Ernährung, Bewegung und Entspannung

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Hessisches Kultusministerium
Schule & Gesundheit
Ernährung, Bewegung
und Entspannung
Netzwerkzeitung 2004
Inhaltsverzeichnis
Editorial …………………………………………………………………………………………………………………………………………… 3
Ernährung – Bewegung – Entspannung: Elemente der Gesundheitsförderung
………………
4
…………………………………………………………………………
7
BEWEGUNG
Das bewegte Schulamt – erfrischend anders!
Teilzertifikat „Bewegungsfördernde Schule“ ………………………………………………………………………… 10
Runter vom Sofa – raus aus dem Haus!
…………………………………………………………………………………
Bewegung in der Schule ist der Hit – sie hält den Körper und das Denken fit!
13
……………
15
………………………………
17
…………………………………………………………………………………………………………………
19
Ausdauer ist nicht alles, aber ohne Ausdauer ist Gesundheit nichts.
ENTSPANNUNG
Projekte der Schulen
Stressmanagement-Training – warum es immer wichtiger wird!
„Mehr Kraft und Energie durch Balance“
………………………………………
20
………………………………………………………………………………
22
Alexandertechnik für Lehrer – Balance zwischen Spannung und Entspannung ……………… 23
Klasse2000 – Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung an der Grundschule ………… 26
Kurzberichte aus den Regionen
………………………………………………………………………………………………
28
………………………………………………………………………………………………………………………
32
ERNÄHRUNG
„Jugend mit Biss“
Workshop – „Pausenverpflegung: gesund und doch praktikabel?!“ ………………………………… 35
Schulverpflegung mit Köpfchen! ……………………………………………………………………………………………… 38
Die „Werkstatt Ernährung“ stellt sich vor ……………………………………………………………………………… 40
Kinder lieben Obst und Gemüse mundgerecht
……………………………………………………………………
Wie lässt sich Schulmilch an den Schüler bringen?
………………………………………………………………
41
42
Ein Schultag im Zeichen der Milch …………………………………………………………………………………………… 44
www.essfrust.de
…………………………………………………………………………………………………………………………
Ran an die Pulle! – Kinder trinken oft zu wenig
……………………………………………………………………
FOOD EXPERIENCE DAY an der Justus Liebig Schule Darmstadt
Der Regionalbauernverband Starkenburg e.V.
45
46
…………………………………………
47
……………………………………………………………………
49
IMPRESSUM
■ Herausgeber
■ Redaktionsteam
■ Design, Layout, Grafik und Satz
Schule & Gesundheit
F. Conrad, L. Konermann, D. Otto,
R. Weißgraeber
Hessisches Kultusministerium
B. Zelazny
[email protected]
■ Titelgestaltung
Luisenplatz 10
65185 Wiesbaden
■ Druckerei
Zeidler GmbH&Co KG, Mainz-Kastel
Namentlich gekennzeichnete Beiträge
geben nicht unbedingt die Meinung des
Herausgebers wieder.
Muhr, Design & Werbung, Wiesbaden
www.muhrdw.de
■ Erscheinungsweise: 1x jährlich
Editorial
„Ernährung – Bewegung – Entspannung“ —
das ist der Schwerpunkt der neuen Ausgabe der
Netzwerkzeitung Schule & Gesundheit.
D
ie unterschiedlichen Beiträge zeigen auf, dass die drei Säulen der
Gesundheit für alle Altersgruppen und
Zielgruppen im System Schule und
auch in der Bildungsverwaltung von
wesentlicher Bedeutung sind.
Der Alltag von Schülerinnen und
Schülern und Lehrkräften, sowie der
von Beschäftigten der Bildungsverwaltung verläuft oftmals konträr zu
den Erfordernissen einer Balance zwischen Bewegen und Entspannen. Der
Ernährungsalltag gestaltet sich darüber
hinaus vielfach unausgewogen, unregelmäßig und häufig unter Zeitdruck.
Hierdurch können als Folge Müdigkeit, Unkonzentriertheit und geringe
Leistungsfähigkeit auftreten.
lassende Arbeitshaltung und Ausdauer
wie eine zunehmende Aggressionsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler.
Doch die Beiträge aus der Praxis
zeigen deutlich, dass Schule hier nicht
tatenlos zusieht. Sie ist aktiv: Projekte
wie:
■
■
■
■
■
■
Schon Gotthold Ephraim Lessing,
der uns nicht als Gesundheitsapostel
bekannt ist, schrieb:
„Im Essen bist du schnell
im Gehen bist du faul.
Iss mit den Füßen, Freund,
und nimm zum Gehn das Maul!“
Ob er seinen mahnenden Vierzeiler
beherzigt hat, wissen wir nicht. Nichtsdestotrotz: Lehrerinnen und Lehrer beschreiben immer wieder eine geringere
Lern- und Leistungsbereitschaft, eine
geringere Konzentration, eine nachWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
■
■
■
„Aktive Pause – tägliche Bewegungszeit“
„Aktionstag Sitzen und Bewegen“
„Wahrnehmen, Bewegen, Lernen,
Leisten“
„Schulverpflegung“ (Schulkiosk,
gesundes Frühstück, Mittagsverpflegung)
„Kochen in der Grundschule“
„Food-Experience-Day“
„Werkstatt Ernährung“
„Klasse2000“
„Alexandertechnik für Lehrerinnen
und Lehrer“
„Was hält Menschen gesund?“. Dabei
geht es einerseits um Fähigkeiten und
Wissen der jeweiligen Person und andererseits um strukturelle Faktoren, die
diese Person gesund bleiben lassen.
Ich bin überzeugt, dass durch diese
Anregungen aus der Praxis für die Praxis Motivation erzeugt wird, an der eigenen Schule Ähnliches zu erproben.
Karin Wolff
und vieles mehr zeigen deutlich das
Engagement der Schulen. Bewegung,
Ernährung, Entspannung können gerade hier „Wunder“ bewirken im Sinne
einer außerordentlich wichtigen Präventivmaßnahme.
Die vorgestellten Beispiele setzen
im Vorfeld potentieller Symptome an
und sind orientiert an der Leitfrage
3
Ernährung – Bewegung –
Entspannung: Elemente der
Gesundheitsförderung
Diese Trias trägt wesentlich zur individuellen Gesundheit und Leistungsfähigkeit bei.
B
ereits für den griechischen Arzt
Hippokrates (460 v. Chr. bis 370
v. Chr.) zählten Ernährung, Bewegung
und Entspannung zu den Grundsäulen von geistigem und körperlichem
Gleichgewicht (= Gesundheit). Er therapierte entstandene Ungleichgewichte
(= Krankheit) mit Umstellungen des
Ernährungs-, des Bewegungs- und des
Entspannungsverhaltens. Ein wesentlicher Faktor seiner Diagnose und Therapie waren die Lebensumstände des
Patienten, dessen Konstitution oder
auch der jeweils ausgeübte Beruf.
In der gegenwärtigen Zeit boomt
der Markt mit Veröffentlichungen
und Aufklärungsmaßnahmen zu ausgewogenem Essen und Trinken, mit
Kursangeboten zu Bewegung sowie
Entspannung. Fitnesszentren mit entsprechenden Kurs- und Trainingsangeboten entstehen allerorten. Gleichzeitig
nimmt die Zahl der übergewichtigen,
bewegungsarmen Personen zu und
steigt die Zahl derjenigen, die über ein
Übermaß an Belastung und mangelnde
Entspannungsmöglichkeiten klagen.
Damit einhergehen Krankheitsbilder wie die des Herz-/Kreislaufsystems, des Bewegungsapparates, der
Immunabwehr,
psychosomatischer
Störungen u.a.
4
Offensichtlich greifen die bis jetzt
getroffenen Aufklärungsmaßnahmen
nur schwer im Zusammenhang mit oft
langjährig praktizierten Verhaltensweisen – dies auch dann, wenn rational
erkannt wurde, dass es sich um krankmachende Verhaltensweisen handelt.
Zahlreichen Menschen ist scheinbar die
Fähigkeit sich angemessen zu ernähren,
sich ausreichend zu bewegen und zu
entspannen abhanden gekommen. Die
Basis für diese Verhaltensweisen wird
– vergleichbar mit anderen Verhaltensweisen auch – im Kindesalter gelegt,
im späteren Alter ausdifferenziert.
Die Auswertung einer breit angelegten Studie zur Ernährung in der
Schule verdeutlicht: „die grundlegenden Weichen für das Ernährungsverhalten werden im Kindes- und Jugendalter
gestellt“. In Ernährungsfragen, wie
auch in der Beurteilung von Qualität,
Auswahl und Verarbeitung von Lebensmitteln, ist in den Familien häufig
trotz vielfältiger Informationsmöglichkeiten eine deutliche Kompetenzlücke
festzustellen. (Forschungsprojekt „Ernährung in der Schule“, Universität Paderborn, Prof. Dr. Heseker u.a.)
Nationale und internationale Studien zeichnen ebenfalls ein eher düsteres
Bild bezogen auf die gesundheitliche
Situation von Kindern und Jugend-
lichen und damit einhergehend von
Lern- und Leistungsfähigkeit.
„Nach Angaben der WHO ist in
Deutschland jedes fünfte Kind übergewichtig. Bei der Gruppe der Jugendlichen ist es sogar jede/r Dritte.
Hauptgrund ist eine Fehlernährung
und Bewegungsmangel.... Um aber
eine durchgreifende Strategie zu entwickeln, müsste neben der elterlichen
Aufklärung gesunde Ernährung bereits in Schulen kommuniziert werden.
Ebenso gehört gesundes Essen (und
Trinken) in Kindergarten, Hort, Schule
und Kantine...“ (Deutsches Ärzteblatt,
Jg. 98; Heft 45)
Weiter heißt es in der Veröffentlichung: „Ein wesentlicher therapeutischer Ansatz ist die Aufklärung der
Eltern. Sie beeinflussen die Essgewohnheiten der Kinder maßgeblich
und gelten auch als Vorbild.“
Der erste Jugendgesundheitssurvey
versucht Antworten zu geben auf die
Fragen „Wie gesund sind unsere Kinder?“, „Welche Faktoren begünstigen
Krankheit?“, „Welche protektiven Faktoren lassen sich benennen?“, „Welche
Konsequenzen müssen für Prävention
und Gesundheitsförderung gezogen
werden?“. Diese stark verkürzt dargestellten Untersuchungsergebnisse stelWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
len für die Bildungspolitik und das gesellschaftliche Teilsystem Schule neue
Herausforderungen dar.
lungsprozess, der Bewegung/Entspannung als integrativen Teil schulischen
Gestaltens begreift.
Für Schule heißt das, Situationen
aufzugreifen und zu schaffen, in denen
Kinder und Jugendliche Kenntnisse
über die Zusammensetzung und die
Bedeutung von Essen und Trinken erwerben können und dieses Wissen im
schulischen Alltag handelnd umsetzen
können. Konkret bedeutet dies, Kinder
und Jugendliche müssen ihre eigenen
Ernährungsgewohnheiten und –vorlieben kennen lernen und unter Anleitung ggf. ändern lernen. Das heißt aber
auch, Mädchen und Jungen müssen
eine Auswahl treffen, müssen ausprobieren, was ihnen bekommt, gut tut und
gut schmeckt.
In den zurückliegenden Jahren haben zahlreiche Schulen das Thema
Gesundheit aufgegriffen. Im Mittelpunkt standen z.B. die Verbesserung
der Ernährung, die Umgestaltung des
Schulkiosks oder die Begrünung des
Schulhofs. Inzwischen hat sich die
Zahl hessischer Schulen mit Elementen
der Gesundheitsförderung vervielfacht
und aus Einzelaktionen entwickelten
sich festverankerte Rituale und Schulkonzepte.
Darüber hinaus sollte der Schulalltag so gestaltet sein, dass der Bewegungsdrang oder das Ruhebedürfnis
der Schülerinnen und Schüler nicht in
zeitliche Konkurrenz tritt mit Zeiten,
die für Essen und Trinken vorgesehen
sind. Ernährung (Essen und Trinken)
im Schulalltag zu integrieren bedeutet
einerseits Pausen- und Mittagsverpflegung für die in Schule Lernenden und
Lehrenden gesundheitsdienlich zu gestalten. Andererseits bedeutet es, eine
enge Zusammenarbeit mit Eltern und
außerschulischen Kooperationspartnern.
Seit Mai 2003 ist Gesundheitsförderung an Schulen ein wichtiger Teil des
politischen Programms des Hessischen
Kultusministeriums. Das Grundlagenpapier benennt die Leitbegriffe “Gesundheit und Gesundheitsförderung”
und leitet daraus Ziele ab. Vorrangiges
Ziel ist es, Gesundheitsförderung langfristig an allen hessischen Schulen zum
Baustein des Schulprogramms zu machen und den Schulentwicklungsprozess hin zu einer gesundheitsfördernden Schule zu unterstützen.
Darüber hinaus geht es in dem Modul darum erprobte Unterrichtsbeispiele für Lehrkräfte darzustellen.
› Bausteine
■ Dokumentation von Unterrichtsmaterialien: Der Baustein enthält
kommentierte Unterrichtsanregungen für die Klassen 1 bis 10.
■
Werkstatt Ernährung Dieser Baustein richtet sich an Schulen mit
Nachmittagsangebot. Der handlungs- und erlebnisorientierte
Unterricht für die Klassen 4-10
beinhaltet Einheiten von 2-3 Unterrichtsstunden über ein Schulhalbjahr hinweg. Ernährungsfachfrauen
führen die Unterrichtseinheiten an
den Schulen durch. Die Themen
reichen von der Nahrungsmittelerzeugung, Nahrungszubereitung,
Essgewohnheiten und Essverhalten der Kinder und Jugendlichen
bis hin zu Ernährungsökologie und
Lebensmittelwerbung. Auch der
Bereich Ernährung und Bewegung
findet hier seinen Platz.
■
Beratungs- und Werkzeugkoffer
Schulverpflegung enthält Informationen und Anregungen zu:
Dabei geht es um:
■
■
Entwicklung einer Schulgesundheitskultur
Stärkung der Gesundheit von Schülerinnen und Schülern
Stärkung der Gesundheit von Lehrkräften.
Hinsichtlich der Gesundheitssäulen
Bewegung und Entspannung sollten
Kinder den Schulalltag möglichst sinnesaktiv und handelnd erfahren können. Dabei müssen die Handlungsspielräume so vorbereitet sein, dass nicht
nur in den Außenbereichen, sondern v.
a. auch in den Innenräumen entwicklungsfördernde Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten existieren.
Schulen erhalten u.a. für die Bereiche „Ernährung“, „Bewegung“, „Entspannung“ Unterstützung durch die
folgenden Module:
Dabei geht es nicht allein darum,
den Schulalltag mit mehr Bewegungsaktivitäten anzureichern, sondern um
einen bedeutsamen Schulentwick-
Das Modul Ernährung wendet sich
mit seinen Bausteinen an die Mitglieder der Schulgemeinde und will diese
anregen, die Ernährungssituation und
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
Ernährungsweise von Mädchen und
Jungen zu hinterfragen und gestaltend
zu verändern. Unterstützung leisten
hierbei die unterschiedlichen aufgeführten Beratungspartner. Gleichzeitig enthält das Modul Vorschläge, wie
Schülerinnen/Schüler ihre Ernährungsgewohnheiten selbst schrittweise verändern können.
■
■ Modul Ernährung
• Grundlagen der Ernährung und
Tipps zur Umsetzung
• Bewirtschaftungsformen und Verpflegungskonzepte
• Finanzierung und Sponsoring
• Gesetzliche Rahmenbedingungen
für die Herstellung und das Angebot von Speisen und Getränken
• Beispiele aus der Schulpraxis
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NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
• Ansprechpartner und Beratungsmöglichkeiten
■ Modul Bewegungsfördernde Schule
Das Modul Bewegungsfördernde Schule enthält Bausteine für das
gesamte Kollegium, wie die Bausteine „Wahrnehmen, Bewegen, Lernen,
Leisten“ und „Aktive Pause, tägliche
Bewegungszeit“, sowie den „Aktionstag Sitzen und Bewegen“ der zusätzlich auch für Eltern, Schülerinnen und
Schüler gedacht ist, darüber hinaus
Bausteine für Lehrkräfte die im Sportunterricht, Sportförderunterricht oder
Sport AGʻs eingesetzt sind.
› Bausteine
■ Der Baustein „Aktionstag Sitzen
und Bewegen“ beschreibt die Gründe und Vorteile für „bewegtes Sitzen“ (bzw. Stehen) sowie bewegtes
Lernen und legt die Auswirkungen
dieser Erkenntnisse für die Schule
dar. Die theoretischen Erkenntnisse
werden dann anhand von Praxisbeispielen näher vertieft.
6
■
Der Baustein Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten beschreibt die
Bedeutung der Wahrnehmung und
Bewegung für das Lernen, Verhalten und Leisten. Die theoretischen
Erkenntnisse werden anhand vieler
Praxisbeispiele zu Bewegungspausen im Klassenzimmer, zur Entspannung im Unterricht und zum
themenbezogenen Lernen mit Bewegung in allen Fächern umgesetzt
■
Der Baustein „Aktive Pause/tägliche Bewegungszeit“ bezieht sich
in erster Linie auf die Pausenspielund Sportgeräte der Aktion des
HKM 2002/2003. Praxisbeispiele
zu Rollen, Gleiten, Fahren sowie
weitere Spiele und Bewegungsmöglichkeiten im Freien und Organisationsformen werden den Lehr-
kräften vermittelt. Darüber hinaus
gibt es Hinweise auf die Gestaltung
des Schulhofs.
Um die schulischen Erziehungsmaßnahmen im Bereich Förderung
einer gesunden Ernährungsweise und
Bewegungsförderung effizienter werden zu lassen, ist die enge Kooperation
mit dem Elternhaus notwendig. Auch
hierfür erhalten interessierte Lehrkräfte Unterstützung.
M. Büchler-Stumpf
Für Information können Sie sich
wenden an:
■
Projektbüro Schule & Gesundheit:
Tel.: 0611 – 368 2736
E-Mail: m.triebe-schmid@hkm.
hessen.de
■
HeLP — Gesundheitsförderung am
Arbeitsplatz Schule
Tel.: 0611 – 8803235
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
Das bewegte Schulamt – erfrischend
anders!
I
mmer häufiger fallen Schülerinnen
und Schüler durch Entwicklungsdefizite,
Verhaltensschwierigkeiten,
Lernprobleme und/oder gesundheitliche Störungen auf. Immer öfter stehen
Eltern, Kinder und Lehrer der verschiedenen Schultypen ratlos vor den Problemen Aggressivität, Verweigerung,
Schulangst, psychosomatische Erkrankungen. Pädagogen, Psychologen,
Mediziner und Therapeuten sind sich
einig: Die Anzahl der zu therapierenden Kinder wächst, die Wartezeiten für
einen Therapieplatz steigen.
Die Auffälligkeiten werden u.a.
als ADS (Aufmerksamkeitsdefizit),
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstöroung), HKS (Hyperkinetisches Syndrom – „Zappelphilipp“), LSR (Lese-, Schreib- und
Rechtschreibschwäche), Dyskalkulie
(Rechenschwäche) bezeichnet. Alle
diese Auffälligkeiten stehen auch mit
Schwierigkeiten und Störungen in der
Wahrnehmungsverarbeitung in Verbindung. Wahrnehmung und Bewegung
wiederum bedingen sich gegenseitig.
Dringende Fragen sind daher:
■
Sind unsere Schülerinnen und
Schüler wirklich in dieser hohen
Zahl therapiebedürftig?
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
■
■
■
■
Sind Einzeltherapien für alle diese
Kinder der angemessene Weg, um
Defizite aus der veränderten Kindheit und den wachsenden Bewegungsmangel aufzuarbeiten?
Müssen Lehrerinnen und Lehrer,
die ganzheitlich mit Kindern und
Jugendlichen arbeiten wollen, das
Lernfeld Schule verlassen, um als
Therapeuten außerhalb der Schule agieren und darauf reagieren zu
können?
Wie reagieren Schule und Schulaufsicht auf die deutlichen Veränderungen bei unseren Schülerinnen
und Schülern?
Welche Informationen bekommen
Eltern?
Für das Staatliche Schulamt für den
Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis
Limburg-Weilburg mit Sitz in Wetzlar bedeutete es nichts Neues, dass
Bewegungs- und Wahrnehmungser-
fahrung als Grundlage für Lernen und
Verhalten in den täglichen Unterricht
gehören. Die Anzahl von Kindern und
Jugendlichen aller Schulformen mit
Sprachproblemen, Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen sowie
Auffälligkeiten im Verhalten nimmt
auch in dieser Region ständig zu. Bereits seit 1990 reagierte man mit besonderen Maßnahmen zur Unterstützung
der Kinder, Jugendlichen, Eltern und
Lehrkräfte.
