Tabellarische Geschichte der Glasbau- Architektur - Glasbau

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Tabellarische Geschichte der Glasbau- Architektur
Steinzeit
~ 20000 - 3000 v. Chr.
Zeitalter der Hochkulturen
~ 3000 - 330 v. Chr.
Antikes Rom
~ 330 v. Chr. - 537 n. Chr.
Mittelalter
~ 500 - 1500
Zeitalter der Glaubensspaltung
~ 1500 - 1650
Zeitalter der Vernunft
~ 1650 - 1750
Zeitalter der Revolution und Restauration
~ 1750 - 1850
Zeitalter des Imperialismus
~ 1850 - 1918
Zeitalter zwischen den Weltkriegen und des 2. Weltkrieges
~ 1918 - 1950
Zeitalter des kalten Krieges
~ 1950 - 1990
Zeitalter der Globalisierung
~ 1990 -
Steinzeit (~ 20000 - 3000 v. Chr.):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Mehr als 12000 v. Chr.:
Mehr als 10000 v. Chr.:
Aus der Osttürkei ist aus dieser Zeit die älteste bekannte Anwendung von Kalkmörtel als Baumaterial bekannt.
Verwendung von natürlichem Glas (Obsidiane) für Schmuck, Werkzeuge und Waffen
Vor mehr als 10000 Jahren entwickeln die Jäger und Sammler der
Steinzeit die ersten Leicht- oder Skelettbauten, indem sie zeltartige
Behausungen durch dünne, in den Boden gerammte Äste mit daran
befestigten Schilfmatten oder Tierhäuten herstellen.
Nach einer Vermutung von JANE JACOBS, amerikanische Stadthistorikerin, werden im Jordantal um 9000 vor Chr. die ersten dorfähnlichen Siedlungen errichtet. Eines der wichtigsten Materialien
zur Herstellung von Werkzeugen und weiteren Gegenständen ist
das vulkanische Glas Obsidian. JACOBS vermutet, dass zwischen
den Siedlungen Handelsbeziehungen bestanden haben müssen.
So entsteht eine neue Theorie, dass nicht der Ackerbau die Menschen sesshaft machte, sondern der Handel. Jacobs spricht deshalb von einer Stadt 'New Obsidian', also von einer ersten Handelsniederlassung, die zur Sesshaftigkeit geführt und den Ackerbau
nach sich gezogen haben muss.
Um 9000 v. Chr.:
In der Jericho- Kultur in Palästina wird Kalk als Bindemittel des
Mörtels bei der Herstellung von Ziegelbauten benutzt.
Um 6000 v. Chr.:
Um 5500 v. Chr.:
Zufällige Herstellung von Glasperlen
Um 3.500 v. Chr.:
Beginn der gezielten Glasproduktion
Um 3.500 v. Chr.:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
In dieser Zeit wird der gebrannte Ziegel erfunden, wodurch auch in
Regionen ohne Bruchstein der Bau von festen Häusern möglich
wird. Damit der Ziegel einen bestimmten Sinterungsgrad erreicht,
muss er - in Abhängigkeit von der verwendeten Tonsorte - 8 bis 15
Stunden bei konstanter Temperatur zwischen 900 bis 1150 Grad
Celsius gebrannt werden. Zu schwach gebrannte Ziegel sind weich
und zerbröseln, zu stark gebrannte schmelzen dagegen zu einer
glasähnlichen Substanz.
Aus diesem Grunde ist davon auszugehen, dass die gezielte
Herstellung von Glas im Zusammenhang mit der Innovation des
Ziegelbrennens - für beide Werkstoffe sind Öfen notwendig - steht.
Mit dem gebrannten Ziegel steht dem Menschen zum ersten Mal
ein Baustoff zur Verfügung, dessen Format genormt wird und
deshalb in Massnefertigung hergestellt werden kann.
Zeitalter der Hochkulturen (~ 3000 - 330 v. Chr.):
Zeit:
Um 1500 v. Chr.:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Herstellung von Hohlgefäßen in Sandkerntechnik aus Kalk- NatronGlas
Um 1200 v. Chr.:
Abfassung der Bibel. In ihr wird die Bauweise mit Kalkmörtel an
mehreren Stellen erwähnt.
Um 1000 v. Chr.:
Eisen wird als Werkstoff hergestellt.
Um 1000 v. Chr.:
König David baut in Jerusalem, seiner Residenzstadt, Zisternen, in
denen der aus Kalk und Lehm bestehende wasserfeste Putz noch
heute erhalten ist.
Um 800 v. Chr.:
Entstehung der ersten griechischen Tempel. Heute wird davon
ausgegangen, das für diese einmalige Leistung der Gebäudetyp
des Megaron- Hauses - das aus einem Hauptraum mit einer
verschatteten Vorhalle besteht - den Grundriss dafür geliefert hat.
Um 650 v. Chr.:
Assyrische Tontafel mit Glasrezeptur
Als Legende über Alexander den Grossen wird überliefert:
Vor 333 v. Chr.:
Vor 400 v. Chr.:
"Eines Tages wächst in seinem Herzen der Wunsch, die Meerestiefe zu erkunden und zu sehen, welche Tierarten es dort gibt. Er
lässt Glasmacher zu sich kommen und befiehlt ihnen, ein Fass aus
kristallklarem Glas zu machen. An angeschmiedeten Eisenketten
halten es die stärksten Soldaten. Dann steigt er hinein, lässt die Tür
mit Pech verkleben und taucht ins Meer hinab."
Die griechische Stadt Priene an der Westküste Kleinasiens wird
nach den hellenistischen Prinzipien der Orientierung zur Sonne
angelegt. Die Gebäude sind sich alle sehr ähnlich; jedes Haus hat
einen Innenhof. In dem nach Norden liegenden Gebäudeteil
befinden sich die Wohnräume, der nach Süden liegende Hauptraum
hat eine verschattete Vorhalle (Prinzip des Megaron- Hauses, siehe
Um 800 v. Chr.).
Das griechische Hofhaus ist eine Weiterentwicklung des Megarons,
das über einen mit einer umlaufenden Säulenreihe versehenen
Innenhof verfügt. Im Sommer gewährt der Innenhof (Norden) eine
Verschattung, im Winter ermöglicht der megaronartige Gebäudeteil
(Süden) die passive solare Nutzung des Sonnenlichts.
Antikes Rom (~ 330 v. Chr. - 537 n. Chr.):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Um 100 v. Chr.:
Erfindung der Glasmacherpfeife in Sidon
Bis 79 v. Chr.:
ist eine erste Verwendung von Flachglas in den Fenstern der
öffentlichen Gebäude und den Häusern reicher Römer in Pompeji
bekannt.
Um 64 v. Chr.:
SENECA schreibt über den Gebrauch von Fensterscheiben und
betont ihre überaus luxuriöse Verwendung in den römischen Bädern.
