soFid Allgemeine Soziologie 2008/2

Werbung
soFid - Sozialwissenschaftlicher
Fachinformationsdienst
02/2008
Allgemeine Soziologie
GESIS-IZ Bonn 2008
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst
soFid
Allgemeine Soziologie
Band 2008/2
bearbeitet von
Helmut M. Artus
GESIS-IZ Sozialwissenschaften Bonn 2008
ISSN:
Herausgeber:
bearbeitet von:
Programmierung:
Druck u. Vertrieb:
0176-4292
GESIS-IZ Sozialwissenschaften, Bonn
Helmut M. Artus
Siegfried Schomisch
GESIS-IZ Sozialwissenschaften
Lennéstr. 30, 53113 Bonn, Tel.: (0228)2281-0
Printed in Germany
Die Mittel für diese Veröffentlichung wurden im Rahmen der institutionellen Förderung der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V. (GESIS) vom Bund und den Ländern
gemeinsam bereitgestellt. Das GESIS-IZ ist eine Abteilung der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V. (GESIS). Die GESIS ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft.
© 2008 GESIS-IZ Sozialwissenschaften, Bonn. Alle Rechte vorbehalten. Insbesondere ist die Überführung in maschinenlesbare Form sowie das Speichern in Informationssystemen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Einwilligung des Herausgebers gestattet.
Inhalt
Vorwort ................................................................................................................................................. 7
Sachgebiete
1
Allgemeines, allgemeine Theorien............................................................................................ 9
2
Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)............................................................................ 23
3
Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit....................................................................... 54
4
Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel............................................................................. 96
5
Interaktion.............................................................................................................................. 110
6
Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc......................... 129
7
Sonstiges................................................................................................................................ 166
Register
Hinweise zur Registerbenutzung....................................................................................................... 169
Personenregister................................................................................................................................. 171
Sachregister........................................................................................................................................177
Institutionenregister........................................................................................................................... 193
Anhang
Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur...............................................................................199
Zur Benutzung der Forschungsnachweise......................................................................................... 199
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
Vorwort
7
Vorwort
zum soFid „Allgemeine Soziologie“
Das GESIS-IZ Sozialwissenschaften bietet mit dem „Sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst“ (soFid) zweimal jährlich aktuelle Informationen zu einer großen Zahl spezieller Themenstellungen an. Jeder soFid hat sein eigenes, meist pragmatisch festgelegtes Profil. Gewisse Überschneidungen sind deshalb nicht zu vermeiden.
Quelle der im jeweiligen soFid enthaltenen Informationen sind die vom GESIS-IZ produzierten
Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften – bisher FORIS).
Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den
zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. In SOLIS ist bei einigen Hinweisen unter „Standort“ eine Internet-Adresse eingetragen. Wenn Sie mit dieser Adresse im Internet suchen, finden
Sie hier den vollständigen Text des Dokuments.
Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Der Fragebogen zur Meldung neuer Projekte steht permanent im Internet unter http://www.gesis.org/IZ zur
Verfügung.
Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Im Gegensatz zu Literaturhinweisen, die jeweils nur einmal gegeben
werden, kann es vorkommen, dass ein Forschungsnachweis in mehreren aufeinander folgenden
Diensten erscheint. Dies ist gerechtfertigt, weil Forschungsprojekte häufig ihren Zuschnitt verändern, sei es, dass das Projekt eingeengt, erweitert, auf ein anderes Thema verlagert oder ganz abgebrochen wird. Es handelt sich also bei einem erneuten Nachweis in jedem Falle um eine aktualisierte Fassung, die Rückschlüsse auf den Fortgang der Arbeiten an einem Projekt zulässt.
***
Der vorliegende soFid unterscheidet sich prinzipiell von den meisten der übrigen soFids. Anders
als bei den „Bindestrich-Themen“, die sich mit einzelnen Bereichen des Sozialen beschäftigen z.B. Religion, Jugend, Kriminalität usw. -, befasst sich die allgemeine Soziologie mit den kategorialen und theoretischen Grundlagen der Soziologie: Gesellschaft, Struktur, System, Gruppe, Rolle, Schichtung, Mobilität, Wandel, Kontrolle, Anomie usw. usf. Letztlich sind es diese Kategorien,
die den spezifisch soziologischen Ansatz definieren, die begrifflich-konzeptionell das umreißen,
was „Soziologie“ heißen soll und was nicht dazu gehört.
8
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
Vorwort
Man könnte versucht sein, allgemeine Soziologie mit reine Soziologie zu übersetzen, als eine Beschäftigung mit Begriffen und Theorien, abgehoben von jedem konkreten empirischen Bezug.
Der Idee nach ist das sicherlich nicht abwegig. Fraglich ist jedoch, ob eine solch rigide Interpretation zum Abgrenzungs- bzw. Entscheidungskriterium taugt. Ein Beispiel: Soziale Schichtung ist
ein unverzichtbarer Begriff der allgemeinen Soziologie. Aber: Wäre eine Studie zur sozialen
Schichtung in Indonesien ebenso unverzichtbar für diesen soFid?
Ich habe mich um eine pragmatische Lösung bemüht: Empirische Arbeiten werden (nur) dann berücksichtigt, wenn Kategorien der allgemeinen Soziologie nicht bloß zur Interpretation der Daten
angewandt werden, sondern wenn - neben aller Empirie - auch ein Beitrag zur allgemeinen Soziologie geleistet wird. (Dabei gilt freilich immer das Prinzip in dubio pro. )
Da es sich bei der allgemeinen Soziologie um eine genuin theoretische Teil-Disziplin handelt, deren Aktivitäten nur in den seltensten Fällen Projektform annehmen, dominieren im vorliegenden
soFid die Veröffentlichungen; Forschungsprojekte finden sich nur ganz vereinzelt.
Die Kapitelgliederung orient sich soweit wie möglich an der klassischen Lehrform der Allgemeinen Soziologie mag, aber trotzdem zuweilen ein wenig zwanghaft oder gar willkürlich erscheinen.
Die hier benutzte Gliederung erschien aber von allen, die in einer Reihe von Versuchen getestet
wurde, als die geeignetste.
Die Kapitel 2-4 beziehen sich im Wesentlichen auf die gesellschaftliche bzw. Makroebene: Kapitel 2 in unspezifischer Weise, Kapitel 3 auf den strukturellen, statischen Aspekt von Gesellschaft
(Sozialstruktur, Schichtung, Klassengesellschaft, Integration etc.), Kapitel 4 auf den prozessualen,
dynamischen Aspekt (sozialer Wandel, Strukturwandel, Transformation, Mobilität usw.). Damit
ist die inhaltliche Differenz zum nachfolgenden Kapitel 5 (Interaktion) wohl trennscharf genug.
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
1
9
Allgemeines, allgemeine Theorien
[1-L] Albert, Hans:
Bemerkungen zum Problem der Erklärung sozialer Vorgänge: Max Webers Synthese und
die modernen Sozialwissenschaften, in: Andreas Diekmann, Klaus Eichner, Peter Schmidt,
Thomas Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische Analysen und empirische Resultate :
Festschrift für Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008,
S. 15-22, ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: Max Webers Synthese, so der Autor, hat dem methodologischen Individualismus in
den Sozialwissenschaften den Weg geebnet. Die Rational-Choice-Theorie baut auf diesem
Programm auf, wobei aber im Gegensatz zum homo oeconomicus-Modell in einer "weiten"
Version nicht-materielle Präferenzen und die subjektive Wahrnehmung von Restriktionen berücksichtigt werden. Die allgemeinen methodologischen Auffassungen Max Webers scheinen
sich in einem großen Bereich der sozialwissenschaftlichen Forschung durchzusetzen. (GB)
[2-L] Baecker, Dirk:
Gewalt im System, in: Dirk Baecker: Wozu Gesellschaft?, Berlin: Kulturverl. Kadmos, 2007, S.
29-52, ISBN: 978-3-931659-99-8 (Standort: TH Aachen(82)-Lf/5537)
INHALT: Um die Gewalt wird öfters ein "Streit um Worte" geführt, der immer auch damit etwas
zu tun hat, Gewalt bei anderen identifizieren und als die Regeln des Sozialen verletzende Zumutung qualifizieren zu können, mögliche eigene Gewalt jedoch als Abwehr, bloße Betroffenenreaktion oder Symbol stilisieren zu können. Der Begriff der Gewalt ist damit ein polemischer Begriff. Die vorliegende begriffliche Klärung aus systemtheoretischer Perspektive unterscheidet zunächst zwei Gewaltbegriffe, die nur die Wahl zwischen der Verharmlosung und
der Dramatisierung des Phänomens lassen. Der Begriff der körperlich-physischen Gewalt tendiert zu einer Deflationierung des Phänomens, der Begriff der strukturellen Gewalt zu seiner
Inflationierung. Entweder wird die Gewalt unterschätzt oder sie wird überschätzt. Der Autor
versucht eine Wahlmöglichkeit zwischen Unterschätzung und Überschätzung bereitzustellen,
um "somit in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich reagieren zu können". Die Suche
nach einem "dritten Gewaltbegriff" führt dann mitten hinein in die Auseinandersetzung um
Grundlagenfragen der soziologischen Theorie. Es folgen zunächst einige sowohl außerhalb
wie innerhalb der Soziologie bereitgestellten gesellschaftstheoretische Hinweise auf Gewalt
im System, um im Anschluss daran einen Begriff der systemischen Gewalt vorzustellen, der
mit den Mitteln soziologischer Theorie zeigen kann, an welcher Stelle Gewalt in das System
eingebaut ist. (ICA2)
[3-L] Best, Henning:
Die Messung von Nutzen und subjektiven Wahrscheinlichkeiten: ein Vorschlag zur
Operationalisierung der Rational Choice Theorie, in: Methoden, Daten und Analysen :
Zeitschrift für empirische Sozialforschung, Jg. 1/2007, H. 2, S. 183-212
(www.gesis.org/Publikationen/Zeitschriften/MDA/pdf/2007_02/MDA2_07_Best.pdf)
10
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
INHALT: "Bislang sind in der empirischen Sozialforschung nur recht wenige direkte Anwendungen der Theorie rationalen Handelns (RCT) zu finden. Um solche empirischen Anwendungen
zu erleichtern, wird ein ausgearbeiteter Vorschlag zur Operationalisierung und Messung der
zentralen RC-Variablen präsentiert. Im Zentrum steht die Messung von Nutzen und subjektiven Wahrscheinlichkeiten im Sinne der Wert-Erwartungs- / SEU-Theorie. Am Beispiel einer
Untersuchung zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft werden die Ergebnisse der
Messmethode diskutiert." (Autorenreferat)
[4-L] Brock, Ditmar:
Globalisierung: Wirtschaft - Politik - Kultur - Gesellschaft, (Lehrbuch), Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss. 2008, 254 S., ISBN: 978-3-531-15398-8
INHALT: "Das Buch will dem Leser einen Überblick über wirtschaftliche, politische, kulturelle
und gesellschaftliche Aspekte der Globalisierung geben. Besonderen Wert wird im ersten Teil
auf die Analyse der jüngsten Phase wirtschaftlicher Globalisierung gelegt. Im zweiten Teil
wird der Frage nachgegangen, wie das politische System auf diese aktuellen Herausforderungen reagieren kann. Im Mittelpunkt der Darstellung kultureller Globalisierung stehen dagegen
die verschiedenen Wege, wie schon seit Jahrtausenden Sprach- und Kulturgrenzen überwunden wurden. Schließlich wird untersucht, was aus diesen Entwicklungen für die Zukunft von
Gesellschaften folgt, deren Grundlage immer in der erfolgreichen territorialen wie sozialen
Abschließung gegen andere Gesellschaften bestand. Dabei zeigt sich, dass sich zwar Entwicklungen in Richtung auf eine Weltgesellschaft ausmachen lassen, diese aber keineswegs zu einem Welteinheitsstaat oder gar zu einer Welteinheitskultur führen werden." (Autorenreferat)
[5-L] Clam, Jean:
Was ist ein psychisches System?: zum Vollzug von Bewusstsein zwischen rauschender
Kommunikation und geminierter Individualität, in: Soziale Systeme : Zeitschrift für
soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 345-369 (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Ausgehend von einer Rekonstruktion von Luhmanns Versuch, die Theorie einer autopoietischen Kommunikation mit der einer Autopoiesis des Bewusstseins zu flankieren, erkundet der Aufsatz die konstitutiven Bezüge dessen, was Luhmann ein psychisches System
nennt. Dabei wird die Rauschensstruktur der Kommunikation herausgearbeitet und gezeigt,
dass die systemische Syntaktisierung der Kommunikation dieser notgedrungen die Struktur
eines außen operierenden Gesamtprozesses für ein in sie hinein gewobenes psychisches System verleiht. Es stellt sich dann die Frage nach der Weise der Aneignung der von dieser Kommunikation produzierten Sinnbestände durch das Bewusstsein. Dessen Zurückwerfung auf die
Überfülle der Wahlmöglichkeiten von Lebensentwürfen und Genusschancen bedingen seine
Geminierung zu einer Doppelindividualität, die in unseren Gesellschaften nunmehr Voraussetzung für die Ergreifung solcher Entwürfe und Chancen ist." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
11
[6-L] Döring, Jörg; Thielmann, Tristan (Hrsg.):
Spatial Turn: das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Bielefeld:
transcript Verl. 2008, 452 S., ISBN: 978-3-89942-683-0
INHALT: "Warum reden alle vom Raum? Ist die Zeit der wissenschaftlichen Vorherrschaft der
Zeit vorüber? Was tritt unter den Bedingungen der Globalisierung an die Stelle eines schwächelnden Fortschritts- und Entwicklungsparadigmas? Wenn mittlerweile fast alle Disziplinen
in Kultur- und Sozialwissenschaften damit beschäftigt sind, ihre Diskurse zu 'verräumlichen',
ist dann die Rede von einem 'Spatial Turn' angemessen? Diese Anthologie leistet zweierlei:
Zum ersten Mal erscheint auf dem deutschen Buchmarkt eine fächerübergreifende Anthologie
zum Spatial Turn und zum ersten Mal findet eine Diskussion auch unter Beteiligung der Geographen statt - jenen 'Raumspezialisten', die sich in jüngster Zeit als scharfe Kritiker der fächerübergreifenden Raumkonjunktur profiliert haben." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Jörg Döring, Tristan Thielmann: Einleitung: Was lesen wir im Raume? Der Spatial Turn und
das geheime Wissen der Geographen (7-48); Jörg Dünne: Die Karte als Operations- und Imaginationsmatrix. Zur Geschichte eines Raummediums (49-70); Guiliana Bruno: Bildwissenschaft. Spatial Turns in vier Einstellungen (71-74); Eric Piltz: "Trägheit des Raums". Fernand
Brandel und die Spatial Stories der Geschichtswissenschaft (75-102); Matthias Middell: Der
Spatial Turn und das Interesse an der Globalisierung in der Geschichtswissenschaft (103124); Markus Schroer: "Bringing space back in" - Zur Relevanz des Raums als soziologischer
Kategorie (125-148); Rudolf Stichweh: Kontrolle und Organisation des Raums durch Funktionssysteme der Weltgesellschaft (149-164); Niels Werber: Die Geo-Semantik der Netzwerkgesellschaft (165-184); Manfred Fassler: Cybernetic Localism: Space, Reloaded (185-218);
Stephan Günzel: Spatial Turn - Topographical Turn - Topological Turn. Über die Unterschiede zwischen Raumparadigmen (219-240); Edward W. Soja: Vom "Zeitgeist" zum "Raumgeist". New Twists on the Spatial Turn (241-262); Gerhard Hard: Der Spatial Turn, von der
Geographie her beobachtet (263-316); Marc Redepenning: Eine selbst erzeugte Überraschung: Zur Renaissance von Raum als Selbstbeschreibungsformel der Gesellschaft (317340); Roland Lippuner: Raumbilder der Gesellschaft. Zur Räumlichkeit des Sozialen in der
Systemtheorie (341-364); Benno Werlen: Körper, Raum und mediale Repräsentation (365392); Nigel Thrift: Raum (393-408); Mike Crang: Zeit : Raum (409-438).
[7-L] Esposito, Elena:
Zeitmodi, in: Soziale Systeme : Zeitschrift für soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 328344 (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In vielen Situationen in der modernen Gesellschaft und insbesondere bei riskanten
Entscheidungen wäre einen komplexerer Zeitbegriff nötig, der die Differenz zwischen gegenwärtiger Zukunft und künftigen Gegenwarten berücksichtigt sowie die Tatsache, dass man es
immer mit einem unbekannten Zukunft zu tun hat - von der man aber weiß, dass sie vom gegenwärtigen Verhalten abhängig ist: Wir wissen nicht, was sich ereignen wird, wissen aber,
dass es sich aus dem ergeben wird, was wir (und andere) jetzt tun. Ausgehend von der doppelten Unterscheidung aktuell/ inaktuell und Vergangenheit/ Zukunft schlägt der folgende
Beitrag einen modalisierten Begriff der Zeit vor, der Unbestimmtheit und Operativität kombiniert. Die Dynamiken auf den Finanzmärkten werden als Beispiele für die Operationsweise
dieser rekursiven und reflexiven Zeit diskutiert." (Autorenreferat)
12
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
[8-L] Esser, Hartmut:
Soll das denn alles (gewesen) sein?: Anmerkungen zur Umsetzung der soziologischen
Systemtheorie in empirische Forschung, in: Soziale Welt : Zeitschrift für
sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, Jg. 58/2007, H. 3, S. 351-358 (Standort: USB
Köln(38)-Haa00943; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: In der Diskussion um den eigenständigen Status der soziologischen Systemtheorie von
Niklas Luhmann geht es letztlich um die Frage, ob die Regeln der Analytischen Wissenschaftstheorie auch für die Erfassung der typischen Besonderheiten des Gegenstandes der Sozialwissenschaften (z.B. Intentionen, Sinn und Kultur, Geschichtlichkeit, Reflexivität und Polykontexturalität) geeignet sind oder ob eine Sondermethode angewendet werden muss, die
auf die üblichen Regeln der wissenschaftlichen Erklärung verzichten zu können glaubt. Diese
Diskussion setzte nur den alten Streit um die Theorien- und Methodenvielfalt in den Sozialwissenschaften weiter fort und führte bisher kaum zu praktischen Konsequenzen innerhalb
des systemtheoretischen Diskurses. Der Autor kommentiert vor diesem Hintergrund den Aufsatz von Werner Vogd "Empirie oder Theorie? Systemtheoretische Forschung jenseits einer
vermeintlichen Alternative" im vorliegenden Themenheft. Er greift dabei drei Aspekte heraus: die "Systemtheorie als Metatheorie empirischer Sozialforschung", der "Sinnbegriff" und
das empirische Beispiel eines "rekonstruktiven Forschungsprogramms". (ICI2)
[9-L] Feldkamp, Solveig:
Die Zeit als Ordnungselement: eine Analyse über die Bedeutung der Zeit in der modernen
Gesellschaft, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007, 67 S., ISBN: 978-3-836421132-5
(Standort: UuStB Köln(38)-13B3227)
INHALT: "Was immer uns begegnet, tritt uns in der Zeit entgegen, ist selbst zeitlich und trifft
uns zu einer bestimmten Zeit unseres Lebens. Die Zeit begleitet unseren Tag, ist allgegenwärtig, zwar nicht immer spürbar, aber doch unentrinnbar. Zeit wird oft als normierend und als
Zwang empfungen, aber sie bietet uns auch eine Orientierung, regelt und koordiniert unser
gegenseitiges Handeln. Zeit gehört in irgendeiner Weise zur sozialen Ordnung, ein Leben
ohne Zeit ist nicht vorstellbar. Die Autorin Solveig Feldkamp stellt in den Mittelpunkt Ihrer
Betrachtung den Stellenwert der Zeit im sozialen Ordnungsgefüge und geht der Fragestellung
nach, ob Zeit ein eigenständiger Ordnungsmechanis oder lediglich ein Element innerhalb eines Ordnungsmechanismus darstellt. Daneben wird das Phänomen der Zeitknappheit in der
modernen, komplexen Gesellschaft in die Betrachtungsweise mit einbezogen und kritisch diskutiert." (Autorenreferat)
[10-L] Florian, Michael:
Felder und Institutionen: der soziologische Neo-Institutionalismus und die Perspektiven
einer praxistheoretischen Institutionenanalyse, in: Berliner Journal für Soziologie, Bd.
18/2008, H. 1, S. 129-155 (Standort: USB Köln(38)-XG07112; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich; www.bjs-digital.de/)
INHALT: "Auf der Suche nach einer sozialtheoretischen Fundierung hat die Renaissance des USamerikanischen 'New Institutionalism' zu einer stärkeren Beachtung der Praxistheorie von Pierre Bourdieu geführt. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Chancen für eine Kombinati-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
13
on von Neo-Institutionalismus und Praxistheorie bestehen und welche Perspektiven sich daraus für eine praxistheoretische Institutionenanalyse erschließen. Eine Untersuchung der Rezeption der Praxistheorie im Bereich des soziologischen Neo-Institutionalismus zeigt, dass
Bourdieu bislang, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weder im Bereich der Theoriebildung
noch in der empirischen Forschungspraxis eine relevante Rolle spielt. Am Beispiel zweier
grundlegender Problemstellungen soziologischer Institutionenkonzepte - der Mehrdeutigkeit
des Regelbegriffs und der Abgrenzung des Gegenstandsbereichs sozialer Institutionen - lassen sich jedoch fruchtbare Anschlussmöglichkeiten zwischen dem 'neuen' Institutionalismus
und der Praxistheorie identifizieren." (Autorenreferat)
[11-L] Göbel, Andreas:
Zwischen operativem Konstruktivismus und Differenzierungstheorie: zum
Gesellschaftsbegriff der soziologischen Systemtheorie, in: Soziale Systeme : Zeitschrift für
soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 311-327 (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Beitrag diskutiert einige theoretische Schwierigkeiten der Luhmannschen Fassung von Gesellschaftstheorie. Insbesondere die paradoxe Fundierung der Kategorie 'Gesellschaft' - nur einer unter mehreren Typen sozialer Systeme, zugleich aber Begriff für die Einheit der Gesamtheit des Sozialen - sticht hier hervor. Sondiert man die für die Theorie relevanten und am Gesellschaftsbegriff markierten Problemlagen und Desiderate, ergibt sich daraus einerseits eine differenzierungstheoretische Akzentuierung der Gesellschaftskategorie im
Sinne 'letzter' grundlegender Reduktionen, wie sie für eine Differenzierungsform eigentümlich sind. Andererseits steht dem die (spätere) tendenzielle Identifikation von Gesellschaft mit
dem Gesamt aller Kommunikationen entgegen. Beide begrifflichen Ebenen sind miteinander
nicht auf allen Ebenen kompatibel. Man kann aber zeigen, dass die kommunikations- und
emergenztheoretische Fassung des Gesellschaftsbegriffs auf Problemlagen der differenzierungstheoretischen Fassung reagiert - sie freilich wahrscheinlich nicht 'aufhebt'." (Autorenreferat)
[12-L] Harbach, Heinz:
Eine Soziologie der Ungerechtigkeit, in: Axel Groenemeyer, Silvia Wieseler (Hrsg.): Soziologie
sozialer Probleme und sozialer Kontrolle : Realitäten, Repräsentationen und Politik, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 48-69, ISBN: 978-3-531-15749-8
INHALT: Mit einer Modifikation der Aufforderung Kants, Erfahrungswissen zu einem sinnvoll
zusammenhängenden Ganzen zu verknüpfen, versucht der Beitrag, die philosophische Tradition des Gerechtigkeitsdenkens mit Theorieansätzen und Forschungsergebnissen der Soziologie sozialer Probleme zu verknüpfen. Zu diesem Zweck wird Soziologie als die Wissenschaft
von den sozialen Problemen verstanden. Soziale Probleme werden als natürliche und kulturelle Sachverhalte definiert, die von mächtigen Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen
als unerwünscht eingestuft werden und bei denen die Chance besteht, dass sie änderbar sind.
Diese vier Definitionselemente eines sozialen Problems reflektieren die methodischen Grundprobleme und erkenntnistheoretischen Kontroversen, denen die Soziologie insgesamt ausgesetzt ist. (ICE2)
14
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
[13-L] Iser, Mattias:
Empörung und Fortschritt: Grundlagen einer kritischen Theorie der Gesellschaft, (Theorie
und Gesellschaft, Bd. 64), Frankfurt am Main: Campus Verl. 2008, 329 S., ISBN: 978-3-59338474-0
INHALT: "Der Zusammenhang von Empörung und Fortschritt steht im Zentrum der kritischen
Gesellschaftstheorien von Jürgen Habermas und Axel Honneth. Obgleich sie von unterschiedlichen Grundbegriffen - Verständigung und Anerkennung - ausgehen, eint beide das Projekt,
universelle moralische Erwartungen zu rekonstruieren, um eine umfassende Kritikder Gesellschaft zu begründen. Aber verweist Empörung stets auf moralisches Unrecht? Und lassen sich
hieraus tatsächlich Kriterien für moralischen Fortschritt gewinnen? Der Autor arbeitet die
Vor- und Nachteile der neueren Kritischen Theorie gegenüber konkurrierenden Formen der
Gesellschaftskritik heraus. Er legt hiermit den ersten umfassenden Vergleich der Ansätze von
Habermas und Honneth vor und verteidigt eine dritte, vermittelnde Position kommunikativer
Anerkennung." (Autorenreferat)
[14-F] Kron, Thomas, Prof.Dr.; Hedström, Peter, Prof.Ph.D. (Bearbeitung):
Soziale Mechanismen
INHALT: Gegenwärtig wird an dem Aufbau einer internationalen Forschergruppe zum Thema
mechanismischer Erklärungen in der Soziologie gearbeitet. Es wurde ein erster Workshop am
Nuffield-College der University of Oxford für März 2008 vorbereitet. Langfristig wird eine
EU-finanzierte Förderung dieses Projekts angestrebt.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Technische Hochschule Aachen, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie
Lehrstuhl Allgemeine Soziologie (Eilfschornsteinstr. 7, 52062 Aachen)
KONTAKT: Kron, Thomas (Prof.Dr. Tel. 0241-80-96094, Fax: 0241-80-92389,
e-mail: [email protected])
[15-F] Kron, Thomas, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Fuzzy-logische Modellierung der Systemtheorie von Niklas Luhmann
INHALT: Ziel des interdisziplinär angelegten Projekts ist die Modellierung der Systemtheorie sozialer Systeme von Niklas Luhmann mittels Fuzzy-Logik. Dem Projekt liegt die Annahme zu
Grunde, dass sich die Komplexität sozialer Systeme mittels Fuzzy-Logik angemessener modellieren lässt, als das mit der bivalent konstruierten Systemtheorie Luhmanns möglich ist.
Das Projekt ist bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Technische Hochschule Aachen, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie
Lehrstuhl Allgemeine Soziologie (Eilfschornsteinstr. 7, 52062 Aachen)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0241-80-96094, Fax: 0241-80-92389,
e-mail: [email protected])
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
15
[16-L] Lange, Stefan:
Kybernetik und Systemtheorie, in: Arthur Benz, Susanne Lütz, Uwe Schimank, Georg Simonis
(Hrsg.): Handbuch Governance : theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 176-187, ISBN: 978-3-531-14748-2
INHALT: Der Beitrag von Kybernetik und Systemtheorie für die Governance-Forschung wird
diskutiert. Dabei werden Fragen der politischen Planung und der politischen Steuerung angesprochen. Das systemtheoretische Konzept der Kontextsteuerung von Willke wird als produktivster systemtheoretischer Beitrag zur Governance-Problematik hervorgehoben. Allerdings
krankt das Konzept an einem Legitimitätsdefizit, dem sich das Tagesgeschäft des politischen
Gestaltungshandelns in verflochtenen Verhandlungsarenen und komplexen Governance-Konstellationen generell ausgesetzt sieht. Policy-Netzwerke erfüllen nicht das unverzichtbare Kriterium der Inputlegitimität. (GB)
[17-F] Langenohl, Andreas, Dr.habil. (Bearbeitung):
Die Doppelkarriere eines Konzepts: "Reflexivität" als Zeitdiagnose und als Forschungsstrategie im sozialwissenschaftlichen Diskurs
INHALT: Das Forschungsprojekt, das im Rahmen der Forschungsgruppe "Idiome der Gesellschaftsanalyse" verfolgt wird, nimmt seinen Ausgang beim Befund, dass der Begriff der Reflexivität derzeit eine doppelte Konjunktur im sozialwissenschaftlichen Diskurs hat: einerseits
als zentrale Kategorie sozialwissenschaftlicher Zeitdiagnostik, andererseits als eine Forschungsstrategie, die die Positionalität der Forschenden im Prozess der Erkenntnisproduktion
explizit thematisiert. Im ersten Sinne wird unter Reflexivität, allgemein gesprochen, eine gegenwärtige gesellschaftlich-kulturelle Makrokonstellation verstanden, in der die Fernwirkungen gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse negativ auf deren Fungibilitätsgrundlagen zurückschlagen. Beispiele hierfür werden vor allem, jedoch nicht nur, von den Theoretikern der
"zweiten" oder "reflexiven Moderne" gegeben (etwa Ulrich Beck, Anthony Giddens und
Scott Lash), so etwa die Untergrabung der Wirkmächtigkeit politischer Entscheidungen durch
ihre massenmediale Zirkulation, das Zurückschlagen von Industrialisierungsprozessen auf deren natürliche Grundlagen und das Entgleiten der Folgen nationalstaatlicher Politiken aus
dem regulativen Rahmen des Nationalstaats. Im zweiten Sinne bezeichnet Reflexivität eine
Forschungsstrategie, die die Einwirkung des Forschungsprozesses auf den Forschungsgegenstand in Rechnung stellt und auf diese Weise zu kontrollieren versucht. Prononciertester Vertreter dieser Strategie in der Soziologie war Pierre Bourdieu, dem zufolge "wissenschaftliche
Reflexivität" impliziert, dass neben der Datenerhebung, -auswertung, Interpretation und Generalisierung eine Theorie der soziologischen Praxis mitlaufen muss, die den Einfluss der
Forschungspraxis auf die Konstitution und Interpretation des Untersuchungsobjekts reflektiert
und auf diese Weise minimiert. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Gründen und
den Folgen dieser Doppelkarriere des Konzepts der Reflexivität. Es formuliert folgende Forschungsagenda: 1. eine Genealogie von Reflexivität als sozialwissenschaftlich relevanter
Doppelkategorie. Hier steht insbesondere die inter- und transdisziplinäre Zirkulation des Konzepts zwischen den Disziplinen Literaturwissenschaft, Anthropologie, Soziologie und Philosophie im Vordergrund. Bei der Nachzeichnung dieser Genealogie ist besonderes Augenmerk
nicht nur auf die Kanonisierung von Verständnissen von Reflexivität zu achten, sondern auch
auf Verzweigungen der Debatte, die nicht kanonisiert wurden. 2. Eine Konstitutionsanalyse
reflexiver Positionalitäten vor dem Hintergrund ihrer Abgrenzungen von der bisherigen Theo-
16
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
riebildung und Forschungspraxis. Eine solche Rekonstruktion reflexiver Kritik an "überkommenen" Forschungspraxen und Theorien muss sich darauf konzentrieren, welche spezifischen
Geschichten der jeweiligen Disziplinen konstruiert werden, um die Kategorie der Reflexivität
zu legitimieren (vgl. Donald Levine, Visions of the Sociological Tradition). 3. Die Identifizierung institutioneller Faktoren und gesellschaftlicher Vorverständnisse, die zur Doppelkarriere
des Konzepts beitrugen, und die Nachzeichnung von Bezügen zwischen den beiden Verwendungsweisen des Konzepts. Vor dem Hintergrund der grundsätzlichen Legitimationsbedürftigkeit sozialwissenschaftlichen Wissens interessieren in diesem Zusammenhang rhetorische
Strategien der Überredung, die von Vertretern reflexiver Zugänge zu Zeitdiagnostik und Forschungsstrategie gegenüber ihren Publika bzw. ihren Förderinstitutionen zum Einsatz gebracht werden, sowie diskursive Praxen sozialwissenschaftlicher Kritik und Gegenkritik an
Forschungsagenden, mittels derer auf zugrunde liegende vorreflexive Einverständnisse geschlossen werden kann.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Konstanz, Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
(Fach D 173, 78457 Konstanz)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 07531-36304-16, Fax: 07531-88-4410,
e-mail: [email protected])
[18-F] Lindner, Diana (Bearbeitung); Schimank, Uwe, Prof.Dr. (Betreuung):
Individualisierung und Anspruchsbildung
INHALT: In der Dissertation wird der Frage nach der Theoretisierbarkeit von Individualisierung
nachgegangen. Ausgehend von vor allem makrosoziologisch beschreibenden Analysen über
Individualisierung als gesellschaftlichen Prozess, soll in der Dissertation ein mikrotheoretischer Ansatz zur Erklärung von Individualisierung erarbeitet werden. Dabei bildet die Theorie des Anspruchsindividualismus von Niklas Luhmann die Grundlage und wird mit Elementen des sozialpsychologischen Anspruchsniveaukonzepts von Kurt Lewin und der AkteurNetzwerk-Theorie zu einer individualistischen Handlungstheorie kombiniert. Im zweiten Teil
der Arbeit wird die Theorie einer empirischen Überprüfung unterzogen. Dies wird im Rahmen von Intimbeziehungen und konsumtiven Handlungen geschehen.
ART: BEGINN: 2004-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie Lehrgebiet Soziologie II Handeln und Strukturen (Universitätsstr. 21, 58084 Hagen);
Universität Oldenburg, Fak. 01 Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften Fach Soziologie Zentrum für Methoden der Sozialwissenschaften (26111 Oldenburg)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0441-798-4842, e-mail: [email protected])
[19-L] Mesjasz, Czeslaw:
Security as attributes of social systems, in: Hans Günter Brauch, Úrsula Oswald Spring,
Czeslaw Mesjasz, John Grin, Pál Dunay, Navnita Chadha Behera, Béchir Chourou, Patricia
Kameri-Mbote, P.H. Liotta (Eds.): Globalization and environmental challenges :
reconceptualizing security in the 21st century, Berlin: Springer, 2008, S. 45-62, ISBN: 978-3-54075976-8 (Standort: UB Erlangen(29)-H00/2008B/296)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
17
INHALT: Der Beitrag versteht sich als eine Art Grundlegung der Konzeption des vorliegenden
Sammelwerks auf systemtheoretischer Basis. Leitend ist dabei die Frage, wie Sicherheit als
eine Eigenschaft von sozialen Systemen und deren Elementen (Individuen) begrifflich-theoretisch erfasst und empirische erforscht werden kann. Im ersten Teil versucht der Autor zunächst eine Begriffsexplikation des Konzepts "Sicherheit" bzw. "Sicherheitspolitik". Daran
anschließend wird ein universales Strukturmodell (core concept) entwickelt, das die wichtigsten Attribute sozialer Systeme, deren Elemente und die Beziehungen zur Umwelt herausarbeitet. Dieser allgemeine Bezugsrahmen wird dann hinsichtlich der verschiedenen sicherheitspolitischen Fragen - vorrangig Fragen des "Überlebens" der Gattung Mensch und militärischer Sicherheit - spezifiziert. Der zweite Teil befasst sich enger mit den systemtheoretisch
orientierten Möglichkeiten einer Analyse (hyper)komplexer Systeme, wie sie die sicherheitspolitischen Fragen der Weltgesellschaft implizieren. (ICA)
[20-L] Mills, Sara:
Der Diskurs: Begriff, Theorie, Praxis, (UTB : Kulturwissenschaft, 2333), Tübingen: Francke
2007, VI, 186 S., ISBN: 978-3-8252-2333-5 (Standort: USB Köln(38)-35A2592)
INHALT: "Der Begriff 'Diskurs' hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in einer ganzen
Reihe von Disziplinen (Philosophie, Literatur- und Kulturwissenschaften, Soziologie, Sozialpsychologie) etabliert. Der häufige Gebrauch hat allerdings auch dazu geführt, dass verschiedene Bedeutungen kursieren. Diese Begriffsverwirrung löst die Autorin im Rekurs auf die
nichtsystematischen Überlegungen von Michel Foucault zur Diskurstheorie auf. Dabei macht
sie das komplexe theoretische Terrain auch für Studierende verständlich und befreit so den
Standardbegriff kulturwissenschaftlicher Studien schlechthin aus seiner bisherigen Unbestimmtheit." (Autorenreferat)
[21-L] Patzelt, Werner (Hrsg.):
Evolutorischer Institutionalismus: Theorie und exemplarische Studien zu Evolution,
Institutionalität und Geschichtlichkeit, (Politikwissenschaftliche Theorie, Bd. 3), Würzburg:
Ergon Verl. 2007, 739 S., ISBN: 978-3-89913-554-1 (Standort: UB Bonn(5)-2008/775)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Vorwort: Einladung zur politik- und geschichtswissenschaftlichen
Evolutionsforschung (17-19); Theoriegeschichtliche Perspektiven: Hans Jörg Hennecke: Evolution und spontane Ordnung als Gegenstand der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (2339); Michael Pape: Evolutionäre Ansätze in den Sozialwissenschaften. Ein kurzer Überblick
(41-58); Werner J. Patzelt: Evolutionsforschung in der Politikwissenschaft: Eine Bestandsaufnahme (59-93); Perspektiven einer historisch-evolutionsanalytischen Sozialwissenschaft: Jakob Lempp, Werner J. Patzelt: Allgemeine Evolutionstheorie. Quellen und bisherige Anwendungen (97-120); Werner J. Patzelt: Kulturwissenschaftliche Evolutionstheorie und Evolutorischer Institutionalismus (121-182); Werner J. Patzelt: Perspektiven einer evolutionstheoretisch inspirierten Politikwissenschaft (183-235); Werner J. Patzelt: Plädoyer für eine Rehistorisierung der Sozialwissenschaften (237-283); Evolutionstheorie und Institutionenanalyse:
Werner J. Patzelt: Institutionalität und Geschichtlichkeit in evolutionstheoretischer Perspektive (287-374); Jakob Lempp, unter Mitarbeit von Werner J. Patzelt: Evolutionäre Institutionentheorie (375-413); Christian Demuth: Institutionen und ihre endogenen Systembedingungen. Die Ordnung des Institutionellen (415-448); Christian Demuth: Institutionen und ihre
18
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
Stabilität (449-480); Fallbeispiele sozial- und geschichtswissenschaftlicher Evolutionsanalyse: Werner J. Patzelt: Grundriss einer Morphologie der Parlamente (483-564); Jakob Lempp:
Morphologie diplomatischer Dienste. Eine Skizze (565-598); Jakob Lempp: Ein evolutionstheoretisches Modell zur Analyse institutioneller Reformen. Fallanalyse: Die Reform des
Auswärtigen Amts (599-693); Christian Demuth: Institutionelles Lernen. Der Deutsche Bundestag als Beispiel (641-687); Peter Fässler: Die Genese global agierender Unternehmen in
evolutionstheoretischer Perspektive (689-706); Manfred Sliwka: Evolutionäres Management
(707-719); Manfred Sliwka: Evolutionäre Führungskonzepte in der Praxis (721-735).
[22-L] Räwel, Jörg:
Theoretische Empirie - empirische Theorie: Synthese erkenntnistheoretischer Einsichten in
der Systemtheorie, in: Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, Vol. 33/2007, Iss. 3, S. 443-463
(Standort: USB Köln(38)-BP04865; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Mit der Methode der funktionalen Analyse wird in vorliegendem Aufsatz die Methodologie theoretischer und empirischer Forschung anhand des systemtheoretischen Konzepts
von Kommunikation rekonstruiert. Die kommunikationstheoretische Rekonstruktion erlaubt
das (verschränkte) Verhältnis der Forschungsmethoden besser zu verstehen und mit aktuellen
Erkenntnissen soziologischer Forschung zu verknüpfen. Weiter wird durch funktionale Analyse ermöglicht, die im Paradigma des Operativen Konstruktivismus fundierte Kommunikationstheorie Luhmanns mit etablierten Einsichten aus Wissenschaftsphilosophie bzw. Erkenntnistheorie in Beziehung zu setzen (in Berücksichtigung insbesondere sprachphilosophischer
Positionen). Es wird gezeigt, dass erkenntnistheoretische Forschungsergebnisse (etwa von
Quine, Gödel, Bohr, Feyerabend, Kuhn, Heisenberg) nicht nur im Einklang mit der theoretischen Konzeption von Kommunikation der Systemtheorie stehen, sondern sich durch sie in
kohärenter Weise aufeinander beziehen lassen." (Autorenreferat)
[23-F] Rockenbach, Bettina, Prof.Dr.; Irlenbusch, Bernd, Dr. (Bearbeitung):
Experimente zur endogenen Institutionenwahl in sozialen Dilemmasituationen
INHALT: Die Entwicklung und das Ausmaß von kooperativem Verhalten zwischen Menschen ist
ein bis heute nur unvollständig verstandenes Phänomen. Entgegen der Vorhersage der klassischen ökonomischen Theorie zeigen empirische Studien, dass Kooperation sogar in sozialen
Dilemmasituationen, wie der Bereitstellung öffentlicher Güter, stattfinde. Es hat sich jedoch
auch gezeigt, dass Kooperation in Abwesenheit institutioneller Rahmenbedingungen höchst
fragil ist. Dass Bestrafungs- oder Belohnungsinstitutionen die Kooperationsbereitschaft fördern können, wurde bereits in verhaltensorientierten sowie in theoretischen Untersuchungen
gezeigt. Regeln und Institutionen unterliegen einem Wandlungsprozess und werden gelegentlich durch (möglicherweise effizientere) Alternativen ersetzt. Die Fragen nach der Entstehung
von Institutionen zur Überwindung sozialer Dilemmata und der Auswahl und Entwicklung
parallel existierender Institutionen sind jedoch noch weitestgehend ungeklärt. In diesem Forschungsvorhaben wird die endogene Entstehung und Entwicklung von Institutionen, die eine
Aufrechterhaltung der Kooperation in Situationen sozialer Dilemmata ermöglichen, bei institutionellem Wettbewerb untersucht.
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
19
VERÖFFENTLICHUNGEN: Gürerk, Özgür; Irlenbusch, Bernd; Rockenbach, Bettina: The
competitive advantage of sanctioning institutions. in: Science, Vol. 312, 2006, no. 5770, pp.
108-111.
ART: BEGINN: 2006-01 ENDE: 2008-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Erfurt, Center for Empirical Research in Economics and Behavioral
Sciences -CEREB- (Nordhäuser Str. 63, 99089 Erfurt)
KONTAKT: Rockenbach, Bettina (Prof.Dr. Tel. 0361-73745-21,
e-mail: [email protected])
[24-L] Rosa, Hartmut; Strecker, David; Kottmann, Andreas (Hrsg.):
Soziologische Theorien, (UTB basics), Konstanz: UVK Verl.-Ges. 2007, 305 S., ISBN: 978-38252-2836-1 (Standort: UB Bonn(5)-2007/9860)
INHALT: Die Verfasser analysieren drei historische Phasen der Moderne (Frühmoderne, Entwickelte Moderne, Spätmoderne) und vier Modernisierungsperspektiven (Domestizierung, Rationalisierung, Differenzierung, Individualisierung). Für jede Phase wird ein spezifischer Modernisierungsaspekt am Werk eines Autors verdeutlicht. Für die Frühmoderne sind dies Marx
(Domestizierung), Weber (Rationalisierung), Durkheim (Differenzierung) und Simmel (Individualisierung). Für die Entwickelte Moderne stehen Adorno und Horkheimer (Domestizierung), Habermas (Rationalisierung), Parsons und Luhmann (Differenzierung) und Elias (Individualisierung). Für die Spätmoderne kommen Latour (Domestizierung), der Rational Choice-Ansatz (Rationalisierung), Hardt/Negri (Differenzierung) und Foucault (Individualisierung) zu Wort. (ICE2)
[25-L] Sahni, Varun:
Subordinate, subsumed and subversive: sub-national actors as referents of security, in: Hans
Günter Brauch, Úrsula Oswald Spring, Czeslaw Mesjasz, John Grin, Pál Dunay, Navnita Chadha
Behera, Béchir Chourou, Patricia Kameri-Mbote, P.H. Liotta (Eds.): Globalization and
environmental challenges : reconceptualizing security in the 21st century, Berlin: Springer, 2008,
S. 431-437, ISBN: 978-3-540-75976-8 (Standort: UB Erlangen(29)-H00/2008B/296)
INHALT: Identitätspolitik als Politik und Spiel von Differenzen ist immanent relational: Wer wir
sind bzw. nicht sind, bestimmen wir durch Unterscheidungen von und gegen andere(s) im
Sinne Spinozas: Omnes determinatio est negatio. Der vorliegende Beitrag untersucht identitäts- und sicherheitspolitische Fragen (Bedrohungen von Identitäten) mittels dieser signifikativen Differenz (etwas als etwas erkennen, bestimmen, wahrnehmen usw.). Der Raum der
Differenzen von Nationalstaat, Gesellschaft, Sicherheit und politischer Moderne definiert
dann auch entsprechende soziale Identitäten mit entsprechenden Beziehungen zueinander
(Subordination, Subsumtion, Subversion). Die Identitätspolitik subnationaler Akteure gewinnt erst Kontur in diesem multidimensionalen Raum von Differenzen. So agieren subnationale Akteure entweder unterhalb, innerhalb oder gegen den Staat. Der Ansatz eines "Spiels
von Differenzen" von gesellschaftlichen Akteuren, den der vorliegende Beitrag vorstellt und
erläutert, ist von der politikwissenschaftlichen "Kopenhagener Schule" entwickelt worden.
(ICA)
20
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
[26-L] Schimank, Uwe:
Neoinstitutionalismus, in: Arthur Benz, Susanne Lütz, Uwe Schimank, Georg Simonis (Hrsg.):
Handbuch Governance : theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 161-175, ISBN: 978-3-531-14748-2
INHALT: Es werden die wichtigsten Strömungen des Neoinstitutionalismus vorgestellt: soziologischer Neoinstitutionalismus, Institutionenökonomik, Rational-Choice-Institutionalismus,
Historischer Institutionalismus und akteurzentrierter Institutionalismus. Die Theorienansätze
werden in ihrer jeweiligen Besonderheit und hinsichtlich ihrer Beiträge zur Governance-Perspektive vorgestellt. Institutionen werden als zentrale, wenngleich nicht ausschließliche Variable der Handlungsprägung von Akteuren in den Blick genommen. Zum einen wird Interdependenzbewältigung als institutionell vorgeprägt angesehen. Zum anderen werden Institutionen auch als Resultate handelnden Zusammenwirkens betrachtet. (GB)
[27-L] Schneider, Volker; Bauer, Johannes M.:
Governance: prospects of complexity theory in revisiting system theory, (ePapers : Empirical
Theory of the State), Konstanz 2007, 36 S. (Graue Literatur;
www.uni-konstanz.de/FuF/Verwiss/Schneider/ePapers/MPSA2007Paper_vs_jmb.pdf)
INHALT: "The broadest meaning of governance is the regulation of social activities utilizing a
variety of modes and mechanism of societal regulation. These range from collectively binding
decisions to uncoordinated individual action guided by social norms and rationality principles. In the political science literature of the 1950s and 1960s this theoretical problem was treated in terms of 'control' and 'regulation' by variants of system theory. However, during the
1980s this systematic perspective was crowded out by individualist approaches - above all rational choice - and a macro perspective of societal regulation was lost. Although governance
theory tries to speak to these questions, its foundation in general social theories is rather
weak. This paper argues that various streams of complexity theory offer a broader and deeper
theoretical foundation for theories of governance and regulation than other existing approaches. Complexity theory was initially developed in the physical and biological sciences. However, social scientists rapidly recognized its potential in formulating dynamic theories of the
evolution of social systems. Whereas the various approaches differ in detail, they share common elements. These include the explicit modeling of multiple positive and negative feedbacks among the agents in a system, the introduction of learning and adaptation at the level of
purposive agents, and the recognition of the multi-layer nature of social systems, in which
phenomena at higher levels emerge from (but are not necessarily fully determined by) interactions at lower levels." (author's abstract)
[28-L] Schroer, Markus:
"Bringing space back in" - zur Relevanz des Raums als soziologischer Kategorie, in: Jörg
Döring, Tristan Thielmann (Hrsg.): Spatial Turn : das Raumparadigma in den Kultur- und
Sozialwissenschaften, Bielefeld: transcript Verl., 2008, S. 125-148, ISBN: 978-3-89942-683-0
INHALT: Eine weit verbreitete These innerhalb der Globalisierungsdiskussion besagt, dass Raum
zunehmend keine Rolle mehr spiele. Die Liste der Verabschiedungsformeln ist lang: Die
Rede ist vom "death of distance", von der "time-space compression", vom "Ende der Geogra-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
21
phie" und dem "Ende des Raumes". Die These von der Entterritorialisierung, der Ortlosigkeit,
der Aufhebung und "Vernichtung des Raums" hat vor allem durch das Aufkommen des Internets enormen Auftrieb erhalten. Der vorliegende Beitrag verfolgt das Ziel, die Relevanz des
Raumthemas für die Soziologie aufzuzeigen und die grundlegenden Raumbegriffe zu erläutern, die im gegenwärtigen Raumdiskurs kursieren. Dafür wird in einem ersten Schritt die
These von der Verabschiedung des Raums vorgestellt, die in einem zweiten Schritt mit der
These der Wiederkehr des Raums (Spatial Turn) konfrontiert wird. Der Vergleich beider Thesen zeigt, dass die diametral entgegen gesetzten Perspektiven aus ihren differenten Raumbegriffen resultieren. Dies führt in einem dritten Schritt zur Analyse der verschiedenen Raumbegriffe und Raumverhältnisse, die zumeist in Form von Gegensatzpaaren präsentiert werden:
Geographischer Raum - sozialer Raum , Behälterraum - sozialer Raum, Gesellschaft - Raum,
Raum - Gesellschaft, Raum - Zeit. Im Durchgang durch die verschiedenen Unterscheidungen
wird dabei nicht - wie in der Raumdiskussion allgemein üblich - für eine der beiden Seiten
optiert, sondern dafür plädiert, das Zusammenspiel der scheinbar gegensätzlichen Begriffspaare zu analysieren. Der Beitrag schließt mit der Erörterung der Frage, ob wir es innerhalb
der Sozialwissenschaften tatsächlich mit einem Spatial Turn zu tun haben. (ICA2)
[29-L] Schülein, Johann August:
Soziologische und psychoanalytische Theorien der Macht, in: Rolf Haubl, Bettina Daser
(Hrsg.): Macht und Psyche in Organisationen, Göttingen: V&R unipress, 2007, S. 13-56, ISBN:
978-3-525-45166-3
INHALT: Der Verfasser geht davon aus, dass eine umfassende, alles zugleich auf angemessene
Weise erfassende Theorie nicht möglich ist. Theorie hat immer das Problem, dass sie mit ihren Bestimmungen, Hervorhebungen und Zuordnungen zugleich andere Optionen schlecht
oder gar nicht mehr abbildet. Jede Festlegung muss vereinfachen und ausblenden. Dazu
kommt die strukturelle Normativität, deren Sog Theorie zur Intervention und Parteilichkeit
werden lässt, weil ihre Ergebnisse immer Teil des Selbststeuerungsprozesses der Realität
sind. Vor diesem Hintergrund werden die Entwicklung des klassischen Diskurses über Macht
sowie die relevanten Konzepte von E. Durkheim, M. Weber, G. Simmel, T. Parsons, N. Luhmann, der Phänomenologie und des Interaktionismus analysiert. Eigene Schwerpunkte der
Untersuchung stellen die Kritik der Macht, die Gemeinsamkeiten und die Differenzen der sozialwissenschaftlichen Diskussion sowie die psychoanalytischen Ansätze zur Analyse der
Macht dar. Abschließend wird argumentiert, dass eine allgemeine Beschreibung versuchen
muss, strukturelle Affinitäten und Beeinflussungen sowohl in zeitlicher Abfolge als auch in
situativer Dynamik anzugeben und deren Typologie zu erfassen. Einer reduktionistischen
Sichtweise fehlt das nötige Theoriepotenzial zur Analyse von Interferenzen, die eigendynamisch, emergent und widersprüchlich sind. Stattdessen ist eine dialektische Betrachtungsweise erforderlich, die die wechselseitigen Bestimmungsverhältnisse erfassen kann. Sie muss neben der erforderlichen Festigkeit und Verlässlichkeit der allgemeinen Konstruktion hinreichend flexibel sein, um sich auf die jeweiligen Besonderheiten einstellen zu können. (ICF2)
22
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
[30-L] Trepte, Sabine; Krämer, Nicole:
Expanding social identity theory for research in media effects: two international studies and
a theoretical model, (Hamburger Forschungsberichte zur Sozialpsychologie (HAFOS), Nr. 78),
Hamburg 2007, 37 S. (Graue Literatur;
www.uni-hamburg.de/fachbereiche-einrichtungen/fb16/absozpsy/HAFOS_78.pdf)
INHALT: "Im vorliegenden Beitrag werden die Theorie der sozialen Identität (Tajfel, 1979) und
die Theorie der sozialen Kategorisierung (Turner, Brown & Tajfel, 1979) als theoretische
Grundlage zur Erklärung der Medienselektion vorgeschlagen. In zwei Quasi-Experimenten
wurde die untersucht, ob die Geschlechtszugehörigkeit beeinfluss, ob Probanden lieber unterhaltende TV Serien mit Protagonisten des eigenen Geschlechts oder des anderen Geschlechts
sehen. Des Weiteren wurde untersucht, ob die nationale Identität beeinflusst, ob Probanden
lieber unterhaltende TV Serien im TV sehen, die im Heimatland oder im Ausland produziert
wurden. Die erste Studie wurde in den Vereinigten Staaten (U.S.A.) und Deutschland durchgeführt (N = 419), die zweite Studien in dem Vereinigten Königreich (U.K.) und Deutschland
(N = 154). Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Probanden Serien mit Protagonisten des eigenen Geschlechts bevorzugen. Die nationale Identität hatte jedoch nicht den gewünschten
Effekt. Die Probanden aller drei Länder bewerteten ausländische Produktionen besser als die
Serien aus ihrem Heimatland. In der Diskussion und als Ergebnis der zwei Studien wird ein
Zweiprozess-Modell der Medienselektion vorgeschlagen, das einerseits Prozesse der sozialen
Identität und andererseits Prozesse der Ähnlichkeit als Ursachen der Medienselektion definiert." (Autorenreferat)
[31-F] Universität Bielefeld:
Konstruktivistische Hermeneutik
INHALT: Mit dem Begriff der 'konstruktivistischen Hermeneutik' wird ein seit etwa 15 Jahren
bestehendes, nach wie vor eher dünn besetztes Diskussionsfeld bezeichnet, auf dem Probleme
der Empiriefähigkeit der soziologischen Systemtheorie und der Verbindung von Systemtheorie und strukturrekonstruktiven Verfahren der 'qualitativen Sozialforschung', insbesondere der
Objektiven Hermeneutik und der Konversationsanalyse verhandelt werden. Anschlüsse zwischen Hermeneutik und Systemtheorie werden aus dem Zusammenhang von Beobachtung,
Kommunikation und Verstehen entwickelt. Als zentral hat sich die Frage herausgestellt, welche methodologischen Konsequenzen aus den Möglichkeiten und Restriktionen des Beobachtens und Verstehens von Kommunikation zu ziehen sind. Aktuell und künftig stellt sich vor
allem die Frage der Empiriefähigkeit einer konstruktivistischen Hermeneutik auf der Ebene
konkreter methodischer Vorgehensweisen. Im vorliegenden Projektzusammenhang wurde
und wird diese Frage in den Bereichen von Sozialisation und Mediensoziologie bearbeitet,
um zu zeigen, auf welche Weise sich soziologische Systemtheorie und rekonstruktive Hermeneutik ihre theoretischen und methodischen Vorzüge wechselseitig zur Verfügung stellen
können.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE IX Mediensoziologie (Postfach
100131, 33501 Bielefeld); Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE II Methoden der
empirischen Sozialforschung und Sozialpsychologie (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Institution (Tel. 0521-106-6866)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
1 Allgemeines, allgemeine Theorien
23
[32-F] Weiss, Christina, Dr. (Bearbeitung):
Grundlagen einer allgemeinen Theorie und Formalisierung der Kognition (Soziologie)
INHALT: Die zentrale Zielstellung dieses Projektes liegt in einer Zusammenführung klassisch
phänomenologischer Konzepte zu Fragen der Objekt- beziehungsweise Bedeutungskonstitution, wie sie insbesondere von Edmund Husserl und Martin Heidegger entwickelt wurden, mit
Überlegungen aus dem Bereich der so genannten Informationstheorie hinsichtlich der insbesondere auch formalen Beschreibbarkeit informationsübertragender und informationsgenerierender Strukturen. Hierbei soll gezeigt werden, dass die innerhalb der gegenwärtigen Kognitionswissenschaften zu konstatierende Erklärungslücke zwischen der Ebene phänomenologischer Beschreibungen der Welt- und Bedeutungskonstitution und funktionalistischer Analysen der Informationsentstehung in Systemen im allgemeinen, im psychischen und neuronalen
System im besonderen mittels eines konstruktiv, auf der Basis unterscheidungslogischer Prinzipien reformulierten Informationsbegriffes geschlossen werden kann. Hierdurch trifft und
betrifft dieses Projekt das Zentrum der Kognitionswissenschaften als solcher, insofern es simultan zur Behandlung gegenständlicher Problemstellungen der meta-theoretischen Frage
nach der Beschreibbarkeit kognitiver Systeme als solcher nachgeht.
ART: BEGINN: 2005-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Witten-Herdecke, Fak. für das Studium fundamentale, Lehrstuhl für
Soziologie (Alfred-Herrhausen-Str. 50, 58448 Witten)
[33-F] Yberg, Heinrich (Bearbeitung); Wenzel, Harald, Univ.-Prof.Dr. (Betreuung):
Zerstörung im Handlungssystem. Zur Rekonstruktion der Zerstörungssemantik in der Systematik der modernen Sozialtheorie
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Freie Universität Berlin, John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien Abt.
Soziologie (Lansstr. 7-9, 14195 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 030-838-52702, Fax: 030-838-52753,
e-mail: [email protected])
2
Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[34-L] Baecker, Dirk:
Wozu Gesellschaft?, Berlin: Kulturverl. Kadmos 2007, 383 S., ISBN: 978-3-931659-99-8
(Standort: TH Aachen(82)-Lf/5537)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Gewalt im System (29-52); Die Gewalt des Terrorismus (53-63);
Penaten (64-79); Oszillierende Öffentlichkeit (80-101); Ämter, Themen und Kontakte (102142); Die Beratung der Gesellschaft (143-161); Wozu Gewerkschaften? (162-182); Wozu
Eliten? (183-205); Soziale Hilfe als Funktionssystem der Gesellschaft (206-236); Zur Krankenbehandlung ins Krankenhaus (237-266); Erziehung im Medium der Intelligenz (267-314);
Zu Funktion und Form der Kunst (315-343).
24
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[35-L] Beckers, Tilo:
Integrationspotentiale öffentlicher Meinung: von Ferdinand Tönnies zur Debatte um
Liberalismus und Kommunitarismus, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007, XVII, 121 S.,
ISBN: 978-3-8364-1242-1 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-sozw710b396)
INHALT: "Ausgehend von Ferdinand Tönnies' Grundbegriffen Gemeinschaft und Gesellschaft
und seiner 'Kritik der öffentlichen Meinung' analysiert der Soziologe Tilo Beckers die Bedeutung verschiedener Konzeptionen öffentlicher Meinung für den normativen Zusammenhalt
demokratischer Marktgesellschaften als Integrationspotentiale. Grundfragen des sozialen, kulturellen und politischen Zusammenlebens in kapitalistischen Markt- und Mediengesellschaften bilden den Ausgangspunkt: was kennzeichnet in klassischen und modernen Theorien die
öffentliche Meinung und wie trägt sie, handlungstheoretisch fundiert, mit bei zur gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Integration? Dabei wird die auf Tönnies rückführbare, aktuelle Debatte zwischen Vertretern von Kommunitarismus und Liberalismus untersucht, die
bezüglich der Frage nach den notwendigen Bedingungen für die normative Integration moderner Gesellschaften zu höchst konträren Schlussfolgerungen gelangen. Das Buch richtet
sich an Leser, die Antworten aus Soziologie und politischer Theorie auf die Frage nach der
Verfasstheit demokratischer Gemeinwesen durch die öffentliche Meinung zwischen Markt
und Moral suchen." (Autorenreferat)
[36-L] Benovska-Sabkova, Milena:
Leisure time, friendship groups and social capital in Bulgaria: examples from the socialist
and post-socialist period, in: Klaus Roth (Hrsg.): Sozialkapital - Vertrauen - Rechtssicherheit :
postsozialistische Gesellschaften und die Europäische Union, Münster: Lit Verl., 2008, S. 183204, ISBN: 978-3-03735-235-9 (Standort: UB Tübingen(21)-48A/5564)
INHALT: Die Verfasserin untersucht Freundschaftsgruppen von Intellektuellen in der Freizeit als
Elemente des Sozialkapitals im städtischen Bulgarien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie erarbeitet eine Typologie und untersucht das Funktionieren von Freundschaftsgruppen anhand von zwei Fallbeispielen - Wandergruppen und Gruppen, die sich regelmäßig im
Restaurant treffen. Beide Gruppentypen werden in Bezug auf den Wandel der sozialen Beziehungen in Bulgarien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts miteinander verglichen. Ihre
Organisation und ihre Strukturprinzipien werden aus der Perspektive der Sozialkapitaltheorie
betrachtet. Es zeigt sich, dass die gemeinsamen Aktivitäten und häufigen Interaktionen zu einem Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Freundschaft führen (Homophilie-Hypothese).
(ICE)
[37-L] Bernik, Ivan; Malnar, Brina:
Notions of distributive justice and attitudes to the state's role in post-socialist societies, in:
Maurizio Bach, Anton Sterbling (Eds.): Soziale Ungleichheit in der erweiterten Europäischen
Union, Hamburg: R. Krämer, 2008, S. 115-133, ISBN: 978-3-89622-088-2
INHALT: Der Beitrag zur sozialen Ungleichheit in Osteuropa im Zuge des Transformationsprozesses basiert auf Befragungsdaten von 1991/1992 und gliedert sich in folgende Abschnitte:
Das erste Kapitel befasst sich einleitend mit dem kulturellen Wandel in post-sozialistischen
Gesellschaften und geht dabei der Frage nach, ob es sich hier um die Beibehaltung bestehen-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
25
der Muster oder um eine kulturelle Revolution handelt. Der zweite Abschnitt liefert Befunde
zu den Bedürfnissen und den Vorzügen in post-sozialistischen Gesellschaften. In diesem Zusammenhang werden Ergebnisse zu den Ansichten der Bevölkerungen hinsichtlich der sozialen Ungleichheit und Verteilungsgerechtigkeit dargestellt. Der dritte Abschnitt informiert
über die Einstellungen der Bürger gegenüber der staatlichen Regulierung ökonomischer Ungleichheiten, während sich der vierte Schritt mit den Ansichten zur sozialen Gerechtigkeit
auseinandersetzt. Im fünften Schritt werden die Einstellungen zur sozialen Ungleichheit und
ihrer Regulierung als ein Hindernis zur Konsolidierung der post-sozialistischen Gesellschaftsordnung erörtert. (ICG)
[38-L] Bertram, Hans:
Differenzierung, Pluralisierung, Individualisierung und Netzwerke: soziale Beziehungen,
Solidarität und neue Zeitlichkeit, in: Ulrich Mückenberger, Siegfried Timpf (Hrsg.): Zukünfte
der europäischen Stadt : Ergebnisse einer Enquete zur Entwicklung und Gestaltung urbaner
Zeiten, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 215-231, ISBN: 978-3-531-15500-5
(Standort: UB Bochum(294)-DDA/6130)
INHALT: Der Verfasser entwirft das Bild eines Transformationsprozesses, in dem der uniforme
Zeittakt der Industriegesellschaft von einem komplexen Zeitkontinuum postindustrieller Gesellschaften abgelöst wird. Anknüpfend an Sassen und Sennett sieht der Verfasser das zentrale Problem in der Enträumlichung der sozialen Beziehungen. Zentrale Entwicklungslinien
sind zum einen die Lösung der Solidarnetze sowohl der städtischen Eliten als auch der neuen
Dienstleister von den Städten, in denen diese Akteure leben, zum anderen die Ersetzung standardisierter fordistischer Organisationsprinzipien durch soziale Netze und organisatorische
Flexibilität. Für die familialen Netze, die Leistungsträger im mittleren Alter, ältere Menschen
und Migranten prüft der Verfasser auf der Basis von Best Practices aus den USA und verschiedenen europäischen Ländern die Möglichkeiten, diese Bevölkerungsgruppen stärker in
das Alltagsleben der Städte zu integrieren. (ICE2)
[39-F] Blome, Eva; Eiden, Patrick; Weinberg, Manfred, Prof.Dr. (Bearbeitung):
"(S)o real die Klasse ist, so sehr ist sie selber schon Ideologie" (Adorno). Zur kulturellen
Verfasstheit einer basalen Kategorie der Gesellschaft
INHALT: 1968 hat Theodor W. Adorno in seinen "Anmerkungen zum sozialen Konflikt heute"
im Verweis auf den amerikanischen Soziologen Lewis A. Coser formuliert, dass soziale Konflikte "nicht als dysfunktional und für das soziale System desintegrativ, nicht ausschließlich
unter dem Aspekt ihrer Anomalie, sondern als Motoren zu betrachten (seien), die für die Erhaltung, Angleichung oder Anpassung der sozialen Beziehungen und der sozialen Strukturen'
sorgten". Wenn der Begriff Klasse einsteht für die Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Gruppen auf Grund ihrer sozio-ökonomischen Positionierung, dann lässt sich der Zusammenhang von Klasse und sozialer Integration kaum knapper fassen. Gleichzeitig bleibt in
jeder Theorie, die den Begriff Klasse an zentraler Stelle einsetzt, unklar, wie und durch welche Wissenschaft er sich adäquat bestimmen lässt. Adornos doppelte Diagnose der Klasse als
ebenso "real" wie "ideologisch" wird in den drei Teilprojekten dieser Forschungsinitiative
ernst genommen und kulturtheoretisch weitergeführt. Klasse, so soll gezeigt werden, ist ein
Begriff, der notwendig kulturell ("ideologisch") verfertigt ist, und (nur) so seine "reale" inte-
26
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
grative Ordnungsleistung vollbringen kann. Dass die Kategorie der Klasse das Versprechen
birgt, theoretischen Zugang zu den "harten" Basis-Mechanismen der Gesellschaft zu verschaffen, hat historisch von vornherein das Verständnis dafür verstellt, dass der Begriff selbst
ohne Hinzuziehung "weicher", gleichwohl fundamentaler kultureller Aspekte nicht zu fassen
ist. Da der kulturelle Status des Begriffs nicht aufgeklärt wurde, wurde die Kategorie Klasse
nicht zuletzt in den Literatur- und Kulturwissenschaften weitgehend fallen gelassen. Hier
liegt der theorie-strategische Einsatz der Projekte: Es geht gerade nicht um eine umstandslose
Reetablierung der Kategorie Klasse, sondern um eine theoretisch haltbare Vermessung und
Neubesetzung jener offenen Stellen, die etwa auch die neuen Klassenbegriffe wie "Prekariat",
"intellektuelles Proletariat" und "Unterschicht" anzeigen. Dabei wird eine neue Konvergenz
von kulturwissenschaftlichen und soziologischen Forschungen sichtbar. Durch diesen Einsatz
der Projekte wird auch die Vagheit gegenwärtiger Debatten auf eine gesicherte kulturelle
Grundlage zurückgeführt.
METHODE: Teilprojekte: 1. Eva Blome: Klasse und Bildung - zur narrativen Formierung sozialer Dynamik. Ausgehend von der Beobachtung, dass in der modernen Wissensgesellschaft soziale Ungleichheit zunehmend auf einen ungleichen Zugang zu Bildungsressourcen zurückgeführt wird, untersucht das Projekt die diskursiven und narrativen Grundlagen des Zusammenspiels der kulturellen Konzepte "Bildung" und Klasse seit der Goethezeit. Dabei soll die zugleich integrative wie desintegrative Kraft von "Bildung" akzentuiert werden, insofern diese
sich sowohl auf den Prozess des Erwerbs von Kompetenzen beziehen und damit die Emanzipation von Klassenzugehörigkeit akzentuieren kann, als auch das Ergebnis dieses Prozesses
bezeichnen und damit zur Ausdifferenzierung von Klassen beitragen kann. Die narrative Formierung dieser sozialen Dynamik gerät durch eine vergleichende Analyse von literarischen
und theoretischen Texten aus dem Kontext der Bildungsromantradition, des Vormärz und der
Arbeiterbewegung nach 1848 sowie den theoretischen Schriften des Marxismus in den Blick.
2. Patrick Eiden: Klasse - vom Figurationszwang der sozialen Wirklichkeit. In einer Untersuchung klassischer Texte der marxistischen Theorietradition (Marx, Lukács, Luxemburg u.a.)
wird die figurative Verfasstheit der Kategorie "Klasse" rekonstruiert werden. Es werden die
rhetorischen und narrativen Strategien analysiert, welche die These von der Aufspaltung der
Gesellschaft in antagonistische Klassen plausibilisieren sollen und die den "Klassenkampf"
als generativen Konflikt einsetzen, der soziale Realität allererst hervorbringt. Das Projekt
wird zeigen, wie die Theorien einerseits die Flexibilität eines figurativ gehandhabten KlassenBegriffs voll ausspielen, wie sie aber andererseits diesen Umstand im Hinblick auf ihre prätendierte "Wissenschaftlichkeit" zu invisibilisieren versuchen. Die Untersuchung wird auch
auf Figuren und Begriffe erweitert werden, die in aktuellen politischen Debatten zur "Wiederkehr der Klassengesellschaft" auftauchen, wie etwa die des "Prekariats" und der "Multitude".
3. Manfred Weinberg: Die proletarische Autobiographie. Das Projekt wird - aufbauend auf einer derzeit entstehenden Studie zu Goethes Dichtung und Wahrheit, die den narrativen Strategien einer po(i)etischen Hervorbringung von Identität gilt - das Verhältnis von Individualität
und Klasse in jenen Arbeiter-Autobiographien untersuchen, deren Legitimierung dezidiert im
Verweis auf den Klassenbegriff erfolgt. Als Autobiographien kommen die untersuchten Texte
nicht umhin, Individualität zu profilieren, wollen zugleich damit aber Klassenbewusstsein
propagieren. In ihrer narratologischen Analyse sollten sich somit auch die Widersprüche des
integrativen Begriffs der Klasse aufweisen lassen.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Konstanz, Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
(Fach D 173, 78457 Konstanz); Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, FB
Literaturwissenschaft (78457 Konstanz)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
27
KONTAKT: Blome, Eva (e-mail: [email protected])
[40-L] Braun, Norman; Berger, Roger:
Sozialkapital und illegale Märkte, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 343-366 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Versteht man unter Sozialkapital die durch soziale Beziehungen generierte Struktur
von Opportunitäten, so dürfte die Nutzung derartiger Möglichkeiten gerade im Zusammenhang mit illegalen Märkten eine wesentliche Rolle spielen. Nach grundlegenden Begriffen
werden im vorliegenden Beitrag einschlägige theoretische Überlegungen zur Entstehung und
Gestaltung von illegalen Transaktionen diskutiert. Diese Überlegungen illustriert der vorliegende Artikel anhand einer koordinierten Befragungsstudie in den sichtbaren Drogenszenen
von Schweizer Städten. Nach einem knappen Überblick zu den Erhebungen und dem Forschungsdesign wird berichtet, wie sich Sozialkapital im beobachtbaren Drogenmarktgeschehen niedergeschlagen hat." (Autorenreferat)
[41-L] Bruch, Michael; Türk, Klaus:
Das Organisationsdispositiv moderner Gesellschaft, in: Klaus-Dieter Altmeppen, Thomas
Hanitzsch, Carsten Schlüter (Hrsg.): Journalismustheorie: next Generation : soziologische
Grundlegung und theoretische Innovation, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 263280, ISBN: 978-3-531-14213-5 (Standort: USB Köln(38)-34A6377)
INHALT: Um die Eigenart der organisozialen Regulation begrifflich zu fassen, wird auf Überlegungen Michel Foucaults zum Verhältnis von Wissen und Macht zurückgegriffen, die er auf
den Begriff der Gouvernementalität bringt. Auf dieser Basis wird Organisation als historisches Regierungsdispositiv verstanden. Diese Perspektive ermöglicht, Organisation in zweifacher Weise zu verstehen: Zum einen geht es um die gesellschaftlichen Bedingungen, die der
Ausbildung von Organisationen als Regierungsdenken und -wissen zugrunde liegen. Zum anderen geht es um Bedingungen, welche die Praktizierbarkeit von Organisation als Regierungstechnik ermöglichen. Um diese Differenz zwischen einem Wissens- und einem
Machtraum zu markieren, wird zwischen Organisation und (Einzel-) Organisationen unterschieden. (GB)
[42-L] Bühler, Christoph:
Soziales Kapital und Fertilität, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 397-419 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die materielle Situation eines Individuums, Paares oder Haushalts ist von nachhaltiger Bedeutung für Fertilität und reproduktive Entscheidungen. Es stellt sich aber die Frage,
wie weit dieser Einfluss nicht nur auf Erwerbseinkommen oder Kapitalerträgen beruht, sondern auch auf Versorgungs- und Unterstützungsleistungen aus der sozialen Umwelt. Der Artikel möchte einen Rahmen skizzieren, innerhalb dessen theoretische und empirische Antworten auf diese Frage gegeben werden können. So werden zunächst auf der Grundlage haus-
28
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
haltsökonmischer Überlegungen Kriterien formuliert, unter denen eine Integration der materiellen Komponente soziale Netzwerke in Fertilitätsentscheidungen sinnvoll ist. Hiervon ausgehend wird eine allgemeine Theorie sozialen Kapitals spezifiziert, die diesen Kriterien gerecht
wird und die auf der Grundlage reziproker Tauschbeziehungen Aussagen darüber treffen
kann, mittels welcher Mechanismen Individuen Zugang zu fertilitätsrelevanten Ressourcen in
ihrer sozialen Umwelt erhalten. Der empirische Teil gibt einen Überblick über den Stand der
Forschung. Diese belegt, dass sowohl informelle Kinderbetreuung als auch die individuelle
Eingebundenheit in Tausch und Unterstützungsnetzwerke fertilitätsfördernde Einflüsse besitzt. Gleichwohl sind diese Ergebnisse mit verschiedenen theoretischen und empirischen Defiziten behaftet, so dass bislang spezifische, aber keine allgemein gültigen Aussagen über die
Bedeutung fertilitätsrelevanten sozialen Kapitals getroffen werden können." (Autorenreferat)
[43-L] Bühlmann, Marc; Freitag, Markus:
Freiwilligentätigkeit als Sozialkapital: eine empirische Analyse zu den Rahmenbedingungen
bürgerschaftlichen Vereinsengagements, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 163-182 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In unserem Beitrag fragen wir nach Bedingungen, welche das bürgerschaftliche Engagement in Freiwilligenorganisationen als Horte sozialen Kapitals beeinflussen. Neben individuellen Merkmalen stehen dabei vor allem die politischen, gesellschaftlichen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen individueller Wahlhandlungen im Mittelpunkt des analytischen Interesses. Die Einflüsse der Individual- und der Kontextebene werden simultan in unterschiedlichen Mehrebenenmodellen geschätzt. Es wird deutlich, dass sich unbezahlte Tätigkeiten in Vereinigungen nicht allein auf individuelle Eigenschaften zurückführen lassen. Vielmehr stimulieren auch ländlich geprägte Gemeinwesen und Opportunitätsstrukturen politischer Mitsprache wie direktdemokratische Beteiligungsmöglichkeiten oder eine stark dezentralisierte staatliche Architektur das bürgerschaftliche Engagement in Freiwilligenorganisationen. Die Grundlage der empirischen Untersuchungen bilden Befragungsdaten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) für das Jahr 2004. Diese Erhebung wurde bei 54251 Individuen durchgeführt, die sich auf die 26 Kantone verteilen." (Autorenreferat)
[44-L] Diekmann, Andreas:
Dimensionen des Sozialkapitals, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 47-65 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Ausgehend von Fallstudien werden in diesem Artikel einige Thesen zum Sozialkapital
formuliert. 1. Das Konzept des 'Sozialkapitals' ist vorwiegend von heuristischem Wert. 2. Sozialkapital und Institutionen sind zwei Gruppen von Variablen, die das Ausmaß der Kooperation in einer Gesellschaft beeinflussen. 3. Um die Wirkungen von Sozialkapital genauer analysieren zu können, müssen die einzelnen Dimensionen des Sozialkapitals herausgearbeitet
werden. Dazu zählen Reziprozitätsnormen, die Motivation zur Sanktionierung unter Kosten,
Reputation und wiederholte Interaktionen. Soziale Netzwerke sind so zu sagen der 'Nährboden'; sie tragen dazu bei, dass die kooperationsfördernden Dimensionen hohe Ausprägungen
aufweisen. 4. Zur Analyse der Wirkungen der einzelnen Dimensionen muss man von der Ma-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
29
kroebene auf die Mikroebene heruntergehen. Unter welchen Bedingungen kooperationsfördernde Wirkungen auftreten, lässt sich mit Hilfe spieltheoretischer Modelle angeben. Aus den
Bedingungen folgt eine Vielzahl von Hypothesen, die empirisch geprüft werden können. Damit ist ein Forschungsprogramm benannt, das der Sozialkapitalforschung mehr theoretischen
Schwung und Erklärungskraft geben kann." (Autorenreferat)
[45-L] Fischer, Joachim:
In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?: in der bürgerlichen!, in: Aus Politik und
Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 2008, H. 9/10, S. 9-16 (Standort:
USB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.bpb.de/files/WWV90T.pdf)
INHALT: "Von einer soziologischen Theorie aus gesehen werden die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse nach ihrer Kontingenzerfahrung im 20. Jahrhundert - der Erfahrung
der Möglichkeit des Verschwindens - als 'bürgerliche Gesellschaft' sichtbar. Das wird an
Stichproben des Massenkonsums, der Mediengesellschaft, der Urbanität, der Frauenemanzipation demonstriert." (Autorenreferat)
[46-L] Frankenberger, Rolf:
Gesellschaft - Individuum - Gouvernementalität: theoretische und empirische Beiträge zur
Analyse der Postmoderne, (Politikwissenschaft, Bd. 147), Berlin: Lit Verl. 2007, 256 S., ISBN:
978-3-8258-0428-2 (Standort: UB Bonn(5)-2007/8015)
INHALT: Die Leitfragen der vorliegenden Untersuchung lauten: (1) Ist die Verwendung des Begriffs "postmoderne Gesellschaft" zu begründen? (2) Wie wirken sich die Herausforderungen
der postmodernen Gesellschaft auf Individuen, Gruppen, soziale Distinktion und soziale Konjunktion aus? (3) Vollzieht sich im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels auch eine Veränderung von Macht und Machtausübung und welche Auswirkungen hat dies auf Individuen
und Gruppen? Nach der Erläuterung dieser Leitfragen im ersten Kapitel wendet sich der Verfasser im zweiten Kapitel den in zahlreichen Zeitdiagnosen festgehaltenen Veränderungsdynamiken zu, die sich zu einer postmodernen Formation neuer Qualität verdichten und die Abgrenzung zur Moderne rechtfertigen. Sodann werden die Herausforderungen der postmodernen Formation unter drei Stichpunkten diskutiert: Sozialisation, soziale Differenzierung und
"Gesellschaftscharakter" (Fromm). Im Folgenden setzt sich der Verfasser mit einer von einem
Autorenteam erstellten Studie auseinander, die neben der postmodernen Ich-Orientierung
auch das Potenzial an Produktivität sowie die Milieuverteilung der zu identifizierenden Charaktertypen empirisch zu ermitteln sucht, und legt Ergebnisse einer diesbezüglichen repräsentativen Befragung (n=1100) aus dem Jahr 2005 vor. Der Verfasser referiert Foucaults Konzept der Gouvernementalität und zeigt abschließend, dass sich vermittelt über die Selbstkonzepte und Lebensstile der Individuen und Gruppen eine neue Regierungstechnik formiert: die
Gouvernementalität des Lebensstils. (ICE2)
30
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[47-L] Franzen, Axel; Pointner, Sonja:
Sozialkapital: Konzeptualisierungen und Messungen, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 66-90 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Begriff 'Sozialkapital' ist gekennzeichnet durch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Definitionen und Messvorschlägen. Auch die empirischen Untersuchungen zu
den Wirkungen des Sozialkapitals zeigen ein facettenreiches Bild und die Ergebnisse sind oft
sogar widersprüchlich. Wir diskutieren in diesem Beitrag zunächst die unterschiedlichen Bedeutungen und die verschiedenen Operationalisierungen von Sozialkapital. In einem zweiten
Schritt untersuchen wir dann die empirischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Dimensionen von Sozialkapital. Es zeigt sich, dass die in der Literatur besprochenen Bedeutungen nicht nur analytisch, sondern auch empirisch unterschieden werden können. Diese Befunde unterstützen unseren Vorschlag, den Begriff 'Sozialkapital' für die netzwerkbasierten Ressourcen zu reservieren und andere soziale Phänomene, wie generalisiertes Vertrauen sowie
Normen und Werte von Sozialkapital zu unterscheiden." (Autorenreferat)
[48-L] Friedrichs, Jürgen; Oberwittler, Dietrich:
Soziales Kapital in Wohngebieten, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 450-486 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Artikel berichtet über die Anwendung des Konzeptes 'Sozialkapital' in der interdisziplinären Stadtforschung. Wir stellen zuerst systematisch die unterschiedlichen theoretischen Grundlagen und die damit verbundenen methodologischen Probleme dar. Soziales Kapital wird als eine kollektive Eigenschaft der sozialen Organisation von Wohngebieten verstanden. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse zahlreicher empirischer Forschungen, insbesondere zu den Zusammenhängen von Sozialkapital und Kriminalität, berichtet. Der dritte
Teil richtet sich auf das neuere Konzept der collective efficacy, mit dem sich soziales Kapital
messen lässt, und das auf das gegenseitige Vertrauen und die Handlungserwartungen für informelle Sozialkontrolle in der Nachbarschaft abzielt. Wir stellen das Konzept, die entsprechenden Skalen und die kumulativen Ergebnisse der einschlägigen internationalen Forschung
dar. Ergänzt wir dieser Teil durch einen Bericht über die Ergebnisse zweier deutscher Studien, in denen mit diesem Konzept gearbeitet wurde. In beiden Studien ergeben sich enge Zusammenhänge zwischen sozialstrukturellen Benachteiligungen und dem sozialen Kapital von
Wohngebieten. Unsere Analysen zeigen, dass das Konzept 'collective efficacy' sehr fruchtbar
ist, um das Verhalten in Wohngebieten zu erklären." (Autorenreferat)
[49-L] Fuhse, Jan Arendt:
Gibt es eine Phänomenologische Netzwerktheorie?: Geschichte, Netzwerk und Identität, in:
Soziale Welt : Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, Jg. 59/2008, H. 1, S.
