entzündung - MedUni Wien

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ENTZÜNDUNG
Definition: Entzündung ist die Reaktion des Organismus
auf die Einwirkung eines Reizes, dessen Intensität
so groß ist, dass an seinem Wirkungsort eine
Struktur- und Funktionsschädigung entsteht
Zweck:
Neutralisation
Lokalisation und Beschränkung
Reparation
Entzündungsreize
1. Physikalisch: Strahlen, Wärme, Kälte, mechanisch
2. Chemisch: Säuren, Laugen, Schwermetalle, Toxine
Enzyme (z. B. Pankreatitis)
3. Mikroorganismen
4. Würmer und Insekten
5. Immunologisch: Allergien, Autoimmunerkrankungen
6. Maligne Neoplasmen
Einteilung
Pathologisch-anatomisch:
¾Exsudativ: serös (Serumdiapedese)
fibrinös = pseudomembranös (Plasmadiapedese
purulent = eitrig (Leukodiapedese)
hämorrhagisch (Erythodiapedese)
¾Nekrotisierend oder alterativ: ulcerös
gangräneszierend = verjauchend
¾Proliferativ: granulomatös
Zeitlich:
¾Kurz dauernd (akut)
¾Lang dauernd (chronisch)
DIE AKUTE ENTZÜNDUNG
Kardinalsymptome nach Celsus
¾RUBOR
¾CALOR
¾TUMOR
¾DOLOR
¾FUNKTIO LAESA
Verursacht durch:
ƒGefäßerweiterung
ƒPermeabilitätssteigerung
ƒAustritt von Plasma und Entzündungszellen
ƒAktivierung der molekularen und zellulären
ƒEffektormechanismen
Zeitlicher Ablauf
1. Störung der Mikrozirkulation
Reizeinwirkung
Katecholamine
Konstriktion
Alteration
Histamin
Vaso-Dilatation
Verbesserte Durchblutung, hellrote
Verfärbung, Rubor
Steigerung des Stoffwechsels, als
Wärme empfunden, Calor
2. Steigerung der Gefäßpermeabilität
Zustand der Gefäßwand beeinflusst durch
¾ Mediatoren: im Anfangsstadium Histamin
Substanz P, Prostaglandine
¾Zerstörung der Basalmembran durch direkte thermisch
Einflüsse, Enzyme (Proteasen) oder bakterielle Toxine
ungenügende Filterwirkung, pathologisches Exsudat,
Kompression der Lymphgefäße
Flüssigkeitsansammlung, Schwellung, Tumor
¾Adhäsion von Thrombozyten an Gefäßwand-Thrombose
Schmerzempfindung (Dolor):
Wichtig zur Erkennung der Gefahr durch Noxen
Noxe wirkt:
¾Direkt durch Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren)
¾Durch Zellschädigung freiwerdende K+-Ionen
¾Mastzellaktivierung, Freisetzung von Histamin
Freisetzung von Substanz P (Neurotransmitter),
kann wieder Histamin freisetzen
Positive Rückkopplung
¾Kontaktaktivierung des Hagemanfaktor,
Bradykinin Produktion
¾Histamin und Bradykinin fördern die Bildung
von PGE in intakten Zellen
Heftige Entzündungen führen zu folgenden
systemischen Veränderungen:
¾Leukozytose
¾Fieber
¾Veränderung der Plasmaproteine
¾Beschleunigte Blutsenkung
¾Erhöhter Neopterinspiegel in Blut und Harn
LEUKOZYTOSE
Produktions-Leukozytose
Vermehrte Ausschwemmung von Leukozyten
aus dem Knochenmark durch z.B. IL-1
Linksverschiebung
25.000 Leukozyten/mm3 im peripheren Blut
Aktivierung der Leukozyten, besonders
der neutrophilen Granulozyten
Morphologisch: toxische Granula, Lysosomen
Margination der Leukozyten
Leukozytendiapedese
¾Neutrophile Granulozyten
Aufgabe: Phagozytose und Inaktivierung der Noxe
Freigesetzte lysosomale Enzyme verstärken
Gewebszerstörung
¾Monozyten
Nach Auswanderung aus Blutbahn Differenzierung zu
Makrophagen
beseitigen Abfallprodukte der Granulozyten
Oberflächenrezeptoren, Phagozytose
Angriff auf pathogene Mikroorganismen
(Mykobakterien, Leishmanien, Toxoplasmen)
FIEBER
Bei Entzündungen, vor allem infektiöser Genese,
Freisetzung von Mediatoren, die zu einer Erhöhung
des Temperatur-Sollwertes im hypothalamischen
Thermoregulationszentrum führen:
¾Exogene Pyrogene (Endotoxine Gram-negativer Bakterien)
bei Kontakt mit Makrophagen Produktion von
¾Endogenen Pyrogenen
Interferone induzieren endogene Pyrogene wie z.B.
