Die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge von Hlohovec

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DIPLOMARBEIT
Die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge von Hlohovec
ausgeführt zum Zwecke der Erlangung des akademischen Grades
eines Diplom-Ingenieurs
unter der Leitung von
Ao. Univ. Prof. Arch. Dipl.-Ing. Dr. techn. Bob Martens
Institut für Architektur und Entwerfen
E253
eingereicht an der Technischen Universität Wien
Fakultät für Architektur und Raumplanung
von
Thomas Steinlechner
Matrikelnr. 9826522
Utendorfgasse 33/21
1140 Wien
Wien, am 6. November 2015
Kurzfassung
Die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge von Hlohovec unternimmt den Versuch wach zu
halten und das kulturelle Gedächtnis zu wiedervervollständigen in dem Teilbereich den sie
für sich reklamiert. Demnach ist ein Gebäude zu sehen 1890 errichtet von dem jüdischen
Wiener Architekten Jakob Gartner welches nur 70 Jahre bestand hatte und welches auch
nicht zu jenen Synagogen gehört, die der Reichsprogromnacht von 1938 und ihrem
entfesselten Furor zum Opfer gefallen waren. Still, und lange Jahre ohne ihre sakrale
Funktion erfüllen zu dürfen, deren Würde sie zwar noch ausstrahlte, aber ohne Nutzerschaft
fortlebend und verlassen, entschloss man sich just in ihrer baulichen Längsachse eine
Brücke über die Waag zu schlagen und sie damit unerzwungenermaßen zum Hindernis zu
erklären, deshalb abzureißen und den spirituellen Weg den die Synagoge den Juden von
Hlohovec beim Gebet in diesem Haus zu Gott wies gegen den Weg des geringsten
historischen Widerstandes auszutauschen und eine Verkehrskreuzung beinahe exakt an
Stelle ihres ehemaligen Standortes zu errichten.
Umgesetzt wurde dieser technokratische Plan im realen Sozialismus des Jahres 1960 in
einem Staat, der damals Tschechoslowakei hieß und seit der Trennung dieser Einheit
Hlohovec seinen Platz in der heutigen Slowakei gibt. Deshalb auch mindestens
erwähnenswert, da diese Kleinstadt im Landkreis Trnava nahe Piestany gelegen ebenso
unter weiteren Namen bekannt ist. Auf Deutsch Freistadt an der Waag, auch kürzer einfach
Freistadtl, und auf Ungarisch Galgócz. Die Gemeinde zählte bis zu ihrer erzwungenen und
gewaltsamen Zerstreuung, unter die sowohl die Erscheinungen der rechtzeitigen Emigration,
der Flucht aber auch der Deportation gehörten, 700 Mitglieder.
Spolien der Synagoge von Hlohovec befinden sich am Gelände des jüdischen Friedhofs vor
Ort. Dazu zählen, am besten erhalten, die Kuppel des Thorahschreins, und einer der beiden
Turmhelme der Hauptfassade im von Zeit und Wetter begründeten ruinösen, weil
demoliertem Zustand. Um so kontrastierender soll die virtuelle Rekonstruktion den Eindruck
der Vergangenheit in Unversehrtheit wiedergeben und eine Rückschau möglich machen, die
gleichzeitig von einem Teil Europas spricht, in heutigen Bezügen ausformuliert, der nicht
mehr ist.
In dieser Diplomarbeit wurde die Tatsache der völligen Demolierung und Schleifung der
Synagoge von Jakob Gartner ausgearbeitet und dem Verlust des Gebäudes die Tatsache
der virtuellen Rekonstruktion gegenübergestellt. Dieses Gebäude kann man als die letzte
Reminiszenz der verschwundenen, einstmals blühenden jüdischen Gemeinde der Kleinstadt
Hlohovec in der Slowakei ansehen. Sie ist der zweifelsfreie Beweis, dass die Auslöschung
von kulturellem Wissen in Untrennbarkeit mit der Vertreibung der dort dieses hohe Gut
pflegenden Menschen und ihrer Lebenspraxis, die Traditionslinie gebrochen ist. Deutlich wird
das allein durch den Urkundenwert des Gebäudes von Jakob Gartner. Es ist wie ein wenig
wie den Boden unter den Füßen nicht mehr zu spüren, ohne dabei aber zu fliegen. Vielmehr
ein Abgrund ins Nichts. Gegenseitiges Aufeinanderzugehen im Gewahrtbleiben der Distanz
kann als Desiderat geltend gemacht werden. Eine andere Welt mitbauen helfen, die
Wahrscheinlichkeit ihrer Entstehung vergrößern, dazu will diese Diplomarbeit ein kleiner
Beitrag sein. So soll das schwarze Jahr 1960 der Zerstörung der Synagoge von Hlohovec
nicht wiederkehren. Das finale Ergebnis der virtuellen Rekonstruktion ist eine 40 Tafeln
umfassende Reihe fotorealistischer Renderings.
ABSTRACT
In this diploma thesis the demolition and total removement of the synagogue of Jakob
Gartner is elaborated. This building can be regarded as the last reminiscence of the vanished,
once flourishing jewish life in the small Slovakian city of Hlohovec. It is the doubtless proof
that eradicating cultural knowledge after expelling the people who lived their lives in
practicing this high good. The consequence of being poorer in a sense of loosing life at least
in an intellectual way, afterwards, can not be overseen. It is like loosing the ground beneath
our feet, one can not oppose against this.
In a society, we can feel the pain of the daily pressure in our chest, of not being understood.
Mutual openmindedness and a sense of decency can be called a commandmend and a thing
to be desired, to enhance the probability of the birth of a coming world, a new form of
existence, in which the year of 1960, the black year of the destruction of the synagogue of
Hlohovec, will not return again. The final outcome of the virtual reconstruction work is
displayed by way of 40 photorealistic renderings.
.
Inhaltsverzeichnis
000Morphologie
A00ArchitekturDesGebäudesAlsIdeengeschichtlichHochintegriertesSystem
A01ArchitekturbildbasierterZugangZumTempel
A02SprachbildbasierterZugangZumTempel
A03DasGebäudeAlsRaumschiff
A04Thorahschrein
A05Almemor
A06Türme
A07Kuppeln
A08VertikalelementeDerSynagogeVonHlohovec
A09HorizontalelementeDerSynagogeVonHlohovec
A10R00MordechaiDeutsch
A12R01VilhelmGlück
A13R02OrientierungDesGebäudes
A14F00Rosette
A15F01Fenster
A16R03NiveausImGebäude
A17R04Bestuhlung
A18F02Portal
A19F03Zugänge
A20GemeindegrößeGebäudegröße
A21LageImStadtverbund
A22Mikwe
A23S00Säulen
A24Fassadenschmuck
Z00Ordnerstrukturentwicklung
B00D0040 Tafeln
Z01Bildquellen
Z02Literaturquellen
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000
Morphologie
Friedrich Schiller. Friedrich Schiller hat einen schillernden Namen, und den hat er zurecht. Wir haben
für diesen Planeten namens Erde eine Bürgschaft übernommen und der Tyrann von Sizilien steckt in
uns allen als einzelne Menschen und als Menschheit als Volk Gottes genommen. Das Auserwähltsein
ist auch das Annehmen und Eingehen dieser Bürgschaft, welche gerade in Zeiten des anhebenden
Sturms, aber auch jeweils täglich, nach der Pflege am Morgen (Lau, 1988, 7), nach dem Erwachen
und Aufstehen, als unausweichliche, gleichsam unentrinnbare conditio humana unserem Lebensweg
eingeschrieben ist.
So fordert uns der Begriff der Morphologie, aus der Sprachwissenschaft geboren und auch mit dem
Begriff Struktur verwandt, dazu auf, unsere innere geistige Struktur, unser persönliches mindset so
aufzubauen, dass mit Gottes Hilfe und Anleitung, Seinem Rat, Seinem Wort, Seiner Mahnung und
Seiner Liebe, unser aller Leben besser gelinge. Auf dass wir keine Schmerzen leiden, und uns
Morphium erspart bleibt. Denn ab der Gabe dieses Medikaments ist es sehr oft für schwerkranke
Patienten im Hospital auch klar, dass es besser ist, sich vorzubereiten auf die nächste Welt, denn die
letze Welt konnte für diesen Menschen nicht anders sein als ein etwas, dem er am Schluss nur mehr
entrinnen wollte. Deshalb bedeutet mehr Morphologie betreiben im Leben und bei Zeiten, dass Zeit
unseres Lebens als Menschen nach menschlichem Ermessen die Wahrscheinlichkeit gering ausfallen
wird, jemals es nötig zu haben, Morphium erhalten zu müssen.
Das ist in klaren, knappen, deutlichen Worten ein klarer Auftrag, den die Schrift als Instrument und
Werkzeug zusammen mit ihrer Eigenschaft als erbauliche Quelle des Glücks selbst gibt und liefert.
Butter ist etwas sehr Feines, etwas sehr Reines. Nicht umsonst galt sie noch bis vor nicht allzu kurzer
Zeit durchwegs bei allen Leuten, die gewohnheitsmäßig dieses Nahrungsmittel als einen wesentlichen
Bestandteil ihres Wiener Frühstücks ansehen, als das, was es ist. Ein Gut, eine nicht näher zu
bestimmende Selbstverständlichkeit, täglich verzehrt und genossen, ein Speisenbegleiter zu
verschiedenem Gemüse, und im Butterkipferl der eigentliche Clou. Warum uns das zurückführt zu
Hlohovec und zur ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie ist vielleicht eine
Randnotiz, aber sie ist nicht unwichtig. Albert von Sachsen-Teschen, der Gemahl von Marie Christine,
Tochter von Maria-Theresia, war begütert in Ungarn und auf seinen fruchtbaren Böden beruhend
einer der größten Butterproduzenten der Monarchie. Sicherlich unter anderem deshalb gibt es
einerseits aufgrund ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die schönen Künste und die Musen, die
Sammlung der Albertina, aber sie hatte auch materielle Grundlagen, und wohl eine davon lag in der
Landwirtschaft und in der Qualität eines seiner Produkte von einem seiner Güter, der Butter. Und jetzt
betreiben wir Morphologie mit Hilfe einer gedanklichen Operation, die zeigen soll, dass ganz direkt,
nämlich mit dem finanziellen Erlös aus dem Verkauf, oder distanzierter, mit den Überschüssen aus
den Gütern des Prinzen, von denen wohl die Butter einen signifikanten Beitrag zu leisten vermochte,
erst das möglich war, das eines der zartesten und rarsten, in seiner Art und Weise lyrisches Flimmern
im Herzen erzeugen vermag, das Denkmal für seine dann schon bereits verstorbene Frau in der
Augustinerkirche in Wien, ausgeführt von Antonio Canova für Uxori Optimae, Albertus,...., lateinisch
für der besten Gattin.
Und das in weißem Marmor, nur mehr Form, und der Stein tritt völlig in den Hintergrund und wird
weich wie Butter. In diesem Sinne lebendig, rein, kostbar, und voll der Liebe, wie ein koscheres Stück
Butter, das hier ewiges Frühstück mit der Gattin erlaubt. So ein reines Stück Liebe und Rahm,
verarbeitet zu koscherer Butter, das war auch die Synagoge von Hlohovec. Jakob Gartners Synagoge
von Holleschau kann gerne als eine Weiterentwicklung des Zeichsystems oder Schriftzeichens der
Architektur der Synagoge von Hlohovec gelesen werden. Beide Bauten sind in ihrer
Architektursprache eng miteinander verwandt, Holleschau entstand nur wenige Jahre später, und wirkt,
wenigstens was das Äußere betrifft, noch einmal um Nuancen venezianisch-feinziselierter als sein
Hlohovecer Entwurf.