31-52 (Standort: USB Köln(38)-Haa00943; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Begriff 'Phänomenologische Netzwerktheorie' bezeichnet soziologische Arbeiten
aus den letzten 20 Jahren, die sich mit dem Zusammenspiel von symbolischen Formen und
der Struktur sozialer Netzwerke beschäftigen und die vor allem von Harrison White und sei-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
31
nen Anhängern stammen. Der Aufsatz analysiert, ob dieser Ansatz die Bedingungen für eine
soziologische Theorieschule im Sinne eines 'Invisible Colleges' erfüllt. Die Phänomenologische Netzwerktheorie wird damit auf sich selbst angewandt, indem das Zusammenspiel zwischen Sinnformen und der Struktur des Netzwerks ihrer Autoren beschrieben wird. Die folgenden Fragen werden dabei betrachtet: Sind die Autoren des Ansatzes eng miteinander verknüpft? Gibt es einen Kern im Netzwerk oder zerfällt es in Subgruppen? Gibt es eine gemeinsame kollektive Identität? Wie entsteht der Ansatz aus der Kombination von verschiedenen
theoretischen Strömungen und in der Auseinandersetzung mit anderen Strömungen in der Soziologie? Diese Fragen werden mit verschiedenen Methoden bearbeitet, die typisch für die
Phänomenologische Netzwerkforschung sind: Der Aufsatz beinhaltet eine narrative Beschreibung der Geschichte des Ansatzes (im Kontext anderer soziologischer Theorien), eine formale Analyse des Autorennetzwerks und eine qualitative Analyse von Interviews mit den wichtigsten Autoren." (Autorenreferat)
[50-L] Großbölting, Thomas:
Bürgertum, Bürgerlichkeit und Entbürgerlichung in der DDR: Niedergang und
Metamorphosen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament,
2008, H. 9/10, S. 17-25 (Standort: USB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich; www.bpb.de/files/WWV90T.pdf)
INHALT: "Mit der Herrschaft der KPD/ SED in der Sowjetischen Besatzungszone begann ein gewaltiges Gesellschaftsexperiment, in dem die traditionelle Struktur der Gesellschaft gemäß
den ideologischen Vorgaben verändert werden sollte. Trotz massiver Eingriffe in Politik,
Wirtschaft und Kultur aber erhielten sich Relikte des Bürgertums sowie der Bürgerlichkeit
und wirkten bis in die 1960er Jahre fort." (Autorenreferat)
[51-F] Grundmann, Matthias, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Soziale Beziehungen in sozialen Gemeinschaften
INHALT: Exploration von Ausprägungen und Organisation sozialer Beziehungen in sozialen Gemeinschaften (Vereinen, Genossenschaften, Ökodörfern, Landkommunen und Wohn-/ Lebensprojekten). GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: In Anlehnung an Tonnies/ Weber/ Elias werden Grad der Vergemeinschaftung und
damit korrespondierend Formen der sozialen Organisation erfasst. Untersuchungsdesign:
Querschnitt DATENGEWINNUNG: Aktenanalyse, offen; Beobachtung, teilnehmend; Standardisierte Befragung, schriftlich (Stichprobe: N ca. 90 -geplant-; jeweils 30 Vereine, Lebensgemeinschaften, Klöster - Untersuchungseinheit sind Gemeinschaften, keine Individuen).
Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Grundmann, M.; Hoffmeister, D.: Alternativen zur Familie. in:
Burkhard G.: Sonderbd. der Zeitschrift für Familienforschung (im Druck). ARBEITSPAPIERE: Siehe unter: www.uni-muenster.de/Gemeinschaftsforschung/ .
ART: BEGINN: 2004-01 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Münster, FB 06 Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften,
Institut für Soziologie Lehrstuhl für Soziologie Prof.Dr. Grundmann (Scharnhorststr. 121,
48151 Münster)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0251-83-29438, e-mail: [email protected])
32
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[52-L] Haug, Sonja; Pointner, Sonja:
Soziale Netzwerke, Migration und Integration, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 367-396 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Zunächst wird kurz der Begriff des in der Migrationssoziologie verwendeten Sozialkapitals erläutert und ein Überblick über die empirische Umsetzung in der Migrationsforschung gegeben. Das Sozialkapital gilt als einflussreiche unabhängige Variable für die Migrationsentscheidung. Anhand von Beispielen aus der Forschung über Migranten in Deutschland
und ihre Familien- und Freundschaftsnetzwerke wird die Anwendung des Konzepts veranschaulicht. Insbesondere wird der Einfluss des Sozialkapitals auf die Integration dargelegt. Es
zeigt sich, dass eine Präzisierung des begrifflichen Konzepts für die weitere Migrationsforschung sinnvoll ist. So ist eine Unterscheidung zwischen Sozialkapital am Herkunfts- und
Zielort, d.h. zwischen herkunftslandspezifischem und aufnahmelandspezifischem Sozialkapital notwendig, um die Wirkungsmechanismen des Sozialkapitals bei der Migration und der
sozialen Integration präziser beschreiben und erklären zu können." (Autorenreferat)
[53-L] Joesalu, Kirsti; Ruusmann, Reet:
Personal networks, hobby worlds, and non-profit organisations as sources of social capital:
on the basis of Estonian biographical materials, in: Klaus Roth (Hrsg.): Sozialkapital Vertrauen - Rechtssicherheit : postsozialistische Gesellschaften und die Europäische Union,
Münster: Lit Verl., 2008, S. 205-227, ISBN: 978-3-03735-235-9 (Standort: UB Tübingen(21)48A/5564)
INHALT: Die Untersuchung basiert auf biographischem Material aus Estland aus den Jahre 2001
bis 2005. Untersucht werden drei Formen von Sozialkapital im Alltagsleben in Estland: persönliche Netzwerke, Hobbynetzwerke und Nonprofit-Organisationen. Die untersuchten Sozialkapitalformen sind primär binnenorientiert und haben kaum Bezüge auf die Gesamtgesellschaft. Die Gruppenmitglieder bauen starke horizontale Netzwerke auf, die ihnen Solidarität
im Netzwerk, nicht zwischen Netzwerken sichern sollen. Die postsozialistische Gesellschaft
Estlands ist daher fragmentierter und ihr fehlt es an der sozialen Kohäsion der Sowjetgesellschaft. Individuelle Wertorientierungen dominieren kollektive Werte. (ICE)
[54-L] Kaiser, Paul:
Bürgerlichkeit ohne Bürgertum?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur
Wochenzeitung Das Parlament, 2008, H. 9/10, S. 26-32 (Standort: USB Köln(38)-Ztg00926-a;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich; www.bpb.de/files/WWV90T.pdf)
INHALT: "Es wird danach gefragt, welchen gesellschaftlichen Stellenwert die Debatte um eine
'neue Bürgerlichkeit' hat. Der aktuelle Diskurs des Bürgerlichen wird dabei in Beziehung zur
parallelen Entbürgerlichung in Ost- und Westdeutschland nach 1945 gesetzt, die als Grundlage einer heutigen Bürgerlichkeit ohne Bürgertum gelten kann." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
33
[55-L] Kaiser, Petra:
Bourdieus Gegenfeuer: soziologische Gegenwartsdiagnose im Gewand einer politischen
Kampfansage, in: Utopie kreativ : Diskussion sozialistischer Alternativen, 2008, H. 211, S. 408423 (www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/211/211.pdf)
INHALT: Das Buch "Gegenfeuer. Wortmeldungen im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion" enthält überwiegend bisher nicht publizierte Texte. Bourdieu argumentiert
gegen die einseitige Kündigung des Sozialvertrags durch eine Bewegung, die er als neoliberale Invasion bezeichnet. Er präsentiert eine kohärente soziologische Argumentation, basierend
auf einem Verständnis der Mechanismen und Prozesse, die das soziale Gleichgewicht in unserer Gesellschaft ernsthaft bedrohen. (ICEÜbers)
[56-L] Keller, Reiner; Lau, Christoph:
Bruno Latour und die Grenzen der Gesellschaft, in: Georg Kneer, Markus Schroer, Erhard
Schüttpelz (Hrsg.): Bruno Latours Kollektive : Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen,
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 306-338, ISBN: 978-3-518-29462-8
INHALT: Das Differenzierungsparadigma dominierte das soziologische Denken bis weit in die
zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, auch wenn mit dem Symbolischen Interaktionismus und der Ethnomethodologie schon frühe Gegenbewegungen entstanden waren. Es ist
diese eindeutige, durch ontologische Grenzen und Unterscheidungen wohlgeordnete Welt der
industriegesellschaftlichen Moderne, die von einer Reihe von Autoren als methodologisches
Konstrukt einer "Container-Soziologie" kritisiert wurde. Bruno Latour ist der radikalste und
konsequenteste Anhänger dieses "Paradigmas der Entgrenzung". Für ihn sind wir nie modern
gewesen, wie der Titel seines einflussreichsten Buches behauptet, weil unterhalb einer dualistischen ontologischen Struktur der streng geschiedenen Bereiche von Natur und Kultur ein
reales Netzwerk von Hybriden existiert, das die natürliche und gesellschaftliche Ordnung miteinander verbindet. Die Verfassung der Moderne beruht damit auf einem idealisierenden
Missverständnis, das die Ausklammerung und Verdrängung der technischen Netze ermöglicht. Diese theoretische Radikalisierung der Entgrenzung traf sich mit realen Entwicklungen
der Globalisierung und Ökonomisierung nach dem Ende der industriegesellschaftlichen Ersten Moderne und bekam so zusätzliche Evidenz. Die Autoren kommen jedoch insgesamt zu
dem Schluss, dass die "Theorien der Entgrenzung und Verknüpfung" einen Aspekt der Wirklichkeit in übertriebenem Maße betonen. In dem verständlichen Bemühen, die Fehler des Differenzierungsparadigmas zu korrigieren, hat Latour zu sehr auf Vermittlung, Vernetzung,
Verflüssigung gesetzt. (ICA2)
[57-L] Kern, Thomas:
Soziale Bewegungen: Ursachen, Wirkungen, Mechanismen, (Hagener Studientexte zur
Soziologie), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 218 S., ISBN: 978-3-531-15426-8
(Standort: UB Köln(38)-35A2181)
INHALT: Die Untersuchung setzt sich mit zwei zentralen Fragen auseinander: Welche Rolle
spielen soziale Bewegungen im Modernisierungsprozess? Welche Chancen haben die Individuen, ihren Interessen und Bedürfnissen in einer zunehmend komplexen Gesellschaft zur Anerkennung zu verhelfen? Zur Beantwortung dieser Fragen werden zunächst Grundlagen der
34
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
Modernisierungstheorie skizziert, wobei besonders auf die Folgeprobleme der Modernisierung wie Anonymität, Gewalt, Armut und Ignoranz eingegangen wird. Angesichts dieser Modernisierungsfolgen werden Möglichkeiten des Gegensteuerns diskutiert, wobei besonders auf
die Theorie neuer sozialer Bewegungen eingegangen wird. Vor diesem Hintergrund werden
einzelne zeitgenössische Bewegungen vorgestellt, die in unterschiedlicher Weise auf die
wichtigsten Folgeprobleme reagieren: die neue Frauenbewegung, die neue christliche Rechte
in den USA, Demokratiebewegungen, Friedensbewegung, globalisierungskritische Bewegungen und die Ökologiebewegung. Ausgehend von der Theorie der Koalition wird dann nach
Mechanismen der Mobilisierung gefragt (Zusammenlegung von Ressourcen, Framing, Gelegenheitsstrukturen). Abschließend werden die Wirkungen sozialer Bewegungen bei der Bewältigung von Modernisierungsfolgen diskutiert und die neuen Formen sozialer Bewegungen
behandelt, die sich mit der Erosion des Nationalstaats ausbreiten. Es handelt sich dabei um
fundamentalistische, ethnische und nationalistische Protestbewegungen. (ICE2)
[58-L] Kieserling, André:
Felder und Klassen: Pierre Bourdieus Theorie der modernen Gesellschaft, in: Zeitschrift für
Soziologie, Jg. 37/2008, H. 1, S. 3-24 (Standort: USB Köln(38)-XG01232; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Bourdieu sieht die moderne Gesellschaft als differenziert in Klassen und als differenziert in Felder. Der Aufsatz stellt die Frage nach dem theorie-internen Stellenwert dieser beiden Differenzierungsformen. Und er beantwortet sie im Sinne eines deutlich erkennbaren
Vorranges der Felder- vor der Klassendifferenzierung: Die Hypothese einer primär in Klassen
differenzierten Gesellschaft wird durch Bourdieu also nicht unterstützt. Um dies zu zeigen,
werden die folgenden Komponenten seiner Gesellschaftstheorie interpretiert: die Konzeption
eines autonomen Feldes sowie ihre Nichtanwendung auf das Erziehungssystem; der Klassenbegriff sowie seine Implikationen für die etwaige Sonderstellung einerseits der herrschenden,
andererseits der universellen Klasse; schließlich die dazu passende Handlungstheorie." (Autorenreferat)
[59-L] Kindermann, Melanie:
Sozialkapital und Wertorientierungen in Europa: Grundlagen und Analysen, Saarbrücken:
VDM Verl. Dr. Müller 2007, 98 S., ISBN: 978-3-8364-0125-8
INHALT: "Zur Erklärung sozialer Verhaltensmuster wurden bis jetzt vor allem zwei unterschiedliche Ansätze herangezogen: die Theorie des sozialen Kapitals sowie der Werteansatz. Bisher
wurden diese beiden Konzeptionen stets getrennt voneinander betrachtet. Dabei ist aber zu
vermuten, dass Sozialkapital immer auch von Wertorientierungen abhängt. Die vorliegende
empirische Analyse untersucht auf der makrosoziologischen Ebene die Struktur von Sozialkapital und Wertorientierungen in Europa. Außerdem wird die Erklärungskraft der beiden Konzepte bezüglich ihrer Einflussnahme auf Verhaltenspräferenzen und Einstellungsniveaus betrachtet. Darüber hinaus geht es um die Frage, welchen Einfluss Wertorientierungen auf das
soziale Kapital haben. Als Datengrundlage wurde der European Social Survey 2002/03 herangezogen." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
35
[60-L] Kneer, Georg; Schroer, Markus; Schüttpelz, Erhard (Hrsg.):
Bruno Latours Kollektive: Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen, (SuhrkampTaschenbuch Wissenschaft, 1862), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 478 S., ISBN: 978-3518-29462-8
INHALT: "Zum ersten Mal ist dem bahnbrechenden Werk Bruno Latours eine umfassende Darstellung gewidmet, die seinen unorthodoxen Neuentwurf aus verschiedenen Perspektiven in
den Blick nimmt. Latours besondere Originalität verdankt sich einer Theoriestrategie zur Entgrenzung des Sozialen. Gesellschaft, Technik und Natur gelten ihm nicht als getrennte Einheiten. Vielmehr konstituieren artifizielle und natürliche Gegenstände die soziale Welt ebenso
wie Personen, und aufgrund ihres Handlungspotentials verlangen sie ein politisches Mitspracherecht. Diese Neuverteilung des Sozialen baut das theoretische Vokabular um - Latours
Kollektive sind bevölkert mit Hybriden und Mediatoren aus Kultur und Natur." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Henning Schmidgen: Die Materialität der Dinge? Bruno Latour und
die Wissenschaftsgeschichte (15-46); Bernhard Gill: Über Whitehead und Mead zur AkteurNetzwerk-Theorie. Die Überwindung des Dualismus von Geist und Materie und der Preis, der
dafür zu zahlen ist (47-75); Gustav Roßler: Kleine Galerie neuer Dingbegriffe: Hybriden,
Quasi-Objekte, Grenzobjekte, epistemische Dinge (76-107); Ingo Schulz-Schaeffer: Technik
in heterogener Assoziation. Vier Konzeptionen der gesellschaftlichen Wirksamkeit von Technik im Werk Latours (108-154); Christian Kassung, Albert Kümmel-Schnur: Wissensgeschichte als Malerarbeit? Ein Trialog über das Weißeln schwarzer Kisten (155-179); Tristan
Thielmann: Der ETAK Navigator. Tour de Latour durch die Mediengeschichte der Autonavigationssysteme (180-218); Wolfram Nitsch: Dädalus und Aramis. Latours symmetrische Anthropologie der Technik (219-233); Erhard Schüttpelz: Der Punkt des Archimedes. Einige
Schwierigkeiten des Denkens in Operationsketten (234-260); Georg Kneer: Hybridizität, zirkulierende Referenz, Amoderne? Eine Kritik an Bruno Latours Soziologie der Assoziationen
(261-305); Reiner Keller, Christoph Lau: Bruno Latour und die Grenzen der Gesellschaft
(306-338); Gesa Lindemann: "Allons enfants et faits de la patrie ..." Über Latours Sozial- und
Gesellschaftstheorie sowie seinen Beitrag zur Rettung der Welt (339-360); Markus Schroer:
Vermischen, Vermitteln, Vernetzen. Bruno Latours Soziologie der Gemenge und Gemische
im Kontext (361-400); Richard Rottenburg: Übersetzung und ihre Dementierung (401-424);
Werner Krauss: Die "Goldene Ringelgansfeder". Dingpolitik an der Nordseeküste (425-456);
Marcus Hahn: "Marvelous examples". Zum Status des historischen Wissens in der AkteurNetzwerk-Theorie Bruno Latours (457-474).
[61-F] Knorr Cetina, Karin, Prof.Dr.Dr.h.c.; Laube, Stefan (Bearbeitung):
Postsoziale Mechanismen der Integration
INHALT: Ziel des Projekts ist die Durchführung einer vergleichenden theoretischen und empirischen Studie zu Formen postsozialer Integration und postsozialer Entwicklung. Das Projekt
trifft die Annahme, dass verschiedene Transformationen gegenwärtiger westlicher Gesellschaften auf eine teilweise Ersetzung traditioneller sozialer Bindungs- und Integrationsmechanismen durch postsoziale Mechanismen und Medien verweisen. Eine besondere Rolle
spielt hierbei die gegenwärtige Transformation von Gesellschaft in eine globale, medienorientierte, an technologischen oder Konsumobjekten orientierte Gesellschaft, für die auch ein
Wandel gesellschaftlicher Imaginarien weg von sozialen Heilserwartungen angenommen
wird. Insgesamt werden bestehende Forschungen u.a. durch a) die wissenschaftlich lange Zeit
36
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
kaum thematisierte Ebene der nicht-menschlichen Objekte bereichert. Sie werden b) dadurch
erweitert, dass technologisch komplexe, innovative und emergente globale Felder erstmalig
auf die in ihnen möglichen Integrationsmechanismen untersucht werden. Sie werden schließlich c) dadurch ergänzt, dass kulturelle Integrationsmechanismen an Fallbeispielen dokumentiert werden, die klassische soziale Mechanismen (Solidarität, Hierarchie, Perspektivenübernahme, soziale Beziehungen) außer Kraft setzen und an deren Stelle treten.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Konstanz, Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
(Fach D 173, 78457 Konstanz); Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, FB
Geschichte und Soziologie Fach Soziologie Arbeitsbereich Soziologische Theorie, Wissensund Finanzmarktsoziologie (D 46, 78457 Konstanz)
KONTAKT: Laube, Stefan (e-mail: [email protected], Tel. 07531-88-2097,
Fax: 07531-88-4830)
[62-L] Knorr Cetina, Karin:
Postsoziale Beziehungen: Theorie der Gesellschaft in einem postsozialen Kontext, in:
Thorsten Bonacker und Andreas Reckwitz (Hrsg.): Kulturen der Moderne : soziologische
Perspektiven der Gegenwart, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2007, S. 267-300, ISBN: 978-3593-38354-5 (Standort: USB Köln(38)-34A7962)
INHALT: Der Strukturwandel des Sozialen steht im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags. Gezeigt wird, inwiefern Modernität an ein spezifisches Konzept des Sozialen gekoppelt ist, dessen Auflösung oder Transformation diagnostiziert wird. Charakteristisch für postsoziale Beziehungen ist eine Aufwertung der Objekte. Um diese Aufwertung aber angemessen verstehen zu können, müssen klassisch modernistische Theorien und Konzepte wie die der Entfremdung oder der Fetischisierung zugunsten neuerer Theorien aufgegeben werden, die die
"einfangende Macht" (Latour) der Objekte in den Mittelpunkt stellen. Vor dem Hintergrund
dieser Entwicklung wird das Konzept der "Postsozialität" konkretisiert. Demzufolge werden
in einer postsozialen Umwelt soziale Prinzipien nicht einfach ausgedünnt, sondern durch andere kulturelle Elemente und Beziehungen ersetzt oder vermittelt. Es werden zunächst die
verschiedenen Dimensionen beleuchtet, die mit der gegenwärtigen Rückentwicklung sozialer
Prinzipien zusammenhängen. Diese "Regression" wird in einem zweiten Schritt mit der Ausdehnung des individuellen Subjektraums und einer Zunahme "subjektiver Imaginationen" in
Verbindung gebracht, die sowohl auf sozialtheoretischer als auch praktischer Ebene feststellbar ist. Um einen analytischen Rahmen für die Untersuchung postsozialer Umwelten auszuarbeiten, widmet sich der dritte Abschnitt einer alternativen Subjektkonzeption, die von dem in
der Literatur dominierenden I-You-Me-System abweicht. Dabei wird die Analyse abschließend auch auf nicht-menschliche Objekte ausgeweitet, die nicht mehr bloß als materiale Entitäten oder als fixe Natur verstanden werden. (ICA2)
[63-L] Koch, Max:
Poulantzas' Beitrag zur Klassen- und Sozialstrukturanalyse, in: Lars Bretthauer, Alexander
Gallas, John Kannankulam, Ingo Stützle (Hrsg.): Poulantzas lesen : zur Aktualität marxistischer
Staatstheorie, Hamburg: VSA-Verl., 2006, S. 120-136, ISBN: 978-3-89965-177-5 (Standort: ULB
Münster Zweigbibl. Sozialwiss.(6A)-MD4000/183)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
37
INHALT: Der Beitrag rekonstruiert Poulantzas' Klassentheorie in ihrer Verknüpfung mit dessen
Staatstheorie. Der Autor kritisiert, dass Klassen mit Hilfe einer "substanzialistischen" Fassung
des Begriffspaars "produktive/unproduktive Arbeit" erklärt werden, und dass es Ambivalenzen im Hinblick darauf gibt, welche gesellschaftlichen Strukturen Klassen letztlich hervorbringen. Zudem moniert der Autor, dass Poulantzas keine Theoretisierung der Artikulation
unterschiedlicher Herrschaftsverhältnisse geleistet hat. Die vorliegende Revision und Kritik
"bürgerlicher" Sozialstrukturanalysen erfolgt jedoch insgesamt auf der Linie von Poulantzas.
Die kapitalistische Gesellschaftsformation ist nicht ausschließlich durch die Ökonomie definiert, sondern durch die spezifische Verbindung von ökonomischen, politischen und ideologischen "Instanzen". Sie ist ein "komplexes Ganzes, in dem in letzter Instanz das Ökonomische
dominiert" (Poulantzas). Durch das Verständnis der besonderen Art der Verknüpfung dieser
Instanzen - von Poulantzas auch als "Grundstruktur" bezeichnet - lassen sich bestimmte Produktionsweisen und entsprechende Produktionsverhältnisse und Klassenstrukturen von anderen unterscheiden. Konkrete Gesellschaftsformationen sind somit stets "Verknüpfungen"
nicht nur der drei Strukturbereiche (Ökonomie, Politik und Ideologie), sondern auch verschiedener Produktionsweisen. Einerseits sterben m kapitalistischen Gesellschaftsformationen vorkapitalistische Verhältnisse nicht unbedingt aus, und andererseits ist es zumindest denkbar,
dass sich in diesen Formationen Strukturen und Beziehungen herausbilden, die über den Kapitalismus hinausweisen. Diese Betonung der Verknüpfung unterschiedlicher Produktionsweisen innerhalb einer Gesellschaftsformation führt für Poulantzas (und den Autor) zum
Bruch mit sämtlichen Versuchen, soziale Klassen aus abstrakt-ökonomischen Kategorien "abzuleiten". (ICA)
[64-L] Kocka, Jürgen:
Bürger und Bürgerlichkeit im Wandel, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur
Wochenzeitung Das Parlament, 2008, H. 9/10, S. 3-9 (Standort: USB Köln(38)-Ztg00926-a;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich; www.bpb.de/files/WWV90T.pdf)
INHALT: "Zwischen 'bourgeois' und 'citizen' oszillieren die Begriffe 'Bürger' und 'bürgerlich' im
Deutschen. Bürgertum und Zivilgesellschaft hängen vom 18. Jahrhundert bis heute eng zusammen. Der Beitrag zeichnet dies nach, arbeitet deutsche Besonderheiten heraus und erörtert
die Gegenwart in historischer Perspektive." (Autorenreferat)
[65-L] Kriesi, Hanspeter:
Sozialkapital: eine Einführung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 23-46 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Diese Einführung hat drei Teile. Zunächst wird das Konzept des Sozialkapitals anhand von zentralen Autoren eingeführt. Zweitens wird die von Putnam im Anschluss an Tocqueville vorgenommene, sehr einflussreiche Reduktion des Konzepts auf horizontale Verbandsstrukturen und soziales Vertrauen diskutiert. Dabei werden die zwei grundsätzlichen
Probleme von Putnams Betrachtungsweise des Vereinswesens, welche diese mit dem ursprünglichen Modell Tocquevilles teilt, besprochen. Drittens werden die unterschiedlichen
Konsequenzen einzelner Formen von Sozialkapital unterschieden, welche in der Literatur
eine große Rolle spielen und die mit unterschiedlichen Beziehungsstrukturen verknüpft sind
38
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
(vertikale vs. horizontale, formelle vs. informelle, und starke vs. schwache Beziehungen). Die
Diskussion der entsprechenden Unterschiede wirft grundsätzlichere Fragen der soziologischen Theorie auf. Im Wesentlichen erlaubt das Konzept des Sozialkapitals die Neuformulierung altbekannter Zusammenhänge auf eine Weise, welche Brücken zwischen theoretischen
Ansätzen und Disziplinen schlägt und damit zu neuen Einsichten und Entwicklungsmöglichkeiten führt." (Autorenreferat)
[66-L] Krönig, Franz Kasper:
Die Ökonomisierung der Gesellschaft: systemtheoretische Perspektiven, (Sozialtheorie),
Bielefeld: transcript Verl. 2007, 162 S., ISBN: 978-3-89942-841-4
INHALT: Die systemtheoretische Perspektive auf das vermeintlich vertraute Phänomen der
"Ökonomisierung" der Gesellschaft stellt eine doppelte Herausforderung dar. Um Ökonomisierungsprozesse rekonstruieren zu können, muss die Systemtheorie ihre Möglichkeiten der
Darstellung von System-System-Beziehungen erweitern und Ökonomisierung als ein Paradoxieproblem konzipieren. Die Dissertation schlägt hier das Konzept der "Nebencodierung" vor
und zeigt durch diese Theorieerweiterung und an verschiedenen Beispielen, dass Ökonomisierung nicht wirtschaftlich instruiert, sondern funktionssystem-intern selbst ausgebildet wird.
Anstelle der vagen Rede von verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf der einen Seite
und "der Wirtschaft" auf der anderen Seite, die in jene Bereiche "eindringt", setzt die Systemtheorie mit dem Theorem der operativen Schließung klare Systemgrenzen, die die Möglichkeit eines solchen Eindringens nicht erlauben. Deshalb wird geprüft, welche Konzepte die
Systemtheorie zur Verfügung stellt, um System-System-Beziehungen im allgemeinen zu beschreiben, auf deren Grundlage die Frage nach dem besonderen Einfluss der Wirtschaft auf
andere Systeme im Sinne einer Ökonomisierung zu stellen wäre. Hierbei zeigt sich, dass das
betreffende Konzept der "strukturellen Kopplung" weder klar ist, noch hinreicht, um an die
Stelle nicht-systemtheoretischer Begriffe wie Steuerung und Ökonomisierung treten zu können. Die Frage, wie Systeme intern einen Umweltbezug aufbauen können, stellt sich als eine
grundlegende Paradoxie dar, indem das notwendig Ausgeschlossene als zugleich eingeschlossen gedacht wird. Mit dem Begriff der "Nebencodierung" wird ein bislang kaum ausgearbeitetes Theoriestück aufgegriffen und gezeigt, wie die Nebencodes sozialer Systeme die paradoxe Integration anderer Systemcodes ermöglichen. (ICA2)
[67-L] Langmeyer, Ines:
Subjekte im gesellschaftlichen Desintegrationsprozess: zur Analyse flexibilisierter und
prekärer Arbeits- und Lebensweisen und ihrer Segregationsformen, in: Daniel Hechler, Axel
Philipps (Hrsg.): Widerstand denken : Michel Foucault und die Grenzen der Macht, Bielefeld:
transcript Verl., 2008, S. 169-182, ISBN: 978-3-89942-830-8
INHALT: Die Autorin möchte mit ihren Ausführungen zeigen, dass Michel Foucaults Verständnis von sozialen Exklusionsformen wichtige Einsichten liefern kann, die mit anderen kritischen Ansätzen, wie z.B. der Habitus-Feld-Theorie nach Pierre Bourdieu, nicht gewonnen
werden. Nach ihrer These kann jedoch auch Foucaults Theorie die gesellschaftlichen Ein- und
Ausschlussprozesse nicht hinreichend erfassen, weil sie die unterdrückenden, ausbeutenden
oder unterwerfenden Formen der Macht letztlich nicht von den anti-herrschaftlichen Formen
kollektiver Handlungsfähigkeit analytisch unterscheidet. Die Autorin arbeitet zunächst einige
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
39
theoretische Stärken Foucaults heraus und stellt sie entsprechenden Leerstellen bei Bourdieu
gegenüber. Sie prüft anschließend Foucaults analytischen Blick auf die neuen Subjekte und
ihre Individualisierung und vergleicht seinen Ansatz mit Bourdieus Habitus-Feld-Theorem.
Sie problematisiert auf dieser Grundlage die Interpretationen von gesellschaftlicher Integration bzw. die Interpretationsmöglichkeiten neuer Segregationsformen. (ICI2)
[68-L] Levitas, Ruth:
The imaginary reconstitution of society: utopia as method, in: Tom Moylan, Raffaella
Baccolini (Eds.): Utopia method vision : the use value of social dreaming, Frankfurt am Main: P.
Lang, 2007, S. 47-68, ISBN: 978-3-03-910912-8 (Standort: LB Stuttgart(24)-57/16283)
INHALT: In dem soziologischen Beitrag stellt die Autorin ihre Utopie-Methode IROS (imaginary reconstitution of society) vor. In das Thema einführend, wird zunächst das Konzept der
Utopie als eine meta-theoretische Reflexion beschrieben, das von Gesellschaftstheoretikern in
unterschiedlichen Weisen genutzt wird und somit zugleich auch eine Methode meta-theoretischer Reflexion über Utopie darstellt. IROS umfasst sowohl einen archäologischen bzw. analytischen als auch einen architektonischen oder konstruktiven Modus. Die Ausführungen machen deutlich, dass sich IROS als Methode für kritische Studien über soziale und kulturelle
Prozesse über Human- und Sozialwissenschaften hinweg durch Kohärenz und Anwendbarkeit
auszeichnet. Über die Hochschulforschung hinaus besitzt IROS eine Relevanz bei alltagsbzw. gegenwartsbezogenen Fragen zum sozialen Wandel und gesellschaftlicher Wiederherstellung. (ICG)
[69-L] Lindemann, Gesa:
"Allons enfants et faits de la patrie ...": über Latours Sozial- und Gesellschaftstheorie sowie
seinen Beitrag zur Rettung der Welt, in: Georg Kneer, Markus Schroer, Erhard Schüttpelz
(Hrsg.): Bruno Latours Kollektive : Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen, Frankfurt am
Main: Suhrkamp, 2008, S. 339-360, ISBN: 978-3-518-29462-8
INHALT: Bruno Latour hat seine internationale Karriere mit einer ethnographischen Fallstudie
begonnen, einer Theorie begrenzter Reichweite über das wissenschaftliche Forschungshandeln in einem molekularbiologischen Labor. Im Weiteren hat er die methodologischen Prinzipien der Studie auch für historische Forschung nutzbar gemacht, etwa für die Analyse des Erfolgs von Pasteur. Darüber hinaus hat Latour seine methodologischen Prinzipien und die ihnen zugrunde liegende Sozialtheorie expliziert und eine Theorie der modernen Gesellschaft
entwickelt. Gesellschaftsdiagnosen und politische Handlungsanweisungen liegen bei ihm
nicht weit auseinander; so findet sich denn auch in Latours Werk eine politische Kampfschrift, in der er seine Ideen zur Lösung der Probleme dieser Welt vorstellt. Die Autorin geht
der Frage nach, welche Sozialtheorie der anfänglichen Laborstudie implizit zugrunde liegt.
Bei der Bearbeitung dieser Frage ergibt sich, dass Latour einerseits an eine theoretische Einsicht Durkheims anschließt und diese andererseits in das methodische Vorgehen der interpretativen Sozialforschung integriert. Im Ergebnis heißt das, dass die Laborstudie auf einer "interessanten und neuartigen" Synthese zwischen Durkheim sowie Schütz und Garfinkel basiert. Die Argumentation wird in drei Schritten vorgetragen. Zunächst wird herausgearbeitet,
wie Latour durch die konsequente Anwendung der Prinzipien der interpretativen Sozialforschung in den Ruf gekommen ist, die soziologische Sozialtheorie grundsätzlich revidiert zu
40
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
haben. Daran anschließend wird die implizite Sozialtheorie der Laborstudie dargestellt. Auf
dieser Grundlage wird in einem dritten Schritt gezeigt, dass Latours Verständnis von Methode
und Sozialtheorie die Grundlage für eine holistische Gesellschaftstheorie liefert. Die politische Implikation dieser Theorie ist die Ausweitung der "Forderung nach Gleichheit für alles
und jedes" - das heißt: es wird kritisiert, dass die "Dinge" aus der politischen Repräsentation
ausgeschlossen sind. (ICA2)
[70-L] Lippl, Bodo:
Soziales Engagement und politische Partizipation in Europa, in: Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 420-449 (Standort: UB Bonn(5)Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Im Forschungsfeld der politischen Partizipation wird angenommen, dass sich erstens
die Ausstattung mit ökonomischem und Humankapital, zweitens politische Einstellungen
(insbesondere das politische Interesse) und drittens das Sozialkapital positiv auf die politische
Beteiligung von Menschen und damit auch positiv auf die Demokratie auswirken kann. Überlegungen seit den 1990er Jahren zur Bedeutung der zivilgesellschaftlichen Einbindung von
Menschen am Gelingen von Demokratie haben dazu geführt, auch dem Erklärungsfaktor Sozialkapital wieder besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Für europäische Länder wird anhand von Umfragedaten des 'European Social Survey' von 2002/2003 empirisch getestet, inwieweit sich insbesondere Indikatoren des Sozialkapitals auf die Beteiligung an unterschiedlichen elektoralen und nicht elektoralen politischen Partizipationsformen auswirken. Ergebnisse dieser Analysen zeigen, dass derartige Effekte weitgehend gefunden werden können. Jedoch erweisen sie sich bei differenzierter Betrachtung je nach Partizipationsform unterschiedlich. Insbesondere ein intensives Engagement in Vereinigungen und Vereinen als Aspekt des
strukturellen Sozialkapitals wirkt in der Gesamtbetrachtung positiv auf die politische Beteiligung." (Autorenreferat)
[71-L] Ludewig, Oliver; Sadowski, Dieter:
Organisationskapital - eine tragfähige Metapher?, in: Wenzel Matiaske, Gerd Grözinger
(Hrsg.): Ökonomie und Gesellschaft : Jahrbuch 20, Sozialkapital - eine (un)bequeme Kategorie,
Marburg: Metropolis-Verl., 2008, S. 179-209, ISBN: 978-3-89518-661-5
INHALT: Der Beitrag thematisiert das Konzept des Organisationskapitals, grenzt verschiedene
Begriffsbedeutungen voneinander ab und arbeitet die Unterschiede zum Human- und Sozialkapital heraus. 'Wichtige Eigenschaften von Organisationskapital sind: Gebundenheit an die
Organisation, Infungibilität, Tacitness, Investitionscharakter und die Konstitutivität der Organisationspraktiken. Diese Merkmale gehen mit einem hohen Grad an Idiosynkrasie einher, der
erhebliche Messprobleme nach sich zieht.' Eine empirische Messung von Organisationskapital ist empirisch nur indirekt durch die Messung seiner produktiven Folgen möglich. Als Datensatz wird das IAB-Betriebspanel für die Jahre 1995 bis 2001 verwendet. Im Ergebnis erweisen sich ein erhöhtes Lohnniveau, die Existenz eines Betriebsrates, Gruppenarbeit, Qualitätssicherung und dezentrale Ergebnisverantwortlichkeit als besonders relevant für die durch
Organisationskapital generierten Wertschöpfungsdifferenzen. (IAB)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
41
[72-F] Lütge, Christoph, PD Dr. (Bearbeitung):
Was hält eine Gesellschaft zusammen?
INHALT: Viele Sozialphilosophen und Ethiker behaupten, dass eine moderne Gesellschaft nicht
allein durch allseitige Befolgung ihrer Regeln stabil bleiben kann. Prominente Theoretiker
wie J. Habermas, J. Rawls, D. Gauthier oder R. Rorty vertreten die Ansicht, dass die Bürger
einer modernen Gesellschaft über zusätzliche anthropologische Eigenschaften verfügen müssen, die hier als moralische Mehrwerte bezeichnet werden. Diese Arbeit liefert Argumente für
die Gegenthese, dass moralische Mehrwerte nicht gegen Erosion durch systematische (Fehl-)
Anreize gefeit sind und anthropologische Eigenschaften generell nicht als Grundlage einer
Ethik in der globalisierten Welt dienen können. Eine Ordnungsethik, die auf schwächeren
Voraussetzungen, nämlich Merkmalen von Situationen und deren Rahmenbedingungen (Ordnungen), aufbaut, kann im Zeitalter der Globalisierung dagegen eher auf kulturübergreifende
Zustimmung rechnen.
METHODE: Ethik und ökonomische Methode
VERÖFFENTLICHUNGEN: Lütge, Christoph: Was hält eine Gesellschaft zusammen? Ethik
im Zeitalter der Globalisierung. Tübingen: Mohr Siebeck 2007. ISBN 978-3-16-149408-6.
ART: BEGINN: 2003-05 ENDE: 2007-10 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Witten-Herdecke, Wirtschaftsfakultät, Reinhard-Mohn-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und gesellschaftlichen Wandel (AlfredHerrhausen-Str. 50, 58448 Witten)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[73-L] Matiaske, Wenzel; Grözinger, Gerd (Hrsg.):
Ökonomie und Gesellschaft: Jahrbuch 20, Sozialkapital - eine (un)bequeme Kategorie,
Marburg: Metropolis-Verl. 2008, 214 S., ISBN: 978-3-89518-661-5
INHALT: "Der Begriff des Sozialkapitals hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Noch vor einem Vierteljahrhundert nahezu unbekannt, ist die Kategorie mittlerweile zu einem gängigen
Konzept sowohl in der Soziologie, ihrer Herkunftsdisziplin, als auch in der Ökonomie avanciert. Der publizistische Erfolg des Sozialkapitals begründet sich nicht zuletzt dadurch, dass
der deutungsoffene Begriff sowohl in der soziologischen als auch in der ökonomischen Literatur gleichermaßen auf Resonanz gestoßen ist. Möglicherweise bietet die Kategorie eine
Plattform der Wiederannäherung zwischen diesen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, deren
Verhältnis über weite Strecken durch wechselseitige Verständnislosigkeit charakterisiert war.
Die fruchtbare begriffliche Unschärfe birgt allerdings auch die Gefahr der Bequemlichkeit
wechselseitiger disziplinübergreifender Verweisungszusammenhänge. Die mühevolle Arbeit
am theoretischen Konzept und der empirischen Operationalisierung wird externalisiert und
bleibt der Nachbardisziplin überlassen. Als Restkategorie verkommt das Sozialkapital jedoch
in mehr oder weniger beliebigen Operationalisierungen zu einer bequemen Kategorie in ad
hoc Interpretationen der obligatorischen Befunddiskussion. Der Sache wegen wäre es dagegen zu wünschen, wenn im Gegenteil die prinzipielle Fruchtbarkeit der Kategorie Ansporn
wäre, die mühsame theoretische und empirische Arbeit mit dem Ziel der 'Einheit der Sozialwissenschaften' in Angriff zu nehmen. Die im vorliegenden Jahrbuch versammelten Beiträge
aus Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Politologie und Betriebswirtschaftslehre sollen Anstöße für dieses Projekt geben." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: Wenzel Matiaske, Gerd
Grözinger: Editorial. Sozialkapital - eine (un)bequeme Kategorie (7-15); Franz Schultheis: Pi-
42
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
erre Bourdieus Konzeptualisierung von "Sozialkapital". Sozialkapital - zur Genealogie des
Gedankens (17-42); Norman Braun: Sozialkapital aus Sicht der Rational Choice Soziologie
(43-77); Jan Freese, Mark Euler, Rainer Marggraf: Perspektiven einer rationalen ökonomischen Rekonstruktion sozialer Interaktionen als Basis des Sozialkapitalkonzeptes (79-109);
Felix Roth: Sozialkapital, Vertrauen und wirtschaftliches Wachstum (111-137); Sören Petermann: Soziale Netzwerke und politischer Einfluss von Kommunalpolitikern (139-177); Oliver Ludewig, Dieter Sadowski "Organisationskapital - eine tragfähige Metapher?" (179-209).
[74-L] Mau, Steffen:
Transnationale Vergesellschaftung: die Entgrenzung sozialer Lebenswelten, (Staatlichkeit im
Wandel), Frankfurt am Main: Campus Verl. 2007, 327 S., ISBN: 978-3-593-38438-2 (Standort:
UB Bonn(5)-20083059)
INHALT: Der Verfasser stellt die Frage nach Gestalt und Ausdehnung transnationaler Sozialformen. Er zeigt, dass es in den vergangenen Dekaden zu einer massiven Veränderung gesellschaftlicher Interaktionsstrukturen und Vernetzungen gekommen ist, die die nationale Binnenkommunikation relativiert und das Ausmaß an Außenkommunikation erhöht haben. Angesichts der Debatten um Ausländerintegration, Leitkultur und Mehrheitsgesellschaft zeigt
der Verfasser, dass die Transnationalisierung der Gesellschaft dazu geführt hat, dass die Annahme gesellschaftlicher Geschlossenheit und Homogenität nicht mehr tragfähig ist. Die
Transnationalisierung individueller Lebenswelten ist ein Teilaspekt der Transformation nationalgesellschaftlicher Sozialstrukturen. Unter Rückgriff auf eigene Untersuchungen und auf
vorliegende Forschungsergebnisse wird hier eine umfassende Kartographie darüber vorgelegt,
in wie weit die Bevölkerung in Transnationalisierungsschübe einbezogen ist. Der empirische
Teil gliedert sich in drei größere Bereiche: (1) transnationale Interaktionsbeziehungen, ihre
Dichte und Häufigkeit; (2) Einbindung in grenzüberschreitende Zusammenhänge und Kosmopolitisierung politischer und sozialer Orientierungen; (3) Einbindung der Bevölkerung in
transnationale Zusammenhänge anhand der Dimensionen Bildung, Region, Wohnort, Alter
und Geschlecht. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Integration auch unter den Bedingungen von Entgrenzung und Globalisierung möglich bleibt. (ICE2)
[75-L] Müller, Claudia; Gronau, Norbert (Hrsg.):
Analyse sozialer Netzwerke und Social Software - Grundlagen und Anwendungsbeispiele,
Berlin: GITO-Verl. 2007, 326 S., ISBN: 978-3-940019-26-4 (Standort: UB Rostock(28)MS/5920/M946)
INHALT: "In dem Band werden die Themen Netzwerkanalyse und Social Software aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und miteinander in Beziehung gesetzt. Es werden aktuelle Forschungsergebnisse der Analyse sozialer Netzwerke sowie Anwendungsbeispiele für
die Anwendung von Social Software in Unternehmen vorgestellt. Im ersten Teil des vorliegenden Buches wird die Beziehung zwischen Gemeinschaften und sozialen Netzwerken anhand eines Beispiels herausgearbeitet. Anschließend werden nach Einführung der Grundlagen
der Analyse sozialer Netzwerke aktuelle Ergebnisse vor allem aus der Perspektive des Wissensmanagements erörtert. Es wird herausgearbeitet, wie die Dynamik in sozialen Netzwerken erfasst und wie mit Hilfe der Netzwerkanalyse die Organisationseffizienz bewertet werden kann. Im zweiten Teil werden ausgewählte SocialSoftware-Anwendungen vorgestellt und
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
43
die Möglichkeiten der Analyse der sich darin bildenden sozialen Netzwerke erörtert." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Claudia Müller, Norbert Gronau: Bildung von sozialen Netzwerken in Anwendungen der Social Software (1-24); Michael Hahne, Corinna Jung, Jérome
Kunegis, Andreas Lommatzsch, Andre Paus: Ein gradualisiertes Communitymodell zur Bildung wissenschaftlicher Gemeinschaften (25-52); Gerrit Götzenbrucker: Potenziale der Sozialen Netzwerkanalyse in Organisationen (53-78); Matthias Trier, Annette Bobrik: IT-gestützte Visualisierung und Analyse von virtuellen Kontaktnetzwerken (79-106); Peter A.
Gloor, Kai Fischbach, Detlef Schoder: Dynamische Analyse und Gestaltung von Innovationsnetzwerken mittels Condor (107-132); Bettina Hoser, Andreas Geyer-Schulz: Organisationseffizienz (133-156); Pinar Wennerberg: Analyzing Social Networks in Online News Articles
(157-184); Daniel Birke: Diffusion on networks (185-198); Volkmar Pipek, Gunnar Stevens,
Michael Veith, Claudia Müller, Sebastian Draxler: Jede Software ist "Social" (199-234); Sören Auer, Sebastian Dietzold, Thomas Riechert: Social Software für kollaborative Wissensarbeit (235-256); Karsten Ehms: Die Einführung der Siemens Blogosphere (257-272); Ralf
Klamma, Sabrina Steinfels: Innovationsmanagement und Web 2.0 (273-302); Anne Baumgroß, Lukas Birn: Ein Wiki als Intranetablösung (303-318).
[76-F] Münch, Richard, Prof.Dr. (Leitung):
Die Konstruktion der europäischen Gesellschaft. Zur Dialektik von transnationaler Integration und nationaler Desintegration
INHALT: Die Integration Europas ist ein fundamentaler Prozess des gesellschaftlichen Wandels,
ein Prozess der Konstruktion einer europäischer Gesellschaft und der Dekonstruktion der nationalen Gesellschaften. Dieser Wandel ist von der in viele Spezialgebiete differenzierter Europaforschung noch gar nicht richtig erfasst worden. Das neue Buch von Richard Münch
schließt diese Forschungslücke. Es bietet dieser Forschung eine übergreifende und integrierende Perspektive. Es ist ein Meilenstein der Europaforschung. Weit über die fachwissenschaftlichen Diskurse hinaus hilft es zu verstehen, wie die Integration Europas die Gesellschaft verändert. Das Buch spricht nicht nur die gesamte Europaforschung über alle disziplinären Grenzen hinweg an, sondern auch alle mit der fortschreitender Integration Europas beschäftigten Experten in Regierung, Verwaltung, Parteien, Verbänden und Medien sowie alle
politisch interessierten Bürger. GEOGRAPHISCHER RAUM: Europa
METHODE: Die Publikation weist den tiefgreifenden Wandel in einer auf Weitsicht angelegten
gesellschaftstheoretischen Perspektive anhand der Rechtsprechung des europäischen Gerichtshofes und anhand der damit einhergehenden intellektuellen Legitimationsdiskurse nach.
Das Buch erneuert die soziologische Gesellschaftstheorie durch den interdisziplinären Dialog
mit der juristischen, politikwissenschaftlichen und historischen Europaforschung.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Münch, Richard: European identity in the making: between national traditions and global networks. in: SPIEL. Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft, Jg. 21, 2004, H. 2, S. 242-257.
ART: BEGINN: 2007-01 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bamberg, Fak. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für
Soziologie II (Postfach 1549, 96045 Bamberg)
KONTAKT: Münzel, Brigitte; Seuling, Margit (Tel. 0951-863-2621)
44
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[77-L] Preisendörfer, Peter:
Sozialkapital und unternehmerisches Handeln: das soziale Netzwerk von
Unternehmensgründern als Erfolgsfaktor, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 272-293 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Beitrag versteht sich als Überblicksaufsatz zum so genannten 'network approach
to entrepreneurship'. Im Rahmen dieses Ansatzes wird davon ausgegangen, dass persönliche
Netzwerke, betriebliche Netzwerke, Netzwerkaktivitäten und Netzwerkunterstützungsleistungen für die Gründung und den Erfolg neuer Unternehmen in hohem Maße von Bedeutung
sind. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wird ein Schema zur Systematisierung
verschiedener Varianten des Netzwerkansatzes unternehmerischen Handelns präsentiert. Anschließend wird ausführlicher auf die in der einschlägigen Forschung am häufigsten verwendete Variante eingegangen. Diese behauptet, dass das personenbezogene Netzwerk von Gründern die Erfolgs- und Überlebenschancen ihrer jungen Unternehmen positiv beeinflusst. Wider Erwarten lässt sich dies aber empirisch oft nicht belegen. Dieser Befund wird gegen Ende
des Beitrags für einige weiterführende theoretische Klärungen und Korrekturen des 'network
approach to entrepreneurship' genutzt." (Autorenreferat)
[78-L] Raub, Werner; Rooks, Gerrit; Tazelaar, Frits:
Erträge des Sozialkapitals in zwischenbetrieblichen Beziehungen: eine empirischtheoretische Studie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft,
2007, H. 47, S. 241-271 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In diesem Beitrag geht es um Erträge des Sozialkapitals korporativer Akteure (Organisationen). Mit 'Sozialkapital' meinen wir die Beziehungen eines Betriebs mit anderen Betrieben. In unserer Studie untersuchen wir die Leistung von Lieferanten in Transaktionen mit
Abnehmern. Wir entwickeln Hypothesen über den Zusammenhang der Leistung des Lieferanten mit Merkmalen der Transaktion, Merkmalen der vertraglichen Planung der Transaktion
und dem Sozialkapital des Abnehmers. Anders als in früherer Forschung konzeptualisieren
wir das Sozialkapital des Abnehmers nicht nur als Beziehung mit dem Lieferanten selbst,
sondern auch als Netzwerk der Beziehungen des Abnehmers mit anderen Kunden des Lieferanten sowie mit alternativen Abnehmern. Wir überprüfen unsere Hypothesen mit einem umfangreichen Datensatz über ca. 1200 Anschaffungen von IT-Produkten (Hardware und Software). Unsere Resultate unterstützen Hypothesen über den Zusammenhang von Merkmalen
der Transaktion mit der Leistung des Lieferanten, während Hypothesen über den Zusammenhang von Merkmalen der vertraglichen Planung mit der Leistung des Lieferanten nicht unterstützt werden. Unsere Hypothesen über Erträge des Sozialkapitals im Hinblick auf die Leistung des Lieferanten werden weitgehend und konsistent empirisch unterstützt. Insbesondere
zeigt sich, dass Netzwerkeinbettung mit besserer Leistung des Lieferanten einhergeht." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
45
[79-F] Ricken, Norbert, Prof.Dr.; Balzer, Nicole; Künkler, Tobias (Bearbeitung); Ricken, Norbert,
Prof.Dr. (Leitung):
"Wie Menschen zu Subjekten gemacht werden..." (Michel Foucault). Theoretische und empirische Studien zur Subjektivationsforschung
INHALT: In der Analyse epigenetischer menschlicher Entwicklungsprozesse als Subjektivationsprozessen geht es darum, den Zusammenhang von Selbstkonstitution und Fremdkonstitution
so zu erläutern, dass insbesondere die Schnittstelle zwischen Verhältnissen und Selbstverhältnissen focussiert wird. Entlang der Leitthese, dass Menschen sich nur an anderen und anderem als sie selbst erlernen, wird Subjektivation daher als ein Prozess begriffen, der weder auf
Entfaltung, Entwicklung oder Selbstkonstruktion noch auf bloße Sozialmachung reduziert
werden kann, sondern als ein konstitutives Ineinander von Fremd- und Selbstbezüglichkeit
verstanden werden muß. Der Begriff des Subjekts transportiert - wenn auch oft übersehen diese Doppeldeutigkeit, bezeichnet er doch (im lateinischen sub-iectum sichtbar) sowohl das
Zugrundeliegende als auch das Unterworfene; Subjektivation meint daher jenen Prozess, das
eigene Leben unter Führungsbedingungen anderer zu erlernen wie zu führen und sich so in
Anderen- und Weltverhältnissen zu sich selbst in ein Verhältnis zu setzen. Im Projekt 'Prozesse der Subjektivation' werden daher sowohl theoretisch-kategoriale als auch empirisch-phänomenale Fragestellungen verfolgt: so geht es zum einen darum, einen theoretisch angemessenen Rahmen zu erarbeiten, der der Relationalität von Subjektivationsprozessen, dem Ineinander von Fremd- und Selbstbezüglichkeit gerecht(er) wird; aussichtsreich dafür scheint insbesondere ein relational ausgearbeiteter und phänomenal (und nicht bloß normativ) justierter
Begriff der Anerkennung zu sein. Zum anderen sollen in empirisch-phänomenalen Studien
die theoretisch-kategorialen Perspektiven hin auf ihre Tauglichkeit und Fruchtbarkeit hin
überprüft werden, um so - exemplarisch - ein komplexes, historisch und gesellschaftlich justiertes und nicht bloß (auf Teilaspekte begrenztes) reduktionistisches Verständnis der
menschlichen Epigenesis zu formulieren. Teilstudien des Projekts befassen sich zum einen
mit dem Zusammenhang von Lernprozessen und Lernhaltungen, zum anderen mit der Frage
nach dem Zusammenhang von Subjektivation und Körper. In historischer wie auch vergleichender Perspektive werden schließlich unterschiedliche gesellschaftliche Muster von Subjektivationspraktiken und -vorstellungen rekonstruiert und miteinander kontrastiert.
METHODE: Methodologische Bezugspunkte liegen im Bereich des symbolischen Interaktionismus, sowie neueren Sozialisationstheorien und poststrukturalistischer Theoriebildung.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Ricken, Norbert: Identitätsspiele und die Intransparenz der Macht:
Anmerkungen zur Struktur menschlicher Selbstverhältnisse. in: Straub, Jürgen; Renn, Joachim (Hrsg.): Transitorische Identität: der Prozesscharakter des modernen Selbst. Frankfurt/
M., New York: Campus , 2002, S. 318-359.+++Ders.: In den Kulissen der Macht. Anthropologien als figurierende Kontexte pädagogischer Praktiken. in: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, 76, 2000, S. 425-454.+++Ders.: Erziehung und Anerkennung: Anmerkungen zur Konstitution des pädagogischen Problems. in: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, 82, 2006, H. 2.+++Ders.: Welche Jüngeren wollen denn nun die Älteren? Ein pädagogischer Kommentar zum Diskurs der Gentechnologie. in: Schäfer, Alfred
(Hrsg.): Kindheit - Fremdheit - Gerechtigkeit. Perspektiven einer dekonstruktivistischen Pädagogik. Paderborn u.a.: Schöningh 2007.+++Ders.: Over erkenning en prijsgegeven zijn. in:
Masschelein, Jan; Martens, Simon (eds.): Europa a nno 2006. E-ducatieve berichten uit niemandsland. Leuven: Acco 2006, S. 129-141.+++Ders.: The power of power. Questions to Michel Foucault. in: Masschelein, Jan; Simons, Maarten; Bröckling, Ulrich; Pongratz, Ludwig
(eds.): The learning society from the perspective of governmentality. Oxford: Blackwell
46
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
2007, pp. 127-145.+++Ricken, Norbert; Balzer, Nicole: Differenz: Verschiedenheit, Andersheit, Fremdheit. in: Straub, Jürgen; Weidemann, Arne; Weidemann, Doris (Hrsg.): Handbuch
interkulturelle Kommunikation und Kompetenz. Stuttgart, Weimar: Metzler 2007, S. 5669.+++Balzer, Nicole: Die doppelte Bedeutung der Anerkennung - Anmerkungen zum Zusammenhang von Anerkennung, Macht und Gerechtigkeit. in: Pongratz, Ludwig; Reichenbach, Roland; Wimmer, Michael (Hrsg.): Bildung und Gerechtigkeit. Stuttgart: Schöningh
2007, S. 49-75.
ART: BEGINN: 2004-01 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 12 Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Arbeitsbereich historisch systematische und vergleichende Bildungsforschung (Postfach 330440,
28334 Bremen)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0421-218-3000, Fax: 0421-218-4043, e-mail: [email protected])
[80-L] Schäfers, Eduard:
Die Kreativgesellschaft: eine soziologische Untersuchung zur Zukunft der Gesellschaft,
Göttingen: Cuvillier Verl. 2007, 165 S., ISBN: 978-3-86727-468-5 (Standort: UuStB Köln(38)35A4467)
INHALT: Der "entscheidende Motor für die Weiterentwicklungen in allen gesellschaftlichen Bereichen" ist für den Verfasser die Kreativität. Fünf unterschiedliche Bereiche werden als Beispiele für die Entwicklung einer Kreativgesellschaft herangezogen: Wirtschaft, Kultur, Medien, Wissen und Lernen, Recht. Den Wandel in diesen Bereichen führt der Verfasser auf einen
Anstieg von Kreativität zurück, der auch dazu führt, dass "diese Bereiche selbst immer stärker immateriell werden, da auch der Anteil des Wissens in allen Bereichen immer größer"
wird und das "Element des Lernens immer wichtiger". Als zentrale Elemente der Kreativgesellschaft nennt der Verfasser Emotionalität, Vernetzung, Spiel, Lernen, Inspiration, "Gestaltung von etwas Neuem", die "Kraft der Gegensätze" und die Intuition. Die mit der Kreativgesellschaft einher gehenden Veränderungen erwartet der Verfasser in den kommenden drei
Jahrzehnten. (ICE2)
[81-L] Schimank, Uwe:
Elementare Mechanismen, in: Arthur Benz, Susanne Lütz, Uwe Schimank, Georg Simonis
(Hrsg.): Handbuch Governance : theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 29-45, ISBN: 978-3-531-14748-2
INHALT: Eine Typologie elementarer Mechanismen sozialer Ordnungsbildung auf der Grundlage der Arten von Akteurkonstellationen wird vorgelegt. Damit wird eine Analyseebene markiert, die bisher in der Governance-Diskussion nicht systematisch sondiert worden ist. Es
wird unterschieden nach (1) konkreten, empirisch vorliegenden bereichsspezifischen Governance-Regimen, (2) abstrakt-theoretischen elementaren Mechanmismen sozialer Ordnungsbildung und (3) einer dazwischen liegenden Abstraktionsebene mit Ordnungsmodellen, die
aus elementaren Mechanismen in Richtung empirischer Phänomene zusammengesetzt sind.
Die vorgestellte Sortierung elementarer Mechanismen sozialer Ordnungsbildung kann für die
Analyse einer konkret vorliegenden Governance-Struktur genutzt werden. Dabei wird nach
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
47
Verhandlungen sowie wechselseitiger Beobachtung und wechselseitiger Beeinflussung gefragt. (GB)
[82-L] Schmidt, Christian:
Die Reproduktion der Gesellschaft und die Praktiken der Freiheit, in: Prokla : Zeitschrift für
kritische Sozialwissenschaft, Jg. 38/2008, Nr. 2 = H. 151, S. 237-254 (Standort: USB Köln(38)XG3381; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Wie reproduziert sich die moderne Gesellschaft? Marx hat diese Frage über Althusser
an Foucault weitergereicht. Ein wichtiges theoretisches Instrument für die Lösung dieses Rätsels ist das Konzept der Ideologie. Man versteht Ideologie aber falsch, wenn man sie als bloße
Erscheinungsform materieller Prozesse sieht. Marx' Methode, die Ordnung von Erscheinungen zu fassen, ist phänomenologisch - er zerstört die unmittelbar gegebene, aber widersprüchliche Ordnung der Erscheinungen und versucht, eine Ordnung zu rekonstruieren, die sowohl
verständlich ist als auch verschiedene Phänomene umfasst. Diese sukzessive Methode enthält
das Versprechen eines vollständig geordneten Ganzen der Erscheinungen. Die Gefahren eines
solchen Versprechens sind Foucault klar. Der Marxismus droht, die theoretische Suche nach
Arten und Weisen, Bedingungen und Praktiken sozialer Reproduktion zu schließen. Daher
kommt Foucault zu der antiwissenschaftlichen Methode der Genealogie, die reale Praktiken
wieder einbezieht. Sein Ziel sind revolutionäre Praktiken der Freiheit. Um deren Genealogie
zu schreiben, wäre Foucault gezwungen gewesen, sich mit der Reproduktion der Gesellschaft
als ganzer auseinanderzusetzen. (ICEÜbers)
[83-F] Schulz, Rosine, Dipl.-Ökon. (Bearbeitung); Lauterbach, Wolfgang, Univ.-Prof.Dr. (Betreuung):
Beschäftigungsgesellschaft versus Tätigkeitsgesellschaft?
INHALT: Aufzeigen, inwieweit eine Integration erwerbsloser Menschen über bürgergesellschaftliches Engagement in die Gesellschaft gelingen kann. GEOGRAPHISCHER RAUM: neue und
alte Bundesländer (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Berlin)
METHODE: Theoretischer Teil: Gibt es einen solidarischen Fortschritt der Arbeitsteilung (in
Anlehnung an Hannah Arendt und Emile Durkheim)? Die Arbeitsgesellschaft - Wandel und
Herausforderungen; die Bürgergesellschaft - ein Hoffnungsträger. Empirischer Teil: Qualitative (leitfadengestützte Experteninterviews in den neuen und alten Bundesländern; Interviewpartner sind die Leiter von Institutionen (wie bspw. Freiwilligen Agenturen), bei denen über
Fachtagungen bekannt wurde, dass ein hoher Anteil an erwerbslosen Menschen zu den freiwillig Engagierten gehört. Weitere Interviewpartner sind "Schlüsselpersonen zu diesem Thema. DATENGEWINNUNG: Qualitatives Interview (Stichprobe: 15-20).
ART: BEGINN: 2007-01 ENDE: 2008-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler
INSTITUTION: Universität Münster, FB 06 Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften,
Forschungsstelle "Forum für Vermögensforschung" (Scharnhorststr. 121, 48151 Münster)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected]);
Betreuer (Tel. 0331-977-2135, e-mail: [email protected])
48
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[84-L] Seubert, Sandra:
In schlechter Gesellschaft: das Problem unzivilen Sozialkapitals, in: Forschungsjournal Neue
Soziale Bewegungen, Jg. 20/2007, H. 4, S. 87-92
INHALT: Die Frage, in wie weit freiwillige Vereinigungen und soziale Netzwerke der Zivilgesellschaft Ausschließung und soziale Ungleichheit zum Ausdruck bringen und möglicherweise verstärken, wird in der Diskussion um Sozialkapital oft vernachlässigt. Zur Bestimmung
unzivilen Sozialkapitals kann das Prinzip der Reziprozität herangezogen werden. Drei Szenarien "realer" Zivilgesellschaft werden vorgestellt: (1) Zivilgesellschaft als ein Nebeneinander
sozialer Milieus, (2) Auseinanderfallen der Gesellschaft, (3) explizite Ausgrenzung und Aufkündigung der Grundsolidarität. (ICE2)
[85-L] Stadelmann-Steffen, Isabelle; Freitag, Markus:
Der ökonomische Wert sozialer Beziehungen: eine empirische Analyse zum Verhältnis von
Vertrauen, sozialen Netzwerken und wirtschaftlichen Wachstum im interkulturellen
Vergleich, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47,
S. 294-320 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die Frage, inwiefern zwischenmenschliches Vertrauen sowie informelle und formelle soziale Netzwerke das wirtschaftliche Wachstum beeinflussen. Ausgehend von der ökonomischen Theorie konditionaler Konvergenz argumentieren
wir, dass ärmere Länder nur unter bestimmten politischen und kulturellen Bedingungen ihr
Wachstumspotential ausschöpfen können. Die Datengrundlage unserer Untersuchung bildet
die für die Wachstumsforschung bislang vernachlässigte vierte Welle des Word Value Survey
(1999-2001). Die Ergebnisse zeigen, dass der Bestand an sozialem Kapital das Wirtschaftswachstum hoch entwickelter Volkswirtschaften nicht generell beeinflusst, jedoch insbesondere für den ökonomischen Aufholprozess ökonomisch rückständiger Nationen von Bedeutung
ist. Die aufgezeigte Wirkung des Sozialkapitals ist dabei indikatorenabhängig: Während ein
stark ausgeprägtes interpersonales Vertrauen ein Aufholen der ärmeren Länder gegenüber den
reichen Nationen zulässt, können informelle Netzwerke und das Vereinsengagement die wirtschaftliche Entwicklung nicht wesentlich beeinflussen." (Autorenreferat)
[86-L] Staveren, Irene van; Knorringa, Peter:
Social capital and social economics, in: Patrick Riordan (Eds.): Values in public life : aspects of
common goods, Münster: Lit Verl., 2007, S. 53-75, ISBN: 978-3-8258-0552-4 (Standort: RWTH
Aachen(82)-Ae/1571/-1)
INHALT: Freundschaft bezeichnet im aristotelischen Sinne eine soziale Beziehung, bei der die
beteiligten Personen freiwillig und uneigennützig am Wohlergehen des jeweils anderen interessiert sind. Der vorliegende Beitrag schließt zunächst an dieser klassischen Bestimmung an,
um von hier aus den modernen Individualismus zu kritisieren, der das Individuum als unhintergehbaren "letzten Baustein" bzw. "Atom" der Gesellschaft ansetzt. In den Sozialwissenschaften spiegelt diese Prämisse der methodologische Individualismus. Die Autoren zeigen,
dass mit der "Entdeckung" von sozialen Netzwerken, sozialem Kapitel und sozialen Institutionen in der Ökonomik die Wirtschaftswissenschaften gezwungen werden, die Ideologie des
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
49
"bürgerlichen Besitzindividualismus" zu revidieren. So erscheint im Rational-Choice-Ansatz
Freundschaft eher als eine wechselseitige Interessengemeinschaft (win-win-Situation), was
jedoch den spezifischen ethischen Gehalt der aristotelischen Konzeption, eine "Sache um ihrer selbst zu tun", nicht zu treffen vermag. (ICA)
[87-F] Stein, Tine, PD Dr. (Leitung):
Konzepte politischer Integration: Verfassungspatriotismus, Leitkultur und Multikulturalismus
INHALT: Was ist es in einer Gesellschaft, dass die Einzelnen dazu bringt, sich wechselseitig
nicht nur als Fremde anzusehen, die einander in Frieden lassen, sondern auch als Mitglieder
einer politischen Gemeinschaft, die füreinander verantwortlich sind - und wie gelingt dies insbesondere in Bezug auf die neu hinzugekommenen Mitglieder? Speist sich dieser "sense of
belonging" schon aus der rechtlich verbürgten Mitgliedschaft als Bürger und der Anerkennung der rechtlichen Grundordnung des Staates, wie sie sich in der Verfassung niederschlägt?
Oder bedarf es daneben auch einer geteilten, kulturell fundierten Leitidee, die eine Gesellschaft prägt, einer Leitkultur? Wäre aber eine solche alle integrierende Leitkultur nicht ein
Ausdruck mangelnden Respekts vor der jeweiligen kulturellen Eigenheit der in einem Staat
zusammenkommenden Bürger? Bedürfte es also vielmehr der Anerkennung der kulturellen
Verschiedenheit, wie es mit dem Begriff des Multikulturalismus zum Ausdruck kommt? Bei
einer vertieften Betrachtung lassen sich Gemeinsamkeiten dieser Konzepte erkennen, die die
vorhandenen Unterschiede mehr als unterschiedliche Schwerpunktsetzungen erscheinen lassen und nicht als normativ geprägte Differenzen. Diese These wird in diesem Projekt anhand
der zentralen Theoretiker der jeweiligen Konzepte geprüft.
ART: BEGINN: 2006-01 ENDE: 2007-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER:
keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und
Internationale Studien -InIIS- (Postfach 330440, 28334 Bremen)
KONTAKT: Leiterin (e-mail: [email protected])
[88-L] Stolle, Dietlind; Rothstein, Bo:
Institutionelle Grundlagen des Sozialkapitals, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 113-140 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In diesem Artikel wird eine Theorie zu den Entstehungsbedingungen des Sozialkapitals präsentiert. Als Alternative zu den gängigen Erklärungen der Sozialkapitalproduktion
wird das Hauptaugenmerk hierbei auf die Rolle politischer Institutionen gelegt. Bisherige
Sichtweisen heben hervor, dass generalisiertes Vertrauen durch die Bürger selbst und durch
die politische Kultur, die in den Netzwerken und Organisationen verankert ist, beeinflusst
wird. Im Gegensatz dazu wird argumentiert, dass implementierende und bürgernahe Institutionen des politischen Systems besonders wichtig für die Schaffung generalisierten Vertrauens sind. Dies insbesondere dann, wenn diese Institutionen einen effektiven, unparteilichen
und fairen Charakter aufweisen. Der vorliegende Beitrag präsentiert den Kausalmechanismus
zwischen den institutionellen Charakteristiken sowie generalisiertem Vertrauen und illustriert
dessen Wirksamkeit anhand einer vergleichenden Länderanalyse." (Autorenreferat)
50
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
[89-L] Sünker, Heinz:
Alltag, Raum und Gesellschaft, in: Fabian Kessl, Hans-Uwe Otto (Hrsg.): Territorialisierung des
Sozialen : Regieren über soziale Netzwerke, Opladen: B. Budrich, 2007, S. 101-114, ISBN: 9783-86649-089-4
INHALT: Der Autor diskutiert den raumtheoretischren Beitrag Henri Lefèbvres für eine materialistische Gesellschaftstheorie. Damit stellt sich die Frage nach den Bedingungen und Formen
der Vergesellschaftung der Mitglieder einer Gesellschaft, nach der Integrationskraft einer Gesellschaftsformation und der Konstitution von Handlungsmöglichkeiten. Henri Lefèbvre hat
mit seinem Ansatz einer Kritik des Alltagslebens, die die Kritik der politischen Ökonomie
übergreift, die besondere Bedeutung von Raum und Zeit für die Gesellschaftsanalyse herausgestellt. (GB)
[90-L] Tacke, Veronika:
Neutralisierung, Aktualisierung, Invisibilisierung: zur Relevanz von Geschlecht in Systemen
und Netzwerken, in: Sylvia Marlene Wilz (Hrsg.): Geschlechterdifferenzen Geschlechterdifferenzierungen : ein Überblick über gesellschaftliche Entwicklungen und
theoretische Positionen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 253-289, ISBN: 978-3531-15603-3
INHALT: Im Anschluss an eine Rekapitulation einschlägiger Argumente im Zusammenhang mit
der Neutralisierung von Geschlecht im Kontext der primären Differenzierungsstruktur der
Gesellschaft werden Struktur und Funktionsweise von Netzwerken beleuchtet. Diese unterscheiden sich durch ihren Primat der Adressen und den damit angesprochenen personenbezogenen Partikularismus von den Primärsystemen der Gesellschaft. Gefragt wird zunächst, welche strukturellen Merkmale Netzwerke aufweisen, die das Aufgreifen geschlechtlicher Differenzen wahrscheinlich machen und auch das Potenzial besitzen, zur Stabilisierung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Gesellschaft beizutragen. Am Beispiel der Organisationen wird sodann gezeigt, in welchen Weise sich Netzwerke auch in primären Systemen
einnisten können. Mit der Beobachtung, dass der partikulare Einfluss von Netzwerken sich in
Organisationen weitgehend "schweigend" vollzieht, sind Fragen der Thematisierung und der
Legitimität angesprochen. Dies betrifft zum einen die kommunikative Darstellbarkeit von
partikularistischen Netzwerken in der Gesellschaft, zum anderen die Legitimität der Thematisierung des Geschlechts der an Gesellschaft teilnehmenden Individuen. In der Verbindung
beider Gesichtspunkte betrachtet der Beitrag abschließend Frauennetzwerke und Männernetzwerke und fragt nach den Bedingungen und Folgen, die mit der Differenz zwischen ihrer Darstellung und ihrer Herstellung jeweils verbunden sind. (ICE2)
[91-L] Thomas, Michael; Woderich, Rudolf:
Regionale Disparitäten und Sozialkapital, in: Rudolf Woderich (Hrsg.): Im Osten nichts Neues?
: struktureller Wandel in peripheren Räumen, Münster: Lit Verl., 2007, S. 39-61, ISBN: 978-38258-0522-7 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-soz-x130w838)
INHALT: Der Beitrag zeigt am Beispiel regionaler Entwicklungsprojekte in den neuen Bundesländern, dass sich Sozialkapitalbildung in strukturschwachen Regionen, die jedoch über relevante Entwicklungspotenziale (wie etwa die Niederlausitz) verfügen, als eine wichtige Hand-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
51
lungs- und Gestaltungsoption erweist. Insbesondere die Ausprägung regionaler Governance
und die Herausbildung wirtschaftlicher Netzwerke sowie neuer Formen der Kooperation in
Bereichen des bürgerschaftlichen Engagements vermitteln eigenständige Impulse. Die Ressourcen sozialen Kapitals bieten Möglichkeiten, die tradierten wirtschaftlichen Wachstumslogiken oder globalen Sachzwängen widerstehen können. Derartige Regionen befinden sich damit keineswegs ausweglos in der Falle der Stagnation oder einer zwangsläufig defizitären
Ausstattung mit sozialem Kapital. In beiden Richtungen sind unter bestimmten Voraussetzungen selbstverstärkende Prozesse möglich. Diese entscheiden mittelfristig zumindest mit über
regionale Differenzierungen und regionale Perspektiven. Deshalb hat ihnen auch im Rahmen
einer neu ausgerichteten Ostdeutschlandforschung wissenschaftlich-analytisch wie praktischpolitisch entsprechende Aufmerksamkeit zuzukommen. (ICA2)
[92-L] Völker, Susanne:
Prekäre Transformationen: herausgeforderte Lebensführungen, in: Ulla Bock, Irene Dölling,
Beate Krais (Hrsg.): Querelles : Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung 2007. Bd. 12,
Prekäre Transformationen. Pierre Bourdieus Soziologie der Praxis und ihre Herausforderungen für
die Frauen- und Geschlechterforschung, Göttingen: Wallstein, 2007, S. 176-194, ISBN: 978-38353-0128-3
INHALT: Anhand des Fallbeispiels einer Angestellten im Einzelhandel untersucht die Autorin
die Lebensführung und das alltägliche Handeln unter den postfordistischen Bedingungen der
Prekarisierung von Arbeit und Leben. Es werden insbesondere die Konsequenzen für Selbstwahrnehmungen und -verortungen und für das praktizierte Geschlechterarrangement betrachtet. Dies geschieht in der Absicht, das Verhältnis zwischen möglichen Revitalisierungen tradierter Vorstellungen, Verschiebungen und Relativierungen auszuleuchten und damit auch
die sozialen Potentiale, die in dieser prekarisierten Praxis liegen, sichtbar zu machen. Dazu
wird zunächst die ostdeutsche Transformationsgesellschaft als soziales Gefüge, das die Lebens- und Arbeitsverhältnisse des Fallbeispiels rahmt, grob skizziert. Anhand der Interviews
werden dann die Deutungen der gegenwärtigen Lebensverhältnisse der Frau mit Blick auf die
Kontinuitäten und Veränderungen in der sozialen Selbstpositionierung und dem praktizierten
Geschlechterarrangement vorgestellt. Abschließend wird die Frage diskutiert, inwieweit die
Bourdieu'sche praxeologische Soziologie ein Instrumentarium zur Analyse von sozialem
Handeln unter den Bedingungen sozialer Entbindungen bereithält und wo diese weiterentwickelt werden muss. (ICA2)
[93-L] Vorlänger, Hans:
Gesellschaftliche Wertvorstellungen und politische Ideologien, in: Wolfgang Jäger, Christoph
M. Haas, Wolfgang Welz (Hrsg.) - 3., überarb. u. aktual. Aufl.: Regierungssystem der USA :
Lehr- und Handbuch, München: Oldenbourg, 2007, S. 25-44, ISBN: 978-3-486-58438-7
(Standort: UB Bonn(5)-2007 7984)
INHALT: Integraler Bestandteil des Selbstverständnisses der amerikanischen Nation war und ist
das Bewusstsein, eine "neue" Gesellschaft zu repräsentieren. Die "Verfassungsväter" entwarfen neue demokratische Verfahren und Institutionen, um die Fehler der alten Vorbilder, der
durch mangelnde Tugendhaftigkeit ihrer Bürger dem Verfall preisgegebenen griechischen Poleis und römischen Republiken, zu vermeiden. Die erste "neue Nation" konnte jedoch nicht
52
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
auf tradierte Muster kultureller und (staats-)kirchlicher Vorstellungen oder auf sozialen oder
staatlichen Autoritäten aufbauen. Der amerikanische Nationalismus entfaltete sich daher geradezu zwangsläufig im Rekurs auf die Beweggründe der Auswanderung aus Europa und auf
die Vorstellungen der Siedler in der Gründungsphase der Vereinigten Staaten von Amerika.
Der Beitrag beschreibt die spezifisch amerikanischen Lebensweisen und einen diesen way of
life ideell und politisch überhöhenden "Amerikanismus" von den Anfängen bis zur Gegenwart. (ICA2)
[94-L] Voß, Jan-Peter:
Nebenwirkungen und Nachhaltigkeit: reflexive Gestaltungsansätze zum Umgang mit sozialökologischen Ko-Evolutionsprozessen, in: Hellmuth Lange (Hrsg.): Nachhaltigkeit als radikaler
Wandel : die Quadratur des Kreises?, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 237-260,
ISBN: 978-3-531-15093-2
INHALT: Der Verfasser versteht Nachhaltigkeit als die langfristige Aufrechterhaltung der Entwicklungsfähigkeit gekoppelter gesellschaftlicher und ökologischer Systeme. Er entwickelt
einen analytischen Rahmen zum Verständnis des Verhältnisses von gesellschaftlichem Handeln und übergreifenden sozialökologischen Entwicklungsdynamiken. Grundlegend hierfür
ist ein Konzept sozialökologischer Ko-Evolution, in dem gesellschaftliche Erwartungen als
Kopplung zwischen Variationsprozessen und Selektionsumfeld eine zentrale Steuerungswirkung besitzen. Grenzen der Steuerung werden in ambivalenten Zielen, unsicherem Wissen
und verteilter Macht gesehen. Mit Hilfe reflexiver Gestaltungsansätze können gesellschaftliche Erwartungen aus differenzierten Institutionen und partikularen Rationalitäten herausgelöst und stärker in soziale und ökologische Kontexte eingebettet werden. Als Ansatzpunkt für
nachhaltigen Wandel werden also Verfahren gesehen, mit denen die Qualität gesellschaftlicher Handlungsstrategien beeinflusst wird. Abschließend werden Einwände diskutiert, die
sich auf die Wünschbarkeit sowie die praktische Umsetzbarkeit der vorgestellten Gestaltungsansätze beziehen. (ICE2)
[95-L] Voss, Thomas:
Netzwerke als soziales Kapital im Arbeitsmarkt, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 321-342 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB
Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Zugang zu beruflichen Positionen erfolgt häufig über soziale Beziehungen. Geeignete soziale Beziehungen sind für beide Seiten des Arbeitsmarktes (Arbeitgeber und Arbeitssuchende) soziales Kapital, insofern sie Suchkosten verringern, die Qualität des 'Matches' zwischen Position und Person verbessern, zu höheren Profiten und Gehältern sowie ähnlichen Formen einer 'Rendite' beitragen. Der Beitrag skizziert und diskutiert netzwerktheoretische Grundlagen, der Sozialkapitalbegriff und empirische Befunde dieses Forschungsgebiets,
in dem es trotz intensiver Anstrengungen bisher kaum gelungen ist, die postulierten Sozialkapital-Effekte auf Arbeitsmarktergebnisse von Beschäftigten empirisch zu dokumentieren. Einige Gründe für dieses Scheitern werden aufgezeigt." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
53
[96-L] Willisch, Andreas:
Die paradoxen Folgen mechanischer Integration, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.):
Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 309331, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Auf der Basis allgemeiner Überlegungen zur mechanischen und organischen Solidarität im Sinne von Durkheim werden empirische Befunde aus dem Projekt des Thünen-Instituts
zur "Typologie sozialer Problemlagen in ländlichen Krisenregionen" vorgestellt. Es handelt
sich um die Zusammenfassung von qualitativen Interviews mit sozial marginalisierten Personen in den Neuen Bundesländern. Es wird vorgeschlagen, den Menschen einen Anspruch auf
ein zusätzliches Einkommen von etwa 200 Euro im Monat einzuräumen mit der Bereitschaft,
für die Gesellschaft nützlich zu werden. Ein Vorgehen, das individuelle Rechte gewährt, würde sich weit besser in eine flexible, selbstbestimmte Gesellschaft einfügen als die autoritäre
Fürsorge eines aktivierenden Staates. (GB).
[97-F] Zein, Huda (Bearbeitung); Eßbach, Wolfgang, Prof.Dr. (Betreuung):
Aspekte gesellschaftlicher Entfremdung
INHALT: keine Angaben
ART: ENDE: 2006-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Professur
für Kultursoziologie (Rempartstr. 15, 79085 Freiburg im Breisgau)
KONTAKT: Betreuer (Tel. 0761-203-3490,
e-mail: [email protected])
[98-F] Ziegler, Siegfried (Bearbeitung); König, Eckard, Prof.Dr. (Betreuung):
Lernen bei Gregory Bateson und lernende Organisation. Die Veränderung sozialer Systeme
durch organisationales Lernen
INHALT: Seit Beginn der 90er Jahre wird im Zusammenhang mit Anpassungsprozessen von Unternehmen an eine sich verändernde Umwelt von "organisationalem Lernen" bzw. "lernenden
Organisationen" gesprochen. Die bestehenden Ansätze zur lernenden Organisation basieren
dabei auf sehr unterschiedlichen theoretischen Modellen. Im Blick auf die begriffliche Präzisierung wird das Konzept der lernenden Organisation in dieser Arbeit auf Basis der Lerntheorie von Bateson rekonstruiert und anschließend in einer Einzelfallstudie auf seine praktische
Relevanz hin untersucht. Bateson führt den Begriff "Lernen" auf der Basis von drei unterschiedlichen Modellen ein: Lernen im "Maschinenmodell", im "Handlungsmodell" und im
"Systemmodell". Im Hinblick auf Interventionsmöglichkeiten im Umfeld von Organisationsberatung wird Lernen nach Bateson anschließend in der "Personalen Systemtheorie" nach König und Volmer rekonstruiert. Auf Basis des Begriffssystems der Personalen Systemtheorie
können die Veränderungen der untersuchten Organisation, die der Anpassung des Systems an
die Umwelt dienen, in Form von unterschiedlichen - individuellen, wie organisationalen Lernvorgängen der Arten "Lernen null", "Lernen I", "Lernen II" und "Lernen III" unterschieden und beschrieben sowie die Zusammenhänge zwischen dem Lernen eines Systems, seiner
"Komplexität", "Anpassungsfähigkeit" und damit seiner "Überlebensfähigkeit" aufgezeigt
werden. Daraus leiten sich Gestaltungsempfehlungen für eine lernende Organisation ab.
54
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
2 Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein)
VERÖFFENTLICHUNGEN: Ziegler, Siegfried: Lernen bei Gregory Bateson: die Veränderung
sozialer Systeme durch organisationales Lernen. Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007,
192 S. ISBN 978-3-8364-1531-6. ARBEITSPAPIERE: Ziegler, Siegfried: Lernen bei Gregory
Bateson und lernende Organisation: die Veränderung sozialer Systeme durch organisationales
Lernen. Dissertation. Paderborn 2007, 198 S. Download unter: ubdok.uni-paderborn.de/servlets/DocumentServlet?id=5347 .
