Tabellarische Geschichte der Glasbau- Architektur Steinzeit ~ 20000 - 3000 v. Chr. Zeitalter der Hochkulturen ~ 3000 - 330 v. Chr. Antikes Rom ~ 330 v. Chr. - 537 n. Chr. Mittelalter ~ 500 - 1500 Zeitalter der Glaubensspaltung ~ 1500 - 1650 Zeitalter der Vernunft ~ 1650 - 1750 Zeitalter der Revolution und Restauration ~ 1750 - 1850 Zeitalter des Imperialismus ~ 1850 - 1918 Zeitalter zwischen den Weltkriegen und des 2. Weltkrieges ~ 1918 - 1950 Zeitalter des kalten Krieges ~ 1950 - 1990 Zeitalter der Globalisierung ~ 1990 - Steinzeit (~ 20000 - 3000 v. Chr.): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Mehr als 12000 v. Chr.: Mehr als 10000 v. Chr.: Aus der Osttürkei ist aus dieser Zeit die älteste bekannte Anwendung von Kalkmörtel als Baumaterial bekannt. Verwendung von natürlichem Glas (Obsidiane) für Schmuck, Werkzeuge und Waffen Vor mehr als 10000 Jahren entwickeln die Jäger und Sammler der Steinzeit die ersten Leicht- oder Skelettbauten, indem sie zeltartige Behausungen durch dünne, in den Boden gerammte Äste mit daran befestigten Schilfmatten oder Tierhäuten herstellen. Nach einer Vermutung von JANE JACOBS, amerikanische Stadthistorikerin, werden im Jordantal um 9000 vor Chr. die ersten dorfähnlichen Siedlungen errichtet. Eines der wichtigsten Materialien zur Herstellung von Werkzeugen und weiteren Gegenständen ist das vulkanische Glas Obsidian. JACOBS vermutet, dass zwischen den Siedlungen Handelsbeziehungen bestanden haben müssen. So entsteht eine neue Theorie, dass nicht der Ackerbau die Menschen sesshaft machte, sondern der Handel. Jacobs spricht deshalb von einer Stadt 'New Obsidian', also von einer ersten Handelsniederlassung, die zur Sesshaftigkeit geführt und den Ackerbau nach sich gezogen haben muss. Um 9000 v. Chr.: In der Jericho- Kultur in Palästina wird Kalk als Bindemittel des Mörtels bei der Herstellung von Ziegelbauten benutzt. Um 6000 v. Chr.: Um 5500 v. Chr.: Zufällige Herstellung von Glasperlen Um 3.500 v. Chr.: Beginn der gezielten Glasproduktion Um 3.500 v. Chr.: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik In dieser Zeit wird der gebrannte Ziegel erfunden, wodurch auch in Regionen ohne Bruchstein der Bau von festen Häusern möglich wird. Damit der Ziegel einen bestimmten Sinterungsgrad erreicht, muss er - in Abhängigkeit von der verwendeten Tonsorte - 8 bis 15 Stunden bei konstanter Temperatur zwischen 900 bis 1150 Grad Celsius gebrannt werden. Zu schwach gebrannte Ziegel sind weich und zerbröseln, zu stark gebrannte schmelzen dagegen zu einer glasähnlichen Substanz. Aus diesem Grunde ist davon auszugehen, dass die gezielte Herstellung von Glas im Zusammenhang mit der Innovation des Ziegelbrennens - für beide Werkstoffe sind Öfen notwendig - steht. Mit dem gebrannten Ziegel steht dem Menschen zum ersten Mal ein Baustoff zur Verfügung, dessen Format genormt wird und deshalb in Massnefertigung hergestellt werden kann. Zeitalter der Hochkulturen (~ 3000 - 330 v. Chr.): Zeit: Um 1500 v. Chr.: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Herstellung von Hohlgefäßen in Sandkerntechnik aus Kalk- NatronGlas Um 1200 v. Chr.: Abfassung der Bibel. In ihr wird die Bauweise mit Kalkmörtel an mehreren Stellen erwähnt. Um 1000 v. Chr.: Eisen wird als Werkstoff hergestellt. Um 1000 v. Chr.: König David baut in Jerusalem, seiner Residenzstadt, Zisternen, in denen der aus Kalk und Lehm bestehende wasserfeste Putz noch heute erhalten ist. Um 800 v. Chr.: Entstehung der ersten griechischen Tempel. Heute wird davon ausgegangen, das für diese einmalige Leistung der Gebäudetyp des Megaron- Hauses - das aus einem Hauptraum mit einer verschatteten Vorhalle besteht - den Grundriss dafür geliefert hat. Um 650 v. Chr.: Assyrische Tontafel mit Glasrezeptur Als Legende über Alexander den Grossen wird überliefert: Vor 333 v. Chr.: Vor 400 v. Chr.: "Eines Tages wächst in seinem Herzen der Wunsch, die Meerestiefe zu erkunden und zu sehen, welche Tierarten es dort gibt. Er lässt Glasmacher zu sich kommen und befiehlt ihnen, ein Fass aus kristallklarem Glas zu machen. An angeschmiedeten Eisenketten halten es die stärksten Soldaten. Dann steigt er hinein, lässt die Tür mit Pech verkleben und taucht ins Meer hinab." Die griechische Stadt Priene an der Westküste Kleinasiens wird nach den hellenistischen Prinzipien der Orientierung zur Sonne angelegt. Die Gebäude sind sich alle sehr ähnlich; jedes Haus hat einen Innenhof. In dem nach Norden liegenden Gebäudeteil befinden sich die Wohnräume, der nach Süden liegende Hauptraum hat eine verschattete Vorhalle (Prinzip des Megaron- Hauses, siehe Um 800 v. Chr.). Das griechische Hofhaus ist eine Weiterentwicklung des Megarons, das über einen mit einer umlaufenden Säulenreihe versehenen Innenhof verfügt. Im Sommer gewährt der Innenhof (Norden) eine Verschattung, im Winter ermöglicht der megaronartige Gebäudeteil (Süden) die passive solare Nutzung des Sonnenlichts. Antikes Rom (~ 330 v. Chr. - 537 n. Chr.): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Um 100 v. Chr.: Erfindung der Glasmacherpfeife in Sidon Bis 79 v. Chr.: ist eine erste Verwendung von Flachglas in den Fenstern der öffentlichen Gebäude und den Häusern reicher Römer in Pompeji bekannt. Um 64 v. Chr.: SENECA schreibt über den Gebrauch von Fensterscheiben und betont ihre überaus luxuriöse Verwendung in den römischen Bädern. Man habe den ganzen Tag Sonne durch große Fenster und freien Blick auf Landschaft und Meer. Der Bauingenieur VITRUV veröffentlicht