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A00
ArchitekturDesGebäudesAlsIdeengeschichtlichHochintegriertesSystem
Die Arbeit an dem Zustandekommen dieser Diplomarbeit kann nicht getrennt behandelt
werden ohne einerseits das gelebte Leben Jakob Gartners und auch nicht ohne das
lebendige Eigenleben der Idee des Projekts selbst, in dessen Gesamtzusammenhang es
einzuordnen ist. Nun ist der Terminus „Das gelebte Leben Jakob Gartners“, welcher oben
verwendet und so das erste Mal in dieser Form, diesem Schrifttyp und in dieser Diplomarbeit,
mit seiner Niederschrift eingeführt wird, etwas anderes, als das Leben Jakob Gartners,
würde man darüber eine eigene Arbeit verfassen und diese zu Papier bringen. Es ist auch
etwas anderes, als es etwa ein Film wäre, in dem Jakob Gartner von einem Schauspieler
repräsentiert wird, der in seine Rolle schlüpft.
Und so klein der Beitrag von Schrift oder Schriftzeichen, oder selbst des Satzes an der
Gesamterstellungsarbeit eines Werkes der Literatur auch in der Vergangenheit gewesen
sein mag, Art und Auswahl der Schrifttypen, Farbe, Dicke und Oberflächenbeschaffenheit
des Papiers, der Einsatz von welchen Druckmethoden und auch Farbsystemen bei
Mehrfärbigkeit, das alles beeinflusst die Aussage, wenn wir auch schon von der Stufe der
Haptik an von Aussage sprechen wollen.
So ist ein Quadratmeter Verputzfläche an der Synagoge von Hlohovec etwas völlig anderes
als der selbe Quadratmeter Verputzfläche an der Synagoge von Hlohovec in der gedruckten
Form des Buches, ihrer, der Synagoge, elektronischen Repräsentanz am Bildschirm, und
ihrer Repräsentanz als ein auf eine weiße Wand projiziertes Bild über das Ausgabegerät
Beamer.
Das macht materiell einen Unterschied, keinen großen, aber einen hoch bedeutsamen, je
nach Auffassung. Denn Licht ist, für sich selbst genommen, und Licht verändert, das Photon
seine Position, und gegenseitig beeinflusst es sich, und lässt uns als menschliche Betrachter
Materialien veränderlich wahrnehmen. Es verändert also ganz feinkörnig die Wahrheit und
es ist veränderlich in der Zeit.
Weil wir wissen und gelernt haben, tempus fugit amor manet, deshalb halten wir daran fest,
auch weiterhin, den Gedanken, niemals aufzugeben, zu pflegen und gute Ideen als
ideengeschichtliche Syntagma zu behandeln, gute architektonische Ideen, und als solche
soll und muss die Synagoge von Hlohovec gelten, die, auch wenn es aktuell keinen Sinn
macht, eine Baukostenschätzung vorzunehmen, oder eine Baumassenberechnung
durchzuführen, da wir uns nicht in der Kosten- und Ausführungsplanung befinden, sondern
ex post das Untergegangensein des Bauwerks an Ort und Stelle sprachlich verhandeln.
Etwas Schönes aus der Mitte der Gemeinschaft der Bürger einer Stadt gewaltsam entfernen,
auch wenn eben hier, die Synagoge angeblich funktionslos wurde, ist weder eine Tat, noch
eine Untat. Gewissermaßen bleibt von allem, was jemals gut und schön war, auch gute und
schöne Erinnerung. Nur ist es fraglich, mit wie vielen Menschen man diese Erinnerung teilen
kann. Und ein Wichtiges, ein Nachgestelltes zum Thema Tat und Untat. Das Leugnen des
Verlustes macht den Verlust nicht ungeschehen, und wenn sich niemand mehr eines Tages
an uns erinnern sollte, dann wird sich der Herr unser Schöpfer selbst an uns erinnern. Denn
diese Arbeit soll Hoffnung ausdrücken, und optimistisch machen. Und sie ist ein
Gegenentwurf zur Aussage, manchmal helfe eben nur, abzuwarten, und mit sich ins eigene
Gehäus zu gehen. Die Einsiedelei des Sich-Einmauerns-Im-Turm lässt nur die Haare länger
werden, und das Turmzimmer, welches eingewohnt wird vom schönen Fräulein, das wird
immer grauer und verlassener, weil der Elfenbeinturm allein keine ewige, vor allem alleinige
und einsame Wohnung ist.
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A01
ArchitekturbildbasierterZugangZumTempel
Ein verlässlicher, weil allein schon aufgrund seiner immanenten Eigenschaft als ewiger
Entwurfscharakter zum Bild des Architekten als kreativer Schöpfer von baulichen
Wesenheiten mit Eigenleben, Zugang zum eigenen „Tempel“ ist das Studium der Architektur
als Fach und als gelebte Praxis als Architekt. Ikonen der Architektur können von
Flughafenterminals wie dem des finnischen Architekten Eero Saarinen am JFK Airport von
New York, damals für die die Fluglinie TWA entworfen, gebaut und im Mai 1962 eröffnet,
sein, bis hin zur Kirche am Steinhof, eröffnet von Erzherzog Franz Ferdinand im Oktober
1907. Sakral im Sinne von erfurchtgebietend als eigengesetzlicher Gegenstand und
Schöpfung für sich genommen, die erst durch die schöpferische Ausstattung des Menschen
durch den Schöpfer selbst denkbar ist, und damit für den gläubigen Menschen dadurch
immer auch ein kleiner Gottesbeweis sein kann, höchst verwinkelt, aber dennoch, ist für den
Architekten aber immer wieder auch das namenlose Bauen, die schöne Stadtgestalt, der
vom Wasser oder den Winden mit ihren Sandkörnen im Gepäck zurechtgeschliffene
Felsblock, die von der Kontinentaldrift und Kontinentalplattenkollion aufgeworfenen Gebirge
dieser Welt und die nicht weniger dramatischen Küstenklippen, welche Fantasie und Lyrik
schon oft angestoßen, sowohl in ihrer dramatischen Schroffheit, als auch in ihrer Weichform
als der feine Staub aus den Gletschermühlen der Eiszeit, der verfrachtet und angehäuft, die
Grundlage für die vielen Kellergassen und damit ihrer Ensembles des Weinviertels bildet.
Architektur schafft einen Kanon von neuen Zeichen.
So kann in der Rückschau auf die Eröffnung des Guggenheim Museums in Bilbao mit dem
Abstand von 18 Jahren nicht genug dem Umstand Würdigung Ausdruck verliehen sein, das
es dem Architekten Frank O. Gehry damit gelungen ist, die Stadt, ehemals als Industriestadt
in einem Teil Spaniens gelegen, in einer Art und Weise neu zu beschreiben, die sowohl dem
Fleiß, der den Kern des Wortes Industrie ausmacht, Rechnung trägt, und die Stadt als
Industriestadt adelt, in der solche Werke möglich sind, als auch, und nicht zuletzt, Bilbao als
Hauptstadt des Baskenlandes neu deutet und die kulturelle Eigenart und den Eigenwert des
kleinen Unterschieds, welcher für jeden Menschen im Verhältnis zum Anderen als
Existenzrecht notwendig ist, der sich als Basken begreifenden Bürger Spaniens, und alle
politischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Sprechen über Bilbao, wer darunter
das Museum versteht, ausklammert. Und das ist kein Trick und keine Ablenkung, nein, es ist
eine künstlerische, poetische Form einer gebauten Utopie, die wirkmächtig ausstrahlt, und
die Gutes Nachdenken und Fühlen fördert.
Dieses Bauwerk ist nun untrennbar mit Bilbao verbunden und illustriert die Wichtigkeit von
schöpferischem Handeln in der Architektur. Diese bauliche Anlage ist deshalb ein
architekturbildbasierter Zugang zum Tempel als Abstraktum, um darin ausdrücklich die zu
erfüllende Grundlage noch einmal zu erwähnen, weil dieser schillernde verbaute Gedanke
Gehrys dazu führt, die Menschen auf hochkomplexer Ebene im theoretischen Ansatz, aber
umso praktischer in seiner Wirkung in situ zusammenzubringen und die Kommunikation zu
fördern.
Wann immer solche Taten gelingen im Zusammenhang mit Werken der Architektur, dann ist
durch sie gewährleistet, dass sie durch ihre Fähigkeit und Funktion als Bauwerke, die auch
immer Orte des Versammelns, der Zusammenkunft sind, Dinge im Sinne von Handlungen
ermöglichen, die Liebeshandlungen sein können, angefangen bei einem Blick, dem ein
Lächeln folgt, dem ein Handreichen folgt, dem manchmal auch eine Ehe folgt. Aber dazu
braucht es auch Orte der Begegnung. Und eine Synagoge ist ein solcher Tempel.
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A02
SprachbildbasierterZugangZumTempel
Daniel Dafoes Robinson Crusoe erlebt das Gestrandetsein an fernen Gestaden, ferner kann der
Tempel nicht sein. In der architekturgeschichtlichen, bauhistorischen und religionsgeschichtlichen
Form wird er immer existieren. Der eigentliche Grundstein für den Bau des Tempels von
Jerusalem ist aber der Verzicht. Der Verzicht jedes Menschen, darin seine Erfüllung finden zu
wollen, eifersüchtig und grenzenlos über das Notwendige hinaus alles und das sofort haben zu
müssen.
Denn dieser Verzicht als Grundstein wäre erklärt, umgesetzt und erreicht, würde sich jeder, so
wie Daniel Dafoes Held, nämlich mit Freitag zufriedengeben. Und zwar ganz abstrakt, egal in
welcher Wochentagsnomenklatur auch immer. Ruhen nach sechs Werktagen, egal ob Samstag,
Sonntag, oder Freitag. Das wäre ein Frieden unter den Völkern, und das ist wohl der schönste
Tempel, den es auf Erden geben kann.
Der Terminus Tempel und die deutschen Substantiva, die sich mit ihm zusammensetzen lassen,
klingen sehr unterschiedlich. Sehr persönlich, weil von dem Verfasser besonders geschätzt, ist
der Musiktempel. Bei den Werken, die vor allem auch hier in Wien aufgeführt werden, und nicht
selten gespielt werden, handelt es sich um einen Kanon von Hochklassik. Hochklassiges, auch
wenn nicht immer alles aus der Wiener Klassik sein muss. Sprache, die sehr oft ohne Worte
auskommt, deren Grundtext in Notenschrift festgehalten ist, die sich aber nur im Gespieltwerden,
in der Werk- und Umsetzungsform verstehen lässt, und die nachklingt und das Herz erfreut, auch
noch lange, nachdem man den Saal verlassen hat. Derart und daran möchte der Verfasser ganz
binnenexpansorisch dazu aufrufen, sich Robinson Crusoe auch so reif, erfahren, witzig,
geistreich und voll der Liebe vorzustellen, dass er imstande ist, seinen Gefährten Freitag ziehen
zu lassen. Damit soll thematisiert sein, welches Geistes Kind der siebte Tag der Woche nun auch
ist, er ist eine Sieben, und die Sieben hat sich als allgemeiner Feiertag durchgesetzt und wir
sehen es als gegeben an, ob religiös oder nicht, uns einmal in diesem Rhythmus eines
Wochenzyklus freizunehmen. Mit dem Bild von dem Robinson, der an Freitag nicht mehr so
interessiert ist, und ihn sogar ermuntert, zu gehen, und sich sein eigenes Eiland zu zuchen, sei
ein Gedanke geäußert,
Was, würden wir uns Robinson Crusoe in dieser literarischen Analogie als Gott selbst vorstellen,
der nun Freitag, also den zwar edlen, doch damals sehr wilden edlen jungen Mann, als
Symbolfigur für die Menschen als Menschheit im Ganzen als Abstraktum ausgedrückt, ziehen
lässt, mit dem vollen Vaterstolz und beinahe Mutterglück, die als Eltern sehen, nun endlich, nun
endlich bist Du erwachsen, mein Sohn.
