziliarkörper
(Corpus ciliare) und Aderhaut (Chorioidea)
III Tunica nervosa mit Netzhaut (Retina)
1 vordere Augenkammer
2 hintere Augenkammer
3 Glaskörperraum
Schichten
Bestandteile
Funktion
außen (Tunica fibrosa)
(I)
Lederhaut (Sklera)
Hornhaut (Kornea)
Schutzhülle
Mitte (Tunica vasculosa) Gefäßhaut (Uvea)
(II)
Regenbogenhaut (Iris)
Ziliarkörper (Corpus ciliare)
Aderhaut (Chorioidea)
Regulation des Lichteinfalls
Akkommodation
Produktion von Kammerwasser
Blutversorgung der Retina
innen (Tunica nervosa)
(III)
Netzhaut (Retina)
Sinnesfunktion (s. u.,
Physiologie)
Räume
Begrenzungen
Funktion
vordere Augenkammer
(Vorderkammer)
(1)
zwischen Hornhautrückfläche und Irisvorderfläche
Weiterleitung des Kammerwassers zum Schlemm-Kanal.
Für das Verständnis des Glaukoms von großer Bedeutung.
hintere Augenkammer
(Hinterkammer)
(2)
zwischen Glaskörper, Linse
und Irisrückfläche
Aufnahme des vom Ziliarkörper gebildeten Kammerwassers, das durch die Zonulafasern und die Pupille in die
Vorderkammer abfließt
Glaskörper
(Corpus vitreum)
(3)
zwischen Netzhaut, Ziliarkörper und Linsenrückfläche
größter Anteil des Augeninneren (fast 2/3 des Bulbus)
Das Auge besteht aus 3 Schichten und 3 Räumen/Kammern (Abb. 2.2):
Das Auge besteht aus 3 Schichten und
3 Räumen (Abb. 2.2).
Embryologie: Die embryonale Entwicklung des Auges und seiner Anhangsgebilde ist in Abb. 2.3 dargestellt. Bereits bei einem 2 mm langen Embryo bilden sich in der ektodermalen Hirnplatte 2 flach gewulstete Sehgruben (Abb.
2.3a), aus denen sich die Sehfurchen und nach Schließung des Medullarohres
die Augenblasen (Abb. 2.3b) entwickeln. Diese verschieben sich nach lateral,
bis sie dem Hautektoderm anliegen. Die dem Hautektoderm anliegende Wand
der Augenblase wächst stärker und stülpt damit die Augenblase ein; es entsteht
der doppelwandige Augenbecher (Abb. 2.3c). Das äußere Blatt des Augenbechers differenziert sich zum Pigmentepithel, das innere Blatt zur Retina;
beide Blätter gehen an der späteren Pupille ineinander über (Abb. 2.3f).
Durch unterschiedliches Wachstum einzelner Wandabschnitte des Augenbechers und des Augenbecherstiels entsteht die Augenspalte (Abb. 2.3d–f). In
die Augenspalte dringt Mesenchym ein, das sich im Glaskörperraum zur
A. hyaloidea differenziert (Abb. 2.3g, h).
Zur Entwicklung der einzelnen Augenabschnitte s. insbesondere
Kap. Lid (s. S. 13), Kap. Glaskörper (s. S. 239), Kap. Linse (s. S. 146), Kap. Netzhaut
(s. S. 248), Kap. Tränenorgane (s. S. 38).
Häufige Fehlbildungen am Auge sind in Abb. 2.4 zusammengefasst.
Embryologie: Zur Entwicklung des Auges
s. Abb. 2.3. Zunächst bilden sich in der
ektodermalen Hirnplatte 2 gewulstete
Sehgruben (Abb. 2.3a), aus denen sich
die Sehfurchen und die Augenblasen
(Abb. 2.3b) und später der Augenbecher
(Abb. 2.3c) entwickeln. Das äußere Blatt
differenziert sich zum Pigmentepithel,
das innere zur Retina (Abb. 2.3f). Durch
unterschiedliches Wachstum einzelner
Wandabschnitte des Augenbechers
und des Augenbecherstiels entsteht
die Augenspalte (Abb. 2.3d–f). In die
Augenspalte dringt Mesenchym ein
und differenziert sich zur A. hyaloidea
(Abb. 2.3g, h).
Physiologie: Das Auge ist der periphere Teil des Lichtsinnesorgans, der zur Aufnahme elektromagnetischer Wellen der Wellenlängen von etwa 350 bis 750 nm
dient. Diese physikalischen Reize werden in der Netzhaut durch fotochemische
Vorgänge in elektrische Impulse umgewandelt und über den Sehnerv zum Sehzentrum der Großhirnrinde geleitet, wo die eigentliche Auswertung und Beurteilung erfolgt. Das Auge, speziell die Netzhaut, ist somit ein vorgeschobener
Gehirnteil. Netzhaut und Sehnerv werden als rezeptorischer (sensorischer)
Apparat des Auges zusammengefasst.
Physiologie: Netzhaut und Sehnerv werden
als rezeptorischer (sensorischer) Apparat
des Auges; Hornhaut, Vorderkammer, Linse
und Glaskörper als optischer (lichtbrechender) Apparat bezeichnet.