sein Werk De architectura libri decem. Fensterglas wird von ihm nicht erwähnt! Um 25 v. Chr.: Zwischen 60 und 100: Um 100: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Die Offenbarung des Johannes entsteht als letztes Buch der Bibel. Bei der Beschreibung der Herrlichkeit des 'Neuen Jerusalems' wird die Schönheit der Stadt mit 'reinem Glas' verglichen. Insbesondere dieser Text weist u.a. auf die Bedeutung des (klaren) Glases in der Antike hin. Erfindung des römischen Gussglases. Ab Mitte des 2. Jh. werden in den nördlichen Provinzen des Römischen Reiches wie Germanien, Gallien und Britannien Fenstergläser in Villen und militärischen Anlagen verwendet. Die Farben der im Gussverfahren hergestellten Gläser reichen von bläulich- grünlich bis weißlich. Daneben gibt es Mundgeblasenes helleres Glas. 305: Palastaula von Trier entsteht, in der - im Vorgriff auf die Gotik - das alte Verhältnis von Wandfläche zu Fensteröffnung (>10:1) umgekehrt erscheint. Die Scheiben leuchten Monochrom (einfarbig) mit einer opaken Tönung und tauchen den Raum in ein weißlich leuchtendes Licht. Ab 4. Jh.: Erste Dokumente über die Kunst der Buntverglasungen und künstlerische Gestaltung von Fenstern in den frühen Schriften christlicher Autoren. In dieser Zeit wird eine Ausstattung der Kirchen mit Glasfenstern üblich. PRUDENTIUS, SIDONIUS APPOLINARIS und GREGOR VON TOURS erwähnen und beschreiben farbig leuchtende und transluzente Fenstergläser. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls die frühesten fragmentarischen Funde von bunt gefärbtem Glas. Im Westen sind die Funde eher seltener, sie vermehren sich jedoch gegen Osten insbesondere in byzantinischer sowie frühislamischer Zeit. Das Glas wird Mundgeblasen oder gegossen und kommt in Fenstern und Ornamenten zum Einsatz. 6. Jh.: Einzig erhaltene farbige Glasstücke aus dieser Zeit stammen aus der Basilika S. Vitale in Ravenna. Die Farben reichen von tiefblau, violett und rotbraun bis zu hellgrün, gelb und weiß. Römische Wölbekunst mit dem Baustoff Opus caementitium entsteht. Ihre Ausgangspunkte hat sie im Nahen Osten und im hellenistischen Griechenland. Ihre Einführung ist für das Bauwesen so bedeutend, wie es erst wieder die Entstehung des Stahlbaus im 19. Jahrhundert ist. 100 - 550: Das Pantheon, erstmals 27 v. Chr. errichtet und um 117-130 n. Chr. erneuert, hat eine 40 m hohe Kuppel mit einer Spannweite von 43 m und ist ein beeindruckendes Zeugnis römischer Leistungsfähigkeit, das zeigt, wie mit Steinen druckfeste Tragwerke zu errichten sind. An diese Leistung knüpft FILIPPE BRUNELLESCHI (1377-1446) mit seiner Florentiner Domkuppel (1434) erst ca. 1300 Jahre später wieder an. Weitere in Wölbetechnik ausgeführte Bauwerke sind die bekannten Äquadukte (ab ca. 100) und die Haga Sophia (532-537) in Konstantinopel als letzter großer Bau dieser Epoche. Die Ostgoten zerstören nach der Eroberung Roms (537) viele dieser Bauten oder sie verfallen ungenutzt. Mit dem Untergang Roms gehen den Baumeistern des frühen Mittelalters viele Fähigkeiten zum Ausführen dieser leichten Bauweise verloren. Mittelalter (~ 500 - 1500): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur 9. Jh.: Der Heiligenkopf aus dem Kloster Lorsch entsteht als bedeutendes Denkmal für die Geschichte der Glasmalerei. Das ist ein Hinweis darauf, dass im 'dunklen' Mittelalter sich die Kunst farbige und bemalte Gläser herzustellen in dieser Zeit weiterentwickelt haben muss. Ab ca. 900: Herstellung von Waldglas aus Sand, Kalk und Pottasche Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Beginn der Frühgotik u.a. mit den Bauten von Saint Denis und Chartres. Das Erstes Zeitalter der Glasarchitektur beginnt. Um 1150: Ca. 900 - 1300: Herstellung von Waldglas in Klosterhütten 1100: THEOPHILUS Schrift Schedula diversarium artium erscheint über Glasrezeptur und Herstellung Seit 1200: Herstellung reinen Kristallglases in Venedig Seit 1250: Herstellung von Brillengläsern 14. Jahrhundert Die Fachwerkbauweise setzt sich in vielen mittelalterlichen Städten durch. Diese Holzbauweise fordert gerade zu eine ausgiebige Befensterung heraus, wie auch alle anderen Fachwerkhaustypen und die Skelettbauweise (siehe 1880-1900 1.Schule von Chicago). 1556: GEORGE AGRICOLA schildert Praxis des Glasmachens in De re metallica. Zeitalter der Glaubensspaltung (~ 1500 - 1650): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur PALLADIO verfasst Quadro Libri dell' Architektura, das die Renaissance beeinflusst. 1570: Um 1600: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Nachdem das Prinzip der 'Sonnenfalle' - welches darauf beruht, dass Glas für die Kurzwellenstrahlung der Sonne durchlässig ist und die hinter dem Glas liegenden Materialien durch die Sonnen-strahlung erwärmt, die ihrerseits wiederum eine Langwellenstrahlung mit niedriger Temperatur abgeben, für die das Glas nicht durchlässig ist (Gewächshauseffekt) - (neu) entdeckt wird, entstehen in Europa vermehrt Gewächshausbauten. In den nächsten 250 Jahren entwickelt sich das Gewächshaus zu einem völlig eigenständigen Bautyp und hat seinen Höhepunkt in PAXTONS Crystal Palace 1851. Es beeinflusst maßgeblich die Bautypen Passage, Bahnhof, Museum und Ausstellungsbau. Zeitalter der Vernunft (~ 1650 - 1750): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur 1676: Bleikristallglas (Flintglas) wird in England hergestellt. 1679: JOHANN KUNCKEL verfasst Ars vitraria experimentalis, das als Lehrbuch der Glasfabrikation bis ins 19. Jh. gültig bleibt. 