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Deutsche Akademie für Akupunktur | DAA e.V.
Medizin auf den Punkt gebracht.
AKUPUNKTUR
1/2016
Auch online lesen unter www.akupunktur-patienten.de
Liebe Patientin,
lieber Patient,
Lesen Sie in diesem Heft, wie
Ihnen unter Berücksichtigung Ihrer
indi­viduellen Situation ein TCMerfahrener Akupunkturarzt wertvolle Hilfestellung zum Ernährungs­
konzept geben kann. Zahlreiche
körperliche Beschwerden können
sich unter einer verbesserten
Ernährung reduzieren, und der
Erfolg einer Akupunkturbehandlung z. B. zur Gewichtsreduktion
wird unterstützt.
MIT FREUNDLICHER
EMPFEHLUNG ÜBERREICHT
© Fotolia/rangizzz
die Tage sind wieder spürbar
länger geworden und unsere
Freude aktiv zu werden nimmt zu.
Jetzt ist für viele der Zeitpunkt, an
dem der Entschluss wächst, sich
von dem einen oder anderen Kilo
zu verabschieden. Die Ernährungsregeln nach der Traditionellen
Chinesischen Medizin (TCM)
­liefern einen Ernährungsansatz,
von dem gesagt werden kann:
Essen macht Freude und einen
gesunden, schönen Körper.
­Sowohl die körperliche als auch
geistige Vitalität kann gesteigert
werden.
Editorial / Impressum
S. 2
Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin
und Westliche Diäten
S. 3
– Der aktuelle Fall
S. 4
– Tipps für Eilige
– Ernährung nach den 5 Wandlungsphasen
S. 5
S. 7
Vorschau
S. 8
1/2016www.akupunktur-patienten.de
AKUPUNKTUR
Gewicht weg, Freude am Essen behalten
und ­Lebensqualität steigern!
Die Patientenzeitschrift Akupunktur wird herausgegeben
und verlegt von der Deutschen Akademie für Akupunktur |
DAA e.V., München.
fehlung im Zusammenhang mit einer Akupunkturbehandlung in der Regel zu einem raschen und langanhaltenden
Erfolg. Lesen Sie dazu als anschauliches Beispiel den Fallbericht einer Akupunkturärztin in diesem Heft. Dabei wird
einmal mehr deutlich, dass Ernährung zwar eine Auswirkung
auf unsere Figur hat, aber dass sie vielmehr noch die Grundlage für eine gute Lebensqualität darstellt.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen. Mögen Sie nützliche Anregungen für die eigene Ernährungsgestaltung finden.
Ihr Dr. Bernd Ramme
Dr. Bernd Ramme
1. Vorsitzender der DAA e. V.,
Waren
© privat
Kein Lebensbereich kann so viele Kontroversen auslösen
wie das Thema „Ernährung“. Für die Einen ist sie kein Thema, für die Anderen eine Ideologie. Für die Einen ist sie lästiges Übel, für die Anderen Lebensart und Kultur. Die Anzahl
der Kochsendungen, das Geld, das für Kücheneinrichtungen
ausgegeben wird und die Anzahl an Bio-Produkten ließen
erwarten, dass es in unserem Land um die Ernährung gut
bestellt ist. Dies ist bei weitem nicht so. Gut 44 % der Frauen und 60 % der Männer leiden unter Übergewicht und Adipositas, wie im Gesundheitsbericht des Bundes 2012 veröffentlicht wurde [1]. Dabei steigt der Anteil adipöser Menschen von Jahr zu Jahr an. Dies ist umso erschreckender, als
dass die Zusammenhänge von Übergewicht und Zivilisationskrankheiten hinreichend bekannt sind. Übergewicht
stellt ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Diabetes mellitus,
Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebsformen
wie z. B. Brust-, Dickdarm-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs dar.
