PERSÖNLICHKEITSUNTERSCHIEDE AUS SICHT DES GEHIRNS

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GERHARD ROTH
PERSÖNLICHKEITSUNTERSCHIEDE AUS
SICHT DES GEHIRNS
INSTITUT FÜR HIRNFORSCHUNG
UNIVERSITÄT BREMEN
G. Roth, 2010
PERSÖNLICHKEIT
Die Persönlichkeit eines Menschen ist eine lebenslang andauernde Kombination von Merkmalen des Temperaments, des Gefühlslebens, des Intellekts und der Art zu handeln und zu kommunizieren.
Man unterscheidet innerhalb der Persönlichkeit häufig zwischen
Temperament (Kernpersönlichkeit), das hochgradig genetisch
determiniert ist, und Charakter (erweiterte Persönlichkeit), der
stark von Umwelteinflüssen bestimmt wird.
PERSÖNLICHKEITSPSYCHOLOGISCHES
VORGEHEN
Die Typologie der heutigen Persönlichkeitspsychologie beruht auf
dem sogenannten „lexikalischen Ansatzes“.
Die Typen (2 bis über 30) wurden und werden rein statistisch
gewonnen mithilfe mehrfacher Faktorenanalyse aufgrund von
Wortlisten, die Persönlichkeitseigenschaften beschreiben (ursprünglich rund 18.000).
Anschließend werden sie validiert durch Fragebogen-Untersuchungen, meist basiert auf Selbstbewertung der Befragten.
Es handelt sich also um eine rein phänomenologisch-statistische
Klassifikation.
Die Psychologie hat 2-5 Grundfaktoren der Persönlichkeit identifiziert:
„Big Three“ (Eysenck):
- Extraversion
- Neurotizismus
- Psychotizismus
„Big Five“ (Costa und McCrae):
- Extraversion
- Verträglichkeit
- Gewissenhaftigkeit
- Neurotizismus
- Offenheit
„Big Two“ (Gray)
- Impulsivität / Belohnungsempfänglichkeit / BAS
- Ängstlichkeit / Bestraftungsempfänglichkeit / BIS
EXTRAVERSION
Extravertierte Personen sind gesellig und beschreiben sich als
selbstsicher, aktiv, gesprächig, energisch, heiter und optimistisch.
Extravertierte mögen Menschen, sie fühlen sich in Gruppen und
auf gesellschaftlichen Versammlungen besonders wohl, sie lieben
Aufregungen.
VERTRÄGLICHKEIT
Verträgliche Personen sind altruistisch. Sie begegnen anderen mit
Verständnis, Wohlwollen und Mitgefühl, sie sind bemüht, anderen
zu helfen, und überzeugt, dass diese sich ebenso hilfsbereit verhalten werden.
Sie neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, zur Kooperativität, zur Nachgiebigkeit, und sie haben ein starkes Harmoniebedürfnis.
NEUROTIZISMUS
Personen mit hohen Neurotizismuswerten sind leicht aus dem
seelischen Gleichgewicht zu bringen. Sie sind meist besorgt und
häufig erschüttert, betroffen, beschämt, unsicher, verlegen,
nervös, ängstlich oder traurig. Sie zeigen aber auch eine höhere
Sensibilität.
GEWISSENHAFTIGKEIT
Gewissenhafte Personen handeln organisiert, sorgfältig,
planend, effektiv, verantwortlich, zuverlässig und überlegt.
OFFENHEIT
Mit dieser Eigenschaft werden das Interesse und das Ausmaß
der Beschäftigung mit neuen Erfahrungen, Erlebnissen und
Eindrücken zum Ausdruck gebracht.
Jeffrey Gray:
Ersetzen der beiden Eysenck‘schen Persönlichkeitsmerkmale
„Extraversion“ und „Neurotizismus“ durch „Impulsivität“ und
„Ängstlichkeit“
Impulsivität ist gekoppelt an „Belohnungsempfänglichkeit“ und das
Behavioral Activation System (BAS): Personen zeigen Optimismus,
Belohnungsorientierung bis hin zu hoher Impulsivität, Aggression,
Gewalt, Neigung zu Drogenabhängigkeit und Glücksspiel.