ART: ENDE: 2007-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Paderborn, Fak. für Kulturwissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft Arbeitsbereich Weiterbildung, Organisationsberatung (Warburger Str. 100,
33098 Paderborn)
KONTAKT: Institution (Tel. 05251-60-2942, e-mail: [email protected])
3
Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[99-L] Adair, Vivyan C.:
Class distinctions: mapping poverty on the contemporary US Class Landscape, in: Kevin
Cahill, Lene Johannessen (eds.): Considering class : essays on the discourse of American dream,
Münster: Lit Verl., 2007, S. 183-203, ISBN: 978-3-8258-0259-2 (Standort: UB Bonn(5)2007/9121)
INHALT: Die Autorin entwickelt in ihrem Essay einige kritische Überlegungen zur Situation der
sogenannten "Unterschicht" in den USA aus feministischer Perspektive. Sie bezieht sich vor
allem auf den Hochschulbereich und berichtet von persönlichen Erfahrungen zur Klassenstruktur und Klassentrennung an Eliteschulen. Sie problematisiert unter anderem die Tatsache, dass die Identitäten der Arbeiterklasse oftmals gegen die "Andersheit" von armen Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben, ausgespielt werden. Nur durch eine kritische Untersuchung des Einflusses der Klassenstrukturen auf die Lebensbedingungen armer Frauen kann
ihrer Meinung nach eine Solidarität zwischen der Armutsklasse und der Arbeiterklasse in der
amerikanischen Gesellschaft hergestellt werden. (ICI)
[100-L] Adam, Frane; Tomsic, Matevz; Kristan, Primoz:
Elite profile, state-society relations and social (in)equality in two small countries: Slovenia
and Estonia in a comparative perspective, in: Maurizio Bach, Anton Sterbling (Eds.): Soziale
Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union, Hamburg: R. Krämer, 2008, S. 91-114,
ISBN: 978-3-89622-088-2
INHALT: Der Beitrag zur sozialen Ungleichheit in den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten untersucht die Herausbildung von Eliten im Zuge des Transformationsprozesses in Slowenien
und Estland. Die vergleichenden Ausführungen basieren auf empirischem Datenmaterial für
den Zeitraum 1998 bis 2006 und gliedern sich in folgende Punkte: (1) die Formierung der Eliten und die politischen Entwicklungen seit den 1990er Jahren, (2) die politisch-ideologische
Hegemonie durch die politische Rechte und die politische Linke, (3) die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft, (4) die Stärke der Zivilgesellschaft, (5) liberale versus korporatistische staatliche Lenkung sowie (6) die Stratifikation und soziale Ungleichheit. Die Elite in
Estland forciert eine Modernisierung der Gesellschaft durch eine umfangreiche und rasche Li-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
55
beralisierung und Deregulierung, während die slowenische Elite behutsamer agiert, was
schließlich zu langsameren und vorsichtigeren Reformen in dem postsozialistischen Land
führt. (ICG)
[101-L] Bach, Maurizio; Sterbling, Anton (Hrsg.):
Soziale Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union, (Beiträge zur
Osteuropaforschung, Bd. 14), Hamburg: R. Krämer 2008, 293 S., ISBN: 978-3-89622-088-2
INHALT: "Dieser Band beschäftigt sich mit alten und neuen Formen der sozialen Ungleichheit in
Europa, besonders im östlichen Teil Europas. Die Beiträge gehen auf eine Tagung der Sektion Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zurück,
auf der Sozialwissenschaftler aus verschiedenen Ländern in drei Abschnitten die Ungleichheit
im europäischen Kontext behandelten: Soziale Ungleichheit in Europa - langfristige Perspektiven; Aspekte sozialer Ungleichheit im östlichen Teil Europas; Die Dynamik Europas und
neue Erscheinungen sozialer Ungleichheit. Die Beiträge zeigen, dass die Dynamik der europäischen Erweiterung nicht nur neue Ausprägungen der sozialen Ungleichheit hervorbringt,
sondern auch eine veränderte sozialstrukturelle Betrachtung notwendig macht. Es werden aktuelle Fragen der europäischen Sozialstrukturforschung aufgegriffen und zugleich innovative
Impulse gegeben. Der Band vermittelt so ein differenziertes Bild über die sozialen Ungleichheiten in der erweiterten Europäischen Union." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Bálint
Balla: Grußwort an den Leser (7-8); Maurizio Bach und Anton Sterbling: Einführung (9-15);
Erster Teil: Soziale Ungleichheit in Europa - langfristige Perspektiven: Thomas Wünsch: Bewertung sozialer Ungleichheit in der ersten "Europäisierung Europas". Der böhmische Vorgeschichtsmythos des Cosmas von Prag vom Beginn des 12. Jahrhunderts (19-37); Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften und die
Konturen des europäischen Sozialraums (39-62); Zweiter Teil: Aspekte sozialer Ungleichheit
im östlichen Teil Europas: Susanne Pickel: Cleavages in Osteuropa (65-90); Frane Adam,
Matevz Tomsic and Primoz Kristan: Elite Profile, state-society relations and Social (In)Equality in two small Countries. Slovenia and Estonia in a Comparative Perspective (91-114); Ivan
Bernik and Brina Malnar: Notions of Distributive Justice and Attitudes to the State's Role in
Post-Socialist Societies (115-133); Friedrich Fürstenberg: New Social Inequality in Work Organisations. Challenges for the Eastern EU member states (135-148); Tanya Chavdarova:
From Cultural Differences to Status and Labour Market Inequalities: The Generations in the
Bulgarian Banking Business (149-172); Vera Sparschuh: Auf dem Land und im Norden ländliche Peripherie als Armutsregion? (173-193); Dritter Teil: Die Dynamik Europas und
neue Erscheinungen sozialer Ungleichheit: Georg Vobruba: Soziologie der Europäisierung
sozialer Ungleichheit. Thesen zur Ausgangskonstellation (197-203); Steffen Mau und Sebastian Büttner: Regionalisierung sozialer Ungleichheit im europäischen Integrationsprozess
(205-230); Gert Pickel und Olaf Müller: Soziale Ungleichheit im neuen Europa: Realität,
Wahrnehmung, Bewertung und Folgen für den europäischen Einigungsprozess (231-257);
Monika Eigmüller: Migrationspolitik und soziale Ungleichheit in Europa (259-273); Ellen
Madeker: Legitimierung sozialer Ungleichheit im Erweiterungsdiskurs (275-293).
56
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[102-L] Baecker, Dirk:
Wozu Eliten?, in: Dirk Baecker: Wozu Gesellschaft?, Berlin: Kulturverl. Kadmos, 2007, S. 183205, ISBN: 978-3-931659-99-8 (Standort: TH Aachen(82)-Lf/5537)
INHALT: Der Beitrag diskutiert die Implikationen des Übergangs von der buchdruckgestützten
funktional differenzierten Gesellschaft zu einer computergestützten Netzwerkgesellschaft für
das Verständnis von gesellschaftlichen Eliten. Die erste Voraussetzung ist, dass die moderne
Gesellschaft ihren Glauben an eine wohlgeordnete Welt der Trennungen zwischen Natur,
Kultur und Gesellschaft verliert. Die Gesellschaft stellt sich entsprechend "von Unruhe auf
Form um". Vor diesem Hintergrund versucht der Autor eine soziologische Theorie der Elite
mit folgender Annahme: Eliten haben in der Gesellschaft eine Integrationsfunktion; sie sorgen für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Diese Vermutung selbst ist nicht neu, sondern
lag bereits einem der Startpunkte der Elitensoziologie bei Vilfredo Pareto zugrunde. Bei Pareto findet sich auch bereits eine Antwort auf die Frage, wie Eliten diese Integrationsfunktion
erfüllen. Eliten müssen zirkulieren, so Pareto, nur dann kann ihre Degeneration verhindert
werden. Seither ist die Soziologie der Elite im Wesentlichen eine Soziologie der "Zirkulation
von Eliten". Der Einsatzpunkt einer soziologischen Theorie der Elite liegt daher im Faktum
der gesellschaftlichen Kontrolle der Integration der Gesellschaft durch zirkulierende Eliten.
Eliten dürfen sich keinen Moment sicher fühlen, nur dann können sie diese Funktion erfüllen.
(ICA2)
[103-L] Barlösius, Eva; Neu, Claudia:
Territoriale Ungleichheit: eine spezifische Ausprägung räumlicher Untergleichheit, in: Eva
Barlösius, Claudia Neu (Hrsg.): Peripherisierung - eine neue Form sozialer Ungleichheit?, 2008,
S. 17-23 (Graue Literatur;
www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Land/bilder/arbeitspapier21.pdf)
INHALT: Die ungleichheitssoziologische Vernachlässigung des Raums - lange allein als StadtLand-Differenz gefasst - beruhte im Wesentlichen darauf, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse über das gesamte Territorium hinweg nicht nur sozialpolitisch angestrebt, sondern tatsächlich auch weitgehend durchgesetzt wurde. Diese Entwicklung folgte einerseits der
Industrialisierung des ländlichen Raums und andererseits der räumlichen Ausbreitung wohlfahrtsstaatlicher Garantien - insbesondere infrastruktureller Einrichtungen - bis in den letzten
Winkel des Landes. Auf diese Weise wurden die ländlichen Gebiete - ausgestattet mit dem
Versprechen auf Zukunftspotenziale - an die dominanten gesellschaftlichen Entwicklungslinien angekoppelt. Insofern war es berechtigt, dass sich die Ungleichheitssoziologie mit räumlicher Ungleichheit kaum befasste. Nicht mehr Einheitlichkeit der wirtschaftlichen Entwicklungen und Lebensverhältnisse, sondern zunehmende Differenzierung prägen das Bild räumlicher Entwicklung in Deutschland und Europa. Die Differenzierungslinien laufen jetzt jedoch
quer zu den alten Unterscheidungen zwischen Stadt und Land, Ost und West, Nord und Süd.
Ökonomische und demographische Entwicklungen zwingen den Blick nun aber zurück auf
die Raumdimension. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der spezifischen Ausprägung
räumlicher Ungleichheiten. Die Autorin legt zunächst einige ungleichheitssoziologische
Grundbegriffe dar, mit denen die Folgen der Peripherisierung analysiert werden können. Weiterhin wird beleuchtet, in welchem Zusammenhang räumliche Gerechtigkeit und räumliche
Ungleichheit bislang standen und wie räumliche Ungleichheit angesichts von Peripherisierungsprozessen zukünftig bewertet werden könnte. (ICD2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
57
[104-L] Beetz, Stephan:
Peripherisierung als räumliche Organisation sozialer Ungleichheit, in: Eva Barlösius, Claudia
Neu (Hrsg.): Peripherisierung - eine neue Form sozialer Ungleichheit?, 2008, S. 7-16 (Graue
Literatur; www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Land/bilder/arbeitspapier21.pdf)
INHALT: "Die Beschreibungen von Peripherien sind eindrücklich, denn sie handeln von Armut,
Rückständigkeit, Unordnung und Brachen. Doch eignet sich der Begriff der Peripherie für
eine Theorie sozialer Ungleichheit? Durchaus, allerdings gibt es einige Klippen zu umschiffen, um die Anwendung des Peripheriebegriffs für die Theorien sozialer Ungleichheit fruchtbar zu machen. Auf diesem Weg werden im Folgenden drei Ansatzpunkte entwickelt: 1. Peripherien sollten als Ergebnis von gesellschaftlichen Prozessen (Peripherisierung), nicht als
Strukturbedingung von Räumen angesehen werden. 2. Kennzeichen von Peripherien ist nicht
die gesellschaftliche Abkoppelung, sondern die einseitige politische und ökonomische Abhängigkeit. 3. Die Ordnung von Zentrum und Peripherie ist als ein gesellschaftlicher Diskurs
vor dem Hintergrund dynamischer Raumstrukturen anzusehen." (Autorenreferat)
[105-F] Bescherer, Peter (Bearbeitung); Dörre, Klaus, Prof.Dr. (Betreuung):
Kritische Theorie der Lumpen: der Blick kritischer Gesellschaftstheorie auf Deklassierte,
Pauper und Prekäre. Eine Gegenlektüre
INHALT: In der Debatte um die 'neue Unterschicht' haben sowohl Forschungsbeiträge, die der
konventionellen als auch solche, die der kritischen Theorie zurechnen, ein gleichermaßen einseitiges Bild der betroffenen Akteure gezeichnet: ob vom bürgerlichen Weg abgekommen
oder Opfer der Gesellschaft, in beiden 'Paradigmen' sei der 'Unterschichtler' passiv, apathisch
und unfähig zu Lebensplanung oder gar politischem Handeln. Gegen diesen Ausgangsbefund
soll im Promotionsvorhaben die Subjektivität von Prekarisierten, Arbeitslosen und Deklassierten beleuchtet und auf Aspekte untersucht werden, die über die Reproduktion bestehender
gesellschaftlicher Verhältnisse hinausgehen. Das geschieht anhand einer Reflexion kritischer
Unterschicht-Theorien: einer hegemonialen Strömung, in deren Zentrum die Rede von 'Lumpenproletariat' (Marx) als politische Bedrohung oder willfähriger 'Verschiebemasse' ist, wird
ein 'heterodoxer' Forschungsstrang gegenübergestellt, der am unteren Ende der Klassengesellschaft durchaus 'eigensinnige' Aktivitäten, Ansätze von Selbstorganisierung und (proto-)politische Bewusstseinsbildung entdeckt. Ausgehend von einer Minimalheuristik (Organisierungsfähigkeit, politische Orientierung, Rückwirkung auf die gesellschaftliche Mitte/ Disziplinierungseffekte) sollen so verschiedene Beiträge der kritischen Theorie kontrastiert und ein
differenziertes Instrument zur Erfassung von Deklassierungsphänomenen erarbeitet werden.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Jena, Fak. für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Institut für Soziologie Lehrstuhl für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie (Carl-Zeiß-Str. 2, 07743
Jena)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
58
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[106-L] Blossfeld, Hans-Peter; Buchholz, Sandra; Hofäcker, Dirk; Hofmeister, Heather; Kurz, Karin; Mills, Melinda:
Globalisierung und die Veränderung sozialer Ungleichheiten in modernen Gesellschaften:
eine Zusammenfassung der Ergebnisse des GLOBALIFE-Projektes, in: Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 59/2007, H. 4, S. 667-691 (Standort: USB Köln(38)Haa00277-b; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; www.kzfss.de/)
INHALT: "Der Prozess der Globalisierung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Entwicklung von modernen Gesellschaften nachhaltig beeinflusst. Inzwischen nimmt die Globalisierungsforschung im sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Gegenwartsdiskurs eine bedeutende Stellung ein. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Forschungsaktivitäten bislang
vor allem darauf beschränkt haben, die Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf der
gesamtgesellschaftlichen Ebene mit Hilfe von Makrodaten zu beschreiben und zu analysieren
(vgl. z.B. Panic 2003). Obwohl diese Forschungen unbestritten wesentliche Aspekte zum
Verständnis der Globalisierung beigetragen haben, kann man davon ausgehen, dass Globalisierung einen ebenso fundamentalen Einfluss auf die Mikroebene, insbesondere auf die Entwicklung individueller Lebensverlaufe in modernen Gesellschaften, hat. In erster Linie ist offen, wie sich die Muster sozialer Ungleichheit in modernen Gesellschaften durch Globalisierungsprozesse verändern. Im Rahmen des von 1999 bis 2006 an den Universitäten Bielefeld
und Bamberg angesiedelten und von der Volkswagen Stiftung mit 1,7 Mio. Euro geförderten
Forschungsprojekts GLOBALIFE wurden die Auswirkungen des Globalisierungsprozesses
auf die Lebensverläufe von Männern und Frauen in entwickelten Industriegesellschaften erstmals empirisch und international vergleichend analysiert. In vier aufeinander folgenden Projektphasen haben 71 Sozialforscher die Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf ausgewählte Übergänge im individuellen Lebensverlauf in insgesamt 17 OECD-Ländern verglichen. Ein wesentliches Ziel der Analysen bestand darin, anhand aktueller Längsschnittdatensätze sowie mit Hilfe fortgeschrittener Verfahren der Längsschnittanalyse herauszuarbeiten,
inwiefern nationale Institutionengefüge den Globalisierungsprozess in spezifischer Weise 'filtern' und so zu unterschiedlichen Ergebnissen auf der Ebene individueller Lebensverläufe in
verschiedenen Ländern führen. Der vorliegende Artikel fasst wesentliche Kernergebnisse des
GLOBALIFE-Projektes zusammen. Dabei wird zunächst aus theoretischer Perspektive skizziert, welche spezifischen Konsequenzen sich aus dem Globalisierungsprozess für individuelle Lebensverläufe ergeben. Diesen theoretischen Überlegungen werden anschließend die
wichtigsten empirischen Befunde des GLOBALIFE-Projektes gegenübergestellt. Die Verfasser diskutieren dabei sowohl die allgemeine Veränderung von zentralen Übergängen im Lebensverlauf im Zuge der Globalisierung, als auch die länderspezifische Prägung dieser Veränderungen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Entwicklung sozialer Ungleichheitsstrukturen in verschiedenen modernen Gesellschaften." (Textauszug)
[107-F] Bohlken, Eike, Dr. (Bearbeitung); Höffe, Otfried, Prof.Dr.Dr.h.c. (Betreuung):
Eliten und Gemeinwohl. Der Beitrag der Eliten zum guten Staat
INHALT: keine Angaben
ART: BEGINN: 2003-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Tübingen, Fak. für Philosophie und Geschichte, Philosophisches Seminar (Bursagasse 1, 72070 Tübingen); Universität Tübingen, Graduiertenkolleg 785 "Globa-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
59
le Herausforderungen - transnationale und transkulturelle Lösungswege" (Liebermeisterstr.
18, 72076 Tübingen)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 07071-946593, e-mail: [email protected])
[108-L] Bohlken, Eike; Wiesendahl, Elmar:
Von den Funktionseliten zu den Verantwortungseliten, in: Elmar Wiesendahl (Hrsg.): Eliten in
der Transformation von Gesellschaft und Bundeswehr, Paderborn: Schöningh, 2007, S. 185-206,
ISBN: 978-3-506-76479-9 (Standort: Bayer. SB München(12)-PVA/2007.5750)
INHALT: Was Eliten wirklich leisten und welcher Nutzen dabei für die Gesellschaft herauskommt, ist zum Gegenstand einer breiten, kritisch geführten öffentlichen Debatte geworden.
Die Kritik an den vermeintlichen Leistungseliten geht mittlerweile so weit, dass von "Problemeliten" gesprochen wird, die zu den Lösungen der gesellschaftlicher Probleme wenig beitragen. Bezieht man neben dem Versagensvorwurf auch noch den allgemeinen Integritätsverfall
der Spitzen der Gesellschaft ein, scheinen Eliten nicht mehr die Lösung, sondern selbst Teil
des Problems zu sein, an dem Deutschland in einer schwierigen Übergangsphase leidet. Der
vorliegende Beitrag untersucht die gegen die herrschenden Funktionseliten vorgebrachten
Vorwürfe genauer. Dazu wird das prägende Selbstverständnis der Führungsschicht als Funktionselite unter die Lupe zu genommen, um seine Tauglichkeit für das Anforderungsprofil an
gegenwärtig benötigte Eliten zu überprüfen. Die Ausführungen zeigen Versagens- und moralische Anfälligkeitssymptome, die begründete Zweifel daran aufwerfen, dass die derzeitigen
Eliten den an sie gestellten Erwartungen noch gerecht werden. Der Funktionselitenbegriff
wird einer kritischen Analyse unterzogen, um deutlich zu machen, dass er elementare Fragen
des Umgangs mit Macht und der Bindung an Moral ausklammert. Abschließend wird der
Blick auf "Verantwortungseliten" gelenkt, zu denen sich nach Auffassung der Autoren die
Funktionseliten fortentwickeln müssen. (ICA2)
[109-L] Böhnke, Petra; Kohler, Ulrich:
Well-being and inequality, (Discussion Papers / Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Bildung, Arbeit und Lebenschancen, Abteilung
Ungleichheit und soziale Integration, 2008-201), Berlin 2008, 47 S. (Graue Literatur;
bibliothek.wzb.eu/pdf/2008/i08-201.pdf);Forschungsbericht/Nummer:SPI2008-201
INHALT: "An objective and a subjective approach to study well-being is introduced. The objective approach is particularly useful to compare the quality of life of given societies across time
and space. Using the objective approach, we can identify strong differences of quality of life
between European countries. In comparison to Western Europe, East European countries tend
to have a rather low quality of life. Austria, the Netherlands, Sweden, Denmark and Belgium
form a cluster of countries with high quality of life. The subjective approach to study wellbeing is useful for investigating the importance of dimensions of social inequality for people
themselves. It is shown that most of the inequality dimensionstraditionally analysed by social
scientists affect people's subjective well-being. However, it is also shown that some of the
more materialistic inequality dimensions (such as income) tend to be less important in rich
societies, while certain non-materialistic dimensions (such as family) are getting more important. The subjective approach to study well-being is also used to investigate the importance of characteristics of societies for people's well-being." (author's abstract)
60
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[110-L] Braun, Reiner; Metzger, Heiko:
Sozialbericht 2006: Lebenslagen in Sachsen, Dresden 2007, 342 S. (Graue Literatur;
/publikationen.sachsen.de/bdb/download.do?id=158064)
INHALT: Der vorliegende Bericht beruht in der Regel auf den Daten, die Ende des dritten Quartals 2006 verfügbar waren. Neben dem Mikrozensus (MZ) stützen sich vor allem die Einkommens- und Vermögensanalysen vorwiegend auf die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe
(EVS). Deren Variablenkatalog umfasst in sehr differenzierter Form eine Vielzahl von Einkommens- und Ausgabenarten sowie die wichtigsten Vermögensarten und Schulden. Die
Wirtschaftsstruktur Sachsens profitiert von einem ausgeglichenen Branchen-Mix und ist geprägt von einer vielfältigen Unternehmenslandschaft aus Großbetrieben und Mittelstand. Sie
verhilft dem Freistaat zur höchsten Wirtschaftskraft und zum höchsten Wachstumspotential
unter den neuen Ländern. Diese Wirtschaftskraft bildet das Fundament für den Strukturwandel, der hierzulande nach der Wiedervereinigung erfolgreicher bewältigt wurde als in den anderen neuen Ländern. Gleichwohl ist der Strukturwandel auch in Sachsen noch nicht abgeschlossen. Dabei darf die soziale Lage der Bevölkerung nicht aus dem Auge verloren werden.
Die Mehrheit der sächsischen Privathaushalte erfreut sich seit der Wiedervereinigung eines
gestiegenen Lebensstandards. Aber nicht alle profitieren gleichermaßen vom neu gewonnenen Wohlstand. Der vorliegende Sozialbericht leistet einen Beitrag dazu, Armut und soziale
Ausgrenzung im Freistaat Sachsen aufzuspüren, und schafft damit die Grundlage, diese erfolgreich zu bekämpfen. Die Aufgabe der Staatsregierung beschränkt sich demnach nicht allein auf finanziellen Nachteilsausgleich. Vielmehr ist sie verpflichtet, Ausgrenzung in den
verschiedensten Lebenslagen zu bekämpfen. Die vorliegende Untersuchung basiert daher auf
einem Lebenslagenkonzept. Dieser Forschungsansatz versucht, die Lebenssituation verschiedener Personengruppen in ihrer Gesamtheit zu beschreiben. Es werden die Versorgungslagen
in einer Vielzahl von Lebensbereichen untersucht, die jeweils eng miteinander verflochten
sind. Dazu gehören z. B. die Bereiche Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Erwerbsbeteiligung und Wohnverhältnisse. Eine Beschränkung auf einzelne ökonomische Merkmale wie
etwa das Einkommen würde der Multidimensionalität nicht gerecht. (ICD2)
[111-L] Bude, Heinz; Willisch, Andreas (Hrsg.):
Exklusion: die Debatte über die "Überflüssigen", (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft,
1819), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 335 S., ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: "Das Gesellschaftsempfinden ist am Anfang unseres Jahrhunderts von der Vorstellung
beherrscht, dass sich über die alte Unterscheidung von Oben und Unten die neue von Drinnen
und Draußen legt. Quer durch die Schichten und Milieus zieht sich eine Spaltung zwischen
denen, die von den Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse profitieren, und jenen,
die nicht mithalten können. Die Provokation des Exklusionsbegriffs besteht darin, dass er
eine Verbindung zwischen Rand und Mitte der Gesellschaft herstellt. Was man einst als
Randgruppenphänomen von sich weisen konnte, hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Man
erlebt schrittweise Degradierungen, die plötzlich eine Schwelle ins soziale Aus überschreiten.
Man erfährt sich als Bittsteller des Staates, meidet soziale Kontakte und verliert das Zutrauen
zu sich selbst. Die 'Überflüssigen' haben keinen angestammten Ort, nur noch ein gemeinsames Schicksal." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Heinz Bude, Andreas Willisch: Die Debatte über die 'Überflüssigen'. Einleitung (9-30); Ein Gespräch zwischen Dirk Baecker, Heinz
Bude, Axel Honneth und Helmut Wiesenthal: "Die Überflüssigen" (31-49); Andreas Willisch:
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
61
Drogen am Eichberg oder Feuer im Ausländerheim (50-63); Andreas Willisch: Verwundbarkeit und Marginalisierungsprozesse (64-68); Robert Castel: Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs (69-86); Katherine S. Newman: Kummervolle Zeiten (87-104); Felicitas Hillmann:
Eine überfällige Diskussion (105-109); Heinz Steinert: Die Diagnostik der Überflüssigen
(110-120); Armin Nassehi: Exklusion als soziologischer oder sozialpolitischer Begriff? (121130); Ingrid Oswald: Mittelschichtsvorbehalte (131-137); Jens S. Dangschat: Exclusion - The
New American Way of Life? (138-145); Martin Kronauer: Plädoyer für ein Exklusionsverständnis ohne Fallstricke (146-153); Berthold Vogel: Überflüssige in der Überflussgesellschaft? (154-160); Didier Lapeyronnie: Die Ordnung des Formlosen (161-177); Markus
Schroer: Die im Dunkeln sieht man doch. Inklusion, Exklusion und die Entdeckung der Überflüssigen (178-194); Peter Imbusch: 'Überflüssige'. Historische Deutungsmuster und potentielle Universalität eines Begriffs (195-212); Ein Gespräch mit Loic Wacquant: Armut als Delikt (213-224); Anja Weiß: Raumrelationen als zentraler Aspekt weltweiter Ungleichheiten
(225-245); Heinz Bude: Das Phänomen der Exklusion (246-260); Oliver Callies: Konturen
sozialer Exklusion (261-284); Berthold Vogel: Der Nachmittag des Wohlfahrtsstaats (285308); Andreas Willisch: Die paradoxen Folgen mechanischer Integration (309-331).
[112-L] Bude, Heinz; Willisch, Andreas:
Die Debatte über die "Überflüssigen", in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion :
die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 9-30, ISBN: 978-3518-29419-2
INHALT: Es wird eine sozialwissenschaftliche Debatte dokumentiert, die sich am Konzept der
"Überflüssigen" entzündet hat und in der die analytischen und normativen Implikationen eines solchen Ausdrucks behandelt wurden: Die "Überflüssigen" erscheinen als die andere Seite des allseits geforderten "unternehmerischen Selbst". Es handelt sich um eine unübersichtliche Gruppe von "vereinzelten Einzelnen", die über Eigenschaften, Gefühle und Fähigkeiten
verfügen, die unbrauchbar geworden sind. Es sind bei ihnen bestimmte Mängel feststellbar,
die ihrer Verwendbarkeit und Vermittelbarkeit auf "dynamischen Arbeitsmärkten" für anspruchsvolle Tätigkeiten im Wege stehen. Sie erscheinen wenig belastbar, kaum lernfähig
und früh gealtert. Die Dominanz eines funktionalen Musters wissensbasierter und dienstleistungsorientierter Tätigkeit bringt die Entwertung hergebrachter beruflicher Qualifikationen
und sozialmoralischer Haltungen mit sich. (GB)
[113-L] Bude, Heinz:
Die Ausgeschlossenen: das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft, München: Hanser
2008, 140 S., ISBN: 978-3-446-23011-8
INHALT: 'Immer mehr Menschen sind von den Segnungen des Wohlstands ausgeschlossen und
haben keine Hoffnung, dass sich daran etwas ändert. Lebensläufe, die man für solide hielt,
geraten ins Schlingern, weil Arbeitsplätze, die man sicher glaubte, wegbrechen. Ungelernte
Aushilfskräfte kann es genauso treffen wie hochqualifizierte Wissenschaftler.' Der Autor entwirft ein Bild einer gespaltenen Gesellschaft, in der große Gruppen von sozialer Ausgrenzung
und von Bildungs-, Ernährungs- und Einkommensarmut bedroht sind: jüngere Menschen in
der ostdeutschen Provinz, alleinerziehende Mütter, 'verwilderte Jungmänner', ausbildungsmüde und ausländische Jugendliche, Hauptschüler und Sonderschüler. Die Unterschicht wird als
62
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
eine Schicht beschrieben, die von einer Kultur männlicher Härte und matriarchaler Familienstrukturen geprägt ist, und die Mitte als Schicht, die den sozialen Abstieg fürchtet. (IAB)
[114-L] Bude, Heinz:
Das Phänomen der Exklusion: der Widerstreit zwischen gesellschaftlicher Erfahrung und
soziologischer Rekonstruktion, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die
Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 246-284, ISBN: 978-3518-29419-2
INHALT: Den Ausgangspunkt des Beitrags bildet das Unbehagen an der klassischen Sozialstrukturanalyse, die immer wieder den Nachweis führt, dass sich in der Ordnung sozialer Ungleichheit im letzten halben Nachkriegsjahrhundert in der Bundesrepublik Deutschland eigentlich nichts geändert hat. Dieser wesentlich strukturkonservativen Aussage widersprechen
gesellschaftliche Erfahrungen, die konstatieren, dass das soziale Band unter höchster Spannung steht und Zugehörigkeit immer prekärer wird. Die Überzeugung, man stehe im Berufsleben egal in welcher Position immer zur Disposition und habe es in unserer Gesellschaft mit
einer wachsenden Zahl von Überzähligen und Aussortierten zu tun, ist auch bei gezielten
Umfragen sofort abrufbar. In den Alltagstheorien sozialer Selbsteinstufung zeigt sich eine
neue, ungemein beunruhigende Unterscheidung von Drinnen und Draußen. An der Schlüssigkeit dieser nicht mehr nur kategorialen, sondern durchaus auch existentiellen Unterscheidung
hängt die Möglichkeit einer Wiederannäherung von Soziologie und gesellschaftlicher Erfahrung im Hinblick auf die Grundfrage der sozialen Exklusion. (GB)
[115-L] Bührmann, Andrea D.:
Soziale Arbeit und die (Trans-)Formierung moderner Subjektivierungsweisen, in: Roland
Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr (Hrsg.): Foucaults Machtanalytik und soziale Arbeit :
eine kritische Einführung und Bestandsaufnahme, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S.
59-74, ISBN: 978-3-531-15020-8 (Standort: USB Köln(38)-34A8884)
INHALT: Der Beitrag befasst sich mit den gesellschaftlichen Ausschließungsmechanismen. Dabei macht Foucault immer wieder deutlich, dass die von ihm beschriebenen Exklusionsmechanismen vor allen Dingen dazu dienen, gesellschaftliche Normalitätsvorstellungen und damit Inklusionsvorstellungen für das, was wir gewöhnlich als normale moderne Subjektivierungsweise ansehen, erst historisch über unterschiedliche Praktiken wie Prozeduren erzeugt
worden ist. Der erste Schritt skizziert zunächst die Grundzüge einer 'kritischen Ontologie der
Gegenwart'. Im Anschluss werden sodann die Entwicklungslinien der Formierung bzw.
Transformierung moderner Subjektivierungsweisen rekonstruiert: (1) die Formierung des Begehrens-Subjektes im Sexualitätsdispositiv, (2) die Transformierungsprozesse des BegehrensSubjektes und (3) die Formierung des unternehmerischen Selbst. Dabei vertritt die Autorin
die These, dass Foucault jene Formierung bzw. Transformierung moderner Subjektivierungsweisen über die Analyse der Dispositiven erforscht hat. Im dritten Schritt wird schließlich
nach den Anregungspotentialen dieser Analysen moderner Subjektivierungsweisen für die
Soziale Arbeit gefragt. Im Zentrum steht hierbei die Überlegung, dass die Soziale Arbeit als
Humanwissenschaft nicht nur an der Formierung moderner Subjektivierungsweisen, sondern
auch gegenwärtig an deren Transformierung beteiligt zu sein scheint. (ICG2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
63
[116-L] Cahill, Kevin; Johannessen, Lene (Hrsg.):
Considering class: essays on the discourse of American dream, (Transnational and
Transatlantic American Studies, Vol. 4), Berlin: Lit Verl. 2007, 213 S., ISBN: 978-3-8258-0259-2
(Standort: UB Bonn(5)-2007/9121)
INHALT: "In the 21st century hardly any aspects of human existence are left unexplored by postmodern theories and discourses of subjectivity and individuality, of hybridity and identity, of
race, gender and ethnicity. Conspicuous, however, among these critical inquiries is the relatively little attention devoted to the category of class. This absence is particularly alarming at
a time when neoliberalism and post- capitalism feed on cultural fragmentation and ideological
relativism. The contributions in Considering Class: Essays on the Discourse of the American
Dream address the (dys)functional position of class in American socio -political and cultural
reality from a variety of disciplinary perspectives. While it is open to debate whether class is
more resistant to being relativized than other categories, there is increasing recognition that
class remains a critical category with the potential to transcend the rifts and divisions that run
along lines of race, ethnicity and gender, and with the potential to reconfigure the current
American political landscape." (author's abstract). Contents: Kevin Cahill and Lene Johannessen: Introduction (1-9); Part I: Class and the Culture of Exceptionalism: Marina Moskowitz:
The Elephant in the Room: Culture, Cohesion, and Context in the American Middle Class
(13-26); Omar Schwartz: Power, Praxis, and Equity in the Struggle for Working Class Dignity (27-46); Malini Cadambi & Evan Mathew Daniel: (Re)Examining Class: Transnational
Workers and Nationalist Struggles in the late 19th Century United States (47-69); Part II: The
Discourse of Class: Rosalie Murphy Baum: Defining Working-Class Realities in Chicago and
Rocksburg, PA: 'Partial Descriptions' (73-87); Jason C. Myers and Stephen Routh: Class Presidents: Finding Evidence of Class Struggle in US Presidential Speechmaking (89-103); Masood Raja: Doctorow's Ragtime: Inserting Class in a Literary Discussion (105-116); Wuming
Zhao: Gendered Dreams arid the Hollywood Cross-Class Romance (117-129); Part III: Class
and Institutions: Tom Nesbit: Social Class and Adult Education (133-147); Ken Oldfield:
Achieving Social Class Diversity Throughout the Workforce: A Case Study of TIAA-CREF
(149-166); Part IV: Narratives of Class: Irvin Peckham: The Stories We Tell (169-182); Vivyan Adair: Class Distinctions: Mapping Poverty on the Contemporary US Class Landscape
(183-203).
[117-L] Callies, Oliver:
Konturen sozialer Exklusion, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte
über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 261-284, ISBN: 978-3-51829419-2
INHALT: Um der Frage nachzugehen, was das Besondere des Exklusionsbegriffs ausmacht und
was die Exkludierten von den Armen, den Unterschichten und den sozial Marginalisierten unterscheidet, werden qualitative Interviews mit sechs Personen zusammenfassend wiedergegeben. Dabei werden subjektive Orientierungen, mangelnde Zukunftsperspektiven und soziale
Nahbeziehungen der Befragten analysiert. Es zeigt sich, dass Exklusionsprozesse quer zu den
üblichen Einteilungen der Sozialstrukturanalyse verlaufen. Die Operationalisierung des Begriffs Exklusion erweist sich als schwierig. (GB)
64
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[118-L] Castel, Robert:
Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion :
die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 69-86, ISBN: 9783-518-29419-2
INHALT: Es wird darauf hingewiesen, dass sich seit einiger Zeit der Begriff "Exklusion" als ein
Allzweckwort durchgesetzt hat: Der Langzeitarbeitslose, der Jugendliche aus den Vorstädten,
der Obdachlose usw. sind "Ausgeschlossene". Das explosionsartige Aufkommen dieses Themas lässt sich, für Frankreich zumindest, auf Ende 1992/Anfang 1993 datieren. In dem Beitrag werden Gründe genannt, warum mit der Verwendung des Begriffs "Exklusion" große Zurückhaltung geboten sein sollte. Es wird auch darauf hingewiesen, wofür der unbedachte Gebrauch dieses Begriffs ein Symptom darstellt. Schließlich wird versucht, die Merkmale der
"Exklusion" im engeren Sinne herauszuarbeiten, die eine reflektierte Verwendung des Begriffs erlauben. (GB)
[119-L] Dangschat, Jens S.:
Soziale Ungleichheit, gesellschaftlicher Raum und Segregation, in: Jens S. Dangschat,
Alexander Hamedinger (Hrsg.): Lebensstile, soziale Lagen und Siedlungsstrukturen, Hannover:
Verl. der ARL, 2007, S. 21-50, ISBN: 978-3-88838-059-4
INHALT: "Der Autor stellt in seinem Beitrag einen Abriss der aktuellen Positionen in der bundesdeutschen Ungleichheitsforschung dar, die keineswegs von einem einheitlichen Bild geprägt ist. Das Dilemma vergrößert sich vor allem dadurch, dass die Ungleichheitsforschung
praktisch ohne einen Raumbezug agiert, wodurch weder die strukturellen Benachteiligungen
durch den Wohnstandort (Infrastruktur, Wohnbaustruktur, soziales Umfeld) berücksichtigt
werden, noch die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Nutzung des Raumes resp. der Identifikation mit ihm. Umgekehrt wird in der Segregationsforschung die Komplexität gesellschaftlicher Ausdifferenzierungen vernachlässigt, indem man sich auf die Daten bezieht, die flächendeckend in der amtlichen Statistik erhältlich sind. Am Ende des Beitrages wird auf die
meist übergangene normative Frage des 'idealen Integrationskonzeptes' eingegangen, was
wiederum auf das 'ideale Ausmaß' sozial-räumlicher Ungleichheiten einen zentralen Einfluss
hat." (Autorenreferat)
[120-L] Dangschat, Jens S.:
Exclusion - the new American way of life?, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.):
Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 138145, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Die beiden Arbeiten von Robert Castel "Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs" sowie
von Katherine S. Newman "Kummervolle Zeiten. Die kulturellen Dimensionen des wirtschaftlichen Wandels in den USA" (wieder abgedruckt in demselben Sammelband) werden
weiterführend kommentiert und auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik
Deutschland bezogen. Es wird die These formuliert, dass es Exklusion im engeren Sinne oder
eine Ghettoisierung in der Bundesrepublik noch nicht gibt. Es ist jedoch zu beobachten, dass
in westlichen Industrienationen sozialstaatlich und institutionell in gleicher Weise auf die
ökonomischen Herausforderungen der Globalisierung reagiert wird. (GB)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
65
[121-L] Diewald, Martin:
Arbeitsmarktungleichheiten und die Verfügbarkeit von Sozialkapital: die Rolle von
Gratifikationen und Belastungen, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
Sonderheft, 2007, H. 47, S. 183-210 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M
Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Es geht in diesem Beitrag um die Frage, wie die individuelle Verfügbarkeit von Sozialkapital mit arbeitsmarktvermittelten sozialen Ungleichheiten zusammenhängt. Hierzu werden sowohl Gratifikationen als auch Belastungen als ungleichheitsrelevante Arbeitsplatzmerkmale detailliert betrachtet. Ein besonderes Interesse gilt Arbeitsplatzmerkmalen, die in
der Diskussion um den Wandel der Arbeit eine besondere Bedeutung haben. Der Schwerpunkt bei der Betrachtung des Explanandums Sozialkapital liegt auf emotionaler und instrumenteller Unterstützung. Datenbasis der Untersuchung sind die Wellen 2005 und 2006 sowie
der Pretest 2006 'Persönlichkeit und Alltag' des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Unter
den Ergebnissen ist als Überraschung hervorzuheben, dass unter den Gratifikationen das Arbeitseinkommen einen negativen Einfluss auf das Sozialkapital aufwies, während Arbeitsdruck und zeitliche Belastungen einen positiven Gesamteinfluss hatten. Letzteres ist darauf
zurückzuführen, dass Beziehungen am Arbeitsplatz einen Bedeutungszuwachs erfahren haben, der Einbrüche bei entfernteren Beziehungen in der Verwandtschaft und bei Wahlbeziehungen mehr als ausglich. Allerdings geht mit hohen Belastungen auch vermehrter Streit innerhalb von Familien- und Arbeitsplatzbeziehungen einher. Da Bedingungen von Unsicherheit und Unstetigkeit einen eher geringen Einfluss ausübten, entspricht das Gesamtbild der
Ergebnisse eher den von Hochschild in 'The Time Bind' geschilderten Verhältnissen als den
von Sennett in 'The Corrosion of Character' geäußerten Befürchtungen." (Autorenreferat)
[122-L] Fassmann, Heinz:
Integration und Segregation: eine Erläuterung, in: Frank Meyer (Hrsg.): Wohnen - Arbeit Zuwanderung : Stand und Perspektiven der Segregationsforschung, Münster: Lit Verl., 2007, S. 115, ISBN: 978-3-8258-0086-4 (Standort: UB Bochum(294)-SKB5344)
INHALT: Der Verfasser plädiert dafür, den Oberbegriff "Integration" zu vermeiden und stattdessen differenziert von Marginalität, Segmentation, Mehrfachintegration oder Assimilation zu
sprechen. Er stellt Dimensionen und Ebenen der Sozialintegration dar und versteht Sozialintegration - anknüpfend an den "Race Relation Cycle" der Chicago-Schule - als Prozess, in dem
Zuwanderer sich mit dem Aufnahmekontext auseinandersetzen und sich schrittweise anpassen. Der Verfasser unterscheidet vier Integrationstypen (Assimilation, Mehrfachintegration,
Segmentation, Marginalität), und setzt sie mit den Integrationszielen (Chancengleichheit, soziale Kohäsion) in Zusammenhang. (ICE)
[123-L] Gerhards, Jürgen:
Die kulturelle Elite Europas: eine vergleichende Analyse der 27 Mitgliedsländer der EU auf
der Grundlage einer Auswertung des Eurobarometers, (BSSE-Arbeitspapier - Berliner
Studien zur Soziologie Europas, Nr. 13), Berlin 2008, 32 S. (Graue Literatur;
www.polsoz.fu-berlin.de/soziologie/arbeitsbereiche/makrosoziologie/arbeitspapiere/pdf/BSSE_13
_Die_kulturelle_Elite_Europas.pdf)
66
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
INHALT: "Auf der Basis einer Auswertung einer Eurobarometerbefragung beschreiben wir in einem ersten Schritt die Intensität der Hochkulturnutzung der Bürger in 27 Ländern der Europäischen Union. Die Ergebnisse zeigen, dass die Partizipation an hochkulturellen Institutionen (Oper, Theater, Museen, Konzert) zusammen ein Verhaltenssyndrom bilden, so dass man
von einem einheitlichen, hochulturellen Lebensstil sprechen kann. Die Analysen zeigen weiterhin, dass die Intensität der Nutzung des hochkulturellen Angebots in allen Ländern recht
gering ist, bei gleichzeitiger Varianz zwischen und innerhalb der Länder. In einem zweiten
Schritt versuchen wir, die Unterschiede in der Praktizierung eines hochkulturellen Lebensstils
zu erklären und greifen dazu auf die Theorie von Pierre Bourdieu zurück. Die Ergebnisse zeigen, dass das institutionalisierte und inkorporierte kulturelle Kapital des Befragten und seine
Berufsposition einen starken Einfluss auf seinen Lebensstil haben. Alle aus der Bourdieuschen Theorie abgeleiteten Hypothesen werden empirisch bestätigt. Die Praktizierung eines
hochkulturellen Lebensstils hängt aber nicht nur von der sozialstrukturellen Lagerung der
Nachfrager nach Hochkultur ab, sondern auch von der kulturellen Gelegenheitsstruktur. Ästhetische Präferenzen lassen sich besser und kostengünstiger realisieren, wenn ein Land über
eine ausgebaute hochkulturelle Infrastruktur verfügt und der Befragte in der Nähe dieser Infrastruktur wohnt. Ergänzt man die Bourdieusche Theorie der Homologie von Klassenlage
und Lebensstile um das Konzept der kulturellen Gelegenheitsstruktur, dann lassen sich die
Ausbildung einer kulturellen Elite und auch Länderunterschiede gut erklären." (Autorenreferat)
[124-L] Grabka, Markus M.; Frick, Joachim R.:
Schrumpfende Mittelschicht: Anzeichen einer dauerhaften Polarisierung der verfügbaren
Einkommen?, in: Wochenbericht / DIW Berlin : Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Jg. 75/2008,
Nr. 10, S. 101-108; Kopie über den Literaturdienst
erhältlichwww.diw.de/documents/publikationen/73/79586/08-10-1.pdf)
INHALT: "Die Schicht der Bezieher mittlerer Einkommen ist in Deutschland in den vergangenen
Jahren deutlich geschrumpft. Ihr Anteil an der gesamten Bevölkerung ging von 62 Prozent im
Jahr 2000 auf 54 Prozent 2006 zurück. Entsprechend gestiegen ist der Bevölkerungsanteil an
den Rändern der Einkommensverteilung, wobei in der Mittelschicht die Abwärtsmobilität
stärker ausgeprägt war als der Aufstieg in höhere Einkommensklassen. Auch wenn sich der
konjunkturelle Aufschwung im Jahr 2007 fortgesetzt hat, dürfte sich an der relativen Einkommenssituation in der Mitte der Gesellschaft nur wenig verändert haben. Parallel zur Entwicklung der objektiven Einkommenslage zeigt sich eine deutliche Veränderung der subjektiven
Wahrnehmung der Bevölkerung: Über alle Einkommensschichten hinweg ist festzustellen,
dass die 'Sorgen um die eigene wirtschaftliche Entwicklung' zugenommen haben." (Autorenreferat)
[125-L] Hadler, Markus:
Nationale Strukturen und Werte als Determinanten individueller Bewertungen von
Einkommensungleichheiten, in: Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für Mitteleuropa, Jg.
25/2008, H. 1/2, S. 89-106 (Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
67
INHALT: Soziale Ungleichheit, ihre Wahrnehmung und ihre Determinanten sind zentrale Fragen
der Soziologie. Darin kommt der Einkommensungleichheit ein besonderer Stellenwert zu. In
allen Gesellschaften gibt es mehr oder weniger große Unterschiede im Einkommen und parallel dazu mehr oder weniger große Versuche diese Ungleichverteilung durch staatliche Maßnahmen zu kompensieren. Eine Frage ist, wie die Individuen auf diese Ungleichverteilung
reagieren und welches Ungleichheitsausmaß von ihnen toleriert wird. Kernfrage des vorliegenden Beitrages ist darum, wie groß die wahrgenommene Einkommenskluft in einem Land
sein muss, damit ein Individuum sie als zu groß bewertet und welche Einflüsse von Länderkontexten auf diese "Toleranz" ausgehen. Dazu dienen drei Ansätze als theoretischer Rahmen: (1) Die Ideologiethese, die besagt, dass Gesellschaften durch nationale Ideologien gekennzeichnet sind und individuelle Einstellungen und Werthaltungen von ihnen beeinflusst
werden. (2) Die Reflexionsthese, die besagt, dass sich strukturelle Merkmale einer Gesellschaft (z.B. die faktische Ungleichheit) in den individuellen Einstellungen widerspiegeln. (3)
Die Strukturpositionsthese, die davon ausgeht, dass die Wahrnehmung der Ungleichheiten
durch die strukturelle Position des Individuums beeinflusst wird. Empirisch werden mittels
einer Mehrebenenregression dreißig Länder (Datenbasis ist die ISSP Erhebung zur sozialen
Ungleichheit 1999) hinsichtlich der Forschungsfrage verglichen. (ICA2)
[126-L] Hadler, Markus:
Soziale Ungleichheit im internationalen Vergleich: ihre Wahrnehmung, ihre Auswirkung
und ihre Determinanten, (Austria: Forschung und Wissenschaft - Soziologie, Bd. 4), Wien: Lit
Verl. 2007, X, 193 S., ISBN: 978-3-8258-0513-5 (Standort: USB Köln(38)-35A1858)
INHALT: Das Buch fasst verschiedene bereits andernorts publizierte deutsch- und englischsprachige Beiträge des Verfassers zusammen. Die ersten Beiträge konzentrieren sich auf die Methode des internationalen Vergleichs. Sie behandeln die Mehrebenenanalyse und den Vergleich von Nationen in international vergleichenden Untersuchungen. Die folgenden Beiträge
stellen inhaltliche und theoretische Aspekte der Ungleichheitsproblematik in den Vordergrund. Sie behandeln die Toleranz gegenüber Einkommensungleichheiten, die Wahrnehmung
des Klassenkonflikts, Modernisierungsgewinner und -verlierer sowie Migrationsabsichten innerhalb der EU. (ICE2)
[127-L] Hartmann, Michael:
Elitenstruktur und soziale Ungleichheit in Europa, in: WSI Mitteilungen : Monatszeitschrift
des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung, Jg. 61/2008,
H. 3, S. 164-169 (Standort: USB Köln(38)-Haa964; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die sozialen Unterschiede in den europäischen Ländern sind in den letzten 20 Jahren
spürbar gewachsen, wenn auch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die soziale Spaltung
ist z.B. in Großbritannien oder Spanien erheblich größer als in den skandinavischen Ländern.
Diese Differenzen hängen unmittelbar mit der sozialen Rekrutierung der nationalen Eliten zusammen. Der Beitrag zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich im Allgemeinen umso
weiter auseinander klafft, je exklusiver und homogener die jeweiligen Eliten sind. Die Reichtumsverteilung in einer Gesellschaft wird maßgeblich von den Eliten bestimmt, die nur durch
Gegenkräfte in der Bevölkerung an der Durchsetzung ihrer Eigeninteressen gehindert werden
können." (Autorenreferat)
68
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[128-L] Heining, Jörg:
Soziale Interaktion und regionale Arbeitsmärkte, (Volkswirtschaftliche Forschungsergebnisse,
Bd. 126), Hamburg: Kovac 2007, 425 S., ISBN: 978-3-8300-3277-9
INHALT: "Blickt man in die Literatur, die sich mit der Erklärung von internationalen (strukturellen) Arbeitslosigkeitsdifferentialen auseinandersetzt, so findet man dort das Argument, dass
die Ursache hierfür in den unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt der betrachteten Nationen liegt. Internationale Unterschiede z.B. in den sozialen
Sicherungssystemen, dem Zentralisierungsgrad der Lohnverhandlungen oder der Stärke von
Gewerkschaften sind für (strukturelle) Unterschiede zwischen nationalen Arbeitslosenquoten
verantwortlich. Dieses Argument ist nicht in Bezug auf regionale Arbeitslosigkeitsdifferentiale anwendbar, da die institutionellen Rahmenbedingungen innerhalb eines Landes in der Regel nicht über die Regionen variieren. Insofern müssen für diese Disparitäten andere Faktoren
ursächlich sein. Im ersten Teil der Studie werden theoretische Modelle und empirische Studien zu den Ursachen von Disparitäten in der regionalen Arbeitslosigkeit präsentiert. Darüberhinaus wird die Wirkung einer Freizeitexternalität im Rahmen eines theoretischen Modells
diskutiert. Der zweite Teil umfasst eine Darstellung der für die empirische Überprüfung dieses Modells verwendeten Methoden und Daten, sowie die erzielten Ergebnisse." (Autorenreferat)
[129-L] Heitmeyer, Wilhelm; Endrikat, Kirsten:
Die Ökonomisierung des Sozialen: Folgen für "Überflüssige" und "Nutzlose", in: Wilhelm
Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche Zustände : Folge 6, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 55-72,
ISBN: 978-518-12525-0
INHALT: Im Rahmen des GMF-Projekts (2002-2012) werden Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen, subjektiven Wahrnehmungen und "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" (GMF) untersucht. Im vorliegenden Beitrag wird ein bestimmter Zugang
zur Erklärung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gewählt. Die Autoren gehen davon
aus, dass der Wandel von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft mit einer Ökonomisierung des Sozialen einhergeht. Als Beleg für diese These werden verschiedene Beobachtungen
angeführt: die Veränderung der Qualität des sozialen Sicherungssystems und der Bedeutungszuwachs der Erwerbsarbeit, ohne dass parallel dazu ein Rahmen geschaffen würde, der den
Fortbestand nichtökonomischer Institutionen sicherstellt. So muss sich z.B. das Familienleben
der Erwerbsarbeit unterordnen, gleiches gilt für die Pflege sozialer Nahbeziehungen bei abnehmender Arbeitsplatzgarantie und Beschäftigungsstabilität. Ähnliches gilt auch in anderen
Bereichen: Die Politik verliert zunehmend die Kontrolle über die Wirtschaft, die Schule wird
den Anforderungen des Arbeitsmarkts untergeordnet usw. Diese Entwicklungen werden vor
der Folie der Theorie der sozialen Desintegration untersucht. Sie weist drei Dimensionen auf:
In der ersten geht es um Zugänge zu den Funktionssystemen wie Arbeit, Bildung etc., in der
zweiten um die Partizipation an öffentlichen Angelegenheiten, und die dritte Dimension fokussiert auf den sozialen Nahraum mit den Freundeskreisen, der sozialen Unterstützung und
Kontakten sowie Partnerschaften. (ICA2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
69
[130-L] Heitmeyer, Wilhelm; Mansel, Jürgen:
Gesellschaftliche Entwicklung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit:
unübersichtliche Perspektiven, in: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche Zustände : Folge 6,
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 13-35, ISBN: 978-518-12525-0
INHALT: Das auf zehn Jahre angelegte Projekt "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" wurde 2002 gestartet und geht mit dem vorliegenden Band in die "zweite Halbzeit", in der sich
qualitative neue Veränderungen andeuten. In der von den Medien dominierten Öffentlichkeit
ist vom "Aufschwung" die Rede, der vor allem am Rückgang der Arbeitslosenziffern festgemacht wird. Der einleitende Beitrag hinterfragt kritisch, was sich dahinter tatsächlich verbirgt. Anhand von Arbeitsmarktdaten wird gefragt: Inwieweit wird aus der "sozialen Marktwirtschaft" eine "Marktgesellschaft", die nicht länger nur die materielle Existenz tangiert,
sondern auch mit einem Eindringen ökonomistischen Denkens einhergeht? Es zeigt sich, dass
trotz besserer Chancen auf den Erhalt des Lebensstandards feindselige Mentalitäten fortbestehen, weil sich ökonomistische Orientierungen festsetzen und wirtschaftliche Standards wie
Effektivität oder Nützlichkeit auf soziale Gruppen angewendet werden. Die Ergebnisse einer
Umfrage bestätigen, dass der angebliche "Aufschwung", reduziert man ihn auf nackte Arbeitslosenziffern, mit dem moralischen Niedergang der Gesellschaft einhergehen kann, ohne
dass es bemerkt wird, denn Effizienz- und Nutzenkalküle sind angeblich wertfrei. Von dieser
Entwicklung sind vor allem schwache Gruppen betroffen, und sie beeinträchtigt den Zusammenhalt der Gesellschaft insgesamt. (ICA2)
[131-L] Heitmeyer, Wilhelm:
Die Ideologie der Ungleichwertigkeit: der Kern der gruppenbezogenen
Menschenfeindlichkeit, in: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche Zustände : Folge 6, Frankfurt
am Main: Suhrkamp, 2008, S. 36-43, ISBN: 978-518-12525-0
INHALT: Moderne Gesellschaften schaffen - so die These der funktionalistischen und neoliberal
orientierten Theorie sozialer Ungleichheit - Integration, indem sie Unterschiede nach dem
Leistungsprinzip legitimieren, also die Ausdifferenzierung von Strukturen und eine "pluralistische" Sichtweise auf Menschen, Lebensweisen, religiöse Überzeugungen, Leistungsvermögen etc. ermöglichen. Der vorliegende Beitrag warnt angesichts empirischer Studien, die zeigen, dass dieses und dichotomes Denken - vermittelt über die Erfahrung zunehmender Spaltung in oben und unten oder die Selbsteinschätzung, zu den Verlierern zu gehören - erneut um
sich greift. Eine solche Entwicklung stellt für den Autor einen zivilisatorischen Rückschritt
dar, der in Gewalttätigkeit münden kann bzw. die faktisch existierende Gewaltbereitschaft erklärt. Denn Bilder von einem Oben und einem Unten, von Gewinnern und Verlierern erzeugen jene Formen kategorialer Dichotomien, die besonders anfällig sind für ein Umschlagen in
physische oder psychische Brutalität. Verlierer, die die Überzeugung gewinnen, dass sie ihrer
Kategorisierung nicht mehr entkommen können, müssen neue Verlierer schaffen, um sich
selbst aufzuwerten. Die Ideologie der Ungleichwertigkeit anderer liefert dazu die Munition.
(ICA2)
70
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[132-L] Holtmann, Sieter:
Die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich, Potsdam:
Univ.-Verl. Potsdam 2007, 288 S., ISBN: 978-3-939469-86-5
INHALT: "Für den internationalen Vergleich von Gesellschaften wird ein System gesellschaftlicher Dauerbeobachtung vorgeschlagen, indem aufgrund einer Auseinandersetzung mit der sozialphilosophischen Diskussion acht Performanzkriterien für den internationalen Vergleich
von Lebensbedingungen entwickelt werden: Wohlstand und Wachstum; ökologische Nachhaltigkeit; Innovation; soziale Sicherung durch Unterstützungsleistungen im Risikofall sowie
vorsorgend durch Bildungsinvestitionen; Anerkennung der Besonderheiten (Frauenfreundlichkeit und Migrantenfreundlichkeit); Gleichheit der Teilhabe; soziale Integration; Autonomie ('freedom of choice and capabilities'). In unserem Ansatz gehen wir nicht von einem einheitlichen Pfad der Modernisierung in Richtung Wachstum, Partizipation und Inklusion aus,
sondern unterscheiden - in leichter Erweiterung der 'drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus'
von Esping-Andersen (1990) - (mindestens) fünf verschiedene institutionelle Entwicklungspfade der Modernisierung: Der sozialdemokratisch-universalistische Pfad, der wirtschaftsliberale Pfad, der Status-konservierende Pfad, der 'familistische' Pfad und die Entwicklung der
Gruppe der ex-sozialistischen Länder, die sich in einem Prozess der Ausdifferenzierung befinden. Zur Analyse der Sozialstrukturen werden als Modelle sozialer Lagen berücksichtigt:
Marx, Weber, Roemer/ Wright; soziale Schichten, berufliche Lagen, Goldthorpe-Modell;
Bourdieu, Vester, Hradil. Als Anwendungsbereiche werden behandelt: Dienstleistungsgesellschaften und Erwerbstätigkeit, Bildung; Wohlstand, Einkommen, Vermögen und Armut; soziale Mobilität; soziale Ungleichheit zwischen Frauen und Männern; Bevölkerungsstruktur
und Lebensformen; Lebensstile; Wohlfahrtsregime und soziale Sicherung; Individualisierung
und ihre Gegenbewegungen; zusammenfassender Vergleich von Lebensbedingungen." (Autorenreferat)
[133-L] Huster, Ernst-Ulrich; Boeckh, Jürgen; Mogge-Grotjahn, Hildegard (Hrsg.):
Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 623 S.,
ISBN: 978-3-531-15220-2
INHALT: "Armut und soziale Ausgrenzung nehmen in unserer Gesellschaft zu. Dies betrifft nicht
nur die materielle Verteilung, sondern bezieht darüber hinaus weitere Aspekte mit ein. Denn
Armut und soziale Ausgrenzung schlagen sich in unterschiedlichen Dimensionen und Lebenslagen wie Arbeit, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Wohnen - jeweils mitgeprägt
durch die intervenierenden Variablen Gender und Ethnizität - nieder. Das Handbuch greift
diese multifaktoriellen Zusammenhänge auf und fügt zentrale Erkenntnisse von Theorie und
sozialer Praxis zusammen: Wirtschaftliche Zusammenhänge, sozialethische Bewertungsmaßstäbe, juristische Bearbeitungsformen, Bewältigung in und durch ästhetische bzw. medienpädagogische Praxis, geschichtliche Erfahrungen von und im Umgang mit Armut, soziale Beteiligungsstrukturen und individuelle Problemlösungskapazitäten. Der Band macht damit
deutlich: Armut und soziale Ausgrenzung sind im sozialen Kontext entstanden und deshalb
auch politisch und gesellschaftlich veränderbar. Theorien der Armut, systematisch-empirische
Bestandsaufnahme und Veränderungswissen in praktischen Handlungsebenen und -feldern
geben hier Orientierung und werden in diesem Handbuch aufeinander bezogen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Einleitung: Ernst-Ulrich Huster, Jürgen Boeckh und Hildegard
Mogge-Grotjahn: Armut und soziale Ausgrenzung. Ein multidisziplinäres Forschungsfeld
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
71
(13-35); Theorien der Armut: Hildegard Mogge-Grotjahn: Gesellschaftliche Ein- und Ausgrenzung. Der soziologische Diskurs (39-53); Dieter Eißel: Ungleichheit und Armut als Movens von Wachstum und Wohlstand? (54-71); Ernst-Ulrich Huster: Soziale Eingrenzung als
sozialstaatliches Ziel. Der sozialpolitische Diskurs (72-93); Richard Hauser: Das Maß der Armut: Armutsgrenzen im sozialstaatlichen Kontext. Der sozialstatistische Diskurs (94-117);
Lutz Leisering: Dynamik von Armut (118-132); Wolfgang Strengmann-Kuhn und Richard
Hauser: International vergleichende Armutsforschung (133-150); Traugott Jähnichen: Der
Wert der Armut. Der sozialethische Diskurs (151-165); Rainer Homann: "Denn Armut ist ein
Glanz aus Innen...". Armut und Kunst (166-179); Fritz Rüdiger Volz: 'Freiwillige Armut'.
Zum Zusammenhang von Askese und Besitzlosigkeit (180-194); Knut Hinrichs: Die Entwicklung des Rechts der Armut zum modernen Recht der Existenzsicherung (195-217); Geschichte der Armut und sozialen Ausgrenzung: Gerhard K. Schäfer: Geschichte der Armut im
abendländischen Kulturkreis (221-242); Ernst-Ulrich Huster: Von der mittelalterlichen Armenfürsorge zu den Anfängen der Sozialstaatlichkeit (243-262); Armut und soziale Ausgrenzung: Gesellschaftliche Prozesse und Lebenslagen: Lutz C. Kaiser: Arbeit: Mit Erwerbsarbeit
in die Armut oder aus der Armut? (265-281); Jürgen Boeckh: Einkommen und soziale Ausgrenzung (282-300); Carola Kuhlmann: Bildungsarmut und die soziale "Vererbung" von Ungleichheiten (301-319); Fritz Haverkamp: Gesundheit und soziale Lebenslage (320-334);
Hartmut Häußermann: Wohnen und Quartier: Ursachen sozialräumlicher Segregation (335349); Hildegard Mogge-Grotjahn: Geschlecht: Wege in die und aus der Armut (350-361);
Jürgen Boeckh: Migration und soziale Ausgrenzung (362-380); Benjamin Benz: Armut im
Familienkontext (381-399); Eckhard Rohrmann: Zwischen selbstbestimmter sozialer Teilhabe
und fürsorglicher Ausgrenzung. Lebenslagen und Lebensbedingungen von Menschen, die wir
behindert nennen (400-416); Bewältigungsstrategien bei Armut und sozialer Ausgrenzung:
Hans-Jürgen Balz: Prekäre Lebenslagen und Krisen. Strategien zur individuellen Bewältigung
(419-437); Michael Wendler: Bewegung und Körperlichkeit als Risiko und Chance (438454); Renate von Schnakenburg: Armut in Ästhetisch-kultureller Bildung (455-469); Ursula
Henke, Hildegard Mogge-Grotjahn und Ernst-Ulrich Huster: E-exclusion oder E-inclusion?
(470-482); Gerda Holz: Kinderarmut und familienbezogene soziale Dienstleistungen (483500); Gerhard Bäcker und Jennifer Neubauer: Soziale Sicherung und Arbeitsförderung bei
Armut durch Arbeitslosigkeit (501-522); Benjamin Benz: Armutspolitik der Europäischen
Union (523-540); Thomas Eppenstein: Wer ändert was - Was ändert wen? Verändernde Praxis als Herausforderung für Hochschulausbildung und berufliches Handeln (541-557); Ralf
Vandamme: Zivilgesellschaft und soziale Ausgrenzung (558-576); Richard Stang: Armut und
Öffentlichkeit (577-588); Walter Eberlei: Armut als globale Herausforderung (589-604).
[134-L] Imbusch, Peter:
'Überflüssige': historische Deutungsmuster und potentielle Universalität eines Begriffs, in:
Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen",
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 195-212, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Es werden einige Elemente genannt, die dazu geeignet sind, die Kategorie der "Überflüssigen" nicht nur auf die Industrieländer, sondern auch auf fortgeschrittene Entwicklungsländer zu beziehen bzw. in ihnen einen neuen globalen Vergesellschaftungstypus zu sehen.
Strukturell scheinen soziale Exklusionsprozesse und die Erzeugung überflüssiger Bevölkerungsteile in unterschiedlichen Weltregionen unter Globalisierungsbedingungen durchaus
vergleichbar zu sein. In der deutschen und europäischen Diskussion verweist die Rede von
72
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
den "Überflüssigen" auf ein wachsendes Problem, welches angesichts des in den letzten Jahrzehnten erreichten Wohlstands- und Integrationsniveaus beunruhigt. In den lateinamerikanischen Gesellschaften mit ihren langen Erfahrungen mit verfestigten Formen sozialer Ausgrenzung und Marginalität steht der Begriff im Kontext einer Fülle weiterer Begriffe, denen
gegenüber er seine Überlegenheit noch erweisen müsste. (GB)
[135-L] Jungbauer-Gans, Monika; Gross, Christiane:
Verteilung des sozialen Kapitals: eine makrosoziologische Analyse des European Social
Survey 2002 und 2004, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft,
2007, H. 47, S. 211-240 (Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Inwiefern unterscheidet sich die Verteilung sozialen Kapitals in den vom European
Social Survey 2002/03 und 2004/05 erfassten Ländern? Operationalisiert wird Sozialkapital
durch einen Index zu sozialem Vertrauen und durch den Mitgliedsstatus in mindestens einem
Verein. Untersucht wird nicht nur wie in bisherigen makrosoziologischen Studien, mit welchen Ländercharakteristika ein hohes durchschnittliches Maß an Sozialkapital einhergeht,
sondern auch, welche Faktoren in einem Land mit einer hohen Ungleichverteilung des Sozialkapitals verbunden sind. Dabei werden sowohl theoretische Argumente angeführt, die einen
Einfluss dieser Faktoren auf das Sozialkapital implizieren, als auch solche berücksichtigt, die
einen Rückkopplungseffekt des Sozialkapitals auf die Ländermerkmale postulieren. Es zeigt
sich, dass mit einem hohen Einkommens- und Bildungsniveau, geringer Einkommensungleichheit, hohen Gesundheitsausgaben und einem hohen Ausmaß an Demokratie in einem
Land ein hohes Maß an sozialem Vertrauen und ein hoher Anteil an Mitgliedern in Vereinen
und Verbänden einhergehen. Eine hohe Ungleichheit an Sozialkapital ist besonders in Ländern mit geringen Bildungsausgaben, einer wenig ausgeprägten Demokratie und einem geringen Anteil an berufstätigen Frauen im Verhältnis zu berufstätigen Männern zu finden. Es
wird aufgezeigt, ob und inwiefern einzelne Länder diese Zusammenhänge maßgeblich beeinflussen." (Autorenreferat)
[136-L] Kaube, Jürgen:
Otto Normalabweicher: der Aufstieg der Minderheiten, (ZuKlampen! Essay), Springe: zu
Klampen 2007, 189 S., ISBN: 978-3-86674-014-3 (Standort: ULB Münster(6)-MS3300/114)
INHALT: "Die Massengesellschaft träumt eigenartigerweise davon, etwas Exquisites hervorzubringen. Mit Durchschnittlichkeit und Normalität mag sie sich nicht zufriedengeben. Eben
darum ist die Minderheit längst nicht mehr in erster Linie eine Irritation, eine Bedrohung gar.
Der Glaube, zur wahren Einsicht in das, was nottut, seien im Ernstfall nur Minderheiten fähig, strahlt vielmehr auf deren Begriff aus. Die Minderheit kann einen gewissen Chic geltend
machen. Wir stehen darum vor dem Paradox, dass eine Gesellschaft, die sich selbst als eine
der großen Zahlen beschreibt, den Minderheiten huldigt und vielfältige Anreize setzt, ein
Minderheitsbewußtsein zu pflegen." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
73
[137-L] Klimke, Daniela (Hrsg.):
Exklusion in der Marktgesellschaft, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 327 S., ISBN:
978-3-531-15452-7
INHALT: "Das Buch analysiert die Exklusionsprozesse der Gegenwart. Neben der theoretischen
und begrifflichen Einordnung werden auch konkrete empirische Arbeiten zu exkludierenden
sozialen Prozessen aufgezeigt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Daniela Klimke: Zur
Einführung (7-15); Theoretische Überlegungen zu Exklusion und Marktgesellschaft: Hein,
Steinert: 'Soziale Ausschließung': Produktionsweisen und Begriffs-Konjunkturen (19-30); Jan
Wehrheim: Ausgrenzung, Ausschließung, Exklusion, underclass, désafliation oder doch Prekariat? Babylonische Vielfalt und politische Fallstricke theoretischer Begrifflichkeiten (3149); Valentin Golbert: Freiheit als die Einsicht in die Notwendigkeit einer totalen Überwachung (51-56); Ausschluss mit Recht: Die Feinde der Marktgesellschaft: Hartmuth H. Wrocklage: Wider das Feindstrafrecht - ein Plädoyer für den Rechtsstaat (59-68); Lorenz Bollinger:
Sexualstrafrecht: Permanenz und Penetranz (69-76); Birgit Menzel und Helge Peters: Problemgeneratoren. Bestrafung von Sexualtätern mit "ungeregelter Lebensführung" (77-86);
Helmut Pollähne: Führungsaufsicht als ,Grenzwache'? Gefährliche Tendenzen in der ambulanten Kontrolle 'Gefährlicher' (87-105); Veronika Hofinger und Arno Pilgram: Wie Fremde
Gefängnisse konservieren und Gefängnisse Fremde. Über das Wechselspiel von Kriminalund Fremdenpolitik (107-123); Exklusion global betrachtet: Hanns Wienold: Marginalisierte
und Überflüssige. 'Kleinstbauern' und 'Landlose' in Brasilien (127-144); Henning Füller und
Nadine Marquardt: Mit Sicherheit zuhause. Master Planned Communities als Technologie der
Exklusion und sozialen Kontrolle (145-157); Sebastian Huhn, Anika Oettler und Peter Peetz:
Anders, bedroht und bedrohlich - Jugendbanden in Zentralamerika (159-171); Helga CremerSchäfer: "Schulschwänzen". Über Naturalisierungs- und Trivialisierungsgewinne kriminologischer Jugendforschung (175-189); Karin Scherschel: Die Macht der Verknüpfung - Konstruktionen des ethnisch Anderen (191-201); Tobias Schwarz: 'Gefährliche' und 'lästige Ausländer' - zum Exklusionscharakter von Ausweisungen (203-213); Ina Schmied-Knittel und
Michael Schetsche: Erbfeinde aus dem Innern - Satanisten in der christlichen Gesellschaft
(215-228); Oliver Brüchert: Der wissenschaftlich-mediale Verstärkerkreislauf (229-235); Auf
den Leib geschrieben: Exklusive Körper: Gerlinda Smaus: Exklusion von Frauen unter dem
Genderaspekt (239-256); Kai Bammann: Der Körper als Zeichen und Symbol. Tattoo, Piercing und body modification als Medium von Exklusion und Inklusion in der modernen Gesellschaft (257-271); Kurt Starke: Jenseits der Zonengrenze. Über die unvermeidlichen
Schwierigkeiten der Altbundesdeutschen, die Ostdeutschen als zugehörig zu erkennen. Beispiel Partnerschaft und Sexualität (273-278); Das letzte Wort haben die Jubilare: Rüdiger
Lautmann: Die soziale Ordnung des Gedenkens. Opfergruppen in den nationalsozialistischen
Konzentrationslagern (281-299); Fritz Sack: Die deutsche Kriminologie im Lichte des Werkes von D. Garland (301-322).
[138-L] Krause, Peter; Ritz, Daniel:
EU-Indikatoren zur sozialen Inklusion in Deutschland, in: Vierteljahrshefte zur
Wirtschaftsforschung / Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Jg. 75/2006, H. 1, S. 152-173
(Standort: USB Köln(38)-FHM Haa 00374; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.diw.de/documents/publikationen/73/44351/v_06_1_10.pdf)
74
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
INHALT: "EU-Indikatoren zur Messung der sozialen Inklusion sind fester Bestandteil der im
Prozess von Lissabon vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und sozialer
Ausgrenzung in Europa. Im Beitrag wird erläutert, wie die multidimensional ausgerichteten
Laeken-Indikatoren in den sozialpolitischen Steuerungsprozess mittels der Offenen Methode
der Koordinierung (OMC) in Nationale Aktionspläne eingebettet sind und welche Datengrundlagen verwendet werden. Im empirischen Teil werden zunächst auf Grundlage des
SOEP die einkommensbasierten Indikatoren zur Beschreibung der langjährigen Entwicklung
in Deutschland herangezogen; daran anschließend werden exemplarisch einzelne Kennzahlen
im europäischen Vergleich dargestellt." (Autorenreferat)
[139-L] Kreutz, Henrik; Till, Matthias:
"Zu ebener Erde und im ersten Stock": Armut und Reichtum in postindustriellen
Gesellschaften ; das Problem ihrer validen und reliablen empirischen Messung, in:
Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für Mitteleuropa, Jg. 25/2008, H. 1/2, S. 15-23
(Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Die vorliegende Kritik der üblichen Methoden der Messung von Armut beschränkt
sich nicht nur auf "Ausführungsmängel" der gängigen Armutsberichterstattung, sondern versucht aus soziologischer Sicht fundamentale Fehlleitungen der Ungleichheitsdebatte einerseits auf Individuen und andererseits auf materielle Ressourcen zurückzuführen. Für die kausalanalytische Betrachtung besteht die maßgebliche methodische Herausforderung in der Erfassung asymmetrischer Interaktionsmöglichkeiten sowie in der Bestimmung der Rolle der
Armut in Kollektiven. Der Autor unterscheidet hier mit Georg Simmel die soziologische Kategorie "des Armen" in Relation zu einem Kollektiv einerseits von der durch Mangel und Entbehrung individuell qualifizierten Lage des "Arm Seins" auf der anderen Seite. Die Verteilung von Ressourcen (z.B. Einkommen) spielt daher eine soziologisch nachgeordnete Rolle.
Armut als soziale Tatsache konstituiert sich immer in "asymmetrischer Interaktion". Mit diesem Ansatz wird auch der "mystifizierende Gebrauch des Begriffs der sozialen Exklusion"
abgelehnt, der z.B. Bettler oder Flüchtlinge außerhalb der Gesellschaft positioniert. Das Bild
einer irreversiblen Absonderung einer homogenen Unterschicht entspricht eher einem "klassenspezifischen Ethnozentrismus" unreflektierter Beobachter als der Vielschichtigkeit sozialer Diskriminierung. (ICA2)
[140-L] Kreutz, Henrik:
Wealth and poverty in postindustrial societies: the pragmatistic approach to their empirical
assessment ; a contribution to the methodological critic of the 'commodity fiction', in:
Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für Mitteleuropa, Jg. 25/2008, H. 1/2, S. 229-233
(Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "On the terms of Karl Polanyi concept of the 'Commodity Fiction' a theoretical conception of poverty is developed, which defines 'absolute poverty' as a process, the terminal state
of which is 'annihilation'. Within this process of 'totalitarian consumption' consumer goods do
not serve human needs in the first line but turn more and more into 'consuming goods' which
destroy the independence of human actors step by step and finaly transform them into 'cyborgs', i.e. creaturs, whose lives and intentions become fictions of this system of totalitarian
conumption." (author's abstract)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
75
[141-F] Kron, Thomas, Prof.Dr.; Dittrich, Peter, Dr.; Degushi, Hiroshi; Tokuyasu, Akira (Bearbeitung):
Ursachen sozialer Differenzierung
INHALT: Differenzierungsprozesse sind ein "klassisches" Thema der Soziologie, allerdings sind
die kausal-genetischen Ursachen dafür bislang nur wenig untersucht. Erst in jüngster Zeit finden sich vereinzelte Versuche, das Paradigma der funktionalen Differenzierung durch historisch geleitete struktur- und handlungstheoretische Analysen mit Blick auf die Differenzierungsgenese zu ergänzen. Diesem Programm soll mit einem spezifischen methodischen Instrumentarium (Sozialsimulation) gefolgt werden.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Technische Hochschule Aachen, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie
Lehrstuhl Allgemeine Soziologie (Eilfschornsteinstr. 7, 52062 Aachen)
KONTAKT: Kron, Thomas (Prof.Dr. Tel. 0241-80-96094, Fax: 0241-80-92389,
e-mail: [email protected])
[142-L] Kronauer, Martin:
Plädoyer für ein Exklusionsverständnis ohne Fallstricke, in: Heinz Bude, Andreas Willisch
(Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S.
146-153, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: "Robert Castel gehört zu den wichtigsten Autoren der französischen Exklusionsdebatte. Er hat dieser Debatte wesentliche theoretische Impulse und empirische Anregungen gegeben. Er hat sie aber auch in ihren Widersprüchen und Ambivalenzen kritisch begleitet und
kommentiert. Die Doppelrolle als Protagonist und Kritiker, die Castel einnimmt, kommt in
dem in diesem Band veröffentlichten Text ("Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs") gut zum
Ausdruck. Der Beitrag beschäftigt sich mit dieser Unentschiedenheit und einigen Folgerungen für den Exklusionsbegriff."(Autorenreferat)
[143-F] Kühl, Stefan, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Paradoxe temporärer Organisationen
INHALT: Sowohl Arbeits- als auch Interessensorganisationen sind in der Regel auf Dauer gestellt. Die Forschungsfrage in diesem Projekt ist: Wie gehen zeitlich befristete Organisationen
mit dem Wissen über ihr vorhersehbares Ende um?
METHODE: In Vorstudien wurden bisher verschiedene temporäre Organisationen untersucht. In
einem nächsten Schritt sollen temporäre Organisationen wie Olympia-Bewerbungskomitees,
Stadtentwicklungsgesellschaften oder Sozialfonds in Entwicklungsländern näher analysiert
werden. Von diesen organisatorischen Sonderfällen sollen Rückschlüsse auf die Funktionsweise von projektbasierten Organisationen und von Projekten in Organisationen gezogen
werden.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE V Arbeit und Organisation AG
Organisationssoziologie (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0521-106-3977, e-mail: [email protected])
76
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[144-L] Kuhlmann, Carola:
Bildungsarmut und die soziale "Vererbung" von Ungleichheiten, in: Ernst-Ulrich Huster,
Jürgen Boeckh, Hildegard Mogge-Grotjahn (Hrsg.): Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 301-319, ISBN: 978-3-531-15220-2
INHALT: Gegenstand des Beitrags sind Zusammenhänge zwischen ungleichen materiellen Ressourcen und Bildungsmängeln. Ein historischen Rückblick macht deutlich, dass Bildung heute eher über Armut und Reichtum entscheidet als früher. Mit Bourdieu wird Bildung als kulturelles Kapital verstanden, das durch die Übernahme eines spezifischen Habitus im Herkunftsmilieu weitergegeben wird. Psychologische Theorien über genetisch bedingte Intelligenzentwicklung werden vorgestellt und mit Bezug auf die neuere Gehirnforschung verworfen. Die Ergebnisse der PISA-Studie haben die Existenz ungleicher Bildungschancen in
Deutschland bestätigt. Abschließend wird ein Blick auf bildungspolitische und pädagogische
Konzepte geworfen, die eine Inklusion benachteiligter Kinder in das Bildungssystem und die
Gesellschaft fördern können. (ICE2)
[145-F] Lantermann, Ernst-Dieter, Prof.Dr.; Döring-Seipel, Elke, Dr.; Eiderdanz, Frank, Dipl.Geogr.; Schmidt, Carina; Bude, Heinz, Prof.Dr.phil.; Damitz, Ralf (Bearbeitung):
Soziale Exklusion und Vertrauen
INHALT: Das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören, abgehängt zu sein und keine Chance mehr zu
haben, wird als das Empfinden sozialer Exklusion bezeichnet. Immer mehr Menschen, so
scheint es, leben in so schwierigen und unsicheren (prekären) Lebensverhältnissen, dass sie
sich als ausgeschlossen aus der Gesellschaft empfinden. Dabei spielt eine objektiv prekäre
Lage im Hinblick auf Erwerbs- und Finanzsituation, soziale und kulturelle Teilhabe u.a. zwar
eine wichtige Rolle, es gibt aber auch individuelle Einflussfaktoren und Bedingungen für das
Entstehen von Exklusionsempfinden. Nicht jeder Langzeitarbeitslose oder Hartz IV Empfänger fühlt sich abgehängt und nutzlos. Und nicht jeder in einigermaßen gesicherten Umständen
Lebende fühlt sich gesellschaftlich 'mittendrin'. In dem wissenschaftlichen Projekt versuchen
die Forscher u.a. auf folgende Fragen Antworten zu finden: 1. Wie hängen (objektiv) prekäre
Lebenslage und (subjektives) Exklusionsempfinden zusammen? 2. Welche Auswirkungen hat
soziale Exklusion auf das Handeln der Betroffenen, zum Beispiel im Hinblick auf politisches
Verhalten, soziales Verhalten, Lernbereitschaft sowie körperliche und mentale Selbstsorge?
3. Welche Rolle spielt Vertrauen (auf sich, auf andere, auf das System) dabei? 4. Wie lassen
sich für unterschiedliche Typen von Menschen in sozialer Exklusion differenzierte Strategien
entwickeln, um den Weg zurück 'hinein' zu ermöglichen?
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hamburger Institut für Sozialforschung
INSTITUTION: Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Soziologie
Fachgebiet Makrosoziologische Analyse moderner Gesellschaften (34109 Kassel)
KONTAKT: Sekretariat (Tel. 0561-804-3098, e-mail: [email protected])
[146-F] Lengfeld, Holger, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Organisierte Ungleichheit. Zum Verhältnis von Arbeitsorganisation, sozialer Klasse und individuellen Lebenschancen
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
77
INHALT: Das Projekt untersucht das Verhältnis von sozialer Klasse und Organisationsstruktur
als verschiedene strukturelle Determinanten, durch die Arbeitsorganisationen (Unternehmen
und öff. Verwaltungen) soziale Ungleichheit beeinflussen. Arbeitsorganisationen weisen unterschiedliche Strukturmerkmale auf, aufgrund derer knappe und begehrte Güter in ungleicher
Weise an die Beschäftigten verteilt werden. So ist beispielsweise bekannt, dass Beschäftigte
in großen Unternehmen mehr verdienen und öfter aufsteigen als in kleinen Unternehmen. Die
Leitfrage des Projekts ist, in welchem Verhältnis horizontale organisationsstrukturelle Determinanten (interner Arbeitsmarkt, Unternehmens- und Betriebsgröße, Grad der hierarchischen
Differenzierung) zu berufsbezogenen Klassen als vertikale Determinanten von sozialer Ungleichheit stehen. Mit der Klärung dieser Frage wird versucht, einen Beitrag zur Weiterentwicklung des berufsbezogenen Klassenkonzepts von Erikson & Goldthorpe zu leisten. Im
Mittelpunkt stehen drei Fragestellungen: 1. Inwieweit führen Organisationsstrukturen zur
Ausdifferenzierung von Lebenschancen innerhalb von sozialen Klassenlagen (z.B. ungelernte
Arbeiter, Angestellte mit Routinetätigkeiten, Expertenklasse)? 2. Sind bestimmte soziale
Klassen mehr als andere von den horizontalen Ungleichheitseffekten der Organisationsstruktur betroffen, und wenn ja: warum ist dies so? 3. Haben sich Klasse-Organisationseffekte im
Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung der 1990er Jahre verändert? Erste Ergebnisse:
Strukturelle Unabhängigkeit: Klasse und Organisationsstruktur sind prinzipiell voneinander
unabhängige Größen der Beeinflussung individueller Lebenschancen: So verdienen Beschäftigte aller Klassenlagen systematisch weniger, wenn sie in Unternehmen mit zuweisungsschwacher Organisationsstruktur arbeiten. Kumulation klasseninterner Ungleichheit: Beschäftigte der am schlechtestgestellten Klassenlagen (ungelernte Arbeiter und Angestellte mit einfachen Dienstleistungstätigkeiten) sind in höheren Maße von den Ungleichheitseffekten der
Organisationsstruktur betroffen: Je nach Organisationszugehörigkeit können sie mit der Wahl
ihrer Arbeitsorganisation mehr gewinnen bzw. verlieren als die Angehörigen der qualifizierten Berufe (Facharbeiter, Dienstklasse). Stabilität trotz Wandel: Der in den 1990er Jahren in
den USA eingesetzte Globalisierungsschub hat die oben genannten Beziehungen zwischen
Klasse und Organisationsstruktur kaum verändert. Gewandelt haben sich allein die Ungleichheit erzeugenden Organisationsmerkmale.
