Anhedonie als psychopathologisches Symptom – Eine

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Aus der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Direktor: Prof. Dr. J. Kornhuber
Anhedonie als psychopathologisches
Symptom – Eine Untersuchung zur
hedonischen Bewertung von Geruchsstoffen
bei psychiatrischen Patienten
Inaugural-Dissertation
zur Erlangung der Doktorwürde der Humanbiologie
an der Medizinischen Fakultät
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
vorgelegt von
Dipl.-Psych. Marion Clepce
aus Coburg
Gedruckt mit Erlaubnis der Medizinischen Fakultät
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dekan:
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jürgen Schüttler
Referent:
PD Dr. med. Norbert Thürauf
Korreferenten:
PD Dr. med. Juan Manuel Maler
Prof. Dr. phil. Heinz Jürgen Kaiser
Tag der mündlichen Prüfung:
07.09.2010
Inhaltsverzeichnis
1.
Zusammenfassung ..............................................................................................6
2.
Einleitung ............................................................................................................7
3.
Theoretischer Hintergrund................................................................................8
3.1. Das psychopathologische Symptom der Anhedonie...................................8
3.2. Der Geruchssinn des Menschen ................................................................10
3.3. Geruchswahrnehmung und psychiatrische Erkrankungen ........................13
3.3.1.
Geruchswahrnehmung bei depressiven Patienten.......................14
3.3.2.
Geruchswahrnehmung bei schizophrenen Patienten ..................17
3.3.3.
Geruchswahrnehmung bei Demenzpatienten .............................22
3.3.4.
Geruchswahrnehmung bei Patienten mit Angsterkrankungen....25
4.
Ziele der Untersuchung....................................................................................27
5.
Material und Methoden ...................................................................................28
5.1. Teilnehmende Probanden..........................................................................28
5.2. Verwendete Erhebungsinstrumente ..........................................................30
5.2.1.
Subjektive Geruchstestung mit dem Sniffin’ Sticks Test ...........30
5.2.2.
Psychologische Diagnostik .........................................................33
5.3. Ablauf der Untersuchung ..........................................................................36
6.
Statistische Analyse ..........................................................................................38
7.
Ergebnisse .........................................................................................................38
7.1. Ergebnisse der Auswertungen für Depressionspatienten..........................39
7.1.1.
Ergebnisse zu Depressions- und Anhedoniemaßen ....................39
7.1.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
depressiven Patienten..................................................................40
7.1.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der depressiven
Patienten......................................................................................40
7.1.4.
Ergebnisse zur Identifikation für die Gruppe der depressiven
Patienten......................................................................................41
7.1.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und Hedonik
für die Gruppe der depressiven Patienten ...................................42
7.1.6.
Ergebnisse zu Zusammenhängen zwischen Symptommaßen
und Geruchsparametern für die Gruppe der depressiven
Patienten......................................................................................42
7.1.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
depressiven Patienten..................................................................43
7.2. Ergebnisse der Auswertungen für Schizophreniepatienten ......................44
7.2.1.
Ergebnisse zu Schizophrenie- und Anhedoniemaßen.................44
7.2.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Schizophreniepatienten ...............................................................45
7.2.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Schizophreniepatienten ...............................................................45
7.2.4.
Ergebnisse zur Identifikation für die Gruppe der
Schizophreniepatienten ...............................................................46
7.2.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und Hedonik
für die Gruppe der Schizophreniepatienten ................................47
7.2.6.
Ergebnisse zu Zusammenhängen zwischen Symptommaßen
und Geruchsparametern für die Gruppe der
Schizophreniepatienten ...............................................................48
7.2.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Schizophreniepatienten ...............................................................48
7.3. Ergebnisse der Auswertungen für Demenzpatienten ................................49
7.3.1.
Ergebnisse zu Demenz- und Anhedoniemaßen ..........................49
7.3.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Demenzpatienten ........................................................................49
7.3.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Demenzpatienten ........................................................................50
7.3.4.
Ergebnisse zur Identifikation für die Gruppe der
Demenzpatienten ........................................................................50
7.3.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und Hedonik
für die Gruppe der Demenzpatienten..........................................50
7.3.6.
Ergebnisse zu Zusammenhängen zwischen Symptommaßen
und Geruchsparametern für die Gruppe der Demenzpatienten ..52
7.3.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Demenzpatienten ........................................................................52
7.4. Ergebnisse der Auswertungen für Angstpatienten....................................53
7.4.1.
Ergebnisse zu Angst- und Anhedoniemaßen ..............................53
7.4.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Angstpatienten ............................................................................55
7.4.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Angstpatienten ............................................................................55
7.4.4.
Ergebnisse zur Identifikation für die Gruppe der
Angstpatienten ............................................................................56
7.4.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und Hedonik
für die Gruppe der Angstpatienten..............................................56
7.4.6.
Ergebnisse zu Zusammenhängen zwischen Symptommaßen
und Geruchsparametern für die Gruppe der Angstpatienten ......58
7.4.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Angstpatienten ............................................................................59
8.
Diskussion..........................................................................................................59
8.1. Diskussion des methodischen Vorgehens .................................................60
8.2. Diskussion der Ergebnisse für Depressionspatienten ...............................62
8.3. Diskussion der Ergebnisse für Schizophreniepatienten ............................65
8.4. Diskussion der Ergebnisse für Demenzpatienten......................................68
8.5. Diskussion der Ergebnisse für Angstpatienten .........................................71
8.6. Zusammenfassende Interpretation und Bewertung...................................72
9.
Ausblick .............................................................................................................73
10.
Literaturverzeichnis .........................................................................................74
11.
Abkürzungsverzeichnis....................................................................................89
12.
Publikationen ....................................................................................................90
13.
Danksagung.......................................................................................................91
14.
Lebenslauf .........................................................................................................92
6
1.
Zusammenfassung
Hintergrund und Ziele: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Erfassung
von Veränderungen in der Geruchswahrnehmung bei psychiatrischen Patienten. Der
Schwerpunkt liegt auf der hedonischen Bewertung olfaktorischer Stimuli und
möglichen Zusammenhängen mit dem psychopathologischen Symptom der
Anhedonie. Anhedonie beschreibt das Phänomen der Unfähigkeit, Freude an
Aktivitäten des täglichen Lebens zu empfinden, die normalerweise als angenehm
erlebt werden. Es handelt sich um ein häufiges Symptom psychiatrischer
Störungsbilder, wie zum Beispiel Depression, Schizophrenie, Suchterkrankungen
oder Demenz, das für Betroffene großes Leid und Beeinträchtigungen im alltäglichen
Lebensvollzug mit sich bringt. Vorliegende Forschungsergebnisse zu Riechstörungen
bei psychiatrisch Erkrankten und den neuronalen Verknüpfungen des Geruchssinns
mit dem emotionalen System werfen die Frage auf, ob sich das klinische Bild der
Anhedonie auch auf einer basalen physiologischen Ebene in Form einer
eingeschränkten hedonischen Bewertung von Geruchsstoffen nachweisen lässt.
Methoden: Die Fragestellung soll für drei psychiatrische Krankheitsbilder
überprüft werden, bei denen Anhedonie typischerweise auftritt, nämlich Depression
(n=37), Schizophrenie (n=34) und Demenz (n=18). Verglichen werden die Daten mit
denen einer nach Alter und Geschlecht parallelisierten Kontrollgruppe. Die
Kontrollprobanden werden aus dem Pool der Datenbank Hedos-F gezogen, die
Riechtestbefunde von n=201 gesunden Personen enthält. Zur Kontrolle von
Medikamenteneinflüssen wird eine weitere klinische Kontrollgruppe von Patienten
mit Angststörungen (n=17) untersucht, die ebenso wie Depressive mit Antidepressiva
behandelt werden, bei denen aber Anhedonie nicht zu den typischen Symptomen
zählt. Es erfolgt eine Verlaufsuntersuchung mit zwei Erhebungszeitpunkten,
terminiert
gemäß
klinischer
Verlaufsaspekte
der
Störungsbilder.
Zu
den
Messzeitpunkten wird der Sniffin’ Sticks-Test zur Erfassung von Riechschwelle,
Identifikation und Diskrimination eingesetzt, erweitert um visuelle Analogskalen zur
Erfassung der Intensitätseinschätzung und hedonischen Bewertung der präsentierten
olfaktorischen
Stimuli.
Parallel
kommen
psychologische
Testverfahren
zur
Schweregradeinschätzung der psychiatrischen Symptomatik zum Einsatz (Angst:
Beck Angst-Inventar; Demenz: Mini Mental Status Test; Depression: Beck-
7
Depressions-Inventar; Schizophrenie: Positive and Negative Syndrome Scale), sowie
die Snaith-Hamilton-Pleasure-Scale zur Erfassung der empfundenen Anhedonie.
Ergebnisse und Beobachtungen: Bezüglich Riechschwelle, Identifikation
und Diskrimination ergab sich für die vier Störungsgruppen jeweils ein
charakteristisches Muster von Defiziten und erhaltenen Fähigkeiten. Die hedonischen
Geruchsurteile erschienen im Rahmen einer akuten Depression intakt, während
Demenzpatienten die Testgerüche im Vergleich mit Gesunden als angenehmer
beurteilten. Schizophrenie- und Angstpatienten zeigten bei ihren hedonischen Ratings
einen erweiterten Beurteilungsrange. Statistische Zusammenhänge zwischen den
hedonischen Bewertungen und Anhedonie ergaben sich nur für die Gruppe der
Depressionspatienten.
Praktische Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zu Veränderungen der
Riechwahrnehmung im Rahmen der vier untersuchten Störungsbilder sprechen für die
in der Literatur geäußerte Hypothese, dass Riechstörungen als biologischer Marker
für neurologische und psychiatrische Erkrankungen gelten können. Dabei ergibt sich
jeweils ein spezifisches und typisches Muster an Beeinträchtigungen. Die Frage nach
dem Zusammenhang zwischen erlebter Anhedonie und Veränderungen in der
hedonischen Wahrnehmung von Gerüchen lässt sich gemäß der vorliegenden
Befunde nicht allgemein beantworten, sondern muss für jedes Störungsbild gesondert
betrachtet werden. Die Hypothese, dass Anhedonie bei verschiedenen psychiatrischen
Erkrankungen nicht auf die gleichen biologischen Phänomene reduziert werden kann,
erscheint deshalb wahrscheinlich.
2.
Einleitung
Inzwischen kann es als belegt gelten, dass als Begleitphänomen verschiedener
psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen Veränderungen des Geruchssinns
auftreten, so zum Beispiel bei Demenz, Parkinson oder Schizophrenie (Albers, M.W.,
Tabert, M.H. & Devanand, D.P., 2006; Atanasova, B., Graux, J., El Hage, W. et al.,
2008). Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Natur dieser Anomalien in der
olfaktorischen Wahrnehmung für ausgewählte psychiatrische Störungsbilder näher zu
untersuchen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der subjektiven hedonischen
Bewertung präsentierter Geruchsstimuli liegen. Die Beurteilung von Reizen als
8
angenehm oder unangenehm erscheint besonders im Bereich psychiatrischer
Erkrankungen als vielversprechendes Forschungsfeld. Interessant ist hier vor allem
eine mögliche Verknüpfung zwischen Veränderungen in der hedonischen
Wahrnehmung und dem psychopathologischen Symptom der Anhedonie, einem
Defizit in der Fähigkeit, Freude und Genuss an alltäglichen Erlebnissen zu
empfinden, das im Rahmen verschiedener psychiatrischer Störungsbilder auftritt.
3.
Theoretischer Hintergrund
Im folgenden Abschnitt soll ein Überblick zum theoretischen Hintergrund dieser
Arbeit gegeben werden. Dabei wird zunächst auf das Symptom der Anhedonie näher
eingegangen (siehe Kapitel 3.1.). Es folgt eine Darstellung der anatomischen und
physiologischen Grundlagen des Riechsystems (siehe Kapitel 3.2.). Anschließend soll
ein
Überblick
über
die
aktuelle
Literatur
zu
Veränderungen
der
Geruchswahrnehmung im Rahmen der psychiatrischen Störungsbilder gegeben
werden, die im Blickpunkt dieser Arbeit stehen, nämlich Schizophrenie, Depression,
Demenz und Angsterkrankungen (siehe Kapitel 3.3.).
3.1.
Das psychopathologische Symptom der Anhedonie
Nach Berrios und Olivares (1995) wurde der Begriff Anhedonie 1897 durch den
französischen Philosophen und Psychologen Ribot geprägt, zur Beschreibung des
Phänomens einer „general inability to experience pleasure” (S. 453). Weitere
Definitionen für dieses psychopathologische Symptom finden sich in der Literatur.
Dazu zählen „a relative lack of pleasure in response to formerly rewarding stimuli”
(Keedwell, P.A., Andrew, C., Williams, S.C. et al., 2005, S. 843) oder Anhedonie als
„blocking of the reward reinforcement of usually reinforcing stimuli” (Rado, 1956;
zitiert nach Berrios, G.E. & Olivares, J.M., 1995, S. 454). Anhedonie beschreibt also
einen Zustand, der durch einen Verlust der Freude an vormals als angenehm erlebten
Aktivitäten und Erfahrungen geprägt ist. Anhedonie ist ein häufiges Symptom
verschiedener psychiatrischer Störungsbilder, wie zum Beispiel Depression (Clark,
D.A., Beck, A.T. & Beck, J.S., 1994; Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H.,
1991), Schizophrenie (Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H., 1991), Demenz
9
(Bungener, C., Jouvent, R. & Derouesne, C., 1996; Reichman, W.E. & Coyne, A.C.,
1995) oder Abhängigkeitserkrankungen (Heinz, A., Schmidt, L.G. & Reischies, F.M.,
1994). Für betroffene Patienten bedeutet dieses Symptom großes Leid und schwere
Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebensvollzugs.
Nach Berrios und Olivares (1995) unterschied bereits William James um 1903
zwischen Anhedonie als State- und als Trait-Variable. Dementsprechend kann
Anhedonie also entweder im Sinne eines vorübergehenden Zustandes (state) oder
aber auch als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal (trait) verstanden werden. Eine
Zwillingsstudie (Bogdan, R. & Pizzagalli, D.A., 2009) kennzeichnet hedonische
Kapazität und damit auch Anhedonie als Personenmerkmale mit ausgeprägter
erblicher Komponente.
Die neuronalen Korrelate des psychopathologischen Phänomens der
Anhedonie werden derzeit beforscht. In einer fMRT-Untersuchung an unter
Anhedonie leidenden Depressiven (Keedwell, P.A., Andrew, C., Williams, S.C. et al.,
2005) fanden sich für die Anhedonie ein positiver Zusammenhang mit einer
Aktivierung im ventromedialen präfrontalen Kortex und ein inverser Zusammenhang
mit Aktivierung in Amygdala und ventralem Striatum. In einer weiteren fMRT-Studie
an depressiven Frauen mit hohen Anhedonie-Werten (Mitterschiffthaler, M.T.,
Kumari, V., Malhi, G.S. et al., 2003) zeigten die Patientinnen im Vergleich zu
gesunden Kontrollpersonen eine verminderte Aktivität im medialen frontalen Kortex
und erhöhte Aktivität im inferioren frontalen Kortex, anteriorem Cingulum,
Thalamus, Putamen und der Insula. In einer fMRT-Untersuchung an gesunden
Probanden mit hohen Werten in einem Fragebogen für Anhedonie als Trait-Faktor
(Harvey, P.O., Pruessner, J., Czechowska, Y. et al., 2007) ging Anhedonie mit einer
Volumenminderung im anterioren Nucleus caudatus einher. Auf funktioneller Ebene
ergab sich für die anhedonen Probanden bei der Verarbeitung positiver Reize eine
erhöhte Aktivität im ventromedialen präfrontalen Kortex. In einer Übersichtsarbeit zu
den neuronalen Korrelaten der Anhedonie bringt Gorwood (2008) das Symptom in
Zusammenhang mit einer verminderten Aktivierung im ventralen Striatum
einschließlich des Nucleus accumbens und einer Überaktivität des ventralen
präfrontalen Kortex und des orbitofrontalen Kortex. Eine neuere fMRT-Untersuchung
bringt Anhedonie bei Depression mit Hirnarealen in Verbindung, die für Belohnung
und Motivation relevant sind (Heller, A.S., Johnstone, T., Shackman, A.J. et al.,
2009). Die Autoren verfolgen die Hypothese, dass Anhedonie nicht als eine einfache
10
Minderung der hedonischen Wahrnehmungsfähigkeit zu verstehen ist, sondern als
Unfähigkeit, positive affektive Zustände über längere Zeit aufrecht zu erhalten.
Tatsächlich fanden sie bei ihren depressiven Patienten in einer Aufgabe zur
Emotionsregulation eine verminderte Fähigkeit, die Aktivität des Nucleus accumbens,
eines Hirnareals mit zentraler Bedeutung für Belohnung und positive Affektivität,
über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Verursacht wird dieses Defizit durch eine
gestörte Konnektivität mit dem präfrontalen Kortex, der das fronto-striatale
Belohnungsnetzwerk steuert. Heinz (1999) kommt in seiner Zusammenschau der
Literatur zum Thema Anhedonie bei Abhängigkeitserkrankungen dagegen zu dem
Fazit, dass Anhedonie entgegen früherer Annahmen nicht mit Dysfunktionen des
dopaminergen Belohnungssystem assoziiert zu sein scheint.
Insgesamt sind die neuronalen Grundlagen der Anhedonie bei verschiedenen
psychiatrischen Störungsbildern also noch nicht vollständig entschlüsselt. Auch die
Frage, inwiefern sich Anhedonie möglicherweise auf einer basalen physiologischen
Ebene in Form einer gestörten hedonischen Bewertung von Sinnesreizen in den
verschiedenen Wahrnehmungskanälen niederschlägt, bleibt derzeit noch offen. Nicht
zuletzt wegen der engen Verknüpfung des olfaktorischen Systems mit Emotionen
(siehe Kapitel 3.2.) und zahlreichen Vorbefunden zu Geruchsstörungen im Rahmen
psychiatrischer
Erkrankungen
(siehe
Kapitel
3.3)
erscheint
es
besonders
vielversprechend, die Möglichkeit einer Assoziation zwischen dem Symptom der
Anhedonie und Störungen in der hedonischen Geruchswahrnehmung zu untersuchen:
„It is interesting to study the possibility that anhedonia can be expressed also at the
olfactory level“ (Atanasova, B., Graux, J., El Hage, W. et al., 2008; p. 1322).
3.2.
Der Geruchssinn des Menschen
Die folgende Darstellung der Anatomie und Physiologie des olfaktorischen Systems
folgt im Wesentlichen Birbaumer und Schmidt (1999), sowie Schmidt, Thews und
Lang (2000).
Geruch und Geschmack werden den chemischen Sinnen zugeordnet.
Phylogenetisch betrachtet gehören sie zu den ältesten Sinnessystemen des Menschen.
Der Geruchssinn – einschließlich des nasal-trigeminalen Systems – hat unter anderem
wichtige Kontrollfunktionen bei der Nahrungsaufnahme oder in Bezug auf potentielle
11
Gefahrenreize aus der Umwelt (zum Beispiel Rauchgeruch als Warnhinweis für
Feuer). Nicht nur in der Tierwelt, sondern auch beim Menschen spielt der
Geruchssinn eine große Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation, so zum
Beispiel bei der Mutter-Kind-Interaktion oder der Partnerwahl. Der Geruchssinn
besitzt außerdem eine starke emotionale Komponente.
Prinzipiell kann das menschliche Gehirn etwa 10.000 verschiedene Düfte
unterscheiden. An der Wahrnehmung von Geruchsreizen sind zwei verschiedene
Sinnessysteme beteiligt: das olfaktorische und das trigeminale. Das olfaktorische
System reagiert auf Moleküle flüchtiger Verbindungen in Gasform. Diese Reize
treffen auf die Riechzellen, die in einem Schleimhautareal im Inneren der Nase, dem
sogenannten Riechepithel, angeordnet sind. Das Riechepithel umfasst beidseits eine
Fläche von etwa 5cm2 und befindet sich in der hinteren oberen Nasenhöhle. Der
Mensch besitzt circa 30 Millionen Riechzellen, die nach einer durchschnittlichen
Lebensdauer von etwa 30 Tagen regelmäßig erneuert werden. Die Riechzellen
besitzen einen kurzen dendritischen Fortsatz, der zur Schleimhautoberfläche zieht,
sowie ein langes Axon für die Signalweiterleitung zum Gehirn. Die Dendriten
entsenden zahlreiche Zilien oder Sinneshaare in die Schleimhaut. In der
Zilienmembran befinden sich die Geruchsrezeptoren, an die Riechstoffmoleküle
anbinden müssen, um den Prozess der Signaltransduktion zu starten und
wahrgenommen zu werden. Beim Andocken eines passenden Moleküls an den
Rezeptor wird eine intrazelluläre Signalkaskade ausgelöst, die zur Öffnung von
Ionenkanälen führt. Dadurch entsteht ein depolarisierendes Sensorpotential, das im
Prozess der Transformation in ein Aktionspotential mündet, das über das Axon
weitergeleitet wird.