Ängstlichkeit ist gekoppelt an „Bestrafungsempfänglichkeit“ und
an das Behavioral Inhibition System (BIS). Personen zeigen
ständige Besorgnis, Gefühl der Bedrohtheit bis hin zu Phobien,
generalisierte Angst, Zwangshandlungen.
Problem der „Big Five“:
Die Kategorien sind inhaltlich inhomogen und nicht überlappungsfrei. Statistisch-faktorenanalytisch gesehen sind nur die Hauptfaktoren Extraversion und Neurotizismus weitgehend überlappungsfrei („orthogonal“).
Gewissenhaftigkeit hat eine Nähe zu Neurotizismus, Offenheit
eine Nähe zu Extraversion. Verträglichkeit kann als abgeschwächte Extraversion verstanden werden.
Übrig bleiben dann die drei Eysenck-Dimensionen „Extraversion“,
„Neurotizismus“ und „Psychotizismus“, wobei man P. als pathologische Form der Persönlichkeit (Psychopathie) ansehen und im
„normalen Leben“ unberücksichtigt lassen kann.
Keines der gängigen persönlichkeitspsychologischen Modelle ist
neurobiologisch validiert.
Aus gegenwärtiger neurobiologisch-psychiatrischer Sicht
entstehen und wirken Persönlichkeitsmerkmale auf vier
strukturell-funktionalen Ebenen des Gehirns, und zwar drei
limbischen Ebenen und einer kognitiven Ebene.
Diese Ebenen entstehen zu unterschiedlichen Zeiten der Hirnentwicklung und haben einen unterschiedlichen Einfluss auf
Persönlichkeit und Verhalten.
Seitenansicht des menschlichen Gehirns
Großhirnrinde
Kleinhirn
Längsschnitt
durch das
menschliche
Gehirn
Hypothalamus
(nach Spektrum der
Wissenschaft,
verändert)
Limbisches
System
VIER-EBENEN-MODELL DER PERSÖNLICHKEIT
-
Querschnitt durch das menschliche Gehirn auf Höhe des
Hypothalamus
Großhirnrinde
Hypothalamus
Amygdala
Untere limbische Ebene
Gehirn: Hypothalamus – zentrale Amygdala – zentrales
Höhlengrau – vegetative Zentren des Hirnstamms
Ebene unbewusst wirkender angeborener Reaktionen und Antriebe: Schlafen-Wachen, Nahrungsaufnahme, Sexualität,
Aggression – Verteidigung – Flucht, Dominanz, Wut usw.
Diese Ebene ist überwiegend genetisch oder durch vorgeburtliche
Einflüsse bedingt und macht unser Temperament aus. Sie ist
durch Erfahrung und Erziehung kaum zu beeinflussen.
Hierzu gehören grundlegende Persönlichkeitsmerkmale wie
Offenheit-Verschlossenheit, Selbstvertrauen, Kreativität,
Vertrauen-Misstrauen, Umgang mit Risiken, Pünktlichkeit,
Ordnungsliebe, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein.
Wir rennen
weg, bevor
wir wissen,
warum...
Amygdala:
Zentrum für
emotionale
Konditionierung
und das
Erkennen
emotionaler
Signale
Amygdala
(Mandelkern)
Mittlere limbische Ebene
Gehirn: basolaterale Amygdala, mesolimbisches System
Ebene der unbewussten emotionalen Konditionierung:
Anbindung elementarer Emotionen (Furcht, Freude, Glück,
Verachtung, Ekel, Neugierde, Hoffnung, Enttäuschung und
Erwartung) an individuelle Lebensumstände.
Die Amygdala ist auch der Ort unbewusster Wahrnehmung
emotionaler kommunikativer Signale (Blick, Mimik, Gestik,
Körperhaltung, Pheromone).
Diese Ebene macht zusammen mit der ersten Ebene (Temperament) den Kern unserer Persönlichkeit aus. Dieser Kern
entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und ist im Jugendund Erwachsenenalter nur über starke emotionale oder lang
anhaltende Einwirkungen veränderbar.