Zu Fehlbildungen am Auge s. Abb. 2.4.
Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt.
2.2
6
2 Bulbus oculi (Augapfel)
2.3
Embryonale Entwicklung des Auges
a
b
c
d
Entwicklungszeitraum: 0 – 2. Woche
e
f
g
Entwicklungszeitraum: 4. – 6. Woche
h
Entwicklungszeitraum: 2. – 3. Monat
gewulstete Sehgruben in der ektodermalen Hirnplatte.
Augenblasen nach Schließung des Medullarohres.
Augenbecher.
bis f unterschiedliches Wachstum einzelner Wandabschnitte, Differenzierung des Augenbechers, des Augenbecherstieles und der
Augenspalte.
g und h Eindringen von Mesenchym in die Augenspalte, Differenzierung zur A. hyaloidea und zum Glaskörper, Verdickung des
Hautektoderms über der Linsenplatte und Differenzierung zur Linsengrube und Linsenblase.
2.4
Fehlbildungen am Auge (Übersicht)
Deformitäten der
Orbita
Albinismus
Mikrophthalmus
Makrophthalmus
Anophthalmus
Kryptophthalmus
Persistenz der
A. hyaloidea
Hydrophthalmus
(Buphthalmus)
markhaltige
Nervenfasern
Cataracta
congenita
kongenitale Augenmuskellähmungen
Ptosis
Epikanthus
Distichiasis
Lidkolobom
Blepharophimose
Ankyloblepharon
Mikrokornea
Makrokornea
Reste der Pupillarmembran
Ektopie der Pupille
Dysgenesis mesodermalis
Iris bicolor
Heterochromie
Iriskolobom
Aniridie
Konusbildung
Mikropapille
Drusenpapille
Grubenpapille
Papillenkolobome
Aderhautkolobom
angeborene
Tränenwegsstenose
(Hasner-Klappe)
Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt.
a
b
c
d
2.3 Krankheitsbilder
7
Das sichtbare Licht muss, um die Netzhaut reizen zu können, durch den optischen (lichtbrechenden) Apparat gelangen. Zu den brechenden Medien des
Auges zählen Hornhaut, Vorderkammer, Linse und Glaskörper. Bei Trübungen
oder Abweichungen von der normalen Brechkraft (Refraktion), die für die Hornhaut ca. 43 dpt und für die Linse bei Fernakkommodation ca. 19 dpt beträgt, ist
die Abbildung auf der Netzhaut unscharf.
Die Brechkraft (Refraktion) der Hornhaut
beträgt ca. 43 dpt, die der Linse ca. 19 dpt.
2.2 Untersuchungsmethoden
2.2
s. Tab. 2.1.
s. Tab. 2.1.
Methoden zur Untersuchung des Augapfels
2.1
Prüfung der Sehschärfe (s. S. 360)
Untersuchung der Augenmotilität (s. S. 382)
Untersuchung des Augenhintergrundes (s. S. 251)
Exophthalmometrie (s. S. 54)
Untersuchung des Gesichtsfeldes (s. S. 365)
bildgebende Verfahren: Sonographie, Röntgenaufnahmen des Schädels und der
Orbita, Computertomographie, Kernspintomographie (s. S. 325)
2.3 Krankheitsbilder
2.3
2.3.1 Fehlbildungen
2.3.1 Fehlbildungen
Zu den unterschiedlichen Größenverhältnissen des Augapfels s. Abb. 2.5.
Zu unterschiedlichen Bulbusgrößen
s. Abb. 2.5.
2.5
a
Krankheitsbilder
Größenverhältnisse des Augapfels
b
a Mikrophthalmus.
b Auge eines Neugeborenen.
c
d
e
c Auge eines 2-jährigen Kindes.
d Normalauge.
Makrophthalmus: Das Auge ist zu groß, ohne dass ein krankhafter Befund
vorliegt. Häufig ist der Makrophthalmus beidseitig (Abb. 2.6a) und mit einer
Makrokornea kombiniert (s. S. 107). Differenzialdiagnostisch müssen im Säuglings- und Kleinkindesalter ein Hydrophthalmus (Buphthalmus, s. S. 236) abgegrenzt werden, der ohne entsprechende Behandlung zur Erblindung führt.
Dabei bedingt ein erhöhter intraokularer Druck eine Vergrößerung des Bulbus,
da das Bindegewebe der Lederhaut noch nicht so fest ist und dem erhöhten
Innendruck nachgibt. Auch ein endokriner Exophthalmus (s. S. 64) ist abzugrenzen.
f
e Myopes Auge.
f Makrophthalmus.
Makrophthalmus: Zu großes Auge. Oft
beidseitig (Abb. 2.6a) und in Kombination
mit einer Makrokornea. Differenzialdiagnostisch ist im Säuglingsalter ein
Hydrophthalmus (Buphthalmus) abzugrenzen: ein erhöhter IOD führt dabei zu
einer Bulbusvergrößerung.
Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt.
2.1
Untersuchungsmethoden
Herunterladen