Darum denkt der Verfasser, macht jedes Sich-Konkret-Vorstellen von der Gestalt, darüber hinaus
etwa gar noch von der Wiedergestaltwerdung des Tempels, nur den Kopf schwer. Eine
Rekonstruktion ist keine unlösbare Bautechnikangelegenheit und auch nicht das sklavische
Festhalten an jedem Stein, es ist viel mehr, es ist das Denkmal für die Gegenwart Gottes in der
Welt. Und dieses Denkmal ist golden und grün zugleich, es ist duftend und voll der Frische eines
Mairegens, der nur kurz währt, und von Sonne abgelöst wird, um uns ein Lächeln
herbeizuzaubern, so verzagt und verloren wären wir, hätten wir nicht alle guten Eigenschaften in
uns selbst angelegt. Der Apfel muss reifen, und das Bäumchen braucht den richtigen Standort
und Milde, Hege und Pflege.
Anders gesagt, das Wort und der Ort und die Schönheit, die über viele Generationen damit
verknüpft sind unter den Menschen, die seinen Verlust betrauern, kann auch substituiert werden
mit dem reinen Herzen. Und dann fällt Utopia mit dem Tempel zusammen. Als Friede unter den
Völkern der Erde. Nicht vorher, und dann kann es heißen, Gott gib uns bitte neue Aufgaben....,
wir dürsten nach Herausforderung.
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A03
DasGebäudeAlsRaumschiff
Bei Missionen in den Weltraum ist neben technischen Fragen die Frage nach der genauen
Personalauswahl die auf Mission geschickt wird mehr als eine rein administrative, technische,
oder gar simpel langweilig zu nennende Frage. Je länger eine Reise von Astronauten in
Zukunft bei Vorhandensein aller grungsätzlichen Möglichkeiten auch tatsächlich dauert,
kreist dabei zusehends alles um die Frage, wie lange können sich die Menschen an Bord
des Schiffs, nennen wir es ganz allgemein so, über Wasser halten, alleine zusammen allein
und unter dem Dache des besonderen Wissens vereint, niemand kann uns direkter helfen,
als wir selbst. Und das ist die Frage nach den Triathlonfähigkeiten der Besatzung. Es ist wie
ein Schwimmen in offenem Meer. Nicht als Delphin geboren, ist es für einen Menschen eine
Willenskraftgenerierungsleistung dort beim Schwimmen nicht zu ertrinken, Lösungen finden,
und in Eintracht gut miteinander auszukommen. Solcherart ist der der Thorah als Kanon zum
Beherzigen innewohnend, sie hilft in allen Lebenslagen, oder zumindest sagen wir ihr diese
rein ideelle Kraft nach, denn diese besitzt sie tatsächlich. Zusammen, mit der Möglichkeit die
immer da ist, in Zeiten der Not auch einmal in Form eines direkten Gebets Gott um Beistand
oder Hilfe zu bitten. Die Thorah ist selbst ein kleines Raumschiff, denn sie erweitert den
Denkraum und den Vorstellungsapparat des Menschen, sie enthält Tools zum Verstehen des
eigenen Denkens selbst. So ist gute Literatur geistige Nahrung und Energie und versorgt uns
alle mit Fahrkarten, sich uns dem Gehalt der Thorah zu nähern, um auf den Stufen der
Wahrheit höher zu steigen.
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A04
Thorahschrein
Der Thorahschrein der Synagoge von Hlohovec überhöht und heiligt in der Weise seiner
Gestaltung, übrigens wie in jeder anderen baulichen Schöpfung dieses Namens und dieser
Widmung auch, die Bedeutung und Erhabenheit der textlichen Grundverfassung der Kultur
des Judentums und des Volkes Israel.
Er ist Wanddeckel und zentraler Punkt der perspektivischen und gestalterischen Ausrichtung
der Synagoge. Das Altarbild ist die Schrift selbst, und der Schrein ist der Emittent der Schrift,
der die Initialgedanken des Schöpfers birgt. Also bedeutet der Gang zum und vom
Thorahschrein jedes Mal auch die Möglichkeit zu haben und dem Auftrag nachzukommen,
sich mit dem Beginn und dem Ende der Schrift, der kodexhaftig vorliegenden
Grundrisszeichnung und dem Weg des Menschen seit dem Anfang vertraut zu machen und
Wendungen, Offenbarungen und Heilserfahrungen mit- und wiederzuerleben, auch und
ausdrücklich, aus dem Textzusammenhang der Thorah Stoff und Gehalt desselben kritisch
und fruchtbar mit dem eigenen und dem Leben der Familie zu verweben.
Verlinkt man etwas abstrakter den Thorahschrein als Zeichensystem mit dem kleineren
Almemor, dann spiegelt sich darin der Anfang der Schrift überhaupt wieder. Ein „Beth“, also
den zweiten Buchstaben des hebräischen Alphabets, der in seiner einfachen Schreibweise,
das meint hier Schriftart, genau das ist, eine kleine Schachtel, die einen Sporen, ein Korn
entläßt, das einem Raumgleiter gleich, sein Mutterschiff verläßt und auf Entdeckungsfahrt
geht...
Jachin und Boas hießen die Zwillingssäulen, die den Eingang des Tempels von Jerusalem
feierlich und in ihrer Erhabenheit säumten, um Seine Erhabenheit herauszuheben. Eine
Erinnerung daran findet sich beim säulengerahmten Thorahschrein der Synagoge im
gegenständlichen Fall. Zu sehen sind jeweils zwei Säulenpaare, die in guter Tradition, sofern
es sich um Säulen und nicht Pfeiler handelt, gerade in diesem Situation, keine große Last zu
tragen haben, sondern eher die Kunstfertigkeit der im Buch verpackten Sprach- und
Wortfertigkeit der Thorah unterstreichen. Sie spinnen den Gedanken des Emporsteigens und
des Emporgetragenwerdens durch das Licht, welches durch das Studium und den Vortrag
der Schrift leuchtet, fort und geben ihm architektonische Gestalt. In der tatsächlichen
Anschauung des Hlohovecer Beispiels und Entwurfs Jakob Gartners, ruhen sie auf einem
annähernd würfelkapitellartiken Sockel, gehen über in eine schlichte Basis mit einem in Gold
gefaßten Ring nur etwas leicht oberhalb und verhalten sich parallelschaftig ohne Enthasis bis
sie den Kopf, das Kapitel, erreichen. Quaderförmig ausgebildet und zartblättrigverschlungene Schmuckformen tragend, trennt sie von dem darüberliegenden und
entgegenwachsenden Muschelgewölbe nur eine schmale Platte zur Auflagerverbreiterung.
Ein gestalterisches Niveau darüber ein Kranzgesimse als Akzent, ehe das verwirklicht wird,
wozu das Schmuckgewölbe darunter da ist, als Unterbau, nämlich jeweils ein kleiner
quattrostyler Tempelpavillon, der oktogonal bekränzt wird und zusammen mit dem Mittelteil
der Elemente exklusive der bekrönenden Kuppel, von einem klassischen
Ornamentalbandfries optisch zu einer horizontalen Einheit zusammengenäht wird, um den
teilweise sehr textilen Charakter dieses vorliegenden Architekturentwurfs in einem pars pro
toto zu würdigen.
Die Kuppel des Thoraschreins liegt als wichtigstes lebendiges Dokument, als Spolie vor, und
hat den Abriss glücklicherweise, einschränkend einiger Beschädigungen und Verluste in
ihrem einstigen Glanz und in ihrer Farbfassung, überstanden und ist verstaubt, aber
wenigstens trocken, im Gebäude des jüdischen Friedhofs von Hlohovec derweil sicher
verwahrt.
6
A05
Almemor
Der Almemor oder auch Bimah (Genée, 2014, 123) genannt, ist aus der Sicht des Sitzenden
in der Synagoge ein erhöhter Platz und damit aufgrund seiner Position innerhalb,
dazwischen und überhalb der Sitzreihen, und auch in einer Symmetrie bezüglich der
Längsachse des Gebäudes, wenn wir näher dem Sakralbau Jakob Gartners verhaftet
bleiben wollen, ein in seiner Bedeutung hervorgehobener, jedoch nicht der wichtigste Bauteil
der Synagoge. In unserer Beschreibung nehmen wir hier keine Rücksicht was etwa tragende
oder nichttragende elementare Bauteile betrifft, auch nach Kategorien der Beurteilung oder
des Vorgehens im Sinne einer Blickführung von innen nach außen oder umgekehrt soll hier
keine Rede sein. Vielmehr lohnt hier eine Feststellung. Nämlich jene, dass gesagt werden
kann, im Augenschein aller Erfahrung, also dessen, was uns die dem Schreiben sich einst
Gewidmeten an Texten überlassen, darunter jenes, welches wiederum Beschreibung und
Verzeichnis von den volatilen Kurvenfahrten und weitauslenkenden Pendelschlägen von
Menschenschicksalen, Liebe, Krieg und Erkenntnis, und von Schöpferworten, das am
Wichtigsten ist, welches materiell leicht in eine Buchbestellung, Lieferung, Begleichung des
Betrages einerseits, aber immateriell nur in einem guten Leben, einem gelungenen und
einem glücklichen Leben aufgewogen werden kann, in der Möglichkeit, es zieht den
Verfasser hinan, nur in der abstrakten Form für das Erleben dieser Möglichkeit, im Leben
selbst, gefunden und vorhanden sein kann, und dessen klarster Ausdruck im Sinne einer
Kulturtradition, die das Lebendige und die Schöpfung im besten Sinne distanzlos sieht,
selbst die Schrift als Schöpfung sieht, nämlich jedem kleinen Letter eine Persönlichkeit,
Bedeutung und Eigenexistenz beimißt. Und das ist es, was der Almemor hier als
architektonisches Element und Einrichtungsgegenstand im Tempel bedeutet, er ist der
erhöhte Ort, der kleine Turm oder auch die Quelle Miriam, die das Volk auf der Wanderschaft
begleitete und es mit flüssigem Leben versorgte, mit der Kostbarkeit, die, so sie nicht
getrunken, verdunstet, wenn sie der Sonne ausgesetzt, ein Tropfen einen Stein benetzt...
Schöpt der Mensch aus ihr, das richtige Quantum, dann kann der Becher zum Munde
geführt werden, wenn nicht vorher der Krug zerbrochen wurde. So ist es auch mit
Informationen, Büchern und der Heiligen Schrift. Wer zuviel davon auf einmal an Schlucken
trinkt, der kann so durstig werden, dass er meint, alles zu wissen und jeden zu übertreffen.
Der Mensch ist immer von Wüste umgeben, denn die großen und auch die kleinen Steine,
welche diese Landschaft ausmachen, können je nach Gewichtung, die nicht unbedingt ihrer
Masse äquivalent sein muss, die Mauer sein, die zu überwinden wir nicht in der Lage sind,
aber es gibt das Pult, wo aufgelegt und zentriert werden kann, was uns sowohl Anstoß,
Hoffnung, Optimismus und Wegweiser, Begleiter sein kann.
Die Heilige Schrift.
Schwarz auf Weiss, Licht geschieden von Finsternis, Etwas Existenz als viel Unsinn, ein
Schatz, der immer wieder neu entdeckt werden kann und Antworten liefert, ein kleines
Gebäude, das sich nicht verändert, und damit wohl der kleinste aber auch wichtigste Bauteil
der Synagoge.
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A06
Türme
Das sprechendste Element einer Aufwärtsbewegung in der Architektur ist wohl der Turm. In
jüngster Zeit gelingt es ihm sogar, uns als Menschheit auf den Mond und als Ableitung des
Menschen, Ableitung als Verwandtschaftsgrad in mathematischer Hinsicht, in technischer
Dimension, als Sonde Rosetta auf den Asterioiden Tschurjumow-Gerassimenko zu bringen.
Turm und Säule sind eben ein neuerlicher Zwilling in ihrer Eigenschaft als Architekturelement,
morphologisch-architektursprachliche Eigengesetzlichkeiten und sowohl in der Möglichkeit,
sie zu charakterisieren, zu zeichnen oder gar zu bauen, ganze Universalia des Baufachs und
der Kunstgeschichte für sich allein genommen.
Das Bauen und die Baupraxis sind aber auch höchst praktische Angelegenheiten, und
manchmal hilft es deshalb, komplizierte Sachverhalte im Allgemeinen, auf wenige
notwendige Grundbedingungen zu reduzieren.