Während in unserem westlichen Verständnis eine „gute Ernährung“ gemessen wird an der Zusammensetzung von
Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen, Vitaminen und Spurenelementen und sich die „gute Zubereitung“ auf vitaminschonende Garmethoden bezieht, ist der Blick der TCM auf die
Nahrung ein gänzlich anderer. In diesem Heft erfahren Sie
nun mehr über den Ernährungsansatz, den uns die jahrtausendealte Erfahrung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bietet. Unter Berücksichtigung der persönlichen
Situation eines Patienten führt die gezielte Ernährungsemp-
E-Mail: [email protected]
Quelle:
[1] Kapitel 6.17 Übergewicht und Adipositas. Kapitel aus dem „Beitrag
zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2010«
(GEDA). Herausgeber: RKI 2012 ++ GBE, RKI
Copyright: Jeder Patient, jede Patientin kann für private Zwecke die
Onlinezeitschrift unter www.akupunktur-patienten.de lesen, ausdrucken,
herunterladen und auch vervielfältigen. Für gewerbliche Zwecke gelten die
Bestimmungen des Urheberrechts, insbesondere ist die vorherige Zustimmung der Deutschen Akademie für Akupunktur | DAA e.V. notwendig.
Verantwortlicher im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.):
Dr. Bernd Ramme, 1. Vorsitzender der DAA e. V.
Redaktion, Bild und Text:
Deutsche Akademie für Akupunktur | DAA e.V.
Impressum
Osserstraße 40, 81679 München
Produktion:
Schmidt Media Design, Plumserjochstraße 7, 81825 München
www.schmidtmedia.com
Erscheinungsweise: Quartalsweise
2 | Vorwort / Impressum
Wichtiger Hinweis: Für Angaben über Dosierungsanweisungen
und Applikationsformen kann von der Deutschen Akademie für
Akupunktur | DAA e.V. keine Gewähr übernommen werden.
Jeder Benutzer ist angehalten, durch sorgfältige Prüfung der
Beipackzettel der verwendeten Präparate und gegebenenfalls
nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen, ob die dort
gegebene Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von
Kontraindikationen gegenüber der Angabe in dieser Zeitschrift
abweicht. Eine solche Prüfung ist besonders wichtig bei selten
verwendeten Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt
gebracht worden sind. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt
auf eigene Gefahr des Benutzers. Autoren und Herausgeberin
appellieren an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten der Herausgeberin mitzuteilen.
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Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin
und Westliche Diäten
Man ist, was man isst!
nesisches Sprichwort sagt: Wer keine Zeit zum Essen hat,
hat keine Zeit zum Leben! Die Nahrungsaufnahme erfolgt
bereits schon bei Kindern: schnell, kalt, zwischendurch, vor
dem Fernsehgerät, schlecht gekaut und eingespeichelt,
ohne Genuss, zu üppig und unausgewogen und mittels Fertigmahlzeiten und Fast Food. Diese Lebensmittel sind stark
verarbeitet, verändert, mit Zusatzstoffen versetzt, minderer
Qualität, werden häufig zu aggressiv gegart oder in der Mikrowelle zubereitet. Aber wir sprechen hier von den lebenswichtigen Vorgängen unseres Organismus, nämlich von der
Zufuhr von „Lebensmitteln“ und natürlich Flüssigkeitszufuhr,
ohne die unser Organismus nicht funktionieren und normal
arbeiten kann. Wir alle kennen diese Zwänge der Neuzeit,
möchten aber leistungsfähig, gesund und gut aussehend
sein und noch dazu möglichst langsam altern. Kann das so
wie oben beschrieben funktionieren? Wenn unser Anspruch
hoch oder gar erloschen ist? Wir täglich aufs Neue gefordert
sind, uns kaum Pausen gönnen und wenig schlafen? Wenn
wir ständig beruflich, sportlich und privat über unsere Kräfte
gehen und unser Bestes geben? Wo bekommen wir die
Energie dafür her? Nach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) nehmen wir einen Teil aus der Atemluft, einen
größeren Teil aus der Nahrung und einen (hoffentlich) geringen Teil aus der Erbenergie.
