Hessisches Kultusministerium Schule & Gesundheit Ernährung, Bewegung und Entspannung Netzwerkzeitung 2004 Inhaltsverzeichnis Editorial …………………………………………………………………………………………………………………………………………… 3 Ernährung – Bewegung – Entspannung: Elemente der Gesundheitsförderung ……………… 4 ………………………………………………………………………… 7 BEWEGUNG Das bewegte Schulamt – erfrischend anders! Teilzertifikat „Bewegungsfördernde Schule“ ………………………………………………………………………… 10 Runter vom Sofa – raus aus dem Haus! ………………………………………………………………………………… Bewegung in der Schule ist der Hit – sie hält den Körper und das Denken fit! 13 …………… 15 ……………………………… 17 ………………………………………………………………………………………………………………… 19 Ausdauer ist nicht alles, aber ohne Ausdauer ist Gesundheit nichts. ENTSPANNUNG Projekte der Schulen Stressmanagement-Training – warum es immer wichtiger wird! „Mehr Kraft und Energie durch Balance“ ……………………………………… 20 ……………………………………………………………………………… 22 Alexandertechnik für Lehrer – Balance zwischen Spannung und Entspannung ……………… 23 Klasse2000 – Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung an der Grundschule ………… 26 Kurzberichte aus den Regionen ……………………………………………………………………………………………… 28 ……………………………………………………………………………………………………………………… 32 ERNÄHRUNG „Jugend mit Biss“ Workshop – „Pausenverpflegung: gesund und doch praktikabel?!“ ………………………………… 35 Schulverpflegung mit Köpfchen! ……………………………………………………………………………………………… 38 Die „Werkstatt Ernährung“ stellt sich vor ……………………………………………………………………………… 40 Kinder lieben Obst und Gemüse mundgerecht …………………………………………………………………… Wie lässt sich Schulmilch an den Schüler bringen? ……………………………………………………………… 41 42 Ein Schultag im Zeichen der Milch …………………………………………………………………………………………… 44 www.essfrust.de ………………………………………………………………………………………………………………………… Ran an die Pulle! – Kinder trinken oft zu wenig …………………………………………………………………… FOOD EXPERIENCE DAY an der Justus Liebig Schule Darmstadt Der Regionalbauernverband Starkenburg e.V. 45 46 ………………………………………… 47 …………………………………………………………………… 49 IMPRESSUM ■ Herausgeber ■ Redaktionsteam ■ Design, Layout, Grafik und Satz Schule & Gesundheit F. Conrad, L. Konermann, D. Otto, R. Weißgraeber Hessisches Kultusministerium B. Zelazny [email protected] ■ Titelgestaltung Luisenplatz 10 65185 Wiesbaden ■ Druckerei Zeidler GmbH&Co KG, Mainz-Kastel Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Muhr, Design & Werbung, Wiesbaden www.muhrdw.de ■ Erscheinungsweise: 1x jährlich Editorial „Ernährung – Bewegung – Entspannung“ — das ist der Schwerpunkt der neuen Ausgabe der Netzwerkzeitung Schule & Gesundheit. D ie unterschiedlichen Beiträge zeigen auf, dass die drei Säulen der Gesundheit für alle Altersgruppen und Zielgruppen im System Schule und auch in der Bildungsverwaltung von wesentlicher Bedeutung sind. Der Alltag von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften, sowie der von Beschäftigten der Bildungsverwaltung verläuft oftmals konträr zu den Erfordernissen einer Balance zwischen Bewegen und Entspannen. Der Ernährungsalltag gestaltet sich darüber hinaus vielfach unausgewogen, unregelmäßig und häufig unter Zeitdruck. Hierdurch können als Folge Müdigkeit, Unkonzentriertheit und geringe Leistungsfähigkeit auftreten. lassende Arbeitshaltung und Ausdauer wie eine zunehmende Aggressionsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Doch die Beiträge aus der Praxis zeigen deutlich, dass Schule hier nicht tatenlos zusieht. Sie ist aktiv: Projekte wie: ■ ■ ■ ■ ■ ■ Schon Gotthold Ephraim Lessing, der uns nicht als Gesundheitsapostel bekannt ist, schrieb: „Im Essen bist du schnell im Gehen bist du faul. Iss mit den Füßen, Freund, und nimm zum Gehn das Maul!“ Ob er seinen mahnenden Vierzeiler beherzigt hat, wissen wir nicht. Nichtsdestotrotz: Lehrerinnen und Lehrer beschreiben immer wieder eine geringere Lern- und Leistungsbereitschaft, eine geringere Konzentration, eine nachWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ■ ■ ■ „Aktive Pause – tägliche Bewegungszeit“ „Aktionstag Sitzen und Bewegen“ „Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten“ „Schulverpflegung“ (Schulkiosk, gesundes Frühstück, Mittagsverpflegung) „Kochen in der Grundschule“ „Food-Experience-Day“ „Werkstatt Ernährung“ „Klasse2000“ „Alexandertechnik für Lehrerinnen und Lehrer“ „Was hält Menschen gesund?“. Dabei geht es einerseits um Fähigkeiten und Wissen der jeweiligen Person und andererseits um strukturelle Faktoren, die diese Person gesund bleiben lassen. Ich bin überzeugt, dass durch diese Anregungen aus der Praxis für die Praxis Motivation erzeugt wird, an der eigenen Schule Ähnliches zu erproben. Karin Wolff und vieles mehr zeigen deutlich das Engagement der Schulen. Bewegung, Ernährung, Entspannung können gerade hier „Wunder“ bewirken im Sinne einer außerordentlich wichtigen Präventivmaßnahme. Die vorgestellten Beispiele setzen im Vorfeld potentieller Symptome an und sind orientiert an der Leitfrage 3 Ernährung – Bewegung – Entspannung: Elemente der Gesundheitsförderung Diese Trias trägt wesentlich zur individuellen Gesundheit und Leistungsfähigkeit bei. B ereits für den griechischen Arzt Hippokrates (460 v. Chr. bis 370 v. Chr.) zählten Ernährung, Bewegung und Entspannung zu den Grundsäulen von geistigem und körperlichem Gleichgewicht (= Gesundheit). Er therapierte entstandene Ungleichgewichte (= Krankheit) mit Umstellungen des Ernährungs-, des Bewegungs- und des Entspannungsverhaltens. Ein wesentlicher Faktor seiner Diagnose und Therapie waren die Lebensumstände des Patienten, dessen Konstitution oder auch der jeweils ausgeübte Beruf. In der gegenwärtigen Zeit boomt der Markt mit Veröffentlichungen und Aufklärungsmaßnahmen zu ausgewogenem Essen und Trinken, mit Kursangeboten zu Bewegung sowie Entspannung. Fitnesszentren mit entsprechenden Kurs- und Trainingsangeboten entstehen allerorten. Gleichzeitig nimmt die Zahl der übergewichtigen, bewegungsarmen Personen zu und steigt die Zahl derjenigen, die über ein Übermaß an Belastung und mangelnde Entspannungsmöglichkeiten klagen. Damit einhergehen Krankheitsbilder wie die des Herz-/Kreislaufsystems, des Bewegungsapparates, der Immunabwehr, psychosomatischer Störungen u.a. 4 Offensichtlich greifen die bis jetzt getroffenen Aufklärungsmaßnahmen nur schwer im Zusammenhang mit oft langjährig praktizierten Verhaltensweisen – dies auch dann, wenn rational erkannt wurde, dass es sich um krankmachende Verhaltensweisen handelt. Zahlreichen Menschen ist scheinbar die Fähigkeit sich angemessen zu ernähren, sich ausreichend zu bewegen und zu entspannen abhanden gekommen. Die Basis für diese Verhaltensweisen wird – vergleichbar mit anderen Verhaltensweisen auch – im Kindesalter gelegt, im späteren Alter ausdifferenziert. Die Auswertung einer breit angelegten Studie zur Ernährung in der Schule verdeutlicht: „die grundlegenden Weichen für das Ernährungsverhalten werden im Kindes- und Jugendalter gestellt“. In Ernährungsfragen, wie auch in der Beurteilung von Qualität, Auswahl und Verarbeitung von Lebensmitteln, ist in den Familien häufig trotz vielfältiger Informationsmöglichkeiten eine deutliche Kompetenzlücke festzustellen. (Forschungsprojekt „Ernährung in der Schule“, Universität Paderborn, Prof. Dr. Heseker u.a.) Nationale und internationale Studien zeichnen ebenfalls ein eher düsteres Bild bezogen auf die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugend- lichen und damit einhergehend von Lern- und Leistungsfähigkeit. „Nach Angaben der WHO ist in Deutschland jedes fünfte Kind übergewichtig. Bei der Gruppe der Jugendlichen ist es sogar jede/r Dritte. Hauptgrund ist eine Fehlernährung und Bewegungsmangel.... Um aber eine durchgreifende Strategie zu entwickeln, müsste neben der elterlichen Aufklärung gesunde Ernährung bereits in Schulen kommuniziert werden. Ebenso gehört gesundes Essen (und Trinken) in Kindergarten, Hort, Schule und Kantine...“ (Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98; Heft 45) Weiter heißt es in der Veröffentlichung: „Ein wesentlicher therapeutischer Ansatz ist die Aufklärung der Eltern. Sie beeinflussen die Essgewohnheiten der Kinder maßgeblich und gelten auch als Vorbild.“ Der erste Jugendgesundheitssurvey versucht Antworten zu geben auf die Fragen „Wie gesund sind unsere Kinder?“, „Welche Faktoren begünstigen Krankheit?“, „Welche protektiven Faktoren lassen sich benennen?“, „Welche Konsequenzen müssen für Prävention und Gesundheitsförderung gezogen werden?“. Diese stark verkürzt dargestellten Untersuchungsergebnisse stelWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG len für die Bildungspolitik und das gesellschaftliche Teilsystem Schule neue Herausforderungen dar. lungsprozess, der Bewegung/Entspannung als integrativen Teil schulischen Gestaltens begreift. Für Schule heißt das, Situationen aufzugreifen und zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche Kenntnisse über die Zusammensetzung und die Bedeutung von Essen und Trinken erwerben können und dieses Wissen im schulischen Alltag handelnd umsetzen können. Konkret bedeutet dies, Kinder und Jugendliche müssen ihre eigenen Ernährungsgewohnheiten und –vorlieben kennen lernen und unter Anleitung ggf. ändern lernen. Das heißt aber auch, Mädchen und Jungen müssen eine Auswahl treffen, müssen ausprobieren, was ihnen bekommt, gut tut und gut schmeckt. In den zurückliegenden Jahren haben zahlreiche Schulen das Thema Gesundheit aufgegriffen. Im Mittelpunkt standen z.B. die Verbesserung der Ernährung, die Umgestaltung des Schulkiosks oder die Begrünung des Schulhofs. Inzwischen hat sich die Zahl hessischer Schulen mit Elementen der Gesundheitsförderung vervielfacht und aus Einzelaktionen entwickelten sich festverankerte Rituale und Schulkonzepte. Darüber hinaus sollte der Schulalltag so gestaltet sein, dass der Bewegungsdrang oder das Ruhebedürfnis der Schülerinnen und Schüler nicht in zeitliche Konkurrenz tritt mit Zeiten, die für Essen und Trinken vorgesehen sind. Ernährung (Essen und Trinken) im Schulalltag zu integrieren bedeutet einerseits Pausen- und Mittagsverpflegung für die in Schule Lernenden und Lehrenden gesundheitsdienlich zu gestalten. Andererseits bedeutet es, eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und außerschulischen Kooperationspartnern. Seit Mai 2003 ist Gesundheitsförderung an Schulen ein wichtiger Teil des politischen Programms des Hessischen Kultusministeriums. Das Grundlagenpapier benennt die Leitbegriffe “Gesundheit und Gesundheitsförderung” und leitet daraus Ziele ab. Vorrangiges Ziel ist es, Gesundheitsförderung langfristig an allen hessischen Schulen zum Baustein des Schulprogramms zu machen und den Schulentwicklungsprozess hin zu einer gesundheitsfördernden Schule zu unterstützen. Darüber hinaus geht es in dem Modul darum erprobte Unterrichtsbeispiele für Lehrkräfte darzustellen. › Bausteine ■ Dokumentation von Unterrichtsmaterialien: Der Baustein enthält kommentierte Unterrichtsanregungen für die Klassen 1 bis 10. ■ Werkstatt Ernährung Dieser Baustein richtet sich an Schulen mit Nachmittagsangebot. Der handlungs- und erlebnisorientierte Unterricht für die Klassen 4-10 beinhaltet Einheiten von 2-3 Unterrichtsstunden über ein Schulhalbjahr hinweg. Ernährungsfachfrauen führen die Unterrichtseinheiten an den Schulen durch. Die Themen reichen von der Nahrungsmittelerzeugung, Nahrungszubereitung, Essgewohnheiten und Essverhalten der Kinder und Jugendlichen bis hin zu Ernährungsökologie und Lebensmittelwerbung. Auch der Bereich Ernährung und Bewegung findet hier seinen Platz. ■ Beratungs- und Werkzeugkoffer Schulverpflegung enthält Informationen und Anregungen zu: Dabei geht es um: ■ ■ Entwicklung einer Schulgesundheitskultur Stärkung der Gesundheit von Schülerinnen und Schülern Stärkung der Gesundheit von Lehrkräften. Hinsichtlich der Gesundheitssäulen Bewegung und Entspannung sollten Kinder den Schulalltag möglichst sinnesaktiv und handelnd erfahren können. Dabei müssen die Handlungsspielräume so vorbereitet sein, dass nicht nur in den Außenbereichen, sondern v. a. auch in den Innenräumen entwicklungsfördernde Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten existieren. Schulen erhalten u.a. für die Bereiche „Ernährung“, „Bewegung“, „Entspannung“ Unterstützung durch die folgenden Module: Dabei geht es nicht allein darum, den Schulalltag mit mehr Bewegungsaktivitäten anzureichern, sondern um einen bedeutsamen Schulentwick- Das Modul Ernährung wendet sich mit seinen Bausteinen an die Mitglieder der Schulgemeinde und will diese anregen, die Ernährungssituation und WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Ernährungsweise von Mädchen und Jungen zu hinterfragen und gestaltend zu verändern. Unterstützung leisten hierbei die unterschiedlichen aufgeführten Beratungspartner. Gleichzeitig enthält das Modul Vorschläge, wie Schülerinnen/Schüler ihre Ernährungsgewohnheiten selbst schrittweise verändern können. ■ ■ Modul Ernährung • Grundlagen der Ernährung und Tipps zur Umsetzung • Bewirtschaftungsformen und Verpflegungskonzepte • Finanzierung und Sponsoring • Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Herstellung und das Angebot von Speisen und Getränken • Beispiele aus der Schulpraxis 5 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG • Ansprechpartner und Beratungsmöglichkeiten ■ Modul Bewegungsfördernde Schule Das Modul Bewegungsfördernde Schule enthält Bausteine für das gesamte Kollegium, wie die Bausteine „Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten“ und „Aktive Pause, tägliche Bewegungszeit“, sowie den „Aktionstag Sitzen und Bewegen“ der zusätzlich auch für Eltern, Schülerinnen und Schüler gedacht ist, darüber hinaus Bausteine für Lehrkräfte die im Sportunterricht, Sportförderunterricht oder Sport AGʻs eingesetzt sind. › Bausteine ■ Der Baustein „Aktionstag Sitzen und Bewegen“ beschreibt die Gründe und Vorteile für „bewegtes Sitzen“ (bzw. Stehen) sowie bewegtes Lernen und legt die Auswirkungen dieser Erkenntnisse für die Schule dar. Die theoretischen Erkenntnisse werden dann anhand von Praxisbeispielen näher vertieft. 6 ■ Der Baustein Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten beschreibt die Bedeutung der Wahrnehmung und Bewegung für das Lernen, Verhalten und Leisten. Die theoretischen Erkenntnisse werden anhand vieler Praxisbeispiele zu Bewegungspausen im Klassenzimmer, zur Entspannung im Unterricht und zum themenbezogenen Lernen mit Bewegung in allen Fächern umgesetzt ■ Der Baustein „Aktive Pause/tägliche Bewegungszeit“ bezieht sich in erster Linie auf die Pausenspielund Sportgeräte der Aktion des HKM 2002/2003. Praxisbeispiele zu Rollen, Gleiten, Fahren sowie weitere Spiele und Bewegungsmöglichkeiten im Freien und Organisationsformen werden den Lehr- kräften vermittelt. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf die Gestaltung des Schulhofs. Um die schulischen Erziehungsmaßnahmen im Bereich Förderung einer gesunden Ernährungsweise und Bewegungsförderung effizienter werden zu lassen, ist die enge Kooperation mit dem Elternhaus notwendig. Auch hierfür erhalten interessierte Lehrkräfte Unterstützung. M. Büchler-Stumpf Für Information können Sie sich wenden an: ■ Projektbüro Schule & Gesundheit: Tel.: 0611 – 368 2736 E-Mail: m.triebe-schmid@hkm. hessen.de ■ HeLP — Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz Schule Tel.: 0611 – 8803235 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Das bewegte Schulamt – erfrischend anders! I mmer häufiger fallen Schülerinnen und Schüler durch Entwicklungsdefizite, Verhaltensschwierigkeiten, Lernprobleme und/oder gesundheitliche Störungen auf. Immer öfter stehen Eltern, Kinder und Lehrer der verschiedenen Schultypen ratlos vor den Problemen Aggressivität, Verweigerung, Schulangst, psychosomatische Erkrankungen. Pädagogen, Psychologen, Mediziner und Therapeuten sind sich einig: Die Anzahl der zu therapierenden Kinder wächst, die Wartezeiten für einen Therapieplatz steigen. Die Auffälligkeiten werden u.a. als ADS (Aufmerksamkeitsdefizit), ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstöroung), HKS (Hyperkinetisches Syndrom – „Zappelphilipp“), LSR (Lese-, Schreib- und Rechtschreibschwäche), Dyskalkulie (Rechenschwäche) bezeichnet. Alle diese Auffälligkeiten stehen auch mit Schwierigkeiten und Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung in Verbindung. Wahrnehmung und Bewegung wiederum bedingen sich gegenseitig. Dringende Fragen sind daher: ■ Sind unsere Schülerinnen und Schüler wirklich in dieser hohen Zahl therapiebedürftig? WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ■ ■ ■ ■ Sind Einzeltherapien für alle diese Kinder der angemessene Weg, um Defizite aus der veränderten Kindheit und den wachsenden Bewegungsmangel aufzuarbeiten? Müssen Lehrerinnen und Lehrer, die ganzheitlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollen, das Lernfeld Schule verlassen, um als Therapeuten außerhalb der Schule agieren und darauf reagieren zu können? Wie reagieren Schule und Schulaufsicht auf die deutlichen Veränderungen bei unseren Schülerinnen und Schülern? Welche Informationen bekommen Eltern? Für das Staatliche Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg mit Sitz in Wetzlar bedeutete es nichts Neues, dass Bewegungs- und Wahrnehmungser- fahrung als Grundlage für Lernen und Verhalten in den täglichen Unterricht gehören. Die Anzahl von Kindern und Jugendlichen aller Schulformen mit Sprachproblemen, Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen sowie Auffälligkeiten im Verhalten nimmt auch in dieser Region ständig zu. Bereits seit 1990 reagierte man mit besonderen Maßnahmen zur Unterstützung der Kinder, Jugendlichen, Eltern und Lehrkräfte. Für das laufende Schuljahr (2003/04) lassen sich vor allem folgende Maßnahmen nennen: ■ ■ ■ Regelmäßige Angebote der Regionalen Lehrerfortbildung mit Schwerpunkt „Bewegter Unterricht“ (Einbeziehung von Bewegung in alle Unterrichtsfächer) Zusatzqualifikationen im Bereich der Motopädagogik/Psychomotorik (mit den Schwerpunkten Körpererfahrung, Materialerfahrung, Sozialerfahrung) Pädagogische Tage mit dem Schwerpunkt „Wahrnehmen und Bewegen – Grundlage für Lernen und Verhalten“ (neurophysiologische Grundlagen für den pädagogischen Einsatz) 7 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Vorbeugen und Fördern Reflexhemmungsprogramm Neurophysiologische Entwicklungsdiagnostik Eltern-Kind-Einzelbetreuung Kontakt / Austausch Gemeinsamer Weg für das Kind Grundschule Gesamtschule Hauptschule