Japan Währungsanalyse

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Japan
Währungsanalyse
29. August 2006
Kernaussagen
Prognosen
aktuell
Sep.06
Dez.06
Jun.07
Leitzins
0,25
0,25
0,50
0,75
3M-Zins
0,40
0,50
0,70
1,00
3M-Spread*
285
275
300
270
10J-Rendite
1,72
1,85
2,10
2,30
10J-Spread**
210
235
230
190
EUR/JPY
149,5
150
154
149
USD/JPY
116,7
115
114
109
* zum EUR-3M-Zins, in Basispunkten
** zur EUR-Benchmark, in Basispunkten
Quelle: Reuters, Raiffeisen RESEARCH
Technische Analyse:
Der Durchbruch des Widerstandes 145,70 somit ein Ausbruch aus einem Dreieck - konnte
bestätigt werden. Als nächste Zielmarken werden die Retracements 152,35 und 154,90
gehandelt.
JPY pro EUR
Quelle: Reuters; Raiffeisen RESEARCH
Analyst
Ronald Plasser
[email protected]
Technische Analyse
Robert Schittler, CEFA
[email protected]
„ Mit einem BIP-Wachstum von 0,2 % p.q. bzw. 2,2 % p.a.
enttäuschte das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Die
meisten Konjunkturindikatoren sind aber zuversichtlich, dass die
kräftige Wirtschaftserholung noch nicht beendet ist. Erst nächstes
Jahr könnte sich das Wachstumstempo nach bereits mehr als vier
Jahren dauernder Erholungsphase allmählich verlangsamen.
Wir gehen von BIP-Zuwachsraten von 2,6 % für 2006 und
2,0 % für 2007 aus, so dass sich das Wachstum an das auf
1,5 % bis 2 % geschätzte Potenzialwachstum annähern wird.
„ Einen Rückfall in die Deflation halten wir aber für unwahrscheinlich, immerhin sollte die Inflationsrate von 0,5 % im Jahr
2006 auf 0,8 % im Jahr 2007 ansteigen. Der BIP-Deflator
dürfte es hingegen erst frühestens 2007 in positives Terrain
schaffen.
„ Die Bank of Japan (BoJ) hat ihren geldpolitischen Sonderweg
beendet. Im Juli hat sie ihren Leitzins auf 0,25 % erhöht und
damit ihre jahrelange Ära der Nullzinspolitik beendet. Die nächste Zinsanhebung von 25 Basispunkten sollte im vierten Quartal
folgen, da die Investitionen sehr hoch sind und zu überhitzen
drohen. Im Jahr 2007 dürfte die Konjunkturverlangsamung und
eine voraussichtlich festere Tendenz des Yen die Notenbank zu
einer abwartenden Haltung veranlassen. Wir rechnen im ersten
Halbjahr 2007 nur mit einer weiteren Zinsanhebung von 25
Basispunkten, sodass der Leitzins Mitte 2007 somit bei 0,75 %
liegen sollte.
„ Der Euro setzt seine Rekordjagd gegenüber dem Yen fort und
nähert sich der psychologisch wichtigen Marke von EUR/JPY
150. Dabei ist der Yen so stark unterbewertet wie seit zwanzig
Jahren nicht mehr. Der Grund ist, dass der Yen unter den niedrigen japanischen Zinsen litt und immer noch leidet. Kurz- und
mittelfristig sollte der Yen auch unter der US-Wachstumsverlangsamung leiden. Gegenüber dem Euro könnte der Yen daher
bis Jahresende in Richtung EUR/JPY 154 abwerten. Da der USDollar aber noch stärker abwerten dürfte, sollte der Yen im
Dezember bei USD/JPY 114 liegen.
„ Ab dem nächsten Jahr, wenn die Zinsschere zuungunsten des
Yen nicht mehr weiter auseinander gehen sollte, dürften die
langfristigen Argumente für eine Yen-Aufwertung wieder relevant
werden. Im Juni 2007 liegen unsere Wechselkurs-Ziele bei
EUR/JPY 149 bzw. USD/JPY 109. Von einer Finanzierung im
japanischen
Yen
raten
wir
spätestens
ab
dem
nächsten Jahr dringendst ab!
Japan
Konjunktur abgeschwächt aber neuer Schwung erwartet
Nachdem die japanische Wirtschaft seit Anfang
2005 deutlich expandiert hatte (reales BIP 2005:
2,6 % p.a., reales BIP erstes Quartal 2006: 0,7 %
p.q. bzw. 3,4 % p.a.), ist sie im zweiten Quartal
weniger stark gewachsen als erwartet. Mit einem
Anstieg von 0,2 % p.q. bzw. 2,2 % p.a. (gemäß
erster Schätzung vom 11. August) enttäuschte das
Wirtschaftswachstum auf den ersten Blick, und es
stellt sich die Frage, ob der Konjunkturaufschwung
in Japan nun zu Ende ist. Der jüngste Verlauf des
japanischen BIP-Wachstums erinnert an jenen der
USA, die ebenfalls nach einem fulminanten Start ins
neue Jahr im zweiten Quartal eine deutliche
Wachstumsverlangsamung hinnehmen mussten. In
den USA gehen wir davon aus, dass aufgrund der
Abschwächung des US-Immobilienmarktes und der
damit ausgelösten Konsumschwäche das Wachstum noch über mehrere Quartale gebremst sein
wird. Ereilt Japan ein ähnliches Schicksal?
BIP-Wachstum: Japan, USA, Eurozone
1,50
1,25
1,00
0,75
0,50
0,25
0,00
Q1
2005
Q2
2005
Q3
2005
Q4
2005
Q1
2006
Q2
2006
reales BIP Japan, % p.q.
reales BIP Eurozone, % p.q.
reales BIP USA, % p.q.