Die Axone der Riechzellen bilden beim Austritt aus dem Riechepithel Bündel
von 10 bis 100 Axonen, die sogenannten Fila olfactoria. Die Fila olfactoria treten
durch die winzigen Löcher der Lamina cribosa, also des knöchernen Siebbeins, aus
der Nasenhöhle aus. Vereinigt zum Nervus olfactorius, dem ersten Hirnnerven,
ziehen sie zum Bulbus olfactorius, dem sogenannten Riechkolben des Gehirns. Abb.
1 gibt entsprechend einen grafischen Überblick zur Anatomie der ersten Stationen des
Riechsystems von der Nase bis zum Bulbus olfactorius.
12
Abb. 1 Anatomischer Aufbau des Riechsystems von der Nase bis zum Bulbus olfactorius.
(aus: Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 444)
Die Riechbahn führt vom Bulbus olfactorius weiter über den Tractus olfactorius in
verschiedene Gebiete des Paläokortex, die gemeinsam als Riechhirn bezeichnet
werden. Dazu gehören das Tuberculum olfactorium, die Area präpiriformis, Teile des
Mandelkerns und die Regio entorhinalis. Vom Riechhirn wird die Information zum
einen über den Thalamus zum orbitofrontalen Kortex weitergeleitet. Zum anderen
ziehen vom Riechhirn auch Bahnen zu Arealen des limbischen Systems und von dort
weiter zu vegetativen Kernen des Hypothalamus und der Formatio reticularis. Die
enge Verschaltung mit dem limbischen System ist vermutlich für die starke
emotionale Komponente der Geruchswahrnehmung verantwortlich. Abb. 2 zeigt die
Verbindungen der Riechbahn noch einmal grafisch.
Abb. 2 Neuronale Verbindungen der Riechbahn.
(aus: Birbaumer & Schmidt, 1999, S. 444)
13
Atanasova
und
Kollegen
(2008)
fassen
in
einer
Übersichtsarbeit
zur
Geruchswahrnehmung bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen die aktuelle
Literatur zur Assoziation bestimmter Hirnareale mit spezifischen Geruchsaufgaben
zusammen. Dabei wird die Intensitätseinschätzung mit Aktivität im piriformen
Kortex (Rolls, E.T., Kringelbach, M.L. & de Araujo, I.E., 2003) und der Amygdala
(Anderson, A.K., Christoff, K., Stappen, I. et al., 2003) in Verbindung gebracht. Der
orbitofrontale Kortex scheint bei der Identifikation, der Diskrimination und der
hedonischen Bewertung von Gerüchen involviert zu sein (Zald, D.H. & Pardo, J.V.,
1997; Zald, D.H., Mattson, D.L. & Pardo, J.V., 2002). Weitere Studien zeigen, dass
an der hedonischen Bewertung von Duftstoffen neben dem orbitofronatalen Kortex
auch das limbische System beteiligt ist (Royet, J.P., Plailly, J., Delon-Martin, C. et
al., 2003; Zald, D.H. & Pardo, J.V., 1997), und hier vor allem die Amygdala. Die
Arbeitsgruppe um Winston (2005) berichtet, dass die Amygdala die Interaktion von
Intensität und hedonischer Valenz codiert. Das würde bedeuten, dass eine
Amygdalaaktivierung weder Geruchsintensität noch hedonische Beurteilung des
Duftstoffes an sich repräsentiert, sondern eine übergreifende emotionale Bewertung
des Stimulus.
Neben dem olfaktorischen- ist auch das trigeminale System an der
Wahrnehmung von Duftstoffen beteiligt. In Nasenschleimhaut und Mundrachenraum
befinden sich freie Nervenendigungen des Nervus trigeminus mit nozizeptiver und
olfaktorischer Funktion. Dabei unterscheidet man reine Riechstoffe (z.B. Lavendel)
von solchen Duftstoffen, die auch eine trigeminale Komponente besitzen (z.B.
Menthol)
oder
eine
trigeminale
und
eine
Geschmacks-Komponente
(z.B.
Chloroform). Aktivierungen des nasaltrigeminalen Systems werden gewöhnlich als
stechend-beißende Empfindung beschrieben, Aktivierungen des oraltrigeminalen
Systems als brennend-scharf.
3.3.
Geruchswahrnehmung und psychiatrische Erkrankungen
Veränderungen des Geruchssinns sind bei verschiedenen psychiatrischen und
neurologischen Erkrankungen beschrieben, so zum Beispiel bei Schizophrenie,
Depression, Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington. Einen Überblick liefern
beispielsweise Atanasova und Kollegen (2008) oder Hawkes (2006). Atanasova und
14
Kollegen (2008) kommen nach Sichtung der aktuellen Literatur sogar zu folgender
Schlussfolgerung: „olfactory abnormalities might be a marker of psychiatric
conditions, with a specific pattern for each disease“ (S. 1323). Auf Befunde zu diesen
spezifischen Besonderheiten in der Geruchswahrnehmung soll für die vier
Störungsbilder, die im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen, im Folgenden näher
eingegangen werden. Dabei werden, soweit jeweils vorliegend, Ergebnisse zu fünf
verschiedenen Bereichen der Riechleistung dargestellt: 1.) zur olfaktorischen
Sensitivität oder Riechschwelle, 2.) zur Geruchsdiskrimination, also der Fähigkeit zur
Unterscheidung verschiedener Riechstoffe, 3.) zur Identifikation, also dem Erkennen
und Benennen von Gerüchen, 4.) zur Intensitätseinschätzung, also der Bewertung
über die Stärke eines Geruchsreizes und 5.) zur hedonischen Beurteilung, also der
Einstufung von olfaktorischen Stimuli als angenehm oder unangenehm. So weit
vorliegend, soll auch auf entsprechende Befunde zu strukturellen und funktionellen
Anomalien von Gehirn und Nervensystem eingegangen werden.
3.3.1.
Geruchswahrnehmung bei depressiven Patienten
Im Tierexperiment finden sich Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem
olfaktorischen System und depressiven Symptomen. So beschäftigte sich zum
Beispiel die Arbeitsgruppe um Wang mit Ratten, denen der Bulbus olfactorius
entfernt worden war (2007). Im Verhalten dieser Tiere und verschiedenen
neurochemischen Parametern entdeckten sie Ähnlichkeiten zu Symptomen einer
depressiven Episode mit komorbider Angstsymptomatik, wie zum Beispiel
Agitiertheit, sexuelle und kognitive Dysfunktionen oder Degeneration von Neuronen.
Sie ziehen daraus den Schluss, dass Ratten nach Bulbektomie als ein Tiermodell für
das Studium depressiver Störungen dienen könnten.
Aber auch beim Menschen belegen zahlreiche Untersuchungen das Vorliegen
einer veränderten Geruchswahrnehmung in Zusammenhang mit depressiven
Erkrankungen. So lassen sich bereits bei der Betrachtung olfaktorisch evozierter
Potentiale Unterschiede zwischen Depressiven und gesunden Kontrollpersonen
feststellen (Pause, B.M., Raack, N., Sojka, B. et al., 2003). Akut erkrankte Patienten
zeigten hier reduzierte Amplituden von P2 und P3-1, was auf eine Störung in einem
frühen Stadium der Reizverarbeitung hindeutet. Nach erfolgreicher medikamentöser
15
Behandlung erwiesen sich diese Veränderungen in der hirnelektrischen Aktivität als
reversibel.
In mehreren Studien ergab sich bei depressiven Patienten eine im Vergleich zu
Gesunden verminderte olfaktorische Sensitivität (Lombion-Pouthier, S., Vandel, P.,
Nezelof, S. et al., 2006; Pause, B.M., Miranda, A., Goder, R. et al., 2001).
Übereinstimmend fand die Arbeitsgruppe um Pollatos (2007) auch bei Gesunden eine
signifikante negative Korrelation zwischen der Sensitivitätsleistung und Werten im
Beck-Depressions-Inventar als Ausdruck für eine in diesem Falle subklinische
Belastung durch depressive Symptome. Die Ergebnisse von Pause und Kollegen
(2001) lassen vermuten, dass die während einer depressiven Episode festgestellten
Veränderungen in der Riechschwelle reversibel sind und sich nach einer erfolgreichen
Behandlung wieder zurückbilden. Aber es finden sich in der Literatur auch
gegensätzliche Befunde. Gross-Isseroff und Kollegen (1994) untersuchten an einer
relativ kleinen Stichprobe von nur neun depressiven Patienten ebenfalls die
Geruchsschwelle. Dabei fanden sie keine Unterschiede bezüglich der Sensitivität
zwischen Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Bei einer Nachuntersuchung
sechs Monate nach Aufnahme einer antidepressiven Behandlung jedoch, zeigten die
Patienten verglichen mit der Kontrollgruppe eine signifikant erhöhte Sensitivität für
die Substanz Isoamyl Acetat. In einer weiteren Untersuchung (Thomas, H.J., Fries,
W. & Distel, H., 2002) fanden sich bei Depressiven keine Veränderungen der
Riechschwelle. Ebenso ergab sich in einer Studie an Personen im höheren Lebensalter
keine Korrelation zwischen depressiven Symptomen und der olfaktorischen
Sensitivität (Scinska, A., Wrobel, E., Korkosz, A. et al., 2008).
Die Ergebnislage zur saisonalen oder sogenannten Winterdepression ist zum
gegenwärtigen Zeitpunkt unklar. Während die Arbeitsgruppe um Postolache (1999) in
einer ersten Studie keine Unterschiede in der olfaktorischen Sensitivität zwischen
betroffenen Patienten und gesunden Kontrollen entdecken konnten, fanden sie in
einer zweiten Untersuchung (Postolache, T.T., Wehr, T.A., Doty, R.L. et al., 2002)
bei den Patienten eine erhöhte Sensitivität.
Zur olfaktorischen Diskriminationsfähigkeit depressiver Patienten finden sich
nur wenige Studien. In der bereits genannten Untersuchung von Pollatos und
Kollegen (2007) ergab sich für gesunde Probanden kein signifikanter Zusammenhang
zwischen der Diskriminationsleistung und depressiven Symptomen.
16
Bezüglich der Identifikation von Gerüchen fanden sich keine Unterschiede
zwischen depressiven Patienten und gesunden Kontrollen (Amsterdam, J.D., Settle,
R.G., Doty, R.L. et al., 1987). In der bereits erwähnten Studie an Personen im
höheren Lebensalter ergab sich auch keine Korrelation zwischen depressiven
Symptomen und der Identifkationsleistung (Scinska, A., Wrobel, E., Korkosz, A. et
al., 2008). Für die saisonale Depression lassen die Daten der Arbeitsgruppe um
Postolache (1999) einen Lateralisierungseffekt vermuten. Hier ergab sich nur für das
rechte Nasenloch eine signifikante negative Korrelation zwischen depressiven
Symptomen und Werten im University of Pennsylvania Smell Identification Test
(UPSIT).
Bisherige Studien zu Intensitätseinschätzungen von Gerüchen bei Depressiven
lieferten keine Belege für generelle Unterschiede zwischen Patienten und gesunden
Kontrollpersonen (Pause, B.M., Miranda, A., Goder, R. et al., 2001; Thomas, H.J.,
Fries, W. & Distel, H., 2002). Bezüglich der hedonischen Bewertung olfaktorischer
Stimuli ist die bisherige Ergebnislage jedoch als uneindeutig zu bezeichnen. In den
beiden bereits genannten Studien zur subjektiven Bewertung von Geruchsreizen
fanden sich keine Unterschiede, weder zwischen den Einschätzungen von Patienten
und gesunden Kontrollprobanden, noch zwischen den Ratings der Patienten im
akuten und remittierten Zustand (Pause, B.M., Miranda, A., Goder, R. et al., 2001;
Thomas, H.J., Fries, W. & Distel, H., 2002). In einer Untersuchung ergab sich jedoch
eine Ausnahme: depressive Patienten beurteilten den Duftstoff Citral als angenehmer,
als dies Gesunde taten (Pause, B.M., Miranda, A., Goder, R. et al., 2001). In einer
französischen Studie schienen die Patienten dagegen den hedonischen Wert
angenehmer Düfte im Durchschnitt höher zu bewerten (Lombion-Pouthier, S.,
Vandel, P., Nezelof, S. et al., 2006). Diese mangelnde Konsistenz in der Datenlage
kann unter anderem auf methodische Unterschiede zwischen den einzelnen Studien
zurückgeführt werden. So wurden in den verschiedenen Untersuchungen zum
Beispiel unterschiedliche Zusammenstellungen von Geruchsstimuli verwendet: die
Arbeitsgruppe um Thomas (2002) gab ihren Probanden nur acht Düfte zur
Beurteilung vor, Pause und Kollegen (2001) benutzten zehn Gerüche und die
Arbeitsgruppe um Lombion-Pouthier (2006) 16. In allen drei Studien wurde das
Beck-Depressions-Inventar zur Erfassung depressiver Symptome
verwendet.
Besonders zu berücksichtigen ist ferner, dass in keiner der drei Studien die Schwere
der erlebten Anhedonie erhoben wurde. Dies erscheint problematisch, da es sich bei
17
der Anhedonie nicht um ein obligatorisches Symptom für eine depressive Episode
handelt (American Psychiatric Association, 2000; Fawcett, J., Clark, D.C., Scheftner,
W.A. et al., 1983a; Fawcett, J., Clark, D.C., Scheftner, W.A. et al., 1983b) und
deshalb nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Patienten in gleichem Maße
unter anhedonen Beschwerden leiden.
Insgesamt ist das Vorliegen von Veränderungen in verschiedenen Domänen
des Geruchssinns bei depressiven Patienten also vielfach belegt, auch wenn in einigen
Bereichen die genaue Natur dieser Anomalien noch nicht feststeht.
3.3.2.
Geruchswahrnehmung bei schizophrenen Patienten
Anomalien im Geruchsvermögen von schizophrenen Patienten sind inzwischen
ebenfalls vielfach belegt. Übersichten liefern Atanasova und Kollegen (2008), sowie
Moberg und Kollegen (1999).
Verschiedene Studien geben Hinweise darauf, dass bei Schizophrenen bereits
im peripheren Bereich auf der Ebene der Geruchsrezeptoren Beeinträchtigungen
vorzuliegen scheinen (Turetsky, B.I., Hahn, C.G., Arnold, S.E. et al., 2009; Turetsky,
B.I. & Moberg, P.J., 2009). Als pathophysiologischer Mechanismus werden
Störungen der cAMP-vermittelten intrazellulären Signaltransduktion vermutet.
Auch auf hirnstruktureller Ebene finden sich im olfaktorischen System
Unterschiede zwischen Schizophrenen und gesunden Vergleichsgruppen. So scheint
bei diesen Patienten das Volumen des Bulbus olfactorius vermindert zu sein
(Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Yousem, D.M. et al., 2000; Turetsky, B.I., Moberg,
P.J., Arnold, S.E. et al., 2003). Weitere MRT-Studien an Betroffenen liefern
Hinweise auf das Vorliegen einer beidseitigen Volumenreduktion von Hippokampus
und Amygdala (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a), sowie
auf ein vermindertes Volumen des perirhinalen und entorhinalen Kortex (Turetsky,
B.I., Moberg, P.J., Roalf, D.R. et al., 2003).
Hinweise auf funktionelle Anomalien bei der Bearbeitung von Riechaufgaben
liegen ebenfalls vor. So fanden Bertollo, Cowen und Levy (1996) bei schizophrenen
Patienten im Vergleich zu Gesunden einen Hypometabolismus in olfaktorischen
kortikalen Projektionsarealen, und zwar vor allem im lateroposterioren Quadranten
des orbitofrontalen Kortex. Bei der Untersuchung olfaktorisch evozierter Potentiale
18
zeigten Patienten verminderte N1- und P2-Amplituden, sowie eine vergrößerte P2Latenz (Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Owzar, K. et al., 2003).
Die Datenlage zur Riechschwelle schizophrener Patienten ist derzeit
widersprüchlich. Während sich in einigen Untersuchungen keine Unterschiede
zwischen Patienten und Kontrollpersonen fanden (Geddes, J., Huws, R. & Pratt, P.,
1991; Moberg, P.J., Arnold, S.E., Doty, R.L. et al., 2006; Plailly, J., d'Amato, T.,
Saoud, M. et al., 2006), oder Patienten gar eine erhöhte Sensitivität zeigten (Sirota,
P., Davidson, B., Mosheva, T. et al., 1999), schnitten Schizophrene in anderen
Untersuchungen schlechter ab als Gesunde (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W.,
Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al.,
2005b). Auf hirnstruktureller Ebene fanden Turetsky und Kollegen (2003) in ihrer
bereits
genannten
MRT-Studie
einen
Zusammenhang
zwischen
der
Volumenreduktion im perirhinalen Kortex und einer verminderten olfaktorischen
Sensitivität. In einer anderen Studie derselben Arbeitsgruppe (Turetsky, B.I., Moberg,
P.J., Owzar, K. et al., 2003) ergab sich bei der Untersuchung olfaktorisch evozierter
Potentiale von Schizophrenen eine Korrelation zwischen den beobachteten N1Anomalien und einer verminderten Sensitivität.
Zur Diskriminationsfähigkeit schizophrener Patienten finden sich nur wenige
Untersuchungen. Hier schnitten Erkrankte in der Regel schlechter ab als gesunde
Vergleichspersonen (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a;
Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b). In der bereits
genannten MRT-Studie (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a)
ergab sich außerdem für die Patienten ein Zusammenhang zwischen geringerem
Hippokampus-Volumen und schlechteren Leistungen in der Diskriminationsaufgabe.
Als am besten belegte Anomalie im Bereich der Riechleistung Schizophrener
können Defizite in der Identifikationsfähigkeit gelten (Brewer, W.J., Pantelis, C.,
Anderson, V. et al., 2001; Coleman, E., Goetz, R.R., Leitman, D. et al., 2002;
Compton, M.T., McKenzie Mack, L., Esterberg, M.L. et al., 2006; Corcoran, C.,
Whitaker, A., Coleman, E. et al., 2005; Good, K.P., Martzke, J.S., Honer, W.G. et al.,
1998; Good, K.P., Leslie, R.A., McGlone, J. et al., 2007; Houlihan, D.J., Flaum, M.,
Arnold, S.E. et al., 1994; Kopala, L., Good, K., Martzke, J. et al., 1995; Kopala, L.C.,
Clark, C. & Hurwitz, T., 1993; Malaspina, D. & Coleman, E., 2003; Moberg, P.J.,
Arnold, S.E., Doty, R.L. et al., 2006; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G.
et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b; Szeszko,
19
P.R., Bates, J., Robinson, D. et al., 2004; Wu, J., Buchsbaum, M.S., Moy, K. et al.,
1993). Auch Atanasova und Kollegen (2008) kommen in ihrer Übersichtsarbeit zu
dem Schluss, dass es sich hierbei um ein charakteristisches Defizit schizophrener
Patienten handelt. Die Minderung der Identifikationsfähigkeit scheint bei weiblichen
Patienten weniger stark ausgeprägt zu sein, als bei männlichen Patienten (Kopala,
L.C., Clark, C. & Hurwitz, T., 1993). In ihrer metaanalytischen Übersicht kommen
Moberg und Kollegen (1999) zu dem Schluss, dass die Defizite in der
Geruchsidentifikation unabhängig von Rauchstatus und Medikation der Patienten,
und damit eine primäre Störung des Geruchssinns zu sein scheinen. In der bereits
genannten Untersuchung von Brewer und Kollegen (2001) erwiesen sich die Mängel
in der Identifikationsleistung zudem als zeitlich stabil. Auch sechs Monate nach der
Eingangsuntersuchung und Beginn der medikamentösen Behandlung schnitten
schizophrene Patienten im University of Pennsylvania Smell Identification Test noch
schlechter ab als gesunde Kontrollpersonen. Eine vorliegende SPECT-Studie
(Malaspina, D., Perera, G.M., Lignelli, A. et al., 1998) gibt Hinweise auf die
hirnfunktionellen Anomalien, die dem Identifikationsdefizit zu Grunde liegen
könnten. Während der Bearbeitung einer olfaktorischen Identifikationsaufgabe fand
sich
bei
schizophrenen
Patienten
ein
Hypometabolismus
in
einem
rechtshemisphärisch angesiedelten kortikalen Gebiet, welches das Broca-Areal, den
oberen Temporallappen, den supramarginalen Gyrus und den Gyrus angularis
umfasst. Anders als gesunde Kontrollpersonen zeigten die Patienten während der
Aufgabe auch keine Steigerung des lokalen zerebralen Blutflusses im Hippokampus
und in visuellen Assoziationsarealen. Gemäß der bereits genannten Studie zu
olfaktorisch evozierten Potentialen (Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Owzar, K. et al.,
2003) ist eine negative Korrelation zwischen P2-Latenz und Identifikationsleistung zu
vermuten.
Auch zur subjektiven Bewertung von Geruchsreizen finden sich verschiedene
Studien. Bezüglich der Intensitätswahrnehmung von Düften ergaben sich in mehreren
Untersuchungen keine Unterschiede zwischen Schizophrenen und Gesunden (Hudry,
J., Saoud, M., D'Amato, T. et al., 2002; Moberg, P.J., Arnold, S.E., Doty, R.L. et al.,
2003; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I.,
Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b). Entsprechend kommen auch
Atanasova und Kollegen (2008) zu dem Schluss, dass bei Schizophreniepatienten von
intakten Intensitätseinschätzungen ausgegangen werden kann.