Realschule Gymnasium Berufschule Konzentrations mangel Eltern Schule Schulpsychologen Kinderarzt Jugendamt Therapeuten Beratungsstellen Lernblockade Vehaltensauffälligkeit Motorische Auffälligkeit Sprachstörung Gute Intelligenz Edukinestetik -Motopädagogik Gruppen Kinder -/Jugendlichengruppen mit regelmäßigen Elterntreffen Motopädagogik Grundschule Förderstufe Eltern-Kind-Gruppe Sensorisch-integrative Motopädagogik Abb. 1: Unterstützungsmaßnahmen des Staatlichen Schulamts mit Sitz in Wetzlar ■ ■ Regelmäßige Fortbildungen für Erzieherinnen und gezielte Zusammenarbeit mit den Kindergärten Die kostenfreie Möglichkeit einer individuellen Entwicklungsdiagnostik auf neurophysiologischer Grundlage im Staatlichen Schulamt mit anschließendem Förderprogramm: Auffälligen und Teilleistungsgestörten Kindern wird aufgrund einer eingehenden Diagnostik geholfen, an den Wurzeln der Defizite beginnend zu arbeiten, um sie angemessen auszugleichen. Viele der vorgestellten Kinder und Jugendlichen gelangen alleine durch Üben der Unterrichtsstoffe nicht zum Erfolg, versagen teilweise sogar völlig und zeigen vermehrte sekundäre Auffälligkeiten bis hin zu Aggressivität, Depressionen, Selbstverletzung. Die verschiedenen Förderprogramme gelten für alle Schulformen: Angeboten wird Einzelförderung auf neurophysiologischer Grundlage. Dabei führen Kinder und Jugendliche täglich in Zusammenarbeit mit den Eltern ein bestimmtes ca. dreiminütiges Bewegungsprogramm zur Integration von unreifen Bewegungsmustern durch. Begleitende Studien stellten bei 8 den Kindern erhebliche positive Veränderungen in emotionalen und sozialen Verhaltensweisen sowie im Lernbereich fest. Zudem gibt es motopädagogische/psychomotorische Gruppenangebote. Diese Angebote finden bereits in 34 Gruppen des Schulaufsichtsbereichs an vielen verschiedenen Schulen – Grundschulen bis Gymnasien – in den Nachmittagsstunden statt. Spielerische und erlebnisreiche motorische Angebote ermöglichen Erfahrungen im Körper-, Material- und Sozialbereich. Toben, klettern, hüpfen, rollen, rutschen, bauen, erkunden, experimentieren ermög-lichen Erfahrungen, die Kinder heute im normalen Alltag vergeblich suchen. Fitness, Ausdauer, Kraft und Freude an der Bewegung werden genauso gefördert wie Auge-Hand-Koordination, Raum-Lage-Beziehung, Sprachvermögen, angemessenes soziales Umgehen miteinander, Frustrationen ertragen, helfen und Hilfe anzunehmen. Eltern-Kind–Gruppen wurden ins Leben gerufen: Sie arbeiten mit dem Schwerpunkt sensorisch-integrative Motopädagogik. Hier werden im gemeinsamen und freudigen Bewegen von Eltern und Kindern besonders die sogenannten Körpernahsinne gefördert, die in unserer heutigen schnelllebigen Zeit geradezu unterversorgt werden und mit Schulschwierigkeiten eben- falls in Verbindung stehen. Das Vestibularsystem (Gleichgewichtssystem), das taktile Sinnessystem (Hauterfahrungen, berühren und berührt werden) und das propriozeptive Sinnessystem (die Eigenwahrnehmung) stehen im Mittelpunkt der Stunden. So fahren Eltern und Kinder gemeinsam Rollbrett, massieren sich, hüpfen auf Bällen, balancieren und schieben, drücken und ziehen sich gegenseitig. Die motopädagogisch-edukinestetischen Angebote werden besonders von älteren Kindern und Jugendlichen angenommen. In einer Kombination von freien Bewegungsmöglichkeiten und gezielten Übungen zur Unterstützung geistiger Tätigkeiten wird die Stunde auch mit Wissen über das Gehirn und seine Funktion verbracht. Gehirngymnastik („Brain-Gym-Übungen“) wird in Form von Fitnessübungen angeboten. Sämtliche Angebote finden außerhalb der normalen Unterrichtszeit statt. Alle sind kostenfrei und werden von zusätzlich qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt. Ins Konzept gehören auch regelmäßige Elternabende. Bewegen und Wahrnehmen sind Grundlagen von Lernen und Verhalten, dies ist keine neue Erkenntnis der Pädagogik oder Psychologie. Bereits in der Antike wurde erkannt, dass Sinneserfahrung und handelndes Erfahren Grundlagen jeglichen Lernens sind. Warum ist es dann so schwer, in der Schule täglich im Unterricht etwas zu verändern? Ist es immer noch nicht in unseren Köpfen, dass bewegtes Lernen gehirnfreundliches, ganzheitliches Lernen ist, dass „begreifen“ zum Begreifen führt, dass Wahrnehmen und Bewegen eine Weckfunktion für das Gehirn hat, dass Konzentration und Aufmerksamkeit durch minutenkurze Bewegungsanlässe spürbar gesteigert werden können? Entwicklungsdefiziten, Lern- und WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Konzentrationsstörungen aller Art kann und muss vorgebeugt werden! Abteilung für Neurophysiologische Kindesentwicklung Elternhaus Kinderklinik Kinderärzte Therapie - und Beratungsstellen Wetzlar hat frühJugendamt Kindergärten zeitig begriffen und frühzeitig entgegengesteuert, – ob in GrundZebrah Schule für schulen, GesamtschuGrundschulen Erziehungshilfe Gesamtschulen len, Gymnasien oder Realschulen Berufschulen. Immer Gymnasien ������������������� Berufschulen mehr Kolleginnen Sonderschulen ��������������������� und Kollegen bilden sich in ZusammenarGewaltprojekt beit mit HeLP (HesFachberater SSA sisches Landesinstitut Motopädagogik für Pädagogik) und Staatlichem Schulamt Schulpsychologischer weiter. Immer mehr Universität Dienst Eltern unterstützen ������������������������������������������������������ und verlangen Bewegung als Motor zum Lernen. In der Arbeitsstelle für Neu- mathematische Erfahrung über Kör- licher Schritt in die richtige Richtung: rophysiologische Kindesentwicklung pereinsatz verfestigen Gelerntes auch Behebung von EntwicklungsverzögeANKe bemühen sich die Verantwortli- in höheren Klassen und ermöglichen rungen, Prävention von Erkrankungen chen in Zusammenarbeit mit Vertrete- ganzheitliches Erfassen und Begreifen. und Förderung der kognitiven schulirinnen und Vertretern aller betroffenen Die Angebote werden minutenweise schen Leisten können effektiv durch Bereiche und Institutionen, Kindern im Unterricht angeboten, sie ersetzen unsere Maßnahmen unterstützt werund Jugendlichen eine gesunde und nicht den Unterrichtsstoff, sondern un- den. Angesichts der politischen Folgerungen aus der PISA-Studie zeigen lebensfrohe Schullaufbahn zu ermög- terstützen gehirngerechtes Lernen. sie einen Weg auf für eine gedeihliche, lichen. Eine bewegte Schulzeit und sinn- Störungen kompensierende und mit Die interdisziplinäre Zusammenar- volles freudiges Lernen schaffen Inter- Freude erlebte Schulzeit. beit zwischen den einzelnen Institutio- esse, Motivation, Aufmerksamkeit und Die aktuelle IGLU-Untersuchung nen ist in den Jahren seit 1990 gewach- Langzeiterfahrungen des Gelernten sen, sie bildet die wichtige Grundlage für das Gehirn. Eltern, Lehrer und vor zur Lesefertigkeit unserer Grundschulder „angemessensten Hilfe für den ein- allem die Kinder werden von regelmä- kinder und das erheblich gestiegene zelnen Schüler“. ßigen Bewegungsanlässen profitieren: Ansehen der Grundschullehrerinnen Durch erweiterte Handlungsfähigkeit und -lehrer machen deutlich, dass die In den Schulen ist es wichtig, neben wird das Erreichen der kognitiven zuvor für das Lernen in Bewegung gemachten Aussagen auch und erst recht dem regulären Sportunterricht Bewe- Leistungen maßgeblich unterstützt! für die Sekundarstufen I und II Gültiggungspausen, bewegte Pausen, Unterkeit besitzen! richtsinhalte mit Bewegungsanlässen und Bewegungsfreiheit beim Arbeiten ■ Fazit Bewegen wir uns alle in diese Richanzubieten. Dies alles unterstützen und tung! verfestigen Regeln und Rituale. Die Förderung von Wahrnehmung ... denn Schule kann bewegen! und Bewegung, das pragmatische VorEin gesungenes und geklatschtes gehen durch das Staatliche Schulamt D. Beigel Einmaleins beispielsweise macht spie- in Wetzlar stellte sich in den letzten 13 lerisches Lernen in der Grundschu- Jahren als effektiv heraus. Bewegungsle möglich. Getanzte Aufsätze sowie förderung in der Schule ist ein wesentWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 9 Teilzertifikat „Bewegungsfördernde Schule“ Immer mehr Studien belegen zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen. Lernen und Leisten in der Schule allerdings stehen in einem engen Zusammenhang mit der Gesundheit. D as hessische Kultusministerium möchte Schulen dabei unterstützen, Lehr-, Lern- und weitere Arbeitsprozesse gesundheitsfördernd zu gestalten. Es stellt Hilfen, so genannte „Module“, zur Verfügung, die darauf ausgerichtet sind, Kolleginnen und Kollegen, Schulleitungen und Personalräte auf dem Weg zu einer „Gesundheitsfördernden Schule“ zu begleiten. Die Module sind gegliedert in solche... • ...zur Entwicklung einer Schulgesundheitskultur, • ...zur Lehrergesundheit, • ...und zur Schülergesundheit. Bewegung spielt im Prozess der Gesundheitsförderung eine entscheidende Rolle, denn Bewegung ist Voraussetzung für eine positive körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Neben Ernährung, Gewaltprävention, Suchtprävention, Medienerziehung stellt die Bewegungsförderung an Schulen einen wesentlichen Baustein im Modul der Schülergesundheit dar. Das Modul zur „Bewegungsfördernden Schule“ und die Möglichkeit einer Teilzertifizierung von Schulen möchten wir an dieser Stelle näher vorstellen: 10 • Das Teilzertifikat „Bewegungsfördernde Schule“ ist verbindlich für das Zertifikat „Gesundheitsfördernde Schule“. • Die einzelnen Schritte sind in den so genannten Bausteinen – Untereinheiten des Moduls - festgelegt. Fortbildungen der Bausteine 1 - 4 (siehe unten) geben Ihnen viele praktische Anregungen und Tipps und sollen Sie in Ihrer täglichen Arbeit entlasten. Der Baustein 5 und die weiteren Aufgaben der Schule sollen eine langfristige Umsetzung der Ziele sicherstellen. • Es ist ein Kooperationsprojekt des HKM mit AOK, UKH, BAG, DSLV und HeLP und wird vom Landeselternbeirat, Landessportbund, von der Sportjugend, den Sportverbänden und von Firmen unterstützt. • Das Modul enthält Bausteine für das gesamte Kollegium, einen Baustein der zusätzlich auch für Schüler und Eltern gedacht ist, darüber hinaus Bausteine für Lehrkräfte, die im Sportunterricht eingesetzt sind und einen Baustein, der durch die Schule gestaltet wird.Grundlagen: • Veränderungen der Kindheit und der Wertestruktur • Verschlechterungen des Gesundheitsstatus der Schülerinnen und Schüler • Gesellschaftliche und politische Forderungen nach mehr Bewegung und Sport in der Kinderwelt. Ausführlichere Informationen unter: www.help.bildung.hessen.de/sport ■ Zielsetzungen • Mit Bewegung und Sport einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten, Wohlbefinden und Lernatmosphäre am „Arbeitsplatz Schule“ verbessern • Steigerung der Motivation, sich mehr zu bewegen • Biologische Reifungs- und Entwicklungsprozesse fördern und damit Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Haltungsschwächen vorbeugen • Voraussetzungen für das Lernen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit verbessern • Lernmotivation steigern und Unterrichtsstörungen verringern • Sozialverhalten verbessern • Voraussetzungen schaffen, die zu einer Vermeidung von Unfällen beitragen • Mit Bewegung und Sport einen wichtigen Beitrag zur Prävention durch die Steigerung des Selbstwertgefühls leisten WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG ■ Die Bausteine im Überblick: • Bausteine 1- 3 für das gesamte Kollegium - 1: Aktionstag Sitzen und Bewegen - 2: Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten - 3: Aktive Pause und tägliche Bewegungszeit • Baustein 4 für im Sport eingesetzte Lehrkräfte - unterschiedliche Angebote der hessischen Lehrerfortbildung oder von Partnern • Baustein 5 für die Schulpraxis - praktische Umsetzung eines schulinternen Projektes Für den Baustein 1 melden Sie sich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG), MatthiasClaudius-Str. 14, 65185 Wiesbaden, www.bag-haltungundbewegung.de › Baustein 2: „Wahrnehmen, Bewegen, Lernen, Leisten“ Es handelt sich hierbei um eine dreistündige Fortbildung am Nachmittag, die neben theoretischen Grundlagen der Bedeutung der Bewegung für das Wahrnehmen, Lernen, Verhalten und Leisten viele praktische Beispiele zu Bewegungspausen im Klassenzimmer, zur Entspannung und Stille im Unterricht und zum Lernen mit und durch Bewegung in allen Fächern vermittelt. › Baustein 1: „Aktionstag Sitzen und Bewegen“ › Baustein 3: „Aktive Pause, tägliche Bewegungszeit“ Dies ist eine ganztägige Veranstaltung mit Schwerpunkten zu haltungs- und bewegungsbewussten Verhältnissen und Verhaltensweisen unter Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern. Dies ist ebenfalls eine dreistündige Fortbildung am Nachmittag mit Anregungen zur täglichen Bewegungszeit, zur Gestaltung und zur Organisation von Bewegungszeiten auf dem Pausenhof mit ausgewählten Spiel- und Sportgeräten. • Schülerinnen und Schüler – Das bewegte Klassenzimmer: - Praxis mit den Klassen 1 - 4, jeweils eine Schulstunde mit Klassenlehrer/in - „Schulranzen TÜV“ Gewichtsmessungen und richtiges Tragen • Lehrerinnen und Lehrer – Lehrerfortbildung (für das gesamte Kollegium am Nachmittag): - „Bewegte“ Arbeitsplatzgestaltung - Auswertung „Schulranzen TÜV“ - Lernen mit/in/durch Bewegung • Eltern – Elternabend (Informationsveranstaltung am Abend): - Elternverantwortung - Kooperation mit der Schule - Möglichkeiten der Einflussnahme in der Schule, zu Hause und in der Freizeit WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Für die Bausteine 2 und 3 wenden Sie sich an Ihr Staatliches Schulamt. (jeweilige/r Ansprechpartner/in unter www.schuleundgesundheit.hessen.de, Stichwort: Organisation) › Baustein 4: „Angebote für im Sport eingesetzte Lehrkräfte“ Sportunterricht/Sportförderunterricht • Turnmobil – Qualifikation der hessischen Schülerinnen und Schüler • Fitness in der Grundschule Lehrerfortbildung gemäß Erlass • Leichtathletik • Spielen (Volleyball/ Fußball/Basketball) • TAT – Force „Motopädagogik“ • Fachtagung „Mehr Bewegung in die Schule“: Fortbildungsreihe der hessischen Lehrerfortbildung Angebote der hessischen Lehrerfortbildung mit ihren Partnern, Informationen und Anmeldemöglichkeit finden Sie unter: www.help.bildung. hessen.de/programme › Baustein 5: „Praktische Umsetzung eines schulinternen Projektes“ Die Praktische Umsetzung eines langfristigen schulinternen Projektes kann sein... • Einführung der täglichen Sportstunde, • Schulhof in Bewegung, • Schulgestaltung, • Kooperation mit einem Sportverein, • regelmäßige Projektwochen mit Bewegungsinhalten, • eine eigene Idee/eigene Ideen der Schulgemeinde. Hilfen zum Baustein 5 können Sie bei den Schulberatern oder -beraterinnen „Bewegung“ abfragen (jeweilige/r Ansprechpartner/in unter www.schuleundgesundheit.hessen.de, Stichwort: Module zur Schülergesundheit, „Bewegungsfördernde Schule“). ■ Aufgaben der Schulen zum Erwerb des Zertifikats • Teilnahme an mindestens zwei Bausteinen durch das gesamte Kollegium • Teilnahme an mindestens einem Angebot im Rahmen des 4. Bausteins für im Sport unterrichtende Lehrkräfte • Umsetzung des Bausteins 5 • Dokumentation eigener Aktivitäten, z.B.: - Internetauftritt - Videopräsentation - Ausstellung • Umsetzung in der Stundentafel - 3-stündiger Sportunterricht 11 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG - Angebot von Sportförderunterricht oder Motopädagogikstunden - Angebot von täglicher Bewegungszeit • Aufnahme der „Bewegungsfördernden Schule“ in das Schulprogramm Ausführlichere Informationen zu den Grundlagen, Zielen und Bausteinen erhalten Sie unter: www.help.bildung.hessen.de/sport Gerd Vonhausen 12 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Runter vom Sofa – raus aus dem Haus! Wettbewerbe rund um Bewegung S chulweg, Treppen steigen, Rad fahren, Schwimmen – was kommt da an Bewegungszeit zusammen? Wer kann schon sagen, wie viele Minuten man sich täglich oder gar in einer Woche bewegt? Gibt es darüber hinaus Ideen und Anregungen, diese Bewegungszeit zu steigern und mehr Freude an Bewegung zu wecken? Das herauszufinden, darum geht es bei der Kampagne „Jugend in Bewegung – Sport verbindet Europa“, die im April 2004 startete. Teams, bestehend aus Schulen, Vereinen, Kindergärten oder Jugendgruppen, waren und sind aufgerufen, im Rahmen eines Wettbewerbs genauer nachzuforschen. Dabei soll nicht nur die Sportzeit in der Halle oder auf dem Sportplatz erfasst werden, sondern auch die Bewegungszeit im Alltag – und das in möglichst großen, vernetzten Teams. Gefragt sind außerdem kreative Vorschläge, die Bewegung zusätzlich fördern, z.B. besondere Pausenaktivitäten oder Bewegungsspiele für Unterricht und Freizeit. ■ Eine gemeinsame Aktion Initiatoren der Kampagne sind das Hessische Kultusministerium, das Hessische Ministerium des Inneren und für WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Sport, das Hessische Sozialministerium und der Landessportbund Hessen sowie weitere Partner. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für ihre tägliche Bewegung zu schaffen und sie zu mehr Bewegung anzuregen. Denn mehr körperliche Aktivität steigert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit und wirkt sich positiv auf die schulischen Leistungen aus. Gleichzeitig lernen die Kinder und Jugendlichen, dass sie sich im Team gegenseitig motivieren und gemeinsam mit anderen ihre Chancen verbessern können. Die ersten Teams sind schon im Netz: www.yim2004.info Bis zum Beginn der hessischen Sommerferien schlossen sich bereits 91 Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Sportvereine und Jugendeinrichtungen, darunter auch eine Schule aus Frankreich und eine aus Großbritannien, zu 47 Teams zusammen. An den Wettbewerben beteiligen sich bislang 4.155 Kinder und Jugendliche. Die Teams verständigen sich auf eine Woche, in der alle ihren Bewegungsbogen ausfüllen. Der Vordruck enthält Bewegungsbeispiele, eigene Bewegungsarten werden individuell eingetragen. Am Ende der Woche rechnet jeder Teilnehmer seine Bewe- gungszeiten zusammen. Danach werden alle Einzelergebnisse des gesamten Teams addiert und im Internet auf der Aktions-Webseite www.yim2004.info veröffentlicht. Hier gibt es ausführliche Informationen zu den beiden Wettbewerben, Formulare zum Herunterladen, Anregungen und Tipps rund um Bewegung und Wissenswertes über Europa. Erworbenes Know-how kann anschließend in Quiz-Form getestet werden. Die beteiligten Teams werden mit ihren Ergebnissen und kreativen Beiträgen online vorgestellt. Darüber hinaus können sich Kinder und Jugendliche auch über die europäischen Nachbarn informieren. Zu England, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Tschechien und Ungarn gibt es sach- und sportliche Infos – weitere Länder sollen folgen. Die Webseite steht in deutscher, englischer und französischer Sprache zur Verfügung und bietet zielgruppenorientierte Versionen: für Kinder und Jugendliche und für Lehrkräfte und andere interessierte Erwachsene. 