Konjunkturindikatoren bleiben optimistisch
5
110
4
105
3
100
2
95
1
0
90
-1
85
-2
-3
80
95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06
Japan Konjunkturvorlaufindikator
reales BIP Japan, % p.a. (rechte Skala)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Bei genauerer Analyse der BIP-Komponenten fällt
allerdings auf, dass sich nur ein Teil der Wachstumsbedingungen verschlechtert hat. Das niedrige
Wachstum ist demnach hauptsächlich auf die
gesunkenen Nettoexporte und staatliche Binnennachfrage zurückzuführen. Die private Binnennachfrage (privater Konsum und Investitionen) hat
sich aber erstaunlich gut gehalten. Dies bestätigt
unsere Einschätzung, dass es sich bei dem bereits
mehr als vier Jahre dauernden Erholungskurs um
kein Strohfeuer wie in den Neunziger Jahren handelt, das nur von außen (Exporte) oder von steigenden Staatsausgaben vorübergehend angefacht
wird - ganz im Gegenteil: Es sind vor allem die privaten Unternehmensinvestitionen und der private
Konsum, die das Wachstum in Japan so stark
antreiben und weiterhin ein Rückgrat für das japanische Wirtschaftswachstum sein werden.
Beiträge zum realen BIP-Wachstum
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Betrachtet man allerdings die japanischen Konjunkturindikatoren, so befinden sich diese weiterhin auf sehr hohen Niveaus. Der japanischen Wirtschaft scheint es also ausgezeichnet zu gehen, was
auf den ersten Blick ein Widerspruch zum Wachstumseinbruch im zweiten Quartal zu sein scheint.
Die Konjunkturindikatoren würden also in den kommenden sechs Monaten eine Fortsetzung des
Wachstums nahe legen. Wie passt dies mit den
zuletzt enttäuschenden BIP-Zahlen zusammen?
1,5
1,5
1,0
1
0,5
0,5
0,0
0
-0,5
-0,5
-1,0
-1
00
01
02
03
04
05
06
Nettoexporte
Staatliche Binnennachfrage
Private Binnennachfrage
reales BIP, % p.q.
Quelle: Cabinet Office, Raiffeisen RESEARCH
2
Japan
„ Das Fundament für ein tragfähiges Wachstum
bildet ein mittlerweile wieder robuster Bankensektor. Dieser hat seine Altlast an faulen
Krediten so weit abgebaut, dass er inzwischen
wieder Risiko nehmen und neue Kredite vergeben kann. Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist
das gesamte Kreditvolumen der japanischen
Banken wieder angestiegen. Die durchschnittliche Unternehmensverschuldung außerhalb des
Finanzsektors liegt heute dank Restrukturierungserfolgen wieder auf jenem Niveau, das vor den
Exzessen der Achtziger Jahre registriert worden
war. Auch die Kreditnachfrage im privaten
Sektor steigt wieder an.
„ Ein wichtiger Wachstumsmotor des neuen Wirtschaftsaufschwungs ist der private Konsum. Die
privaten Haushalte reagieren auf den optimistischeren Wirtschaftsausblick mit verstärkter Konsumneigung. Sie trauen sich (unterstützt durch
steigende Haushaltseinkommen und erste
Preissteigerungen am lange Zeit gemiedenen Immobiliensektor) zunehmend, ihre gewaltigen Ersparnisse auch in Konsumnachfrage umzusetzen. Die Verbraucherausgaben machen rund
55 % der Wirtschaftsaktivität in Japan aus. Auch
während des tendenziell schwachen zweiten
Quartals hat sich der private Konsum erstaunlich
gut gehalten und trug so zum Wirtschaftswachstum bei. Das Konsumentenvertrauen wird
außerdem durch den starken Arbeitsmarkt unterstützt: Die Arbeitslosenrate liegt mit rund 4 % auf
einem 8-Jahrestief (nur halb so hoch wie in der
Eurozone), und dementsprechend kommen derzeit auf 100 Arbeitssuchende bereits 109 freie
Stellenangebote!1
„ Angetrieben vom privaten Konsum ist auch der
Industriesektor sehr stark, was sich in deutlichen
Zunahmen von Investitionen und einem stabilen
Wachstum der Industrieproduktion zeigt. Der
Anstieg der Investitionen war hauptausschlaggebend für das Wirtschaftswachstum im zweiten
Quartal. Die Unternehmen haben nach Jahren
der Konsolidierung einigen Investitionsbedarf
angehäuft, den sie jetzt in Neuinvestitionen umsetzen. Auch der Blick in die Zukunft ist äußerst
optimistisch, wie aus dem Tankan-Bericht für das
zweite Quartal hervorgeht: Der Diffusionsindex
für die Stimmung von Großunternehmen des verarbeitenden Gewerbes stieg auf 21 nach 20
Punkten im ersten Quartal. Dabei bedeutet ein
Wert über Null, dass sich die Mehrzahl der
Unternehmen zuversichtlich zeigt. Interessant ist
1 Die natürlich oft nicht zur Qualifikation des Arbeitssuchenden passen deshalb auch in Japan ein gewisser Sockel an struktureller
Arbeitslosigkeit.
auch der Teilindex zu den geplanten Kapitalausgaben, da die befragten Unternehmen angegeben haben, ihre Investitionen bis zum Ende
des Geschäftsjahres im März 2007 voraussichtlich um 11,6 % zu erhöhen.
„ Nicht weniger optimistische Erwartungen hat
der Dienstleistungssektor, wenn man den
stetigen Anstieg des Tertiary Sector Index
betrachtet. Angesichts der konjunkturellen Zuversicht sowohl des sekundären als auch des tertiären Sektors dürfte sich die Wirtschaftserholung auf absehbare Zeit fortsetzen.
„ Die staatliche Binnennachfrage geht allerdings
zurück, was der Hauptgrund für das langsame
Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal war.
Besonders wirkten sich hier die gesunkenen
Investitionen in den Wohnungsbau und in öffentliche Bauvorhaben aus. Angesichts des
Bestrebens der Regierung, das Staatsdefizit vor
Zinszahlungen bis 2011 völlig abzubauen,
kommt diese Entwicklung wenig überraschend.
„ Auch der japanische Außenhandel legte im
zweiten Quartal eine unterdurchschnittliche
Performance hin. Doch es sind nicht die Exporte
eingebrochen, auch wenn die Wachstumsverlangsamung in den USA das vermuten lassen
könnte - ganz im Gegenteil: es ist weiterhin ein
kontinuierlicher Anstieg der Exporte zu beobachten (auch bei den Exporten in die USA). Die
Importe haben allerdings stark zugenommen,
was der Grund für den Rückgang der
Nettoexporte ist. Es sind vor allem die Ölimporte, für die die Japaner tiefer in die Tasche greifen mussten. Die nachstehende Grafik zeigt sehr
anschaulich, dass die Importe aus Öl-exportierenden Ländern aufgrund des hohen Ölpreises
stark zugenommen haben, was den Leistungsbilanzüberschuss zuletzt deutlich schrumpfen
lassen hat.