Für das laufende Schuljahr
(2003/04) lassen sich vor allem folgende Maßnahmen nennen:
■
■
■
Regelmäßige Angebote der Regionalen Lehrerfortbildung mit
Schwerpunkt „Bewegter Unterricht“ (Einbeziehung von Bewegung in alle Unterrichtsfächer)
Zusatzqualifikationen im Bereich
der Motopädagogik/Psychomotorik
(mit den Schwerpunkten Körpererfahrung, Materialerfahrung, Sozialerfahrung)
Pädagogische Tage mit dem
Schwerpunkt „Wahrnehmen und
Bewegen – Grundlage für Lernen
und Verhalten“ (neurophysiologische Grundlagen für den pädagogischen Einsatz)
7
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Vorbeugen und Fördern
Reflexhemmungsprogramm
Neurophysiologische Entwicklungsdiagnostik
Eltern-Kind-Einzelbetreuung
Kontakt / Austausch
Gemeinsamer Weg für
das Kind
Grundschule
Gesamtschule
Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufschule
Konzentrations mangel
Eltern
Schule
Schulpsychologen
Kinderarzt
Jugendamt
Therapeuten
Beratungsstellen
Lernblockade
Vehaltensauffälligkeit
Motorische
Auffälligkeit
Sprachstörung
Gute Intelligenz
Edukinestetik -Motopädagogik Gruppen
Kinder -/Jugendlichengruppen
mit regelmäßigen Elterntreffen
Motopädagogik
Grundschule
Förderstufe
Eltern-Kind-Gruppe
Sensorisch-integrative
Motopädagogik
Abb. 1: Unterstützungsmaßnahmen des Staatlichen Schulamts mit Sitz in Wetzlar
■
■
Regelmäßige Fortbildungen für
Erzieherinnen und gezielte Zusammenarbeit mit den Kindergärten
Die kostenfreie Möglichkeit einer
individuellen Entwicklungsdiagnostik auf neurophysiologischer
Grundlage im Staatlichen Schulamt
mit anschließendem Förderprogramm: Auffälligen und Teilleistungsgestörten
Kindern
wird
aufgrund einer eingehenden Diagnostik geholfen, an den Wurzeln
der Defizite beginnend zu arbeiten,
um sie angemessen auszugleichen.
Viele der vorgestellten Kinder und
Jugendlichen gelangen alleine
durch Üben der Unterrichtsstoffe
nicht zum Erfolg, versagen teilweise sogar völlig und zeigen vermehrte sekundäre Auffälligkeiten bis hin
zu Aggressivität, Depressionen,
Selbstverletzung.
Die verschiedenen Förderprogramme gelten für alle Schulformen:
Angeboten wird Einzelförderung
auf neurophysiologischer Grundlage.
Dabei führen Kinder und Jugendliche
täglich in Zusammenarbeit mit den Eltern ein bestimmtes ca. dreiminütiges
Bewegungsprogramm zur Integration von unreifen Bewegungsmustern
durch. Begleitende Studien stellten bei
8
den Kindern erhebliche positive Veränderungen in emotionalen und sozialen
Verhaltensweisen sowie im Lernbereich fest. Zudem gibt es motopädagogische/psychomotorische Gruppenangebote. Diese Angebote finden bereits
in 34 Gruppen des Schulaufsichtsbereichs an vielen verschiedenen Schulen
– Grundschulen bis Gymnasien – in den
Nachmittagsstunden statt. Spielerische
und erlebnisreiche motorische Angebote ermöglichen Erfahrungen im Körper-, Material- und Sozialbereich. Toben, klettern, hüpfen, rollen, rutschen,
bauen, erkunden, experimentieren ermög-lichen Erfahrungen, die Kinder
heute im normalen Alltag vergeblich
suchen. Fitness, Ausdauer, Kraft und
Freude an der Bewegung werden genauso gefördert wie Auge-Hand-Koordination,
Raum-Lage-Beziehung,
Sprachvermögen, angemessenes soziales Umgehen miteinander, Frustrationen ertragen, helfen und Hilfe anzunehmen. Eltern-Kind–Gruppen wurden
ins Leben gerufen: Sie arbeiten mit
dem Schwerpunkt sensorisch-integrative Motopädagogik. Hier werden im
gemeinsamen und freudigen Bewegen
von Eltern und Kindern besonders die
sogenannten Körpernahsinne gefördert,
die in unserer heutigen schnelllebigen
Zeit geradezu unterversorgt werden
und mit Schulschwierigkeiten eben-
falls in Verbindung stehen. Das Vestibularsystem (Gleichgewichtssystem),
das taktile Sinnessystem (Hauterfahrungen, berühren und berührt werden)
und das propriozeptive Sinnessystem
(die Eigenwahrnehmung) stehen im
Mittelpunkt der Stunden. So fahren Eltern und Kinder gemeinsam Rollbrett,
massieren sich, hüpfen auf Bällen, balancieren und schieben, drücken und
ziehen sich gegenseitig.
Die motopädagogisch-edukinestetischen Angebote werden besonders
von älteren Kindern und Jugendlichen
angenommen. In einer Kombination
von freien Bewegungsmöglichkeiten
und gezielten Übungen zur Unterstützung geistiger Tätigkeiten wird
die Stunde auch mit Wissen über das
Gehirn und seine Funktion verbracht.
Gehirngymnastik („Brain-Gym-Übungen“) wird in Form von Fitnessübungen angeboten.
Sämtliche Angebote finden außerhalb der normalen Unterrichtszeit statt.
Alle sind kostenfrei und werden von
zusätzlich qualifizierten Lehrerinnen
und Lehrern durchgeführt. Ins Konzept
gehören auch regelmäßige Elternabende.
Bewegen und Wahrnehmen sind
Grundlagen von Lernen und Verhalten, dies ist keine neue Erkenntnis der
Pädagogik oder Psychologie. Bereits
in der Antike wurde erkannt, dass Sinneserfahrung und handelndes Erfahren
Grundlagen jeglichen Lernens sind.
Warum ist es dann so schwer, in der
Schule täglich im Unterricht etwas zu
verändern? Ist es immer noch nicht in
unseren Köpfen, dass bewegtes Lernen
gehirnfreundliches, ganzheitliches Lernen ist, dass „begreifen“ zum Begreifen
führt, dass Wahrnehmen und Bewegen
eine Weckfunktion für das Gehirn hat,
dass Konzentration und Aufmerksamkeit durch minutenkurze Bewegungsanlässe spürbar gesteigert werden können? Entwicklungsdefiziten, Lern- und
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Konzentrationsstörungen aller Art kann
und muss vorgebeugt
werden!
Abteilung für Neurophysiologische Kindesentwicklung
Elternhaus
Kinderklinik
Kinderärzte
Therapie - und
Beratungsstellen
Wetzlar hat frühJugendamt
Kindergärten
zeitig begriffen und
frühzeitig entgegengesteuert, – ob in GrundZebrah
Schule für
schulen, GesamtschuGrundschulen
Erziehungshilfe
Gesamtschulen
len, Gymnasien oder
Realschulen
Berufschulen. Immer
Gymnasien
�������������������
Berufschulen
mehr
Kolleginnen
Sonderschulen
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und Kollegen bilden
sich in ZusammenarGewaltprojekt
beit mit HeLP (HesFachberater SSA
sisches Landesinstitut
Motopädagogik
für Pädagogik) und
Staatlichem Schulamt
Schulpsychologischer
weiter. Immer mehr
Universität
Dienst
Eltern
unterstützen
������������������������������������������������������
und verlangen Bewegung als Motor zum
Lernen. In der Arbeitsstelle für Neu- mathematische Erfahrung über Kör- licher Schritt in die richtige Richtung:
rophysiologische Kindesentwicklung pereinsatz verfestigen Gelerntes auch Behebung von EntwicklungsverzögeANKe bemühen sich die Verantwortli- in höheren Klassen und ermöglichen rungen, Prävention von Erkrankungen
chen in Zusammenarbeit mit Vertrete- ganzheitliches Erfassen und Begreifen. und Förderung der kognitiven schulirinnen und Vertretern aller betroffenen Die Angebote werden minutenweise schen Leisten können effektiv durch
Bereiche und Institutionen, Kindern im Unterricht angeboten, sie ersetzen unsere Maßnahmen unterstützt werund Jugendlichen eine gesunde und nicht den Unterrichtsstoff, sondern un- den. Angesichts der politischen Folgerungen aus der PISA-Studie zeigen
lebensfrohe Schullaufbahn zu ermög- terstützen gehirngerechtes Lernen.
sie einen Weg auf für eine gedeihliche,
lichen.
Eine bewegte Schulzeit und sinn- Störungen kompensierende und mit
Die interdisziplinäre Zusammenar- volles freudiges Lernen schaffen Inter- Freude erlebte Schulzeit.
beit zwischen den einzelnen Institutio- esse, Motivation, Aufmerksamkeit und
Die aktuelle IGLU-Untersuchung
nen ist in den Jahren seit 1990 gewach- Langzeiterfahrungen des Gelernten
sen, sie bildet die wichtige Grundlage für das Gehirn. Eltern, Lehrer und vor zur Lesefertigkeit unserer Grundschulder „angemessensten Hilfe für den ein- allem die Kinder werden von regelmä- kinder und das erheblich gestiegene
zelnen Schüler“.
ßigen Bewegungsanlässen profitieren: Ansehen der Grundschullehrerinnen
Durch erweiterte Handlungsfähigkeit und -lehrer machen deutlich, dass die
In den Schulen ist es wichtig, neben wird das Erreichen der kognitiven zuvor für das Lernen in Bewegung gemachten Aussagen auch und erst recht
dem regulären Sportunterricht Bewe- Leistungen maßgeblich unterstützt!
für die Sekundarstufen I und II Gültiggungspausen, bewegte Pausen, Unterkeit besitzen!
richtsinhalte mit Bewegungsanlässen
und Bewegungsfreiheit beim Arbeiten ■ Fazit
Bewegen wir uns alle in diese Richanzubieten. Dies alles unterstützen und
tung!
verfestigen Regeln und Rituale.
Die Förderung von Wahrnehmung
... denn Schule kann bewegen!
und Bewegung, das pragmatische VorEin gesungenes und geklatschtes gehen durch das Staatliche Schulamt
D. Beigel
Einmaleins beispielsweise macht spie- in Wetzlar stellte sich in den letzten 13
lerisches Lernen in der Grundschu- Jahren als effektiv heraus. Bewegungsle möglich. Getanzte Aufsätze sowie förderung in der Schule ist ein wesentWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
9
Teilzertifikat
„Bewegungsfördernde Schule“
Immer mehr Studien belegen zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen. Lernen und Leisten in der Schule allerdings stehen in einem engen Zusammenhang mit
der Gesundheit.
D
as hessische Kultusministerium
möchte Schulen dabei unterstützen, Lehr-, Lern- und weitere Arbeitsprozesse gesundheitsfördernd zu
gestalten. Es stellt Hilfen, so genannte
„Module“, zur Verfügung, die darauf
ausgerichtet sind, Kolleginnen und
Kollegen, Schulleitungen und Personalräte auf dem Weg zu einer „Gesundheitsfördernden Schule“ zu begleiten.
Die Module sind gegliedert in solche...
• ...zur Entwicklung einer Schulgesundheitskultur,
• ...zur Lehrergesundheit,
• ...und zur Schülergesundheit.
Bewegung spielt im Prozess der Gesundheitsförderung eine entscheidende
Rolle, denn Bewegung ist Voraussetzung für eine positive körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Neben
Ernährung, Gewaltprävention, Suchtprävention, Medienerziehung stellt die
Bewegungsförderung an Schulen einen
wesentlichen Baustein im Modul der
Schülergesundheit dar.
Das Modul zur „Bewegungsfördernden Schule“ und die Möglichkeit
einer Teilzertifizierung von Schulen
möchten wir an dieser Stelle näher vorstellen:
10
• Das Teilzertifikat „Bewegungsfördernde Schule“ ist verbindlich für
das Zertifikat „Gesundheitsfördernde Schule“.
• Die einzelnen Schritte sind in den
so genannten Bausteinen – Untereinheiten des Moduls - festgelegt.
Fortbildungen der Bausteine 1 - 4
(siehe unten) geben Ihnen viele
praktische Anregungen und Tipps
und sollen Sie in Ihrer täglichen Arbeit entlasten. Der Baustein 5 und
die weiteren Aufgaben der Schule
sollen eine langfristige Umsetzung
der Ziele sicherstellen.
• Es ist ein Kooperationsprojekt des
HKM mit AOK, UKH, BAG, DSLV
und HeLP und wird vom Landeselternbeirat, Landessportbund, von
der Sportjugend, den Sportverbänden und von Firmen unterstützt.
• Das Modul enthält Bausteine für
das gesamte Kollegium, einen Baustein der zusätzlich auch für Schüler und Eltern gedacht ist, darüber
hinaus Bausteine für Lehrkräfte,
die im Sportunterricht eingesetzt
sind und einen Baustein, der durch
die Schule gestaltet wird.Grundlagen:
• Veränderungen der Kindheit und
der Wertestruktur
• Verschlechterungen des Gesundheitsstatus der Schülerinnen und
Schüler
• Gesellschaftliche und politische
Forderungen nach mehr Bewegung
und Sport in der Kinderwelt. Ausführlichere Informationen unter:
www.help.bildung.hessen.de/sport
■ Zielsetzungen
• Mit Bewegung und Sport einen
wichtigen Beitrag zur Gesundheit
leisten, Wohlbefinden und Lernatmosphäre am „Arbeitsplatz Schule“ verbessern
• Steigerung der Motivation, sich
mehr zu bewegen
• Biologische Reifungs- und Entwicklungsprozesse fördern und
damit Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Haltungsschwächen
vorbeugen
• Voraussetzungen für das Lernen,
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit verbessern
• Lernmotivation steigern und Unterrichtsstörungen verringern
• Sozialverhalten verbessern
• Voraussetzungen schaffen, die zu
einer Vermeidung von Unfällen
beitragen
• Mit Bewegung und Sport einen
wichtigen Beitrag zur Prävention
durch die Steigerung des Selbstwertgefühls leisten
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
■ Die Bausteine im Überblick:
• Bausteine 1- 3 für das gesamte Kollegium
- 1: Aktionstag Sitzen und Bewegen
- 2: Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten
- 3: Aktive Pause und tägliche
Bewegungszeit
• Baustein 4 für im Sport eingesetzte
Lehrkräfte
- unterschiedliche Angebote der
hessischen Lehrerfortbildung
oder von Partnern
• Baustein 5 für die Schulpraxis
- praktische Umsetzung eines
schulinternen Projektes
Für den Baustein 1 melden Sie
sich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG), MatthiasClaudius-Str. 14, 65185 Wiesbaden,
www.bag-haltungundbewegung.de
› Baustein 2: „Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten“
Es handelt sich hierbei um eine dreistündige Fortbildung am Nachmittag,
die neben theoretischen Grundlagen
der Bedeutung der Bewegung für das
Wahrnehmen, Lernen, Verhalten und
Leisten viele praktische Beispiele zu
Bewegungspausen im Klassenzimmer,
zur Entspannung und Stille im Unterricht und zum Lernen mit und durch
Bewegung in allen Fächern vermittelt.
› Baustein 1: „Aktionstag Sitzen
und Bewegen“
› Baustein 3: „Aktive Pause, tägliche Bewegungszeit“
Dies ist eine ganztägige Veranstaltung mit Schwerpunkten zu haltungs- und bewegungsbewussten Verhältnissen und Verhaltensweisen unter
Einbeziehung von Schülerinnen und
Schülern, Lehrkräften und Eltern.
Dies ist ebenfalls eine dreistündige
Fortbildung am Nachmittag mit Anregungen zur täglichen Bewegungszeit,
zur Gestaltung und zur Organisation
von Bewegungszeiten auf dem Pausenhof mit ausgewählten Spiel- und Sportgeräten.
• Schülerinnen und Schüler – Das bewegte Klassenzimmer:
- Praxis mit den Klassen 1 - 4,
jeweils eine Schulstunde mit
Klassenlehrer/in
- „Schulranzen TÜV“ Gewichtsmessungen und richtiges Tragen
• Lehrerinnen und Lehrer – Lehrerfortbildung (für das gesamte Kollegium am Nachmittag):
- „Bewegte“ Arbeitsplatzgestaltung
- Auswertung „Schulranzen TÜV“
- Lernen mit/in/durch Bewegung
• Eltern – Elternabend (Informationsveranstaltung am Abend):
- Elternverantwortung
- Kooperation mit der Schule
- Möglichkeiten der Einflussnahme in der Schule, zu Hause und
in der Freizeit
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Für die Bausteine 2 und 3 wenden
Sie sich an Ihr Staatliches Schulamt.
(jeweilige/r Ansprechpartner/in unter
www.schuleundgesundheit.hessen.de,
Stichwort: Organisation)
› Baustein 4: „Angebote für im
Sport eingesetzte Lehrkräfte“
Sportunterricht/Sportförderunterricht
• Turnmobil – Qualifikation der hessischen Schülerinnen und Schüler
• Fitness in der Grundschule
Lehrerfortbildung gemäß Erlass
• Leichtathletik
• Spielen (Volleyball/ Fußball/Basketball)
• TAT – Force „Motopädagogik“
• Fachtagung „Mehr Bewegung in
die Schule“: Fortbildungsreihe der
hessischen Lehrerfortbildung
Angebote der hessischen Lehrerfortbildung mit ihren Partnern, Informationen und Anmeldemöglichkeit
finden Sie unter: www.help.bildung.
hessen.de/programme
› Baustein 5: „Praktische Umsetzung eines schulinternen
Projektes“
Die Praktische Umsetzung eines
langfristigen schulinternen Projektes
kann sein...
• Einführung der täglichen Sportstunde,
• Schulhof in Bewegung,
• Schulgestaltung,
• Kooperation mit einem Sportverein,
• regelmäßige Projektwochen mit
Bewegungsinhalten,
• eine eigene Idee/eigene Ideen der
Schulgemeinde.
Hilfen zum Baustein 5 können Sie
bei den Schulberatern oder -beraterinnen „Bewegung“ abfragen (jeweilige/r
Ansprechpartner/in unter www.schuleundgesundheit.hessen.de, Stichwort:
Module zur Schülergesundheit, „Bewegungsfördernde Schule“).
■ Aufgaben der Schulen
zum Erwerb des Zertifikats
• Teilnahme an mindestens zwei
Bausteinen durch das gesamte Kollegium
• Teilnahme an mindestens einem
Angebot im Rahmen des 4. Bausteins für im Sport unterrichtende
Lehrkräfte
• Umsetzung des Bausteins 5
• Dokumentation eigener Aktivitäten, z.B.:
- Internetauftritt
- Videopräsentation
- Ausstellung
• Umsetzung in der Stundentafel
- 3-stündiger Sportunterricht
11
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
- Angebot von Sportförderunterricht oder Motopädagogikstunden
- Angebot von täglicher Bewegungszeit
• Aufnahme der „Bewegungsfördernden Schule“ in das Schulprogramm
Ausführlichere Informationen zu
den Grundlagen, Zielen und Bausteinen erhalten Sie unter: www.help.bildung.hessen.de/sport
Gerd Vonhausen
12
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Runter vom Sofa – raus aus dem
Haus!
Wettbewerbe rund um Bewegung
S
chulweg, Treppen steigen, Rad
fahren, Schwimmen – was kommt
da an Bewegungszeit zusammen? Wer
kann schon sagen, wie viele Minuten
man sich täglich oder gar in einer Woche bewegt? Gibt es darüber hinaus
Ideen und Anregungen, diese Bewegungszeit zu steigern und mehr Freude
an Bewegung zu wecken?
Das herauszufinden, darum geht es
bei der Kampagne „Jugend in Bewegung – Sport verbindet Europa“, die im
April 2004 startete. Teams, bestehend
aus Schulen, Vereinen, Kindergärten
oder Jugendgruppen, waren und sind
aufgerufen, im Rahmen eines Wettbewerbs genauer nachzuforschen. Dabei soll nicht nur die Sportzeit in der
Halle oder auf dem Sportplatz erfasst
werden, sondern auch die Bewegungszeit im Alltag – und das in möglichst
großen, vernetzten Teams. Gefragt
sind außerdem kreative Vorschläge,
die Bewegung zusätzlich fördern, z.B.
besondere Pausenaktivitäten oder Bewegungsspiele für Unterricht und Freizeit.
■ Eine gemeinsame Aktion
Initiatoren der Kampagne sind das
Hessische Kultusministerium, das Hessische Ministerium des Inneren und für
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Sport, das Hessische Sozialministerium
und der Landessportbund Hessen sowie
weitere Partner. Ziel ist es, bei Kindern
und Jugendlichen ein Bewusstsein für
ihre tägliche Bewegung zu schaffen
und sie zu mehr Bewegung anzuregen.
Denn mehr körperliche Aktivität steigert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit und wirkt sich positiv auf die
schulischen Leistungen aus. Gleichzeitig lernen die Kinder und Jugendlichen,
dass sie sich im Team gegenseitig motivieren und gemeinsam mit anderen
ihre Chancen verbessern können.
Die ersten Teams sind schon im Netz:
www.yim2004.info
Bis zum Beginn der hessischen
Sommerferien schlossen sich bereits 91
Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Sportvereine und Jugendeinrichtungen, darunter auch eine Schule
aus Frankreich und eine aus Großbritannien, zu 47 Teams zusammen. An
den Wettbewerben beteiligen sich bislang 4.155 Kinder und Jugendliche.
