Marc Augé: Von den Orten zu den Nicht-Orten

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Impulsreferat gehalten am 1.Juni 2010 von Marlene Deibl (Matrikelnr. 0802743)
Universität Wien: Institut für Philosophie: Ps Nachbarschaft – Unerwünschte Nähe?
LV-Nr: 180576- Lehrveranstaltungsleiterin: Doz. DDr. Madalina Diaconu
Marc Augé: Von den Orten zu den Nicht-Orten
Augé, Marc, Orte und Nicht-Orte. Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit, Frankfurt/M.:
Fischer, 1994
Zum Autor des Textes: Marc Augé (geboren 1935) ist französischer Anthropologe und Kulturtheoretiker und war
Direktor der Pariser Universität für Sozialwissenschaften. Er unternahm Forschungsreisen nach Westafrika, über
die er in den 1960ern und 1970ern publizierte. Danach begann Augé, die zuvor erarbeiteten anthropologischen
Arbeitsmethoden auf sein städtisches Umfeld in Paris anzuwenden. Seit den frühen 1990erjahren hat sich seine
Arbeit zur Beschäftigung mit dem globalen Themenstellungen hin entwickelt.
Im Text (bei dessen Behandlung wir uns im Folgenden auf den „ersten“ Teil, also den Umriss
dessen, was die Übermoderne und was ein Nicht-Ort ist, konzentrieren) nimmt Augé zuerst eine
Analyse des Modernen in der Kunst (das das Nebeneinander von verschiedenen Welten ausmacht)
und der Unterscheidung zwischen Ort und Raum vor.
Die Übermoderne dagegen bringt die Nicht-Orte hervor. Die alten Orte werden nicht mehr
integriert, sie nehmen einen festen, fixierten Platz im neuen Rahmen ein: Es werden Krankenhäuser
geschaffen, Transiträume und Verkehrsnetze. Diese muss die Anthropologie als Gegenstand
betrachten lernen, bevor sie sie bearbeitet. Nicht-Orte existieren nicht in einer reinen Form: Orte
verschwinden nicht ganz, und Nicht-Orte stellen sich nicht vollständig her,sie durchdringen sich.In
den Grundzügen beschrieben wurden derartige Nicht-Orte schon von Michel Foucault und Michel
de Certeau beschrieben, auf die Augé ausdrücklich Bezug nimmt.
Unterscheidung zwischen (anthropologischem) Ort und Raum:De Certeau bestimmt den Raum als
„Ort, mit dem man etwas macht“. Mit Bezug hierauf und auf Merleau-Ponty lässt sich nach Analyse
von Raum- und Ortsbestimmungen letztlich feststellen, dass der Begriff des Raumes abstrakter ist
als der des Ortes. Ein Ort stützt sich auf Ereignisse, Mythen und Geschichten, während Raum als
äußerst abstrakt gefasst wird.
Certeau spricht in diesem Zusammenhang vom Bericht von Räumen. Hier gewinnt der Begriff der
Reise große Bedeutung. Die Pluralität der Orte, ihre Überfülle stellen einen Bruch zwischen dem
Reisenden und der Landschaft, dem Ort her. Nicht-Ort bezeichnet nun eine negative Qualität des
Ortes: Ein Ort ist durch den Namen, der ihm gegeben wird, nicht ganz bei sich, er wird in eine
Passage verwandelt.
„So wie ein Ort durch Identität, Relation und Geschichte gekennzeichnet ist, so definiert ein Raum,
der keine Identität besitzt und sich weder als relational noch als historisch bezeichnen läßt, einen
Nicht-Ort.“(S.92) Der Raum des Reisenden wird als Archetypus des Nicht-Ortes bezeichnet, da hier
die Position des Zuschauers Berechtigung als eigenes Schauspiel erhält, wenn er eine bestimmte
Pose einnimmt. Die Künstler in der Moderne haben in dieser Hinsicht, laut Augé, die heute absolut
geläufige Pose der Übermoderne vorweggenommen. Diese drängt dem Bewusstsein ganz neue
Erlebnisse auf:
„Der Raum des Nicht-Ortes schafft keine besondere Identität und keine besondere Relation,
sondern Einsamkeit und Ähnlichkeit.“(S.121)
Nicht-Ort bezeichnet zweierlei: Räume, die ganz auf bestimmte Zwecke ausgerichtet sind, und
die Beziehung der Individuen zu diesen Orten, die durch Worte und Texte hergestellt wird: Durch
Gebrauchsanleitungen, Verbote und Informationen. Der Nicht-Ort erzeugt geteilte, provisorische
Identitäten in einem Spiel von Identifizierung und Anonymisierung, man geht mit ihm einen Vertrag
ein, der stets Bezug auf die eigene, individuelle Identität nimmt, die erst einem das Recht auf
Anonymität sichert. An den Nicht-Orten lebt man ganz in der Gegenwart, sie bieten
Identifikationsmuster und konstituieren sich durch Wortgeflechte: Der Wortschatz prägt den Blick
auf die Landschaft. In der Übermoderne sind wir konfrontiert mit der Überfülle der Ereignisse, der
Überfülle des Raumes und der so bezeichneten Individualisierung der Präferenzen.
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