Man habe den ganzen Tag Sonne durch große Fenster und freien
Blick auf Landschaft und Meer.
Der Bauingenieur VITRUV veröffentlicht sein Werk De architectura
libri decem. Fensterglas wird von ihm nicht erwähnt!
Um 25 v. Chr.:
Zwischen 60 und 100:
Um 100:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Die Offenbarung des Johannes entsteht als letztes Buch der Bibel.
Bei der Beschreibung der Herrlichkeit des 'Neuen Jerusalems' wird
die Schönheit der Stadt mit 'reinem Glas' verglichen. Insbesondere
dieser Text weist u.a. auf die Bedeutung des (klaren) Glases in der
Antike hin.
Erfindung des römischen Gussglases.
Ab Mitte des 2. Jh. werden in den nördlichen Provinzen des
Römischen Reiches wie Germanien, Gallien und Britannien
Fenstergläser in Villen und militärischen Anlagen verwendet.
Die Farben der im Gussverfahren hergestellten Gläser reichen von
bläulich- grünlich bis weißlich. Daneben gibt es Mundgeblasenes
helleres Glas.
305:
Palastaula von Trier entsteht, in der - im Vorgriff auf die Gotik - das
alte Verhältnis von Wandfläche zu Fensteröffnung (>10:1)
umgekehrt erscheint. Die Scheiben leuchten Monochrom (einfarbig)
mit einer opaken Tönung und tauchen den Raum in ein weißlich
leuchtendes Licht.
Ab 4. Jh.:
Erste Dokumente über die Kunst der Buntverglasungen und
künstlerische Gestaltung von Fenstern in den frühen Schriften
christlicher Autoren. In dieser Zeit wird eine Ausstattung der Kirchen
mit Glasfenstern üblich.
PRUDENTIUS, SIDONIUS APPOLINARIS und GREGOR VON TOURS
erwähnen und beschreiben farbig leuchtende und transluzente
Fenstergläser.
Aus dieser Zeit stammen ebenfalls die frühesten fragmentarischen
Funde von bunt gefärbtem Glas. Im Westen sind die Funde eher
seltener, sie vermehren sich jedoch gegen Osten insbesondere in
byzantinischer sowie frühislamischer Zeit.
Das Glas wird Mundgeblasen oder gegossen und kommt in Fenstern
und Ornamenten zum Einsatz.
6. Jh.:
Einzig erhaltene farbige Glasstücke aus dieser Zeit stammen aus
der Basilika S. Vitale in Ravenna. Die Farben reichen von tiefblau,
violett und rotbraun bis zu hellgrün, gelb und weiß.
Römische Wölbekunst mit dem Baustoff Opus caementitium
entsteht. Ihre Ausgangspunkte hat sie im Nahen Osten und im
hellenistischen Griechenland. Ihre Einführung ist für das Bauwesen
so bedeutend, wie es erst wieder die Entstehung des Stahlbaus im
19. Jahrhundert ist.
100 - 550:
Das Pantheon, erstmals 27 v. Chr. errichtet und um 117-130 n. Chr.
erneuert, hat eine 40 m hohe Kuppel mit einer Spannweite von 43
m und ist ein beeindruckendes Zeugnis römischer Leistungsfähigkeit, das zeigt, wie mit Steinen druckfeste Tragwerke zu errichten
sind. An diese Leistung knüpft FILIPPE BRUNELLESCHI (1377-1446)
mit seiner Florentiner Domkuppel (1434) erst ca. 1300 Jahre später
wieder an. Weitere in Wölbetechnik ausgeführte Bauwerke sind die
bekannten Äquadukte (ab ca. 100) und die Haga Sophia (532-537)
in Konstantinopel als letzter großer Bau dieser Epoche. Die Ostgoten zerstören nach der Eroberung Roms (537) viele dieser
Bauten oder sie verfallen ungenutzt. Mit dem Untergang Roms
gehen den Baumeistern des frühen Mittelalters viele Fähigkeiten
zum Ausführen dieser leichten Bauweise verloren.
Mittelalter (~ 500 - 1500):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
9. Jh.:
Der Heiligenkopf aus dem Kloster Lorsch entsteht als bedeutendes
Denkmal für die Geschichte der Glasmalerei. Das ist ein Hinweis
darauf, dass im 'dunklen' Mittelalter sich die Kunst farbige und
bemalte Gläser herzustellen in dieser Zeit weiterentwickelt haben
muss.
Ab ca. 900:
Herstellung von Waldglas aus Sand, Kalk und Pottasche
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Beginn der Frühgotik u.a. mit den Bauten von Saint Denis und
Chartres. Das Erstes Zeitalter der Glasarchitektur beginnt.
Um 1150:
Ca. 900 - 1300:
Herstellung von Waldglas in Klosterhütten
1100:
THEOPHILUS Schrift Schedula diversarium artium erscheint über Glasrezeptur und Herstellung
Seit 1200:
Herstellung reinen Kristallglases in Venedig
Seit 1250:
Herstellung von Brillengläsern
14. Jahrhundert
Die Fachwerkbauweise setzt sich in vielen mittelalterlichen Städten
durch. Diese Holzbauweise fordert gerade zu eine ausgiebige
Befensterung heraus, wie auch alle anderen Fachwerkhaustypen
und die Skelettbauweise (siehe 1880-1900 1.Schule von Chicago).
1556:
GEORGE AGRICOLA schildert Praxis des Glasmachens in De re
metallica.
Zeitalter der Glaubensspaltung (~ 1500 - 1650):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
PALLADIO verfasst Quadro Libri dell' Architektura, das die Renaissance beeinflusst.
1570:
Um 1600:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Nachdem das Prinzip der 'Sonnenfalle' - welches darauf beruht, dass
Glas für die Kurzwellenstrahlung der Sonne durchlässig ist und die
hinter dem Glas liegenden Materialien durch die Sonnen-strahlung
erwärmt, die ihrerseits wiederum eine Langwellenstrahlung mit
niedriger Temperatur abgeben, für die das Glas nicht durchlässig ist
(Gewächshauseffekt) - (neu) entdeckt wird, entstehen in Europa
vermehrt Gewächshausbauten.
In den nächsten 250 Jahren entwickelt sich das Gewächshaus zu
einem völlig eigenständigen Bautyp und hat seinen Höhepunkt in
PAXTONS Crystal Palace 1851. Es beeinflusst maßgeblich die Bautypen Passage, Bahnhof, Museum und Ausstellungsbau.
Zeitalter der Vernunft (~ 1650 - 1750):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
1676:
Bleikristallglas (Flintglas) wird in England hergestellt.
1679:
JOHANN KUNCKEL verfasst Ars vitraria experimentalis, das als Lehrbuch der Glasfabrikation bis ins 19. Jh. gültig bleibt.
1685:
Spiegelsaal von Versailles wird fertig gestellt
1688:
NEHOU entwickelt das Gießverfahren neu. Der Name Spiegelglas
weist auf die hauptsächliche Verwendung hin.