Die Teams verständigen sich auf
eine Woche, in der alle ihren Bewegungsbogen ausfüllen. Der Vordruck
enthält Bewegungsbeispiele, eigene
Bewegungsarten werden individuell eingetragen. Am Ende der Woche
rechnet jeder Teilnehmer seine Bewe-
gungszeiten zusammen. Danach werden alle Einzelergebnisse des gesamten
Teams addiert und im Internet auf der
Aktions-Webseite www.yim2004.info
veröffentlicht.
Hier gibt es ausführliche Informationen zu den beiden Wettbewerben,
Formulare zum Herunterladen, Anregungen und Tipps rund um Bewegung
und Wissenswertes über Europa. Erworbenes Know-how kann anschließend in Quiz-Form getestet werden.
Die beteiligten Teams werden mit ihren Ergebnissen und kreativen Beiträgen online vorgestellt. Darüber hinaus
können sich Kinder und Jugendliche
auch über die europäischen Nachbarn
informieren. Zu England, Frankreich,
Italien, Österreich, Polen, Portugal,
Spanien, Tschechien und Ungarn gibt
es sach- und sportliche Infos – weitere Länder sollen folgen. Die Webseite
steht in deutscher, englischer und französischer Sprache zur Verfügung und
bietet zielgruppenorientierte Versionen: für Kinder und Jugendliche und
für Lehrkräfte und andere interessierte
Erwachsene.
13
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
■ Start frei zur zweiten Runde
Nach den Sommerferien geht es in
die zweite Wettbewerbs-Runde! Die
bereits bestehenden Teams können
jetzt versuchen, ihre Bewegungszeit zu
steigern – neue Teams haben die Chance einzusteigen und mitzumachen.
Einsendeschluss für den zweiten Bewegungs- und Kreativwettbewerb ist
der 1. November 2004 (erster Schultag nach den hessischen Herbstferien).
Ende November werden die Hauptgewinner im Rahmen einer Festveranstaltung im Hessischen Landtag geehrt.
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Infos und Materialien zum Wettbewerb
gibtʼs im Internet unter:
www.yim2004.info.
■ Kontakt
KiKo – Büro für Kommunikation
Löwengasse 27 B
D-60385 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)60 46 99 61 51
Fax: +49 (0)60 46 99 61 55
E-Mail: wettbewerb@yim2004.
info
■ Aktions-Perspektiven
Die Kampagne soll im nächsten
Jahr mit Partnern aus anderen Bundesländern fortgesetzt werden. Geplanter
Themenschwerpunkt ist „Bewegung,
Sport, Ernährung und Gesundheit“.
Der Wettbewerb zur Bewegungszeit
wird weitergeführt.
14
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Bewegung in der Schule ist der
Hit – sie hält den Körper und das
Denken fit!
Bewegungsmangel: Störquelle für eine Balance von
Lernen und Gesundheit bei Kindern
M
ittlerweile gilt es unter internationalen Experten als erwiesen,
dass ergonomisch ungünstig gestaltete
Arbeitsplätze und wenig kindgemäßes
Arbeitsverhalten psycho-physische Belastungen hervorrufen, welche sich als
in vielfältigen körperlichen Beschwerden äußern – wie z.B. als Kopf-, Rücken-, Bauch- oder Magenschmerzen,
Konzentrationsschwierigkeiten
und
Schlafstörungen – und dadurch auch
das Lernen ungünstig beeinflussen.
Erschwerend kommt hinzu, dass
auch außerhalb der Schule die Umwelt
des Kindes sowohl hinsichtlich der
räumlichen Beschaffenheit als auch der
sozialen Struktur eine für das Kind ungünstige Position angenommen hat.
Erziehungs- und Bildungseinrichtungen stehen diesbezüglich heute vor
großen Herausforderungen. Das Kultusministerium Hessen will Schulen
bei diesen Herausforderungen unterstützen. Es stellt Schulen Hilfen zur
Verfügung, die darauf ausgerichtet
sind, sie auf dem Weg zu einer „Gesunden Schule“ zu unterstützen. Damit
soll bei allen Beteiligten eine Balance
von Gesundheit, Lehren, Lernen und
Leisten hergestellt werden.
Gesundheitsförderung kann einen
großen Beitrag zur Erziehung und BilWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
dung leisten, und Bildung und Erziehung kann die Gesundheit beeinflussen.
Lern- und Leistungsbereitschaft können bei Kindern und Jugendlichen nur
geweckt werden, wenn sie sich körperlich, psychisch und sozial wohl fühlen.
In diesem Sinne gehören Bewegungs-,
Gesundheits- und Leistungsförderung
unbedingt zusammen, bilden sie eine
Einheit.
Die zur Zeit in den Bundesländern
unterschiedlich akzentuierten Konzepte zur „Bewegten Schule“ entsprechen
der Idee innovativer Schulprogramme,
die ein wesentliches Element der Schulentwicklung darstellen. Im Hinblick
auf aktuelle Entwicklungen, wie z.B.
die Ganztagsschule, erhalten Schulen
zunehmend mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume.
■ Die Bewegungsfördernde
Schule
■ Lernen und Bewegung
– kein Widerspruch!
Eine gute, die Schülerinnen und
Schüler auf die Zukunft vorbereitende
Schule kann immer nur eine „gesunde
Schule“ sein. So war schon 1778 bei
Rousseau zu lesen: „Übe unablässig
den Leib, mache ihn kräftig und gesund, um ihn weise und vernünftig zu
machen“. Empirische Untersuchungen
heute bestätigen Rousseaus Ratschläge
aus dem 18. Jahrhundert. Sie betonen:
Geistige Beweglichkeit wird nicht allein durch Lernen, sondern unabdingbar auch durch Bewegung gefördert.
Und zwar bei Menschen jeglichen Alters. Neben Ernährung, Gewaltprävention, Suchtprävention stellt die Bewegungsförderung daher an Schulen ein
elementares Modul der Schülergesundheit dar.
Aus anthropologischer Sicht ist
Bewegung eine Form kindlicher Weltaneignung. Lernen mit spielerischer
Bewegung entspricht aktuellen grundschulpädagogischen Forderungen nach
einer handlungsorientierten und kindgemäßen Gestaltung des Unterrichts.
Bewegtes Lernen bedeutet eine Erweiterung der Lernformen und eröffnet
den Kindern neue Erfahrungsfelder.
Die Forderung nach einem „Lernen mit allen Sinnen” ist im Grundsatz nicht neu, gewinnt aber im Zuge
vieler komplexer psychosomatischer
Entwicklungsstörungen zunehmend an
Bedeutung: Erst durch das Zusammenwirken aller Sinne werden Lerninhalte
von Kindern umfassend „begriffen”
und verstanden. In der „greifbaren”
15
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
und handelnden Auseinandersetzung
mit Lerngegenständen werden über
die sinnliche Wahrnehmung und deren geistige und gefühlsmäßige Verarbeitung wirklichkeitsnahe Lebenszusammenhänge selbst entdeckt. Die
Erinnerung von Sachverhalten, die mit
Bewegung (im Sinne ganzkörperlicher
Erfahrungen) erlernt bzw. geübt werden, gelingt häufig besser als bei rein
kognitiver Aufnahme; auch der Transfer auf abstraktere Lernstufen kann erleichtert werden
■ Bewegte Kinder – bewegte Köpfe
Generell ist davon auszugehen,
dass Bewegung als Katalysator der
gesamten Entwicklung eines Kindes
wirkt; dieses gilt umso mehr, je jünger
ein Kind ist. Bewegungsaktivität fördert allgemein die globale, aber auch
die regionale Durchblutung im Gehirn
und regt den Stoffwechsel an.
Eine durch Bewegung ermöglichte
Rhythmisierung des Unterrichts mit
einem regelmäßigen Wechsel von Statik und Dynamik, von Belastung und
Erholung, von Spannung und Entspannung führt somit zu einer Reduktion
gesundheitlich belastender Faktoren
und zu einem besseren Lernverhalten
der Kinder. Diese Wechsel tragen auch
wesentlich zur Motivation und Entlastung der Lehrkräfte bei.
Somit ist Bewegung in der Grundschule nicht nur Sache des Sportunterrichts und darf sich nicht nur auf dafür vorgesehene Räume wie Turnhalle
oder Pausenhof fokussieren. Bewegung kann - sinnvoll in den Schultag
der Grundschülerinnen und -schüler
integriert - über verschiedene Regulationsebenen des Organismus (physische,
psychische, soziale) fördernd wirken
sowohl für den allgemeinen Gesundheitszustand der Kinder und auch spe-
16
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
ziell für ihre psychomotorische und kognitive Entwicklung.
■ Die „Zertifizierung“ zur
Bewegungsfördernden
Schule
Auf der Grundlage der oben beschriebenen Notwendigkeit gesunder
und bewegter Schulkonzepte möchte
das Kultusministerium Hessen allen
Grund- und Sonderschulen den Weg zu
einer „Bewegungsfördernden Schule“
ermöglichen. Ziel ist es, die vorhandene kindliche Bewegungsfreude möglichst lange zu erhalten und Schule so
zu verändern, dass eine kind-, lehrerund lerngerechte Rhythmisierung des
Schultages erreicht wird.
Die Inhalte hierzu werden durch
sog. „Fortbildungs-Bausteine“ empfohlen. Diese vermitteln viele praktische Anregungen und Tipps und sollen
alle an der Schule Beteiligten in Ihrer
täglichen Arbeit entlasten. Der Erweb
dieser Fortbildungen schließt mit einer
Teilzertifizierung ab.
Nähere Auskünfte, insbesondere
zu den Fortbildungsinhalten der „Bewegungsfördernden Schule“ erhalten
Sie unter: www.schuleundgesundheit.
hessen.de
Dr. Dieter Breithecker
Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V., Wiesbaden
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
Ausdauer ist nicht alles, aber ohne
Ausdauer ist Gesundheit nichts.
E
s gilt als unbestritten: Die körperliche Leistungsfähigkeit unserer
Kinder und Jugendlichen wird zunehmend schlechter. Bewegungsmangel
als Folge unserer veränderten Umweltbedingungen werden als Hauptursache
dieses Zustandes angesehen. So dokumentiert beispielsweise die WIADStudie, dass im Vergleich zu 1995 die
körperliche Leistungsfähigkeit der 6
– 18-Jährigen besorgniserregend zurückging. Bei Mädchen noch stärker
als bei Jungen. Da Gesundheit nach der
Definition der WHO ganzheitlich, als
ein „...Zustand vollkommenen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens...“ definiert ist, lässt sich
daraus ableiten, dass der Gesundheitszustand unseres Nachwuchses permanent schlechter wird.Dies hätte längst
zu einem konsequenten Einlenken mit
konkreten, schnell wirkenden Maßnahmen in der Schul- und Gesundheitspolitik führen müssen. Erst allmählich,
sicherlich mit bedingt durch die Kostenmisere im Gesundheitswesen und
auf der Suche nach sinnvollen Inhalten
bei der Konzeption von Ganztagsschulen, werden Ansätze eines Umdenkens
und Handelns sichtbar.
Vor der Erarbeitung derartiger
Konzepte müssen wir den Begriff Gesundheit näher betrachten. Zweifellos
unterscheiden sich gesunde von weniWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
ger gesunden oder kranken Menschen
durch
■
■
■
■
■
■
ein ökonomisch funktionierendes
Herz-Kreislauf-System,
eine positive Sauerstoffbilanz in
den Organen,
einen ausgewogenen Muskel- und
Körperfettanteil,
einen Bewegungsapparat in muskulärer Balance,
ein starkes Immunsystem und
der Zufriedenheit mit sich und ihrer
sozialen Umgebung.
Als nächstes stellt sich die Frage,
wie können wir diesen Zustand erreichen? Die ganzheitliche Definition fordert dabei unterschiedliche Methoden.
Ausdauerbelastungen kommt allerdings eine Schlüsselfunktion zu, denn
gerade durch diese erzielen wir eine
Ökonomisierung unseres Herz-Kreislauf Systems, es gelingt uns, die Organe besser mit Sauerstoff zu versorgen,
wir aktivieren den Fettstoffwechsel,
sorgen für eine Stärkung des Immunsystems und fühlen uns zufriedener.
Stets vorausgesetzt, dass wir das Training mit sinnvollen Belastungsnormativen durchführen.
Unter Beachtung der Definition von
Ausdauer, als der „psycho-physischen
Ermüdungswiderstandsfähigkeit des
Organismus bei Arbeitsbelastungen„
wird deutlich, dass Ausdauertraining
bezüglich seiner Anpassungsprozesse
im Körper eine hohe gesundheitliche
Bedeutung genießt. Außerdem ist unbestritten, dass es zu einer besseren
Konzentrationsfähigkeit der Trainierenden führt. Nicht ohne Grund gehören Ausdauerbelastungen zum Trainingsprogramm jedes Sportlers. Sogar
Formel 1-Pilot Michael Schumacher,
Jury Kasparow, der Schachspieler und
Bernhard Langer, der Golf-Professional trainieren ihr Ausdauerleistungsvermögen, denn ohne entsprechende
Note
2000 m
3000 m
5000 m
1
< 8 min
< 13
< 22
2
< 11 min
< 17,5 min
< 29,5 min
3
< 14 min
< 21
< 35
4
< 17 min
< 25,5 min
< 42,5
5
> 17 min
> 25,5 min
> 42,5 min
6
nicht angetreten
nicht angetreten
nicht angetreten
min
min
min
min
min
Tab. 1: Bewertungstabelle der Ausdauerleistung
17
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
Kondition wären diese Athleten nicht
in der Lage, den hohen körperlichen
aber auch mentalen Belastungen auf
internationalem Niveau Stand zu halten.
Die Ausführungen machen deutlich, dass ein gesundheitlich orientierter Sportunterricht und ein schulisches
Gesundheitskonzept ohne Ausdauerprogramme unvollständig ist. Darüber
hinaus knüpft es an den Interessen
unserer Kinder und Jungendlichen an,
denn Joggen, aber auch Schwimmen
und Radfahren gehören bei Mädchen
und Jungen zu den Lieblingssportarten
aller Altersstufen von 6 bis 18 Jahren
(WIAD 1/2003). In Kenntnis dieser
Zusammenhänge hat die Hessenwaldschule in Weiterstadt (schulformbezogene Gesamtschule von Klasse 5 – 10)
der Ausdauer im Sportunterricht eine
besondere Beachtung geschenkt. Jedes
Jahr steht in jeder Klassenstufe ein 6wöchiges Ausdauerprogramm auf dem
Plan. Verschiedene Ausdauerdisziplinen und deren gesundheitliche Bedeutung werden durch Techniktraining,
Veranschaulichung der biologischen
Grundlagen und durch den Einsatz von
Herzfrequenzmonitoren der Firma Polar veranschaulicht.
Ziel der Einheit ist es, allen Schülern die Bedeutung von Ausdauerbelastungen verständlich zu machen und
sie in die Lage zu versetzen, nach der
6-wöchigen Einheit 2000 m in der Förderstufe, 3000 m in der Klassenstufe
7/8 und 5000 m in der Klassenstufe
9/10 ohne Pause locker laufen oder
zügig walken zu können. Die Einführung eines Zeitlimits von < 17 min
(2000 m), < 25,5 min (3000 m) und <
42,5 min (5000 m) solle insbesondere
Anzahl
%
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
den sportlich schwächeren und teilweise übergewichtigen Schülerinnen
und Schüler zeigen, dass einerseits bestimmte Reizschwellen überschritten
werden müssen, um Trainingseffekte
zu erzielen, aber andererseits die Strecken innerhalb der zeitlichen Grenzen
mit wenig Training und etwas Ehrgeiz
für nahezu jeden problemlos zu bewältigen sind.
Im Schuljahr 2002/2003 wurde auf
Wunsch der leistungsorientierten Kinder und Jugendlichen erstmals eine
Zeittabelle eingeführt, um ihnen einen
Vergleich mit anderen Schülern zu ermöglichen. Darüber hinaus fand in der
letzten Schulwoche vor den Sommerferien eine Ausdauer-Schulmeisterschaft
statt, bei der jeder auf freiwilliger Basis
den direkten Vergleich mit seinen Klassenstufenkameraden suchen konnte.
Die Zeittabelle wirkt sich auf den
Gedanken, Ausdauertraining als gesundheitsorientierte Maßnahme in
den Sportunterricht einzubeziehen,
eher kontraproduktiv aus. Stattdessen
ist eine individuelle Belastungsdosierung in Abhängigkeit zur momentanen
körperlichen Leistungsfähigkeit jedes
Schülers zu fordern. Weiterhin stellt
sich die Frage, sollte überhaupt im
Rahmen von Gesundheitskonzeptionen
eine Bewertung von Leistungen erfolgen? Wenn ja, nach welchen Kriterien
lassen sich solche Bewertungsschemata erstellen?
Auf der Suche nach Lösungsansätzen haben wir in den Abschlussklassen
den herzfrequenzgesteuerten Ausdauerlauf eingeführt. Jeder Schüler konnte erstmals entscheiden, ob er 5000 m
nach der Zeittabelle oder 40 min nach
100 - 97
96 - 93
92 - 89
88 - 85
< 85
Gesamt
5
12
8
3
9
37
13,51
32,43
21,62
8,11
24,32
100
Tab 2: Prozentuale Verteilung der Herzfrequenzvorgaben beim Ausdauerlauf
der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen.
18
Herzfrequenzvorgabe von 160 – 170
oder 170 – 180 Schläge / min laufen
oder walken möchte. Die Daten wurden
mit Polaruhren im 5 sec Modus aufgezeichnet, über ein Interface in den PC
übertragen und mit der Polar Software
ausgewertet. Mit dieser Methode erfuhren die Schüler, dass es beim Training
von Ausdauerleistungsvermögen nicht
um hohe Intensitäten, sondern mehr
um die Entwicklung von Körpergefühl
und die gleichmäßig, andauernde Belastung großer Muskelgruppen geht.
Konsequenterweise wurde zum Abschluss der Ausdauereinheit der 40 min
Dauerlauf (Walking) nach dem prozentualen Erreichen der Herzfrequenzvorgaben bewertet:
Note
Erreichte Herzfrequenz
1
100 – 92 %
2
91,9 - 84 %
3
83,9 - 76 %
4
75,9 - 68 %
5
< 68%
6
nicht angetreten
Diese Option wurde von den meisten Schülern bevorzugt und führte
auch bei ansonsten weniger sportlichen
Schülern zu guten Ergebnissen.
Nach diesen Erfahrungen ist nun zu
prüfen inwieweit es gelingt, diese Methode zukünftig in allen Klassenstufen
anzuwenden. Platz zum Laufen finden
wir überall. Lediglich die Investition
eines Klassensatzes von Herzfrequenzmessgeräten mit Aufzeichnungsfunktion und die Auswertungssoftware sind
erforderlich. Gesundheitsprävention ist
eben eine Investition in die Zukunft.
Dr. Bernd Gimbel
Gymnasiallehrer (Biologie und
Sport)
Autor des Buches „KörperManagement – Die Strategie gegen
berufliche Belastungen“
Tel. 06150-974600
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Projekte der Schulen
Im Rahmen des Projektes „Schule und Gesundheit“
wurden an unserer Grundschule Kurse eingeführt
mit der Bezeichnung: „Yoga für Kinder und Erwachsene“
E
ltern und deren Kinder werden
täglich durch die Anforderungen
des Berufslebens des Schul- und Familienalltags stark gefordert und teilweise
an die Grenzen ihrer individuellen Belastbarkeit geführt.
Sie werden physisch und psychisch
gestresst. Krankheitsbilder können
sich dadurch entwickeln. Kinder und
Erwachsene leiden unter der täglichen
Hast. Die persönliche Leistungsfähigkeit und das individuelle Wohlfühlen
können dadurch erheblich gemindert
werden.
Mit Hilfe des komplexen Wirkungsbereiches des Yogas kann dieser
Kreislauf unterbrochen werden, da
die Yogaübungen sowohl körperliche,
geistige und entspannende Wirkungen
haben. Sogar hyperaktiven Kindern
kann damit geholfen werden, wie eine
Studie von Frau Dr. Nicole Goldstein,
die an der Universität Heidelberg 2002
durchgeführt wurde, zeigt.
Als ausgebildete Yogalehrerin habe
ich an der Grundschule Bad König
Yogakurse für Schüler und deren Eltern initiiert, da meiner Beobachtung
nach „entspannte Eltern“ in der Regel
auch fröhliche, wissbegierige und lernbereite Kinder haben. Im Rahmen der
dritten Sportstunde führen wir Yogaunterricht in der Vorklasse und in einigen
weitern Grundschulklassen durch.
und mehr angenommen. Die davon
betroffenen Schüler zeigen erhebliche
Fortschritte. Sie finden durch die Yogaübungen Ruhe und Gelassenheit und
können sich auf Phasen der Stille einlassen.
Anita Jöst-Steinwald
Grundschule Bad König
Martin-Luther-Str.1
64732 Bad König
Tel.: 06063-912666
Fax: 06063-912667
Ferner wird noch eine Yoga AG
speziell für „hyperaktive Kinder“ in
einer sechsten Unterrichtsstunde angeboten. Wöchentlich treffen sich am
Freitagabend Eltern und Lehrer in der
Turnhalle unserer Schule um den Stress
der Arbeitswoche
loszulassen und
neue Kraft zu tanken. Diese Veranstaltung dient
auch gleichzeitig
zur Schulung der
teilnehmenden
Kollegen.