Bei den Exporten profitiert Japan besonders
stark vom ungebrochenen Wachstumsboom in
Asien. Die japanischen Exporte in die asiatischen Länder haben sich in den letzten Jahren
besonders dynamisch entwickelt, und sowohl
nach Gesamtvolumen als auch bei den
Zuwachsraten andere Exportziele wie Europa
oder die USA bereits weit hinter sich gelassen.
Besonders hervorheben wollen wir an dieser
Stelle die starke Handelsverflechtung mit dem
boomenden China. Die japanischen Exporte
nach China nahmen in den letzten 12 Monaten
durchschnittlich um 22 % p.a. zu. Anstatt sich
vor dem Billiglohnland China zu fürchten, versteht es die japanische Exportwirtschaft offen-
3
Japan
sichtlich ausgezeichnet, trotz ähnlich hoher
Lohnkosten wie in Europa oder den USA überdurchschnittlich von der gewaltigen wirtschaftlichen Aufholdynamik Chinas zu profitieren, für
die es z.B. die Investitionsgüter liefert.
3.500
3.000
Die Inflation steigt weiter
2.500
2.000
1.500
1.000
500
99
00
01
02
03
04
05
06
Japans Exporte nach Asien (inkl. Mittlerer Osten)
Exporte nach Westeuropa
Exporte in die USA
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
in Mrd. JPY
…aber Ölimporte belasten Leistungsbilanz
1.200
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
-0,5
-1,0
-1,5
-2,0
-2,5
Prognose
in Mrd. JPY
Japan profitiert vom Boom in Asien…
positive Kerninflation erreicht werden (Prognose
2006: +0,6 % p.a.), womit die Deflationsphase in
Japan überwunden ist. Der BIP-Deflator dürfte es
hingegen erst frühestens 2007 in positives Terrain
schaffen. Durch das kräftige Wirtschaftswachstum
steigt auch der Preisdruck zunehmend. Zusätzlich
wirkt der hohe Ölpreis inflationstreibend, weswegen die Kerninflation bis ins nächste Jahr in einigen
Monaten durchaus auf 1,0 % p.a. (und darüber)
ansteigen könnte.
95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07
Kerninflation, % p.a.
Preisentwicklung BIP (BIP-Deflator), % p.a.
900
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
600
300
0
-300
-600
-900
-1.200
99
00
01
02
03
04
05
06
Japans Nettoexporte (Exporte minus Importe)
gegenüber öl-exportierenden Ländern
gegenüber nicht-öl-exportierenden Ländern
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Nach vielen Jahren mit fallendem Preisniveau hat
Japan seit einigen Monaten seine Deflationsphase
überwunden: Seit November 2005 liegt die
Inflationsmesslatte der japanischen Notenbank,
nämlich die Kerninflation (Inflationsrate exklusive
verderbliche Nahrungsmittel, die oft sehr volatil
schwanken) über Null. Sie konnte sich im ersten
Halbjahr 2006 bei rund 0,5 % p.a. halten, sank
aber aufgrund einer neuen Berechnungsgrundlage
im Juli auf 0,2 % p.a. ab.2 Damit dürfte heuer erstmals seit der Asienkrise 1998 eine im Jahresschnitt
Auch wenn das Wirtschaftswachstum in diesem
Jahr noch sehr hoch ausfallen dürfte, erwarten wir
für 2007 eine konjunkturelle Verlangsamung. Diese
Entwicklung führen wir auf die zyklische Sättigung
der Investitionsnachfrage, die Verlangsamung des
US-Wirtschaftswachstums auf Grund einer Abkühlung des US-Immobilienmarktes (vgl. dazu z.B.
unsere Spezialpublikation zum US-Immobilienmarkt
vom 13. Juni 2006) und die von uns erwartete YenAufwertung zurück. Insbesondere unter den beiden
letztgenannten Faktoren werden die japanischen
Exporteure zu leiden haben, obwohl die japanische
Wirtschaft inzwischen durch die Erholung der
Inlandsnachfrage und durch die boomenden
Exporte nach Asien gut unterstützt ist. Für eine solche Beeinflussung spricht aber allein schon der gute
Vorlauf, den der wichtigste US-Konjunkturindex
(ISM) für die japanische Industrieproduktion hat.
Eine japanische Konjunkturverlangsamung sollte
sich aber auch in einen deutlichen Rückgang der Investitionen auswirken, was die Konjunkturdelle
noch vergrößern dürfte. Zusätzlich könnte auch der
hohe Ölpreis für niedrigere Wachstumsraten
sorgen.
2 Nach alter Berechnungsgrundlage hätte es einen Preisanstieg von
0,6 % p.a. gegeben. Die Berechnungsgrundlage wird alle fünf Jahre
geändert, um unter anderem den berücksichtigten Warenkorb veränderten Kauftrends anzupassen.
4
Japan
US-Abkühlung würde auch Japan bremsen
106
104
102
100
98
96
94
92
90
88
86
65
60
?
55
50
45
40
96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07
USA Konjunkturindex (ISM)
japanischer Industrieproduktions-Index (r. Skala)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
In Summe sollte trotz des "Sommergewitters" im
zweiten Quartal die konjunkturelle Schönwetterlage
heuer noch anhalten. Allerdings wird sich dann das
Wachstumstempo nach bereits mehr als vier Jahren
dauernder Erholungsphase allmählich verlangsamen. Wir gehen von BIP-Zuwachsraten von 2,6 %
für 2006 und 2,0 % für 2007 aus, so dass sich das
Wachstum an das auf 1,5 % bis 2 % geschätzte
Potenzialwachstum annähern wird. Einen Rückfall
in die Deflation halten wir aber für unwahrscheinlich, immerhin sollte die Inflationsrate von 0,5 % im
Jahr 2006 auf 0,8 % im Jahr 2007 ansteigen. Der
Konsensus sieht diese zentralen Konjunkturgrößen
sehr ähnlich.3
Japan Wirtschaftsprognosen
2004
BIP (real, % p.a.)