1693:
Chateau de Saint Gobain wird Ursprungsort der neueren französischen Glasindustrie.
1696:
In England wird die 'Fenstersteuer eingeführt.
1748:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
In Paris entsteht das Ecole des Ingenieurs
Zeitalter der Revolution und Restauration (~ 1750 - 1850):
Zeit:
1750-1850:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Goldenes Zeitalter der Botanik. Es entstehen viele bedeutende
Glasbauten mit Eisen/ Holz- Konstruktionen.
1750:
Die Theorien ABBÉ LAUGIERs leiten schon um 1750 einen Paradigmenwechsel in der jüngeren Architektur ein. Die massive Wand,
bisher Tragkonstruktion und Abschluss zwischen Innen- und
Außenraum in einem, wird aufgelöst in eine eigenständige Tragstruktur und ihre Bekleidung. Das jahrtausendealte Prinzip des
Skelettbaus, das Entwicklungsschritte von den Stangenzelten und
Dachhäusern (z.B. Bogenrippenhaus, Jurte, Strefe) über die Fachwerkhäuser macht, ist neu entstanden. Die enorme Tragfähigkeit
zuerst von Eisen und später von Stahl führen zu völlig neuen
konstruktiven und architektonischen Möglichkeiten. Stahlbau und
Skelettbau werden später synonym gebraucht.
1751 - 1772:
Entstehen der Encyclopédie. Sie enthält auch Artikel über die zu
der Zeit übliche Technik des Bauens, um die Bauunternehmer auf
die ihnen gestellten Aufgaben besser vorzubereiten.
1760:
In Paris entsteht die Académie de l'Architecture, die 1793 im Zuge
der französischen Revolution wieder aufgelöst wird.
Um 1780 bis 1850:
Periode des Gusseisen
1789:
Französische Revolution. In ihrer Folge entstehen für den Citoyens,
den Bürger, viele neue öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe,
Kaufhäuser, Museen, Krankenhäuser, Gefängnisse … Es entsteht
eine 'Revolutionsarchitektur'.
1790:
NICOLAS LEBLANC erfindet Verfahren, um aus Kochsalz Soda zu
gewinnen, teure Pottasche wird überflüssig.
1794:
Ecole Polytechnique in Paris eröffnet, Trennung von Ingenieurwissenschaft und Geisteswissenschaft verfestigt sich.
1796:
Als erstes Gebäude aus Eisen gilt die Getreidemühle der Firma
MARSHALL, BENYON AND BAGE in England (Ditherington/Shrewsbury).
Gut einhundert Jahre später dient es als Vorbild für die modernen
Stahlskelettgebäude (siehe 1. Schule von Chicago ab 1880).
Für die 'Revolutionsarchitektur' entwickelt sich eine neue Bauweise,
die nicht dem Geist der Freiheit entspricht. Sie ist funktional, an den
Produktionsprozessen orientiert und wird für den Fabrik- und
Wohnungsbau gleichermaßen angewendet. Eines der wesentlichen
Kriterien für diese Gebäude stellt die Funktion des Überwachens
dar (siehe dazu: Schwarzbuch Kapitalismus, Posener).
1797:
Ende des 18. Jh.:
SAMUEL BENTHEM und SAMUEL BUNCE entwerfen ein Arbeitshaus,
das zur besseren Tageslichtausbeute eine Fassade aus Eisen und
Glas erhält. Die Gebäudeansicht wirkt Modern und vermittelt einen
Eindruck wie die späteren mit Glas ausgefachten Skelettbausysteme z.B. von RANSOME (siehe1903).
Glas ist immer noch so wertvoll, dass z.B. Kutscher das Fensterglas
am Ende des Arbeitstages herausnehmen und z.B. durch ein
Weidengeflecht ersetzen. In England gehören Scheiben zu dieser
Zeit nicht zur Grundausstattung von Mietshäusern und werden beim
Umzug mitgenommen.
1801:
Spinnerei von BOULTON und WATT in Salford mit erster Eisenkonstruktion im Gebäudeinneren
Ab 1806:
Beginn der Fensterverglasung auch für die breite Masse der Bevölkerung, nachdem diese die Fenster jahrhundertelang mit Ölpapier,
Tierhäuten u.ä. bespannt hatte.
Ab 1817:
JOHN CLAUDIUS LOUDON, Gärtner in Bayswater bei London,
errichtet zwischen 1817 und 1818 experimentell Glashäuser. Sie
gehören zu den frühesten gewölbten Glas- Eisen- Konstruktionen.
Da eine Diagonale Aussteifung der Konstruktion fehlt, wird das Glas
aussteifend eingesetzt. Zusätzlich muss das Glas die entstehenden
Schalendruckkräfte abtragen.
Um 1820:
Einhergehend mit Rationalisierungen im Fabrik- und Industriebau
kommt in den USA das Flachdach auf.
Es wird ca. 100 Jahre später eines der stilbildenden Elemente der
Moderne und ein umstrittenes Detail, weil häufige Undichtheiten es
schnell in Verruf bringen.
1823/1824:
Dr. BERNHARD C. FAUST verfasst 1824 in einem Buch wesentliche
Grundzüge der passiven Nutzung der Sonnenenergie.
Der technische Berater von Dr. FAUST, der Architekt Dr. VORHERR,
gründet 1823 eine Baugewerbeschule in München, die er bis zu
seinem Tode 1847 leitet. Er trägt wesentlich zur Verbreitung der
Sonnenbaulehre von FAUST bei.
1827:
Erster Glaskuppelbau für ein Palmenhaus in Bretton Hall von JOHN
C. LOUDON (Ø 30,5 m; H. 18 m)
1829-1832:
Mit der Galerie d'Orléans entsteht in Paris die erste Passage
Die 'Center', Zusammenschlüsse von vielen Läden unter einem
Dach, stammen direkt von dem Bautyp der Passage ab.
1833:
Treibhäuser aus Glas und Eisen entstehen im Botanischen Garten in
Paris. Mit der Galerie d'Orléans zusammen sind jetzt die technischen
Grundlagen für die Bautypen Passage, Bahnhof u. Ausstellungsbau
gelegt.
1836:
Industrielle Herstellung von Doppel- T- Trägern aus Eisen
1836 - 1840:
Bau des großen Gewächshauses Chatsworth auf einem Landgut
bei Derbyhire, Fläche: 84,4 x 37,5 m und Höhe 20,4 m
Chatsworth ist eines der ersten Bauten mit tragendem Glas. Die
Eisenkonstruktion wird - ähnlich wie bei einem Faltwerk - durch das
Glas ausgesteift.
1839:
1843:
Die Gebrüder CHANCE verbessern die Arbeitschritte Aufschneiden,
Schleifen und Polieren des Zylinderblasverfahrens, so dass der
Glasbruch reduziert wird und die Oberflächen besser werden. Ihre
Verbesserung ist Voraussetzung für die Herstellung der enormen
Glasmengen für den Kristallpalast (siehe 1851).