Dieses
Angebot an unserer
Schule wird mehr
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19
Stressmanagement-Training
– warum es immer wichtiger
wird!
■ Stress - was ist das?
Eine eindeutige und für alle Menschen gleiche Definition scheint es für
das Wort „Stress“ nicht zu geben. Selbst
Stressforscher können sich nicht einigen, wenn es darum geht, eine exakte
und für alle verbindliche Aussage zu
treffen. Der Duden schreibt zum Stichwort „Stress“: „(...) starke körperliche
und seelische Belastung, die zu Schädigungen führen kann; Überbeanspruchung, Anspannung“. Diese Definition
wurde 1936 von dem österreichischkanadischen Biochemiker und Mediziner Hans Selye (1907-1982) geprägt
und ist aus dem Englischen abgeleitet.
■ Wann steht ein Mensch
wirklich unter Stress?
Reize und Aufgaben in der richtigen Dosierung sind lebensnotwendig.
Positiven Stress, also die Lust, Herausforderungen zu bewältigen, nennt man
Eu-Stress. Die Stresstoleranz, d. h. wie
viel äußere Anforderungen eine Person
problemlos aushält, ist individuell sehr
verschieden. Ob Straßenverkehr, Lärm
oder Zeitdruck, berufliche Über- oder
Unterforderung - sobald man sich dem
Alltag nur noch schwer oder gar nicht
mehr gewachsen fühlt und das Leben
als verbitterten Kampf statt eine inte20
ressante Herausforderung erlebt, steht
man unter Stress. Dieser negative
Stress heißt Dis-Stress.
■ Welche Krankheiten kann
Stress verursachen?
Erschöpfungszustände, Depressionen und allgemeine Anfälligkeit für
Infektionen (wegen stressbedingter
Immunabwehrschwäche) sind die ersten Folgen. Bleibt die Stressbelastung
längere Zeit bestehen, treten oft Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Magenund Verdauungsbeschwerden auf.
Chronischer Stress kann zum Beispiel
Magengeschwüre, Herz- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum Infarkt
auslösen. Bei Lehrkräften tritt besonders häufig das Burnout-Syndrom auf.
■ Sind Lehrer besonders
betroffen?
Leider gehen viele Lehrkräfte vorzeitig in den Ruhestand und nur zwischen 5 und 20 Prozent der Lehrerinnen
und Lehrer üben bis zum 65. Lebensjahr ihren Beruf aus. Dies liegt daran,
dass Lehrkräfte einer Dauerspannung
ausgesetzt sind und sie daher aus arbeitsmedizinischer und –psychologischer Sicht zu den besonders stressbe-
lasteten Personengruppen zählen. Eine
Hauptursache für diese alarmierenden
Zahlen ist, dass die Lehrkräfte nicht
gelernt haben, sich zu entspannen.
Viele neigen dazu, Belastungsphasen
und Regenerationsphasen physiologisch ungünstig zu verteilen, indem
sie während der Schulzeit ohne Pause
durcharbeiten und ihre Regeneration in
den Ferien suchen. Aus medizinischer
Sicht ist das völlig falsch. Der Körper
benötigt kontinuierlich verteilte Erholungsphasen. Gönnen die Lehrkräfte
ihm diese nicht, betreiben sie Raubbau
an ihrer körperlich-geistig-seelischen
Gesundheit. Dies ist erwiesenermaßen
auch unter der Perspektive der Zeitökonomie falsch. In der Arbeitsmedizin hat man sich sehr intensiv mit der
Wirkung von Pausen beschäftigt und
festgestellt, dass der Bedarf an der Gesamterholungszeit umso geringer ist, je
häufiger man kurze Pausen einlegt.
■ Was kann getan werden?
Das einzig Wirksame gegen Stress
ist seine bewusste Bewältigung. Darum
geht es in dem Konzept „Mehr Kraft
und Energie durch Balance“, welches
eine Entlastung aus der beruflichen
oder persönlichen Belastung bietet.
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ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
Im Seminar werden mentale Strategien vermittelt, die zu folgenden Zielen
führen:
■
■
■
■
■
■
Verborgene Stressquellen erkennen,
Stress im Körper lokalisieren,
Stress abbauen,
stressfördernde Einstellungen und
Verhaltensweisen ändern,
innere Bedürfnisse genauer wahrnehmen,
Konflikte frühzeitig erkennen und
bewältigen.
Getreu dem Motto „learning by doing“ lernen die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer nicht nur theoretische Hintergründe zu Stress, sondern Wissen
wird erlebbar gemacht. Folgende Methoden kommen dabei unter anderem
zum Einsatz:
■
■
■
■
■
■
Stresstests,
Entspannungsübungen,
Phantasiereisen,
Progressive Muskelentspannung,
Atemübungen,
Interaktionen.
Informationen zu dem Stressbewältigungsseminar „Mehr Kraft und Energie durch Balance“, welches sowohl an
drei Nachmittagen als auch als Tagesseminar durchgeführt wird, erhalten
Sie beim HeLP Regionalstelle für den
Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis in Friedberg oder unter der unten
angegebenen Telefonnummer.
Saskia Baisch-Zimmer
Studienrätin und MentalCoach
Tel.: 06172-764574
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
21
„Mehr Kraft und Energie durch
Balance“
Pädagogischer Tag an der kaufmännischen Schule in
Bad Nauheim
„Mehr Kraft und Energie durch
Balance“ – dies Seminar konnten im
Oktober 2003 Kolleginnen und Kollegen der kaufmännischen Schule in
Bad Nauheim besuchen. Im Rahmen
des Pädagogischen Tages wurde zu
unterschiedliche Themengebieten gearbeitet – eine Gruppe nahm an dem
Stressbewältigungsseminar teil. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten zunächst über einen Selbsttest ihr
aktuelles Energieniveau und verborgene Stressquellen fest. Anschließend
erhielten sie eine Einführung in die
Stresstheorie. Denn nur wenn man
weiß, wie sich Belastungen auf Körper,
Geist und Seele auswirken können und
wie man selbst reagiert, kann man dem
Stress angemessen entgegenwirken!
chen beschlossen. Zwischen den beiden Terminen konnten die Lehrkräfte
fünf Wochen lang das Gelernte direkt
im Schulalltag umsetzen und die positiven Effekte an sich selbst wahrnehmen. Am Ergänzungstermin standen
dann die praktische Lösung einzelner
Stressfaktoren, das Mentale Training
sowie die Arbeit mit Symbolen und Affirmationen im Vordergrund.
Den TeilnehmerInnen wurden verschiedene Entspannungstechniken vorgestellt, unter anderem die Progressive
Muskelentspannung, Atemübungen,
Phantasiereisen und kinesiologische
Entspannungsübungen. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer – einschließlich des Schulleiters – lernten so
einerseits neue Methoden kennen und
wurden andererseits an bereits bekannte Techniken erinnert.
Um weiterhin an die Impulse und
Ideen erinnert zu werden und um sich
gegenseitig zu unterstützen, aber auch
um den Schulalltag um angenehme
Treffen zu erweitern, legte die Gruppe
am zweiten Nachmittag des Seminars
fest, sich in zweimonatlichen Abständen zu treffen. Das erste Treffen fand
noch 2003 in der letzten Schulwoche
statt – kombiniert mit einem gemeinsamen Weihnachtspaziergang.
Aufgrund der sehr positiven Resonanz dieser Gruppe wurde spontan eine
Folgeveranstaltung nach einigen Wo-
Für mich als Leiterin des Kurses
war es ein sehr effizientes Seminar, da
es neben den Erfolgen bei der persön-
22
Einige der Lehrerinnen und Lehrer
hatten vor dem Treffen bereits einen
achtstündigen Unterrichtstag hinter
sich. Gerade weil sie dementsprechend
„ausgepowert“ waren, konnten sie direkt die positive Wirkung einfacher
Übungen erfahren, die sie zukünftig in
ihren Alltag integrieren möchten.
lichen Umsetzung auch dazu führte,
Bewusstsein dafür zu schaffen, dass
es neben den Belastungsphasen auch
während der Schulzeit, Regenerationsphasen bedarf – wenn eben möglich
täglich! Während der Schulzeit ohne
Pause durchzuarbeiten und die Regeneration auf die Ferienzeit zu verschieben, ist neben der Unfähigkeit vieler
Lehrkräfte zu entspannen eine der
Hauptursachen für die alarmierenden
Zahlen der Lehrkräfte, die Raubbau an
ihrer körperlich-geistig-seelischen Gesundheit betreiben.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig, dass sie ihren Pädagogischen Tag sehr sinnvoll genutzt
haben!
Saskia Baisch-Zimmer
Studienrätin und MentalCoach
Tel.: 06172-764574
HeLP Regionalstelle für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis
in Friedberg
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Alexandertechnik für Lehrer –
Balance zwischen Spannung und
Entspannung
Eine Kooperation von Ineke de Jongh (SPEEK) und
Schule & Gesundheit im Bereich des SSA Fritzlar
■ Was ist die „AlexanderTechnik“?
auf diesen zwei Ebenen verankert das
Gelernte besonders nachhaltig.
Die Alexander-Technik ist ein Verfahren, das sich in die internationale
reformpädagogische Tradition ganzheitlicher, geistig-seelisch-leiblicher
Erziehung einreiht. Ihr Ausgangspunkt
war – vor ca. 100 Jahren – eine berufsbedrohende Erfahrung des australischen Schauspielers F. M. Alexander:
Er verlor bei seinen Auftritten regelmäßig die Stimme. Die Alexander-Technik
ist eine Methode zur Veränderung von
Bewegungs- und Verhaltensmustern.
Dazu setzt sie bei den entsprechenden
mentalen Prozessen an:
Die Alexander-Technik ist keine separate Entspannungstechnik, sie kennt
keine speziellen Übungen. Sie ist als
ein implizit übendes Verfahren in jede
Aktivität integrierbar. Damit der Klient
die Prinzipien der Technik selbständig in seinen Alltag integrieren kann,
erwirbt er fundiertes Erfahrungswissen zu seinem Selbstgebrauch. Diese
Technik bietet den Klienten eine individuelle Bewältigungsstrategie, die an
seine eigenen Ressourcen anknüpft. Er
entwickelt eine neue Kompetenz im
Umgang mit dem eigenen Körper, die
ihm hilft, vorhandenen Verspannungen
und daraus entstehenden Krankheiten
vorzubeugen.
Sie geht davon aus, dass man Änderungen nicht einfach durch eine
Willensentscheidung erreicht, etwa
dadurch, dass man noch mehr „tut“,
sich noch mehr anstrengt. Zuerst muss
man das Falsche, das unnötige Zuviel
erkennen, und es in einem „Nicht-Tun“
dann bleiben lassen und dadurch verlernen. Durch feine Stimulation mittels
verbaler Anweisungen und subtiler
Berührung mit den Händen macht der
Trainer der Klientin / dem Klienten erfahrbar, wo überflüssige Spannung losgelassen und der Körper so koordiniert
werden kann, dass er als Ganzes gut
funktioniert. Der gleichzeitige Input
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So verstanden, ist die AlexanderTechnik auch als Präventionsmaßnahme im Praxisfeld schulischer Gesundheitsförderung sinnvoll und anwendbar.
Denn Fähigkeiten wie:
■
■
■
■
eine aufrechte und entspannte Haltung vor der Klasse,
eine ruhige und klare Stimme,
ein guter äußerer und innerer
Stand,
Balance zwischen äußerer und innerer Anforderung und
■
respektvolle Nähe und teilnehmende Distanz
können den Lehrkräften zu einer
neuen Qualität im Umgang mit sich
selbst und mit ihren Schülerinnen und
Schülern verhelfen. Der Lehrer / die
Lehrerin nimmt dabei sich und die
Schüler in ihrer Ganzheitlichkeit wahr
und entwickelt eine Sensibilität und
Kompetenz für körperorientierte Erziehungsprozesse.
Die Alexander-Technik kann somit
dazu beitragen, dass die Lehrkraft ihre
berufliche Arbeit als eine Kraftquelle
erlebt, die sie vor dem Abgleiten in ein
Burnout schützt.
■ Alexander-Technik – Fortbildung:
Im März dieses Jahres wurde in der
Schule am Dom, Schule für Praktisch
Bildbare, in Fritzlar mit dem Kollegium eine Fortbildung in AlexanderTechnik durchgeführt.
Ineke de Jongh stellte im Rahmen
einer Gesamtkonferenz die AlexanderTechnik und ihre Arbeitsweise vor. Anschließend konnten sich die interessierten Lehrkräfte zu dem Kurs anmelden.
23
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
An drei Terminen (mit je einer Woche Abstand) von je drei Zeitstunden
wurde auf der Basis der AlexanderTechnik an folgenden, von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern (TN)
als vordringlich angesehenen Themen
gearbeitet:
einen körperbehinderten Schüler
heben,
■ Umgang mit der Stimme,
■ einen Schüler respektvoll berühren,
■ Stressbewältigung.
■
■ Einstieg
Die 15 TN formulierten zu Beginn
der ersten Sitzung ihre Anliegen:
■
■
■
■
■
Probleme mit dem Bewegungsapparat (8 Nennungen)
Stressbewältigung (5)
Umgang mit der Stimme (5)
Schweres heben (5)
„Distanz in der Nähe“ (1)
Dazu wurden folgende allgemeinere Anliegen genannt:
Körperbewusstsein
■ Prävention
Wir sahen uns den Arbeitsablauf
genau an, teilten ihn in deutlich von
einander abgrenzbare Einheiten auf
und übten dann diese Einheiten im Detail.
In diesem Fall bedeutete das: sich
hinstellen ohne die Anstrengung vorwegzunehmen, in die Knie gehen, und
dabei im Rücken „lang“ bleiben, das
Kind halten und dabei auf die eigene
Koordination achten - Kontakt mit
dem Fußboden, freie Gelenke, langer
Rücken, freier Hals. Und dann ist die
eigentliche Aktion des Hebens ein Kinderspiel. Schließlich wird man nach anfänglicher Verzögerung schneller, denn
die Bewegung verläuft in bester Qualität. Dies wurde in verteilten Rollen geübt – ein TN stellte den Lehrer dar, ein
anderer den „Schüler“ – mit ständiger
Korrektur durch die Kursleiterin.
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
der Gruppe: „Die Stimme klingt voller
und deutlicher“. In Kleingruppen wurde noch weiter geübt: Zwei „Schüler“
bedrängen den „Lehrer“, dieser bleibt
ruhig stehen, arbeitet mental an seiner
Koordination und reagiert mit ruhiger
und klarer Stimme. Von beiden Seiten
entstand Erstaunen darüber, was dieses
Nichtstun bewirken kann.
■ Berührung
Allgemeine Rückmeldung der
„Lehrer“: „So ist die Arbeit viel leichter!“; der „Schüler“: “Es fühlt sich besser an, klarer und sicherer.“
Viele Schülerinnen/Schüler suchen
den Körperkontakt, andere brauchen
ihn, um zu Tätigkeiten angeregt zu
werden. Wir arbeiteten an der Balance
zwischen teilnehmender Distanz und
respektvoller Nähe, wieder mit verteilten Rollen, wobei auch hier wieder
mit Hilfe der Hände der Kursleiterin
an der eigenen Koordination gearbeitet wurde. Bei guter Koordination des
„Lehrers“ fühlten sich die „Schüler“
durchgängig besser aufgehoben und
freier, die „Lehrer“ nicht mehr so sehr
angestrengt und überfordert.
■ Stimme
■ Stressbewältigung
■
Das Kollegium zeigte sich außerordentlich engagiert, sprach liebevoll
über die Schülerinnen und Schüler in
ihrer Problematik und neigte – aus der
Sicht der Alexander-Technik positiv
verstanden – stark dazu, sich selber bei
der Arbeit „zu verlieren“.
■ Heben
Körperlich behinderte Kinder müssen immer wieder gehoben werden. Die
(meist weiblichen) Lehrkräfte kommen
dabei an die Grenzen ihrer körperlichen
Möglichkeiten. Sie handeln zu schnell
und achten nicht auf sich. Es fehlt die
bewusste „Entschleunigung“.
24
Der Lärmpegel in der Klasse ist oft
erheblich, weil viele Schüler schwer zu
bändigen oder allgemein unruhig sind
und mit Vehemenz ihre Bedürfnisse
vortragen. Nach einigen theoretischen
Erklärungen über Atmung und Stimme
führten wir einfache Atem- und Stimmübungen durch, wobei das Hauptaugenmerk auf der Gesamtkoordination
lag: Wie stehe ich? Was machen die
Arme? Bleibt die Halsmuskulatur frei?
Bewegt sich der Unterkiefer frei? Lasse ich die Luft wirklich einströmen?
Daran schloss sich eine Übung zum
lauten Sprechen an, mit der Vorgabe:
„Ich bin verärgert und setze meine
Stimme gezielt und sicher ein, um den
Schülern zu zeigen, dass jetzt Schluss
ist.“ Rückmeldung der Probanden: „Ich
fühle mich freier beim Sprechen“, und
■
■
■
■
■
Mir erlauben, an mich in meiner eigenen Körperbefindlichkeit zu denken
Der gezielte, kräftesparende Einsatz der Stimme
Nicht sofort loszulegen, wenn ich
von einem Schüler etwas will oder
ein Schüler etwas von mir will
Auch bei intensivem Körperkontakt
noch bei mir selber bleiben
Gerade dieser, in dem Kurs geübte
andere Umgang mit sich selbst ist
Stressbewältigung schlechthin!
Darüber hinaus gab es bei jedem
Termin zwei Mal die Arbeit im Liegen
(essentiell in der Alexander-Technik).
Die TN legen sich auf den Rücken, die
Beine sind aufgestellt. So kann man
wieder zu seiner eigentlichen Länge
und Breite zurückkehren, im Hier und
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NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Jetzt bewusst loslassen, um danach
wieder mit besserer Qualität loslegen
zu können. Regelmäßig angewandt
reicht es auch aus, diese Übung nur
eine Minute durchzuführen.
wirkt sich das positiv aus, sowohl auf
meine Person als auf die Arbeit mit den
Schülern. Je nach Ausgangslage des
Einzelnen lag der Akzent auf der Stimme, auf dem Heben, Entspannen oder
Berühren.
■ Auswertung
Durchgängig positiv bewertet wurde der praxisorientierte Ansatz der Alexander-Technik. Sofort nach dem ersten Termin haben die TN angefangen,
das Gelernte mit gutem Erfolg in der
Praxis zu erproben.
Es gab am Ende des ersten und
zweiten Termins eine mündliche, des
dritten eine schriftliche Befragung,
außerdem am Anfang des zweiten und
dritten Termins eine Runde zu der Frage, wie es den TN in der dazwischen
liegenden Woche mit der AlexanderTechnik ergangen sei.
Auf dem Fragebogen konnten die
TN sich frei zu folgenden Fragen äußern:
1. Was habe ich gelernt?
2. Was hätte anders / besser sein können?
3. Was hat gefehlt?
4. Was hat mir besonders gut gefallen?
5. Mein Anliegen für ein nächstes
Mal
Die TN äußerten sich durchgängig
positiv zu der Maßnahme; alle nahmen
bis zum Schluss teil. Viele hätten gern
mehr Termine gehabt und zu einzelnen
Themen mehr geübt.
Sowohl in den mündlichen wie auch
in den schriftlichen Rückmeldungen
überwogen die positiven Antworten,
die sich auf die erhöhte Achtsamkeit
für sich selbst, für den eigenen Körper
bezogen. Schmerzen im Bewegungsapparat (wichtigster Punkt bei den Anliegen!) nahmen ab oder verschwanden;
dies fiel bei der Auswertung weniger
ins Gewicht. Wichtiger war die Entdeckung, dass sich durch die konkret
erarbeitete und geübte Erfahrung die
Qualität des Umgangs mit der Schülerschaft deutlich verbesserte. Wenn ich
mir erlaube, zuerst an mich zu denken,
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Den TN haben während der Erfahrungen mit dem Gebrauch des Selbst
die ständigen Korrekturen der Kursleiterin in ihrer ruhigen, freundlichen und
aufmerksamen Art besonders gut gefallen. Dadurch wurde ein großes Maß an
Bewusstheit vermittelt.
■ Ausblick
Das Projekt hat mit diesem Einführungskurs begonnen.
Die TN äußerten den Wunsch, weiter mit der Alexander-Technik für ihren
spezifischen Schulalltag zu arbeiten.
Zur Auffrischung und Weiterentwicklung des Projekts ist ein Termin im
Frühsommer 2004 geplant.
Ineke de Jongh, Alexander-Coach
E-Mail: [email protected]
Monica Lacher, Fachberaterin
Schule & Gesundheit SSA Fritzlar
E-Mail: edertal@frankenberg.
schule.hessen.de
25
Klasse2000 – Gesundheitsförderung und
Suchtvorbeugung an der Grundschule
Klasse2000 ist das bundesweit größte Unterrichtsprogramm zur Gesundheitsförderung und
Suchtvorbeugung an der Grundschule und hat bereits über 200.000 Kinder erreicht. Es vermittelt Kindern Freude an einem gesunden Leben, Kenntnisse
ihres Körpers und soziale Kompetenzen.