Die Menschheit beschäftigt sich seit jüngster Zeit mit dem
Essen bzw. der Aufnahme von Nahrung. Die Intentionen und
Motive sind dabei sehr von den verschiedenen Lebensepochen geprägt. Ein Urzeitmensch musste zunächst das Überleben sichern und anderen Jägern zuvorkommen. Dann gab
es wiederum Zeiten in denen der Ackerbau und das Getreide
im Focus standen, und für eine zunehmende Bevölkerung
durch Massenanbau schnell verfügbare Energie hervorbrachte. Nicht zu vergessen die kulturellen Unterschiede im
Ernährungsverhalten. Heute essen wir vor allem in den Industrieländern, ohne uns dafür körperlich betätigen zu müssen, schnell Verfügbares so nebenbei, unbewusst, weil es
halt sein muss, aber oft ohne Hungergefühl und ohne Genuss. Dazu kommen immer neue Diätregime, um Figur und
Gesundheit zu erhalten, zum Teil nach übertriebenen Idealen
(Modellmaßen / Bodybuilding) und mit den unsinnigsten
Vorgaben. Jedoch ist die Beschäftigung mit Essen, Ernährung und den dazu nötigen Lebensmitteln durchaus eine
sinnvolle und lohnende Betrachtung, denn wie das Wort
„Lebensmittel“ im Wortstamm und der Bedeutung schon
impliziert, handelt es sich um „Mittel zum Leben“. Die Aufnahme von „Lebensmitteln“ ist unabdingbar um unser Leben
und Dasein zu gewährleisten und bestimmt damit auch dessen Qualität. Umso erstaunlicher ist es, dass diesem lebensnotwendigen Umstand so vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit und Zeit im täglichen Leben vieler Menschen
geschenkt wird. Wir haben keine Zeit, „wenig Zeit“ bzw.
nehmen uns keine Zeit zur Zubereitung und letztlich nicht
einmal zum Verzehren und Genießen einer Mahlzeit. Ein chi-
© Syda Productions – Fotolia.com
Qi-Formen
Nach TCM sind Qi, Blut und Körperflüssigkeiten mit der
Essenz (Jing) die wichtigsten Grundsubstanzen des Lebens. Zwischen ihnen, den Organen und Meridianen bestehen enge Beziehungen. Beim Qi unterscheiden wir
zwei Grundformen: Das Kongenitale-Qi (Essenz) bekommen wir aus der Fortpflanzungsenergie unserer Eltern
und diese ist endlich. Das Postnatale Qi wird aus Nährstoffen der Nahrung und Frischluft gebildet.
Die TCM arbeitet seit Jahrtausenden mit einem ganzheitlichen Ernährungsprinzip, um Gesundheit zu bewahren, beginnende Störungen zu beheben, Krankheit zu heilen und
Altern zu gewährleisten. Die Ernährungslehre ist eingebettet in ein umfassendes therapeutisches und diagnostisches
System, das Kräutertherapie, Akupunktur, Bewegungstherapie z. B. Qi-Gong und Massagen z. B. Tuina umfasst. Als präventive Maßnahme gegen Krankheiten spielt die Ernährungslehre die grundlegendste Rolle.
Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin und Westliche Diäten | 3
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In unserer Zeit sagt man in naturheilkundlichem Sinn: „Man
ist, was man isst“. So ist die Ernährung nach TCM in der
Therapie verschiedener Krankheitsmuster eine tragfähige
Säule. Für die Chinesen gehören gute Ernährung und eine
stabile Gesundheit zusammen.