Eine der größten Leistungen Jakob Gartners, mit Sicherheit aber in Abdeckung der
Würdigung der Leistungen aller, die damals zum Zustandekommen des Baus der Synagoge
von Hlohovec in der Slowakei, am oberen Hügelabsatz über den Gewässern des Flusses
Waag inmitten einer an Obstbau und Weinbau und Ackerbau reichen Gegend gelegen,
beitrugen und das Werk mitschufen und formten, ist, seine Fähigkeit gewesen, innerhalb
eines Netzwerks von guten Mitarbeitern, Firmen und Fachleuten, neben seinen
künstlerischen Fähigkeiten, für den Bauherrn bestehen zu können.
Ohne das im Einzelfall von Hlohovec näher geprüft zu haben, oder zu müssen, aber die
Anzahl und Qualität der von Gartner entworfenen und umgesetzten, im Sinne von fertig
ausgeführten Sakralbauten, bedeutet Denkmal für seinen Namen genug und ist
Dokumentation seiner Biografie, so lange wir Gelegenheit haben, Zeichnungen, erhaltene
Bauten, und virtuelle Rekonstruktionen, die samt und sonders irgendwann von Jakob
Gartner als Mensch angestoßen wurden und seinem Geist entsprungen sind. In weiterer
Folge gilt das ebenso und nicht weniger für den Bauherrn des Verfassers Diplomarbeit, und
jenen, die die Grundlagen schufen, dass dieses größer gefasste universitätsübergreifende
Projekt Gestalt annehmen konnte und jeder damit und daran beteiligte sein Scherflein
beitragen konnte und kann, zu welchem Projekteinstiegsdatum auch immer. Ausdrücklich ist
es, das darf nicht unerwähnt bleiben, sondern ein Verharren in der Stille würde durch diese
Unterlassung einen Fehler bedeuten und dem Verfasser intellektuellen Schmerz zufügen,
und den Beitrag der gesamten Fakultät für Architektur und Raumplanung, und den Beitrag
der einzelnen Institute unerwähnt lassen, die mich in ihrer Gesamtheit durch ihre
Lehrtätigkeit und ihre Aufgabenstellungen, so wie alle anderen daran beteiligten
Diplomanden, erst reifen ließen, um einen Baustein zu diesem Projekt beitragen zu können.
Zurück zur hebräischen Schrift.
Turm und Obelisk genießen jeweils für sich genommen in der Formenlehre großes Prestige.
Ihrer Natur nach sind sie ursprünglich nicht die erste, und sicherlich nicht die häufigste Form
für Wohnbau, sondern haben immer zu ihrer Errichtung besondere Energie und Präzision
bedurft. Vielen als gesichert geltenden Erkenntnissen und Lehrsätzen liegt oft ein erbitterter
Streit zugrunde oder ging ihnen voran, deshalb sei hier nur eine Ansicht geäußert. Reiner
und unbelasteter in seiner Funktion ist möglicherweise der Obelisk. Nur ist der so apodiktisch
in seiner Aussage und Unnahbarkeit, dass er selten in reiner baulicher Form eingesetzt wird,
und zwar unbelastet von Notwendigkeiten einer Verbindung oder Einbindung in ein Gebäude.
Er ist ein gebauter Lichtstrahl, auch ein Expansionsmodell eines Erkenntnislichts, das sich
ausdehnt. Und: Er ist zwar von unten an errichtet, aber von oben gebaut. Schöpfungslicht.
8
A07
Kuppeln
Kuppeln sind ihrer Grundnatur nach sphärische Bauteile oder Bauelemente. Tafel 40 leitet
als Abschluss der Reihe der Tafeln, die ihrer Gesamtheit nach die „Virtuelle Rekonstruktion
der Synagoge von Hlohovec“ bilden, über zu den Bildquellen, fotografische Aufnahmen aus
räumlicher Nahanschauung, ebensolcher weiterer räumlicher Tiefendistanz, der übrigens,
das sei erwähnt, je nach Sonnenstand, als Tageszeit und Datum im Jahr, Luftdruck,
Temperatur, Windgeschwindigkeit und Jahreszahl, Unschärfegrade und atmosphärische
Interpretationen widergibt, im Sinne von, widerspiegelt, reflektiert. Und gleichzeitig ist das
Licht zwischen Objekt und Fotograf, oder Film in Camera, Transporteur und Maler, und dazu
noch Interpret. Ähnlich der Rezeption eines Textes, die immer gebunden ist an Rezipient und
Zeit, deswegen auch das große Thema „Rezeptionsgeschichte“, immer dann, wenn von
kanonischen Werken in Literatur oder Kunst die Rede ist, oder auch von Werken, die
historische Ereignisse zum Inhalt haben.
Jede virtuelle Rekonstruktion in diesem Projektzusammenhang der Rekonstruktion von
Zeugnissen jüdischer Sakralarchitektur Europas ist auch der, so hofft wohl jeder, der
Versuch, damit eine kleine Zeitkapse zu etablieren, ein kleines Indexwerk als Erinnerung an
das jeweils zerstörte größere Werk. So wie das Erscheinen der Schwalben im Frühjahr ein
Indiz ist, dass der Sommer sich ankündigt und die längsten Tage des Jahres Farbe auf
unsere Haut und milde Winde und Frohsinn in unsere Herzen bringen.
Eine Kapsel ist aber in ihrer Eigenschaft als Behälter auch ein Hohlraum. Hier mit Inhalt
gefüllt, nur ist, wer die schöne kleine Stadt, wir unterhalten uns im Kreise von Interessierten
Laien und Architekten, besucht, der spürt die Leere, die der Abriss der Synagoge von
Hlohovec 1960 hinterlassen hat, bis heute.
Die Stadtgestalt wurde damit schwer verletzt, ähnlich übrigens wie mit dem Kirchenabriss in
der Wiedner Hauptstraße. Beides geschah in der Zeit des Friedens und den Aufbaujahren
nach dem Zweiten Weltkrieg, und es zeigt, dass Technik für Menschen, hier den Straßen-,
dort den öffentlichen Verkehr, zwar Güter- und Dienstleistungswachstum fördern können,
dass damit aber nicht zwingend ein geistiges oder spirituelles Wachstum verbunden ist, und
selbst dieses rein quantifizierbare Wachstum, oft nur behaupteterweise besteht, mindestens
jedoch das dahinterliegende Versprechen brüchig, bisweilen sogar leer ist. Es ist sehr oft so
etwas wie der seelendoktorische Gesamtbefund eines Menschen. Ansichtssache, ob dieser
Mensch die angeblich immer höheren Anforderungen nicht bewältigen kann, oder ob doch so
etwas wie Kulturverlust und Vertreibung dahinter stehen, wenn auch abgeschwächt, weil
zeitlich verschoben, wie in Hlohovec. Denn der letzte Fels, den diese Gemeinde hatte,
gemessen an ihrer früheren Stärke, war die Synagoge, und diesen Zeugen hat man beseitigt,
indem man technisch-fortschrittlich argumentierte, ohne Zwang und ohne Not im Rücken
fegte der letzte handgreifliche Streit um den Messias ein Gebäude hinweg, dass wie alle
Sakralen Bauten, denkmalwürdig war.
Die Turmhelme haben überlebt. Zwei der Haupttürme in der virtuellen Rekonstruktion, und
eine zweite, ganz wichtige Spolie, allerdings beschädigt und von der Witterung schwer
mitgenommen, steht demoliert am beth olam, dem Haus der Ewigkeit, wie der Friedhof auch
genannt wird.
9
A08VertikalelementeDerSynagogeVonHlohovec
A09HorizontalelementeDerSynagogeVonHlohovec
Vetikalität und Horizontalität sind Richtungsentscheidungen bei er Entwurfsentwicklung im
Felde der Architektur. Sie lassen sich je als reine Fassadenmerkmale entwickeln als auch als
Baumassensprache. So ist der Turm mit dem Lichtstrahl verwandt, wenn wir dabei an einen
Obelisken denken, und das Schloss mit der Erde selbst. Das Schloss nimmt sich Zeit und
bettet sein Haupt zur Seite, es kuschelt gewissermaßen mit der Erde, es ruht in sich, ist
unaufgeregt und beständig, und es ist ein schöner Ort zum Wohnen. Der Turm ist mit dem
Pfeil verwandt, in ihm liegt eher die gespannte Ruhe, er bewacht und verteidigt das Schloss
und ist der Hüter seines Friedens. In ihm steckt Ares, Mars, im Schloss steckt eher das
Mütterliche, die Behutsamkeit und die Ausgeglichenheit. Es kennt die selben Leidenschaften
und es besteht auch aus Türmen, aber die schlafen oder Ruhen gerade, da sie wie Kinder
früh abends zu Bette gehen und nebeneinander in Eintracht und Geborgenheit um den Hof
herum schlafen, der eben von ihnen, diesen Kindern des Schlosses, als seine Trakte,
gebildet wird, und der die eigentliche Mutter auch des Turmes ist, der das Schloss im Auge
behält und wie ein Nachtgreifvogel darauf acht gibt, die volle Unversehrtheit und Integrität
der Bewohner des Schlosses zu wahren. Er lebt nach dem Motto der Kriegskunst, willst du
den Frieden, so bereite den Krieg. Deshalb ist eine virtuelle Rekonstruktion auch ein
Friedensbeitrag und ein Diskussionsangebot zum Verstehenlernen, dass Denkmäler und ihr
Verlust mehr bedeuten, als eine Leere Fläche und eine Baulücke für die Neubebauung.
10
A10R00
Mordechai Deutsch
Eine Familie ist ein Ort für sich. Ein Ort der gewärmt wird und dessen Leben sich vor allen
anderen Grundlagen aus dem Feuer der Liebe speist. Einmal flammt sie stärker und einmal
flammt sie schwächer, immer erholt sie sich, selbst wenn diese kleine Flamme, und das
Leben hält Prüfungen bereit, für uns alle, nur mehr flackert, sie kann nie ausgehen. Familie
bedeutet eine Art und Ahnung von Ewigkeit in der kurzen Dauer unserer Existenz, mögen wir
auch hundert Jahre alt werden. Es ist so wie ein Flussbett ohne Wasser. Das Flussbett ist
eine topografische Gegebenheit und es ist ihm als Wesensmerkmal eingeschrieben, dass,
so sollte es einmal kein Wasser führen, in ihm ebensolches fließen wird, so es regnet. Nicht
weil es zwingend regnen muss, aber weil es aus Gesetzmäßigkeiten der Physik, der
Geografie oder etwa dann doch auch der Meteorologie wieder einmal wahrhaftig regnen wird.
Näher am Menschen heißt Familie dann genauso wie beim trockenen Flussbett, das mit
Sicherheit wenigstens irgendwann wieder einmal Regen und damit Fluss erwarten darf, sie
auch wenn sie entgegen aller Bemühungen Risse bekommen hat, die für nicht restaurierbar
gelten, die theoretische gute Sache Familie echte Renaissance erlebt und sie innerhalb der
eigenen Partnerschaft wiederentdeckt wird. Die Bindungen sind bei guter Pflege und
liebevoller Hingabe, auch nur bei immer wiederkehrenden Versuchen, so stark, dass sie sich
auch in Zeiten der Spannungen als belastbar erweisen und der taumelnden Seele und dem
Gefühl und Verlangen des Menschen nach Zärtlichkeit, Liebe und Geborgenheit Basis und
Quelle sind.
Hlohovec und Mordechai Deutsch (Paulovičová/Urminský, 2009, 20) sind im Kontext der
Stadt bis heute miteinander verwoben, da jener der erste Rabbiner dieser Gemeinde war.