20
Zum Thema der hedonischen Beurteilung von Duftstoffen sollen zunächst
einige Befunde zu hirnfunktionellen Besonderheiten schizophrener Patienten
aufgegriffen werden. So ergaben sich in einer PET-Untersuchung (Crespo-Facorro,
B., Paradiso, S., Andreasen, N.C. et al., 2001) bei Stimulation mit einem
unangenehmen Geruch Unterschiede im Aktivierungsmuster zwischen Patienten und
gesunden Kontrollprobanden: anstelle einer Aktivierung in limbischen und
paralimbischen Regionen (Insula, Nucleus accumbens, Gyrus parahippocampalis),
zeigten schizophrene Patienten eine erhöhte Aktivität im frontokortikalen Bereich. In
einer fMRT-Studie (Schneider, F., Habel, U., Reske, M. et al., 2007) ergab sich unter
Stimulation mit einem unangenehmen Geruch für schizophrene Probanden eine
Hypoaktivität in Gebieten des rechten frontalen und temporalen Kortex.
In Bezug auf die subjektive hedonische Bewertung von Geruchsreizen ist die
Datenlage gegenwärtig als unklar zu bezeichnen. Crespo-Facorro und Kollegen
(2001) ließen schizophrene Patienten zwei verschiedene Düfte beurteilen, und zwar
einen angenehmen (Vanillin) und einen unangenehmen (4-Methylpentansäure). Im
Vergleich mit gesunden Kontrollprobanden ergaben sich dabei keine Unterschiede in
der Bewertung des unangenehmen Geruchs, wohl aber bei der Bewertung des
angenehmen Duftes: Patienten beurteilten Vanillin als weniger angenehm oder stuften
es sogar vermehrt als unangenehm riechend ein. Die Schwere psychotischer
Symptome korrelierte dabei negativ mit den Ratings für den unangenehmen Geruch,
so dass Patienten mit einer stärkeren Ausprägung einer floriden psychotischen
Symptomatik den unangenehmen Stimulus als unangenehmer beurteilten. Doop und
Park (2006) verwendeten die 40 Gerüche des University of Pennsylvania Smell
Identification Test, um hedonische Bewertungen zu erfassen. Dabei gaben die
schizophrenen Probanden mehr positive Beurteilungen ab als Gesunde, benutzten
dabei allerdings nicht die volle Breite der Schätzskala, sondern nur einen
eingeschränkten, zum positiven Pol hin verschobenen Bereich. In der Patientengruppe
ergab sich außerdem eine positive Korrelation zwischen den hedonischen Ratings und
einer Skala zur Erfassung affektiver Verflachung und die Patienten, die mehr negative
Symptome berichteten, zeigten eine größere Einengung des Beurteilungsspektrums.
In einer weiteren Studie zur affektiven Beurteilung von Geruchsreizen (Hudry, J.,
Saoud, M., D'Amato, T. et al., 2002) ergaben sich bei den Patienten verminderte
hedonische Einstufungen. Die Arbeitsgruppe um Moberg (2003) verwendete
verschiedene Konzentrationen der Substanz Amyl Acetat als Teststimuli. Dabei
21
stuften
gesunde
Kontrollpersonen
beiderlei
Geschlechts
und
weibliche
Schizophreniepatienten niedrigere Konzentrationen des Duftstoffs als angenehmer
ein, während männliche Schizophrene ein umgekehrtes Beurteilungsmuster zeigten.
In einer PET-Studie (Plailly, J., d'Amato, T., Saoud, M. et al., 2006) schätzten
schizophrene Patienten im Vergleich zu Gesunden die präsentierten angenehmen
Testgerüche als weniger angenehm ein. Auf hirnfunktioneller Ebene ergaben sich
entsprechend Anomalien in linkshemissphärischen Regionen der Insula, des Gyrus
frontalis inferior und des anterioren piriformen Cortex/Putamens. In zwei Studien an
ausschließlich männlichen Schizophrenen erhob die Arbeitsgruppe um Rupp (Rupp,
C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker,
W.W., Kemmler, G. et al., 2005b) bei den Patienten Einstufungen der Teststimuli als
angenehmer.
Die inkonsistente Datenlage im Bereich der subjektiven hedonischen
Bewertung von Geruchsreizen kann zum Teil auf methodologische Unterschiede
zwischen den einzelnen Studien zurückgeführt werden. So verwendeten die
Untersuchungsteams zum Beispiel verschiedenartige Zusammenstellungen von
Teststimuli. In einigen Studien wurden den Probanden nur ein oder zwei Duftstoffe
angeboten (Crespo-Facorro, B., Paradiso, S., Andreasen, N.C. et al., 2001; Moberg,
P.J., Arnold, S.E., Doty, R.L. et al., 2003), während andere Untersucher 40 oder mehr
Geruchsreize verwendeten (Doop, M.L. & Park, S., 2006; Plailly, J., d'Amato, T.,
Saoud, M. et al., 2006). Nicht in allen dargestellten Studien wurde außerdem die
Schwere der erlebten psychotischen Symptomatik systematisch berücksichtigt
(Plailly, J., d'Amato, T., Saoud, M. et al., 2006; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W.,
Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al.,
2005b). Wieder muss zudem erwähnt werden, dass bei keiner der genannten
Untersuchungen ein Testverfahren zur Erfassung der Anhedonie zum Einsatz kam.
Auch für Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis ist Anhedonie kein
obligates Symptom (American Psychiatric Association, 2000; Dilling, H., Mombour,
W. & Schmidt, M.H., 1991), so dass nicht automatisch davon ausgegangen werden
kann,
dass
alle
Beschwerden leiden.
Studienteilnehmer
auch
tatsächlich
unter
entsprechenden
22
3.3.3.
Geruchswahrnehmung bei Demenzpatienten
Zunächst ist bekannt, dass es mit steigendem Lebensalter zu Veränderungen im
Geruchsvermögen kommt. Einen Überblick liefern zum Beispiel Biacabe, Nores und
Bonfils (1999). Unabhängig davon gibt es zahlreiche Belege für Defizite in der
Geruchswahrnehmung von Demenzpatienten, wobei hier besonders Alzheimerkranke
deutlich schlechter abzuschneiden scheinen als gleichaltrige gesunde Personen.
Überblicksarbeiten zum gegenwärtigen Stand der Forschung liefern unter anderem
Atanasova und Kollegen (2008), Demarquay, Ryvlin und Royet (2007), Hawkes
(2006) oder Mesholam, Moberg, Mahr und Doty (1998). Inzwischen sind die Belege
für olfaktorische
Defizite bei
Demenzpatienten
so
zahlreich,
dass
sogar
vorgeschlagen wurde, sie als ein Diagnosekriterium für die Alzheimererkrankung
aufzunehmen (Foster, J., Sohrabi, H., Verdile, G. et al., 2008). Vertreter der
sogenannten Vektorhypothese gehen davon aus, dass degenerative Erkrankungen des
Gehirns wie Alzheimer oder Parkinson ihren Ausgangspunkt in olfaktorischen
Regionen nehmen und durch bisher noch unbekannte flüchtige Substanzen verursacht
werden, die das Gehirn über die Nase erreichen (Doty, R.L., 1991; Doty, R.L., 2008).
In der Literatur finden sich tatsächlich Belege für strukturelle Anomalien im
Riechsystem von Demenzkranken. So ergaben sich zum Beispiel Hinweise auf
pathologische Veränderungen in Riechschleimhaut (Brouillard, M., Laccourreye, L.,
Jabbour, W. et al., 1994) und Riechepithel von Alzheimerpatienten (Altman, J.,
1989). Die Arbeitsgruppe um Attems (Attems, J., Lintner, F. & Jellinger, K.A., 2005;
Attems, J. & Jellinger, K.A., 2006) berichtet von pathologischen Tau-ProteinAblagerungen im Nervus und Bulbus olfactorius autopsierter Alzheimerfälle. In einer
weiteren Autopsiestudie fanden sie ebenfalls alzheimer-typische degenerative
Veränderungen in Tractus und Bulbus olfactorius von Alzheimerpatienten. In einer
anderen Untersuchung (ter Laak, H.J., Renkawek, K. & van Workum, F.P., 1994)
ergab sich bei Alzheimerpatienten eine Volumenminderung des Bulbus olfactorius.
Kovacs, Cairns und Lantos (2001) beschäftigten sich mit dem zeitlichen Verlauf von
pathologischen Veränderungen in verschiedenen Hirnarealen des Riechsystems von
Alzheimerpatienten. Dabei fanden sich schon in sehr frühen Erkrankungsstadien
Anomalien im Bulbus olfactorius, während der primäre olfaktorische Kortex erst
später betroffen war. Mehrere Forschergruppen berichten von pathologischen
Veränderungen in Hippokampus und entorhinalem Kortex bei Alzheimerpatienten
23
(Kesslak, J.P., Nalcioglu, O. & Cotman, C.W., 1991; Thompson, M.D., Knee, K. &
Golden, C.J., 1998).
Auf funktioneller Ebene fanden sich ebenfalls Unterschiede zwischen
Demenzpatienten und gesunden Kontrollpersonen. In einer PET-Studie (Kareken,
D.A., Doty, R.L., Moberg, P.J. et al., 2001) zeigten Alzheimerpatienten im Vergleich
mit gesunden älteren Probanden bei olfaktorischer Stimulation eine verminderte
Aktivität im rechten piriformen Kortex und im anterior-ventralen Teil des temporalen
Kortex. In einer Studie zu olfaktorisch evozierten Potentialen (Morgan, C.D. &
Murphy, C., 2002) ergaben sich bei Alzheimerkranken verlängerte P2- und P3Latenzen.
Diese
korrelierten
außerdem
signifikant
mit
der
Schwere
der
Demenzsymptomatik, so dass Patienten im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium
besonders große Latenzen zeigten.
Zur Riechschwelle von Demenzpatienten finden sich widersprüchliche
Ergebnisse. In einigen Studien ergaben sich keine Unterschiede zwischen AlzheimerPatienten und gesunden Kontrollen (Kareken, D.A., Doty, R.L., Moberg, P.J. et al.,
2001; Koss, E., Weiffenbach, J.M., Haxby, J.V. et al., 1988; Larsson, M., Semb, H.,
Winblad, B. et al., 1999), während in anderen Untersuchungen Alzheimerkranke
(Chan, A., Tam, J., Murphy, C. et al., 2002; Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De
Sousa, K. et al., 2008; Doty, R.L., Reyes, P.F. & Gregor, T., 1987; Lehrner, J.P.,
Brucke, T., Dal-Bianco, P. et al., 1997; Murphy, C., Gilmore, M.M., Seery, C.S. et
al., 1990) und Patienten mit der Diagnose einer leichten kognitiven Störung
(Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008) signifikant schlechter
abschnitten. In einer Metaanalyse über 43 Studien kommen Mesholam, Moberg,
Mahr
und
Doty
(1998)
zusammenfassend
zu
dem
Ergebnis,
dass
für
Alzheimerpatienten von einer signifikanten Erhöhung der Riechschwelle auszugehen
ist. In einer Untersuchung fand sich auch ein direkter Zusammenhang zwischen der
Ausprägung der Demenzsymptomatik und einer verminderten Leistung im
Schwellentest (Murphy, C., Gilmore, M.M., Seery, C.S. et al., 1990).
Zur olfaktorischen Diskriminationsfähigkeit von Demenzpatienten finden sich
nur wenige Daten. In den verfügbaren Untersuchungen ergaben sich für AlzheimerBetroffene jedoch auch in diesem Bereich signifikante Leistungsdefizite (Djordjevic,
J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008; Luzzi, S., Snowden, J.S., Neary, D.
et al., 2007). Dabei kann vermutlich von einem positiven Zusammenhang zwischen
24
kognitiven Defiziten und Einschränkungen der Diskriminationsfähigkeit ausgegangen
werden (Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008).
Defizite in der Identifikationsleistung von Demenzpatienten sind inzwischen
vielfach belegt, am häufigsten für die Alzheimerdemenz (Chan, A., Tam, J., Murphy,
C. et al., 2002; Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008; Doty,
R.L., Reyes, P.F. & Gregor, T., 1987; Duff, K., McCaffrey, R.J. & Solomon, G.S.,
2002; Gray, A.J., Staples, V., Murren, K. et al., 2001; Kareken, D.A., Doty, R.L.,
Moberg, P.J. et al., 2001; Kesslak, J.P., Cotman, C.W., Chui, H.C. et al., 1988;
Larsson, M., Semb, H., Winblad, B. et al., 1999; Lehrner, J.P., Brucke, T., DalBianco, P. et al., 1997; McLaughlin, N.C. & Westervelt, H.J., 2008; Rezek, D.L.,
1987; Royet, J.P., Croisile, B., Williamson-Vasta, R. et al., 2001; Serby, M., Larson,
P. & Kalkstein, D., 1991; Suzuki, Y., Yamamoto, S., Umegaki, H. et al., 2004), aber
auch für vaskuläre Demenz (Gray, A.J., Staples, V., Murren, K. et al., 2001),
frontotemporale Demenz (Luzzi, S., Snowden, J.S., Neary, D. et al., 2007;
McLaughlin, N.C. & Westervelt, H.J., 2008), Lewy-Body-Demenz (Westervelt, H.J.,
Stern, R.A. & Tremont, G., 2003; Williams, S.S., Williams, J., Combrinck, M. et al.,
2009) und die Diagnose der leichten kognitiven Störung (Djordjevic, J., JonesGotman, M., De Sousa, K. et al., 2008; Eibenstein, A., Fioretti, A.B., Simaskou, M.N.
et al., 2005; Wang, Q.S., Tian, L., Huang, Y.L. et al., 2002). Aber auch bei gesunden
Verwandten von Alzheimerpatienten (Handley, O.J., Morrison, C.M., Miles, C. et al.,
2006; Serby, M., Mohan, C., Aryan, M. et al., 1996) und bei nicht betroffenen
Personen, die Träger des ApoE4-Allels sind (Calhoun-Haney, R. & Murphy, C.,
2005; Murphy, C., Bacon, A.W., Bondi, M.W. et al., 1998; Salerno-Kennedy, R.,
Cusack, S. & Cashman, K.D., 2005; Wang, Q.S., Tian, L., Huang, Y.L. et al., 2002),
eines genetischen Markers für ein erhöhtes Risiko an Alzheimer zu erkranken, findet
sich gehäuft eine verminderte Fähigkeit zur Identifikation von Gerüchen.
Identifikationsdefizite
scheinen
im
Laufe
einer
Alzheimererkrankung
mit
Fortschreiten der kognitiven Defizite ebenfalls zuzunehmen (Serby, M., Larson, P. &
Kalkstein, D., 1991). In anderen Untersuchungen fand sich ein positiver
Zusammenhang zwischen dem Ausmaß kognitiver Leistungseinschränkungen und
Identifikationsdefiziten (Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008;
Larsson, M., Semb, H., Winblad, B. et al., 1999; Suzuki, Y., Yamamoto, S.,
Umegaki, H. et al., 2004). In verschiedenen Studien erwies sich eine eingeschränkte
Fähigkeit zur Identifikation von Gerüchen bei älteren Menschen auch als ein
25
Prädiktor für das Auftreten von kognitiven Beeinträchtigungen im weiteren Verlauf
(Schubert, C.R., Carmichael, L.L., Murphy, C. et al., 2008; Wilson, R.S., Schneider,
J.A., Arnold, S.E. et al., 2007) und für den Übergang von einer leichten kognitiven
Störung hin zu einer Alzheimerdemenz (Devanand, D.P., Michaels-Marston, K.S.,
Liu, X. et al., 2000; Devanand, D.P., Liu, X., Tabert, M.H. et al., 2008). Auf
hirnstruktureller Ebene fanden sich Zusammenhänge zwischen schlechterer Leistung
im Identifikationstest und einer Volumenreduktion im Gyrus parahippocampalis
(Kesslak, J.P., Nalcioglu, O. & Cotman, C.W., 1991) und linken Hippokampus
(Murphy, C., Jernigan, T.L. & Fennema-Notestine, C., 2003). In einer Autopsiestudie
(Wilson, R.S., Arnold, S.E., Schneider, J.A. et al., 2007) ergab sich ein inverser
Zusammenhang
zwischen
der
Identifikationsleistung
und
der
Dichte
von
neurofibrillären Tau-Protein-Ablagerungen im Hippokampus und entorhinalen Kortex
von Alzheimerfällen.
In einer Studie zu subjektiven Geruchsbewertungen (Royet, J.P., Croisile, B.,
Williamson-Vasta, R. et al., 2001) zeigten Alzheimerpatienten eine Tendenz, die
Teststimuli als weniger intensiv zu beurteilen als gesunde Kontrollen. Für die
ebenfalls erfassten hedonischen Ratings ergaben sich entgegen der Erwartungen der
Studienleiter keine Gruppenunterschiede. Die Autoren verweisen in diesem
Zusammenhang auf eine eigene frühere Untersuchung an Epilepsiepatienten mit
Anfällen, die ihren Ursprung in Amygdala oder Hippokampus nahmen. Bei dieser
Patientengruppe hatten sie reduzierte hedonische Einschätzungen gefunden. Sie
schlussfolgern deshalb, dass in ihrer Gruppe von Alzheimerpatienten die Erkrankung
möglicherweise noch nicht so stark fortgeschritten war, als dass die Amygdala bereits
betroffen gewesen wäre.
3.3.4.
Geruchswahrnehmung
bei
Patienten
mit
Angsterkrankungen
Im Tierreich spielen Gerüche und der Geruchssinn im Zusammenhang mit
Angstreaktionen eine große Rolle. Man denke hier zum Beispiel an eine Herde von
Gazellen, die den Duft eines Löwen wittern. Zahlreiche Tierexperimente nutzen
deshalb olfaktorische Stimuli, wie den Geruch eines Fressfeindes, um bei den
Versuchstieren Angstreaktionen auszulösen (Canteras, N.S., Kroon, J.A., Do-Monte,
F.H. et al., 2008; Zangrossi, H., Jr. & File, S.E., 1992). Beim Menschen ist bekannt,
26
dass Gerüche, die im Zusammenhang mit einer traumatischen Erfahrung
wahrgenommen worden sind, später pathologische Angst- und Panikreaktionen
auslösen können (Hinton, D., Pich, V., Chhean, D. et al., 2004; Hinton, D.E., Pich,
V., Chhean, D. et al., 2004; Vermetten, E. & Bremner, J.D., 2003).
Chemosensorische Angstsignale, also der Geruch von Angstschweiß, spielen
nicht nur bei Tieren eine Rolle in der interpersonellen Kommunikation. Verschiedene
Studien zeigen, dass auch Menschen dazu in der Lage sind, die Emotion des Spenders
korrekt zu benennen, wenn ihnen Proben von in Angstsituationen gewonnenem
Schweiß präsentiert werden (Chen, D. & Haviland-Jones, J., 2000; Pause, B.M.,
Adolph, D., Prehn-Kristensen, A. et al., 2009). Auch auf der Verhaltensebene lassen
sich Effekte der Exposition mit chemosensorischen Angstsignalen nachweisen. So
zeigten Probanden, die dem Geruch von Angstschweiß ausgesetzt waren, zum
Beispiel eine verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit (Chen, D., Katdare, A. &
Lucas, N., 2006), eine verstärkte Schreckreaktion (Pause, B.M., Adolph, D., PrehnKristensen, A. et al., 2009; Prehn, A., Ohrt, A., Sojka, B. et al., 2006) oder eine
Aktivierung von Hirnarealen, die mit sozialer Wahrnehmung und Empathie in
Verbindung gebracht werden (Prehn-Kristensen, A., Wiesner, C., Bergmann, T.O. et
al., 2009).
Trotz dieser Hinweise auf Verbindungen zwischen olfaktorischem System und
Angstreaktionen ist die Datenlage zum Riechvermögen von Angstpatienten als
unzureichend zu bezeichnen. In einer EEG-Untersuchung an unmedizierten
Panikpatienten (Locatelli, M., Bellodi, L., Perna, G. et al., 1993) fand sich unter
olfaktorischen Stimulationsbedingungen eine abnorme hirnelektrische Aktivität im
Bereich des Temporallappens. Ob und inwiefern sich solche Anomalien auch in Form
von veränderten Leistungsparametern bei Geruchstestungen niederschlagen könnten,
lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht genauer bestimmen.
Kopala und Good (1996) untersuchten die Identifikationsleistung von zehn
Personen mit der Diagnose einer Panikstörung unter psychopharmakologischer
Behandlung mit Benzodiazepinen und/oder Antidepressiva. Im Vergleich mit einer
gesunden Kontrollgruppe ergaben sich dabei keine Unterschiede in der Fähigkeit,
Gerüche korrekt zu benennen. Dieser Befund lässt die Autoren zu dem Schluss
kommen, dass Psychopharmaka die Identifikationsleistung psychiatrischer Patienten
nicht zu beeinflussen scheinen.
27
4.