Egal wie der Vater der Krankheit heißt,
die Mutter ist immer die Ernährung. (Sprichwort)
Ist man gesund, zufrieden und gesättigt, dann ist man in seiner Mitte und strahlt dies auch nach außen ab. Sie wollen
abnehmen, Ihr Gewicht halten, sich leichter, besser und gesünder fühlen, strafferes Gewebe haben und souveräner mit
dem Stress des Alltages und Berufslebens umgehen? Dann
vergessen Sie Diäten, übertriebene Sportprogramme und
Zusatzprodukte, die Ihnen hohe Eiweißdosen zuführen und
nicht dazu geeignet sind, eine anhaltend effektive Ernährung zu gewährleisten. Die bislang auf dem Markt existierenden Diäten können allesamt zu einem Jo-Jo-Effekt (zunächst Gewichtsabnahme dann starke Zunahme), zu Stress,
Frust und zum Teil zu Mangelversorgung (energiearme Nahrung) führen. Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass statistisch kaum jemand anhaltend eine Gewichtsreduktion erzielen konnte und die Gesamtbevölkerung nicht
schlanker wurde. Im Gegenteil – in dem Maße, in dem die
Diätindustrie wächst, nimmt die Gewichtsentwicklung in
der Bevölkerung zu. Interessant ist auch, dass die beiden
größten Nahrungsmittelkonzerne in den Gremien für Ernährung sitzen! Übertriebene Sportprogramme schwächen
letztlich unsere Gesamtenergie. Trennkost, Diäten, zu häufig
zu kleine Mahlzeiten und Fertigkost erzeugen in unserem
Stoffwechsel eher negative Effekte wie Stress, Insulinausschüttung und damit in der Folge Insulinresistenz der Zellen
und Heißhunger. Auf diese Weise unterstützen sie den JoJo-Effekt, abgesehen von weiteren gesundheitlichen negativen Effekten, wie den Beginn eines metabolischen Syndroms.
Der aktuelle Fall
Übergewicht Adieu!
Patientin 45 Jahre kommt mit dem Wunsch, eine Akupunkturbehandlung zu erhalten in meine Praxis. Sie leidet unter
Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Fersenspornschmerzen,
fühlt sich völlig erschöpft und erhofft sich Linderung. Sie ist
verheiratet, hat einen Sohn im Schulalter und arbeitet mit
Ihrem Mann im eigenen Betrieb. Sowohl der Haushalt, als
auch die komplette Buchführung und Büroorganisation des
Betriebes ruhen auf ihren Schultern. Trotzdem hat sie immer das Gefühl, nicht genug getan zu haben, macht sich
unablässig Sorgen um ihre Existenz, die Familie und zunehmend um die eigene Gesundheit. Sie fühlt sich für alles
verantwortlich und gestresst von der Mehrbelastung zuhause und im beruflichen Alltag. Deshalb hat sie ein schlechtes
Gewissen. Sie spricht leise und zurückhaltend. Häufig ver-
Metabolisches Syndrom
Das metabolische Syndrom wird heute, neben dem Rauchen, als der entscheidende Risikofaktor für Erkrankungen der arteriellen Gefäße, insbesondere der koronaren
Herzerkrankung angesehen. Es ist charakterisiert durch
folgende vier Faktoren: Abdominelle Fettleibigkeit; Bluthochdruck; erhöhte Blutfette; erhöhte Glucosekonzentration im Blut oder Insulinresistenz (Hauptursache für Typ2
Diabetes mellitus)
4 | Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin und Westliche Diäten · Der aktuelle Fall
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fällt sie ins Grübeln, kann kaum Schlaf finden und fühlt sich
getrieben. In Anamnese und Untersuchung zeigten sich
weitere Beschwerden: häufig krampfartige oder drückende
Magenbeschwerden, Durchfälle, Ödeme, Schweregefühl in
der Muskulatur sowie Druck und Klammergefühl in der
Brust. Es komme immer wieder ein neues Leiden hinzu, und
sie entschuldigt sich immer wieder, dass sie mit solchem
Ballast in der Sprechstunde erscheine. Und dann sei da
noch das Übergewicht: 105 kg bei 174cm. Sie schämt sich,
dass sie seit ihrer Jugend zunehmend übergewichtig geworden sei. Besonders nach der Geburt des Sohnes und mit
der Selbstständigkeit habe sie zugenommen. Ihrem Mann
gefalle das überhaupt nicht und so komme es häufig zu Konflikten. In der Ursprungsfamilie seien alle Frauen übergewichtig. Diäten habe sie bereits viele gemacht, jedoch häufig abgebrochen und immer ohne anhaltenden Erfolg
(Jo-Jo-Effekt). Darüber sei sie traurig und frustriert. Sie sei
nicht satt geworden und all das führte dazu, dass sie sich
etwas gönnen musste. So habe sie es seit ihrer Kindheit
erlebt: Essen als Ausgleich, Seelentröster und Aufmerksamkeitsspender, insbesondere in Form von Kohlenhydraten: Brot, Sättigungsbeilagen, Süßigkeiten und Kuchen.