Mit der Bibliothèque Sainte Geneviève von H. LABROUSTE in Paris
entsteht erster öffentlicher Bau mit einer Eisenkonstruktion
1845:
Abschaffung der Glassteuer in England. Glas ist nicht länger ein
Luxusmaterial und wird immer häufiger verwendet.
1848:
PAXTON baut seit ca. 1830 Gewächshäuser aus Gusseisen und
Glas. In England entstehen u.a. in Liverpool gusseiserne Gebäude.
1848 baut JAMES BOGARDUS in New York ein Lagerhaus mit
gusseisernen Säulen und Architraven. Als Folge dieser Bauten
entstehen um 1850 die 'Eisernen Städte', in denen - wie New York
und New Orleans - ganze Straßenzüge aus gusseisernen Häusern
bestehen.
Zeitalter des Imperialismus (~ 1850 - 1918):
Zeit:
1850:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Größe der im Spiegelglas- Verfahren hergestellten Gläser erreicht
350 cm x 500 cm
Um 1850 bis 1900:
Schmiedeeiserne Periode
1851:
KARL CULMANN veröffentlicht seine Fachwerktheorie.
Mitte 19. Jh.:
Zu dieser Zeit gibt es begehbare Glasplatten. THADDEUS HYATT, ein
Engländer, verwendet sie in Metallrahmen und legt sie in Gehsteige
zur Belichtung von Untergeschossen ein.
1851:
Sir JOSEPH PAXTON baut in London die Halle für die 1. Weltausstellung von Handelswaren, den Kristallpalast. Das Glas wird im Zylinderblasverfahren hergestellt. (siehe 1839)
1937 brennt der Kristallpalast in der von PAXTON entworfenen
Parkanlage in Sydenham ab, wo er nach der Weltausstellung
wieder aufgebaut worden war.
1851 / 1871:
Bei der Leistungsschau der Nationen nehmen zur Weltausstellung
1851 in London Länder wie England, Frankreich und die Vereinigten Staaten teil sowie ein Bund namens 'Zollverein' - Deutschland
gibt es noch nicht.
Nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich ruft Bismarck das Kaiserreich in Versailles aus und mit den Reparationen der Franzosen
setzt im Deutschen Reich die erste Gründerwelle ein. Bahnhöfe,
Kaufhäuser und Fabriken entstehen mit einer Tageslichtarchitektur
aus Glas.
1854:
STEDSON erhält Patent auf Isolierglas in den USA
1855:
A. v. VOIT baut Glaspalast in München
J.L. LAMBOT stellt auf der ersten Weltausstellung in Frankreich ein
Boot aus Zement mit einem Eisengerippe vor (siehe auch 1889).
1856:
FRIEDRICH SIEMENS erhält Patent auf einen verbesserten Schmelzofen, der die bisher benötigte Menge an Brennstoff halbiert und die
Preise für Glas senkt.
1859:
Von 1859 bis 1861 wird bei Dresden im Schlosspark Pillnitz eines
der ältesten noch erhaltenen Glashäuser in Deutschland errichtet.
WILLIAM RANKINE baut mit seinem "Manual of Civil Engineering" die
Elastizitätstheorie praxisgerecht aus. Es enthält ein graphisches
Verfahren zur Kräfteermittlung, welches auf den Erfahrungen aus
dem Holzbau beruht.
1867:
Glaspassage Galeria Vitoria Emanuelle in Mailand markiert einen
Höhepunkt dieses Bautyps
1872:
JOHN KIBBLE erbaut den Kipple Palace in Glasgow, der heute noch
existiert. Auch dieses Glashaus weist keine aussteifende diagonale
Verstrebung auf.
1873:
In Berlin- Charlottenburg wird die 'Flora' errichtet. Sie kombiniert das
verglaste Pflanzenhaus mit Angeboten zur Unterhaltung durch
Konzerte, Theater, Kleinkunst und Kaffees (1902 abgerissen).
1876:
1876 entsteht als erstes Warenhaus das Kaufhaus Au Bon Marché
in Paris, erbaut von dem Ingenieur GUSTAVE EIFFEL und dem
Architekten BOILEAU. Es entsteht als ein Glasgebäude mit Lichthöfen
und völlig verglastem Dach. Der hohe Glasanteil sollte eine natürliche Beleuchtung ermöglichen.
Um 1880 bis heute:
Periode des Stahls beginnt
1880
Boom im Wintergarten- Bau.
1880-1900:
Mit der 1. Schule von Chicago erfolgt der Übergang zum totalen
Skelettbau. Es entstehen die ersten Wolkenkratzer mit großflächiger Verglasung.
1882:
OTTO SCHOTT und ERNST ABBÉ gründen in Jena ein Glaswerk für
optische Spezialgläser.
1883 - 1885:
1884:
1884:
1886:
Für das Home Insurance Building in Chicago stellt W ILLIAM LE
BARON JENNY das Stahlskelett hinter die Außenwand und verwirklicht das Prinzip der Vorhangwand als erstes.
OTTO W AGNERs baut die österreichische Länderbank, das heutige
Bundeskanzleramt. Er experimentiert mit ungewöhnlichen Konstruktionsformen, darunter einem Fußboden aus Glas, der auf einer
Stahlkonstruktion liegt. Das Ziel: Das natürliche Licht soll von der
Glaskuppel im Kassensaal durch den Glasboden bis in die Kellerebene fallen.
CONQUEROS entwickelt erste Glaswalzmaschine für die Drahtglasherstellung.
Der Franzose GUSTAVE FALCOOIER produziert mundgeblasene Glasbausteine in ovaler und sechseckiger Form. Probleme mit der
Belastbarkeit und Schwitzwasser. Trotzdem große Beliebtheit, z.B.
auch bei LE CORBUSIER und AUGUSTE PERRET.
1888:
1889:
Tacoma Gebäude in Chicago von HOLABIRD und ROCHE. Erste frei
vor die Konstruktion gesetzte Fassade, die zum Vorläufer der
Curtain Wall- Konstruktion wird.
Mit dem Bau des Eiffelturms von 1887-1889 in Paris hat die
Eisenkonstruktion ihren Höhepunkt in Europa erreicht. Danach
nimmt ihre Bedeutung ab, da der Eisenbeton als neuer, günstigerer
Baustoff sich zu verbreiten beginnt. Die Eisen- Glas- Konstruktionen
werden durch Eisenbeton- Glas- Konstruktionen abgelöst.
1891:
Für den Bau eines Casinos in Biarritz verwendet EDMOND COIGNET
erstmals in einer Feldfabrik vorgefertigte Betonelemente.