METHODE: Empirische Basis sind Sekundärdatenanalysen mit quantitativen Umfragedaten.
Verwendet werden Employer-Employee-Daten aus den USA von 1991 und 2002. Diese Datensätze enthalten Informationen über die Klassenlage und die Güterausstattung von Beschäftigten und über die Strukturmerkmale der Arbeitsorganisationen, denen die Beschäftigten angehören. Zur Bestimmung der Klassenlage wird auf das aus der Mobilitätsforschung bekannte
EGP-Schema zurückgegriffen.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Lengfeld, H.: Klasse, Organisation und soziale Ungleichheit. Ein
alternativer Blick auf die Sozialstruktur moderner Gesellschaften. 2008 (in Vorbereitung).
+++Lengfeld, H.: Klasse und Organisationsstruktur: Komplementäre Mechanismen der Herstellung von sozialer Ungleichheit. in: Maurer, A.; Schimank, U. (Hrsg.): Gesellschaft der
Unternehmen - Unternehmen der Gesellschaft. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008 (in
Vorbereitung).+++Lengfeld, H.: Organisierte Ungleichheit. Wie Organisationen soziale Ungleichheit herstellen. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2007. Siehe unter: www.fernunihagen.de/imperia/md/content/imperia/lengfeld/vs_buchinfo_lengfeld.pdf .
ART: BEGINN: 2005-01 ENDE: 2008-03 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution;
Wissenschaftler
INSTITUTION: Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie Arbeitsbereich Soziologie IV Soziologische Gegenwartsdiagnosen (58084 Hagen)
78
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected], Tel. 02331-987-4743,
Fax: 02331-987-4127)
[147-L] Leßmann, Ortrud:
Armut als eingeschränkter Handlungsspielraum: Konzepte und Wege der
Operationalisierung, in: Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für Mitteleuropa, Jg. 25/2008,
H. 1/2, S. 179-188 (Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Seit langem ist in der Wissenschaft die Unzufriedenheit mit der rein am Einkommen
orientierten Armutsmessung groß. Zum einen besteht die Forderung nach einer multidimensionalen Konzeption von Armut und zum anderen die nach einem ethischen Fundament der
Sozialpolitik. Die im Beitrag vorgestellten Ansätze versuchen beides zu leisten, indem sie Armut nicht nur multidimensional konzipieren, sondern ihr zugleich eine spezielle Struktur geben, nämlich die eines "eingeschränkten Handlungsspielraums". Es handelt sich dabei um den
Lebenslage-Ansatz von Grelling und Weisser, und den "Capability"-Ansatz von Sen. Der vorliegende Beitrag zeigt zunächst, wie das Konzept des Handlungsspielraums in den beiden Ansätzen aussieht, und geht kurz auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ansätze ein.
Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage, wie das Konzept für die Armutsmessung fruchtbar gemacht werden kann. Der dritte konzentriert sich schließlich auf die Frage, wie ein
Handlungsspielraum empirisch erfasst werden kann. Der Beitrag schlägt ein Schema zur Einteilung vorhandener empirischer Studien vor und entwickelt darauf fußend Kriterien für zukünftige Studien. (ICA2)
[148-F] Leubolt, Bernhard (Bearbeitung):
Soziale Ungleichheit und Governance zur Armutsbekämpfung
INHALT: Im vorliegenden Projekt wird ein mehrdimensionaler Zugang zur Armutsbekämpfung
gewählt, der Armut in Relation zu den gesellschaftlichen Verhältnissen begreift. Die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse werden mit Hilfe eines relationales Konzepts erfasst. In Anlehnung an Amartya Sen ist Armut ein Mangel an Verwirklichungschancen. Diese umfassen
neben der materiellen Dimension auch das Bedürfnis, am Leben der Gemeinschaft zu partizipieren. Armut bezieht sich daher auf Reichtum. Die angestrebte Form sozialer Entwicklung
umfasst neben der formalen demokratischen Dimension in Form des Wahlrechts sowie Partizipationsmöglichkeiten und Transparenzgarantien auch die ökonomische Dimension im Sinne
von sozialen Chancen und sozialer Sicherheit. Daher bezieht sich die Analyse auf Ungleichheit und damit auf Macht- und Ressourcenasymmetrien. Dies wird in drei Ländern empirisch
untersucht: Brasilien, Südafrika und Südkorea. Die ersten beiden fungieren dabei als Beispiele für Gesellschaften mit stark akzentuierter sozialer Ungleichheit, während letzteres als prominentes Beispiel für ein Land gilt, das den Aufstieg vom Entwicklungsland zu einem relativ
wohlhabenden Industrieland schaffte. Fokus und Ausgangspunkt der Analyse sind Brasilien
und Südafrika, wo die nach der demokratischen Transition installierten Regierungen es nicht
geschafft haben, größere soziale Kohäsion herzustellen. Dies wirft die Frage auf, wieso die
neuen Demokratien keinen Interessenausgleich ermöglicht haben, um die soziale Situation
der armen Bevölkerung signifikant zu verbessern. Wird davon ausgegangen, dass liberal-demokratische Regime allen relevanten Teilen einer Gesellschaft über die Teilhabe am politischen Willensbildungsprozess die Chance eröffnen, ihre Interessen in die politischen Ent-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
79
scheidungsprozesse einzuspeisen, dann ergibt sich das Problem, warum die neu etablierten
Demokratien nicht die zu erwartenden Resultate hervorgebracht haben. Demokratietheorie
wird mit Sozialstrukturanalyse kombiniert. Die zentralen Analysekategorien sind Klasse, Ethnie und Geschlecht. Die Analyse wird sich diesbezüglich einerseits auf arbeitsbezogene und
aus dem Arbeitsverhältnis resultierenden Ungleichheiten widmen. Herrschaftsmechanismen
sind im Falle der Klassen durch die Stellung und Entscheidungsbefugnisse im Produktionsprozess geprägt, bei Ethnien durch Kolonialismus und die daraus resultierende internationale
Arbeitsteilung und bei den Geschlechterverhältnissen durch das Patriarchat. Menschen unterprivilegierter Klassen oder Ethnien verrichten dabei "schmutzige Arbeit" im Sinne von
schwerer, monotoner und unterbezahlter Tätigkeit während Frauen "schmutzige Arbeit" im
Sinne von meist unbezahlter Reproduktionsarbeit ausführen. Andererseits wird auch die Analyse kultureller Faktoren und Habitus, die über Ein- und Ausschluss in soziale Netzwerke entscheiden, eine entscheidende Rolle in der Analyse spielen. Zusätzlich hat der Staat über Existenz und Ausgestaltung öffentlicher Güter und Einrichtungen großen Einfluss in Bezug auf
soziale Chancen und Sicherheit. Daher wird bei den Fallbeispielen der politische Einfluss in
Bezug auf produktive, reproduktive und distributive Faktoren untersucht. Im produktiven Bereich werden die Teilbereiche der Landreform und der Beschäftigungspolitik exemplarisch
herausgegriffen, im reproduktiven Bereich die Bildungspolitik und im distributiven Bereich
die Steuerpolitik und gezielte Ansätze der Armutsbekämpfung. Um die Entstehung gesellschaftlich wirksamer Strukturen erklären zu können, wird diese Untersuchung auf historischer
Grundlage durchgeführt. So ist z.B. der Rassismus Südafrikas nicht ohne die Geschichte des
Apartheid-Regimes, die ethnisch geprägte Ungleichheit Brasiliens nicht ohne die bis 1888
dauernde Sklaverei und die wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas nicht ohne die Landreform der 1940er Jahre zu begreifen. GEOGRAPHISCHER RAUM: Brasilien, Südafrika, Südkorea
METHODE: Zwischen Südafrika und Brasilien bestehen zahlreiche Parallelen: Die Ungleichheit
hat neben den Geschlechts- und Klassenkomponenten einen stark ethnischen Bezug. Innerhalb der Demokratisierungsbewegungen in den 1980er bzw. 1990er Jahren wurden Forderungen nach gleichem Wahlrecht mit solchen nach gerechterer Verteilung des Reichtums verknüpft. Teilweise seit der Regierung Cardoso (1994-2002) und besonders seit der Regierung
Lulas (seit 2003) hinter der die Arbeiterpartei (PT), sowie der größte unabhängige Gewerkschaftsverband CUT stehen, sind in Brasilien Kräfte an der Macht, die einen linken Diskurs
der Umverteilung vertreten. Auch hier sind die Parallelen zu den Regierungen des African
National Congress (ANC), die in enger Beziehung zur "schwarzen" unabhängigen und ehemals regimekritischen Gewerkschaftsorganisation COSATU steht, seit 1994 in Südafrika
deutlich. In beiden Fällen führte die Demokratisierung jedoch nicht zu größerer sozialer Kohäsion. In Südkorea bestehen zwar auch Parallelen, was die Verbindungen von gewerkschaftlichem Arbeitskampf und sozialen Bewegungen im Kampf für die Demokratisierung betrifft.
Bezüglich der Auswirkungen auf die soziale Kohäsion bestehen auch ähnlichkeiten, jedoch
handelt es sich bei Südkorea um eine Gesellschaft mit weitaus gleichmäßigerer Einkommensverteilung. Dies ist in Verbindung mit hohen Wirtschaftswachstumsraten der Hauptgrund,
warum Südkorea als prominentes Beispiel für einen erfolgreichen "Entwicklungsstaat" gilt.
Gleichzeitig zeigen geschlechtsspezifische Indikatoren, dass Frauen eine stark unterprivilegierte Rolle zukommt, während in Südafrika diesbezüglich Fortschritte gemacht werden
konnten. In der Arbeit geht es um die Darstellung der Gleichzeitigkeit liberal-demokratischer
Transitionen und zunehmender sozialen Disparitäten. Im ersten Teil der Arbeit wird die theoretisch-konzeptionelle Debatte um liberale Demokratiekonzepte und deren Grenzen und Möglichkeiten im Kontext der Transitionsforschung dargestellt. Im Hauptteil werden soziale und
80
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
politische Profile für Brasilien, Südafrika und Südkorea erstellt. Die Einkommensverteilung
wird durch Gini-Index, Dezil- bzw. Quintil-Darstellungen der Einkommensverteilung und
weitere geschlechts- und ethnienbezogene Konkretisierungen erfasst. Zur Darstellung der sozialstrukturellen Veränderungen, die strukturelle Voraussetzungen von organisierter Interessenartikulation und -aggregation in Frage stellen, werden die Entwicklung des informellen
Sektors, statistische Erhebungen der Hausarbeit und die generelle Entwicklung der Reallöhne,
bezogen auf sonstige Formen des Einkommens wie z.B. aus Finanzanlagen und die Arbeitslosigkeitsraten dienen. Verteilungsdaten werden außerdem noch in Bezug auf die Landverteilung erhoben. Diese Daten stellen die Grundlage für das soziale Profil Brasiliens, Südafrikas
und Südkoreas dar und werden durch Daten zur Analyse des politischen Profils ergänzt. Zusätzlich wird der Elitenwandel in Politik und Wirtschaft in den Ländern untersucht. Leitfragen sind dabei: Wie prägte die historische Entwicklung aktuelle Strukturen? Wer sind die
zentralen Akteure - international und national? Welche Interessen und Strategien vertreten
sie? Wie ist der reale politische Einfluss zu bewerten? Der Fokus der Arbeit liegt klar auf
Brasilien und Südafrika. Südkorea dient dabei als Beispiel für gelungene nachholende Entwicklung, das jedoch im Gegensatz zur gängigen Literatur kritisch im Hinblick auf geschlechts-spezifische Ungleichheiten untersucht wird. Ziel ist es, Elemente, die politische und
materielle Partizipation fördern oder einschränken, zu identifizieren und dabei Erklärungsgehalt und Grenzen liberal-demokratischer Konzepte kritisch zu überprüfen. Anhand der Ergebnisse werden passende Konzepte der Realisierung alternative Vorstellungen von Partizipation
und Demokratie thematisiert und präsentiert.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Promotionskolleg "Global Social Policies and Governance" (34109 Kassel)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[149-L] Mai, Ralf; Scharein, Manfred:
Effekte der Außenwanderung auf Geburtenzahlen und Alterung in den Bundesländern,
1991 bis 2006, in: BiB-Mitteilungen : Informationen aus dem Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt, Jg. 28/2007, H. 4, S. 26-30
(www.bib-demographie.de/cln_099/nn_750528/SharedDocs/Publikationen/DE/Download/BiBMit
teilungen/Heft4__2007.html)
INHALT: "Im Zentrum des Berichts stehen die auf die Außenwanderungen zurückführbaren demographischen Effekte für die 16 Bundesländer bezogen auf die Geburtenzahlen und die Alterung. Mit Hilfe unserer Modellrechnungen gelingt eine Quantifizierung des Anteils der Bevölkerungsdynamik, die durch die Außenwanderungen hervorgerufen wird, wobei hier exemplarisch die Effekte auf die Geburtenzahlen und die Alterung im Bundesländervergleich vorgestellt worden sind. Die Größe des Einflusses ist erstaunlich; die Homogenität unter den
Bundesländern weniger, weil alle Bundesländer in dem Zeitraum von 1991 bis 2006 Außenzuwanderungen erfahren haben. Dadurch erhöhten sich die Geburtenzahlen in allen Ländern
und die Alterung verlangsamte sich. Allerdings profitieren nicht alle Länder gleichermaßen
im Bevölkerungsbestand, da man unter den theoretischen und methodischen Grenzen des verwendeten Verfahrens zusätzlich die altersstrukturellen Einflüsse von Außenwanderungen auf
den Bevölkerungsbestand und die Alterung berücksichtigen muss. So reduziert z.B. ein durch
die Altersstruktur der Migranten hervorgerufener negativer Altersstruktureffekt den Bevölkerungsbestand um bis zu 0,45 Prozent, obwohl die Außenzuwanderungen und ihr auf die Alte-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
81
rung abschwächender Effekt in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen,
Sachsen, Saarland und Thüringen per Saldo entgegenwirken." (Autorenreferat)
[150-L] Meyer, Frank:
Identität, Kultur und Raum - konzeptionelle Bausteine zur Analyse von Segregation und
Integration, in: Frank Meyer (Hrsg.): Wohnen - Arbeit - Zuwanderung : Stand und Perspektiven
der Segregationsforschung, Münster: Lit Verl., 2007, S. 17-41, ISBN: 978-3-8258-0086-4
(Standort: UB Bochum(294)-SKB5344)
INHALT: Der Verfasser versteht seinen Beitrag als "Baustelle" für eine Weiterentwicklung der
klassischen Segregationsforschung, die keine hinreichenden Ansätze für eine Analyse des
Phänomens "Zuwanderer in der Stadt" bietet. Mit Identität, Kultur und Raum schlägt de drei
Bausteine vor, die einen besseren Zugang zu Fragen der Integration und Segregation bieten
sollen. Während der Begriff Identität zunächst bei der einzelnen Person ansetzt, ist kollektive
Identität mit Gemeinschaft verbunden und eine Sache des (unbewussten) Selbstbilds. Einund Ausgrenzung sind ein zentrales Merkmal der Konstruktion kollektiver Identitäten. Außerdem bildet der Kulturbegriff als Bezugspunkt für Fremdheitskonstruktionen eine identitätsrelevante Dimension. Hinzu kommen komplexe räumliche Dimensionen wie die Semantisierung von Raum ("Heimat"), die Imagination von Räumen, die Raum-Symbolik und der erlebte Raum. (ICE2)
[151-L] Mogge-Grotjahn, Hildegard:
Gesellschaftliche Ein- und Ausgrenzung: der soziologische Diskurs, in: Ernst-Ulrich Huster,
Jürgen Boeckh, Hildegard Mogge-Grotjahn (Hrsg.): Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 39-53, ISBN: 978-3-531-15220-2
INHALT: Theorien der sozialen Ungleichheit beziehen sich auf die sozialen Strukturen von Gesellschaften insgesamt und fragen nach den Voraussetzungen und Bedingungen, die zu unterschiedlichen Ungleichheitsgefügen führen. Einerseits wird dabei auf Modelle sozialer Klassen oder Schichten zurückgegriffen, so im Konzept sozialer Klassen bei Marx oder in den
mehrdimensionalen Gesellschaftsmodellen von Max Weber und Theodor Geiger. Das Paradigma der Differenzierung moderner Gesellschaften liegt auch strukturfunktionalen und systemtheoretischen Schichtungsmodellen zu Grunde. Andererseits bilden Modelle sozialer Lagen und sozialer Milieus den Bezugspunkt. Eine Verbindung der Lebensstil- und Milieuforschung mit ökonomisch basierten Ungleichheitstheorien findet sich bei Bourdieu. Nachdem
die "soziale Frage" in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für überwunden gegolten hatte,
kehrt mit der Underclass- und Prekariatsdebatte eine gewisse Konfliktorientierung in den soziologischen wie politischen Diskurs zurück. (ICE2)
[152-L] Nassehi, Armin:
Exklusion als soziologischer oder sozialpolitischer Begriff?, in: Heinz Bude, Andreas Willisch
(Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S.
121-130, ISBN: 978-3-518-29419-2
82
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
INHALT: Es wird die These vertreten, dass der Begriff der Exklusion als theoretischer Begriff
für die Soziologie untauglich ist. Exklusion bezeichnet gerade das Gegenteil von Ignorierung,
Nicht-Thematisierung und Unsichtbarkeit. Es wird dafür plädiert, Phänomene der Armut und
Unterprivilegierung als Inklusionsfolgen zu diskutieren. Neu ist die Erkenntnis, dass soziale
Ungleichheit und der Destabilisierung von Lebenslagen in der modernen Gesellschaft kein
Ausdruck der Systemdifferenzierungen des Gesellschaftssystems sind, sondern quer zur Differenzierungsform liegen. Aus der Perspektive der Sozialpolitik dagegen hat der Exklusionsbegriff (politischen) Sinn. (GB)
[153-L] Neckel, Sighard; Dröge, Kai; Somm, Irene:
Das umkämpfte Leistungsprinzip: Deutungskonflikte um die Legitimationen sozialer
Ungleichheit, in: Kai Dröge, Kira Marrs, Wolfgang Menz (Hrsg.): Rückkehr der Leistungsfrage :
Leistung in Arbeit, Unternehmen und Gesellschaft, Berlin: Ed. Sigma, 2008, S. 41-56, ISBN: 9783-8360-8689-9
INHALT: Die Vermarktlichung des Leistungsprinzips ist zu einer zentralen Herausforderung für
die Legitimation sozialer Statusunterschiede geworden. Vor diesem Hintergrund untersuchen
die Verfasser mit Hilfe von Gruppendiskussionen, welchen Einfluss solche Vermarktlichungsprozesse auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Leistung ausüben können. Es
lassen sich fünf Bewertungsrahmen (Person, Arbeit, Gesellschaft, Sache, Markt) mit jeweils
unterschiedlichem Verhältnis von leistungs- und marktbezogener Begründung sozialer Ungleichheit identifizieren. Diese unterschiedlichen, teils sich widersprechenden Bewertungslogiken stehen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander. (ICE2)
[154-L] Opitz, Sven:
Eine Topologie des Außen - Foucault als Theoretiker der Inklusion/Exklusion, in: Roland
Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr (Hrsg.): Foucaults Machtanalytik und soziale Arbeit :
eine kritische Einführung und Bestandsaufnahme, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S.
41-57, ISBN: 978-3-531-15020-8 (Standort: USB Köln(38)-34A8884)
INHALT: Der Aufsatz untersucht, auf welche Art und Weise das Denken Foucaults zu einem genaueren Verständnis von Praktiken der Ausschließung beitragen kann. Im ersten Schritt gilt
es, in Foucaults Arbeiten zwei analytische Vektoren zu identifizieren: die archivarische Ordnung des Diskurses und die kartographische Ordnung des Raums. Gerade die Perspektive der
gegenseitigen Durchdringung kann einer Soziologie der Exklusion zu präzisen Einsichten
verhelfen, weil sie die horizontal-räumliche Semantik des Begriffspaares von Ein- und Ausschluss sozialtheoretisch einzuholen vermag. Um dies vorzuführen, werden die darauf folgenden Abschnitte das konkrete Zusammenspiel dieser Vektoren nachzeichnen. Während Foucault seine Analyse des Gefängnisses mit der Forderung verbindet, die Kategorie der Ausschließung aufzugeben, wird die disziplinargesellschaftliche Einschließung im zweiten Schritt
unter Rückgriff auf die Systemtheorie N. Luhmanns als historische Technologie der Inklusion/Exklusion re-interpretiert. Der dritte Schritt schließlich ist ein Schritt über das Raster der
Disziplin hinaus. Geprüft wird, inwiefern das Konzept der Gouvernementalität dabei behilflich sein kann, die soziale Operationalisierung von Praktiken der Inklusion/Exklusion in der
Gegenwart begreifbar zu machen. (ICG2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
83
[155-L] Oswald, Ingrid:
Mittelschichtsvorbehalte, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte
über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 131-137, ISBN: 978-3-51829419-2
INHALT: Die beiden Arbeiten von Robert Castel "Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs" sowie
von Katherine S. Newman "Kummervolle Zeiten. Die kulturellen Dimensionen des wirtschaftlichen Wandels in den USA" (wieder abgedruckt in demselben Sammelband) werden
weiterführend kommentiert. Im Mittelpunkt stehen Fragen der sozialen Inklusion und Exklusion von Mittelschichtsangehörigen. (GB)
[156-L] Pape, Simone; Rössel, Jörg; Solga, Heike:
Die visuelle Wahrnehmbarkeit sozialer Ungleichheit: eine alternative Methode zur
Untersuchung der Entkopplungsthese, in: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37/2008, H. 1, S. 25-41
(Standort: USB Köln(38)-XG01232; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die von Ulrich Beck in den achtziger Jahren entwickelte Individualisierungstheorie
hat in den Sozialwissenschaften eine breite Forschung inspiriert, die bisher allerdings nicht zu
eindeutigen Ergebnissen gelangt ist. Dieser Aufsatz fokussiert mit der so genannten Entkopplungsthese auf ein zentrales Theorem in dieser Diskussion. Dieses beinhaltet, dass bei gleichbleibenden Ungleichheitsstrukturen deren Relevanz für das soziale Handeln, die soziale Identität und die soziale Wahrnehmung abgenommen habe. In diesem Aufsatz wird explorativ
eine alternative Methode zur Überprüfung dieser These herangezogen. In einem Experiment
wurden Probanden Fotografien von Hochzeitspaaren aus den 1950er, 1970er und 1990er Jahren vorgelegt, die in soziale Schichten eingestuft werden sollten. Für eine Evidenz der Entkopplungsthese würde eine über die Zeit abnehmende Treffsicherheit bei der Zuordnung der
Fotos sprechen, die Ergebnisse des Experiments zeigen jedoch, dass es im Zeitverlauf keine
lineare Abnahme in der korrekten Schichteinstufung der abgebildeten Personen gibt." (Autorenreferat)
[157-L] Paugam, Serge:
Die elementaren Formen der Armut, Hamburg: Hamburger Ed. 2008, 336 S., ISBN: 978-3936096-90-3
INHALT: "Inwiefern lässt sich die Armut in Deutschland oder Frankreich mit der Armut in Dänemark oder Italien vergleichen, inwiefern die Armut in den 'sensiblen Zonen' unserer Städte
mit der Armut in ländlichen Gegenden, die Armut der 1960er Jahre mit der des 21. Jahrhunderts? Und von wem spricht man, wenn von den Armen die Rede ist? Unterstützt zu werden,
ist das Erkennungszeichen der Armen, das Kriterium ihrer Zugehörigkeit zu einer speziellen
Bevölkerungsschicht, einer Schicht, die unausweichlich abgewertet wird. Der Arme muss als
Empfänger von Unterstützungsleistungen damit leben, dass er, und sei es auch nur vorübergehend, mit einem negativen Image behaftet ist, das die Gesellschaft auf ihn projiziert und das
er schließlich verinnerlicht: dem Makel, von keinerlei Nutzen zu sein. Der französische Soziologe Serge Paugam untersucht Armut als Störfaktor, als Ausdruck von Ungleichheit und
als Erfahrung von Männern, Frauen und Familien, die in der Gesellschaft ganz unten stehen.
Im Rückgriff auf Tocqueville, Marx und Simmel, drei maßgebliche Autoren, die über das ge-
84
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
sellschaftliche Verhältnis zur Armut nachgedacht haben, entwickelt Paugam einen eigenen
Ansatz, der sich nicht auf die Armut als solche, sondern auf das Fürsorgeverhältnis bezieht,
auf die Organisation des gesellschaftlichen Ganzen, von dem die Armen ein Teil sind. Diese
analytische Perspektive ermöglicht es zum einen, die Mechanismen des Umgangs mit der Armut in verschiedenen Gesellschaften vergleichend zu untersuchen und die sozialen Repräsentationen aufzuspüren, aus denen sie hervorgeht und die sie legitimiert. Zum andern kann so
aber auch das Verhältnis zwischen den als arm bezeichneten Menschen und dem Unterstützungssystem, von dem sie abhängig sind, analysiert werden. Serge Paugam hat zehn Jahre
lang eigene, empirisch vergleichende Daten in Europa erhoben, relevante Theorien und existierendes Datenmaterial verarbeitet und daraus drei elementare Grundformen der Armut entwickelt. Er unterscheidet integrierte Armut, marginale Armut und diskreditierende Armut und
schafft damit ein analytisches Instrumentarium, mit dem regionalspezifische Einflüsse und
die Bedeutung sozialer Bindungen ebenso differenziert erfasst werden können, wie die mitunter unbeabsichtigten Effekte staatlicher Politik. Damit bietet das Buch nicht nur neue Anregungen für sozialwissenschaftliche Debatten über gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch
Ansatzpunkte für Handlungsformen, die Armut effektiver lindern und Arme nachhaltig integrieren könnten." (Textauszug)
[158-L] Pickel, Gert; Müller, Olaf:
Soziale Ungleichheit im neuen Europa: Realität, Wahrnehmung, Bewertung und Folgen für
den europäischen Einigungsprozess, in: Maurizio Bach, Anton Sterbling (Hrsg.): Soziale
Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union, Hamburg: R. Krämer, 2008, S. 231-257,
ISBN: 978-3-89622-088-2
INHALT: Der Beitrag widmet sich mit Blick auf die soziale Ungleichheit in der erweiterten EU
folgenden Fragestellungen: (1) Wie stellt sich der derzeitige Stand (objektiver) sozialer Ungleichheit in Osteuropa dar? (2) Wie schätzen die Bürger das Ausmaß an sozialer Ungleichheit in ihren Ländern ein? (3) Wie bewerten sie diese (vor allem unter Gerechtigkeitsaspekten), und in welchem Verhältnis stehen diese Einschätzungen zur tatsächlichen sozioökonomischen Situation und Entwicklung? (4) In welchem Ausmaß akzeptieren die Menschen in
Osteuropa bestimmte Funktionsprinzipien sozialer Ungleichheit (etwa bezogen auf den Anreiz, eigenverantwortlich und selbstinitiativ zu handeln)? (5) Welche Hintergrundfaktoren
(ökonomischer, sozialer wie kultureller Art) können zur Erklärung der Einstellungen und Einschätzungen im Hinblick auf die soziale Ungleichheit bzw. die Gerechtigkeit einer Gesellschaft herangezogen werden? (6) Inwieweit stellen die Ungleichheits- und Gerechtigkeitsbewertungen der Bevölkerung eine Herausforderung für die politischen Entscheidungsträger
dar, und was folgt daraus für den weiteren Verlauf des osteuropäischen Transformations- und
gesamteuropäischen Einigungsprozesses? Die Beantwortung basiert auf vergleichenden Umfragedaten für den Zeitraum 2000 bis 2002. Die Befunde zeigen, dass die Menschen in den
Transformationsländern Mittel- und Osteuropas einer gewissen sozialen Differenzierung in
ihren Gesellschaften nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Dennoch mögen die
Osteuropäer ihre Regierungen und das politische System nur zögernd und mit einem gewissen Widerwillen aus den sozialen Verpflichtungen entlassen. In Osteuropa fordert mehr als
eine Dekade nach dem gesellschaftlichen Umbruch eine große Mehrheit der Bürger eine
durchaus starke und interventionsfreudige Regierung, die vor allem auf dem sozialen Sektor
die Ungerechtigkeiten der Marktwirtschaft abmildern bzw. ausgleichen soll. Dass eine solche
Haltung vorwiegend Ausdruck einer ideologischen Hinterlassenschaft des untergegangenen
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
85
Gesellschaftssystems sein soll, scheint jedoch eher zweifelhaft. Die Gründe liegen durchaus
auch in den realen Erfahrungen mit der neuen Zeit. (ICG2)
[159-L] Pieper, Marianne:
Armutsbekämpfung als Selbsttechnologie: Konturen einer Analytik der Regierung von
Armut, in: Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr (Hrsg.): Foucaults Machtanalytik und
soziale Arbeit : eine kritische Einführung und Bestandsaufnahme, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss., 2007, S. 93-107, ISBN: 978-3-531-15020-8 (Standort: USB Köln(38)-34A8884)
INHALT: Der Beitrag beleuchtet den Aspekt der Armutsbekämpfung. So wird hier die Spur der
Machtanalytik im Spätwerk Foucaults aufgenommen, diese Perspektive am Beispiel der 'Regierung von Armut' als einem historisch situierten Phänomen skizziert und schließlich diskutiert, inwieweit Foucaults Überlegungen mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrem Erscheinen noch einen Gebrauchswert für eine kritische Analytik der Gegenwart in der Sozialarbeitswissenschaften besitzen. Dabei gliedern sich die Ausführungen in die folgenden Punkte: (1)
Foucaults Ansatz der kritischen Gouvernementalitätsanalytik, (2) die Regierung der Armut im
modernen Regierungsstaat des 18. Jahrhunderts, im solidarischen Sozialstaat seit der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem neoliberalen Sozialstaat seit den 1970er Jahren, (3) die
Regierung der Armut in Deutschland seit den 1990er Jahren, (4) die Neustrukturierung des
Terrains sozialer Sicherung durch Inklusionslogik, Separierungspraxen und amalgamierte Regierungstechnologien sowie (5) Gouvernementalitätsstudien zur Regierung von Armut in der
gegenwärtigen Sozialarbeitsforschung. (ICG)
[160-F] Pine, Frances, Dr.; Kaneff, Deema, Dr.; Pilichowska, Nastka; Bogdanova, Zlatina (Bearbeitung):
Social inclusion and exclusion in Bulgaria and Poland: ethnographies of socio-economic
change
INHALT: Postsocialist reforms, initiated some 14 years ago across Eastern Europe, have had a
mixed degree of success, with considerable variation evident both between countries and between different regions of each country. Some states, such as Bulgaria and Romania, have fared much worse than others. But even in Poland, Hungary and the Czech Republic, the reforms have not been a resounding success. Serious social and economic problems throughout
the region have led to widespread disillusionment and nostalgia for what is remembered as
the more secure times of the socialist past. This project seeks to identify and analyse some of
the underlying causes of failure of postsocialist reforms in Bulgaria and Poland. It is well
known that the two countries implemented the socialist project in quite different ways. Bulgaria was generally regarded as economically more successful and politically more stable than
Poland. Since 1989 this situation has been reversed. At present, Bulgaria occupies a more
marginal position in relation to Western Europe; indeed Poland was regarded as more integrated into Europe even before its EU accession. However, both countries share serious socioeconomic problems resulting from rising unemployment, increasing poverty, the erosion of
social and public services and decline of key state institutions. The project is concerned with
local responses to the national restructuring processes. The research focuses on ways in which
people are able to integrate successfully with, or are marginalised from, core social, economic, political and cultural institutions. Particular emphasis is placed on understanding the pro-
86
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
cesses by which access to resources in these domains is determined. In this context, the researchers highlight the importance of kinship practices and relationships in coping with everyday life and periodic crises. For instance, kinship ties may be used to consolidate and protect
scarce resources, in part through a tightening and restricting of the circle of kin. On the other
hand, kinship may also be a critical factor in gaining access to resources in a context of increasing impoverishment, thus expanding and extending the network. At the beginning of the
21st century and in the light of EU expansion, the long-term effects of political and economic
uncertainties, and the coping mechanisms that ordinary people develop to counter them in the
lived world, are of utmost concern everywhere in Europe. Fieldwork is presently being carried out in each country in two sites: a village and an urban centre. Activities across the field
sites have been carefully coordinated to maximise the scope for comparison and ultimately to
develop analytical models for dealing with societies undergoing economic and political reform. The detailed qualitative analysis provided by this project will help to bridge the gaps
which so often exist between policy planning at the national or international level, and policy
implementation at the local level. The research therefore has considerable practical relevance.
GEOGRAPHISCHER RAUM: Bulgaria, Poland
ART: BEGINN: 2003-01 ENDE: 2006-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Postfach 110351, 06017 Halle)
KONTAKT: Kaneff, Deema (Dr. e-mail: [email protected]);
Pine, Frances (Dr. e-mail: [email protected])
[161-F] Pine, Frances, Dr.; Pilichowska, Nastka, M.A.; Bogdanova, Zlatina, M.A.; Kaneff, Deema, Ph.D. (Bearbeitung):
Political, economic and social inclusion and exclusion in Bulgaria and Poland: an anthropological study
INHALT: Francis Pine is currently working on a three year comparative study, with Deema Kaneff and two PhD students, Nastka Pilichowska and Zlatina Bogdanova, of kinship, exclusion
and inclusion in Poland and Bulgaria. This research has been timed to coincide with Poland's
accession to the European Union. The Polish ethnographic research is being carried out in
eastern Poland, in the Lubelskie Voivodship, in the city of Lublin and in a village in the same
region. This region is adjacent to the border with Ukraine, now the most eastern border of the
European Union and one which we may expect to be increasingly monitored and contested. It
is an area which has experienced high unemployment and concurrent economic decline since
1989. Now, although the economy is picking up in certain fields - agro tourism, ecological
agriculture in the countryside, tourism, service sector growth and development of the universities in the city of Lublin itself - the region as a whole has entered the EU with the lowest
GDP in the union. Her own research will be conducted in Lublin, and will focus particularly
on kinship networks and changing family forms and ideologies. She looks most closely at
whether, how, and to what extent kinship plays a role in migration (both rural-urban and inter
regional/ national), in economic exchanges and survival strategies, in gaining access to or
being excluded from cultural and symbolic (political) capital, and in providing a safety net in
terms of social security with the retraction of state services. Her emphasis is on the processes
and practices of 'everyday' kinship, and on the types of exchange, reciprocity and indeed exclusions which characterize networks based on kinship, friendship and locality, membership
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
87
in civil organisations, or other sites of 'belonging'. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bulgaria,
Poland
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Postfach 110351, 06017 Halle)
KONTAKT: Pine, Frances (Tel. 0345-2927-0, Fax: 0345-2927-202, e-mail: [email protected])
[162-L] Schneider, Sven:
Der Schichtgradient von Morbidität und Mortalität: Vorschlag für ein theoretisches
Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie
: Vierteljahresschrift der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Jg. 33/2008, H. 1, S. 43-66
(Standort: USB Köln(38)-XH2528; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.oezs-digital.de/)
INHALT: "In Österreich ist wie auch in vielen anderen westlichen Industrienationen eine paradoxe Entwicklung zu beobachten: Einerseits steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an und
es sinken für viele Diagnosegruppen Inzidenz und Prävalenz. Andererseits vergrößern sich
gleichzeitig die schichtspezifischen Unterschiede in Morbidität und Mortalität. Ziel dieses
Beitrages ist es, ein umfassendes theoretisches Modell zur Erklärung dieses sozialen Schichtgradienten zu entwickeln, welches den aktuellen Diskussionsstand zum Thema 'gesundheitliche Ungleichheit' aufgreift. Dabei werden Aspekte materieller Ungleichheit ebenso berücksichtigt wie sozial ungleich verteilte Arbeits- und Wohnbedingungen. Darüber hinaus wird
die Bedeutung kulturellen Kapitals und schichtspezifischer Lebensstile expliziert. Nicht zuletzt finden auch psychosoziale und biologische Bedingungsfaktoren sowie potenzielle Selektionsprozesse Eingang in das Modell." (Autorenreferat)
[163-L] Schneider-Sliwa, Rita:
Die Sozialstruktur, in: Wolfgang Jäger, Christoph M. Haas, Wolfgang Welz (Hrsg.) - 3., überarb.
u. aktual. Aufl.: Regierungssystem der USA : Lehr- und Handbuch, München: Oldenbourg, 2007,
S. 1-24, ISBN: 978-3-486-58438-7 (Standort: UB Bonn(5)-2007 7984)
INHALT: Der Überblick zur Sozialstruktur der USA macht deutlich, dass es den vielzitierten
"Schmelztiegel" (melting pot) nie gegeben hat und dass dieser auch nicht angestrebt war und
wird. Das Schlagwort von der "multikulturellen Gesellschaft" signalisiert, dass Assimilierung
der verschiedenen Einwanderergruppen und Ethnien nicht mehr angestrebt wird. Historische
und aktuelle Entwicklungen machen deutlich, dass die so genannte multikulturelle Gesellschaft eine zutiefst segregierte, mit einer ungelösten und sich beständig verschlechternden Sozialproblematik ist. Die USA sind bis heute kein klassisch integrierter Sozialstaat geworden.
Es gibt starke Tendenzen zur Auseinanderentwicklung, zur Segregation und zur Verschärfung
von Disparitäten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So lassen sich für die
meisten Städte die räumlichen Dimensionen der segregierten Stadtteile nicht mehr mit ethnisch geprägten Enklaven oder Vierteln wie in Europa vergleichen. Die Hyper-Ghettos haben
die facto Ausmaße europäischer Großstädte. Hyper-Ghettos der urban underclass dehnen sich
stetig aus. In der Kernstadt Atlanta mit der ungefähren Nord-Süd- und Ost-West-Ausdehnung
von 27,5 km bzw. 28 km nehmen diese Gebiete mehr als die Hälfte des Stadtgebietes ein, in
Washington, D.C. knapp 40 Prozent, das Hyper-Ghetto von Los Angeles, der Stadtteil South
88
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
Central, hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 24 km. Die Liste der Städte mit Hyper-Ghettos
lässt sich beliebig fortsetzen. (ICA2)
[164-F] Scholz, Evi, Dr. (Bearbeitung); Mohler, Peter Ph., Prof.Dr.; Harkness, Janet A., Prof.Dr.
(Leitung):
International Social Survey Programme 2009 (ISSP 2009): Soziale Ungleichheit
INHALT: ISSP ist ein Gemeinschaftsprojekt sozialwissenschaftlicher Forschungseinrichtungen
aus fünf Kontinenten. Seit 1985 wird jährlich eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zu
wichtigen Themen der Sozialwissenschaften durchgeführt. Weitere Informationen sind unter:
www.issp.org abrufbar. ZEITRAUM: 1985 ff.
METHODE: Untersuchungsdesign: Querschnitt DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, schriftlich (Stichprobe: 1.000; Bevölkerungsumfrage in Westdeutschland; Auswahlverfahren: Zufall. Stichprobe: 500; Bevölkerungsumfrage in Ostdeutschland; Auswahlverfahren:
Zufall). Feldarbeit durch ein kommerzielles Umfrageinstitut.
VERÖFFENTLICHUNGEN: ISSP Publikationen sind unter: www.issp.org/public.shtml abrufbar. ARBEITSPAPIERE: German ISSP Methods Reports sind unter: www.gesis.org/en/social
_monitoring/issp/german_methods_reports.htm abrufbar.+++Study Monitoring Reports for
the ISSP sind unter: www.gesis.org/en/social_monitoring/issp/study_monitor.htm abrufbar.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: GESIS-ZUMA (Postfach 122155, 68072 Mannheim)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0621-1246-283, e-mail: [email protected])
[165-L] Schroer, Markus:
Die im Dunkeln sieht man doch: Inklusion, Exklusion und die Entdeckung der
Überflüssigen, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die
"Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 178-194, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Es wird die These vertreten, dass man es im Inklusionsbereich mit einer spiegelbildlichen Wiederholung der Differenzierungen im Exklusionsbreich zu tun hat. Neben einer notwendigen Differenzierung des Exklusionsbegriffs bedarf es einer Differenzierung des Inklusionsbegriffs, damit die unterschiedlichen Grade der Inklusion bzw. Exklusion ebenso erfasst
werden können wie die prekäre Gemengelage von Inklusion und Exklusion. Ziel dieses Modells ist es, die Einseitigkeiten einer allein auf Exklusionsphänomene gerichteten Perspektive
ebenso zu überwinden wie die Einseitigkeiten einer ausschließlich auf Inklusionsphänomene
gerichteten Perspektive, die auf der einen Seite mit einer Dramatisierung und auf der anderen
Seite mit einer Verharmlosung der Lage einherzugehen scheinen. Die Vorstellung der Moderne als einer gewaltigen Inklusionsmaschine erweist sich als Illusion. Der Einschluss wird stets
mit neuen Ausschlüssen beantwortet. (GB)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
89
[166-L] Schroer, Markus:
Vermischen, Vermitteln, Vernetzen: Bruno Latours Soziologie der Gemenge und Gemische
im Kontext, in: Georg Kneer, Markus Schroer, Erhard Schüttpelz (Hrsg.): Bruno Latours
Kollektive : Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S.
361-400, ISBN: 978-3-518-29462-8
INHALT: Bruno Latour geht es um den Aufbau einer "etwas andere(n) Sozialtheorie. Um sein
Programm umsetzen zu können, bedarf es einer Grundrevision des gesamten Gedankenguts
der Soziologie. "Reassembling the Social" heißt folgerichtig sein letztes Werk. Entgegen der
in Modernisierungstheorien vorherrschenden Tendenz, die Differenz, die Unterscheidung und
die Trennung zu betonen, geht es Latour um den Nachweis, dass sich alles immer stärker miteinander vermischt, vermengt und vernetzt. Nicht "draw a distinction" (Spencer Brown), sondern "drawing things together" lautet daher sein Credo. Trotz des Versuchs einer neuen Art
von Soziologie steht sein Vorstoß indes nicht ohne Vorläufer da. Der Autor versucht, seine
Vorschläge im Lichte vorausgehender und ähnlicher Versuche zu diskutieren. In den vorliegenden Überlegungen wird deshalb eine Kontextualisierung der Latour'schen Theorie betrieben, wenn es um seinen Begriff von Vormoderne, Moderne und Postmoderne, um seine Soziologie der Dinge und der Technik sowie um seine Vorstellung von Soziologie geht. Entgegen Latours eigener Einschätzung zeigt sich dabei, dass sein Theorieangebot keineswegs isoliert dasteht. Neben einigen überraschenden Parallelen zur Durkheim-Schule wird deutlich,
dass seine Konzeption dem Poststrukturalismus und der Postmoderne weitaus näher steht, als
er selbst sich dies und seinen Lesern einzugestehen bereit ist. (ICA2)
[167-L] Schwinn, Thomas:
Zur Analyse multidimensionaler Ungleichheitsverhältnisse, in: Österreichische Zeitschrift für
Soziologie : Vierteljahresschrift der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Jg. 33/2008, H.
1, S. 20-42 (Standort: USB Köln(38)-XH2528; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.oezs-digital.de/)
INHALT: "Ungleichheitsverhältnisse sind in der Regel komplex, da sie sich aus mehreren Faktoren zusammensetzen. Diese werden jedoch meist isoliert voneinander analysiert, wodurch Zusammenhänge und Wechselwirkungen aus dem Blick geraten. Im Folgenden wird nach theoretischen Klammern für Klassen-, Geschlechter- und ethnischer Ungleichheit gesucht. Zunächst werden die gemeinsamen institutionellen Mechanismen und Prozesse analysiert, über
die unterschiedliche Formen sozialer Ungleichheit produziert und reproduziert werden. Ein
weiterer Weg aus dem isolierten Nebeneinander ist der Vergleich mehrerer Dimensionen unter einem bestimmten Analysegesichtspunkt. Klasse, Ethnie und Geschlecht werden im Hinblick auf gemeinsame Deutungsmuster und Konfliktprozesse untersucht. Interaktionseffekte
mehrerer Faktoren sozialer Ungleichheit stehen im Mittelpunkt des vierten Kapitels. Dazu
müssen basale Ungleichheitsquellen identifiziert werden, über die Wechselwirkungen laufen.
Die Frage wird thematisiert, ob die Wechselwirkungen nur über je spezifische Konstellationsanalysen eingefangen werden können oder ob es theoretisch verallgemeinerbare Modelle dafür gibt." (Autorenreferat)
90
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
[168-L] Schwinn, Thomas:
Soziale Ungleichheit, (Einsichten), Bielefeld: transcript Verl. 2007, 162 S., ISBN: 978-3-89942592-5 (Standort: UuStB Köln(38)-35A1074)
INHALT: "Die Theorie sozialer Ungleichheit hat seit den Klassikern der Soziologie keine großen
Fortschritte zu verzeichnen. In den einschlägigen Studien dominiert eine auflistende Aneinanderreihung von einzelnen Ansätzen. Es fehlt bisher jedoch eine Theorie sozialer Ungleichheit,
die auf der Höhe der aktuellen gesellschaftstheoretischen Diskussion ist. Diese Einführung arbeitet hierzu den Anschluss an die Theorie gesellschaftlicher Differenzierung heraus. Durch
die konzeptionelle Integration der beiden makrosozialen Hauptachsen lassen sich viele
Aspekte sozialer Ungleichheit angemessen erklären: strukturierte versus unstrukturierte soziale Ungleichheit; das Verhältnis von klassen-, ethnischer und geschlechtsspezifische Ungleichheit; die Transnationalisierung sozialer Ungleichheit sowie soziale Ungleichheiten auf verschiedenen Aggregationsebenen (Interaktion, Organisation, Ordnung)." (Autorenreferat)
[169-L] Sedmak, Clemens:
Einbeziehung von Betroffenen in der Armutsforschung: erkenntnistheoretische
Überlegungen, in: Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für Mitteleuropa, Jg. 25/2008, H.
1/2, S. 25-35 (Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: In der jüngeren Literatur zur Armutsforschung wird häufig von der Notwendigkeit der
Einbeziehung von Betroffenen bzw. von den Vorteilen partizipativer Ansätze gesprochen.
Der vorliegende Beitrag versucht dreierlei zu leisten: Erstens werden Hinweise zur Klärung
des Begriffs der Partizipation gegeben, zweitens Voraussetzungen und Chancen und drittens
Risiken der Einbeziehung von Betroffenen aus erkenntnistheoretischer Perspektive benannt.
Der Autor verwendet den Begriff der "Einbeziehung von Betroffenen" im Sinne von Partizipation. Partizipation wird dann beschrieben als Mitwirken an Entscheidungsprozessen, die für
eine Gemeinschaft wichtig sind. Es werden dann sechs Bedingungen von Partizipation unterschieden: die Veränderungsbedingung, die Kooperations- bzw. Koordinationsbedingung, die
Entscheidungsbedingung, die Prozess- bzw. Regelungsbedingung,; die Gemeinschaftsbedingung, die Relevanzbedingung. Von "Partizipation" im eigentlichen Sinn ist zu sprechen, wo
diese sechs Bedingungen erfüllt sind. Der Autor weist darauf hin, dass die Einbeziehung von
Betroffenen in der Armutsforschung auch mit Risiken verbunden ist, die mit der Vernachlässigung von Machtgefällen, der Idealisierung von Gemeinschaft und lokalem Wissen oder
auch der Veränderung der wissenschaftlichen Standards zu tun haben. In erkenntnistheoretischer Hinsicht sind vor allem zwei Risiken zu nennen, "die Gefahr der Transformation von
Menschen, die von Armut betroffen sind, in epistemische Objekte und die Gefahr von epistemischem Kitsch". (ICA2)
[170-L] Steinert, Heinz:
Die Diagnostik der Überflüssigen, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die
Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 110-120, ISBN: 978-3518-29419-2
INHALT: "Wenn Vertreter und Beförderer der 'Wissensgesellschaft' vorschlagen, die Verlierer
ebendieser Wissensgesellschaft als 'die Überflüssigen' zu kategorisieren, haben sie ganz gut
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
91
sichergestellt, dass man nicht mehr danach fragt, wer das eigentlich betreibt und davon den
Gewinn hat. Den Gewinn nämlich hat die gebildete Schicht, als Leute, die zu unternehmerischer und ungesicherter Betätigung bereit sind, anders als die Älteren, die noch an einen 'Beruf' glauben. Die Betriebsrationalisierungen, aus denen die auf dem Arbeitsmarkt 'Überflüssigen' entstehen, werden von gut ausgebildeten Betriebsberatern vorangetrieben. Die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen werden von Politikern geschaffen, die selbst gut
ausgebildet und jedenfalls umfassend beraten sind." (Autorenreferat)
[171-L] Steinert, Heinz:
'Soziale Ausschließung': Produktionsweisen und Begriffs-Konjunkturen, in: Daniela Klimke
(Hrsg.): Exklusion in der Marktgesellschaft, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 19-30,
ISBN: 978-3-531-15452-7
INHALT: "Der Autor gibt einen historischen Überblick über die Formen und sozialen Bedingungen sozialer Ausschließung. Die kurze Epoche des 'linken Keynesianismus' bis 1980 wirkte
integrativ, während der neoliberale Umbau westlicher Gesellschaften auf soziale Spaltung,
Nutzung von Ungleichheiten, Angsterzeugung bis hin zur Vernichtung gesellschaftlicher
Feinde zuläuft. Günstige Gelegenheiten, prekär gewordene Zugehörigkeit und eine geschürte
Unsicherheit ersetzen das Sozialstaatsmodell von Integration und sozialem Ausgleich. Das
wirkt nicht zuletzt auch zurück auf Art und Funktion sozialwissenschaftlicher Expertise."
(Autorenreferat)
[172-L] Sterbling, Anton:
Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften und die
Konturen des europäischen Sozialraums, in: Maurizio Bach, Anton Sterbling (Hrsg.): Soziale
Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union, Hamburg: R. Krämer, 2008, S. 39-62, ISBN:
978-3-89622-088-2
INHALT: Der Beitrag zur sozialen Ungleichheit in der erweiterten EU wendet sich der Frage zu,
welches die maßgeblichen Erzeugungs- und Reproduktionsmechanismen und mithin auch die
wichtigsten gemeinsamen Strukturprinzipien der vormals sozialistischen Gesellschaften Ostund Südosteuropas waren, welche Präformierungen diese bereits in der vorsozialistischen Zeit
erfuhren, welche Nachwirkungen oder Modifikationen diese in der postsozialistischen Zeit erkennen lassen und welche neuen Strukturprinzipien in den letzten Jahren hinzukamen oder
zumindest eine größere Relevanz erlangen. So wird im ersten Schritt die langfristige Prägung
der Sozialstrukturen durch Statussegregation und Statusassoziation im östlichen und westlichen Teil Europas beschrieben. Im zweiten Schritt werden die zentralen Erzeugungs- und Reproduktionsmechanismen sozialer Ungleichheit der sozialistischen Gesellschaften Ost- und
Südosteuropas dargestellt: (1) politische Ausschließung auf der Grundlage ideologischer
Konformität und persönlicher Loyalität, (2) sozialkulturelle Schließung auf der Grundlage gemeinsamer ethnischer, religiöser oder traditionaler wie auch künstlerisch-intellektueller Sozialmerkmale und Wertorientierungen sowie (3) meritokratisch-funktionale Differenzierung
auf der Grundlage von Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen. Der dritte Schritt betrachtet
schließlich die Spannungs- und Verschränkungsbeziehungen zwischen den Ungleichheit erzeugenden Mechanismen. Der vierte Schritt beleuchtet abschließend die gegenwärtigen Mechanismen der Erzeugung und Reproduktion sozialer Ungleichheit in Ost- und Südosteuropa.
92
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
Neben den bereits erörterten Aspekten kommen hier Migrationsprozesse und Ansätze der
Klassenbildung hinzu. (ICG2)
[173-L] Till, Matthias:
Income poverty and aggregate wealth in Dublin and Vienna: asssesing income distributions
relative to regional and national accounts, in: Angewandte Sozialforschung : Zeitschrift für
Mitteleuropa, Jg. 25/2008, H. 1/2, S. 123-134 (Standort: USB Köln(38)-XH01356; Kopie über
den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Beitrag stellt eine alternative Berechnungsweise zur konventionellen Definition
der Armutsgefährdungsschwelle vor. Dabei wird die Höhe der Armutsschwelle direkt aus Aggregaten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ermittelt. Das Aggregat 'verfügbares Einkommen netto für nicht-finanzielle Konten, private Haushalte und private Organisationen
ohne Erwerbszweck' wird durch die Summe der Konsumäquivalente in der Bevölkerung dividiert. Bei Verwendung der üblichen EU Skala ist dies die Anzahl der Haushalte x 0,5 + Anzahl der Erwachsenen x 0,5 + Anzahl der Kinder x 0,3. Dieser Quotient entspricht annähernd
dem durchschnittlichen Äquivalenzeinkommen privater Haushalte. Der Schwellenwert wurde
mit 40% dieses Schätzwertes festgesetzt. Zu beachten ist, dass die experimentelle Armutsschwelle vollkommen kompatibel bleibt mit der gängigen, einkommensbasierten Armutsmessung, nur die Festsetzung der Schwelle erfolgt mit externen Daten. Der Vorteil liegt in der unkomplizierten Berechnung, wobei die VGR keineswegs technisch überlegene Statistiken produziert, sondern vielmehr durch das ESVG 95 gesetzlich verankert und damit normativ stärker legitimiert ist. Mit der vorgeschlagenen VGR-basierten Schwelle können jederzeit, unabhängig von langwierigen und kostspieligen Erhebungen zeitnahe Schwellenwerte angegeben
werden, die auch regional leicht zu ermitteln sind. Diese Berechnungsweise gewährleistet,
dass sich die Armutsgrenze parallel zu den in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung angezeigten Wohlstandsveränderungen (also Wachstum oder Rezession) entwickelt. Politisch
bedeutet eine VGR-basierte Armutsschwelle, dass dieselben Parameter die für Währungsstabilität und Budgetkürzungen relevant sind, gleichzeitig auch sozialpolitisch verankert wären.
Auf europäischer Ebene könnte eine derartige Konstruktion dazu beitragen, dass wirtschaftsund strukturpolitische Strategien zu regionaler Kohäsion einerseits und sozialpolitische Strategien der sozialen Eingliederung anderseits, dieselben Ausgangsparameter verwenden und so
besser aufeinander abgestimmt werden. Die konventionelle Berechnung zeigt, dass obwohl
Irland unter den 15 EU Staaten die höchste Armutsgefährdung aufweist, die Situation in der
Hauptstadt Dublin jener in Wien nahezu vergleichbar ist. Im Gegensatz zur konventionellen
Berechnung beruht die VGR-basierte Variante der Armutsschwelle auf der regionalen Wertschöpfung, anstatt der in einer Haushaltsbefragung erhobenen Einkommen. Die alternative
Berechnungsweise verdeutlicht, dass bezogen auf den regional konzentrierten Reichtum die
Armut in Wien sehr rasch zunimmt, während sie in Dublin eher eine sinkende Tendenz ausweist. Eine derart ungleiche Teilhabe am regionalen Wohlstand widerspricht jedenfalls der
üblichen Sichtweise, wonach Wien eine 'Insel der Seeligen' und Irland das 'Armenhaus' Europas wäre. Zwar sind mit der durch diese Berechnung angezeigten Polarisierung nicht automatisch gebietsbezogene Segregierungstendenzen verbunden, die üblicherweise in Zusammenhang mit städtischer Armutsentwicklung assoziiert werden. Vorboten einer derartigen Entwicklung können allerdings bereits ausgemacht werden." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
93
[174-L] Tillmann, Robin; Budowski, Monica:
Inégalités et classes sociales en Suisse: quelle configuration?, in: Schweizerische Zeitschrift für
Soziologie, Vol. 33/2007, Iss. 2, S. 193-212 (Standort: USB Köln(38)-BP04865; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Artikel versteht sich als Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über den Fortbestand
bzw. den Niedergang der sozialen Klassen. Im Anschluss an einige grundsätzliche Überlegungen zu Ungleichheiten und sozialen Klassen werden die Methoden und Daten vorgestellt.
Anschließend untersuchen die Verfasser für die heutige Schweiz eine Reihe von Hypothesen
zur angeblichen Auflösung sozialer Klassen, in dem sie diese zur Entwicklung der Gesellschaftsstrukturen, der Einkommensverteilung und der politische Positionierung in Bezug setzen. Obwohl sich einige dieser Hypothesen bestätigen, lässt sich die allgemeine Gültigkeit
der Thesen zum Niedergang der sozialen Klassen nicht bestätigten." (Autorenreferat)
[175-L] Vester, Michael:
Der Klassenkampf um die Bildungschancen, in: Neue Praxis : Zeitschrift für Sozialarbeit,
Sozialpädagogik und Sozialpolitik, Jg. 38/2008, H. 1, S. 80-86 (Standort: USB Köln(38)-XG2744;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Seit den PISA-Studien ist kaum noch strittig, dass die Bildungs- und damit auch die
Berufschancen in der Bundesrepublik besonders ungleich verteilt sind. Auch besteht in der
Bildungsforschung weitgehend Einigkeit darüber, dass die ungleichen Bildungserfolge durch
"blinde Mechanismen" entstehen, die sich oft hinter dem Rücken guter Absichten durchsetzen. Der Beitrag identifiziert und diskutiert hier zwei zusammenwirkende Mechanismen: (1)
"harte" organisatorische Mechanismen, in Deutschland besonders die frühe Aufteilung der
Kinder nach Schultypen, und (2) "weiche" kulturelle Mechanismen, insbesondere das Fehlen
einer Pädagogik, die die Unterschiede der Sozialisation im Elternhaus ausgleicht. Diese bundesrepublikanische Auslese nach Herkunft steht jedoch zunehmend unter dem Druck der internationalen Konkurrenz. Andere Länder mobilisieren weit erfolgreicher die Bildungsreserven der mittleren und unteren Milieus für eine Ökonomie der Hochqualifikation. Dadurch ist
nun das deutsche Bildungssystem auch von innen unter Druck gekommen. Der vorliegende
Beitrag zeigt, dass organisationstechnische Lösungen in dieser Lage wenig bringen, wenn es
keine "Renaissance der Pädagogik" gibt. Es dominiert jedoch ein "betriebswirtschaftlicher
Jargon, der sich seit einiger Zeit wie Mehltau über die bildungspolitische Diskussion gelegt
hat". Gefragt sind vorrangig Ergebnisse in Gestalt von Punktzahlen und Prüfungen, Auswendiglernen und Abfragen. Dass Alternativen zur sozialen Segregation nach Schicht und Herkunft möglich sind, zeigen die Länder, die bessere Schulerfolge mit einer stärkeren sozialen
Mischung erzielen. (ICA2)
[176-L] Vobruba, Georg:
Soziologie der Europäisierung sozialer Ungleichheit: Thesen zur Ausgangskonstellation, in:
Maurizio Bach, Anton Sterbling (Hrsg.): Soziale Ungleichheit in der erweiterten Europäischen
Union, Hamburg: R. Krämer, 2008, S. 197-203, ISBN: 978-3-89622-088-2
INHALT: Der Beitrag zum Forschungsgegenstand der Europäisierung sozialer Ungleichheit in
der Soziologie erörtert die tief greifenden Revisionen in der Ungleichheitsforschung. So wer-
94
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
den im ersten Schritt zunächst die Auflösung vormaliger Selbstverständlichkeiten hinsichtlich
der Zeit- und Raumdimension sowie der Konstitutionsbedingungen des modernen Verständnisses und der soziologischen Kategorisierung sozialer Ungleichheit skizziert. Im zweiten
Schritt werden die Konsequenzen der Auflösung der drei Selbstverständlichkeiten für die Soziologie sozialer Ungleichheit beschrieben: Sie beobachtet und interpretiert aus einer Position
zweiter Ordnung, wie die relevanten Akteure Ungleichheiten beobachten, interpretieren und
wie sie ihr Handeln daran ausrichten. Der dritte Schritt betrachtet abschließend kennzeichnende Schwierigkeit der Soziologie der Europäisierung sozialer Ungleichheit, die ein Spezialfall
eines allgemeinen Problems der Europasoziologie ist: Spätestens seit die institutionelle Integration Europas Folgen zeitigt, welche auf die Europäisierung der Gesellschaft hinauslaufen,
wird klar, dass die Soziologie über kein Theoriekonzept verfügt, das für die Analyse dieses
Prozesses kategoriale Sicherheit bieten kann. (ICG2)
[177-L] Vogel, Berthold:
Überflüssige in der Überflussgesellschaft?: sechs Anmerkungen zur Empirie sozialer
Ausgrenzung, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die
"Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 154-160, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Die beiden Arbeiten von Robert Castel "Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs" sowie
von Katherine S. Newman "Kummervolle Zeiten. Die kulturellen Dimensionen des wirtschaftlichen Wandels in den USA" (wieder abgedruckt in demselben Sammelband) werden
weiterführend kommentiert und auf die Situation in der Bundesrepublik Deutschland bezogen. (GB)
[178-L] Wasner, Barbara:
Der Weg nach oben: Elitenauslese und -aufstieg im internationalen Vergleich, in: Elmar
Wiesendahl (Hrsg.): Eliten in der Transformation von Gesellschaft und Bundeswehr, Paderborn:
Schöningh, 2007, S. 159-183, ISBN: 978-3-506-76479-9 (Standort: Bayer. SB München(12)PVA/2007.5750)
INHALT: Die Autorin geht von folgender Definition aus: Eliten sind Menschen mit weit reichendem gesellschaftlichen Einfluss, bzw. Inhaber gesellschaftlicher Spitzenpositionen. Sie können im Rahmen wichtiger gesellschaftlicher Institutionen Entscheidungen von großer sozialer
Relevanz und allgemeiner Verbindlichkeit treffen. Der Beitrag geht den Unterschieden in der
Elitenrekrutierung in verschiedenen europäischen Gesellschaften nach. Dabei wird zunächst
die Frage untersucht, ob sich die Eliten europäischer Gesellschaften im Laufe des Modernisierungsprozesses einander angenähert haben. Hierzu werden die Elitenkonfigurationen einzelner Gesellschaften erläutert. Anschließend wird die Wirtschaftselite, also jene Teilelite, die
in besonderer Weise mit Internationalisierungs- und Globalisierungsprozessen konfrontiert
ist, herangezogen, um zu überprüfen, ob verschiedene Teileliten stärker konvergieren als andere. So deutlich die Unterschiede in den Elitenkonfigurationen in den verschiedenen europäischen Gesellschaften auch ausfallen, eine Gemeinsamkeit weisen sie alle auf: Der Weg
"nach oben" ist in keiner dieser Gesellschaften besonders weit. Der Ausgangspunkt für eine
Karriere, die in gesellschaftliche Spitzenpositionen führt, ist fast immer ein sozial privilegiertes Elternhaus. (ICA2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
3 Sozialstruktur I: Struktur, soziale Ungleichheit
95
[179-L] Wehrheim, Jan:
Ausgrenzung, Ausschließung, Exklusion, underclass, désaffliation oder doch Prekariat?:
babylonische Vielfalt und politische Fallstricke theoretischer Begrifflichkeiten, in: Daniela
Klimke (Hrsg.): Exklusion in der Marktgesellschaft, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008,
S. 31-49, ISBN: 978-3-531-15452-7
INHALT: "Die Forschung zu Ausgrenzung, Exklusion, Ausschließung, underclass, désaffiliation
hat in den letzten Jahrzehnten zwar ein empirisches Fundament gelegt, das die Sozialwissenschaften davor feit, von einem Prekariat überrascht zu werden. Ihr ist es aber trotz Anstrengungen weder gelungen, Zusammenhänge zwischen strukturellen Änderungen, politischen
Diskursen, ökonomischen Interessen, Etikettierung, Kontrollpraktiken und Coping-Strategien
der Betroffenen zu analysieren, noch ein theoretisch-begrifflich eindeutiges Instrumentarium
zu entwickeln. Die babylonische Begriffsvielfalt ist der Ausdruck dieser Defizite. Für Alles
den Begriff der Ausschließung oder Exklusion zu verwenden, ist eine Form politisch legitimer Problematisierung. Die theoretische Schärfe geht jedoch verloren, und damit wird möglicherweise auch das kritische Potential verspielt." (Autorenreferat)
[180-L] Weiß, Anja:
Raumrelationen als zentraler Aspekt weltweiter Ungleichheiten, in: Heinz Bude, Andreas
Willisch (Hrsg.): Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main:
Suhrkamp, 2008, S. 225-245, ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: "In einer Ungleichheitsforschung, die Globalisierungsprozessen konzeptionell gerecht
wird, gewinnen Ungleichheiten im Zugang zu sozialen Räumen neben der ungleichen Ressourcenausstattung systematische Bedeutung. Der Wert von Ressourcen kann nur im Verhältnis zu Umwelten bestimmt werden, in denen diese wirksam werden. Daher sind Raumrelationen ein zentraler Aspekt sozialer Ungleichheit, der bisher unter der Überschrift 'soziale
Schließung' zu eng gefasst worden ist. Anschlussprobleme entstehen einerseits durch die interne Strukturierung sozialer Räume. Andererseits wird die Grenzregulation des Nationalstaats als symbolische Delegitimierung ungleichheitsrelevant. Soziale Lagen in der Weltgesellschaft können idealtypisch hinsichtlich ihrer Raumrelationen unterschieden werden." (Autorenreferat)
[181-L] Willisch, Andreas:
Verwundbarkeit und Marginalisierungsprozesse, in: Heinz Bude, Andreas Willisch (Hrsg.):
Exklusion : die Debatte über die "Überflüssigen", Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 50-63,
ISBN: 978-3-518-29419-2
INHALT: Mit den Arbeiten von Robert Castel ("Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs") und Katherine S. Newman ("Kummervolle Zeiten. Die kulturellen Dimensionen des wirtschaftlichen
Wandels in den USA") wird die Diskussion um Prozesse sozialer Ungleichheit in Zeiten ökonomischen Wandels wieder aufgenommen. Die französische und die amerikanische Soziologie operieren schon sehr lange mit Begriffen sozialer Ausgrenzung. Die deutsche Diskussion
kommt nicht zuletzt wegen der Integrationsprobleme im Zuge der Deutschen Einheit etwas
verspätet und ohne eine angemessene Begrifflichkeit." (Autorenreferat)
96
4
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
[182-L] Alber, Jens; Lenarz, Philipp:
Wachsende soziale Ungleichheit in Europa: die Lebensqualität unterer
Einkommensschichten in der erweiterten Europäischen Union, in: Informationsdienst Soziale
Indikatoren : ISI ; Sozialberichterstattung, gesellschaftliche Trends, aktuelle Informationen ; eine
ZUMA-Publikation, 2008, H. 39, S. 1-5
(www.gesis.org/Publikationen/Zeitschriften/ISI/pdf-files/isi-39.pdf)
INHALT: "Zum Ideal des von der Europäischen Kommission propagierten europäischen Sozialmodells gehört die Vorstellung, dass wirtschaftliches Wachstum und sozialer Zusammenhalt Hand in Hand zu gehen haben und einander auch wechselseitig bedingen. Das Ziel des
sozialen Zusammenhalts wird in der EU auf zweierlei Weise und auf institutionell getrennten
Wegen verfolgt. Die von der Generaldirektion Regionalpolitik betriebene Kohäsionspolitik
zielt darauf ab, den territorialen und sozialen Zusammenhalt in der EU zu stärken, indem das
wirtschaftliche Gefälle zwischen Ländern und Regionen durch Annäherung des Einkommensniveaus an den europäischen Gesamtdurchschnitt gemindert wird. Kohäsion wird hier also als
Konvergenz der Lebensbedingungen bzw. als unmittelbar aus solcher Konvergenz resultierende Form sozialen Zusammenhalts begriffen. Die von der Generaldirektion für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit betriebene Inklusionspolitik ist dem
Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung gewidmet und sieht in der Vollbeschäftigung
die wirksamste Form, in der Sozialpolitik die zweite Waffe der Armutsbekämpfung. Inklusion wird hier als Vermeidung sozialer Randständigkeit innerhalb national verfasster Gesellschaften konzipiert." (Autorenreferat)
[183-F] Alda, Holger, Dr.; D'Alessio, Nestor, Dr.; Freitag, Namara, Dipl.-Sozialwirt; Mayer-Ahuja, Nicole, Dr.; Mautz, Rüdiger, Dr.; Wieck, Markus, Dipl.-Sozialwirt; Boes, Andreas, Priv.Doz.
Dr.; Hacket, Anne, Dipl.-Soz.; Kratzer, Nick, Dr.; Trinks, Katrin, Dipl.-Soz.; Ebert, Andreas,
M.A.; Fuchs, Tatjana, Dipl.-Soz.; Heinecker, Paula, M.A.; Land, Rainer, Dr.; Willisch, Andreas;
Drosdowski, Thomas; Wolter, Marc-Ingo, Dr.; et alii (Bearbeitung); Bartelheimer, Peter, Dr. (Leitung):
Forschungsverbund 'Berichterstattung zur sozio-ökonomischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland: Arbeit und Lebensweisen'
INHALT: Die deutsche Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Sozioökonomische Berichterstattung zielt darauf, diesen Umbruch besser zu verstehen. Ihr Ausgangspunkt: Wirtschaftsweise
und Lebensweise verändern sich gleichzeitig und jeweils eigensinnig und beeinflussen sich
gegenseitig. Das Zusammenspiel von Ökonomie, Politik, Institutionen und Individuen funktioniert nicht mehr so wie in der "alten" Bundesrepublik. Die sozioökonomische Berichterstattung nimmt die einzelnen Veränderungen ebenso unter die Lupe wie den Wandel des Zusammenspiels. Besonders interessiert sie sich für diese Fragen: Inwiefern bietet die größer gewordene Vielfalt an Arbeits- und Lebensweisen neue Teilhabechancen für die Einzelnen und inwiefern befördert sie andererseits Ungleichheit und Ausgrenzung? Kann unsere "Gesellschaft im Umbruch" die Menschen "mitnehmen" oder bleiben viele von ihnen auf der
Strecke? Um solche Fragen beantworten zu können, führt die sozioökonomische Berichterstattung quantitative und qualitative Daten aus verschiedenen Quellen zusammen und deutet
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
97
sie im Rahmen eines deutschen Produktions- und Sozialmodells - denn die Daten sprechen
nicht für sich selbst. Der Ansatz ist gestaltungs- und nutzerorientiert: Was muss erforscht
werden, welche Daten werden in welcher Form benötigt und wie können sie genutzt werden,
damit die Entwicklung verstanden und vor allem politisch gestaltet werden kann? Die Arbeit
am zweiten Bericht der Sozioökonomischen Berichterstattung begann mit einer Serie fachöffentlicher Diskussionen über Konzept und Resultate des ersten Berichts, die in der Werkstatt
von soeb.de nachzulesen sind. Die Auswertung ergab ein Arbeitsprogramm für den zweiten
Bericht, das eine neue Themenstruktur vorsieht. Dieses Konzept wurde extern positiv begutachtet. Seine Umsetzung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert
wird, hat nun begonnen. Die wichtigsten Änderungen lassen sich so beschreiben: Die im ersten Bericht noch vorzufindende Unterteilung von Themenfeldern und Berichtsgegenständen
wird zugunsten einer Gliederung nach Abteilungen und Kapiteln aufgegeben. Der Abgrenzung der Berichtsabteilungen liegt die Überlegung zugrunde, eine im Kern stabile Konzeption
für die Berichterstattung auf der "Systemebene" (Abteilung I) mit einer jeweils aktuellen
Schwerpunktsetzung bei den stärker mikroanalytisch orientierten Kapiteln (Abteilungen II bis
IV) zu verbinden. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
VERÖFFENTLICHUNGEN: S.a. www.soeb.de/literatur.php .
ART: BEGINN: 2000-08 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Bundesministerium
für Bildung und Forschung
INSTITUTION: Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen e.V. -SOFI(Friedländer Weg 31, 37085 Göttingen); Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V.
-ISF- (Jakob-Klar-Str. 9, 80796 München); Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie gGmbH -INIFES- (Haldenweg 23, 86391 Stadtbergen); Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. (Dudel 1, 17207 Bollewick); Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (Heinrichstr. 30, 49080 Osnabrück)
KONTAKT: Freitag, Namara (Tel. 0551-52205-19,
e-mail: [email protected])
[184-L] Bartl, Walter; Kopycka, Katarzyna; Rademacher, Christian:
Bewältigung und Folgen des demographischen Wandels im öffentlichen Sektor:
interkommunale Vergleiche in Ost- und Westdeutschland sowie in Polen, in: Mitteilungen /
SFB 580, 2007, H. 24, S. 8-11
(www.sfb580.uni-jena.de/typo3/uploads/tx_publicationlist/Heft_24_B8.pdf)
INHALT: Die Autoren geben einen kurzen Überblick über das Teilprojekt B8 "Demographischer
Wandel und Arbeitsmarkt des öffentlichen Sektors" im Sonderforschungsbereich 580 "Entwicklungen nach dem Systemumbruch: Diskontinuität, Tradition, Strukturbildung" der Universität Jena. Das Projekt untersucht die demographischen Herausforderungen, deren akteurspezifische Bewältigung und die sich daraus ergebenden Folgen für das Personalwesen des
öffentlichen Sektors. Die Untersuchung konzentriert sich auf Deutschland und Polen, da
Transformationsländer besonders stark von demographischen Entwicklungen betroffen sind
und ihnen daher bei der Bewältigung demographisch induzierter Folgeprobleme eine Vorreiterrolle innerhalb der OECD zukommt. Die bisherige Arbeit des Teilprojektes B8 konzentrierte sich vor allem auf die kommunale Ebene in Ostdeutschland, Polen und Westdeutschland. Das Untersuchungsdesign sieht vor, dass in den folgenden Förderphasen auch die zwischenstaatlichen Ebenen der Bundesländer und Woiwodschaften sowie die zentralstaatliche
Ebene in den Blick genommen werden sollen. Da das Forschungsvorhaben auch auf der kom-
98
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
munalen Ebene noch nicht abgeschlossen ist, tragen die im vorliegenden Heft präsentierten
empirischen Ergebnisse des Teilprojektes B8 lediglich Vorstudiencharakter. (ICI2)
[185-L] Best, Heinrich:
Der Challenge-Response-Ansatz als forschungsleitende Perspektive für
Transformationsforschung, in: Dorothée de Nève, Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp (Hrsg.):
Herausforderung - Akteur - Reaktion : diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer und
empirischer Perspektive, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 11-23, ISBN: 978-3-83293013-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: Der Sonderforschungsbereich 580 an den Universitäten Jena und Halle erforscht die
gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Systemumbruch des Regimewechsels von
1989/90. Auf konzeptionell-theoretischer Ebene befasst sich der SFB 580 mit dem speziellen
Typ sozialen Wandels der Transformation (post)sozialistischer Gesellschaften, insbesondere
mit den Verläufen disruptiver Regimeübergänge und deren langfristigen Folgen. Der SFB
580 orientiert seine Forschung über gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch an einem Challenge-Response-Ansatz (CRA). Was damit gemeint ist, wird zunächst erläutert, indem einige zentrale Denkfiguren dieses Ansatzes aus dem Werk von Arnold J.