Ziele der Untersuchung
Wie bereits dargestellt (siehe Kapitel 3.3), sind also bei verschiedenen
psychiatrischen Erkrankungen Veränderungen des Geruchssinns belegt. Die genaue
Natur und neuronale Repräsentation dieser Veränderungen bleiben allerdings in
vielen Fällen noch unklar. Ein in der Literatur gegenwärtig noch vernachlässigter,
beziehungsweise diskussionswürdiger Bereich ist die hedonische Bewertung von
Geruchsreizen bei psychiatrischen Patienten. Dies ist umso erstaunlicher, als
Anhedonie ein sehr häufig auftretendes Symptom verschiedener Störungsbilder
darstellt und für die betroffenen Patienten einen hohen Grad an subjektiver Belastung
bedeutet (siehe Kapitel 3.1). Inwiefern sich dieses Symptom möglicherweise auf einer
basalen physiologischen Ebene in Form einer veränderten Bewertung sensorischer
Reize niederschlägt, bleibt jedoch bisher unklar. Entsprechend kommen auch
Atanasova und Kollegen zu der bereits genannten Schlussfolgerung: „it is interesting
to study the possibility that anhedonia can be expressed also at the olfactory level“
(2008; S. 1322). Die geschilderten Voruntersuchungen (siehe Kapitel 3.3) legen
jedoch nahe, dass wohl nicht von einem einfachen Zusammenhang zwischen
Anhedonie und einer verminderten hedonischen Einschätzung von Geruchsreizen
ausgegangen werden kann, sondern komplexere Prozesse angenommen werden
müssen.
Ziel dieser Untersuchung ist es deshalb, die Zusammenhänge zwischen den
einzelnen Störungsbildern, dem Symptom der Anhedonie und der hedonischen
Bewertung von Geruchsstoffen genauer zu beleuchten. Im Einzelnen sollen folgende
Fragestellungen geklärt werden:
•
Finden sich bei Patienten aus den vier Störungsgruppen Depression,
Schizophrenie,
Depression
Geruchsleistung,
Identifikation
erfasst
und
und
über
Angst
die
Diskrimination
Veränderungen
Testung
von
(beziehungsweise
in
der
Riechschwelle,
lassen
sich
entsprechende Vorbefunde replizieren)?
•
Ergeben sich bei den Patientengruppen Veränderungen in der subjektiven
Bewertung von Geruchsreizen in Bezug auf Intensitäts- und hedonische
Einschätzungen?
28
•
Stehen etwaige Veränderungen der Riechleistung in Zusammenhang mit
Verlaufsaspekten der einzelnen Störungsbilder (Erstuntersuchung vs.
Follow-up)?
•
Ergeben
sich
Zusammenhänge
zwischen
Veränderungen
in
der
subjektiven Bewertung von Geruchsreizen und störungsspezifischen
Symptommaßen?
•
Ergeben
sich
Zusammenhänge
zwischen
Veränderungen
in
der
subjektiven Bewertung von Geruchsreizen und dem Ausprägungsgrad
erlebter Anhedonie?
5.
Material und Methoden
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Methodik der vorliegenden Studie.
Dabei soll zunächst das Probandenkollektiv beschrieben werden (siehe Kapitel 5.1),
danach die verwendeten Testverfahren (siehe Kapitel 5.2.) und der genaue
Untersuchungsablauf (siehe Kapitel 5.3.).
5.1.
Teilnehmende Probanden
Untersucht werden sollte die Riechwahrnehmung zunächst bei drei verschiedenen
psychiatrischen Populationen: Patienten mit Depression, Patienten mit Schizophrenie
und Patienten mit Demenz. Die Probanden wurden aus dem Patientenpool dreier
verschiedener klinischer Einrichtungen rekrutiert:
•
Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik der Friedrich-AlexanderUniversität Erlangen-Nürnberg
•
Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik des Klinikums Nürnberg
Nord
•
Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg
29
Folgende Einschlusskriterien wurden für die Teilnahme an der Studie festgelegt:
•
Alter der Probanden: 18-75 Jahre
•
keine
bekannten
Geruchsstörungen
oder
geruchsrelevante
(Vor-)
Erkrankungen
•
keine komorbiden Achse-I-Störungen neben der geforderten Hauptdiagnose
•
für die Gruppe der depressiven Patienten:
eine Diagnose nach ICD-10 (Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H.,
1991) aus den folgenden Bereichen: F32.XX, F33.XX, F34.1, F38.1X
•
für die Gruppe der schizophrenen Patienten:
eine Diagnose nach ICD-10 (Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H.,
1991) aus dem Bereich F20.XX
•
für die Gruppe der Demenzpatienten:
eine Diagnose nach ICD-10 (Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H.,
1991) aus den folgenden Bereichen: F00.XX, F01.XX, F02.XX, F03.XX,
F06.7
Das Vorliegen der Einschlusskriterien wurde anhand der Aktenlage und mit Hilfe
eines Anamnesegesprächs geprüft.
Stichprobengröße und Altersverteilung der drei Untersuchungsgruppen
können Tab. 1 entnommen werden.
Tab. 1 Stichprobencharakteristika der drei Untersuchungsgruppen.
Untersuchungs-
N
Männer
gruppe
N
Frauen
Alter:
Alter:
Alter:
M
Range
SD
N
Alter:
Alter:
Alter:
M
Range
SD
Depression
37
16
48.31
23-71
11.95
21
47.52
29-66
11.33
Schizophrenie
34
24
33.50
19-54
10.27
10
38.70
25-60
12.08
Demenz
18
12
61.92
47-75
8.99
6
58.83
46-69
8.13
Gesunde Kontrollgruppen wurden aus der Datenbank Hedos-F (Markovic, K.,
Reulbach, U., Vassiliadu, A. et al., 2007; Thuerauf, N., Gossler, A., Lunkenheimer, J.
et al., 2008)
gezogen, und zwar nach
Geschlecht
und Alter zu den
Experimentalgruppen parallelisiert. Zur Kontrolle von möglichen Effekten einer
antidepressiven Medikation wurde eine weitere Gruppe von Patienten mit einer
30
Angsterkrankung unter Antidepressiva-Therapie untersucht (Diagnosen nach ICD-10
aus den Bereichen F40.XX und F41.0, F41.1). Angstpatienten werden genau wie
Depressive häufig mit Antidepressiva behandelt, zeigen jedoch nach allgemeiner
Auffassung keine anhedonen Symptome (Burns, D.D. & Eidelson, R.J., 1998; Clark,
D.A., Beck, A.T. & Beck, J.S., 1994). Diese klinische Kontrollgruppe setzte sich aus
17 Personen zusammen, davon acht Frauen (Alter: 21-56 Jahre; M=36.62; SD=11.27)
und neun Männer (Alter: 27-60 Jahre; M=44.67; SD=11.55).
5.2.
Verwendete Erhebungsinstrumente
5.2.1.
Subjektive Geruchstestung mit dem Sniffin’ Sticks Test
Abb. 3 Der Sniffin' Sticks Test.
(Foto: Burghart Medizintechnik, Wedel)
Eine subjektive Geruchstestung der Probanden wurde mit dem in Abb. 3 dargestellten
Sniffin’ Sticks Test (Burghart Medizintechnik, Wedel) durchgeführt. Dabei wird mit
Geruchsproben in Form von Stiften, ähnlich den bekannten Filzstiften, gearbeitet. Der
Test besteht zunächst aus drei Teilen: Schwellenbestimmung, Diskrimination und
Identifikation. Jeder Untertest wird für die beiden Nasenlöcher getrennt durchgeführt.
Das nicht zu verwendende Nasenloch verschließt die Versuchsperson dabei jeweils
mit einem Finger.
Für die Schwellenbestimmung werden 16 Stifte-Tripletts verwendet, bei
denen jeweils zwei Stifte nur Lösungsmittel enthalten und einer mit der Substanz n-
31
Butanol getränkt ist. Die Tipletts enthalten n-Butanol in aufsteigender Konzentration,
wobei das Triplett mit der Nummer 1 für die stärkste Konzentration steht. Der
Proband wird zunächst mit dem Geruch von n-Butanol vertraut gemacht, indem ihm
der Ziel-Stift des ersten Tripletts angeboten wird. Bei der Testung hält der
Versuchsleiter jeweils nacheinander die drei Stifte eines Tripletts vor das Nasenloch
des Probanden. Dieser muss entscheiden, welcher der drei dargebotenen Stifte seiner
Einschätzung nach der mit n-Butanol getränkte gewesen ist. In der ersten Testrunde
werden der Versuchsperson die Tripletts der Verdünnungsstufen 16, 14, 12 etc. in
aufsteigender Reihenfolge angeboten, und zwar so lange, bis der Patient ein Triplett
richtig erkannt hat. Ein solches richtig erkanntes Triplett wird immer noch ein zweites
Mal angeboten, erst dann gilt das Triplett dieser Verdünnungsstufe als korrekt
erkannt. In der darauf folgenden zweiten Testrunde werden dem Probanden
ausgehend vom in der vorherigen Runde richtig erkannten Triplett Stifte-Tripletts in
absteigender Reihenfolge dargeboten. Erkennt der Proband dabei zum ersten Mal den
Zielreiz nicht mehr, erfolgt nach diesem zweiten Wendepunkt der Übergang zur
dritten Testrunde. Ausgehend vom Wendepunkt werden wieder in aufsteigender
Reihenfolge Verdünnungsstufen angeboten, so lange bis die Versuchsperson dasselbe
Triplett zweimal hintereinander richtig erkannt hat. In gleicher Weise werden
insgesamt sieben Wendepunkte erhoben. Die Geruchsschwelle berechnet sich danach
als Mittelwert der Verdünnungsstufen, die die vier letzten Wendepunkte darstellen.
Somit ergibt sich für den Schwellentest ein Wertebereich von 1-16 Punkten.
Beim
Diskriminationstest
werden
dem
Probanden
Tripletts
von
Geruchsproben angeboten, bei denen sich jeweils ein Stift von den beiden anderen
unterscheidet, die Träger eines identischen Geruchs sind. Die Aufgabe für den
Probanden besteht darin zu entscheiden, welcher der drei Stifte der verschieden
riechende gewesen ist. Jede richtige Antwort des Probanden wird dabei mit einem
Punkt bewertet. Bei 16 Tripletts von Geruchsproben ergibt sich damit für den
Diskriminationstest ein Wertebereich von 0 bis 16 Punkten.
Beim Identifikationstest ist es die Aufgabe des Probanden, die dargebotenen
Gerüche zu benennen. Dazu werden ihm nacheinander 16 verschiedene
Geruchsproben vorgegeben: Orange, Schuhleder, Zimt, Pfefferminz, Banane, Zitrone,
Lakritz, Terpentin, Knoblauch, Kaffee, Apfel, Gewürznelke, Ananas, Rose, Anis und
Fisch. In einem Multiple-Choice-Format erhält die Versuchsperson zu jedem Stift
eine Liste mit vier möglichen Deskriptoren (z.B. für Stift 1: Orange, Brombeere,
32
Erdbeere, Ananas), aus der das zutreffende Label auszuwählen ist. Für jeden korrekt
identifizierten Stift erhält der Proband einen Punkt, was bei 16 Teststimuli einen
Wertebereich von 0 bis 16 Punkten bedeutet.
Wie bereits früher beschrieben (Markovic, K., Reulbach, U., Vassiliadu, A. et
al., 2007; Thuerauf, N., Gossler, A., Lunkenheimer, J. et al., 2008), wurde der
Sniffin’ Sticks Test auch im Rahmen dieser Untersuchung um die Erfassung von
Hedonik- und Intensitätseinschätzungen erweitert. Als Teststimuli werden dazu die
16 Stifte des Identifikationstests verwendet. Neben der korrekten Identifikation hat
der Proband dabei die Aufgabe, für jeden Geruch auf einer in Papierform
dargebotenen visuellen Analogskala die Hedonik und die wahrgenommene Intensität
zu beurteilen. Für die Hedonik steht ihm dazu eine visuelle Analogskala von 20cm
Länge mit den beiden Polen „Maximal unangenehm“ und „Maximal angenehm“ zur
Verfügung. Zusätzlich ist die Mitte der Skala mit einer 0 gekennzeichnet, die als
Ankerpunkt für als neutral empfundene Gerüche dienen soll, also solche, die weder
als besonders angenehm noch als besonders unangenehm empfunden werden. Der
Proband markiert seine Einschätzung mit einem Stift auf der vorgegebenen Linie,
später werden die Eintragungen mit einem Lineal ausgemessen. Für das hedonische
Urteil zu jedem einzelnen Stift ergibt sich somit ein Messwert im Bereich von -20 bis
+20.
Vor
der
statistischen
Auswertung
werden
die
Messwerte
einer
Untersuchungsgruppe für alle Einzelstifte in der Regel unter Berücksichtigung des
jeweiligen Vorzeichens aufsummiert und gemittelt zu relativen hedonischen
Einschätzungen. Für Berechnungen können außerdem auch absolute hedonische
Ratings verwendet werden. Dazu werden die Beträge der einzelnen Messwerte
aufsummiert und ebenfalls ein Mittelwert gebildet. Der Zahlenwert für die absoluten
hedonischen Einschätzungen spiegelt dann den Range der Beurteilungen wider.
Bei der Intensitätseinschätzung wird ebenfalls eine visuelle Analogskala von
20cm Länge mit den Extrempolen „Sehr geringe Intensität“ und „Sehr hohe
Intensität“
verwendet.
Nach
dem
Vermessen
ergibt
sich
für
die
Intensitätseinschätzung jedes Stiftes ein Messwert zwischen 0 und +20. Für die
statistischen Analysen können die Werte der Einzelstifte wiederum zu einem
Gesamtwert aufsummiert und gemittelt werden.
33
5.2.2.
Psychologische Diagnostik
Neben dem Geruchstest kamen im Rahmen der Untersuchung auch verschiedene
psychologische Testverfahren zum Einsatz. Dabei ging es zum einen um die
Erhebung der erlebten Anhedonie bei den Probanden und zum anderen um die
Erfassung des Schweregrads der jeweils vorliegenden psychiatrischen Symptomatik.
Bei der Auswahl der Testverfahren wurde neben psychometrischen Kriterien
besonderer Wert auf eine möglichst kurze Bearbeitungsdauer gelegt, um die
Belastung durch die Testsituation für die Probanden gering halten zu können.
Zur Erfassung der erlebten Anhedonie wurde der SHAPS (Snaith-Hamilton
Pleasure Scale) (Franz, M., Lemke, M.R., Meyer, T. et al., 2005) verwendet. Zur
Schweregradbestimmung der jeweiligen psychiatrischen Symptomatik kamen die in
Tab. 2 aufgelisteten psychologischen Testverfahren zum Einsatz.
Tab. 2 Verwendete testpsychologische Verfahren.
Störungsbild
Erfassung des Schweregrads der psychiatrischen Symptomatik
Depression
BDI
(Beck-Depressions-Inventar)
(Hautzinger, M., Bailer, M., Worall, H. et al., 1994)
Schizophrenie
PANSS
(Positive and Negative Syndrome Scale)
(Kay, S.R., Opler, L.A. & Fiszbein, A., 2006)
Demenz
MMST
(Mini Mental Status Test)
(Kessler, J., Markowitsch, H.J. & Denzler, P., 2000)
Angst
BAI
(Beck Angst-Inventar)
(Margraf, J. & Ehlers, A., 2007)
Snaith-Hamilton-Pleasure-Scale (SHAPS):
Der
SHAPS
ist
ein
Selbstbeurteilungsinstrument
zur
Erfassung
des
Ausprägungsgrades erlebter Anhedonie. Die Bearbeitungszeit beträgt fünf bis zehn
Minuten. Der Fragebogen besteht aus 14 Items, die jeweils eine potentiell angenehme
oder genussvolle Aktivität beschreiben, wie zum Beispiel: „Meine Lieblingssendung
im Fernsehen oder Radio würde mir Vergnügen bereiten“, „Ich könnte mein
Lieblingsessen genießen“ oder „Es würde mich freuen, anderen zu helfen“. Bei jedem
34
Item kann der Proband zwischen vier Antwortalternativen wählen: „Ich stimme
überhaupt nicht zu“ (= 1 Punkt), „Ich stimme nicht zu“ (= 1 Punkt), „Ich stimme zu“
(= 0 Punkte) und „Ich stimme voll zu“ (= 0 Punkte). Der Wertebereich des SHAPS
liegt somit zwischen 0 und 14 Punkten, wobei höhere Werte eine stärkere
Ausprägung erlebter Anhedonie repräsentieren.
Beck-Depressions-Inventar (BDI):
Der BDI ist ein Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung des Schweregrads einer
depressiven Symptomatik mit einer Durchführungszeit von fünf bis zehn Minuten.
Die Einschätzung des Probanden bezieht sich auf die letzte Woche. In 21 Items
werden typische Symptome einer depressiven Episode aufgelistet, und zwar jeweils
in vier verschiedenen Ausprägungsgraden von einer nicht vorhandenen (= O Punkte)
bis hin zu einer sehr starken Belastung (= 3 Punkte) durch das geschilderte Symptom.
Der Patient hat für jedes Item zu entscheiden, welche der vier Abstufungen seinen
Zustand in der letzten Woche am besten beschreibt. Insgesamt ergibt sich für den BDI
somit ein Wertebereich zwischen 0 und 63 Punkten, wobei ab einem Summenwert
von 18 Punkten von einer klinisch relevanten Ausprägung der depressiven
Symptomatik gesprochen wird.
Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS):
Der PANSS besteht zunächst aus einem standardisierten psychiatrischen Interview
von 30 bis 60 Minuten Dauer. Abgefragt werden typische Symptome einer
schizophrenen Erkrankung. Auf der Grundlage der Antworten des Patienten und
seines Verhaltens in der Untersuchungssituation schätzt der Untersucher im
Anschluss den Ausprägungsgrad von 33 verschiedenen Symptomen anhand einer
siebenstufigen Skala von 1 = „Nicht vorhanden“ bis 7 = „Extrem“ ein. Die 30
Symptome sind vier Skalen zugeordnet: Positivskala (Wahnideen, Formale
Denkstörungen,
Halluzinationen,
Erregung,
Größenideen,
Misstrauen/Verfolgungsideen, Feindseligkeit), Negativskala (Affektverflachung,
Emotionaler Rückzug, Mangelnder affektiver Rapport, Passiver/apathischer sozialer
Rückzug, Schwierigkeiten beim abstrakten Denken, Mangel an Spontaneität und
Flüssigkeit des Gesprächsflusses, Stereotype Gedanken), psychopathologische
Globalskala (Sorge um die körperliche Gesundheit, Angst, Schuldgefühle,
Anspannung, Manierismen und unnatürliche Körperhaltung, Depression, Motorische
35
Verlangsamung,
Unkooperatives
Verhalten,
Ungewöhnliche
Denkinhalte,
Desorientiertheit, Mangelnde Aufmerksamkeit, Mangel an Urteilsfähigkeit und
Einsicht, Willensschwäche, Mangelnde Impulskontrolle, Selbstbezogenheit, Aktives
soziales Vermeidungsverhalten) und drei zusätzliche Items zur Erhebung des
Aggressionspotentials der Patienten (Ärger, Schwierigkeiten mit dem Aufschub von
Bedürfnissen, Affektlabilität). Im Rahmen der vorliegenden Studie kamen aus
Gründen der Testökonomie nur die Positiv- und Negativskala zum Einsatz.
Mini Mental Status Test (MMST):
Der MMST ist ein Screeningverfahren zur Erfassung kognitiver Störungen bei älteren
Menschen. Die Bearbeitungsdauer beträgt etwa zehn Minuten. Der Test ist in Form
eines Interviews mit Handlungsaufgaben gestaltet. So werden dem Patienten zum
Beispiel Fragen in Bezug auf die zeitliche und örtliche Orientierung gestellt, einfache
Merkfähigkeitsaufgaben vorgegeben oder geprüft, inwiefern er dazu in der Lage ist,
eine mündliche oder schriftliche Anweisung zu befolgen. Für jede korrekt
beantwortete Aufgabe erhält die Versuchsperson einen Punkt. Der Wertebereich des
MMST liegt zwischen 0 und 30 Punkten. Von einem pathologischen Befund kann ab
einem Summenwert unterhalb von 24-26 Punkten gesprochen werden.
Beck Angst-Inventar (BAI):
Der BAI ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung des Schweregrads
klinischer Ängste mit einer Bearbeitungszeit von fünf bis zehn Minuten. Die
Einschätzung des Probanden bezieht sich auf die letzte Woche. In 21 Items werden
typische Angstsymptome, wie Schwitzen, Schwindel oder Nervosität aufgelistet. Der
Patient entscheidet für jedes Item, wie sehr er sich in der letzten Woche durch dieses
Symptom belastet gefühlt hat. Für seine Einschätzung steht ihm jeweils eine
vierstufige Skala mit den Abstufungen „Überhaupt nicht“ (= 0 Punkte), „Wenig“ (= 1
Punkt), „Mittel“ (= 2 Punkte) und „Stark“ (= 3 Punkte) zur Verfügung. Der Testscore
eines Patienten kann somit im Bereich von 0 bis 63 Punkten liegen. Ab einem Wert
von 26 wird von einer klinisch relevanten Ausprägung der Angstsymptomatik
gesprochen.
36
5.3.