Das von VLADIMIR SUCHOW entworfene Kaufhaus GUM in Moskau
eröffnet. Es hat verglaste Tonnendächer, die mit Zugelementen
ausgesteift sind. SUCHOW gilt als ein Pionier der seilverspannten
Schalendächer (siehe 1989).
1893:
Ab 1895 bis 1914:
1899:
Bei Kaufhäusern sollen die Schaufenster weder Tageslicht in das
Gebäude lassen noch den Blick zur Straße freigeben, sondern die
Blicke der Passanten auf die Waren lenken. Die stetig steigende
Größe der Schaufensterscheiben endet schließlich in der
Entwicklung der Ganzglasfassade. In San Francisco entsteht das
Hallidie Building, das zu einem der ersten mit Curtain Wall gehört.
Architekturepoche des Jugendstils. Als Ideal für den Bürger kristallisiert sich das freistehende Einfamilienhaus mit Garten heraus. Es
enthält u.a. farbige Verglasungen der Fenster. Der Ruf S CHEERBARTS
nach Wänden 'ganz aus Glas - aus farbigen Gläsern' wird eventuell
vom Jugendstil inspiriert
Die Luxfer- Prismen- Gesellschaft verbessert mit den 'Prismengläsern' die Belichtung in Räumen. Massive, innenseitig prismatisch geformte 10 x 10 cm große Steine lenken Licht in die Tiefe des Raumes
Um 1900:
LOUIS H. SULLIVAN, einer der Begründer der Lehre von der
Funktionalität, prägt einen der wesentlichen Lehrsätze des
Funktionalismus: 'Form Follows Function'.
1899/1900:
Das Kaufhaus Tietz von BERNHARD SEHRING in Berlin erhält eine voll
verglaste Front, die vor die Stützen gehängt ist und somit eine
Curtain Wall Konstruktion darstellt.
Um 1900:
LUBBERS entwickelt ein Zylinderblasverfahren. Glasblasen und -ziehen werden kombiniert
Um 1900 - 1930:
Zweiter Höhepunkt des Wintergarten- und Glasverandabaus. Eine
Funktion ist auch die Anzucht von Nutzpflanzen für die Selbstver-
sorgungswirtschaft in den Häusern der Siedlerbewegung der 30er
Jahre.
1902:
EMILE FOURCAULT erhält ein Patent auf das maschinelle Ziehverfahren
1903:
Die Fa. Steiff Spielwaren erhält eine Produktionshalle mit einer der
ersten vorgehängten Glasfassaden.
Ab 1903:
Hochbausystem von RANSOME aus armiertem Stahlbeton wird in
den USA patentiert. Das Stahlbetonskelett ist an der bis zu 7 Geschosse hohen - mit Geschosshöhen bis zu 5 m - Fassade deutlich
ablesbar. Zwischen der Betonrahmenkonstruktion stehen auf
kleinen Ziegelmauern, hinter denen sich die Heizkörper befinden,
raumhohe Fenster. RANSOMEs Bauten sind die ersten Vertreter des
neuen Bautypus der Tageslicht- Fabrik.
Die Tageslicht- Fabrik wird später abgelöst durch die eingeschossige Sheddach- Halle in Stahlrahmenkonstruktion.
Zuvor entstehen Jahrhunderte lang Fabriken und Lagerhäuser, z.B.
der Hanse, mit Pfeilerkonstruktionen, zwischen denen sich Fenster
befinden. Vorbilder sind römische Bauten wie etwa die Basilika aus
dem vierten Jahrhundert in Trier, deren Seitenmauern den Prototyp
einer Ziegelmauerwerk- Pfeilerkonstruktion darstellen.
1904 - 1912:
Die Postsparkasse in Wien von OTTO WAGNER erhält einen Boden
aus Glasbausteinen und ein Glasdach über der Kassenhalle, das an
den Stützen, die das Hallendach durchdringen, mit einer Seilkonstruktion aufgehängt ist (Prinzip des Glasgewölbes). Vermutlich wird
hier zum ersten Mal das Bauprinzip der Hängebrücke auf eine Dachkonstruktion angewendet. POSENER sieht diese Konstruktion als direkten Vorläufer von FREI OTTOS Zeltdachkonstruktionen. Mit Seilen
abgespannte Dächer - die nicht notwendigerweise verglast sein
müssen - werden zu einem der Merkmale der neuen HightechArchitektur, die Ende der 1970er Jahre mit dem Centre Pompidou
von RENZO PIANO und RICHARD ROGERS beginnt.
1906:
1907:
Ab 1909:
ALBERT KAHN perfektioniert mit dem Packard 10 Gebäude in Detroit,
Michigan, die Betonrahmenkonstruktion zu einer "…schamlos
nackten Reinheit." BANHAMs Urteil: 'Nullpunkt der Architektur' und
'Erbarmungslose Rationalität'.
FRIEDRICH KEPPLER entwickelt den 'Glaseisenbeton'. Seitliche Rillen
in einem Steg von 40 bis 65 mm Stärke bilden den Verbund mit den
Eisenbetonträgern. Lichtdurchlässige Plattenkonstruktionen mit hoher Tragfähigkeit werden möglich.
Gründung des Deutschen Werkbundes u.a. durch P. BEHRENS.
Einheit von Kunst, Design und Produktion ist das Ziel.
Kubismus entsteht durch GEORGES BRAQUE und PABLO PICASSO.
Kennzeichen sind die Aufgabe der Perspektive, so dass
verschiedene Ansichten eines Gegenstandes in einem Bild möglich
werden, und das Arbeiten mit großen - insbesondere rechteckigen Flächen.
1913/14 zeichnet der Maler KASIMIR MALEWITCH den 'Entwurf für die
Häuser der Zukunft'. Die Baukörper setzen sich aus kleinen
langgezogenen Rechtecken zusammen. Sie bestehen nur noch aus
rechtwinkeligen Platten.
Dieses architektonische Prinzip nehmen u.a. LUDWIG MIES VAN DER
ROHE mit dem Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1929 in
Barcelona und GERRIT THOMAS RIETVELD im Schröder- Haus 1929 in
Utrecht auf.
Der Kubismus ist eine der Wurzeln, eine der wesentlichen Voraussetzungen, für das 'Industrielle Bauen' in Plattenbauweise (siehe
1891; 1929; )
1909:
Zenit der Tageslichtarchitektur in Deutschland. PETER BEHRENS baut
in Berlin die AEG- Turbinenfabrik als Stahlkonstruktion, die hinter
einer klassizistischen Fassade aus Beton steht. Die Größe der
Halle und der hohe Verglasungsanteil weisen auf die Intention des
Baus hin: Es handelt sich nicht um eine Fabrik, sondern um eine
'Kathedrale der Arbeit'.
1909:
E. BENEDIKTUS entwickelt das Verbundsicherheitsglas (VSG), Einsatz
in der Automobilindustrie.