Toynbee (1889-1975) extrahiert und auf Problemstellungen der Transformationsforschung
angewendet werden. Dabei wird auch eine auf die Analyse sozialen Wandels zugeschnittene
Definition eines Challenge vorgeschlagen und eine Hypothese formuliert, welche Responsemodi in welchen Akteurs-Institutionen-Konstellationen zu erwarten sind. Der CRA verbindet
Mikro- und Makroperspektiven in der sozialwissenschaftlichen Analyse historischen Wandels. Er hat eine erkenntnislogische Affinität zur psychologischen Coping-Forschung über
Lebensprobleme und die kognitiven Muster zu deren Bewältigung. Die Frage, welche Anpassungs- und Bewältigungsformen unter welchen Voraussetzungen gewählt werden und wie sie
sich bewähren, ist ein interdisziplinäres Projekt, das Ökonomen, Sozial- und Verhaltenswissenschaftler gleichermaßen beschäftigt. (ICA2)
[186-L] Dimmel, Nikolaus:
Zwischen Prekarisierung und Konsumreligion: Politiken des Sozialen im Wertewandel, in:
Engelbert Washietl, Eva Pfisterer (Hrsg.): Werte - aber welche? : die Werte-Debatte, Münster: Lit
Verl., 2007, S. 49-64, ISBN: 978-3-8258-0868-6 (Standort: Bayer. SB München(12)-2007.62751)
INHALT: Der Beitrag thematisiert den gesellschaftlichen Verwendungszusammenhang von Werten, konkreter: Wertargumente in sozialpolitischen Diskursen. Wertargumente werden verstanden als Rechtfertigungen von Entscheidungen in sozialpolitischen Handlungsfeldern
durch legitimatorischen Hinweis auf geltende Werte. Jene Werte selbst lassen sich als in
Handlungsorientierungen und -muster eingelassene Sollvorgaben (Orientierungsmarken) verstehen, die mit moralischen Einstellungen eng verbunden sind. Der Autor zeigt, dass der fordistische Sozialstaat, der noch auf der regulativen Idee der Dekommodifikation beruht (also
dem Schutz des Einzelnen im sozialen Risikofall durch gezielte Entmarktlichung), sukzessive
einem postfordistischen Sozialstaat weicht, in dem soziale Risiken systematisch vermarktet
werden. Der Markt wird als regulative Idee zum sozialpolitischen Wert. Der Autor formuliert
scharf: "Die Work-fare-Debatte, in der das Geschwätz von 'Fördern und Fordern' mehr oder
weniger umstandslos in Zwangsarbeitsphantasien mündet, hat deutlich gemacht, was da ge-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
99
meint ist. Arbeitsmarktteilnahme wird in diesem ideologischen Präfix als Wert an sich verhandelt, abgelöst von den materiellen Bedingungen der Arbeit und ihren Ergebnissen (Einkommen, Gesundheitszustand, Produkte/Waren). Dieser Paradigmenwechsel geht weit über
die bloße Gestaltveränderung des Sozial- und Wohlfahrtsstaates hinaus. Er berührt die Frage
nach der ideologischen Formierung der Individuen und ihrem Marktverhalten". (ICA2)
[187-L] Eisenstadt, Shmuel N.:
Multiple modernities: a paradigma of cultural and social evolution, in: Protosociology : an
international journal of interdisciplinary research, Vol. 24/2007, S. 19-381 (Standort: USB
Köln(38)-XG07319; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.protosociology.de/Volumes/Volume24.html)
INHALT: Das Buch ist aus einem 1997 an der Universität Heidelberg gehaltenen Gastvortrag
hervorgegangen. Die Studie über Entwicklung und unterschiedliche Ausprägungen moderner
Zivilisationen wendet sich sowohl gegen "klassische Modernisierungstheorien" als auch gegen neuere Ansätze wie die von Fukuyama und Huntington. Das Hauptanliegen ist die Abkehr von der "Konvergenzannahme" gegen die sich der Autor mit seiner These von der "Vielfalt" und Unterschiedlichkeit moderner Gesellschaftsentwicklungen wendet, wobei er sich exemplarisch mit den USA, Japan und Europa beschäftigt. Der Dichotomie von Moderne und
Tradition wird mit dem Begriff der "Achsenzeit" und der These von einer "Vielzahl von Modernen" begegnet. Die Aufsatzsammlung ist insgesamt von der Intention gleitet, das Verständnis der Moderne aus jener eurozentrischen Deutung herauszulösen, die westliche Entwicklungsmuster als allgemeingültig ansieht. Eingegangen wird auch auf den islamischen
Fundamentalismus und vor allem auf die japanische Gesellschaft, "der ersten, nichtwestlichen
modernen Kultur". (ICA)
[188-L] Groß, Martin:
Klassen, Schichten, Mobilität: eine Einführung, (Lehrbuch), Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss. 2008, 248 S., ISBN: 978-3-531-14777-2
INHALT: Mit Marx, Weber, Geiger und der funktionalistischen Schichtungstheorie stellt der
Verfasser zunächst Klassiker der Ungleichheitsforschung vor, um im Folgenden die Entstrukturierungsdebatte sowie alternative Konzepte wie "Lagen", "Milieus" und "Lebensstile" zu
behandeln. Ein Überblick über die Forschung zu sozialer Mobilität in der Generationenfolge
(intergenerationelle Mobilität) und über den Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktprozessen
und Klassenbildung (intragenerationelle Mobilität) schließt sich an. Anknüpfend an die im
Zusammenhang mit dem letztgenannten Punkt diskutierte "Theorie der geschlossenen Positionen" von Sörensen wird abschließend nach dem Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen des Arbeitsmarkts (Beschäftigungssicherung, Bildungssystem, Wohlfahrtsstaat) auf die
Bildung und Auflösung sozialer Klassen gefragt. (ICE2)
100
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
[189-L] Haller, Max:
Wertwandel und Gesellschaft, in: Engelbert Washietl, Eva Pfisterer (Hrsg.): Werte - aber
welche? : die Werte-Debatte, Münster: Lit Verl., 2007, S. 37-47, ISBN: 978-3-8258-0868-6
(Standort: Bayer. SB München(12)-2007.62751)
INHALT: Im ersten Teil des Beitrags wird aus allgemeiner soziologischer Sicht etwas zum Thema "Was sind Werte?" gesagt. Im zweiten Teil werden auf Grundlage einiger Hypothesen die
Befunde empirischer Studien dargestellt und es wird versucht, einige Tendenzen des Wertwandels in Österreich aufzeigen. Zunächst wird geklärt, ob Werte universell oder rein subjektiv sind (Präferenzen). Der Autor geht von der Sicht Karl Poppers aus, dass man drei Ebenen
bzw. drei Realitäten unterscheiden muss: Es gibt (1) die Welt der Ideen, der Werte; (2) die
Welt der sozialen Realität unseres Bewusstseins und (3) die Welt der Natur, die physikalische
und biologische Welt. Daran schließt sich die Frage, woher Werte kommen und wie sie entstehen. Es werden hier vier Prozesse erörtert, die eine Rolle spielen. Erstens: die Öffentlichkeit, die allgemeine Diskussion. Es muss öffentlich diskutiert werden: Was ist die richtige Lösung? Und da ergeben sich neben Wertekollisionen auch neue Sichtweisen. Zweitens: Intellektuelle und politische Persönlichkeiten können ihren Teil dazu beitragen, bestimmte Dinge
klar auszusprechen. Drittens: Jeder einzelne von uns trägt durch seine Lebenspraxis zum
Wertwandel bei. Wenn sich niemand mehr an Normen hält, dann werden diese gegenstandslos. Und letztlich muss auch die Politik neue Institutionen entwickeln und Regelungen bereitstellen, welche die Realisierung von Werten auch unter geänderten Umständen erst ermöglichen. (ICA2)
[190-L] Hildenbrand, Bruno:
Wandel in Ereignissen: die Vermittlung von Struktur und Handeln in der Analyse von
Prozessen sozialen Wandels, in: Mitteilungen / SFB 580, 2007, H. 23, S. 8-45
(www.sfb580.uni-jena.de/typo3/uploads/tx_publicationlist/Heft23.pdf)
INHALT: Der Autor verfolgt mit seinem Beitrag eine dreifache Zielsetzung: Er möchte erstens
zeigen, wie in einer sinnverstehenden Soziologie sozialen Wandels Struktur und Handeln miteinander verknüpft sind. Das Erkenntnisinteresse besteht darin, sowohl der strukturellen als
auch der Akteursseite von Wandel Rechnung zu tragen und eine Theorie zu entwickeln, die
beide Aspekte tragfähig miteinander verknüpft. In Anlehnung an die Grounded Theory und
andere Ansätze der sinnverstehenden Sozialforschung geht der Autor davon aus, dass eine
solche Theorie auch aus empirischen Daten entwickelt werden kann und sich an diesen zu bewähren hat. Er verdeutlicht zweitens die Tragfähigkeit dieses Ansatzes an einem Forschungsthema des SFB 580, das sich auf die Neuorientierung der Kinder- und Jugendhilfe in Ost- und
Westdeutschland nach dem Paradigmenwechsel aufgrund der Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes von 1990/1991 bezieht. Anhand eines Fallbeispiels aus einem thüringerischen Landkreis skizziert er zentrale Elemente einer Theorie sozialen Wandels in diesem
Wirklichkeitsbereich. Er bezieht drittens die Befunde auf das von Hartmut Rosa und Steffen
Schmidt vorgeschlagene Basis-Modell "Challenge and Response", um dessen theoretische
und empirische Tragfähigkeit zu erkunden. (ICI2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
101
[191-F] Keil, Silke I., Dr. (Bearbeitung); Deth, Jan W. van, Prof.Dr.; Gabriel, Oscar W., Prof.Dr.;
Meulemann, Heiner, Prof.Dr.; Roller, Edeltraud, Prof.Dr. (Leitung):
European Social Survey
INHALT: Das wichtigste langfristige Ziel des European Social Survey (ESS) besteht darin, die
Interaktion zwischen den sich wandelnden politischen und ökonomischen Institutionen und
den Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensmustern der Bevölkerungen der jeweiligen
Länder zu beschreiben und zu erklären. Das Projekt beinhaltet repräsentative Bevölkerungsumfragen in allen beteiligten Ländern. Dabei wird ein einheitlicher Fragebogen zu verschiedenen Problemen des politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens verwendet, der
durch länderspezifische Fragen sowie wechselnde Schwerpunktthemen (für die erste Welle
waren dies Immigration sowie "Citizenship, Involvement, Democracy") ergänzt wird. Die
einzelnen Länderstudien werden mit möglichst hohen methodischen Standards der empirischen Umfrageforschung durchgeführt. Die erste Welle der Befragungen in den Teilnehmerländern fand 2002/2003 statt. Die Projektidee des ESS entstand in der European Science
Foundation (ESF). Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Kommission, der ESF
und nationalen Forschungsförderungseinrichtungen, im Falle Deutschlands ist dies die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit Ende September 2003 können nach Abschluss einer äußerst umfangreichen Datenedition und -prüfung alle Interessierten über die vom Norwegian Social Science Data Service (NSD) eingerichtete Homepage ess.nsd.uib.no oder über
einen Link auf der internationalen ESS-Projekthomepage www.europeansocialsurvey.org/archive and data direkt auf die Daten der ersten Welle des ESS zugreifen. Es stehen Daten aus
insgesamt 22 Ländern zur Verfügung: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Irland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn. Nutzer können einfache statistische Analysen direkt online durchführen
oder sich die gewünschten Daten herunterladen. Neben den Daten aus den Befragungen ist
über die ESS-Homepage der Zugriff auf eine Reihe von Meta-Daten und eine umfangreiche
Studiendokumentation möglich. Es sind z.B. Informationen über die politischen und die Bildungssysteme der Teilnehmerländer verfügbar, über das Altersprofil der Bevölkerung, die
Durchführung der Feldarbeit, über Ausschöpfungsquoten und Ereignisse im Umfeld der Erhebungen. Die zweite Welle des ESS 2004/2005: Der ESS ist als Zeitreihe angelegt; die Erhebungen sollen in Zweijahresabständen stattfinden. Für die zweite Welle des ESS ist als Befragungszeitraum die zweite Jahreshälfte 2004 vorgesehen, ab 2005 beginnt die Aufbereitung
der Daten. Inhaltliche Schwerpunkte des ESS 2 sind die Themen Gesundheit, Wirtschaftsmoral sowie Familie, Arbeit und Wohlbefinden. Bisher stehen Daten aus den folgenden 17 Ländern zur Verfügung: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Griechenland,
Großbritannien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz,
Slowenien, Spanien, Tschechische Republik (insg. 17 von 26 vorgesehenen Teilnehmerländern). Die restlichen Länderdaten werden vom NSD so bald wie möglich auf der oben genannten Homepage zugänglich gemacht. Die dritte Welle des ESS: Die Erhebungen für die
dritte Welle des ESS werden 2006/2007 stattfinden. In Deutschland und einigen weiteren
Teilnehmerländern geht die Studie im September 2006 ins Feld. Inhaltliche Schwerpunkte
dieser Welle werden die Themen persönliches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit sowie
Lebensabschnitte und Lebensplanung sein. Aufnahme des ESS in das Langfristförderung der
DFG: DFG finanziert die deutsche Teilstudien des ESS bis 2013 Die DFG hat die deutsche
Teilstudie des ESS mittlerweile in ihr Langfristförderprogramm aufgenommen. Damit ist die
Teilnahme Deutschlands am ESS bis 2013 gesichert. GEOGRAPHISCHER RAUM: Europa
102
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
ART: ENDE: 2013-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Stuttgart, Fak. 10 Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Institut für
Sozialwissenschaften Abt. I Politische Systeme und Politische Soziologie (Breitscheidstr. 2,
70174 Stuttgart); Universität Köln, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Forschungsinstitut für Soziologie (Greinstr. 2, 50939 Köln); Universität Mannheim, Mannheimer
Zentrum für Europäische Sozialforschung -MZES- Arbeitsbereich B Die politischen Systeme
Europas und ihre Integration (68131 Mannheim); Universität Mainz, FB 02 Sozialwissenschaften, Medien und Sport, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Vergleichende Politikwissenschaft (55099 Mainz)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[192-F] Kollmorgen, Raj, Jun.-Prof.Dr. (Bearbeitung); Kollmorgen, Raj, Jun.-Prof.Dr. (Leitung):
Ostdeutschland: Probleme und Entwicklungsprozesse einer Übergangs- und Teilgesellschaft
INHALT: Das Projekt beschäftigt sich einerseits mit Grundproblemen der ostdeutschen Gesellschaftsentwicklung seit 1989/90. Dabei werden sowohl Fragen des Verhältnisses zwischen
Ost- und Westdeutschland ("Bürger zweiter Klasse", Anerkennung/ Missachtung, Ungleichheit, Transferökonomie usw.) als auch damit verwobene Probleme einer Transformationsgesellschaft behandelt (Institutionenumbau, Entstehung neuer Akteure, intergenerationaler
Wandel von Werten usw.). Andererseits konzentrieren sich die (auch empirischen) Studien
zur Zeit auf (a) deutsch-deutsche Anerkennungs-/ Missachtungsdynamiken, (b) Entwicklungen im Bereich sozialer (Des-)Integration im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Reformen sowie
demographischer Dynamiken und (c) Probleme regionaler sozioökonomischer Entwicklungsdynamiken (Cluster, Innovationsnetzwerke, Wirtschaftspolitik). ZEITRAUM: seit 1989/90
GEOGRAPHISCHER RAUM: Ostdeutschland
ART: BEGINN: 2005-01 ENDE: 2008-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Magdeburg, Fak. für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften, Institut für Soziologie Bereich Soziologie und Europastudien (Postfach 4120, 39016
Magdeburg)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0391-67-16200, e-mail: [email protected])
[193-L] Kollmorgen, Raj:
Transformation als Modernisierung: eine meta- und gesellschaftstheoretische Nachlese,
(Arbeitsbericht / Universität Magdeburg, Institut für Soziologie, Nr. 47), Magdeburg 2007, II, 24
S. (Graue Literatur; www.uni-magdeburg.de/isoz/publikationen/download/47.pdf)
INHALT: "Erinnert man sich der Jahre 1990-1992 und des damals ausbrechenden Booms postsozialistischer Transformationsforschung, dann frappiert auch heute noch die rasche Präsenz
und Hegemonie des modernisierungstheoretischen Zugangs. Vor allem der systemtheoretischevolutionistische oder kurz neo-evolutionistische Ansatz feierte ein grandioses Comeback auf
der 'entwicklungssoziologischen' Bühne. Seine Hegemonie in den ersten Jahren drückte sich
dabei nicht nur im positiven Einfluss bekennender Modernisierungstheoretiker, sondern kaum
weniger in einer harschen und in jedem Fall lautstarken Kritik an ihr aus. Die Kritik sprach
der neuen 'alten' Modernisierungstheorie rundheraus jeden Erklärungsgehalt und jede Relevanz für die Transformationen ab, denotierte sie als kaum verhüllte Ideologie expansiver
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
103
'westernization' oder attestierte ihr zumindest ein kaum vorhandenes Lernvermögen (zur frühen Einschätzung der Diskussion: Müller 1991; Alexander 1994; Kollmorgen 1994). Interessanterweise erkalteten die Debatten um die Modernisierungstheorie aber ebenso so schnell,
wie sie sich erhitzt hatten. Nach drei Jahren schon, spätestens seit Mitte der 90er Jahre war
von einer verbissenen Auseinandersetzung in den Sozialwissenschaften im Kontext postsozialistischer Transformationen kaum noch etwas zu spüren. Es schien, als wären alle Fronten,
alle Fragen geklärt worden. Man konnte glauben, die Kombattanten hätten einen Pakt des
(Be-)Schweigens geschlossen. Über die Gründe des 'Ausbruchs' ist viel diskutiert und geschrieben worden. Über das 'Ende' findet sich hingegen kaum Literatur (ibid.). Die folgende
Beschäftigung mit dem Problem verdankt sich aber nicht allein einem retrospektiven Interesse. Vielmehr ist seit Ende der 90er Jahre ein neuer moderne- und modernisierungstheoretischer Aufschwung zu beobachten. Neben einer zum Teil akzentverschobenen Fortführung der
(Post-)Modernediskussion (für viele: Bauman 2000; Eisenstadt 2001; Giddens 2001; Beck/
Bonß 2001; Ritzer 2004; Rosa 2005) gab es der internationalen Debatte in ihrem Modernisierungsstrang zwar auch eine - eher bescheidene - Wiederaufnahme im Rahmen der Transformationsforschung und ihrer 'second generation approaches' (Bönker/ Müller/ Pickel 2002a;
siehe FN 1). Der Focus scheint aber gegenwärtig erneut auf den Gesellschaften des 'Südens'
zu liegen, wobei neben (Ost-)Asien und Lateinamerika diesmal auch Afrika stärker einbezogen wird (etwa Harrison/ Huntington 2000). Im Zentrum des vorliegenden Aufsatzes steht allerdings die modernisierungstheoretische Debatte im Kontext des Postsozialismus, ihr fulminanter Beginn, ihr Verlauf, vor allem aber ihr fast abruptes Ende um 1996/97 - und was daraus für den transformations-, aber auch für den modernisierungs-theoretischen Diskurs zu lernen ist. Zwei Hypothesen leiten die folgenden Überlegungen, die zu-gleich Annahmen zur
Brauchbarkeit und Erklärungskraft der Modernisierungstheorie beinhalten: Erstens, die neoevolutionistische Modernisierungstheorie hatte recht und die Opponenten wollten über die
Bekehrung, die dem ersten Aufschrei folgte, aus verständlichen Gründen den Mantel des
Schweigens breiten. Zweitens, die Modernisierungstheorie hatte unrecht; ihr war es aber gelungen, dies gekonnt zu kaschieren. Darüber hinaus erschien es den Opponenten - nach den
Auseinandersetzungen schon in den 70er und 80er Jahren - höchst langweilig, die Leier der
Kritik immer weiter zu drehen. Insofern war das Ende auch Folge einer Ermüdung." (Autorenreferat)
[194-L] Kordes, Hagen; Müller, Burkhard; Nicklas, Hans:
Interkultureller Wandel - Probleme, Handlungsfelder, Methoden, in: Hans Nicklas, Burkhard
Müller, Hagen Kordes (Hrsg.): Interkulturell denken und handeln : theoretische Grundlagen und
gesellschaftliche Praxis, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2006, S. 15-26, ISBN: 978-3-38020-9
(Standort: UB Bonn(5)-2006/4973)
INHALT: Der einleitende Beitrag zum vorliegenden Sammelband zeigt, dass der durch die Globalisierung initiierte interkulturelle Wandel nicht mehr von einem einzelnen großen Faktor
der Geschichte (race, class, gender) erklärt werden kann, sondern dass das Interkulturelle in
der Gemengelage der Vernetzungen und Verknüpfungen zwischen Klasse/Ökonomie,
Rasse/Ethnie, Geschlecht/Generation, Religion/Glaubensbewegung, Politik/Weltsystem zu
interpretieren und zu bearbeiten ist. Im Zeitalter weltweit zirkulierender Menschen, Bilder,
Ideen, Güter und Kalküle werden wir von der Interaktivität und Komplexität der Welt überflutet; unzählige partikulare Informationen übersteigen die Möglichkeiten des Begreifens. Die
Erde ist heute "ein Wirbel in Bewegung, ohne Ordnungsrahmen". Interkultureller Wandel be-
104
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
sagt dann zweitens: Menschen unterschiedlicher Herkunft und Zukunft, Denkart und Ressourcen sind in "koexistenzialer Praxis" mittendrin in Such- und Probebewegungen nach der Zukunft. Im interkulturellem Wandel durchdringen sich drittens die oben genannten Dimensionen und Aspekte. Entscheidend ist deshalb, sich auf jene Prozesse zu konzentrieren, die beim
Zusammenstoßen unterschiedlicher Menschen und Gesellschaften mit verschiedener Geschichte und Entwicklung produziert werden. (ICA2)
[195-L] Kron, Thomas:
Die Physik des sozialen Wandels, in: Hamburg review of social sciences, Vol. 2/2007, Iss. 2, S.
1-30 (www.hamburg-review.com/fileadmin/pdf/02_02/August_2007_1_Kron.pdf)
INHALT: Der Verfasser überträgt das Theorem selbstorganisierter Kritikalität aus der Physik auf
die Gesellschaft. Ziel ist die Erklärung sozialer Transformationen. Der Verfasser illustriert die
Erklärungskraft dieses Ansatzes am Beispiel des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. (ICEÜbers)
[196-F] Kühl, Stefan, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Wandel von Strukturen - Strukturen des Wandels. Ein Handbuch zur Organisationsanalyse
INHALT: "Organisationsstruktur" ist ein schillernder Begriff. Häufig wird der Begriff der Organisationsstruktur so abstrakt verwendet, dass er sich für eine konkrete Analyse von Organisationen nicht eignet. Ziel dieses Projektes ist es ein Handbuch für Praktiker zu erstellen, mit
dem diese ihre Organisation analysieren und Ansatzpunkte für Strukturreformen identifizieren können. Forschungsfragen sind: Wie kann ein an Niklas Luhmann angelehnter Begriff der
Organisationsstruktur praktisch gefasst werden? Wie ist kann das Verhältnis von Formalität
und Informalität für Strukturreformen nutzbar gemacht werden?
METHODE: Konzeptionelle Schnittpunkte existieren zu einem Projekt für die Auto-Uni von
Volkswagen, in dessen Rahmen ein MBA-Modul zur Organisationsstrukturanalyse erstellt
wird. Bisher wurde vorrangig unter dem Begriff des "Lateralen Führens" ein Konzept zur
Analyse von Informalität ausgearbeitet. Im nächsten Schritt geht es um die Spezifikation der
Formalstrukturanalyse.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Kühl, Stefan, Schnelle, Thomas; Schnelle, Wolfgang: Führen
ohne Führung. in: HarvardBusinessManager, 2004, H. 1, S. 71-79.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Metaplan - Thomas Schnelle Gesellschaft für Planung und Organisation mbH
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE V Arbeit und Organisation AG
Organisationssoziologie (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0521-106-3977, e-mail: [email protected])
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
105
[197-L] Lutz, Burkart:
Challenge and Response als forschungsstrategische Herausforderung, in: Dorothée de Nève,
Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp (Hrsg.): Herausforderung - Akteur - Reaktion :
diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer und empirischer Perspektive, Baden-Baden:
Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 109-121, ISBN: 978-3-8329-3013-4 (Standort: UB Bonn(5)2008/2046)
INHALT: Die zentrale Forschungsperspektive eines Teilprojekts des SFB mit dem Titel "Massenarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel - zwischenbetrieblicher Arbeitsmarkt zwischen Instabilität und Neustrukturierung" ist vom Challenge-Response-Ansatz geleitet. Deshalb werden zunächst dieser Ansatz, der Gegenstand des Teilprojekts und die wichtigsten analytischen
Fragen an den Gegenstand skizziert. Die Logik von Challenge und Response-Ansatz impliziert, dass: (1) Problemlagen, aus denen eine Herausforderung entstehen kann, im Prinzip zu
einem relativ frühen Zeitpunkt ihrer Emergenz in einer einigermaßen umfassenden Weise
wahrnehmbar sind, sodass die mit ihr befassten Akteure in der Lage sind, entsprechend weitsichtige, wohl informierte Entscheidungen zu treffen und Aktionen einzuleiten; (2) eine verspätete, unvollständige oder verzerrte Wahrnehmung erheblich dazu beiträgt, dass aus einer
Problemlage eine Herausforderung im engeren Sinne wird. Für den exemplarisch interessierenden Fall der demographischen Verwerfungen in Ostdeutschland sind die Defizite der
Wahrnehmung offenkundig. Demographische Faktoren wurden anfangs kaum und auch später eher punktuell und in kurzfristiger Perspektive beachtet, der Zusammenhang mit den Folgen der Frühverrentungsprogramme und der verzerrten Altersstruktur vieler Betriebe ebenso
wie die Wechselwirkungen mit der Arbeits- und Arbeitskräftestrategie der Betriebe lange Zeit
überhaupt nicht gesehen. (ICA2)
[198-L] Nève, Dorothée de; Reiser, Marion; Schnapp, Kai-Uwe (Hrsg.):
Herausforderung - Akteur - Reaktion: diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer
und empirischer Perspektive, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2007, 232 S., ISBN: 978-38329-3013-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: "Prozesse sozialen Wandels vollziehen sich im Wechselspiel von Herausforderungen
und Reaktionen. Dabei stellen sie häufig keine lineare Weiterentwicklung bestehender gesellschaftlicher Strukturen dar. Vielmehr beeinflussen Ereigniskonstellationen, verfügbare Lösungen und involvierte Akteure, wie auf eine Herausforderung reagiert wird und welche Brüche möglicherweise entstehen. Das Werk untersucht diese Konstellationen von Herausforderungen, Akteuren und Reaktionen und entwickelt theoretische Zugriffe auf Phänomene diskontinuierlichen Wandels." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Dorothée de Nève, Marion
Reiser, Kai-Uwe Schnapp: Vorwort (7-9); Theoretische Perspektiven: Heinrich Best: Der
Challenge-Response-Ansatz als forschungsleitende Perspektive für Transformationsforschung
(11-23); Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp: Jenseits der Linearität - konzeptionelle Grundlagen für die Beschreibung diskontinuierlicher Entwicklungsprozesse (25-51); Hartmut Rosa,
Steffen Schmidt: Which Challenge, Whose Response? Ein Vier-Felder-Modell der Challenge-Response-Analyse sozialen Wandels (53-72); Werner J. Patzelt: Das Challenge-ResponseKonzept im Evolutorischen Institutionalismus (73-86); Empirische Perspektiven: Timm Beichelt: Zum Nutzen des Challenge-Response-Ansatzes im Hinblick auf die Parteientwicklung
in Mitteleuropa (87-108); Burkart Lutz: Challenge and Response als forschungsstrategische
Herausforderung (109-121); Wolfhard Kohte: Der Beitrag des kollektiven Arbeitsrechts zur
106
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
Transformation der Arbeitsbeziehungen in Ostdeutschland (123-143); Reinhold Sackmann,
Walter Bartl: Personalflexibilität im öffentlichen Dienst in Krisensituationen. Ein ChallengeResponse-Modell (145-170); Lawrence E. Rose: Nutzerpartizipation: Reaktion auf Probleme
demokratischer Teilhabe und Herausforderung für Prinzipien demokratischer Legitimation
(171-198); Angelika Vetter: Challenge und Response am Beispiel des Wandels der deutschen
Kommunalverfassungen (199-220); Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp: Herausforderung Akteur - Antwort. Eine fruchtbare Heuristik zur Analyse sozialen Wandels (221-232).
[199-L] Patzelt, Werner J.:
Das Challenge-Response-Konzept im Evolutorischen Institutionalismus, in: Dorothée de
Nève, Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp (Hrsg.): Herausforderung - Akteur - Reaktion :
diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer und empirischer Perspektive, Baden-Baden:
Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 73-86, ISBN: 978-3-8329-3013-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: Der im Sonderforschungsbereich 580 "Gesellschaftliche Entwicklung nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition, Strukturbildung" (Jena/Halle) verwendete ChallengeResponse-Ansatz (CRA) befasst sich mit Diskontinuität, Tradition und Strukturentwicklung
bei gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Systemumbruch. Der Dresdner Sonderforschungsbereich 537 beschäftigt sich mit "Institutionalität und Geschichtlichkeit", d.h. mit der
Herausbildung und Verstetigung von institutionellen Strukturen als besonderem "Aggregatzustand" sozialer Wirklichkeit. Hier wird eine "institutionelle Analyse" mit einer ins Kulturwissenschaftliche gewendeten Allgemeinen Evolutionstheorie verbunden, die im vorliegenden
Beitrag als "Evolutorischer Institutionalismus" (EI) entfaltet und vorgestellt wird. Der Autor
diskutiert, in welchem Verhältnis die beiden Theorieansätze zueinander stehen und wie sie
voneinander Nutzen ziehen können. Der Challenge-Response-Ansatz (CRA) wird als eine auf
seinen historisch besonderen Gegenstand optimierte Teiltheorie des Evolutorischen Institutionalismus verstanden. Die Ausführungen zeigen: EI und CRA befassen sich mit dem gleichen
Gegenstand, nämlich mit der Entwicklung, Tradition und Diskontinuität sozialer bzw. institutioneller Strukturen, und sie stehen dabei in einem "Teilmengenverhältnis". Der CRA befasst
sich mit System/Umwelt-Interaktionen vom Typ der Wirkungskette Challenge - Response Auswirkung der Response - Challenge zweiten Grades - Response zweiten Grades. Der EI
befasst sich ebenso mit alledem, wenngleich mitunter anhand etwas anderer Begriffe. Doch
obendrein leistet der El noch weiteres: Er bettet die gemeinsame, auch vom CRA verwendete
Theorie von System/Umwelt-Interaktionen in eine umfassende kultur- und sozialwissenschaftliche Evolutionstheorie ein. (ICA2)
[200-L] Reiser, Marion; Schnapp, Kai-Uwe:
Herausforderung - Akteur - Antwort: eine fruchtbare Heuristik zur Analyse sozialen
Wandels, in: Dorothée de Nève, Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp (Hrsg.): Herausforderung Akteur - Reaktion : diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer und empirischer
Perspektive, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 221-232, ISBN: 978-3-8329-3013-4
(Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: Ziel des Beitrages ist es, die Auseinandersetzung mit dem Challenge-Response-Ansatz
(CRA), die im vorliegenden Sammelband geführt wird, zusammenzufassen und zu bündeln:
In welchem Bezug stehen die entwickelten theoretischen Varianten des CRA zueinander, und
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
107
wie tragfähig und tauglich sind diese konzeptionellen Orientierungshilfen für empirische
Analysen in unterschiedlichen Forschungsfeldern? Die Autoren der empirischen Beiträge sehen den Ansatz durchweg als heuristisch leistungsfähig an. Diese Leistungsfähigkeit beruht
vor allem darauf, dass er keine teleologische Perspektive hat. Vielmehr ist er in seiner Struktur offen für unterbrochenen Wandel und Wandelprozesse, bei denen an bestimmten historischen Punkten Entwicklungspfade verlassen, unter Umständen auch "Sackgassen" und
"Rückentwicklungen" eingeleitet werden. Insgesamt wird deutlich, dass der CRA dazu beitragen kann, die Vielfältigkeit sozialer Entwicklungen, vor allem aber die Möglichkeit unterschiedlicher Reaktionen auf gleiche oder ähnliche Entwicklungsanreize konzeptionell besser
zu verstehen. Vor dem Hintergrund der Akteursperspektive des Ansatzes erscheinen sie als
das Normale, Erwartbare, da die handelnden Akteure über eine gewisse Freiheit in der Wahl
ihrer Handlungsalternativen verfügen. (ICA2)
[201-L] Reiser, Marion; Schnapp, Kai-Uwe:
Jenseits der Linearität - konzeptionelle Grundlagen für die Beschreibung
diskontinuierlicher Entwicklungsprozesse, in: Dorothée de Nève, Marion Reiser, Kai-Uwe
Schnapp (Hrsg.): Herausforderung - Akteur - Reaktion : diskontinuierlicher sozialer Wandel aus
theoretischer und empirischer Perspektive, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 25-51,
ISBN: 978-3-8329-3013-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: Der Beitrag stützt sich auf einen Ansatz, der die Analyse von Prozessen sozialen Wandels als Abfolge von Herausforderungen (Challenges) und Antworten (Responses) konzipiert
und der auf den britischen Historiker Arnold J. Toynbee zurückgeht. Die Autoren untersuchen, ob Toynbees Ansatz eine sinnvolle Konzeption für die Beschreibung von Wandelprozessen, insbesondere von diskontinuierlichen Wandelprozessen in den mittel- und osteuropäischen Ländern nach der "Wende", liefern kann. Toynbees Grundidee aufgreifend, wird zunächst die Frage geklärt, welche Restriktionen für die Beobachtung von Prozessen sozialen
Wandels bestehende Entwicklungstheorien aufweisen und wie diese Restriktionen durch den
Challenge-Response-Ansatz (CRA) verringert oder beseitigt werden können. Dem folgen der
Vorschlag einer für die empirische Arbeit nutzbaren Definition von Herausforderungen sowie
erste Schritte hin zu einer Taxonomie derselben. Dabei setzen sich die Autoren auch mit der
Frage auseinander, welche Bedeutung die gesellschaftliche Wahrnehmung von Challenges für
Anpassungs- und Wandelprozesse hat. Im Weiteren wird eine Definition von Response gegeben. Neben einer theoretischen Typologisierung wird versucht, Kriterien für den Erfolg von
Responses zu entwickeln. Abschließend wird diskutiert, in welchen Bereichen Anknüpfungspunkte für eine Weiterentwicklung dieser Forschungsperspektive bestehen. (ICA2)
[202-L] Rosa, Hartmut; Schmidt, Steffen:
Which Challenge, Whose Response?: ein Vier-Felder-Modell der Challenge-ResponseAnalyse sozialen Wandels, in: Dorothée de Nève, Marion Reiser, Kai-Uwe Schnapp (Hrsg.):
Herausforderung - Akteur - Reaktion : diskontinuierlicher sozialer Wandel aus theoretischer und
empirischer Perspektive, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 53-72, ISBN: 978-3-83293013-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2046)
INHALT: Seit den 1990er Jahren wird "Transformation" mehr und mehr als aktiver gesellschaftlicher Suchprozess betrachtet und ihr offener Ausgang betont. Der Beitrag versucht vor die-
108
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
sem Hintergrund, gesellschaftliche Transformationsprozesse in einer Weise zu modellieren,
die es einerseits erlaubt, der Vielfalt historischer Befunde, Entwicklungen und theoretischer
Einsichten Rechnung zu tragen und die es andererseits zugleich ermöglicht, die zentralen Erkenntnisse verschiedener herkömmlicher Transformationstheorien bzw. Theorien sozialen
Wandels zu integrieren und miteinander zu verknüpfen. Zugegriffen wird dabei auf den Challenge-Response-Ansatz (CRA) in Kombination mit drei Festlegungen: (1) Der Transformationsprozess wird als eine Serie von Herausforderungen und Reaktionen begriffen. (2) Der soziale Wandel ergibt sich aus dem Passungs- oder Spannungsverhältnis von institutioneller
Ordnung und Akteursorientierungen. (3) Für die Forschungsprojekte in Halle und Jena wurde
vereinbart, den Akteursperspektiven besondere Aufmerksamkeit zu widmen. In Reaktion auf
die generellen Problemlagen der Transformationsforschung wird ein allgemeines Analyseraster sozialen Wandels entwickelt, auf das sich der Transformationsprozess vor, während und
nach 1989 abbilden lässt. Die These lautet dabei, dass der Systemumbruch nicht nur eine
Challenge ist, sondern bereits selbst eine Response darstellt. Es ist daher genauer zu klären,
um "whose challenge" und "which response" es sich dabei handelt. (ICA2)
[203-L] Ryabchuk, Anastasiya:
Nostalgia and solidarity: social suffering in post-communist societies, in: Sabine Fischer,
Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Eds.): Movements, migrants, marginalisation : challenges
of societal and political participation in Eastern Europe and the enlarged EU, Stuttgart: IbidemVerl., 2007, S. 213-221, ISBN: 978-3-89821-733-0 (Standort: UB Köln(38)-34A9594)
INHALT: Seit Mitte der 1990er Jahre zeigen sich die Kosten und Folgeprobleme des Systemwechsels zur "freien Marktwirtschaft" in den ehemaligen sozialistischen Ländern in zunehmender Deutlichkeit. Die "schönen Worte" von "Freiheit", "Wohlstand" und "Selbstverwirklichung" wurden mit einer Realität konfrontiert, in der sich die Masse der Bevölkerung wesentlich schlechter stand als unter den kommunistischen Regimen. Der rasante Transfer von westlichen Denkweisen und Institutionen hat weiterhin zur Überforderung weiter Teile der Bevölkerung geführt und die "Errungenschaften" des Kapitalismus wurde im Licht der alten (weitgehend oktroyierten) Kapitalismuskritik erinnert und teilweise nostalgisch verklärt. Der vorliegende Beitrag rekonstruiert die (N)ostalgia der postkommunistischen Gesellschaft als Reflex auf eine sich zunehmend entsolidarisierende Gesellschaft, die "menschliche Wärme" vermissen lässt bzw. alles in das "kalte Licht" ökonomischer Rationalität taucht. Wie allerdings
ein "Kapitalismus mit menschlichen Antlitz" aussehen sollte, bleibt im Bewusstsein der Bevölkerung im Unklaren. (ICA)
[204-F] Schwengel, Hermann, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Elitenwandel in der Globalisierung. Der Fall der südamerikanischen Eliten nach der neoliberalen Periode
INHALT: In Zusammenarbeit mit Hochschulen in Argentinien (Universidad de Buenos Aires),
Brasilien (Instituto Universitario de Pesquisas do Rio de Janeiro) und Chile (Universidad Alberto Hurtado, Santiago).
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Professur
für Soziologie (Rempartstr. 15, 79085 Freiburg im Breisgau)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
109
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0761-203-3495,
e-mail: [email protected])
[205-L] Sweeney, James:
Values in living: changes and continuities, in: Patrick Riordan (Eds.): Values in public life :
aspects of common goods, Münster: Lit Verl., 2007, S. 157-171, ISBN: 978-3-8258-0552-4
(Standort: RWTH Aachen(82)-Ae/1571/-1)
INHALT: Der Beitrag versucht aus soziologischer Perspektive eine Klärung von Wertbildungsprozessen im Rahmen einer Dialektik von Strukturwandel und Kontinuität. Der Wertbegriff
wird uneinheitlich definiert (der Autor bezieht sich auf 180 Definitionsversuche), u.a. aufgrund unterschiedlicher Abgrenzung gegen seine Verwendung in Ökonomie und Psychologie.
Im wesentlichen werden dann drei Gruppen von Definitionen unterschieden: (1) Wert als Objekt, als geschätztes oder erwünschtes Gut; (2) Wert als Einstellung zu einem Objekt, das z.B.
als richtig, gut, hässlich empfunden und beurteilt wird; (3) Wert als Maßstab, der das Handeln
lenkt und Entscheidungen über Handlungsweisen ermöglicht. Der Autor konzentriert sich auf
die zweite Gruppe, in dem er Werte als "was einem lieb und teuer ist" definiert. Diese "subjektive" Verwendung ist in der neuen Literatur vorherrschend, da Werte Maßstäbe des Handelns für zahlreiche Situationen bilden. Die Dialektik der Wertbildung resultiert auf folgender
Konstellation: je widersprüchlicher und spannungsreicher Werte sind, desto stärker sind die
Konflikte in einer Gesellschaft und dementsprechend auch ihr Wandel. (ICA)
[206-L] Wiesendahl, Elmar (Hrsg.):
Eliten in der Transformation von Gesellschaft und Bundeswehr, Paderborn: Schöningh 2007,
207 S., ISBN: 978-3-506-76479-9 (Standort: Bayer. SB München(12)-PVA/2007.5750)
INHALT: "Die Bundesrepublik befindet sich in einer Übergangsphase, in einem tiefgreifenden
Strukturwandel. Gerade wenn sich Gesellschaften grundlegend wandeln oder gar transformieren, fällt Eliten und ihrer Führungsrolle eine besondere Verantwortung zu. Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr gehen der Frage nach, welche Bedeutung Eliten im
Transformationsprozess von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Militär in Deutschland zukommt. Sie tun dies vor dem historischen Hintergrund der Entwicklung vom Kaiserreich bis
zur Gegenwart. International vergleichend werden auch die postkommunistischen Eliten in
Russland und unterschiedliche Elitenauslesemuster untersucht. Ein zentraler Fragepunkt ist
überdies, ob die Funktionseliten von heute sich zu Verantwortungseliten fortentwickeln müssen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Elmar Wiesendahl: Eliten in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs - eine Einführung (7-32); Rainer S. Elkar: Eliten in gesellschaftlichen
Umbruchverhältnissen (33-48); Hans-Hennig Schröder: Der kurze "Sommer der Oligarchen".
Erfolg und Versagen von Eliten in Transformationsgesellschaften am Beispiel Russlands (4970); Burkhard Schwenker: Eliten und Unternehmenstransformation (71-82); Frank Decker:
Die politische Klasse und die Reform des Wohlfahrts- und Sozialstaats (83-102); Hans-Joachim Reeb: Die Rolle von Informationseliten im sicherheitspolitischen Transformationsprozess (103-116); Karl H. Schreiner: Die Militärelite und die Transformation der Bundeswehr
(117-134); Ralph Thiele: Eliten und strategisches Change Management (135-158); Barbara
Wasner: Der Weg nach oben: Elitenauslese und -aufstieg im internationalen Vergleich (159-
110
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
4 Sozialstruktur II: Prozess, sozialer Wandel
184); Eike Bohiken, Elmar Wiesendahl: Von den Funktionseliten zu den Verantwortungseliten (185-206).
5
Interaktion
[207-F] Antoniw, Katja, Dipl.-Psych. (Bearbeitung):
Soziale Unterstützung bei normgerechtem versus normabweichendem Bewältigungsverhalten
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Greifswald, Philosophische Fakultät, Institut für Psychologie Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie, Psychologische Diagnostik (FranzMehring-Str. 47, 17487 Greifswald)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 03834-863773, e-mail: [email protected])
[208-L] Aschauer, Wolfgang:
Werte und Wertewandel in Österreich - aktuelle Studien und Trends, in: Michael Fischer,
Heinrich Badura (Hrsg.): Politische Ethik I : Räume der Politik, Frankfurt am Main: P. Lang,
2006, S. 217-246, ISBN: 978-3-631-54742-7 (Standort: ULB Münster(6)-3F/67268)
INHALT: Der Beitrag präsentiert aktuelle Daten zu den dominanten Werthaltungen innerhalb der
österreichischen Gesellschaft. In Anlehnung an empirische Daten von wissenschaftlichen
Quellen sowie Markt- und Meinungsforschungsinstituten werden Trends aufgezeigt, die aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen symbolisieren. Den Analysen der empirischen Daten
liegt ein breitgefächerter soziologischer Wertbegriff zugrunde, der "Werte als allgemeine,
grundlegende, zentrale Ziele, Ideen und Orientierungsstandards und -leitlinien für das Handeln von Individuen" versteht. Ein Wert ist damit eine explizit gemachte oder implizit gelassene Auffassung von "Wünschenswertem", fungiert also als Vorstellung und Ideal. Die Werthaltungen in Osterreich werden erstens auf der individuellen Ebene (Grundwerte) analysiert.
Werte werden somit als einflussreiche Elemente der Persönlichkeit betrachtet, die für die eigene Person und Lebensgestaltung als grundlegend empfunden werden. Zweitens werden
Werthaltungen auf soziokultureller Ebene als allgemeine Orientierungsstandards, als Kernelemente der Kultur und als sinnstiftende Legitimationsgrundlage für soziale Normen diskutiert.
Die Daten für einzelne Orientierungsstandards in verschiedenen Lebensbereichen, die für das
Individuum (Gesundheit und Familie) bzw. für die Gesellschaft (Politikverständnis) eine hohe
Bedeutung aufweisen, werden vorgestellt und knapp interpretiert. (ICA2)
[209-L] Beisbart, Claus:
Handeln begründen: Motivation, Rationalität, Normativität, (Philosophie im Kontext, Bd. 8),
Berlin: Lit Verl. 2007, XII, 265 S., ISBN: 978-3-8258-0195-3 (Standort: UB Bochum(294)NKA/7045)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
111
INHALT: "Kann man Handlungen begründen? Gibt es Argumente, die auf ein Handeln führen?
Was müßten solche Argumente zeigen? Und worauf würden sie rekurrieren?In der Handlungstheorie und der Metaethik werden diese Fragen kontrovers diskutiert. Anhänger von D.
Hume behaupten, daß Handlungsbegründungen allenfalls möglich sind, wenn sie auf die vorgängigen Wünsche und Ziele des Akteurs zurückgreifen. Anti-Humeaner bestreiten das. In
diesem Buch wird zunächst gezeigt, daß es zwei Vorverständnisse von Handlungsbegründungen gibt. Während sich das erste Vorverständnis an praktischen Schlüssen orientiert, verlangt
das zweite, daß eine Handlungsbegründung ein Handeln als gut aufweist. Im ersten Fall ist
die Orientierung an vorgängigen Wünschen oder Zielen des Akteurs unabdingbar, im zweiten
Fall nur sehr bedingt möglich. In Auseinandersetzung mit Hume, der Humeschen Motivationstheorie und B. Williams wird die Behauptung verteidigt, daß Begründungen im zweiten
Sinn nicht nur möglich sind, sondern einen Vorrang vor praktischen Schlüssen und Begründungen im ersten Sinn genießen." (Autorenreferat)
[210-L] Benz, Arthur:
Verhandlungen, in: Arthur Benz, Susanne Lütz, Uwe Schimank, Georg Simonis (Hrsg.):
Handbuch Governance : theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 106-118, ISBN: 978-3-531-14748-2
INHALT: Wenn Verhandlungen als Governance-Form betrachtet werden, dann ist damit eine
Struktur der Interaktion gemeint, in der die verhandelnden Akteure bei allen Unterschieden in
ihrer institutionellen Stellung oder Ressourcenausstattung insofern gleichberechtigt sind, als
alle die gleichen Kommunikations- und Entscheidungsrechte besitzen. Handlungskoordination erreichen sie mittels des Mechanismus des "Verhandelns", indem sie in direktem Gespräch
über ihre Interessen kommunizieren und sich auf eine gemeinsame, für alle verbindliche Entscheidung einigen. Die Art und Weise, wie Akteure zu einer Einigung gelangen, und die Bedingungen, unter denen dies (un-) wahrscheinlich ist, sind Gegenstand der empirischen Verhaltensforschung und der Verhandlungstheorie. Der Beitrag fasst wichtige Ergebnisse zusammen und vermittelt ein Verständnis, wie durch Verhandlungen kollektives Handeln möglich
ist und wie dieser Governance-Modus funktioniert. (GB)
[211-F] Böhm, Robert, Dipl.-Psych. (Bearbeitung):
"I" cooperate "We" compete - explaining the discontinuity effect by categorization processes
INHALT: Erklären von Unterschieden im Verhalten von Gruppen und Individuen.
METHODE: Experimente (Interaktionsspiele). Untersuchungsdesign: Querschnitt DATENGEWINNUNG: Experiment; Gruppendiskussion; Standardisierte Befragung, schriftlich.
ART: BEGINN: 2007-10 ENDE: 2010-10 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Jena, Internationales Graduiertenkolleg "Konflikt und Kooperation
zwischen sozialen Gruppen - Dynamik der Veränderung von Intergruppenbeziehungen"
(Wildstr. 1, 07743 Jena)
112
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
[212-L] Burkatzki, Eckhard:
Verdrängt der Homo oeconomicus den Homo communis?: normbezogene
Orientierungsmuster bei Akteuren mit unterschiedlicher Markteinbindung,
(Sozialwissenschaft), Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. 2007, X, 337 S., ISBN: 978-3-8350-6087-6
(Standort: UB Bonn(5)-2007/8837)
INHALT: Im Anschluss an die Markt-Moral-Debatte fragt der Verfasser nach dem Einfluss von
Märkten auf die normbezogenen Orientierungen und Handlungen von Akteuren. Die Untersuchung überprüft die Hypothese, dass marktwirtschaftlich verfasste Gesellschaften qua Einbindung von Akteuren in die Strukturen des Marktes bei ihren Mitgliedern einen normativen Habitus ausprägen, der die Geltungskraft gemeinwohlbezogener moralischer und rechtlicher
Normen relativiert und diese durch ökonomisch-instrumentelle, die Norm- oder Pflichtverletzung ins Kalkül ziehende Orientierungen überformt. Der Zusammenhang zwischen der Einbindung in die Strukturen des Marktes, der Ausbildung von normbezogenen Orientierungsmustern und dem Auftreten delinquenter sowie prosozialer Verhaltensintentionen und Handlungen wird zunächst auf theoretischer Ebene rekonstruiert. Seine empirische Überprüfung
erfolgt auf der Basis einer Befragung von Personen aus der Erwerbsbevölkerung, die Kurse
an Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung besuchten oder abhielten (n=390). Die sieben
Forschungsfragen betreffen (1) Typen normbezogener Orientierungsmuster, (2) situationale
Handlungsorientierungen und normbezogene Orientierungsmuster im Situationen delinquenter Gelegenheit, (3) Delinquenzbereitschaft und (4) -häufigkeit und normbezogene Orientierungsmuster bei verschiedenen Delikttypen, (5) situationale Handlungsorientierungen und
normbezogene Orientierungsmuster in Situationen des altruistischen Normappells, (6) ehrenamtliches Engagement sowie (7) Markteinbindung. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten
auf eine Verdrängung des "homo communis" durch den "homo oeconomicus" hin. (ICE2)
[213-L] Diekmann, Andreas; Voss, Thomas:
Soziale Normen und Reziprozität: die Bedeutung "sozialer" Motive für die Rational-ChoiceErklärung sozialer Normen, in: Andreas Diekmann, Klaus Eichner, Peter Schmidt, Thomas
Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische Analysen und empirische Resultate : Festschrift für
Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 83-100,
ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: Das zweistufige Gefangenendilemma-Normspiel mit Sanktionen ist ein einfaches Modell, um ein grundlegendes Problem der Sozialtheorie zu klären: Wie ist Kooperation, d.h. die
Befolgung sozialer Normen bei einer einmaligen Interaktion möglich, wenn die Sanktionierung abweichenden Verhaltens auch für die geschädigte Person mit Kosten verbunden ist? Es
kann gezeigt werden, dass das Sanktionsdilemma gelöst werden kann, wenn die eigennützigmateriellen Interessen durch Fairnesspräferenzen ergänzt werden: Altruistische negative Reziprozität ist der Schlüssel für die Wirksamkeit des Sanktionsmechanismus, weil hierdurch
erst Sanktionsdrohungen glaubwürdig erscheinen. Wenn der eigennützige Akteur weiß, dass
ein fairnessorientierter Mitspieler bereit ist, selbstschädigende Vergeltung auszuüben, wird er
es als rationaler Akteur vorziehen zu kooperieren. Experimente demonstrieren, dass Personen
das unfaire Verhalten anderer bestrafen, auch wenn sie dafür materielle Einbußen hinnehmen
müssen. (GB)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
113
[214-F] Dobusch, Leonhard, Dipl.-Betriebsw. (Bearbeitung); Quack, Sigrid, Priv.Doz. Dr. (Leitung):
Creative Commons - eine transnationale Gemeinschaft zwischen globalen und lokalen Normen
INHALT: keine Angaben ZEITRAUM: 1998-2008
METHODE: Untersuchungsdesign: qualitative Interviews mit Retrospectiverhebung; Inhaltsanalyse von Diskussionsforen DATENGEWINNUNG: Qualitatives Interview (Stichprobe: 30;
VertreterInnen der nationalen und internationalen Organisationseinheiten; Auswahlverfahren:
Schneeball). Inhaltsanalyse, offen (Beiträge zu Online-Diskussionsforen; Auswahlverfahren:
total). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Dobusch, L.; Quack, S.:
Creative commons - the "share alike" community between global norm and local translation.
Paper for the 23rd EGOS Colloquium in Vienna, 5-7 July 2007.
ART: BEGINN: 2007-01 ENDE: 2008-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (Paulstr. 3, 50676 Köln)
KONTAKT: Leiterin (Tel. 0221-2767152, e-mail: [email protected])
[215-L] Esser, Hartmut:
Der Handlungsbegriff in der modernen Soziologie, in: Klaus-Dieter Altmeppen, Thomas
Hanitzsch, Carsten Schlüter (Hrsg.): Journalismustheorie: next Generation : soziologische
Grundlegung und theoretische Innovation, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 27-46,
ISBN: 978-3-531-14213-5 (Standort: USB Köln(38)-34A6377)
INHALT: "Der Autor macht deutlich, dass die Erklärung gesellschaftlicher Vorgänge immer drei
Schritte erfordert: die Untersuchung der 'Logik der Situation', die Erklärung des Handelns angesichts dieser Umstände über eine 'Logik der Selektion' dieses Handelns, und die Ableitung
der durch das Handeln erzeugten gesellschaftlichen Folgen über eine 'Logik der
Aggregation'." (Autorenreferat)
[216-L] Finkel, Steven E.:
In defense of the "wide" rational choice model of collective political action, in: Andreas
Diekmann, Klaus Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische
Analysen und empirische Resultate : Festschrift für Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 23-35, ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: "In this essay, I describe the 'wide' rational choice model of collective political action,
and defend it against the major critiques found in the current literature. I argue that this model
does not suffer form the so-called 'pathologies' attributed to it by prominent critics. On the
contrary, it is rooted in a view of rational choice based on the potential roles of imperfect information and both tangible and intangible constraints. It is fully consistent with dominant social-psychological theories of human behaviour. It leads to numerous falsifiable implications,
and it can and has been tested against major alternative theories and threats to successful causal inference." (author's abstract)
114
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
[217-L] Giesel, Katharina D.:
Leitbilder in den Sozialwissenschaften: Begriffe, Theorien und Forschungskonzepte,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2007, 294 S., ISBN: 978-3-531-15648-4 (Standort: USB
Köln(38)-35A2182)
INHALT: Die Verfasserin macht sich zur Aufgabe, die in den Sozialwissenschaften vorhandenen
unterschiedlichen Begriffsverständnisse und -verwendungen sowie Forschungs- und Handlungskonzepte zu Leitbildern systematisch zu untersuchen und kritisch zu analysieren, um zu
einem klaren und differenzierten Leitbildbegriff sowie einem konsistenten und theoretisch begründeten Verständnis des sozialwissenschaftlichen Gegenstandes Leitbild zu kommen. Die
Untersuchung fokussiert über diesen Grundbegriff zugleich die sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungskonzepte, die mit der Kategorie Leitbild operieren. Auf der
Grundlage einer verknüpften Bedeutungs- und Sachanalyse wird auch ein begriffsgeschichtlich gestützter Gebrauchsvorschlag für einen differenzierten und präzisierten Leitbildbegriff
im Sinne einer Begriffsexplikation formuliert und das Aufgabenspektrum der Sozialwissenschaften in Bezug auf Leitbilder nachgezeichnet. Es wird gezeigt, dass Leitbilder, begrifflich
und konzeptionell klar gefasst, eine zeitgemäße Kategorie für die Sozialwissenschaften abgeben. Der dargestellte theoretische Rahmen wird deshalb um ein soziologisches Element erweitert, welches den historisch-gesellschaftlichen Kontext mit einbezieht. Die Theorie reflexiver Modernisierung geht von einem fundamentalen Wandel der Gesellschaft aus. Dieser
grundlegende Wandel erfordert auch veränderte Begriffe bzw. Kategorien zur Beschreibung
und Analyse der Gesellschaft. Aus dieser Sicht wird der Frage nachgegangen, ob Leitbilder so wie sie gegenwärtig verstanden werden - Antworten auf die Herausforderungen der Zeit
bieten. Lässt sich diese Frage positiv beantworten, wäre auch die sozialwissenschaftliche Beschäftigung mit Leitbildern gerechtfertigt. Die Leitbildkonjunktur wäre dann keine Modeerscheinung, sondern ein Hinweis auf die Herausbildung einer zeitgemäßen sozialwissenschaftlichen Kategorie. Einleitend wird die Feststellung belegt, dass Leitbilder in den Sozialwissenschaften, aber auch im öffentlichen Sprachgebrauch Konjunktur haben. Deshalb wird die Karriere des Leitbildbegriffs im 20. Jahrhundert nachgezeichnet und eine erste Annäherung an
den Begriff vorgenommen. Zu diesem Zweck erfolgen eine an der linguistischen Diskursund Begriffsgeschichte orientierte lexikographische Analyse und eine Datenbankanalyse, die
die Karriere des Begriffs 'Leitbild' nachzeichnen. Die Untersuchung zur Karriere des Leitbildbegriffs leistet zugleich einen quantitativen Beitrag für die Diskursanalyse der Hauptuntersuchung. Für die diskursanalytische Hauptuntersuchung, in welcher die in den Sozialwissenschaften vorhandenen Leitbildverständnisse und -konzepte analysiert und diskutiert werden,
werden diejenigen Forschungsfelder in den Blick genommen, die verstärkt mit Leitbildern
operieren. Vor dem Hintergrund der Darstellung der methodischen Anlage der Untersuchung
und der Auswahl des Textkorpus werden als ein wichtiges Resultat der Diskursanalyse zwei
Typologien präsentiert, die sowohl das heterogene Begriffsverständnis als auch die verschiedenen Umgangsformen mit Leitbildern in der theoretischen und empirischen sozialwissenschaftlichen Forschung systematisch unterscheiden. Für die soziohistorische Kontextualisierung der Kategorie Leitbild wird der gesellschaftliche Hintergrund beleuchtet, vor dem Leitbildern derzeit eine gesteigerte Aufmerksamkeit zuteil wird. Zum Schluss wird eine begründete Neufassung des sozialwissenschaftlichen Leitbildansatzes vorgenommen. (ICG2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
115
[218-L] Gill, Bernhard:
Über Whitehead und Mead zur Akteur-Netzwerk-Theorie: die Überwindung des Dualismus
von Geist und Materie - und der Preis, der dafür zu zahlen ist, in: Georg Kneer, Markus
Schroer, Erhard Schüttpelz (Hrsg.): Bruno Latours Kollektive : Kontroversen zur Entgrenzung des
Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 47-75, ISBN: 978-3-518-29462-8
INHALT: Heute versuchen Bruno Latour, Donna Haraway, Isabelle Stengers und die AkteurNetzwerk-Theorie (ANT) insgesamt, den pragmatischen Perspektivismus mit Bezug auf
Whitehead auch im Hinblick auf die unbeseelte Welt plausibel zu machen und damit eine
symmetrische Position zwischen Natur und Gesellschaft einzunehmen. Bisher war diesem
Ansatz wenig Resonanz beschieden: In den Naturwissenschaften stößt die Akteur-NetzwerkTheorie häufig auf Ablehnung, da einerseits der voraussetzungsvollen Grundidee des Perspektivismus, andererseits der Infragestellung der "Gesetzeswissenschaft" und damit des Bacon'schen und Newton'schen Projekts der instrumentellen Weltbeherrschung eine Absage erteilt wird. Auch die Aufnahme der Akteur-Netzwerk-Theorie in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist verhalten geblieben, weil zum einen der Perspektivismus als solcher dort
nichts Neues darstellt und zum anderen der Sinn seiner Anwendung im Hinblick auf die unbeseelte Welt bisher nicht recht klar geworden ist. Der vorliegende Beitrag zeigt durch einen
Vergleich von Latours Theorie mit Whitehead und Mead, dass die Überwindung des Dualismus von Geist und Materie nur um den Preis des Verzichts auf instrumentelles Gesetzeswissen und normative Generalisierung zu gewinnen ist. (ICA2)
[219-L] Groenemeyer, Axel:
Institutionen der Normativität, in: Axel Groenemeyer, Silvia Wieseler (Hrsg.): Soziologie
sozialer Probleme und sozialer Kontrolle : Realitäten, Repräsentationen und Politik, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 70-97, ISBN: 978-3-531-15749-8
INHALT: "Abweichendes Verhalten" hat in der Soziologie seit den 1970er Jahren an Reputation
eingebüßt. Der Verfasser verfolgt angesichts dieser Diagnose das Ziel, "abweichendes Verhalten" als soziologisch relevantes Konzept der Gesellschaftsanalyse weiterzuentwickeln.
Dazu werden die Geschichte der Normativität in der Soziologie nachgezeichnet und alternative Begrifflichkeiten wie "Risikoverhalten" und "antisoziales Verhalten" bedacht. Nach Ansicht des Verfassers muss eine soziologische Analyse abweichenden Verhaltens ihren Ausgangspunkt in der mit dem Konzept verbundenen zentralen Idee finden, die darin besteht, verschiedene Ausprägungen und Formen abweichenden Verhaltens unter einem konzeptionellen
Begriff zu vereinen. Hierfür ist der Bezug zu einer sozialen Ordnung erforderlich. Der Verfasser schlägt vor, abweichendes Verhalten als gesellschaftliche Institution zu verstehen, die
sich in verschiedenen Formen der routinisierten Interpretation, Zuschreibung und Kontrolle
unerwünschter und störender Verhaltensformen entwickelt hat. Er entwickelt ein entsprechendes Analyseraster, mit dem Hypothesen über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Entwicklung und Formen der Konstruktion abweichenden Verhaltens formuliert werden können.
(ICE2)
[220-F] Häfer, Wolfram (Bearbeitung); Tacke, Veronika, Prof.Dr. (Leitung):
Theorien der Weltgesellschaft und ihre Anschlussfähigkeit an den Wandel von Organisation
116
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
INHALT: Mit dem Thema Weltgesellschaft beschäftigt sich die Soziologie seit nunmehr 30 Jahren. An dem zunächst vergleichsweise begrenzten Interesse hat sich erst im Zuge einer nicht
mehr zu übersehenden Globalisierung etwas geändert. Theorien der Weltgesellschaft wurden
zum einen jedoch selten vergleichend reflektiert, auch wurde der Zusammenhang von Weltgesellschaft und dem Wandel von Organisation kaum untersucht. Forschungsfrage: Wie konzeptualisieren verschiedene Theorien der Weltgesellschaft ihren Gegenstand und wie reflektieren sie in diesem Zusammenhang Organisationen als besondere Sozialsysteme und ihren
Wandel in der Weltgesellschaft? Gegenstand des Projekts sind die drei prominentesten Weltgesellschaftstheorien: 1. World-Polity-Ansatz; 2. systemtheoretische Steuerungstheorie; 3.
Konstruktivistische Systemtheorie. Betrachtet werden diese Theorien daraufhin, ob bzw. wie
sie konstitutive Gesellschaftsformation "von oben" (Hierarchie/ Kontrolle) bzw. emergente
Systembildung "von unten" (Autonomie) beschreiben und inwiefern die Konzepte von Organisationen und ihrem Wandel anschlussfähig sind. Voraussichtliche Ergebnisse: Organisationen in der Weltgesellschaft werden im World-Polity-Ansatz hauptsächlich durch ihre Homogenisierung im Rahmen der Weltkultur beschrieben. Dies geschieht auf formaler Ebene. Was
jedoch neben Lippenbekenntnissen auf informaler bzw. operativer Ebene passiert ist ein blinder Fleck der Theorie. In der systemtheoretischen Steuerungstheorie werden Organisationen
zwar auch als selbstreferentielle Systeme charakterisiert, jedoch werden im Zuge der voranschreitenden Globalisierung Anforderungen an die Organisationen aus der Umwelt (Weltgesellschaft) an die Organisationen herangetragen, welche dann für intelligente Problembewältigung und interne Strukturänderung notwendig reflektiert werden muss. Weltgesellschaft produziert somit einen Anpassungsdruck, dem die Organisationen auf operativer und reflexiver
Ebene gerecht werden müssen. Im systemtheoretischen Konzept von Organisationen wird
trotz umfassender Weltgesellschaft von der Selbstreferentialität von Organisation ausgegangen. Wandel kann sich daher auch nur durch die Organisationen selbst vollziehen. Wie ihre
Umwelt wahrgenommen wird, hängt einzig und allein von innersystemischen Prozessen ab
und kann also nicht auf Strukturanforderungen der Umwelt reduziert werden.
METHODE: Theoriebezogene Arbeitshypothesen: Während Organisationen im World-PolityAnsatz vor allem Produkt einer isomorphen weltkulturellen Diffusion sind, passen sie sich
dem Ansatz der Steuerungstheorie zufolge vor allem an globale Entwicklungen an. Die Systemtheorie betont dagegen emergente Systembildung, die für Organisationen wie für globale
Funktionssysteme Autonomie und Selbstreferenzialität betont. Weiterhin werden im WorldPolity-Ansatz weltweite Homogenisierungen betont. In der Steuerungstheorie wird hingegen
von einer weitergehenden Differenzierung der Weltgesellschaft ausgegangen, jedoch wird die
Genese globaler Steuerungsregime außerhalb der funktional differenzierten angenommen,
welche eine Steuerung mit Hilfe einer wissensbasierten Expertise gewährleisten soll. Wissensbasierung ist also als ein Funktionssystemübergreifender Code zu verstehen. In der Systemtheorie ist Weltgesellschaft als funktional differenzierte Gesellschaft zu verstehen, die
z.B. also auch auf Ebene nationaler Politik als Weltgesellschaft zu begreifen ist, da die nationale Beschränkung von Politik zum einen nur als Auswahl aus einem weltweit möglichem
Horizont begriffen werden kann und praktisch immer über die Grenzen der Nation hinausgehen. Organisationen sind hier trotz räumlicher Überschneidungen mit Funktions- und auch Interaktionssystemen als emergente Systeme zu begreifen, die ihre Entscheidungen selbstreferentiell und autonom treffen und zur gleichen Zeit neben anderen Systemen bestehen.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, Institut für Weltgesellschaft Graduiertenkolleg 844 "Weltgesellschaft - die Herstellung und Repräsentation von Globalität"
(Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
117
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[221-L] Hettlage, Robert:
Alle Rahmen krachen in den Fugen: erkenntnistheoretische und soziologische Perspektiven
bei Erving Goffman, in: Klaus-Dieter Altmeppen, Thomas Hanitzsch, Carsten Schlüter (Hrsg.):
Journalismustheorie: next Generation : soziologische Grundlegung und theoretische Innovation,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 305-326, ISBN: 978-3-531-14213-5 (Standort:
USB Köln(38)-34A6377)
INHALT: Bei der Darstellung der soziologischen Position von Erving Goffman wird darauf hingewiesen, dass es sich um einen Ansatz im Umkreis der interpretativen Soziologie handelt.
Ihr zufolge haben gesellschaftliche Phänomene nur als symbolische Ausdrucksformen von
Sinn einen Zusammenhang mit dem Handeln. Aufgabe der Soziologie ist es, diese Bedeutungen zu verstehen. In Bezug auf die Sicherheit im Alltagshandeln ist festzustellen, dass die Bezugsrahmen ständig aus ihren Fugen geraten und bersten oder brechen können. Goffmans Mikrosoziologie beinhaltet Erweiterungsmöglichkeiten, die auf die Meso- und Makroebene zielen. (GB)
[222-F] Higgins, E. Tory, Prof.; Levine, John M., Prof.; Clark, Anna E., Dr. (Bearbeitung); Echterhoff, Gerald, Dr.; Kopietz, René (Leitung):
Prozesse und Effekte adressatenorientierter Kommunikation: soziale Realitätsbildung mit
Eigen- und Fremdgruppenangehörigen
INHALT: Die adressatenorientierte Kommunikation (aoK), d.h. die Anpassung von Mitteilungen
an die Adressateneinstellung zu einem Gegenstand, kann die mentalen Repräsentationen des
Senders von diesem Gegenstand beeinflussen. Durch eine erfolgreiche Umsetzung des Arbeitsprogramms konnten in der ersten Förderphase die zuvor kaum bekannten Mechanismen
erhellt werden, die dieser subtilen und vergleichsweise wenig erforschten Art der Gedächtnisverzerrung zugrunde liegen. Die Befunde zeigen, dass die Gedächtnisbeeinflussung durch
aoK in dem Maße auftritt, in dem die Sender mit ihren Adressaten eine gemeinsame soziale
Realität über den Kommunikationsgegenstand bilden (Echterhoff, Higgins & Groll, 2005;
Echterhoff, Higgins, Kopietz & Groll, in press; Higgins, Echterhoff, Crespillo, & Kopietz, in
press). Mögliche Alternativerklärungen, die den Effekt auf basale Gedächtnisprozesse (z.B.
Zugänglichkeit der aoK, Quellendiskrimination) zurückführen, sind offenbar nicht hinreichend. Nachdem die erste Projektphase klare Antworten auf die im Neuantrag gestellten Fragen geliefert hat und produktiv abgeschlossen wurde, soll der bisher verfolgte Ansatz in einem Bereich vertieft werden, der aus wissenschaftlicher und gesellschaftspolitischer Sicht besonders bedeutsam ist: aoK und soziale Realitätsbildung zwischen Angehörigen verschiedener Gruppen, insbesondere gesellschaftlicher Mehrheiten und Minderheiten. Zunächst sollen
in den Experimenten 1 bis 3 die Verarbeitungsprozesse während der aoK mit Eigen- vs.
Fremdgruppenadressaten (aoK deutscher Sender mit deutschem vs. türkischem Adressaten)
verglichen werden. Dabei wird die Hypothese geprüft, dass aoK mit einem Fremdgruppenadressaten in einem größeren Maß durch eine Wahrung sozialer Normen des vorurteilsfreien
Verhaltens als durch soziale Realitätsbildung motiviert ist und daher eine erhöhte kognitive
Kontrolle erfordert. Dazu werden die Ressourcen zur kognitiven Kontrolle (Experiment 1)
und das Kontrollbedürfnis variiert (Experimente 2 und 3) sowie die parallel zur aoK verfüg-
118
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
baren kognitiven Ressourcen erfasst (Experiment 3). In den Experimenten 4 bis 7 sollen Faktoren der Kommunikation untersucht werden, die dazu beitragen können, dass Sender eine
verstärkte soziale Realitätsbildung mit Fremdgruppenadressaten erleben und daher die adressatenorientierte Sichtweise eher in ihre eigenen Repräsentationen des Gesprächsgegenstands
übernehmen. Ausgehend von Vorarbeiten werden folgende Faktoren variiert: die bereichsspezifische epistemische Autorität des Fremdgruppenadressaten (Experiment 4), der wiederholte
Kommunikationserfolg (Experiment 5) sowie die Direktheit des Adressatenfeedbacks zum
Kommunikationserfolg (Experiment 6). In Experiment 7 wird der Transfer der wirksamsten
dieser Interventionen auf aoK mit einem anderen Fremdgruppenadressaten untersucht. Das
Projekt hat sowohl grundlagenwissenschaftliche als auch praktische und gesellschaftspolitische Relevanz, u.a. für ein besseres Verständnis und eine Förderung von interkultureller
Kommunikation.
ART: BEGINN: 2007-11 ENDE: 2009-10 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung
Psychologie Arbeitseinheit 05 Sozialpsychologie (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Echterhoff, Gerald (Dr. Tel. 0521-106-4451,
e-mail: [email protected]); Kopietz, René (Tel. 0521-106-4440,
e-mail: [email protected])
[223-L] Jäckel, Michael:
"...dass man nichts zu wählen hat": die Kontroverse um den Homo Oeconomicus, in: KlausDieter Altmeppen, Thomas Hanitzsch, Carsten Schlüter (Hrsg.): Journalismustheorie: next
Generation : soziologische Grundlegung und theoretische Innovation, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss., 2007, S. 71-95, ISBN: 978-3-531-14213-5 (Standort: USB Köln(38)-34A6377)
INHALT: Der Beitrag geht davon aus, dass bei der Erklärung von sozialem Handeln die Logik
der Situation im Hinblick auf den homo oeconomicus mitbedacht werden muss. Ein situationsabhängiges Entscheidungsmodell muss die Definition und Wahrnehmung der Situation
und die Beurteilung der Folgekosten berücksichtigen. Es gibt keinen Grund, die ökonomische
Erklärung auf den engen Bereich des Wirtschaftslebens zu beschränken. (GB)
[224-L] Kneer, Georg:
Hybridizität, zirkulierende Referenz, Amoderne?: eine Kritik an Bruno Latours Soziologie
der Assoziation, in: Georg Kneer, Markus Schroer, Erhard Schüttpelz (Hrsg.): Bruno Latours
Kollektive : Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S.
261-305, ISBN: 978-3-518-29462-8
INHALT: Bruno Latours "Soziologie der Assoziationen" erweitert den Akteursbegriff; Handlungsfähigkeit wird nicht allein Menschen, sondern ebenso nicht-menschlichen Wesen, also
auch Tieren und Pflanzen, artifiziellen und natürlichen Dingen zugesprochen. Überhaupt gelten Soziales und Natur nicht länger als getrennte Welten. In assoziativen Ordnungen verbinden sich menschliche und nichtmenschliche Wesen zu eigenartigen Mischwesen, zu Hybriden
oder Quasi-Objekten. Daraus folgt, dass es sich bei der "Soziologie der Assoziationen" um
eine "Soziologie ohne Gesellschaft" handelt. Parallel zur Verabschiedung des Gesellschaftsbegriffs erfolgt die Zurückweisung einer weiteren Vorstellung, die seit den Anfängen einer
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
119
Soziologie des Sozialen zu einem Kernbestandteil des Fachs gehört: es entfällt das Theorem
einer sozialen bzw. funktionalen Differenzierung. Wissenschaft und Politik, Wirtschaft und
Recht, Kunst und Massenmedien stellen sich aus einer assoziationstheoretischen Perspektive
nicht länger als getrennte Einheiten dar. Die weitreichenden Schlussfolgerungen, die Latour
vornimmt, basieren für den Autor auf voreiligen Generalisierungen, diffus bleibenden Annahmen und einer vagen Begrifflichkeit. Die Mängel und Ungenauigkeiten seines assoziationstheoretischen Ansatzes werden durch den Rückgriff auf eine radikal-politische Terminologie
nicht beseitigt, sondern nur vordergründig kaschiert. Die Argumentation wird in mehreren
Schritten entwickelt. Den Ausgangspunkt bildet eine Diskussion von Latours Diagnose unseres gegenwärtigen Zeitalters, also seine Kritik der Moderne. Im Anschluss wird näher auf drei
Theoriefiguren Latours eingegangen, die er gegen die "modernen" Dichotomien ins Feld
führt; zunächst auf seine Akteur-Netzwerk-Theorie, danach auf seinen Begriffsvorschlag einer zirkulierenden Referenz und schließlich auf seinen Ansatz der Kollektive. (ICA2)
[225-L] Kroneberg, Clemens; Stocké, Volker; Yaish, Meir:
Norms or rationality?: the rescue of Jews, electoral participation, and educational decisions,
(Discussion Paper / Universität Mannheim, SFB 504 Rationalitätskonzepte,
Entscheidungsverhalten und ökonomische Modellierung, No. 06-09), Mannheim 2006, 42 S.
(Graue Literatur; www.sfb504.uni-mannheim.de/publications/dp06-09.pdf)
INHALT: "In sociology it has been much debated whether the normativist-culturalist or the rational choice perspective better explains social phenomena. Since each has received considerable empirical support, an integrated account of norms and rationality is much needed. The
Model of Frame Selection offers such an integration. In this model, cost-benefit calculus is
replaced by unconditional norm conformity if norms are strongly internalized. We test this
proposition in three fields of application: the rescue of Jews in WWII, electoral participation,
and the decision among secondary school tracks. In line with the predictions of the Model of
Frame Selection we find that strong helping norms, intense norms of civic duty, and high educational aspirations lead actors to disregard the risk of helping Jews, the incentive to express
political preferences, and the prospects to complete school tracks." (author's abstract)
[226-L] Lindenberg, Siegwart:
Social norms: what happens when they become more abstract?, in: Andreas Diekmann, Klaus
Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische Analysen und
empirische Resultate : Festschrift für Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss., 2008, S. 63-81, ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: "The upshot of the paper is that there is a two-step process involved in the way social
norms influence behaviour. The first step consists of an overriding goal 'to act appropriately'.
This goal creates selective cognitive processes, called a 'goal-frame'. However, the goal-frame
does not specify what action is appropriate. The answer to this question is governed by a
mental model on descriptive and normative expectations in a given situation (second step).
Social norms in the mental model can be more abstract or quite concrete. If they are concrete,
then the first and second step seem to blend into one. But if the norm is abstract, then the individual still has to go through the effort of finding ways in which the abstract social norm can
be applied to a given situation. The important point here is that by decomposing the process,
120
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
it becomes clear that people can act normatively (goal-frame) and still have much discretion
about their own behaviour when the norms in the mental model are abstract. When norms become more abstract, the individual needs good reasons to translate an abstract norm into one
or another concrete course of action." (author's abstract)
[227-L] Mayerl, Jochen:
Kognitive Grundlagen sozialen Verhaltens: theoretische und statistische Analysen zur
Modellierung von Einstellungs-Verhaltens-Beziehungen, Stuttgart 2008, 414 S. (Graue
Literatur;
deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=989192229&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=9891922
29.pdf)
INHALT: "Die Erklärung sozialen Verhaltens nimmt in den Sozialwissenschaften eine zentrale
Stellung ein. Als wichtigste Erklärungsansätze sind einerseits die Einstellungs-VerhaltensForschung mit der Unterscheidung eines spontanen und überlegten Informationsverarbeitungsmodus zu nennen, und andererseits die moderne Rational Choice Theorie als dominierende Handlungstheorie mit dem Versuch der Berücksichtigung von spontanen Handlungen
mittels Framing-Modellen. Das Ziel der Dissertation ist die Entwicklung eines integrativen
Framing-Modells, welches die theoretischen und empirischen Vorzüge von Einstellungs-Verhaltens-Modellen und der Rational Choice Theorie nach Maßgabe höchst möglicher Kompatibilität vereint. Basis hierfür bilden das wert-erwartungstheoretische Modell der Frame-Selektion (MdFS) sowie ein entwickeltes generisches duales Prozessmodell der EinstellungsVerhaltens-Beziehung. Die sich hieraus ergebenden zentralen theoretischen Annahmen werden einem empirisch-statistischen Test unterzogen. Zu diesem Zweck werden bereits existierende Ansätze der Einstellungs-Verhaltens- sowie der Rational Choice Theorie nach wissenschafts- und sozialtheoretischen Kriterien rekonstruiert, analysiert und kritisch beleuchtet. Als
Ergebnis der Rekonstruktion zentraler dualer Prozessmodelle der Einstellungs-VerhaltensForschung wird erstens ein generisches duales Prozessmodell der Einstellungs-VerhaltensBeziehung als Konsensmodell entwickelt. Dieses generische Prozessmodell wird zweitens
den Framing-Ansätzen der Rational Choice Theorie gegenübergestellt. Hierbei zeigt sich,
dass das MdFS im Unterschied zur Prospect Theory und dem Diskriminationsmodell den
höchsten Grad an Anschlussfähigkeit für die Annahmen des generischen dualen Prozessmodells bietet. Für das MdFS muss dennoch eine eingeschränkte Kompatibilität mit dem generischen dualen Prozessmodell konstatiert werden, denn das MdFS sieht keine bewusste ExitOption aus dem automatischen Prozessieren bei hohen erwarteten Konsequenzkosten und
ausreichend Möglichkeit zum überlegten Prozessieren unabhängig von der Höhe des Match
(d.h. der Einstellungszugänglichkeit) vor. Daher wird das sog. MdFSE ('Modell der FrameSelektion mit Exit-Option aus dem automatisch-spontanen Modus') als eine modifizierte und
mit dem generischen dualen Prozessmodell kompatible MdFS-Variante vorgeschlagen, wodurch Erkenntnisse der Einstellungs-Verhaltens-Forschung adäquater berücksichtigt werden
können. Darüber hinaus wird das MdFS ausgehend von einzelnen Kritikpunkten weiter modifiziert, insbesondere bezüglich der Formalisierung des Mechanismus der spontanen FrameSelektion. Aus dem generischen dualen Prozessmodell und den MdFS-Varianten werden Hypothesen abgeleitet, die das Verhältnis von Einstellungen, Verhaltensintentionen und tatsächlichem Verhalten betreffen. Der empirisch-statistische Test wird anhand des Gegenstandsbereichs des Spendens von Geld an soziale Hilfsorganisationen durchgeführt. Hierzu werden
Daten einer deutschlandweiten CATI-Studie mit 2002 Befragten in zwei Erhebungswellen
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
121
aus dem Jahr 2005 verwendet. Die Messung von Antwortlatenzzeiten ermöglicht dabei die
Operationalisierung des Modus der Informationsverarbeitung bei der Beantwortung von Surveyfragen. Als Ergebnis können die Theoreme des generischen dualen Prozessmodells empirisch bestätigt werden. Demnach sind Einstellungen gegenüber Verhaltensintentionen sowie
anderen Bilanzurteilen bei spontanem Prozessieren und hoher chronischer Zugänglichkeit
prädiktiver als bei spontanem Prozessieren mit niedriger Zugänglichkeit und prädiktiver als
im überlegten Informationsverarbeitungsmodus." (Autorenreferat)
[228-L] McLeish, Kendra N.; Oxoby, Robert J.:
Social interactions and the salience of social identity, (Discussion Paper / Forschungsinstitut
zur Zukunft der Arbeit GmbH, No. 3554), Bonn 2008, 20 S. (Graue Literatur;
ftp.iza.org/dp3554.pdf)
INHALT: "In this paper, we explore the effect of identity salience on behavior in a simple social
interaction. Specifically, we compare behavior in a ultimatum game across three treatments:
priming subjects with a shared identity, priming subjects with an identity distinct from those
with whom they will interact, and priming subjects with no particular identity. We find that
subjects are most cooperative in the identity-priming treatment and least cooperative in the
distinctiveness-priming treatment. Similarly, subjects reveal the highest demands in the identity-priming treatment and the lowest demands in the distinctiveness-priming treatment. We
discuss the implications of these results with respect to literature on organizational identity."
(author's abstract)
[229-L] Nicklas, Hans:
Interaktion und Kommunikation in plurikulturellen Gesellschaften, in: Hans Nicklas,
Burkhard Müller, Hagen Kordes (Hrsg.): Interkulturell denken und handeln : theoretische
Grundlagen und gesellschaftliche Praxis, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2006, S. 121-130,
ISBN: 978-3-38020-9 (Standort: UB Bonn(5)-2006/4973)
INHALT: Der Autor erörtert den Begriff Kultur, wie er in Formulierungen wie "plurikulturelle"
oder "multikulturelle Gesellschaft" verwendet wird. Werte und Normen einer Gesellschaft
sind die Basis der kulturellen Gemeinsamkeit von Menschen. Aus ihnen folgen die Regeln
der Handlungsorientierung, Interaktion und Kommunikation sowie der Selbstvergewisserung
der Angehörigen einer Kultur. Diese Regeln sind kulturspezifisch, sie sind als Kulturstandards in der jeweiligen Kultur wirksam. Vor diesem allgemeinen Hintergrund zeigt der Autor,
dass es jedoch keine vollständige Kohärenz eines kulturellen Normensystems gibt. In jeder
Gesellschaft sind starke kulturelle Unterschiede sowohl horizontal (also zwischen den verschiedenen Regionen), als auch vertikal (also zwischen den verschiedenen Klassen, Schichten
und Subkulturen) vorhanden. Die Unterschiede in einer Gesellschaft können größer sein als
die zwischen verschiedenen Kulturen. Die meisten Menschen in modernen Gesellschaften gehören mehreren Sonderkulturen an und besitzen eine (freilich individuell unterschiedliche)
Handlungsfähigkeit zum "umschalten" von einem Normensystem zum anderen. Diese Normenflexibilität wird in modernen, mobilen Gesellschaft gefördert, während sie in traditionalen Gesellschaften kaum gebraucht wird und deshalb auch in geringerem Maße vorhanden ist.
Diese Fähigkeit ist das Ergebnis von Lernprozessen, sie ist für eine multikulturelle Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. (ICA2)
122
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
[230-L] Nida-Rümelin, Julian:
Why rational deontological action optimizes subjective value, in: Protosociology : an
international journal of interdisciplinary research, Vol. 21/2005, S. 182-193 (Standort: USB
Köln(38)-XG07319; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.protosociology.de/Volumes/Volume21.html)
INHALT: "In present day philosophy there are two competing views regarding practical rationality: (1) decision and game theory and economic theory have developed a theory of rational decision which has proven to be fruitful in many areas of social science. Practical philosophy
should work with that paradigm (2) economic theory and decision theory do not have an adequate account of practical rationality. The homo oeconomicus model is - at best - one perspective which competes inter alia with philosophical accounts of practical reason. In this article the author tries to show that these two seemingly opposing views are in fact compatible.
The author argues that consequentialism is an inadequate account of rationality because rational action is deontological in character. Nevertheless the decision theoretic conceptual frame
should not be given up. Deontology and decision theory can be made compatible via comprehensive description of action. The conceptual frame of decision theory should be interpreted
as coherentist, not consequentialist. With this intertretation deontological action, if rational,
maximizes subjective value." (author's abstract)
[231-L] Raub, Werner:
The attenuation of customs: a game-theoretic perspective, in: Andreas Diekmann, Klaus
Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische Analysen und
empirische Resultate : Festschrift für Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss., 2008, S. 55-62, ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: "We wish to show that the assumption of expected utility maximization in a parametric
decision situation is problematic in analyses of social norms and individual compliance or
non-compliance, that the assumption of strategic rationality in interdependent situations is
theoretically more appealing, and that the assumption of strategic rationality allows to generate more systematically one of Opp's hypotheses on social-structural conditions for compliance
and non-compliance. Our example is Opp's analysis of the attenuation of customs" (author's
abstract)
[232-L] Riordan, Patrick (Hrsg.):
Values in public life: aspects of common goods, (Studies in Religion, Ethics and Public Life,
Vol. 1), Berlin: Lit Verl. 2007, V, 205 S., ISBN: 978-3-8258-0552-4 (Standort: RWTH
Aachen(82)-Ae/1571/-1)
INHALT: "The unifying theme of the papers in this volume is the human good, analyzed from the
perspectives of different disciplines. Their guiding intuition is that the topic of the human
good is neglected. They draw attention to values which are present and operative in public
life, and attempt to strengthen the intellectual resources available for talking about them. The
disciplines of theology, philosophy, politics, sociology, economics and aesthetics are engaged
in a conversation about a shared concern and strengthen the literacy for appreciating the values which are aspects of our common goods." (author's abstract). Contents: Emile Perreau-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
123
Saussine: What remains of socialism (11-34); Patrick Riordan SJ: Solidarity in fulfilment: A
vision for politics? (35-52); Irene van Staveren, Peter Knorringa: Social capital and social
economics (53-76); Timothy Chappell: Understanding human goods (77-96); Yves de Maeseneer: The baroque in Manchester? Consumption and security as operative values in the public
space (97-120); James Hanvey SJ: Other than stranger (121-142); Tim Livesey: Honesty in
public life (143-156); James Sweeney CP: Values in living: Changes and continuities (157172); Catherine Cowley: Public goods and economic risk (173-188); James G. Murphy SJ:
The discipline of economics and the search for value (189-205).
[233-F] Schaarschmidt, Sophie (Bearbeitung); Josephs, Ingrid E., Prof.Dr. (Betreuung):
Barrieren in der Interaktion zwischen israelischen und palästinensischen Jugendlichen.
Zum Einfluss von Stolz, Scham, Schuld und Demütigung
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Psychologie Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters (58084 Hagen)
KONTAKT: Betreuerin (e-mail: [email protected], Tel. 02331-987-4781,
Fax: 0233-1987-4591)
[234-L] Schimank, Uwe:
Handeln in Konstellationen: die reflexive Konstitution von handelndem Zusammenwirken
und sozialen Strukturen, in: Klaus-Dieter Altmeppen, Thomas Hanitzsch, Carsten Schlüter
(Hrsg.): Journalismustheorie: next Generation : soziologische Grundlegung und theoretische
Innovation, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 121-137, ISBN: 978-3-531-14213-5
(Standort: USB Köln(38)-34A6377)
INHALT: Es wird eine soziologische Theorieperspektive vorgestellt, die akteurtheoretisch fundiert ist und gesellschaftliche Phänomene differenzierungstheoretisch erfasst. Analysegegenstand ist die wechselseitige Konstitution von handelndem Zusammenwirken und sozialen
Strukturen. Die Perspektive wird in einer Serie von Leitsätzen präsentiert, die verdeutlichen
sollen, worin die Fragerichtung dieser Art von Soziologie besteht. (GB)
[235-F] Schleim, Stephan, M.A.; Dießel, Martin, Dipl.-Psych (Bearbeitung); Walter, Henrik,
Prof.Dr.med.Dr.phil. (Leitung):
Emotionen und Soziale Interaktion in einer Neurobiologie der Moral (Teilprojekt im Rahmen des Gesamtprojekts "animal emotionale - Emotionen als 'Missing Link' zwischen Erkennen und Handeln")
INHALT: Nach der so genannten "kognitiven Revolution" in der Psychologie der 1960er Jahre
gibt es inzwischen eine "emotionale Wende", welche auch die Untersuchungen der Moralpsychologie und der Neurowissenschaften generell erfasst hat. Diese Perspektive auf gedankliche
Prozesse hat auch der jungen Erforschung moralischer Wahrnehmung und Entscheidung mit
den Methoden der bildgebenden Hirnforschung Aufwind gegeben. Die frühen Untersuchungen Anfang der 2000er Jahre, bei denen Versuchspersonen moralische Probleme lösten oder
124
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
einfach nur Bilder mit moralischen Sachverhalten betrachteten, fanden vor allem eine starke
Aktivierung in Hirnbereichen, die mit der Verarbeitung emotionaler Informationen in Zusammenhang gebracht werden. Man spricht inzwischen gar schon von einem "Moralnetzwerk" im
Gehirn, welches Bereiche umfasst, die generell bei sozialer Kognition eine wichtige Rolle zu
spielen scheinen. Dabei ist es einerseits nicht überraschend, dass moralische Sachverhalte
Emotionen erzeugen, andererseits noch nicht klar, was das spezifische der Moral ist und die
gefundenen Hirnaktivierungen hervorruft. Dieser Frage gehen die Forscher in dem Teilprojekt nach. Auch im Bereich der Untersuchung sozialer Interaktionen knüpft die Arbeit an Pionierarbeiten der letzten Jahre an, welche die neurobiologischen Grundlagen kooperativen
Verhaltens, zwischenmenschlichen Vertrauens und gegenseitiger Bestrafung zu ergründen
suchten. Wahrnehmung und Verarbeitung sozialer Kontrolle einerseits und Vertrauen andererseits thematisieren sie in der Fragestellung, wie Menschen sozialen Einfluss (z.B. Zwang
vs. Freiheit) erleben und ausüben. Weitere Informationen unter: www.animal-emotionale.de .