Ablauf der Untersuchung
Die teilnehmenden Patienten wurden zum Zeitpunkt T1 in den oben genannten
klinischen Einrichtungen (siehe Kapitel 5.1.) rekrutiert und untersucht. Alle
Probanden unterzeichneten nach ausführlicher schriftlicher und mündlicher
Information über Zweck und Inhalte der Untersuchung eine Einverständniserklärung.
Entsprechend
der
individuellen
Belastbarkeit
der
Teilnehmer
wurden
die
Untersuchungen auf ein bis drei Sitzungen verteilt.
Für die beiden Kontrollgruppen, also gesunde Probanden und Angstpatienten,
war die Untersuchung mit dieser Messung zum Zeitpunkt T1 beendet. Da die Studie
als
Verlaufsuntersuchung
angelegt
worden
war,
wurden
die
drei
Experimentalgruppen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal telefonisch
und/oder schriftlich zu Hause kontaktiert und darum gebeten, an einer verkürzten
Nachuntersuchung teilzunehmen. Das Intervall zwischen T1 und T2 wurde gemäß
klinischer Verlaufsaspekte der drei untersuchten Störungsbilder gewählt. So erfolgte
die Kontaktaufnahme bei Schizophrenie- und Demenzpatienten ein Jahr nach der
Eingangsuntersuchung, weil bei diesen beiden Patientengruppen eher chronische
Verläufe mit langsamen Veränderungen zu erwarten sind. Depressionspatienten
dagegen wurden bereits sechs Monate nach T1 erneut kontaktiert und telefonisch
bezüglich der aktuell bestehenden Symptomatik befragt. Schilderten die depressiven
Patienten eine vollständige oder zumindest deutliche Remission der Beschwerden,
wurden sie direkt zur Retestung eingeladen. War noch keine ausgeprägte
Verbesserung eingetreten, wurden sie nach jeweils drei weiteren Monaten erneut
kontaktiert und befragt. Tab. 3. gibt für alle Untersuchungsgruppen einen Überblick
über die zum jeweiligen Testzeitpunkt eingesetzten Testverfahren.
37
Tab. 3 Übersicht zu den eingesetzten Untersuchungsmethoden für alle Untersuchungsgruppen und
Testzeitpunkte.
Testverfahren
Experimentalgruppen
Schizophrenie
T1
Sniffin’Sticks:
T2
Kontrollgruppen
Depression
Demenz
T1
T1
T2
Gesunde
Angst
T2
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
Schwelle
Sniffin’Sticks:
Diskrimination
Sniffin’Sticks:
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
●
SHAPS
●
●
●
●
●
●
PANSS
●
●
●
●
●
●
Identifikation
Sniffin’Sticks:
Hedonik
Sniffin’Sticks:
Intensität
BDI
MMST
●
BAI
●
Aus Tab. 4 wird ersichtlich, wie viele Patienten aus den drei Experimentalgruppen
jeweils für die Nachuntersuchung zum Zeitpunkt T2 gewonnen werden konnten.
Tab. 4 Anzahl der Probanden je Untersuchungsgruppe und Testzeitpunkt.
Störungsbild
Anzahl Probanden zu T1
Anzahl Probanden zu T2
Depression
N = 37
N = 17
Schizophrenie
N = 34
N = 11
Demenz
N = 18
N=6
38
6.
Statistische Analyse
Sämtliche Auswertungen wurden mit dem Programm SPSS™ für Windows, Version
15.0 erstellt (SPSS Inc., Chicago, Illinois). Eine Prüfung der Daten auf
Normalverteilung erfolgte nach der Methode von Kolmogorov-Smirnov. In allen
Fällen, in denen die Normalverteilungsannahme verworfen werden musste, wurden in
den folgenden Analysen nonparametrische Verfahren eingesetzt. Alle Auswertungen
wurden mit zweiseitigen Tests bei einem Signifikanzlevel von α=0.05 durchgeführt.
Die grafischen Darstellungen der Ergebnisse wurden mit Hilfe des Programms
SigmaPlot für Windows, Version 10.0 (Systat Software Inc., Chicago, Illinois)
erstellt. In den grafischen Darstellungen wird das Symbol „*“ verwendet, um
signifikante Ergebnisse zu kennzeichnen.
Im
Einzelnen
wurden
für
die
Zielparameter
in
den
verschiedenen
Untersuchungsgruppen zunächst Mittelwerte und SDs oder SEMs als deskriptive
Statistiken
berechnet.
Für
Mittelwertsvergleiche
zwischen
den
beiden
Untersuchungszeitpunkten kamen t-Tests für gepaarte Stichproben, beziehungsweise
der Wilcoxon-Test als nonparametrische Alternative, zum Einsatz. Für Vergleiche
zwischen Experimental- und Kontrollgruppe wurden ANOVAs berechnet. Musste die
Normalverteilungsannahme verworfen werden, wurde hier ebenfalls der WilcoxonTest verwendet. Zur Überprüfung auf Zusammenhänge zwischen Symptommaßen
und subjektiven Geruchsurteilen wurden Korrelationen und Regressionsanalysen
berechnet.
7.
Ergebnisse
Im folgenden Kapitel sollen die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt werden.
Abschnitt 7.1. bezieht sich dabei auf die Gruppe der Depressionspatienten, Kapitel
7.2. auf die Gruppe der Schizophreniepatienten, Abschnitt 7.3. auf Demenzpatienten
und Kapitel 7.4. befasst sich abschließend mit den Ergebnissen für die Angstgruppe.
39
7.1.
Ergebnisse der Auswertungen für Depressionspatienten
7.1.1.
Ergebnisse zu Depressions- und Anhedoniemaßen
Um zu überprüfen, ob Eingangsuntersuchung und Retestung der Patienten auch
tatsächlich in verschiedenen Phasen der Erkrankung, nämlich akute Depression und
Remission, stattgefunden hatten, wurden BDI- und SHAPS-Werte für die beiden
Untersuchungszeitpunkte miteinander verglichen. Zu T1 erreichten die Patienten im
BDI im Mittel einen Wert von 24.73 (SEM=1.869), was gemäß Manual einer klinisch
relevanten Depression entspricht, zu T2 von 11.823 (SEM=3.216), was als milde bis
mäßig ausgeprägte depressive Symptomatik interpretiert wird. Für den SHAPS ergab
sich zu T1 ein Mittelwert von 4.676 (SEM=0.559) und zu T2 von 2.706
(SEM=0.942). Grafische Darstellungen der Mittelwerte und SEMs für die BDI- und
SHAPS-Werte der Probanden zu T1 und T2 können Abb. 4 und Abb. 5 entnommen
werden. Ein t-Test für gepaarte Stichproben ergab hoch signifikante Unterschiede
zwischen den beiden Messzeitpunkten, sowohl für den BDI (p<0.001), als auch für
den SHAPS (p=0.001). Insgesamt konnte also gezeigt werden, dass die Patienten zum
Zeitpunkt der Nachuntersuchung signifikant weniger depressive und anhedone
Beschwerden berichteten.
BDI
∗
30
25
Testwert
20
15
10
5
0
1
2
Untersuchungszeitpunkt
Abb. 4 Mittelwerte und SEMs für die BDI-Testwerte der depressiven Probanden zu T1 und T2.
40
SHAPS
10
∗
Testwert
8
6
4
2
0
1
2
Untersuchungszeitpunkt
Abb. 5 Mittelwerte und SEMs für die SHAPS-Testwerte der depressiven Probanden zu T1 und T2.
7.1.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
depressiven Patienten
In Bezug auf die olfaktorische Sensitivität konnten die Werte der teilnehmenden
Patienten zum Untersuchungszeitpunkt T1 mit denen der gesunden Kontrollgruppe
verglichen werden. Der nonparametrische Wilcoxon-Test ergab hier keine
signifikante Differenz zwischen Patienten und Gesunden (Z=-1.397, p=0.162).
7.1.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
depressiven Patienten
In Bezug auf die Diskriminationsleistung wurden ebenfalls die Ergebnisse der
Patienten zu T1 mit den Daten der gesunden Kontrollpersonen verglichen. Zum
Zeitpunkt der Erstuntersuchung während einer akuten depressiven Episode erzielten
die Patienten im Diskriminationstest im Mittel einen Wert von 10.197 (SEM=0.502),
gesunde Kontrollpersonen dagegen einen Wert von 12.4 (SEM=0.287).
Wilcoxon-Test
erwies
sich
der
Unterschied
zwischen
den
Im
beiden
Untersuchungsgruppen als hoch signifikant (Z=-3.397, p=0.001). Eine grafische
Darstellung der Ergebnisse findet sich in Abb. 6.
41
Diskrimination
∗
16
14
12
Testwert
10
8
6
4
2
0
es
Depr
sive
Kont
r
rollg
uppe
Abb. 6 Mittelwerte und SEMs für die Diskriminationsleistung von Depressionspatienten (zu T1) und
gesunden Kontrollpersonen.
7.1.4.
Ergebnisse
zur
Identifikation
für
die
Gruppe
der
depressiven Patienten
Um den Einfluss des depressiven Status auf die Identifikationsleistung zu überprüfen,
wurden die Ergebnisse der Patientengruppe bei der Erstuntersuchung mit denen des
Follow-up-Termins verglichen. Zu T1 erzielten die untersuchten Depressiven im
Mittel eine Identifikationsleistung von 12.081 (SEM=0.327), zu T2 von 13.118
(SEM=0.484). Im t-Test erwies sich dieser Unterschied als signifikant (p=0.005).
Entsprechend verdeutlicht Abb. 7 noch einmal die zum Zeitpunkt der akuten
depressiven Episode deutlich beeinträchtigte Identifikationsleistung der Patienten.
Identifikation
∗
16
14
Testwert
12
10
8
6
4
2
0
1
2
Untersuchungszeitpunkt
Abb. 7 Mittelwerte und SEMs für die Identifikationsleistung depressiver Probanden zu T1 und T2.
42
7.1.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und
Hedonik für die Gruppe der depressiven Patienten
Auch der Einfluss des depressiven Status auf Intensitäts- und hedonische
Einschätzungen sollte überprüft werden. Beim Vergleich der Beurteilungen der
Patienten zu T1 und T2 ergaben sich keine signifikanten Unterschiede, weder für die
Intensitätseinschätzungen (t-Test für gepaarte Stichproben: p=0.293), noch für
relative hedonische Einschätzungen (t-Test für gepaarte Stichproben: p=0.153).
Damit erwiesen sich die erhobenen subjektiven Urteile zu Geruchsreizen als
unabhängig vom depressiven Status.
Um
zu
überprüfen,
ob
bezüglich
der
hedonischen-
oder
Intensitätseinschätzung möglicherweise im Sinne eines Trait-Markers permanente
Unterschiede zwischen Gesunden und Depressiven bestehen könnten, wurden die
subjektiven
Geruchsurteile
der
Patienten
auch
mit
denen
der
gesunden
Kontrollgruppe verglichen. Hier ergaben ANOVAs keine Unterschiede zwischen den
beiden Untersuchungsgruppen, und zwar weder während der akuten depressiven
Episode (Hedonik: F(1)=0.567, p=0.454; Intensität: F(1)=0.846, p=0.361), noch in
Remission (Hedonik: F(1)=0.327, p=0.571; Intensität: F(1)=0.533, p=0.471).
7.1.6.
Ergebnisse
zu
Zusammenhängen
zwischen
Symptommaßen und Geruchsparametern für die Gruppe
der depressiven Patienten
Zur genaueren Abklärung des Einflusses von Symptomschwere und Anhedonie auf
die subjektiven Geruchsbewertungen wurden für die Daten der Patienten zum
Zeitpunkt der akuten Depression zwei Regressionsanalysen berechnet mit den
relativen hedonischen Ratings als abhängiger Variable und BDI- beziehungsweise
SHAPS-Werten als unabhängigen Variablen. Dabei zeigten die BDI-Ergebnisse in
Bezug auf die hedonischen Einschätzungen keinen signifikanten prädiktiven Wert
(F(1)=0.283, p=0.598, R2=-0.020). Es ergab sich jedoch ein signifikanter
Zusammenhang zwischen SHAPS-Werten und hedonischen Urteilen (F(1)=7.246,
p=0.011, R2=0.148). Insgesamt konnten in der Gruppe der akut depressiven Patienten
also ca. 15% der Varianz der relativen hedonischen Einschätzungen durch die
SHAPS-Werte erklärt werden. Abb. 8 veranschaulicht diesen Befund.
43
8
Relative hedonische Einschätzungen depressiver
Patienten zu T1
6
[VARU]
4
2
0
-2
-4
0
2
4
6
8
10
12
SHAPS-Werte
Abb. 8 Relative hedonische Ratings depressiver Patienten zu T1 als Funktion der SHAPS-Werte.
7.1.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
depressiven Patienten
Die dargestellten Ergebnisse bestätigen zunächst eine korrekte Terminierung der
Untersuchungszeitpunkte: zu T2 befanden sich die untersuchten Probanden
tatsächlich in einem remittierten Zustand. Bezüglich der olfaktorischen Sensitivität
ergaben sich keine Unterschiede zwischen Depressiven und Gesunden. Für die beiden
anderen erhobenen Maße zur Geruchsleistung, nämlich Diskrimination und
Identifikation,
zeigten
die
Patienten
jedoch
Defizite.
Die
subjektiven
Geruchseinschätzungen von Intensität und Hedonik erwiesen sich auch während einer
depressiven Episode als intakt. Bei genauerer Analyse zeigte sich jedoch ein zwar
schwacher, aber signifikanter Zusammenhang zwischen Anhedonie und hedonischen
Einschätzungen: im depressiven Zustand schien eine stärkere Belastung durch
anhedone Symptome mit verminderten hedonischen Ratings einher zu gehen.
44
7.2.
Ergebnisse der Auswertungen für Schizophreniepatienten
7.2.1.
Ergebnisse zu Schizophrenie- und Anhedoniemaßen
Auch für die Gruppe der schizophrenen Patienten wurden zunächst die Daten der
Symptom- und Anhedonie-Skalen analysiert. Bezüglich des SHAPS ergaben sich
gemäß des Wilcoxon-Tests keine signifikanten Unterschiede zwischen den mittleren
Anhedonie-Scores der Patienten zu den beiden Testzeitpunkten (Z=-1.136, p=0.256).
Bei Erstuntersuchung und Follow-up erzielte die Gruppe der Schizophrenen für den
SHAPS im Mittel einen Punktwert von 1.794 (SEM=0.367) bzw. 2.909
(SEM=0.967), was auf eine mäßige, jedoch über die Zeit stabile Belastung durch
anhedone Beschwerden hindeutet.
Bei der Auswertung der Daten des PANSS ergab sich eine statistische
Tendenz (t-Test für gepaarte Stichproben: p=0.079): zum Follow-up-Termin
berichteten Patienten tendenziell von einer geringeren Symptombelastung als bei der
Erstuntersuchung während des Klinikaufenthaltes. Bei genauerer Analyse ließ sich
dieser Trend auf einen Rückgang positiver Symptome zurückführen (t-Test für
gepaarte Stichproben: p=0.038), für die der mittlere Punktwert von 18.364
(SEM=2.037) auf 14.091 (SEM=1.411) zurückgegangen war. Negative Symptome
dagegen zeigten sich bei der Nachuntersuchung in unveränderter Stärke (t-Test für
gepaarte Stichproben: p=0.421). Abb. 9 veranschaulicht die unterschiedlichen
Beschwerdeprofile zu T1 und T2.
Positive und negative PANSS-Werte schizophrener Patienten
Mittlere Testwerte für die positive Subskala
Mittlere Testwerte für die negative Subskala
Testwert
40
30
*
20
10
0
1
2
Untersuchungszeitpunkte
Abb. 9 Mittelwerte und SEMs für positive und negative Subskala des PANSS zu T1 und T2.
45
7.2.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Schizophreniepatienten
Im Vergleich mit der gesunden Kontrollgruppe zeigten schizophrene Patienten zum
Zeitpunkt der Erstuntersuchung bei der Schwellenbestimmung eine signifikant
reduzierte
Leistung
(ANOVA:
F(1)=6.338,
p=0.016).
Im
Gegensatz
zur
Kontrollgruppe mit einem mittleren Schwellenwert von 6.4 (SEM=0.456) erzielten
Patienten im Durchschnitt nur einen Wert von 4.726 (SEM=0.478). Eine grafische
Veranschaulichung dieses Befunds findet sich in Abb. 10.
Riechschwelle
16
14
∗
Testwert
12
10
8
6
4
2
0
ophr
Schiz
en e
rup
rollg
Kont
pe
Abb. 10 Mittelwerte und SEMs für die Riechschwellenbestimmung von Schizophreniepatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
7.2.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Schizophreniepatienten
Auch in Bezug auf die Diskriminationsleistung schnitten Patienten gemäß einer
ANOVA hoch signifikant schlechter ab als die Vergleichsgruppe (F(1)=23.445,
p=0.000). Während sich für die gesunden Teilnehmer bei der Diskriminationsaufgabe
ein Mittelwert von 12.0 (SEM=0.345) ergab, erzielten Schizophrene nur einen
Durchschnittswert
von
9.615
(SEM=0.351).
Ein
Balkendiagramm
entsprechenden Mittelwerten und SEMs findet sich in Abb. 11.
zu den
46
Diskrimination
∗
16
14
Testwert
12
10
8
6
4
2
0
ene
ophr
Schiz
Kont
e
rupp
rollg
Abb. 11 Mittelwerte und SEMs für die Diskriminationsleistung von Schizophreniepatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
7.2.4.
Ergebnisse
zur
Identifikation
für
die
Gruppe
der
Schizophreniepatienten
Bezüglich der Geruchsidentifikation ergaben sich gemäß einer ANOVA bei den
schizophrenen Patienten zu T1 ebenfalls signifikante Defizite (F(1)=8.007, p=0.006).
Während gesunde Kontrollpersonen durchschnittlich 13.573 (SEM=0.218) Stifte
korrekt identifizierten, erreichten die psychotischen Patienten nur einen Wert von
12.573 (SEM=0.278). Einen grafischen Überblick liefert Abb. 12.
∗
Identifikation
16
14
Testwert
12
10
8
6
4
2
0
ene
ophr
Schiz
Kont
e
rupp
rollg
Abb. 12 Mittelwerte und SEMs für die Identifikationsleistung von Schizophreniepatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
47
7.2.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und
Hedonik für die Gruppe der Schizophreniepatienten
Auch für die Gruppe der schizophrenen Patienten wurden die subjektiven
Geruchsurteile mit denen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Bezüglich der
Intensitätseinschätzungen ergaben die berechneten ANOVAs keine signifikanten
Unterschiede zwischen Schizophrenen und Gesunden, und zwar weder zum Zeitpunkt
der Erstuntersuchung (F(1)=1.146, p=0.288), noch beim Follow-up-Termin
(F(1)=2.372, p=0.139).
Ein anderes Bild ergab sich bei der Hedonik. Hier zeigte sich zu T1 ein
signifikanter Unterschied zwischen den absoluten hedonischen Urteilen von Patienten
und gesunden Kontrollpersonen (ANOVA: F(1)=3.927, p=0.05). Der Mittelwert für
Patienten lag dabei bei 4.706 (SEM=0.347), der für Gesunde bei 3.848 (SEM=0.259)
(siehe Abb. 13). Während der akuten Erkrankungsepisode zeigten Schizophrene also
im Vergleich mit Gesunden extremere Urteile. Zu T2 war dieser Unterschied im
Beurteilungsrange verschwunden (ANOVA: F(1)=0.689, p=0.416).
Absolute hedonische Einschätzungen
20
[VARU]
15
∗
10
5
0
ene
ophr
Schiz
rollg
Kont
e
rupp
Abb. 13 Mittelwerte und SEMs für absolute hedonische Ratings von Schizophreniepatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
48
7.2.6.
Ergebnisse
zu
Zusammenhängen
zwischen
Symptommaßen und Geruchsparametern für die Gruppe
der Schizophreniepatienten
Zur Überprüfung auf Zusammenhänge zwischen Symptommaßen und den
hedonischen Urteilen der Patienten wurden Korrelationen berechnet. Dabei ergaben
sich für den SHAPS-Wert weder zu T1 noch zu T2 signifikante Zusammenhänge mit
den subjektiven Geruchsurteilen. Bezüglich des PANSS zeigten sich bei zwei
Subskalen signifikante Korrelationen mit den absoluten hedonischen Urteilen der
Patienten, und zwar für die Skala P5 „Größenideen“ zu T1 (r=0.322, p=0.015) und für
die Skala P3 „Halluzinationen“ zu T2 (r=0.529, p=0.034).
7.2.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Schizophreniepatienten
Die dargestellten Ergebnisse für die Gruppe der Schizophreniepatienten belegen
zunächst das Vorliegen eines unterschiedlichen Symptomprofils zu T1 und T2.