13 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ■ Start frei zur zweiten Runde Nach den Sommerferien geht es in die zweite Wettbewerbs-Runde! Die bereits bestehenden Teams können jetzt versuchen, ihre Bewegungszeit zu steigern – neue Teams haben die Chance einzusteigen und mitzumachen. Einsendeschluss für den zweiten Bewegungs- und Kreativwettbewerb ist der 1. November 2004 (erster Schultag nach den hessischen Herbstferien). Ende November werden die Hauptgewinner im Rahmen einer Festveranstaltung im Hessischen Landtag geehrt. ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Infos und Materialien zum Wettbewerb gibtʼs im Internet unter: www.yim2004.info. ■ Kontakt KiKo – Büro für Kommunikation Löwengasse 27 B D-60385 Frankfurt am Main Tel.: +49 (0)60 46 99 61 51 Fax: +49 (0)60 46 99 61 55 E-Mail: wettbewerb@yim2004. info ■ Aktions-Perspektiven Die Kampagne soll im nächsten Jahr mit Partnern aus anderen Bundesländern fortgesetzt werden. Geplanter Themenschwerpunkt ist „Bewegung, Sport, Ernährung und Gesundheit“. Der Wettbewerb zur Bewegungszeit wird weitergeführt. 14 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Bewegung in der Schule ist der Hit – sie hält den Körper und das Denken fit! Bewegungsmangel: Störquelle für eine Balance von Lernen und Gesundheit bei Kindern M ittlerweile gilt es unter internationalen Experten als erwiesen, dass ergonomisch ungünstig gestaltete Arbeitsplätze und wenig kindgemäßes Arbeitsverhalten psycho-physische Belastungen hervorrufen, welche sich als in vielfältigen körperlichen Beschwerden äußern – wie z.B. als Kopf-, Rücken-, Bauch- oder Magenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen – und dadurch auch das Lernen ungünstig beeinflussen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch außerhalb der Schule die Umwelt des Kindes sowohl hinsichtlich der räumlichen Beschaffenheit als auch der sozialen Struktur eine für das Kind ungünstige Position angenommen hat. Erziehungs- und Bildungseinrichtungen stehen diesbezüglich heute vor großen Herausforderungen. Das Kultusministerium Hessen will Schulen bei diesen Herausforderungen unterstützen. Es stellt Schulen Hilfen zur Verfügung, die darauf ausgerichtet sind, sie auf dem Weg zu einer „Gesunden Schule“ zu unterstützen. Damit soll bei allen Beteiligten eine Balance von Gesundheit, Lehren, Lernen und Leisten hergestellt werden. Gesundheitsförderung kann einen großen Beitrag zur Erziehung und BilWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE dung leisten, und Bildung und Erziehung kann die Gesundheit beeinflussen. Lern- und Leistungsbereitschaft können bei Kindern und Jugendlichen nur geweckt werden, wenn sie sich körperlich, psychisch und sozial wohl fühlen. In diesem Sinne gehören Bewegungs-, Gesundheits- und Leistungsförderung unbedingt zusammen, bilden sie eine Einheit. Die zur Zeit in den Bundesländern unterschiedlich akzentuierten Konzepte zur „Bewegten Schule“ entsprechen der Idee innovativer Schulprogramme, die ein wesentliches Element der Schulentwicklung darstellen. Im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen, wie z.B. die Ganztagsschule, erhalten Schulen zunehmend mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume. ■ Die Bewegungsfördernde Schule ■ Lernen und Bewegung – kein Widerspruch! Eine gute, die Schülerinnen und Schüler auf die Zukunft vorbereitende Schule kann immer nur eine „gesunde Schule“ sein. So war schon 1778 bei Rousseau zu lesen: „Übe unablässig den Leib, mache ihn kräftig und gesund, um ihn weise und vernünftig zu machen“. Empirische Untersuchungen heute bestätigen Rousseaus Ratschläge aus dem 18. Jahrhundert. Sie betonen: Geistige Beweglichkeit wird nicht allein durch Lernen, sondern unabdingbar auch durch Bewegung gefördert. Und zwar bei Menschen jeglichen Alters. Neben Ernährung, Gewaltprävention, Suchtprävention stellt die Bewegungsförderung daher an Schulen ein elementares Modul der Schülergesundheit dar. Aus anthropologischer Sicht ist Bewegung eine Form kindlicher Weltaneignung. Lernen mit spielerischer Bewegung entspricht aktuellen grundschulpädagogischen Forderungen nach einer handlungsorientierten und kindgemäßen Gestaltung des Unterrichts. Bewegtes Lernen bedeutet eine Erweiterung der Lernformen und eröffnet den Kindern neue Erfahrungsfelder. Die Forderung nach einem „Lernen mit allen Sinnen” ist im Grundsatz nicht neu, gewinnt aber im Zuge vieler komplexer psychosomatischer Entwicklungsstörungen zunehmend an Bedeutung: Erst durch das Zusammenwirken aller Sinne werden Lerninhalte von Kindern umfassend „begriffen” und verstanden. In der „greifbaren” 15 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 und handelnden Auseinandersetzung mit Lerngegenständen werden über die sinnliche Wahrnehmung und deren geistige und gefühlsmäßige Verarbeitung wirklichkeitsnahe Lebenszusammenhänge selbst entdeckt. Die Erinnerung von Sachverhalten, die mit Bewegung (im Sinne ganzkörperlicher Erfahrungen) erlernt bzw. geübt werden, gelingt häufig besser als bei rein kognitiver Aufnahme; auch der Transfer auf abstraktere Lernstufen kann erleichtert werden ■ Bewegte Kinder – bewegte Köpfe Generell ist davon auszugehen, dass Bewegung als Katalysator der gesamten Entwicklung eines Kindes wirkt; dieses gilt umso mehr, je jünger ein Kind ist. Bewegungsaktivität fördert allgemein die globale, aber auch die regionale Durchblutung im Gehirn und regt den Stoffwechsel an. Eine durch Bewegung ermöglichte Rhythmisierung des Unterrichts mit einem regelmäßigen Wechsel von Statik und Dynamik, von Belastung und Erholung, von Spannung und Entspannung führt somit zu einer Reduktion gesundheitlich belastender Faktoren und zu einem besseren Lernverhalten der Kinder. Diese Wechsel tragen auch wesentlich zur Motivation und Entlastung der Lehrkräfte bei. Somit ist Bewegung in der Grundschule nicht nur Sache des Sportunterrichts und darf sich nicht nur auf dafür vorgesehene Räume wie Turnhalle oder Pausenhof fokussieren. Bewegung kann - sinnvoll in den Schultag der Grundschülerinnen und -schüler integriert - über verschiedene Regulationsebenen des Organismus (physische, psychische, soziale) fördernd wirken sowohl für den allgemeinen Gesundheitszustand der Kinder und auch spe- 16 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG ziell für ihre psychomotorische und kognitive Entwicklung. ■ Die „Zertifizierung“ zur Bewegungsfördernden Schule Auf der Grundlage der oben beschriebenen Notwendigkeit gesunder und bewegter Schulkonzepte möchte das Kultusministerium Hessen allen Grund- und Sonderschulen den Weg zu einer „Bewegungsfördernden Schule“ ermöglichen. Ziel ist es, die vorhandene kindliche Bewegungsfreude möglichst lange zu erhalten und Schule so zu verändern, dass eine kind-, lehrerund lerngerechte Rhythmisierung des Schultages erreicht wird. Die Inhalte hierzu werden durch sog. „Fortbildungs-Bausteine“ empfohlen. Diese vermitteln viele praktische Anregungen und Tipps und sollen alle an der Schule Beteiligten in Ihrer täglichen Arbeit entlasten. Der Erweb dieser Fortbildungen schließt mit einer Teilzertifizierung ab. Nähere Auskünfte, insbesondere zu den Fortbildungsinhalten der „Bewegungsfördernden Schule“ erhalten Sie unter: www.schuleundgesundheit. hessen.de Dr. Dieter Breithecker Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V., Wiesbaden WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Ausdauer ist nicht alles, aber ohne Ausdauer ist Gesundheit nichts. E s gilt als unbestritten: Die körperliche Leistungsfähigkeit unserer Kinder und Jugendlichen wird zunehmend schlechter. Bewegungsmangel als Folge unserer veränderten Umweltbedingungen werden als Hauptursache dieses Zustandes angesehen. So dokumentiert beispielsweise die WIADStudie, dass im Vergleich zu 1995 die körperliche Leistungsfähigkeit der 6 – 18-Jährigen besorgniserregend zurückging. Bei Mädchen noch stärker als bei Jungen. Da Gesundheit nach der Definition der WHO ganzheitlich, als ein „...Zustand vollkommenen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens...“ definiert ist, lässt sich daraus ableiten, dass der Gesundheitszustand unseres Nachwuchses permanent schlechter wird.Dies hätte längst zu einem konsequenten Einlenken mit konkreten, schnell wirkenden Maßnahmen in der Schul- und Gesundheitspolitik führen müssen. Erst allmählich, sicherlich mit bedingt durch die Kostenmisere im Gesundheitswesen und auf der Suche nach sinnvollen Inhalten bei der Konzeption von Ganztagsschulen, werden Ansätze eines Umdenkens und Handelns sichtbar. Vor der Erarbeitung derartiger Konzepte müssen wir den Begriff Gesundheit näher betrachten. Zweifellos unterscheiden sich gesunde von weniWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ger gesunden oder kranken Menschen durch ■ ■ ■ ■ ■ ■ ein ökonomisch funktionierendes Herz-Kreislauf-System, eine positive Sauerstoffbilanz in den Organen, einen ausgewogenen Muskel- und Körperfettanteil, einen Bewegungsapparat in muskulärer Balance, ein starkes Immunsystem und der Zufriedenheit mit sich und ihrer sozialen Umgebung. Als nächstes stellt sich die Frage, wie können wir diesen Zustand erreichen? Die ganzheitliche Definition fordert dabei unterschiedliche Methoden. Ausdauerbelastungen kommt allerdings eine Schlüsselfunktion zu, denn gerade durch diese erzielen wir eine Ökonomisierung unseres Herz-Kreislauf Systems, es gelingt uns, die Organe besser mit Sauerstoff zu versorgen, wir aktivieren den Fettstoffwechsel, sorgen für eine Stärkung des Immunsystems und fühlen uns zufriedener. Stets vorausgesetzt, dass wir das Training mit sinnvollen Belastungsnormativen durchführen. Unter Beachtung der Definition von Ausdauer, als der „psycho-physischen Ermüdungswiderstandsfähigkeit des Organismus bei Arbeitsbelastungen„ wird deutlich, dass Ausdauertraining bezüglich seiner Anpassungsprozesse im Körper eine hohe gesundheitliche Bedeutung genießt. Außerdem ist unbestritten, dass es zu einer besseren Konzentrationsfähigkeit der Trainierenden führt. Nicht ohne Grund gehören Ausdauerbelastungen zum Trainingsprogramm jedes Sportlers. Sogar Formel 1-Pilot Michael Schumacher, Jury Kasparow, der Schachspieler und Bernhard Langer, der Golf-Professional trainieren ihr Ausdauerleistungsvermögen, denn ohne entsprechende Note 2000 m 3000 m 5000 m 1 < 8 min < 13 < 22 2 < 11 min < 17,5 min < 29,5 min 3 < 14 min < 21 < 35 4 < 17 min < 25,5 min < 42,5 5 > 17 min > 25,5 min > 42,5 min 6 nicht angetreten nicht angetreten nicht angetreten min min min min min Tab. 1: Bewertungstabelle der Ausdauerleistung 17 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Kondition wären diese Athleten nicht in der Lage, den hohen körperlichen aber auch mentalen Belastungen auf internationalem Niveau Stand zu halten. Die Ausführungen machen deutlich, dass ein gesundheitlich orientierter Sportunterricht und ein schulisches Gesundheitskonzept ohne Ausdauerprogramme unvollständig ist. Darüber hinaus knüpft es an den Interessen unserer Kinder und Jungendlichen an, denn Joggen, aber auch Schwimmen und Radfahren gehören bei Mädchen und Jungen zu den Lieblingssportarten aller Altersstufen von 6 bis 18 Jahren (WIAD 1/2003). In Kenntnis dieser Zusammenhänge hat die Hessenwaldschule in Weiterstadt (schulformbezogene Gesamtschule von Klasse 5 – 10) der Ausdauer im Sportunterricht eine besondere Beachtung geschenkt. Jedes Jahr steht in jeder Klassenstufe ein 6wöchiges Ausdauerprogramm auf dem Plan. Verschiedene Ausdauerdisziplinen und deren gesundheitliche Bedeutung werden durch Techniktraining, Veranschaulichung der biologischen Grundlagen und durch den Einsatz von Herzfrequenzmonitoren der Firma Polar veranschaulicht. Ziel der Einheit ist es, allen Schülern die Bedeutung von Ausdauerbelastungen verständlich zu machen und sie in die Lage zu versetzen, nach der 6-wöchigen Einheit 2000 m in der Förderstufe, 3000 m in der Klassenstufe 7/8 und 5000 m in der Klassenstufe 9/10 ohne Pause locker laufen oder zügig walken zu können. Die Einführung eines Zeitlimits von < 17 min (2000 m), < 25,5 min (3000 m) und < 42,5 min (5000 m) solle insbesondere Anzahl % ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG den sportlich schwächeren und teilweise übergewichtigen Schülerinnen und Schüler zeigen, dass einerseits bestimmte Reizschwellen überschritten werden müssen, um Trainingseffekte zu erzielen, aber andererseits die Strecken innerhalb der zeitlichen Grenzen mit wenig Training und etwas Ehrgeiz für nahezu jeden problemlos zu bewältigen sind. Im Schuljahr 2002/2003 wurde auf Wunsch der leistungsorientierten Kinder und Jugendlichen erstmals eine Zeittabelle eingeführt, um ihnen einen Vergleich mit anderen Schülern zu ermöglichen. Darüber hinaus fand in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien eine Ausdauer-Schulmeisterschaft statt, bei der jeder auf freiwilliger Basis den direkten Vergleich mit seinen Klassenstufenkameraden suchen konnte. Die Zeittabelle wirkt sich auf den Gedanken, Ausdauertraining als gesundheitsorientierte Maßnahme in den Sportunterricht einzubeziehen, eher kontraproduktiv aus. Stattdessen ist eine individuelle Belastungsdosierung in Abhängigkeit zur momentanen körperlichen Leistungsfähigkeit jedes Schülers zu fordern. Weiterhin stellt sich die Frage, sollte überhaupt im Rahmen von Gesundheitskonzeptionen eine Bewertung von Leistungen erfolgen? Wenn ja, nach welchen Kriterien lassen sich solche Bewertungsschemata erstellen? Auf der Suche nach Lösungsansätzen haben wir in den Abschlussklassen den herzfrequenzgesteuerten Ausdauerlauf eingeführt. Jeder Schüler konnte erstmals entscheiden, ob er 5000 m nach der Zeittabelle oder 40 min nach 100 - 97 96 - 93 92 - 89 88 - 85 < 85 Gesamt 5 12 8 3 9 37 13,51 32,43 21,62 8,11 24,32 100 Tab 2: Prozentuale Verteilung der Herzfrequenzvorgaben beim Ausdauerlauf der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen. 18 Herzfrequenzvorgabe von 160 – 170 oder 170 – 180 Schläge / min laufen oder walken möchte. Die Daten wurden mit Polaruhren im 5 sec Modus aufgezeichnet, über ein Interface in den PC übertragen und mit der Polar Software ausgewertet. Mit dieser Methode erfuhren die Schüler, dass es beim Training von Ausdauerleistungsvermögen nicht um hohe Intensitäten, sondern mehr um die Entwicklung von Körpergefühl und die gleichmäßig, andauernde Belastung großer Muskelgruppen geht. Konsequenterweise wurde zum Abschluss der Ausdauereinheit der 40 min Dauerlauf (Walking) nach dem prozentualen Erreichen der Herzfrequenzvorgaben bewertet: Note Erreichte Herzfrequenz 1 100 – 92 % 2 91,9 - 84 % 3 83,9 - 76 % 4 75,9 - 68 % 5 < 68% 6 nicht angetreten Diese Option wurde von den meisten Schülern bevorzugt und führte auch bei ansonsten weniger sportlichen Schülern zu guten Ergebnissen. Nach diesen Erfahrungen ist nun zu prüfen inwieweit es gelingt, diese Methode zukünftig in allen Klassenstufen anzuwenden. Platz zum Laufen finden wir überall. Lediglich die Investition eines Klassensatzes von Herzfrequenzmessgeräten mit Aufzeichnungsfunktion und die Auswertungssoftware sind erforderlich. Gesundheitsprävention ist eben eine Investition in die Zukunft. Dr. Bernd Gimbel Gymnasiallehrer (Biologie und Sport) Autor des Buches „KörperManagement – Die Strategie gegen berufliche Belastungen“ Tel. 06150-974600 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Projekte der Schulen Im Rahmen des Projektes „Schule und Gesundheit“ wurden an unserer Grundschule Kurse eingeführt mit der Bezeichnung: „Yoga für Kinder und Erwachsene“ E ltern und deren Kinder werden täglich durch die Anforderungen des Berufslebens des Schul- und Familienalltags stark gefordert und teilweise an die Grenzen ihrer individuellen Belastbarkeit geführt. Sie werden physisch und psychisch gestresst. Krankheitsbilder können sich dadurch entwickeln. Kinder und Erwachsene leiden unter der täglichen Hast. Die persönliche Leistungsfähigkeit und das individuelle Wohlfühlen können dadurch erheblich gemindert werden. Mit Hilfe des komplexen Wirkungsbereiches des Yogas kann dieser Kreislauf unterbrochen werden, da die Yogaübungen sowohl körperliche, geistige und entspannende Wirkungen haben. Sogar hyperaktiven Kindern kann damit geholfen werden, wie eine Studie von Frau Dr. Nicole Goldstein, die an der Universität Heidelberg 2002 durchgeführt wurde, zeigt. Als ausgebildete Yogalehrerin habe ich an der Grundschule Bad König Yogakurse für Schüler und deren Eltern initiiert, da meiner Beobachtung nach „entspannte Eltern“ in der Regel auch fröhliche, wissbegierige und lernbereite Kinder haben. Im Rahmen der dritten Sportstunde führen wir Yogaunterricht in der Vorklasse und in einigen weitern Grundschulklassen durch. und mehr angenommen. Die davon betroffenen Schüler zeigen erhebliche Fortschritte. Sie finden durch die Yogaübungen Ruhe und Gelassenheit und können sich auf Phasen der Stille einlassen. Anita Jöst-Steinwald Grundschule Bad König Martin-Luther-Str.1 64732 Bad König Tel.: 06063-912666 Fax: 06063-912667 Ferner wird noch eine Yoga AG speziell für „hyperaktive Kinder“ in einer sechsten Unterrichtsstunde angeboten. Wöchentlich treffen sich am Freitagabend Eltern und Lehrer in der Turnhalle unserer Schule um den Stress der Arbeitswoche loszulassen und neue Kraft zu tanken. Diese Veranstaltung dient auch gleichzeitig zur Schulung der teilnehmenden Kollegen. Dieses Angebot an unserer Schule wird mehr WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 19 Stressmanagement-Training – warum es immer wichtiger wird! ■ Stress - was ist das? Eine eindeutige und für alle Menschen gleiche Definition scheint es für das Wort „Stress“ nicht zu geben. Selbst Stressforscher können sich nicht einigen, wenn es darum geht, eine exakte und für alle verbindliche Aussage zu treffen. Der Duden schreibt zum Stichwort „Stress“: „(...) starke körperliche und seelische Belastung, die zu Schädigungen führen kann; Überbeanspruchung, Anspannung“. Diese Definition wurde 1936 von dem österreichischkanadischen Biochemiker und Mediziner