Bis heute, auch und gut dokumentiert im Werk Nina Paulovičovas über die jüdische
Gemeinde von Hlohovec, ist sein Grab erhalten und damit der letzte gestalterische Wille
seiner selbst, sicher jedoch seiner ihm damals Nahestehenden Menschen als Grabdenkmal
anzusehen und ihm respektvolles Ansehen gewidmet. Dies ist eine Art von Beständigkeit,
die am besten erreicht wird durch gute Familie, meint ihr Hochhalten, auch durch die
Jahrzehnte, und auch über Generationen. Es versteht sich von selbst, dass so auch
Tradition eine Eigengestzlichkeit entstehen lässt, die über das gemeinsame
Kindergroßziehen in einer Generation hinausgeht und es möglich ist, sich über den Gang der
Welt und den Anteil der Familie darin zu unterhalten, und aus der Familientradition, welche
auch ein anderes Wort für Geschichtenreichtum sein kann, der Fluss des Lebens auch
manchmal eine Idee Goldstaub mit dem klaren Wasser im Kieselbett mitführt. Etwas dass
sich viele wünschen, aber selten jemand jemandem zu gönnen sich entbrechen kann.
Normale Leute, normaler Anfang, ungewisser Ausgang, aber eine gute Leitlinie für das
Leben, und das ist es, was oft und so häufig als negativ dargestellt wird. Das Judentum als
Kultur gibt dem Menschen gute Lebensleitlinien und Erzählungen an die Hand, die neben der
eigentlichen Erbauung auch ein beständiges Korrektiv sein sollen, aber auch sehr oft, das
Maß zu halten und das Geistes- und Seelenleben stärken, um den Einzelnen zu kräftigen
und das Denken in Klarheit und Einheit mit einem guten Gefühlsleben anzustreben und
diesem Ideal entgegenzugehen.
Es ist überliefert, dass Mordechai Deutsch 1740 Rabbi in Hlohovec wurde, also im Jahr des
Regierungsantritts von Erzherzogin Maria Theresia, und dieses Amt bis zu seinem Tod 1773
ausübte.
11
A12R01
Vilhelm Glück
Sein Leben und Wirken als der Letzte in Hlohovec markiert die Durchtrennung der
Traditionslinie im Leben der Gemeinde. Jener Anteil, ohne den Hlhohovec zwar fortbesteht,
der aber, siehe Rekonstruktion, das Leben der Menschen, die den jüdischen Kuchenteil von
der an Geschichte reichen Kultur der kleinen Stadt ausmachten, davon ist auszugehen,
sicher so lange er lebte und mühte, mit seiner Weisheit und Erfahrung in der tätigen
Anwendung seines Wissens und seiner Liebe, unterstützte und mitformen half, sich um
Personenstand und Dokumente kümmerte und überhaupt wohl danach trachtete, an Ort und
Stelle so etwas wie Normalität wiederherzustellen.
Seine Schwester verstarb erst im heurigen Jahr 2015 und obwohl noch ein Interview
zusammen mit einer Unterbreitung der bis dahin gemachten Ergebnisse geplant war, blieb
dieses mein Vorhaben ein unverwirklichtes. Die einzige mittelnde menschliche Seele, die in
einer Bemerkung und privaten Mitteilung darüber direkt etwas zu ihr gesagt haben könnte,
das wäre jener ältere Herr, der sich, ohne zu wissen, in wie weit sein Aufwand dafür
finanziell abgedeckt ist, um den teils sehr alten Friedhof der jüdischen Gemeinde der Stadt
kümmert. Und das vor allem ehrenamtlich. Der hat dem Verfasser beim Besuch desselben,
der Friedhofsanlage, des beth olam, von der alten Dame erzählt. Der Besuch der alten Dame
ist leider nicht mehr erfolgt, befand sich in dessen Plan, aber eine Email von Seiten des sehr
hilfsbereiten und in diesen Angelegenheiten hervorzuhebenden Stadtmuseums erreichte ihn
zusammen mit der Mitteilung über ihren Tod.
Neben Nina Paulovičova als Autorin, firmiert in dem Buch über die jüdische Gemeinde von
Hlohovec auch Joszef Urminsky als zweiter Autor, und dieser ist Direktor des
Heimatmuseums von Hlhohovec, woher auch neben dem Archiv in Bratislawa, wichtige
Quellen stammen, nicht zuletzt vor allem auch der das Gebäude nur sehr grob
beschreibende Abrissplan, über den und dessen Namen allein man zwar nicht glücklich sein
kann, aber dessen Existenz zumindest rückwirkend so etwas war, wie eine kleine Gelse mit
dem Blut des letzten Dinosauriers, welche im Bernstein eingeschlossen, ganz Jurassic Park
gleich, die es Wissenschaftern erlaubt, aufgrund der darin enthaltenen Information,
Forschung am archäologischen Objekt des Interesses posthum mitanzustoßen.
Glück, so auch der Familienname des letzten Rabbiners von Hlohovec, ist einfach. So wie
das Leben ist. Glück für ihn, dass er gelebt hat, er durfte es erleben, diesen Ort wieder
friedlich zu erleben, und Glück für uns alle, die noch leben, wir haben das Glück, immer noch
hoffen und sehnen zu dürfen.
Die Synagoge von Hlohovec war vielleicht nicht die Bibliothek von Alexandria, deren Brand
uns von Schultagen an in Erinnerung ist, aber ein belangloses Ereignis war und ist ihre durch
nichts zu rechtfertigende Entfernung aus der Stadtgestalt und als Stück
Architekturgeschichte in der Sphäre des sakralen Bauens, speziell auch für die Slowakei,
nicht.
Weder für Juden, noch für Christen. Und auch für sonst niemanden ohne Bedeutung.
Gerade ist jüngst ein wieder wachsendes Interesse für Kultur und Religion spürbar, bei
sagen wir wirklich allen Menschen, unterschiedlichster Herkunft und Glaubensüberzeugung.
Das Gebäude, weisen wir ihm einen eigenen Willen zu, nur in diesem Satz, wollte nichts
anderer als in Frieden leben und altern dürfen. Nicht einmal das war ihm vergönnt. Diese
Mindestexistenz sollte Sakralbauten auch nach ihrer Hochblüte in den Fällen nach der
Hochblüte gewährt werden, heute hätte die Synagoge, auch wenn nicht einmal das Dach
ständig gewartet worden wäre, zumindest Ruinencharakter, aber seine bauliche Anlage wäre
mit Sicherheit noch deutlich zu erkennen.
12
A13R02
OrientierungDesGebäudes
Die Orientierung des Gebäudes erfolgt Richtung Orient. Osten, sol oriens, der Ort der
aufgehenden Sonne, so fängt der Begriff alleine beinahe alles ein, was zum Verständnis der
natürlichen Ordnung notwendig ist. Wir haben möglicherweise die Freiheit alles zu tun, doch
es steht bis heute nicht zur Diskussion, ob wir die Sonne nun von Westen aufgehen lassen.
Das Westwerk der Kirchen ist meist eine sehr beeindruckende Schau der Künste und des
Glanzes ganzer Städte. Synagogen entfalten sich, was ihre Ausrichtung betrifft und ihr Licht
ausmacht, am schönsten bei Sonnenuntergang in ihrem Inneren, aber sicher nicht nur. Diese
architektonischen Zeichensysteme als Gesamtmodelle, könnten wir sie wie Schriftzeichen in
einem Zug mit der Hand schreiben, sind nicht so unähnlich.
Der wichtigste Unterschied aber ist, das es in Synagogen nicht zum grundsätzlichen
Geheimnis gemacht wird, dass die wichtigste Ausrichtung des Gebäudes, seine eigentliche
Funktion, gar nicht so sehr das Beeindrucken durch die Pracht ihrer Ausstattung ist, sondern
sie soll der Ort sein, wo die Feierlichkeit übergeht in die Eigenschaft jene Spiritualität zu
entzünden, die es Menschen ermöglicht, in guten Momenten, Licht zu schauen, das sonst
verborgen bleibt, weil es im Alltag einfach zu viele Aufgaben nacheinander zu erledigen gibt,
und das nur durch dieses Erleben das Herz selbst, sagen und nennen wir es in einem Bild
der Innenarchitekturausstattung, zum Weissgoldzimmer werden kann.
Damit kommen wir zum äußeren Gesicht des Buchdeckels der Diplomarbeit. Dieser Moment
und dieser Satz aus der Amidah, der dort zentral und in Goldprägung wiedergegeben ist,
könnte einladen, dazu beizutragen, verstehen zu wollen, dass gerade das intendiert ist,
wenn Juden sich im Gebet mit dem Schöpfer verbinden suchen, einen Moment lang das
Gefühl und die Gedanken auf Gott ausrichten und im Zusammensein als Gemeinde ein Herz
werden untereinander und mit Gott, in der Form einer Näherung und in Liebe.
In Hlohovec ist sehr schön beobachtbar, wie die innere Bedeutung des Thorahschreins, der
übrigens von, blickt man auf das gesamte Gebäude, einer gewaltigen Kuppel bekrönt ist, das
ganze äußere der Synagoge in seiner Kernbedeutung überstrahlt. Darum funktioniert eine
Gemeinde zwar auch ohne Synagoge, aber ab einer gewissen Größe derselben ist sie schon
ein dringendes Desiderat. Ein Minjan ist ein Quorum von mindestens zehn im religiösen
Sinne mündigen Juden, und deshalb gibt es auch ganz winzige alte kleine und bescheidene
Synagogen, die keinen Schmuck, weder innen noch außen tragen. Nur die Zahl der Worte
der Thorah ist nicht verhandelbar, und ihr Fundamentum ist der Schöpfer selbst, in seinem
Wirken und seinen Worten auch in direkter Rede in der Heiligen Schrift vorhanden,
anwesend.
Das ist der Grund für die aufgehende Sonne selbst, und, die Sonne geht für alle Menschen
auf. Vielleicht könnte die Schöpfung und sie als solche gemeinsam anzuerkennen, der Weg
sein, eine Brücke zwischen Kulturen und Religionen zu bauen. Annähernd sechstausend
Jahre seit Erschaffung der Welt sind es nach dem Kalender, aber im größeren
Zusammenhang hat sich die Schöpfung und mit ihr der Schöpfer mehr Zeit genommen,
möglicherweise, um uns in dieser Weise und im richtigen Alter mit der Erde bekannt zu
machen.
Jedenfalls beinahe 14 Milliarden Jahre seit dem Urknall, unser Leben hat also seine
Vorbedingungen eingerechnet, auf fremden und in fremden Sternen begonnen. Das müsste
es uns ermöglichen, so gesehen, über viele Dinge etwas entspannter reden zu können.
Der Eingriff des Schöpfers zum späteren Zeitpunkt sollte uns immer wieder dankbar stimmen.
Aller Anfang, aber auch Anfang des Menschengeschlechts, das lässt sich gedanklich
vereinbaren mit Gottes Existenz, den Verfasser stimmt es optimistisch.
13
A14F00
Rosette
Die Rose ist wohl der Apfelkern vom Granatapfel. Mehrfachsymbolisch aufgeladen bildet die
Rosette, so sie in der Architektur eingesetzt wird, ein geschlossenes System für sich, dass
zunächst nichts anderes ist, als eine Banalität, ein Loch in der Wand.
Das ist Grund genug, ihr und ihrer Bedeutung näher zu kommen. Jüngst wurde in Stockholm
der von Alfred Nobel gestiftete Preis verliehen, sicher aber bereits bekannt gegeben, durch
die Würdigung der Preisträger in dem Zusammenhang, dass das Photon Masse besitzt. Die
Laureaten werden wohl schon länger diese Meinung vertreten haben, und grundsätzlich mit
ihrer Theorie, die sie dazu formuliert haben müssen, in einem terminus ante quem, ihrer
Vermutung, ihren Erfahrungen noch früher, und wohl auch zuerst ihrem Glauben daran, dass
da etwas Bedeutsames ist, Ausdruck verliehen haben. Die Rosette enthält die Rose, und die
Rose in ihrer morphologischen Grundform, also die Rosette als Schnitt in der Wand oder
Mauer der Fassade der Synagoge von Hlohovec, ist ein einfacher Kreis. Lässt man diesen
rotieren, ergibt die vom Kreis um die Rotationsachse beschriebene Fläche die Gestalt einer
Kugel. Ein Rose als Blütenkopf, annähernd, oder auch eine Glühlampe, mindendestens aber
ihr Kugelkopfförmiger, aus der Fassung reichender Außenteil, eine kugelrunde Lampe, an
einem Kabelfaden von dem Plafond hängend, das umgekehrte Blütenmodell, passen da ins
Bild.