1685: Spiegelsaal von Versailles wird fertig gestellt 1688: NEHOU entwickelt das Gießverfahren neu. Der Name Spiegelglas weist auf die hauptsächliche Verwendung hin. 1693: Chateau de Saint Gobain wird Ursprungsort der neueren französischen Glasindustrie. 1696: In England wird die 'Fenstersteuer eingeführt. 1748: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik In Paris entsteht das Ecole des Ingenieurs Zeitalter der Revolution und Restauration (~ 1750 - 1850): Zeit: 1750-1850: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Goldenes Zeitalter der Botanik. Es entstehen viele bedeutende Glasbauten mit Eisen/ Holz- Konstruktionen. 1750: Die Theorien ABBÉ LAUGIERs leiten schon um 1750 einen Paradigmenwechsel in der jüngeren Architektur ein. Die massive Wand, bisher Tragkonstruktion und Abschluss zwischen Innen- und Außenraum in einem, wird aufgelöst in eine eigenständige Tragstruktur und ihre Bekleidung. Das jahrtausendealte Prinzip des Skelettbaus, das Entwicklungsschritte von den Stangenzelten und Dachhäusern (z.B. Bogenrippenhaus, Jurte, Strefe) über die Fachwerkhäuser macht, ist neu entstanden. Die enorme Tragfähigkeit zuerst von Eisen und später von Stahl führen zu völlig neuen konstruktiven und architektonischen Möglichkeiten. Stahlbau und Skelettbau werden später synonym gebraucht. 1751 - 1772: Entstehen der Encyclopédie. Sie enthält auch Artikel über die zu der Zeit übliche Technik des Bauens, um die Bauunternehmer auf die ihnen gestellten Aufgaben besser vorzubereiten. 1760: In Paris entsteht die Académie de l'Architecture, die 1793 im Zuge der französischen Revolution wieder aufgelöst wird. Um 1780 bis 1850: Periode des Gusseisen 1789: Französische Revolution. In ihrer Folge entstehen für den Citoyens, den Bürger, viele neue öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe, Kaufhäuser, Museen, Krankenhäuser, Gefängnisse … Es entsteht eine 'Revolutionsarchitektur'. 1790: NICOLAS LEBLANC erfindet Verfahren, um aus Kochsalz Soda zu gewinnen, teure Pottasche wird überflüssig. 1794: Ecole Polytechnique in Paris eröffnet, Trennung von Ingenieurwissenschaft und Geisteswissenschaft verfestigt sich. 1796: Als erstes Gebäude aus Eisen gilt die Getreidemühle der Firma MARSHALL, BENYON AND BAGE in England (Ditherington/Shrewsbury). Gut einhundert Jahre später dient es als Vorbild für die modernen Stahlskelettgebäude (siehe 1. Schule von Chicago ab 1880). Für die 'Revolutionsarchitektur' entwickelt sich eine neue Bauweise, die nicht dem Geist der Freiheit entspricht. Sie ist funktional, an den Produktionsprozessen orientiert und wird für den Fabrik- und Wohnungsbau gleichermaßen angewendet. Eines der wesentlichen Kriterien für diese Gebäude stellt die Funktion des Überwachens dar (siehe dazu: Schwarzbuch Kapitalismus, Posener). 1797: Ende des 18. Jh.: SAMUEL BENTHEM und SAMUEL BUNCE entwerfen ein Arbeitshaus, das zur besseren Tageslichtausbeute eine Fassade aus Eisen und Glas erhält. Die Gebäudeansicht wirkt Modern und vermittelt einen Eindruck wie die späteren mit Glas ausgefachten Skelettbausysteme z.B. von RANSOME (siehe1903). Glas ist immer noch so wertvoll, dass z.B. Kutscher das Fensterglas am Ende des Arbeitstages herausnehmen und z.B. durch ein Weidengeflecht ersetzen. In England gehören Scheiben zu dieser Zeit nicht zur Grundausstattung von Mietshäusern und werden beim Umzug mitgenommen. 1801: Spinnerei von BOULTON und WATT in Salford mit erster Eisenkonstruktion im Gebäudeinneren Ab 1806: Beginn der Fensterverglasung auch für die breite Masse der Bevölkerung, nachdem diese die Fenster jahrhundertelang mit Ölpapier, Tierhäuten u.ä. bespannt hatte. Ab 1817: JOHN CLAUDIUS LOUDON, Gärtner in Bayswater bei London, errichtet zwischen 1817 und 1818 experimentell Glashäuser. Sie gehören zu den frühesten gewölbten Glas- Eisen- Konstruktionen. Da eine Diagonale Aussteifung der Konstruktion fehlt, wird das Glas aussteifend eingesetzt. Zusätzlich muss das Glas die entstehenden Schalendruckkräfte abtragen. Um 1820: Einhergehend mit Rationalisierungen im Fabrik- und Industriebau kommt in den USA das Flachdach auf. Es wird ca. 100 Jahre später eines der stilbildenden Elemente der Moderne und ein umstrittenes Detail, weil häufige Undichtheiten es schnell in Verruf bringen. 1823/1824: Dr. BERNHARD C. FAUST verfasst 1824 in einem Buch wesentliche Grundzüge der passiven Nutzung der Sonnenenergie. Der technische Berater von Dr. FAUST, der Architekt Dr. VORHERR, gründet 1823 eine Baugewerbeschule in München, die er bis zu seinem Tode 1847 leitet. Er trägt wesentlich zur Verbreitung der Sonnenbaulehre von FAUST bei. 1827: Erster Glaskuppelbau für ein Palmenhaus in Bretton Hall von JOHN C. LOUDON (Ø 30,5 m; H. 18 m) 1829-1832: Mit der Galerie d'Orléans entsteht in Paris die erste Passage Die 'Center', Zusammenschlüsse von vielen Läden unter einem Dach, stammen direkt von dem Bautyp der Passage ab. 1833: Treibhäuser aus Glas und Eisen entstehen im Botanischen Garten in Paris. Mit der Galerie d'Orléans zusammen sind jetzt die technischen Grundlagen für die Bautypen Passage, Bahnhof u. Ausstellungsbau gelegt. 1836: Industrielle Herstellung von Doppel- T- Trägern aus Eisen 1836 - 1840: Bau des großen Gewächshauses Chatsworth auf einem Landgut bei Derbyhire, Fläche: 84,4 x 37,5 m und Höhe 20,4 m Chatsworth ist eines der ersten Bauten mit tragendem Glas. Die Eisenkonstruktion wird - ähnlich wie bei einem Faltwerk - durch das Glas ausgesteift. 