Während negative Symptome und Anhedonie weiterhin präsent blieben, erlebten die
Patienten zwischen Erstuntersuchung und Follow-up einen signifikanten Rückgang
der Positivsymptomatik. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zeigten
Schizophrene
umfassende
Geruchswahrnehmung,
wie
Defizite
der
in
verschiedenen
olfaktorischen
Domänen
Sensitivität,
der
der
Diskriminationsfähigkeit und der Identifikation. Die Intensitätsurteile der Patienten
schienen dagegen intakt. Bezüglich der hedonischen Einschätzung der präsentierten
Stimuli zeigten Schizophrene zum Zeitpunkt der akuten Hospitalisierung extremere
Urteile, was beim Follow-up nicht mehr erkennbar war. Die hedonischen Urteile
schienen weder mit dem Ausmaß der erlebten Anhedonie, noch mit anderen
Negativsymptomen in Zusammenhang zu stehen.
49
7.3.
Ergebnisse der Auswertungen für Demenzpatienten
Wie bereits dargestellt (siehe Kapitel 5.3.), konnten aus der Gruppe der 18
Demenzpatienten leider nur sechs Personen für eine Nachuntersuchung gewonnen
werden. Auf Grund dieser geringen Stichprobengröße wurden die Ergebnisse zu T2
nicht in die statistischen Analysen einbezogen.
Auch zu T1 war eine beträchtliche Anzahl der untersuchten Demenzpatienten
auf Grund verminderter Belastbarkeit und herabgesetzter Konzentrationsfähigkeit
nicht in der Lage, innerhalb einer Sitzung die vollständige Testung zu absolvieren. In
vielen Fällen war es zudem auch nicht möglich, die Eingangsuntersuchung auf zwei
Termine aufzuteilen, da sich die Angehörigen der Patienten nicht bereit erklärten, ein
weiteres Mal für Transport und Begleitung in die Klinik zu sorgen. Deshalb musste
die olfaktorische Testung in vielen Fällen verkürzt werden, so dass vor allem für
Schwellen- und Diskriminationstest nur unvollständige Datensätze vorliegen.
7.3.1.
Ergebnisse zu Demenz- und Anhedoniemaßen
Im MMST erzielten die untersuchten Demenzpatienten einen mittleren Punktwert von
25.444 (SEM=0.860). Laut Testmanual kann ab einem Wert von 27 oder weniger
Punkten von einer klinisch relevanten Störung der kognitiven Leistungsfähigkeit
ausgegangen
werden.
Die
Patienten
befanden
sich
also
zum
ersten
Untersuchungszeitpunkt in einem Zustand leicht ausgeprägter Demenz.
Für den SHAPS lag der Mittelwert für die Gruppe der Demenzkranken bei
0.778 (SEM=0.298). Die Patienten berichteten also von einer sehr geringen
Ausprägung anhedoner Beschwerden.
7.3.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Demenzpatienten
Insgesamt konnte nur bei fünf der 18 demenzkranken Studienteilnehmer eine
Schwellentestung durchgeführt werden, so dass die nachfolgenden Ergebnisse nur mit
Einschränkungen zu interpretieren sind. Im Vergleich mit einer gleich großen Anzahl
gesunder Kontrollpersonen ähnlichen Alters schnitten die Demenzpatienten in Bezug
50
auf den durchschnittlichen Punktwert geringfügig besser ab (Demenz: M=5.70,
SEM=1.094; Kontrollgruppe: M=4.160, SEM=0.945). In einer ANOVA erwies sich
dieser Unterschied als nicht signifikant (F(1)=1.134, p=0.318).
7.3.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Demenzpatienten
Auch für die Diskriminationsaufgabe liegt nur ein eingeschränkter Datensatz von
sieben Patienten vor, so dass auch hier die statistischen Analysen mit großer Vorsicht
zu interpretieren sind. Bei diesem Untertest ergab sich für Demenzkranke ein
Mittelwert von 8.786 (SEM=0.993) und für gesunde Kontrollpersonen ein
geringfügig höherer Wert von 10.857 (SEM=0.904). In einer ANOVA erwies sich
auch dieser Gruppenunterschied als nicht signifikant (F(1)=2.378, p=0.149).
7.3.4.
Ergebnisse
zur
Identifikation
für
die
Gruppe
der
Demenzpatienten
In Bezug auf die Identifikationsleistung schnitten die untersuchten Demenzpatienten
mit einem mittleren Punktwert von 10.0 (SEM=0.647) schlechter ab als gesunde
Kontrollpersonen, die im Durchschnitt 11.639 (SEM=0.583) Gerüche korrekt
identifizierten. In einer ANOA zeigte sich für diesen Gruppenunterschied eine
statistische Tendenz (F(1)=3.544, p=0.068).
7.3.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und
Hedonik für die Gruppe der Demenzpatienten
In Bezug auf relative hedonische Ratings ergab sich ein signifikanter Unterschied
zwischen Patienten und Kontrollpersonen (ANOVA: F(1)=6.061, p=0.019). Während
die Kontrollgruppe die präsentierten Gerüche auf der hedonischen Skala im Mittel
mit 1.404 (SEM=0.332) bewertete, gaben Demenzpatienten mit einem Mittelwert von
2.746 (SEM=0.432) konsistent angenehmere Urteile ab (siehe Abb. 14).
51
Relative hedonische Einschätzungen
10
[VARU]
8
6
*
4
2
0
Kontrollgruppe
Demenz
Abb. 14 Mittelwerte und SEMs für relative hedonische Ratings von Demenzpatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
In einer ANOVA zum Vergleich der Intensitätseinschätzungen von Patienten und
Gesunden ergab sich kein signifikanter Gruppenunterschied (F(1)=0.004, p=0.949).
Bei einer genaueren Analyse zeigte sich jedoch innerhalb der Gruppe der
Demenzpatienten bezüglich der Intensitätsurteile ein signifikanter Unterschied
zwischen den Patienten, die im MMST einen klinisch unauffälligen Punktwert von 28
oder größer erzielt hatten (n=12) und denen, deren MMST-Ergebnis mit einem Wert
von bis zu 27 Punkten auf eine im klinisch relevanten Bereich liegende
Gedächtnisstörung
hindeutete
(n=6)
(ANOVA:
F(1)=6.150,
p=0.025).
Die
entsprechenden Mittelwerte (MMST bis 27: M=9.029; MMST ab 28: M=13.362) und
SEMs (MMST bis 27: SEM=1.703; MMST ab 28: SEM=0.906) sind Abb. 15 zu
entnehmen. Patienten mit einer stärker ausgeprägten Gedächtnisstörung neigten also
dazu, die Testgerüche als weniger intensiv zu beurteilen.
52
Intensität
20
*
[VARU]
15
10
5
0
MMST bis 27
MMST ab 28
Abb. 15 Mittelwerte und SEMs für die Intensitätsschätzungen von Demenzpatienten mit leichter und
klinisch relevanter Gedächtnisstörung zu T1.
7.3.6.
Ergebnisse
zu
Zusammenhängen
zwischen
Symptommaßen und Geruchsparametern für die Gruppe
der Demenzpatienten
Zur Überprüfung auf Zusammenhänge zwischen Symptomskalen und subjektiven
Geruchsbewertungen wurden auch für die Gruppe der Demenzpatienten zwei
Regressionsanalysen berechnet mit den relativen hedonischen Ratings als abhängiger
Variable und MMST- beziehungsweise SHAPS-Werten als unabhängigen Variablen.
Dabei zeigten weder MMST-Ergebnisse noch SHAPS-Werte in Bezug auf die
hedonischen Einschätzungen einen signifikanten prädiktiven Wert (MMST:
F(1)=1.762, p=0.203, R2=0.043; SHAPS: F(1)=1.996, p=0.177, R2=0.055).
7.3.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Demenzpatienten
Gemäß der eingesetzten Symptomskalen ist davon auszugehen, dass sich die
Patienten zu T1 in einem Zustand leichter Demenz und gering ausgeprägter
Anhedonie befunden haben. In Bezug auf Riechschwelle und Diskrimination fanden
53
sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten und Kontrollen, wobei hier
bei der Interpretation die geringen Stichprobengrößen von n=5 beziehungsweise n=7
zu berücksichtigen sind. Bei der Identifikationsaufgabe schnitten Demente tendenziell
schlechter ab als Gesunde. Patienten bewerteten die präsentierten Gerüche als
signifikant angenehmer. Bezüglich der Intensitätseinschätzungen ergab sich kein
Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen. Innerhalb der DemenzGruppe neigten Patienten mit einer stärkeren kognitiven Beeinträchtigung jedoch
dazu,
die
Testgerüche
als
weniger
intensiv
zu
beurteilen.
Signifikante
Zusammenhänge zwischen der Gedächtnisleistung oder Anhedonie auf der einen
Seite und hedonischen Geruchsurteilen auf der anderen Seite fanden sich nicht.
7.4.
Ergebnisse der Auswertungen für Angstpatienten
Für die folgenden Auswertungen ist jeweils zu berücksichtigen, dass Angstpatienten
ebenso wie die gesunde Kontrollgruppe nur ein einziges Mal untersucht worden sind,
und zwar zum Zeitpunkt einer Hospitalisierung auf Grund ihrer Symptomatik.
7.4.1.
Ergebnisse zu Angst- und Anhedoniemaßen
Zum Zeitpunkt der Testung erreichten Angstpatienten im Mittel einen BAI-Wert von
20.588 (SEM=3.02). Dabei bewegten sich sieben Patienten im Wertebereich von 0-15
Punkten, was laut Manual einer minimal bis mild ausgeprägten Symptomatik
entspricht, und zehn Patienten im Wertebereich von 16-63 Punkten, was als moderate
bis klinisch relevante Angstausprägung zu interpretieren ist.
Für den SHAPS ergab sich in der Gruppe der Angstpatienten ein Mittelwert
von 2.529 (SEM=0.501). Insgesamt musste also entgegen der ursprünglichen
Erwartungen auch für die Gruppe der Angstpatienten von einer beträchtlichen
Belastung durch Anhedonie ausgegangen werden. Dabei erzielten Patienten mit einer
gemäß BAI moderat bis klinisch relevant ausgeprägten Symptomatik mit einem
Mittel von 3.4 (SEM=0.618) signifikant höhere Werte im SHAPS als Patienten mit
einer nur minimal bis mild ausgeprägten Symptomatik, die im Mittel nur 1.286
54
(SEM=0.606) Punkte erreichten (ANOVA: F(1)=5.541, p=0.033). Eine grafische
Darstellung findet sich in Abb. 16.
SHAPS
14
12
Testwert
10
8
*
6
4
2
0
st
st
Ang
Ang
che
ilde
s
i
m
n
li
is
is k
le b
te b
ima
dera
Min
o
M
Abb. 16 Mittelwerte und SEMs für die SHAPS-Werte von Angstpatienten mit hohen und niedrigen
BAI-Werten zu T1.
Abb. 17 gibt einen grafischen Überblick zum Vergleich der Anhedonie-Werte in den
vier Patientengruppen zum Zeitpunkt der akuten Erkrankung. Auf Grund der stark
unterschiedlichen Stichprobengrößen in den vier Untersuchungsgruppen wurde auf
eine statistische Prüfung auf Gruppenunterschiede verzichtet.
SHAPS
14
12
Testwert
10
8
6
4
2
0
enz
enie
Dem
ophr
Schiz
t
Angs
n
essio
Depr
Abb. 17 Mittelwerte und SEMs für die SHAPS-Werte aller Patientengruppen zu T1.
55
7.4.2.
Ergebnisse zur Geruchsschwelle für die Gruppe der
Angstpatienten
In Bezug auf die Riechschwelle ergab eine ANOVA keine signifikanten Unterschiede
zwischen Angstpatienten und gesunden Kontrollen (F(1)=0.009, p=0.926).
7.4.3.
Ergebnisse zur Diskrimination für die Gruppe der
Angstpatienten
In Bezug auf die Diskriminationsleistung schnitten Angstpatienten gemäß einer
ANOVA mit einem durchschnittlichen Punktwert von 11.2 (SEM=0.591) signifikant
schlechter ab als die gesunde Kontrollgruppe mit einem durchschnittlichen Ergebnis
von 12.823 (SEM=0.332) (F(1)=6.096, p=0.019). Veranschaulicht wird dieser Befund
in Abb. 18.
Diskrimination
16
*
14
Testwert
12
10
8
6
4
2
0
Kontrollgruppe
Angst
Abb. 18 Mittelwerte und SEMs für die Diskriminationsleistung von Angstpatienten und
Kontrollprobanden zu T1.
56
7.4.4.
Ergebnisse
zur
Identifikation
für
die
Gruppe
der
Angstpatienten
Im Identifikationstest zeigten Angstpatienten im Vergleich mit gesunden Kontrollen
keine signifikanten Leistungsunterschiede (ANOVA: F(1)=1.222, p=0.277).
7.4.5.
Ergebnisse zu den Einschätzungen von Intensität und
Hedonik für die Gruppe der Angstpatienten
Bei der Beurteilung der Intensität der dargebotenen Gerüche zeigten Angstpatienten
im Vergleich zu Gesunden signifikant höhere Werte (ANOVA: F(1)=4.613,
p=0.039). Eine Darstellung der Mittelwerte und SEMs (Angstpatienten: M=14.410,
SEM=0.674; Kontrollgruppe: M=12.487, SEM=0.589) findet sich in Abb. 19.
Intensität
20
*
[VARU]
15
10
5
0
Kontrollgruppe
Angst
Abb. 19 Mittelwerte und SEMs für die Intensitätsschätzungen von Angstpatienten und
Kntrollprobanden zu T1.
Auch in Bezug auf die hedonische Bewertung der 16 Riechstifte ergaben sich
Unterschiede zwischen Angstpatienten und Kontrollprobanden. Für die absoluten
hedonischen Einschätzungen lag hier der Mittelwert der Angstgruppe bei 4.836
(SEM=0.4), für Gesunde dagegen nur bei 3.566 (SEM=0.301) (siehe Abb. 20). In
einer ANOVA erwies sich dieser Unterschied als signifikant (F(1)=6.440, p=0.016).
Angstpatienten zeigten hier also extremere Urteile.
57
Absolute hedonische Einschätzungen
10
8
*
[VARU]
6
4
2
0
Kontrollgruppe
Angst
Abb. 20 Mittelwerte und SEMs für absolute hedonische Ratings von Angstpatienten und
Kontrollpersonen zu T1.
Einen grafischen Überblick zu den Mittelwerten und SEMs der Intensitäts-, sowie
absoluten und relativen hedonischen Einschätzungen für alle Untersuchungsgruppen
liefern Abb. 21, Abb. 22 und Abb. 23. Eine statistische Prüfung auf
Mittelwertsunterschiede zwischen den vier Untersuchungsgruppen wurde auf Grund
der stark unterschiedlichen Stichprobengrößen nicht durchgeführt.
Intensität
20
[VARU]
15
10
5
0
t
A ngs
e
n
enz
essio izophreni
Dem
D epr
Sch
Abb. 21 Mittelwerte und SEMs für die Intensitätsschätzungen aller Patientengruppen zu T1.
58
Absolute Hedonik
10
8
[VARU]
6
4
2
0
t
e
Angs zophreni
Schi
n
enz
essio
D em
Depr
Abb. 22 Mittelwerte und SEMs für absolute hedonische Ratings aller Patientengruppen zu T1.
Relative Hedonik
10
[VARU]
8
6
4
2
0
enz
Dem
e
st
sion
reni
Ang
pres
oph
e
z
i
D
h
Sc
Abb. 23 Mittelwerte und SEMs für relative hedonische Ratings aller Patientengruppen zu T1.
7.4.6.
Ergebnisse
zu
Zusammenhängen
zwischen
Symptommaßen und Geruchsparametern für die Gruppe
der Angstpatienten
Zur Prüfung auf Zusammenhänge zwischen Symptommaßen und subjektiven
Geruchsbewertungen wurden auch für die Gruppe der Angstpatienten zwei
Regressionsanalysen berechnet mit den absoluten hedonischen Ratings als abhängiger
59
Variable und BAI- beziehungsweise SHAPS-Werten als unabhängigen Variablen.
Weder BAI-, noch SHAPS-Werte zeigten dabei einen signifikanten prädiktiven Wert
für die hedonischen Urteile (BAI: F(1)=0.801, p=0.385, R2=-0.013; SHAPS:
F(1)=1.913, p=0.170, R2=0.009).
7.4.7.
Zusammenfassung der Ergebnisse für die Gruppe der
Angstpatienten
Zusammenfassend muss zunächst erwähnt werden, dass entgegen der ursprünglichen
Erwartung auch für die Gruppe der Angstpatienten eine deutliche Belastung durch
Anhedonie gefunden wurde. Besonders betroffen waren hier die Patienten mit stärker
ausgeprägter Angstsymptomatik. In Bezug auf Riechschwelle und Identifikation
ergaben sich keine Leistungsunterschiede zwischen Angstpatienten und gesunden
Kontrollpersonen. Bei der Diskriminationsaufgabe hingegen, schnitten die Patienten
signifikant schlechter ab. Die Probanden der Angstgruppe beurteilten die Gerüche im
Vergleich zu Gesunden als intensiver und neigten bei ihren hedonischen
Einschätzungen zu extremeren Angaben. Signifikante Zusammenhänge zwischen
Symptommaßen und subjektiven Geruchsurteilen ergaben sich nicht.
8.
Ziel
Diskussion
der
vorliegenden
Untersuchung
war
es,
Veränderungen
in
der
Riechwahrnehmung bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen näher zu
beleuchten. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Erfassung der hedonischen Bewertung
von Duftstoffen und möglichen Zusammenhängen mit Anhedonie und anderen
psychiatrischen Symptomen. Im folgenden Kapitel sollen die gefundenen Ergebnisse
vor dem Hintergrund der aktuellen Literatur diskutiert werden. Am Anfang steht
dabei eine kritische Bewertung der Untersuchungsmethodik (siehe Kapitel 8.1.).
Danach sollen die Ergebnisse für die einzelnen Untersuchungsgruppen separat
diskutiert werden (siehe Kapitel 8.2.-8.5.). Das Kapitel schließt mit einer
zusammenfassenden Interpretation und Bewertung der dargestellten Studie (siehe
Kapitel 8.6.).
60
8.1.
Diskussion des methodischen Vorgehens
Bei der kritischen Betrachtung des methodischen Vorgehens soll zunächst auf die
verwendeten Untersuchungsverfahren eingegangen werden. Mit den Symptomskalen
BAI, BDI, MMST und PANSS wurden für die vier Störungsbilder etablierte
Testverfahren eingesetzt. In den jeweiligen Testmanualen werden zufriedenstellende
Belege für deren Objektivität, Validität und Reliabilität geliefert (Hautzinger, M.,
Bailer, M., Worall, H. et al., 1994; Kay, S.R., Opler, L.A. & Fiszbein, A., 2006;
Kessler, J., Markowitsch, H.J. & Denzler, P., 2000; Margraf, J. & Ehlers, A., 2007).
Auch beim SHAPS handelt es sich um ein Testverfahren mit nachgewiesener
Nützlichkeit, Validität, Reliabilität und Änderungssensitivität für den Einsatz an
psychiatrischen Populationen (Franken, I.H., Rassin, E. & Muris, P., 2007; Franz, M.,
Lemke, M.R., Meyer, T. et al., 1998; Leventhal, A.M., Chasson, G.S., Tapia, E. et al.,
2006; Snaith, R.P., Hamilton, M., Morley, S. et al., 1995).
Bei der ursprünglichen Fassung des Sniffin’Sticks Tests mit den Teilen
Schwelle, Diskrimination und Identifikation handelt es sich ebenfalls um ein
etabliertes Testverfahren. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung ist hier vor
allem der Aspekt der Retest-Reliabilität von Bedeutung, da bei Depressiven,
Schizophrenen
und
Demenzpatienten
eine
Wiederholungsmessung
mit
der
Identifikationsaufgabe durchgeführt worden ist. Vorstudien attestieren dem Sniffin’
Sticks Test zufrieden stellende Reliabilitätswerte (Haehner, A., Mayer, A.M., Landis,
B.N. et al., 2009; Hummel, T., Konnerth, C.G., Rosenheim, K. et al., 2001), selbst für
relativ
kurze
Intervalle
zwischen
Erst-
und
Nachuntersuchung
von
vier
beziehungsweise zehn Tagen. In der vorliegenden Studie betrug für die Probanden
der minimale Zeitabstand zwischen den beiden Untersuchungszeitpunkten sechs
Monate, so dass Lern- und Gedächtniseffekte als konfundierende Variablen
weitgehend ausgeschlossen werden können. Insgesamt können die gefundenen
Unterschiede in der Identifikationsleistung zwischen Erst- und Retestung also mit
hoher Wahrscheinlichkeit auf tatsächliche Gruppenunterschiede zurückgeführt
werden. Für die Erweiterung des Sniffin’ Sticks Tests um subjektive Intensitäts- und
hedonische Urteile liegen bereits Erfahrungen vor (Markovic, K., Reulbach, U.,
Vassiliadu, A. et al., 2007; Thuerauf, N., Gossler, A., Lunkenheimer, J. et al., 2008).
In einer eigenen unpublizierten Vorstudie, deren erste Ergebnisse 2007 auf dem 29.