ART: BEGINN: 2005-10 ENDE: 2009-05 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER:
Volkswagen Stiftung
INSTITUTION: Universität Bonn, Medizinische Fakultät, Zentrum für Nervenheilkunde Klinik
und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0228-287-19123, Fax: 0228-287-19125,
e-mail: [email protected])
[236-L] Schulz-Schaeffer, Ingo:
Zugeschriebene Handlungen: ein Beitrag zur Theorie sozialen Handelns, Weilerswist:
Velbrück Wissenschaft 2007, 558 S., ISBN: 978-3-938808-37-5
INHALT: "In diesem Band geht es darum, Handlungszuschreibung als integralen Aspekt der
Theorie sozialen Handelns zu etablieren. Denn im sozialen Handeln wird die Einheit der
Handlung nicht allein durch den subjektiven Handlungssinn des Akteurs und sein daran orientiertes Verhalten hergestellt, sondern ebenso durch die Zuschreibung von Handlungssinn
und durch die Zuschreibung von Verhaltensweisen und Verhaltensfolgen als Bestandteilen
des Handlungsvollzugs. Die Bausteine für die Theorie der Handlungszuschreibung werden in
Auseinandersetzung mit George Herbert Meads Sozialbehaviorismus, der voluntaristischen
Handlungstheorie Talcott Parsons', der Handlungstheorie der phänomenologischen Soziologie
(Alfred Schütz, Thomas Luckmann) und den Handlungstheorien des Modells der erklärenden
Soziologie (James Coleman, Hartmut Esser) gewonnen. Entscheidende Aspekte werden darüber hinaus von der analytischen Handlungsphilosophie und der sozialpsychologischen Attributionsforschung beigesteuert. Die Haltbarkeit und empirische Relevanz der Konzeption wird
an zwei Kontrastfällen überprüft: Handlungszuschreibung im common sense des Alltags und
Handlungszuschreibung in den Rechtsprinzipien des Strafrechts. Den Abschluss der Arbeit
bildet ein Teil, der sich gleichsam dem hardest possible case der Handlungszuschreibung zuwendet: der Handlungszuschreibung von Aktivitäten, die von technischen Geräten und insbesondere von 'intelligenter' Technik ausgeführt werden." (Autorenreferat)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
125
[237-L] Schwenk, Gero:
Structured dynamics: methodology and applications of models of social interaction, Gießen
2008, 148 S. (Graue Literatur;
deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=988321556&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=9883215
56.pdf)
INHALT: "Menschliches Verhalten geschieht immer vor dem Hintergrund eines sozialen Mikrokontexts. Da eine Intervention im Rahmen dieses Mikrokontextes aus der Sicht des handelnden Individuums nur eine Einflussquelle unter vielen darstellt, ist davon auszugehen, dass der
Effekt der Intervention durch den Mikrokontext bedingt wird. Diese Dissertation beschäftigt
sich mit dem Verständnis und der Modellierung der Interaktion von Individuum und lokaler
Umwelt. Als kumulative Dissertation besteht sie aus vier Aufsätzen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinken beleuchten. Der erste Abschnitt betrachtet das Thema aus einer philosophisch-begrifflichen Perspektive. Konkret behandelt er die Frage nach dem ontologischen
Status von ebenenübergreifenden (Kollektiv und Individuum verbindenden) Hypothesen. Vor
diesem Hintergrund werden Vorschläge für die Forschungspraxis hergeleitet. Der zweite Abschnitt diskutiert verschiedene Inferenzmethoden im Rahmen der Anwendung der bereits gemachten Vorschläge. Behandelte Methoden sind Multiagentenmodelle, regelungstechnische
Modelle und probabilistische graphische Modelle, weiterhin wird ein Fallbeispiel diskutiert.
Der dritte Abschnitt behandelt ein Multiagentenmodell sozialen Einflusses, welches auf kognitionspsychologischen Annahmen beruht. Ein wichtiges Ergebnis ist die Abhängigkeit des
kollektiven Outcomes von der 'Hierarchiegläubigkeit' der Agenten. Der vierte und letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der Messung von sozialem Einfluss mit IRT-Methoden und
schlägt ein entsprechendes Messinstrument vor. Theoretische Grundlage ist hierbei eine
Mehrprozesstheorie sozialen Einflusses." (Autorenreferat)
[238-F] Smeets, Tom, Dr. (Leitung):
Social cognition under stress: towards a better understanding of the neuroendocrine mechanisms modulating social interactions (NWO-Rubicon project)
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bochum, Fak. für Psychologie, Arbeitseinheit Kognitionspsychologie (44780 Bochum)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0234-32-29234,
e-mail: [email protected] o. [email protected])
[239-F] Spranz-Fogasy, Thomas, Prof.Dr.phil.; Reitemeier, Ulrich, Dr.; Schmitt, Reinhold,
Dr.sc.hum. (Bearbeitung); Deppermann, Arnulf, Prof.Dr.phil. (Leitung):
Sprachlich-kommunikative Verfahren der Dokumentation von Verstehen in der verbalen
Interaktion
INHALT: Wie zeigen Gesprächsteilnehmer einander, ob und wie sie ihre Partner verstanden haben? Mit welchen sprachlich-kommunikativen Verfahren erreichen sie ein gemeinsames Verständnis? Dient die Thematisierung von Verstehen im Gespräch wirklich nur zur Klärung von
Verstehensproblemen? In welchem Verhältnis stehen Fragen der Verständigung zu den Hand-
126
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
lungsaufgaben und dem sozialen Kontext des Gesprächs? Das Projekt untersucht die sprachlich-kommunikativen Verfahren, mit denen Gesprächsteilnehmer einander in der verbalen Interaktion anzeigen, wie sie Beiträge ihrer Gesprächspartner verstehen und wie ihre eigenen
Äußerungen verstanden werden sollen. Das Projekt will am Beispiel der Untersuchung von
"Verstehen in der verbalen Interaktion" einen Beitrag zur Klärung des Zusammenhangs von
Sprachstruktur (sprachliche Konstruktionen), Interaktionsstruktur (kommunikative Aufgaben
und interaktive Organisationsformen) und Sozialstruktur (institutionelle Strukturen und Identitäten) leisten. Dabei wird gefragt, wie sich 'Verstehen' in beobachtbaren Aktivitäten manifestiert und damit als zentrales Konzept einer Theorie der verbalen Interaktion erforscht und
konzeptualisiert werden kann. Vier Teilprojekte widmen sich der gesamten Spannweite von
sprachlich-kommunikativen Verfahren, mit denen Verstehen in der verbalen Interaktion dokumentiert wird: 1. sprachliche Konstruktionen des Verstehens von Äußerungen; 2. multimodale Praktiken der Dokumentation von Verstehen; 3. sequenzielle und interaktionstypologische Organisation von Verstehen; 4. (Re-)Produktion sozialer Strukturen in Verstehensprozessen. GEOGRAPHISCHER RAUM: deutsches Sprachgebiet
METHODE: qualitative Forschung: Konversationsanalyse (sequenzanalytische Einzelfallanalysen und Kollektionsanalysen); multimodale Videoanalyse; ethnographische Gesprächsanalyse; ergänzend: quantitative Korpuslinguistik DATENGEWINNUNG: Gesprächs-/ Konversationsanalyse (Stichprobe: 250; Gespräche). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Deppermann, Arnulf; Schmitt, Reinhold: Participants' work in understanding and in deciding what comes next: the case of "anticipatory initiatives". in: Text
and Talk (submitted).+++Deppermann, Arnulf: Verstehen im Gespräch. in: Eichinger, Ludwig M.; Kämper, Heidrun (Hrsg.): Sprache - Kognition - Kultur. Jahrbuch des Instituts für
Deutsche Sprache 2007. Berlin: de Gruyter 2008.
ART: BEGINN: 2007-01 ENDE: 2012-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Institut für Deutsche Sprache -IDS- (Postfach 101621, 68016 Mannheim)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0621-1581-309, e-mail: [email protected])
[240-L] Washietl, Engelbert; Pfisterer, Eva (Hrsg.):
Werte - aber welche?: die Werte-Debatte, (Schriftenreihe der Waldviertel Akademie, Bd. 2),
Wien: Lit Verl. 2007, 186 S., ISBN: 978-3-8258-0868-6 (Standort: Bayer. SB München(12)2007.62751)
INHALT: "Gibt es tatsächlich den in westlichen Gesellschaften oft beklagten Verlust an Werten,
ein Wertvakuum? Der Niedergang traditioneller Religiosität ('Tod Gottes'), der Zusammenbruch ideologisch geprägter Gesellschaftsmodelle, das Infragestellen überlieferter Welt- und
Menschenbilder durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Auflösung herkömmlicher
familiärer Strukturen stützen diese These. Auch die zunehmend radikalere Konfrontation verschiedenartiger Kulturen in einer globalisierten Welt fordert die liberalen Gesellschaften Europas heraus - und stellt ihre Wertesysteme in Frage. Aber gibt es eine Gesellschaft, eine Kultur, die keine Werte besitzt? Wie plural können, dürfen Werte in einer modernen Zivilgesellschaft sein?" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Erwin Pröll: Das Leben darf nicht Wert-los
werden (7-8); Johannes Hahn: Der Wertewandel betrifft uns alle (8-9); Karl A. Duffek: Kein
Werteverfall, sondern Entwicklung (9-10); Peter Danich: Werte müssen aufs Neue erkämpft
werden (11-12); Daniela Graf: Werte - aber welche? (12-14); Peter Kampits: Werte - aber
welche? Reflexionen zu Wertewandel, Werteverlust, Wertekonflikten (15-24); Ludwig Adamovich: Die Rolle der Werte in Rechtswissenschaft und Philosophie (25-36); Max Haller:
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
127
Wertwandel und Gesellschaft (37-48); Nikolaus Dimmel: Zwischen Prekarisierung und Konsumreligion. Politiken des Sozialen im Wertewandel (49-64); Ernst Wurz: Die Jugend
braucht mehr Raum und Zeit. Ein Projektbericht und Ergebnisse der Befragung 2006 "Jugendwerte - aber welche?" (65-82); Oliver Rathkolb: Was ist Europa? (83-94); Christian Felber: Zeit für ein neues Narrativ. Plädoyer für einen ethischen Wandel in der Wirtschaft (95104); Walter Ötsch: Wie moralisch ist der Markt? Moralität und Amoralität im neoliberalen
Diskurs (105-116); Klaus Woltron: Gott Wirtschaft? Die moralische Verpflichtung des Unternehmers (117-128); Eveline Goddman-Thau: Jerusalem in Athen. Zur Frage eines europäischen Wertekanons (129-152); Doron Rabinovici: Dialog oder Kampf der Kulturen? (153160); Maria Katharina Moser:Verkörperte Wertorientierung. Weiblichkeit im Spannungsfeld
von Kultur, Religion und Gesellschaft (161-174); Corinna Milborn: Frauen, Unterdrückung
und Islam: Darf ich mich einmischen? (175-182).
[241-F] Weber, Hannelore, Prof.Dr.; Antoniw, Katja, Dipl.-Psych. (Bearbeitung):
Der Einfluss von sozialen Normen auf Auswahl und Bewertung von Bewältigungsverhalten
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Greifswald, Philosophische Fakultät, Institut für Psychologie Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie, Psychologische Diagnostik (FranzMehring-Str. 47, 17487 Greifswald)
KONTAKT: Weber, Hannelore (Prof.Dr. Tel. 03834-863752, Fax: 03834-863779,
e-mail: [email protected])
[242-F] Weber, Hannelore, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Soziale Reaktionen auf normkonforme und normabweichende Bewältigung
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Greifswald, Philosophische Fakultät, Institut für Psychologie Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie, Psychologische Diagnostik (FranzMehring-Str. 47, 17487 Greifswald)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 03834-863752, Fax: 03834-863779,
e-mail: [email protected])
[243-L] Wentz, Robert:
Lassen sich Werte evaluieren?: Grundzüge einer empirischen Werttheorie nach John
Dewey, Berlin: Wiss. Verl. Berlin 2007, 103 S., ISBN: 978-3-86573-322-1
INHALT: Der Frage, ob Werte sich evaluieren lassen, hat mit ihrer positiven oder negativen Beantwortung weit reichende Folgen für ein konstruktives Zusammenleben in heutigen Gesellschaften. Eine positive Antwort ist wünschenswert, sie sagt aber noch nichts darüber aus, ob
in einer konkreten Situation alle Beteiligten einer Evaluation auch zustimmen bzw. deren Ergebnisse akzeptieren. Eine negative Antwort - wie sie im Mainstream der Sozialwissenschaften vertreten wird - ist für den Autor jedoch fatal, weil sie sowohl relativistische als auch ab-
128
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
solutistische Positionen bestärkt und damit kaum zur Integration moderner pluralistischer Gesellschaften beitragen kann. Das Buch stellt John Deweys experimentell orientierte Theorie
der Evaluation von Werten als eine positive Antwort vor. John Dewey geht es in seiner Werttheorie in erster Linie nicht um eine umfassende "Theorie der Werte", sondern - analog zum
pragmatistischen Denkansatz in der Erkenntnistheorie - um eine Methode, die es erlaubt,
Werte hypothetisch aufzufassen und durch Überprüfung von Handlungsfolgen zu evaluieren.
Insofern wird seine Werttheorie als "Wertevaluierungstheorie" bezeichnet. In diesem Programm wird grundsätzlich vorausgesetzt, dass Wünsche und Interessen nicht schon am Beginn fertig vorliegen und deshalb - trotz des ersten Anscheins - erst recht keine Ausgangspunkte für eine Werttheorie sein können, denn Wünsche entstehen immer innerhalb eines vorgängigen Handlungskontextes. (ICA2)
[244-L] Wöhler, Thomas; Hinz, Thomas:
Egozentrierte Diskussionsnetzwerke in den USA und Deutschland, in: Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft, 2007, H. 47, S. 91-112 (Standort: UB Bonn(5)Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Persönliche Vertrauenspersonen sind wichtige Bestandteile individuellen Sozialkapitals und werden als solche mit positiven Auswirkungen wie einer besseren Gesundheit oder
einer erfolgreicheren Karriere in Verbindung gebracht. Daher sind die Ergebnisse des General
Social Survey in den USA, nach denen die Zahl der engen Kontakte zwischen 1985 und 2004
deutlich abgenommen hat und eine Konzentration auf Partner und Familie stattfindet (McPherson et al. 2006), auf große Resonanz gestoßen. Daten des DJI-Familiensurvey zeigen für
Deutschland im Gegensatz dazu eine bemerkenswerte Konstanz in der Größe dieser Netzwerke in der Periode von 1988 bis 2000. Die Ergebnisse erlauben den Schluss, dass soziale Isolation in Deutschland keinesfalls in gleicher Weise um sich greift wie in den USA. Eine Veränderung zeigt sich lediglich in der Zusammensetzung der Netzwerke: im Zeitverlauf werden
die Partner in Deutschland, wo sie vergleichsweise wichtiger sind als in den USA, weniger
bedeutsam, während sie in den USA andere Gesprächspartner ersetzen. Erklärungen für diese
unterschiedlichen Tendenzen könnten der Wandel der Familien in Deutschland und die Ausbreitung neuer Kommunikationsmedien liefern." (Autorenreferat)
[245-L] Ziegler, Rolf:
Das Konzept der Internalisierung - eine spieltheoretische Analyse, in: Andreas Diekmann,
Klaus Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss (Hrsg.): Rational Choice: theoretische Analysen und
empirische Resultate : Festschrift für Karl-Dieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss., 2008, S. 37-53, ISBN: 978-3-531-15545-6
INHALT: "Aufbauend auf den Arbeiten von Ken Binmore werden Aspekte der Internalisierung
von Werten und Normen im Rahmen eines spieltheoretischen Ansatzes konzeptualisiert. Dabei wird die Bedeutung externer (Lob und Tadel) und interner (gutes und schlechtes Gewissen) symbolischer Sanktionen herausgearbeitet. Zunächst wird die Rolle von Werten bei der
Bestimmung des Inhalts einer Norm analysiert. Im zweiten Abschnitt geht es um das Problem
der Durchsetzung von Normen durch glaubwürdige Sanktionsandrohungen. Die Bedeutung
der Internalisierung einer Norm für ihre Durchsetzung, wenn das Verhalten nur unvollständig
überwacht werden kann, ist Gegenstand des dritten Teils. Schließlich wird die Bedeutung von
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
5 Interaktion
129
Achtung und Selbstachtung für das Gelingen des Internalisierungsprozesses behandelt." (Autorenreferat)
[246-L] Zorn, Carsten:
Der Fall "Flexibilität": über eine aktuelle Herausforderung für die Theorie moderner
Werte, in: Marie Luisa Allemeyer, Katharina Behrens, Katharina Ulrike Mersch (Hrsg.): Eule
oder Nachtigall? : Tendenzen und Perspektiven kulturwissenschaftlicher Werteforschung,
Göttingen: Wallstein, 2007, S. 240-267, ISBN: 978-3-8353-0218-1 (Standort: UB Siegen(467)21HMG1934)
INHALT: Als charakteristisch für den Wert "Flexibilität" sieht der Verfasser dessen paradoxen
Charakter. Moderne Werte dienen als Medien für Gemeinsamkeitsunterstellungen und können nahezu beliebig mit Inhalt gefüllt werden. Ihre flexible Handhabung erlaubt es, Kontingenz wertend zu ordnen. Die Flexibilität des Wertes "Flexibilität" verschleiert seine ideologischen Funktionen. Werte sind Überbleibsel ideologischer Zeitalter, die Handlungsalternativen
begrenzen und Entscheidungsorientierungen ermöglichen helfen. Anders als andere Werte
dient Flexibilität der Aufwertung uneinsehbarer Folgen. In wie weit der Wert der Flexibilität
zum Leitwert der modernen Gesellschaft werden kann, wird sich erst in einer konkreten Konfliktsituation zeigen. (ICE2)
6
Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien,
Debatten etc.
[247-L] Abraham, Martin:
Verstehen und Erklären bei James S. Coleman, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 391-411, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Im vorliegenden Beitrag wird die methodologische Position, die James S. Coleman seiner Sozialtheorie zugrunde legt, ausführlich dargestellt und anhand des Beispiels der Entstehung von sozialen Normen exemplarisch verdeutlicht. Da sich Coleman der Bedeutung methodologischer Grundannahmen bewusst war, findet sich auch in den "Grundlagen der Sozialtheorie" (1991/92) ein einleitendes Kapitel über die Erklärung in den Sozialwissenschaften,
das der vorliegenden Darstellung hauptsächlich zugrunde liegt. Die Ausführlichkeit, mit der
sich Coleman hier den methodologischen Grundlagen widmet, weist bereits auf die Bedeutung hin, die er der wissenschaftstheoretischen Fundierung seiner Sozialtheorie beimisst. Coleman war der Überzeugung, dass die Soziologie zwar eine breite, aber dennoch möglichst
einheitliche methodologische Grundlage benötigt, um sich als Fachdisziplin erfolgreich weiter zu behaupten. Er konzipierte ein Programm, dass dem Konzept der Erklärung im Sinne einer Suche nach kausalen Theorien eine zentrale Bedeutung beimisst. Das Verstehen wird in
diesem Kontext als Methode zur Suche nach plausiblen Handlungsgründen typischer Akteure
begriffen, die ein notwendiger Bestandteil der Erklärung ist. Inwiefern Coleman damit tatsächlich eine allgemeine Fundierung der soziologischen Theorie gelungen ist, ist Gegenstand
einer umfangreichen Diskussion in der Disziplin, die abschließend kurz umrissen wird. (ICI2)
130
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[248-L] Aleku, Panajotis:
Sozialismus: Vergangenheit und Zukunft einer Utopie, Schkeuditz: Schkeuditzer Buchverl.
2007, 338 S., ISBN: 978-3-935530-57-6 (Standort: Bibl. d. Ruhrgebiets Bochum(BM3)-AC1/20)
INHALT: Die Studie versucht, folgende Fragen zu klären: Sind Marx und der Marxismus wirklich ein "toter Hund", weil ein System, das eine "Karikatur des Sozialismus" darstellte, implodierte? Hat der Kapitalismus endgültig und für alle Ewigkeit gesiegt? Hat der Sozialismus für
immer und ewig jede Chance seiner Verwirklichung verloren? Wird die Menschheit entgegen
allen bisherigen historischen Erfahrungen in der kapitalistischen Produktionsweise als einem
"Ende der Geschichte" erstarren, oder gibt es doch eine andere, progressive Alternative, und
wenn ja, welche? Ein Zurück in die Vergangenheit des "real existierenden Sozialismus" ist
für den Autor keine Alternative. Der Autor versucht zum einen, die tieferliegenden Ursachen
für das Scheitern des "real existierenden Sozialismus" zu identifizieren, und zum anderen,
Hinweise und Analysen für eine "machbare" sozialistische Alternative zu geben. Für den Verfasser gibt es keinen einheitlichen und einzig wahren zukünftigen Sozialismus. Von Land zu
Land werden Unterschiede auf vielen Gebieten auftreten, in den Eigentumsformen, Parteiensystemen, beim staatlichen Aufbau. Selbst hinsichtlich der Grundmerkmale wird es Unterschiede geben, wie z. B. hinsichtlich der Freiheit und Gleichheit. Der Autor schlussfolgert:
"Insoweit wird die künftige sozialistische Gesellschaft auch eine ungerechte Gesellschaft
sein, aber tausendmal gerechter und menschlicher als die gegenwärtige". (ICA2)
[249-L] Angermüller, Johannes:
"Propheten" und "Humanisten": Sciences-humaines-Konjunktur und intellektuelles Feld in
Frankreich (1960-1980) in der struktural-pragmatischen Diskursanalyse, Magdeburg 2006,
276 S. (Graue Literatur;
deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=980557356&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=98055735
6.pdf)
INHALT: "In den 1960er und 1970er Jahren durchläuft das intellektuelle Feld in Frankreich
einen grundlegenden Wandel, der eine Reihe von sich rasch abwechselnden Theorien und
Tendenzen nachsichzieht. Der hegemoniale Erfolg von 'Meisterdenkern' wie Lacan, Althusser
und Foucault kann auf eine Verbindung verschiedener Faktoren zurückgeführt werden: die
schnelle Ausweitung des akademischen Felds, die Krise des freischaffenden Künstlers und
Privatgelehrten und die zunehmende Rolle gewisser 'peripherer Institutionen' (ENS, EHESS,
Collège de France). Um einen gegebenen Diskurs nicht auf eine vorgegebene Realität zu reduzieren, zielt diese Dissertation auf eine Öffnung der Bourdieu'schen Feldtheorie für eine
struktural-pragmatische Diskurstheorie, die die Kontingenz der Artikulation von Struktur und
diskursivem Geschehnis betont. Die Analyse von Werken und Karrieren bestimmter Produzenten (wie Derrida, Barthes, Tel Quel) wird zeigen, wie die Produzenten intellektuelle Hegemonien artikulieren und sich gegen ihre Konkurrenten positionieren." (Autorenreferat)
[250-L] Balog, Andreas:
Verstehen und Erklären bei Max Weber, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang Ludwig
Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven,
München: Fink, 2008, S. 73-93, ISBN: 978-3-7705-4630-5
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
131
INHALT: Max Weber hat in seinen Arbeiten der Methodenlehre kein allzu großes Gewicht beigemessen und seine "Gesammelten Aufsätze zur Wissenschaftslehre" enthalten weitgehend
Gelegenheitsarbeiten zu anderen Themen. Am ehesten erhebt nach Meinung des Autors der
"Objektivitätsaufsatz" einen programmatischen Anspruch, in dem Weber eine "objektive"
Methodologie skizziert, um den "subjektiv" bestimmten Gegenstand der "sozialwissenschaftlichen und sozialpolitischen Erkenntnis" zu analysieren. Wie voraussetzungsvoll dieses Programm ist, lässt sich dem Autor zufolge allerdings erst vor den Hintergrund der anderen Arbeiten Max Webers erkennen. Er geht in seinem Beitrag auf das Erklären durch Verstehen,
auf das Verstehen und die Erklärung sozialer Phänomene, auf die Methodenlehre und Analyse empirischer Phänomene sowie auf deren Grenzen bei Max Weber ein. Er zeigt, dass Webers Methodenlehre insgesamt betrachtet ein Paradox zugrunde liegt: Der programmatische
Versuch, von den "sachlichen Qualitäten des Stoffes" abzusehen, hat über den Umweg, eine
nachvollziehbare Methodologie für Phänomene zu entwickeln, die konstitutiv mit subjektiven
Sichtweisen von Akteuren verknüpft sind, zur Einsicht in den Aufbau der sozialen Phänomene aus Handlungen, d.h. zu Aussagen über die Ontologie sozialer Phänomene geführt. Damit
hat Weber explizit ausgesprochen, was bei den anderen Klassikern (von Marx und Tocqueville bis Durkheim und Simmel) implizit immer schon vorausgesetzt wurde: dass soziale Phänomene aus Handlungen zusammengesetzt sind. Weber hat aber die Art und Weise vorgegeben, wie diese Phänomene identifiziert und erklärt werden können. (ICI2)
[251-F] Baumann, Gerd, Dipl.-Soz. (Bearbeitung); Hettlage, Robert, Prof.Dr.Dr. (Betreuung):
Max Weber als Universalist? Webers Begriff der "Rationalität" im Lichte des Universalismus/ Relativismus-Problems
INHALT: Hat die abendländische Kulturtradition das Anrecht, einen globalen Vorherrschaftsanspruch über alle anderen Kulturen zu erheben? Die - wie dem Autor scheint - zwiespältige
Antwort Max Webers auf eine der wichtigsten Fragen der westlichen Kulturgeschichte war
bereits Gegenstand der von ihm vorgelegten Diplomarbeit. Dort hatte er folgende, vorläufige
Antwort vorgeschlagen: Obwohl Weber in der "Wissenschaftslehre" einen universalen Vorherrschaftsanspruch für das bzw. die okzidentale(n) Rationalitätsmodell(e) eindeutig zurückweist, so scheint es dem Autor, daß in Webers sachbezogenen soziologischen Arbeiten (zumindest für den Begriff der "Zweckrationalität") ein solcher impliziter Universalitätsanspruch
erhoben wird. Das hauptsächliche Ziel der jetzt geplanten Dissertation besteht nun vor allem
darin, zu überprüfen, ob sich der Geltungsbereich für die soeben vorgetragene These noch erweitern läßt: Inwieweit, so die zentrale Frage, lassen sich in den Schriften Webers solche impliziten Universalitätsansprüche auch für andere Rationalitätsbegriffe aufweisen? Auf die
aussichtsreichsten "Kandidaten", die der Autor hierfür ins Auge gefaßt hat, hatte er in seiner
Diplomarbeit bereits vorgreifend hingewiesen: Es sind dies Webers Begriff der "theoretischen
Rationalität" und sein Konzept der "normativen Rationalität". Als zentrales Ziel der Arbeit
hofft der Autor daher, die These erhärten zu können, daß Max Weber auch für diese beiden
Rationalitätsbegriffe versteckte Universalitätsansprüche erhebt, welche in deutlichem Widerspruch zu seiner erklärten Universalismus-Kritik stehen würden, die er an anderer Stelle so
vehement vertritt. In einer umfassenden Gesamtwürdigung wird daher letztlich die allgemeine
Frage zu prüfen sein, inwieweit dem Weberschen Begriff der "Rationalität" als Ganzes eine
solche universalistische Ausrichtung zugesprochen werden muß.
METHODE: Es handelt sich um eine philologische Arbeit, die sich letztlich um ein genaues Verständnis der Weberschen Texte bemüht; wobei sich dieses in der Auseinandersetzung und im
132
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
Vergleich mit anderen Interpretationen zu bewähren hat. Die Frage nach dem "grundlegenden
theoretischen Ansatz" macht daher in diesem Fall nur wenig Sinn. Es sei aber zugestanden,
daß es nur um den Versuch gehen kann, Webers Ansatz der "Verstehenden Soziologie" bestmöglich zu rekonstruieren. DATENGEWINNUNG: Entfällt.
ART: BEGINN: 2001-10 ENDE: 2006-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler
INSTITUTION: Universität Regensburg, Philosophische Fakultät 03 - Geschichte, Gesellschaft
und Geographie, Institut für Soziologie Lehrstuhl Soziologie (93040 Regensburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Wallensteinstr. 68, 90431 Nürnberg, Tel. 0911-618275)
[252-L] Bäumer, Jürgen:
Religion, Rationalisierung und Kapitalismus: die Positionen Webers und Elias im Vergleich,
Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007, 170 S., ISBN: 3-8364-1975-0 (Standort: ULB
Münster(6)-3K2563)
INHALT: "Wenngleich in weiten Teilen Europas die Bedeutung von Religion für die alltägliche
Lebensführung seiner Bürger abgenommen hat und weiterhin abnimmt, hat ihre Rolle für die
europa- und weltpolitische Entwicklung spätestens seit der globalen Rückkehr der Religionen
auf die politische Agenda an Aktualität, Relevanz und breitem öffentlichem Interesse gewonnen. Anhand eines Rückgriffs auf Max Webers Aufsatz 'Die protestantische Ethik und der
Geist des Kapitalismus' analyisiert Jürgen Bäumer die Bedeutung religiöser Werte in der Entstehung des modernen Kapitalismus im Rahmen des Zivilisationsprozesses der westlichen
Kultur und Gesellschaft. Aufbauend auf Webers Grundlegung der Soziologie, dem werkgeschichtlichen Entstehungszusammenhang der 'Protestantischen Ethik' und ihrer Einordnung in
sein Gesamtwerk steht eine ausführliche und fundierte inhaltliche Spezifikation und Analyse
von Webers 'Protestantismus-These' im Spiegel von Norbert Elias Theorie über den Prozess
der Zivilisation im Mittelsunkt des Interesses." (Autorenreferat)
[253-L] Bauschulte, Manfred; Krech, Volkhard:
Saulus-Situationen: zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Religiösem Sozialismus, in:
Richard Faber, Eva-Maria Ziege (Hrsg.): Das Feld der Frankfurter Kultur- und
Sozialwissenschaften vor 1945, Würzburg: Königshausen u. Neumann, 2007, S. 49-62, ISBN:
978-3-8260-3165-6 (Standort: USB Köln(38)-35A2018)
INHALT: Der Beitrag versucht das Feld der Frankfurter Soziologie in der Vorkriegszeit näher zu
vermessen. In dem Netzwerk hatte vor 1933 der evangelische Religions- und Sozialphilosoph
Paul Tillich eine außerordentlich starke Stellung, vor allem gruppendynamisch: Auf seine Initiative hin trafen nicht nur ihm nahestehende religiöse Sozialisten, sondern mehrmals auch
Sozialwissenschaftler wie der Ökonom Adolf Löwe und der Soziologe Karl Mannheim die
Mitglieder des "Instituts für Sozialforschung" Adorno, Horkheimer und Pollock, obwohl das
Verhältnis zueinander stets spannungsreich war. Eingegangen wird dann auf das Verhältnis
von Kritischer Theorie und Religiösem Sozialismus anhand der Leitthematik "Religion in der
säkularen Zivilisation". Dieses kontroverse Verhältnis stellt für die Autoren ein Lehrstück für
die immer noch aktuelle Problemstellung "Religion in der säkularen Welt" dar, anhand dessen
sich die Umrisse einer modernen Religionswissenschaft herausarbeiten lassen - die nicht zuletzt Religionssoziologie ist. Insgesamt versuchen die Autoren den Kritischen Theoretikern
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
133
und gerade auch Mannheim nicht weniger Gerechtigkeit widerfahren zu lassen als dem Theologen Tillich und seinen Anhängern. (ICA2)
[254-L] Bogdal, Klaus-Michael:
Interdisziplinäre Interferenzen: Luhmann in den Literaturwissenschaften, in: Soziale
Systeme : Zeitschrift für soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 370-382 (Standort: USB
Köln(38)-M XG 07784; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Trotz transdisziplinärer Forschungspraxis sind disziplinäre 'Schließungen' für die
Identität der Literaturwissenschaft entscheidend. Kopplungen von Theorien unterschiedlicher
disziplinärer Herkunft zu einem hybriden 'Forschungsdesign' sind störanfällig, wenn die epistemologischen Hindernisse nicht in zureichendem Maße benannt werden. Auf Hindernisse
dieses Typs möchte der Verfasser im Blick auf die Systemtheorie hinweisen und diese vorläufig als interdisziplinäre Interferenzen bezeichnen. Da die Germanistik eine nicht-paradigmatische Wissenschaft ist, gestaltet sich der Prozess der 'Wissensakzeptierung' uneinheitlich und
widersprüchlich. Die Interferenzen zwischen Luhmanns Systemtheorie und der Literaturwissenschaft lassen sich an vier Schnittstellen verorten: am Verhältnis der Fiktionalität literarischer Kommunikation und ihrer lebensweltlichen Realität, am Verhältnis von Text, Archiv
und Kommunikation, am Verhältnis psychischer Systeme und literarischer Kommunikation
und schließlich am Gegenstand der sozialen Evolution und des Systemwandels." (Autorenreferat)
[255-L] Bretthauer, Lars; Gallas, Alexander; Kannankulam, John; Stützle, Ingo (Hrsg.):
Poulantzas lesen: zur Aktualität marxistischer Staatstheorie, Hamburg: VSA-Verl. 2006, 334
S., ISBN: 978-3-89965-177-5 (Standort: ULB Münster Zweigbibl. Sozialwiss.(6A)-MD4000/183)
INHALT: "Nicos Poulantzas (1936-1979) erkannte frühzeitig die Auflösungserscheinungen des
fordistischen Vergesellschaftungsmodus. In Auseinandersetzung mit Marx, Gramsci, Althusser, Foucault u.a. formulierte er Fragestellungen und Einsichten, die trotz ihrer Aktualität in
linken Debatten lange Zeit nicht auftauchten. Seine Oberlegungen sind für das Verständnis
der Gegenwart angesichts der Durchsetzungsformen des Neoliberalismus von großer Bedeutung. Die Autorinnen und Autoren dieses Buches beleuchten die Zentralthematik in seinem
Werk - den kapitalistischen Staat. Grundbegriffe wie 'Materialität', 'Verdichtung', 'relative
Autonomie' und 'Raum-Zeit-Matrix' werden aufgeschlüsselt, der Zusammenhang von Formanalyse und Hegemonietheorie in Poulantzas' Theoriegrammatik herausgearbeitet. Dargestellt
werden auch Poulantzas' theoretische Bezüge zu Gramsci, Althusser, Foucault und Miliband
sowie sein Beitrag zur Analyse transnationaler Staatlichkeit. Zudem wird der Bogen zur
Theoretisierung von Geschlechterverhältnissen und 'Race Relations' innerhalb kapitalistischer
Staatlichkeit gespannt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Lars Bretthauer, Alexander Gallas, John Kannankulam, Ingo Stützle: Einleitung (7-31); Ökonomie und Staat der kapitalistischen Produktionsweise: Clyde W. Barrow: (Re)reading Poulantzas. Staatstheorie und Epistemologien des Strukturalismus (32-47); Bob Jessop: Kapitalistischer Staatstyp und autoritärer
Etatismus. Poulantzas' Staatstheorie als moderner Klassiker (48-64); Joachim Hirsch, John
Kannankulam: Poulantzas und Formanalyse. Zum Verhältnis zweier Ansätze materialistischer
Staatstheorie (65-81); Lars Bretthauer: Materialität und Verdichtung bei Nicos Poulantzas
(82-100); Alexander Gallas: "Das Kapital" mit Poulantzas lesen. Form und Kampf in der Kri-
134
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
tik der politischen Ökonomie (101-119); Macht und Herrschaft: Max Koch: Poulantzas' Beitrag zur Klassen- und Sozialstrukturanalyse (120-136); Jörg Nowak: Poulantzas, Geschlechterverhältnisse und die feministische Staatstheorie (137-153); Urs T. Lindner: Staat, Herrschaft und Politik. Zum Verhältnis Poulantzas-Foucault (154-170); Sonja Buckel: Die juridische Verdichtung der Kräfteverhältnisse. Nicos Poulantzas und das Recht (171-187); Ingo
Stützle: Die Ordnung des Wissens. Der Staat als Wissensapparat (188-205); Raum und Staatlichkeit: Markus Wissen: Territorium und Historizität. Raum und Zeit in der Staatstheorie von
Nicos Poulantzas (206-222); Hans-Jürgen Bieling: Europäische Staatlichkeit (223-239); Jens
Wissel: Die Transnationalisierung der Bourgeoisie und die neuen Netzwerke der Macht (240256); Krise, Transformation und politische Strategien: Thomas Sablowski: Krise und Staatlichkeit bei Poulantzas (257-273); Ulrich Brand, Miriam Heigl: "Innen" und "Außen". Zu
Staat, Bewegung und "radikaler Transformation" bei Poulantzas (274-229); Alex Demirovic:
Volkes Herrschaft? Demokratie und kapitalistischer Staat bei Nicos Poulantzas (290-306);
Peter Thomas: Konjunktur des integralen Staates? Poulantzas' Gramsci-Lektüre (307-323).
[256-L] Czerwick, Edwin:
Systemtheorie der Demokratie: Begriffe und Strukturen im Werk Luhmanns, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 216 S., ISBN: 978-3-531-15644-6 (Standort: UB DuisburgEssen()-01OYU5050+1)
INHALT: "Niklas Luhmann hat sowohl in seiner Theorie der Gesellschaft als auch in seiner
Theorie des politischen Systems Ausführungen zu zentralen Problemen der Demokratie gemacht, die bisher nicht systematisch untersucht worden sind. Edwin Czerwick systematisiert
die Vielzahl der in Luhmanns Gesamtwerk verstreuten demokratietheoretischen Überlegungen mit dem Ziel, die Konturen einer 'Systemtheorie der Demokratie' herauszuarbeiten, die
einige Annahmen der 'klassischen' Demokratietheorien als Mythen entlarven und die darüber
hinaus der Demokratieforschung neue und weiterführende Erkenntnisse und Impulse zu geben vermögen." (Autorenreferat)
[257-L] Demirovic, Alex:
Das Wahr-Sagen des Marxismus: Foucault und Marx, in: Prokla : Zeitschrift für kritische
Sozialwissenschaft, Jg. 38/2008, Nr. 2 = H. 151, S. 179-201 (Standort: USB Köln(38)-XG3381;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Zunächst schien Foucault weit von Marx entfernt und sah Marx als veraltet, interessant
nur als historische Figur. Andererseits verortet er sein eigenes Werk in dem Problemhorizont,
den die Marxsche Theorie setzt. Foucaults Werk kann als Versuch einer kritischen Selbstreflektion über die Wahrheitsansprüche des Marxismus gelesen werden. Dies bringt Foucault
zu Konzepten der Macht und der sozialen Widersprüche, die es ihm unmöglich machen, die
radikal emanzipatorische Stoßrichtung der Arbeit von Marx anzuerkennen. (ICEÜbers)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
135
[258-L] Demirovic, Alex:
Das Problem der Macht bei Michel Foucault, (IPW Working Paper, No. 2), Wien 2008, 70 S.
(Graue Literatur;
politikwissenschaft.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_politikwiss/IPW_Working_Papers/IP
W-Working-Papers-02-2008-Demirovic.pdf)
INHALT: "Foucaults Machtanalysen sind seit langem Gegenstand der Diskussion. Die Veröffentlichung vieler seiner Aufsätze, Interviews und vor allem Vorlesungen ermöglicht es, die Entwicklung seiner Überlegungen genauer nachzuzeichnen. Foucault beabsichtigte keine Theorie
der Macht, hat aber mit seinen Studien ein breites und differenziertes Instrumentarium zu ihrer Analyse vorgelegt, das das Verständnis der Wirkungsweise der Macht enorm vertieft hat.
Trotz dieser Fruchtbarkeit sind Uneindeutigkeiten und Widersprüche unverkennbar. Es werden Foucaults eigene Bedenken gegen eine Theorie der Macht erörtert, seine Bemühungen
und Schwierigkeiten, den eigenartigen Gegenstandsbereich seiner Arbeit genauer bestimmen.
Um deren Bedeutung und Originalität genauer in den Blick zu bekommen, werden Foucaults
Überlegungen von denen Max Webers und Niklas Luhmanns abgegrenzt. In einem ausführlichen Schlussteil werden Einwände gegen Foucaults Analysen vorgetragen und diskutiert.
Eine These des Papiers ist, dass sich bei Foucault Elemente zu einer Theorie der Macht finden, die erst im Kontext einer kritischen Theorie der Gesellschaft zu erschließen sind." (Autorenreferat)
[259-L] Diekmann, Andreas; Eichner, Klaus; Schmidt, Peter; Voss, Thomas (Hrsg.):
Rational Choice: theoretische Analysen und empirische Resultate: Festschrift für KarlDieter Opp zum 70. Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 341 S., ISBN: 9783-531-15545-6
INHALT: "In der Soziologie finden Rational-Choice (RC)-Erklärungen zunehmende Verbreitung. Sie sollen einerseits zu einer Lösung allgemeiner theoretischer Kernprobleme (Erklärung von sozialer Ordnung, Kooperation und sozialen Normen) beitragen. Darüber hinaus dominiert die RC-Theorie mittlerweile zahlreiche Felder der empirischen Forschung. In diesem
Band beschreiben namhafte Autoren die umfangreichen theoretischen und empirischen Anwendungsmöglichkeiten. Ein Schwerpunkt der theoretischen Arbeiten sind Analysen sozialer
Normen. Die empirischen Beiträge und Anwendungen behandeln ein breites Spektrum von
Themen, u.a. aus der Soziologie des abweichenden Verhaltens, der politischen Soziologie und
der Analyse des Terrorismus. Abgerundet werden die Aufsätze durch methodologische Überlegungen. Der Band liefert Studierenden und Forschern eine umfassende Orientierung über
wichtige Entwicklungslinien dieses Forschungsprogramms." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Hans Albert: Bemerkungen zum Problem der Erklärung sozialer Vorgänge. Max
Webers Synthese und die modernen Sozialwissenschaften (15-22); Steven E. Finkel: In Defense of the "Wide" Rational Choice Model of Collective Political Action (23-35); Rolf Ziegler: Das Konzept der Internalisierung - eine spieltheoretische Analyse (37-53); Werner Raub:
The Attenuation of Customs: A Game-Theoretic Perspective (55-62); Siegwart Lindenberg:
Social norms: What happens when they become more abstract? (63-81); Andreas Diekmann
und Thomas Voss: Soziale Normen und Reziprozität - Die Bedeutung "sozialer" Motive für
die Rational-Choice-Erklärung sozialer Normen (83-100); Wolfgang Stroebe: Wann und wie
beeinflussen Normen das Verhalten: Eine sozial-kognitive Analyse (101-118); Sonja Haug:
Raubkopierer als moderne Freibeuter. Interessen und Normen bei Urheberrechtskonflikten
136
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
am Beispiel von Musiktauschbörsen im Internet (119-141); Sebastian Bamberg, Eldad Davidov und Peter Schmidt: Wie gut erklären "enge" oder "weite" Rational-Choice-Versionen
Verhaltensveränderungen? Ergebnisse einer experimentellen Interventionsstudie (143-169);
Yve Stöbel-Richter und Elmar Brähler: Kinderwunschaspekte und Familiengründung in einem entscheidungstheoretischen Handlungsmodell (171-192); Christian Lüdemann: Zur Erklärung von Gesetzesübertretungen. Eine theoriegesteuerte Sekundäranalyse des ALLBUS
2000 (193-209); Bruno S. Frey: Terrorism from the Rational Choice Point of View (211222); Kurt Mühler: Zur Abhängigkeit des individuellen Verlangens nach sozialer Kontrolle
von der Intensität der Kriminalitätsfurcht (223-244); Christa Lindner-Braun: Kritik einer ökonomischen Theorie des Suizids (245-264); Guillermina Jasso: The Terms and Relations of
Comparison, Referential and Relative Processes (265-290); Johannes Huinink und Torsten
Schröder: Skizzen zu einer Theorie des Lebenslaufs (291-307); Jürgen Friedrichs: Handelte
Michael Kohlhaas rational? (309-334).
[260-L] Endreß, Martin:
Verstehen und Erklären bei Alfred Schütz, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 95-116, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Alfred Schütz entwickelte seine soziologische Perspektive in Auseinandersetzung mit
einem Reflexionsdreieck, das sich aus Max Webers "verstehender Soziologie", Ludwig von
Mises "begreifender Ökonomik" und Edmund Husserls "transzendentaler Phänomenologie"
zusammensetzt. Gegenüber diesen theoretischen Vorlagen gelingt es Schütz, eine eigenständige systematische Position durch die Grundlegung einer phänomenologisch fundierten verstehenden Soziologie zu entwickeln. Das methodische Selbstverständnis richtet sich dabei auf
die Aufklärung der engen Verschränkung von subjektiven Sinnsetzungen und sinnhaften
Handlungsvollzügen mit intersubjektiven Sinnstrukturen. Nach Ansicht des Autors stellt sich
die Frage, inwiefern Schütz seinen eigenen Weg in dieser Debatte zwischen "Kausalisten"
bzw. "Monisten" einerseits und "Intentionalisten" bzw. "Dualisten" andererseits im Rahmen
seines Projekts einer phänomenologisch fundierten verstehenden Soziologie gefunden hat.
Um die Begriffe "Verstehen" und "Erklären" und ihr Verhältnis zueinander näher zu bestimmen, nimmt der Autor sowohl eine methodologische Reflexion als auch methodische Klärung
dieser Frage vor. Er gibt abschließend einen Überblick über die Diskussion und Weiterentwicklung der Konzeption von Alfred Schütz. (ICI2)
[261-L] Faber, Richard; Ziege, Eva-Maria (Hrsg.):
Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften vor 1945, Würzburg:
Königshausen u. Neumann 2007, 249 S., ISBN: 978-3-8260-3165-6 (Standort: USB Köln(38)35A2018)
INHALT: "Beim Begriff, schon Wort 'Feld' denkt man heute zunächst an Pierre Bourdieus 'Feld'
im Plural: an mehr oder weniger autonome Mikrokosmen sui generis. Der Band-Titel rekurriert jedoch auf den älteren und prinzipiell ethnologischen Wortgebrauch von 'Feld', der gerade vom hohen Interdependenzgrad eines gewiss nicht einheitlichen - unter Umständen hoch
diversifizierten und konfliktgeladenen - jedoch singulären Feldes ausgeht. Keineswegs nur
von der 'Frankfurter Schule' handelnd, möchten wir - soweit irgend möglich - die ganze Viel-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
137
falt der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften präsentieren und analysieren: in ihrem
internen Zusammenspiel, aber auch in dem mit anderen kulturellen und sozialen Gruppen wie
Institutionen der Stadt Frankfurt - und über sie hinaus." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Einleitung: Richard Faber: Das Frankfurter Feld. Versuch eines Überblicks (15-46); Frankfurter Soziologie: Manfred Bauschulte und Volkhard Krech: Saulus-Situationen. Zum Verhältnis
von Kritischer Theorie und Religiösem Sozialismus (49-62); Amalia Barboza: Die verpassten
Chancen einer Kooperation zwischen der "Frankfurter Schule" und Karl Mannheims "Soziologischem Seminar" (63-87); Eva-Maria Ziege: Die Geschlechterthematik in der "Zeitschrift
für Sozialforschung/Studies in Philosophy and Social Science" (1932-1941) (89-106); Thomas Heerich: Autologische Spiegelung der Verwalteten Welt: Friedrich Pollock (1894-1970)
(107-120); Frankfurter Philosophie und deren translokale Vernetzung: Jost Halfmann: Alfred
Sohn-Rethels Theorie der Denkformen (123-135); Francesca Vidal: Ernst Bloch in, gegen
und mit Frankfurt (137-148); Christine Holste: Kracauers Blick. Zur Aktualität seiner Pariser
Stadtbilder im Feuilleton der "Frankfurter Zeitung" (149-163); Frankfurter "Freies Jüdisches
Lehrhaus" und Frankfurter "Kritische Theorie": Thomas Meyer: Das Freie Jüdische Lehrhaus
und die Frankfurter Schule (167-175); Eva-Maria Ziege: Die politische Theologie des jungen
Erich Fromm. Über seine soziologische Dissertation (177-181); Manfred Voigts: "Des vielen
Büchermachens ist kein Ende". Hinweis auf Eduard Strauss (183-196); Frankfurter "Kritische
Justiz": Joachim Perels: Sozialdemokratische Rechtstheorie in der Weimarer Republik (199210); Hans Manfred Bock: "Frankfurter Schule" und "Marburger Schule". Intellektuellengeschichtliche Anmerkungen zum Verhältnis von zwei epistemic communities (211-249).
[262-L] Faber, Richard:
Das Frankfurter Feld: Versuch eines Überblicks, in: Richard Faber, Eva-Maria Ziege (Hrsg.):
Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften vor 1945, Würzburg: Königshausen u.
Neumann, 2007, S. 15-46, ISBN: 978-3-8260-3165-6 (Standort: USB Köln(38)-35A2018)
INHALT: Der Beitrag bietet einen Überblick zur historischen Entwicklung der "Frankfurter
Schule" seit ihren Anfängen in den 20er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In
knapper Form wird auf die Vielfalt der Themen (Psychoanalyse, Antisemitismus-Theorie,
Marxismus, Jurisprudenz, Politologie, Ökologie, Libido-Utopie, Kulturphilosophie, Dialektik,
Negative Theologie) eingegangen. Benannt werden auch einige der Spezifitäten Frankfurts,
einer der liberalsten und modernsten Stadt der Weimarer Republik, schließlich auch der Bundesrepublik: (1) der damals in Frankfurt ansässige "Südwestfunk", eine besonders experimentierfreudige und der künstlerischen Avantgarde aufgeschlossen gegenüberstehende Rundfunkanstalt; (2) die linksliberale "Frankfurter Zeitung" im allgemeinen und ihr qualitätsvolles
Feuilleton in der Art Siegfried Kracauers im besonderen; (3) später, nach 1945, die "Frankfurter Hefte", die sich bis zu einem gewissen Grade in Kontinuität mit der linkskatholischen
"Rhein-Mainschen Volkszeitung" der Weimarer Republik befanden; (4) die religiös-sozialistischen Zirkel Frankfurts insgesamt: die katholischen, protestantischen und nicht zuletzt jüdischen; (5) das "Freie Jüdische Lehrhaus" Frankfurts; (6) die an das "Institut für Sozialforschung" affilierte Psychoanalyse;(7) der seit den frühesten Institutstagen auf verschiedenste
und kontroverseste Art lebendigen (Neo-)Marxismus - finanziert von geldkräftigen Stiftern.
(ICA2)
138
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[263-L] Fechner, Rolf:
Verstehen und Erklären bei Ferdinand Tönnies, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 13-26, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Ferdinand Tönnies verwendet die Begriffe "Erklären" und "Verstehen" im Kontext
wissenschaftlicher Arbeit zwar weitgehend synonym, aber das Verstehen dient ihm letztlich
nur als vorwissenschaftliche Verfahrensweise zum Zwecke des Arrangements mit den lebensweltlichen Bedingungen. Das notwendige begriffliche Instrumentarium gründet dabei auf seiner Theorie der Rationalität, die vom naiven Denken über das reflektierende künstlerische
zum wissenschaftlichen Denken gelangt ist. Gegenstände der soziologischen Untersuchung
sind für Tönnies insbesondere die Verhältnisse gegenseitiger Bejahung, denn nur dadurch
werden seines Erachtens Sozialbeziehungen konstituiert und gegenseitige Verpflichtungen
und Ansprüche begründet. Der Autor erläutert in seinem Beitrag vor allem das Verständnis
der beiden Hauptformen "Gemeinschaft" und "Gesellschaft" bei Tönnies und fasst dessen Zugang zum Sozialen folgendermaßen zusammen: Wissenschaftliches Wissen bedarf der grundlegenden Konstruktion einer widerspruchsfreien und lückenlosen Terminologie, die sich auf
fingierte Modellvorstellungen bezieht und mittels einer Anwendungspragmatik "wirkliche"
und "geltende" Verhältnisse erklärt. (ICI2)
[264-F] Fischer, Joachim, Dr. (Bearbeitung):
Der Andere und der Dritte. Zum Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie
INHALT: Sozialtheorien als Basis aller Kultur- und Sozialwissenschaften lassen Selbst- und
komplexe Sozialverhältnisse aus der elementaren Begegnung/ Interaktion von ego und alter
ego hervorgehen. Sie rekonstruieren, wie sich im Medium von Blicken und Worten, von
Handlungen und Erwartungen, von Gütern und Gaben dyadische Strukturen bzw. "Wechselwirkungen" (Georg Simmel) von Scham, Tausch, Kampf, Anerkennung, Kooperation und
Liebe bilden. Es gibt eine reiche und differenzierte Denktradition der Figur und Funktion des
"Anderen" (Hegel, Feuerbach, Husserl, Buber, Sartre, Levinas, Luhmann (Doppelte Kontingenz) u.a.). Michael Theunissen hat diese sozialontologische Reflexionsgeschichte in seinem
Standardwerk "Der Andere" (1. Aufl. 1965) in Grundzügen exemplarisch gruppiert und rekonstruiert. Ein Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie bahnt sich nun durch eine zunehmend systematische Berücksichtigung der Figur des "Dritten" an, weil erst dadurch Vermittlung, Schiedsrichter, Konkurrenz, Intrige, Koalition, Delegation und Sündenbock als weitere
fundamentale Strukturen des Sozialen sichtbar werden. Der Dritte ist kein weiterer Anderer,
nicht seine Wiederholung, sondern bringt sozialontologisch neue Figuren und Funktionen
(wie kein Vierter, Fünfter etc.). Durch wechselseitige Übersetzung von pychoanalytischen
Theoremen zur ödipalen Konstallation/ Triangulierung, beziehungssoziologischen/ interaktionistischen Ansätzen und von systemtheoretischen Beobachtertheoremen lässt sich ein theoriesystematischer Fundus bilden. Einschlägige Autoren (Freud, Simmel, Sartre, Girard, Serres,
Levinas, Luhmann, Coleman u.a.) zum basalen Verhältnis dyadischer und triadischer Figurationen der Interaktion und Institutionenbildung können so aufgearbeitet und ausgewertet werden. Alterität und Tertiarität sollen in ihrer identitäts- und gesellschaftstheoretischen Konsequenz für die Ausdifferenzierung von Recht, Medien, Politik und Marktökonomie rekonstruiert werden - Sphären, die sozialtheoretisch nur durch die Figur und Funktion des Dritten erschließbar sind.
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
139
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Technische Universität Dresden, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie
Professur für Soziologische Theorie, Theoriegeschichte und Kultursoziologie (01062 Dresden)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[265-L] Göbel, Andreas:
Verstehen und Erklären bei Niklas Luhmann, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 445-473, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Die Kritik von Niklas Luhmann an den kausalgesetzlichen und nomologischen Ansprüchen an die Soziologie äußert sich nicht direkt, sondern auf dem Umweg der Etablierung
eines eigenen Methodenverständnisses. In der Abwendung von soziologisch überkommenen
Mustern des Funktionalismus etablierte sich innerhalb der Systemtheorie auch eine Kritik an
einer bestimmten Form von Kausalität, was zu einem näheren Verständnis der "Verstehen
und Erklären"-Thematik bei Luhmann führen kann. Der unwahrscheinlichkeitsepistemologische Zuschnitt der Systemtheorie und ihr Versuch, Erkenntnis durch den kontrollierten Aufbau einer zu den Selbstverständnissen der sozialen Welt inkongruenten Perspektive zu generieren, sperrt sich jedoch deutlich gegen alle Versuche bzw. Varianten einer doppelten Hermeneutik. Sie folgt damit trotz aller Differenzen der Bourdieuschen Kritik an einer rein subjektivistischen Verdoppelung der sozialen Realität. Dies erschwert es nach Meinung des Autors, die Luhmannsche Systemtheorie als eine verstehende Soziologie zu beschreiben. Seine
Ausführungen im vorliegenden Beitrag beziehen sich u.a. auf die Kausalität und den Äquivalenzfunktionalismus, auf das Verstehen als Unterscheidung von Mitteilung und Information
sowie auf die Bedeutung der Selbstreferenz. (ICI2)
[266-L] Greshoff, Rainer; Kneer, Georg; Schneider, Ludwig:
Die "Verstehen-Erklären-Kontroverse" als Debatte um die methodischen Grundlagen der
Sozial- und Kulturwissenschaften, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang Ludwig
Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven,
München: Fink, 2008, S. 7-11, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Bei der sogenannten "Verstehen-Erklären-Kontroverse", die sich ursprünglich an der
Frage nach der methodologischen Einheit bzw. Differenz von Sozial- und Naturwissenschaften entzündete, geht es im wesentlichen darum, welche methodischen Vorgehensweisen geeignet sind, um einen adäquaten Zugang zum Phänomenbereich des Sozialen zu ermöglichen.
Die Frage, wie die beiden Vorgehensweisen "Verstehen" und "Erklären" näher zu bestimmen
und zueinander ins Verhältnis zu setzen sind, wird auch weiterhin kontrovers diskutiert und
hat zu einem breiten Spektrum unterschiedlicher Antworten geführt. Es mangelt jedoch an einem systematischen Überblick, weil zahlreiche Positionen zur Verstehens-Erklärens-Thematik kaum in ihren Einzelheiten bekannt sind. Hier Abhilfe zu schaffen, ist das zentrale Anliegen des vorliegenden Bandes, in welchem 21 Theoriepositionen vor allem aus der Soziologie,
aber auch aus der Ethnologie und der sozialwissenschaftlichen orientierten Philosophie dargestellt und analysiert werden. (ICI2)
140
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[267-L] Greshoff, Rainer; Kneer, Georg; Schneider, Wolfgang Ludwig (Hrsg.):
Verstehen und erklären: sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, München: Fink
2008, 524 S., ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: "Verstehen und Erklären gelten in den Sozial- und Kulturwissenschaften als die beiden
grundlegenden methodischen Zugangsweisen, um den Phänomenbereich des Sozialen zu erschließen. Wie diese Zugangsweisen je für sich und in ihrem Verhältnis zueinander zu bestimmen sind, ist freilich bis in die Gegenwart umstritten. Die Verstehen-Erklären Kontroverse gehört, neben dem Werturteilsstreit und dem Positivismusstreit, zu den großen Selbstverständigungsdebatten der Sozial- und Kulturwissenschaften. Eine systematische Bestandsaufnahme, welche die verschiedenen Konzeptualisierungen des Verstehens und Erklärens sichtet,
fehlt bisher jedoch. Viele der einschlägigen Positionen sind deshalb in der neueren methodologischen Diskussion nicht mehr präsent und in ihren Einzelheiten kaum noch bekannt. Hier
versucht das vorliegende Buch Abhilfe zu schaffen. In dieser Breite wohl erstmalig, werden
darin 21 Positionen, vor allem aus der Soziologie, aber auch aus der Ethnologie und der sozial- und kulturwissenschaftlich relevanten Philosophie, dargestellt und analysiert. Das Spektrum der behandelten Konzepte reicht dabei von den Klassikern bis hin zu aktuellen Ansätzen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang Ludwig
Schneider: Einleitung: Die "Verstehen-Erklären-Kontroverse" als Debatte um die methodischen Grundlagen der Sozial- und Kulturwissenschaften (7-12); Rolf Fechner: Verstehen und
Erklären bei Ferdinand Tönnies (13-26); Andreas Ziemann: Verstehen und Erklären bei Georg Simmel (27-50); Hans-Peter Müller: Verstehen und Erklären bei Emile Durkheim (5172); Andreas Balog: Verstehen und Erklären bei Max Weber (73-94); Martin Endreß: Verstehen und Erklären bei Alfred Schütz (95-116); Gesa Lindemann: Verstehen und Erklären bei
Helmuth Plessner (117-142); Wolfgang Ludwig Schneider: Verstehen und Erklären bei Karl
Mannheim (143-176); Gerd Nollmann: Verstehen und Erklären bei George Herbert Mead
(177-142); Gerald Mozetic: Verstehen und Erklären bei Talcott Parsons (199-218); Jürgen
Mackert: Verstehen und Erklären bei Robert K. Merton (219-238); Karl Lenz: Verstehen und
Erklären bei Erving Goffman (239-260); Georg Kneer: Verstehen und Erklären bei Claude
Levi-Strauss (261-284); Andreas Vasilache: Verstehen und Erklären bei Michel Foucault
(285-310); Markus Schroer: Verstehen und Erklären bei Pierre Bourdieu (311-332); Wolfgang Ludwig Schneider: Verstehen und Erklären bei Ulrich Oevermann (333-364); Jan M.
Böhm: Verstehen und Erklären bei Karl Popper (365-390); Martin Abraham: Verstehen und
Erklären bei James S. Coleman (391-412); Rainer Greshoff: Verstehen und Erklären bei Hartmut Esser (413-444); Andreas Göbel: Verstehen und Erklären bei Niklas Luhmann (445474); Jens Greve: Verstehen und Erklären bei Jürgen Habermas (475-502); Jörn Lamla: Verstehen und Erklären bei Anthony Giddens (503-524).
[268-L] Greshoff, Rainer:
Verstehen und Erklären bei Hartmut Esser, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 413-443, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Verstehen und Erklären sind nach Hartmut Esser nicht gegeneinander auszuspielen,
sondern stehen in einem engen Zusammenhang. "Verstehen" zielt darauf ab, anzugeben, was
ist, somit auf eine Beschreibung sozialer Phänomene; "Erklären" hat zum Ziel, anzugeben,
warum etwas ist, also aufgrund welcher Ursachen soziale Phänomene - wie z.B. soziales Se-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
141
legieren, Handeln bzw. soziale Strukturen, Prozesse oder Gebilde - als Folge daraus resultieren. In Essers Worten: "Die Erklärung eines Phänomens bedeutet im Prinzip, das zu erklärende Phänomen als die Folge bestimmter (kausaler) Ursachen zu erkennen". Diese Verhältnisbestimmung hat zur Konsequenz, dass für ein Verstehen und Erklären sozialer Phänomene
erst einmal zu bestimmen ist, was "als Soziales" in den Blick genommen wird - und dann als
solches zu verstehen ist. Dies bekräftigt auch Essers Aussage, dass die soziologische Theoriebildung mit dem deutenden Verstehen beginnen muss. Im vorliegenden Beitrag wird zunächst
skizziert, was als Soziales - als zu verstehender zu erklärender Gegenstand - bei Esser im Mittelpunkt steht. Im Anschluss daran wird die methodische Konzeption Essers näher erläutert,
die sich auf das "Modell der soziologischen Erklärung" (MSE) sowie auf die einzelnen Logiken der Situation, der Selektion und der Aggregation bezieht. Abschließend werden die Umsetzung, Kritik und Weiterentwicklung des Forschungsansatzes von Esser beschrieben. (ICI2)
[269-L] Greve, Jens:
Versthen und Erklären bei Jürgen Habermas, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 475-501, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Die Frage nach dem Verhältnis von Verstehen und Erklären steht bei Jürgen Habermas
im Zusammenhang der Formulierung einer kritischen Theorie der Gesellschaft. Habermas
entwickelte mit dem Konzept des kommunikativen Handelns ein empirisches Erklärungsmodell - die rationale Rekonstruktion -, das sich von anderen erklärenden Wissenschaften unterscheidet. Im vorliegenden Beitrag werden zunächst Habermas' Kritik der Hermeneutik, seine
Theorie der Erkenntnisinteressen, das Projekt einer kritischen Sozialwissenschaft und die
Theorie der kommunikativen Kompetenz umrissen. Im zweiten Abschnitt wird gezeigt, dass
Habermas' Unterscheidung zwischen einer Teilnehmer- und einer Beobachterperspektive unmittelbar mit seiner Gesellschaftsdiagnose zusammenhängt. Dies wird anhand der von Habermas in der "Theorie des kommunikativen Handelns" vertretenen These erläutert, wonach die
moderne Gesellschaft gleichzeitig als System und Lebenswelt betrachtet werden müsse. Im
dritten Abschnitt werden erkenntnistheoretische Fragen diskutiert, die sich aus Habermas'
Überlegungen zu Verstehen und Erklären ergeben. (ICI)
[270-L] Greve, Jens:
Peter Heintz (1920-1983): frühe Entwicklungssoziologie ; eine Theorie der internationalen
Schichtung, in: eins Entwicklungspolitik : Information Nord-Süd, 2007, H. 10/11, S. 63-65
(Standort: USB Köln(38)-XG3492)
INHALT: "Den Begriff der sozialen Schichtung überträgt Heintz in seiner Entwicklungssoziologie auf das internationale Staatensystem, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Im
Rahmen von vier Dimensionen (Pro-Kopf-Einkommen, Bildungsbeteiligung, Urbanisierung,
sektorale Differenzierung der Wirtschaft) stellt er Modellrechnungen über nachholende Entwicklungen an. Ende der sechziger Jahre gerät dieses System in eine Krise, als in den entwickelten Ländern postmaterielle Werte in den Vordergrund treten, während Entwicklungsländer (Kambodscha, Iran) sich von der Moderne abwenden. Mit seiner Betonung globaler Verflechtungs- und Vergleichshorizonte ist Heintz einer der 'Entdecker' des Konzepts der 'Weltgesellschaft'." (Autorenreferat)
142
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[271-L] Gruschka, Andreas; Oevermann, Ulrich (Hrsg.):
Die Lebendigkeit der kritischen Gesellschaftstheorie: Dokumentation der Arbeitstagung aus
Anlass des 100. Geburtstages von Theodor W. Adorno, 4.-6. Juli 2003 an der JohannWolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Wetzlar: Verl. Büchse d. Pandora 2004,
346 S., ISBN: 3-88178-324-5 (Standort: USB Köln(38)-31A7502)
INHALT: "Ist Adornos Werk historisch geworden und seine Wirkung vergangen? Oder kann von
der Lebendigkeit seiner kritischen Gesellschaftstheorie und ihren Motiven gesprochen werden? Dieser illusionslos und unvoreingenommen zu prüfenden Frage widmete sich die Frankfurter Arbeitskonferenz anlässlich Adornos 100. Geburtstag. Vertreter aller Bereiche, in die
Adorno hineingewirkt hat, stellen hierfür exemplarisch ihre Arbeiten vor. Das Spektrum
reicht von der treuen Fortschreibung über den Versuch, bei Adorno unausgeführt Gebliebenes
auszuarbeiten, zur inhaltlichen und methodischen Neubeschreibung der Aufgaben bis zur Kritik an der Beschränktheit des adornoschen Ansatzes." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Andreas Gruschka: Begrüssung (7-8); Hermann Schweppenhäuser: In hac lacrimarum valle.
Adornos Stellung zur Metaphysik in ihrem Stande einer metaphysica deiecta (9-26); Hans
Georg Backhaus: Adorno und die metaökonomische Kritik der positivistischen Nationalökonomie (27-64); Regina Becker-Schmidt: Adorno kritisieren - und dabei von ihm lernen. Von
der Bedeutung seiner Theorie für die Geschlechterforschung (65-96); Gernot Böhme: Eingedenken der Natur im Subjekt - oder: die Geburt des Subjekts aus dem Schmerz (97-108);
Gianmario Borio: Über Sinn und Bedeutung in der Musik. Ein Blick auf Adornos Musikphilosophie (109-134); Andreas Gruschka: Kritische Pädagogik nach Adorno (135-160); Elisabeth Lenk: Die uneingelösten Versprechen der Theorie (161-188); Ulrich Oevermann: Adorno als empirischer Sozialforscher im Blickwinkel der heutigen Methodenlage (189-234); Reimut Reiche: Adorno und die Psychoanalyse (235-254); Christoph Türcke: 'Informel' nach Adorno (255-266); Ferdinand Zehentreiter: Adorno als Patron des nicht-departementalisierten
Geistes - oder: das Ausdrucksparadigma als Kern einer neuen Kulturwissenschaft (267-286);
Moshe Zuckermann: Adorno im Nahen Osten. Von der akuten Relevanz einer Irrelevanz
(287-298); Rudolf zur Lippe: Vom Pathos der Negativität zur Zurückweisung des Absoluten
(299-318); Iris Harnischmacher: Geschichte und Gedächtnis (319-330); Bertram Ritter: 'Die
Werke warten auf ihre Interpretation' - Kunstsoziologische Bemerkungen über Rätselcharakter, Werkanalyse und Autonomie des Kunstwerks (331-342); Andreas Gruschka, Ulrich Oevermann: Nachrede (343-346).
[272-L] Hechler, Daniel; Philipps, Axel (Hrsg.):
Widerstand denken: Michel Foucault und die Grenzen der Macht, Bielefeld: transcript Verl.
2008, 279 S., ISBN: 978-3-89942-830-8
INHALT: "Die Allgegenwart der Foucault'schen Theorie einer Mikrophysik der Macht blockiert
immer wieder Versuche, seine theoretischen Ansätze für eine Untersuchung von Widerstandspotenzialen fruchtbar zu machen. Das Buch greift die daraus resultierende Lücke auf und nähert sich Foucaults Werk aus verschiedenen Perspektiven an. Dabei werden nicht nur die Potenziale zur Analyse von Widerständigkeiten seines Werkes selbst identifiziert und ihre Grenzen aufgezeigt, sondern zugleich der Versuch unternommen, sie in aktuellen Untersuchungen
produktiv einzubinden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ulrich Brieler: Foucault und
1968: Widerspenstige Subjektivitäten (19-38); Jens Kastner: (Was heißt) Gegen-Verhalten im
Neoliberalismus? (39-56); Bernd Heiter: "...nicht dermaßen regiert zu werden". Über juridi-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
143
sche Formen, Hartz IV und Widerstandspraktiken (57-74); Christian Kupke: Widerstand und
Widerstandsrecht. Ein politikphilosophischer Versuch im Ausgang von Foucault (75-92); Ulrich Bröckling: Kritik oder die Umkehrung des Genitivs. Eine Bricolage (93-102); Wolfgang
Fach: Spielräume? (103-116); Hagen Schölzel: Mut zur Lücke? Widerstand im französischen
Parlament mit Foucault und Giddens gelesen (117-134); André Reichert: Widerstehen und
Werden (135-148); Tobias N. Klass: Foucault und der Widerstand: Anmerkung zu einem
Missverständnis (149-168); Ines Langmeyer: Subjekte im gesellschaftlichen Desintegrationsprozess. Zur Analyse flexibilisierter und prekärer Arbeits- und Lebensweisen und ihrer Segregationsformen (169-182); Maximilian Schochow: Wi(e)derstand vs. Traum / Programm vs.
Utopie:Zukünfte bei Butler und Foucault (183-200); Robert Feustel: Vom Simulationsraum
der Macht. Foucault mit Baudrillard gelesen (201-218); Ursula Rao: Tempelbau als Widerstand? Überlegungen zum Begriff der Heterotopie (219-234); Daniel Hechler: Meine kleine
Welt (235-246); Christian Driesen: Schweigen. Gert Neumann (247-260); Axel Philipps: Proteste und Resistenzen der Erwerbslosen (261-276).
[273-L] Heintz, Bettina:
Portrait for a Lady: Henry James und Alexis de Tocqueville zur Ordnung der Klassen und
Geschlechter, in: Caroline Arni, Andrea Glauser, Charlotte Müller, Marianne Rychner, Peter
Schallberger (Hrsg.): Der Eigensinn des Materials : Erkundungen sozialer Wirklichkeit ;
Festschrift für Claudia Honegger zum 60. Geburtstag, Basel: Stroemfeld, 2007, S. 49-70, ISBN:
978-3-86600-017-9 (Standort: UB Bonn(5)-2008/3176)
INHALT: In den Werken von Henry James und Alexis de Tocqueville kreuzen sich eine Reihe
Themen, die sie für die Soziologie zu einem noch unentdeckten Fundus machen: die Geschlechterordnung im ausgehenden 19. Jahrhundert, das Verhältnis von Interaktion und Gesellschaft und der Vergleich zwischen den USA und Europa und damit zwischen einer Gesellschaft, deren dominierende Semantik die der Gleichheit ist, und einer, die sich im Übergang
von einer aristokratisch geprägten zu einer modernen Sozialordnung befindet. Den soziologischen Hintergrund des vorliegenden Beitrags bilden Niklas Luhmanns Differenzierungstheorie und seine These einer zunehmenden Entkopplung von Interaktion und Gesellschaft. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass im Zuge der Durchsetzung funktionaler Differenzierung
Schichtung zu einem sekundären gesellschaftlichen Strukturprinzip wird und es gleichzeitig
zu einer zunehmenden Verselbständigung von Interaktion und Gesellschaft kommt. Wie die
Texte von Tocqueville und James zeigen, kommt diese Entwicklung zunächst in der Privatsphäre zum Tragen, die sich als Gegenwelt zu den Funktionssystemen etabliert. In Familie
und Geselligkeit wird gewissermaßen erprobt, was später die Basis für gleichstellungspolitische Forderungen bildet. Geselligkeit und Familie können auf diese Weise als Gegenwelt inszeniert werden - als Sphäre "idealisierter Sozialität" (Simmel). Dies setzt jedoch voraus, dass
sich auch die Interaktion zwischen den Geschlechtern symmetrisiert und sich auf wechselseitige Anerkennung stützt. Dass diese Egalisierung der geschlechtsspezifischen Interaktion zuerst in den USA zu beobachten ist, zeigen Tocquevilles Beobachtungen und James' Romane.
(ICA2)
144
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[274-L] Henning, Christoph:
Verdinglichung als Schlüsselbegriff Kritischer Theorie: zur Antikritik an Axel Honneths
Rekonstruktion, in: Berliner Debatte Initial : Sozial- und geisteswissenschaftliches Journal, Jg.
18/2007, H. 6, S. 98-114 (Standort: UB Bonn(5)-Z90/76; USB Köln(38)-M XA01655; Kopie über
den Literaturdienst erhältlich;
www.berlinerdebatte.de/index.php?option=com_content&task=view&id=71)
INHALT: Axel Honneth hat in seinem jüngsten Buch den kritisch-theoretischen Begriff der Verdinglichung auf neue Weise interpretiert und zugleich die Reichweite seines bisherigen Anerkennungskonzeptes erheblich erweitert. Da er ähnlich wie seine Vorgänger den Begriff aus
einer moralphilosophischen Systematik rekonstruiert, die nicht auf der Marx'schen Theorie
beruht, ergeben sich hier besondere Herausforderungen: Die Rekonstruktion einer bereits ausformulierten Theorie muss erstens ebenso viel erfassen wie die Theorie, die sie zu ersetzen
beansprucht, sonst wäre sie eher ein Verlust als ein Gewinn. Sie muss der älteren Theorie
zweitens gravierende Mängel nachweisen und drittens die angesprochenen Phänomene besser
erklären als die ältere Theorie. Die These des vorliegenden Beitrags lautet, dass Honneths Rekonstruktion bei näherer Betrachtung keine dieser drei Auflagen erfüllt. Es wird eine Kritik
philosophischer Unterbestimmungen vorgenommen, die sich auf die erkenntnistheoretische,
moralphilosophische und marktphilosophische Deutung des Verdinglichungstheorems bezieht. (ICI2)
[275-F] Institut für Sozialforschung -IfS- an der Universität Frankfurt am Main:
Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Institut für Sozialforschung -IfS- an der Universität Frankfurt am Main (Senckenberganlage 26, 60325 Frankfurt am Main)
KONTAKT: Institution (Tel. 069-7561-830, Fax: 069-7499-07,
e-mail: [email protected])
[276-L] Kammler, Clemens; Parr, Rolf (Hrsg.):
Foucault in den Kulturwissenschaften: eine Bestandsaufnahme, Heidelberg: Synchron Wiss.Verl. der Autoren 2007, 276 S., ISBN: 978-3-935025-96-6 (Standort: USB Köln(38)-34A/700)
INHALT: "Michel Foucault ist immer noch ein umstrittener, zugleich aber auch ein höchst anregender Denker. Ungezählte Studien aller geisteswissenschaftlichen Disziplinen haben inzwischen seinen berühmten 'Werkzeugkasten' genutzt und schließen mit ihren Forschungen teils
direkt oder auch auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar an seine Theorien an, ja arbeiten und denken mit diesen in ihren jeweiligen Disziplinen produktiv weiter. Im Gegensatz zu
Leben und Werk Foucaults ist diese Rezeption jedoch bisher noch nicht systematisch aufgearbeitet worden, Dem trägt der vorliegende Band Rechnung und bietet erstmals eine breiter angelegte Bestandsaufnahme der Rezeption von Foucaults Werk aus dem gesamten kultur- und
sozialwissenschaftlichen Fächerspektrum, wobei jede einzelne der zur Debatte stehenden Disziplinen auch nach den 'weißen Flecken' in der Matrix ihrer Foucaultrezeption befragt wird:
Was bleibt zukünftig noch mit Foucault zu tun, welches Potenzial steckt noch in welchen der
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
145
inzwischen angepassten und weiterentwickelten Foucaultschen Werkzeuge? Gegliedert in Bestandsaufnahme, eigene Ansätze und Blick auf künftige Arbeitsfelder können die Beiträge
dieses Bandes Querstrukturen zwischen den jeweiligen Spezialwissensbereichen und ihren
Foucaultrezeptionen sichtbar machen, Auf diese Weise werden zum einen erste Fluchtlinien
zu einer fächerübergreifenden Aufarbeitung des 'Anschließens an Foucault', zum anderen
aber auch eine neue Qualität der Wirksamkeit des gesamten Foucaultschen CEuvres
sichtbar." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Clemens Kammler, Rolf Parr: Einleitung (710); Clemens Kammler: Foucaults Werk. Konzeptualisierungen und Rekonstruktionen (1128); Petra Gehring: Minotaurus zwischen den Regalen. Foucault in der Philosophie (29-44);
Michael Maset: Foucault in der deutschen Geschichtswissenschaft (45-68); Achim Geisenhanslüke: Foucault in der Literaturwissenschaft (69-82); Rolf Parr, Matthias Thiele: Foucault
in den Medienwissenschaften (83-112); Markus Stauff: Die Cultural Studies und Foucault.
Macht, Diskurs, Gouvernementalität (113-134); Thomas Lemke: Die Macht und das Leben.
Foucaults Begriff der 'Biopolitik' in den Sozialwissenschaften (135-156); Norbert Ricken:
Von der Kritik der Disziplinarmacht zum Problem der Subjektivation. Zur erziehungswissenschaftlichen Rezeption Michel Foucaults (157-176); Anne Waldschmidt: Verkörperte Differenzen - Normierende Blicke. Foucault in den Disability Studies (177-200); Eva Erdmann:
Der Foucaultianer. Eine literarische Figur (201-218); Jürgen Link: Dispositiv und Interdiskurs. Mit Überlegungen zum 'Dreieck' Foucault - Bourdieu - Luhmann (219-238); Ulrich
Brieler: Genealogie im 'Empire'. Zum theoretischen Produktionsverhältnis von Antonio Negri
und Michel Foucault (239-262).