Erkennen emotionalkommunikativer Signale
(Mimik, Gestik,
Körperhaltung,
Pheromone)
Funktionale Gliederung der Großhirnrinde
BEWEGUNGSVORSTELLUNGEN
MOTORIK
ANALYSE
PLANUNG
ENTSCHEIDUNG
SOMATOSENSORIK
KÖRPER
RAUM
SYMBOLE
SEHEN
SPRACHE
BEWERTUNG
AUTOBIOGRAPHIE
OBJEKTE
HÖREN GESICHTER
SPRACHE SZENEN
Obere limbische Ebene
Gehirn: Prä- und orbitofrontaler, cingulärer und insulärer Cortex.
Ebene des bewussten emotional-sozialen Lernens: Gewinn- und
Erfolgsstreben, Anerkennung–Ruhm, Freundschaft, Liebe, soziale
Nähe, Hilfsbereitschaft, Moral, Ethik.
Sie entwickelt sich in später Kindheit und Jugend. Sie wird
wesentlich durch sozial-emotionale Erfahrungen beeinflusst. Sie ist
entsprechend nur sozial-emotional veränderbar.
Hier werden zusammen mit den unteren Ebenen grundlegende
sozial relevante Persönlichkeitsmerkmale festgelegt wie
Machtstreben, Dominanz, Empathie, Verfolgung von Zielen und
Kommunikationsbereitschaft.
Funktionale Gliederung der Großhirnrinde
BEWEGUNGSVORSTELLUNGEN
MOTORIK
ANALYSE
PLANUNG
ENTSCHEIDUNG
SOMATOSENSORIK
KÖRPER
RAUM
SYMBOLE
SEHEN
SPRACHE
BEWERTUNG
AUTOBIOGRAPHIE
OBJEKTE
HÖREN GESICHTER
SPRACHE SZENEN
Kognitiv-sprachliche Ebene
Gehirn: Linke Großhirnrinde, bes. Sprachzentren und präfrontaler
Cortex.
Ebene der bewussten sprachlich-rationalen Kommunikation:
Bewusste Handlungsplanung, Erklärung der Welt, Rechtfertigung
des eigenen Verhaltens vor sich selbst und anderen.
Sie entsteht relativ spät und verändert sich ein Leben lang. Sie
verändert sich im Wesentlichen aufgrund sprachlicher Interaktion.
Hier lernen wir, wie wir uns
darstellen sollen, um voran
zu kommen. Abweichungen
zwischen dieser Ebene
und den anderen Ebenen
führen zum Opportunismus
oder zur Lüge.
Psyche und Persönlichkeit werden bestimmt durch eine Kombination von (mindestens) 6 psychischen Grundsystemen, die
auf den unterschiedlichen funktionalen Ebenen des Gehirns
fördernd oder hemmend miteinander interagieren.
Dies erklärt die Schwierigkeit bei einer scharfen faktorenanalytischen Trennung von Persönlichkeitsmerkmalen.
Die psychischen Grundmechanismen werden im wesentlichen
bestimmt durch die Wirkung neuroaktiver Substanzen (Transmitter, Neuromodulatoren, Neuropeptide, Neurohormone).
STRESS-REAKTION
Erste Stress-Reaktion: Adrenalin-Noradrenalin (Nebennieren-Mark, Locus coeruleus).
Sekundenschnelle Erhöhung des Muskeltonus, der Reaktionsbereitschaft und der Aufmerksamkeit („Schreck“).
Zweite Stress-Reaktion: Cortisol (Nebennieren-Rinde)
Mobilisierung der metabolischen, physiologischen und
psychischen Reserven.
Das Stressverhalten wird vorgeburtlich und früh-nachgeburtlich über das mütterliche Gehirn bzw. andere Umwelteinflüsse „eingestellt“, insbesondere über die Erhöhung und
Erniedrigung der Zahl der Cortisolrezeptoren bes. in der
Amygdala und im Hippocampus).
„STRESS ACHSE“
CRF-ACTH-Cortisol-Rückkopplungsschleife zwischen
Nebennierenrinde, Hypothalamus und Hippocampus
Hypothalamus
CRF
+
Hippocampus
_
Hypophyse
ACTH
_
+
_
Gluc.R.
Nebennierenrinde
Cortisol
Cortisol
SEROTONERGES BERUHUNGSSYSTEM
Serotonin (Locus coeruleus):
Normale Funktion (1A-Rezeptoren): Regulation der Nahrungsaufnahme, Schlaf und Temperatur; Dämpfung, Beruhigung, Wohlbefinden.