­Einer erneuten Änderung der Ernährung stand sie extrem
kritisch gegenüber. Unter Akupunktur in Kombination mit
anderen naturheilkundlichen Maßnahmen und Gesprächstherapie, kommt es zu Besserung der Symptomatik und so
langsam kann sie sich auch einer Betrachtung ihrer Problematik über die TCM öffnen.
Eine von Stress und Sorgen geprägte Lebenssituation führt
zu einer Schwäche der Mitte.
Was ist die „Mitte“ aus Sicht der TCM?
Zu den Organen der Mitte gehören Milz und Magen. In
der chinesischen Organlehre sind sie für die Verdauung
zuständig. Eine gute Funktion von Milz und Magen stellt
dem Körper die erforderliche Nahrungsenergie bereit,
die wiederum für alle Körperfunktionen wichtig ist. Alles
was die Mitte in ihrer Funktion schwächt oder blockiert,
führt über kurz oder lang zu gestörten Körperfunktionen
und Krankheit.
Süßigkeiten und süße Lebensmittel führen kurzfristig zur
Linderung dieser Emotionen aber zunehmend auch zu einer
Schwächung der Mitte und zu einer Blockade der Energie.
Der belastende Alltag der Patientin trug weiter zur Fehlernährung bei, da hauptsächlich kalte Mahlzeiten, Brotmahlzeiten, Milchprodukte, Mikrowellen- und Fertigprodukte auf
den Tisch kamen. Obst und gekochtes Gemüse, sowie frisch
gekochte Speisen gab es seltener, da ihr die Zubereitung
zeitlich zu aufwendig war. Mit Saftschorle und Naschereien
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versuchte sie ihren Heißhunger zu besänftigen und belastete damit ihre Mitte weiter. Es kam zum Teufelskreis.
Nachdem wir also erste Erfolge mit Akupunktur und Gesprächstherapie erreicht hatten, machte sie sich auf den
Weg eine 5 Elemente-Ernährung anzustreben. So begannen
wir Mitte 2013 lediglich mit der frischen Zubereitung der
Speisen und der Reduktion der Brot- und Getreidemahlzeiten bzw. Sättigungsbeilagen. Sie trank wenig Kaffee, dafür
Tee und Wasser, keine Saftschorle mehr. Sie aß sich satt,
aber aß nicht darüber hinaus, benutzte frische Kräuter zum
Würzen und ließ sich auf moderate Bewegung wie Schwimmen, Gymnastik und Fahrradfahren ein. Nach nur 3 Monaten
waren 10 kg gepurzelt, der Schlaf und das allgemeine Wohlgefühl waren deutlich gebessert. Derart motiviert achtete
sie vermehrt auf Genuss und darauf, zweimal täglich eine
warme Mahlzeit zuzubereiten. Süßes und Milchprodukte
gibt es nur selten und ihr Verlangen danach ist kaum noch
vorhanden. Durch die Bewegung und nach der Gesprächstherapie kann sie mit ihrem belastenden Alltag besser umgehen und besser schlafen. Kleine psychische Einbrüche
und Ausnahmen bei der Ernährung führen derzeit nicht mehr
zurück in alte Muster. Ihr Gewicht hat sie bis auf 86 kg reduziert und unter Ernährung nach TCM seither ohne Probleme
gehalten. Magenbeschwerden, Schmerzen bei Fersensporn
und ihre starke Erschöpfung sind bislang Geschichte. Sie ist
stolz auf ihre Gewichtsabnahme und strahlt dies auch aus.