D
as Programm wird seit 1997
in Hessen durchgeführt. Beim
ersten hessischen Wettbewerb in der
Suchtprävention, ausgeschrieben von
der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen und der DAK Hessen, erhielt
Klasse2000 am 19.11.2003 eine von
fünf Anerkennungsurkunden, die zusätzlich zum 1. Preis vergeben wurden.
Die Jury bestand aus Vertreterinnen und
Vertretern des hessischen Sozialministeriums, der Hessischen Landesstelle
für Suchtfragen und der DAK Landesgeschäftsstelle Hessen.
■ Die Ziele
Klasse2000 basiert auf der Erkenntnis, dass die beste Suchtvorbeugung
eine gelungene Persönlichkeitsentwicklung ist und hat folgende Ziele:
■
■
■
■
■ Klasse2000: Frühzeitiger
Beginn und kontinuierliche Durchführung
Der Klasse2000-Unterricht beginnt
in der ersten Klasse und begleitet die
Kinder über 4 Jahre während der gesamten Grundschulzeit. Dies geschieht
vor dem Hintergrund, dass die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen vom
Alter und den bisherigen Konsumerfahrungen der Zielgruppe abhängt.
Wissenschaftliche
Untersuchungen
zeigen, dass der größte Präventionserfolg noch vor dem ersten „Probierkonsum“ erzielt werden kann und dass
Vorbeugung deshalb so früh wie möglich beginnen sollte.
26
Förderung der Körperwahrnehmung und einer positiven Einstellung zur Gesundheit,
Stärkung der sozialen Kompetenz
und des Selbstwertgefühls,
Schulung eines kritischen Umgangs
mit Genussmitteln und Alltagsdrogen,
Schaffung eines gesundheitsfördernden Umfeldes.
besonderen Materialien durch externe
Fachleute, die so genannten „Klasse2000-Gesundheitsförderer“. Dabei
handelt es sich um Fachleute aus den
Bereichen Gesundheit oder Pädagogik,
die für ihren Klasse2000-Einsatz speziell geschult werden. Die Kinder sind
von diesen Besuchen begeistert, zumal
die Gesundheitsförderer meist besonderes Material mitbringen: z.B. Atemtrainer um die Atmungsfunktion zu
verdeutlichen, Stethoskope, Schwungtuch für Kooperationsspiele etc. Das
Gesundheitsthema wird dadurch für
die Kinder zum besonderen Höhepunkt
im Schulalltag. Diese Impulse werden
■ Die Umsetzung im Schulalltag
Im Rahmen von Klasse2000 werden etwa 12 Unterrichtsstunden pro
Schuljahr von den Klassenlehrerinnen
und -lehrern durchgeführt. Sie erhalten
dafür ausführliches und praxiserprobtes Unterrichtsmaterial, das auf die
Lehrpläne abgestimmt ist. Jedes Kind
bekommt pro Schuljahr ein eigenes
Klasse2000-Arbeitsheft.
Ein besonderes Kennzeichen des
Unterrichtsprogramms ist die Gestaltung weiterer zwei bis drei Stunden mit
„Weg der Nahrung“
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NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
dann in den Stunden der Lehrkräfte
nachhaltig vertieft.
Klasse2000 setzt auf einen altersgerechten Unterricht, der Spaß macht
und das Thema „Gesundheit“ mit positiven Erfahrungen und Erlebnissen
verbindet. Für dieses Leitprinzip steht
KLARO, die Sympathie- und Identifikationsfigur von Klasse2000.
Großen Wert legt Klasse2000 auf
die Einbindung der Eltern, damit die
in der Schule behandelten Themen zu
Hause verstärkt werden können. Die
Eltern erhalten z.B. jährliche Elternbriefe – auch in Fremdsprachen – und
weiteres Informationsmaterial zum
Projekt. Eine Elternbefragung hat gezeigt, dass 90% der Kinder zu Hause
von den Klasse2000-Stunden berichten.
■ Die Inhalte
Der Klasse2000-Unterricht umfasst
sowohl Gesundheits- und Körperthemen im engeren Sinne als auch soziales
Lernen – denn der beste Schutz gegen
Suchtgefahren ist eine stabile Persönlichkeit. Themen sind beispielsweise:
■
■
■
■
■
■
■
■
■
■
■
Atmung, Luft, Entspannung,
Ernährung und der Weg der Nahrung durch den Körper,
Sport und Bewegung,
Körperwahrnehmung und Rückenschulung,
Kooperationsspiele und Vertrauensübungen,
Rollenspiele zum Thema „Nein-Sagen bei Gruppendruck“,
Die Herz-Kreislauf-Funktion,
Hinterfragen von Werbebotschaften,
Kommunikationstraining,
Umgang mit Gefühlen ,
Gewaltfreie Lösung von Konflikten.
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■ Die Finanzierung
■ Wer kann mitmachen?
Klasse2000 wird nur durch Spenden finanziert, meist in Form von Patenschaften für einzelne Schulklassen.
Als Paten engagieren sich Eltern, Firmen, Institutionen, Krankenkassen,
Lions Clubs und Rotary Clubs. Die Patenschaftsbetrag für eine Klasse liegt
bei 260 € pro Schuljahr.
Schulen, die bei Klasse2000 mitmachen möchten, können ihre ersten
Klassen noch für das Schuljahr 2003/04
anmelden. Voraussetzung dafür ist,
dass die Finanzierung der Teilnahme
gesichert ist.
■ Die Wirkung
Klasse2000 wird wissenschaftlich
begleitet. Fragebogenerhebungen zur
Zufriedenheit der beteiligten Schüler,
Eltern, Lehrer und Klasse2000-Gesundheitsförderer bieten eine Grundlage für die Optimierung des Unterrichtsprogramms.
Die positiven Effekte von Klasse2000 auf das Rauchverhalten konnten bereits empirisch belegt werden!
Weitere Informationen zum Programm, die notwendigen Teilnahmeformulare und Informationen über
Möglichkeiten der Patensuche sind erhältlich bei:
Karin Becker-Weißkopf
Regionale Koordination Hessen
Dreiruthenweg 22
65388 Schlangenbad
Tel. 06129/502 640
Fax 06129/502 642
E-Mail: [email protected]
www.klasse2000.de
■ Klasse2000 in Hessen
In Hessen haben im vergangenen
Schuljahr 15.230 Kinder aus 658 Schulklassen an Klasse2000 teilgenommen.
Die Sieger des bundesweiten Klasse2000-Malwettbewerbs zum Thema
„Da fühle ich mich wohl – da fühle ich
mich nicht wohl“ kamen aus Hessen.
Die Kinder der Klasse 2a der Alexander-Humboldt-Schule aus Eschwege
hatten zwei Kästen mit Landschaften
gebaut, die plastisch zeigten, was für
sie zum Wohlfühlen gehört: Natur und
saubere Umwelt. Dazu hatten sie noch
ein Hörspiel aufgenommen und einen
Müllrap gedichtet und vertont. So viel
Kreativität wurde mit einer großen
Kiste voller Bewegungsspiele für die
Pause belohnt, überreicht von Karin
Becker-Weißkopf, der Klasse2000-Regionalkoordinatorin von Hessen.
27
Kurzberichte aus den Regionen
■ Initiative für Gesundheit
Die Gesundheit ihrer Schülerinnen
und Schüler liegt der Gesamtschule
Aarbergen-Michelbach am Herzen.
Gesundheit, Sicherheit und Prävention
stellen schon seit Jahren einen Schwerpunkt im Unterricht und Schulleben
dar:
Gemeinsam mit den Partnerschulen
aus Frankreich, Schweden, Finnland
und Italien führten wir innerhalb des
EU-Programmes COMENIUS zahlreiche Projekte zum Thema „Health +
Learning“ durch – darunter eine Fragebogenaktion zum Thema Rauchen, eine
Zusammenstellung eines europäischen
Kochbuchs mit gesunden Menüs und
Untersuchungen und Vergleiche zum
Thema Schulsport.
Im Jahr 2002 fanden an unserer
Schule Projekttage zum Thema „Gesundheit, Fitness und Sicherheit“ statt,
an denen sich unter anderem das Deutsche Rote Kreuz und der ADAC beteiligten. In diesem Zusammenhang
machten wir eine Fahrradtour, bei der
Fitness und Sicherheit im Vordergrund
standen. Die Power Point-Dokumentation dieser Aktion brachte der Schule
den offiziellen Titel „Fahrradfreundliche Schule 2002“!
28
Die zuständigen Gremien der Schule haben nun die Gesunderhaltung der
Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte
auch als Ziel im Schulprogramm festgehalten und folgende fünf Arbeitsschwerpunkte entwickelt:
■
■
■
Die Ernährungsgewohnheiten der
Schülerinnen und Schüler sollen
verbessert werden. Hierzu wird in
einem ersten Schritt ein Schulfrühstück angeboten, das positive Resonanz findet. Der Fachbereich Biologie plant für das laufende Halbjahr
eine von entsprechend qualifizierten Schülerinnen und Schülern
durchgeführte „Aufklärungsreihe“
zu Ernährung.
Durch Pausenspiele sollen unsere
Schülerinnen und Schüler mehr Bewegung in den Schulalltag einbauen
- hierfür werden zur Zeit Spielgeräte angeschafft und ein Fachkollege
wird sich um die Pausengestaltung
kümmern.
Mit Hilfe der Johanniter Unfallhilfe wird ein Schulsanitätsdienst
eingerichtet. Dabei bekommen wir
besondere Unterstützung durch
den Ortsverband Untertaunus der
Johanniter Unfallhilfe e.V. Unter
anderem werden die Schülerinnen
und Schüler des 8. Jahrgangs und
die betreuenden Lehrkräfte von den
■
■
Johannitern kostenlos im Sanitätswesen ausgebildet.
Einige Schülerinnen und Schüler
interessieren sich für die Tätigkeit
als Streitschlichter: Eine Mediationsgruppe wird zur Zeit gebildet,
welche die Interessenten für ihre
Tätigkeit ausbilden soll.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist
die Gesunderhaltung der Lehrkräfte: Im Rahmen einer Arbeitsplatzanalyse soll zunächst der Verbesserungsbedarf gesucht werden, damit
entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.
Besonders erfreut ist die Schulleitung, dass der Förderverein in seiner
Jahreshauptversammlung bereits Unterstützung für diese Projekte zugesichert hat. Als Schirmherr des Projektes
konnte der Landtagsabgeordnete Peter
Beuth gewonnen werden.
Die Antworten von Institutionen,
welche wir um Unterstützung gebeten
haben, stehen zum jetzigen Zeitpunkt
noch aus. Wir hoffen auf tatkräftige
Mithilfe für die Gesundheit unserer
Schulgemeinde!
Gesamtschule
Aarbergen-Michelbach
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NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
■ Projekt Schulgarten
Unseren Schulgarten legten wir im
Schuljahr 2002/03 unter tatkräftiger
Mithilfe der Schülerinnen und Schüler
an. Durch eine gezielte Pflanzenauswahl wird ihnen nun das Erleben und
Erkunden von Pflanzen und Tieren ermöglicht.
Uns war und ist es sehr wichtig,
dass der Schulgarten ein Ort der Naturbegegnung wie auch der Umwelt- und
Gesundheitserziehung werden soll.
Das Erleben und Erkennen der Einmaligkeit, Verwundbarkeit und Eigengesetzlichkeit pflanzlichen und tierischen
Lebens, das auch für die Gesundheit
der Menschen wichtig ist, steht für
uns im Vordergrund. Der Schulgarten
– auch ein Ort zum Schauen, Schmecken, Riechen, Tasten und bisweilen
zum Hören.
Unsere Schülerschaft leistet selbst
die gesamte Gartenarbeit - vom Sähen
bis zum Ernten. Die Kinder und Jugendlichen erfahren hautnah die Natur
und lernen die Nutzpflanzen, die unsere Gesundheit fördern, schätzen. Die
gesamte Ernte wird in unserer Schulküche verarbeitet. Eine große Auswahl
an leckeren Gerichten stehen ihnen
hier zur Verfügung. Außerdem bieten
die Schuler der Heinrich-Auel-Schule Rotenburg jeden Dienstag in der 1.
Pause ein gesundes Pausenfrühstück
mit Produkten aus dem Garten an.
■ Ernährungsberatung für
ADS-Kinder und Eltern in
Rüsselsheim
Am 27.3.03 strahlte das Hessische
Fernsehen in der Sendung MEX einen
Beitrag zum Einfluss von Farb- und
Konservierungsmitteln auf die psychische Befindlichkeit, insbesondere
die Konzentrationsfähigkeit von Menschen, aus.
Unter anderem wurde eine Mutter
mit ihrem Sohn interviewt: Alexander
war in seinen Leistungen zu Beginn der
4. Klasse derart abgesunken, dass eine
Sonderschulüberprüfung für Lernhilfe
von Seiten der Schule angestrebt wurde. Die verzweifelte Mutter ließ daraufhin bei der Erziehungsberatungsstelle den IQ des Jungen feststellen: Er
lag bei 120!
Die Schulleiterin empfahl die
Einschaltung der Schulpsychologin.
Diese diagnostizierte bei dem Jungen
ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
(ADS ohne Hyperaktivität). Aufgrund
der anamnestischen Daten ergab sich
die Hypothese, dass diverse Farb- und
Konservierungsmittel, sowie Milchprodukte extreme Konzentrationsstörungen bei dem Jungen ausgelöst haben könnten.
Die Schulpsychologin empfahl den
Besuch der Ernährungsberatungsstelle
im Staatlichen Schulamt in Rüsselsheim, einem Pilotprojekt im Rahmen
Heinrich-Auel-Schule, Rotenburg von Schule & Gesundheit. Dort werden
Eltern, deren Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
haben, durch eine
speziell weitergebildete Lehrerin beraten. Meistens wird
eine Eliminationsdiät,
welche an die „oligoantigene Diät“ von
Dr. Egger angelehnt
ist, angeraten. Als
unverträglich erkannFrische Ernteprodukte aus dem Schulgarten
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te Lebensmittel werden dann aus dem
Speiseplan der Betroffenen gestrichen.
Aufgrund der empirischen Daten kann
davon ausgegangen werden, dass, wenn
die Ernährungsumstellung konsequent
durchgeführt wird, sich die störenden
Symptome bei etwa 60 % der atopischen ADS-Kinder (mit allergischer
Prädisposition) drastisch reduzieren.
Bei Alexander war die oben genannte Ernährungsumstellung ein voller Erfolg! Innerhalb eines knappen halben
Jahres gelang es dem Jungen die größten Defizite auszugleichen, so dass die
Klassenlehrerin am Ende der vierten
Klasse ihm eine gute Realschultendenz
bescheinigen konnte.
Die Ernährungsberatungsstelle befindet sich im Staatlichen Schulamt für
den Kreis Groß - Gerau und den MainTaunus-Kreis, Walter-Flex-Str. 60-62,
65428 Rüsselsheim. Sie ist dienstags
und donnerstags von 14-16 Uhr unter
der Telefonnummer : 06142/5500412
zu erreichen. (Neuanmeldungen nehme ich unter der Telefonnummer
06142/5500413 meist täglich von 11.30
– 12.15 entgegen.)
Christa Müller, Staatliches Schulamt Groß Gerau /Main-Taunus-Kreis
■ Ernährungskummerkasten
Die Beruflichen Schulen Eschwege
haben einen Ernährungskummerkasten
aufgestellt. Der Wegweiser stellt deutlich die Frage: Wohin führt der Weg?
Saftdiät? Vollwertkost? Ananasdiät?
Magersucht?...
Der Ernährungskummerkasten soll
helfen, die Fragen, die den Schülerinnen und Schülern aller Klassen und
Schulformen, aber auch den Lehrkräften auf der Seele brennen, zu beantworten. Die zweijährige Berufsfachschule
„Ernährung und Hauswirtschaft“ hat
den Kummerkasten in der Pausenhalle
29
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
aufgestellt und jede/r, der/die Probleme und Fragen hat, kann diese – auch
anonym – hier einwerfen. An den umgebenden Stellwänden werden dann
die Antworten ausgehängt oder, auf
Wunsch, per E-Mail verschickt.
Natürlich sind unsere Berufsfachschüler und -schülerinnen noch keine
Experten, aber durch die Recherchen,
die sie unternehmen müssen, um die
Fragen beantworten zu können, begeben sie sich dahin auf den Weg. Sie
lernen dabei nicht nur viel über Ernährung und Gesundheit, sondern auch,
wie man die nötigen Informationen bekommt und wie man den richtigen Ton
bei der Beratung trifft.
Und da es Jugendliche sind, die Jugendlichen antworten, ist die Hemmschwelle unserer “Kunden”, ihre Fragen zu stellen, vergleichsweise gering.
Berufliche Schulen, Eschwege
■ Bundesweiter Klasse2000-Malwettbewerb:
1. Preis für die Klasse 2a der
Alexander von HumboldtGrundschule in Eschwege
Klasse2000 ist das bundesweit
größte Programm zur Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung in
Grundschulen. Im Schuljahr 2002/03
beteiligten sich daran insgesamt 5.530
Klassen mit über 134.000 Kindern, davon 656 Klassen mit 15.200 Kindern
aus Hessen. Ziel des Unterrichtsprogramms ist es, dass Kinder eine gute
Körperwahrnehmung, eine positive
Einstellung zur Gesundheit und soziale
Kompetenzen erwerben. Diese bilden
den besten Schutz gegen Suchtgefahren.
Um Kinder dazu anzuregen, sich
mit den Themen „Körper-UmweltWohlbefinden“ auseinander zu setzen,
hat Klasse2000 alle am Programm teil30
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
nehmenden zweiten Klassen zu einem
Malwettbewerb aufgerufen. Thema war
„Da fühle ich mich wohl – da fühle ich
mich nicht wohl“. Die Zweitklässler
der Alexander von Humboldt-Grundschule in Eschwege hatten Landschaften in Kartons installiert, die das Thema
sehr plastisch veranschaulichten. Dazu
hatten sie sich ein Hörspiel und einen
Müll-Rap ausgedacht und vertont. Den
ersten Preis für das fantasievolle und
liebevoll gestaltete Gesamtkunstwerk
stiftete das Hessische Kultusministerium.
Humboldt-Grundschule, Eschwege
■ Umgang mit schwierigen
Schülerinnen und Schülern
Die Bernhard-Adelung-Schule
Darmstadt auf dem Weg zu
einer „Gesundheitsfördernden
Schule“.
Ausgangspunkt der Überlegungen
zur Vorbereitung eines Pädagogischen
Tages der Bernhard-Adelung-Schule
Darmstadt (BAS) zum Thema „Umgang mit schwierigen Schülerinnen
und Schülern“ war u. a. ein Kernsatz
des HKM-Grundlagenpapiers „Schule
& Gesundheit“: Unter dem Stichwort
„Schule als Lebensraum“ wird dort
festgestellt:
„Eine wesentliche Rolle (...) spielen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Lehrerinnen und Lehrer. Es
besteht eine hohe Korrelation zwischen
der Gesundheit/Belastbarkeit dieser
Gruppe und dem Schulklima sowie den
Schülerleistungen.“
Diese wichtige Aussage macht
deutlich, dass es in diesem Zusammenhang nicht nur die Lehrerschaft selbst
geht, sondern dass der Umgang miteinander, gerade auch mit schwierigen
Schülerinnen und Schülern, das Schulklima prägen und somit Rückwirkun-
gen auf viele Facetten der schulischen
Wirklichkeit hat.
Mit Unterstützung aus dem HKMArbeitsfeld „Schule & Gesundheit“ war
es möglich, in dem Marburger Schulpsychologen Dieter Krowatschek eine
kompetenten Referenten zu gewinnen,
der mit dem Kollegium der BAS u.a.
folgende Themengebiete bearbeitete:
■
■
■
ADS- und ADS-ähnliche Verhaltensweisen
Aktions- und Reaktionsmöglichkeiten im Unterricht
Konzeptionelle Alternativen zum
Trainingsraumprogramm
Vor allem das praxisnahe Herangehen des Referenten überzeugte. Da
Lehrerinnen und Lehrer nur begrenzt
die Möglichkeit haben, in Einzelgesprächen auf Verhaltensauffälligkeiten
zu reagieren, sind Hilfen gefragt, die
in der konkreten schulischen Situation
umsetzbar sind. Dieter Krowatschek
arbeitet mit schwierigen Schülerinnen
und Schülern in größeren Gruppen. So
war es nicht verwunderlich, dass viele
seiner Anregungen direkt auf Unterricht übertragbar sind.
Ein weiterer Schwerpunkt des pädagogischen Tages waren mögliche Unterstützungssysteme für den Fall, dass
die Mitarbeit einzelne Schülerinnen
und Schüler am Unterricht zeitweise
nicht mehr vertretbar ist. Das Trainingsraum-Programm, das inzwischen
an vielen Schulen diskutiert und z. T.
auch umgesetzt wird, hatte sich in einer
Probephase an der BAS als zu bürokratisch und „verkopft“ erwiesen. Dies
deckte sich mit der kritischen Einschätzung des Referenten.
Als Konsequenz aus dem Pädagogischen Tag wurde zwischenzeitlich in
einer Gesamtkonferenz ein AlternativModell entwickelt, das u.a. die Möglichkeiten von Schulsozialarbeit und
Schulleitung zu einer „Schulstation“
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ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
miteinander verbindet. Dieses Modell
wird bis zum Schuljahresende erprobt,
evaluiert und ggf. in das Schulprogramm der Bernhard-Adelung-Schule
Darmstadt übernommen.