VPI (% p.a.)
Kerninflation (% p.a.)
Leistungsbilanz*
Budgetsaldo*
2,3
0,0
-0,4
3,7
-6,7
2005 2006e
2,6
-0,3
-0,2
3,6
-6,3
2007f
2,6
0,5
0,5
3,3
-5,5
2,0
0,8
0,8
2,8
-5,0
* in % des BIP
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Japan stellt langsame Zinserhöhung in Aussicht
Die Bank of Japan (BoJ) hat ihren geldpolitischen
Sonderweg beendet. Im Juli hat sie ihren Leitzins den Zielsatz für Tagesgeld - um 25 Basispunkte auf
0,25 % erhöht und damit ihre jahrelange Ära der
Nullzinspolitik beendet. Zudem sprachen sich die
Währungshüter mehrheitlich dafür aus, den
Diskontsatz von bisher 0,1 % auf 0,4 % anzu-
heben. Da die japanische Wirtschaft eine jahrelange Stagnation und Deflation überwunden hat,
kann sich nun auch die japanische Notenbank dem
globalen Zinserhöhungszyklus anschließen.
Die BoJ betonte, dass diese erste Zinsanhebung nur
der erste Schritt einer langsamen, aber stetigen
Straffung der Geldpolitik in Japan war. Eine geldpolitische Normalisierung ist notwendig, um ein
Heißlaufen der japanischen Investitionen zu verhindern. Da die Wirtschaft in Japan derzeit sehr kräftig wächst, ermuntert das billige Geld immer mehr
Firmen zum Investieren. Im Unterschied zum Jahr
2000 hat sich die japanische Wirtschaft mittlerweile so kräftig erholt, dass eine Normalisierung
der Geldpolitik der Konjunktur nicht schaden dürfte.
Platz für Zinsanhebungen gäbe es schließlich
genug: Unserer Meinung liegt das neutrale Leitzinsniveau zwischen 2,5 % und 3,0 %, basierend auf
dem Wachstumspotenzial zwischen 1,5 % und
2,0 % p.a. und einer angestrebten Inflationsrate
von ungefähr 1 %. Allerdings betonte Notenbankchef Toshihiko Fukui, dass die BoJ "nicht die Absicht habe, fortlaufend die Zinsen zu erhöhen",
weswegen die Zinserwartungen in Japan derzeit
relativ niedrig sind. "Zügige Zinsanhebungen würden Geldpolitik und Konjunkturentwicklung aus der
Balance werfen. Die Gefahr, dass die japanische
Wirtschaft wieder in die Deflation abrutsche, sei
jedoch deutlich gesunken", sagte der oberste
Währungshüter. Ein weiterer Grund für die niedrigen Zinserwartungen ist die Forderung der Regierung, dass die BoJ mit ihren Zinsanhebungen noch
zuwarten sollte. Vor allem Finanzminister
Sadakazu Tanigaki fürchtet angesichts der ausufernden Staatsverschuldung, die bei 170 % des BIP
liegt, höhere Zinszahlungen. Und schließlich sind
aufgrund der zuletzt tiefen Kerninflationsrate im Juli
(0,2 % p.a.) die Zinserwartungen in den Keller
gesunken.
Unserer Meinung nach ist der Markt hinsichtlich der
Zinserwartungen zu pessimistisch eingestellt. Da
wir erwarten, dass das Wirtschaftswachstum sich
fortsetzt, sollte auch die Straffung der Geldpolitik
weitergehen. Die Ausführungen zur Durchführung
der Geldpolitik lassen unseres Erachtens wenig
Zweifel an dem Bestreben der Notenbank, die
Geldpolitik zu normalisieren. Dieser Prozess dürfte
sich jedoch graduell und in Abhängigkeit von der
Datenlage vollziehen. Notenbankpräsident Fukui
wiederholte auf der begleitenden Pressekonferenz,
dass es keinen festgelegten Zeitpunkt für weitere
Zinsanhebungen gebe. Auf welche Indikatoren
sollte man daher in Zukunft achten?
3 Der Konsensus rechnet mit einem BIP-Wachstum von 2,9 % für 2006
und 2,2 % für 2007 bzw. mit einer Inflationsrate von 0,6 % für 2006 und
0,7 % für 2007 (Consensus Economics, 14. August 2006)
5
Japan
Spannend wird sicher der nächste Tankan-Bericht
der BoJ am 2. Oktober. Einige Notenbanker erwarten bereits, dass diesem Bericht zufolge Unternehmen planen, ihre Investitionen noch stärker zu
erhöhen (nachdem sie im letzten Tankan-Bericht
angegeben hatten, ihre Investitionen bis März
2007 um 11,6 % erhöhen zu wollen). Sollte der
Konjunkturbericht also signalisieren, dass sich die
schon in der Vergangenheit sehr starken Investitionen zu überhitzen drohen, könnte dies die BoJ
zum Handeln veranlassen. Schon die letzte Zinsanhebung wurde mit Blick auf die starken Investitionen
begründet, um die erneute Entwicklung einer
"Bubble" wie in den Achtziger Jahren mit entsprechend negativen Folgen zu vermeiden.
Wir sehen die nächste Zinsanhebung von 25 Basispunkten somit im vierten Quartal, wobei die
Chancen hoch sind, dass die BoJ am 13. Oktober
tätig wird, wenn der Tankan-Bericht erwartungsgemäß positiv ausfällt. Es könnte aber auch sein,
dass die BoJ noch die BIP-Zahlen für das dritte
Quartal abwartet und somit erst am 16. November
reagiert. Im Jahr 2007 dürfte eine voraussichtlich
festere Tendenz des Yen die Notenbank danach zu
einer abwartenden Haltung veranlassen. Die oben
erläuterte Wachstumsverlangsamung im nächsten
Jahr sollte auch dazu beitragen, dass die BoJ sehr
zögerlich reagieren wird. In ihrer Analyse der mittel- bis langfristigen Risiken betont die BoJ jedoch
die Stabilitätsrisiken, die sich aus einer lange Zeit
sehr expansiven Ausrichtung der Geldpolitik ergeben (Gefahr von Überinvestitionen). Die derzeitigen
Anzeichen für eine signifikante investitionsbedingte
Beschleunigung des Kreditwachstums bestätigen
dieses Bild. Daher rechnen wir im ersten Halbjahr
2007 mit einer weiteren Zinsanhebung von 25
Basispunkten, sodass der Leitzins Mitte 2007 somit
bei 0,75 % liegen sollte.