1839: 1843: Die Gebrüder CHANCE verbessern die Arbeitschritte Aufschneiden, Schleifen und Polieren des Zylinderblasverfahrens, so dass der Glasbruch reduziert wird und die Oberflächen besser werden. Ihre Verbesserung ist Voraussetzung für die Herstellung der enormen Glasmengen für den Kristallpalast (siehe 1851). Mit der Bibliothèque Sainte Geneviève von H. LABROUSTE in Paris entsteht erster öffentlicher Bau mit einer Eisenkonstruktion 1845: Abschaffung der Glassteuer in England. Glas ist nicht länger ein Luxusmaterial und wird immer häufiger verwendet. 1848: PAXTON baut seit ca. 1830 Gewächshäuser aus Gusseisen und Glas. In England entstehen u.a. in Liverpool gusseiserne Gebäude. 1848 baut JAMES BOGARDUS in New York ein Lagerhaus mit gusseisernen Säulen und Architraven. Als Folge dieser Bauten entstehen um 1850 die 'Eisernen Städte', in denen - wie New York und New Orleans - ganze Straßenzüge aus gusseisernen Häusern bestehen. Zeitalter des Imperialismus (~ 1850 - 1918): Zeit: 1850: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Größe der im Spiegelglas- Verfahren hergestellten Gläser erreicht 350 cm x 500 cm Um 1850 bis 1900: Schmiedeeiserne Periode 1851: KARL CULMANN veröffentlicht seine Fachwerktheorie. Mitte 19. Jh.: Zu dieser Zeit gibt es begehbare Glasplatten. THADDEUS HYATT, ein Engländer, verwendet sie in Metallrahmen und legt sie in Gehsteige zur Belichtung von Untergeschossen ein. 1851: Sir JOSEPH PAXTON baut in London die Halle für die 1. Weltausstellung von Handelswaren, den Kristallpalast. Das Glas wird im Zylinderblasverfahren hergestellt. (siehe 1839) 1937 brennt der Kristallpalast in der von PAXTON entworfenen Parkanlage in Sydenham ab, wo er nach der Weltausstellung wieder aufgebaut worden war. 1851 / 1871: Bei der Leistungsschau der Nationen nehmen zur Weltausstellung 1851 in London Länder wie England, Frankreich und die Vereinigten Staaten teil sowie ein Bund namens 'Zollverein' - Deutschland gibt es noch nicht. Nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich ruft Bismarck das Kaiserreich in Versailles aus und mit den Reparationen der Franzosen setzt im Deutschen Reich die erste Gründerwelle ein. Bahnhöfe, Kaufhäuser und Fabriken entstehen mit einer Tageslichtarchitektur aus Glas. 1854: STEDSON erhält Patent auf Isolierglas in den USA 1855: A. v. VOIT baut Glaspalast in München J.L. LAMBOT stellt auf der ersten Weltausstellung in Frankreich ein Boot aus Zement mit einem Eisengerippe vor (siehe auch 1889). 1856: FRIEDRICH SIEMENS erhält Patent auf einen verbesserten Schmelzofen, der die bisher benötigte Menge an Brennstoff halbiert und die Preise für Glas senkt. 1859: Von 1859 bis 1861 wird bei Dresden im Schlosspark Pillnitz eines der ältesten noch erhaltenen Glashäuser in Deutschland errichtet. WILLIAM RANKINE baut mit seinem "Manual of Civil Engineering" die Elastizitätstheorie praxisgerecht aus. Es enthält ein graphisches Verfahren zur Kräfteermittlung, welches auf den Erfahrungen aus dem Holzbau beruht. 1867: Glaspassage Galeria Vitoria Emanuelle in Mailand markiert einen Höhepunkt dieses Bautyps 1872: JOHN KIBBLE erbaut den Kipple Palace in Glasgow, der heute noch existiert. Auch dieses Glashaus weist keine aussteifende diagonale Verstrebung auf. 1873: In Berlin- Charlottenburg wird die 'Flora' errichtet. Sie kombiniert das verglaste Pflanzenhaus mit Angeboten zur Unterhaltung durch Konzerte, Theater, Kleinkunst und Kaffees (1902 abgerissen). 1876: 1876 entsteht als erstes Warenhaus das Kaufhaus Au Bon Marché in Paris, erbaut von dem Ingenieur GUSTAVE EIFFEL und dem Architekten BOILEAU. Es entsteht als ein Glasgebäude mit Lichthöfen und völlig verglastem Dach. Der hohe Glasanteil sollte eine natürliche Beleuchtung ermöglichen. Um 1880 bis heute: Periode des Stahls beginnt 1880 Boom im Wintergarten- Bau. 1880-1900: Mit der 1. Schule von Chicago erfolgt der Übergang zum totalen Skelettbau. Es entstehen die ersten Wolkenkratzer mit großflächiger Verglasung. 1882: OTTO SCHOTT und ERNST ABBÉ gründen in Jena ein Glaswerk für optische Spezialgläser. 1883 - 1885: 1884: 1884: 1886: Für das Home Insurance Building in Chicago stellt W ILLIAM LE BARON JENNY das Stahlskelett hinter die Außenwand und verwirklicht das Prinzip der Vorhangwand als erstes. OTTO W AGNERs baut die österreichische Länderbank, das heutige Bundeskanzleramt. Er experimentiert mit ungewöhnlichen Konstruktionsformen, darunter einem Fußboden aus Glas, der auf einer Stahlkonstruktion liegt. Das Ziel: Das natürliche Licht soll von der Glaskuppel im Kassensaal durch den Glasboden bis in die Kellerebene fallen. CONQUEROS entwickelt erste Glaswalzmaschine für die Drahtglasherstellung. Der Franzose GUSTAVE FALCOOIER produziert mundgeblasene Glasbausteine in ovaler und sechseckiger Form. Probleme mit der Belastbarkeit und Schwitzwasser. Trotzdem große Beliebtheit, z.B. auch bei LE CORBUSIER und AUGUSTE PERRET. 1888: 1889: Tacoma Gebäude in Chicago von HOLABIRD und ROCHE. Erste frei vor die Konstruktion gesetzte Fassade, die zum Vorläufer der Curtain Wall- Konstruktion wird. Mit dem Bau des Eiffelturms von 1887-1889 in Paris hat die Eisenkonstruktion ihren Höhepunkt in Europa erreicht. Danach nimmt ihre Bedeutung ab, da der Eisenbeton als neuer, günstigerer Baustoff sich zu verbreiten beginnt. Die Eisen- Glas- Konstruktionen werden durch Eisenbeton- Glas- Konstruktionen abgelöst. 