1909 - 1910:
Werk IV der Spinnerei- Weberei- Augsburg (SWA), als 'Glaspalast'
bezeichnet, entsteht im Augsburger Textilviertel als eine der modernsten Spinnereihochbauten Europas, der bis 1988 in Betrieb ist.
Der Glaspalast liegt in einem bis zum Ende der 1990er Jahre
größten geschlossenen Industriequartiere Europas. Architekt ist
PHILLIPP JAKOB MANZ, ausführendes Bauunternehmen die Firma
THORMANN & STIEFEL, später WALTER BAU. Das Werk wird in
Rekordzeit als Eisenskelett- Konstruktion errichtet. Für die langen
Spinnmaschinen muss die Gebäudetiefe 40 Meter erreichen. Das
führt zu Problemen bei der Belichtung der Säle. Deshalb werden die
Außenwände fast komplett in Fensterflächen aufgelöst. Für eine
breitere Lichtstreuung finden Versuche zur Lichtstreuung mit
Prismengläsern statt (siehe 1899).
1911/12:
PETER BEHRENS baut in Berlin die AEG- Montagehalle als mit Mauerwerk ausgefachte Stahlkonstruktion. Sie erhält außer verglasten
Seitenwänden ein fast komplett verglastes Dach. Noch zu BEHRENS
Lebzeiten muss wegen der entstehenden enormen Treibhaushitze
das Dach neu mit undurchsichtigem Material gedeckt werden.
1912:
1912 formuliert WILHELM OSTWALD den 'energetischen Imperativ' mit
den Worten 'Vergeude keine Energie, verwende sie'.
1911-1916:
Das Faguswerk von WALTER GROPIUS und ADOLF MEYER erhält eine
der ersten Curtain Wall Vorhangfassaden.
1914:
PAUL SCHEERBART tritt als Visionär einer neuen Glasarchitektur auf.
Auf der Kölner Werkbundausstellung entstehen u.a. ein Glashaus
von BRUNO TAUT mit Inschriften von SCHEERBART sowie eine Musterfabrik von WALTER GROPIUS und ADOLF MEYER.
1915:
Hitzebeständige Gläser wie "Pyrex" und "Suprax" entstehen.
Ab 1916:
Der Expressionismus beginnt in Deutschland. Ein Auslöser ist das
grausige Massensterben durch den industrialisierten Krieg, weshalb
viele Expressionisten antiindustriell und antikapitalistisch sind.
Erstes expressionistisches Gebäude - gleichsam als ein Vorläufer ist BRUNO TAUTS Glashaus auf der Werkbundausstellung 1914 in
Köln.
1917:
Gründung der Stijl- Gruppe
1918:
Novemberrevolution
ADOLF BEHNE, BRUNO TAUT und WALTER GROPIUS bilden Arbeitsrat
für Kunst.
Zeitalter zwischen den Weltkriegen und des 2. Weltkrieges (ca. 1918 - 1950):
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
1919:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
BRUNO TAUT gründet die Gläserne Kette als Geheimbund.
L. MIES VAN DER ROHE entwirft erstes Hochhaus aus Glas für Berlin.
1919 und 1926:
Taut eröffnet das 1. Bauhaus in Weimar.
1. Bauhaus in Weimar (1919-1926) Ausrichtung: Handwerklich und
2. Bauhaus in Dessau (1926-1933) Ausrichtung: Industriell
WALTER GROPIUS ist von 1919 bis 1928 Leiter der Bauhäuser.
Die Lehrenden am Bauhaus beginnen selbstbewusst die Architektur
bei Null und finden mit der orthogonale 'Platte' nichts geringeres als
eine neue Formel für die Architektur. Doch engt die Platte den
formalen Kanon so stark ein, dass die kubische, rechtwinkelige und
funktionell gerasterte Fassade ein Kennzeichen der Neuen Architektur wird.
Ab 1920:
1922:
Ab 1920 geben Le Corbusier und der Maler Amédé Ozenfant
gemeinsam die Zeitschrift 'l`Esprit Nouveau' heraus. Der neue Geist
der Zeit, der l`Esprit Nouveau, besagt, das Ingenieure und
Architekten eigentlich das gleiche Ziel verfolgen: Ökonomie,
Standardisierung, Gebrauchsfähigkeit, und die Emanzipation durch
Technik und Wissenschaft. Somit wird die Industrialisierung des
Bauens gefordert.
L. MIES VAN DER ROHE entwirft zweites Glashochhaus für Berlin.
1924:
Die zu diesem Zeitpunkt größte Glasscheibe der Welt, als
Spiegelglas- Scheibe im Walzverfahren in einer englischen
Glashütte hergestellt, hat eine Fläche von 41,33 m² (4,90 m Breite
und 8,43 m Länge).
Um 1925:
Entstehen des Internationalen Stils
1925:
ERNST MAY holt die Wiener Architekten MARGARETE SCHÜTTELIHOTZKY in sein Büro in Frankfurt/ Main. Sie entwickelt die sog.
'Frankfurter Küche', eine rationale und funktionale Einbauküche.
1925 -1930:
In Frankfurt/ Main entstehen unter der Leitung von ERNST MAY und
einer Anzahl von Fachplanern gut 12.000 Wohnungen - das so
genannte 'Neue Frankfurt'. Im 'Alten' Frankfurt war die Lage der
Familien unerträglich geworden, denn sie lebten oft nur in einem
Raum und nur die Küche war zu beheizen.
MAY, der während seines Studiums auch Kontakt zu SIR RAYMOND
UNWIN hat, dem Planer englischer 'Gardencities', konzipiert, konträr
zum englischen Konzept, keine autonomen Siedlungen am
Stadtrand. Er bindet die in großzügigen Grünanlagen gelegenen
Trabantenstätte an die alte Stadt an.
Um das Bautempo zu erhöhen entwickelt MAY ab 1926 das 1927
patentierte 'Frankfurter Montageverfahren'. Mit diesem Verfahren
entstehen in einer überdachten Halle vorgefertigten Wandplatten
aus Bimsbeton. So kann schließlich ein Reihenhaus von 18
Arbeitern in 32 Stunden errichtet werden. Eine erste Versuchssiedlung entsteht in Praunheim. Weiterhin normiert MAY Bauteile
wie Fenster, Türen, Öfen, Badewannen, Stühle, Lampen, Türklinken, um sie in Serie herstellen zu können. Das fördert nicht nur
die Schnelligkeit und einfache Montage sondern auch eine sehr
einheitliche Gestaltung.
1926 - 1929:
Mit der ersten Großsiedlung 'Praunheim' - geplant u.a. von ERNST
MAY - entstehen die ersten Gebäude des 'Neuen Frankfurts'. Dem
vom 24. bis 27. Oktober 1929 in Frankfurt stattfindenden 2.