Zinserhöhung geht weiter
2
Prognose
Die Inflationsrate scheint dabei kein geeigneter
Indikator zu sein, da wir nicht davon ausgehen,
dass die Änderung der Verbraucherpreise deutlich
über 1 % p.a. klettern könnte. Der erwartete Preisauftrieb ist somit mit den Grundvorstellungen der
Notenbank von Preisstabilität vereinbar, weswegen
die BoJ inflationsseitig wenig Eile hat, die Zinsen
anzuheben. Andererseits sehen wir wie die BoJ
wenig Chancen, dass die japanische Wirtschaft in
die Deflation zurückrutscht, womit die wichtigste
Bedingung für weitere Zinsanhebungen erfüllt
bleibt. Ein brauchbarer Indikator könnte aber der
BIP-Deflator sein, der sich derzeit noch immer im
negativen Bereich befindet. Da sich die Regierung
nach diesem Indikator orientiert, hat sie offiziell
noch immer nicht das Ende der Deflation ausgerufen. Damit argumentiert die Regierung gegenüber
der BoJ, dass sie mit weiteren Zinsanhebungen zuwarten sollte. Der BIP-Deflator sollte es aber erst im
Jahr 2007 in positives Terrain schaffen - wird es
also bis dahin eine Zinspause geben? Unserer
Ansicht nicht, denn das offizielle Ende der Deflation
könnte die Regierung schon wesentlich früher verkünden: Im September scheidet Premier Junichiro
Koizumi aus dem Amt, dem wahrscheinlich der
"offizielle Sieg über die Deflation" geschenkt werden wird. Sein vermutlicher Nachfolger, Shinzo
Abe, erklärte jedenfalls unlängst: "Das Ende der
Deflation kommt in Sicht".
2
1
1
0
0
-1
-1
95
97
99
01
03
05
07
JPY Overnight Zins (Leitzins)
Kerninflation Japan, % p.a.
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Mit dem Anstieg der kurzfristigen Zinsen sollten
sich auch die längerfristigen Zins- und Kapitalmarktsätze weiter nach oben bewegen. Obwohl
zuletzt aufgrund fallender Renditen in den USA und
in der Eurozone auch die japanische 10J-Rendite
fiel, sprechen die wichtigsten Einflussfaktoren nun
wieder für steigende Renditen: Besonders bis
Anfang 2007 erwarten wir noch größere Renditeanstiege, da die Konjunktur robust bleiben und die
Inflationsrate ansteigen sollte. Zusammen mit den
von uns erwarteten Zinsanhebungen sollte die japanische 10J-Rendite bis zum Jahresende 2006 auf
2,10 % ansteigen. Wenn sich 2007 die Konjunktur
verlangsamt, die BoJ mit ihren Zinsanhebungen nur
sehr zögerlich reagiert und international das
Umfeld für Anleihen günstiger wird, sollte der
Renditeanstieg etwas gemäßigter ausfallen. Im Juni
2007 erwarten wir die 10J-Rendite bei 2,30 %.
6
Japan
Renditedifferenz zur Eurozone
3,00
1,8
2,75
1,6
1,4
2,50
1,2
2,25
1,0
2,00
0,8
0,6
1,75
2J
3J
4J
5J
6J
7J
8J
9J
10J
Renditedifferenz EUR - JPY (in %)
JPY-Renditestruktur (in %, r. Skala)
Quelle: Reuters, Raiffeisen RESEARCH
JPY-Zins-/Renditestruktur
2,4
2,0
daten (u.a. niedriges BIP im zweiten Quartal, niedriger Verbraucherpreisindex im Juli) und aufgrund
zögerlicher Aussagen seitens der Notenbank und
der Regierung äußerst niedrig sind, ist der
Zinsausblick in der Eurozone relativ aggressiv. In
der Eurozone hat sich der Konjunkturausblick
rasant verbessert, und wir erwarten wie der Markt
bis zum Jahresende noch zwei Zinsanhebungen,
sodass der Leitzins dann bei 3,50 % liegt. In Japan
hingegen gehen sowohl wir als auch der Markt in
diesem Jahr nur mehr von einer Zinsanhebung aus,
was der Hauptgrund für die derzeitige Yen-Abschwächung ist. Auf einem Währungsmarkt, der
immer noch sklavisch der Entwicklung der Zinserwartungen folgt, gab das dem Euro bzw. EUR/JPY
entsprechenden Auftrieb. Diese Entwicklung zeigt
die folgende Grafik, die die relative Entwicklung
der einjährigen Geldmarktzinsen in Euroland bzw.
Japan zeigt (konkret: Differenz 1-Jahreszins
Euroland zu 1-Jahreszins Japan), die im Wesentlichen die unterschiedliche Entwicklung der
Zinserwartungen widerspiegeln.
Zinsdifferenz treibt derzeit EUR/JPY…
1,6
3,0
1,2
146
2,8
0,8
2,6
0,4
2,4
3 1
3M
aktuell
2
3
4
5
Sep.06
6
7
Dez.06
8
9
1
10
2,2
Jun.07
2,0
Quelle: Reuters, Raiffeisen RESEARCH
Kurzfristig kein Ende der YenSchwäche in Sicht
Der Euro setzt seine Rekordjagd gegenüber dem
Yen fort und nähert sich der psychologisch
wichtigen Marke von EUR/JPY 150. Der
Abwärtstrend zulasten des Yen, der in diesem Jahr
gegenüber dem Euro schon 8 % an Wert verloren
hat, scheint somit weiter uneingeschränkt intakt zu
sein. Die guten japanischen Wirtschaftsdaten und
die Zinsanhebung im Juli scheinen vom Markt völlig
ignoriert worden zu sein.