1891: Für den Bau eines Casinos in Biarritz verwendet EDMOND COIGNET erstmals in einer Feldfabrik vorgefertigte Betonelemente. Das von VLADIMIR SUCHOW entworfene Kaufhaus GUM in Moskau eröffnet. Es hat verglaste Tonnendächer, die mit Zugelementen ausgesteift sind. SUCHOW gilt als ein Pionier der seilverspannten Schalendächer (siehe 1989). 1893: Ab 1895 bis 1914: 1899: Bei Kaufhäusern sollen die Schaufenster weder Tageslicht in das Gebäude lassen noch den Blick zur Straße freigeben, sondern die Blicke der Passanten auf die Waren lenken. Die stetig steigende Größe der Schaufensterscheiben endet schließlich in der Entwicklung der Ganzglasfassade. In San Francisco entsteht das Hallidie Building, das zu einem der ersten mit Curtain Wall gehört. Architekturepoche des Jugendstils. Als Ideal für den Bürger kristallisiert sich das freistehende Einfamilienhaus mit Garten heraus. Es enthält u.a. farbige Verglasungen der Fenster. Der Ruf S CHEERBARTS nach Wänden 'ganz aus Glas - aus farbigen Gläsern' wird eventuell vom Jugendstil inspiriert Die Luxfer- Prismen- Gesellschaft verbessert mit den 'Prismengläsern' die Belichtung in Räumen. Massive, innenseitig prismatisch geformte 10 x 10 cm große Steine lenken Licht in die Tiefe des Raumes Um 1900: LOUIS H. SULLIVAN, einer der Begründer der Lehre von der Funktionalität, prägt einen der wesentlichen Lehrsätze des Funktionalismus: 'Form Follows Function'. 1899/1900: Das Kaufhaus Tietz von BERNHARD SEHRING in Berlin erhält eine voll verglaste Front, die vor die Stützen gehängt ist und somit eine Curtain Wall Konstruktion darstellt. Um 1900: LUBBERS entwickelt ein Zylinderblasverfahren. Glasblasen und -ziehen werden kombiniert Um 1900 - 1930: Zweiter Höhepunkt des Wintergarten- und Glasverandabaus. Eine Funktion ist auch die Anzucht von Nutzpflanzen für die Selbstver- sorgungswirtschaft in den Häusern der Siedlerbewegung der 30er Jahre. 1902: EMILE FOURCAULT erhält ein Patent auf das maschinelle Ziehverfahren 1903: Die Fa. Steiff Spielwaren erhält eine Produktionshalle mit einer der ersten vorgehängten Glasfassaden. Ab 1903: Hochbausystem von RANSOME aus armiertem Stahlbeton wird in den USA patentiert. Das Stahlbetonskelett ist an der bis zu 7 Geschosse hohen - mit Geschosshöhen bis zu 5 m - Fassade deutlich ablesbar. Zwischen der Betonrahmenkonstruktion stehen auf kleinen Ziegelmauern, hinter denen sich die Heizkörper befinden, raumhohe Fenster. RANSOMEs Bauten sind die ersten Vertreter des neuen Bautypus der Tageslicht- Fabrik. Die Tageslicht- Fabrik wird später abgelöst durch die eingeschossige Sheddach- Halle in Stahlrahmenkonstruktion. Zuvor entstehen Jahrhunderte lang Fabriken und Lagerhäuser, z.B. der Hanse, mit Pfeilerkonstruktionen, zwischen denen sich Fenster befinden. Vorbilder sind römische Bauten wie etwa die Basilika aus dem vierten Jahrhundert in Trier, deren Seitenmauern den Prototyp einer Ziegelmauerwerk- Pfeilerkonstruktion darstellen. 1904 - 1912: Die Postsparkasse in Wien von OTTO WAGNER erhält einen Boden aus Glasbausteinen und ein Glasdach über der Kassenhalle, das an den Stützen, die das Hallendach durchdringen, mit einer Seilkonstruktion aufgehängt ist (Prinzip des Glasgewölbes). Vermutlich wird hier zum ersten Mal das Bauprinzip der Hängebrücke auf eine Dachkonstruktion angewendet. POSENER sieht diese Konstruktion als direkten Vorläufer von FREI OTTOS Zeltdachkonstruktionen. Mit Seilen abgespannte Dächer - die nicht notwendigerweise verglast sein müssen - werden zu einem der Merkmale der neuen HightechArchitektur, die Ende der 1970er Jahre mit dem Centre Pompidou von RENZO PIANO und RICHARD ROGERS beginnt. 1906: 1907: Ab 1909: ALBERT KAHN perfektioniert mit dem Packard 10 Gebäude in Detroit, Michigan, die Betonrahmenkonstruktion zu einer "…schamlos nackten Reinheit." BANHAMs Urteil: 'Nullpunkt der Architektur' und 'Erbarmungslose Rationalität'. FRIEDRICH KEPPLER entwickelt den 'Glaseisenbeton'. Seitliche Rillen in einem Steg von 40 bis 65 mm Stärke bilden den Verbund mit den Eisenbetonträgern. Lichtdurchlässige Plattenkonstruktionen mit hoher Tragfähigkeit werden möglich. Gründung des Deutschen Werkbundes u.a. durch P. BEHRENS. Einheit von Kunst, Design und Produktion ist das Ziel. Kubismus entsteht durch GEORGES BRAQUE und PABLO PICASSO. Kennzeichen sind die Aufgabe der Perspektive, so dass verschiedene Ansichten eines Gegenstandes in einem Bild möglich werden, und das Arbeiten mit großen - insbesondere rechteckigen Flächen. 1913/14 zeichnet der Maler KASIMIR MALEWITCH den 'Entwurf für die Häuser der Zukunft'. Die Baukörper setzen sich aus kleinen langgezogenen Rechtecken zusammen. Sie bestehen nur noch aus rechtwinkeligen Platten. Dieses architektonische Prinzip nehmen u.a. LUDWIG MIES VAN DER ROHE mit dem Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona und GERRIT THOMAS RIETVELD im Schröder- Haus 1929 in Utrecht auf. Der Kubismus ist eine der Wurzeln, eine der wesentlichen Voraussetzungen, für das 'Industrielle Bauen' in Plattenbauweise (siehe 1891; 1929; ) 1909: Zenit der Tageslichtarchitektur in Deutschland. PETER BEHRENS baut in Berlin die AEG- Turbinenfabrik als Stahlkonstruktion, die hinter einer klassizistischen Fassade aus Beton steht. Die Größe der Halle und der hohe Verglasungsanteil weisen auf die Intention des Baus hin: Es handelt sich nicht um eine Fabrik, sondern um eine 'Kathedrale der Arbeit'. 1909: E. BENEDIKTUS entwickelt das Verbundsicherheitsglas (VSG), Einsatz in der Automobilindustrie. 