Interleukin 1, TNF α
VERÄNDERUNG IN DER ZUSAMMENSETZUNG
DER PLASMAPROTEINE
IL-1 stimuliert die Leber zur Produktion von
‚Akute Phase Proteinen‘
Akute Entzündung: alpha-2 und beta-Globuline
Chronische Entzündung: gamma-Globulin-Fraktionen
Wichtigste Proteine (100-1000facher Anstieg)
¾C-reaktives Protein (CRP)
¾Serumamyloid A (SAA)
CRP
Name abgeleitet von Fähigkeit mit C-Polysaccharid
der Pneumokokken zu reagieren.
Bindet an Oberflächenstrukturen von
Bakterien und Pilzen und erleichtert die
Phagozytose (Opsonisierung)
Aktiviert die Komplementkaskade (klassisch)
Weitere Akute Phase Proteine:
Mit 2-4 facher Erhöhung: alpha-1 anti-Trypsin
alpha-1 anti-Chymotrypsin
Fibrinogen
Haptoglobin
Anstieg um etwa 50% der normalen Serumkonzentration:
Caeruloplasmin
C3
Weitere Proteine die ansteigen: C2, C4, C6, C9, Faktor B
Kininogen
Serumferritin
SAA
Problem bei langandauernden Entzündungen:
Durch Proteasen entstehen Spaltprodukte,
die sich aneinander lagern und unlösliche Fibrillen bilden.
Es entseht eine Begleitamyloidose
vom retikulären Typ.
BLUTSENKUNGSREAKTION (BSR)
Globaler Indikator für die Zusammensetzung der
Plasmaproteine.
Durch Veränderung des Proteinmusters (alpha-2
Globuline) sedimentieren Erythrozyten schneller:
Beschleunigte BSR über 25mm/h
Normal 5-15mm/h
Unspezifischer in vitro Parameter
Sensitivität 98%
CHRONISCHE ENTZÜNDUNG
Akute Entzündung
Heilung
Elimination
Chronisch
Persistenz
Tod
Wichtigster Mediator IL-1:
Proliferation von Fibroblasten
Sekretion von Kollagen
Kapselbildung
Wichtige persistierende Reize
¾Fakultativ intrazellulär lebende Mikroorganismen
(Mykobacterium tuberkulosis)
Parasiten wie Leishmanien
¾Extrazelluläre Mikroorganismen (Salmonellen in
Gallenwegen, Anaerobier in Zahngangränen)
¾Fremdkörper
¾Autoimmunerkrankungen
¾Tumore
¾Physikalische und chemische Reize
Veränderungen von Makrophagen
Zur Elimination, Lokalisation und Abkapslung
von Entzündungsherden
z. B. beim Granulom vom tuberkulösen Typ
Zu Epitheloidzellen:
Haben keine Rezeptoren für Phagozytose,
gut entwickeltes Ergastoplasma
Produktion von Fibroblasten-aktivierenden Faktor (FAF)
Riesenzellen:
Durch Zellfusion
MEDIATOREN
- Wirkstoffe der interzellulären Kommunikation
- bei pathologischen Prozessen in Geweben oder Blut aus Vorläufern
gebildet und sezerniert
- meist parakrine Wirkung (selten: autokrin, endokrin)
- unterschiedliche chemische Substanzen
1. Lipidmediatoren
Arachidonsäuremetaboliten
PAF = platelet activating factor
2. Biogene Amine
Histamin, Serotonin
3. Kinine
Bradykinin
4. Anaphylatoxine
Komplementspaltprodukte C3a, C4a, C5a
5. Sauerstoffradikale
6. Interleukine und Interferone
Mediatoren und ihre Wirkungen
Gefäßtonus