Weiter heruntergebrochen auf die Symbolik, liegt in der Rose eine Schönheit und Anmut,
Liebe, um diesen Faden zu einem Band zu knüpfen. Durch die Rosette dringt das Licht, und
im Passieren dieses Lichttores, beim unzähligen Brechen an Kanten, Oberflächen, Verputz,
Glas und Metall, erleben wir Augenblick für Augenblick die Ankunft und das
Wirkungsquantum einer Sendung, die von der Sonne als unserem Zentralgestirn, in circa
acht Erdminuten auf uns Menschen herabkommt und unser Leben erst möglich macht, in der
Form, wie wir es kennen. So liegt im im Licht Leben und Erkenntnis, und im Leuchten des
Sterns im Heliozentrum des Planetensystems, ein externer Faktor, der Einfluss hat. Einfluss
auf das Wetter, das Klima, auf unser Gefühls- und Seelenleben, aber auch auf Energie und
Ernte in der Landwirtschaft.
So bedeutet besseres Schriftverstehen und gelebte gute Praxis, also das Erleuchtet-Sein,
auch wenn das ein Leben lang fortwährend anwachsen kann, und soll, jedenfalls das OffenSein sich durch das Licht der Liebe anleiten zu lassen im eigenen Lebensweg, mit den
Versationen und Eventualitäten und sowohl Vorhaben wie auch Risiken erwartbar und
verlässlich besser umzugehen, und strategisch besser navigieren zu können. Und das
Versammeln der Gemeinde im Gebet und im Gesang, verbindet die Einzelnen zu einem
gemeinsamen Herzen und öffnet und reinigt für eine immer wieder erlangte Frische, für ein
blank sheet, ein weißes Blatt Papier, in das sich Körper und Geist in Momenten von Klarheit
und Glück verwandeln können, der ortlose Punkt, das flammende Herz in uns, welches sich,
um entflammen zu können und wie ein Instrument zu schwingen, auch einmal die
Feierlichkeit der in der Synagoge stattfindenden Handlungen und Worte, den Ritus braucht.
Und die Rosette gibt als Master-Architekturdetail, welches Inneres mit Äußerem spirituell
verbindet, und auch natürlicherweise ganz direkt, als Öffnung zum Himmel und zur Sonne,
letztlich auf verlässlich Auskunft darüber, zu welchen Zeitpunkt die Zäsur eintritt, die den
alten Tag verabschiedet, und den neuen ankündigt:
Den Sonnenuntergang, und somit das Hereinbrechen der Nacht.
14
A15F01Fenster
A17R04Bestuhlung
A19F03Zugänge
Beim Fenster für sich genommen sind wir wieder beim Licht angelangt. ‫ﬡוֹﬧ‬. Licht, auf
Hebräisch or. Diese Diplomarbeit soll einladen, das Licht, sei es das des Tages, oder das
der Nacht, auf uns wirken zu lassen. Die Fenster der Synagoge von Hlohovec sind im
Zusammenhang mit der innenliegenden beabsichtigten Ausrichtung dieser Arbeit
besprochen, in dem Moment, in dem der Blick des Betrachters auf sie fällt und unbewusst
urteilt, dass sie schön sind. Sie gehören zu den vielen gestalterischen Einzelentscheidungen,
die Jakob Gartner mit seinem Entwurf gemacht hat, wir sprechen dabei sowohl von dem
Moment-Des-Zu-Papier-Bringens im Büro Jakob Gartners, bis hin zur Synagoge, so, wie sie
bis 1960 existiert hat, bis hin zu ihrem Bild, der in Wahrheit im Bild lebenden Synagoge von
Hlohovec. Denn als solche verewigt im Papier des gebundenen Buches, kann angenommen
werden, dass ihre weitere Beständigkeit bei normalen Bibliotheksbedingungen mindestens
hundert Jahre beträgt, also länger, als sie in situ Bestand hatte. Als solches sind Renderings
auch immer, ob gezeichnet und aquarelliert oder aus der Datei in die Druckeranweisung
verwandelt und dann gedruckt, Ikonen mit lebendigem Eigenleben.
Die Bestuhlung ist nicht so wichtig wie der Inhalt des Thorahschreins. Und nichts ist so
wichtig, als gerade das Lesen der Thorah mit einem reinen Herzen und mit der dafür nötigen
Reife. Denn ohne Liebe kann selbst ein Kübel Wasser zur Waffe werden, wer darin seinen
Wellensittich ertränken möchte. Nichts soll uns verleiten, teils Textpassagen, welche dort
gefunden werden können, mit historischem Eigenwert, andere wiederum mit einem
symbolischen Wert über die engere Gemeinschaft hinaus interessant und wichtig, jemanden
anzugreifen, der sich ehrlich müht und ehrlich freut, auch einmal ganz naiv, wenn es ums
Feiern geht. Und für Juden sind die Abschnitte der Lesung aus der Thorah beim Besuch der
Synagoge ein Kalender und ein Lebensbegleiter.
Den Satz, den der Verfasser an der Fassade der Synagoge von Hlohovec fand, den wollte er
ins Deutsche übertragen wissen, und konsultierte dazu ein jüdisches Gebetbuch in
zweisprachiger Ausführung, Hebräisch/Deutsch, und suchte dazu den Bookshop Singer im
Jüdischen Museum Wien in der Dorotheergasse auf, zog es aus dem Regal, erkundigte sich
nach dem Preis, gefiel und war im Rahmen, entdeckte spontane Freude an der Gestalt des
Buches selbst, bezahlte es, dankte der Inhaberin und erntete ein Lächeln, und ging
nachhause mit einem guten Gefühl des Zuhauseseins in Wien. So einfach. Deshalb der Satz
aus der Amidah an dem Buchdeckel der Diplomarbeit: „Reinige Unser Herz Damit Wir Dir In
Wahrheit Dienen“. Ein Satz, der, wie der Verfasser selbst glaubt, für sich genommen
zustimmungsfähig im weitesten Sinn sogar für beinahe alle Menschen ist, die an einen Gott,
und an den einen Gott, Unseren Herrn und Schöpfer, glauben. Das war und ist der beste
Zugang zur Synagoge von Hlohovec.
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A16R03
NiveausImGebäude
Innerhalb des geschlossenen Systems des Thorahschreins selbst, wenn wir ihn als Gebäude
im Gebäude betrachten, bilden die Stufen, welche zusammengenommen ein kleine
Freitreppe bilden, auch ein kleines Modell jenes Hügelabhanges, an dessen Oberkante die
Synagoge einst erbaut war, und es gelingt, sich vor dem inneren Auge das Bild wachzurufen,
dass das Volk Israel als ein Volk auf der Wanderschaft ist, und damals beim Auszug ins Exil,
nach bereits erfolgten Prüfungen, aber auch, und das ist entscheidend, dem Anerkennen von
Gottes Beistand und Ratschluss, dem Auftrag nachgekommen war, die Steintafeln mit den
Gesetzen würdig und schön in eine Lade aus duftendem Zedernholz zu hüllen und sie so zu
schützen und zu nobilitieren.
Dieses kleine Stieglein des, nennen wir es Thorahschreingebäudes, weisst eine
Sechsstufigkeit auf und könnte auch stehen für die Bücher der Thorah von Moses1 bis
Moses5, hinzugenommen das wichtige sechste Buch, den Empfänger und Leser der
Heiligen Schrift selbst, den Menschen.
Ein wichtiger weiterer Niveausprung im Gebäude ist die Stufe nach dem Durchschreiten der
Vorhalle, beim Eingang in die einschiffige, kostbare Halle, die Synagoge selbst. So etwas
kann und hat mehrere Effekte. Einer davon, und das ist evident, ist die daraus fühlbare
Verkleinerung, die man daraus erfährt. Dieser kleine Schritt hin zu einem Niveau tiefer setzt
uns wieder in Beziehung zur Thorah. Und ab jetzt stimmt die Rechnung auch wieder. Zieht
man von dem Sechsstufensockel des Thorahschreins eine Stufe ab, dann ist die Zahl fünf
wieder korrekt in Beziehung gesetzt zur Schrift. Dieser kleine Berg, auf dem der
Thorahschrein hier steht, das ist der Sinai selbst, und es darf sich jeder einmal in der Woche
dort vorstellen, wie gerade Gott mit Moses spricht und ihm Auftrag und Werk in die Hand gibt.
Die Frauenempore ist in ihrer Anordnung und allein schon ihrem Namen nach Ausdruck der
Würdigung und des Hochgeschätztseins der Frau selbst. Denn wer hat Moses auf den Berg
hinaufgebracht? Es waren nicht die Bergbahnen des Semmerings, und auch nicht die
Wiener Linien, es war seine Mutter. Er musste geboren werden, um diesen Weg gehen zu
können.
Und die Ziertürme der Hauptfassade, den Thorahschrein nach außen überhöhend, sie
könnter dazu noch etwas anderes andeuten.
Aus dem Anfang der Thorah, dem Buchstaben Beth, werden zweu Äste, und die sind der
Beginn einer Teilung, einer Zellteilung. So hat gerade neues Leben begonnen, und alles aus
einem kleinen „Im Anfang“, das ein großes Aleph, einen Schöpfer voraussetzt.
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A18F02
Portal
Das Portal von lateinisch porta heißt auch Pforte. Die Pore von griechisch πóρος, póros, medizinisch
auch Porus: „Öffnung“, „Loch“, ist damit verwandt. In der algorithmischen Darstellungsform des
Verfassers Kapitelanlage, die als jpeg-Datei als Ganzes in Form eines Screenshots aus dem
Pixelbildfeld des Rechners kommt, verbergen sich wenn man will und diese Analogie sei hier
verwendet, jedes einzelne Mal Pforten zu Gebäuden, und beim Öffnen dieser transitorischen
gedanklich, grafisch und auch physikalisch zart vorhandenen plastisch-bildhauerisch überhöhten
Portale öffnen und erweitern sich die Räume dahinter, die Nachts vorerst nur mit Helm und
Stirnlampen zu betreten sind, denn es handelt sich um Gebäude, die im Entstehen begriffen sind....
Das ist unser gedanklicher Ansatz zur Erklärung der Diplomarbeit und eine Empfehlung, wie diese zu
lesen ist.
Die Menschen, die aus heutiger Sicht bereits als ein historischer Gesellschaftszusammenhang
angesehen werden müssen, ihr weiterer Lebensweg oder gar Schicksalsverlauf dabei gar nicht näher
untersucht, zumindest zeithistorisch gesehen, sie hatten noch Erinnerungen an die Doppelmonarchie
mit einem Kaiser Franz Joseph I, einer Kaiserin Elisabeth, und sie kannten noch Hlohovec, wie es
noch zu deutsch Freistadtl oder nobler, Freistadt an der Waag hieß und auf Ungarisch Galgócz. Nicht
um hier etwa einen Wettbewerb auszuloben, wie diese Stadt denn nun am gefälligsten genannt
werden sollte, aber es drückt das darüber und Vorausformulierte bereits aus, dass die gedankliche
Klammer damals Wien war, und so es auch die Reichs-. Haupt- und Residenzstadt der Monarchie war,
und sich Hlohovec in seiner schieren Größe von ihr wesentlich unterschied, so hat es doch ständigen
gedanklichen Austausch und eine zeitweise innere Instrumenteneichung gegeben, die bedeutete, der
große Hauptplatz der Stadt trägt den Namen des Kaisers Franz Joseph I und darüber wird wenigstens
nicht abgestimmt in Zeiträumen von fünf Jahren.