Dabei ist der Yen so stark unterbewertet wie seit
zwanzig Jahren nicht mehr. Der Grund ist, dass der
Yen unter den niedrigen japanischen Zinsen litt und
immer noch leidet. Denn während die japanischen
Zinserwartungen aufgrund der letzten Konjunktur-
1,8
Jän.04
141
136
131
126
Jul.04
Jän.05
Jul.05
Jän.06
Jul.06
1J-Zinsdifferenz EUR minus JPY
EUR/JPY (r. Skala)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Beim Währungspaar USD/JPY erklärten bis ins
zweite Quartal ebenfalls die Zinserwartungen die
Wechselkursbewegung, seither funktioniert das
Zinsargument nicht mehr. Die Trendwende kam in
dem Augenblick, als das Ende des USZinsanhebungszyklus absehbar war. Durch die
damit zusammenhängende US-Dollar-Abwertung
konnte der Yen gegenüber dem Greenback aufwerten. Der Verlauf des Wechselkurses USD/JPY ist
nun vielmehr durch US-spezifische Themen beeinflusst, und zeigt sich angesichts abwechselnd
schlechter US-Konjunkturdaten mit hohen USInflationszahlen relativ volatil.
7
Japan
…während bei USD/JPY die Zinsdifferenz
zuletzt keine Rolle spielte
5,0
120
4,5
115
4,0
110
3,5
105
3,0
2,5
Jän.05
Mai.05
Sep.05
Jän.06
Mai.06
100
Sep.06
1J-Zinsdifferenz USD minus JPY
USD/JPY (r. Skala)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Wir denken, dass sich EUR/JPY ähnlich verhalten
wird: Vorerst sollte der Yen aufgrund des Zinsarguments noch weiter gegenüber dem Euro
abwerten, da die Einflussfaktoren, die die japanischen Zinserwartungen niedrig halten und damit
den Yen abschwächen, noch zumindest bis zum
Jahresende wirken sollten. Erst im Jahr 2007, wenn
in der Eurozone der Zinshöhepunkt erreicht ist (und
in den USA die erste Zinssenkung diskutiert wird),
in Japan die Zinsen aber trotzdem noch weiter
steigen, sollte das Zinsargument den Yen unterstützen. Aber erst sobald sich dieser Umschwung vollzieht, hat der Yen eine echte Chance, seinen
Abwertungstrend zu stoppen.
Kurz- und mittelfristig sollte der Yen auch unter der
US-Wachstumsverlangsamung leiden. In der
Vergangenheit wertete der Yen in der Regel dann
auf, wenn das globale Konjunkturumfeld günstig
war, und eine globale Wachstumsverlangsamung
schadete normalerweise dem Yen. Gegenüber dem
Euro könnte der Yen daher bis Jahresende in
Richtung EUR/JPY 154 abwerten. Da der US-Dollar
aber noch stärker abwerten sollte (Ende des USZinsanhebungszyklus aufgrund der Konjunkturverlangsamung in den USA), dürfte der Yen zum
US-Dollar leicht profitieren. Im Dezember 2006 sollte der Yen bei USD/JPY 114 liegen.
Die Yen-Schwäche wäre nicht weiter bemerkenswert, gäbe es nicht einige langfristige Gründe,
deretwegen der Yen eigentlich sehr stark sein
sollte:
„ Berücksichtigt man die unterschiedliche Inflationsentwicklung zwischen Japan und dem Rest
der Welt, so ist der Yen derzeit so billig wie
zuletzt vor zwanzig Jahren! Angesichts der viel
tieferen Inflationsraten Japans im Vergleich zu
den Handelspartnern in den letzten Dekaden
haben sich die japanischen Exporte laufend verbilligt. Laut Kaufkraftparitätentheorie sollte das
langfristig durch eine Aufwertung des YenWechselkurses ausgeglichen werden, was im
Schnitt der letzten Jahrzehnte auch ganz gut
funktioniert hat. Trotz zeitweiliger Über- und
Unterbewertungen kehrte sowohl USD/JPY als
auch EUR/JPY immer wieder zu seinem "fairen"
Wert zurück. Die Unterbewertung des Yen hat
mittlerweile extreme Werte erreicht: So würde
die Inflationsdifferenz für "faire" Werte von
USD/JPY 100 bzw. EUR/JPY 120 sprechen, wie
die nachfolgenden Grafiken veranschaulichen.4
Inflationsdifferenz spricht für stärkeren
JPY sowohl gegenüber dem USD…
160
150
140
130
120
110
100
90
80
87
89
91
93
95
97
99
01
03
05
USD/JPY
USD/JPY (gemäß PPI)
USD/JPY (gemäß VPI)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
… als auch gegenüber dem EUR
210
190
170
150
130
110
90
87 89
91
93 95
97
99 01
03
05
EUR/JPY
EUR/JPY (gemäß PPI)
EUR/JPY (gemäß VPI)
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
4 Es ist uns bewusst, dass die letzten 20 Jahre willkürlich gewählt wurden.
Dennoch scheint die Inflationsdifferenz als langfristige Richtschnur für die
Wechselkursentwicklung von USD/JPY und EUR/JPY sehr gut zu funktionieren.
8
Japan
„ Während die USA mit einem ausufernden
Leistungsbilanzdefizit kämpfen, das langfristig
zu einer deutlichen US-Dollar-Abwertung führen
dürfte, sollte der Yen langfristig von einem
hohen Leistungsbilanzüberschuss Japans profitieren.
Hoher Leistungsbilanzüberschuss Japans
6
4
Konjunkturdynamik spricht für den JPY
110
90
105
100
100
110
95
120
90
130
85
140
80
2
150
97 98 99 00 01 02 03 04 05 06
0
Japan Konjunkturindikator
-2
USD/JPY (r. Skala, invertiert!)
-4
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
-6
-8
90
92
94
96
98
00
02
04
06
Japan Leistungsbilanz in % des BIP
USA Leistungsbilanz in % des BIP
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
„ Eine absehbare weitere Aufwertung der chinesischen Währung Yuan (Renminbi) zum US-Dollar
in den nächsten Quartalen und Jahren wird
(trotz des sehr langsamen und kontrollierten
Aufwertungstempos) auch für den japanischen
Yen langfristig den Aufwertungsspielraum
gegenüber dem US-Dollar vergrößern. Auf Sicht
von zwölf Monaten erwarten wir immerhin eine
Aufwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar
von rund 5 % (von derzeit USD/CNY 7,95 auf
USD/CNY 7,60).