1909 - 1910: Werk IV der Spinnerei- Weberei- Augsburg (SWA), als 'Glaspalast' bezeichnet, entsteht im Augsburger Textilviertel als eine der modernsten Spinnereihochbauten Europas, der bis 1988 in Betrieb ist. Der Glaspalast liegt in einem bis zum Ende der 1990er Jahre größten geschlossenen Industriequartiere Europas. Architekt ist PHILLIPP JAKOB MANZ, ausführendes Bauunternehmen die Firma THORMANN & STIEFEL, später WALTER BAU. Das Werk wird in Rekordzeit als Eisenskelett- Konstruktion errichtet. Für die langen Spinnmaschinen muss die Gebäudetiefe 40 Meter erreichen. Das führt zu Problemen bei der Belichtung der Säle. Deshalb werden die Außenwände fast komplett in Fensterflächen aufgelöst. Für eine breitere Lichtstreuung finden Versuche zur Lichtstreuung mit Prismengläsern statt (siehe 1899). 1911/12: PETER BEHRENS baut in Berlin die AEG- Montagehalle als mit Mauerwerk ausgefachte Stahlkonstruktion. Sie erhält außer verglasten Seitenwänden ein fast komplett verglastes Dach. Noch zu BEHRENS Lebzeiten muss wegen der entstehenden enormen Treibhaushitze das Dach neu mit undurchsichtigem Material gedeckt werden. 1912: 1912 formuliert WILHELM OSTWALD den 'energetischen Imperativ' mit den Worten 'Vergeude keine Energie, verwende sie'. 1911-1916: Das Faguswerk von WALTER GROPIUS und ADOLF MEYER erhält eine der ersten Curtain Wall Vorhangfassaden. 1914: PAUL SCHEERBART tritt als Visionär einer neuen Glasarchitektur auf. Auf der Kölner Werkbundausstellung entstehen u.a. ein Glashaus von BRUNO TAUT mit Inschriften von SCHEERBART sowie eine Musterfabrik von WALTER GROPIUS und ADOLF MEYER. 1915: Hitzebeständige Gläser wie "Pyrex" und "Suprax" entstehen. Ab 1916: Der Expressionismus beginnt in Deutschland. Ein Auslöser ist das grausige Massensterben durch den industrialisierten Krieg, weshalb viele Expressionisten antiindustriell und antikapitalistisch sind. Erstes expressionistisches Gebäude - gleichsam als ein Vorläufer ist BRUNO TAUTS Glashaus auf der Werkbundausstellung 1914 in Köln. 1917: Gründung der Stijl- Gruppe 1918: Novemberrevolution ADOLF BEHNE, BRUNO TAUT und WALTER GROPIUS bilden Arbeitsrat für Kunst. Zeitalter zwischen den Weltkriegen und des 2. Weltkrieges (ca. 1918 - 1950): Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur 1919: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik BRUNO TAUT gründet die Gläserne Kette als Geheimbund. L. MIES VAN DER ROHE entwirft erstes Hochhaus aus Glas für Berlin. 1919 und 1926: Taut eröffnet das 1. Bauhaus in Weimar. 1. Bauhaus in Weimar (1919-1926) Ausrichtung: Handwerklich und 2. Bauhaus in Dessau (1926-1933) Ausrichtung: Industriell WALTER GROPIUS ist von 1919 bis 1928 Leiter der Bauhäuser. Die Lehrenden am Bauhaus beginnen selbstbewusst die Architektur bei Null und finden mit der orthogonale 'Platte' nichts geringeres als eine neue Formel für die Architektur. Doch engt die Platte den formalen Kanon so stark ein, dass die kubische, rechtwinkelige und funktionell gerasterte Fassade ein Kennzeichen der Neuen Architektur wird. Ab 1920: 1922: Ab 1920 geben Le Corbusier und der Maler Amédé Ozenfant gemeinsam die Zeitschrift 'l`Esprit Nouveau' heraus. Der neue Geist der Zeit, der l`Esprit Nouveau, besagt, das Ingenieure und Architekten eigentlich das gleiche Ziel verfolgen: Ökonomie, Standardisierung, Gebrauchsfähigkeit, und die Emanzipation durch Technik und Wissenschaft. Somit wird die Industrialisierung des Bauens gefordert. L. MIES VAN DER ROHE entwirft zweites Glashochhaus für Berlin. 1924: Die zu diesem Zeitpunkt größte Glasscheibe der Welt, als Spiegelglas- Scheibe im Walzverfahren in einer englischen Glashütte hergestellt, hat eine Fläche von 41,33 m² (4,90 m Breite und 8,43 m Länge). Um 1925: Entstehen des Internationalen Stils 1925: ERNST MAY holt die Wiener Architekten MARGARETE SCHÜTTELIHOTZKY in sein Büro in Frankfurt/ Main. Sie entwickelt die sog. 'Frankfurter Küche', eine rationale und funktionale Einbauküche. 1925 -1930: In Frankfurt/ Main entstehen unter der Leitung von ERNST MAY und einer Anzahl von Fachplanern gut 12.000 Wohnungen - das so genannte 'Neue Frankfurt'. Im 'Alten' Frankfurt war die Lage der Familien unerträglich geworden, denn sie lebten oft nur in einem Raum und nur die Küche war zu beheizen. MAY, der während seines Studiums auch Kontakt zu SIR RAYMOND UNWIN hat, dem Planer englischer 'Gardencities', konzipiert, konträr zum englischen Konzept, keine autonomen Siedlungen am Stadtrand. Er bindet die in großzügigen Grünanlagen gelegenen Trabantenstätte an die alte Stadt an. Um das Bautempo zu erhöhen entwickelt MAY ab 1926 das 1927 patentierte 'Frankfurter Montageverfahren'. Mit diesem Verfahren entstehen in einer überdachten Halle vorgefertigten Wandplatten aus Bimsbeton. So kann schließlich ein Reihenhaus von 18 Arbeitern in 32 Stunden errichtet werden. Eine erste Versuchssiedlung entsteht in Praunheim. Weiterhin normiert MAY Bauteile wie Fenster, Türen, Öfen, Badewannen, Stühle, Lampen, Türklinken, um sie in Serie herstellen zu können. Das fördert nicht nur die Schnelligkeit und einfache Montage sondern auch eine sehr einheitliche Gestaltung. 1926 - 1929: Mit der ersten Großsiedlung 'Praunheim' - geplant u.a. von ERNST MAY - entstehen die ersten Gebäude des 'Neuen Frankfurts'. Dem vom 24. bis 27. Oktober 1929 in Frankfurt stattfindenden 2. Internationale Kongress für Neues Bauen des CIAM (Congrès Internationaux de l´Architecture Moderne) zum Thema 'Die Wohnung für das Existenzminimum' dient der dritte Bauabschnitt (1928/29) als Beispiel. Es entstehen u.a. 235 Kleinstwohnungen mit ca. 55 qm an Laubengängen, eine Bauweise, die das erste Mal überhaupt in Frankfurt ausgeführt wird. 1926: 2. Bauhaus in Dessau LE CORBUSIER veröffentlicht die 5 Punkte zu einer neuen Architektur. 