Tipps für Eilige
Eine Schnellübersicht
Was ist zu tun? Fast nichts außer…!
•Hören Sie auf Ihren Bauch! Lassen Sie los! Zählen Sie keine Kalorien. Stehen Sie nicht permanent auf der Waage!
Am Anfang schrumpft oft zuerst der Umfang. Das Gewebe
wird straffer, die Muskulatur verbessert sich, bevor die
Waage die Gewichtsabnahme zeigt!
•Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, genießen Sie Ihr Essen.
Kauen Sie gut. Essen Sie nur, wenn Sie hungrig sind. Die
Mahlzeiten sollten wohlschmeckend, genussvoll, bekömmlich und sättigend sein, dann tritt auch keine Heißhungerattacke ein, sondern Zufriedenheit.
•Regelmäßige Mahlzeiten schützen vor Heißhunger. Drei
Mahlzeiten mit mindestens vier Stunden Pause dazwischen, zwei Mahlzeiten am besten warm (stärkt das Qi
und die Mitte).
Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin und Westliche Diäten · Tipps für Eilige | 5
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•Statt Kartoffeln und Nudeln sollten Sie häufiger Reis und
Hirse essen. Reis leitet die Feuchtigkeit aus. Auch Hülsenfrüchte sollten häufiger in kleinen Mengen auf dem Speiseplan erscheinen.
•Essen Sie saisonale Produkte, denn sie passen in die Jahreszeit und sind meist thermisch weder zu kalt noch zu
warm. Bei Kälte sollte man wärmende Speisen essen
(Eintöpfen etc.) und bei Wärme kühlende Speisen wie
Kompott, Rohkost und erfrischende Gemüsesuppen.
•Halten Sie sich an das Sprichwort: Esse morgens wie ein
Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann
(Chronobiologie des Essens nach TCM).
•Verzichte auf Mikrowelle und Fertiggerichte. Sie enthalten Zusatzstoffe, die den Stoffwechsel negativ beeinflussen.
•Meide Brotmahlzeiten, sie sind schwer verdaulich und erzeugen aus TCM-Sicht Feuchtigkeit (1. Ursache für Übergewicht). Brot kann man zu Suppen, Eintöpfen etc. essen,
nicht als alleinige Mahlzeit.
•Kuhmilch und Milchprodukte wirken verschleimend. Sie
blockieren und verschleimen die Mitte (2. Ursache für
Übergewicht). Alternativen: Reis-, Hafer-, Soja- oder Mandelmilch. Kombinationen von Süßem mit Kuhmilch meiden. Süßes verstärkt den verschleimenden Effekt. Reduzieren Sie auch andere Milchprodukte wie weichen Käse,
Quark, Hüttenkäse und Camembert. Essen Sie Käse zu
gekochten Mahlzeiten, dass mindert die Verschleimungstendenz.
•Machen Sie Ihre Speisen bekömmlicher durch Gewürze,
Kräuter und Bittersalate, um der Verschleimungstendenz
entgegen zu wirken.