[277-L] Kappeler, Florian:
Die Ordnung des Wissens: was leistet Michel Foucaults Diskursanalyse für eine kritische
Gesellschaftstheorie?, in: Prokla : Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Jg. 38/2008, Nr. 2
= H. 151, S. 255-270 (Standort: USB Köln(38)-XG3381; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: Der Beitrag setzt sich im ersten Teil mit Foucaults Diskursanalyse auseinander, wie
dieser sie in seiner "Archäologie des Wissens" entwickelt hat. Im zweiten Teil behandelt er
das Diskurskonzept in Beziehung zu Foucaults Machtanalytik und zur kritischen Gesellschaftstheorie Mannheims, vor allem Althussers Ideologiebegriff. So werden einerseits Vorschläge zu einer Methodologie der Diskursanalyse formuliert, andererseits wird ihre Stellung
in einer kritischen Gesellschaftstheorie diskutiert. (ICEÜbers)
[278-F] Krölls, Albert, Prof.Dr.jur.habil. (Bearbeitung):
Kritik der Psychologie und kritischen Theorie
INHALT: keine Angaben
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie (Horner Weg 170,
22111 Hamburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 040-65591-179, e-mail: [email protected])
146
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[279-L] Kühl, Stefan:
Wirtschaft und Gesellschaft: neomarxistische Theorieansätze, in: Andrea Maurer (Hrsg.):
Handbuch der Wirtschaftssoziologie, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 124-151,
ISBN: 978-3-531-15259-2
INHALT: Anhand der Auseinandersetzung mit der Regulations-, Dependenz-, Weltsystem- und
Klassentheorien sowie mit der Labour Process Debatte zeigt der Verfasser, dass die Orientierung an Marx die typischen Vorteile einer Orientierung an einer soziologischen Großtheorie
mitzubringen scheint. Zwingt diese doch dazu, auch Fragestellen mittlerer Reichweite auf
eine ausgearbeitete Großtheorie zu beziehen. Kann man, so der Autor, der Eigensinnigkeit
von gesellschaftlichen Teilbereichen wie Politik, Recht oder Wissenschaft einen relativ hohen
Stellenwert beimessen und trotzdem immer noch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse
als Ausgangspunkt einer Analyse beibehalten? Kann man aus den überzeugenden Verwendungen des Marx'schen Theorieapparats auch darauf schließen, dass das gesellschaftstheoretische Projekt des Neomarxismus gelungen ist? Es fällt auf, dass bei der Kritik an der Regulationstheorie, an der Dependenztheorie, der Weltsystemtheorie, den marxistischen Klassentheorien und auch bei der Labour Process Debate immer wieder darauf verwiesen wird, dass die
Bestimmung von Politik, Recht, Wissenschaft und Religion unterkomplex bleibt. So fällt beispielsweise bei den Regulationstheoretikern auf, dass man sich noch nicht auf eine allgemein
geteilte Staatstheorie geeinigt hat, über die maßgeblich die Funktionsweise von Politik und
Recht bestimmt werden kann. In der Weltsystemtheorie wird zwar ein Staatsverständnis erarbeitet, aber die Möglichkeiten, dass sich Staaten auch entkoppelt von Entwicklungen der
Wirtschaft verändern können, bleiben unbeachtet. Im Rahmen der Labour Process Debate erscheint der Staat häufig nur als Feld der Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen,
vorrangig über Positionen im Betrieb bestimmten Kräften. Es wird der Frage nachgegangen,
wie angesichts dieser Kritik ein alternativer Anschluss an Marx aussehen kann. In einer systemtheoretischen Lesart kann man Beschreibungen wie das Interesse des Kapitalisten an der
Vermehrung des Geldes des Geldes wegen oder den Wechsel von 'W-G-W' zu 'G-W-G' sehr
wohl übernehmen. Wie die meisten Sozialwissenschaftler würden auch Systemtheoretiker mit
Marx insofern übereinstimmen, dass das private Eigentum an Produktionsmitteln, der auf Expansion angelegte Erwerbsbetrieb, die abhängige Lohnarbeit als dominante Form der erwerbsorientierten Arbeitstätigkeit und die Verwandlung aller produzierten Güter und Dienstleistungen sowie der dafür notwendigen Arbeitskraft in marktfähige Waren zentrale Merkmale
der kapitalistischen Wirtschaft sind. Wenn man die verständliche marxistische Abwehrreaktion gegenüber der Systemtheorie außer Acht lässt, kann man die Theorie funktionaler Differenzierung sogar als eine Radikalisierung von Karl Marx lesen. Es wird argumentiert, dass
der Marxismus seine Stärken entfaltet, wenn es um die Behandlung wirtschaftssoziologischer
Fragen im engeren Sinne geht. Für eine Programmatik des 'bringing society back in' müsste
aber vermutlich auf andere Theorien zurückgegriffen werden. (ICG2)
[280-L] Lamla, Jörn:
Verstehen und Erklären bei Anthony Giddens, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 503-524, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Im Fokus der Kritik von Anthony Giddens stehen insbesondere funktionalistische,
strukturalistische und evolutionistische Theorien auf der einen Seite sowie am methodologi-
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
147
schen Individualismus ausgerichtete Ansätze auf der anderen Seite. Giddens weist das Auseinanderfallen von objektivistischen und subjektivistischen Sichtweisen entschieden zurück,
die im ersten Fall den Strukturen der gesellschaftlichen Ordnung, im zweiten Fall dem intentionalen Handeln der Individuen ein Übergewicht in sozialwissenschaftlichen Erklärungen
einräumen. Giddens Ziel ist es, solche Einseitigkeiten durch die theoretische Bestimmung des
internen Zusammenhangs von Handeln und Struktur zu überwinden, der in der laufenden Produktion und Reproduktion jeglicher sozialen Praxis zum Tragen kommt. Im vorliegenden
Beitrag werden zunächst die für diesen sozialtheoretischen Ansatz grundlegenden Konzepte
des Handelns und der Struktur vorgestellt. Es werden ferner die methodischen Zugänge der
Strukturierungstheorie von Giddens erläutert, die sich auf das Sinnverstehen und die RaumZeit-Analyse beziehen. Vor diesem Hintergrund wird dann die Frage erörtert, wie sich Giddens zum Problem von Verstehen und Erklären positioniert und welche Weiterentwicklungen
sein methodischer Zugang bereithält. (ICI2)
[281-L] Lenz, Karl:
Verstehen und Erklären bei Erving Goffman, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 239-260, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Der soziologische Theoretiker Erving Goffman hat sich in keinem seiner Werke ausführlich zum methodischen Zugang zum Sozialen geäußert. Hinter diesem Umgang mit der
methodischen Selbstreflexion steht bei Goffman jedoch nicht einfach ein Versäumnis, sondern eine Grundhaltung: Er wollte sich nicht beim "Wie" des wissenschaftlichen Arbeitens
aufhalten, sondern sich vielmehr den Inhalten der Forschung zuwenden. Denn der wissenschaftliche Fortschritt - so seine feste Überzeugung - lasse sich nicht durch eine Methodendebatte, sondern nur durch die Praxis wissenschaftlichen Arbeitens erzielen. Dennoch kann aus
einigen verstreuten Hinweisen und vor allem aus seinen ethnographischen Studien der methodische Zugang Goffmans zum Sozialen entschlüsselt werden. Der Autor erläutert zunächst
die methodische Konzeption Goffmans, die sich auf naturalistische Verfahren und den konzeptionellen Konstruktivismus bezieht. Er stellt anschließend die Umsetzung der methodischen Konzeption dar, indem er auf die zahlreichen Feldstudien Goffmans, seine Analyse natürlicher Daten und seine Entdeckungsstrategien für theoretische Konzepte eingeht. Er beschließt seine Ausführungen mit einer Erörterung der Grenzen und Potenziale des methodischen Zugangs Goffmans. (ICI2)
[282-L] Lindemann, Gesa:
Verstehen und Erklären bei Helmuth Plessner, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 117-142, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Der Forschungsansatz von Helmuth Plessner ermöglicht es zum einen, die methodologische Bedeutung, die anthropologische Annahmen für die soziologische Forschung haben,
zu reflektieren und zum anderen, den Zusammenhang zwischen Anthropologie und Sozialtheorie explizit zum Thema zu machen. Es geht für Plessner nicht nur darum, das Verstehen
gesellschaftlich-historischer Prozesse als wissenschaftliches Verfahren zu begründen, sondern
ebenso um einen rational begründeten verstehenden Zugang zur Natur. Diesem Anspruch ver-
148
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
sucht Plessner gerecht zu werden, indem er den verstehenden Zugang zur Natur als Reflexion
der naturwisschaftlichen Forschung begreift. Es handelt sich bei Plessners Theorie des Lebendigen also einerseits um einen methodisch eigenständigen verstehenden Zugang zur Natur,
welcher andererseits zugleich eine Reflexion des naturwissenschaftlichen Naturverständnisses
darstellt. Die Autorin erläutert die Prinzipien der geschlossenen und der offenen Frage bei
Plessner sowie seine Grundlegung des Verstehens sozialer Phänomene. Sie geht außerdem
näher auf das Verstehen personaler Vergesellschaftung ein, das die Struktur sozialwissenschaftlicher Deutungen, die künstliche Lebensform der "exzentrischen Positionalität", die
"Vertrautheit-Fremdheit" und die Notwendigkeit von Politik umfasst. Sie erörtert abschließend die methodologische Relevanz der anthropologischen Annahmen Plessners. (ICI2)
[283-L] Link, Jürgen:
Dispositiv und Interdiskurs: mit Überlegungen zum 'Dreieck' Foucault - Bourdieu Luhmann, in: Clemens Kammler, Rolf Parr (Hrsg.): Foucault in den Kulturwissenschaften : eine
Bestandsaufnahme, Heidelberg: Synchron Wiss.-Verl. der Autoren, 2007, S.219-238, ISBN: 9783-935025-96-6 (Standort: USB Köln(38)-34A/700)
INHALT: Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Darstellung der wesentlichen Kategorien, auf deren Basis nun ein reformulierter Definitionsvorschlag für ein Foucaultsche Dispositiv erfolgen kann: Es handelt sich um ein spezifisches, historisch relativ stabiles Kopplungs-Kombinat aus einem spezifischen interdiskursiven Kombinat ('horizontal') sowie einem
spezifischen Macht-Verhältnis ('vertikal'). Diese gleichrangige Berücksichtigung der 'vertikalen' Macht-Dimension ist die entscheidende Innovation der Genealogie gegenüber der Archäologie. Dabei umfasst das interdiskursive Kombinat Wissenselemente aus operativen Spezialdiskursen, insbesondere aus natur- und humanwissenschaftlichen einschließlich der spezifischen Techniken, während das 'vertikale' Machtverhältnis sich längs einer Polarität von disponierender und disponierter Subjektivität aufbaut: Justiz/ Polizei-Krimineller, Arzt-Patient,
Psychiater-Neurotikerin, Pädagoge-Zögling, allgemein: Experte-Laie. Gleichzeitig damit expliziert Foucault im Begriff des Dispositivs also die 'vertikale' Dimension der Sagbarkeit als
Wissensmonopol monopolistischer Sprecher (Experten) - so wie er die subjektbildende Effektivität der Diskurse betont, was ebenfalls die 'vertikale' Dimension einschließt: das disziplinierte oder sexualisierte Subjekt als freiwilliges Ansatzprofil spezifischer Machtwirkungen.
(ICG2)
[284-L] Lippuner, Roland:
Sozialer Raum und Praktiken: Elemente sozialwissenschaftlicher Topologie bei Pierre
Bourdieu und Michel de Certeau, in: Stephan Günzel (Hrsg.): Topologie : zur
Raumbeschreibung in den Kultur- und Medienwissenschaften, Bielefeld: transcript Verl., 2007,
327 S., ISBN: 978-3-89942-710-3 (Standort: UB Köln(38)-34A8730)
INHALT: Der Verfasser zeigt zunächst, wie Bourdieu mit dem Konzept des sozialen Raums eine
relationale Sicht der sozialen Welt zu gewinnen sucht. Dabei stellt sich die Frage, in wie weit
ein solches topologisches Verständnis des sozialen Welt mit dem Aufdecken von Klassenlagen, Strukturmustern und Disparitäten vereinbar ist. Hier knüpft Michel de Certeaus Analyse
raumbezogener Alltagspraktiken an. Mit Blick auf die irreduzible Vielfalt alltäglicher Praktiken versucht de Certeau, die "soziale Topologie" von innen heraus zu beschreiben. Während
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
149
Bourdieus Konzeption des sozialen Raums zu einer absoluten Raumkonzeption tendiert, der
die Identifikation von Schichten oder Klassen erlaubt, kann man mit der "pedestrischen" Methode de Certeaus Einsicht in die Vielfalt und Beweglichkeit der Alltagspraktiken gewinnen.
(ICE2)
[285-L] Mackert, Jürgen:
Verstehen und Erklären bei Robert K. Merton, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 219-238, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Robert K. Merton gilt als einer der bedeutendsten Soziologen der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts und sein eigenständiger Weg führte ihn von der funktionalistischen Phase
der 1940er Jahre, die er u.a. mit den wichtigen Aufsätzen "The Unanticipated Consequences
of Purposive Social Action" (1936) und "Social Structure and Anomie" (1938) einleitete, über
die Ausarbeitung seines theoretischen und methodologischen Ansatzes in den 1950er Jahren
bis hin zur "strukturellen Analyse", welche seitdem im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses stand. Vor dem Hintergrund des diesem Programm zugrunde liegenden Wissenschaftsverständnisses lässt sich Mertons methodologischer Ansatz in drei Schritten rekonstruieren: erstens wird die Bedeutung von Problemdefinition und Begriffsbildung für die empirische Forschung und Theoriebildung herausgestellt; zweitens wird der Charakter der Theorien mittlerer
Reichweite und ihre Kodifizierung erläutert; drittens werden die strukturelle Analyse und das
mit ihr verbundene Erklärungsprogramm dargelegt. Abschließend wird ein Überblick über die
Diskussion und Weiterentwicklung der methodischen Konzeption von Robert K. Merton gegeben. (ICI2)
[286-L] Meyer, Thomas:
Das Freie Jüdische Lehrhaus und die Frankfurter Schule, in: Richard Faber, Eva-Maria Ziege
(Hrsg.): Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften vor 1945, Würzburg:
Königshausen u. Neumann, 2007, S. 167-175, ISBN: 978-3-8260-3165-6 (Standort: USB
Köln(38)-35A2018)
INHALT: Der Beitrag geht den Beziehungen zwischen Frankfurts "Freiem Jüdischen Lehrhaus"
und der "Frankfurter Schule" während der 1920er Jahre nach. Um den Rabbiner Nehemia Anton Nobel, dem Begründer des "Lehrhaus", gesellten sich der junge Siegfried Kracauer, Leo
Löwenthal und vor allem Erich Fromm. Ausgehend von deren früher religiös-jüdischen Phase
fragt der Autor nach jüdischen Motiven und Ursprüngen der sich profan gebenden Kritischen
Theorie und schließlich der Frankfurter Schule um Horkheimer und Adorno. Die sich formierende Frankfurter Schule war insofern ein "jüdisches Projekt der Moderne" als dass sie von
Juden gegründet wurde. Eine schließlich günstige Mischung aus Privilegien, der materiellen
Unterstützung durch Mäzene, und Exklusion, ein weitgehender Ausschluss von der Universitätskarriere, hat Menschen zusammengebracht, die sich nicht über ihre Herkunft, sondern
über ihre Ziele in einem bestimmten, das heißt, pragmatisch festgelegten Rahmen einigen
konnten. Das heißt ganz und gar nicht, dass es sich hierbei um eine homogene Gruppe handelte, die an einem Strang zog. Die Ausschlüsse, programmatischen Neuorientierungen und
Konkurrenzen bieten häufig ein Bild hochmotivierter Destruktion Andersdenkender. Insgesamt war die Frankfurter Schule jedoch sowenig "jüdisch", wie sie "philosophisch" war. Be-
150
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
sonders bei Adorno bleiben die Versuche schal, ihn jüdisch näher zu bestimmen. Daran ändert die Tatsache nichts, dass er nach der Shoah wie kaum ein anderer der "Schul"-Mitglieder
den "Zivilisationsbruch" durch die Nazis zu denken versuchte. (ICA2)
[287-L] Mozetic, Gerald:
Verstehen und Erklären bei Talcott Parsons, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 199-218, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Im vorliegenden Beitrag wird die Bedeutung von Verstehen und Erklären im Werk von
Talcott Parsons dargestellt. Es wird zunächst eine historische Einordnung der "Verstehen und
Erklären"-Problematik vorgenommen, die auf eine im 19. Jahrhundert äußerst kontrovers geführte Grundlagendebatte zurückgeht. Diese Frontstellung war auch in der Konstitutionsphase
des Faches Soziologie vorherrschend, und die Versuche einer Begründung der Soziologie um
1900 enthielten daher einschlägige Stellungnahmen und Positionierungen. Keine davon ist
dem Autor zufolge lebendiger geblieben als Max Webers Diktum vom erklärenden Verstehen
als dem spezifischen Verfahren der Soziologie. Um die Frage zu beantworten, wie diese Debatte im Einzelnen von Parsons aufgegriffen wurde, können nach Meinung des Autors nicht
die fachspezifischen Diskurse nachgezeichnet werden, die das große Thema in unterschiedlicher Weise brechen und konturieren. Ebenso wenig ist es möglich, jenen Verästelungen und
Sophistikationen gerecht zu werden, die nach Etablierung und Verselbständigung einer "philosophy of science" das "Verstehen und Erklären" zu einem analytischen Spezialforschungsbereich machten. Vielmehr wird im vorliegenden Beitrag versucht, die Konstruktionsprinzipien der soziologischen Theorie von Talcott Parsons soweit offen zu legen, als es zum Verständnis des spezifischen Problems des Verstehens notwendig ist. (ICI2)
[288-L] Müller, Hans-Peter:
Verstehen und Erklären bei Emile Durkheim, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 51-71, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Der Status von Emile Durkheim als Klassiker und Begründer der französischen Soziologie lässt sich auch auf seine zahlreichen Überlegungen zur Methode in den Sozialwissenschaften zurückführen. Durkheim hat aber nicht nur einen methodischen Kanon entwickelt,
sondern selbst auch einschlägige Studien im Geiste seines methodischen Ideals vorgelegt: seine "Arbeitsteilung" von 1893, in der er ein Strukturbild der modernen Gesellschaft entwickelt; seine "Selbstmord"-Studie von 1897, der ersten empirischen Monographie zu dieser
Thematik, und schließlich seine letzte Studie über "Die elementaren Formen des religiösen
Lebens" aus dem Jahre 1912, in der er versucht hat, im Totemismus der australischen Ureinwohner die einfachste Religion in ihrem Wesen zu erfassen und zugleich den Kategorien der
menschlichen Erkenntnis auf die Spur zu kommen. Der Autor erläutert im ersten Teil seines
Beitrages das Verständnis Durkheims von "Verstehen" und "Erklären" vor allem anhand der
"Regeln der soziologischen Methode" (1895). Im zweiten Teil beschreibt er die Umsetzung
des Durkheimschen Programms in den genannten Werken und geht der Frage nach, ob Durkheim den selbst gesetzten methodischen Standards gerecht wird. Er nimmt abschließend eine
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
151
zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen von Durkheims Methode vor.
(ICI2)
[289-L] Müller, Hans-Peter:
Max Weber: eine Einführung in sein Werk, (UTB : Soziologie, 2952), Köln: Böhlau 2007, 311
S., ISBN: 978-3-8252-2952-8 (Standort: USB Köln(38)-34A8464)
INHALT: "Max Weber war vermutlich der letzte Universalgelehrte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der gleichermaßen als Ökonom, Jurist, Historiker, Politikwissenschaftler, Soziologe
und sogar als Philosoph gelten kann. Sein Werk gehört mit zu dem Besten, was die Soziologie hervorgebracht hat. Die leitende Problemstellung sowie die Einheit seines Werkes sind indes nicht leicht auszumachen. Die vorliegende Einführung setzt sich zum Ziel, das Charakteristische in Max Webers Werk anschaulich herauszuarbeiten und den Zusammenhang zwischen Theorie, Methode, Analyse und Gesellschaftskritik aufzuzeigen. Das Buch bietet eine
Gesamtschau auf Max Weber, die die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Leben und
Werk verständlich macht." (Autorenreferat)
[290-L] Neves, Marcelo:
Die Staaten im Zentrum und die Staaten an der Peripherie: einige Probleme mit Niklas
Luhmanns Auffassung von den Staaten der Weltgesellschaft, in: Soziale Systeme : Zeitschrift
für soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 247-273 (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Aufsatz geht von der Unterscheidung von zentraler und peripherer Moderne als
eine Differenz, die negativen Wirkungen auf die funktionale Differenzierung der Weltgesellschaft hat, aus und aus diesem Ausgangspunkt setzt sich mit den Problemen der Staaten in
den jeweiligen Kontexten auseinander. Der Verfasser geht aus Luhmanns systemtheoretischer
Perspektive auf die Merkmale und Probleme der demokratischen Rechtsstaaten in der zentralen Moderne ein. Im Anschluss daran werden die Grenzen der Staatsbildung und Staatsrealisierung und der Mangel an operativer Autonomie bzw. funktionaler Ausdifferenzierung des
Recht und der Politik in der peripheren Moderne behandelt. Zum Schluss konzentriert sich
der Autor auf den Trend einer paradoxen 'Peripherisierung des Zentrums' im Zuge der sogenannten 'Globalisierung' und auf die Grenzen dieses Trends in einer asymmetrischen Weltgesellschaft." (Autorenreferat)
[291-L] Nollmann, Gerd:
Verstehen und Erklären bei George Herbert Mead, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer,
Wolfgang Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 177-197, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Nach der These von George Herbert Mead entsteht der Sinn in evolutionärer Hinsicht
zunächst nur intersubjektiv, als objektive Beziehung zwischen den Verhaltensweisen interagierender Organismen, und wird erst im Weiteren durch Verinnerlichung dieser objektiven
Bedeutungsbeziehungen auch subjektiv verfügbar. Diese These gilt nicht nur für die Entwicklung menschlichen Verhaltens insgesamt (Phylogenese), sondern auch für die individuelle Le-
152
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
bensgeschichte (Ontogenese). Für Mead ist deshalb im Regelfall gewährleistet, dass innerhalb
einer Kommunikationsgemeinschaft der subjektiv intendierte mit dem sozial erwarteten Sinn
übereinstimmt. Der Autor erläutert den Beitrag Meads zur Diskussion über Erklären und Verstehen sowohl historisierend aus der Sicht seiner Zeit als auch in ihrer heutigen Aktualität für
die Gesellschaftswissenschaften. Er stellt zunächst Meads methodische Konzeption vor und
beschreibt sein spezifisches Verständnis der Begriffe Kommunikation, Sinn und Verstehen.
Vor dem Hintergrund von Meads objektivistischer Sinnperspektive diskutiert er dann die Frage, wie der Sozialwissenschaftler Erklärungen für die unterschiedlichen Phänomene menschlicher Erfahrungen und Handlungen finden kann und in welchem Verhältnis diese zum Verstehen von Sinn angelegt sind. Er zeigt ferner anhand einiger Beispiele und Typenbildungen,
wie Mead Verstehen und Erklären gegenstandsbezogen umsetzt. Er beschließt seinen Beitrag
mit einer Diskussion der Frage, welche Lehren, Empfehlungen und Selbstvergewisserung die
gegenwärtige Forschung aus Meads Werk gewinnen kann. (ICI2)
[292-F] Pahl, Hanno, Dipl.-Pol. (Bearbeitung); Willke, Helmut, Univ.-Prof.Dr.iur. (Betreuung):
Die Emergenz des Monetären bei Marx und Luhmann - Wirtschaft und Finanzsphäre in gesellschaftstheoretischer Reflexion
INHALT: Das Dissertationsprojekt untersucht in vergleichender Weise die kategorialen Grundlagen der Beschreibungen von Wirtschaft und finanziellem Sektor in den Gesellschaftstheorien
von Niklas Luhmann und Karl Marx und sucht darüber hinaus nach Möglichkeiten einer finanzspezifischen Fortschreibung dieser Ansätze. Diese Arbeit am Begriff wird angeleitet
durch eine Bezugnahme auf das heute unter dem Schlagwort einer 'Entkopplung' internationaler Finanzmärkte kontrovers thematisierte Verhältnis von Wirtschaft und Finanzsphäre nach
dem Ende des Systems fester Wechselkurse von Bretton Woods: Internationale Finanzmärkte
gelten innerhalb des neueren Globalisierungsdiskurses als Paradebeispiele für 'emergente'
transnationale Strukturbildungen, gleichzeitig erfährt man dort bisher allerdings - jenseits
technologischer und quantitativer Bestimmungen - zumeist nur wenig Grundsätzliches über
die Konstitutionslogik und Bewegungsdynamik der Finanzsphäre. Ausgehend von der im Anschluss an Marx zu belegenden These, wonach es sich bei der Finanzsphäre aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive betrachtet grundsätzlich um eine Art Verkehrung zweiter
Ordnung handelt, sowie der im Anschluss an Luhmann zu entfaltenden Beschreibung der Finanzsphäre als Wiederholung von Systembildung im Wirtschaftssystem sollen aktuelle Befunde zum Verhältnis von Gesellschaft, Wirtschaft und Finanzsphäre, etwa die These einer
referenzlosen Hyperrealität finanzmarktlicher Aktivitäten, kritisch diskutiert werden. Die Arbeit versteht sich ferner sowohl als ein Beitrag zum relativ neuen Forschungsfeld der 'social
studies on finance' wie auch als Beitrag zur Frage von Ungleichartigkeiten und Ungleichzeitigkeiten in der globalen strukturellen Realisierung verschiedener 'Funktionssysteme'.
ART: BEGINN: 2003-01 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, Institut für Weltgesellschaft Graduiertenkolleg 844 "Weltgesellschaft - die Herstellung und Repräsentation von Globalität"
(Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0521-106-3081, e-mail: [email protected])
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
153
[293-L] Perron, Corinna:
Montesquieu, Marx und die Kritik der modernen Gesellschaft bei Hannah Arendt, in: Lars
Lambrecht (Hrsg.): Entstehen des Öffentlichen : eine andere Politik, Frankfurt am Main: P. Lang,
2007, S. 257-264, ISBN: 978-3-631-56750-0 (Standort: Bayer. SB München(12)-2007.39569)
INHALT: Der Beitrag zeigt, dass und warum Arendts Gesellschaftsbegriff nicht mit dem Begriff
der Klassengesellschaft identisch ist. Die Klassengesellschaft, ebenso wie die Massengesellschaft oder die Arbeitsgesellschaft, sind spezifische Erscheinungsformen der modernen Gesellschaft. Ihre Kritik der modernen Gesellschaft ist den jeweiligen Ausprägungen noch einmal übergeordnet. Die Entstehung der modernen Gesellschaft ist nach Arendt nicht zuletzt
auch Folge der individuell kompensierenden Reaktion auf die Säkularisierung. Eine der Kernthesen der politischen Theorie Arendts besagt, dass die Säkularisierung ein Politikverständnis
schuldig geblieben ist, das den Rahmen der christlich abendländischen Tradition zugunsten
eines Bereichs spezifisch menschlicher Angelegenheiten überwindet. Für ihr Anliegen, die
Bedeutung eines eigenständigen politischen Raumes aufzuzeigen, bildet Montesquieu eine
zentrale Referenz. Neben Kant gehört er Arendt zufolge zu den "Denkern der Neuzeit, die,
was politische Theorie angeht, vielleicht die tiefsten und größten sind". Während Montesquieu in Arendts Werk die Sache der Politik vertritt, ist Marx für sie nicht nur ihr "Ankläger",
sondern ihr "Bestatter". Unter den Bedingungen einer vergesellschafteten Menschheit prognostiziert er das "Absterben des Staates". Eine Tendenz, deren Beobachtung Arendt für zutreffend hält, allerdings unter anderen als den von Marx angenommenen Vorzeichen. (ICA2)
[294-L] Pinzani, Alessandro:
Jürgen Habermas, (Beck'sche Reihe : Denker, 576), München: Beck 2007, 232 S., ISBN: 978-3406-54764-5
INHALT: Die Publikationen des international meist zitierten deutschen Philosophen der Gegenwart sind auch für Politikwissenschaftler anregend: Man denke nur an die frühen Einlassungen mit Marx oder an die spätere Auseinandersetzung mit dem Nationalstaat. Leider wird die
von Habermas 2004 entwickelte Idee des Verfassungspatriotismus in dieser Einführung nur
am Rande erwähnt. Ein Kapitel ist der Rechts- und Staatsphilosophie gewidmet, andernorts
werden die publizistischen Interventionen zur Frage der Deutschen Einheit und zum KosovoKrieg aufbereitet. In weiteren Kapiteln beschreibt Pinzani Habermas' Leben und behandelt
das Thema 'Theorie und Praxis' sowie die Diskurstheorie der Wahrheit und der Moral. Das
Buch 'Theorie des kommunikativen Handelns' erhält einen eigenen Abschnitt. Als durchgängige Leitidee des Werks hat der Autor 'die Idee einer Emanzipation der Individuen als autonome Wesen' (8) ausgemacht. Für eine Einführung ist die starke Ausrichtung an den Originaltexten mit vielen Zitaten nicht immer hilfreich. Die Aktualität des Bandes, die auch die jüngst
von Joachim Fest für kurze Zeit entfachte Aufregung um die nationalsozialistische Vergangenheit von Habermas dokumentiert, verdeutlicht die Vorläufigkeit des Überblicks. (ZPol,
NOMOS)
[295-L] Rammstedt, Otthein (Hrsg.):
Individualismus der modernen Zeit: und andere soziologische Abhandlungen, Frankfurt am
Main: Suhrkamp 2008, 394 S., ISBN: 978-3-518-29473-4
154
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
INHALT: "Die vorliegende Auswahl der kleineren soziologischen Abhandlungen Simmels soll
zum einen die Bandbreite der von Simmel angesprochenen Themen widerspiegeln und zum
anderen seine verschiedenen theoretischen Zugänge - Simmel spricht in diesem Zusammenhang von 'Soziologien' - aufzeigen: Die 'Allgemeine Soziologie', die sich mit Fragen der Gesellschaft und besonders mit den prinzipiellen Relationen zwischen den einzelnen und den
aus ihnen gebildeten sozialen Aggregaten beschäftigt; die 'Reine oder Formale Soziologie',
die die Formen analysiert, mit denen die Individuen, um die Inhalte (Triebe und Zwecke) umzusetzen, in Wechselwirkung mit anderen treten müssen - und dadurch Gesellschaft konstituieren; und schließlich die 'Philosophische Soziologie', die einerseits die Erkenntnistheorie
beinhaltet, andererseits durch Hypothese und Spekulation den unvermeidlich fragmentarischen Charakter jeder Empirie zu einem geschlossenen Gesamtbild zu ergänzen versucht."
(Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Das Problem der Sociologie (31-38); Persönliche und
sachliche Kultur (39-58); Das Relative und das Absolute im Geschlechter-Problem (59-82);
Zur Psychologie und Soziologie der Lüge (83-94); Soziologie der Mahlzeit (95-102); Zur
Psychologie der Mode. Sociologische Studie (103-114); Das Objekt der Soziologie (115118); Zur Soziologie der Familie (119-132); Zur Soziologie der Religion (133-151); Die Gesellschaft zu zweien (152-158); Soziologie der Geselligkeit (159-173); Die Ueberstimmung.
Eine soziologische Studie (174-183); Das Geheimnis. Eine sozialpsychologische Skizze (184189); Der Brief. Aus einer Soziologie des Geheimnisses (190-193); Der Mensch als Feind.
Zwei Fragmente aus einer Soziologie (194-201); Soziologie der Konkurrenz (202-224); Das
Ende des Streits (225-235); Dankbarkeit. Ein soziologischer Versuch (236-243); Psychologie
des Schmuckes (244-251); Treue. Ein sozialpsychologischer Versuch (252-256); Zur Soziologie des Adels. Fragment aus einer Formenlehre der Gesellschaft (257-266); Exkurs über den
Fremden (267-274); Soziologie der Sinne (275-289); Soziologische Apriori (290-302); Soziologische Aesthetik (303-318); Die Großstädte und das Geistesleben (319-333); Ueber Geiz,
Verschwendung und Armut (334-345); Der Individualismus der modernen Zeit (346-354);
Rosen. Eine soziale Hypothese (355-360); Georg Simmel und die Soziologie. Nachwort von
Otthein Rammstedt (361-392).
[296-L] Richter, Christoph:
Im Kreuz der Wirklichkeit: die Soziologie der Räume und Zeiten von Eugen RosenstockHuessy, (Europäische Hochschulschriften. Reihe 22, Soziologie, Bd. 418), Frankfurt am Main: P.
Lang 2007, 206 S., ISBN: 978-3-631-55773-0 (Standort: USB Köln(38)-35A2832)
INHALT: Die Arbeit interpretiert exemplarisch an der "Soziologie der Räume und Zeiten" des
Philologen, Juristen, Historikers und Soziologen Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973) den
Stellenwert des Gesamtwerks in der Geschichte der Soziologie. Im ersten Teil wird eine
schrittweise Annäherung an die Person Rosenstock-Huessy und sein Denken vollzogen. Diesem Kapitel kommt eine Schlüsselfunktion zu im Verständnis um die methodischen Implikationen, die der Verfasser im Begriff vom "Kreuz der Wirklichkeit" verdichtet sowie hinsichtlich seiner schwierigen "privatsprachlichen" Terminologie, die kontextbezogen für eine weitere Verwendung erläutert wird. Rosenstock-Huessy bezeichnet in seiner Soziologie die Phänomenen Raum und Zeit als die grundlegenden Parameter menschlicher Daseinserfahrung
und Dimensionen des "In-der-Welt-Seins". Das Raumverständnis Rosenstock-Huessys orientiert sich weniger an den Vorstellungen eines physiko-mathematischen abstrakten Raumes.
Zugleich will sich Rosenstock-Huessy mit dieser Positionierung gegen die Kantsche These
vom Raum als "reiner Anschauungsform" abgrenzen. Im Blick auf beide Aspekte bedeutet
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
155
"Raum" die "Verräumlichung von Differenz", Raum verkörpert also ein "identitätsstiftendes
und Differenz bestimmendes Verortungsinstrument des Eigenen und des Fremden". Diese
Funktion zeigt sich vor allem in Band l der Soziologie des Autors in der raummetaphorischen
Unterscheidung zwischen Außenraum (Aktivum) und Innenraum (Reflexivum), aber auch anhand der konkreten Abgrenzung von Natur- und Kulturräumen. (ICA2)
[297-L] Rössel, Jörg:
Vom rationalen Akteur zum "systemic dope": eine Auseinandersetzung mit der
Sozialtheorie von Hartmut Esser, in: Berliner Journal für Soziologie, Bd. 18/2008, H. 1, S. 156178 (Standort: USB Köln(38)-XG07112; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.bjs-digital.de/)
INHALT: In den vergangenen fünfzehn Jahren hat Hartmut Esser in einer Reihe von Beiträgen
eine integrative Sozialtheorie entwickelt, die auch die Gegensätze zwischen einer soziologischen Theorie des Handelns auf der einen Seite und einem eher ökonomischen Verhaltensmodell auf der anderen Seite zu überwinden versucht. In diesem Aufsatz soll die These entwickelt werden, dass Esser bei der Durchführung seiner Sozialtheorie die beiden zentralen Bezugspunkte seiner theoretischen Konzeption aus den Augen verliert: einerseits die Vorstellung einer erklärenden Soziologie und andererseits das RREEMM-Modell eines unter Restriktionen handelnden, aber kreativen und findigen Akteurs. Dies kann vor allem an zwei
Aspekten seiner Theorie gezeigt werden: Erstens verleitet die von Esser vorgenommene Verknüpfung von Handlungs- und Systemtheorie zu einer - für handlungstheoretische Zwecke unterkomplexen und damit nicht zutreffenden Beschreibung der Randbedingungen des Handelns in spezifischen Situationen; zweitens führt sie zu einer theoretischen Erklärung von
Handlungsentscheidungen, die für die Soziologie entscheidende Typen des Handelns nicht
angemessen berücksichtigt. Damit sind die Bedingungen für eine richtige Erklärung sozialer
Phänomene nicht mehr gegeben." (Autorenreferat)
[298-L] Schäfer, Gert:
Marxismus heute, in: Helmut Arnold, Gert Schäfer (Hrsg.): "Dann fangen wir von vorne an" :
Fragen des kritischen Kommunismus ; Theodor Bergmann zum 90. Geburtstag, Hamburg: VSAVerl., 2007, S. 14-23, ISBN: 978-3-89965-257-4 (Standort: UB Leipzig(15)-01A2008-664)
INHALT: Der Marxismus ist heute weithin diskreditiert, weil er zur politischen Formel, zur Ideologie einer bürokratischen und zeitweise terroristischen Diktatur wurde. Eine vom historischen Materialismus beeinflusste moderne Arbeitermassenbewegung gibt es gegenwärtig
nicht mehr. Da die gesellschaftliche Entwicklung die von Marx analysierten Probleme der kapitalistischen Produktionsweise aber nicht nur nicht gelöst, sondern verschärft hat, bleibt der
Marxismus aktuell. Die großen Probleme unserer Zeit sind (1) das Problem von Krieg und
Frieden, (2) das Problem der fortschreitenden Umweltzerstörung und (3) die Schere zwischen
Reichtum und Armut, zwischen obszönem Protz und bitteren Elend. Es ist Zeit für die Neugründung eines internationalen Bundes demokratischer Kommunisten. (ICE2)
156
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[299-L] Schärer, Alex:
Theoretisch keine Brüder: Foucault und Marx als Antagonisten, in: Prokla : Zeitschrift für
kritische Sozialwissenschaft, Jg. 38/2008, Nr. 2 = H. 151, S. 221-236 (Standort: USB Köln(38)XG3381; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Obwohl sich Foucault häufig - und positiv - auf Marx bezieht, beschäftigt er sich nicht
mit der Kritik der Politischen Ökonomie. Er definiert Macht in Abgrenzung zum Marxismus
und zu Ansätzen, die Macht in Bezug auf Wirtschaft sehen. So kommen schwerwiegende
Fehlschlüsse in Foucaults Machtanalytik zustande. Vergleicht man Foucaults Analyse von
Disziplin und Recht mit derjenigen von Marx, wird die Unvereinbarkeit beider Theorien offensichtlich. Versuche, Foucault und Marx unter einen Hut zu bringen, weisen häufig methodologische Mängel auf. Es mag allerdings angehen, einige Erkenntnisse Foucaults aus Marxscher Perspektive neu zu interpretieren und so Foucault und Marx zu verbinden. (ICEÜbers)
[300-L] Scheuch, Ute:
Erwin K. Scheuch - eine Biographie: Bd. 1, Es mußte nicht Soziologie sein, aber es war
besser so, Bad Schussenried: G. Hess 2008, 448 S., ISBN: 978-3-87336-361-8
INHALT: Dieser erste von zwei Bänden der Biographie des Kölner Soziologen (1928 bis 2003)
beschreibt seinen Werdegang von der Kindheit bis zu seiner Berufung als Ordinarius an die
Universität zu Köln am 3. September 1965 und seine Antrittsvorlesung. Anhand einer Vielzahl von auch privaten Dokumenten wird unter knapper Interpretation derselben der Lebensweg im Sinne des Titels der Biographie aufgezeigt. Nach einer von ökonomischen Notwendigkeiten wie von inhaltlichem Interesse geleiteten beruflichen Zweigleisigkeit nach dem
Zweiten Weltkrieg, die journalistische wie wissenschaftliche Aktivitäten vereinte, wird die
Entscheidung Scheuchs für eine Karriere als Soziologe sichtbar. Gebahnt durch vielfältige Interessen sowie durch zahlreiche Veröffentlichungen, Kooperationen mit Kommilitonen und
Kontakte zu bereits etablierten Wissenschaftlern erwarb er sich früh einen Ruf als talentierter,
aufstrebender Student. Belohnt wurde dies mit geförderten Teilnahmen an zahlreichen Kongressen und Studienaufenthalt in den USA. Alle diese Gelegenheiten wurden von ihm zielgerichtet genutzt: für persönliche Kontakte zu den bereits bekannten 'Großen' der Soziologie,
vor allem in den USA, und zum Aufbau eines weltweiten Netzwerks an Gesprächspartnern,
mit denen Scheuch später auf internationaler Ebene sowohl Forschungskooperationen eingehen wie auch Institutionen von Wissenschaft und Forschung mitbegründen oder mitprägen
konnte. Anhand seines Lebenswegs wird beispielhaft deutlich, in welcher Situation sich die
Soziologie und die Umfrageforschung im Nachkriegsdeutschland zunächst befanden und wie
sie sich in den 1960er Jahren etablierten. Zur Entstehung der 'Kölner Schule' der Soziologie
wird gezeigt, dass René König seinen 'Schüler' Erwin K. Scheuch förderte, weil er dessen Potential erkannte und vor allem auch seine Arbeit schätzte, die für die Abrundung von Standardwerken wie dem Handbuch der empirischen Sozialforschung unverzichtbar waren. Im
weiteren Verlauf- vor allem nach der Rückkehr Scheuchs von einer zweijährigen Gastprofessur in Harvard - wird dann der Konflikt zwischen den beiden Soziologen zunehmend sichtbar.
Hinzu kommen die komplexen Überlegungen Scheuchs bezüglich seiner Berufungsverhandlungen und der Weichenstellungen für die Institutionalisierung von Forschungs- und Serviceeinrichtungen für die Sozialwissenschaften. In seinem Nachwort zu der Biographie, die von
Scheuchs zweiter Ehefrau verfasst wurde, unterscheidet Peter Atteslander zwischen René König als Initiant und Förderer der empirischen Sozialforschung und Scheuch als dem Forscher,
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
157
der seine angelsächsischen Erfahrungen in die 'Kölner Schule' prägend einbrachte und damit
eine ertragreiche, interkulturelle, empirische Forschung begründete. (ICE)
[301-L] Schmidt, Alfred:
Übergang zur verwalteten Welt: Max Horkheimer/ Theodor W. Adorno ; "Dialektik der
Aufklärung" (1947), in: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärungsprozesse seit dem 18.
Jahrhundert, Würzburg: Königshausen u. Neumann, 2006, S. 121-143, ISBN: 3-8260-3114-8
INHALT: Der Autor kommentiert die im Jahre 1947 erschienene "Dialektik der Aufklärung" von
Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, welche zeitkritisch-philosophische Analysen des
20. Jahrhunderts enthält. Das Werk zielt auf eine Rekonstruktion des historischen Verlaufs
dieser Epoche und untersucht empirische Fragestellungen auf einer möglichst breiten kulturanthropologischen, ethnologischen und sozialpsychologischen Ebene. Es wendet sich gleichermaßen gegen den Positivismus und eine voreilig sinngebende Metaphysik und untersucht
den spezifischen Typus von Wissen und Rationalität, der sich im Verlauf der westlichen Zivilisation in Basis und Überbau durchgesetzt hat. Das große Thema des Buches ist jedoch die
Selbstzerstörung der Aufklärung und die Frage, "warum die Menschheit, anstatt in einen
wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt". Zwei
Thesen bestimmen bereits den ersten, um den Begriff der Aufklärung zentrierten Traktat:
"Schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythos zurück". Der Autor
thematisiert in seinem Beitrag die Funktion der Aufklärung als epochalen und weltgeschichtlichen Prozess und das kritische Verständnis des Mythos bei Max Horkheimer und Theodor
W. Adorno. (ICI)
[302-L] Schneider, Wolfgang Ludwig:
Verstehen und Erklären bei Ulrich Oevermann, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 333-364, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Die Differenz zwischen objektiven Sinn- oder Bedeutungsstrukturen einerseits und
subjektivem Sinn andererseits fungiert bei Ulrich Oevermann als programmatische Leitdifferenz, um die Methode der objektiven Hermeneutik gegenüber der "traditionellen Nachvollzugshermeneutik der Geistes- und Kulturwissenschaften" abzugrenzen. Die Explikation des
Sinnbegriffs, den die Methode objektiven Verstehens voraussetzen muss, ist vor diesem Hintergrund die Aufgabe einer Theorie der Konstitution objektiver Sinnstrukturen. Die Reflexion
des Zusammenhangs zwischen der Methode objektiven Verstehens und der Theorie der Sinnkonstitution ist auch Gegenstand der Methodologie der objektiven Hermeneutik, die im vorliegenden Beitrag näher erläutert wird. Zunächst wird der Strukturbegriff der objektiven Hermeneutik und die Methodik objektiv-hermeneutischer Interpretation skizziert. Im Anschluss
daran wird die Funktionsweise der Methode an einem forschungspraktischen Beispiel verdeutlicht und das Strukturmodell von Lebenspraxis als gegenstandstheoretisches Äquivalent
des Strukturbegriffs vorgestellt. Des weiteren werden die wichtigsten Teiltheorien des Forschungsprogramms der objektiven Hermeneutik beschrieben, die unmittelbar an das Modell
der Lebenspraxis anknüpfen. Abschließend wird auf die Rezeption und Kritik der objektiven
Hermeneutik eingegangen. (ICI2)
158
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[303-L] Schneider, Wolfgang Ludwig:
Verstehen und Erklären bei Karl Mannheim, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 143-176, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Karl Mannheim ging es in seiner soziologischen Theorie des Verstehens, die er unter
dem Eindruck der Husserlschen Psychologismuskritik entwickelte, um die Beantwortung der
Frage, in welcher Weise das Denken im Leben verwurzelt ist. Seine Forschungen richteten
sich auf eine Analyse der sinnhaften Verknüpfung zwischen unterschiedlichen Formen des
Denkens und den Lebenshaltungen, die insbesondere für bestimmte soziale Schichten und deren Lebenslagen typisch sind. In enger Verbindung mit dieser wissenssoziologischen Problemstellung hat Mannheim methodische Fragen diskutiert und dabei eine detaillierte Typologie unterschiedlicher Formen der Interpretation "geistiger Gebilde" entworfen. Der Autor
stellt im ersten Teil seines Beitrages diese Typologie näher vor und zeigt, in welcher Weise
Mannheim zwischen Verstehen und Erklären unterscheidet. Er führt im zweiten Teil in die
Grundannahmen der Wissenssoziologie ein und erläutert im dritten Teil die Methode der wissenssoziologischen Interpretation Mannheims am Beispiel der Frage: "Ist Politik als Wissenschaft möglich?" Er geht abschließend auf die Rezeption und Kritik der Mannheimschen Position sowie auf Weiterführungen seiner Wissenssoziologie ein. (ICI2)
[304-L] Schroer, Markus:
Verstehen und Erklären bei Pierre Bourdieu, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 311-332, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Im Werk von Pierre Bourdieu finden sich dem Autor zufolge weder gelehrte Abhandlungen über das Verhältnis von Theorie und Empirie noch über das Begriffspaar Erklären und
Verstehen oder andere Dualismen. Bourdieus Einlassungen zu diesen Themen sind über sein
gesamtes Werk verstreut, das geradezu systematisch zu verhindern sucht, ausschließlich den
(Groß-)Theoretiker oder nur den Empiriker Bourdieu rezipieren zu können. Seine Arbeiten
leben vielmehr davon, empirische Untersuchungen und theoretische Aussagen miteinander zu
verbinden. Sie behaupten nicht, sondern führen selbst vor, wie das eine mit dem anderen unauflöslich zusammenhängt. Sie leben von der wechselseitigen Beziehung zwischen theoretischen Konstrukten und empirischen Erhebungen, die sich gegenseitig permanent in Frage
stellen und so einen fruchtbaren und im Grunde nicht abschließbaren Forschungsprozess in
Gang setzen. Der Autor unternimmt vor diesem Hintergrund den Versuch, das spezifische
Verständnis Foucaults vom Verstehen und Erklären aus dessen Schriften gleichsam herauszudestillieren. Seine Ausführungen beziehen sich insbesondere auf Bourdieus Kampf gegen die
Dualismen und auf das "Elend der Welt" als umfassendes Projekt des Verstehens. (ICI2)
[305-L] Söllner, Alfons:
Totalitarismustheorie und frühe Frankfurter Schule, in: Mike Schmeitzner (Hrsg.):
Totalitarismuskritik von links : deutsche Diskurse im 20. Jahrhundert, Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht, 2007, S. 229-246, ISBN: 978-3-525-36910-4 (Standort: UB Bonn(5)-2007 7966)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
159
INHALT: Der Beitrag geht der Frage nach, ob die Frankfurter Schule in ihrer formativen Phase
wenn nicht selber eine eigenständige Totalitarismustheorie formuliert, so doch totalitarismustheoretische Elemente ausgeprägt hat, die für ihre Theoriegestalt signifikant waren oder aus
heutiger Sicht noch sind. Die Fragestellung versucht eine größere theoriegeschichtliche Perspektive aufzumachen und geht dabei von der Annahme einer gewissen Asymmetrie aus:
Während die Geschichte des Totalitarismuskonzepts offensichtlich vieldeutig verlief, sodass
der Begriff eigentlich nur im Plural Sinn macht, zeigt der Horkheimer-Kreis zumindest in der
Frühphase eine hohe und vor allem eine relativ einheitliche Theorieorientierung. Eine entwickelte Totalitarismustheorie ist dabei durch folgende Prämissen definiert: (1) die Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Stalinismus als den ausgeprägtesten Formen totalitärer
Herrschaft; (2) die methodische Konzentration auf das politische System und die Herrschaftsmethoden der totalitären Diktaturen; (3) die normative Spiegelung des Totalitarismus im Idealtypus des demokratischen Verfassungsstaates westlicher Prägung. (ICA2)
[306-L] Speier, Hans:
Die Intellektuellen und die moderne Gesellschaft, (Bibliothek sozialwissenschaftlicher
Emigranten, Bd. 8), Graz: Nausner & Nausner 2007, 404 S., ISBN: 978-3-901402-41-8 (Standort:
UuStB Köln(38)-35A2491)
INHALT: In seiner Einleitung würdigt der Herausgeber den Verfasser als letztes, im Jahr 1990
verstorbenes Mitglied der ursprünglichen University in Exile und gibt einen Überblick über
Leben und Lebenswerk des Verfassers. Er legt im Folgenden eine Sammlung von Aufsätzen
aus der Feder des Verfassers zu drei Schwerpunktthemen vor. Der erste Schwerpunkt behandelt die Intellektuellen in der Perspektive des Marxismus und der Wissenssoziologie. Hier
geht es um Marx und Mannheim, die bürgerliche Intelligenz in Deutschland, die Wissenssoziologie sowie die Intellektuellen im Exil. Der zweite Themenschwerpunkt widmet sich der
öffentlichen Meinung und der Propaganda, der internationalen politischen Kommunikation,
der Kommunikation versteckter Bedeutungen und den Protokollen der Weisen von Zion. Im
dritten Teil geht es um "Aspekte moderner Gesellschaften" wie Ehre und Sozialstruktur, den
Narren und die soziale Ordnung, Risiko und Sicherheit, Witz und Politik. Der abschließende
Text ist autobiographischer Natur. Eine Auswahlbiografie der Schriften des Verfassers ist
beigefügt. (ICE)
[307-L] Stehr, Johannes:
Normierungs- und Normalisierungsschübe - zur Aktualität des Foucaultschen
Disziplinbegriffs, in: Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr (Hrsg.): Foucaults
Machtanalytik und soziale Arbeit : eine kritische Einführung und Bestandsaufnahme, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S. 29-40, ISBN: 978-3-531-15020-8 (Standort: USB Köln(38)34A8884)
INHALT: Der Beitrag zur Machtanalytik M. Foucaults im Kontext einer kritischen Theorie und
Praxis Sozialer Arbeit erörtert die Annahme, wonach das Konzept der Disziplinargesellschaft
trotz aller gesellschaftlichen Formwandlungen auch heute nicht an Relevanz verloren hat.
Foucault hat dem Begriff der Disziplin eine Bestimmung gegeben, die sie vor allem als eine
integrierende Herrschaftstechnik ausweist, die allerdings - als die andere Seite der Disziplinierung - zugleich auch Prozesse der sozialen Ausschließung produziert. Im Gegensatz zur
160
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
Perspektive der Kontrollgesellschaft und den vielfältigen Analysen zur Gouvernementalität
wird Ausschließung nicht als eine veraltete, in den Hintergrund gedrängte Herrschaftstechnik
begriffen, sondern die Dialektik von integrierender Disziplinierung und Ausschließung in den
Blick genommen. Es geht daher zunächst darum, den Foucaultschen Disziplinbegriff zu konturieren, um ihn im Anschluss ins Verhältnis zur sozialen Ausschließung zu setzen. Beide
Techniken stützen sich auf das Instrument der Norm. In der Auseinandersetzung mit den Foucaultschen Begrifflichkeiten der Norm, Normierung und Normalisierung werden die Zusammenhänge und Übergänge zwischen Disziplinierung und Ausschließung herausgestellt. Abschließend geht es darum, die gegenwärtige Relevanz des Foucaultschen Disziplinbegriffes
für Analysen der gegenwärtigen Gesellschaftsformation zu diskutieren und einige Anknüpfungspunkte für eine kritische Theorie Sozialer Arbeit zu benennen. (ICG2)
[308-F] Steiner, Stephan, M.A. (Bearbeitung):
Leo Strauss und die Marburger Hermeneutik. Eine historisch-systematische Rekontextualisierung seines Denkens
INHALT: Das Denken von Leo Strauss (1899-1973) ist seit einigen Jahren ins Zentrum der Aufmerksamkeit politischer Philosophie gerückt, ausgelöst durch die us-amerikanische Debatte
um seine Bedeutung für den Neokonservativismus. Trotz zahlreicher Studien und Sammelbände blieben die zeitgeschichtlich-biographischen Ursprünge seines Denkens, seine intellektuelle Prägung durch die Auseinandersetzungen der Weimarer Republik, bis heute jedoch wenig beachtet. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man den Lehrer- und Freundeskreis von
Strauss in dieser Epoche näher betrachtet. Es zeigt sich dort seine Zugehörigkeit zur Marburger Hermeneutik, des Schülerkreises, der in den 1920er Jahren um Rudolf Bultmann und
Martin Heidegger entstanden war. Karl Löwith, Hans Jonas, Gerhard Krüger und Hans-Georg
Gadamer zählten dort zu seinen Freunden. Neben diesen waren es Carl Schmitt, Ernst Cassirer, Max Weber, Hermann Cohen und Franz Rosenzweig, mit denen er persönliche Kontakte
pflegte, oder die zumindest zu einer zentralen Bezugsfigur seines Denkens wurden. In der
Aufarbeitung dieses Beziehungsgeflechtes lässt sich der Streit um das Erbe der Aufklärung,
als Frage nach den normativen Quellen der Deutung und des Selbstverstehens des Menschen,
als Leitmotiv der damaligen Debatten freilegen. Ein Motiv, das bei Strauss seine erste Gestalt
in den Studien zur Genealogie der Aufklärung und zur Religionskritik findet; das in veränderter Gestalt jedoch auch im Zentrum der platonisierenden Argumentationsfiguren der Liberalismuskritik des späten Strauss nachgewiesen werden kann. In dieser ist es nicht nur der Rekurs auf Aristoteles in ethischer Absicht, den Strauss etwa in den Vorlesungen des frühen
Heidegger kennen gelernt hatte, sondern auch ein charismatisch-erzieherisches Ideal, das zu
dieser Zeit selbst Antipoden wie Stefan George und Max Weber verband, die das bleibende
Erbe der Zeit in Strauss' Werk darstellen - und durch ihn wieder auf die Gegenwart wirken.
Dieser intellektuelle Streit um die Bedeutung der Aufklärung, aktueller denn je, zentriert um
die Legitimität der normativen Kraft der Tradition, ist ein Konflikt, der im liberalen "Westen"
tiefe Gräben aufreißt und zugleich als Grundkonflikt zwischen säkular-emanzipatorischen
und religiös-traditionalistischen Gesellschaften zu beschreiben ist. Diese Linien wird die Arbeit durch eine historische Rekontextualisierung nachzeichnen, um die sich daraus ergebenden systematischen Problemhorizonte dann in ihren Konsequenzen entfalten zu können.
ART: BEGINN: 2006-11 ENDE: 2009-10 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER:
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
161
INSTITUTION: Universität Erfurt, Max-Weber-Kolleg für kultur-und sozialwissenschaftliche
Studien (Am Hügel 1, 99084 Erfurt)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0361-737-2833, Fax: 0361-737-2829,
e-mail: [email protected])
[309-F] Stöckmann, Ingo, Dr. (Bearbeitung):
Soziologischer Sentimentalismus und naturalistischer Roman. Zur Urgeschichte moderner
Sozialtheorien im 19. Jahrhundert
INHALT: Im letzten Drittel des 19 Jahrhunderts lässt sich eine folgenreiche und bislang unerforschte diskursive Konstellation beobachten. Parallel zur Konstitutionsphase der frühen Soziologie (Ferdinand Tönnies, Georg Simmel, Max Weber) richtet der soziale Roman des Naturalismus seine erzählerischen Energien auf all jene Erfahrungen sozialer Desintegration, die
das sozialtheoretische Bild von Struktur und Verlauf der sozialen Modernisierung bis heute
prägen. Auffällig ist dabei, dass in beiden Feldern derselbe Vorstellungshaushalt wirkt und
um ein sentimentalisches Erzählschema herum organisiert wird: Modernisierung ist in der
frühen Soziologie wie im sozialen Roman identisch mit dem Verlust einer ursprünglich-organischen Nahwelt ('Gemeinschaft') und der Ausdifferenzierung einer Sphäre abstrakt-mechanischer Sozialbeziehungen ('Gesellschaft'). Man hat es an dieser Stelle mit nichts geringerem zu
tun als mit einer Urgeschichte moderner sozialtheoretischer Vorstellungen über die Moderne.
Sie sind - in Romantexten von Max Kretzer, Wilhelm von Polenz, Conrad Alberti, Peter Rosegger, Ernst von Wildenbruch und Michael Georg Conrad wie in den Gründungsschriften
der frühen Soziologie - aus Prozessannahmen gewonnen, die Vorstellungen von Anomie und
Desintegration auf einen ehemals homogenen sozialen Körper anwenden. Schon aus diesem
Grund, d.h. aus der Notwendigkeit heraus, soziale Transformationen als Prozesse in der Zeit
gestalten zu müssen, berühren sich Roman und Soziologie in der Unhintergehbarkeit des Erzählens als Selbstkonstitutionsmoment der Moderne. Man kann das angedeutete Schema bei
allen soziologischen Klassikern nachweisen: Bei Tönnies in der Disjunktion von Gemeinschaft und Gesellschaft; bei Simmel, dessen Konzept der "socialen Differenzierung" auf einer
ehemals "primitiven Gruppe" ruht; bei Durkheim und seiner Unterscheidung zwischen "mechanischer" und "organischer" Solidarität; bei Weber schließlich in den frühen nationalökonomischen Arbeiten zum Untergang der Genossenschaftsstrukturen in den ostelbischen Gebieten - ein lokaler Teilprozess der Modernisierung im Übrigen, der auch bei Polenz zur gleichen Zeit thematisch ist. Analog erzählt der in der Forschung fast vollständig unerschlossene
soziale Roman Geschichten vom Verfall des Kleinhandwerks (Kretzer: Meister Timpe
-1889-, Wildenbruch: Meister Balzer -1893-), vom Untergang des Großbauerntums (Polenz:
Der Büttnerbauer -1895-, Rosegger: Jakob der Letzte -1887-), vom Zerfall der paternalistischen Genossenschaften (Polenz: Der Grabenhäger -1897-), vom tief greifenden Zerwürfnis
der Generationen (Alberti: Die Alten und die Jungen -1889-) oder von der Entsubstantialisierung des Sozialen in den ubiquitären Vertragsverhältnissen der Moderne (Conrad: Was die
Isar rauscht -1888-). ZEITRAUM: 19. Jahrhundert
METHODE: Leitend sind drei Gesichtspunkte: 1. Gestaltung von Zeit: Schon Durkheims frühe
Kritik an Tönnies hatte gezeigt, dass die typologische Begriffsbildung der Soziologie nicht
ohne das Denken von 'Entwicklung' zu haben ist. Wollte man an den Begründungstexten der
frühen Soziologie in Anlehnung an erzählanalytische Termini eine histoire- von einer discours-Ebene unterscheiden, so würde man auf der Ebene des discours fortwährend auf Indexikalisierungen von Zeit und analeptische Erzählsignale stoßen. Gerade weil soziale Moderni-
162
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
sierung konstitutiv auf eine Darstellung als Prozess bezogen ist, gehen in die begriffliche
Konstitution der Soziologie weniger erfahrungsförmige Substrate ein, als vielmehr Darstellungszwänge, die den disjunkten Status von 'Gemeinschaft' und 'Gesellschaft' aus nicht explizierten narrativen Gründen allererst herleiteten. 2. Verschuldungsmythos und Feindschaft: An
derselben Problemstelle - der Überführung von organischen in mechanische Sozialformen kann der soziale Roman unbedenklich(er) erzählen. Er tut dies, in dem er das Modernisierungsgeschehen durch Mythen schuldhafter Entzweiung veranschaulicht. Beinahe alle Romantexte folgen diesem Schema, indem sie vor allem die Söhne aus dem Kontinuum der Solidaritäten und Ehrbegriffe ausscheren lassen, mit denen sich die Väter als Bewahrer der Gemeinschaft behaupten. In den Bann dieses 'Verrats' geraten all diejenigen, die durch Diebstahl, Veruntreuung und Vertragsschlüsse Zerwürfnisse einleiten, die quer durch den symbolischen Körper der Familie verlaufen; insofern beruht der soziale Roman auf einer Figuration
des 'Feindes', die der Struktur antagonistischer Erzählungen entspricht. 3. Logik des Supplementären: Wenn es zutrifft, dass Gemeinschaften als Erfahrungssubstrat von sozialer Ganzheit historisch ungedeckt sind, dann wächst ihrer Konstruktion unweigerlich ein supplementärer Status zu. 'Gemeinschaft' ist der Name für den Verlust eines nie stattgehabten Ursprungs
und fungiert in temporaler Hinsicht als ein 'nachträgliches' gesellschaftliches Supplement, in
narratologischer Hinsicht als ein notwendiges Erzählkorrelat, mit dem Modernisierungsprozesse überhaupt darstellbar werden. Damit lässt sich die lang anhaltende Kontroverse zwischen einem ontologischen und einem dekonstruktivistischen 'Denken der Gemeinschaft' entdramatisieren, in dem man die konstitutive Funktion des Erzählens hervorhebt und auf das
Zusammenspiel von literarischer Fiktion und kultureller Semantik wendet.
ART: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Konstanz, Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
(Fach D 173, 78457 Konstanz); Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, FB
Literaturwissenschaft (78457 Konstanz)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 07531-88-4847, e-mail: [email protected])
[310-L] Ternes, Bernd:
Karl Marx: eine Einführung, (UTB Soziologie, Philosphie, 2987), Konstanz: UVK Verl.-Ges.
2008, 299 S., ISBN: 978-3-8252-2987-0
INHALT: Vor dem Hintergrund einiger Hinweise zur Einführung wird vorgestellt, wie Marx für
das gegenwärtige "Kultur-Paradigma" in den Sozialwissenschaften wieder geöffnet, d. h. aufgeschlossen werden kann, ohne ihn anschlussfähig zu machen. Anschließend wird eine ausführliche Biographie präsentiert. Begriffe, die im Umkreis der Beschäftigung mit dem Marxismus immer wieder synonym benutzt werden, werden konturiert unterschieden und durch
einen Vergleich Hegel/Marx in Bezug auf die Begriffe Anthropologie und Geschichtsphilosophie ergänzt. Die Darstellung der "Essenzen der politökonomischen Analyse" ist auf zwei Kapitel verteilt. Das erste von ihnen widmet sich dem Verhältnis zwischen Marxens Analyse
und der Analyse von Smith und Ricardo sowie der Frage, wie Marx die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise historisch entwirft. Das zweite kommt ausführlich auf die konkreten, theorieinternen Begriffe der Marx'schen Politökonomie zu sprechen und wird abgeschlossen mit der Darstellung bestimmter Kritiklinien, die sich aus Marx' politischer Ökonomie und aus seiner Gesellschaftstheorie ergeben. Abschließend wird erörtert, wie Historischer
Materialismus und Kulturbegriff verbunden werden können. Ein Literaturverzeichnis, ein
Glossar sowie ein Sach- und Namensregister runden das Buch ab. (ICG2)
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
163
[311-F] Thiele, Franziska; Ziegler, Christian, Dipl.-Soz.Wiss. (Bearbeitung):
Jürgen Habermas als Sozialtheoretiker und öffentlicher Intellektueller: Leben, Werkentwicklung und zeitgeschichtlicher Kontext
INHALT: Mit den beantragten Forschungsmitteln sollen wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen werden, eine wissenschaftlich tragfähige Biographie des Sozialtheoretikers und öffentlichen Intellektuellen Jürgen Habermas zu schreiben. Zusammen mit einer auf den primären Quellen beruhenden Rekonstruktion der Lebensgeschichte von Jürgen Habermas soll
dann die Entwicklung und der Wandel seiner elementaren Denkfiguren auf der Basis des
Werks dargestellt sowie seine Praxis als öffentlicher Intellektueller auf der Grundlage der Interventionen in den Printmedien analysiert werden. Im Mittelpunkt des beantragten Forschungsvorhabens stehen die folgenden fünf Arbeitsschritte: 1. Recherchen in verschiedenen
Archiven sowie die Sichtung, Sammlung und systematische Auswertung der Quellen; 2. Zusammenstellung und Auswertung der zahlreichen, verstreut publizierten Interviews, die Habermas gegeben hat unter biographischen und werkgeschichtlichen Gesichtspunkten; 3.
Durchführung und Auswertung von leitfadengestützten Experteninterviews von Wegbegleitern und Zeitgenossen von Jürgen Habermas; 4. Sammlung, Dokumentation und Auswertung
der öffentlichen, über Medien verbreiteten Stellungnahmen von Jürgen Habermas und über
ihn, soweit sie im Zusammenhang mit seiner intellektuellen Praxis stehen; 5. Erhebung und
Dokumentation des zeitgeschichtlichen Kontexts zu Jürgen Habermas. ZEITRAUM: seit 1929
METHODE: Biographieforschung; Intellektuellensoziologie DATENGEWINNUNG: Qualitatives
Interview (Stichprobe: ca. 10). Inhaltsanalyse, offen (Stichprobe: ca. 800; Presseartikel).
Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: BEGINN: 2007-07 ENDE: 2008-06 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Oldenburg, Fak. 01 Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für
Sozialwissenschaften Fach Soziologie Arbeitsgruppe Kultur- und Kommunikationsforschung
(26111 Oldenburg)
KONTAKT: Müller-Doohm, Stefan (Tel. 0441-798-2932,
e-mail: [email protected])
[312-L] Tyrell, Hartmann:
Zweierlei Differenzierung: Funktionale und Ebenendifferenzierung im Frühwerk Niklas
Luhmanns, in: Soziale Systeme : Zeitschrift für soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 2, S. 294310 (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Beitrag richtet den Blick auf das Frühwerk Niklas Luhmanns, auf das Jahrzehnt
von der Mitte der 1960er bis in die Mitte der 1970er Jahre und zeichnet die Luhmannsche
Ideenentwickung in Sachen 'soziale Differenzierung' nach. Es geht dabei einerseits - mit
'Grundrechte als Institution' (1965) als Ausgangspunkt - um die funktionale Differenzierung
der Gesellschaft. Anderseits geht es um die Ebenendifferenzierung von Interaktion, Organisation, Gesellschaft; der Ausgangspunkt ist hier 'Funktionen und Folgen formaler Organisation'
(1964)." (Autorenreferat)
164
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
[313-L] Vasilache, Andreas:
Verstehen und Erklären bei Michel Foucault, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 285-310, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Obwohl sich Michel Foucault weder an der Debatte um verstehende oder erklärende
Forschungszugänge beteiligt, noch sich direkt auf diese Auseinandersetzung bezogen hat, gibt
es dennoch in seinen Werken zahlreiche Anhaltspunkte, die eine Diskussion im Lichte der
Verstehen-Erklären-Debatte nach Ansicht des Autors lohnenswert erscheinen lassen. Er zeigt,
dass bei Foucault die Vorstellungen der diskursiven Regelhaftigkeit, der relativen Wahrheit
und der reinen Beschreibung von Diskursen in einem Spannungsverhältnis zu zentralen Prämissen der ideengeschichtlichen und geisteswissenschaftlichen Methoden stehen. Insbesondere der methodische Imperativ der Sinn- und Bedeutungssuche wird von Foucault radikal in
Frage gestellt. Er möchte vielmehr jene Prämissen hinterfragen, die die gemeinsame Basis sowohl der verstehenden als auch der erklärenden Tradition bilden, wobei sich aber insbesondere die Abgrenzung vom erklärenden Paradigma als grundlegend herausstellt. Wenngleich
Foucault der Debatte um verstehende und erklärende Zugänge den Rücken zuwendet, tritt seine Diskurstheorie nach Meinung des Autors im Hinblick auf ihre wissenschaftsethische Letztbegründung dennoch ihr Erbe an. Denn gemeinsam mit verstehenden wie erklärenden Ansätzen steht Foucault in der Tradition eines aufklärerischen Ziels: der Entmythologisierung der
sozialen Wirklichkeit. (ICI2)
[314-L] Voigts, Manfred:
"Des vielen Büchermachens ist kein Ende": Hinweis auf Eduard Strauss, in: Richard Faber,
Eva-Maria Ziege (Hrsg.): Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften vor 1945,
Würzburg: Königshausen u. Neumann, 2007, S. 183-196, ISBN: 978-3-8260-3165-6 (Standort:
USB Köln(38)-35A2018)
INHALT: Der Beitrag widmet sich Eduard Strauss, dem jahrzehntelangen Dozenten am "Freien
Jüdischen Lehrhaus" in Frankfurt, der dort keineswegs im Schatten der allgemein viel bekannteren Buber, Nobel, Rosenzweig und Scholem stand. Mehr als diese beweist er, dass das
"Lehrhaus" eine jüdische Größe sui generis war, auch dann, wenn es nicht mit nichtjüdischen
Institutionen und Personen vernetzt war. Freilich ist der antizionistische und insgesamt konservative Strauss heute selbst innerjüdisch unbekannt - für den Autor zu unrecht. Der Autor
markiert mit seinem "Hinweis" auf den noch im US-amerikanischen Exil zwischen den Fronten von Zionismus, bildungsbürgerlicher Assimilation und Thorajudentum stehenden Strauss
ein wichtiges Desiderat (deutsch-)jüdischer Studien und den Vorläufern der Frankfurter Schule. (ICA2)
[315-L] Wittich, Dietmar:
Klassenlage: Entwurf für ein HKWM-Stichwort, in: Utopie kreativ : Diskussion sozialistischer
Alternativen, 2008, H. 209, S. 213-221
(www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/209/209.pdf)
INHALT: Der Text ist ein Entwurf für das Stichwort "Klassenlage" im "Historisch-kritischen
Wörterbuch des Marxismus". Der Verfasser diskutiert Klassenlage als Grundkategorie der
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
6 Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc.
165
Klassenanalyse, mit dem große soziale Gruppen mit typischerweise ungleichen Lebensbedingungen und Chancen beschreiben werden, die beide direkt mit der sozioökonomischen Verhältnissen und den Ressourcen dieser Gruppen zusammenhängen. (ICEÜbers)
[316-L] Ziemann, Andreas:
Verstehen und Erklären bei Georg Simmel, in: Rainer Greshoff, Georg Kneer, Wolfgang
Ludwig Schneider (Hrsg.): Verstehen und erklären : sozial- und kulturwissenschaftliche
Perspektiven, München: Fink, 2008, S. 27-49, ISBN: 978-3-7705-4630-5
INHALT: Die Methoden des Verstehens und Erklärens bei Georg Simmel werden vor allem in
dessen Studien "Die Probleme der Geschichtsphilosophie" (1892/1907) und "Vom Wesen des
historischen Verstehens" (1918) entwickelt. Es lassen sich dem Autor zufolge zwei wissenschaftstheoretische Grundsätze festhalten, die für Simmels Position charakteristisch sind: (1)
"Geschichte ist Formung" und (2) "Es gibt weder besondere historische Gesetze noch eine
kausallogische Erklärung der Historie im strengen Sinne". Der Autor geht im ersten Teil seines Beitrages auf den Aufbau von Simmels Formensoziologie ein und rekonstruiert die zentralen Problemstellungen, Vorgehensweisen und Grundbegriffe. Er zeigt, dass zwar ein dezidiert methodologischer Vorlauf in der Soziologie Simmels fehlt, dass es jedoch eine nachträglich geführte erkenntniskritische Diskussion gibt, wie das Sein und auch das Erkennen von
Gesellschaft möglich ist. Der Autor geht im zweiten Teil dieser philosophischen Rahmung
der Soziologie nach und diskutiert den methodischen Stellenwert der "soziologischen Aprioritäten" bei Simmel - eine Besonderheit, zu der Vergleichbares in anderen soziologischen
Theorien fehlt. Er gibt abschließend einen Überblick über die Diskussion und Weiterentwicklung der methodischen Konzeption Simmels in der Soziologie. (ICI)
7
Sonstiges
[317-L] Baron, Oliver:
Ironie: ist Ironie zu überwinden? ; eine Fallstudie, in: Stefanie Diekmann, Thomas Khurana
(Hrsg.): Latenz : 40 Annäherungen an einen Begriff, Berlin: Kulturverl. Kadmos, 2007, S. 130135, ISBN: 978-3-86599-039-6 (Standort: UB Frankfurt am Main(30)-1353596)
INHALT: Der Beitrag untersucht Gemeinsamkeiten und Differenzen der Systemtheorie Luhmanns und des Dekonstruktivismus Derridas hinsichtlich eines "gemeinsamen Ahnen": der
romantischen Ironie. Auf der Basis eines Verständnisses von Kommunikation als Einheit eines dreistufigen Prozesses von Information, Mitteilung und Verstehen sieht die Luhmann die
Besonderheit von Ironie darin, dass sie die Möglichkeit des "Verstehens" der Information
durch die Art der Mitteilung in Frage stellen und damit zu einer Unsicherheit bezüglich des
Informationsgehalts führen kann. Mit dieser Leistung gilt Ironie dem Soziologen als Vorläufer eigener theoretischer Errungenschaften: Ironie soll eine epistemologische Pointe vorführen, die erst von der Systemtheorie in ihrem Begriff der "Beobachtung zweiter Ordnung" in
den Stand wissenschaftlicher Erkenntnis erhoben wird. Die Systemtheorie behauptet, sie habe
die Entdeckung, dass jedes Ironisieren von Unterscheidungen selbst mit ironisierbaren Unterscheidungen arbeiten muss, in ihrer Systemarchitektur berücksichtigt und zugleich konstruktiv gewendet. Der Verzicht gegenüber Derrida auf eine permanente Auto-Dekonstruktion er-
166
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
7 Sonstiges
mögliche ihr ein "sich selbst nicht mehr trauendes und sich eben darin begründendes gründliches Verstehen". (ICA2)
[318-L] Kersten, Catrin:
Orte der Freundschaft: Niklas Luhmann und "Das Meer in mir", (Kaleidogramme, Bd. 22),
Berlin: Kulturverl. Kadmos 2007, 143 S., ISBN: 978-3-86599-032-7 (Standort: Aachen BTH(82)Za6582-22)
INHALT: "Was denn nun eigentlich das Wesen der Freundschaft ausmache, dies vermag die lange Tradition Denkens und Schreibens über Frendschaft nicht zu beantworten: Freundschaft
erweist sich als enorm beweglich, als nicht letztgültig bestimmbar. So lässt sich die 'Freundschaftslücke' im Werk des Soziologen Niklas Luhmann letzten Endes als plausible Konsequenz dieser Definitionsschwierigkeiten lesen. Gleichwohl fällt die traditionelle Semantik der
Freundschaft keineswegs 'unter den Tisch': Die zentrale Fragestellung des Textes macht so
Luhmanns Theorie sozialer Systeme zum Gegenstand einer genealogischen Lektüre; es zeigt
sich, dass er bei der Formulierung zentraler Theoreme Semantiken und Topoi der Freundschaftstradition aktualisiert, dass Freundschaft zwar nicht an einem systematischen Ort, aber
dennoch an ganz unterschiedlichen Orten in seiner Theorie auftaucht, in Form semantischer
Fragmente. Auf diese Weise kristallisiert sich schließlich ein Bild von Freundschaft heraus,
das gerade ihrem flexiblen und prekären Charakter gerecht wird, und deutlich macht, dass gerade darin ihr besonderer Wert liegt. Alejandro Amenäbars oscargekrönter Film 'Das Meer in
mir' führt auf beispielhafte Weise vor, welches Potential eine solche Freundschaft entwickeln
kann: Eben weil sie nicht an ein System und einen Ort gebunden ist, kann sie sich über die
Grenzen der funktional spezialisierten Teilsysteme der Gesellschaft hinwegsetzen und so sehr
individuelle Problemlösungen finden." (Autorenreferat)
[319-L] Krause, Detlef:
"Ich hatte keinen Sex mit Monica Lewinsky!": Luhmannsche Alltagsbetrachtungen,
(Systemtheorie/ Gesellschaft), Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verl. 2007, 272 S., ISBN: 978-389670-595-2
INHALT: In 49 Essays versucht der Autor zu demonstrieren, wie sich aktuelles Tagesgeschehen
mithilfe der Systemtheorie und den Thesen ihres wichtigsten Vertreters entschlüsseln und
besser verstehen lässt. Die Essays, sämtlich im Laufe eines Vierteljahrhunderts anlässlich von
Lehrveranstaltungen zur Systemtheorie Luhmanns entstanden, wollen so "den Flug über den
Wolken" (Luhmann) in einen "Flug bei aufgerissener Wolkendecke überführen, Blicke auf
die Erde freigeben". Die Themenspanne reicht von Partnerschaft und Liebe, Moral und Werten, sozialer Ungleichheit und Gleichberechtigung über Herrschaft und Politik, Wirtschaft,
Recht, Wissenschaft und Kunst, Therapie, Religion und Ethik bis hin zu grundlegenden Sinnund Erkenntnismöglichkeiten. Den Gewinn einer Luhmann-Lektüre sieht der Autor resümierend darin, dass es sich lohnt, "beobachten zu lernen, Beobachter und ihre Beobachtungen zu
beobachten. Dann bekommt man viel von dem zu sehen, was gesehen wird und was nicht.
Gerade das von anderen und einem selbst nicht Gesehene lässt das Gesehene im Lichte anderer Möglichkeiten erscheinen. Deshalb muss nicht alles anders gesehen werden. Selbstkritische Distanz sollte sich aber einstellen können, nicht handlungsabstinente Dauerreflexion, da
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
7 Sonstiges
167
man im Alltag ohnehin nicht daran vorbeikommt, laufend Verhaltenszumutungen ausgesetzt
zu sein, handeln und entscheiden zu müssen". (ICA2)
[320-L] Nowak, Jörg:
Poulantzas, Geschlechterverhältnisse und die feministische Staatstheorie, in: Lars Bretthauer,
Alexander Gallas, John Kannankulam, Ingo Stützle (Hrsg.): Poulantzas lesen : zur Aktualität
marxistischer Staatstheorie, Hamburg: VSA-Verl., 2006, S. 137-153, ISBN: 978-3-89965-177-5
(Standort: ULB Münster Zweigbibl. Sozialwiss.(6A)-MD4000/183)
INHALT: Viele marxistische Theorien haben Geschlechterverhältnisse, Rassismus und Eurozentrismus gar nicht oder nur als Nebensächlichkeiten thematisiert. Die vielfachen Spaltungen
und Differenzierungen der Arbeiterklasse entlang von relativ autonomen Herrschaftsverhältnissen, die in historisch kontingenter Weise mit dem Kapitalverhältnis verbunden sind, konnten so nur unzureichend begriffen werden. Demgegenüber setzte Nicos Poulantzas Kämpfe
um Geschlechterverhältnisse und Klassenkämpfe zueinander in Beziehung, wurde jedoch
kaum von feministischen Autorinnen rezipiert. Nichtsdestotrotz finden sich in aktuellen feministischen Theorieansätzen Kernthesen aus Poulantzas' Staatstheorie, ohne als solche ausgewiesen zu werden. Insofern bemüht sich der vorliegende Beitrag, Poulantzas' Beitrag zur Debatte um Staatsmacht, Geschlechter- und Klassenverhältnisse zu rekonstruieren. Dabei wird
von einem Begriff der Geschlechterverhältnisse ausgegangen, der sozialkonstruktivistische
Ansätze mit hegemonietheoretischen verbindet. Beide Ansätze betonen die Relevanz gesellschaftlicher Arbeitsteilung für die Konstitution von Geschlechterhierarchien. Ausschlaggebend ist dabei, dass politische Machtverhältnisse ebenso wie ökonomische Interessen eine
Rolle darin spielen, wie bestimmte Arbeiten entlang von Geschlechtern verteilt werden. Maßstab des Dialogs zwischen Poulantzas und feministischen Staatstheorien ist, wie in den Analysen von Staat, Klasse und Geschlecht zugleich (1) die Eigendynamik von Geschlechterverhältnissen analysiert werden und (2) die Veränderungen in der kapitalistischen Produktionsweise relevanter Bestandteil der Analysen sind. (ICA2)
[321-L] Schützeichel, Rainer:
Soziologische Emotionskonzepte und ihre Probleme, in: Österreichische Zeitschrift für
Soziologie : Vierteljahresschrift der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Jg. 33/2008, H.
2, S. 82-96 (Standort: USB Köln(38)-XH2528; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.oezs-digital.de/)
INHALT: "Die Soziologie der Emotionen steht nicht nur vor der Herausforderung, einen analytischen Theorierahmen zu entwickeln, mit Hilfe dessen Emotionen und ihre Bedeutung für soziales Handeln und soziale Beziehungen analysiert werden können, sondern auch vor dem
Problem, der Komplexität der Emotionen gerecht zu werden, denn 'Emotionen' stellen einen
vielgestaltigen, heterogenen, nur in funktionaler Hinsicht identifizierbaren Phänomenbereich
dar. In der Soziologie wie auch allgemein in der Emotionsforschung liegt jedoch mitunter ein
reduktives, einseitiges, sich auf Alltagsbegriffe stützendes Verständnis von Emotionen vor.
Dadurch kann das Verhältnis von Emotionalität und Sozialität nur unterkomplex erfasst werden. In diesem Beitrag wird eine modulare Theorie vorgestellt, die die verschiedenen Ebenen
von Emotionen in Gestalt von Basisemotionen und kognitiven Emotionen integrieren und dadurch unterschiedliche Formen der sozialen und kulturellen Beeinflussbarkeit von Emotionen
168
soFid Allgemeine Soziologie 2008/2
7 Sonstiges
identifizieren kann. Am Beispiel der Theorie des Strukturtheoretischen Individualismus von
Hartmut Esser wird untersucht, wie eine solche modulare Theorie analytisch gehaltvoll in
einen soziologischen Theorierahmen integriert werden kann." (Autorenreferat)
Register
169
Hinweise zur Registerbenutzung
Sachregister
Grundlage für das Sachregister sind die Schlagwörter, die zur gezielten Suche der Literatur- bzw.
Forschungsnachweise in unseren Datenbanken SOFIS und SOLIS vergeben wurden.
Um eine differenzierte Suche zu ermöglichen, werden dabei nicht nur die Haupt-, sondern auch
Nebenaspekte der Arbeiten verschlagwortet.
●
Bei einem maschinell erstellten Verzeichnis wie dem obigen Sachregister führt das zwangsläufig zu einem Nebeneinander von wesentlichen und eher marginalen Eintragungen.
Manche Begriffe machen erst in Verbindung mit anderen Sinn oder wechseln ihren Sinn in Abhängigkeit vom jeweiligen Zusammenhang.
●
Solche Zusammenhänge gehen aber bei einem einstufigen Register typischerweise verloren.
Vermeintliche Fehleintragungen gehen fast immer aufs Konto eines dieser beiden Effekte, die sich
bei der maschinellen Registererstellung grundsätzlich nicht vermeiden lassen.
Personenregister
Aufgeführt sind
●
bei Literaturnachweisen: alle aktiv an dem Werk beteiligten Personen;
●
bei Forschungsnachweisen: alle als Leiter, Betreuer oder wissenschaftliche Mitarbeiter
(„Autoren“) eines Projekts angegebenen Personen.
Institutionenregister
Aufgeführt sind nur die forschenden Institutionen. Institutionelle Auftraggeber, Finanzierer, Förderer oder dergleichen sind zwar in den Forschungsnachweisen selbst aufgeführt, nicht jedoch im
Register.
Sortierung
Die Sortierung folgt den lexikalischen Regeln, d.h. Umlaute werden wie der Grundbuchstabe sortiert. Numerische Angaben (z.B. „19. Jahrhundert“) sind ganz ans Ende sortiert, also hinter Buchstabe Z.
Nummerierung
Alle in den Registern angegebenen Zahlen beziehen sich auf die laufenden Nummern der Literatur- und Forschungsnachweise.