Kongress der Association for Chemoreception Sciences (AChemS) in Sarasota,
61
Florida präsentiert worden sind (Schultheiss, M., Gossler, A., Reulbach, U. et al.,
2007), konnte für die hedonischen Ratings an gesunden Probanden eine
zufriedenstellende Retest-Reliabilität nachgewiesen werden. In einer Untersuchung
erwiesen sich die 16 Stifte der Identifikationsaufgabe als Teststimuli für die
subjektiven Geruchsurteile als gut ausbalanciert in Bezug auf die Verteilung von
angenehmen und unangenehmen Gerüchen (Markovic, K., Reulbach, U., Vassiliadu,
A. et al., 2007). Für die Intensitätsschätzungen ist einschränkend zu sagen, dass
jeweils nur eine deutlich überschwellige Konzentration des jeweiligen Testgeruchs
verwendet werden konnte.
In Bezug auf die subjektiven Geruchsurteile soll auch auf das verwendete
Skalenformat der visuellen Analogskala eingegangen werden. Als relativ einfaches
und leicht verständliches Format erschien es besonders geeignet für die hier
eingeschlossene Probandengruppe aus dem Kreis psychiatrischer Patienten. Im
Bereich der Forschung zu subjektiven Geruchsurteilen sind visuelle Analogskalen ein
vielfach verwendetes Instrumentarium, sowohl in Studien an gesunden Populationen
(Hummel, T., Sekinger, B., Wolf, S.R. et al., 1997; Markovic, K., Reulbach, U.,
Vassiliadu, A. et al., 2007; Thuerauf, N., Gossler, A., Lunkenheimer, J. et al., 2008),
als auch in Untersuchungen an psychiatrischen Patienten (Amsterdam, J.D., Settle,
R.G., Doty, R.L. et al., 1987; Crespo-Facorro, B., Paradiso, S., Andreasen, N.C. et al.,
2001; Royet, J.P., Plailly, J., Delon-Martin, C. et al., 2003). Allgemein sind visuelle
Analogskalen ein etabliertes Skalenformat zur Erfassung der Selbsteinschätzungen
psychiatrischer Patienten. Bereits Luria (1975) demonstrierte die Reliabilität und
Validität einer visuellen Analogskala zur Erfassung subjektiver Stimmungszustände
an
einer
gemischten
Stichprobe
psychiatrischer
Patienten.
Verschiedene
Untersuchungen beschäftigen sich außerdem mit den psychometrischen Qualitäten
visueller Analogskalen beim Einsatz für depressive Patienten mit ihren typischen
motivationalen und kognitiven Einschränkungen. Demzufolge kann auch für diese
Klientel von einer zufriedenstellenden Reliabilität (Fahndrich, E. & Linden, M.,
1982; Lingjaerde, O. & Foreland, A.R., 1998; Steinacher, B., Reischies, F.M. &
Stieglitz, R.D., 1998) und Validität (Arruda, J.E., Stern, R.A. & Legendre, S.A.,
1996; Davies, B., Burrows, G. & Poynton, C., 1975; Fahndrich, E. & Linden, M.,
1982; Lingjaerde, O. & Foreland, A.R., 1998; McClelland, H.A., Kerr, T.A.,
Stephens, D.A. et al., 1979; Steinacher, B., Reischies, F.M. & Stieglitz, R.D., 1998)
der Analogskalen ausgegangen werden. Insgesamt erscheinen die verwendeten
62
visuellen Analogskalen im Rahmen der vorliegenden Studie als geeignetes
Skalenformat.
Eine
möglichst
einfache
und
anschauliche
Gestaltung
der
Erhebungsinstrumentarien ist besonders für die Gruppe der Demenzpatienten von
großer Bedeutung. Für zukünftige Studien an Betroffenen in fortgeschrittenen
Erkrankungsstadien mit ausgeprägteren kognitiven Beeinträchtigungen wäre deshalb
zu prüfen, ob das verwendete Skalenformat noch stärker vereinfacht werden könnte.
Zu denken wäre dabei zum Beispiel an die Verwendung von Smileys oder anderen
bildlichen Ankern an Stelle der üblichen verbalen Anker.
Für die vorliegende Pilotstudie wurde ein Test-Retest-Design gewählt.
Einschränkend ist zu bemerken, dass für die Nachuntersuchung teilweise nur eine
relativ geringe Anzahl an Probanden gewonnen werden konnte. Bestätigende Studien
mit höherer Stichprobengröße zu beiden Untersuchungszeitpunkten und damit auch
entsprechend größerer statistischer Power stehen noch aus. Für die weiterführende
Forschung wäre es zudem interessant, auch die gesunde Vergleichsgruppe wiederholt
zu testen, um eine zusätzliche Kontrollbedingung zur Verfügung zu haben.
Zudem muss erwähnt werden, dass sich die Gruppe der Angstpatienten
entgegen der ursprünglichen Erwartung als stark von Anhedonie betroffen erwies.
Eine weitere klinische Kontrollgruppe von psychiatrischen Patienten ohne Anhedonie
als Symptom wäre wünschenswert gewesen.
8.2.
Diskussion der Ergebnisse für Depressionspatienten
Die vorliegenden Ergebnisse für die Gruppe der Depressionspatienten belegen
zunächst die korrekte Terminierung der beiden Untersuchungszeitpunkte: im
Vergleich zur Erstuntersuchung waren BDI- und SHAPS-Werte bei der
Nachuntersuchung signifikant gesunken. Die teilnehmenden Patienten befanden sich
also zu T2 tatsächlich in einem remittierten Zustand mit einer geringeren Belastung
durch Anhedonie und andere depressive Beschwerden.
In Bezug auf die Riechschwelle fanden sich keine Unterschiede zwischen
Depressiven und Gesunden. Dieses Ergebnis bestätigt frühere Untersuchungen, die
ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen einer akuten depressiven Symptomatik
und einer eventuellen Beeinträchtigung der olfaktorischen Sensitivität feststellen
konnten (Gross-Isseroff, R., Luca-Haimovici, K., Sasson, Y. et al., 1994; Postolache,
63
T.T., Doty, R.L., Wehr, T.A. et al., 1999; Scinska, A., Wrobel, E., Korkosz, A. et al.,
2008; Thomas, H.J., Fries, W. & Distel, H., 2002). Nach Atanasova und Kollegen
(2008) ist die Bestimmung der Wahrnehmungsschwelle für Düfte den Leistungen des
peripheren- und nicht des zentralen olfaktorischen Systems zuzuordnen. Auf
peripherer Ebene scheint das Riechsystem depressiver Patienten also intakt.
In der Diskriminationsaufgabe zeigten die akut depressiven Studienteilnehmer
im Vergleich mit gesunden Kontrollpersonen eine reduzierte Leistung. Zu diesem
Themenbereich finden sich in der Literatur nur wenige Vorbefunde. In einer früheren
Studie an gesunden Probanden ergab sich kein signifikanter Zusammenhang
zwischen der Diskriminationsfähigkeit und subklinisch ausgeprägten depressiven
Symptomen (Pollatos, O., Albrecht, J., Kopietz, R. et al., 2007). Unsere Ergebnisse
deuten jedoch darauf hin, dass vom subklinischen- nicht unbedingt auf den Bereich
der klinisch relevanten Depression geschlossen werden kann. Für akut Depressive
muss von einer Beeinträchtigung der olfaktorischen Diskriminationsfähigkeit
ausgegangen werden.
Zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung in einem Zustand akuter Depression
erzielten die Patienten signifikant schlechtere Werte in der Identifikationsaufgabe als
nach Remission. Schwierigkeiten in diesem kognitiv eher anspruchsvollen Teil des
Sniffin’ Sticks Tests lassen sich möglicherweise durch die kognitiven Defizite
erklären, unter denen Depressive häufig leiden. In seiner extremsten Ausprägung als
depressive Pseudodemenz bezeichnet, ist dieses Phänomen bereits seit dem späten 19.
Jahrhundert in der Psychiatrie bekannt (Berrios, G.E., 1985). Für zukünftige Studien
zur olfaktorischen Identifikationsfähigkeit depressiver Patienten wäre es deshalb zu
empfehlen, die aktuelle kognitive Leistungsfähigkeit der Probanden vorab genauer zu
charakterisieren. Mit Hilfe von Identifikationsaufgaben für andere Sinneskanäle mit
gleichem Schwierigkeitsgrad ließe sich genauer abgrenzen, inwieweit die gefundenen
Defizite in der Identifikationsleistung auf kognitive Schwierigkeiten oder auf
spezifische Beeinträchtigungen des olfaktorischen Systems zurückgeführt werden
können (Vergleiche auch Kopala, L., Good, K., Martzke, J. et al., 1995). Die
berichteten Befunde zur Identifikationsfähigkeit depressiver Patienten stehen im
Widerspruch zu den Ergebnissen einer früheren Untersuchung (Amsterdam, J.D.,
Settle, R.G., Doty, R.L. et al., 1987), in der sich keine Defizite im Vergleich zu
gesunden Kontrollen ergaben. Diese Diskrepanz kann auf methodische Unterschiede
zwischen den beiden Studien zurück zu führen sein. So basierte der Studieneinschluss
64
bei der Arbeitsgruppe um Amsterdam noch auf den Diagnosekriterien des DSM-III
und es wurden anders als in der vorliegenden Untersuchung auch Patienten mit einer
depressiven Episode im Rahmen einer bipolaren Erkrankung einbezogen. Auch
wurden zur Erfassung der Identifikationsleistung unterschiedliche Testinstrumente
herangezogen (UPSIT versus Sniffin’ Sticks Test).
Die subjektiven Intensitätseinschätzungen für die dargebotenen Gerüche
erwiesen sich während einer depressiven Episode als intakt. Dieser Befund bestätigt
frühere
Untersuchungen,
in
denen
ebenfalls
keine
Unterschiede
in
den
Intensitätsbeurteilungen zwischen Depressiven und gesunden Kontrollen gefunden
werden konnten (Lombion-Pouthier, S., Vandel, P., Nezelof, S. et al., 2006; Pause,
B.M., Miranda, A., Goder, R. et al., 2001; Thomas, H.J., Fries, W. & Distel, H.,
2002).
Bei der Betrachtung der relativen hedonischen Urteile fanden sich zunächst
keine generellen Unterschiede zwischen Patienten und Kontrollen. Auch beim
Vergleich der Ratings der Patienten zu den beiden Testzeitpunkten akute Depression
und Remission ergaben sich keine Unterschiede. Entsprechend finden sich in der
Literatur Untersuchungen, die für Depressive ebenfalls von einer intakten
hedonischen Beurteilungsfähigkeit ausgehen (Pause, B.M., Miranda, A., Goder, R. et
al., 2001; Thomas, H.J., Fries, W. & Distel, H., 2002). Bei einer weiterführenden
Analyse zeigte sich jedoch ein zwar schwacher, aber signifikanter Zusammenhang
zwischen den hedonischen Einschätzungen und Anhedonie. Im depressiven Zustand
scheint eine stärkere Belastung durch Anhedonie mit verminderten hedonischen
Ratings einher zu gehen. Dieser Befund spricht dafür, dass sich Anhedonie bei
Depressiven tatsächlich auf olfaktorischer Ebene abbildet. Eine Korrelation zwischen
der Depressionsschwere im Allgemeinen und den hedonischen Urteilen ergab sich
jedoch nicht. Für zukünftige Studien ist es also zu empfehlen, zwischen
verschiedenen
Subtypen
depressiver
Erkrankungen
zu
unterscheiden.
Bei
Verwendung der gängigen Diagnoseschemata ICD-10 (Dilling, H., Mombour, W. &
Schmidt, M.H., 1991) und DSM-IV (American Psychiatric Association, 2000) ist
Anhedonie nämlich kein obligates Symptom für eine depressive Episode. Bei einem
klinisch
beschriebenen
Subtyp
depressiver
Erkrankungen,
der
sogenannten
melancholischen Depression, ist Anhedonie jedoch kennzeichnende und obligate
Beschwerde (Fawcett, J., Clark, D.C., Scheftner, W.A. et al., 1983b). Für Patienten
65
dieser
Unterkategorie
ist
gemäß
der
vorliegenden
Ergebnisse
von
einer
Beeinträchtigung der hedonischen Wahrnehmung von Gerüchen auszugehen.
8.3.
Die
Diskussion der Ergebnisse für Schizophreniepatienten
Auswertung
der
Symptomskalen
belegt
für
die
Gruppe
der
Schizophreniepatienten zunächst das Vorliegen unterschiedlicher Beschwerdeprofile
zu T1 und T2: während sich negative Symptome und Anhedonie als stabil erwiesen,
kam es zwischen Erstuntersuchung und Follow-up zu einer deutlichen Reduktion der
Positivsymptomatik. Die Patienten wurden also einmal im akut psychotischen und
einmal im Residualzustand untersucht.
Bei den drei Aufgaben der Originalversion des Sniffin’ Sticks Tests zeigten
Schizophrene im Vergleich mit Gesunden umfassende Einschränkungen in der
Riechleistung. Diese Befunde stehen in Einklang mit zahlreichen früheren
Untersuchungen, in denen sich für Schizophreniepatienten ebenfalls reduzierte
Leistungen bei Schwellenbestimmung (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler,
G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b;
Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Owzar, K. et al., 2003; Turetsky, B.I., Moberg, P.J.,
Roalf, D.R. et al., 2003), Diskrimination (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler,
G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b) und
Identifikation (Brewer, W.J., Pantelis, C., Anderson, V. et al., 2001; Coleman, E.,
Goetz, R.R., Leitman, D. et al., 2002; Compton, M.T., McKenzie Mack, L.,
Esterberg, M.L. et al., 2006; Corcoran, C., Whitaker, A., Coleman, E. et al., 2005;
Good, K.P., Martzke, J.S., Honer, W.G. et al., 1998; Good, K.P., Leslie, R.A.,
McGlone, J. et al., 2007; Houlihan, D.J., Flaum, M., Arnold, S.E. et al., 1994;
Kopala, L., Good, K., Martzke, J. et al., 1995; Kopala, L.C., Clark, C. & Hurwitz, T.,
1993; Malaspina, D. & Coleman, E., 2003; Moberg, P.J., Arnold, S.E., Doty, R.L. et
al., 2006; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I.,
Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b; Szeszko, P.R., Bates, J., Robinson,
D. et al., 2004; Wu, J., Buchsbaum, M.S., Moy, K. et al., 1993) ergaben. Auf
hirnstruktureller Ebene lassen sich Defizite in der olfaktorischen Sensitivität bei
Schizophrenen mit einer Volumenreduktion im perirhinalen Kortex in Verbindung
bringen (Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Roalf, D.R. et al., 2003). Verminderte
66
Leistungen
in
einem
Diskriminationstest
scheinen
mit
einem
reduzierten
Hippokampus-Volumen einherzugehen (Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler,
G. et al., 2005a). Eine bereits erwähnte SPECT-Untersuchung (Malaspina, D., Perera,
G.M., Lignelli, A. et al., 1998) gibt Einblick in die hirnfunktionellen Anomalien, die
dem Identifikationsdefizit schizophrener Patienten zu Grunde liegen könnten: so fand
sich bei den Betroffenen ein Hypometabolismus in einem rechtshemisphärisch
angesiedelten kortikalen Gebiet, das das Broca-Areal, den oberen Temporallappen,
den supramarginalen Gyrus und den Gyrus angularis umfasst, sowie eine fehlende
Steigerung des lokalen zerebralen Blutflusses im Hippokampus und in visuellen
Assoziationsarealen. Insgesamt ist also für Schizophrene von umfassenden
Anomalien des olfaktorischen Systems auszugehen, was sowohl Studien zur
Reizverarbeitung auf Rezeptorebene (Turetsky, B.I., Hahn, C.G., Arnold, S.E. et al.,
2009; Turetsky, B.I. & Moberg, P.J., 2009), als auch hirnstrukturelle- (Rupp, C.I.,
Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Turetsky, B.I., Moberg, P.J.,
Yousem, D.M. et al., 2000; Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Arnold, S.E. et al., 2003;
Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Roalf, D.R. et al., 2003) und funktionelle (Bertollo,
D.N., Cowen, M.A. & Levy, A.V., 1996; Turetsky, B.I., Moberg, P.J., Owzar, K. et
al., 2003) Untersuchungen bestätigen. Moberg und Kollegen (1999) schlussfolgern
zudem in ihrer Übersichtsarbeit, dass zumindest für den Bereich der Identifikation
davon ausgegangen werden kann, dass die gefundenen Defizite unabhängig von
Rauchstatus und Medikation der Patienten auftreten. Insgesamt spricht also vieles
dafür, bei Schizophrenen eine primäre Störung des Geruchssinns zu vermuten.
Ein komplexes Bild ergibt sich für den Bereich der subjektiven
Geruchsbewertungen. Hier schienen die Intensitätsurteile der Patienten in der
vorliegenden Stichprobe intakt. Dieser Befund deckt sich mit der Ergebnislage
früherer Untersuchungen, in denen sich ebenfalls keine Unterschiede zwischen den
Intensitätsbewertungen von Schizophrenen und Gesunden fanden (Hudry, J., Saoud,
M., D'Amato, T. et al., 2002; Moberg, P.J., Arnold, S.E., Doty, R.L. et al., 2003;
Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I.,
Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005b).
Wie bereits dargestellt (siehe Kapitel 3.3.2.), ist die bisherige Datenlage zu
hedonischen Geruchsbewertungen bei schizophrenen Patienten sehr heterogen
(Crespo-Facorro, B., Paradiso, S., Andreasen, N.C. et al., 2001; Doop, M.L. & Park,
S., 2006; Hudry, J., Saoud, M., D'Amato, T. et al., 2002; Moberg, P.J., Arnold, S.E.,
67
Doty, R.L. et al., 2003; Plailly, J., d'Amato, T., Saoud, M. et al., 2006; Rupp, C.I.,
Fleischhacker, W.W., Kemmler, G. et al., 2005a; Rupp, C.I., Fleischhacker, W.W.,
Kemmler, G. et al., 2005b). Dies ist vermutlich auf erhebliche Unterschiede in
Untersuchungsmethodik und Stichprobencharakteristika zwischen den einzelnen
Studien zurück zu führen. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung lenken den
Blick diesbezüglich vor allem auf die Unterscheidung zwischen positiven und
negativen Symptomen der Schizophrenie. Bei der Erstuntersuchung, in einer
Erkrankungsphase, die durch das Vorherrschen positiver Symptome gekennzeichnet
war, zeigten die Patienten bei den hedonischen Ratings eine veränderte
Beurteilungsspanne, und zwar in Form einer Neigung zu extremeren Einschätzungen.
Bei der Nachuntersuchung, in einem Erkrankungsstadium, das als negatives
Residuum bezeichnet werden kann, fanden sich keine Unterschiede zwischen den
hedonischen Urteilen von Patienten und Gesunden mehr. Während Doop und Park
(2006)
einen
signifikanten
Zusammenhang
zwischen
schizophrenen
Negativsymptomen und einer reduzierten Beuteilungsspanne für hedonische
Geruchsbewertungen fanden, ergab sich also in der vorliegenden Studie eine
erweiterte Beurteilungsspanne der hedonischen Ratings in einer Phase, die durch das
Vorherrschen positiver Symptome gekennzeichnet war. In der Zusammenschau
motivieren diese Befunde die neue Hypothese, dass der gesamte Verlauf einer
schizophrenen
Erkrankung –
von
akut
psychotischen
Episoden
bis
zum
Residualzustand – von spezifischen Veränderungen in der Urteilsspanne für
hedonische Geruchsbewertungen begleitet sein könnte.
Während sich die hedonischen Ratings der Patienten zu den beiden
Testzeitpunkten wie bereits dargestellt in charakteristischer Weise unterschieden,
veränderte sich das Ausmaß der berichteten Anhedonie hingegen nicht signifikant.
Dieser Befund spricht für die Gruppe der schizophrenen Patienten gegen die bereits
erwähnte Hypothese von Atanasova und Kollegen (2008), dass Anhedonie sich auch
direkt auf der Ebene olfaktorischer Reizverarbeitung widerspiegeln könnte. In die
gleiche Richtung deuten auch die Befunde einer früheren Untersuchung, in der
Schizophreniepatienten im Vergleich zu Gesunden zwar höhere Werte in einem
Anhedonie-Fragebogen erzielten, sich in der hedonischen Bewertung verschiedener
Stimuli jedoch nicht von den Kontrollprobanden unterschieden (Burbridge, J.A. &
Barch, D.M., 2007). In ähnlicher Weise argumentieren Gard und Kollegen: „Research
on anhedonia in schizophrenia has revealed mixed results, with patients reporting
68
greater anhedonia than healthy controls on self-report measures and semi-structured
interviews, but also reporting comparable experiences of positive emotions in
response to pleasurable stimuli” (2007, S. 253). Sie schlagen deshalb vor, für
Schizophrene zwischen antizipatorischem und konsumatorischem Freudeempfinden
zu unterscheiden. Dabei scheint die Antizipation positiver Erfahrungen gestört zu
sein, was sich in klinischen Skalen zur Erfassung der Anhedonie niederschlägt,
jedoch nicht der konsumatorische Aspekt des Genießens.
8.4.
Diskussion der Ergebnisse für Demenzpatienten
Gemäß der Auswertung der Ergebnisse des MMST kann davon ausgegangen werden,
dass sich die untersuchten Patienten zu T1 in einem Zustand leichter oder
beginnender Demenz befunden haben. Die Belastung durch Anhedonie war laut
Selbstauskunft nur gering ausgeprägt.
