LIEBE - EINE KURZFORMEL FÜR DAS TUN

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LIEBE - EINE KURZFORMEL FÜR DAS TUN (Ev)
Verwirrendes Vielerlei
„Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr“. Diese Redewendung besagt,
dass man sich wegen einer Überfülle von Einzelheiten nicht mehr auskennt. Das
Wesentliche geht unter in einem Vielerlei verwirrender Eindrücke. Auch in den
Anweisungen für religiöses Handeln kann die Hauptsache fast zugedeckt sein durch
eine gut gemeinte Überfülle von Einzelbestimmungen, durch die man dann eher
erschlagen wird. Deshalb gibt es die Sehnsucht nach hilfreichen Grundformeln, durch
die das Allerwichtigste ausgedrückt wird. So fragt der Schriftgelehrte, der sicher die
damaligen 248 Gebote und die 365 Verbote genau kennt, nach dem zentralen Gebot:
„Welches Gebot ist das erste von allen?“ Jesus zitiert das „Schema, Israel“ - höre,
Israel, Jahwe ist einzig! Daran schließt er das Gebot der Gottesliebe und der
Nächstenliebe an. Er verknüpft die beiden Gebote zu einem einzigen „Kein anderes
Gebot ist größer als diese beiden.“
Eine Kurzformel schafft es aber auch noch nicht
Aber auch eine Kurzformel macht es noch nicht leichter. Mit der Gottesliebe ist es oft
sehr schwer, weil unser Gott so fern ist und sich so wenig zeigt. Und mit der
Nächstenliebe ist es schwer, weil die Nächsten oft so unangenehm nahe sind, und
weil es oft recht unbequem ist, sich zuviel mit ihnen abzugeben. Bleibt also die
Selbstliebe. Manche trauen sich gar nicht, sich selber gerne zu haben; Andere
veranstalten einen Tanz um sich. Für das liebe Ich strampeln sie sich ab mit allen
Kräften. Jesus sagt: Die Kraft und den Erfindungsreichtum, die du einsetzt, wenn es
um dich geht, die setze ein, wenn es um Gott und um den Nächsten geht.
Da bleiben wir mit unserer Bemühung oft sehr schnell auf der Strecke. Manchmal
wissen wir gar nicht, wo wir anfangen sollen vor lauter Bäumen! Menschen fühlen
sich überfordert. Sie werden mutlos. Appelle helfen dann oft auch nicht viel. Und
Liebe kann man schließlich ja auch nicht befehlen.
Wie liebt Jesus?
Wir kommen vielleicht weiter, wenn wir nicht auf unser Unvermögen starren und uns
dadurch sogar lahmen. Es könnte helfen, dass wir unseren Herrn Jesus Christus
bedenken: Jesus, wie liebst du denn? Was zeigst du mir von Gott und seiner Liebe?
Eine „heruntergekommene“ Liebe
Was er uns in Sachen Liebe zeigt, ist Folgendes: Gott kommt herab zu den Kleinen
und den Kleingemachten, zu den Unscheinbaren, den Mühseligen und Beladenen, zu
den Heruntergekommenen. Er wendet sich denen zu, die meinen, dass mit ihnen
nicht viel los sei, die man verachtet, die in der Welt deklassiert werden, von denen
man sich abwendet.
Gott wendet sich denen zu, von denen wir meinen oder die das selbst glauben, dass
sie mies und schäbig seien und schlecht und gemein und Sünder. In Jesus Christus
kommt heraus, wie Gott liebt.
Eine Liebe bis zum Äußersten
Wie Gott liebt, wird am eindringlichsten sichtbar dadurch, dass Jesu sein Leben
hingibt nicht nur für seine Freunde, sondern auch für seine Feinde. Er lässt sich nicht
abhalten durch Verrat und Schmähung, nicht durch Geißelung und Dornenkrone.
Wenn wir wissen wollen, wozu Liebe fähig ist, werden wir auf Jesus schauen, auf den
Gekreuzigten, der seine Arme ausbreitet und der sich das Herz zerreißen lässt, um
unseres Heiles willen.
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Eine Liebe, die nicht rechnet
Die Liebe, die Jesus übt, fragt nicht, was an Liebe zurückkommt. Jesus hat keine
Angst, seine Liebe verschwenderisch zu verschenken. Er geht nicht wohldosiert vor.
Er schaut nicht darauf, wie sympathisch oder wie unsympathisch Menschen sind oder
wie berechnend. Er speichert auch nicht unser Versagen, um uns darauf festzunageln
oder um uns abzuschreiben. Er, der wirklich manchmal davongehen könnte, wenn er
sehen muss, was Menschen anstellen, stiehlt sich nicht davon. Er kann nicht genug
kriegen von uns. Das ist seine Torheit der Liebe.
Wie ist unsere Antwort?
Lassen wir uns einladen von seiner Liebe. Begreifen wir, dass die Liebe, die wir zu
geben haben, nicht ein bitteres Muss ist, sondern unsere Chance? Sie ist der Versuch,
Antwort zu geben auf die Liebe Gottes, mit der er uns ständig zuvorkommt. Unsere
Antwort soll uns ein Herzensbedürfnis werden aus Dankbarkeit, aus Lobpreis, aus
Hoffnung.
Wir werden dabei vermutlich auch immer wieder an den Punkt kommen, wo wir
sagen möchten: Jetzt reicht's! Ich mag nicht mehr. Was soll ich denn noch alles tun! Zu
viele Bäume haben sich mir als Hindernisse in den Weg gestellt. Ich kann den Wald
nicht sehen. Wo ist der Sinn von allem? Er umfängt in seiner Liebe auch das. Und
auch da, wo wir uns wegen unserer kümmerlichen Taten schämen müssen, macht er
Mut: Manchmal genügt unserem Herrn so scheint es, der Becher Wasser, den
Menschen einander reichen (Mk 9,41), um sie zu überschütten mit seiner Liebe und
Treue.
Das könnte uns anspornen, in Sachen Liebe wieder anzufangen oder
weiterzumachen. Unser Herr fängt ja auch immer wieder neu mit uns an. Und er geht
mit uns weiter mit.
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