Mangel ruft Schlaflosigkeit, Depression, Änstlichkeit, reaktive
Aggression und Impulsivität hervor.
Wahrscheinlich beruht erhöhte Ängstlichkeit auf Defiziten im sog.
Serotonin-Transporter-Gen (5-HTT). Wahrscheinlich beruht eine
erhöhte Aggressivität auf Defiziten im MAO-A-Gen.
2A-Serotoninrezeptoren wirken dagegen offenbar impuls- und
aggressions-steigernd.
POLYMORPHISMUS DES 5-HT-TRANSPORTER-GENS
Canli und Lesch, Nature Neuroscience 2007
5-HTT-DNA
Kurze und lange
5-HTT-PromoterRegion
5-HT-SYNAPSE
Die kurze Variante des Transporter-Gens ist korreliert mit erhöhten
Angststörungen, Depression und reaktiver Gewalt als Folge eines
erhöhten Bedrohtheitsgefühls und verminderter Impulskontrolle.
DOPAMINERGES ANTRIEBS- UND
BELOHNUNGSSYSTEM
Dopamin (Mesolimbisches System: Substantia nigra, ventrales
tegmentales Areal, Nucleus accumbens) plus hirneigener
Opiate (Hypothalamus)
Psychische Aktivierung: Belohnung,, Belohnungserwartung,
Motivation, Kreativität, Neugierde.
Mangel an Dopamin führt zu Ideen- und Phantasielosigkeit,
Antriebslosigkeit, Depressivität, Anhedonie, Erhöhung zu
Sensations- und Abwechslungslust, psychischer Unruhe, Impulsivität, Aggressivität, Ideenflucht, Wahnideen.
Mesolimbisches
System:
Nucleus
accumbens
Reaktion auf neuartige,
überraschende Reize
Antrieb durch
Versprechen von
Belohung (Dopamin)
Belohnungssystem
(hirneigene Opiate)
Ventrales
Tegmentales
Areal
Aktivierung des mesolimbischen
Systems bei Gewinn-Erwartung
Knutson B. et al. (2003) Neuroimage, 18:263-272.
Ausschüttung hirneigener Opiate
durch Blickkontakt
Kampe K.K.W. et al. (2001) Nature, 413:589.
CHOLINERGES AUFMERKSAMKEITSSYSTEM
Acetylcholin (basales Vorderhirn; Hippocampus,
präfrontaler Cortex, dorsaler anteriorer cingulärer Cortex):
Schärfung kognitiver Leistungen, vor allem der Aufmerksamkeit und des Gedächtnis- und Lernvermögens.
Defizite führen zu mangelnder Konzentration, reduzierten
Gedächtnisleistungen bis hin zur Demenz.
CORTICAL-LIMBISCHES IMPULSHEMMUNGSSYSTEM
(Glutamat, GABA)
Hemmende corticale Verbindungen, bes. vom orbitofrontalen, anterioren cingu-lären,
temporalen und ento-rhinalen
Cortex zur Amygdala
Erregende Verbindungen der
Amygdala zum Cortex, bes. zum
präfrontalen, prämotorischen,
insulären und entorhinalen Cortex
SOZIALITÄTS- UND EMPATHIESYSTEM
Sozialität und Bindung (Hypothalamus, mesolimbisches
System, Amygdala): Oxytocin, endogene Opiate.
Empathie (orbitofrontaler, anteriorer cingulärer, insulärer und
superior-temporaler Cortex, mesolimbisches System, Amygdala):
Übertragung des eigenen Schmerzverhaltens auf andere
Personen („Mitleid“).
Selbsterfahrener Schmerz (rot) und beobachteter Schmerz (blau)
(Olsson und Ochsner, TiCS 12: 65-71 (2007)
GRUNDMECHANISMEN DES PSYCHISCHEN
Stressverarbeitung: Wie werde ich mit Aufregungen fertig?
(aufregen und abregen). Adrenalin-Noradrenalin, Cortisol, funktionierende negative Rückkopplung
Bedrohungsempfindlichkeit, Frustrationstoleranz: Wie
bedrohlich erlebe ich die Welt, wie sehr fürchte ich Misserfolge, wie
sehr suche ich Sicherheit? Mangel an Serotonin 1A, endogenen
Opiaten, Erhöhter Spiegel an Serotonin 2A, Noradrenalin,
Hypercortisolismus.