Hans Selye (1907-1982) geprägt und ist aus dem Englischen abgeleitet. ■ Wann steht ein Mensch wirklich unter Stress? Reize und Aufgaben in der richtigen Dosierung sind lebensnotwendig. Positiven Stress, also die Lust, Herausforderungen zu bewältigen, nennt man Eu-Stress. Die Stresstoleranz, d. h. wie viel äußere Anforderungen eine Person problemlos aushält, ist individuell sehr verschieden. Ob Straßenverkehr, Lärm oder Zeitdruck, berufliche Über- oder Unterforderung - sobald man sich dem Alltag nur noch schwer oder gar nicht mehr gewachsen fühlt und das Leben als verbitterten Kampf statt eine inte20 ressante Herausforderung erlebt, steht man unter Stress. Dieser negative Stress heißt Dis-Stress. ■ Welche Krankheiten kann Stress verursachen? Erschöpfungszustände, Depressionen und allgemeine Anfälligkeit für Infektionen (wegen stressbedingter Immunabwehrschwäche) sind die ersten Folgen. Bleibt die Stressbelastung längere Zeit bestehen, treten oft Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Magenund Verdauungsbeschwerden auf. Chronischer Stress kann zum Beispiel Magengeschwüre, Herz- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum Infarkt auslösen. Bei Lehrkräften tritt besonders häufig das Burnout-Syndrom auf. ■ Sind Lehrer besonders betroffen? Leider gehen viele Lehrkräfte vorzeitig in den Ruhestand und nur zwischen 5 und 20 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer üben bis zum 65. Lebensjahr ihren Beruf aus. Dies liegt daran, dass Lehrkräfte einer Dauerspannung ausgesetzt sind und sie daher aus arbeitsmedizinischer und –psychologischer Sicht zu den besonders stressbe- lasteten Personengruppen zählen. Eine Hauptursache für diese alarmierenden Zahlen ist, dass die Lehrkräfte nicht gelernt haben, sich zu entspannen. Viele neigen dazu, Belastungsphasen und Regenerationsphasen physiologisch ungünstig zu verteilen, indem sie während der Schulzeit ohne Pause durcharbeiten und ihre Regeneration in den Ferien suchen. Aus medizinischer Sicht ist das völlig falsch. Der Körper benötigt kontinuierlich verteilte Erholungsphasen. Gönnen die Lehrkräfte ihm diese nicht, betreiben sie Raubbau an ihrer körperlich-geistig-seelischen Gesundheit. Dies ist erwiesenermaßen auch unter der Perspektive der Zeitökonomie falsch. In der Arbeitsmedizin hat man sich sehr intensiv mit der Wirkung von Pausen beschäftigt und festgestellt, dass der Bedarf an der Gesamterholungszeit umso geringer ist, je häufiger man kurze Pausen einlegt. ■ Was kann getan werden? Das einzig Wirksame gegen Stress ist seine bewusste Bewältigung. Darum geht es in dem Konzept „Mehr Kraft und Energie durch Balance“, welches eine Entlastung aus der beruflichen oder persönlichen Belastung bietet. WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Im Seminar werden mentale Strategien vermittelt, die zu folgenden Zielen führen: ■ ■ ■ ■ ■ ■ Verborgene Stressquellen erkennen, Stress im Körper lokalisieren, Stress abbauen, stressfördernde Einstellungen und Verhaltensweisen ändern, innere Bedürfnisse genauer wahrnehmen, Konflikte frühzeitig erkennen und bewältigen. Getreu dem Motto „learning by doing“ lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur theoretische Hintergründe zu Stress, sondern Wissen wird erlebbar gemacht. Folgende Methoden kommen dabei unter anderem zum Einsatz: ■ ■ ■ ■ ■ ■ Stresstests, Entspannungsübungen, Phantasiereisen, Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Interaktionen. Informationen zu dem Stressbewältigungsseminar „Mehr Kraft und Energie durch Balance“, welches sowohl an drei Nachmittagen als auch als Tagesseminar durchgeführt wird, erhalten Sie beim HeLP Regionalstelle für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis in Friedberg oder unter der unten angegebenen Telefonnummer. Saskia Baisch-Zimmer Studienrätin und MentalCoach Tel.: 06172-764574 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 21 „Mehr Kraft und Energie durch Balance“ Pädagogischer Tag an der kaufmännischen Schule in Bad Nauheim „Mehr Kraft und Energie durch Balance“ – dies Seminar konnten im Oktober 2003 Kolleginnen und Kollegen der kaufmännischen Schule in Bad Nauheim besuchen. Im Rahmen des Pädagogischen Tages wurde zu unterschiedliche Themengebieten gearbeitet – eine Gruppe nahm an dem Stressbewältigungsseminar teil. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten zunächst über einen Selbsttest ihr aktuelles Energieniveau und verborgene Stressquellen fest. Anschließend erhielten sie eine Einführung in die Stresstheorie. Denn nur wenn man weiß, wie sich Belastungen auf Körper, Geist und Seele auswirken können und wie man selbst reagiert, kann man dem Stress angemessen entgegenwirken! chen beschlossen. Zwischen den beiden Terminen konnten die Lehrkräfte fünf Wochen lang das Gelernte direkt im Schulalltag umsetzen und die positiven Effekte an sich selbst wahrnehmen. Am Ergänzungstermin standen dann die praktische Lösung einzelner Stressfaktoren, das Mentale Training sowie die Arbeit mit Symbolen und Affirmationen im Vordergrund. Den TeilnehmerInnen wurden verschiedene Entspannungstechniken vorgestellt, unter anderem die Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Phantasiereisen und kinesiologische Entspannungsübungen. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer – einschließlich des Schulleiters – lernten so einerseits neue Methoden kennen und wurden andererseits an bereits bekannte Techniken erinnert. Um weiterhin an die Impulse und Ideen erinnert zu werden und um sich gegenseitig zu unterstützen, aber auch um den Schulalltag um angenehme Treffen zu erweitern, legte die Gruppe am zweiten Nachmittag des Seminars fest, sich in zweimonatlichen Abständen zu treffen. Das erste Treffen fand noch 2003 in der letzten Schulwoche statt – kombiniert mit einem gemeinsamen Weihnachtspaziergang. Aufgrund der sehr positiven Resonanz dieser Gruppe wurde spontan eine Folgeveranstaltung nach einigen Wo- Für mich als Leiterin des Kurses war es ein sehr effizientes Seminar, da es neben den Erfolgen bei der persön- 22 Einige der Lehrerinnen und Lehrer hatten vor dem Treffen bereits einen achtstündigen Unterrichtstag hinter sich. Gerade weil sie dementsprechend „ausgepowert“ waren, konnten sie direkt die positive Wirkung einfacher Übungen erfahren, die sie zukünftig in ihren Alltag integrieren möchten. lichen Umsetzung auch dazu führte, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es neben den Belastungsphasen auch während der Schulzeit, Regenerationsphasen bedarf – wenn eben möglich täglich! Während der Schulzeit ohne Pause durchzuarbeiten und die Regeneration auf die Ferienzeit zu verschieben, ist neben der Unfähigkeit vieler Lehrkräfte zu entspannen eine der Hauptursachen für die alarmierenden Zahlen der Lehrkräfte, die Raubbau an ihrer körperlich-geistig-seelischen Gesundheit betreiben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig, dass sie ihren Pädagogischen Tag sehr sinnvoll genutzt haben! Saskia Baisch-Zimmer Studienrätin und MentalCoach Tel.: 06172-764574 HeLP Regionalstelle für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis in Friedberg WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Alexandertechnik für Lehrer – Balance zwischen Spannung und Entspannung Eine Kooperation von Ineke de Jongh (SPEEK) und Schule & Gesundheit im Bereich des SSA Fritzlar ■ Was ist die „AlexanderTechnik“? auf diesen zwei Ebenen verankert das Gelernte besonders nachhaltig. Die Alexander-Technik ist ein Verfahren, das sich in die internationale reformpädagogische Tradition ganzheitlicher, geistig-seelisch-leiblicher Erziehung einreiht. Ihr Ausgangspunkt war – vor ca. 100 Jahren – eine berufsbedrohende Erfahrung des australischen Schauspielers F. M. Alexander: Er verlor bei seinen Auftritten regelmäßig die Stimme. Die Alexander-Technik ist eine Methode zur Veränderung von Bewegungs- und Verhaltensmustern. Dazu setzt sie bei den entsprechenden mentalen Prozessen an: Die Alexander-Technik ist keine separate Entspannungstechnik, sie kennt keine speziellen Übungen. Sie ist als ein implizit übendes Verfahren in jede Aktivität integrierbar. Damit der Klient die Prinzipien der Technik selbständig in seinen Alltag integrieren kann, erwirbt er fundiertes Erfahrungswissen zu seinem Selbstgebrauch. Diese Technik bietet den Klienten eine individuelle Bewältigungsstrategie, die an seine eigenen Ressourcen anknüpft. Er entwickelt eine neue Kompetenz im Umgang mit dem eigenen Körper, die ihm hilft, vorhandenen Verspannungen und daraus entstehenden Krankheiten vorzubeugen. Sie geht davon aus, dass man Änderungen nicht einfach durch eine Willensentscheidung erreicht, etwa dadurch, dass man noch mehr „tut“, sich noch mehr anstrengt. Zuerst muss man das Falsche, das unnötige Zuviel erkennen, und es in einem „Nicht-Tun“ dann bleiben lassen und dadurch verlernen. Durch feine Stimulation mittels verbaler Anweisungen und subtiler Berührung mit den Händen macht der Trainer der Klientin / dem Klienten erfahrbar, wo überflüssige Spannung losgelassen und der Körper so koordiniert werden kann, dass er als Ganzes gut funktioniert. Der gleichzeitige Input WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE So verstanden, ist die AlexanderTechnik auch als Präventionsmaßnahme im Praxisfeld schulischer Gesundheitsförderung sinnvoll und anwendbar. Denn Fähigkeiten wie: ■ ■ ■ ■ eine aufrechte und entspannte Haltung vor der Klasse, eine ruhige und klare Stimme, ein guter äußerer und innerer Stand, Balance zwischen äußerer und innerer Anforderung und ■ respektvolle Nähe und teilnehmende Distanz können den Lehrkräften zu einer neuen Qualität im Umgang mit sich selbst und mit ihren Schülerinnen und Schülern verhelfen. Der Lehrer / die Lehrerin nimmt dabei sich und die Schüler in ihrer Ganzheitlichkeit wahr und entwickelt eine Sensibilität und Kompetenz für körperorientierte Erziehungsprozesse. Die Alexander-Technik kann somit dazu beitragen, dass die Lehrkraft ihre berufliche Arbeit als eine Kraftquelle erlebt, die sie vor dem Abgleiten in ein Burnout schützt. ■ Alexander-Technik – Fortbildung: Im März dieses Jahres wurde in der Schule am Dom, Schule für Praktisch Bildbare, in Fritzlar mit dem Kollegium eine Fortbildung in AlexanderTechnik durchgeführt. Ineke de Jongh stellte im Rahmen einer Gesamtkonferenz die AlexanderTechnik und ihre Arbeitsweise vor. Anschließend konnten sich die interessierten Lehrkräfte zu dem Kurs anmelden. 23 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 An drei Terminen (mit je einer Woche Abstand) von je drei Zeitstunden wurde auf der Basis der AlexanderTechnik an folgenden, von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern (TN) als vordringlich angesehenen Themen gearbeitet: einen körperbehinderten Schüler heben, ■ Umgang mit der Stimme, ■ einen Schüler respektvoll berühren, ■ Stressbewältigung. ■ ■ Einstieg Die 15 TN formulierten zu Beginn der ersten Sitzung ihre Anliegen: ■ ■ ■ ■ ■ Probleme mit dem Bewegungsapparat (8 Nennungen) Stressbewältigung (5) Umgang mit der Stimme (5) Schweres heben (5) „Distanz in der Nähe“ (1) Dazu wurden folgende allgemeinere Anliegen genannt: Körperbewusstsein ■ Prävention Wir sahen uns den Arbeitsablauf genau an, teilten ihn in deutlich von einander abgrenzbare Einheiten auf und übten dann diese Einheiten im Detail. In diesem Fall bedeutete das: sich hinstellen ohne die Anstrengung vorwegzunehmen, in die Knie gehen, und dabei im Rücken „lang“ bleiben, das Kind halten und dabei auf die eigene Koordination achten - Kontakt mit dem Fußboden, freie Gelenke, langer Rücken, freier Hals. Und dann ist die eigentliche Aktion des Hebens ein Kinderspiel. Schließlich wird man nach anfänglicher Verzögerung schneller, denn die Bewegung verläuft in bester Qualität. Dies wurde in verteilten Rollen geübt – ein TN stellte den Lehrer dar, ein anderer den „Schüler“ – mit ständiger Korrektur durch die Kursleiterin. ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG der Gruppe: „Die Stimme klingt voller und deutlicher“. In Kleingruppen wurde noch weiter geübt: Zwei „Schüler“ bedrängen den „Lehrer“, dieser bleibt ruhig stehen, arbeitet mental an seiner Koordination und reagiert mit ruhiger und klarer Stimme. Von beiden Seiten entstand Erstaunen darüber, was dieses Nichtstun bewirken kann. ■ Berührung Allgemeine Rückmeldung der „Lehrer“: „So ist die Arbeit viel leichter!“; der „Schüler“: “Es fühlt sich besser an, klarer und sicherer.“ Viele Schülerinnen/Schüler suchen den Körperkontakt, andere brauchen ihn, um zu Tätigkeiten angeregt zu werden. Wir arbeiteten an der Balance zwischen teilnehmender Distanz und respektvoller Nähe, wieder mit verteilten Rollen, wobei auch hier wieder mit Hilfe der Hände der Kursleiterin an der eigenen Koordination gearbeitet wurde. Bei guter Koordination des „Lehrers“ fühlten sich die „Schüler“ durchgängig besser aufgehoben und freier, die „Lehrer“ nicht mehr so sehr angestrengt und überfordert. ■ Stimme ■ Stressbewältigung ■ Das Kollegium zeigte sich außerordentlich engagiert, sprach liebevoll über die Schülerinnen und Schüler in ihrer Problematik und neigte – aus der Sicht der Alexander-Technik positiv verstanden – stark dazu, sich selber bei der Arbeit „zu verlieren“. ■ Heben Körperlich behinderte Kinder müssen immer wieder gehoben werden. Die (meist weiblichen) Lehrkräfte kommen dabei an die Grenzen ihrer körperlichen Möglichkeiten. Sie handeln zu schnell und achten nicht auf sich. Es fehlt die bewusste „Entschleunigung“. 24 Der Lärmpegel in der Klasse ist oft erheblich, weil viele Schüler schwer zu bändigen oder allgemein unruhig sind und mit Vehemenz ihre Bedürfnisse vortragen. Nach einigen theoretischen Erklärungen über Atmung und Stimme führten wir einfache Atem- und Stimmübungen durch, wobei das Hauptaugenmerk auf der Gesamtkoordination lag: Wie stehe ich? Was machen die Arme? Bleibt die Halsmuskulatur frei? Bewegt sich der Unterkiefer frei? Lasse ich die Luft wirklich einströmen? Daran schloss sich eine Übung zum lauten Sprechen an, mit der Vorgabe: „Ich bin verärgert und setze meine Stimme gezielt und sicher ein, um den Schülern zu zeigen, dass jetzt Schluss ist.“ Rückmeldung der Probanden: „Ich fühle mich freier beim Sprechen“, und ■ ■ ■ ■ ■ Mir erlauben, an mich in meiner eigenen Körperbefindlichkeit zu denken Der gezielte, kräftesparende Einsatz der Stimme Nicht sofort loszulegen, wenn ich von einem Schüler etwas will oder ein Schüler etwas von mir will Auch bei intensivem Körperkontakt noch bei mir selber bleiben Gerade dieser, in dem Kurs geübte andere Umgang mit sich selbst ist Stressbewältigung schlechthin! Darüber hinaus gab es bei jedem Termin zwei Mal die Arbeit im Liegen (essentiell in der Alexander-Technik). Die TN legen sich auf den Rücken, die Beine sind aufgestellt. So kann man wieder zu seiner eigentlichen Länge und Breite zurückkehren, im Hier und WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Jetzt bewusst loslassen, um danach wieder mit besserer Qualität loslegen zu können. Regelmäßig angewandt reicht es auch aus, diese Übung nur eine Minute durchzuführen. wirkt sich das positiv aus, sowohl auf meine Person als auf die Arbeit mit den Schülern. Je nach Ausgangslage des Einzelnen lag der Akzent auf der Stimme, auf dem Heben, Entspannen oder Berühren. ■ Auswertung Durchgängig positiv bewertet wurde der praxisorientierte Ansatz der Alexander-Technik. Sofort nach dem ersten Termin haben die TN angefangen, das Gelernte mit gutem Erfolg in der Praxis zu erproben. Es gab am Ende des ersten und zweiten Termins eine mündliche, des dritten eine schriftliche Befragung, außerdem am Anfang des zweiten und dritten Termins eine Runde zu der Frage, wie es den TN in der dazwischen liegenden Woche mit der AlexanderTechnik ergangen sei. Auf dem Fragebogen konnten die TN sich frei zu folgenden Fragen äußern: 1. Was habe ich gelernt? 2. Was hätte anders / besser sein können? 3. Was hat gefehlt? 4. Was hat mir besonders gut gefallen? 5. Mein Anliegen für ein nächstes Mal Die TN äußerten sich durchgängig positiv zu der Maßnahme; alle nahmen bis zum Schluss teil. Viele hätten gern mehr Termine gehabt und zu einzelnen Themen mehr geübt. Sowohl in den mündlichen wie auch in den schriftlichen Rückmeldungen überwogen die positiven Antworten, die sich auf die erhöhte Achtsamkeit für sich selbst, für den eigenen Körper bezogen. Schmerzen im Bewegungsapparat (wichtigster Punkt bei den Anliegen!) nahmen ab oder verschwanden; dies fiel bei der Auswertung weniger ins Gewicht. Wichtiger war die Entdeckung, dass sich durch die konkret erarbeitete und geübte Erfahrung die Qualität des Umgangs mit der Schülerschaft deutlich verbesserte. Wenn ich mir erlaube, zuerst an mich zu denken, WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Den TN haben während der Erfahrungen mit dem Gebrauch des Selbst die ständigen Korrekturen der Kursleiterin in ihrer ruhigen, freundlichen und aufmerksamen Art besonders gut gefallen. Dadurch wurde ein großes Maß an Bewusstheit vermittelt. ■ Ausblick Das Projekt hat mit diesem Einführungskurs begonnen. Die TN äußerten den Wunsch, weiter mit der Alexander-Technik für ihren spezifischen Schulalltag zu arbeiten. Zur Auffrischung und Weiterentwicklung des Projekts ist ein Termin im Frühsommer 2004 geplant. Ineke de Jongh, Alexander-Coach E-Mail: [email protected] Monica Lacher, Fachberaterin Schule & Gesundheit SSA Fritzlar E-Mail: edertal@frankenberg. schule.hessen.de 25 Klasse2000 – Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung an der Grundschule Klasse2000 ist das bundesweit größte Unterrichtsprogramm zur Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung an der Grundschule und hat bereits über 200.000 Kinder erreicht. Es vermittelt Kindern Freude an einem gesunden Leben, Kenntnisse ihres Körpers und soziale Kompetenzen. D as Programm wird seit 1997 in Hessen durchgeführt. Beim ersten hessischen Wettbewerb in der Suchtprävention, ausgeschrieben von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen und der DAK Hessen, erhielt Klasse2000 am 19.11.2003 eine von fünf Anerkennungsurkunden, die zusätzlich zum 1. Preis vergeben wurden. Die Jury bestand aus Vertreterinnen und Vertretern des hessischen Sozialministeriums, der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen und der DAK Landesgeschäftsstelle Hessen. ■ Die Ziele Klasse2000 basiert auf der Erkenntnis, dass die beste Suchtvorbeugung eine gelungene Persönlichkeitsentwicklung ist und hat folgende Ziele: ■ ■ ■ ■ ■ Klasse2000: Frühzeitiger Beginn und kontinuierliche Durchführung Der Klasse2000-Unterricht beginnt in der ersten Klasse und begleitet die Kinder über 4 Jahre während der gesamten Grundschulzeit. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen vom Alter und den bisherigen Konsumerfahrungen der Zielgruppe abhängt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der größte Präventionserfolg noch vor dem ersten „Probierkonsum“ erzielt werden kann und dass Vorbeugung deshalb so früh wie möglich beginnen sollte. 26 Förderung der Körperwahrnehmung und einer positiven Einstellung zur Gesundheit, Stärkung der sozialen Kompetenz und des Selbstwertgefühls, Schulung eines kritischen Umgangs mit Genussmitteln und Alltagsdrogen, Schaffung eines gesundheitsfördernden Umfeldes. besonderen Materialien durch externe Fachleute, die so genannten „Klasse2000-Gesundheitsförderer“. Dabei handelt es sich um Fachleute aus den Bereichen Gesundheit oder Pädagogik, die für ihren Klasse2000-Einsatz speziell geschult werden. Die Kinder sind von diesen Besuchen begeistert, zumal die Gesundheitsförderer meist besonderes Material mitbringen: z.B. Atemtrainer um die Atmungsfunktion zu verdeutlichen, Stethoskope, Schwungtuch für Kooperationsspiele etc. Das Gesundheitsthema wird dadurch für die Kinder zum besonderen Höhepunkt im Schulalltag. Diese Impulse werden ■ Die Umsetzung im Schulalltag Im Rahmen von Klasse2000 werden etwa 12 Unterrichtsstunden pro Schuljahr von den Klassenlehrerinnen und -lehrern durchgeführt. Sie erhalten dafür ausführliches und praxiserprobtes Unterrichtsmaterial, das auf die Lehrpläne abgestimmt ist. Jedes Kind bekommt pro Schuljahr ein eigenes Klasse2000-Arbeitsheft. Ein besonderes Kennzeichen des Unterrichtsprogramms ist die Gestaltung weiterer zwei bis drei Stunden mit „Weg der Nahrung“ WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG dann in den Stunden der Lehrkräfte nachhaltig vertieft. Klasse2000 setzt auf einen altersgerechten Unterricht, der Spaß macht und das Thema „Gesundheit“ mit positiven Erfahrungen und Erlebnissen verbindet. Für dieses Leitprinzip steht KLARO, die Sympathie- und Identifikationsfigur von Klasse2000. Großen Wert legt Klasse2000 auf die Einbindung der Eltern, damit die in der Schule behandelten Themen zu Hause verstärkt werden können. Die Eltern erhalten z.B. jährliche Elternbriefe – auch in Fremdsprachen – und weiteres Informationsmaterial zum Projekt. Eine Elternbefragung hat gezeigt, dass 90% der Kinder zu Hause von den Klasse2000-Stunden berichten. ■ Die Inhalte Der Klasse2000-Unterricht umfasst sowohl Gesundheits- und Körperthemen im engeren Sinne als auch soziales Lernen – denn der beste Schutz gegen Suchtgefahren ist eine stabile Persönlichkeit. Themen sind beispielsweise: ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Atmung, Luft, Entspannung, Ernährung und der Weg der Nahrung durch den Körper, Sport und Bewegung, Körperwahrnehmung und Rückenschulung, Kooperationsspiele und Vertrauensübungen, Rollenspiele zum Thema „Nein-Sagen bei Gruppendruck“, Die Herz-Kreislauf-Funktion, Hinterfragen von Werbebotschaften, Kommunikationstraining, Umgang mit Gefühlen , Gewaltfreie Lösung von Konflikten. WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ■ Die Finanzierung ■ Wer kann mitmachen? Klasse2000 wird nur durch Spenden finanziert, meist in Form von Patenschaften für einzelne Schulklassen. Als Paten engagieren sich Eltern, Firmen, Institutionen, Krankenkassen, Lions Clubs und Rotary Clubs. Die Patenschaftsbetrag für eine Klasse liegt bei 260 € pro Schuljahr. Schulen, die bei Klasse2000 mitmachen möchten, können ihre ersten Klassen noch für das Schuljahr 2003/04 anmelden. Voraussetzung dafür ist, dass die Finanzierung der Teilnahme gesichert ist. ■ Die Wirkung Klasse2000 wird wissenschaftlich begleitet. Fragebogenerhebungen zur Zufriedenheit der beteiligten Schüler, Eltern, Lehrer und Klasse2000-Gesundheitsförderer bieten eine Grundlage für die Optimierung des Unterrichtsprogramms. Die positiven Effekte von Klasse2000 auf das Rauchverhalten konnten bereits empirisch belegt werden! Weitere Informationen zum Programm, die notwendigen Teilnahmeformulare und Informationen über Möglichkeiten der Patensuche sind erhältlich bei: Karin Becker-Weißkopf Regionale Koordination Hessen Dreiruthenweg 22 65388 Schlangenbad Tel. 06129/502 640 Fax 06129/502 642 E-Mail: [email protected] www.klasse2000.de ■ Klasse2000 in Hessen In Hessen haben im vergangenen Schuljahr 15.230 Kinder aus 658 Schulklassen an Klasse2000 teilgenommen. Die Sieger des bundesweiten Klasse2000-Malwettbewerbs zum Thema „Da fühle ich mich wohl – da fühle ich mich nicht wohl“ kamen aus Hessen. Die Kinder der Klasse 2a der Alexander-Humboldt-Schule aus Eschwege hatten zwei Kästen mit Landschaften gebaut, die plastisch zeigten, was für sie zum Wohlfühlen gehört: Natur und saubere Umwelt. Dazu hatten sie noch ein Hörspiel aufgenommen und einen Müllrap gedichtet und vertont. So viel Kreativität wurde mit einer großen Kiste voller Bewegungsspiele für die Pause belohnt, überreicht von Karin Becker-Weißkopf, der Klasse2000-Regionalkoordinatorin von Hessen. 27 Kurzberichte aus den Regionen ■ Initiative für Gesundheit Die Gesundheit ihrer Schülerinnen und Schüler liegt der Gesamtschule Aarbergen-Michelbach am Herzen. Gesundheit, Sicherheit und Prävention stellen schon seit Jahren einen Schwerpunkt im Unterricht und Schulleben dar: Gemeinsam mit den Partnerschulen aus Frankreich, Schweden, Finnland und Italien führten wir innerhalb des EU-Programmes COMENIUS zahlreiche Projekte zum Thema „Health + Learning“ durch – darunter eine Fragebogenaktion zum Thema Rauchen, eine Zusammenstellung eines europäischen Kochbuchs mit gesunden Menüs und Untersuchungen und Vergleiche zum Thema Schulsport. Im Jahr 2002 fanden an unserer Schule Projekttage zum Thema „Gesundheit, Fitness und Sicherheit“ statt, an denen sich unter anderem das Deutsche Rote Kreuz und der ADAC beteiligten. In diesem Zusammenhang machten wir eine Fahrradtour, bei der Fitness und Sicherheit im Vordergrund standen. Die Power Point-Dokumentation dieser Aktion brachte der Schule den offiziellen Titel „Fahrradfreundliche Schule 2002“! 28 Die zuständigen Gremien der Schule haben nun die Gesunderhaltung der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte auch als Ziel im Schulprogramm festgehalten und folgende fünf Arbeitsschwerpunkte entwickelt: ■ ■ ■ Die Ernährungsgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler sollen verbessert werden. Hierzu wird in einem ersten Schritt ein Schulfrühstück angeboten, das positive Resonanz findet. Der Fachbereich Biologie plant für das laufende Halbjahr eine von entsprechend qualifizierten Schülerinnen und Schülern durchgeführte „Aufklärungsreihe“ zu Ernährung. Durch Pausenspiele sollen unsere Schülerinnen und Schüler mehr Bewegung in den Schulalltag einbauen - hierfür werden zur Zeit Spielgeräte angeschafft und ein Fachkollege wird sich um die Pausengestaltung kümmern. Mit Hilfe der Johanniter Unfallhilfe wird ein Schulsanitätsdienst eingerichtet. Dabei bekommen wir besondere Unterstützung durch den Ortsverband Untertaunus der Johanniter Unfallhilfe e.V. Unter anderem werden die Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs und die betreuenden Lehrkräfte von den ■ ■ Johannitern kostenlos im Sanitätswesen ausgebildet. Einige Schülerinnen und Schüler interessieren sich für die Tätigkeit als Streitschlichter: Eine Mediationsgruppe wird zur Zeit gebildet, welche die Interessenten für ihre Tätigkeit ausbilden soll. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Gesunderhaltung der Lehrkräfte: Im Rahmen einer Arbeitsplatzanalyse soll zunächst der Verbesserungsbedarf gesucht werden, damit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können. Besonders erfreut ist die Schulleitung, dass der Förderverein in seiner Jahreshauptversammlung bereits Unterstützung für diese Projekte zugesichert hat. Als Schirmherr des Projektes konnte der Landtagsabgeordnete Peter Beuth gewonnen werden. Die Antworten von Institutionen, welche wir um Unterstützung gebeten haben, stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch aus. Wir hoffen auf tatkräftige Mithilfe für die Gesundheit unserer Schulgemeinde! Gesamtschule Aarbergen-Michelbach WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG ■ Projekt Schulgarten Unseren Schulgarten legten wir im Schuljahr 2002/03 unter tatkräftiger Mithilfe der Schülerinnen und Schüler an. Durch eine gezielte Pflanzenauswahl wird ihnen nun das Erleben und Erkunden von Pflanzen und Tieren ermöglicht. Uns war und ist es sehr wichtig, dass der Schulgarten ein Ort der Naturbegegnung wie auch der Umwelt- und Gesundheitserziehung werden soll. Das Erleben und Erkennen der Einmaligkeit, Verwundbarkeit und Eigengesetzlichkeit pflanzlichen und tierischen Lebens, das auch für die Gesundheit der Menschen wichtig ist, steht für uns im Vordergrund. Der Schulgarten – auch ein Ort zum Schauen, Schmecken, Riechen, Tasten und bisweilen zum Hören. Unsere Schülerschaft leistet selbst die gesamte Gartenarbeit - vom Sähen bis zum Ernten. Die Kinder und Jugendlichen erfahren hautnah die Natur und lernen die Nutzpflanzen, die unsere Gesundheit fördern, schätzen. Die gesamte Ernte wird in unserer Schulküche verarbeitet. Eine große Auswahl an leckeren Gerichten stehen ihnen hier zur Verfügung. Außerdem bieten die Schuler der Heinrich-Auel-Schule Rotenburg jeden Dienstag in der 1. Pause ein gesundes Pausenfrühstück mit Produkten aus dem Garten an. ■ Ernährungsberatung für ADS-Kinder und Eltern in Rüsselsheim Am 27.3.03 strahlte das Hessische Fernsehen in der Sendung MEX einen Beitrag zum Einfluss von Farb- und Konservierungsmitteln auf die psychische Befindlichkeit, insbesondere die Konzentrationsfähigkeit von Menschen, aus. Unter anderem wurde eine Mutter mit ihrem Sohn interviewt: Alexander war in seinen Leistungen zu Beginn der 4. Klasse derart abgesunken, dass eine Sonderschulüberprüfung für Lernhilfe von Seiten der Schule angestrebt wurde. Die verzweifelte Mutter ließ daraufhin bei der Erziehungsberatungsstelle den IQ des Jungen feststellen: Er lag bei 120! Die Schulleiterin empfahl die Einschaltung der Schulpsychologin. Diese diagnostizierte bei dem Jungen ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS ohne Hyperaktivität). Aufgrund der anamnestischen Daten ergab sich die Hypothese, dass diverse Farb- und Konservierungsmittel, sowie Milchprodukte extreme Konzentrationsstörungen bei dem Jungen ausgelöst haben könnten. Die Schulpsychologin empfahl den Besuch der Ernährungsberatungsstelle im Staatlichen Schulamt in Rüsselsheim, einem Pilotprojekt im Rahmen Heinrich-Auel-Schule, Rotenburg von Schule & Gesundheit. Dort werden Eltern, deren Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom haben, durch eine speziell weitergebildete Lehrerin beraten. Meistens wird eine Eliminationsdiät, welche an die „oligoantigene Diät“ von Dr. Egger angelehnt ist, angeraten. Als unverträglich erkannFrische Ernteprodukte aus dem Schulgarten WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE te Lebensmittel werden dann aus dem Speiseplan der Betroffenen gestrichen. Aufgrund der empirischen Daten kann davon ausgegangen werden, dass, wenn die Ernährungsumstellung konsequent durchgeführt wird, sich die störenden Symptome bei etwa 60 % der atopischen ADS-Kinder (mit allergischer Prädisposition) drastisch reduzieren. Bei Alexander war die oben genannte Ernährungsumstellung ein voller Erfolg! Innerhalb eines knappen halben Jahres gelang es dem Jungen die größten Defizite auszugleichen, so dass die Klassenlehrerin am Ende der vierten Klasse ihm eine gute Realschultendenz bescheinigen konnte. Die Ernährungsberatungsstelle befindet sich im Staatlichen Schulamt für den Kreis Groß - Gerau und den MainTaunus-Kreis, Walter-Flex-Str. 60-62, 65428 Rüsselsheim. Sie ist dienstags und donnerstags von 14-16 Uhr unter der Telefonnummer : 06142/5500412 zu erreichen. (Neuanmeldungen nehme ich unter der Telefonnummer 06142/5500413 meist täglich von 11.30 – 12.15 entgegen.) Christa Müller, Staatliches Schulamt Groß Gerau /Main-Taunus-Kreis ■ Ernährungskummerkasten Die Beruflichen Schulen Eschwege haben einen Ernährungskummerkasten aufgestellt. Der Wegweiser stellt deutlich die Frage: Wohin führt der Weg? Saftdiät? Vollwertkost? Ananasdiät? Magersucht?... Der Ernährungskummerkasten soll helfen, die Fragen, die den Schülerinnen und Schülern aller Klassen und Schulformen, aber auch den Lehrkräften auf der Seele brennen, zu beantworten. Die zweijährige Berufsfachschule „Ernährung und Hauswirtschaft“ hat den Kummerkasten in der Pausenhalle 29 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 aufgestellt und jede/r, der/die Probleme und Fragen hat, kann diese – auch anonym – hier einwerfen. An den umgebenden Stellwänden werden dann die Antworten ausgehängt oder, auf Wunsch, per E-Mail verschickt. Natürlich sind unsere Berufsfachschüler und -schülerinnen noch keine Experten, aber durch die Recherchen, die sie unternehmen müssen, um die Fragen beantworten zu können, begeben sie sich dahin auf den Weg. Sie lernen dabei nicht nur viel über Ernährung und Gesundheit, sondern auch, wie man die nötigen Informationen bekommt und wie man den richtigen Ton bei der Beratung trifft. Und da es Jugendliche sind, die Jugendlichen antworten, ist die Hemmschwelle unserer “Kunden”, ihre Fragen zu stellen, vergleichsweise gering. Berufliche Schulen, Eschwege ■ Bundesweiter Klasse2000-Malwettbewerb: 1. Preis für die Klasse 2a der Alexander von HumboldtGrundschule in Eschwege Klasse2000 ist das bundesweit größte Programm zur Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung in Grundschulen. Im Schuljahr 2002/03 beteiligten sich daran insgesamt 5.530 Klassen mit über 134.000 Kindern, davon 656 Klassen mit 15.200 Kindern aus Hessen. Ziel des Unterrichtsprogramms ist es, dass Kinder eine gute Körperwahrnehmung, eine positive Einstellung zur Gesundheit und soziale Kompetenzen erwerben. Diese bilden den besten Schutz gegen Suchtgefahren. Um Kinder dazu anzuregen, sich mit den Themen „Körper-UmweltWohlbefinden“ auseinander zu setzen, hat Klasse2000 alle am Programm teil30 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG nehmenden zweiten Klassen zu einem Malwettbewerb aufgerufen. Thema war „Da fühle ich mich wohl – da fühle ich mich nicht wohl“. Die Zweitklässler der Alexander von Humboldt-Grundschule in Eschwege hatten Landschaften in Kartons installiert, die das Thema sehr plastisch veranschaulichten. Dazu hatten sie sich ein Hörspiel und einen Müll-Rap ausgedacht und vertont. Den ersten Preis für das fantasievolle und liebevoll gestaltete Gesamtkunstwerk stiftete das Hessische Kultusministerium. Humboldt-Grundschule, Eschwege ■ Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern Die Bernhard-Adelung-Schule Darmstadt auf dem Weg zu einer „Gesundheitsfördernden Schule“. Ausgangspunkt der Überlegungen zur Vorbereitung eines Pädagogischen Tages der Bernhard-Adelung-Schule Darmstadt (BAS) zum Thema „Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern“ war u. a. ein Kernsatz des HKM-Grundlagenpapiers „Schule & Gesundheit“: Unter dem Stichwort „Schule als Lebensraum“ wird dort festgestellt: „Eine wesentliche Rolle (...) spielen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Lehrerinnen und Lehrer. Es besteht eine hohe Korrelation zwischen der Gesundheit/Belastbarkeit dieser Gruppe und dem Schulklima sowie den Schülerleistungen.“ Diese wichtige Aussage macht deutlich, dass es in diesem Zusammenhang nicht nur die Lehrerschaft selbst geht, sondern dass der Umgang miteinander, gerade auch mit schwierigen Schülerinnen und Schülern, das Schulklima prägen und somit Rückwirkun- gen auf viele Facetten der schulischen Wirklichkeit hat. Mit Unterstützung aus dem HKMArbeitsfeld „Schule & Gesundheit“ war es möglich, in dem Marburger Schulpsychologen Dieter Krowatschek eine kompetenten Referenten zu gewinnen, der mit dem Kollegium der BAS u.a. folgende Themengebiete bearbeitete: ■ ■ ■ ADS- und ADS-ähnliche Verhaltensweisen Aktions- und Reaktionsmöglichkeiten im Unterricht Konzeptionelle Alternativen zum Trainingsraumprogramm Vor allem das praxisnahe Herangehen des Referenten überzeugte. Da Lehrerinnen und Lehrer nur begrenzt die Möglichkeit haben, in Einzelgesprächen auf Verhaltensauffälligkeiten zu reagieren, sind Hilfen gefragt, die in der konkreten schulischen Situation umsetzbar sind. Dieter Krowatschek arbeitet mit schwierigen Schülerinnen und Schülern in größeren Gruppen. So war es nicht verwunderlich, dass viele seiner Anregungen direkt auf Unterricht übertragbar sind. Ein weiterer Schwerpunkt des pädagogischen Tages waren mögliche Unterstützungssysteme für den Fall, dass die Mitarbeit einzelne Schülerinnen und Schüler am Unterricht zeitweise nicht mehr vertretbar ist. Das Trainingsraum-Programm, das inzwischen an vielen Schulen diskutiert und z. T. auch umgesetzt wird, hatte sich in einer Probephase an der BAS als zu bürokratisch und „verkopft“ erwiesen. Dies deckte sich mit der kritischen Einschätzung des Referenten. Als Konsequenz aus dem Pädagogischen Tag wurde zwischenzeitlich in einer Gesamtkonferenz ein AlternativModell entwickelt, das u.a. die Möglichkeiten von Schulsozialarbeit und Schulleitung zu einer „Schulstation“ WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG miteinander verbindet. Dieses Modell wird bis zum Schuljahresende erprobt, evaluiert und ggf. in das Schulprogramm der Bernhard-Adelung-Schule Darmstadt übernommen. Wolfgang Cezanne, Pädagogischer Leiter an der BAS ■ Wetteraukreis: Runder Tisch Sexualität NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Wer die Präsentationsmappe zum Thema „Liebe, Last und Lust” aus dem Internet laden will, kann unter www. wetteraukreis.de über den Link (Wegweiser) des Gesundheitsamtes zum Gesundheitsportal „durchklicken”. Dort ist unter Termine und Mitteilungen des Gesundheitsamtes und weiteres Wissenswerte zu finden. Runder Tisch Sexualität, Wetteraukreis Der „Runde Tisch Sexualität” ist ein Arbeitskreis, der bereits seit fünf Jahren besteht. Er setzt sich zusammen aus Fachleuten der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern, der Pro Familia Friedberg, dem Gesundheitsamt, Wildwasser Wetterau, der Aids-Hilfe Gießen und einer Ärztin der Justizvollzugsanstalt Rockenberg. Was sie verbindet ist das Thema Sexualität als Bestandteil ihrer Arbeit. Gemeinsam haben sie eine Workshopreihe für Jugendliche im Wetteraukreis zum Thema „Liebe, Last und Lust” konzipiert. Besonders Jugendliche sind sich oft unsicher bezüglich ihrer eigenen Sexualität, sind auf der Suche nach der für sie „richtigen” Sexualität und haben Fragen, auf die sie eine Antwort wollen. In den Workshops, die sich in erster Linie an Schüler und Schülerinnen ab 15 Jahre richten, gehen die Fachberater/innen auf die Fragen der Jugendlichen ein und versuchen mit ihnen gemeinsam Antworten zu finden, die sie für sich umsetzen und erlebbar machen können. Mehr als 30 Schulen wurden Mitte letzten Jahres angeschrieben und auf die Workshopreihe aufmerksam gemacht: Mit deutlicher Resonanz. An mehreren Schulen wurde das Pilotprojekt mit großem Erfolg durchgeführt; etliche weitere Schulen stellten bereits den Antrag, die Workshopreihe für das kommende Schuljahr zu buchen. WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 31 „Jugend mit Biss“ D as Frankfurter Zentrum für EssStörungen führte im Auftrag der Stadt Frankfurt ein Projekt zur Primärprävention von Ess-Störungen bei Jugendlichen durch. Die Evaluation des Modellprojektes mit dem Titel „Jugend mit Biss“ wurde gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. ■ Ausgangslage Ess-Störungen gehören in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen von Mädchen und jungen Frauen. Beobachtungen aus verschiedenen Ländern deuten auf eine rapide Zunahme dieses Krankheitsbildes hin. Auch männliche Jugendliche leiden immer häufiger unter Ess-Störungen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Friedrich-SchillerUniversität in Jena (Aschenbrenner u.a., 2002) belegen, dass jede dritte Schülerin in Deutschland unter Frühformen von Ess-Störungen leidet. 