Internationale Kongress für Neues Bauen des CIAM (Congrès
Internationaux de l´Architecture Moderne) zum Thema 'Die
Wohnung für das Existenzminimum' dient der dritte Bauabschnitt
(1928/29) als Beispiel. Es entstehen u.a. 235 Kleinstwohnungen mit
ca. 55 qm an Laubengängen, eine Bauweise, die das erste Mal
überhaupt in Frankfurt ausgeführt wird.
1926:
2. Bauhaus in Dessau
LE CORBUSIER veröffentlicht die 5 Punkte zu einer neuen Architektur.
1926:
Zusammen mit den 'Les quatre compositions' zerstört LE CORBUSIER
das von SULLIVAN formulierte Entwurfsprinzip des 'form follows
function'. Das Haus wird zu einer Wohnmaschine im inneren und zu
reinen Körpern unterm Sonnenlicht im äußeren. Die funktionalistische Theorie, dass das Innere, der Inhalt, des Hauses sich in
seiner Gestalt ausdrücken muss, wird aufgelöst.
1927:
Werkbundausstellung in Stuttgart Weißenhof
1928:
Gründung der CIAM, des "Internationalen Kongresses für Neues
Bauen" durch SIGFRIED GIEDION als Reaktion auf die Kritik der Bauausstellung in Stuttgart Weißenhof.
Ab 1928:
Pittsburg- verfahren zum Flachglasziehen
Herstellung von ESG
1928/ 1929:
ERNST MAY, MARTIN ELSAESSER und WERNER HEBEBRAND planen
einen Erweiterungsbau des Gesellschaftshauses im Frankfurter
Palmengarten. Dieser Bau erhält eine aus zwei Scheiben bestehende Glasfront zur Gartenseite, zwischen deren Gläsern sich eine
Bepflanzung befindet. Sie schafft somit einen optisch fließenden
Übergang zwischen Innen- und Außenraum.
ALEXANDER KLEIN solarer Wohnungsbau
Ab 1929:
Verneinung des Stadtraums und Proklamation der frei im Grünen
stehende Glas- Wolkenkratzer durch LE CORBUSIER
1930
SIEGFRIED GIDION, Schweizer Architekturtheoretiker, veröffentlicht
sein Werk 'Befreites Wohnen. Licht, Luft, Öffnung'.
Im gleichen Jahr erscheinen die 'Besonnungsuntersuchungen' des
Architekten WALTER SCHWANGENSCHEIDT, der später durch den
Bau der Nordweststadt in Frankfurt bekannt wird. Bei seinen
Untersuchungen des je nach Tages- und Jahreszeit schwankenden
Lichteinfalls in die zwei Räume einer Wohnung im Erdgeschoss
kommt er zu dem Ergebnis, das eine Zeilenbauweise in NordSüdrichtung die optimale Lösung ist. ERNST MAY und sein Team
setzen diese Erkenntnis z.B. in Frankfurt- Westhausen und
Hellerhof um.
1930er Jahre:
OWENS Illinois Glass Corporation stellt erstmals Glasbaustein aus
zwei Hälften her, die unter Druck und Hitze zusammengefügt
werden.
1938:
Ab 1938:
LE CORBUSIER plant für ein Hochhaus in Algier, das nicht
ausgeführt wird, aber nach dem 2. Weltkrieg in nahezu identischer
Weise in Hamburg entsteht, zum ersten Mal eine 'brise soleil'. Sie
ist eine vor die Fassade gesetzte, häufig aus Betonelementen
bestehende Konstruktion, welche die Sonne daran hindert, direkt in
die Räume zu scheinen (Megaron- Prinzip, siehe 400 v. Chr.).
Deutsches Reichspatent für die Sicherheitsglas GmbH Kuntzendorf/
Niederlausitz für das Herstellungsverfahren einer Doppelscheibe mit
Randverbund (Isolierglas)
Isolierglas, das am Rand verlötet ist, wird unter dem Namen Thermopane in den USA patentiert.
Ab 1946:
Farnsworth House, von LUDWIG MIES VAN DER ROHE geplant,
entsteht als 'Haus ohne Wände' weitgehend nur aus Glas.
Lady FARNSWORTH verklagt VAN DER ROHE, weil das Haus unbewohnbar sei, da es durchsichtig wie ein Röntgenbild ist.
1947 - 1952:
Die Unité d`Habitation von LE CORBUSIER entsteht in Marseille.
Dieser Bau wird zum Ausgangspunkt des Architekturstils des
Brutalismus. Die Brutalisten versuchen mit diesem Stil den
Bauwerken wieder Substanz zu geben, nachdem sie in den 1920er
und 1930er Jahren entmaterialisiert wurden.
1950 - 1955:
Kapelle in Ronchamp von LE CORBUSIER. Sie kann als (kurze)
Abwendung vom rechten Winkel und eine Zuwendung zum
organischen Bauen der 1920er Jahre verstanden werden.
Ab 1950:
Zeitalter des kalten Krieges (~ 1950 - 1990):
Die 2. Schule von Chicago, begründet von MIES VAN DER ROHE, baut
eine neue Generation von Glas- Hochhäusern.
Zeit:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
1951:
Glasbau HAHN stellt die erste Ganzglasarchitektur vor.
1955:
Entwicklung des Floatglas- Verfahrens
1956:
Glasbau HAHN entwickelt die erste hängende Verglasung.
Ab 1960 - 1975:
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Zweite Gründerzeit in Deutschland (erste siehe 1871)
Bauaufgaben: Wohnungsbau, Bildungs- und Ausbildungsbauten,
Neu- und Erweiterungsbauten für Fabriken, Verwaltung und
sonstige Dienstleistungen, Hallen- und Freibäder, Sportplätze …
1960/63:
Erste hängende Verglasung mit aussteifenden Glasschwertern am
Haus des Rundfunks / Paris
Ab 1960:
Glasherstellung im Floatverfahren, bei dem die Glasschmelze auf
einem Zinnbad schwimmt
Ab 1963:
Structural Sealant Glazing Facades in den USA nach Erfindung des
Silikons. Deutscher Begriff: Structural Glazing Fassade
Ab 1964:
Sonnenschutzglas erhält Patent. Zu dieser Zeit ist Bauglas ein Lowtech- Produkt und Fenster stellen Energieverlustflächen an Gebäuden dar. Die Farbpalette der Gläser reicht bis in die 1980er Jahre
lediglich von Bronze, Gold, Auresin bis Grau und Silber.
Ab 1973:
Infolge der Energiekrise 1973, die als Reaktion auf die Unterstützung Israel im Jom Kippur- Krieg durch die westliche Welt
entsteht, setzen die arabischen Staaten, die zu der Zeit einen
Großteil des Weltölbedarfs decken, ihre Fördermengen drastisch
herab. Infolge dessen werden weltweit Energiegesetze erlassen,
u.a. in Kalifornien und Österreich, die dem weit verbreiteten Missverständnis unterliegen, dass Energieverluste im Wohnungsbau in
direkter Relation zur Verwendung von Glas stehen. Die Verordnungen schreiben vor, dass die Fensterflächen nur 20% und später gar
16% (Kalifornien) der Nutzfläche eines Hauses betragen dürfen.