GefäßPermeabilität
Thrombozyten
-Aggregation
Leukozyten
Bronchien
Magen
Uterus
Schmerz
PGE2
Dilatation
Zunahme
Hemmung
-
Dilatation
Schutz
Kontraktion
Auslösung
PGF2α
Kontraktion
Kontraktion
-
PGD2
Kontraktion
-
Hemmung
Chemotaxis
Konstriktion
-
-
Auslösung
PGI2
Dilatation
Zunahme
Hemmung
-
-
-
-
-
TXA2
Kontraktion
-
Förderung
-
Konstriktion
-
-
-
LTB4
-
Zunahme
-
Chemotaxis
-
-
-
-
LTC4
Kontraktion
Zunahme
-
-
Konstriktion
-
-
-
LTD4
Kontraktion
Zunahme
-
-
Konstriktion
-
-
-
Kontraktion
Zunahme
Förderung
Chemotaxis
Konstriktion
-
-
-
Lipidmediatoren
Arach-Sre.Deriv
PAF
↑ Mucus-Sekretion
↑ Durchblutung
-
-
-
Konstriktion
Schutz
↑ Mucus-Sekretion
(Lungengefäße +
Koronarien)
Dilatation
(periph. Gefäße)
Mediatoren und ihre Wirkungen
Gefäßtonus
GefäßPermeabilität
Thrombozyten
-Aggregation
Leukozyten
Bronchien
Magen
Uterus
Schmerz
Dilatation
Zunahme
-
-
Konstriktion
↑ SäureProduktion
Kontraktion
Auslösung
Biogene Amine
Histamin
(kleine Gefäße;über H1 und H2 -Re ze ptor)
(über H1 Re ze ptor)
Konstriktion
(große Gefäße; über
H1 - Re ze ptor)
Serotonin =
5-Hydroxytryptamin
Zunahme
Förderung
-
Konstriktion
-
Kontraktion
Auslösung
Dilatation
Zunahme
-
-
Konstriktion
-
Kontraktion
Auslösung
Kontraktion
Zunahme
Förderung
Chemotaxis
Konstriktion
-
-
Auslösung
Dilatation
Zunahme
-
Chemotaxis
-
-
-
-
Dilatation
oder
Konstriktion
(abh. von
Kreislaufabschnitt)
Kinine
Bradykinin
Anaphylatoxine
C5a
Sauerstoff-Radikale
⋅ O2 −
Lipidmediatoren
Arachidonsäuremetaboliten
(= Eikosanoide)
- entstehen aus Arachidonsäure (= 4-fach ungesättigte C20Fettsäure)
- Arachidonsäure: aus Membran-Phospholipiden durch
Phospholipase A2 freigesetzt
A. Prostaglandine und Thromboxane
Entstehung durch Cyclooxygenase (COX) katalysiert
B. Leukotriene
Entstehung durch Lipoxygenase (LOX) katalysiert
C. Lipoxine
vor kurzem entdeckt, biolog. Bedeutung unklar
Wirkung: - Superoxidanion-Radikal-Produktion
- Freisetzen lysosomaler Enzyme aus Leukozyt
Interferone
= Glykoproteine: gebildet als Antwort auf virale bzw. bakterielle Infektion
oder auf antigenen bzw. mitogenen Stimulus
IFN-α: von Leukozyten gebildet; v.a. antivirale Wirkung
IFN-β: von Fibroblasten gebildet; v.a. antivirale Wirkung
IFN-γ: von T-Zellen gebildet; v.a. immunmodulatorische Wirkung
Antivirale Wirkung
Nicht direkte Wirkung auf Virus, sondern Wirkung auf befallene Zelle
→ Hemmung von Virus-Replikation
Immunmodulatorische Wirkung
- antiproliferativ, antimitogen
- autokrine Steigerung von IFN-Synthese
- Induktion der Freisetzung weiterer Mediatoren
- ↑ NK-Aktivität
- ↑ Makrophagen-Aktivität
- ↑ Expression von MHC-Antigenen
- Reversion von malignen Phänotyp
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