Und einige wird es gegeben haben, die eine Ahnung vom Raumprogramm oder besser gesagt vom
Inneren Schönbrunns hatten, weil sie einmal Gelegenheit hatten, bei Seiner Majestät, dem Kaiser
persönlich, vorsprechen zu dürfen und ein Anliegen äußern konnten. Vielleicht hat es auch Menschen
gegeben, die direkt mit Wien zu tun hatten, jedenfalls wäre das für Juristen, um nur eine Möglichkeit
zu nennen, nichts Ungewöhnliches gewesen.
Und die Älteren erzählten ihren Kindern davon, und diese Älteren hatten vielleicht noch Großeltern,
die von Kaiser Ferdinand oder auch sogar noch von Kaiser Franz II/I zu berichten wussten, direkt oder
indirekt.
Wir wollen damit andeuten, dass es eine Selbstverständlichkeit gab, über den Austausch mit
Menschen direkt und unübermittelt, zwischen Städten gedanklich zu hüpfen, dass es familiäre Bande
gab, dass auch gereist wurde, wenn es Geschäfte zu erledigen gab, oder Lebensereignisse wie
Hochzeiten oder Begräbnisse anstanden, und das es entgegen diesen Annahmen über den völligen
Kulturhermetismus, das gab, was man unter gelebter und wirklicher, weil notwendiger Vielfalt gab,
klein, groß, mittel, alle Ausbildungsstufen und viele Berufsgruppen, geistige und körperliche Arbeit
durchdranngen und wechselten einander immer wieder ab, und die Bevölkerung von Hlohovec
brauchte einander gegenseitig und es gab Freundschaften und Loyalitäten, und mit Sicherheit auch
Liebe und Zärtlichkeit, die keiner Religion Fragen gestellt hat, und die Familien stiftete, nicht näher
untersucht in jedem Einzelfall, aber es gibt vereinzelt sogar darüber Literatur und Andeutungen darin.
Das eigentliche Hauptportal, wenn es auch die wohl häufiger benutzten Eingänge zur Synagoge von
Hlohovec an den Längsseiten des Gebäudes zu finden gibt, auf der Höhe des Aaron haKodesh, des
Thorahschreins gelegen, sieht runter zum Fluss Waag, und sein Hindurchschreitender sieht nach
Passieren des Narthex, der Vorhalle, den Hauptraum mit dem Schrein des Buches, Kuppel und
darüber das Licht....
17
A20
GemeindegrößeGebäudegröße
Seines Bedeutungsgehalts nach ist die Gemeindegröße allein schon mehr als reine Statistik.
Das ist ein sensibles Thema, und deshalb wird, wenn der Text dazu schon kurz ist, kurz das
angerissen werden müssen, was ein schwarzes Kapitel für die Welt zu nennen am ehesten
die richtige Form ist.
Die Gemeinde ist kleiner geworden. Die Mengen der Gemeinden, wenn wir an das Aleph,
das große Aleph, als das Symbol für die Menge aller Mengen denken, ist kleiner geworden.
In kurzer Zeit, und darin ist bis heute Schmerz und Leid enthalten. Die Rekonstruktion der
Synagoge in virtueller Form vergrößert die Menge derer Menschen, die sich bei einem
kurzen Durchblättern der Arbeit Gedanken machen dürfen, was wir alle dabei verloren haben,
in dem wir diese Gemeinden verloren. Fragen nach der genauen Anzahl sind immer politisch
belastbare, weil politisch nicht verhandelbare Fragen. Niemand soll sich, oder will sich auch
mehr heute damit befassen, wie jüdisch, christlich oder sonst wie jemand ist, vielleicht sogar
in der Art und Weise eines Betrages eines Flächenintegrals unter eines Kurvenverlaufs von
Eigenschaften Dach. Deshalb will diese Arbeit vor allem einen Beitrag leisten, klarzumachen,
das jeder, das jeder Mensch auf der Welt sich über schöne Dinge und Bauwerke freuen darf
und kann, allerdings ist es eine didaktische Aufgabe, die Sinne des Einzelnen Menschen
dafür durch Beispiel und Lehre zu schulen. Zur tatsächlichen Gemeindegröße lässt sich im
Zusammenhang mit Hlohovec dann aber doch ein Wert ausmachen, der überraschen kann,
hört man zum ersten Mal überhaupt davon, dass es an diesem Ort Juden gab. Es waren zur
Zeit ihrer Hochblüte im Zusammenhang mit dem Werk Jakob Gartners in etwa 700. Und
nicht alle hatten gleichzeitig in der Synagoge Platz. Und auch nicht an jedem Feiertag, sprich
Freitagabend, dem Schabatt, traf sich exakt die gleiche Anzahl Menschen zum Feiern und
auch nicht jedes Mal in der selben Zusammensetzung. Aber wie immer, so sich jemand freut
über die Möglichkeit, Orte der Erbauung aufsuchen zu dürfen, ist es auch in Hlohovec so
gewesen. Schönbrunn kann von jedem durchschnittlichen Wiener pro Woche einmal besucht
werden, der Verfasser spricht vom Garten, deshalb besucht trotzdem nicht jeder Wiener
Schönbrunn einmal pro Woche. Aber vielleicht gibt es schon eine erheblich größere Anzahl
von Wienern, die sich freuen, dass sie in einer Stadt leben, die Schönbrunn zu seinen
schönsten Häusern mit Garten zählt. Und genau so verhält es sich mit der Synagoge von
Hlohovec. Sie war der Stolz und die Zierde der Gemeinde.
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A21
LageImStadtverbund
Die Argentinierstraße liegt innerhalb der Matrix des vierten Wiener Gemeindebezirks und sie
bildet das Zentrum eines auf sie zulaufenden Wegekreuzes. Prominent ausgezeichnet in der
für sie vorgesehenen Lage auf der Wieden, nach einem übergeordneten Plan sorgsam
eingebettet in das Gefüge dieses Stadtbezirks, und nur einen Steinwurf von Karlsplatz 13
entfernt. So fern dies dem Verfasser nur liegen könnte, so einen Versuch zu unternehmen,
der da hieße, Rom gegen Jerusalem auszuspielen, es ist vielmehr ein Orchester, wovon die
eine Hälfte in der Vergangenheit eine Erkältung hatte, und die andere Hälfte nicht spielen
konnte, weil sie gelegentlich fiebrig, und unausgeglichen, in ihrer Überzeugung, dem
erkälteten Teil erklären wollte, dass es sich nicht verträgt, Bach und Mozart im selben Haus
zu spielen, da der eine Protestant, und der andere Katholik sei. „Die Ringstraße besitzt mit
dem Musikvereinsgebäude, eines Entwurfs Theophil Hansens, einen der kostbarsten Tempel
der Welt. Man kann und soll nicht alles in Analogien oder Formeln ausdrücken, manches Mal
muss man sich an etwas festhalten können und auch tun. Für das Judentum ist es die
Thorah, und warum der Text gebunden im Sinne von unveränderlich ist, ist auch die
Erklärung für den großen Fehler, den man mit dem Abriss der Synagoge von Hlohovec
gemacht hat. Es ist die Auslöschung der wichtigsten Grundlage für eine Thorahrolle. Die
Thorah muss dem Schreiber verinnerlicht sein. Und er braucht viel Ruhe und Liebe. Und
eine Synagoge ist auch der Ort der feierlichkeitsregelmäßig wiederkehrenden lebendigen
Heiligen Schrift in Gemeinschaft der Gläubigen.“ Die Elisabeth, untersucht auf ihre
Etymologie, der ihr inneren als Wort eingeschriebenen Wahrheit, führt uns zur Siebten Göttin,
was es wörtlich bedeutet. Rot ist die Fassade dieses Sakralbaus, und das ist beinahe schon
die Erklärung für seine Funktion. Rot wie die Liebe, wie wärmendes Feuer der Liebe. Weist
man darauf hin, dass dem Haus als Beth eine besondere Eigenschaft innewohnt, die einer
Eischale für das Küken, welches es schützt, dann tritt der weibliche Charakter dieses
Gebäudes doppelt zutage. Das Französische bietet hier eine weitere Leistung zur Erklärung,
was Häuser für den Menschen leisten, la maison hat grammatikalisch ein weibliches
Geschlecht. Hlohovec, in diesem pars pro toto, steht ebenso dafür ein. Für die
Schutzfunktion der jüdischen Gemeinde dieser kleinen Stadt, solange es eine Gemeinde gab
und solange es eine Synagoge gab, schützte sie, die Synagoge in ihrer Funktion als
Schutzhülle für den Thorahschrein, der wiederum die Thorahrollen birgt und schützt, das
Wort Gottes, welches in der Heiligen Schrift aufbewahrt ist, und die Heilige Schrift wiederum
schützt und bewahrt alle ihrerseits wiederum, die mit ihrem Studium und ihrer darin
innewohnenden Freude etwas anfangen können oder aber auch sich durch sie inspirieren
lassen wollen. Erdverbundener ausgedrückt, die Synagoge war wie das Stiftszelt von
Hlohovec, unter dessen Zeltbaldachin die Bundeslade aufbewahrt wurde. Die Lücke in
Hlohovec könnte, obwohl niemand danach fragen wird, sie wieder zu schließen, auch
weiterhin Schmerzen verursachen, weil spürbar ist, dass an dem Platz, wo sie stand, an ihrer
statt ein Kreisverkehr und in ihrer Achse eine Brücke errichtet worden sind, und es rein für
sich genommen nicht gut ist, überhaupt nicht an die Vergangenheit zu erinnern, zumindest
darf und soll an die fraglos und unwidersprochen schönen Dinge aus dieser Zeit erinnert
werden, und an den Glanz vergangener Zeit, das hilft allen irgendwann und hat das Potential,
der kleinen Stadt Hlohovec wieder etwas an übergeordneter Bedeutung zurückzugeben und
das Lückenhafte durch den Versuch der Vollständigwerdung zu ersetzen, und das in Form
eines musealen Beitrages.
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A22
Mikwe
Wasser ist Leben. Der Mensch braucht Wasser zum Leben und zugleich ist er zu nicht
unwesentlichen Anteilen aus Wasser. Das rituelle Tauchbad, die Sammlung des Wassers im
Ausmass von etwa einer Untergrenze von 800 Liter, ein praktisches Mindesterfordernis zur
Gewährleistung der Funktion, also eine Wesenseigenschaft der baulichen Anlage, ohne die
sie zwecklos wäre, ist dazu da, etwa für Frauen nach der Geburt, nach dem Ende der
Menstruation, oder, für die Schreiber von Thorahrollen.
Hier soll sofort etwas an Idee eines Eindrucks zerstreut werden, der gewonnen werden
könnte, wenn hier in jemandes Geist ein Missverhältnis zwischen der Würdigung des
Thorahschreibers und der Frau auf der anderen Seite entstehen könnte. Ganz einfach erklärt
sich schon die Leistung der Frau, wenn sie Leben schenkt, einerseits, und weit darüber
hinaus, wenn der kleine Mann, den sie zur Welt gebracht hat einst reif genug wird,
Thorahschreiber zu werden. Und auch die Menstruation ist die beinahe ewige Erinnerung
daran und die Möglichkeit, nach dem sie vorbei ist, sich den besten Tag auszusuchen, um
gute Dinge für die Gründung, Erweiterung und auch Heilung der Familie, sollte ein Kind
gestorben sein, tun. Und die Ehe ist dafür zwar nicht notwendig, aber sie gibt Sicherheit und
schafft durch das Institut ihrer selbst dafür grundsätzlich gute Bedingungen. Denn auch vor
der Eheschließung ist das rituelle Bad üblich.
Wie oft, ob, wann jemals, das ist wie das Leben selbst in seinen Mannigfaltigkeiten, nicht
genau zu sagen, und das ist hier weder der Ort, noch herrscht wie überall, darüber in allen
Fragen und unter allen Menschen völlige Einigkeit. Viel wichtiger ist der Umstand, ja, es hat
in Hlohovec diese sehr wichtige Einrichtung gegeben, in einer Straße, welche ins Deutsche
übertragen Steinstraße heißt.