In Bezug auf die Riechschwelle fanden sich in der vorliegenden Untersuchung
keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Demenzpatienten und gesunden
Kontrollen. Bei
der Interpretation dieses Befundes sind jedoch die geringe
Stichprobengröße von n=5 und die dementsprechend niedrige statistische Power zu
berücksichtigen. In einigen früheren Untersuchungen fanden sich bei Demenzkranken
ebenfalls keine Einschränkungen der olfaktorischen Sensitivität (Kareken, D.A.,
Doty, R.L., Moberg, P.J. et al., 2001; Koss, E., Weiffenbach, J.M., Haxby, J.V. et al.,
1988; Larsson, M., Semb, H., Winblad, B. et al., 1999). Die Mehrzahl der Studien
deutet jedoch darauf hin, dass Demenzpatienten und Patienten mit der Diagnose einer
leichten kognitiven Störung im Schwellentest schlechter abzuschneiden scheinen als
Gesunde (Chan, A., Tam, J., Murphy, C. et al., 2002; Djordjevic, J., Jones-Gotman,
M., De Sousa, K. et al., 2008; Doty, R.L., Reyes, P.F. & Gregor, T., 1987; Lehrner,
J.P., Brucke, T., Dal-Bianco, P. et al., 1997; Murphy, C., Gilmore, M.M., Seery, C.S.
et al., 1990). Auch eine Metaanalyse (Mesholam, R.I., Moberg, P.J., Mahr, R.N. et
al., 1998) kommt zu diesem Schluss. Die abweichende Datenlage in der vorliegenden
Studie kann zum einen auf die geringe statistische Power und zum anderen auf die
Tatsache zurückgeführt werden, dass sich die untersuchten Patienten in einem
Zustand nur leicht ausgeprägter Demenz befanden. In einer der bereits genannten
Vorstudien ergab sich nämlich eine signifikante Korrelation zwischen der Schwere
69
der Demenzsymptomatik und dem Ausprägungsgrad der Defizite im Schwellentest
(Murphy, C., Gilmore, M.M., Seery, C.S. et al., 1990).
Bei der Diskriminationsaufgabe fanden sich ebenfalls keine signifikanten
Unterschiede zwischen Patienten und Kontrollpersonen. Auch hier ist jedoch die
geringe Stichprobengröße von n=7 bei der Interpretation zu berücksichtigen.
Vorliegende Untersuchungen deuten darauf hin, dass für Demenzkranke auch in
diesem Bereich von einem Leistungsdefizit auszugehen ist (Djordjevic, J., JonesGotman, M., De Sousa, K. et al., 2008; Luzzi, S., Snowden, J.S., Neary, D. et al.,
2007). Der dabei gefundene positive Zusammenhang zwischen dem Ausmaß
kognitiver Beeinträchtigungen und dem Grad der Einschränkungen in der
Diskriminationsfähigkeit (Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al.,
2008)
könnte
erklären,
warum
in
der
vorliegenden
Untersuchung
der
Leistungsunterschied zwischen leicht Demenzkranken und Gesunden kein statistisch
signifikantes Niveau erreichte.
Bezüglich
Demenzpatienten
der
Identifikationsfähigkeit
schlechter
ab
als
schnitten
gleichaltrige
die
untersuchten
Kontrollprobanden.
Das
Signifikanzlevel erreichte dabei das Niveau einer statistischen Tendenz. Dieser
Befund steht in Übereinstimmung mit zahlreichen früheren Untersuchungen, die
ebenfalls signifikante Defizite in der olfaktorischen Identifikationsfähigkeit von
Demenzpatienten fanden (Chan, A., Tam, J., Murphy, C. et al., 2002; Djordjevic, J.,
Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008; Doty, R.L., Reyes, P.F. & Gregor, T.,
1987; Duff, K., McCaffrey, R.J. & Solomon, G.S., 2002; Gray, A.J., Staples, V.,
Murren, K. et al., 2001; Kareken, D.A., Doty, R.L., Moberg, P.J. et al., 2001;
Kesslak, J.P., Cotman, C.W., Chui, H.C. et al., 1988; Larsson, M., Semb, H.,
Winblad, B. et al., 1999; Lehrner, J.P., Brucke, T., Dal-Bianco, P. et al., 1997; Luzzi,
S., Snowden, J.S., Neary, D. et al., 2007; McLaughlin, N.C. & Westervelt, H.J., 2008;
Rezek, D.L., 1987; Royet, J.P., Croisile, B., Williamson-Vasta, R. et al., 2001; Serby,
M., Larson, P. & Kalkstein, D., 1991; Suzuki, Y., Yamamoto, S., Umegaki, H. et al.,
2004; Westervelt, H.J., Stern, R.A. & Tremont, G., 2003; Williams, S.S., Williams,
J., Combrinck, M. et al., 2009). Zudem zeigte sich ein korrelativer Zusammenhang
zwischen dem Ausmaß kognitiver Defizite und Einschränkungen in der
Identifikationsleistung (Djordjevic, J., Jones-Gotman, M., De Sousa, K. et al., 2008;
Larsson, M., Semb, H., Winblad, B. et al., 1999; Serby, M., Larson, P. & Kalkstein,
D., 1991; Suzuki, Y., Yamamoto, S., Umegaki, H. et al., 2004). Da die Patienten in
70
der vorliegenden Studie in einem Stadium der beginnenden Erkrankung untersucht
wurden, zeigten sie im Vergleich mit Gesunden dementsprechend auch nur gering
ausgeprägte Identifikationsdefizite. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass ein
Großteil der Patienten zum Zeitpunkt der Testung unter Behandlung mit
Antidementiva stand. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nämlich, dass zumindest bei
der Behandlung mit dem Wirkstoff Donezepil auch eine Besserung der olfaktorischen
Identifikationsdefizite zu erwarten ist (Velayudhan, L. & Lovestone, S., 2009).
Bezüglich
der
Intensitätseinschätzungen
ergab
sich
kein
statistisch
signifikanter Unterschied zwischen Demenzpatienten und Kontrollen. Innerhalb der
Patientengruppe zeigte sich jedoch ein Zusammenhang zwischen einer stärkeren
kognitiven Beeinträchtigung und reduzierten Intensitätsurteilen für die Testgerüche.
Dieser Befund stimmt mit den Daten einer früheren Untersuchung überein, in der
Demenzpatienten die präsentierten olfaktorischen Stimuli im Vergleich mit Gesunden
als weniger intensiv beurteilten (Royet, J.P., Croisile, B., Williamson-Vasta, R. et al.,
2001).
Im Vergleich mit Gesunden bewerteten Demenzpatienten die präsentierten
Gerüche als signifikant angenehmer. In der bereits erwähnten Studie zu subjektiven
Geruchsurteilen bei Alzheimerpatienten (Royet, J.P., Croisile, B., Williamson-Vasta,
R. et al., 2001) ergaben sich hingegen keine Unterschiede in den hedonischen Ratings
von Patienten und gleichaltrigen gesunden Vergleichspersonen. Hier wurde allerdings
ein andersartiger Satz von Testgerüchen verwendet. Die Ergebnisse der vorliegenden
Untersuchung stehen in Übereinstimmung mit den Befunden einer früheren Studie
der eigenen Arbeitsgruppe: hier bewerteten bereits gesunde ältere Testpersonen die
präsentierten Gerüche als signifikant angenehmer, als dies jüngere Personen taten
(Markovic, K., Reulbach, U., Vassiliadu, A. et al., 2007). Aus evolutionärer
Perspektive erscheint dies als sinnvoller Schutzmechanismus. So konnte die Gefahr
von
Unterernährung
Nahrungsrationen
im
verringert
höheren
werden.
Lebensalter
Statistische
während
Zeiten
Zusammenhänge
knapper
zwischen
Symptommaßen und den hedonischen Geruchsurteilen ergaben sich nicht. Für die
zukünftige Forschung erschiene es jedoch interessant, auch für Patienten im
fortgeschrittenen Erkrankungsstadium mit größeren kognitiven Defiziten und
verstärkter Anhedonie nach möglichen Zusammenhängen mit Veränderungen in den
subjektiven Geruchsurteilen zu fahnden.
71
8.5.
Diskussion der Ergebnisse für Angstpatienten
Wie bereits dargestellt, zeigte auch die untersuchte Gruppe hospitalisierter
Angstpatienten entgegen der ursprünglichen Erwartung eine deutliche Belastung
durch Anhedonie. Besonders betroffen waren dabei Probanden mit einer stärkeren
Ausprägung der Angstsymptomatik, bei denen störungsbedingt von einer größeren
Einschränkung des Handlungsspielraums und damit auch des hedonischen
Repertoires auszugehen ist.
Bei
der
olfaktorischen
Schwellenbestimmung
ergaben
sich
keine
Leistungsunterschiede zwischen Angstpatienten und gesunden Kontrollpersonen. Wie
bereits erwähnt (siehe Kapitel 8.2), wird diese Aufgabe peripheren- und nicht
zentralen Arealen des Riechsystems zugeordnet (Atanasova, B., Graux, J., El Hage,
W. et al., 2008). Auf peripherer Ebene erscheint die Geruchswahrnehmung von
Angstpatienten also intakt.
Auch bei der Identifikationsaufgabe ergaben sich keine Unterschiede
zwischen Angstpatienten und gesunden Kontrollprobanden. Dieser Befund deckt sich
mit den Ergebnissen einer früheren Untersuchung an einer Stichprobe von
Panikpatienten, in der die Betroffenen ebenfalls keine Einschränkungen der
Identifikationsleistung zeigten (Kopala, L.C. & Good, K.P., 1996).
In der Diskriminationsaufgabe hingegen, zeigten die Patienten im Vergleich
zu gesunden Kontrollpersonen signifikant schlechtere Leistungen. Aus der klinischen
Erfahrung
lässt
sich
dieser
Befund
möglicherweise
zu
den
speziellen
Wahrnehmungstendenzen von Angstpatienten in Bezug setzen: Sie neigen dazu,
Umweltreize sehr schnell zu kategorisieren, und zwar als gefährlich oder
ungefährlich. Dadurch könnte jedoch die feindiskriminierende Wahrnehmung von
Stimuli beeinträchtigt sein.
Bezüglich der subjektiven Geruchsbewertungen ergaben sich signifikante
Unterschiede zwischen Angstpatienten und gesunden Vergleichspersonen. Die
Patienten beurteilten die Gerüche als intensiver und zeigten bei ihren hedonischen
Ratings
ähnlich
wie
akut
psychotische
Schizophrene
einen
erweiterten
Beurteilungsrange. Zusammenhänge zwischen den subjektiven Geruchsurteilen und
den erhobenen Symptommaßen ergaben sich nicht. Die Neigung, Teststimuli in ihrer
Intensität und Hedonik subjektiv als extremer einzustufen, lässt sich möglicherweise
in Bezug setzen zu einer störungsbedingten Hyperreagibilität und Hypersensibilität
72
von Angstpatienten. Erste Befunde deuten darauf hin, dass sich die Tendenz von
Angsterkrankten, auf Geruchsreize besonders intensiv zu reagieren, möglicherweise
auch therapeutisch nutzen ließe. So schildern Abramowitz und Lichtenberg (2009) in
einem
Fallbericht
Erfahrungen
mit
der
Methode
des
sogenannten
hypnotherapeutischen olfaktorischen Konditionierens. Dabei lernt der Betroffene
unter Hypnose, bestimmte angenehme Gerüche mit einem Gefühl von Sicherheit und
Selbstkontrolle
zu
assoziieren,
was
ihm
anschließend
dabei
helfen
soll,
Angstsituationen besser zu überstehen.
Für zukünftige Studien an Angstpatienten wäre es interessant, neben den hier
erhobenen subjektiven Geruchsurteilen auch noch den Bekanntheitsgrad der
dargebotenen Testgerüche zu erfassen, da sich vermuten ließe, das Ängstliche auf
bekannte und unbekannte Stimuli in unterschiedlicher Weise reagieren. Ebenso
vielversprechend erscheint die Frage nach den individuell angstauslösenden Stimuli
der einzelnen Patienten. Gerüche, die zu einem konditionierten Stimulus für
Angstreaktionen geworden sind, könnten möglicherweise in veränderter Weise
wahrgenommen und bewertet werden.
8.6.
Ziel
Zusammenfassende Interpretation und Bewertung
der
vorliegenden
Untersuchung
war
es,
Veränderungen
in
der
Riechwahrnehmung bei vier verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern, nämlich
Depression, Schizophrenie, Demenz und Angst, näher zu beleuchten. Im Zentrum der
Arbeit stand dabei die Erfassung der hedonischen Bewertung von Geruchsreizen und
möglicher Zusammenhänge mit Anhedonie und anderen psychiatrischen Symptomen.
Die eingesetzten Methoden erwiesen sich für die gegebene Fragestellung als adäquat.
Die vorliegenden Ergebnisse zu Veränderungen in der Riechleistung bei den vier
untersuchten
Erkrankungen
scheinen
die
Hypothese
zu
bestätigen,
dass
Riechstörungen als biologischer Marker für neurologische und psychiatrische
Erkrankungen gelten können (Atanasova, B., Graux, J., El Hage, W. et al., 2008).
Dabei scheinen die Beeinträchtigungen des Geruchssinns für verschiedene
Störungsbilder jeweils ein spezifisches und typisches Muster anzunehmen. Die Frage
nach dem Zusammenhang zwischen dem Ausmaß erlebter Anhedonie und
Veränderungen in der hedonischen Bewertung von Gerüchen lässt sich gemäß der
73
vorliegenden Befunde nicht allgemein beantworten, sondern muss für jedes
Störungsbild gesondert betrachtet werden. Übereinstimmend ziehen auch Berrios und
Olivares (1995) die weitverbreitete Annahme in Zweifel, dass sich Anhedonie bei
Schizophrenie, Depression und anderen Störungen
jeweils auf das gleiche
biologische Phänomen zurückführen lässt: „That this assumption is unwarranted can
be seen from the fact that pleasure is a hierarchical concept whose mechanism can be
disabled at various levels, each having a different biological representation” (S. 467).
9.
Ausblick
Vor dem Hintergrund der vorliegenden Ergebnisse und der aktuellen Literatur kann
davon ausgegangen werden, dass für die vier untersuchten Störungsbilder jeweils ein
spezifisches Muster veränderter olfaktorischer Wahrnehmung angenommen werden
kann. Für die Zukunft wären bestätigende Studien mit einer größeren Probandenzahl
wünschenswert. Nachfolgeuntersuchungen mit bildgebenden Verfahren könnten dazu
beitragen, die an verschiedenen Riechaufgaben beteiligten Hirnareale näher zu
beleuchten, sowie deren zu erwartende Überlappungen mit Gebieten, die im Rahmen
verschiedener psychiatrischer Erkrankungen Funktionsanomalien aufweisen.
Zum Phänomen der Anhedonie und der hedonischen Bewertung von
Geruchsstoffen bleiben zum derzeitigen Stand der Forschung noch viele Fragen
offen. So erschiene es ebenfalls als aufschlussreich, den Zusammenhang zwischen
Anhedonie und der hedonischen Bewertung olfaktorischer Stimuli auch im Rahmen
weiterer psychiatrischer Grunderkrankungen, wie zum Beispiel Suchterkrankungen,
näher zu beleuchten. Eine Untersuchung bei subklinisch ausgeprägten Zuständen von
Anhedonie an gesunden Probanden wäre ebenfalls vielversprechend. Auch die Frage
nach möglichen Zusammenhängen zwischen Anhedonie und der hedonischen
Bewertung von Reizen anderer Sinnesmodalitäten bleibt noch weitgehend
unbeantwortet. Im Sinne der betroffenen Patienten scheint es unbedingt erforderlich,
die biologischen Phänomene, die dem Symptom der Anhedonie zu Grunde liegen und
es begleiten, näher zu beleuchten. Die vorliegende Arbeit hofft, hier einen Beitrag zu
leisten.
74
10. Literaturverzeichnis
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89
11. Abkürzungsverzeichnis
•
ApoE4
=
Apolipoprotein E, Allel 4
•
BAI
=
Beck Angst-Inventar
•
BDI
=
Beck-Depressions-Inventar
•
cAMP
=
Zyklisches Adenosinmonophosphat
•
DSM-IV
=
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders,
4. Revision
•
fMRT
=
Funktionelle Magnetresonanztomographie
•
ICD-10
=
International Classification of Diseases, 10. Revision
•
M
=
Mittelwert
•
MMST
=
Mini Mental Status Test
•
MRT
=
Magnetresonanztomographie
•
PANSS
=
Positive and Negative Syndrome Scale
•
PET
=
Positronenemissionstomographie
•
SEM
=
Standard Error of Means
(Standardfehler der Mittelwerte)
•
SD
=
Standard Deviation
(Standardabweichung)
•
SHAPS
=
Snaith Hamilton Pleasure Scale
•
SPECT
=
Single Photon Emission Computed Tomography
(Einzelphotonen-Emissions-Tomographie)
•
UPSIT
=
University of Pennsylvania Smell Identification Test
•
VARU
=
Visual Analogue Rating Unit (Einheit der visuellen
Analogskala), Angaben in cm
90
12. Publikationen
•
Clepce, M., Gossler, A., Reich, K., Kornhuber, J. Thuerauf, N. (2010). „The
relation between depression, anhedonia and olfactory hedonic estimates – a
pilot study in major depression.” Neurosci Lett 471(3):139-143.
•
Lenz, B., Klafki, H.W., Hillemacher, T., Killisch, N., Schaller, G., Frieling,
H., Clepce, M., Gossler, A., Thuerauf, N., Winterer, G., Kornhuber, J.,
Bleich, S. (2010). „Smoking behaviour is associated with expression and
phosphorylation
of
CREB
in
Neuropsychopharmacol 13(2): 207-215.
human
buffy
coat.”
Int
J
91
13. Danksagung
Mein besonderer Dank gilt Hr. Privatdozenten Dr. med. habil. N. Thürauf für die
Überlassung des Promotionsthemas und seine engagierte wissenschaftliche
Betreuung.
Gedankt sei auch Hr. Professor Dr. Kornhuber für die Möglichkeit der Promotion an
der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen.
Zu Dank verpflichtet bin ich ebenfalls Hr. Prof. Dr. F. Lang und Fr. Prof. Dr. S. Engel
vom Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg,
sowie
Hr.
Dr.
H.
Lehfeld
und
seinem
Team
von
der
Gedächtnissprechstunde der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des
Klinikums Nürnberg Nord, die es mir ermöglichten, Patienten ihrer Einrichtungen für
die vorliegende Untersuchung zu gewinnen.
Auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen, sowie den wissenschaftlichen und
studentischen Hilfskräften aus der Arbeitsgruppe Sensorik der Psychiatrischen und
Psychotherapeutischen Klinik möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich
bedanken für ein stets angenehmes Arbeitsklima und vielfältige Anregungen und
Unterstützung bei der Gestaltung dieser Arbeit. Insbesondere gilt mein Dank hier Fr.
Karin Reich und Fr. Andrea Goßler.
Besonders danken möchte ich selbstverständlich auch allen Probanden, die mit ihrer
Teilnahme an den Untersuchungen diese Arbeit erst ermöglicht haben.
92
14. Lebenslauf
Persönliche Daten:
Name:
Marion Brigitte Clepce (geb. Schultheiß)
Geburtsdatum:
01.12.1979
Geburtsort:
Coburg
Eltern:
Karl Schultheiß, geb. 30.10. 1943
Margarethe Schultheiß, geb. 07.01.1943, verst. 13.07.2007
Familienstand:
verheiratet
Ehemann:
Stefan Clepce, geb. 29.07.1979, Dipl.-Informatiker
Schullaufbahn:
1986 – 1990: Grund- und Teilhauptschule Großheirath
1990 – 1999: Gymnasium Alexandrinum Coburg,
beendet mit dem Abitur im Juni 1999
Studium:
1999-2004: Studium der Diplom-Psychologie an der Otto-Friedrich
Universität Bamberg,
beendet mit der Diplomprüfung im Oktober 2004
•
Vordiplom nach dem SS 2001
•
Thema der Diplomarbeit: „,Schwamm drüber!’ – Eine empirische
Untersuchung zum Humor in der TV-Serie ,Ally McBeal’“
93
Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin:
2004-2009: Ausbildung
zur
Psychologischen
Psychotherapeutin
für
Verhaltenstherapie am CIP Bamberg,
beendet mit der Approbationsprüfung im März 2009
•
November 2004 – Juli 2005:
Psychiatrie-Jahr in der Tagesklinik der Psychiatrischen und
Psychotherapeutischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
•
September 2005 – Februar 2006:
Psychosomatik-Tätigkeit
Psychotherapeutischen
in
der
Abteilung
Psychosomatischen
der
und
Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg
•
März 2006 – März 2009:
Praktische Tätigkeit in der Lehrpraxis Dr. Andrea Röthlein,
Nürnberg
Beruflicher Werdegang:
•
März 2006 – Dezember 2006:
Wissenschaftliche
Hilfskraft
in
der
Psychiatrischen
und
Psychotherapeutischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
•
seit Januar 2007:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Psychiatrischen und
Psychotherapeutischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
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