736 Personen im Alter von 12-32 Jahren wurden daraufhin untersucht, ob bei ihnen Frühformen einer Ess-Störung vorliegen. Dazu zählen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Im Ergebnis der Jenaer Studie weisen 29% der Frauen und 13% der Männer entsprechende Anzeichen der Krankheitsbilder auf. 32 Besonders alarmierend sind die Ergebnisse bei den Schülerinnen: 35% der Befragten zeigen Vorformen der Erkrankungen, bei 14% besteht sogar ein sehr hohes Risiko, eine Ess-Störung zu entwickeln. In den vergangenen Jahren hat der Anteil fettsüchtiger Kinder ebenfalls massiv zugenommen. So leiden in Deutschland bereits 2,8% aller Kinder im Alter von 5-6 Jahren unter Fettsucht. Aufgrund dieser alarmierenden Entwicklung treten präventive Maßnahmen zunehmend ins Zentrum von Forschung und Praxis. Die Entstehung von Ess-Störungen kann nicht durch ein in sich geschlossenes theoretisches Modell begründet werden, es wird von einem multifaktoriellen Verursachungsgeschehen ausgegangen - mit soziokulturellen, persönlichkeitsspezifischen und familiendynamischen Determinanten: ■ Das überzogene Schönheits-, Schlankheits- und Jugendlichkeitsideal unserer heutigen Zeit setzt insbesondere für Frauen rigide Normen und trägt dazu bei, dass sich Ess-Störungen unter Jugendlichen epidemisch ausbreiten und Diäterfahrungen schon bei jungen Mädchen zur Regel werden. Die Gleichsetzung von Schönheit und Schlanksein wird auch von den Medien immer stärker propagiert. Gleichzeitig kommt es aufgrund von individualisierten Familienalltagen zu einem Zerfall traditioneller Esskulturen; gemeinsame Mahlzeiten werden immer seltener. ■ Essstörungen werden zudem durch das Erziehungsverhalten von Eltern begünstigt, die Autonomiebestrebungen ihrer Kinder nicht zulassen können. ■ Auch sexuelle Gewalt kann bei der Entstehung dieser Krankheitsbilder eine entscheidende Rolle spielen. ■ Allen Erklärungsmodellen scheint jedoch eine Verunsicherung der Identität zugrunde zu liegen, die die Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit hemmt und die Betroffenen hindert, eine selbstständige Persönlichkeit zu entwickeln. ■ Der salutogentische Ansatz Das Modellprojekt bezieht sich auf den salutogenetischen Gesundheitsbegriff: Die gesundheitspolitische Diskussion wurde durch die Thesen des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky bereichert, der einen Paradigmenwechsel einleitete von einem krankheitsWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG zentrierten Modell der Pathogenese hin zu einem gesundheitsbezogenen, ressourcenorientierten und präventiv ansetzenden Modell der Salutogenese. Anstelle der Bearbeitung von Risikofaktoren liegt bei der salutogenetischen Sichtweise die Aufmerksamkeit auf gesundheitserhaltenden Faktoren, die Menschen dazu verhelfen sollen, so erfolgreich wie möglich mit Krisen und Schwierigkeiten in Ihrem Leben umgehen zu können. Die Leitfrage lautet demnach: „Was hält Menschen gesund?“ und nicht „Was macht Menschen krank?“ Das salutogenetische Modell bildet somit eine sinnvolle Grundlage für kompetenzsteigernde Präventionsmaßnahmen. Die Erkenntnis, dass in frühen Lebensjahren bereits Grundlagen für zahlreiche gesundheitsrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen gelegt werden, hat dazu geführt, dass der Prävention im Kindes- und Jugendalter eine stärkere Bedeutung zugemessen wird. ■ Gesundheitsförderung in der Schule Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich beim Thema „Gesundheitserziehung in den Schulen“ ebenfalls ein Paradigmenwechsel vollzogen. Anstelle von Fragen nach Krankheitssymptomen und Krankheitsentstehung stehen auch in diesem Bereich mittlerweile gesundheitsfördernde Aspekte im Vordergrund. Dies führte im Unterricht zu fächerübergreifenden Schulprojekten, die psychosomatische, soziale und ökologische Fragestellungen integrieren. So wird auch der Gestaltung gesundheitsfördernder Verhältnisse innerhalb der Schulen breiterer Raum gegeben – durch die Stärkung von individuellen und sozialen Schutzfaktoren sollen sich Lernende und Lehrende gegenseitig unterstützen, um ihre Gesundheit zu entwickeln und zu erhalten. WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Grundlage dieses prozesshaften Verständnisses von Gesundheit bildet die WHO-Charta, die auf der ersten Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in November 1986 in Ottawa verabschiedet wurde. Gesundheit wurde hier als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens begriffen, als Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen ebenso betont wie körperliche Fähigkeiten. ■ Konzeption und Projektdesign In Deutschland wurden bisher nur wenige Präventionsmaßnahmen zu Ess-Störungen durchgeführt. Aufgrund steigender Anfragen von Schulen und Jugendeinrichtungen entwickelte das Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen im Jahr 2000 ein Konzept zur primären und sekundären Prävention von Ess-Störungen bei Jugendlichen, das auf der Grundlage und den Erfahrungen der Salutogenese beruht. Das Konzept beinhaltet selbsterfahrungsorientierte Einheiten für Schülerinnen/Schüler und den Einsatz von themenspezifischen Arbeitsmaterialien im Fachunterricht als auch gezielte Fachberatung für Eltern und Fortbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer. Zielgruppe des Präventionsprojektes sind Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassenstufen eines Gymnasiums und einer Gesamtschule des Haupt- und Realschulbereichs. ■ ■ Die Vermittlung dieser identitätsstärkenden Kompetenzen soll die Schülerinnen und Schüler gegenüber der Gefahr von Ess-Störungen immunisieren. Dabei wurden vier Aspekte der Primärprävention vorrangig berücksichtigt: ■ ■ ■ Das Modellprojekt bezieht sich auf das Konzept der Lebenskompetenzentwicklung. Dabei geht es vor allem um: ■ ■ ■ ■ die Vermittlung sinnstiftender Selbsterfahrung, die Entwicklung und den Umgang mit Kreativität, das Erlernen von Konfliktwahrnehmung und -lösung, die Fähigkeit, Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und zu äußern, generelle Beziehungsfähigkeit und Ich-Stärkung. Als erstes „individuelle Faktoren“: Unterstützt wird eine realistische Selbsteinschätzung der Jugendlichen, die Entwicklung eines positiven Körperbildes, die deutliche Wahrnehmung der eigenen Körpersignale und Emotionen sowie das Erlernen selbstverantwortlichen Handelns und die wirksame Nutzung der eigenen Potenziale. Der nächste Aspekt bezieht sich auf das „soziale Umfeld“: Gefördert wird hierbei der Aufbau unterstützender Beziehungen, die Verstärkung der Gemeinschaftsfähigkeit sowie das Erlernen von Konfliktfähigkeit und Streitkultur. Zudem sollen sich die Jugendlichen der Normen, die durch Familie und Peergroups geprägt sind, bewusst werden. Der dritte Punkt betrifft „gesellschaftliche Faktoren“: Angestrebt wird die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, Vorbildern und Schönheitsidealen sowie dem Einfluss der Medien in diesem Zusammenhang. Dabei sollen auch überhöhte Leistungsnormen und Perfektionsansprüche hinterfragt werden. Als letzter Aspekt wird der Bereich „Ernährung“ mit einbezogen: Zum einen wird über eine gesunde und genussreiche Ernährung sowie den veränderten gesellschaftlichen Umgang mit Nahrungsmitteln aufgeklärt. Zum anderen werden der 33 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Wandlungsprozess der familiären und öffentlichen Esskultur sowie die Bedeutung von einem genussvollem Essen thematisiert. Die Zielsetzung des Projektes besteht darin, möglichst viele noch nicht betroffene Schülerinnen und Schüler durch ein protektives Vorgehen zu erreichen. In der bereits zitierten Jenaer Studie werden aufgrund der Untersuchungsergebnisse dringend wirksame Konzepte zur Prävention gefordert. Dem Problem Ess-Störungen sollte bereits in den Schulen stärkere Aufmerksamkeit zuteil werden. „Schulen stellen als zentraler Aufenthaltsort der Jugendlichen einen geeigneten Ort dar, um Maßnahmen der Aufklärung, Prävention, Früherkennung und erste Hilfestellungen durchzuführen.“ (Aschenbrenner u.a., 2002) ■ Ergebnisse der Evaluation Das Frankfurter Zentrum für EssStörungen entschied sich für eine Fremdevaluation des Präventionsprojektes durch das Institut für Sozialpädagogik und Sozialarbeit: Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation zeigen deutlich, dass die präventive Arbeit zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention im schulischen Setting eine wichtige und lohnenswerte Aufgabe darstellt. Die Nähe der thematischen Schwerpunkte zu den Lebenswelten der Jugendlichen fand großen Anklang bei den Schülerinnen und Schülern. So beteiligten sich die Jugendlichen sehr engagiert an der Erstellung und Ausgestaltung der einzelnen Themen. In den geschlechtsgetrennten Gruppen gab es die Möglichkeit, leichter über Probleme und Gefühle zu sprechen. In einigen Klassen wurde über eine verbesserte Kommunikation und einen neuen Diskussionsstil als Auswirkung des 34 Projektes berichtet. Das didaktische Konzept des Projektes (Handlungsorientierung, spielerisches Lernen, Arbeit in Kleingruppen) erwies sich als erfolgreich. Die Verbindung von kognitiven und emotionalen Anteilen in der präventiven Arbeit wurde von den Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen. Die Evaluationsergebnisse belegen, dass nach Beendigung des Präventionsprojektes deutliche Veränderungen bei den Jugendlichen auf der Einstellungs- und Verhaltensebene erreicht wurden. Hierbei handelt es sich vor allem um die Stärkung des Selbstwertgefühls und der Konfliktfähigkeit. Zudem ist eine größere Bereitschaft bei den Schülerinnen und Schülern festzustellen, sich unvoreingenommen auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Die Ergebnisse weisen ebenfalls daraufhin, dass bei den Jugendlichen eine deutliche Verbesserung eingetreten ist im Hinblick auf die Entwicklung von angemessenen Lebensbewältigungsstrategien und einen kreativen Umgang mit Anforderungen. Diese Verbesserung der sozialen Kompetenzen war – wie oben angesprochen - erklärtes Ziel des Präventionsprojektes, da diese neu erworbenen Fähigkeiten zu einer Immunisierung gegenüber der Gefahr von Suchterkrankungen im allgemeinen und Essstörungen im besonderen beitragen können. Das Projekt „Jugend mit Biss“ bietet wichtige Ansatzpunkte für eine Vernetzung von Schulen mit anderen psychosozialen Institutionen und Beratungseinrichtungen. Das schulische Setting hat für primärpräventive Maßnahmen bei Jugendlichen zweifellos die größte Reichweite, da hier alle Schülerinnen und Schüler einer Altersgruppe einbezogen werden können. Die schulische Arbeit kann davon profitieren, mit externen Kräften zusammen zu arbeiten und von deren Konzepten und Methoden zu lernen. ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Gesundheitsprävention sollte ein zentraler Bestandteil schulischen Lernens werden. Denn nur eine kontinuierliche und langfristige Arbeit entspricht dem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Präventionsgedanken. Im Sinne einer umfassenden Gesundheitsförderung im schulischen Bereich sollte aus diesem Grunde eine dauerhafte Implementierung von Präventionsmaßnahmen angestrebt werden. ■ Ansprechpartnerin Sigrid Borse Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen Hansaallee 18 60322 Frankfurt Tel: 069/55 73 62 Fax: 069/5961723 E-Mail: [email protected] www.essstoerungen-frankfurt.de ■ Literatur ■ Aschenbrenner, K.; Aschenbrenner, F.; Kirchmann, H.; Strauß, B. (2002): Prädiktoren für ein gestörtes Essverhalten mit anorektischer oder bulimischer Tendenz bei weiblichen Jugendlichen, Jena ■ Bengel, J.; Strittmatter, R.; Willmann, H. (Hg) (2001): Was erhält den Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und Stellenwert. Eine Expertise im Auftrag der BZgA (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung.6) Erw. Aufl., Köln: BZgA WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Workshop – „Pausenverpflegung: gesund und doch praktikabel?!“ Pilotprojekt in Hessen ■ Hintergrund des Workshops Laut Ernährungsbericht 2000 der DGE frühstückt bereits jeder sechste Schüler bis 12 Jahre und jeder vierte Jugendliche nicht mehr täglich zuhause. Wird keine vollwertige Pausenverpflegung in die Schule mitgenommen oder gibt es dort kein Pausenangebot, landen die Schüler nach kurzer Zeit im Leistungstief. Die akuten Folgen sind Müdigkeit, Konzentrationsmangel und nicht zuletzt schlechte Stimmung. Pausenverpflegung hat für die Ernährung der heutigen Kinder und Jugendlichen einen hohen Stellenwert! Da an vielen Schulen kein Pausenverpflegungsangebot vorhanden ist bzw. das bestehende Angebot oft nicht den ernährungsphysiologischen Anforderungen entspricht, entwickelten die Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) und die Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse Hessen e.V. (Landesvereinigung Milch Hessen) auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein neues Konzept, den halbtägigen Workshop WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE „Pausenverpflegung: gesund und doch praktikabel?!“ ■ ■ ■ ■ Wie sieht eine gesunde Pausenverpflegung in der Schule aus? Wie lässt sie sich mit knappem Geld- und Zeitbudget umsetzen? Was kommt bei Kindern und Jugendlichen an? Was tun, um ein gesundes und ansprechendes Pausenverpflegungsangebot aufzubauen? Diesen Fragen gingen die insgesamt 77 Multiplikatoren aus 42 hessischen Schulen im Workshop nach. Das neu konzipierte Angebot für Zuständige für die Pausenverpflegung wurde in fünf hessischen Kreisen und kreisfreien Städten von November 2002 bis Juni 2003 durchgeführt. Über die teilnehmenden Multiplikatoren erreichten die Veranstalter bislang mehr als 37.000 Schüler. Eine Fortführung der Workshops ist für 2004 geplant. ■ Zielgruppe Der Workshop richtet sich an alle Personen in allgemeinbildenden- und beruflichen Schulen, die für die Pausenverpflegung zuständig sind oder die sich dafür interessieren, ein solches Angebot aufzubauen – und sei es erst einmal nur ein Klassenfrühstück. ■ Konzept: wenig Theorie – viele Tipps für die Praxis Ziel des Workshops ist es, den Teilnehmern neben der Bedeutung und der Zusam-mensetzung einer bedarfsgerechten Pausenverpflegung vor allem praktikable Anre-gungen und Tipps für die Umsetzung in der eigenen Schule zu vermitteln. Das Erarbeiten von Lösungsvorschlägen für die Praxis, Diskussion und der Erfahrungsaustausch untereinander stehen daher im Vordergrund. Gemeinsam werden leckere und ansprechende Angebote für die vollwertige Verpflegung in der eigenen Schule erarbeitet und auf ihre Praxistauglichkeit in punk35 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 to Zeitaufwand, Kosten, Attraktivität bei den Schülern u.a.m. beleuchtet. Verkaufsförderung, Werbung und Organisation sind ebenfalls Themen des vierstündigen Workshops. Das Thema Schulmilch stellt einen weiteren Schwerpunkt dar. Damit die besprochenen Ideen für Kiosk, Aktionstage oder das Klassenfrühstück auch beurteilt werden können, erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Imbiss zwischendurch selbst, dass Vollwertiges gut ankommt! ■ Die Teilnehmer: vom Schulleiter bis zum privaten Kioskbetreiber Während der Pilotphase wurde deutlich, wie heterogen die Gruppe der Personen ist, die für die Pausenverpflegung in hessischen Schulen zuständig ist oder sich für sie interessiert. Bei den insgesamt 77 Teilnehmern aus 42 Schulen stellten die Lehrer mit 34 Prozent die größte Personengruppe, gefolgt von Eltern mit 29 Prozent. Private Kioskbetreiber waren mit 18 Prozent vertreten, 6 Prozent waren Hausmeister, 5 Prozent Caterer und jeweils 4 Prozent Schüler und Sonstige. Mit fast drei Vierteln stammte der größte Teil der Teilnehmer aus weiterführenden Schulen bzw. Grund- und weiterführenden Schulen (12 Prozent). Jeweils 10 Prozent kamen aus Grundschulen und beruflichen Schulen, 7 Prozent aus Schulen für Lernhilfe. Die bestehende Verpflegung in den Schulen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer reichte vom Verkauf von Schulmilch über eine von Schülern organisierte Brötchentheke bis hin zur Pausenverpflegung in der Caféteria oder am Kiosk. Dazu kamen mehrere „Newcomer“ in punkto Pausenverpflegung zum Workshop, die sich grundsätzlich über die Einrichtung einer Pausenverpflegung informieren wollten. Auch wenn ein Großteil der Schulen bereits eine Pausenverpflegung anbot, waren die Teilnehmer selbst mit dem bisherigen Angebot unzufrieden und wollte es verändern bzw. erweitern. „Ich komme mir vor wie eine Drogenhändlerin, bei all dem Süßkram in unserem Kiosk...