„ Dazu kommt, dass auch das Konjunkturmomentum für einen stärkeren Yen spricht. Der
Zusammenhang zwischen Yen und japanischer
Konjunkturentwicklung hat sich über viele Jahre
und mehrere Konjunkturzyklen hinweg als sehr
robust herausgestellt. Stärkephasen der japanischen Konjunktur führten in den vergangenen
Jahren üblicherweise auch zu einer Aufwertung
des Yen gegenüber dem US-Dollar, während bei
einem Nachlassen der Konjunkturdynamik in
Japan auch der Yen zur Schwäche neigte. Seit
2005 hat sich hier allerdings eine große Lücke
aufgetan zwischen dem positiven Konjunkturausblick und dem ungewöhnlich schwachen Yen.
Ab dem nächsten Jahr, wenn die Zinsschere zuungunsten des Yen nicht mehr weiter auseinander
gehen sollte, dürften diese langfristigen Argumente
für eine Yen-Aufwertung wieder relevant werden. In
der Vergangenheit folgte auf Phasen deutlicher
Unterbewertung des Yen eine explosionsartige
Aufwertung des Yen, die umso heftiger ausfiel, je
länger und drastischer die Unterbewertung vorher
war. Seit 1990 gab es bereits zwei solcher raschen
Aufwertungsphasen, und zwar von September
1992 bis August 1993, als der Yen gegenüber
dem Euro um mehr als 80 % aufwertete, und von
August 1998 bis Oktober 2000, als die
Aufwertung gegenüber dem Euro mehr als 60 %
ausmachte. Da EUR/JPY bereits ein 8-Jahres-Hoch
erreicht hat, wird die Gefahr einer deutlichen
Korrektur immer größer. Auch wenn es derzeit noch
nicht absehbar ist, wäre angesichts der starken
Verschuldung des Marktes im Yen als derzeit billigste Finanzierungswährung im Laufe des nächsten
Jahres eine massive Yen-Aufwertung vorstellbar,
wenn aufgrund steigender Zinsen viele Investoren
gleichzeitig aus ihren Yen-Verbindlichkeiten aussteigen wollen, dazu Yen zurückkaufen müssten
und so den Yen stark aufwerten ließen!
Soweit dies derzeit absehbar ist, erwarten wir im
nächsten Jahr aber eine eher moderate YenAufwertung, da die Bank of Japan (BoJ) angesichts
der Konjunkturabschwächung nur langsam die
Zinsen normalisieren dürfte. Und umgekehrt wird
die BoJ die Zinsen deswegen nur langsam anheben, um eine zu starke Aufwertung des Yen zu vermeiden. Besonders die Regierung würde den Yen
eher schwach halten, um die japanische
Exportwirtschaft zu unterstützen.
9
Japan
Im ersten Quartal 2007 dürfte der Trendwechsel hin
zu einer Aufwertung des Yen gegenüber dem Euro
erfolgen. Eine deutliche Aufwertungsbewegung des
Yen gegenüber dem Euro sehen wir aber erst im
zweiten Quartal, wobei der Wechselkurs im Juni
2007 bei EUR/JPY 149 liegen sollte. Auch gegenüber dem US-Dollar dürfte der Yen dann stärker aufwerten, sodass das unser Juni-Ziel für USD/JPY bei
109 liegt. Von einer Finanzierung im japanischen
Yen raten wir spätestens ab dem nächsten Jahr
dringendst ab!5
90-Tage Verlauf FX Vola zum EUR
18%
16%
14%
12%
10%
8%
6%
4%
2%
Wechselkurse EUR/JPY und USD/JPY
0%
Sep.99
150
140
140
Prognose
150
130
130
120
120
110
110
100
Jän.02 Jän.03 Jän.04 Jän.05 Jän.06 Jän.07
100
EUR/JPY
USD/JPY
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Prognosen
aktuell Sep.06 Dez.06 Mär.07 Jun.07
EUR/JPY
USD/JPY
EUR/USD
149,5
116,7
1,281
150
115
1,30
154
114
1,35
153
113
1,35
149
109
1,37
Quelle: Reuters, Raiffeisen RESEARCH
Zum Schluss ein wichtiger Warnhinweis! Wie der
folgende Chart zeigt, schwankt der Kurs des Yen
deutlich stärker als beispielsweise der des
Schweizer Franken. Der Yen ist eine hochgradig
volatile und riskante Währung, die mit großer
Vorsicht behandelt werden sollte.
Perioden, in denen sich der Yen weit von seinem
fundamental gerechtfertigten Niveau entfernt, sind
keine Seltenheit (wie zuletzt 1998-2000, als der
Yen binnen 2 Jahren um rund 80 % auf EUR/JPY
90 aufwertete).
5 Vom erwarteten Wechselkursniveau zum Jahreswechsel (EUR/JPY 154)
würde der weiterhin bestehende Zinsvorteil des JPY auf Jahressicht bereits
durch eine minimale Aufwertung auf EUR/JPY 150 mehr als kompensiert,
jede JPY-Aufwertung unter dieses Niveau würde eine JPY-Finanzierung
deutlich teurer als eine EUR-Finanzierung machen.
Jän.01
Mai.02
USD
Sep.03
JPY
Jän.05
Mai.06
CHF
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Die Währung profitiert vom hohen Leistungsbilanzüberschuss Japans (rund 3 % des BIP), der
die Nachfrage nach Yen hoch hält, und sie ist
gleichzeitig stark von Kapitalströmen abhängig.
Diese können zu starken und unvorhergesehenen
Ausschlägen des Yen-Kurses in beide Richtungen
führen, die sich kaum prognostizieren lassen und
daher in unseren Prognosen nicht berücksichtigt
werden können.
Da Auslöser und Ausmaß solcher Flüsse aber kaum
zu prognostizieren sind, können wir nur versuchen,
eine Abschätzung der zu erwartenden YenEntwicklung anhand der uns vorliegenden fundamentalen Faktoren zu geben. Die tatsächliche YenEntwicklung hängt auch von vielen Unwägbarkeiten (wie z.B. Kapitalrepatriierungen) ab, die den
Yen durchaus für längere Zeit in eine andere
Richtung treiben können, ohne dass sich an den
Fundamentaldaten etwas ändern müsste.