Wolfgang Cezanne, Pädagogischer
Leiter an der BAS
■ Wetteraukreis: Runder
Tisch Sexualität
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
Wer die Präsentationsmappe zum
Thema „Liebe, Last und Lust” aus dem
Internet laden will, kann unter www.
wetteraukreis.de über den Link (Wegweiser) des Gesundheitsamtes zum Gesundheitsportal „durchklicken”. Dort
ist unter Termine und Mitteilungen des
Gesundheitsamtes und weiteres Wissenswerte zu finden.
Runder Tisch Sexualität,
Wetteraukreis
Der „Runde Tisch Sexualität” ist
ein Arbeitskreis, der bereits seit fünf
Jahren besteht. Er setzt sich zusammen
aus Fachleuten der Beratungsstelle für
Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern, der Pro Familia Friedberg, dem Gesundheitsamt, Wildwasser Wetterau, der Aids-Hilfe Gießen
und einer Ärztin der Justizvollzugsanstalt Rockenberg. Was sie verbindet
ist das Thema Sexualität als Bestandteil ihrer Arbeit. Gemeinsam haben sie
eine Workshopreihe für Jugendliche im
Wetteraukreis zum Thema „Liebe, Last
und Lust” konzipiert.
Besonders Jugendliche sind sich
oft unsicher bezüglich ihrer eigenen
Sexualität, sind auf der Suche nach
der für sie „richtigen” Sexualität und
haben Fragen, auf die sie eine Antwort
wollen. In den Workshops, die sich in
erster Linie an Schüler und Schülerinnen ab 15 Jahre richten, gehen die
Fachberater/innen auf die Fragen der
Jugendlichen ein und versuchen mit
ihnen gemeinsam Antworten zu finden,
die sie für sich umsetzen und erlebbar
machen können.
Mehr als 30 Schulen wurden Mitte
letzten Jahres angeschrieben und auf
die Workshopreihe aufmerksam gemacht: Mit deutlicher Resonanz. An
mehreren Schulen wurde das Pilotprojekt mit großem Erfolg durchgeführt;
etliche weitere Schulen stellten bereits
den Antrag, die Workshopreihe für das
kommende Schuljahr zu buchen.
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31
„Jugend mit Biss“
D
as Frankfurter Zentrum für EssStörungen führte im Auftrag der
Stadt Frankfurt ein Projekt zur Primärprävention von Ess-Störungen bei Jugendlichen durch. Die Evaluation des
Modellprojektes mit dem Titel „Jugend
mit Biss“ wurde gefördert durch das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
■ Ausgangslage
Ess-Störungen gehören in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen
von Mädchen und jungen Frauen. Beobachtungen aus verschiedenen Ländern
deuten auf eine rapide Zunahme dieses
Krankheitsbildes hin. Auch männliche
Jugendliche leiden immer häufiger unter Ess-Störungen. Die Ergebnisse einer
aktuellen Studie der Friedrich-SchillerUniversität in Jena (Aschenbrenner
u.a., 2002) belegen, dass jede dritte
Schülerin in Deutschland unter Frühformen von Ess-Störungen leidet. 736
Personen im Alter von 12-32 Jahren
wurden daraufhin untersucht, ob bei ihnen Frühformen einer Ess-Störung vorliegen. Dazu zählen Anorexia nervosa
und Bulimia nervosa. Im Ergebnis der
Jenaer Studie weisen 29% der Frauen
und 13% der Männer entsprechende
Anzeichen der Krankheitsbilder auf.
32
Besonders alarmierend sind die Ergebnisse bei den Schülerinnen: 35% der
Befragten zeigen Vorformen der Erkrankungen, bei 14% besteht sogar ein
sehr hohes Risiko, eine Ess-Störung zu
entwickeln. In den vergangenen Jahren hat der Anteil fettsüchtiger Kinder
ebenfalls massiv zugenommen. So leiden in Deutschland bereits 2,8% aller
Kinder im Alter von 5-6 Jahren unter
Fettsucht. Aufgrund dieser alarmierenden Entwicklung treten präventive
Maßnahmen zunehmend ins Zentrum
von Forschung und Praxis. Die Entstehung von Ess-Störungen kann nicht
durch ein in sich geschlossenes theoretisches Modell begründet werden,
es wird von einem multifaktoriellen
Verursachungsgeschehen ausgegangen
- mit soziokulturellen, persönlichkeitsspezifischen und familiendynamischen
Determinanten:
■
Das
überzogene
Schönheits-,
Schlankheits- und Jugendlichkeitsideal unserer heutigen Zeit setzt
insbesondere für Frauen rigide
Normen und trägt dazu bei, dass
sich Ess-Störungen unter Jugendlichen epidemisch ausbreiten und
Diäterfahrungen schon bei jungen
Mädchen zur Regel werden. Die
Gleichsetzung von Schönheit und
Schlanksein wird auch von den Medien immer stärker propagiert.
Gleichzeitig kommt es aufgrund
von individualisierten Familienalltagen zu einem Zerfall traditioneller Esskulturen; gemeinsame Mahlzeiten werden immer seltener.
■ Essstörungen werden zudem durch
das Erziehungsverhalten von Eltern
begünstigt, die Autonomiebestrebungen ihrer Kinder nicht zulassen
können.
■ Auch sexuelle Gewalt kann bei der
Entstehung dieser Krankheitsbilder
eine entscheidende Rolle spielen.
■
Allen Erklärungsmodellen scheint
jedoch eine Verunsicherung der Identität zugrunde zu liegen, die die Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit
hemmt und die Betroffenen hindert,
eine selbstständige Persönlichkeit zu
entwickeln.
■ Der salutogentische Ansatz
Das Modellprojekt bezieht sich auf
den salutogenetischen Gesundheitsbegriff:
Die gesundheitspolitische Diskussion wurde durch die Thesen des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky
bereichert, der einen Paradigmenwechsel einleitete von einem krankheitsWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
zentrierten Modell der Pathogenese
hin zu einem gesundheitsbezogenen,
ressourcenorientierten und präventiv
ansetzenden Modell der Salutogenese.
Anstelle der Bearbeitung von Risikofaktoren liegt bei der salutogenetischen Sichtweise die Aufmerksamkeit
auf gesundheitserhaltenden Faktoren,
die Menschen dazu verhelfen sollen,
so erfolgreich wie möglich mit Krisen
und Schwierigkeiten in Ihrem Leben
umgehen zu können. Die Leitfrage
lautet demnach: „Was hält Menschen
gesund?“ und nicht „Was macht Menschen krank?“
Das salutogenetische Modell bildet somit eine sinnvolle Grundlage für
kompetenzsteigernde Präventionsmaßnahmen. Die Erkenntnis, dass in frühen
Lebensjahren bereits Grundlagen für
zahlreiche gesundheitsrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen gelegt werden, hat dazu geführt, dass der
Prävention im Kindes- und Jugendalter
eine stärkere Bedeutung zugemessen
wird.
■ Gesundheitsförderung in
der Schule
Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich
beim Thema „Gesundheitserziehung
in den Schulen“ ebenfalls ein Paradigmenwechsel vollzogen. Anstelle
von Fragen nach Krankheitssymptomen und Krankheitsentstehung stehen
auch in diesem Bereich mittlerweile
gesundheitsfördernde Aspekte im Vordergrund. Dies führte im Unterricht zu
fächerübergreifenden Schulprojekten,
die psychosomatische, soziale und ökologische Fragestellungen integrieren.
So wird auch der Gestaltung gesundheitsfördernder Verhältnisse innerhalb
der Schulen breiterer Raum gegeben
– durch die Stärkung von individuellen und sozialen Schutzfaktoren sollen
sich Lernende und Lehrende gegenseitig unterstützen, um ihre Gesundheit zu
entwickeln und zu erhalten.
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Grundlage dieses prozesshaften
Verständnisses von Gesundheit bildet
die WHO-Charta, die auf der ersten
Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in November 1986 in
Ottawa verabschiedet wurde. Gesundheit wurde hier als ein wesentlicher
Bestandteil des alltäglichen Lebens begriffen, als Konzept, das die Bedeutung
sozialer und individueller Ressourcen
ebenso betont wie körperliche Fähigkeiten.
■ Konzeption und Projektdesign
In Deutschland wurden bisher nur
wenige Präventionsmaßnahmen zu
Ess-Störungen durchgeführt. Aufgrund
steigender Anfragen von Schulen und
Jugendeinrichtungen entwickelte das
Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen im Jahr 2000 ein Konzept zur primären und sekundären Prävention von
Ess-Störungen bei Jugendlichen, das
auf der Grundlage und den Erfahrungen der Salutogenese beruht.
Das Konzept beinhaltet selbsterfahrungsorientierte Einheiten für Schülerinnen/Schüler und den Einsatz von
themenspezifischen Arbeitsmaterialien
im Fachunterricht als auch gezielte
Fachberatung für Eltern und Fortbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und
Lehrer. Zielgruppe des Präventionsprojektes sind Schülerinnen und Schüler
der 7. und 8. Klassenstufen eines Gymnasiums und einer Gesamtschule des
Haupt- und Realschulbereichs.
■
■
Die Vermittlung dieser identitätsstärkenden Kompetenzen soll die
Schülerinnen und Schüler gegenüber
der Gefahr von Ess-Störungen immunisieren. Dabei wurden vier Aspekte
der Primärprävention vorrangig berücksichtigt:
■
■
■
Das Modellprojekt bezieht sich auf
das Konzept der Lebenskompetenzentwicklung. Dabei geht es vor allem um:
■
■
■
■
die Vermittlung sinnstiftender
Selbsterfahrung,
die Entwicklung und den Umgang
mit Kreativität,
das Erlernen von Konfliktwahrnehmung und -lösung,
die Fähigkeit, Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und zu äußern,
generelle Beziehungsfähigkeit und
Ich-Stärkung.
Als erstes „individuelle Faktoren“:
Unterstützt wird eine realistische
Selbsteinschätzung der Jugendlichen, die Entwicklung eines positiven Körperbildes, die deutliche
Wahrnehmung der eigenen Körpersignale und Emotionen sowie das
Erlernen
selbstverantwortlichen
Handelns und die wirksame Nutzung der eigenen Potenziale.
Der nächste Aspekt bezieht sich auf
das „soziale Umfeld“: Gefördert
wird hierbei der Aufbau unterstützender Beziehungen, die Verstärkung der Gemeinschaftsfähigkeit
sowie das Erlernen von Konfliktfähigkeit und Streitkultur. Zudem
sollen sich die Jugendlichen der
Normen, die durch Familie und
Peergroups geprägt sind, bewusst
werden.
Der dritte Punkt betrifft „gesellschaftliche Faktoren“: Angestrebt
wird die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen,
Vorbildern und Schönheitsidealen
sowie dem Einfluss der Medien
in diesem Zusammenhang. Dabei
sollen auch überhöhte Leistungsnormen und Perfektionsansprüche
hinterfragt werden.
Als letzter Aspekt wird der Bereich
„Ernährung“ mit einbezogen: Zum
einen wird über eine gesunde und
genussreiche Ernährung sowie
den veränderten gesellschaftlichen
Umgang mit Nahrungsmitteln aufgeklärt. Zum anderen werden der
33
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
Wandlungsprozess der familiären
und öffentlichen Esskultur sowie
die Bedeutung von einem genussvollem Essen thematisiert.
Die Zielsetzung des Projektes besteht darin, möglichst viele noch nicht
betroffene Schülerinnen und Schüler
durch ein protektives Vorgehen zu erreichen. In der bereits zitierten Jenaer
Studie werden aufgrund der Untersuchungsergebnisse dringend wirksame
Konzepte zur Prävention gefordert.
Dem Problem Ess-Störungen sollte bereits in den Schulen stärkere Aufmerksamkeit zuteil werden.
„Schulen stellen als zentraler Aufenthaltsort der Jugendlichen einen geeigneten Ort dar, um Maßnahmen der
Aufklärung, Prävention, Früherkennung und erste Hilfestellungen durchzuführen.“ (Aschenbrenner u.a., 2002)
■ Ergebnisse der Evaluation
Das Frankfurter Zentrum für EssStörungen entschied sich für eine
Fremdevaluation des Präventionsprojektes durch das Institut für Sozialpädagogik und Sozialarbeit:
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation zeigen deutlich, dass
die präventive Arbeit zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention
im schulischen Setting eine wichtige
und lohnenswerte Aufgabe darstellt.
Die Nähe der thematischen Schwerpunkte zu den Lebenswelten der Jugendlichen fand großen Anklang bei
den Schülerinnen und Schülern. So
beteiligten sich die Jugendlichen sehr
engagiert an der Erstellung und Ausgestaltung der einzelnen Themen. In den
geschlechtsgetrennten Gruppen gab es
die Möglichkeit, leichter über Probleme und Gefühle zu sprechen. In einigen Klassen wurde über eine verbesserte Kommunikation und einen neuen
Diskussionsstil als Auswirkung des
34
Projektes berichtet. Das didaktische
Konzept des Projektes (Handlungsorientierung, spielerisches Lernen, Arbeit in Kleingruppen) erwies sich als
erfolgreich. Die Verbindung von kognitiven und emotionalen Anteilen in
der präventiven Arbeit wurde von den
Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen. Die Evaluationsergebnisse
belegen, dass nach Beendigung des
Präventionsprojektes deutliche Veränderungen bei den Jugendlichen auf der
Einstellungs- und Verhaltensebene erreicht wurden. Hierbei handelt es sich
vor allem um die Stärkung des Selbstwertgefühls und der Konfliktfähigkeit.
Zudem ist eine größere Bereitschaft bei
den Schülerinnen und Schülern festzustellen, sich unvoreingenommen auf
Neues und Unbekanntes einzulassen.
Die Ergebnisse weisen ebenfalls daraufhin, dass bei den Jugendlichen eine
deutliche Verbesserung eingetreten ist
im Hinblick auf die Entwicklung von
angemessenen Lebensbewältigungsstrategien und einen kreativen Umgang
mit Anforderungen. Diese Verbesserung der sozialen Kompetenzen war
– wie oben angesprochen - erklärtes
Ziel des Präventionsprojektes, da diese
neu erworbenen Fähigkeiten zu einer
Immunisierung gegenüber der Gefahr
von Suchterkrankungen im allgemeinen und Essstörungen im besonderen
beitragen können.
Das Projekt „Jugend mit Biss“ bietet
wichtige Ansatzpunkte für eine Vernetzung von Schulen mit anderen psychosozialen Institutionen und Beratungseinrichtungen. Das schulische Setting
hat für primärpräventive Maßnahmen
bei Jugendlichen zweifellos die größte
Reichweite, da hier alle Schülerinnen
und Schüler einer Altersgruppe einbezogen werden können. Die schulische
Arbeit kann davon profitieren, mit externen Kräften zusammen zu arbeiten
und von deren Konzepten und Methoden zu lernen.
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Gesundheitsprävention sollte ein
zentraler Bestandteil schulischen Lernens werden. Denn nur eine kontinuierliche und langfristige Arbeit entspricht
dem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten
Präventionsgedanken. Im Sinne einer
umfassenden Gesundheitsförderung im
schulischen Bereich sollte aus diesem
Grunde eine dauerhafte Implementierung von Präventionsmaßnahmen angestrebt werden.
■ Ansprechpartnerin
Sigrid Borse
Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt
Tel:
069/55 73 62
Fax:
069/5961723
E-Mail: [email protected]
www.essstoerungen-frankfurt.de
■ Literatur
■
Aschenbrenner, K.; Aschenbrenner, F.; Kirchmann, H.; Strauß, B.
(2002): Prädiktoren für ein gestörtes Essverhalten mit anorektischer
oder bulimischer Tendenz bei weiblichen Jugendlichen, Jena
■
Bengel, J.; Strittmatter, R.; Willmann, H. (Hg) (2001): Was erhält
den Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und Stellenwert. Eine
Expertise im Auftrag der BZgA
(Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung.6) Erw. Aufl., Köln:
BZgA
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Workshop – „Pausenverpflegung:
gesund und doch praktikabel?!“
Pilotprojekt in Hessen
■ Hintergrund des Workshops
Laut Ernährungsbericht 2000 der
DGE frühstückt bereits jeder sechste
Schüler bis 12 Jahre und jeder vierte
Jugendliche nicht mehr täglich zuhause. Wird keine vollwertige Pausenverpflegung in die Schule mitgenommen
oder gibt es dort kein Pausenangebot,
landen die Schüler nach kurzer Zeit im
Leistungstief. Die akuten Folgen sind
Müdigkeit, Konzentrationsmangel und
nicht zuletzt schlechte Stimmung.
Pausenverpflegung hat für die Ernährung der heutigen Kinder und Jugendlichen einen hohen Stellenwert!
Da an vielen Schulen kein Pausenverpflegungsangebot vorhanden ist
bzw. das bestehende Angebot oft nicht
den ernährungsphysiologischen Anforderungen entspricht, entwickelten die
Sektion Hessen der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung e.V.
(DGE) und die Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse Hessen e.V. (Landesvereinigung Milch Hessen) auf Initiative
des Hessischen Ministeriums für
Umwelt, ländlichen Raum und
Verbraucherschutz ein neues Konzept, den halbtägigen Workshop
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„Pausenverpflegung: gesund und doch
praktikabel?!“
■
■
■
■
Wie sieht eine gesunde Pausenverpflegung in der Schule aus?
Wie lässt sie sich mit knappem
Geld- und Zeitbudget umsetzen?
Was kommt bei Kindern und Jugendlichen an?
Was tun, um ein gesundes und ansprechendes Pausenverpflegungsangebot aufzubauen?
Diesen Fragen gingen die insgesamt 77 Multiplikatoren aus 42 hessischen Schulen im Workshop nach. Das
neu konzipierte Angebot für Zuständige für die Pausenverpflegung wurde in
fünf hessischen Kreisen und kreisfreien
Städten von November 2002 bis Juni
2003 durchgeführt. Über die teilnehmenden Multiplikatoren erreichten die
Veranstalter bislang mehr als 37.000
Schüler. Eine Fortführung der Workshops ist für 2004 geplant.
■ Zielgruppe
Der Workshop richtet sich an alle
Personen in allgemeinbildenden- und
beruflichen Schulen, die für die Pausenverpflegung zuständig sind oder
die sich dafür interessieren, ein solches
Angebot aufzubauen – und sei es erst
einmal nur ein Klassenfrühstück.
■ Konzept: wenig Theorie
– viele Tipps für die Praxis
Ziel des Workshops ist es, den Teilnehmern neben der Bedeutung und der
Zusam-mensetzung einer bedarfsgerechten Pausenverpflegung vor allem
praktikable Anre-gungen und Tipps für
die Umsetzung in der eigenen Schule zu vermitteln. Das Erarbeiten
von Lösungsvorschlägen für die
Praxis, Diskussion und der Erfahrungsaustausch untereinander stehen daher im Vordergrund.
Gemeinsam werden leckere
und ansprechende Angebote für
die vollwertige Verpflegung in der
eigenen Schule erarbeitet und auf
ihre Praxistauglichkeit in punk35
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
to Zeitaufwand, Kosten, Attraktivität
bei den Schülern u.a.m. beleuchtet.
Verkaufsförderung, Werbung und Organisation sind ebenfalls Themen des
vierstündigen Workshops. Das Thema Schulmilch stellt einen weiteren
Schwerpunkt dar.
Damit die besprochenen Ideen für
Kiosk, Aktionstage oder das Klassenfrühstück auch beurteilt werden können, erfahren die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer beim Imbiss zwischendurch selbst, dass Vollwertiges gut ankommt!
■ Die Teilnehmer: vom
Schulleiter bis zum privaten Kioskbetreiber
Während der Pilotphase wurde
deutlich, wie heterogen die Gruppe der
Personen ist, die für die Pausenverpflegung in hessischen Schulen zuständig
ist oder sich für sie interessiert. Bei
den insgesamt 77 Teilnehmern aus 42
Schulen stellten die Lehrer mit 34 Prozent die größte Personengruppe, gefolgt von Eltern mit 29 Prozent. Private
Kioskbetreiber waren mit 18 Prozent
vertreten, 6 Prozent waren Hausmeister, 5 Prozent Caterer und jeweils 4
Prozent Schüler und Sonstige.
Mit fast drei Vierteln stammte der
größte Teil der Teilnehmer aus weiterführenden Schulen bzw. Grund- und
weiterführenden Schulen (12 Prozent).
Jeweils 10 Prozent kamen aus Grundschulen und beruflichen Schulen, 7
Prozent aus Schulen für Lernhilfe.
Die bestehende Verpflegung in
den Schulen der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer reichte vom Verkauf von
Schulmilch über eine von Schülern
organisierte Brötchentheke bis hin zur
Pausenverpflegung in der Caféteria
oder am Kiosk. Dazu kamen mehrere
„Newcomer“ in punkto Pausenverpflegung zum Workshop, die sich grundsätzlich über die Einrichtung einer Pausenverpflegung informieren wollten.
Auch wenn ein Großteil der Schulen bereits eine Pausenverpflegung anbot, waren die Teilnehmer selbst mit
dem bisherigen Angebot unzufrieden
und wollte es verändern bzw. erweitern. „Ich komme mir vor wie eine
Drogenhändlerin, bei all dem Süßkram
in unserem Kiosk...“, beschrieb eine
Teilnehmerin zu Beginn eines Workshops die Situation an ihrer Schule.