“, beschrieb eine Teilnehmerin zu Beginn eines Workshops die Situation an ihrer Schule. ■ Pausenverpflegung im Spannungsfeld – praxisorientierte Tipps sind gefragt Die Erfahrungen während der Pilotphase zeigten, dass vor allem fantasievolle und ganz auf die Bedürfnisse der Pausenverpflegung abgestimmte Tipps für vollwertige Speisen und Getränke wie auch individuelle Lösungen die Grundlage des Workshops sind. Die Verpflegung in der Schule macht es nötig, verschiedene und in vielen Fällen sogar gegensätzliche Anforderungen von Seiten der Schüler, der Eltern, der Schule, der Ernährungswissenschaft und der Zuständigen für die Verpflegung zu vereinen. Um einige Aspekte zu nennen: Einerseits soll das Angebot gesundheitsfördernd sein, denn es muss die 36 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG Leistungsfähigkeit wieder herstellen. Andererseits soll es auch lecker und ansprechend sein. Daneben steht teils die Notwendigkeit oder Forderung, beim Verkauf Gewinn zu erwirtschaften. Dies konkurriert wiederum mit dem Anspruch, ein gutes Preis-LeistungsVerhältnis zu bieten. Ist der nächste Supermarkt mit Süßem gleich um die Ecke, drohen von dort Konkurrenz und Einfluss auf das Verpflegungsangebot in der Schule. Die Anforderungen an die Pausenverpflegung und die unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Raumangebot, Personal sowie meist geringe finanzielle Mittel zu vereinen war für die Teilnehmer oft nicht leicht. Es galt, Prioritäten zu setzen. Individuelle Lösungen sind hier gefragt! Zur Glaubwürdigkeit der Tipps und Informationen aus dem Workshop trug nicht zuletzt der Imbiss mit Beispielen eines vollwertigen Pausenangebotes bei. Präsentiert wurden vollwertige Speisen und Durstlöscher sowie leckere Knabbereien und Süßes für zwischendurch. Die ansprechend aussehenden Pausenangebote verlockten zum Probieren und überzeugten, dass beispielsweise der zum „Ninja-Säbel“ gekürte bunte Gemüse-Käse-Brot-Spieß auch bei den eigenen Schülern gute Chancen auf Erfolg hat. Portionsfertige Verkaufsverpackungen beim Imbiss veranschaulichten die Umsetzung und Portionierung im Kioskalltag. Positiv wurde von den Teilnehmern auch der Erfahrungsaustausch untereinander bewertet. In vielen Fällen bot der Workshop den Zuständigen für die Pausenverpflegung die erste Gelegenheit zum Gespräch unter Gleichgesinnten. So „(...) muss nicht jeder das Rad neu erfinden“, und man „( ...) kann sich vielleicht gegenseitig unterstützen“ unterstrichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Abschlussrunde. WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Nach etwa vier Stunden Workshop sahen viele der Zuständigen für die Pausenverpflegung „(...) einen deutlichen Silberstreif am Horizont“, wie eine Teilnehmerin ihre Stimmung beschrieb. Fast alle Anwesenden beschlossen, Änderungen in ihrem Verpflegungsangebot vorzunehmen und Empfehlungen und Tipps umzusetzen. Besonders in den Bereichen Getränke, Brötchen/Brot sowie Milch- und Milchprodukte, gefolgt vom Obstangebot, Gemüse und Knabbereien/Süßes wollten die Teilnehmer aktiv werden. ■ Kontakt und weitere Informationen zu „Pausenverpflegung: gesund und doch praktikabel!“ Die Empfehlungen und Tipps aus den Workshops wurden in einem Faltblatt zusammengefasst. Beziehbar ist es unter folgenden Adressen: ■ DGE-Sektion Hessen Landesvereinigung für Milch Projektbetreuung und Milcherzeugnisse › Dipl. oec. troph. Karin Möhrlin Augasse 1g 61194 Niddatal Tel. 06034-54 55 Fax. 06034-91 95 80 › Dipl. oec. troph. Tanja Lotz Lochmühlenweg 3 61381 Friedrichsdorf Tel. 06172/7106-293 Fax. 06172/7106-296 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 37 Schulverpflegung mit Köpfchen! Der richtige Weg zu einer gesunden Ernährung an Schulen D ie jüngste Studie der WHO zu dem Ernährungszustand unserer Kinder und Jugendlichen lässt aufhorchen: Inzwischen ist in Deutschland jedes fünfte Kind übergewichtig! die Verantwortung genommen sind dabei besonders Schulen, die ihren Schülern ein Mittagessen oder andere Mahlzeiten inklusive eines Schulkiosks anbieten. Nach einer Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE) essen die Kinder und Jugendlichen vor allem zu viel Fett, insbesondere in Form von gesättigten Fettsäuren und zuviel Zucker, aber zu wenig Ballaststoffe. Außerdem verzehren die Heranwachsenden zu wenig pflanzliche Lebensmittel, vor allem Gemüse und Getreideprodukte, und sie nehmen zu wenig Flüssigkeit zu sich. Neben diesen ungünstigen Verzehrgewohnheiten stellen die Ernährungswissenschaftler auch einen allgemeinen Bewegungsmangel fest. Die Folgen solcher Entwicklungen sind fatal: Krankheiten, die eigentlich erst im Erwachsenenalter auftreten, wie Bluthochdruck und Diabetes Typ II, werden immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert. Neben den Auswirkungen auf die Gesundheit des Einzelnen kommt es aber auch zu hohen volkswirtschaftlichen Folgekosten. Besonderer Fokus liegt auf der Mittagsverpflegung. Was ist nun eine optimale Mittagsverpflegung? Richtungsweisend ist ein vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (FKE) entwickeltes Konzept, das für alle Altersstufen einer Schule - von den Schulkindern über die Jugendlichen bis hin zu den Lehrern - gleichermaßen geeignet ist. In den letzten Jahren sind bundesund länderweit Kampagnen gestartet worden, die dort ansetzen, wo Kinder und Jugendliche verpflegt werden. In 38 Das empfehlenswerte Ernährungskonzept optimiX bringt alles, was bei einer ausgewogenen Mahlzeit beachtet werden muss, unter einen Hut: Die aktuellen Nährstoffempfehlungen, die damit verbundene Prävention von ernährungsbedingten Erkrankungen, die Essensvorlieben der Kinder, die üblichen Essgewohnheiten in Deutschland sowie wirtschaftliche Faktoren. Grundsätzlich gelten drei einfache Regeln bei der Auswahl der Lebensmittel: Reichlich: Getränke und pflanzliche Lebensmittel ➁ Mäßig: Tierische Lebensmittel ➀ ➂ Sparsam: Fett- und zuckerreiche Lebensmittel Die tägliche Hauptmahlzeit sollte sich aus Kartoffeln, Naturreis oder Vollkornnudeln und Gemüse oder Salat zusammensetzen. Zwei- bis dreimal kann die Mahlzeit um eine kleine Fleischbeilage erweitert werden. Empfohlen wird weiter, einmal pro Woche Fisch sowie einmal eine rein vegetarische Mahlzeit zu essen. Diese Empfehlungen gelten für alle Altersklassen, lediglich die Lebensmittelmengen verändern sich je nach Alter und Energiebedarf. Generell sollte der Speiseplan attraktiv und abwechslungsreich gestaltet werden. Die Empfehlungen zur gesunden und im weitesten Sinne nachhaltigen Verpflegung sollten auch das Frühstücksangebot und die Zwischenverpflegung einbeziehen. Vollkornprodukte, Müsli und frisches Obst sowie Fruchtsäfte, Mineralwasser und Milch sollten im Angebot enthalten sein. Dies gilt auch für den Schulkiosk. Hier wäre es sehr wünschenswert, die Vielzahl der Süßigkeiten und gesüßten Getränke aus dem Regal zu verbannen. Diese allgemeinen Ernährungsempfehlungen greifen zwar allgemein gesundheitliche Aspekte auf, treffen aber noch keine Aussage über die Herkunft WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG der Speisen. Um dem Gedanken einer Gesundheitsfördernden Schule nach den Richtlinien von Schule & Gesundheit Hessen gerecht zu werden, sind im Sinne der nachhaltigen Präventionsarbeit auch Fragen nach der Herkunft der Rohwaren zu stellen. Im Vordergrund stehen hier regionale und ökologische Aspekte aber auch Fair Trade Produkte! Leider bringen nicht alle Schulen die Voraussetzungen mit, um eine solche Ernährungsempfehlung auch optimal umzusetzen. In den Schulen ist die Mittagsverpflegung zur Zeit sehr unterschiedlich organisiert. Grundsätzlich werden folgende Verpflegungssysteme unterschieden: Verteilerküche: hier erfolgt die Zubereitung in einer externen Großküche ■ Zubereitungsküche: die Zubereitung der Speisen erfolgt vor Ort in der Schule ■ Aufbereitungsküche: Speisen werden in tiefgekühlter oder gekühlter Form angeliefert und in der Schule regeneriert ■ Mischküche: es werden Fertigprodukte verwendet aber auch Speisen selbst zubereitet ■ Gleich welches Verpflegungssystem vorherrscht oder für welches man sich entscheidet, Gesundheitsförderung, Regionalität, Ökologie sowie soziale Gesichtspunkte, wie im Falle der Fair Trade Produkte, sollten bei der Wahl der richtigen Verpflegung eine Rolle spielen! Auf der Suche nach einer geeigneten Fremdbewirtschaftung sind unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit außerdem die Aspekte der Verpackung (Müllvermeidung!) und die Transportkosten in eine kritische Analyse einzubeziehen. aufgeführten Bereiche festlegt. Dieser Kriterienkatalog kann einem CateringUnternehmen, das sich um die Schulverpflegung bewirbt, als Grundlage für eine Angebotserstellung dienen. Danach wird unter Berücksichtigung des Preis-Leistungs-Verhältnisses der geeigneteste Bewerber leichter zu bestimmen sein. Soll eine Schulküche eigenbewirtschaftet werden, ist es ratsam für die Planung und Einrichtung verschiedene Angebote von Großküchenplanern einzuholen. Dies verhindert eine überdimensionierte Planung und damit zu hohe Investitionskosten. Nicht selten findet man in neu eingerichteten Großküchen eine Ausstattung vor, mit der die doppelte Personenzahl der eigentlichen Gästezahl verpflegt werden könnte. Das Thema Verpflegungsangebote in Schulen wird in nächster Zeit auch unter www.schuleundgesundheit. hessen.de als Schwerpunktbereich bearbeitet. Dort finden Sie weitere Informationen zu den hier aufgeführten Themen. Anja Erhart geschäftsführende Gesellschafterin ÖGS – Ökologischer Großküchen Service Galvanistrasse 28 60486 Frankfurt am Main Tel.: 069-977819-0 Fax: 069-977819-19 ■ Literatur ■ aid und DGE (2002): optimiX. Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Bei der Entscheidung für einen Caterer ist daher die Erstellung eines Kriterienkataloges zu empfehlen, der die WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 39 Die „Werkstatt Ernährung“ stellt sich vor Essen und Trinken, Sport und Bewegung ist die Basis unserer Gesundheit. Kinder und Jugendliche werden mit Werbung für spezielle Kinderlebensmittel überflutet, erhalten an jeder Ecke mundgerechte Snacks jeglicher Geschmacksrichtung und erfahren aus den Medien allerlei über Energy Drinks und Functional Food. D as Wissen über die Herkunft, die Vielfalt und den Geschmack frischer Lebensmittel, die Möglichkeit von Kommunikation beim gemeinsamen Mittagessen, den Spaß beim gemeinsamen Kochen, das ganzheitliche Lernen mit „allen Sinnen“ - alles das sollen Kinder in und mit der „Werkstatt Ernährung“ erleben. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Die „Werkstatt Ernährung“ – ihre Kooperationspartner ■ ■ Die Idee zur „Werkstatt Ernährung“ entstand im Februar 2002. Sie ist eine Kooperation zwischen dem Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. und dem Hessischen Kultusministerium. Sukzessiv wurde der Arbeitskreis noch erweitert und neue Kooperationspartner aus Institutionen des Ernährungs- und Gesundheitsbereiches in Hessen gewonnen. Die „Werkstatt Ernährung“ setzt sich auseinander mit ... ■ Essverhalten und Essgewohnheiten ■ Nahrungsmitteln ■ emotionaler Entwicklung ■ Ernährungsgewohnheiten und soziokulturellen Einflüssen 40 Ernährungsgewohnheiten und nationalen Gegebenheiten Ess-Stilen Ernährung und Gesundheit Ernährungsempfehlungen Nahrungszubereitung Ernährungsökologie Nahrungsmittelproduktion Nahrungsmittelkonservierung und Nahrungsmittellagerung Lebensmittelerzeugung, Lebensmittelverarbeitung und Lebensmittelverteilung Lebensmittelwerbung Ernährung und Bewegung Die Bausteine zu diesen Kernthemen wurden von den verschiedenen Kooperationspartnern der „Werkstatt Ernährung“ erarbeitet. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Erlebnis- und Handlungsorientierung gelegt. angeboten und umfasst je zwei bis drei Unterrichtsstunden. Geplant sind ca. 20 dieser Unterrichtseinheiten an jeder Projektschule. Die Pilotphase wird durchgeführt im 2.Halbjahr des Schuljahres 2003 / 2004 und startete im Februar/März 2004. Für die Durchführung der Pilotphase konnten kompetente Ernährungsfachfrauen des Landfrauenverbandes Hessen gewonnen werden. 5 Schulen wurden für die Pilotphase aus den verschiedenen Schulformen ausge-wählt und ausführlich über das Projekt und die Durchführungsmodalitäten der Pilotphase informiert. Dabei handelt es sich um folgende Schulen: ■ ■ ■ Die „Werkstatt Ernährung“ – Start der Pilotphase Die Pilotphase der „Werkstatt Ernährung“ stellt ein freiwilliges Angebot für Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen dar, wird wöchentlich im Rahmen des Nachmittagsangebotes (oder der AGs) in Schulen ■ ■ ■ Johannes-Gutenberg-Schule, Gernsheim (Haupt- und Realschule mit Förderstufe) Eichwaldschule Sulzbach (Kooperative Gesamtschule) Limesschule Altenstadt (Additive Gesamtschule) Rhenanus-Schule, Bad Soden-Allendorf (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Sportinternat) Private Marienschule Limburg (Gymnasium) Als Einführung in das Pilotprojekt und zur Information über die AngeWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG botseinheiten hat ein Elternabend in jeder Schule stattgefunden. In der Pilotphase entstehen den Schulen keine Honorarkosten. Von den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen wird ein Beitrag von ca. 3 € für Lebensmittel/Materialkosten pro Angebotseinheit erhoben. NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 Kinder lieben Obst und Gemüse mundgerecht Wer Kindern Obst und Gemüse schmackhaft machen möchte, sollte kleine Stücke und verschiedene Sorten anbieten. Es ist geplant, das Projekt auch im nächsten Schuljahr mit einer größeren Anzahl von Schulen durchzuführen. ■ Ansprechpartner der „Werkstatt Ernährung“ Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz Mainzer Straße 80 65189 Wiesbaden Daniela Born-Schulze Tel.: 0611 – 815 1194 Fax: 0611 – 815 1946 E-Mail: d.born-schulze@hmulv. hessen.de WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE In einer Studie der Universität Dortmund wurde untersucht, wie man Grundschulkinder motivieren kann, mehr Obst und Gemüse zu essen. Werden sie von ganzen Früchten angelockt oder lieben sie es eher in Stückchen? „Finger food” ist offenbar das Zauberwort – Speisen also, die in kleinen, mundgerechten Portionen gereicht werden. Hier greifen Kinder gerne und auch immer wieder zu, wie die Studie zeigt. Vor großen Portionen scheuen sie eher zurück oder es landet viel im Abfalleimer. Denn die meisten Kinder können ganze Früchte oder Gemüse nicht „in einem Rutsch” verzehren. Der Rest bleibt liegen, wird unansehnlich und ist damit für den Nachwuchs nicht mehr attraktiv. Außerdem mögen es die Kinder, auswählen zu können. Diese Angebotsform kann auch gut in einem gemeinsamen Schulfrühstück aufgegriffen werden. Dann können sich Jungen und Mädchen auch gleich im Schnippeln und Anrichten üben. Denn was man selber „hergestellt“ hat, schmeckt gleich noch mal so gut. 41 Wie lässt sich Schulmilch an den Schüler bringen? Schul-„Bars“ für Milch & mehr — Bund gewährt Finanzhilfen für Ganztagsschulen E ine neue, erfolgversprechende Möglichkeit, den Schulmilchverkauf attraktiver zu gestalten und damit die Nachfrage nach Schulmilch zu beleben, bieten zeitgemäße „Schulmilch-Bars“, die sich an der modernen Erlebnis-Gastronomie orientieren: Mit ihrem fortschrittlichen, schülergerechten Design kommen sie den Wahrnehmungs- und Konsumgewohnheiten der Jugendlichen entgegen und helfen, das Image der oftmals als „altmodisch“ eingestuften Schulmilch zu verbessern und dadurch deren Konsum zu erhöhen. Im Rahmen eines Pilotprojektes der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA) wurde die aus Modulen bestehende „Schulmilch-Bar“ entwickelt, die sich in schrillen Farben, coolen Materialien und geschwungenen Formen präsentiert und im Retro-Look den 80er Jahren folgt. Das Besondere an der Milch-„Bar“ ist neben der innovativen Gestaltung die komplett auf Modularität ausgelegte Bauweise. So lässt sich mit den einzelnen Modulen jeder baulichen Schulsituation gerecht werden. Vom einfachen „Schulmilch-Ausgabe-Tresen“ mit zwei Kühleinheiten bis zur kompletten „Media-Wertkost-Bar“ mit Koch- und Backgelegenheit ist fast al- les möglich. Die Ausführung erfolgt in professioneller Gastro-Technik. Nicht nur Schulmilch kann den Kindern und Jugendlichen in der Schul-„Bar“ angeboten werden: Insbesondere für Ganztagsschulen dürfte von Interesse sein, dass sich durch das Modulsystem auch andere Verpflegungsangebote realisieren lassen. Der Prototyp der „Schulmilch-Bar“ wurde Ende 2000 an der Europaschule Bornheim in Nordrhein-Westfalen eröffnet: An Internet-Terminals checken die Schülerinnen und Schüler beim Milchtrinken ihre E-Mailboxes. Den Soundtrack dazu liefern TV-Monitore. Und zur Bezahlung schiebt der Schüler seine guthabengeladene „SmartCard“ über die Theke. Die zweite bisher gebaute Milchbar steht in der ehrwürdigen Renaissance-Halle des HolbeinGymnasiums zu Augsburg. Die beiden Pilotprojekte haben gezeigt: Bei engagiertem Betreiber und der Mitwirkung eines professionellen Zulieferers/Molkerei lässt sich das Image der Schulmilch vom Grundnahrungsmittel hin zum weißen „PowerGetränk“ wandeln, was zu einer höheren Akzeptanz und steigendem Absatz bei den Schülern führt. 42 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 ■ Aufgepasst! Ganztagsschulen bzw. Schulen, die Ganztagsplätze schaffen, können für den Bau einer Schul-„Bar“ Fördermittel aus dem Investitionsprogramm des Bundes „Zukunft, Bildung und Betreuung“ beantragen. Der Bund gewährt für die zur Gestaltung von Ganztagsschulangeboten notwendigen Neubau-, Ausbau- und Umbaumaßnahmen Finanzhilfen von insgesamt 4 Mrd. Euro für die Jahre 2003 bis 2007. In Hessen stehen für den gesamten Förderzeitraum in der Summe 278 Mio. Euro zur Verfügung. In diesem Jahr sind das Finanzmittel in Höhe von 69 Mio. Euro. Die Förderung beträgt dabei bis zu 90 Prozent der Investitionssumme. Um in den Genuß der Fördermittel zu kommen, muss der Schulträger diese bis spätestens zum 30.04. des jeweiligen Jahres beim Hessischen Kultusministerium beantragen. Entsprechende Antragsformulare können im Internet von der Homepage des Hessischen Kultusministeriums www.kultusministerium. hessen.de unter „Ganztagsschule“ heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung www.bmbf.de unter der Rubrik „Bildung – Zukunft Bildung – Ganztagsschulen“. ■ Informationen Für ausfährlichere Informationen wenden Sie sich am besten direkt an die verantwortliche Architektin: Eveline Jilg-Meiser Dipl.