Man sollte sich daher nur dann mit dieser Währung
einlassen, wenn man über genug Liquidität und
Durchhaltevermögen verfügt, um auch solche
Phasen durchtauchen zu können, in denen die YenEntwicklung längere Zeit Verluste verursacht.
Achtung! Einen aktuellen Kurzkommentar zum japanischen Yen und anderen wichtigen Wechselkursen
bzw. zu wichtigen Ereignissen im Zusammenhang
mit diesen Währungen, inklusive der stets aktuellen
Prognosen, finden Sie auch in unserer wöchentlichen Währungspublikation "Fokus FX" (jeden
Dienstag neu), sowie in ad-hoc erfolgenden
Kurzaussendungen. Ihr Raiffeisen-Kundenbetreuer
wird diese auf Anfrage gerne an Sie weiterleiten.
10
Japan
Anhang
Zinsvorteil vs. Wechselkurs
Ertragsprofil eines Yen-Kredites
mit variabler Verzinsung in
Abhängigkeit vom EUR/JPY-Kurs
Aufwertungsphasen von deutlich mehr als 25 %
keine Seltenheit. Allein zwischen Oktober 1998
und Oktober 2000 stieg der Wert des JPY gegenüber dem ATS von ATS/JPY 8,5 auf ATS/JPY 15,5
an, eine Aufwertung des JPY zum ATS (bzw. EUR)
von rund 82 % !
Der bestimmende Faktor bei der Kalkulation der
Vorteilhaftigkeit eines Fremdwährungskredites ist
(neben der Zinsdifferenz) der erwartete Verlauf des
Wechselkurses. Eine Aufwertung der Kreditwährung macht über die teurere Rückzahlung den
Vorteil niedrigerer Zinsen während der Laufzeit des
Kredites schnell zunichte, insbesondere bei einer
so stark schwankenden Währung wie dem JPY.
Als weitere Entscheidungshilfe soll die beigefügte
Grafik dienen. Abgebildet ist der Kreditverlauf
eines EUR (ATS)- und eines JPY-Kredits. Beide werden auf Grund der historischen Geldmarktzinsen
(3M Vibor bzw. Euribor sowie 3M Libor) sowie der
historischen Wechselkurse (ATS/JPY bzw.
EUR/JPY) berechnet. Der Kredit wurde vor zehn
Jahren aufgenommen, die Information bezieht sich
somit im Gegensatz zur Tabelle nicht auf ein mögliches Zukunftsszenario, sondern auf die tatsächlich
erfolgte monatliche Entwicklung. Liegt die Linie des
Fremdwährungskredits oberhalb des EUR (ATS)Kredits, so hat die Aufwertung des JPY den
Zinsvorteil mehr als wettgemacht. Liegt die Linie des
Fremdwährungskredits unterhalb, so hätte sich der
JPY-Kredit gerechnet. Wie die Grafik zeigt, sind
also Einstiegs- sowie Ausstiegszeitpunkt wichtige
Determinanten der Profitabilität eines JPY-Kredites.
Die hier vorgestellte Tabelle soll dabei eine
Entscheidungshilfe bieten. Ausgehend vom aktuellen Zinsniveau (3-Monats LIBOR) in JPY und EUR
wird der Zinsvorteil eines JPY-Kredites errechnet
(zur Zeit 2,85 %). Aus dieser jährlichen Zinsersparnis wird die maximale Aufwertung des JPY
gegenüber dem EUR (und damit implizit auch
gegenüber dem ATS) berechnet, die durch den
Zinsvorteil des JPY-Kredites gerade noch gedeckt
ist. Zu diesem Zweck muss natürlich eine Annahme
über den Verlauf der Zinsdifferenz getroffen werden. Wir unterstellen für diese Berechnung, dass
sich die Geldmarktzinsdifferenz zwischen JPY und
EUR 2006 rund 2,5 % beträgt und anschließend
(durch Zinsanhebungen in Japan) auf durchschnittlich rund 2 % absinkt.
Kreditentwicklung im Vergleich
1,8
1,7
1,6
Die "maximale Aufwertung" ("Max.Aufw.") ist die
kumulierte Aufwertung, ab der ein JPY-Kredit in die
Verlustzone gerät. Für einen Kredit mit 10-jähriger
Laufzeit bedeutet das, dass der JPY über diese
Laufzeit maximal 22,3 % aufwerten darf. Das entspricht einem Kurs von EUR/JPY 122,3 bzw.
ATS/JPY 11,3 am Laufzeitende. Jede Aufwertung
über dieses Maß hinaus macht den JPY-Kredit teurer als einen vergleichbaren Kredit in EUR.
1,5
1,4
1,3
1,2
1,1
1,0
0,9
0,8
Aug.96
Nun mag eine mögliche Aufwertung von rund
20 % hoch erscheinen. Betrachtet man allerdings
die historische Entwicklung des JPY, so sind
Aug.98
Aug.00
Aug.02
EUR (ATS)
Aug.04
Aug.06
JPY
Quelle: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
Zinsvorteil eines variablen JPY-Kredites
aktuell
Zinsdifferenz 3M*
Max.Aufw.
EUR/JPY Kurs
ATS/JPY Kurs
2,85
149,5
9,20
2007
+1J
2008
+2J
2009
+3J
2010
+4J
2011
+5J
2012
+6J
2013
+7J
2014
+8J
2015
+9J
2016
+10J
2,5
2,5%
145,9
9,4
2,3
4,8%
142,7
9,6
2,0
6,8%
139,9
9,8
2,0
8,9%
137,3
10,0
2,0
11,0%
134,6
10,2
2,0
13,2%
132,1
10,4
2,0
15,4%
129,5
10,6
2,0
17,6%
127,1
10,8
2,0
19,9%
124,6
11,0
2,0
22,3%
122,3
11,3
Aktuell:
JPY 3M-LIBOR:
0,40 %
EUR 3M-LIBOR: 3,25 %
Zinsdifferenz:
2,85 %
* Annahme: Die Zinsdifferenz beträgt 2006 im Schnitt rund 2,5 % und sinkt anschließend auf rund 2 %.
Quelle: Reuters, Raiffeisen RESEARCH
11
Japan
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