Einige Gewürze gegen Verschleimung
Anis, Basilikum, Beifuß, Bittersalate wie Rucola/ Radicchio, Dill, Chili, Ingwer, Kardamom, Petersilie
Thermik der Lebensmittel nach
TCM-Vorstellung
In der Ernährung der TCM geht es vorrangig nicht um Mineralstoffe, Vitamine, Fett, Kohlenhydrate und Eiweißgehalt der Lebensmittel, sondern um die Zuordnung zu den
5 Elementen und dem zugeordneten Geschmack, dem
Yin und Yang Charakter und um die thermische Wirkung
eines Lebensmittels im Körper. So wirkt z. B. Minze kühlend, obwohl sie z. B. als Tee warm getrunken wurde.
Deshalb wird in arabischen Ländern, in denen es sehr
warme bis heiße Außentemperaturen gibt, Pfefferminztee warm getrunken. So haben auch andere Lebensmittel eine wärmende oder kühlende Wirkung auf unseren
Körper.
•Keine generellen Verbote. Sie erzeugen Frustration und
damit Heißhunger.
•Essen Sie nur so viel, bis sich eine leichte Zufriedenheit
einstellt, mehr kann Ihr Körper nicht verarbeiten und blockiert die Mitte.
•Stellen Sie sich Ihren Bedürfnissen und versuchen Sie die
Gefühle hinter Ihren Essgelüsten zu erkennen. Stress, Ärger, Sorge und Grübeln belasten die Mitte und führen zu
Heißhunger.
•Achten Sie auf ausreichend Schlaf, genug Pausen und Erholungszeiten. Sorgen Sie für harmonische Lebensbedingungen und eine gute Atmosphäre während der Mahlzeiten.
•Treiben Sie moderaten Sport. Ein Zuviel erschöpft. Ein täglicher Spaziergang z. B. nach dem Abendessen, Gymnastik
und Qi-Gong nähren das Qi.
•Softdrinks, gesüßte Säfte und Saftschorlen sollten gegen
Wasser und Tee getauscht werden. Sinnvoll sind ca. 1,5
bis 2 Liter täglich zu trinken.
•Ein warmes gekochtes Frühstück stärkt die Verdauung und
mindert den Hunger nach Süßem.
6 | Ernährung aus Sicht der Chinesischen Medizin und Westliche Diäten · Tipps für Eilige
Ernährung nach den
5 Wandlungsphasen
Essen im Biorhythmus
In der chinesischen Medizin gilt die fließende Energie als
lebenserhaltendes Prinzip. Danach zirkuliert die Energie in
den Meridianen und Organen im 24Stunden Rhythmus. Der
Meridian- und Organdurchfluss von 2 Stunden pro Meridian/
Organ ist mit einer besonderen Funktionsbereitschaft des
jeweiligen Organs verbunden. Die Darstellung findet sich in
der chinesischen Organuhr wieder.
Das jeweilige Organ ist in dieser Maximalzeit besonders
störanfällig. Dies gilt auch für die um 12 Stunden versetzte
Minimalzeit. Der Magen-Meridian hat zwischen 7.00 und
9.00 Uhr morgens seine Maximalzeit und ist dann besonders
leistungsfähig. In dieser Zeit bietet sich ein reichhaltiges,
möglichst warmes Frühstück an. In der anschließenden Doppelstunde hat die Milz ihre Maximalzeit, es bietet sich ein
Getreide bzw. kohlenhydratreiches Frühstück hinsichtlich
der Qi-Versorgung der beiden Organe besonders an. Die Müdigkeit nach dem Mittagessen hängt von der Qualität und
Quantität des Essens ab und steht im Zusammenhang mit
der Minimalzeit des Leber-Meridians. Dieser verteilt in der
Zeit von 13.00 bis 15.00 Uhr das Qi und Blut nur in geringem
Maße. Durch eine Qi-reiche und -bewegende Kost mit frischen Lebensmitteln, Gemüse, Salat, Kräutern und Gewürzen ist das Mittagstief gut zu überstehen. Am Abend haben
Magen und Milz ihre Minimalzeit zwischen 19.00 und 21.00
Uhr und 21.00 und 23.00 Uhr, d. h. die Abendmahlzeit sollte
nicht zu üppig ausfallen und bis etwas 19.00 Uhr eingenommen werden. Sehr viel späteres Essen oder ständiges Naschen von Kleinigkeiten danach belasten den VerdauungsBeispiel eines Rezepts nach der
5-Elemente-Ernährung.