Die Art des dafür verwendeten Wassers muss direkt aus der Natur kommen. Flusswasser
oder Regenwasser kommen dafür in Frage. Unter den Bedingungen des dichten städtischen
Lebens keine kleine Sache und sie verdeutlicht vielleicht auch, was gerne bei aller
Begeisterung für pulsierende Großstädte und hippe Metropolen in den Hintergrund der oft
auch eigenen Selbstwahrnehmung gedrängt wird. Megalopolen sind notwendigerweise keine
Naturparadiese, sondern benötigen viel Fachwissen und Vorausschau, und vielfach sehr oft
auch Reparatur und Umbau, um überhaupt einigermaßen gut zu funktionieren und gutes
Leben trotzdem möglich zu machen.
Deshalb ist vielleicht die Mikwe die einfachste Form des Zugangs um zu verstehen, warum
gerade ihr hoher ritueller Wert in ihrer eigentlichen Selbstverständlichkeit liegt. Wir gedeihen
alle nur dann, wenn wir es schaffen, die Schöpfung zu bewahren, reines Wasser im Land der
Berge und am Strome, mit Gletschern und saftigen Wiesen, einem Österreicher zum Glück
sehr vertraut. Und doch können wir nicht auf Kultur verzichten. Viele Leute meinen oft
dasselbe, doch es ist bedauerlich und manchesmal bestürzend, was Unwissen und
Ungeduld anrichten können. Deshalb ist ein bewusstes Untertauchen im rituellen Nass
vielleicht weltbewegender als jede ice-bucket-challenge, als jeden Tag eine neue Welt, wenn
damit Revolutionen und Bekehrungsversuche verstanden werden.
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A23S00
Säulen
Die schönsten, weil sie in ihrer Schlichtheit und Unbedeutsamkeit zum Übersehenwerden
einladen, sind für den Verfasser die Faschen an der Außenfassade der Synagoge von
Hlohovec. Sie entsprechen einem Ideal von beredtem Schweigen und sie sind nach Meinung
des Verfassers direkte Verwandte der Schrift und der Schriftzeichen. Sie weisen in mehreren
Richtungen verschiedene Schlankheitsgrade auf, wir dürfen sie uns in gebauter
Körperlichkeit und in natürlichem Licht vorstellen, und sie waren keineswegs so perfekt und
vollkommen, wie sie in der virtuellen Simulation, wovon die Renderings die Spezialauswahl
bieten, entgegenstrahlen.
Ein Sprung zu einem Altertum, dessen Güte seiner Erhabenheit hinausreicht über das
Thema sakraler Versammlungsbau, selbst unser geliebtes Haus in Hlohovec übersteigt. Es
ist das Weltmodell. Der güldene Erdball sorgsam aufbewahrt in Wien, nahe der Kante der
Einstiegsstufe zur erlauchten Säulenstiege im Schweizerhof der Hofburg. Also das ist für
einen echten Österreicher, und der Verfasser versteht dieses Österreich als einen sehr weit
gefassten Begriff, als einen verträumten kleinen Gebirgsbach in den Kalkalpen, gefaßt vom
Grün des Tann und mit dem Feuer der Sonne versehen, welches sich im Augenlicht den
Weg zum Traum bricht und dort zur poetischen Erinnerungen an den Ort jenes geschauten
Lichts wird. Es ist klar vorhanden, es ist geradezu des Verfassers Gegenüber, und seine
Anwesenheit beim Schreiben höhere Realität werden lassend, lächelt er ihn an, so, als
könnte er durch die Flügeltür in den nächsten Raum schreiten und mit der Außenfläche
seiner Finger und seiner Hand, seine Flächen und Krümmungen und die vielen kleinen
butterweichen Einbuchtungen aus Jahrhunderten spüren und mit ihm eine Unterhaltung
führen. Dabei ist er durchaus eine sie. Wohl die Erde selbst, der Reichsapfel.
Vom Symbolgehalt ist genauso wenig verloren, wie von der Idee der Guten Herrschaft selbst.
Und vom Konzeptuellen zum Faktischen ist es niemals wirklich weit. Es gibt dabei auch
ausschließlich eines zu gewinnen, das Erkenntnis, das es so nicht weitergehen kann, meint,
dass es wahr sei, dass alles letztlich konsensuell gelöst werden kann und der Tag gut enden
wird.
Die Loslösung von der Vorstellung das Paradies sei erstrebenswert könnte uns helfen. Das
Dies ist ungeteilt.
Deshalb auch der Reichsapfel. Auf eine Weise gehört er sich selbst, wissen wir ernsthaft, ob
nicht das Goldatom in seiner Glückseligkeit auch Eigencharakter entwickelt, abhängig mit
welchen seiner familiären Zwillinge, mit aus welcher Gegend zusammengewürfelten Onkel,
Tanten, Nichten und Neffen es sich in edelmetallener Butterseligkeit, die nur unverstrichene
Butter verspüren kann, gerade unterhält, lacht, trinkt, oder Karten spielt?
Deshalb ist die Achtsamkeit und das Wartenkönnen auf den richtigen Zeitpunkt für die
angewandte Art der Pflege des Apfelbaums und auch seiner Früchte so wichtig. Und
liebevolles Nachdenken über geeignete Orte für das Betten von Apfelkernen in fruchtbare
Erde ist so viel schöner als so vieles andere.
Deshalb auch die hexastyle Tempelfront des Hauptrisalits der Technischen Universität Wien.
Also im Zusammenhang mit dieser Diplomarbeit, hexastyle Tempelfront, der Davidstern als
Sechsstern, findet sich wieder als in den Gartenpavillon des Zoos von Schönbrunn
eingelassenes Ornament, und er findet sich wieder an der Fassade des Krauthappels, wie
die Wiener im Volksmund gerne sagen, der Secession, bekrönt vom goldenen Lorbeer.
also sechs Säulen für sechs Arbeitstage, und den Festsaal für das eigentliche Ziel im Leben,
feierlich ein Fest begehen und für Tanz und Musik.
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A24
Fassadenschmuck
Die Fassade ist das Gesicht. Unscheinbares kann in seinem Inneren große Wunder bergen.
Nun ist der Charakter der Wirkung der Synagoge von Hlohovec weder unscheinbar noch ist
er überraschend. Das eben Gesagte kann aber nur gelten im Zusammenhang mit der
Äquidistanz in der Anschauung dieses Werks von Jakob Gartner, die gespeist ist aus der
bereits mit Eindrücken vollen Formenlandschaft aus dem vor allem durch das
darüberstehende Dachprojekt der virtuellen Rekonstruktionen unter den Projektteilnehmern
gegenseitig bekannt gemachten und einander nähergebrachten jemals existenten gebauten
Entwürfen anderer Architekten, die damals Synagogen errichten konnten. Und doch muss
der Verfasser rückblickend persönlich ästhetisch berührt berichten, dass es Jakob Gartners
eigene feine gestaltungsmächtige Handschrift, seine ihm spürbar zuordenbare künstlerische
Ausrichtung, die Art der Architektursprache die er präferierte und um deren Umsetzung er
sich verdient gemacht hat, etwas ist, das der Verfasser reizvoll fand und ihn heute träumen
lässt. Träumen von der Utopie in der ein Sprechen über Werke religiösen Charakters
grundsätzlich möglich ist unter dem Vorbehalt zu wissen, die Grenzen meiner Sprache sind
die Grenzen meiner Welt, Fehler und Temperament eingerechnet, und der Mensch muss
nicht fürchten, auch wenn er eine kontroversielle Frage äußert, gleich etikettiert zu werden
mit irgendeiner Idealnormvorstellung von keilschriftverzeichneten ewigen Gewissheiten,
sondern in der jeweils jeder dem anderen Menschen einräumt, dass es gut ist, überhaupt
etwas Tau von dem Kondensat aus den aufsteigenden Wohlgerüchen von Buchseiten und
Buchstabenwiesen und der Sprühnebel der Brunnen vor und in den Bibliotheken geleckt und
geatmet zu haben.
Um es gesamtheitlich und gerafft darzustellen, ist es Jakob Gartner gelungen, in seinem
Hlohovecer Entwurf mit verhältnismäßig einfachen Mitteln, die aber sehr sicher und
akzentuiert eingesetzt sind, hohe Präsenz und Schmuckwert zu kreieren.
Es liegt nicht an den verwendeten Materialien. Nicht in der Hauptsache. Gartners
Kostbarkeiten werden kostbar durch seine Sprache. Er verwendet Verputzdetails, glatte und
rauhe Verputzflächen, Bossierung in ihrer Andeutung als Horizontalbänderung im
Sockelgeschoss, ursprünglich vermutlich dieses etwas dunkler gehalten in der Farbfassung
als das Obergeschoss, welches als Kronjuwel die Rosette inmitten trägt, den wichtigsten
diaphanen Bauteil im Hlohovecer Beispiel, die Türme der Hauptfassade sind sauber und fein
gearbeitete Verputzstücke aus der Hand kundiger Handerker mit einer offenbar gut
aufeinander abgestimmten Akzentsetzung durch das Hinzuziehen der Wirkung von filigran
gearbeiteten Zwiebelturmhelmen mit einigen zusätzlichen Zierelementen.
Die Fassade ist vielleicht aber vor allem auch ein Kleid. Man darf sich vorstellen, dass,
nachdem die Arbeit der Woche getan ist, sechs Tage vorüber gingen und der
Sonnenuntergang welcher mit dem damit verbundenen niedrigen Einstrahlwinkel in die
Atmosphäre das Licht der die Schichten der die Erde umgebenden Schutzmäntel von Gelb
langsam in orange und rote Töne färbt, auch den Menschen in ein milderes und für den
feierlichen Gottesdienst geeigneten und vorbereitenden Weise hüllt und so beiträgt, im
Kreise von Familie, Freunden und Verwandten ganz einfach Momente der Erhabenheit und
des Glücks zu erleben.
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Z00
Ordnerstrukturentwicklung
Die Grundsteinlegung für den Text der Diplomarbeit fand in der Weglassung überkommener
Dateistrukturen und Redundanzen ihre Verwirklichung. Erst ab da ist der Verfasser nun bis
jetzt freigewesenfreigegebenworden durch sich selbst. Eine der schwersten
Hindernissetzungen im Denken ist für einen Freigeist das eigentlich architekturfremde
Eingreifenwollen in den eigenen Grundtext seiner entwerferischdenkungsdynamischen
Grundverfassung. Jahrelanges Selbstabstecken der inneren Erweiterungsflächen der
eigenen Idealstadtplanungshoheit welche schon sehr früh im Leben Thomas Morus und sein
Werk Utopia wiederentdeckt und weitergeschrieben hat und in ihm nachsinnt und schwelgt
führen zu unauslöschlichen ehernen Spuren die Pfade von Stadterwanderung allerorten und
traumsequenzerinnerungsmerkwürdigerweise abrufbaren
Kartenquadrantenmanufakturbetrieben ergeben. Solches lässt es nur mit einier Ruhe und
Abstandnehmen zu, darauf bezugzunehmen und die innere Welt neuerlich zu externisieren
in der Niederschrift auf Papier. Denn im Einschreiben in den neuen Text als Gegenüber
entseht die nächste sprachtechnisch vorangelegte Stadt, und die möchte der Verfasser
endlich einmal zum Zwecke der Zerstreuung verlassen, in dem guten Wissen, sich der
Pflege der akademischen Formenlehre in würdiger Weise verdient gemacht zu haben, wie in
dem Satz angelegt ist, er hofft es. Der Utopist ist nicht nur Hoffnung sondern und vor allem
auch Optimismus und Gewissheit. Nichts ist, so ist auch nichts verloren, denn auch das
Nichts ist ein materielles Etwas.
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Z02
Literatur
Genée, P., 2014, Wiener Synagogen 1825-1938.
Wien: Löcker Verlag.
Lau, I., 1988, Wie Juden leben.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
Paulovičová, N., Urminský, J., 2009, Židovská Komunita V Dejinách Mesta Hlohovec (19381945). Hlohovec: (Hg). Občianske združenie EX LIBRIS AD PERSONAM HLOHOVEC
(ELAP)
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