■ Pausenverpflegung im
Spannungsfeld – praxisorientierte Tipps sind
gefragt
Die Erfahrungen während der Pilotphase zeigten, dass vor allem fantasievolle und ganz auf die Bedürfnisse
der Pausenverpflegung abgestimmte
Tipps für vollwertige Speisen und Getränke wie auch individuelle Lösungen
die Grundlage des Workshops sind.
Die Verpflegung in der Schule macht
es nötig, verschiedene und in vielen
Fällen sogar gegensätzliche Anforderungen von Seiten der Schüler, der
Eltern, der Schule, der Ernährungswissenschaft und der Zuständigen für die
Verpflegung zu vereinen.
Um einige Aspekte zu nennen:
Einerseits soll das Angebot gesundheitsfördernd sein, denn es muss die
36
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
Leistungsfähigkeit wieder herstellen.
Andererseits soll es auch lecker und ansprechend sein. Daneben steht teils die
Notwendigkeit oder Forderung, beim
Verkauf Gewinn zu erwirtschaften.
Dies konkurriert wiederum mit dem
Anspruch, ein gutes Preis-LeistungsVerhältnis zu bieten. Ist der nächste
Supermarkt mit Süßem gleich um die
Ecke, drohen von dort Konkurrenz und
Einfluss auf das Verpflegungsangebot
in der Schule.
Die Anforderungen an die Pausenverpflegung und die unterschiedlichen
zur Verfügung stehenden Ressourcen
wie Raumangebot, Personal sowie
meist geringe finanzielle Mittel zu vereinen war für die Teilnehmer oft nicht
leicht. Es galt, Prioritäten zu setzen. Individuelle Lösungen sind hier gefragt!
Zur Glaubwürdigkeit der Tipps und
Informationen aus dem Workshop trug
nicht zuletzt der Imbiss mit Beispielen
eines vollwertigen Pausenangebotes
bei. Präsentiert wurden vollwertige
Speisen und Durstlöscher sowie leckere
Knabbereien und Süßes für zwischendurch. Die ansprechend aussehenden
Pausenangebote verlockten zum Probieren und überzeugten, dass beispielsweise der zum „Ninja-Säbel“ gekürte
bunte Gemüse-Käse-Brot-Spieß auch
bei den eigenen Schülern gute Chancen auf Erfolg hat. Portionsfertige
Verkaufsverpackungen beim Imbiss
veranschaulichten die Umsetzung und
Portionierung im Kioskalltag.
Positiv wurde von den Teilnehmern
auch der Erfahrungsaustausch untereinander bewertet. In vielen Fällen bot
der Workshop den Zuständigen für die
Pausenverpflegung die erste Gelegenheit zum Gespräch unter Gleichgesinnten. So „(...) muss nicht jeder das Rad
neu erfinden“, und man „( ...) kann sich
vielleicht gegenseitig unterstützen“ unterstrichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Abschlussrunde.
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ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
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Nach etwa vier Stunden Workshop sahen viele der Zuständigen für
die Pausenverpflegung „(...) einen
deutlichen Silberstreif am Horizont“,
wie eine Teilnehmerin ihre Stimmung
beschrieb. Fast alle Anwesenden beschlossen, Änderungen in ihrem Verpflegungsangebot vorzunehmen und
Empfehlungen und Tipps umzusetzen.
Besonders in den Bereichen Getränke, Brötchen/Brot sowie Milch- und
Milchprodukte, gefolgt vom Obstangebot, Gemüse und Knabbereien/Süßes
wollten die Teilnehmer aktiv werden.
■ Kontakt und weitere Informationen zu „Pausenverpflegung: gesund und
doch praktikabel!“
Die Empfehlungen und Tipps aus
den Workshops wurden in einem Faltblatt zusammengefasst. Beziehbar ist
es unter folgenden Adressen:
■
DGE-Sektion Hessen
Landesvereinigung für Milch
Projektbetreuung und Milcherzeugnisse
›
Dipl. oec. troph. Karin Möhrlin
Augasse 1g
61194 Niddatal
Tel. 06034-54 55
Fax. 06034-91 95 80
›
Dipl. oec. troph. Tanja Lotz
Lochmühlenweg 3
61381 Friedrichsdorf
Tel. 06172/7106-293
Fax. 06172/7106-296
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37
Schulverpflegung mit Köpfchen!
Der richtige Weg zu einer gesunden Ernährung an
Schulen
D
ie jüngste Studie der WHO zu
dem Ernährungszustand unserer
Kinder und Jugendlichen lässt aufhorchen: Inzwischen ist in Deutschland
jedes fünfte Kind übergewichtig!
die Verantwortung genommen sind
dabei besonders Schulen, die ihren
Schülern ein Mittagessen oder andere
Mahlzeiten inklusive eines Schulkiosks anbieten.
Nach einer Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund
(FKE) essen die Kinder und Jugendlichen vor allem zu viel Fett, insbesondere in Form von gesättigten Fettsäuren und zuviel Zucker, aber zu wenig
Ballaststoffe. Außerdem verzehren die
Heranwachsenden zu wenig pflanzliche
Lebensmittel, vor allem Gemüse und
Getreideprodukte, und sie nehmen zu
wenig Flüssigkeit zu sich. Neben diesen ungünstigen Verzehrgewohnheiten
stellen die Ernährungswissenschaftler
auch einen allgemeinen Bewegungsmangel fest. Die Folgen solcher Entwicklungen sind fatal: Krankheiten,
die eigentlich erst im Erwachsenenalter
auftreten, wie Bluthochdruck und Diabetes Typ II, werden immer häufiger
bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert. Neben den Auswirkungen auf
die Gesundheit des Einzelnen kommt
es aber auch zu hohen volkswirtschaftlichen Folgekosten.
Besonderer Fokus liegt auf der
Mittagsverpflegung. Was ist nun eine
optimale Mittagsverpflegung? Richtungsweisend ist ein vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
(FKE) entwickeltes Konzept, das für
alle Altersstufen einer Schule - von den
Schulkindern über die Jugendlichen bis
hin zu den Lehrern - gleichermaßen geeignet ist.
In den letzten Jahren sind bundesund länderweit Kampagnen gestartet
worden, die dort ansetzen, wo Kinder
und Jugendliche verpflegt werden. In
38
Das empfehlenswerte Ernährungskonzept optimiX bringt alles, was bei
einer ausgewogenen Mahlzeit beachtet werden muss, unter einen Hut: Die
aktuellen Nährstoffempfehlungen, die
damit verbundene Prävention von ernährungsbedingten Erkrankungen, die
Essensvorlieben der Kinder, die üblichen Essgewohnheiten in Deutschland
sowie wirtschaftliche Faktoren.
Grundsätzlich gelten drei einfache
Regeln bei der Auswahl der Lebensmittel:
Reichlich: Getränke und pflanzliche Lebensmittel
➁ Mäßig: Tierische Lebensmittel
➀
➂
Sparsam: Fett- und zuckerreiche
Lebensmittel
Die tägliche Hauptmahlzeit sollte
sich aus Kartoffeln, Naturreis oder Vollkornnudeln und Gemüse oder Salat zusammensetzen. Zwei- bis dreimal kann
die Mahlzeit um eine kleine Fleischbeilage erweitert werden. Empfohlen wird
weiter, einmal pro Woche Fisch sowie
einmal eine rein vegetarische Mahlzeit
zu essen. Diese Empfehlungen gelten
für alle Altersklassen, lediglich die
Lebensmittelmengen verändern sich je
nach Alter und Energiebedarf. Generell
sollte der Speiseplan attraktiv und abwechslungsreich gestaltet werden.
Die Empfehlungen zur gesunden
und im weitesten Sinne nachhaltigen
Verpflegung sollten auch das Frühstücksangebot und die Zwischenverpflegung einbeziehen. Vollkornprodukte, Müsli und frisches Obst sowie
Fruchtsäfte, Mineralwasser und Milch
sollten im Angebot enthalten sein. Dies
gilt auch für den Schulkiosk. Hier wäre
es sehr wünschenswert, die Vielzahl
der Süßigkeiten und gesüßten Getränke
aus dem Regal zu verbannen.
Diese allgemeinen Ernährungsempfehlungen greifen zwar allgemein gesundheitliche Aspekte auf, treffen aber
noch keine Aussage über die Herkunft
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ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
der Speisen. Um dem Gedanken einer
Gesundheitsfördernden Schule nach
den Richtlinien von Schule & Gesundheit Hessen gerecht zu werden, sind im
Sinne der nachhaltigen Präventionsarbeit auch Fragen nach der Herkunft der
Rohwaren zu stellen. Im Vordergrund
stehen hier regionale und ökologische
Aspekte aber auch Fair Trade Produkte!
Leider bringen nicht alle Schulen
die Voraussetzungen mit, um eine solche Ernährungsempfehlung auch optimal umzusetzen. In den Schulen ist die
Mittagsverpflegung zur Zeit sehr unterschiedlich organisiert. Grundsätzlich
werden folgende Verpflegungssysteme
unterschieden:
Verteilerküche: hier erfolgt die Zubereitung in einer externen Großküche
■ Zubereitungsküche: die Zubereitung der Speisen erfolgt vor Ort in
der Schule
■ Aufbereitungsküche: Speisen werden in tiefgekühlter oder gekühlter
Form angeliefert und in der Schule
regeneriert
■ Mischküche: es werden Fertigprodukte verwendet aber auch Speisen
selbst zubereitet
■
Gleich welches Verpflegungssystem vorherrscht oder für welches man
sich entscheidet, Gesundheitsförderung, Regionalität, Ökologie sowie
soziale Gesichtspunkte, wie im Falle
der Fair Trade Produkte, sollten bei der
Wahl der richtigen Verpflegung eine
Rolle spielen! Auf der Suche nach einer geeigneten Fremdbewirtschaftung
sind unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit außerdem die Aspekte der
Verpackung (Müllvermeidung!) und
die Transportkosten in eine kritische
Analyse einzubeziehen.
aufgeführten Bereiche festlegt. Dieser
Kriterienkatalog kann einem CateringUnternehmen, das sich um die Schulverpflegung bewirbt, als Grundlage
für eine Angebotserstellung dienen.
Danach wird unter Berücksichtigung
des Preis-Leistungs-Verhältnisses der
geeigneteste Bewerber leichter zu bestimmen sein.
Soll eine Schulküche eigenbewirtschaftet werden, ist es ratsam für die
Planung und Einrichtung verschiedene Angebote von Großküchenplanern einzuholen. Dies verhindert eine
überdimensionierte Planung und damit
zu hohe Investitionskosten. Nicht selten findet man in neu eingerichteten
Großküchen eine Ausstattung vor, mit
der die doppelte Personenzahl der eigentlichen Gästezahl verpflegt werden
könnte.
Das Thema Verpflegungsangebote in Schulen wird in nächster Zeit
auch unter www.schuleundgesundheit.
hessen.de als Schwerpunktbereich bearbeitet. Dort finden Sie weitere Informationen zu den hier aufgeführten
Themen.
Anja Erhart
geschäftsführende Gesellschafterin
ÖGS – Ökologischer Großküchen
Service
Galvanistrasse 28
60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069-977819-0
Fax: 069-977819-19
■ Literatur
■
aid und DGE (2002): optimiX.
Empfehlungen für die Ernährung
von Kindern und Jugendlichen.
Bei der Entscheidung für einen Caterer ist daher die Erstellung eines Kriterienkataloges zu empfehlen, der die
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
39
Die „Werkstatt Ernährung“ stellt
sich vor
Essen und Trinken, Sport und Bewegung ist die
Basis unserer Gesundheit. Kinder und Jugendliche
werden mit Werbung für spezielle Kinderlebensmittel überflutet, erhalten an jeder Ecke mundgerechte Snacks jeglicher Geschmacksrichtung und erfahren aus den Medien allerlei über Energy Drinks und
Functional Food.
D
as Wissen über die Herkunft, die
Vielfalt und den Geschmack frischer Lebensmittel, die Möglichkeit
von Kommunikation beim gemeinsamen Mittagessen, den Spaß beim gemeinsamen Kochen, das ganzheitliche
Lernen mit „allen Sinnen“ - alles das
sollen Kinder in und mit der „Werkstatt
Ernährung“ erleben.
■
■
■
■
■
■
■
■
■
■ Die „Werkstatt Ernährung“ – ihre Kooperationspartner
■
■
Die Idee zur „Werkstatt Ernährung“
entstand im Februar 2002. Sie ist eine
Kooperation zwischen dem Hessischen
Ministerium für Umwelt, ländlichen
Raum und Verbraucherschutz, der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung e.V. und dem Hessischen
Kultusministerium. Sukzessiv wurde
der Arbeitskreis noch erweitert und
neue Kooperationspartner aus Institutionen des Ernährungs- und Gesundheitsbereiches in Hessen gewonnen.
Die „Werkstatt Ernährung“ setzt sich
auseinander mit ...
■ Essverhalten und Essgewohnheiten
■ Nahrungsmitteln
■ emotionaler Entwicklung
■ Ernährungsgewohnheiten und soziokulturellen Einflüssen
40
Ernährungsgewohnheiten und nationalen Gegebenheiten
Ess-Stilen
Ernährung und Gesundheit
Ernährungsempfehlungen
Nahrungszubereitung
Ernährungsökologie
Nahrungsmittelproduktion
Nahrungsmittelkonservierung und
Nahrungsmittellagerung
Lebensmittelerzeugung, Lebensmittelverarbeitung und Lebensmittelverteilung
Lebensmittelwerbung
Ernährung und Bewegung
Die Bausteine zu diesen Kernthemen wurden von den verschiedenen
Kooperationspartnern der „Werkstatt
Ernährung“ erarbeitet. Besonderes
Augenmerk wurde hierbei auf die Erlebnis- und Handlungsorientierung gelegt.
angeboten und umfasst je zwei bis drei
Unterrichtsstunden. Geplant sind ca.
20 dieser Unterrichtseinheiten an jeder Projektschule. Die Pilotphase wird
durchgeführt im 2.Halbjahr des Schuljahres 2003 / 2004 und startete im Februar/März 2004. Für die Durchführung
der Pilotphase konnten kompetente
Ernährungsfachfrauen des Landfrauenverbandes Hessen gewonnen werden.
5 Schulen wurden für die Pilotphase aus den verschiedenen Schulformen
ausge-wählt und ausführlich über das
Projekt und die Durchführungsmodalitäten der Pilotphase informiert.
Dabei handelt es sich um folgende
Schulen:
■
■
■ Die „Werkstatt Ernährung“ – Start der Pilotphase
Die Pilotphase der „Werkstatt Ernährung“ stellt ein freiwilliges Angebot für Schülerinnen und Schüler der
5. und 6. Klassen dar, wird wöchentlich im Rahmen des Nachmittagsangebotes (oder der AGs) in Schulen
■
■
■
Johannes-Gutenberg-Schule,
Gernsheim (Haupt- und Realschule
mit Förderstufe)
Eichwaldschule Sulzbach (Kooperative Gesamtschule)
Limesschule Altenstadt (Additive
Gesamtschule)
Rhenanus-Schule, Bad Soden-Allendorf (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Sportinternat)
Private Marienschule Limburg
(Gymnasium)
Als Einführung in das Pilotprojekt
und zur Information über die AngeWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
botseinheiten hat ein Elternabend in
jeder Schule stattgefunden.
In der Pilotphase entstehen den
Schulen keine Honorarkosten. Von den
teilnehmenden Schülern und Schülerinnen wird ein Beitrag von ca. 3 € für
Lebensmittel/Materialkosten pro Angebotseinheit erhoben.
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
Kinder lieben Obst und Gemüse
mundgerecht
Wer Kindern Obst und Gemüse schmackhaft machen möchte, sollte kleine Stücke und verschiedene Sorten anbieten.
Es ist geplant, das Projekt auch im
nächsten Schuljahr mit einer größeren
Anzahl von Schulen durchzuführen.
■ Ansprechpartner der
„Werkstatt Ernährung“
Hessisches Ministerium für
Umwelt, ländlichen Raum und
Verbraucherschutz
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden
Daniela Born-Schulze
Tel.: 0611 – 815 1194
Fax: 0611 – 815 1946
E-Mail: d.born-schulze@hmulv.
hessen.de
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
In einer Studie der Universität
Dortmund wurde untersucht, wie man
Grundschulkinder motivieren kann,
mehr Obst und Gemüse zu essen. Werden sie von ganzen Früchten angelockt
oder lieben sie es eher in Stückchen?
„Finger food” ist offenbar das Zauberwort – Speisen also, die in kleinen,
mundgerechten Portionen gereicht
werden. Hier greifen Kinder gerne und
auch immer wieder zu, wie die Studie
zeigt. Vor großen Portionen scheuen
sie eher zurück oder es landet viel im
Abfalleimer. Denn die meisten Kinder
können ganze Früchte oder Gemüse
nicht „in einem Rutsch” verzehren. Der
Rest bleibt liegen, wird unansehnlich
und ist damit für den Nachwuchs nicht
mehr attraktiv. Außerdem mögen es die
Kinder, auswählen zu können.
Diese Angebotsform kann auch gut
in einem gemeinsamen Schulfrühstück
aufgegriffen werden. Dann können
sich Jungen und Mädchen auch gleich
im Schnippeln und Anrichten üben.
Denn was man selber „hergestellt“ hat,
schmeckt gleich noch mal so gut.
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Wie lässt sich Schulmilch an den
Schüler bringen?
Schul-„Bars“ für Milch & mehr — Bund gewährt Finanzhilfen für Ganztagsschulen
E
ine neue, erfolgversprechende
Möglichkeit, den Schulmilchverkauf attraktiver zu gestalten und
damit die Nachfrage nach Schulmilch
zu beleben, bieten zeitgemäße „Schulmilch-Bars“, die sich an der modernen
Erlebnis-Gastronomie orientieren: Mit
ihrem fortschrittlichen, schülergerechten Design kommen sie den Wahrnehmungs- und Konsumgewohnheiten der
Jugendlichen entgegen und helfen, das
Image der oftmals als „altmodisch“
eingestuften Schulmilch zu verbessern
und dadurch deren Konsum zu erhöhen. Im Rahmen eines Pilotprojektes
der Centralen Marketing-Gesellschaft
der deutschen Agrarwirtschaft mbH
(CMA) wurde die aus Modulen bestehende „Schulmilch-Bar“ entwickelt,
die sich in schrillen Farben, coolen
Materialien und geschwungenen Formen präsentiert und im Retro-Look
den 80er Jahren folgt.
Das Besondere an der Milch-„Bar“
ist neben der innovativen Gestaltung
die komplett auf Modularität ausgelegte Bauweise. So lässt sich mit den
einzelnen Modulen jeder baulichen
Schulsituation gerecht werden. Vom
einfachen „Schulmilch-Ausgabe-Tresen“ mit zwei Kühleinheiten bis zur
kompletten „Media-Wertkost-Bar“ mit
Koch- und Backgelegenheit ist fast al-
les möglich. Die Ausführung erfolgt in
professioneller Gastro-Technik. Nicht
nur Schulmilch kann den Kindern und
Jugendlichen in der Schul-„Bar“ angeboten werden: Insbesondere für Ganztagsschulen dürfte von Interesse sein,
dass sich durch das Modulsystem auch
andere Verpflegungsangebote realisieren lassen.
Der Prototyp der „Schulmilch-Bar“
wurde Ende 2000 an der Europaschule
Bornheim in Nordrhein-Westfalen eröffnet: An Internet-Terminals checken
die Schülerinnen und Schüler beim
Milchtrinken ihre E-Mailboxes. Den
Soundtrack dazu liefern TV-Monitore.
Und zur Bezahlung schiebt der Schüler
seine guthabengeladene „SmartCard“
über die Theke. Die zweite bisher gebaute Milchbar steht in der ehrwürdigen Renaissance-Halle des HolbeinGymnasiums zu Augsburg.
Die beiden Pilotprojekte haben gezeigt: Bei engagiertem Betreiber und
der Mitwirkung eines professionellen
Zulieferers/Molkerei lässt sich das
Image der Schulmilch vom Grundnahrungsmittel hin zum weißen „PowerGetränk“ wandeln, was zu einer höheren Akzeptanz und steigendem Absatz
bei den Schülern führt.
42
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ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
■ Aufgepasst!
Ganztagsschulen bzw. Schulen, die
Ganztagsplätze schaffen, können für
den Bau einer Schul-„Bar“ Fördermittel aus dem Investitionsprogramm des
Bundes „Zukunft, Bildung und Betreuung“ beantragen. Der Bund gewährt
für die zur Gestaltung von Ganztagsschulangeboten notwendigen Neubau-,
Ausbau- und Umbaumaßnahmen Finanzhilfen von insgesamt 4 Mrd. Euro
für die Jahre 2003 bis 2007. In Hessen
stehen für den gesamten Förderzeitraum in der Summe 278 Mio. Euro zur
Verfügung. In diesem Jahr sind das Finanzmittel in Höhe von 69 Mio. Euro.