1926: Zusammen mit den 'Les quatre compositions' zerstört LE CORBUSIER das von SULLIVAN formulierte Entwurfsprinzip des 'form follows function'. Das Haus wird zu einer Wohnmaschine im inneren und zu reinen Körpern unterm Sonnenlicht im äußeren. Die funktionalistische Theorie, dass das Innere, der Inhalt, des Hauses sich in seiner Gestalt ausdrücken muss, wird aufgelöst. 1927: Werkbundausstellung in Stuttgart Weißenhof 1928: Gründung der CIAM, des "Internationalen Kongresses für Neues Bauen" durch SIGFRIED GIEDION als Reaktion auf die Kritik der Bauausstellung in Stuttgart Weißenhof. Ab 1928: Pittsburg- verfahren zum Flachglasziehen Herstellung von ESG 1928/ 1929: ERNST MAY, MARTIN ELSAESSER und WERNER HEBEBRAND planen einen Erweiterungsbau des Gesellschaftshauses im Frankfurter Palmengarten. Dieser Bau erhält eine aus zwei Scheiben bestehende Glasfront zur Gartenseite, zwischen deren Gläsern sich eine Bepflanzung befindet. Sie schafft somit einen optisch fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum. ALEXANDER KLEIN solarer Wohnungsbau Ab 1929: Verneinung des Stadtraums und Proklamation der frei im Grünen stehende Glas- Wolkenkratzer durch LE CORBUSIER 1930 SIEGFRIED GIDION, Schweizer Architekturtheoretiker, veröffentlicht sein Werk 'Befreites Wohnen. Licht, Luft, Öffnung'. Im gleichen Jahr erscheinen die 'Besonnungsuntersuchungen' des Architekten WALTER SCHWANGENSCHEIDT, der später durch den Bau der Nordweststadt in Frankfurt bekannt wird. Bei seinen Untersuchungen des je nach Tages- und Jahreszeit schwankenden Lichteinfalls in die zwei Räume einer Wohnung im Erdgeschoss kommt er zu dem Ergebnis, das eine Zeilenbauweise in NordSüdrichtung die optimale Lösung ist. ERNST MAY und sein Team setzen diese Erkenntnis z.B. in Frankfurt- Westhausen und Hellerhof um. 1930er Jahre: OWENS Illinois Glass Corporation stellt erstmals Glasbaustein aus zwei Hälften her, die unter Druck und Hitze zusammengefügt werden. 1938: Ab 1938: LE CORBUSIER plant für ein Hochhaus in Algier, das nicht ausgeführt wird, aber nach dem 2. Weltkrieg in nahezu identischer Weise in Hamburg entsteht, zum ersten Mal eine 'brise soleil'. Sie ist eine vor die Fassade gesetzte, häufig aus Betonelementen bestehende Konstruktion, welche die Sonne daran hindert, direkt in die Räume zu scheinen (Megaron- Prinzip, siehe 400 v. Chr.). Deutsches Reichspatent für die Sicherheitsglas GmbH Kuntzendorf/ Niederlausitz für das Herstellungsverfahren einer Doppelscheibe mit Randverbund (Isolierglas) Isolierglas, das am Rand verlötet ist, wird unter dem Namen Thermopane in den USA patentiert. Ab 1946: Farnsworth House, von LUDWIG MIES VAN DER ROHE geplant, entsteht als 'Haus ohne Wände' weitgehend nur aus Glas. Lady FARNSWORTH verklagt VAN DER ROHE, weil das Haus unbewohnbar sei, da es durchsichtig wie ein Röntgenbild ist. 1947 - 1952: Die Unité d`Habitation von LE CORBUSIER entsteht in Marseille. Dieser Bau wird zum Ausgangspunkt des Architekturstils des Brutalismus. Die Brutalisten versuchen mit diesem Stil den Bauwerken wieder Substanz zu geben, nachdem sie in den 1920er und 1930er Jahren entmaterialisiert wurden. 1950 - 1955: Kapelle in Ronchamp von LE CORBUSIER. Sie kann als (kurze) Abwendung vom rechten Winkel und eine Zuwendung zum organischen Bauen der 1920er Jahre verstanden werden. Ab 1950: Zeitalter des kalten Krieges (~ 1950 - 1990): Die 2. Schule von Chicago, begründet von MIES VAN DER ROHE, baut eine neue Generation von Glas- Hochhäusern. Zeit: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur 1951: Glasbau HAHN stellt die erste Ganzglasarchitektur vor. 1955: Entwicklung des Floatglas- Verfahrens 1956: Glasbau HAHN entwickelt die erste hängende Verglasung. Ab 1960 - 1975: Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Zweite Gründerzeit in Deutschland (erste siehe 1871) Bauaufgaben: Wohnungsbau, Bildungs- und Ausbildungsbauten, Neu- und Erweiterungsbauten für Fabriken, Verwaltung und sonstige Dienstleistungen, Hallen- und Freibäder, Sportplätze … 1960/63: Erste hängende Verglasung mit aussteifenden Glasschwertern am Haus des Rundfunks / Paris Ab 1960: Glasherstellung im Floatverfahren, bei dem die Glasschmelze auf einem Zinnbad schwimmt Ab 1963: Structural Sealant Glazing Facades in den USA nach Erfindung des Silikons. Deutscher Begriff: Structural Glazing Fassade Ab 1964: Sonnenschutzglas erhält Patent. Zu dieser Zeit ist Bauglas ein Lowtech- Produkt und Fenster stellen Energieverlustflächen an Gebäuden dar. Die Farbpalette der Gläser reicht bis in die 1980er Jahre lediglich von Bronze, Gold, Auresin bis Grau und Silber. Ab 1973: Infolge der Energiekrise 1973, die als Reaktion auf die Unterstützung Israel im Jom Kippur- Krieg durch die westliche Welt entsteht, setzen die arabischen Staaten, die zu der Zeit einen Großteil des Weltölbedarfs decken, ihre Fördermengen drastisch herab. Infolge dessen werden weltweit Energiegesetze erlassen, u.a. in Kalifornien und Österreich, die dem weit verbreiteten Missverständnis unterliegen, dass Energieverluste im Wohnungsbau in direkter Relation zur Verwendung von Glas stehen. Die Verordnungen schreiben vor, dass die Fensterflächen nur 20% und später gar 16% (Kalifornien) der Nutzfläche eines Hauses betragen dürfen. Industriebetriebe mauern daraufhin einen Teil der Fenster ihrer 'Tageslicht- Fabriken' zu (siehe 1903). 