-Ing. Freie Architektin (VDA) Friedensstr. 13 B 63533 Mainhausen Tel.: 06182-897218 Fax: 06182-897219 E-Mail: [email protected] WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE 43 Ein Schultag im Zeichen der Milch Ein neues Angebot der Landesvereinigung Milch Hessen e.V. I mmer mehr Kinder sind der Meinung, dass Kühe lila sind und die Milch aus der Tüte kommt. Sie wissen nicht wie Käse, Joghurt oder Butter hergestellt werden und warum Milch so wertvoll ist. Vor diesem Hintergrund entstand bei der Landesvereinigung Milch Hessen e.V. die Idee, einen Schultag der Milch zu widmen. Im Rahmen des „Milchtages“, einem Projekttag für die ganze Schule, wird den Kindern an einem Schultag dieses alltägliche Nahrungsmittel näher gebracht und seine Vielfalt verdeutlicht. Mit Unterstützung der Landesvereinigung Milch, des Lehrerkollegiums und der Eltern lernen die Schülerinnen und Schüler an insgesamt sechs Stationen, die sie im Laufe des Milchtages nacheinander durchlaufen, nicht nur, wo die Milch herkommt (Station „Der Weg der Milch“). In spannenden „Experimenten rund um die Milch“ bestimmen die Kinder mit einfachen Versuchen, welche Inhaltsstoffe in der Milch stecken. An der Station „Aus Milch wird Käse“ darf beim Käsen mitgeholfen werden. So bekommen die Schüler einen Einblick in die Käseproduktion und erfahren unter anderem, wie die Löcher in den Käse kommen. Wie kinderleicht Butter hergestellt werden kann, zeigt die Station „Wir machen Butter“. Hier ist körperlicher 44 Einsatz gefragt: Damit aus Schlagsahne schließlich Butter wird, muss dieselbe kräftig geschüttelt werden. Beim „Geschmackstest“ werden die eigenen Sinne auf die Probe gestellt: Es gilt, verschiedene Milchprodukte anhand des Aussehens, des Geruchs und natürlich des Geschmacks zu unterscheiden. Und dass Milch nicht nur gesund, sondern auch lecker ist, beweist abschließend die Station „Leckeres aus Milch“, bei der Milchshakes selbst hergestellt und natürlich auch verkostet werden. „Milchtage“ werden vom Schulteam der Landesvereinigung Milch hessenweit durchgeführt. Wer Interesse hat, erhält nähere Informationen bei der Landesvereinigung Milch. ■ Kontakt Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse Hessen e.V. Lochmühlenweg 3 61381 Friedrichsdorf Telefon: 0 61 72/71 06-2 93 Telefax: 0 61 72/71 06-2 96 [email protected] www.milchhessen.de WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE www.essfrust.de Internetprojekt des Frankfurter Zentrums für EssStörungen und des Vereins magersucht.de E ssFrust.de ist ein Kooperationsprojekt des Frankfurter Zentrums für Ess-Störungen und des Vereins magersucht.de. Die Online-Beratung richtet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene, die von Ess-Störungen/ Ess-Sucht bedroht oder bereits betroffen sind. Das Internetprojekt stellt ein innovatives Angebot zur Primär- und Sekundärprävention von Ess-Störungen und Ess-Sucht dar. Schirmherrin der Online-Beratung ist die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger. Gefördert wird es durch den BKK Landesverband Hessen. Das Internet bietet die Chance, Jugendliche und junge Erwachsene durch Aufklärung und Beratung bereits im Vorfeld einer chronischen Erkrankung zu erreichen und somit die Entwicklung eines manifesten Krankheitsbildes zu verhindern. Als anonymes Medium wird das Internet von Betroffenen oftmals genutzt, um zum ersten Mal offen über ihre Krankheit zu sprechen. Gerade bei Personen mit Ess-Störungen, deren Erkrankung zunächst meist unauffällig und im Verborgenen stattfindet, bedeutet dies einen ersten entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer weiterführenden professionellen Beratung. Im Chat besteht die Chance, die soziale Isolation zu durchbrechen und gemeinsam mit anderen BetroffeWWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE nen einen Weg aus der Erkrankung zu finden. Diese Selbsthilfepotenziale sollen durch das Internetangebot maßgeblich gefördert werden. Wir wollen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Ort bieten, an dem sie sich informieren und austauschen können und der ihnen darüber hinaus professionelle Unterstützung bietet. ■ Angebotsmodule ■ Ansprechpartnerin Sigrid Borse Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen Hansaallee 18 60322 Frankfurt Tel: 069/55 73 62 E-Mail: [email protected] www.ess-stoerungen-frankfurt.de › Online-Forum Dieses Newsboard gibt den Betroffenen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und sich kritisch und konstruktiv mit ihrer Erkrankung auseinander zu setzen. › Online-Sprechstunde Die Sprechstunde ermöglicht ein persönliches Online-Gespräch mit einer Beraterin für jeweils 40 Minuten. › Gruppen-Chat Der Echtzeit-Chat dient als Plattform und bietet Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmern die Möglichkeit, sich im Gespräch kennen zu lernen. Die Diskussion wird von einer Beraterin moderiert. 45 Ran an die Pulle! – Kinder trinken oft zu wenig Viele Kinder und Jugendliche trinken zu wenig und zu selten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Paderborn. Mögliche Folgen sind verminderte Aufmerksamkeit und ein Nachlassen des Konzentrationsvermögens. „Trink nicht so viel, dann hast du gleich keinen Hunger mehr!” Klingt Ihnen dieser Satz auch noch in den Ohren? Generationen von Kindern wuchsen mit dem Hinweis auf, zunächst sei der Hunger und dann erst der Durst zu stillen. Diese Volksweisheit gilt jedoch schon lange nicht mehr. Heute heißt es: Kinder sollten über den ganzen Tag verteilt regelmäßig Flüssigkeit aufnehmen, am besten in Form von Wasser, Saftschorlen, Früchte- oder Kräutertees. Ist aber diese Botschaft schon bis zu Eltern und Lehrern vorgedrungen? Dieser Frage nahmen sich Prof. Dr. oec. troph. Helmut Heseker und Prof. Dr. med. Michael Weiss von der Universität Paderborn an und untersuchten die Trinkgewohnheiten unseres Nachwuchses. Heraus kam, dass die durchschnittliche Flüssigkeitszufuhr deutlich unter den empfohlenen Richtwerten liegt. Soll heißen: Kinder und Jugendliche trinken nicht genug. Die 9- bis 13-Jährigen nehmen zum Beispiel rund 20 Prozent zu wenig Flüssigkeit zu sich. Bei den Mädchen sind die Werte im Durchschnitt schlechter als bei den Jungen. Wer zu wenig trinkt, bei dem sinken Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit. Hingegen steigt länger46 fristig die Gefahr, dass sich Harnsteine bilden. Auch das Krebsrisiko im Dickdarm und in den Harnwegen erhöht sich. Also: Lasst die Kinder ran an die Pullen. 6- bis 13-Jährige sollten 1 Liter, 13- bis 19-Jährige 1,5 Liter täglich trinken. Trinken selbstverständlich dazugehören. ■ Eine Flasche Wasser kann überall dort bereitstehen, wo sich Kinder aufhalten: beim Schreibtisch, im Spielzimmer, in der Küche. Auch im Klassenraum können Eltern und Lehrer für Nachschub sorgen: viele Getränkelieferanten bringen die Wasserkiste gerne direkt ins Klassenzimmer. ■ Bei jeder Anstrengung wie auch bei Hitze sollte darauf geachtet werden, dass Kinder den Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen, das heißt ausreichend trinken. ■ Kinder haben – wie übrigens ältere Menschen auch – nur ein schwach ausgeprägtes Durstempfinden. Daher ist es um so wichtiger, dass sie sich an regelmäßiges Trinken gewöhnen. Dazu sollten Lehrer und Eltern Kinder immer wieder ermuntern: Ran an die Pulle! ■ Tipps Hier ein paar Tipps zum „richtigen“ Trinken und wie die empfohlene Menge erreicht werden kann: ■ ■ Zum Essen sollten immer auch Getränke angeboten werden. Allerdings ist nicht jedes Getränk geeignet. Süße Säfte und Limonaden sollten die absolute Ausnahme sein. Gut geeignet sind Wasser, Saftschorlen sowie Früchte- oder Kräutertees. Auch Milch sollte regelmäßig getrunken werden – aber sie zählt aufgrund ihres Eiweißund Fettgehaltes eher als Lebensmittel denn als Getränk und wird daher nicht als Flüssigkeitsspender gerechnet. Zu jedem Schulfrühstück und in jede Sporttasche gehört immer ein Getränk. Lehrer sollten regelmäßige Trinkpausen im Unterricht einplanen; zu den Sportstunden sollte WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE FOOD EXPERIENCE DAY an der Justus Liebig Schule Darmstadt 350 Schüler sammeln Erfahrungen rund um das Thema Nahrungsmittel, Ernährung und Körperbewusstsein. Die Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. führte am Donnerstag, den 8. Juli. 2004 in der Justus Liebig Schule in Darmstadt die neunte von insgesamt dreizehn Veranstaltungen in diesem Jahr zum Thema Ernährung, Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Körperbewusstsein in hessischen Schulen durch. Unter dem Titel „Food Experience Day“ wird den Schülern und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 5-7 bewusste und gesunde Ernährung näher gebracht. Diese Aktion wird gemeinsam mit dem hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz und der CMA der Centralen-Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft durchgeführt. Gleichzeitig ist die Veranstaltungsreihe in die Konzeption „Schule & Gesundheit“ (Hessisches Kultusministerium) in Verbindung zu den Modulen „Ernährung“ und „Bewegung“ integriert. Der „Food Experience Day“ ist damit ein „Meilenstein“ auf dem Weg zur „Gesundheitsfördernden Schule“ und als eine mögliche Qualifizierungsmaßnahme anerkannt. Hintergrund der Aktion ist, dass sich in den letzten Jahrzehnten das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen drastisch verändert hat. Über- bzw. Untergewicht tritt erschreckend häufig auf, mit all seinen Auswirkungen auf das Lernverhalten, die körperliche Konstitution und langfristigen Folgen für die Gesundheit. Der Anteil der Schüler, die sich vom Schulsport befreien lassen, steigt stetig an, ebenso wird eine zunehmend schlechtere Konzentrationsfähigkeit beklagt. Nach der WHO-Studie ist diese Problematik ein Ergebnis verschiedener Faktoren so wie vor allem das Ernährungsverhalten, der Bewegungsmangel und auch soziale Hintergründe. Im Ernährungswissen der Kinder und Jugendlichen klaffen „große Kenntnislücken und vor allem handlungsgeleitetes Denken“, dies gilt gleichermaßen für die Bereiche Nahrungsmittelerzeugung, Weiterverarbeitung und Zubereitung von Speisen. ZusätzDer „Food Experience Day“ in lich verschwindet auch automatisch die Darmstadt wird der letzte vor den Wertschätzung für natürliche LebensSommerferien sein. Bisher konnten rd. mittel an sich. Dies äußert sich u.a. da4.000 Schüler den „Food Experience rin, dass beim Einkauf „Fast Food“ und Day“ erleben und eigene Erfahrungen „Convenience“ Produkte eine immer sammeln. größere Rolle spielen. Der Bezug zu WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Nahrungsmitteln im Allgemeinen und zu regionalen Erzeugnissen im Speziellen wird immer geringer. Kurzum, das Wissen um regionale Nahrungsmittelproduktion, Lebensmittelsicherheit und Nahrungsergänzungsmittel und die Erfahrung im Umgang mit Lebensmitteln wird durch ungünstige Essgewohnheiten in den Familien und einer modernen Lebensgestaltung immer geringer. Der Grundstein für eine ausgewogene Ernährung kann nicht früh genug gelegt werden, erklärte Walter Schütz, Vorsitztender des Regionalbauernverbandes Starkenburg, anlässlich der Veranstaltung in der Justus Liebig Schule in Darmstadt. Da viele Eltern ihren Kindern heutzutage nicht mehr erklären könnten, wo die Lebensmittel herkommen, übernehme die Schule hier eine Wichtige Aufgabe. Kindern und Jugendlichen ein Verständnis für die Lebensmittel sowie deren Herkunft zu vermitteln, sollte Inhalt eines jeden Lehrplans sein. Durch gezielte Aktionen soll hierfür mehr Aufmerksamkeit und Interesse geweckt werden. Der „Food Experience Day“ soll den Kindern einen Überblick rund um das Thema Ernährung geben. Dazu ist der Tag in zwei Einheiten aufgeteilt. Im ersten Teil durchlaufen die Klassen 47 NETZWERKZEITUNG SCHULE & GESUNDHEIT 2004 die mit Fachleuten besetzten Stationen zu den Themen Landwirtschaft, Ernährung, Sport und Bewegung, Nahrungsmittelsicherheit und Kochen, bei denen die Referenten Einblicke sowie Antworten zu den jeweiligen Themenbereichen geben. Weitere Stationen bilden der Marktplatz mit Aktionen wie Milchgeschmackstest, Getreidequetschen, Rapsölpressen, Popcorn Herstellen etc. und das „Foodmobil“ mit einem Quiz rund um das Thema Landwirtschaft. Im zweiten Teil des Tages kochen die Schüler in den Klassen. Dazu wird das komplette Küchen-Equipment von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt. Als Gericht wird Kartoffeln mit Frankfurter Grüner Soße und Erdbeeren mit Milch als Nachspeise zubereitet. ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND ENTSPANNUNG sprechende Art werden die Themen interessant dargestellt und vermittelt. Das Projekt ist speziell auf Schulen zugeschnitten. Beim „Food Experience Day“ wird der Bereich Lebensmittel zum ausschließlichen Thema erhoben. Dabei erfolgt eine zielgruppengerechte Umsetzung, die gewährleistet sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen zu erreichen. Die Referenten der einzelnen Themenbereiche haben sich bereiterklärt, auch nach dem Aktionstag zur Verfügung zu stehen. Auch die Landwirtschaft unterstützt Lehrer und Schüler auf vielfältige Weise mit umfangreichem Unterrichtsmaterial, aber auch mit interessanten Veranstaltungen und Fortbildungen zum Thema Landwirtschaft und Ernährung. Bereits im Herbst 2002 wurden zwischen dem Hessischen Sozialministerium und der Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. Gespräche darüber geführt, wie unter Beteiligung des damaligen Hessischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten eine Aktion umgesetzt werden kann, die SchülerInnen und LehrerInnen aktiv in Maßnahmen rund um das / die Nahrungsmittel einbindet. Im Jahre 2003 wurde in Gesprächen mit dem Hessischen Kultusministerium überlegt, wie sich dieser sogenannte „Ernährungs- und Bewegungstag“ in Schulen in eine Konzeption einbauen ließe. Die Folge war die Integration in den Bereich „Schule & Gesundheit“, was vor allem die Nachhaltigkeit des „Food-Experience-Day“ verstärkt. Während der Aktion soll aber nicht „mit erhobenem Zeigefinger“ auf die SchülerInnen zugegangen werden. Durch ein aktives Einbinden der LehrerInnen bzw. der Schulleitung und eine der Alterstufe entgegenkommende, an- 48 WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE Der Regionalbauernverband Starkenburg e.V. auch stark in der Schülerinformation und der Lehrerweiterbildung W ie es sich für den größten hessischen Zusammenschluss von Landwirten gehört, widmet sich der Regionalbauernverband Starkenburg e.V. unter seinem Vorsitzenden Walter Schütz einer Vielzahl von Tätigkeiten, die über den Rahmen der eigentlichen Aktivitäten eines Bauernverbandes hinausgeht. Selbstverständlich gehört ein Hauptaugenmerk seiner Arbeit den Mitgliedern, denen er in vielfältigster Weise unterstützend und Rat gebend zur Seite steht. Darüber hinaus ist es aber auch eine selbst gestellte Aufgabe sich gemeinsam mit dem Hessischen Bauernverband um die Fortbildung von Lehrkräften und MIT DER Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. um die Vermittlung von schwierigen Sachthemen aus dem Bereich Landwirtschaft und Ernährung zu engagieren. Die derzeitigen Planungen für das Jahr 2005 enthalten daher auch Schwerpunkte, die eine Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region Starkenburg festigen und vertiefen sollen.So werden z.B. in der Region den Schulen Möglichkeiten von Fortbildungstagen angeboten, die seitens des Regionalbauernverbandes durch qualifizierte landwirtschaftlich ausgebildete Fachkräfte erfolgen. Auch engagiert sich der Regionalbauernverband über eine Kooperation von Landwirten bzw. größeren Zusammenschlüssen WWW.SCHULEUNDGESUNDHEIT.HESSEN.DE darum, als Zulieferer aus der Region Essen in den Schulkantinen anbieten zu können. Dabei ist es auch wiederum der Vorsitzende Walter Schütz, der hier gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Peter Gheorgean, die treibende Kraft darstellt. Wie die Einstellung des Vorsitzenden in dieser Frage ausfällt ist in einer Veröffentlichung im Landwirtschaftlichen Wochenblatt im Juli 2004 entsprechend nachzulesen. Schütz führte dort aus: „Der Grundstein für eine ausgewogene Ernährung kann nicht früh genug gelegt werden. Da viele Eltern ihren Kindern heutzutage nicht mehr erklären können wo die Lebensmittel herkommen, übernehme die Schule hier eine wichtige Aufgabe. Kindern und Jugendlichen ein Verständnis für die Lebensmittel und deren Herkunft zu vermitteln sollte Inhalt jedes Lehrplans sein. Die Landwirtschaft unterstützt Lehrer und Schüler auf vielfältige Weise mit umfangreichen Unterrichtsmaterialien, aber auch mit interessanten Veranstaltungen und Fortbildungen zum Thema Landwirtschaft und Ernährung.“ In diesem Zusammenhang ist auch der „FOOD EXPERIENCE DAY“ zu sehen, der seitens der Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. in direkter Abstimmung mit der Landwirtschaft den in Frage kommenden Schulen und den Schülern der Sekundarstufe 1 die Möglichkeit bietet sich über Fragen der Nahrungsmittelerzeugung, der Weiterverarbeitung, der gesunden Ernährung, der Hygiene und der Bedeutung einer vernünftigen Ernährung im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten zu informieren. Gemeinsam mit dem Kultusministerium, unter Federführung von Frau Dr. B. Zelazny, sind hier bereits 12 Veranstaltungen durchgeführt worden, zuletzt natürlich auch in der Region Starkenburg und unter Beteiligung des dortigen Regionalbauernverbandes.Besonders wichtig ist es auch, so die Einschätzung von Walter Schütz, dass in den unterschiedlichen Schultypen schülergerecht vorgegangen wird. Mit Sicherheit ist das Thema Ernährung einem 5. und 6. Schuljahr anders vorzustellen als z.B. einer Oberstufe. Auch hier hat der Regionalbauernverband Stakenburg entsprechende Konzepte gemeinsam mit dem Hessischen Bauernverband ausgearbeitet, die jederzeit abrufbar und praxisnah umgesetzt werden können. Interessierte Schulen sind gerne eingeladen, sich direkt mit der Geschäftsstelle bzw. dem Geschäftsführer Peter Gheorgean (Tel. 06155-3494) in Verbindung zu setzen, um Näheres erfahren zu können bzw. um ein gemeinsames Gespräch zwecks Abstimmung eventueller Aktivitäten zu vereinbaren. 49 Hessisches Kultusministerium Luisenplatz 10 65185 Wiesbaden www.kultusministerium.hessen.de