Porridge mit Früchten zum Frühstück
125 ml Soja-, Hafer- oder Reismilch
E
125 ml Wasser
W
4 Eßl. Haferflocken
E,M,W
120 g Apfel
H, E
100 g Heidelbeeren
H,E,W
2 Eßl. geriebene Mandeln
F, E
1 Eßl. Orangensaft
H, E
ZimtE,M
KakaopulverF
Kardamom
E, M
VanilleE
2 TL Ahornsirup
H,E,M
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trakt bzw. die Organe der Mitte und führen zu Störungen und
Beschwerden, wie z. B. Schlafstörungen und Völlegefühl am
Morgen.
Maximalzeit Magen
Minimalzeit Magen
12 h später
Meridian-/Organuhr
Zubereitung
Haferflocken + Waser + Milch aufkochen+ Vanille 10-12 min
köcheln lassen, 5 min quellen lassen; geraspelten Apfel mit
Orangensaft beträufeln, geriebene Mandeln und Ahornsirup
dazugeben. Mit Zimt, Kardamom und Kakao würzen. Porridge
in eine Schüssel geben und mit Heidelbeeren bestreuen.
Wirkungen auf den Körper:
Sättigt, nährt die Mitte, befeuchtet die Lunge, kühlt Hitze,
tonisiert (stärkt) Qi und Blut.
Birgit Kirchgeßner
Ärztin und Referentin der DAA e. V.
Tizianplatz 35
64546 Mörfelden-Walldorf
Tel. 06105/977990
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www.akupunktur-patienten.de
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Vorschau auf Ausgabe 2/2016
Hauptthema:
Akupunktur in der Schmerzbehandlung
– Kleine Nadeln große Wirkung –
Die schmerzbefreiende Wirkung von Akupunktur erfährt zunehmend an Bedeutung. Die wissenschaftlichen Belege
stützen die guten Erfahrungen der Patienten, die sich einer Akupunkturbehandlung unterzogen haben. Aus diesem
Grunde haben die gesetzlichen Krankenkassen auch für die Indikation chronischer Rücken- und Knieschmerz die
Möglichkeit der Erstattung geschaffen. Doch die verschiedenen Techniken in der Akupunktur – Liquid-, Nadel- und
Laserakupunktur – können bei noch vielen weiteren Schmerzindikationen erfolgreich eingesetzt werden.
Erfahren Sie dazu mehr in der nächsten Ausgabe.
Weitere Patienteninformationen
In Deutschland:
Deutsche Akademie für Akupunktur | DAA e.V.
Osserstraße 40, 81679 München
Tel.: 089/8145252, Fax: 089/82000929
[email protected]
www.akupunktur.de,
www.akupunktur-patienten.de,
www.stoerherd.de
8 | Vorschau
In Österreich:
Österreichische Gesellschaft für Kontrollierte
Akupunktur und Traditionelle Chinesische
Medizin (OGKA),
Glacisstraße 7, A-8010 Graz
Tel.: ++43 (0)316/37 40-50, Fax: -5055,
[email protected]:
www.ogka.at
In der Schweiz:
Schweizerische Ärztegesellschaft für Akupunktur, Chinesische Medizin und Aurikulomedizin, SACAM
Postfach 2003, CH-8021 Zürich,
Tel.: ++41 (0)844/200 200,
Fax: ++41 (0)31/332 41 12
[email protected], www.sacam.ch
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