1971/75: Weiterentwicklung der hängenden Verglasung für das Verwaltungsgebäude von Willis Faber & Dumas/ Ipswich. Die einzelnen Scheiben werden mit einer geschraubten Klemmverbindung befestigt. 1974-1978: NORMAN FOSTER und OVE ARUP entwickeln für das Sainsbury Center in Norwich eine Aussteifung der Glasfassaden durch Glas- schwerter. Ab 1975: Der 'Sonnenkollektorboom' Mitte der 1970er Jahre wird Mitte der 1980er Jahre von einem dritten Wintergartenboom abgelöst, der immer noch anhält. 1981: MIKE DAVIS veröffentlicht: "Eine Wand für alle Jahreszeiten: die intelligente Umwelt schaffen". 1982: Entwicklung des sog. Planarsystems, bei dem die Einfachverglasung nicht abgehängt, sondern an eine Pfosten- Riegel- Unterkonstruktion geschraubt wird; erster Einsatz am Renault Centre in Swindon. 1983-1986: In Paris La Villette entstehen die 'grandes serre', die großen Gewächshäuser für das Museum für Wissenschaft, Technik und Industrie (Architekt: A. FEINSILBER, Ingenieur: P. RICE). Eine bis dato nicht erreichte Transparenz entsteht durch punktförmig gehaltene Glasscheiben mit flächenbündigen Punkthaltern, die an einer hinterspannten Seilkonstruktion befestigt ist. Glas wird tragend eingesetzt. Ab 1987: Beginn der konstruktiven Glasarchitektur 1986/87: Rosenthal- Verwaltungsgebäude in Selb und Neoplan- Vertriebszentrum in Stuttgart erste Structural Glazing Fassaden in Deutschland 1987: 1989: Südfassade des Institut du Monde Arabe in Paris entsteht als Prototyp einer sich mit der Umgebung verändernden Hülle. Das Ingenieurbüro SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) plant erstmals eine verglaste Stabnetzkuppel mit aussteifenden Seildiagonalen, die eine Schalentragwirkung aufweist (siehe 1893). Durch diese Konstruktionsweise entfällt u.a. die sonst unvermeidbare Verdichtung der Stäbe im Zenit. Die Stäbe verlaufen nicht mehr ring- und meridianförmig. Zeitalter der Globalisierung (ab ca. 1990): Zeit: 1990: Glaschemie - Glasherstellung - Glasarchitektur Bauhistorie - Baumaterialien - Baustatik Normung der Zusammensetzung des Flachglases festgelegt in der DIN 1249-10 und EN 571 Erste hinterspannte Fassade mit Isolierglas in einem Bankgebäude bei Rennes SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln verglastes Netzschalentragwerk für das Museum für Hamburgische Geschichte. SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln für einen Hotelbau am Münchener Flughafen eine Fassade mit vorgespannten Seilen. Ca. 1995 - 2005: Diese Dekade könnte als Ära der Glasdoppelfassade (GDF) in die Geschichte des Glasbaus eingehen. Es entstehen städtebauliche Solitäre, die wohl den Beifall der Glasbaupioniere gefunden hätten (siehe ab 1914). Die Gebäude können nur mit EDV geplant und mittels Simulationen verifizieren werden. Eine Onlinekontrolle 24 h am Tag und 7 Tage die Woche ist unumgänglich. 1992: Bei der Fa. Fischer in Talheim entsteht erste Treppe mit Wangen und Stufen aus Glas. 1993: Hotel Kempinski: Erste verglaste Seilnetzwand mit einer Atriumswand 40 m x 25 m in München 1994: Die Entwicklung des Prinzips der Translationsflächen ermöglicht eine große Formenvielfalt bei den Stabschalen- Tragwerken. Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht mehr teure sphärisch gekrümmte Glasscheiben für verglaste Kuppeln verwendet werden müssen, sondern wesentlich günstigeren ebenen Scheiben zum Einsatz kommen können. 1995: In der Stadtverwaltung in ST- Germain en Laye werden zum ersten Mal Glasstützen als tragende Druck- Elemente eingesetzt. 1996: SCHLAICH, BERGMANN UND PARTNER (SBP) entwickeln eine Fassade mit vorgespannten Seilen für das World Trade Center in Dresden. 1996: Der RWE-Turm von INGENHOVEN, OVERDIEK, KAHLEN UND PARTNER entsteht in Essen mit neuartigen, eigens entwickelten 'FischmaulLufteinlässen' für die natürliche Belüftung der Glasdoppelfassade. Schmale Schlitze sorgen für einen Schornsteineffekt, bei dem Luft in den Fassadenzwischenraum gesaugt und weiter oben wieder nach außen geführt wird. Diese im Windkanal entwickelte Konstruktion verhindert nicht, dass im Glasraum sich heiße Luft sammelt, die beim Öffnen der Innenfenster in die Büros strömt. Im März 1996 wird in Berlin die 'Charta für Solarenergie in Architektur und Stadtplanung' auf Initiative der READ- Gruppe von 30 führenden Architekten aus allen Ländern Europas unterzeichnet. 1997: Ganzglaskugelkalotte in Augsburg als Kuppel aus tragendem Glas 1999: Museumsüberdachung Augsburg als Tonne aus tragendem Glas 2000: Die Europazentrale des ARAG- Konzerns von FORSTER UND PARTNER entsteht in Düsseldorf mit einer Glasdoppelfassade. Der Fassadenzwischenraum reicht jeweils über sieben Etagen. 2000: Es gibt vermehrt Hinweise darauf, dass ein Bauen mit Glas, insbesondere mit Glasdoppelfassaden, von einem Forschungsprogramm begleitet werden muss. Trotz massiven EDV- Einsatzes hat vieles den Charakter von Experimenten. 2002: Der Post- Tower in Bonn ist das erste weitgehende Ganzglasgebäude in Deutschland. Es wird mit einer Doppelfassade ausgeführt, deren Glaszwischenraum als Abluftkamin mit steuerbaren Öffnungen konstruiert ist. Ab 2004: Verbundprojekt Vakuum- Isolier- Glas (VIG) zur Herstellung einer Zweifach- Vakuumverglasung mit einem angestrebten U- Wert von 2 ca. 0,4 W/m K; Marktreife bis zum Jahre 2009 angestrebt. 2004: Eine nicht repräsentative Studie äußert massive Zweifel an der These, dass - insbesondere bei den Glas- Doppel- Fassaden (GDF) - eine technische Klimatisierung durch Fensterlüftung überflüssig ist.