Personenregister
171
Personenregister
A
Abraham, Martin 247
Adair, Vivyan C. 99
Adam, Frane 100
Alber, Jens 182
Albert, Hans 1
Alda, Holger 183
Aleku, Panajotis 248
Angermüller, Johannes 249
Antoniw, Katja 207, 241
Aschauer, Wolfgang 208
B
Bach, Maurizio 101
Baecker, Dirk 2, 34, 102
Balog, Andreas 250
Balzer, Nicole 79
Barlösius, Eva 103
Baron, Oliver 317
Bartelheimer, Peter 183
Bartl, Walter 184
Bauer, Johannes M. 27
Baumann, Gerd 251
Bäumer, Jürgen 252
Bauschulte, Manfred 253
Beckers, Tilo 35
Beetz, Stephan 104
Beisbart, Claus 209
Benovska-Sabkova, Milena 36
Benz, Arthur 210
Berger, Roger 40
Bernik, Ivan 37
Bertram, Hans 38
Bescherer, Peter 105
Best, Heinrich 185
Best, Henning 3
Blome, Eva 39
Blossfeld, Hans-Peter 106
Boeckh, Jürgen 133
Boes, Andreas 183
Bogdal, Klaus-Michael 254
Bogdanova, Zlatina 160, 161
Bohlken, Eike 107, 108
Böhm, Robert 211
Böhnke, Petra 109
Braun, Norman 40
Braun, Reiner 110
Bretthauer, Lars 255
Brock, Ditmar 4
Bruch, Michael 41
Buchholz, Sandra 106
Bude, Heinz 111, 112, 113, 114, 145
Budowski, Monica 174
Bühler, Christoph 42
Bühlmann, Marc 43
Bührmann, Andrea D. 115
Burkatzki, Eckhard 212
C
Cahill, Kevin 116
Callies, Oliver 117
Castel, Robert 118
Clam, Jean 5
Clark, Anna E. 222
Czerwick, Edwin 256
D
D'Alessio, Nestor 183
Damitz, Ralf 145
Dangschat, Jens S. 119, 120
Degushi, Hiroshi 141
Demirovic, Alex 257, 258
Deppermann, Arnulf 239
Deth, Jan W. van 191
Diekmann, Andreas 44, 213, 259
Dießel, Martin 235
Diewald, Martin 121
Dimmel, Nikolaus 186
Dittrich, Peter 141
Dobusch, Leonhard 214
Döring, Jörg 6
Döring-Seipel, Elke 145
Dörre, Klaus 105
Dröge, Kai 153
Drosdowski, Thomas 183
E
Ebert, Andreas 183
Echterhoff, Gerald 222
Eichner, Klaus 259
172
Eiden, Patrick 39
Eiderdanz, Frank 145
Eisenstadt, Shmuel N. 187
Endreß, Martin 260
Endrikat, Kirsten 129
Esposito, Elena 7
Eßbach, Wolfgang 97
Esser, Hartmut 8, 215
F
Faber, Richard 261, 262
Fassmann, Heinz 122
Fechner, Rolf 263
Feldkamp, Solveig 9
Finkel, Steven E. 216
Fischer, Joachim 45, 264
Florian, Michael 10
Frankenberger, Rolf 46
Franzen, Axel 47
Freitag, Markus 43, 85
Freitag, Namara 183
Frick, Joachim R. 124
Friedrichs, Jürgen 48
Fuchs, Tatjana 183
Fuhse, Jan Arendt 49
G
Gabriel, Oscar W. 191
Gallas, Alexander 255
Gerhards, Jürgen 123
Giesel, Katharina D. 217
Gill, Bernhard 218
Göbel, Andreas 11, 265
Grabka, Markus M. 124
Greshoff, Rainer 266, 267, 268
Greve, Jens 269, 270
Groenemeyer, Axel 219
Gronau, Norbert 75
Gross, Christiane 135
Groß, Martin 188
Großbölting, Thomas 50
Grözinger, Gerd 73
Grundmann, Matthias 51
Gruschka, Andreas 271
H
Hacket, Anne 183
Hadler, Markus 125, 126
Häfer, Wolfram 220
Personenregister
Haller, Max 189
Harbach, Heinz 12
Harkness, Janet A. 164
Hartmann, Michael 127
Haug, Sonja 52
Hechler, Daniel 272
Hedström, Peter 14
Heinecker, Paula 183
Heining, Jörg 128
Heintz, Bettina 273
Heitmeyer, Wilhelm 129, 130, 131
Henning, Christoph 274
Hettlage, Robert 221, 251
Higgins, E. Tory 222
Hildenbrand, Bruno 190
Hinz, Thomas 244
Hofäcker, Dirk 106
Höffe, Otfried 107
Hofmeister, Heather 106
Holtmann, Sieter 132
Huster, Ernst-Ulrich 133
I
Imbusch, Peter 134
Irlenbusch, Bernd 23
Iser, Mattias 13
J
Jäckel, Michael 223
Joesalu, Kirsti 53
Johannessen, Lene 116
Josephs, Ingrid E. 233
Jungbauer-Gans, Monika
K
Kaiser, Paul 54
Kaiser, Petra 55
Kammler, Clemens 276
Kaneff, Deema 160, 161
Kannankulam, John 255
Kappeler, Florian 277
Kaube, Jürgen 136
Keil, Silke I. 191
Keller, Reiner 56
Kern, Thomas 57
Kersten, Catrin 318
Kieserling, André 58
Kindermann, Melanie 59
Klimke, Daniela 137
135
Personenregister
Kneer, Georg 60, 224, 266, 267
Knorr Cetina, Karin 61, 62
Knorringa, Peter 86
Koch, Max 63
Kocka, Jürgen 64
Kohler, Ulrich 109
Kollmorgen, Raj 192, 193
König, Eckard 98
Kopietz, René 222
Kopycka, Katarzyna 184
Kordes, Hagen 194
Kottmann, Andreas 24
Krämer, Nicole 30
Kratzer, Nick 183
Krause, Detlef 319
Krause, Peter 138
Krech, Volkhard 253
Kreutz, Henrik 139, 140
Kriesi, Hanspeter 65
Kristan, Primoz 100
Krölls, Albert 278
Kron, Thomas 14, 15, 141, 195
Kronauer, Martin 142
Kroneberg, Clemens 225
Krönig, Franz Kasper 66
Kühl, Stefan 143, 196, 279
Kuhlmann, Carola 144
Künkler, Tobias 79
Kurz, Karin 106
L
Lamla, Jörn 280
Land, Rainer 183
Lange, Stefan 16
Langenohl, Andreas 17
Langmeyer, Ines 67
Lantermann, Ernst-Dieter 145
Lau, Christoph 56
Laube, Stefan 61
Lauterbach, Wolfgang 83
Lenarz, Philipp 182
Lengfeld, Holger 146
Lenz, Karl 281
Leßmann, Ortrud 147
Leubolt, Bernhard 148
Levine, John M. 222
Levitas, Ruth 68
Lindemann, Gesa 69, 282
Lindenberg, Siegwart 226
173
Lindner, Diana 18
Link, Jürgen 283
Lippl, Bodo 70
Lippuner, Roland 284
Ludewig, Oliver 71
Lütge, Christoph 72
Lutz, Burkart 197
M
Mackert, Jürgen 285
Mai, Ralf 149
Malnar, Brina 37
Mansel, Jürgen 130
Matiaske, Wenzel 73
Mau, Steffen 74
Mautz, Rüdiger 183
Mayer-Ahuja, Nicole 183
Mayerl, Jochen 227
McLeish, Kendra N. 228
Mesjasz, Czeslaw 19
Metzger, Heiko 110
Meulemann, Heiner 191
Meyer, Frank 150
Meyer, Thomas 286
Mills, Melinda 106
Mills, Sara 20
Mogge-Grotjahn, Hildegard 133, 151
Mohler, Peter Ph. 164
Mozetic, Gerald 287
Müller, Burkhard 194
Müller, Claudia 75
Müller, Hans-Peter 288, 289
Müller, Olaf 158
Münch, Richard 76
N
Nassehi, Armin 152
Neckel, Sighard 153
Neu, Claudia 103
Nève, Dorothée de 198
Neves, Marcelo 290
Nicklas, Hans 194, 229
Nida-Rümelin, Julian 230
Nollmann, Gerd 291
Nowak, Jörg 320
O
Oberwittler, Dietrich 48
Oevermann, Ulrich 271
174
Personenregister
Opitz, Sven 154
Oswald, Ingrid 155
Oxoby, Robert J. 228
P
Pahl, Hanno 292
Pape, Simone 156
Parr, Rolf 276
Patzelt, Werner 21, 199
Paugam, Serge 157
Perron, Corinna 293
Pfisterer, Eva 240
Philipps, Axel 272
Pickel, Gert 158
Pieper, Marianne 159
Pilichowska, Nastka 160, 161
Pine, Frances 160, 161
Pinzani, Alessandro 294
Pointner, Sonja 47, 52
Preisendörfer, Peter 77
Q
Quack, Sigrid
214
R
Rademacher, Christian 184
Rammstedt, Otthein 295
Raub, Werner 78, 231
Räwel, Jörg 22
Reiser, Marion 198, 200, 201
Reitemeier, Ulrich 239
Richter, Christoph 296
Ricken, Norbert 79
Riordan, Patrick 232
Ritz, Daniel 138
Rockenbach, Bettina 23
Roller, Edeltraud 191
Rooks, Gerrit 78
Rosa, Hartmut 24, 202
Rössel, Jörg 156, 297
Rothstein, Bo 88
Ruusmann, Reet 53
Ryabchuk, Anastasiya 203
S
Sadowski, Dieter 71
Sahni, Varun 25
Schaarschmidt, Sophie
Schäfer, Gert 298
233
Schäfers, Eduard 80
Scharein, Manfred 149
Schärer, Alex 299
Scheuch, Ute 300
Schimank, Uwe 18, 26, 81, 234
Schleim, Stephan 235
Schmidt, Alfred 301
Schmidt, Carina 145
Schmidt, Christian 82
Schmidt, Peter 259
Schmidt, Steffen 202
Schmitt, Reinhold 239
Schnapp, Kai-Uwe 198, 200, 201
Schneider, Ludwig 266
Schneider, Sven 162
Schneider, Volker 27
Schneider, Wolfgang Ludwig
267, 302,
303
Schneider-Sliwa, Rita 163
Scholz, Evi 164
Schroer, Markus 28, 60, 165, 166, 304
Schülein, Johann August 29
Schulz, Rosine 83
Schulz-Schaeffer, Ingo 236
Schüttpelz, Erhard 60
Schützeichel, Rainer 321
Schwengel, Hermann 204
Schwenk, Gero 237
Schwinn, Thomas 167, 168
Sedmak, Clemens 169
Seubert, Sandra 84
Smeets, Tom 238
Solga, Heike 156
Söllner, Alfons 305
Somm, Irene 153
Speier, Hans 306
Spranz-Fogasy, Thomas 239
Stadelmann-Steffen, Isabelle 85
Staveren, Irene van 86
Stehr, Johannes 307
Stein, Tine 87
Steiner, Stephan 308
Steinert, Heinz 170, 171
Sterbling, Anton 101, 172
Stocké, Volker 225
Stöckmann, Ingo 309
Stolle, Dietlind 88
Strecker, David 24
Stützle, Ingo 255
Personenregister
Sünker, Heinz 89
Sweeney, James 205
T
Tacke, Veronika 90, 220
Tazelaar, Frits 78
Ternes, Bernd 310
Thiele, Franziska 311
Thielmann, Tristan 6
Thomas, Michael 91
Till, Matthias 139, 173
Tillmann, Robin 174
Tokuyasu, Akira 141
Tomsic, Matevz 100
Trepte, Sabine 30
Trinks, Katrin 183
Türk, Klaus 41
Tyrell, Hartmann 312
V
Vasilache, Andreas 313
Vester, Michael 175
Vobruba, Georg 176
Vogel, Berthold 177
Voigts, Manfred 314
Völker, Susanne 92
Vorlänger, Hans 93
Voß, Jan-Peter 94
Voss, Thomas 95, 213, 259
W
Walter, Henrik 235
Washietl, Engelbert 240
Wasner, Barbara 178
Weber, Hannelore 241, 242
Wehrheim, Jan 179
Weinberg, Manfred 39
Weiß, Anja 180
Weiss, Christina 32
Wentz, Robert 243
Wenzel, Harald 33
Wieck, Markus 183
Wiesendahl, Elmar 108, 206
Willisch, Andreas 96, 111, 112, 181, 183
Willke, Helmut 292
Wittich, Dietmar 315
Woderich, Rudolf 91
Wöhler, Thomas 244
Wolter, Marc-Ingo 183
175
Y
Yaish, Meir 225
Yberg, Heinrich 33
Z
Zein, Huda 97
Ziege, Eva-Maria 261
Ziegler, Christian 311
Ziegler, Rolf 245
Ziegler, Siegfried 98
Ziemann, Andreas 316
Zorn, Carsten 246
Sachregister
177
Sachregister
A
Abgeordneter 178
Abstraktion 226
abweichendes Verhalten 137, 213, 219,
259
Adel 295
Adorno, T. 24, 39, 271, 286, 301, 305
Afrika 148
Afrika südlich der Sahara 148
Aggregation 215, 223, 234
Agrarreform 148
Akteur 16, 18, 26, 35, 47, 65, 78, 81, 95,
209, 210, 244, 247, 250, 297, 321
Aktionsforschung 169, 236
Aktivität 310
Aktualität 7, 271, 310
Akzeptanz 125
allein erziehender Elternteil 113
allgemeine Soziologie 1, 213, 216, 226,
231, 245, 259
Alltag 38, 68, 89, 221, 236, 284, 319
Alltagskultur 89
Alltagstheorie 114
alte Bundesländer 83, 128, 132, 149, 184
alter Mensch 38
Alternative 3, 7, 248
altersspezifische Faktoren 191
Altersstruktur 197
Althusser, L. 255, 277
Altruismus 86
Analyseverfahren 68
Andenraum 204
Angst 59
Anspruchsdenken 18
Anthropologie 60, 236, 282
Antikapitalismus 203
Antike 93
Antisemitismus 225, 262, 271
Anwendung 3
arabische Länder 187
Arbeit 98, 183, 189, 191
Arbeiterklasse 99, 320
Arbeitgeber 95
Arbeitnehmer 95, 146
Arbeitsbedingungen 4, 92
Arbeitsbelastung 162
Arbeitsbeziehungen 279
Arbeitsgesellschaft 83
Arbeitskraftunternehmer 186
Arbeitsloser 105, 128, 129
Arbeitslosigkeit 96, 110, 111, 112, 114,
117, 118, 120, 128, 130, 142, 152,
155, 157, 160, 163, 170, 177, 181
Arbeitsmarkt 95, 96, 101, 106, 110, 114,
117, 118, 120, 121, 128, 142, 155,
163, 177, 188
Arbeitsmarktentwicklung 197
Arbeitsmarktpolitik 37
Arbeitsmigration 4
Arbeitsorganisation 101, 146
Arbeitsorientierung 83
Arbeitsplatz 121, 208
Arbeitsrecht 198
Arbeitsteilung 58, 288, 320
Arbeitsuche 95
Arbeitsverhältnis 279
Arbeitsvertrag 279
Arbeitswelt 67, 101
Archäologie 283
Arendt, H. 293
Argentinien 204
Argumentation 209
Aristoteles 29, 86
Armut 99, 101, 104, 111, 112, 113, 119,
125, 127, 133, 138, 139, 140, 144,
147, 152, 157, 159, 160, 162, 169,
170, 173, 179, 182, 295
Armutsbekämpfung 37, 138, 148, 159, 182
Artefakt 218, 224
Asien 148, 187
Askese 133
Assimilation 52, 122
Assoziation 56, 60, 166, 224
Ästhetik 262, 295
Aufklärungszeitalter 301
Ausbeutung 248
Ausländer 113
Ausländerfeindlichkeit 131
Außenministerium 21
Außenwanderung 149
178
Automatisierung 60
Autonomie 66, 294
Autopoiesis 5, 66
Autor 254
B
Ballungsgebiet 128
Baltikum 53, 100
Beck, U. 17, 156
Bedeutung 32
Befragung 164
Begriffsbildung 272, 274, 316
Behinderung 276
Belletristik 309
Belohnung 121
Benachteiligtenförderung 144
Benachteiligung 48, 96, 105, 111, 112,
113, 114, 117, 118, 119, 120, 134,
142, 155, 165, 177, 181
Beobachtung 7, 22, 317, 319
Berichterstattung 183
Berlin 83
Beruf 189
Berufsaussicht 113
Berufsrolle 217
berufstätige Frau 135
Berufsverlauf 311
Berufszufriedenheit 208
Beschäftigungsgesellschaft 83
Beschäftigungspolitik 148
Betreuung 42
Betrieb 77, 146
Betriebswirtschaftslehre 73
Betroffener 169
Bevölkerung 43, 125, 191, 208
Bevölkerungsentwicklung 149
Bevölkerungsgruppe 110
Bevölkerungsstruktur 132
Bewusstsein 5, 136
Bildung 110, 121, 133, 138, 182, 225, 271
Bildungsbeteiligung 99, 270
Bildungschance 113, 144
Bildungsniveau 70, 113, 135
Bildungsökonomie 71, 73, 132
Bildungspolitik 148, 175
Bildungsverhalten 225
Bildungswesen 144, 175, 191
Bildungsziel 225
Bindung 48
Sachregister
Biographie 92, 308, 310, 311
Biologie 199
biologische Faktoren 9
Biopolitik 276
Bloch, E. 261
Bolschewismus 305
Bourdieu, P. 10, 17, 55, 58, 65, 67, 92,
119, 144, 151, 167, 249, 276, 283,
284, 304
Brasilien 137, 148, 204
Brauchtum 231
Brief 295
Bruttoinlandsprodukt 182
Buber, M. 314
Bulgarien 36, 160, 161
Bundestag 21
Bundeswehr 206
Bürger 43, 64, 88, 158, 191
Bürgerbeteiligung 91
bürgerliche Gesellschaft 45, 63, 83
Bürgerrecht 191
bürgerschaftliches Engagement 43, 70,
135, 161, 191, 212
Bürgertum 50, 54, 64, 83
Bürokratisierung 298
C
Chancengleichheit 122, 135, 144, 146,
158, 175, 290
Charisma 289
Chicago-Schule 122
Chile 204
Christentum 57, 93, 293
Codierung 66, 318
Coleman, J. 47, 48, 52, 59, 65, 247
Coping-Verhalten 160, 185, 207, 241
D
Daten 281
DDR 50, 54, 315
Definition 47, 65
Dekonstruktivismus 60, 166, 317
Delinquenz 212
Demographie 110, 149, 283
demographische Faktoren 149, 184, 192,
197
Demokratie 35, 93, 121, 135, 191, 203,
256, 290, 305
Demokratieverständnis 191, 208
Sachregister
Demokratisierung 203, 256
Denken 303
Dependenztheorie 134, 279
Deregulierung 186
Derrida, J. 249, 317
deutscher Sprachraum 162, 239
Deutsches Reich 64
Deutschland 64, 178
deutschsprachige Schweiz 40
Deutung 268
Dewey, J. 243
Dialektik 205, 262, 301
Dienstleistungsberuf 111, 112
Differenzierung 7, 11, 58, 168, 279, 290,
312
Diffusion 75
Diktatur 298, 305
Diplomatie 21
direkte Demokratie 43
Diskriminierung 59, 96, 117, 129, 130,
131, 134, 165
Diskurs 8, 20, 76, 116, 136, 217, 249,
266, 276, 277, 283, 287, 294, 313,
318
Diskussion 11, 29, 156, 244
Dissonanztheorie 205
Disziplin 115, 154, 299, 307
Dorf 51
Dritte Welt 4, 134
Droge 40
Drogenszene 40
Durkheim, E. 24, 29, 69, 166, 288
Dyade 264
E
Effizienzanalyse 75
Egoismus 86
Ehe 208
Ehepartner 77, 208
Ehre 232, 306
Ehrenamt 43, 83, 135, 212
Eigentumsverhältnisse 248
Einfluss 85, 146, 233, 235, 241
Einkommen 42, 110, 124, 126, 132, 133,
138, 174, 182, 270
Einkommenseffekt 121
Einkommensumverteilung 125, 147, 173,
174
Einkommensunterschied 124, 125, 147,
179
173
Einkommensverhältnisse 126, 135
Einkommensverteilung 37, 127, 138, 163
Einstellung 59, 145, 157, 191
Einstellungsbildung 227
Einwanderung 52, 191
Einwanderungsland 93, 163
Einzelhandel 92
Elias, N. 24, 252
Elite 34, 58, 100, 102, 107, 108, 123, 127,
178, 204, 206
Elitebildung 100, 102, 127
Emanzipation 45, 257, 294
Emotionalität 80, 145, 235, 321
Empirie 31, 190, 304
empirische Forschung 22, 47
empirische Sozialforschung 3, 8, 68, 71,
73, 139, 140, 169, 271
Engagement 43, 65, 70, 83, 135
Engels, F. 306
Entfremdung 62, 97
Entgrenzung 6, 28, 74, 224, 272
Entscheidung 7, 147, 216, 230, 235, 259
Entscheidungsfindung 210
Entscheidungstheorie 230, 259
Entsolidarisierung 130, 203
Entstaatlichung 55
Entwicklungsland 85, 134, 148, 187, 204
Entwicklungspsychologie 217
Entwicklungssoziologie 270
Erfolg-Misserfolg 77
Erhebungsmethode 173
Erholung 189
Erinnerung 203
Erkenntnis 250
Erkenntnisinteresse 22
Erkenntnistheorie 12, 22, 60, 169, 274,
316, 319
Erklärung 1, 8, 14, 185, 198, 213, 215,
223, 226, 234, 245, 247, 250, 260,
263, 265, 266, 267, 268, 269, 280,
281, 282, 285, 287, 288, 291, 302,
303, 304, 313, 316
Erleben 319
Erster Weltkrieg 195
Erwartung 13, 124, 215, 223, 226, 231,
234
Erwerbsarbeit 133
Erwerbslosigkeit 138
180
Erwerbsverhalten 106
Erziehung 34, 79
Erziehungswissenschaft 276
Estland 53, 100
Ethik 72, 86, 108, 209, 230, 232, 235,
240, 252, 274, 289, 319
ethnische Beziehungen 194, 229
ethnische Gruppe 52, 137, 167
Ethnizität 167
Ethnographie 160, 281
Ethnomethodologie 56, 69
EU 76, 101, 123, 126, 127, 138, 158, 162,
182, 208
EU-Erweiterung 101, 158
EU-Politik 101, 138
Europa 37, 42, 59, 70, 76, 93, 101, 109,
121, 127, 134, 135, 157, 158, 160,
172, 187, 191, 201, 202, 240, 273
europäische Identität 76
europäische Integration 76, 101, 158, 176
Europäische Kommission 162
europäische Sozialpolitik 101, 158, 182
Europäisierung 101, 176
EU-Vertrag 138
Evaluation 243
Evolution 21, 185, 187, 198, 201, 254,
296
Evolutionstheorie 21, 199
Exil 306
Exklusion 63, 67, 84, 96, 111, 112, 113,
114, 115, 117, 118, 120, 129, 133,
134, 137, 138, 142, 145, 151, 152,
154, 155, 157, 159, 160, 161, 165,
170, 171, 177, 179, 180, 181, 290,
307
Experte 170
F
Fairness 4, 88, 213
Familie 38, 47, 52, 65, 109, 121, 124,
133, 157, 161, 189, 191, 208, 244,
273
Familie-Beruf 106
Familienforschung 217
Familiengründung 259
Familiensoziologie 295
Familienzusammenführung 52
Feindbild 295
Feldforschung 281
Sachregister
Feldtheorie 58, 249
Feminismus 20, 99, 320
Fernsehen 30, 88
Fernsehserie 30
Finanzmarkt 7, 292
Flexibilität 38, 67, 136, 186, 198, 246
Förderungsprogramm 91
Fordismus 63, 171, 186, 255
formale Soziologie 316
Formalisierung 32
formelle Gruppe 196
Forschung 8, 44, 49, 71, 73, 119, 156, 167
Forschungsansatz 67, 119, 159, 167, 176,
190, 193, 247, 250, 258, 260, 263,
265, 266, 267, 268, 269, 272, 274,
280, 281, 282, 285, 287, 288, 291,
302, 303, 304, 313, 316
Forschungsdefizit 176
Forschungsgegenstand 8, 176
Forschungsstand 59, 91, 159, 162, 176
Fortschritt 13, 187
Fotografie 156
Foucault, M. 20, 24, 41, 46, 67, 82, 115,
154, 159, 255, 257, 258, 272, 276,
277, 283, 299, 307, 313
Framing-Ansatz 57, 221, 226
Frankfurter Schule 253, 261, 262, 274,
275, 286, 301, 314
Frankreich 63, 118, 120, 142, 152, 155,
177, 178, 181, 249, 255
Frau 45, 90, 92, 99, 106, 167
Frauenbewegung 57
Freiheit 82, 248
Freiwilligkeit 43, 70
Freizeit 36, 53, 128, 189
Freizeitbeschäftigung 36, 53
Freizeitverhalten 156
Fremdbestimmung 79
Fremdbild 229
Fremdgruppe 222
Fremdheit 150, 232, 295
Freundschaft 36, 47, 52, 85, 86, 189, 208,
232, 318
Friedensbewegung 57
Fromm, E. 286
Fruchtbarkeit 42
Führung 21
Führungsstil 196
Fundamentalismus 57, 93, 187
Sachregister
funktionale Differenzierung 5, 6, 11, 56,
58, 141, 273, 312, 319
Funktionalismus 29, 102, 188, 265
Funktionsanalyse 22
Funktionswandel 199, 200, 202
G
Gebiet 104
Geburtenrückgang 149
Gedächtnis 222
Geiger, T. 151, 188
Geisteswissenschaft 22, 218
Geld 292, 310
Gemeinde 184
Gemeinschaft 35, 44, 51, 65, 75, 214,
263, 318
Gemeinwesen 43
Gemeinwohl 107, 212
Genealogie 283
generatives Verhalten 149
Genossenschaft 51
Geographie 6, 28
Gerechtigkeit 12, 135, 146, 167, 248
Gerichtsverfahren 5
Geschichtsphilosophie 310
Geschichtsschreibung 301
Geschichtswissenschaft 6, 21, 185, 198,
199, 200, 201, 276
Geschlecht 90, 119, 133, 167
Geschlechterforschung 217, 261, 271
Geschlechterverhältnis 34, 92, 149, 194,
240, 255, 273, 320
Geschlechtsrolle 30
geschlechtsspezifische Faktoren 30, 90,
106, 128, 132, 137, 168
Geselligkeit 295
Gesellschaft 2, 9, 13, 17, 25, 28, 100, 102,
106, 113, 129, 157, 166, 184, 193,
198, 199, 200, 201, 218, 224, 232,
250, 254, 256, 260, 263, 273, 282,
288, 289, 290, 293, 295, 296, 301,
304, 312, 318, 319
Gesellschaftsbild 174
Gesellschaftskritik 69, 258, 269, 289, 293
Gesellschaftsordnung 37, 72, 81, 152,
154, 301, 307
Gesellschaftspolitik 69, 248
Gesellschaftstheorie 10, 11, 13, 17, 33,
35, 58, 60, 62, 68, 69, 89, 105, 168,
181
187, 193, 247, 248, 258, 277, 292,
293, 297, 309, 311, 312
Gesellschaftswissenschaft 68
Gespräch 239, 244
Gesprächsanalyse 31
Gesundheit 110, 133, 138, 162, 191, 208
Gesundheitswesen 135
Gewalt 2, 33, 34, 131
Gewaltbereitschaft 131
Gewerkschaft 34
Gewinn 77, 170
Ghetto 157, 163
Giddens, A. 280
Gleichberechtigung 69, 273, 319
Gleichgewicht 128
Gleichgewichtstheorie 128
Gleichheit 109, 248
globaler Wandel 4, 194
Globalisierung 4, 28, 72, 74, 106, 134,
168, 180, 194, 204, 220, 255, 290
Globalsteuerung 6
Goffman, E. 221, 281
Gouvernementalität 41, 46, 154, 159, 186,
276, 307
Governance 16, 26, 27, 81, 94, 148, 210
Gramsci, A. 255, 279
Großstadt 173
Grundbegriff 13, 274, 289, 292
Grundrecht 312
Gruppe 36, 46, 211, 222
Gruppenkohäsion 213
H
Habermas, J. 13, 24, 136, 269, 294, 311
Habitus 58, 67, 144, 167, 212, 283
Handel 4, 40
Handlung 1, 3, 9, 35, 89, 145, 156, 190,
209, 213, 221, 236, 239, 245, 247,
250, 280, 284, 289, 291, 321
Handlungsfähigkeit 147, 312
Handlungsorientierung 3, 205, 212, 215,
223, 231, 234
Handlungsspielraum 147
Handlungssystem 33
Handlungstheorie 1, 3, 18, 26, 35, 56, 58,
141, 147, 185, 200, 209, 213, 215,
223, 234, 236, 245, 269, 287, 297,
304, 321
Hauptschule 113
182
Haushaltseinkommen 42, 124
Hegel, G. 34, 310
Heidegger, M. 32
Hermeneutik 31, 215, 269, 271, 302, 308
Herrschaft 41, 46, 58, 102, 206, 255, 279,
283, 289, 307, 320
Hessen 3, 83
Heterophobie 131
Heuristik 200
Hierarchie 25
Hilferding, R. 279
historische Analyse 168
historischer Materialismus 13, 298, 310
historische Sozialforschung 316
Hobbes, T. 29
Hochschule 99
homo oeconomicus 1, 212, 223, 230, 234
Horkheimer, M. 24, 286, 301, 305
Humankapital 71, 73, 91, 95
Hume, D. 209
Huntington, S. 187
Husserl, E. 32
Hygiene 283
I
Identität 25, 30, 79, 150, 156, 228, 229
Identitätsbildung 228
Ideologie 20, 39, 82, 125, 129, 130, 131,
161, 186, 203, 246, 277
Ideologiekritik 186, 261
Illegalität 40, 111
Indikator 138, 182
Indikatorensystem 138
Individualisierung 18, 24, 38, 132, 156,
170, 179
Individualismus 53, 295
Individualität 1, 5, 115
Individualpsychologie 217
Individuum 5, 46, 65, 74, 106, 125, 136,
211, 244, 260, 264, 282, 294, 301
Industriegesellschaft 85
Information 32
Informationstheorie 32
informelle Gruppe 196
informeller Sektor 157
informelle Struktur 196
Infrastruktur 123
Inklusion 13, 67, 96, 111, 112, 114, 117,
120, 137, 138, 142, 151, 152, 154,
Sachregister
155, 159, 160, 161, 165, 170, 171,
177, 180, 181, 182, 290
innere Sicherheit 137
Innovation 80
Institution 21, 26, 47, 185, 312
Institutionalisierung 26, 219
Institutionalismus 10, 21
institutionelle Faktoren 23, 44, 88, 106,
146, 198
institutioneller Wandel 196, 198
Institutionenökonomie 26
Institutionstheorie 26, 202
Integration 52, 61, 150
Integrationsbereitschaft 35
Intellektueller 36, 55, 249, 306, 311, 314
Interaktion 11, 40, 44, 48, 71, 73, 74, 81,
128, 139, 140, 167, 194, 264, 273,
312
Interaktionismus 29
Interdisziplinarität 73, 254
Interferenz 254
interkulturelle Erziehung 229
interkulturelle Kommunikation 194, 222,
229
interkulturelle Kompetenz 194, 229
interkultureller Vergleich 85, 88, 244
Internalisierung 226, 245
internationale Beziehungen 134, 180, 214,
270
internationale Interdependenz 134, 180
internationaler Vergleich 44, 59, 70, 85,
88, 106, 109, 121, 126, 132, 135,
148, 157, 182, 191
internationale Wanderung 180
internationale Zusammenarbeit 300
Internationalisierung 74
Internet 28, 44, 244
Interpenetration 66
interpersonelle Kommunikation 222
Interpretation 221, 230
Intimität 18, 273, 318
Irland 173
Islam 187, 240
Israeli 233
Italien 178
Italiener 52
J
Japan
187
Sachregister
Judentum 261, 262, 286, 314
Judenverfolgung 225
Jugend 240
Jugendhilfe 190
Jugendlicher 48, 106, 113, 137, 233
junger Erwachsener 106
Justiz 318
K
Kanada 88
Kapital 283, 310
Kapitalismus 63, 89, 134, 136, 171, 203,
248, 252, 255, 298, 310, 320
Karriere 217
Kartographie 6
Kategorie 116
katholische Soziallehre 232
Kaufkraft 182
Kausalität 265
Keynesianismus 171
Kinderarbeit 42
Kinderwunsch 42
Kirche 318
Klassenantagonismus 63, 126
Klassenbewusstsein 279
Klassengesellschaft 99, 116, 151, 168,
172, 174, 255, 273, 293, 315, 320
Klassenkampf 279, 320
Klassenlage 315
Kleinbetrieb 78
Kleingruppe 36
Kloster 51
Koalitionsbildung 57
Kognition 32, 227, 237, 238
kognitive Faktoren 222, 226, 227, 237
kognitive Struktur 237
Kollektiv 210
kollektive Identität 49, 150
Kollektivverhalten 215, 216, 223, 234,
259
Kolonialismus 20
Kommunalpolitik 73, 198
Kommunikation 5, 11, 22, 38, 210, 221,
222, 229, 254, 291, 317
Kommunikationssoziologie 31
Kommunikationstheorie 11, 22
Kommunikationsverhalten 194, 239
Kommunikationswissenschaft 234
kommunikative Kompetenz 229
183
kommunikatives Handeln 229, 239, 269,
294
Kommunismus 298
kommunistische Partei 203
Kommunitarismus 35
Kompensation 167
Komplexität 7, 19, 25, 27, 98, 194, 256,
312
Konflikt 121, 202, 205, 214
Konfliktfähigkeit 168
Konformität 242
Konstruktion 76
Konstruktivismus 11, 22, 25, 31, 319
Konsum 45
Konsumgesellschaft 61, 140, 186, 240
Konsumgut 232
Konsumverhalten 156
Kontextanalyse 217
Kontingenz 7, 19, 25, 194, 200
Kontrolle 9, 245, 279
Konvergenz 182
Kooperationsbereitschaft 23, 71, 73
Koordination 138, 210
Körper 2, 6
Körperlichkeit 79, 137
Korporatismus 100
korporativer Akteur 78
Kosmopolitismus 74
Kosten-Nutzen-Analyse 86, 129, 130
Kracauer, S. 261, 286
Kraftfahrzeugindustrie 196
Krankenhaus 34
Kreativität 80
Krieg 2, 33
Kriegsausbruch 195
Kriminalität 48, 59, 137, 179
Kriminologie 137
Krise 197, 270, 279
Kriterium 29
Kritische Theorie 13, 20, 105, 253, 261,
262, 269, 271, 274, 275, 278, 286,
301, 305, 314
Kultur 4, 20, 50, 80, 123, 150, 240, 254,
310
kulturelle Einrichtung 123
kulturelle Faktoren 9, 43, 125, 148, 187
kulturelle Identität 87, 113
kulturelles Kapital 123, 144
kulturelles System 123
184
kulturelles Verhalten 123
kulturelle Veranstaltung 123
kulturelle Vielfalt 87
Kulturgeschichte 251, 296
Kulturindustrie 271
Kulturrevolution 37
Kulturwandel 4, 37, 68
Kulturwissenschaft 6, 21, 39, 261, 266,
267, 276
Kunst 34, 133, 208, 271, 319
Kybernetik 6, 16, 317
L
Landbevölkerung 113
ländliche Entwicklung 104
ländlicher Raum 43, 103, 104
Landwirt 3
Landwirtschaft 3
Lateinamerika 134, 148, 204
Lebensbedingungen 4, 89, 92, 99, 145,
146, 148, 162, 182
Lebenserwartung 162
Lebenslauf 106, 111, 112, 118, 155, 168,
259, 300, 308, 311
Lebensplanung 191
Lebensqualität 65, 109, 182, 203
Lebensraum 103
Lebenssituation 92, 96, 109, 110, 111,
112, 114, 117, 118, 120, 132, 142,
145, 147, 155, 165, 177, 181
Lebensstandard 103, 110
Lebensstil 46, 92, 119, 123, 136, 151, 188
Lebensweise 183
Lebenswelt 67, 205, 254, 296, 302
Legitimation 76, 125, 153
Legitimität 16
Leistungsbewertung 153
Leistungsbezug 128
Leistungsdruck 175
Leistungsgesellschaft 129, 131
Leistungsideologie 129
Leistungsprinzip 153
Leitbild 87, 217, 246
Lernen 80, 98, 199
lernende Organisation 98
Lernprozess 79
Lerntheorie 98
Lewin, K. 18
Liberalismus 35, 159, 308
Sachregister
Liebe 318, 319
Linguistik 20
Literatur 254, 309
Literaturwissenschaft 254, 276
Locke, J. 29
Logik 15, 268
Lohnarbeit 279
Lohnhöhe 128
Loyalität 172
Luhmann, N. 5, 7, 8, 11, 15, 16, 18, 22, 24,
29, 66, 134, 154, 165, 254, 256, 258,
265, 276, 283, 290, 292, 312, 317,
318, 319
Lukacs, G. 279
M
Machiavelli, N. 29
Macht 2, 29, 41, 46, 67, 89, 102, 115, 154,
159, 167, 206, 257, 258, 272, 276,
277, 283, 289, 299, 307, 320
Machtsicherung 41, 108, 206
Makroebene 27, 44, 106, 168, 190
Makrosoziologie 221
Management 21, 206, 217, 279
Managementansatz 206
Manager 127
Mann 90, 106, 113
Mannheim, K. 261, 277, 303, 306
Männlichkeit 167
Marginalität 52, 96, 99, 111, 112, 114,
117, 118, 120, 122, 134, 137, 142,
152, 155, 157, 165, 170, 171, 177,
179, 181
Markt 40, 153, 212, 274
Marktmechanismus 137
Marktordnung 137
Marktorientierung 130, 186, 240
Marktwirtschaft 137, 171, 197, 203, 212
Marx, K. 24, 82, 89, 134, 151, 188, 257,
279, 292, 293, 294, 299, 306, 310
Marxismus 63, 105, 248, 255, 257, 261,
262, 274, 292, 298, 306, 310, 320
Maschine 218, 224
Massengesellschaft 45, 136
Massenmedien 34, 45
Matching 128
Materialismus 82, 89
Mead, G. 60, 291
Medien 6, 80, 276
Sachregister
Mediengesellschaft 45, 61
Medienverhalten 30
Medizin 283
medizinische Versorgung 162
Mehrebenenanalyse 126
Mehrwert 310
Mensch 60, 69, 166, 224, 256, 295
Menschenbild 308
Menschenwürde 130
Merton, R. 285
Messung 3, 47, 48, 71, 73, 139, 140, 173
Metaphysik 271
Metatheorie 193
Methode 22, 48, 68, 71, 73
Methodik 22
Methodologie 8, 19, 139, 140, 169, 247,
250, 260, 263, 265, 266, 267, 268,
269, 271, 280, 281, 282, 285, 287,
288, 289, 291, 302, 303, 304, 313,
316
methodologischer Individualismus 1, 86,
213, 245, 321
Migrant 38, 52, 111, 112
Migration 52, 122, 126, 133, 161, 172,
180, 191
Migrationsforschung 52
Migrationspolitik 101
Mikroebene 44, 106, 168, 190, 272
Mikrosoziologie 221
Militär 206
Minderheit 136, 222
Mitgliedschaft 70, 135
Mittelalter 168
Mittelbetrieb 78
Mitteleuropa 42, 201, 202
Mittelschicht 111, 112, 113, 120, 124,
142, 155, 177, 181
Mobilisierung 57
Mode 295
Modell 30, 78, 98, 128, 202, 216, 251,
259, 290, 321
Modellentwicklung 15, 162
Modellrechnung 270
Moderne 24, 25, 41, 60, 62, 154, 159,
165, 168, 187, 246, 290, 295, 301,
308
Modernisierung 4, 24, 57, 62, 100, 126,
132, 178, 187, 193, 217, 309
Modernisierungstheorie 24, 57, 193
185
Monopol 283
Montesquieu 293
Moral 13, 35, 72, 212, 235, 274, 294, 319
moralisches Urteil 13
Morbidität 162
Motiv 243
Motivation 209, 243
multikulturelle Gesellschaft 87, 163, 229
multinationales Unternehmen 21
Musik 271
Mutter 113
Mythos 301
N
Nachbarschaft 48, 65
nachhaltige Entwicklung 94
Nachhaltigkeit 94
Nationalbewusstsein 76
nationale Identität 76, 116
nationale Integration 76
nationale Politik 76
Nationalsozialismus 137, 261, 305
Nationalstaat 179, 180, 294
Natur 56, 60, 69, 94, 166, 218, 224, 271,
282
Naturschutz 218
Naturwissenschaft 22, 218, 282
Neokonservatismus 308
Neoliberalismus 55, 129, 130, 159, 171,
186, 204, 240, 248, 255
Neomarxismus 279
Netzwerk 18, 40, 44, 47, 49, 52, 65, 70,
77, 78, 80, 85, 88, 95, 166, 244
Netzwerkanalyse 49, 56, 60, 218, 224
Netzwerkgesellschaft 6, 218
neue Bundesländer 64, 91, 92, 96, 128,
132, 149, 184, 192, 198
nichteheliche Lebensgemeinschaft 51
Niederlande 78, 178
Niedersachsen 3
Niedrigeinkommen 138
Niedriglohn 111, 112
Nivellierung 63
Non-Profit-Organisation 53
Nordamerika 30, 44, 48, 49, 77, 88, 93, 99,
116, 120, 152, 163, 187, 244, 273,
300
Nordrhein-Westfalen 3
Norm 9, 47, 276
186
Normalisierung 307
Normalität 115, 136
Normativität 212, 214, 219, 225
Normbildung 307
Normgeltung 212, 214, 231, 307
Normsetzung 210
Normverletzung 212, 219
Norwegen 178
Nutzen 1, 3, 213, 216, 231, 245, 259
Nutzung 244
O
Objekt 291
Objektivität 109
OECD 132
OECD-Staat 85, 106
Oevermann, U. 271, 302
öffentliche Meinung 35, 129, 256, 306
öffentlicher Dienst 198
öffentlicher Raum 232
öffentlicher Sektor 184
öffentliches Gut 65, 232
öffentliche Verwaltung 88, 184
Öffentlichkeit 34, 35, 232
ökologischer Landbau 3, 51
Ökonomie 234, 255
ökonomische Entwicklung 96, 118, 120,
134, 142, 155, 160, 177
ökonomische Faktoren 37, 42, 191
ökonomischer Wandel 4, 161
ökonomische Theorie 42, 85, 230
Ökonomisierung 66, 129, 130, 136, 175
Oligarchie 206
Operationalisierung 3, 47, 140, 147
Opposition 256
Ordnungstheorie 9
Organisation 41, 71, 75, 143, 146, 196,
217, 220
Organisationen 41, 43, 51, 70, 75, 78, 90,
98, 143, 146, 196, 312
Organisationsanalyse 196
Organisationskultur 217
Organisationsstruktur 71, 73, 146, 196
organisatorischer Wandel 196, 220
Orientierung 212, 226
Ostasien 148, 187
Österreich 139, 162, 173, 189, 208
Osterweiterung 101, 158
Osteuropa 37, 42, 101, 158, 172, 201, 202
Sachregister
Ost-West-Beziehungen
192
P
Pädagogik 271, 283
Palästinenser 233
Paradigma 6, 22, 200, 230, 310, 312
Pareto, V. 102
Parlament 21, 88
Parsons, T. 24, 29, 287
Partei 88
Parteiensystem 198
Partizipation 70, 160, 169, 198
Partnerschaft 77, 244, 319
Patriotismus 87
peripherer Kapitalismus 279
Persistenz 157
Personal 198
Personaleinstellung 95
Personalführung 196
Personalwesen 184
Persönlichkeit 46
Persönlichkeitsentwicklung 79
Perspektive 248
Phänomenologie 29, 49, 236, 260, 296
Philosophie 230, 240, 243, 276, 317
philosophische Aufklärung 308
Physik 195
PISA-Studie 144, 175
Planung 9
Plessner, H. 282
Pluralismus 131
Polen 160, 161, 184
Politik 4, 34, 50, 108, 189, 240, 308, 319
Politiker 55, 127
Politikwissenschaft 21, 73, 262, 293, 294
politische Aktivität 174
politische Bewegung 57
politische Einstellung 70, 158, 174, 191,
208
politische Elite 178, 206
politische Entwicklung 76, 148, 160
politische Herrschaft 100
politische Ideologie 39, 93, 100, 172
politische Institution 203
politische Integration 76, 87, 161
politische Kommunikation 306
politische Kultur 43, 88, 93, 116, 206, 240
politische Linke 100
politische Ökonomie 271, 299, 305, 310
Sachregister
politische Partizipation 59, 70, 216
politische Philosophie 261, 293, 308
politische Planung 16, 26, 81, 210
politische Rechte 100
politische Reform 160
politischer Einfluss 16, 26, 81, 210
politischer Wandel 193
politisches Handeln 216, 259
politisches Interesse 127
politisches Regime 16, 81
politisches System 88, 127, 191, 256, 290
politische Steuerung 16, 26, 81, 210
politisches Verhalten 145
politische Theorie 305
Polizei 88
Popper, K. 189
Postfordismus 63, 255
postindustrielle Gesellschaft 46, 140
postkommunistische Gesellschaft 37, 92,
100, 158, 185, 197, 198, 200, 201,
202, 203
Postmoderne 46, 62, 166
postsozialistisches Land 36, 37, 53, 100,
158, 160, 161, 172, 184, 193, 206
Poststrukturalismus 166
Präferenzordnung 230
Pragmatismus 243
Praxis 10, 230
Prekariat 92, 105, 106, 113, 145, 179
Presse 88
Prestige 114
Privathaushalt 110
Privatisierung 186
Privatsphäre 208
Problembewältigung 185, 199, 201, 202
Problemlösen 19, 185
Produktionsweise 171, 255, 320
Produktivität 71
Projektion 7
Projektmanagement 143
Proletariat 310
Propaganda 306
prosoziales Verhalten 212
Protestantismus 252
Protestbewegung 57
Prozess 140, 192
Psychoanalyse 29, 262, 271
Psychologie 5, 205, 278, 283
psychologische Theorie 32
187
Psychotherapie 319
Puritanismus 93
Q
qualitative Methode
31, 266
R
Rahmenbedingung 43
Randgruppe 96, 111, 112, 114, 117, 118,
120, 137, 142, 152, 155, 165, 170,
171, 177, 179, 181
Rassismus 131
Rational-Choice-Theorie 1, 3, 24, 26, 35,
49, 73, 86, 147, 213, 215, 216, 223,
225, 226, 227, 230, 231, 232, 234,
259, 297
Rationalisierung 279
Rationalität 1, 3, 24, 130, 159, 209, 213,
215, 216, 223, 230, 231, 234, 245,
250, 251, 259, 263
Raum 6, 28, 104, 119, 150, 179, 180, 280,
296
Raumnutzung 89, 119, 179
Raumplanung 217
Raumwirksamkeit 89
Rawls, J. 35
Realität 39, 221, 222, 254
Recht 80, 255, 256, 299, 319
Rechtsphilosophie 294
Rechtssoziologie 289
Rechtsstaat 137, 290
Rechtstheorie 261
Rechtswissenschaft 240
reflexive Modernisierung 17, 217, 317
Reflexivität 13, 17, 25, 94, 217, 317
Reform 160
Reformpolitik 160, 206
Regierung 41, 88, 256
Regierungslehre 16, 81
Regime 185
Region 128
regionale Entwicklung 91, 101, 103, 128,
184, 192
regionale Faktoren 103, 132, 173
regionaler Unterschied 91, 103, 128, 182
regionaler Vergleich 128, 132
regionale Verteilung 128
Regionalforschung 6
Regulationstheorie 27, 279
188
Reichtum 127, 139, 140
Reiz 201
Rekrutierung 108, 127, 178, 206
Relativismus 251
Religion 55, 172, 189, 208, 240, 261, 286,
288, 308, 314
Religionskritik 308
Religionssoziologie 253, 289, 295
religiöse Faktoren 43
Reproduktion 42, 82
Republik Südafrika 148
Ressourcen 41, 42, 47, 65, 135, 147, 180,
243, 244
Revolution 185, 198, 201
Rezeption 272, 299
Reziprozität 44, 47, 81, 84, 213
Risiko 7, 106, 306
Risikoverhalten 219
Roman 309
Romantik 310, 317
Russland 206
S
Sachsen 83, 110
Sachsen-Anhalt 83
Säkularisierung 293
Sanktion 9, 213, 226, 245
Sanktionsinstanz 9
Scham 233
Schätzung 71
schichtspezifische Faktoren 146
Schichtzugehörigkeit 156
Schmerz 271
Schuld 233
Schüler 113, 175
Schulerfolg 175
Schulwesen 144
Schütz, A. 260
Schweden 88
Schweiz 40, 43, 44, 47, 139, 162, 174
Scientific Community 75, 253, 261
Segregation 52, 67, 119, 122, 150, 163,
173
Selbstbeobachtung 6, 256
Selbstbild 229, 245
Selbsteinschätzung 145
Selbstmord 259, 288
Selbstorganisation 66
Selbstreferenz 25, 66, 200, 256, 265
Sachregister
Selbststeuerung 66
Selbstverantwortung 158
Selbstverständnis 93, 256
Selbstverwirklichung 79
Selektion 29, 199, 215, 223, 234
Semantik 318
Sexualität 115, 208, 283
Sicherheit 7, 19, 25, 232
Sicherheitspolitik 19
Simmel, G. 24, 29, 139, 295, 316
Sinn 1, 5, 8, 49, 221, 260, 268, 280, 291,
302, 304, 313
Situation 221, 239
Slowenien 100
Software 75
Solidarität 159, 203, 232
Sonderschule 113
Sozialabbau 129, 186
Sozialarbeit 34, 115, 307
Sozialarbeitswissenschaft 159
Sozialbericht 110, 138
Sozialdemokratie 261
soziale Anerkennung 13, 167, 192
soziale Anpassung 242
soziale Ausgewogenheit 158
soziale Bewegung 4, 57
soziale Beziehungen 35, 36, 38, 40, 42, 43,
44, 47, 48, 49, 51, 65, 74, 78, 85, 86,
95, 121, 128, 140, 182, 228, 232,
237, 244, 289, 318
soziale Chance 113, 172
soziale Deprivation 131
soziale Differenzierung 9, 24, 25, 38, 41,
56, 63, 90, 100, 101, 131, 141, 151,
158, 172, 174
soziale Einstellung 191, 227
soziale Entwicklung 37, 100, 148, 172,
192, 309
soziale Faktoren 14, 61, 109, 146, 187,
237, 239
soziale Funktion 156
soziale Gerechtigkeit 12, 37, 103, 113,
125, 158, 232
soziale Herkunft 175, 178, 188
soziale Institution 86, 199, 219
soziale Integration 67, 74, 102, 115, 122,
130, 132, 154, 160, 161, 163, 172,
192, 307
soziale Isolation 244
Sachregister
soziale Klasse 39, 58, 99, 116, 146, 148,
167, 168, 174, 188, 284, 315
soziale Kontrolle 34, 65, 154, 235, 259,
307
soziale Kosten 73
soziale Lage 92, 119, 132, 133, 139, 148,
151, 180, 188, 315
soziale Mobilität 132, 157, 188
soziale Norm 23, 207, 212, 213, 214, 216,
219, 222, 225, 226, 229, 231, 241,
242, 243, 245, 247, 259, 307
soziale Partizipation 145, 148
soziale Position 116
sozialer Abstieg 113, 114, 124, 131, 171
sozialer Aufstieg 124, 127, 148
sozialer Code 318
sozialer Konflikt 2, 11, 39
sozialer Prozess 68, 115, 190, 259
sozialer Raum 28, 89, 172, 180, 237, 284
sozialer Status 172, 259
soziale Schicht 99, 116, 132, 156, 157,
162, 165, 188
soziale Schichtung 63, 96, 102, 108, 111,
112, 113, 114, 117, 118, 120, 124,
134, 139, 142, 146, 151, 155, 169,
171, 174, 175, 177, 179, 180, 181,
188, 270, 273
soziale Schließung 84, 99
soziales Dilemma 23
soziale Sicherung 132, 133, 148, 152,
159, 161, 170
soziales Milieu 119, 151, 188
soziales Netzwerk 16, 36, 38, 52, 53, 60,
70, 73, 75, 77, 86, 90, 91, 95, 160,
161, 253, 300
soziales Problem 12, 105, 160
soziales System 5, 7, 11, 15, 19, 27, 90,
98, 225, 247, 256, 265, 268, 312,
318
soziales Verhalten 1, 59, 113, 145, 213,
216, 225, 226, 227, 228, 231, 235,
242, 245, 259
Sozialethik 133
soziale Umwelt 42, 119
soziale Ungleichheit 37, 41, 63, 84, 90,
92, 96, 182, 188, 203, 319
soziale Unterstützung 42, 77, 207
soziale Wahrnehmung 157, 235, 236, 238
soziale Wirklichkeit 39, 68, 222, 250,
189
263, 281, 304, 313
Sozialforschung 31
Sozialgesetzbuch 190
Sozialhilfe 96, 117, 118, 120, 142, 155,
177
Sozialisation 31, 79
Sozialisierung 282
Sozialismus 36, 232, 248, 253, 261, 298
Sozialkapital 36, 40, 42, 43, 44, 47, 48, 52,
53, 59, 65, 70, 71, 73, 77, 78, 84, 85,
86, 88, 91, 95, 119, 121, 135, 161,
232, 244
Sozialordnung 81, 219, 289, 306
Sozialphilosophie 264, 274
Sozialpolitik 34, 37, 96, 114, 117, 118,
120, 133, 138, 142, 147, 152, 155,
161, 177, 182, 186
Sozialpsychologie 20, 236, 295
Sozialstaat 133, 159, 206
Sozialstatistik 133
Sozialstruktur 48, 63, 100, 101, 113, 114,
116, 125, 132, 140, 163, 165, 172,
173, 178, 206, 273, 306
Sozialversicherung 157
Sozialwissenschaft 6, 17, 21, 22, 28, 39,
68, 73, 86, 200, 218, 230, 240, 243,
249, 250, 266, 267
soziokulturelle Faktoren 172
Soziologe 296, 300, 311
sozioökonomische Entwicklung 158, 160,
183
sozioökonomische Faktoren 70, 109, 160,
192
sozioökonomische Lage 139, 158
Spiel 80
Spieltheorie 44, 213, 231, 245, 259
Sport 208
Sprache 4, 20, 239, 254
Sprachphilosophie 22
Staat 25, 100, 107, 255, 270, 290
staatliche Einflussnahme 16, 26, 37, 50,
81, 158, 210
staatliche Lenkung 16, 26, 81, 100, 210
Staatsangehörigkeit 179, 191
Staatsapparat 255
Staatsfunktion 255
Staatsgrenze 180
Staatsphilosophie 294
Staatssozialismus 298
190
Staatstheorie 255, 320
Stadt 38, 43, 150, 179
Stadtsoziologie 289
Stalinismus 305
Ständestaat 168
Statistik 173
Statuswechsel 111, 112
Sterblichkeit 162
Stereotyp 131
Steuerung 94, 138
Stigmatisierung 157, 165
Strafprozess 5
Strafrecht 236
Strafvollzug 154
Strategie 210
Streik 34
Stress 238
Strukturalismus 73, 255, 313
Strukturanalyse 285
strukturelle Gewalt 2
strukturelle Kopplung 60, 66, 94
Strukturfunktionalismus 151, 285
Strukturreform 196
Studium 300
Subjekt 62, 67, 79, 115, 159, 271, 291
Subjektivität 1, 62, 109, 271
Subversion 25
Südamerika 148, 204
Südkorea 148
südliches Afrika 148
Südosteuropa 37, 101, 172
supranationale Beziehungen 74
Symbol 245, 318
symbolischer Interaktionismus 56, 221
symbolisches Kapital 161
Syntax 5
System 199, 312
Systemmodell 98
Systemtheorie 2, 5, 6, 7, 8, 11, 15, 16, 18,
19, 22, 29, 31, 34, 66, 98, 102, 151,
154, 179, 196, 220, 254, 256, 265,
273, 290, 292, 312, 317, 319
T
Technik 62, 166, 218, 236
Techniksoziologie 60, 69, 218, 224
Technisierung 62
Technologie 61
Tendenzschutz 56
Sachregister
Terrorismus 34, 259
Text 254
Theologe 253
Theologie 253, 261, 262, 286
Theorie 9, 18, 20, 22, 27, 32, 44, 58, 95,
104, 132, 156, 157, 168, 195, 209,
220, 249, 256, 310, 318
Theoriebildung 8, 18, 19, 60, 200, 247,
258, 260, 263, 265, 268, 269, 280,
285, 288, 302, 303, 304, 313
Theorie-Praxis 8, 209, 304
Theorievergleich 49, 58, 199
Thüringen 190
Tocqueville, A. 65
Tod 318
Tönnies, F. 35, 263
Totalitarismus 305
Totalität 82
Transfer 203
Transformation 37, 62, 91, 92, 100, 101,
158, 160, 172, 184, 185, 192, 193,
197, 198, 199, 200, 202, 203, 206,
254
transnationale Beziehungen 74, 180, 214
Trend 7
Türke 52
Typologie 145, 201, 202, 303
U
Übergangsgesellschaft 192
Überlebensstrategie 161
UdSSR-Nachfolgestaat 53, 100, 206
Umsatz 77
Umwelt 94, 199, 256
Umweltpolitik 19, 69
Umweltschutz 57, 60
Ungleichheit 103, 119, 121, 127, 135, 138,
162, 167, 168, 180
Universalismus 251
Unternehmen 71, 75, 77, 98, 146, 206
Unternehmensgründung 77
Unternehmenskultur 217
Unternehmer 115
Unterschicht 99, 105, 111, 112, 113, 117,
151, 162, 165, 167, 179, 181
Urbanisierung 270
Urbanität 45
Ursache 128, 141, 149, 157
USA 30, 44, 48, 49, 77, 93, 99, 116, 120,
Sachregister
152, 155, 163, 177, 181, 187, 244,
273, 300
Utopie 68, 248, 286, 310, 314
V
Validität 169
Verantwortung 206
Verantwortungsbewusstsein 108
Verantwortungsethik 108
Verband 135
Verdinglichung 274
Verein 43, 51, 70, 135
Vereinswesen 65
Verfassung 87, 93, 294
Verfassungswirklichkeit 294
Verflechtung 270
verfügbares Einkommen 124
Vergangenheitsbewältigung 203
vergleichende Forschung 270
Verhalten 23, 59, 128, 143, 191, 207, 211,
222, 227, 233, 237, 242
Verhaltensänderung 211
Verhaltensmuster 212, 237
Verhaltenstheorie 216, 259
Verhandlung 81, 210
Verkäufer 92
Vernetzung 4, 40, 59, 80
Verschwendung 295
Verständnis 13, 239
Verstehen 1, 215, 221, 223, 229, 234,
239, 247, 250, 260, 263, 265, 266,
267, 268, 269, 280, 281, 282, 285,
287, 288, 291, 302, 303, 304, 313,
316, 317
verstehende Soziologie 190, 221, 260,
282, 287, 291
Verteilungsgerechtigkeit 37, 101, 158
Vertrag 78
Vertrauen 9, 40, 43, 44, 47, 48, 59, 65, 70,
73, 78, 85, 88, 121, 135, 145, 210,
235, 244
Verwaltung 76, 261
Verwandtschaft 121, 160, 161
virtuelle Gemeinschaft 75
Visualisierung 75
Volkswirtschaftslehre 73
Vorurteil 222
191
W
Wahl 256
Wahlbeteiligung 59, 70, 225
Wahlverhalten 156, 203
Wahrheit 294, 313
Wahrnehmung 126, 156, 197, 235
Wahrscheinlichkeit 3
Ware 310
Weber, M. 1, 24, 29, 35, 151, 188, 250,
251, 252, 258, 289
Weimarer Republik 261, 262, 308, 314
Welt 85
Weltgesellschaft 4, 6, 19, 134, 180, 194,
220, 270, 290, 310, 312
Weltwirtschaft 4
Wert 47, 59, 149, 189, 205, 240, 243, 245,
246
Wertanalyse 232
Wertfreiheit 243, 289
Wertorientierung 9, 53, 59, 66, 70, 93,
125, 172, 189, 191, 203, 205, 207,
208, 232, 235, 240, 243, 246
Wertrationalität 232
Wertschöpfung 71
Wertsystem 72
Werttheorie 246
Werturteil 243
Wertwandel 149, 186, 189, 208, 240, 246
Westeuropa 172
westliche Welt 61, 187
Wettbewerb 23, 211, 295
Wettbewerbsfähigkeit 175
Widerstand 13, 272
Wiedervereinigung 111, 181, 197, 294
Wirkung 85, 95, 201
Wirkungsanalyse 30
Wirtschaft 4, 50, 80, 108, 189, 208, 240,
279, 289, 292, 319
wirtschaftliche Integration 161
wirtschaftliche Lage 110
Wirtschaftsentwicklung 85
Wirtschaftsethik 289
Wirtschaftsreform 160
Wirtschaftssektor 270
Wirtschaftswissenschaft 21, 86, 147, 205,
232
Wissen 22, 41, 80, 219, 263, 277, 283,
303, 306
Wissenschaft 289, 319
192
Sachregister
Wissenschaftler 49, 308
wissenschaftliche Arbeit 300
Wissenschaftsgeschichte 60, 270, 296
Wissenschaftssoziologie 56, 60, 69, 224
Wissenschaftstheorie 22, 312
Wissenschaftsverständnis 22, 296
Wissensgesellschaft 170
Wissensmanagement 75
Wissenssoziologie 303, 306
Witz 306
Wohlbefinden 109, 191
Wohlfahrt 182
Wohlfahrtsstaat 111, 112, 121, 132, 152,
170, 181, 206, 256, 290
Wohnen 110, 182
Wohngebiet 48
Wohngemeinschaft 51
Wohnort 119, 179
Z
Zeit 6, 7, 9, 28, 143, 280, 296
Zeitbudget 9
Zeitfaktor 7
Zeitökonomie 9
Zeitverwendung 9
Zielgruppe 222
Zionismus 314
Zivilcourage 225
Zivilgesellschaft 4, 54, 64, 83, 84, 100,
133, 135, 161, 240
Zivilisation 252
Zufriedenheit 109, 124, 182, 191
Zukunft 7, 208, 248
Zuwanderung 122, 150
Zweckrationalität 86, 243, 251
zweite Generation 52
zwischenbetriebliche Kooperation 78
Ziffern
18. Jahrhundert
19. Jahrhundert
20. Jahrhundert
64
64, 168, 273, 309
36, 45, 64, 168, 301
Institutionenregister
193
Institutionenregister
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie 278
Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Psychologie Lehrgebiet
Psychologie des Erwachsenenalters 233
Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie Arbeitsbereich Soziologie IV Soziologische Gegenwartsdiagnosen 146
Fernuniversität Hagen, FB Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie Lehrgebiet
Soziologie II Handeln und Strukturen 18
Freie Universität Berlin, John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien Abt. Soziologie
Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH
33
183
GESIS-ZUMA 164
Institut für Deutsche Sprache -IDS-
239
Institut für Sozialforschung -IfS- an der Universität Frankfurt am Main
Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. -ISF-
275
183
Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie gGmbH -INIFESMax-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
183
160, 161
214
Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen e.V. -SOFI-
183
Technische Hochschule Aachen, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Lehrstuhl Allgemeine Soziologie 14, 15, 141
Technische Universität Dresden, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Professur für Soziologische Theorie, Theoriegeschichte und Kultursoziologie 264
Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V.
183
Universität Bamberg, Fak. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Soziologie II
76
Universität Bielefeld, Fak. für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung Psychologie Arbeitseinheit 05 Sozialpsychologie 222
Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, Institut für Weltgesellschaft Graduiertenkolleg 844
"Weltgesellschaft - die Herstellung und Repräsentation von Globalität" 220, 292
Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE II Methoden der empirischen Sozialforschung und
Sozialpsychologie 31
Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE IX Mediensoziologie
31
Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, WE V Arbeit und Organisation AG Organisationssoziologie 143, 196
Universität Bochum, Fak. für Psychologie, Arbeitseinheit Kognitionspsychologie
238
194
Institutionenregister
Universität Bonn, Medizinische Fakultät, Zentrum für Nervenheilkunde Klinik und Poliklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie 235
Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und Internationale
Studien -InIIS- 87
Universität Bremen, FB 12 Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Arbeitsbereich historisch
systematische und vergleichende Bildungsforschung 79
Universität Erfurt, Center for Empirical Research in Economics and Behavioral Sciences -CEREB- 23
Universität Erfurt, Max-Weber-Kolleg für kultur-und sozialwissenschaftliche Studien
308
Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Professur für Kultursoziologie 97
Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie Professur für Soziologie
204
Universität Greifswald, Philosophische Fakultät, Institut für Psychologie Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie, Psychologische Diagnostik 207, 241, 242
Universität Jena, Fak. für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Institut für Soziologie Lehrstuhl
für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie 105
Universität Jena, Internationales Graduiertenkolleg "Konflikt und Kooperation zwischen sozialen
Gruppen - Dynamik der Veränderung von Intergruppenbeziehungen" 211
Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Soziologie Fachgebiet Makrosoziologische Analyse moderner Gesellschaften 145
Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Promotionskolleg "Global Social Policies
and Governance" 148
Universität Köln, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Forschungsinstitut für Soziologie 191
Universität Konstanz, Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
17, 39, 61, 309
Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, FB Geschichte und Soziologie Fach Soziologie Arbeitsbereich Soziologische Theorie, Wissens- und Finanzmarktsoziologie 61
Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, FB Literaturwissenschaft
39, 309
Universität Magdeburg, Fak. für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften, Institut für Soziologie Bereich Soziologie und Europastudien 192
Universität Mainz, FB 02 Sozialwissenschaften, Medien und Sport, Institut für Politikwissenschaft
Arbeitsbereich Vergleichende Politikwissenschaft 191
Universität Mannheim, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung -MZES- Arbeitsbereich B Die politischen Systeme Europas und ihre Integration 191
Universität Münster, FB 06 Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften, Forschungsstelle
"Forum für Vermögensforschung" 83
Universität Münster, FB 06 Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie Lehrstuhl für Soziologie Prof.Dr. Grundmann 51
Institutionenregister
195
Universität Oldenburg, Fak. 01 Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften Fach Soziologie Arbeitsgruppe Kultur- und Kommunikationsforschung 311
Universität Oldenburg, Fak. 01 Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften Fach Soziologie Zentrum für Methoden der Sozialwissenschaften 18
Universität Paderborn, Fak. für Kulturwissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft Arbeitsbereich Weiterbildung, Organisationsberatung 98
Universität Regensburg, Philosophische Fakultät 03 - Geschichte, Gesellschaft und Geographie,
Institut für Soziologie Lehrstuhl Soziologie 251
Universität Stuttgart, Fak. 10 Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften Abt. I Politische Systeme und Politische Soziologie 191
Universität Tübingen, Fak. für Philosophie und Geschichte, Philosophisches Seminar
107
Universität Tübingen, Graduiertenkolleg 785 "Globale Herausforderungen - transnationale und
transkulturelle Lösungswege" 107
Universität Witten-Herdecke, Fak. für das Studium fundamentale, Lehrstuhl für Soziologie
32
Universität Witten-Herdecke, Wirtschaftsfakultät, Reinhard-Mohn-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und gesellschaftlichen Wandel 72
ANHANG
Hinweise
199
Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur
Die in der Datenbank SOLIS nachgewiesene Graue Literatur enthält nahezu vollständig einen Bibliotheksstandort zur Erleichterung der Ausleihe; dies gilt auch für einen Teil (40%) der nachgewiesenen Verlagsliteratur. In SOLIS nachgewiesene Zeitschriftenaufsätze sind zu über 60% mit
einem Standortvermerk versehen.
Beschaffung von Literatur über den Deutschen Leihverkehr
Die Standortvermerke in SOLIS (Kürzel, Ort und Sigel der besitzenden Bibliothek sowie Signatur
der Arbeit) beziehen sich auf Bibliotheken, die dem normalen Fernleihverkehr angeschlossen sind.
Sollte die gewünschte Arbeit bei Ihrer örtlichen Bibliothek nicht vorhanden sein, ersparen Ihnen
die Standortvermerke für die Fernleihe („Direktbestellung“) den u.U. sehr zeitraubenden Weg
über das Bibliothekenleitsystem.
Elektronische Bestellungen sind ebenfalls möglich, z.B. über subito - einen bundesweiten Dokumentlieferdienst der deutschen Bibliotheken für Aufsätze und Bücher.
Literaturdienst der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Aufsätze aus Zeitschriften, die für SOLIS ausgewertet werden und in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln vorhanden sind, können über den Kölner Literaturdienst (KÖLI) als Kopie bestellt
werden. Diese Aufsätze enthalten den Standortvermerk „UuStB Koeln(38) - Signatur der Zeitschrift“ sowie einen Hinweis auf den Kopierdienst. Die Bestellung kann mit gelber Post, per Fax
oder elektronisch erfolgen
Kosten für den Postversand bis zu je 20 Kopien pro Aufsatz betragen 8,- Euro, für Hochschulangehörige 4,- Euro (bei „Normalbestellung“ mit einer Lieferzeit von i.d.R. sieben Tagen); gegen
Aufpreis ist eine „Eilbestellung“ (Bearbeitungszeit: ein Arbeitstag) oder auch eine Lieferung per
Fax möglich.
Zur Benutzung der Forschungsnachweise
Die Inhalte der Forschungsnachweise beruhen auf den Angaben der Forscher selbst.
Richten Sie deshalb bitte Anfragen jeglicher Art direkt an die genannte Forschungseinrichtung
oder an den/die Wissenschaftler(in).
Das gilt auch für Anfragen wegen veröffentlichter oder unveröffentlichter Literatur, die im Forschungsnachweis genannt ist.
Informations- und Dienstleistungsangebot des
GESIS–IZ Sozialwissenschaften
Als Serviceeinrichtung für die Sozialwissenschaften erbringt das GESIS–IZ Sozialwissenschaften
überregional und international grundlegende Dienste für Wissenschaft und Praxis. Seine Datenbanken zu Forschungsaktivitäten und Fachliteratur sowie der Zugang zu weiteren nationalen und internationalen Datenbanken sind die Basis eines umfassenden Angebotes an Informationsdiensten für
Wissenschaft, Multiplikatoren und professionelle Nutzer von Forschungsergebnissen. Zu seinen
zentralen Aktivitäten gehören:
● Aufbau und Angebot von Datenbanken mit Forschungsprojektbeschreibungen (SOFIS –
●
●
●
●
●
●
ehemals FORIS) und Literaturhinweisen (SOLIS)
Beratung bei der Informationsbeschaffung – Auftragsrecherchen in Datenbanken weltweit
Informationstransfer von und nach Osteuropa
Informationsdienste zu ausgewählten Themen
Informationswissenschaftliche und informationstechnologische Forschung & Entwicklung
Information und Beratung zu Fragen der Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung
Internet-Service
Das GESIS–IZ Sozialwissenschaften wurde 1969 als Informationszentrum Sozialwissenschaften
von der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) gegründet. Von 1986 an
war es mit dem Zentralarchiv für empirische Sozialforschung (ZA) an der Universität zu Köln und
dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen e.V. (ZUMA), Mannheim in der Gesellschaft
Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V. (GESIS) zusammengeschlossen. Seit April
2007 ist das GESIS–IZ eine von drei Abteilungen der neu gegründeten GESIS.
GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.
Im Januar 1992 wurde eine Außenstelle der GESIS (seit 2003 GESIS-Servicestelle Osteuropa) in
Berlin eröffnet. Deren zentrale Aufgaben sind die sozialwissenschaftliche Informations- und Datenvermittlung zwischen Ost- und Westeuropa sowie die Förderung von Ost-West-Kooperationen und
die Unterstützung der vergleichenden Forschung. Seit Januar 2006 gehört auch das Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) zur GESIS. Das CEWS bietet zielgruppenadäquate Informations- und Beratungsleistungen zu Fragen der Chancengleichheit in Wissenschaft
und Forschung an.
Die Datenbanken SOFIS und SOLIS
SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften)
Inhalt: SOFIS informiert über laufende, geplante und abgeschlossene Forschungsarbeiten der letzten zehn Jahre aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. Die
Datenbank enthält Angaben zum Inhalt, zum methodischen Vorgehen und zu Datengewinnungsverfahren sowie zu ersten Berichten und Veröffentlichungen. Die Namen der am Projekt beteiligten Forscher und die Institutsadresse erleichtern die Kontaktaufnahme.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Psychologie, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft, Kommunikationswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung, Sozialgeschichte, Me-
thoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie, Sozialwesen oder Kriminologie.
Bestand der letzten 10 Jahre: rund 43.000 Forschungsprojektbeschreibungen
Quellen: Erhebungen, die das GESIS–IZ Sozialwissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland,
die Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien in Österreich (bis 2001) und SIDOS (Schweizerischer Informations- und Daten-Archivdienst) in der Schweiz bei sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen durchführen. Die Ergebnisse der GESIS–IZ-Erhebung werden ergänzt durch sozialwissenschaftliche Informationen fachlich spezialisierter
IuD-Einrichtungen, z.B. des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg sowie durch Auswertung von Internetquellen, Hochschulforschungsberichten sowie Jahresberichten zentraler Fördereinrichtungen und Stiftungen.
SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem)
Inhalt: SOLIS informiert über die deutschsprachige fachwissenschaftliche Literatur ab 1945, d.h.
Aufsätze in Zeitschriften, Beiträge in Sammelwerken, Monographien und Graue Literatur
(Forschungsberichte, Kongressberichte), die in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich
oder der Schweiz erscheinen. Bei Aufsätzen aus Online-Zeitschriften und bei Grauer Literatur ist im Standortvermerk zunehmend ein Link zum Volltext im Web vorhanden.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Bildungsforschung,
Kommunikationswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung,
Methoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie oder Sozialwesen.
Bestand: Juni 2007 ca. 350.000 Literaturnachweise
Jährlicher Zuwachs: zwischen 16.000 und 18.000 Dokumente
Quellen: Zeitschriften, Monographien einschließlich Beiträgen in Sammelwerken sowie Graue Literatur. SOLIS wird vom GESIS–IZ Sozialwissenschaften in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, der Freien Universität Berlin - Fachinformationsstelle Publizistik, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, den Herausgebern der Zeitschrift für Politikwissenschaft und
dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hergestellt. Weitere Absprachen bestehen mit der Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation in Trier und
mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt/Main.
Zugang zu den Datenbanken
Der Abruf von Informationen aus den Datenbanken SOFIS und SOLIS ist prinzipiell kostenpflichtig. Beide Datenbanken sind in jeweils unterschiedlichen fachlichen Umgebungen über folgende
Hosts zugänglich:
STN International
The Scientific & Technical
Information Network
Postfach 24 65
76012 Karlsruhe
Deutschland
Tel.:+49 (0)7247-80 85 55
www.stn-international.de
GBI-Genios Deutsche
Wirtschaftsdatenbank GmbH
Freischützstr. 96
81927 München
Deutschland
Tel.:+49 (0)89-99 28 79-0
www.gbi.de/r_startseite/index.ein
An nahezu allen Hochschulstandorten sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der
Schweiz sind beide Datenbanken auf der Basis von Pauschalabkommen mit den Hosts - z.B. für das
GBI wiso-net - in der Bibliothek oder über Institutsrechner für die Hochschulangehörigen frei zugänglich.
infoconnex - der interdisziplinäre Informationsdienst bietet Individualkunden günstige Jahrespauschalpreise für den Zugang zu den Datenbanken SOLIS und SOFIS. Zudem stehen in infoconnex
seit Sommer 2006 im Rahmen von DFG-Nationallizenzen auch sechs Datenbanken des Herstellers
Cambridge Scientific Abstracts (CSA) zur Recherche an Hochschulen und wissenschaftlichen
Einrichtungen zur Verfügung. Das sind die Sociological Abstracts, Social Services Abstracts, PAIS
International, Worldwide Political Science Abstracts, Applied Social Sciences Index and Abstracts
(ASSIA) und der Physical Education Index. Darüber hinaus kann über infoconnex in der Literaturdatenbank DZI SoLit des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen und in Literaturdatenbanken
zu Pädagogik und Psychologie recherchiert werden (www.infoconnex.de).
SOFIS und SOLIS stehen neben weiteren 12 Datenbanken auch im sozialwissenschaftlichen Fachportal sowiport für die Recherche zur Verfügung. Auf www.sowiport.de können Nutzer folgende Datenbanken integriert oder einzeln durchsuchen:
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem SOLIS
Sozialwissenschaftliches Forschungsinformationssystem SOFIS
Literaturdatenbank DZI SoLit des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen
Katalog der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
Katalog des Sondersammelgebietes Sozialwissenschaften der Universitäts- und Stadtbibliothek
Köln
Katalog der Bibliothek des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
Datenbank GeroLit des Deutschen Zentrums für Altersfragen
Publikationen der Bertelsmann Stiftung
ProQuest-CSA-Datenbanken (im Rahmen von DFG-Nationallizenzen): Sociological Abstracts,
Social Services Abstracts, Applied Social Sciences Index and Abstracts, PAIS International,
Worldwide Political Science Abstracts, Physical Education Index
Fachinformationsführer SocioGuide mit Informationen zu Institutionen, Fachzeitschriften,
Sammlungen, Netzwerken und Veranstaltungen
Insgesamt enthält sowiport.de rund 2,5 Millionen Literaturnachweise, 50.000 Forschungsprojekte
und 8.500 Nachweise zu sozialwissenschaftlichen Institutionen, darüber hinaus Veranstaltungshinweise, Themenschwerpunkte und Links zu Portalen.
Im Internetangebot der GESIS (www.gesis.org) steht - neben weiteren kostenfrei zugänglichen
Datenbanken - ein Ausschnitt aus der SOFIS-Datenbank mit Projektbeschreibungen der letzten Jahre für inhaltliche und formale Suchen zur Verfügung. Dadurch besteht darüber hinaus die Möglichkeit, bereits gemeldete Projekte auf Aktualität zu prüfen sowie jederzeit neue Projekte für eine Aufnahme in SOFIS mitzuteilen.
Beratung bei der Nutzung sozialwissenschaftlicher Datenbanken
Zur Unterstützung Ihrer eigenen Suche in den Datenbanken SOFIS und SOLIS bietet das GESIS–IZ
Sozialwissenschaften entsprechende Rechercheinstrumente an, z.B. den Thesaurus oder die Klassifikation Sozialwissenschaften. Selbstverständlich beraten wir Sie auch jederzeit bei der Umsetzung
sozialwissenschaftlicher Fragestellungen in effektive Suchstrategien in unseren Datenbanken.
Auftragsrecherchen
In Ihrem Auftrag und nach Ihren Wünschen führt das GESIS–IZ kostengünstig Recherchen in den
Datenbanken SOFIS und SOLIS durch. Darüber hinaus werden Informationen aus weiteren nationalen und internationalen Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen und/oder fachübergreifenden Themengebieten zusammengestellt.
Informationstransfer von und nach Osteuropa
Der Bereich Informationstransfer Osteuropa fördert die Ost-West-Kommunikation in den Sozialwissenschaften. Er unterstützt die internationale Wissenschaftskooperation mit einer Vielzahl von Informationsdiensten.
Eine wichtige Informationsquelle für Kontakte, Publikationen oder Forschung bietet in diesem Zusammenhang auch der Newsletter „Social Science in Eastern Europe", der viermal jährlich in englischer Sprache erscheint.
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst – soFid
Regelmäßige Informationen zu neuer Literatur und aktueller sozialwissenschaftlicher Forschung
bietet das GESIS–IZ mit diesem Abonnementdienst, der sowohl in gedruckter Form als auch auf
CD-ROM bezogen werden kann. Er ist vor allem konzipiert für diejenigen, die sich kontinuierlich
und längerfristig zu einem Themenbereich informieren wollen.
soFid ist zu folgenden Themenbereichen erhältlich:
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
Allgemeine Soziologie
Berufssoziologie
Bevölkerungsforschung
Bildungsforschung
Familienforschung
Frauen- und Geschlechterforschung
Freizeit - Sport – Tourismus
Gesellschaftlicher Wandel in den neuen
Bundesländern
Gesundheitsforschung
Industrie- und Betriebssoziologie
Internationale Beziehungen + Friedensund Konfliktforschung
Jugendforschung
Kommunikationswissenschaft: Massenkommunikation – Medien – Sprache
● Kriminalsoziologie + Rechtssoziologie
● Kultursoziologie + Kunstsoziologie
● Methoden und Instrumente der Sozialwis●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
senschaften
Migration und ethnische Minderheiten
Organisations- und Verwaltungsforschung
Osteuropaforschung
Politische Soziologie
Religionsforschung
Soziale Probleme
Sozialpolitik
Sozialpsychologie
Stadt- und Regionalforschung
Umweltforschung
Wissenschafts- und Technikforschung
sowiNet - Aktuelle Themen im Internet
Zu gesellschaftlich relevanten Themen in der aktuellen Diskussion werden in der Reihe sowiOnline
Informationen über sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte und Veröffentlichungen auf Basis
der Datenbanken SOFIS und SOLIS zusammengestellt. In der Reihe sowiPlus werden solche Informationen darüber hinaus mit Internetquellen unterschiedlichster Art (aktuelle Meldungen, Dokumente, Analysen, Hintergrundmaterialien u.a.m.) angereichert. Alle Themen sind zu finden unter
www.gesis.org/Information/sowiNet.
Forschungsübersichten
Dokumentationen zu speziellen sozialwissenschaftlichen Themengebieten, Ergebnisberichte von
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des GESIS-IZ, Tagungsberichte und State-of-the-art-Reports werden in unregelmäßigen Abständen in verschiedenen Reihen herausgegeben.
Internet-Service
Die GESIS-Abteilungen GESIS-IZ Sozialwissenschaften, GESIS-ZA (ehemals Zentralarchiv für
Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln) und GESIS-ZUMA (Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim) sowie die GESIS-Servicestelle Osteuropa in Berlin bieten unter
www.gesis.org
gemeinsam Informationen zum gesamten Spektrum ihrer Infrastrukturleistungen sowie Zugang zu
Informations- und Datenbeständen.
Unter dem Menü-Punkt „Literatur- & Forschungsinformation" bietet das GESIS–IZ nicht nur
Zugang zu einem Ausschnitt aus der Forschungsprojektdatenbank SOFIS, sondern zu einer Reihe
weiterer Datenbanken und Informationssammlungen:
● Die Datenbank SOFO - sozialwissenschaftliche Forschungseinrichtungen - enthält Angaben zu
universitären und außeruniversitären Instituten in der Bundesrepublik Deutschland in den Bereichen Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Erziehungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Bevölkerungswissenschaft, Geschichtswissenschaft sowie Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Gesucht werden kann nach Namen(steilen), Fachgebiet,
Ort, Bundesland sowie organisatorischer Zuordnung (Hochschule, außeruniversitäre Forschung
oder öffentlicher Bereich).Neben Adressen, herausgegebenen Schriftenreihen u.ä. verweisen Hyperlinks ggf. auf die jeweiligen Homepages der Institutionen. Darüber hinaus gelangt man über
einen weiteren Hyperlink zu allen Projektbeschreibungen eines Instituts, die in den letzten drei
Jahren in die Forschungsdatenbank SOFIS aufgenommen wurden
(www.gesis.org/information/SOFO).
● Die Datenbank INEastE - Social Science Research INstitutions in Eastern Europe - bietet Tätigkeitsprofile zu sozialwissenschaftlichen Einrichtungen in vierzehn osteuropäischen Ländern.
Ähnlich wie in SOFO, können auch hier die Institutionen durchsucht werden nach Namensteilen, Ort, Land, Personal, Fachgebiet, Tätigkeitsschwerpunkt und organisatorischer Zuordnung.
Die zumeist ausführlichen Institutsbeschreibungen in englischer Sprache sind durch weiterführende Hyperlinks zu den Institutionen ergänzt (www.gesis.org/Information/Osteuropa/INEastE).
● Sozialwissenschaftliche Zeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen in
einer weiteren Datenbank für Suchen zur Verfügung. Es handelt sich dabei um Fachzeitschriften, die vom GESIS–IZ in Kooperation mit weiteren fachlich spezialisierten Einrichtungen regelmäßig für die Literaturdatenbank SOLIS gesichtet und ausgewertet werden. Standardinformationen sind Zeitschriftentitel, Herausgeber, Verlag und ISSN - Redaktionsadresse und URL
zur Homepage der Zeitschrift werden sukzessive ergänzt. Immer vorhanden ist ein Link zur Datenbank SOLIS, der automatisch eine Recherche beim GBI-Host durchführt und die in SOLIS
gespeicherten Titel der Aufsätze aus der betreffenden Zeitschrift kostenfrei anzeigt; weitere Informationen zu den Aufsätzen wie Autoren oder Abstracts können gegen Entgelt direkt angefordert werden. Die Datenbank befindet sich noch im Aufbau; eine alphabetische Liste aller ausgewerteten Zeitschriften aus den deutschsprachigen Ländern kann jedoch im PDF-Format abgerufen werden.
Zu sozialwissenschaftlichen Zeitschriften in Osteuropa liegen ausführliche Profile vor, die in alphabetischer Reihenfolge für die einzelnen Länder ebenfalls abrufbar sind. Der Zugang erfolgt über
www.gesis.org/Information/Zeitschriften.
Über weitere Menü-Hauptpunkte werden u.a. erreicht:
● die Linksammlung SocioGuide, die – gegliedert nach Ländern und Sachgebieten – Zugang zu
Internetangeboten in den Sozialwissenschaften bietet (www.gesis.org/SocioGuide) sowie
● der GESIS-Tagungskalender (www.gesis.org/Veranstaltungen) mit Angaben zu Thema/ Inhalt,
Termin, Ort, Land, Kontaktadresse bzw. weiterführenden Links zu nationalen und internationalen Tagungen und Kongressen in den Sozialwissenschaften sowie zu Veranstaltungen in und zu
Osteuropa im Bereich der Transformationsforschung.
Newsletter
Über Neuigkeiten aus der GESIS informiert zweimonatlich der gesis report. Der Newsletter erscheint in elektronischer Form und kann abonniert werden unter: [email protected]
(Kommando im Textfeld: subscribe GESIS-Newsletter Vorname Nachname – keinen Betreff angeben)
GESIS–IZ Sozialwissenschaften
Lennéstraße 30
53113 Bonn
Deutschland
Tel.:+49 (0)228-2281-0
Fax:+49 (0)228-2281-120
E-mail:[email protected]
GESIS-Servicestelle Osteuropa
Schiffbauerdamm 19 • 10117 Berlin
Deutschland
Tel.:+49 (0)30-23 36 11-0
Fax:+49 (0)30-23 36 11-310
E-mail:[email protected]
Herunterladen