Impulsivität und Impulskontrolle: Wie sehr werde ich von
unmittelbaren Motiven getrieben? Dopamin, Serotonin 2A,
Noradrenalin. Impulsbeherrschung, Selbstkontrolle: Glutamat,
GABA.
Belohnungsempfindlichkeit und Belohnungserwartung:
Wie stark suche ich die Belohnung, den Erfolg, das Risiko,
den Kick? Erhöhte Ausschüttung von Dopamin, endogenen
Opiaten.
Bindung und Sozialität: Wie wichtig ist mir das Zusammensein mit anderen, die Anerkennung durch sie; wie sehr ziehe
ich mich von den anderen zurück, empfinde sie als Bedrohung? Oxytocin, endogene Opiate, Serotonin 1A und deren
Mangel.
Realitätsbewusstsein und Risikowahrnehmung: Wie
genau kann ich Situationen und Risiken einschätzen, wie sehr
vermag ich aus (insbesondere negativen) Konsequenzen
meiner Handlungen lernen? Acetylcholin, Glutamat, GABA.
„Normaler“ Mensch:
Ausgeglichenheit in Frustrationstoleranz, Antrieb, Impulskontrolle, Empathie und Risikowahrnehmung. Regt sich auf,
aber auch wieder ab, ist leidlich pünktlich, ordentlich,
organisiert, verlässlich. Keine starken Gefühlsschwankungen, ist sozial ausgeglichen und gesellig
Gleichgewicht der sechs psychischen Grundsysteme.
Leicht neurotizistischer Typ: schnell aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen, hat ständig Sorgen, ist häufig erschüttert,
betroffen, beschämt, unsicher, verlegen, nervös, ängstlich oder
traurig. Gewissenhaft bis pingelig, mäßig risikoscheu, eher kontaktarm und gehemmt, geht auf „Nummer Sicher“.
Kombination eines leicht defizitären Stressverarbeitungs -und Selbstberuhigungssystems, einer starken Impulshemmung und eineR ausgeprägten Risikowahrnehmung.
Stark neurotizistischer Typ: Krankhafte Sorge und Angst, stark
risikoscheu, sehr kontaktarm bis Sozialphobie. Zwanghaft ordnungsliebend, phobisch, depressiv, sehr gehemmt.
Kombination eines stark defizitären Stressverarbeitungs- und Selbstberuhigungssystems einer starken Impulshemmung und einer pathologischen Risikowahrnehmung. Meist verursacht durch genetische
Defizite und frühkindliche Traumatisierung.
Leicht extravertierter Typ: Optimistisch, belohnungsorientiert, offen,
kreativ, selbstsicher, aktiv, gesprächig, energisch, heiter, gesellig, liebt
Aufregungen, zeigt Wagemut, gleichzeitig eine gewisse Sorglosigkeit
und Unzuverlässigkeit.
Leichte Dominanz des dopaminergen Systems und des Bindungssystems mit leichter Schwächung der Impulshemmung und
Risikowahrnehmung.
Stark extravertierter Typ: Starke Belohnungsorientierung, hohe
Frustrationstoleranz, hohe Impulsivität, Neigung zu Aggression und
Gewalt, Drogenabhängigkeit, Glücksspiel, Empathiedefizite.
Starke Dominanz des dopaminergen Systems, starke Defizite in der
Impulshemmung, der Selbstberuhigung und im Empathiesystem,
meist verursacht durch genetische Defizite und frühkindliche Traumatisierung.
ZUSAMMENFASSUNG
Besser als über den üblichen „lexikalischen Ansatz“ der Persönlichkeitspsychologie lassen sich Persönlichkeiten als individuelle Kombination der relativen Aktivität von sechs psychischen Grundsystemen erklären:
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Stressverarbeitung
Bedrohungsempfindlichkeit und Bedrohungserwartung
Impulsivität und Impulskontrolle
Belohnungsempfindlichkeit und Belohnungserwartung
Bindung und Sozialität
Realitätsbewusstsein und Risikowahrnehmung
Diese Systeme entwickeln sich aufgrund genetischer und umweltbedingter Einflüsse höchst individuell und wechselwirken verstärkend und hemmend miteinander. Hiermit lassen sich gut
Hauptfaktoren der Persönlichkeit erklären.
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