Industriebetriebe mauern daraufhin einen Teil der Fenster ihrer
'Tageslicht- Fabriken' zu (siehe 1903).
1971/75:
Weiterentwicklung der hängenden Verglasung für das Verwaltungsgebäude von Willis Faber & Dumas/ Ipswich. Die einzelnen Scheiben
werden mit einer geschraubten Klemmverbindung befestigt.
1974-1978:
NORMAN FOSTER und OVE ARUP entwickeln für das Sainsbury
Center in Norwich eine Aussteifung der Glasfassaden durch Glas-
schwerter.
Ab 1975:
Der 'Sonnenkollektorboom' Mitte der 1970er Jahre wird Mitte der
1980er Jahre von einem dritten Wintergartenboom abgelöst, der
immer noch anhält.
1981:
MIKE DAVIS veröffentlicht: "Eine Wand für alle Jahreszeiten: die
intelligente Umwelt schaffen".
1982:
Entwicklung des sog. Planarsystems, bei dem die Einfachverglasung
nicht abgehängt, sondern an eine Pfosten- Riegel- Unterkonstruktion
geschraubt wird; erster Einsatz am Renault Centre in Swindon.
1983-1986:
In Paris La Villette entstehen die 'grandes serre', die großen Gewächshäuser für das Museum für Wissenschaft, Technik und Industrie (Architekt: A. FEINSILBER, Ingenieur: P. RICE). Eine bis dato
nicht erreichte Transparenz entsteht durch punktförmig gehaltene
Glasscheiben mit flächenbündigen Punkthaltern, die an einer hinterspannten Seilkonstruktion befestigt ist. Glas wird tragend eingesetzt.
Ab 1987:
Beginn der konstruktiven Glasarchitektur
1986/87:
Rosenthal- Verwaltungsgebäude in Selb und Neoplan- Vertriebszentrum in Stuttgart erste Structural Glazing Fassaden in Deutschland
1987:
1989:
Südfassade des Institut du Monde Arabe in Paris entsteht als Prototyp einer sich mit der Umgebung verändernden Hülle.
Das Ingenieurbüro SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP)
plant erstmals eine verglaste Stabnetzkuppel mit aussteifenden
Seildiagonalen, die eine Schalentragwirkung aufweist (siehe 1893).
Durch diese Konstruktionsweise entfällt u.a. die sonst unvermeidbare Verdichtung der Stäbe im Zenit. Die Stäbe verlaufen nicht mehr
ring- und meridianförmig.
Zeitalter der Globalisierung (ab ca. 1990):
Zeit:
1990:
Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur
Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik
Normung der Zusammensetzung des Flachglases festgelegt in der
DIN 1249-10 und EN 571
Erste hinterspannte Fassade mit Isolierglas in einem Bankgebäude
bei Rennes
SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln verglastes
Netzschalentragwerk für das Museum für Hamburgische Geschichte.
SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln für einen
Hotelbau am Münchener Flughafen eine Fassade mit vorgespannten
Seilen.
Ca. 1995 - 2005:
Diese Dekade könnte als Ära der Glasdoppelfassade (GDF) in die
Geschichte des Glasbaus eingehen. Es entstehen städtebauliche
Solitäre, die wohl den Beifall der Glasbaupioniere gefunden hätten
(siehe ab 1914). Die Gebäude können nur mit EDV geplant und
mittels Simulationen verifizieren werden. Eine Onlinekontrolle 24 h
am Tag und 7 Tage die Woche ist unumgänglich.
1992:
Bei der Fa. Fischer in Talheim entsteht erste Treppe mit Wangen
und Stufen aus Glas.
1993:
Hotel Kempinski: Erste verglaste Seilnetzwand mit einer Atriumswand 40 m x 25 m in München
1994:
Die Entwicklung des Prinzips der Translationsflächen ermöglicht
eine große Formenvielfalt bei den Stabschalen- Tragwerken. Ein
weiterer Vorteil ist, dass nicht mehr teure sphärisch gekrümmte
Glasscheiben für verglaste Kuppeln verwendet werden müssen,
sondern wesentlich günstigeren ebenen Scheiben zum Einsatz
kommen können.
1995:
In der Stadtverwaltung in ST- Germain en Laye werden zum ersten
Mal Glasstützen als tragende Druck- Elemente eingesetzt.
1996:
SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln eine Fassade
mit vorgespannten Seilen für das World Trade Center in Dresden.
1996:
Der RWE-Turm von INGENHOVEN, OVERDIEK, KAHLEN UND PARTNER
entsteht in Essen mit neuartigen, eigens entwickelten 'FischmaulLufteinlässen' für die natürliche Belüftung der Glasdoppelfassade.
Schmale Schlitze sorgen für einen Schornsteineffekt, bei dem Luft in
den Fassadenzwischenraum gesaugt und weiter oben wieder nach
außen geführt wird. Diese im Windkanal entwickelte Konstruktion
verhindert nicht, dass im Glasraum sich heiße Luft sammelt, die
beim Öffnen der Innenfenster in die Büros strömt.
Im März 1996 wird in Berlin die 'Charta für Solarenergie in
Architektur und Stadtplanung' auf Initiative der READ- Gruppe von
30 führenden Architekten aus allen Ländern Europas unterzeichnet.
1997:
Ganzglaskugelkalotte in Augsburg als Kuppel aus tragendem Glas
1999:
Museumsüberdachung Augsburg als Tonne aus tragendem Glas
2000:
Die Europazentrale des ARAG- Konzerns von FORSTER UND PARTNER
entsteht in Düsseldorf mit einer Glasdoppelfassade. Der
Fassadenzwischenraum reicht jeweils über sieben Etagen.
2000:
Es gibt vermehrt Hinweise darauf, dass ein Bauen mit Glas, insbesondere mit Glasdoppelfassaden, von einem Forschungsprogramm
begleitet werden muss. Trotz massiven EDV- Einsatzes hat vieles
den Charakter von Experimenten.
2002:
Der Post- Tower in Bonn ist das erste weitgehende Ganzglasgebäude in Deutschland. Es wird mit einer Doppelfassade ausgeführt, deren Glaszwischenraum als Abluftkamin mit steuerbaren Öffnungen
konstruiert ist.
Ab 2004:
Verbundprojekt Vakuum- Isolier- Glas (VIG) zur Herstellung einer
Zweifach- Vakuumverglasung mit einem angestrebten U- Wert von
2
ca. 0,4 W/m K; Marktreife bis zum Jahre 2009 angestrebt.
2004:
Eine nicht repräsentative Studie äußert massive Zweifel an der
These, dass - insbesondere bei den Glas- Doppel- Fassaden (GDF)
- eine technische Klimatisierung durch Fensterlüftung überflüssig ist.
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