Die Förderung beträgt dabei bis zu
90 Prozent der Investitionssumme. Um
in den Genuß der Fördermittel zu kommen, muss der Schulträger diese bis
spätestens zum 30.04. des jeweiligen
Jahres beim Hessischen Kultusministerium beantragen. Entsprechende Antragsformulare können im Internet von
der Homepage des Hessischen Kultusministeriums www.kultusministerium.
hessen.de unter „Ganztagsschule“ heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ finden
Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.bmbf.de unter der Rubrik „Bildung – Zukunft Bildung – Ganztagsschulen“.
■ Informationen
Für ausfährlichere Informationen
wenden Sie sich am besten direkt an
die verantwortliche Architektin:
Eveline Jilg-Meiser
Dipl.-Ing. Freie Architektin (VDA)
Friedensstr. 13 B
63533 Mainhausen
Tel.: 06182-897218
Fax: 06182-897219
E-Mail: [email protected]
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43
Ein Schultag im Zeichen der Milch
Ein neues Angebot der Landesvereinigung Milch
Hessen e.V.
I
mmer mehr Kinder sind der Meinung, dass Kühe lila sind und die
Milch aus der Tüte kommt. Sie wissen
nicht wie Käse, Joghurt oder Butter
hergestellt werden und warum Milch
so wertvoll ist. Vor diesem Hintergrund entstand bei der Landesvereinigung Milch Hessen e.V. die Idee,
einen Schultag der Milch zu widmen.
Im Rahmen des „Milchtages“, einem
Projekttag für die ganze Schule, wird
den Kindern an einem Schultag dieses
alltägliche Nahrungsmittel näher gebracht und seine Vielfalt verdeutlicht.
Mit Unterstützung der Landesvereinigung Milch, des Lehrerkollegiums
und der Eltern lernen die Schülerinnen
und Schüler an insgesamt sechs Stationen, die sie im Laufe des Milchtages nacheinander durchlaufen, nicht
nur, wo die Milch herkommt (Station
„Der Weg der Milch“). In spannenden
„Experimenten rund um die Milch“
bestimmen die Kinder mit einfachen
Versuchen, welche Inhaltsstoffe in der
Milch stecken. An der Station „Aus
Milch wird Käse“ darf beim Käsen
mitgeholfen werden. So bekommen die
Schüler einen Einblick in die Käseproduktion und erfahren unter anderem,
wie die Löcher in den Käse kommen.
Wie kinderleicht Butter hergestellt
werden kann, zeigt die Station „Wir
machen Butter“. Hier ist körperlicher
44
Einsatz gefragt: Damit aus Schlagsahne schließlich Butter wird, muss dieselbe kräftig geschüttelt werden. Beim
„Geschmackstest“ werden die eigenen
Sinne auf die Probe gestellt: Es gilt,
verschiedene Milchprodukte anhand
des Aussehens, des Geruchs und natürlich des Geschmacks zu unterscheiden.
Und dass Milch nicht nur gesund, sondern auch lecker ist, beweist abschließend die Station „Leckeres aus Milch“,
bei der Milchshakes selbst hergestellt
und natürlich auch verkostet werden.
„Milchtage“ werden vom Schulteam der Landesvereinigung Milch
hessenweit durchgeführt. Wer Interesse hat, erhält nähere Informationen bei
der Landesvereinigung Milch.
■ Kontakt
Landesvereinigung für Milch und
Milcherzeugnisse Hessen e.V.
Lochmühlenweg 3
61381 Friedrichsdorf
Telefon:
0 61 72/71 06-2 93
Telefax:
0 61 72/71 06-2 96
[email protected]
www.milchhessen.de
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
www.essfrust.de
Internetprojekt des Frankfurter Zentrums für EssStörungen und des Vereins magersucht.de
E
ssFrust.de ist ein Kooperationsprojekt des Frankfurter Zentrums für
Ess-Störungen und des Vereins magersucht.de. Die Online-Beratung richtet
sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene, die von Ess-Störungen/
Ess-Sucht bedroht oder bereits betroffen sind. Das Internetprojekt stellt ein
innovatives Angebot zur Primär- und
Sekundärprävention von Ess-Störungen und Ess-Sucht dar. Schirmherrin
der Online-Beratung ist die hessische
Sozialministerin Silke Lautenschläger.
Gefördert wird es durch den BKK Landesverband Hessen.
Das Internet bietet die Chance, Jugendliche und junge Erwachsene durch
Aufklärung und Beratung bereits im
Vorfeld einer chronischen Erkrankung
zu erreichen und somit die Entwicklung eines manifesten Krankheitsbildes
zu verhindern. Als anonymes Medium
wird das Internet von Betroffenen oftmals genutzt, um zum ersten Mal offen über ihre Krankheit zu sprechen.
Gerade bei Personen mit Ess-Störungen, deren Erkrankung zunächst meist
unauffällig und im Verborgenen stattfindet, bedeutet dies einen ersten entscheidenden Schritt auf dem Weg zu
einer weiterführenden professionellen
Beratung. Im Chat besteht die Chance,
die soziale Isolation zu durchbrechen
und gemeinsam mit anderen BetroffeWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
nen einen Weg aus der Erkrankung zu
finden. Diese Selbsthilfepotenziale sollen durch das Internetangebot maßgeblich gefördert werden. Wir wollen den
Jugendlichen und jungen Erwachsenen
einen Ort bieten, an dem sie sich informieren und austauschen können und
der ihnen darüber hinaus professionelle
Unterstützung bietet.
■ Angebotsmodule
■ Ansprechpartnerin
Sigrid Borse
Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt
Tel:
069/55 73 62
E-Mail: [email protected]
www.ess-stoerungen-frankfurt.de
› Online-Forum
Dieses Newsboard gibt den Betroffenen die Möglichkeit, Erfahrungen
auszutauschen und sich kritisch und
konstruktiv mit ihrer Erkrankung auseinander zu setzen.
› Online-Sprechstunde
Die Sprechstunde ermöglicht ein
persönliches Online-Gespräch mit einer Beraterin für jeweils 40 Minuten.
› Gruppen-Chat
Der Echtzeit-Chat dient als Plattform und bietet Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmern die Möglichkeit,
sich im Gespräch kennen zu lernen.
Die Diskussion wird von einer Beraterin moderiert.
45
Ran an die Pulle! – Kinder trinken
oft zu wenig
Viele Kinder und Jugendliche trinken zu wenig und
zu selten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Paderborn. Mögliche Folgen sind verminderte Aufmerksamkeit und ein Nachlassen des Konzentrationsvermögens.
„Trink nicht so viel, dann hast du
gleich keinen Hunger mehr!” Klingt
Ihnen dieser Satz auch noch in den Ohren? Generationen von Kindern wuchsen mit dem Hinweis auf, zunächst sei
der Hunger und dann erst der Durst zu
stillen. Diese Volksweisheit gilt jedoch
schon lange nicht mehr. Heute heißt
es: Kinder sollten über den ganzen Tag
verteilt regelmäßig Flüssigkeit aufnehmen, am besten in Form von Wasser,
Saftschorlen, Früchte- oder Kräutertees.
Ist aber diese Botschaft schon bis
zu Eltern und Lehrern vorgedrungen?
Dieser Frage nahmen sich Prof. Dr.
oec. troph. Helmut Heseker und Prof.
Dr. med. Michael Weiss von der Universität Paderborn an und untersuchten
die Trinkgewohnheiten unseres Nachwuchses. Heraus kam, dass die durchschnittliche Flüssigkeitszufuhr deutlich
unter den empfohlenen Richtwerten
liegt. Soll heißen: Kinder und Jugendliche trinken nicht genug. Die 9- bis
13-Jährigen nehmen zum Beispiel rund
20 Prozent zu wenig Flüssigkeit zu
sich. Bei den Mädchen sind die Werte
im Durchschnitt schlechter als bei den
Jungen.
Wer zu wenig trinkt, bei dem sinken Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit. Hingegen steigt länger46
fristig die Gefahr, dass sich Harnsteine
bilden. Auch das Krebsrisiko im Dickdarm und in den Harnwegen erhöht
sich. Also: Lasst die Kinder ran an die
Pullen. 6- bis 13-Jährige sollten 1 Liter, 13- bis 19-Jährige 1,5 Liter täglich
trinken.
Trinken selbstverständlich dazugehören.
■
Eine Flasche Wasser kann überall
dort bereitstehen, wo sich Kinder
aufhalten: beim Schreibtisch, im
Spielzimmer, in der Küche. Auch
im Klassenraum können Eltern und
Lehrer für Nachschub sorgen: viele Getränkelieferanten bringen die
Wasserkiste gerne direkt ins Klassenzimmer.
■
Bei jeder Anstrengung wie auch bei
Hitze sollte darauf geachtet werden,
dass Kinder den Flüssigkeitsverlust
wieder ausgleichen, das heißt ausreichend trinken.
■
Kinder haben – wie übrigens ältere
Menschen auch – nur ein schwach
ausgeprägtes Durstempfinden. Daher ist es um so wichtiger, dass sie
sich an regelmäßiges Trinken gewöhnen. Dazu sollten Lehrer und
Eltern Kinder immer wieder ermuntern: Ran an die Pulle!
■ Tipps
Hier ein paar Tipps zum „richtigen“
Trinken und wie die empfohlene Menge erreicht werden kann:
■
■
Zum Essen sollten immer auch
Getränke angeboten werden. Allerdings ist nicht jedes Getränk
geeignet. Süße Säfte und Limonaden sollten die absolute Ausnahme
sein. Gut geeignet sind Wasser,
Saftschorlen sowie Früchte- oder
Kräutertees. Auch Milch sollte regelmäßig getrunken werden – aber
sie zählt aufgrund ihres Eiweißund Fettgehaltes eher als Lebensmittel denn als Getränk und wird
daher nicht als Flüssigkeitsspender
gerechnet.
Zu jedem Schulfrühstück und in
jede Sporttasche gehört immer ein
Getränk. Lehrer sollten regelmäßige Trinkpausen im Unterricht einplanen; zu den Sportstunden sollte
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FOOD EXPERIENCE DAY an der
Justus Liebig Schule Darmstadt
350 Schüler sammeln Erfahrungen rund um das Thema Nahrungsmittel, Ernährung und Körperbewusstsein.
Die Marketinggesellschaft GUTES
AUS HESSEN e.V. führte am Donnerstag, den 8. Juli. 2004 in der Justus Liebig Schule in Darmstadt die neunte von
insgesamt dreizehn Veranstaltungen in
diesem Jahr zum Thema Ernährung,
Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit
und Körperbewusstsein in hessischen
Schulen durch. Unter dem Titel „Food
Experience Day“ wird den Schülern
und Schülerinnen der Jahrgangsstufen
5-7 bewusste und gesunde Ernährung
näher gebracht. Diese Aktion wird gemeinsam mit dem hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum
und Verbraucherschutz und der CMA
der Centralen-Marketinggesellschaft
der deutschen Agrarwirtschaft durchgeführt. Gleichzeitig ist die Veranstaltungsreihe in die Konzeption „Schule
& Gesundheit“ (Hessisches Kultusministerium) in Verbindung zu den Modulen „Ernährung“ und „Bewegung“
integriert. Der „Food Experience
Day“ ist damit ein „Meilenstein“ auf
dem Weg zur „Gesundheitsfördernden
Schule“ und als eine mögliche Qualifizierungsmaßnahme anerkannt.
Hintergrund der Aktion ist, dass
sich in den letzten Jahrzehnten das Ernährungsverhalten von Kindern und
Jugendlichen drastisch verändert hat.
Über- bzw. Untergewicht tritt erschreckend häufig auf, mit all seinen Auswirkungen auf das Lernverhalten, die
körperliche Konstitution und langfristigen Folgen für die Gesundheit.
Der Anteil der Schüler, die sich
vom Schulsport befreien lassen, steigt
stetig an, ebenso wird eine zunehmend
schlechtere Konzentrationsfähigkeit
beklagt.
Nach der WHO-Studie ist diese
Problematik ein Ergebnis verschiedener Faktoren so wie vor allem das
Ernährungsverhalten, der Bewegungsmangel und auch soziale Hintergründe.
Im Ernährungswissen der Kinder und Jugendlichen klaffen „große
Kenntnislücken und vor allem handlungsgeleitetes Denken“, dies gilt gleichermaßen für die Bereiche Nahrungsmittelerzeugung, Weiterverarbeitung
und Zubereitung von Speisen. ZusätzDer „Food Experience Day“ in lich verschwindet auch automatisch die
Darmstadt wird der letzte vor den Wertschätzung für natürliche LebensSommerferien sein. Bisher konnten rd. mittel an sich. Dies äußert sich u.a. da4.000 Schüler den „Food Experience
rin, dass beim Einkauf „Fast Food“ und
Day“ erleben und eigene Erfahrungen „Convenience“ Produkte eine immer
sammeln.
größere Rolle spielen. Der Bezug zu
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Nahrungsmitteln im Allgemeinen und
zu regionalen Erzeugnissen im Speziellen wird immer geringer. Kurzum,
das Wissen um regionale Nahrungsmittelproduktion, Lebensmittelsicherheit und Nahrungsergänzungsmittel
und die Erfahrung im Umgang mit
Lebensmitteln wird durch ungünstige
Essgewohnheiten in den Familien und
einer modernen Lebensgestaltung immer geringer.
Der Grundstein für eine ausgewogene Ernährung kann nicht früh genug
gelegt werden, erklärte Walter Schütz,
Vorsitztender des Regionalbauernverbandes Starkenburg, anlässlich der
Veranstaltung in der Justus Liebig
Schule in Darmstadt. Da viele Eltern
ihren Kindern heutzutage nicht mehr
erklären könnten, wo die Lebensmittel herkommen, übernehme die Schule
hier eine Wichtige Aufgabe. Kindern
und Jugendlichen ein Verständnis für
die Lebensmittel sowie deren Herkunft
zu vermitteln, sollte Inhalt eines jeden
Lehrplans sein. Durch gezielte Aktionen soll hierfür mehr Aufmerksamkeit
und Interesse geweckt werden.
Der „Food Experience Day“ soll
den Kindern einen Überblick rund um
das Thema Ernährung geben. Dazu ist
der Tag in zwei Einheiten aufgeteilt.
Im ersten Teil durchlaufen die Klassen
47
NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004
die mit Fachleuten besetzten Stationen
zu den Themen Landwirtschaft, Ernährung, Sport und Bewegung, Nahrungsmittelsicherheit und Kochen, bei
denen die Referenten Einblicke sowie
Antworten zu den jeweiligen Themenbereichen geben. Weitere Stationen
bilden der Marktplatz mit Aktionen
wie Milchgeschmackstest, Getreidequetschen, Rapsölpressen, Popcorn
Herstellen etc. und das „Foodmobil“
mit einem Quiz rund um das Thema
Landwirtschaft.
Im zweiten Teil des Tages kochen
die Schüler in den Klassen. Dazu wird
das komplette Küchen-Equipment von
den Veranstaltern zur Verfügung gestellt. Als Gericht wird Kartoffeln mit
Frankfurter Grüner Soße und Erdbeeren mit Milch als Nachspeise zubereitet.
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG
sprechende Art werden die Themen interessant dargestellt und vermittelt.
Das Projekt ist speziell auf Schulen
zugeschnitten. Beim „Food Experience
Day“ wird der Bereich Lebensmittel
zum ausschließlichen Thema erhoben.
Dabei erfolgt eine zielgruppengerechte
Umsetzung, die gewährleistet sowohl
SchülerInnen als auch LehrerInnen zu
erreichen.
Die Referenten der einzelnen Themenbereiche haben sich bereiterklärt,
auch nach dem Aktionstag zur Verfügung zu stehen. Auch die Landwirtschaft unterstützt Lehrer und Schüler
auf vielfältige Weise mit umfangreichem Unterrichtsmaterial, aber auch
mit interessanten Veranstaltungen und
Fortbildungen zum Thema Landwirtschaft und Ernährung.
Bereits im Herbst 2002 wurden
zwischen dem Hessischen Sozialministerium und der Marketinggesellschaft
GUTES AUS HESSEN e.V. Gespräche
darüber geführt, wie unter Beteiligung
des damaligen Hessischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und
Forsten eine Aktion umgesetzt werden
kann, die SchülerInnen und LehrerInnen aktiv in Maßnahmen rund um das /
die Nahrungsmittel einbindet.
Im Jahre 2003 wurde in Gesprächen
mit dem Hessischen Kultusministerium überlegt, wie sich dieser sogenannte „Ernährungs- und Bewegungstag“ in
Schulen in eine Konzeption einbauen
ließe. Die Folge war die Integration in
den Bereich „Schule & Gesundheit“,
was vor allem die Nachhaltigkeit des
„Food-Experience-Day“ verstärkt.
Während der Aktion soll aber nicht
„mit erhobenem Zeigefinger“ auf die
SchülerInnen zugegangen werden.
Durch ein aktives Einbinden der LehrerInnen bzw. der Schulleitung und eine
der Alterstufe entgegenkommende, an-
48
WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE
Der Regionalbauernverband Starkenburg
e.V. auch stark in der Schülerinformation
und der Lehrerweiterbildung
W
ie es sich für den größten hessischen Zusammenschluss von
Landwirten gehört, widmet sich der
Regionalbauernverband Starkenburg
e.V. unter seinem Vorsitzenden Walter
Schütz einer Vielzahl von Tätigkeiten,
die über den Rahmen der eigentlichen
Aktivitäten eines Bauernverbandes
hinausgeht. Selbstverständlich gehört
ein Hauptaugenmerk seiner Arbeit den
Mitgliedern, denen er in vielfältigster
Weise unterstützend und Rat gebend
zur Seite steht. Darüber hinaus ist es
aber auch eine selbst gestellte Aufgabe sich gemeinsam mit dem Hessischen Bauernverband um die Fortbildung von Lehrkräften und MIT DER
Marketinggesellschaft GUTES AUS
HESSEN e.V. um die Vermittlung von
schwierigen Sachthemen aus dem Bereich Landwirtschaft und Ernährung zu
engagieren. Die derzeitigen Planungen
für das Jahr 2005 enthalten daher auch
Schwerpunkte, die eine Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region
Starkenburg festigen und vertiefen sollen.So werden z.B. in der Region den
Schulen Möglichkeiten von Fortbildungstagen angeboten, die seitens des
Regionalbauernverbandes durch qualifizierte landwirtschaftlich ausgebildete
Fachkräfte erfolgen. Auch engagiert
sich der Regionalbauernverband über
eine Kooperation von Landwirten
bzw. größeren Zusammenschlüssen
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darum, als Zulieferer aus der Region
Essen in den Schulkantinen anbieten
zu können. Dabei ist es auch wiederum der Vorsitzende Walter Schütz, der
hier gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Peter Gheorgean, die treibende
Kraft darstellt. Wie die Einstellung
des Vorsitzenden in dieser Frage ausfällt ist in einer Veröffentlichung im
Landwirtschaftlichen Wochenblatt im
Juli 2004 entsprechend nachzulesen.
Schütz führte dort aus: „Der Grundstein für eine ausgewogene Ernährung
kann nicht früh genug gelegt werden.
Da viele Eltern ihren Kindern heutzutage nicht mehr erklären können wo
die Lebensmittel herkommen, übernehme die Schule hier eine wichtige
Aufgabe. Kindern und Jugendlichen
ein Verständnis für die Lebensmittel
und deren Herkunft zu vermitteln sollte
Inhalt jedes Lehrplans sein. Die Landwirtschaft unterstützt Lehrer und Schüler auf vielfältige Weise mit umfangreichen Unterrichtsmaterialien, aber
auch mit interessanten Veranstaltungen
und Fortbildungen zum Thema Landwirtschaft und Ernährung.“ In diesem
Zusammenhang ist auch der „FOOD
EXPERIENCE DAY“ zu sehen, der
seitens der Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. in direkter
Abstimmung mit der Landwirtschaft
den in Frage kommenden Schulen und
den Schülern der Sekundarstufe 1 die
Möglichkeit bietet sich über Fragen der
Nahrungsmittelerzeugung, der Weiterverarbeitung, der gesunden Ernährung,
der Hygiene und der Bedeutung einer
vernünftigen Ernährung im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten
zu informieren. Gemeinsam mit dem
Kultusministerium, unter Federführung von Frau Dr. B. Zelazny, sind
hier bereits 12 Veranstaltungen durchgeführt worden, zuletzt natürlich auch
in der Region Starkenburg und unter
Beteiligung des dortigen Regionalbauernverbandes.Besonders wichtig ist es
auch, so die Einschätzung von Walter
Schütz, dass in den unterschiedlichen
Schultypen schülergerecht vorgegangen wird. Mit Sicherheit ist das Thema
Ernährung einem 5. und 6. Schuljahr
anders vorzustellen als z.B. einer Oberstufe. Auch hier hat der Regionalbauernverband Stakenburg entsprechende
Konzepte gemeinsam mit dem Hessischen Bauernverband ausgearbeitet,
die jederzeit abrufbar und praxisnah
umgesetzt werden können.
Interessierte Schulen sind gerne
eingeladen, sich direkt mit der Geschäftsstelle bzw. dem Geschäftsführer
Peter Gheorgean (Tel. 06155-3494) in
Verbindung zu setzen, um Näheres erfahren zu können bzw. um ein gemeinsames Gespräch zwecks Abstimmung
eventueller Aktivitäten zu vereinbaren.
49
Hessisches Kultusministerium
Luisenplatz 10
65185 Wiesbaden
www.kultusministerium.hessen.de
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